Schlagwort: Bundestagswahl

  • 25-02-27 Eine Anmeldung zu einer Prüfungsleistung

    25-02-27 Eine Anmeldung zu einer Prüfungsleistung

    Die Mücken sind zurück. Zu den unerwarteten Plagen unserer Dachbaustelle gehörte die Mückenplage. Kurzzeitig durch Frosttage unterbrochen, fliegen die Viecher schon wieder in der Wohnung herum. Wir hoffen, dass die Bauarbeiter im Rahmen der weiteren Arbeiten auch die Stechmückenzuchtanlage wieder abbauen.

    Auch zurück ist der Schlamm der allmorgendlich auf unser Fenster gefegt wird.

    Verschwunden hingegen sind die schönen Schaffell-Hausschuhe. Denn eine Horde Kleidermotten mochte diese Schuhe noch lieber als ich sie mochte und siedelte sich dort wiederholt an.

    Ein Techem-Ableser kam, wollte aber nur zwei unserer drei Warmwasserzähler sehen. UPS lieferte Ersatzteile für Rombitombi.

    Verschwunden sind die Absperrgitter am Sachsendamm. Montag sah ich Polizei-LKWs, die diese wider einsammelten. Hätte ich Sonntag nicht wahlgeholfen hätte ich tagsüber auf der Straße herumlungern können und warten, wofür die Gitter benötigt werden.

    Aus Gründen beschäftigte ich mit intensiver mit der Microsoft-Planungssoftware MS-Planner. Und stellte dabei fest: ich denke fundamental anders. Ich denke in Strichen und Pfeile oder Verbindungen und Links; ich will Zusammenhänge und Abhängigkeiten.

    Listen sind okay. Aber sobald es graphisch wird, will ich Netzwerke und Pfade.

    Madame beobachtet bei ihren Chorproben unfreiwillig die Wanderung einer kleinen Drogenszene durch die Schöneberger U-Bahn.

    Mittwoch Abend war ich endlich wieder im Stadtbad Lankwitz. Das Bad war voll, dennoch gelang es problemlos und flüssig eine längere Strecke zu schwimmen. Wie schön. Wie gut es tat. Was nett war: mit den Badleitungen noch eine Rauchen (also sie rauchen, ich steh mit rum). Die Nettigkeit gab es nicht umsonst: Zu Recht wurde ich dafür getadelt, dass ich so lange nicht mehr im Bad war.

    Parametrische Optimierung?

    Linkerhand beginne ich das Lernen für das Klausur Informationsmanagement. Dabei nehme ich aus den Augenwinkeln war, dass auch die Einsendeaufgaben 2 mich für die Klausur qualifiziert hätten – aber ich war ja dank EA1 eh schon durch.

    Weiter bin ich mir nicht sicher, ob das wertvolle Inhalte sind oder Bullshit Bingo für Fortgeschrittene. Andererseits ist es für mich das mit Abstand arbeitsnähste Seminar; gefühlt könnte ich die Hälfte der Aufgaben aus den Unterlagen unseres „digitalen Transformationsprojektes“ lösen.

    Rechterhand meldete ich mich für die Bachelorarbeit an und besitze jetzt eine „Eingangsbestätigung zu einer Anmeldung einer Prüfungsleistung.“ Diese Anmeldung wird an den Lehrstuhl überstellt werden, der dann entscheidet.

    Ich hoffe mal, seit dem Seminar am selben Lehrstuhl vor vier Wochen hat sich nichts an der Meinung des Lehrstuhls geändert. Sollte alles so kommen wie geplant, werde ich im Juni/Juli/August 2025 eine Bachelorarbeit zur Parametrischen Optimierung schreiben.

    Auf jeden Fall habe ich mir schon ein schönes Schwimmbadbeispiel ausgedacht, an dem mensch die ganzen mathematischen Konzepte demonstrieren könnte.

    Grün-Links-AfD

    Mir scheint, alles was ich zur Bundestagswahl an sich schreiben könnte, wurde anderswo bereits besser geschrieben. Deshalb möchte mich auf Bundestagswahlereignisse mit persönlichem Bezug beschränken.

    Ein paar Ergebnisse auf Mikrolevel, jeweils die Top3 der Zweitstimmen:

    Madame zählte einen Tempelhofer Briefwahlbezirk aus (die Adressen liegen in netter Gegend mit schönen Altbauten) mit dem Ergebnis:

    • Grüne 101 Stimmen / 24,7%
    • Die Linke 93 Stimmen / 22,7%
    • CDU 84 Stimmen / 20,5%

    Unsere eigene Schöneberger Nachbarschaft hat natürlich auch gewählt:

    • Die Linke 165 Stimmen / 29,9%
    • Grüne 153 Stimmen / 27,8%
    • SPD 81 Stimmen / 14,7%

    Für die Latifundien finde ich nicht den Wahlkreis in dem wir gewählt hätten, hätten wir dort wählen dürfen, aber zumindest die Gemeinde:

    • AfD 2650 Stimmen / 31,7%
    • CDU 2413 Stimmen / 28,9%
    • SPD 1491 Stimmen / 17,8%

    Und das ist kein ländlicher Bereich. Das ist inzwischen echter Speckgürtel, in dem ein großer Teil der Einwohnerschaft in Einfamilienhäusern lebt, deren Wohngebiete erst seit 20 Jahren überhaupt erschlossen sind.

    Lindh-Arndt

    Neben den Parteien muss ich doch noch zwei MdBs würdigen

    Wahlkreis 101 Wuppertal – SPD

    Einst ereignete sich eine größere Wikipedia-Veranstaltung in Wuppertal. Diese hatte eine Eröffnungsveranstaltung. Auf dem Programm der Veranstaltung war eine Rede des örtlichen Bundestags-Abgeordnete Helge Lindh angekündigt.

    Mein Gedanke war „Ey, jetzt fahre ich extra nach Wuppertal für den Event und dann muss ich mir Politiker-Grußworte anhören? Womit habe ich das verdient?“.

    Welch Irrtum. Es folgte eine der besten Wikipedia-Reden, die ich je hörte. Von jemand, der sich richtig gut damit auskannte, großer Fan war und hervorragend begründen konnte, warum ihm die Idee einer Bildung für alle so wichtig ist. Jemand, der es verstand die Grundidee der Wikipedia und eine politische Mission zu verbinden.

    Ich war beeindruckt und wünschte Lindh, dass er möglichst lange im Bundestag bleiben kann. Es hat trotz schwer angeschlagener SPD funktioniert. Im Wahlkreis 101 gewann Helge Frederik Lindh 33% der Erststimmen und damit das Mandat. (Die SPD holte bei den Zweistimmen nur 20%, noch einmal zeigend wie sehr es ein persönliches Ergebnis ist)

    Landesliste Saarland – Die Linke

    Fast vom Stuhl gefallen wäre ich allerdings bei der Info, dass Moses Arndt in den Bundestag einzieht.

    Moses Arndt prägte meine Jugend und trug maßgeblich zur Politisierung bei. Das ZAP-Punkfanzine war laut, unangepasst, herausfordernd, links, aber viel zu wild um irgendwie vereinnahmt zu werden. Im Triumvirat aus dem Pop-Intellektuellen Martin Büsser, dem Punk-Schlager-Perry-Rhodan-Kuschelautoren Klaus N. Frick und der wilden nihilistischen Energie von Moritz Arndt entstand etwas Einmaliges.

