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  • 25-12-11 In Hausschuhen zur Packstation

    25-12-11 In Hausschuhen zur Packstation

    Die Gemüslichkeit bescherte uns Yacón. Eine offenbar in einschlägigen Foodfluencer-Kreisen begehrte Knolle, die wenig überraschend sehr gesund sein soll. Geschmack, roh: überraschend süß, am Ende ein vorbeihuschen von Ingwerwasser. Geschmack, aus dem Backofen. Äh, wässrig-neutral?

    Durch Berlin fuhr eine S-Bahn mit der Anzeige Rentier-Express.

    Kollege Jean aus dem Controlling wurde Dritter bei der Excel-Weltmeisterschaft. This is peak nerdness – in meinem Büro! Nicht nur, dass es Excel-Weltmeisterschaften gibt, ich arbeite mit einem Meister seines Fachs zusammen. Wie unbelievable ist das? Ich stelle mir die Ganggespräche in Las Vegas vor: „What is your job? Goldman Sachs? KPMG? Google? – No. It’s Berliner Bäder AöR.“ Hier der Link zum kompletten Halbfinale und Finale, Jeans Finaleinlauf beginnt bei 2:55:06h.

    In wesentlichem kleineren Maßstab: Ich setze gerade eine Ankündigung aus meinem „Hallo southpark, Willkommen-im-Job“-Gespräch von 2022 um. Damals hatte ich schon gesagt, irgendwann lasse ich die ganzen Ticketsystemdaten durch R laufen und bekomme automatisiert tolle Statistiken. Naja, erstmal galt Gigo1 und das langfristige Projekt der Daten- und Kategorienbereinigung. Dann brauchte ich ein wenig mehr R-Vertrautheit. Aber jetzt wird es und ich freue mich.

    Gut: Ich lernte, wo im Wohnschwimmbad der Team-Raum ist und wer die einladenden Gerüche aus der Teamküche hervorruft. Ungewohnt: Ich weiß das wegen eines abendlichen IT-Supporteinsatzes. Aber c’est la vie – es kommt nicht überraschend.

    Es waren drei Tage zwischen Nachumzug und Erwerbsarbeit.

    Wir stellten fest: Die neue Wohnung fühlt sich deutlich mehr nach Latifundien/Bungalow an als die alte: Raumgrößen und Schnitt sind ähnlich, wir blicken jetzt aus niedriger Höhe (1. Stock) ins Grüne. Durch die Lage, getrennt durch den grünen Parkplatz von der Straße, wirkt es überraschend ruhig und dunkel. Und der Sozialzusammenhalt und die soziale Kontrolle innerhalb eines Schwimmbadteams sind mindestens so ausgeprägt wie in der Dauergartenkolonie. Wenn ich spätabends am Küchenfenster auf der Leiter stehe, weiß das am nächsten Morgen das halbe Bad.

    Aber auch: Wenn wir mal einige Tage nicht gesehen werden, fällt es auf und Leute werden nachforschen.

    Selbst das Autobahngeräusch zwischen Latifundien und Wohnung hat gewisse Ähnlichkeiten. Allerdings fehlt dem Bungalow der Gong, der das Ende der Badezeit ankündigt und die benachbarte Autowaschanlage.

    Paketzustellgeschichten

    Lobend sei erwähnt: UPS war der erste Paketdienst, der auf Anhieb in der Lage war, uns an der neuen Adresse ein Paket zukommen zu lassen.

    Geschichten aus Schöneberg. Ein DHL-Paket kam noch an der alten Adresse an und wurde an eine Späti-Post geliefert. In der türmten sich gut sichtbar die Pakete. Allerdings hing im Fenster ein handgeschriebener Zettel: „Post aus technischen Gründen außer Betrieb. Wir wissen nicht, wann sie wieder funktioniert.“ Das Späti-Personal mochte auch keine Fragen dazu beantworten, weigerte sich allerdinsg beharrlich etwas aus dem prominent platzierten Paketstapel auszugeben, denn „Post außer Betrieb.“

    In Wilmersdorf gelang es mir, das erste Paket in Hausschuhen und nur notdürftigen ausgehfeinem Dress aus der grundstückseigenen Packstation zu bergen. Es hat Vorteile, die Paketstation in 10 Metern Entfernung von der eigenen Haustür stehen zu haben.