    Natürlich halten solche Glückskonstellationen nie lange. Das ZAP hielt in seiner Blüte gerade noch so lange durch, um die zweite Auflage der Chaostage in Hannover ins Leben zu rufen. (siehe August 1995: Drei Tage Chaos in Hannover)

    Dann zerfiel es, eine letzte Tat war die Gründung der APPD, der Anarchistischen Pogo Partei Deutschlands, die aber nur ein schwacher Abglanz ehemaliger Energie darstellte.

    Büsser gründete intellektuelle Popmagazine, Frick kuschelte in einer unpolitischeren Szene vor sich hin, und von Arndt hörte man, dass er hinter runtergelassenen Jalousien in einem schwer kameraüberwachten Haus im Saarland wohnt.

    Später dann: Er hat als Arzt promoviert und ist jetzt Ringarzt bei Mixed-Martial-Arts kämpfen.

    Und jetzt: Er ist Bundestagsabgeordnete für die Linke, Landesliste Saarland. So speziell übrigens, dass ich anlässlich dessen das erste Moses-Arndt-Foto meines Lebens sehe. Das kam für mich so erwartet als würde Papst Franziskus einer queeren Volleyballmannschaft beitreten.

    Französischer Easy Listening

    Feinanteil: Als Wahlhelfer in einem sächsischen Dorf.

    Männergenerationen am Land.

    Seit langem mal wieder ein Computerspiel, das mich interessieren könnte: Caravan SandWitch durchgespielt und verblüfft

    Gunhild Rudolph fuhr nach Frankfurt und beabschlusste an der Deutschen Gartenakademie.

    Sei wie Frau Novemberregen: Ich habe ja seit einigen Wochen ein neues Hobby, nämlich lästige Bürgerin sein. Man kennt sowas ja im Rahmen des Shareholder Activism, Leute, die einem den letzten Nerv rauben, ich freue mich auf viel Korrespondenz mit meinem/meinen Wahlkreisabgeordneten

    Claudia im Schnee: Nur eineinhalb Stunden vom Bahnhof Tokyo entfernt liegt das Skigebiet Yuzawa (湯沢). Dort liegt ab Dezember bis in den April hinein Schnee, oft mehrere Meter hoch. Hat sich der Schneeanzug für unseren Sohn doch gelohnt

  • 25-02-25 Huzur (Linke 24,0%; Grüne 17,7%; AfD 12,3%)

    25-02-25 Huzur (Linke 24,0%; Grüne 17,7%; AfD 12,3%)

    Die Schweizer Quartettmeisterschaft ist zurück. Nach Jahren der Pause findet diese am 30. März 2025 in der Bibliothek Russikon ZH statt. Wie immer gilt: „Mehr ist mehr!“ und wer die meisten Karten hat, gewinnt. 

    Es gibt eine neue Baustelle. Am ehemaligen BSR-Wertstoffhof am Südkreuz rückten nach Jahren der Stille die Abrissbagger an. Der Wertstoffhof verschwindet. Vielleicht entsteht sogar die anvisierte Zentrale der Berliner Stadtreinigung. Wir hoffen seit Jahren auf eine BSR-Kantine in der Nachbarschaft.

    Die Idena-Kantine, in der wir manchmal landen, scheint fest in der Hand russisch-deutschen Personals. Um so überraschter war ich als die neue Mitarbeiterin ein spontanes „perfetto“ fielen ließ. Daraufhin fiel mir auch gleich das „Ciao“ zum Abschied auf.

    Ich beherrsche mich noch, mich von Bundestagswahlanalyse fernzuhalten. Aber dafür halt US-Politik. Ich musste lachen. Ausgerechnet.

    Rebecca Solnits neuer Newsletter scheint einen Schimmer der Hoffnung zu sehen. Es scheint, mehr relevanten Menschen fällt auf, dass der Kaiser nackt ist. Als ich ihn in der Idena-Kantine las, musste ich wirklich laut auflachen:

    What did Trump do this week? At CPAC he declared, “I beat George Washington. I love beating George Washington” and otherwise rambled incoherently and also for about 90 seconds just wandered around stage making awkward dance moves to the Village People’s 1978 disco hit „YMCA.“ At the conference, banners depicting Trump as a Roman emperor announced the „Third Term Project.“ Also this week , the White House, presumably at Trump’s behest, issued a readout of a phone call he had with Prime Minister Trudeau that included the sentence that the Canadian leader „acknowledged that President Trump is the only world leader who can push through a just and lasting peace.” Behind Trump are some very skillful and determined fans of authoritarianism, including many from Project 2025, but the incompetence, distraction, and narcissism at the top are probably rendering the project less effective and certainly less stealthy.

    Überhaupt fazinierend wie oft Solnit das schreibt was ich auch schreiben würde.

    Das Grips Theater1 inszeniert das Stück Bülowstraße, inspiriert von der gleichnamigen Platte von LEA. Das finde ich spannend. Die Bülowstraße kenne ich ja ein wenig.

    Türöffner für freie Wahlen

    Als Wahlhelfer der Reserve war ich sicher, dass ich am Wahlmorgen einen Anruf vom Wahlamt bekommen würde.

    In der Nacht davor allerdings träumte mir, dass es schon kurz nach 9 war und damit wohl doch kein Anruf käme. Dann wächte ich auf und es war kurz nach 1. Das war sehr verwirrend. Dennoch gelang es mir, bis um 7 Uhr halbwegs angezogen und dreiviertel verfrühstückt zu sein.

    Um 7:17h rief Frau O vom Wahlamt an. Ich möge mich umgehend in die Seniorenfreizeitstätte Huzur in der Bülowstraße begeben. Also schnell in die Jeans gewechselt, den letzten Schluck Kaffee getrunken und während ich im Halbschlaf durch die Wohnung torkelte, richtete Madame eine Überlebensbox mit Salamistulle und Trockenmangos.

    Kurz vor acht kam ich an. Von zehn geplanten Menschen des Wahlvorstands waren nur acht erschienen. Ich sprang ein und belegte eine Schicht von 8 Uhr bis 11 Uhr und von 16 Uhr bis Ende.

    Huzur, türkisch für Friede, liegt inmitten eines Wohnblocks. Der Wohnblock umfasst einen kompletten Berliner Häuserblock, ist also dementsprechend gigantisch, und scheint einer 70er-Jahre-Variante des sozialen Bauens zu entstammen.

    Es ist kein Altenheim und kein betreutes Wohnen, aber doch irgendwie auf alte Menschen ausgerichtet. Mir wurde von einer Anwohnerin erzählt, dass das Gebäude informell als „Omabunker“ bekannt ist.

    Huzur, der „Offene Treffpunkt für ältere Menschen mit Migrationshintergrund scheint selbst nur Gast im Wohnblock zu sein. Im Erdgeschoss von Huzur liegt die Freizeitstätte mit einem Saal (Wahllokal 102) und einem Versammlungsraum (Wahllokal 103).

    Wir hatten den Saal gewonnen. Das bedeutete: Wir hatten schönen Gartenblick, eine Bühne mit Piano und Ballondeko an Wänden und Decken. Es bedeutete nicht, dass wir der örtlichen Probleme ledig wären. Dieser Abschnitt der Bülowstraße liegt in den Ausläufern des Schöneberger Straßenstrichs mit entsprechendem Problempublikum.

    Selbst während der Wahl musste die Haustür immer verschlossen bleiben. Die komplette Zeit von 8 bis Ende der Auszählung war immer ein Wahlhelfer abgestellt, der nichts andere machte, als Wahlwilligen und -beobachtern die Haustür zu öffnen.

    Thomas steht für Franziska

    Die morgendliche Unwissenheit, ob ich gleich einen freien Tag haben werde, oder doch von 7 bis 21 Uhr im Wahllokal stehe, nervte. Diese Überraschungs-Wahllokal-Kinderlandverschickung allerdings würde ich jederzeit wieder machen.

    Mein zugeloster Wahlkreis „Nollendorfplatz Nord“ war spannend. Die Gegend ist ein wenig ein Niemandsland zwischen verschiedenen Kiezen. Von Süden streut der queere Kiez südlich des Nollendorfplatzes.

    Straßenstrich Kurfürstenstraße und jahrzehntelanges Schmuddeleckendasein am Ende Westberlins haben ihren Stempel der Gegend hinterlassen: Gefühlt ein Viertel der Wahlberechtigten wohnte in der Wohnpyramide Schöneberg – einem Sozialbau von 1970/1971.

    Aber auch: von der Wahlkreisgrenze aus kann man das KaDeWe sehen; die City West hat erste Ausläufer. Und der neue Gleisdreieckpark ist nicht fern, Berlin Mitte-Mitte eigentlich auch nicht – eine Art edgy Prominenz (siehe die Ochsenknechts, LEA) sind der Ecke beheimatet.

    So war auch das Publikum im Wahllokal: Viel offensichtliche Armut; viele Menschen mit migrantischer Familiengeschichte; viele körperlich eingeschränkte Menschen; viele sehr Junge und sehr Alte – aber auch immer wieder schwule Pärchen oder edel herausgeputzte Menschen.

    Die Wahlergebnisse der letzten Jahre waren weniger eindeutig und zuverlässig als in unserer Wohngegend. Um so gespannter war ich bei der Auszählung.

    Links stark. Sehr stark. Überraschend stark. Grüne und SPD beide deutlich unter meinen Erwartungen. CDU schwach wie zu erwarten war. AfD erschreckend stark und auch das BSW deutlich präsent. Die FDP und sämtliche anderen Kleinparteien nicht vorhanden.

    Irritierend: Zu jeder Partei gibt es ein Schild, bei dem man die Stimmzettel stellen sollte. Auf einem stand „Thomas“. Es war das Schild für die Einzelkandidatin Franziska Thomas, die bei uns allerdings Null Stimmen erhielt.

    Insgesamt (nur Zweitstimmen, gesamtes Ergebnis beim Berliner Wahlamt):

    • Linke 103 Stimmen / 24,0%
    • Grüne 76 Stimmen / 17,7%
    • SPD/CDU je 56 Stimmen / 13,3%
    • AfD 53 Stimmen / 12,3%

    Der Gedanke, dass 53 der netten, spannenden Menschen, die ich in den letzten Stunden sah, AfD-Wähler*innen war, betrübte dann doch.

    Wichtige Info für Wahlhelfende: Der Bär schaut nach links!

    Sumpfbiber Gruftidisco

    Sabine im Mausloch über die 1980er-Grufti-Disco.

    Elke Brüser im Flügelschlag und Leisetreter bei den Nutrias: Vom Sumpfbiber und dem Nutriapelz

    Am Samstag auch ein echtes Erlebnis das erste Mal gehabt. Es standen verschiedene Demos oder Kundgebungen zur Auswahl.

    Frau Novemberregen hatte schlechte Laune und ging deshalb zum Pubquiz.

    Feinanteil war Wahlvorsteher und ging deswegen nochmal zum Friseur:

    Dann war ich dran. Ich sagte dasselbe wie immer (an den Seiten ausrasieren und oben entsprechend kürzer), wurde aber noch »Und Bart?« gefragt. Ich sagte, dass ich nicht weiß, was man damit machen kann, er aber einfach mal was machen soll. Auf Dreitagebart lässt sich zur Not ja alles unterrasieren. Er schnitt mir tiptop die Haare und packte dann am Bart die komplette Show aus. Alles was er so an Bartwichse, Schäumen, Tinkturen und Wässerchen da hatte, wurde angewandt, genauso wie zwei verschiedene Rasierer und ein Rasiermesser. Ich werde nun mit Abstand der schönste Mensch im Wahllokal sein. Ich sehe aus wie ein persischer Prinz. Maria gefällt es auch. Sie sagt, ich würde sehr männlich riechen und soll mir jetzt öfter dort den Bart schneiden lassen.

    Anmerkungen

    1. Ein Jugendtheater. Weltberühmt in Berlin und unter westdeutschen Jugendlichen der 1980er durch ihr Stück Linie 1. ↩︎
  • 25-02-22 Wilmersdorfer Pomeranzen

    25-02-22 Wilmersdorfer Pomeranzen

    Gegenüber von Edeka-Kaiser-Richard eröffnete Wonder Crêpes. Allerdings ist der Standort verflucht. Auch Wonder Crêpes wirkt nicht so als könnte sie das ändern.

    Madame geriet einst in Sofia an den Rand einer Studierendemo. Die Student*innen demonstrierten gegen den Kahlschlag an etwas. Die ganze Demo schwang Papieräxte, die sie aus A4-Blättern ausgeschnitten hatten. Das war ein eigentümlicher Anblick.

    Die Dachbaustelle macht weiterhin überraschend sichtbare Fortschritte. Zeit zu bemerken, dass das Autowrack mit Pseudo-Nummernschild nun schon mehrere Monate direkt unter dem „Parken verboten“-Schild auf dem Hinterhof steht.

    Der Sachsendamm ist mit Gittern abgesperrt. Ähnlich wie die Gitter beim Berlin-Marathon trennen sie Fahrbahn (Rennstrecke) und Fußweg (Zuschauerbereich). Nur dass der Marathon noch Monate entfernt ist, die Laufstreckestrecke nie über den Sachsendamm führt und ich auch sonst kein Großereignis erwarte.

    Der ITler lebt nach dem Motto „What happens in the Serverraum stays in the Severraum“. Der Geschichtenerzähler in mir leidet manchmal darunter.

    Madame las Effi Briest und der Vampir.

    Heute Verwöhn-Frühstück. Madame bezwang die ganzen Altbaustockwerke noch vor dem Frühstück und besorgte Brötchen. Morgen folgt frühes Aufstehen. Als Wahlhelfer der Reserve soll ich ja ab 7 bereitstehen, um mögliche Wahlhelfendenauswähle zu ersetzen.

    Madame glaubt, dass sich niemand melden wird, und ich ab 10 Uhr wieder schlafen gehen darf. Ich persönlich hingegen besitze kein Vertrauen in die Sekundärtugenden und die Zuverlässigkeit meiner Rot-Grünen Nachbarschaft und rechne mit zahlreichen Spontanausfällen am Wahltag.

    Wenn ich die globalen Trends richtig interpretiere, formieren sich die USA, Russland und Saudi-Arabien zum Mad-Max-Bündnis der Ölstaaten. Zeit sich Chinesisch anzueignen, denn in China werden bald unsere besten Freunde sitzen.

    Die meist gut informierte und grausig informierende Zeitung mit den vier Buchstaben meldet ein Überschwappen der amerikanischen Eierkrise auch nach Deutschland.

    Ich fand Bernhard Hoëcker schon cool, bevor ihn die ARD aus dem Programm warf. Um genau zu sein, seit seinem Programm 2009 WikiHoëcker in dem er sich als obsessiver Wikipedia-Autor outete.

    Sic deus dilexit

    Der Februar gab vor, ein Frühlingsmonat zu sein, lockte mit Sonnenschein und knapp 10 Grad. Wir nutzten es für einen Vormittagsspaziergang zur Kirche am Hohenzollernplatz in Wilmersdorf.

    NoonSong 704 Chormusik der italienischen Renaissance stand an. Vierzig Minuten Gottesdienst, mit vom Profichor gesungener Liturgie – angelehnt an den anglikanischen Evensong. Zwischendurch die Wochenlesung und ein Abschlusslied mit Gemeinde.

    Der Chor setzte seinen aktuellen Schwerpunkt mit Giovanni Pierluigi da Palestrina fort. Sowohl der Tagespsalm Fundamenta eius wie auch das Canticum Sic deus dilexit entstammten dem Renaissance-Komponisten.

    Die Kirche war voll – und ich komme aus dem Staunen kaum heraus, dass eine so spezielle wie großartige Veranstaltung einfach jede Woche stattfindet.

    Der NoonSong fungiert auch als klassischer Marktgottesdienst. Samstags findet vor der Kirche am Hohenzollerndamm ein kleiner Wochenmarkt statt. Dieser ist stets überraschend: stehen dort doch einerseits die Stände mit billiger Kleidung fragwürdiger Herkunft; aber auch Gemüsestände mit Flugpapayas, sieben Sorten Artischocken, französischen Haselnüssen, Puntarelle, Schwarzkohl und direkt importierten sizilianischen Zitronen. Nicht zu vergessen: Pomeranzen – ich bin mir nicht sicher, die überhaupt schon mal auf einem Markt im freien Verkauf gesehen zu haben.

    Danach ein kurzer Markt-Kaffee, ein Besuch beim Paket-Späti, Pfandflaschentausch gegen Passatta. Links und Rechts Wahlwerbestände.

    Reisen, Reiben, Demonstrieren

    Unser, durch andere Quellen genährte Hoffnung, dass die Schlangen an Notre Dame gar nicht soo lang sind, zerschlug sich bei der Lektüre dieses Blogposts: Wenn zwei neurodivergente Menschen nach Paris reisen

    Herr Rau über das dreiwertige IF bei Perry Rhodan.

    Alles wird besser wenn es dazu Kartoffelribel gibt: Maluns – Traditionelle Bündner Küche

    Demokratie demonstrieren in Duisburg. Demokratie schützen! Aufstehen gegen Rechts!

    Für die Bahn-Infrastruktur-Nerds: Was müsste gemacht werden, damit im Nordost-Korridor der USA (Boston-New York-Phildadelphia-Washington) Züge fahren könnten, die so lang sind wie europäische Züge: 16-Car Trains on the Northeast Corridor

    Ab und zu denke ich: Es muss doch für den professionellen Einsatz ein anderes Mailsystem als Exchange/Outlook/M365 oder Google geben. Henning Uhle schrieb etwas dazu: Exchange Server: Warum denn in die Cloud?

  • 25-02-15 Die Anwendung der Durchführung der Verrichtung

    25-02-15 Die Anwendung der Durchführung der Verrichtung

    Die Stadtbibliothek Tempelhof-Schöneberg verleiht jetzt Pen-and-Paper-Rollenspiel-Utensilien.

    In Italien sind die ersten Plattenverkaufscharts seit Beginn des Sanremo-Festivals erschienen. In den Top 10 befinden sich 9 Sanremo-Teilnehmer*innen, darunter Olly auf Platz eins. Es sieht danach aus, dass wir die Balorda nostalgia auf dem ESC hören werden.

    Ich mag ja besonders den „Mailänder Hipster-Pop“ von Coma_Cose.

    Pünktlich zur Berlinale schneit es. Überhaupt: Berlinale ist besser als Münchner Sicherheitskonferenz.

    Die beiden Siegermächte des Zweiten Weltkriegs wünschen sich dringend, dass Deutschland eine faschistische Regierung bekommen möge. Wäre es nicht so bitter, wäre es sehr sehr lustig.

    Überhaupt war konzentriertes Lernen die letzten Tage nicht einfach. Neben dem ablenkenwollenden Weltgeschehen gab es auch noch Baustellenfernsehen. Unsere Dachbaustelle war ausnahmsweise nicht nur zum Hören, sondern auch zum Sehen.

    Erst wurde der letzte Rest unser Dachhaube aus Folie samt Stützgerüst abmontiert. Es ist sehr ungewohnt, aus dem Fenster wieder Himmel zu sehen. Dann wurde das Gerüst von einem Mobilkran auf die Straße gehievt, dafür kam ein Dutzend Stahlträger auf den ehemaligen Dachboden.

    Später turnten junge Männer vor unseren Fenstern herum und sicherten das übrige „normale“ Gerüst mit Netzen gegen den Absturz von Bauarbeitern. Total spannend, aber ablenkend.

    Egal. Die Klausur ist geschafft. Der weitere Plan für das Wochenende lautet, mit aller Kraft gar nichts zu machen. Dann kann ich der Bachelorarbeit eine Woche widmen, bevor das Lernen für die nächste Klausur beginnt.

    When live gives you lemons, give them to Madame, die daraus Lemon Drizzle Cake backen wird. Gut, dass wir dem Leben danach noch sehr viel mehr Zitronen abhandeln konnten.

    Samstag morgen am Klausurtag verwöhnte Madame mich mit Brötchen von Johann Meyer. Nach der Klausur lud sie mich zum Essen ein. Mein Wunsch war: „Unkompliziert. Keine soziale Interaktion, keine Gerichte bei denen ich Vorstellungskraft benötige was es ist, keine diffizilen Geschmacksmuster – einfach fallenlassen.“

    Wir testeten die Frittenwerk1-Filiale am Wittenbergplatz. Es gab Poutine – wie zu erwarten unkompliziertes Soulfood. Neben uns eine ältere Dame, die sorgsam ihre Regenbogenflagge zusammenfaltete. Danach überredete Madame mich noch zu einem Kaffee im Café des KaDeWe direkt gegenüber.

    Normalerweise verdränge ich, dass KaDeWe und Umgebung noch zu Schöneberg gehören. Irgendwie fühlt es sich dort falsch an – nicht nach Schöneberg, zu sehr nach anderer Gegend in der Stadt. Heute aber hingen Poster „meiner“ Bundestagswahldirektkandidat*innen direkt vor dem KaDeWe und ich dachte „Krass, ich bin sogar moch im selben Wahlkreis. Ich habe gerade gewählt, wer das KaDeWe im Bundestags vertreten wird.“

    Erfreulicherweise waren wir in die Auflösung des Winter-CSDs geraten. Ein Stadtbild ist gleich viel netter, wenn um einen herum lauter Regenbogenflaggen und Menschen im Partyoutfit unterwegs sind.

    Webservices Typ 1 und Typ 2

    Aber vor das Nachklausuressen hatte die FernUniversität in Hagen die Klausur gelegt. Madame begleitete mich im M46er Bus bis zum Bahnhof Zoo. Dann ein wenig Spazierengehen, dann ein wenig auf der Bank sitzen und nochmal innerlich den Stoff rekapitulieren.

    Das war gar nicht so einfach, denn auf allen Bänken lag Schnee oder geschmolzener Schnee. Beim Rekapitulieren stellte ich noch einmal fest, wo das Problem lag. Einerseits, dass der ganze Kurs in einer Sprache geschrieben ist, in der gerne „die Anwendung der Durchführung der Verrichtung“ vorkommt.

    Zum anderen tauchen immer wieder dieselben Begriffe auf, aber je nach Kontext in geänderter Bedeutung. Ein Objekt beispielsweise ist die kleinste atomare Einheit aus Sein und Aktion.

    Das kann aber ein Objekt im Sinne der objektorientierten Programmieriung sein (mehr oder weniger eine Variable mit Attributen (Sein) und Methoden (ausführbaren Befehlen). Ein Objekt kann aber auch ein komplettes Werk eines Automobilherstellers mit Standort und Maschinen (Sein) sein, in dem Autos gefertigt werden. Oder irgendwas dazwischen.

    Das O in Simple Object Access Protocol (SOAP) bezieht sich dann zum Beispiel wieder auf andere Objekte. Das O in SOA hingegen steht für ..orientiert.. Allerdings arbeitet SOA mit SOAP.

    Und dann gibt es noch objektbezogen, Objektsicht, Objektverrichtung et cetera. Und den ganzen Spaß für Funktionen, Aufgaben, Methoden, Services und wie sie alle heißen.

    Viel Stoff zum Auswendiglernen, der sich in seiner Machart dem Auswendiglernen entzog.

    Eine halbe Stunde vor Beginn begab ich mich ins Kranzler-Eck. Dort wurde wieder gebaut. Einzig der ausgeschilderte Feuerwehrfahrstuhl brachte mich in den Dritten Stock zum Fernuni-Campus Berlin. Etwa um Zwanzig vor Eins wanderten wir Wartenden in den Prüfungsraum.

    Etwa 15 Personen waren anwesend, von denen knapp 10 wie ich die Betrieblichen Informationssysteme schrieben, 2 für das Mathematik-Modul Maß- und Intergrationstheorie gekommen waren und 3 für den Kurs Projektmanagement des Centers elektronische Weiterbildung der Fernuni.

    Die Klausur fragte Auswendiggelerntes ab. Die meisten Fragen lauteten sinngemäß „Erläutern sie anhand eines Beispiels..“ oder „Wie verhält sich..“, die auch ein Ahnungsloser hätte lösen können, wenn er das Kursskript in der Hand gehabt hätte. Einmal ein Diagramm zeichnen und eine Rechenaufgabe. Ich konnte bei allem etwas Schreiben, vermute, dass es auch relativ oft richtig war und bin auf die Bewertung gespannt.

    Nur beim Unterschied zwischen Webservices Typ 1 und Typ 2 musste ich passen. Ich erinnerte mich sogar noch, dass ich die Begriffe gelesen hatte -hatte aber gar keine Ahnung mehr was sich dahinter verbirgt,

    Pferdemädchen Schweinezunge

    Ich lachte (mit! nicht über!): eine Linedance-Choreographie zu Coma Coses CUORICINI

    Poupou bloggte warum und wie sie bloggt. Metablogpost.

    Die kulinarische Weltreise China zaubert spannende Rezepte aus der deutschen Kochblogosphäre: Salat von kalter Schweinezunge – liángbàn zhu shé

    Anne Hahn versuchte in Skopje schwimmen zu gehen: Gestrandet im Kreisverkehr des Lebens

    Ligne Claire verdanke ich den Hinweis auf Horsegirl (und Hanjo auch). Auch sehr großartige Musik.

    Wir sind jetzt im Widerstand.

    Anmerkungen

    1. Wer sich auch fragt, wie plötzlich all‘ die Frittenwerk-Filialen aus dem Boden stampfen: Valora ist schuld. Valora hat Geld und kann in die explosionsartige Expansion einer Kette investiren. Valora kennt kaum jemand, dafür gehört ihnen die größte Schweizer Kiosk-Kette, die größte Schweizer Kette an Tankstellenshops, die Ditsch-Backshops, die BackWerk-Backshops, die Backfactory-Bachshops und eben auch das Frittenwerk. Valora selbst gehört allerdings FEMSA, dem größten Getränkehersteller Lateinamerikas. ↩︎
  • 25-02-13 Lernhöhle mit Cabriodach (Kapazitätsabgleichaufgabenobjekt)

    25-02-13 Lernhöhle mit Cabriodach (Kapazitätsabgleichaufgabenobjekt)

    Giorgia mit La cura per me und Olly mit Balorda nostalgia sind die beiden San-Remo-Favoriten. Eins der beiden Lieder werden wir vermutlich beim ESC sehen. Ich tippe auf den Nudelkopf-Schnauzbartträger. Fedez polarisiert mit Battito.

    Simone Cristicchi bekam für Quando sarai piccola an beiden Abenden standing ovations. Der Text ist aber auch zum Heulen. So manche und mancher im Publikum sah so aus als hätten sie auch geheult.

    Zwooi kam an. Nachdem die Ninja Creami nie so funktionierte wie sie sollte, haben wir inzwischen erfolgreich Reklamation, Rücksendung, Geldrückgabe und Neubestellung absolviert. Heute Abend wird getestet, ob die Ninja Creami 2 in der Lage ist, hier Eis herzustellen.

    Post von der Bundesrepublik Deutschland: In meiner Bund ID ist eine Nachricht. Normalerweise bekomme ich, wenn überhaupt, nur Post von untergeordneten Behörden. Aber jetzt!

    Zitternd schaute ich, was der Staat mir sagen will: Es gibt eine Aktualisierung der Datenschutzerklärung der Bund ID. Okay.

    Der Kaptain wird in den Süden reisen. Das finde ich ein wenig erschreckend aber auch sehr großartig.

    Im Februar 2025 entdeckte die Bild-Zeitung überraschend ihr Herz gegen Alltagsrassismus; dass es 10 Tage vor der Wahl gegen den Bundeskanzler geht, ist sicher nur Zufall. Es ist so ermüdend.

    Ein Wochenanfang wie man ihn sich wünscht: Montag um acht vor einem vollen Konferenzraum auf der Leiter rumklettern und hinter Abdeckungen nach Kabeln rumstochern. Immerhin hatten die Kolleg*innen ein bisschen Entertainment.

    Am 24. Februar haben wir ein größeres Meeting mit einem Firewall-Dienstleister angesetzt. Der Termin ist Zufall. Es wird nur um Technik gehen. Aber mich freut die Ironie, dass am Tag nach der Bundestagswahl ein Brandmauer-Meeting stattfinden wird.

    Wenn es um Copilot geht, fühlen wir uns wie Herakles im Angesichts der Hydra. Kaum haben wir es an einer Ecke im Office-Paket deaktiviert, steckt es anderswo schon wieder seinen Kopf hervor.

    Vor ein paar Tagen war eine größere KI-Konferenz in Paris. Der Deutschlandfunk berichtete ausführlich – aber dabei so generisch, hätten sie jedes KI durch „Blockchain“ ersetzt, und gesagt, die Beiträge wären von 2018, hätte ich es sofort geglaubt. Sie hätten auch über Magie sprechen können – so seltsam unspezifisch war das alles.

    Neu allerdings: Bei einem Satz „in einigen Jahren haben uns die USA und China weit abgehängt“, war mein spontaner Gedanke ein rein sachliches – weder empört, noch zynisch – „Wer weiß ob es die USA in fünf Jahren noch gibt.“

    Abgesehen von allem Anderen scheint dort niemand mehr anwesend, der versteht, wie ein Staat tatsächlich funktioniert. Der Crash wird beachtlich sein. Wir können alle nur hoffen, möglichst wenig hineingezogen zu werden.

    Unnormale Zeiten erfordern unnormale Maßnahmen: Ich hoffe, irgendjemand in der EU arbeitet gerade an einem Plan, wie man die ganzen bald heimatlosen Wissenschaftler*innen in den USA nach Europa holen kann.

    Passend zum Schneefall wird das Behelfs-Zeltdach abgebaut. Inzwischen verschwanden nicht nur die Folien, sondern auch das Zeltgestänge. Das Gerüst ist wieder nur seitlich am Haus, und reicht nicht mehr über das Dach. WIr können den Himmel sehen!

    Immerhin sind die Bauarbeiten weiter deutlich hörbar. Wir hoffen mal darauf, dass sie auch endlich einmal dazu kommen, das neue Dach zu errichten. Heute begannen sie ihren Tag mit Schneeschippen auf dem aktuellen Flachdach.

    Bis 1998 bildete Schöneberg noch einen gemeinsamen Wahlbezirk mit Kreuzberg

    In meinem Einberufungsbescheid als Wahlhelfer der Reserve steht der Satz: Damit Ihre eigene Stimmabgabe bei einem eventuellen Spontaneinsatz gewährleistet ist, wird empfohlen, im Vorfeld Briefwahl zu beantragen.

    Als braver Bürger folgte ich der Empfehlung. Und weil ich weiß, dass die Briefpost hier im Bezirk nur sporadisch ein- bis zweimal die Woche kommt, bin ich gleich bis zum Rathaus Schöneberg gelaufen und habe vor Ort in Raum 170 (kleiner Sitzungssaal) unter den Augen einer John-F.-Kennedy-Büste gewählt.

    Im Rathaus selbst waren jede Menge Gelbwesten unterwegs, die mich zum korrekten Raum lotsten. Während ich in der Schlange der Wählenden stand, versorgte mich eine Gelbweste mit Klemmbrett und Stift, damit ich schon mal den Antrag auf Briefwahlunterlagen unterschreiben konnte.

    Ich wurde vorgelassen. Bekam einen Stimmzettel, die Briefwahlumschläge und einen frisch ausgedruckten lila Wahlschein mit meinem Namen ausgehändigt. Ich ging in die Kabine, kreuzte an, steckte Zettel und Umschläge in der korrekten Reihenfolge ineinander und warf sie in die Wahlurne.

    Bis zur letzten Minute zögernd, wen ich wähle.

    Die Grundüberlegung natürlich: Die Zweitstimme entscheidet, welche Parteien im Bundestag sitzen, die Erststimme entscheidet, welche Personen in den einzelnen Fraktionen sind.

    Meine Entscheidung für die Zweistimme festigte Alice Weidel. Die wies darauf hin, dass die AfD ab 25% der Abgeordneten mehr Rechte hat, wie zum Beispiel das Recht einen Untersuchungsausschuss einzuberufen.

    Genau das brauchen wir: Einen Untersuchungsausschuss zu Chemtrails, Pizzagate oder was sonst das Verschwörungsinternet gerade hergibt, von dem die Medien sich dann monatelang am Ring in der Nase herumführen lassen.

    Also wie verhindert man 25% der Abgeordneten für die AfD? Indem man einer kleineren Partei doch noch über die 5% verhilft. Zumal die Linke mit dem Abgang von Sarah Wagenknecht deutlich wählbarer wurde.

    Die Erstimme wird spannend: Im Wahlkreis Tempelhof-Schöneberg können ja immer CDU oder Grüne oder SPD den Wahlkreis gewinnen. Am Ende entschied das Bauchgefühl, dass ich meinen Wahlkreis passender durch eine in Tempelhof geborene Juristin und Juso-Vorsitzende mit türkischer Familiengeschichte im Bundestag vertreten sähe, als durch einen süddeutschen Absolventen der Universität Potsdam und der Sorbonne.

    Vermutlich wird es eh der CDUler – die Stimmen aus Mariendorf, Lichtenrade und den anderen Außenortsteilen des Bezirks werden ihn schon wählen.

    Dann wird er am neuen Wahlrecht scheitern. Denn die CDU wird mehr Wahlkreise gewinnen, als sie Berliner Kandidaten entsenden darf. Und da das Ergebnis im Wahlkreis vermutlich 31%-30%-29% lauten wird, wird er die wenigsten Stimmen eines CDU-Wahlkreissiegers haben.

    Methoden auf Attribute anwenden

    Es folgen zwei Tage Klausurlaub mit der Betriebliche-Informationssystem-Lernen-Endphase. Die persönliche Einhöhlung in Kursunterlagen, ausgedruckten Folien und handgeschriebenem. Madame kämpft derweil gegen ihr Modul 1C der Fernuni.

    Langsam habe ich glaube ich alles verstanden, was der Kurs mir mitteilen möchte. Jetzt muss ich es nur noch bis Samstag 13 Uhr abrufbereit in mein Hirn einstapeln.

    Ich war erfreut, an wieviel ich mich noch aus der Objektorienierten Programmierung erinnern konnte, was im Kurs als Basiswissen vorausgesetzt wird. (In der Klausur wird es egal sein, aber zum Verständnis von Klaussurrelevanten Konzepten und Ideen hilft es wieder, wenn ich nachvollziehen kann, wie sich aus Klassen- und Vererbungsstrukturen oder OoP herleiten).

    Und so male ich zur Vorbereitung Diagramme in der Unified Modelling Language, lerne Definitionen von Steuerungssicht, Datensicht und anderen Sichten auswendig, ebenso wie ich mir merke, dass Funktion ohne Raum- und Zeitbezug auskommt, eine Aktion diesen hingegen zwingend haben muss.

    Zu wenig Rs

    Es scheint die Zeit des Jahres zu sein: 13:00 – auf dem Weg zu einem Kontrollgang im Garten kommt der Notruf – der Lieblingsmensch ist wieder gestürzt oder auch Das nächste Bild steht für eine der Herausforderungen, auf die ich gerne verzichten würde. Ein Mensch hat plötzlich nicht mehr geatmet und wir haben versucht ihn ins Leben zurückzuholen. Wir haben es nicht geschafft und das belastet am Ende den ganzen Tag. So oft wie ich das schon mitgemacht habe, immer wieder kostet es ein Stück Herz.

    Kleine Mädchen sind doch wesentlich netter als laute Überwachungsroboterautomaten.

    Noch ein wenig objektorientierte Orientierung. Herr Rau mit einem Video zur Ackermann-Funktion.

    Ich lernte: bei den neuen Briefmarken mit QR-Code kann man verfolgen wie es dem eingeworfenen Brief gerade geht. Hinweis dank Readinginsweden, den genauen Post finde ich leider nicht wieder.

    Bei der kulinarischen Weltreise wird im Februar über China gebloggt. Die Feuer-explodierte Nieren-Blumen – huo-bao yaohua finde ich hoch spannend, werde sie aber demnächst wohl nicht nachkochen. Größere Chancen gibt es beim Knusper-Schweinebauch mit Knoblauch.

    Der Tagesspiegel-Bezirks-Newsletter widmet sich diese Woche unserem Stammkino: dem Odeon, ehemals Sylvia-Filmpalast.

    1985 erhielt das Odeon seinen heutigen Namen. Kloster stellte damals mit der konsequenten Ausrichtung auf Originalfassungen die Weichen für die Zukunft des Filmtheaters und der Berliner Kinolandschaft: Das Odeon war damit das erste englischsprachige Kino Berlins (außerhalb der alliierten Kasernen)… „Zum Glück spielen wir nicht mehr die ,Rocky Horror Picture Show’“, erzählt eine Mitarbeiterin. „Für die vielen R’s im Titel sind uns die Buchstaben ausgegangen.“

    Wikipedia Prepares for ‚Increase in Threats‘ to US Editors From Musk and His Allies

  • 25-02-06 Posteo

    25-02-06 Posteo

    Falls ihr zufällig größere Mengen Glasaale habt: die Berliner Senatsverwaltung für Mobilität, Verkehr, Klimaschutz und Umwelt sucht. Ausschreibung FiA-25-001 Aalbesatz für offene Berliner Gewässer.

    Falls hingegen Produktion, Lieferung und Montage eines Walskeletts zu Euren Fertigkeiten gehört: Das Museum für Naturkunde sucht (MfN-56-2024 Walskelett – noch 12 Tage)

    Erstmals gesehen: Ein polnisches E-Auto an einer öffentlichen Berliner Stromsäule.

    Die Dachbodenbaustelle schmoddert vor sich hin. Ab und an lassen sie auch Schränke aus höher Höhe auf den Boden fallen. Zumindest hört es sich so an.

    Eine nicht-mehr-Böttcher-Bestellung von 20 kg Büromaterialien landete im Wohnungsflur. Meine Güte, eigentlich möchte ich doch nur hier gemütlich vor mich hinsumpfen, und mir nicht auch noch beim Dicke-Buntstift-Bestellen Gedanken um Politik machen müssen.

    Jede Wahl was anderes: Nach Wahlhelfer im Wahllokal (BTW 2021), Wahlhelfer im Briefwahllokal (Europawahl 2024), nun Wahlhelfer der Reserve: „Halten Sie sich zwischen 7 und 10 Uhr bereit und warten Sie auf den Anruf.“ Ich sehe es kommen: Morgens um 7 nach Mariendorf hasten, damit ich hechelnd um 8 im unterbesetzt-gestressten Wahllokal ankomme..

    Lernen für die Betrieblichen Informationssysteme bleibt sperrig: Die ausführliche Beschreibung eines Systems, gefolgt von „in den letzten Jahren sind mehrere Nachfolgesysteme auf den Markt gekommen [auf die wir hier nicht weiter eingehen werden]“ wirkt halt arg unmotiviert von Seiten des Erstellers.

    Wir veranstalteten eine erfolglose Fotosession im Serverraum.

    Im öffentlichen Dienst bewegen sich Angelegenheiten eher glazial. Aber manchmal bricht ein Eisberg ab, und dann passiert vieles in kurzer Zeit. So auch hier und jetzt. Ich bin sehr gespannt wie sich das auswirkt.

    Kurze Büroaufregung wegen eines Feueralarms. Oder doch kein Feueralarm? Jemand will Handwerker gesehen haben, die die Rauchmelder abschreiten. Ich erinnere mich an einen ehemaligen Arbeitsplatz, an dem wir uns einige Monate lang alle 14 Tage im Sammelbereich wiederfanden, weil die Baustellenschweißarbeiten im Keller und das Alarmsystem nicht harmonierten.

    Vor 15 Jahren hätte ich auch nicht gewettet, dass ausgerechnet in Berlin zwar die MLPD und die Vierte Internationale zur Bundestagswahl antreten, die Piraten aber daran scheitern, dass sie keine Unterschriften bekommen.

    Falls es Friedrich Merz gelingt, die Linke in den Bundestag zu hieven, schreibe ich ihm persönlich eine Glückwunschkarte.

    Hippiemail

    Ich habe beschlossen, die Demilliardärisierung meines Internets voranzutreiben. Die low hanging fruits sind bis auf Spotify schon lange gepflückt. Wobei der Spotify-Qobuz-Wechsel tagtäglich stattfinden wird, sobald ich mal eine halbe Stunde Konzentration dafür aufbringe.

    Jetzt kommen die hoch hängenden Elefanten im Raum:

    • Gmail
    • Paypal/Klarna/Kreditkarte

    Halbherzig versuchte ich bereits mehrmals, den Mail-Anbieter zu wechseln. Dann aber fielen mir wieder die gmail-Vorteile auf: Riesiger Speicher, große Bequemlichkeit und das Vertrauen, dass niemand auf diese Mails zugreifen kann, den Google nicht für befugt hält.

    Andererseits stammt der gmail-Account noch aus zu Zeiten, in denen Google das Motto „don’t be evil/ sei nicht böse“ hatte und dabei halbwegs glaubwürdig klang. Mein Vertrauen darin, wen genau Google für vertrauenswürdig hält, schwindet von Jahr zu Jahr.

    Also ein neuer Versuch: Posteo. Ich bin inzwischen bereit Geld zu bezahlen für einen guten Mail-Anbieter. Posteo scheint all‘ meine Wünsche zu erfüllen.

    Ich habe mir also eine Posteo-E-Mail-Adresse angelegt und werde testen, ob diese alltagstauglich funktionert.

    In Düsseldorf gäbe es einen Abräumroboter

    Wenn Du eine Berliner Restaurantwebsite öffnest und gleich am Beginn wird Schweineaorta, Gänsedarm und Froschschenkel angeboten – dann weißt Du, dass sich das Angebot nicht unbedingt an alteingesessene Berliner*innen richtet.

    Les musiciens hatten Lust essen zu gehen und schlugen uns Shoo Long Kan Berlin Hotpot vor. Das Lokal liegt in der Nähe des Ku’damms, eine Tafel in chinesischen Schriftzeichen informierte uns, dass wir auch mit Alipay bezahlen können, der Personal redete etwa hälftig deutsch und englisch mit uns.

    Shoo Long Kan (auch XiaoLongKan) ist eine chinesische Kette für HotPot mit etwa 800 Standorten weltweit. Die meisten davon liegen in China. In Deutschland existieren drei Restaurants (Berlin, Düsseldorf. Frankfurt), in Österreich eines in Wien, in der Schweiz eines in Genf.

    Einerseits also eine Kette (mit allem was an Vereinfachung und Standardisierung dazugehört), andererseits überzeugend chinesisch und dabei dann auch noch edel – ein wenig musste ich an Tony Roma’s Ribs denken vom Konzept her.

    Das Publikum gemischt aus vielen Ländern in vielen Sprachen – im Stil zwischen Trainingshose und direkt-vor-dem-Ball.

    Das Essen HotPot (aka chinesisches Fondue). Wir hatten einen großen Kessel in der Mitte mit zweierlei kochenden Brühen (Spicy Stufe 1 / Tomate) und dazu verschiedene Zutaten. Auf Aorta und Frosch verzichteten wird, wir blieben bei Fleisch, Gemüse, Pilzen, Algen, Eier-Dumplings, Minitintenfischen und Garnelenbällchen. Dazu gab es ein Dip-Buffet an dem wir selbst Saucen und Dips zusammenmischen durften.

    Halt großartig so insgesamt. Auch großartig, dass les musiciens den Eindruck erweckten, dass es ihnen persönlich gerade richtig gut geht – und das erfreut mein Herz.

    Wie es sich für ein chinesisches Restaurant im Jahre 2025 gehörte, lief Auswahl und Bestellung über ein zum Tisch gehöriges Tablet. Selbst, dass wir zahlen wollten, sollten wir über das Tablet melden.

    Stratifizierung und Kontrolle

    poupou schrieb über Stratifizierung des Bildungssystems.

    Claudia briefwählt aus Japan und begründet, warum.

    Frau Chilli Ciabatta macht einen hoch alltagstauglichen Asia-Salat mit Hähnchen, Paprika und Pomelo.

    Internet-Werkzeugwechsel ist im Trend: Von Trello zu Joplin.

    Warner Movies veröffentlicht aus heiterem Himmel 30 Klassiker in voller Länge auf Youtube: The list is full of cinematic masterpieces, obscure cult cinema, and absolute trash.

    Eigentlich wollte ich das USA-Haareraufen den den vielen anderen Medien überlassen, die dies gerade zu Recht versuchen. Aber Atlantic-Artikel trifft too close to home: Elon Musk Wants What He Can’t Have: Wikipedia.

    Warum die Wikimedia Foundation allerdings 2016 nicht begonnen hat, die USA zu verlassen, habe ich schon damals nicht verstanden.

    Und warum ich nicht mehr über die USA posten will:

    „Thinkers like Jean-Paul Sartre and Hannah Arendt warned us that the point of this deluge is not to persuade, but to overwhelm and paralyze our capacity to act. More recently, researchers have found that the viral outrage disseminated on social media in response to these ridiculous claims actually reduces the effectiveness of collective action.

    The result is a media environment that keeps us in a state of debilitating fear and anger, endlessly reacting to our oppressors instead of organizing against them.“ (You Can’t Post Your Way Out of Fascism)

    Silbermond veröffentlicht seinen 2019er Song „Mein Osten“ neu – dieses Mal im Duett mit Herbert Grönemeyer, wie man es im August 2024 erstmals live performt hat. Es ist wohl auch als Apell zu verstehen, vor dem zu befürchtenden Rechtsruck der Bundestagswahl.

  • 25-01-28 The most unglamourös Gericht on earth

    25-01-28 The most unglamourös Gericht on earth

    Madame bekam eine Einladung zur Wahlhelfendenschulung. Ich bekam eine Einladung als Zählkommission.

    Der ehemalige Asia-Imbiss im Südkreuz verwandelte sich in Döner Biz.

    Die Otto-Bock-Zentral am Potsdamer Platz verwandelte sich im Laufe der letzten Jahre in eine Telekom-Dependance.

    Büromaterialversandhändler Böttcher spendete möglicherweise über Umwege eine Million an die AfD. Ich muss mir wohl einen neuen Kugelschreiber- und Paketbandabrollerversand suchen. Schade. Aber es gibt Grenzen.

    Ich weiß nicht, was die Freunde auf dem Dachboden machen. Aber unser Schlafzimmerfenster sieht von außen aus als hätten es sich im Schlamm gesuhlt.

    Mir träumte, ich müsste den Rückflug aus Portugal erwischen. Leider fand ich meinen Koffer nicht mehr. Und niemand konnte mir sagen wann der Bus zum Flughafen fährt. Dementsprechende Hektik herrschte im Traum. Als ich aufwachte, musste ich mir mühsam sagen, dass Sonntag ist, und ich überhaupt nirgendwo hin muss.

    Die Entschleunigung gelang. So brauchte ich dann auch 13 Stunden nach dem Aufstehen, um zumindest mit den Jakobsbüchern in die Badewanne zu kommen.

    Vorher Fernsehen.

    Ich schaute die ersten Folgen von „Ich bin ein Star“. Ich muss ja Auskunft geben können, wenn Madame mich fragt wer wer ist.

    Ich staune, dass sich Reality Star weiterhin zum Ausbildungsberuf mit Karriereoption entwickelt. Alessia Herren „Mein Traum wäre es bei Aldi an der Kasse zu sitzen mit einem regelmäßigen Einkommen.“ Yeliz Koc: „Ich hab dann viele Dating Shows gemacht. Ich bin froh, dass ich da endlich raus bin und zum Dschungelcamp aufgestiegen.“

    Und wenn man drüber nachdenkt gibt es vermutlich viele Jobs, die besser bezahlt und inhaltlich weit unseriöser sind als Reality Star.

    Selbst in unsere friedliche bodenständige AöR zieht das Schlagwort KI ein.

    Nachdem wir feststellten, dass Netflix genau gar keinen der 100 berühmtesten Paris-Filme im Programm hat, fand ich Furies.

    Furies ist eine nett geistlose aber explosionsreiche Serie über die Pariser Unterwelt.

    Der Plot: Die sechs Familien habe eine „Furie“ als Aufpasserin und Polizei zwischen sich. Ein junges Mädchen gerät in das Geflecht aus Unterwelt-Paten und Furie. Sie wird als Nachwuchsfurie gecastet. Nach und nach entwickelt sich in immer abstruseres Geflecht aus historischen Verwicklungen.

    Aber ich sehe tolle Paris-Aufnahmen und tolle Explosionen.

    Madame fuhr mit ECE150 am Europapark vorbei, später stieg sie in Frankfurt in den ICE832 um.

    Die Tage zuvor testete sie die neue Busverbindung Markgräflerland-Elsass-Flughagen Mulhouse/Basel/Freiburg. Die Verbindung akzeptiert jede Menge verschiedenste Fahrscheine aus halb Europa, darunter auch das Deutschlandticket. Und plötzlich wird ein Busausflug ins Elsass ein Kinderspiel. Manches wird besser auf der Welt.

    Montag: Arbeit.

    ECE, ICE und Elsass-Bus fuhren besser als der Berliner Nahverkehr. Die Busse und U-Bahnen und Trams wurden durch den Ver.di-Streik lahmgelegt. Die S-Bahn litt unter Personen im Gleis.

    Dafür traf ich WiseWoman auf dem Bahnhofsvorplatz. I’m delighted.

    Zum Glück kann ich auch einfach nach Hause laufen. Hätte es nicht geregnet, wäre es sogar noch besser gegangen.

    Kartoffeln mit Graupen. Als Brei.

    Damit ich am Sonntag nicht nur fernsehe – was sollen denn die Leute denken! – köchelte ich noch ein wenig vor mich hin.

    Wir haben größere Mengen Crowdfarming-Avocados. Und so kochte ich ein fleischarmes Schwarze-Bohnen-Chilli. Ich hoffte auf die Aussicht, ein Avocado-Limetten-Salsa anzurühren.

    Außerdem kochte ich etwas, dass einerseits das am wenigsten sexieste Essen der Erde sein könnte – andererseits aber als Unesco-Welterbe geschützt ist: Mulgi Puder.

    Ein estnischer Brei aus Graupen und Kartoffeln und Salz. Und sonst nichts. So wie es klingt ist es vielleicht auch das geschmacksneutralste Essen der Welt. Noch weiß ich es nicht, denn noch probierte ich nicht.

    Ich konsultierte mehrere Rezepte. Alle waren sich einig; In Mulgi Puder gehören Kartoffel und Graupen. Sonst nichts. Zum servieren dürfen dann noch Speck dazu, oder Kräuter oder fermentiertes Gemüse oder fermentierte Milch (=etwas Joghurtartiges). Hier unterscheiden sich die Rezepte.

    Aber die Essens scheint der graugelbe Brei ohne Geschmack zu sein.

    Ein Essen konstitutiv für die Kultur der Mulgi, die bei Valga leben. Gestern noch im Unesco-Report, heute auf ihrem Tisch.

    Blau, grün, braun, Schneefarben

    Mehr zum Thema Böttcher und die AfD und so: Weitere Details zum AfD-Spender aufgetaucht

    Poupou besuchte die Nordlichter-Ausstellung in der Foundation Beyeler und war sehr angetan:

    warmes Blau, warmes Grün, rötliches Braun, Schneefarben. Die Szenerie wirkt stets statisch, auch wenn Spuren im Schnee, Lokomotivenqualm oder abgeholzte Stämme die eben aus dem Bildausschnitt getretenen Menschen verraten. Spärliches Licht und dunkle Horizonte kontrastieren Schneemassen auf Hängen und Wäldern. Der Schritt zum Abstrakten wäre nicht weit – genau wie zum Ornament und zum Dekorativen, Tapetenhaften, wie es sich in einem von goldenen Kanteleseiten überspannten Wasserfall zeigt.

    Frau KrautundRüben las an der Alpe Adria Universität in Klagenfurt.

    Readinginsweden war auch auf der Pro Democracy Rally am Brandenburger Tor: 26.1.2025 Wochenende Lebe lieber bunt

    Ebenso wie loosy die Demo besuchte: 25.01.2025 – Bunt statt SchwarzZuBlau

    Frau Kluges & Scheiß empfiehlt ein Tanzvideo.