    Wahrhaftig ist die Packstation näher an unserer Haustür als unser eigener Briefkasten. Dieser hängt am Schwimmbad-Haupteingang. Damit hat er eine andere Straßenadresse als die Haustür und als unsere Meldeadresse. Und, wie Madame erfuhr, liegt er zu allem Drama auch noch räumlich in einem anderen Briefzustellbezirk als unsere Meldeadresse. Der bisherige Stand ist, dass „unser“ Briefträger (Zuständig für den Eingang Meldeadresse), die Post an seinen Kollegen (Zuständig für den Haupteingang Schwimmbad) übergeben müsste, der sie dann in den Briefkasten wirft.

    Mir scheint, das Thema ist noch nicht beendet.

    Bordsteinkantengeschichten

    Die Nachfragen im Bad werden häufiger, wenn ich denn mal schwimmen kommen. Und es ist absurd. Seitdem ich im Schwimmbad wohne, war ich noch nicht einmal baden. So sehr rufen Kartons und unaufgebaute Regale in der Nachumzugswohnung nach Liebe und Aufmerksamkeit als dass ich es über mich brächte, diese noch einmal zu verlassen und dann mit mehr Chaos (nasse Klamotten, nasse Handtücher – wohin?) zurückzukommen.

    Überhaupt bleiben es Wohnungstage. Gut dabei: die CDs sind gefunden und im Regal, dabei sogar besser erreichbar als in der alten Wohnung, das Küchenradio (mit CD-Player) ist eingerichtet und ich kann einfach so CDs rausziehen.

    Aktueller Zufallsfund: muff.potter – Bordsteinkantengeschichten. Melancholisch-poetischer Poppunk aus dem Münsterland der späten 1990er. Manchmal denke ich „Jo, schmerzt ein bißchen das Klischee, aber sie waren jung.“ Oft denke ich: „Hat sich überraschend gut gehalten, diese Provinzjugendverzweiflung und alles was sie dazu singen.“ Ich entdecke: Sänger und Texter Nagel schreibt mittlerweile recht erfolgreich Romane. Ich bin nicht überrascht.

    Es werde Dunkelheit

    Am Wochenende war das Canapee nicht einmal sichtbar, jetzt kann ich schon regelmäßig darauf sitzen! Jetzt kommt aber die Zeit des Denkens. Es sind noch viele Bücherkartons übrig. Diese müssen in Regale. Die können wir aber sinnvoll erst einräumen, wenn wir wissen, wo sie hinsollen. Das wissen wir erst, wenn wir wissen wie die Schreibtisch im Kaminzimmer stehen werden. Um die Schreibtisch im Kaminzimmer zu stellen, ist aber kein Platz, weil alles voller Kartons ist.

    Immerhin gelang es Madame, die Schrankschlüssel in einem Karton zu finden deren Fehlen bisher verhindert hatte, dass wir die Kartons auspacken können, in denen dann die Schlüssel lagen.

    Jeden Tag herrscht etwas weniger Sonderzustand und etwas mehr Alltag. Zum Entertainment aller Vorübergehenden stieg ich in der Küche auf die Leiter, hangelte hinter die Verkleidung vom Dunstabzug und mit viel Balance und wenig Fluchen gelang es mir, die IKEA-Fernbedienung Rodred mit der IKEA Unterbaubeleuchtung Irsta zu koppeln. Das ist gut, denn bisher konnten wir das Licht nur über die Sicherung an und ausschalten.

    Das war misslich. Noch misslicher war es, wenn der Sicherungskasten einen Großteil der Zeit von Umzugskartons versperrt ist.

    Anmerkungen

    1. Garbage in – garbage out. Oder anders gesagt: wenn die zugrunde liegenden Daten unvollständig, fehlerhaft und zufällig sind, dann kann die beste Datenauswertung nicht mehr viel machen. ↩︎
  • 25-11-15 Röntenbildentsorgung im ersten Stock

    25-11-15 Röntenbildentsorgung im ersten Stock

    Die deutschen Boßelmeisterschaften 2026 werden am 15./16. Mai 2026 in/um Wesselburen stattfinden.

    Beim Vorbeifahren entdeckt: Ex-Lustgarten (Angebot genau wie der Name vermuten lässt) hat sich nach seiner Zwischenstation als Sonnenstudio inszwischen als Weiterbildungs- und Coachinginstitut wieder erfunden. Es bleibt ein Ort, wo Seelen sterben.

    Entdeckung: der Änderungsschneider Hauptstraße zwischen Sachsendamm und Lidl hat ein unglaublich verschmitztes Lächeln – ich bin Fan.

    Hinterhofgeschichten

    Das Schöneberger Haus schafft es, immer neue Umdrehungen der Seltsamkeiten zu schaffen. Nachdem unser Haus-Hallodris den Hinterhof jahrelang als Müllkippe nutzten und sich Scharmützel mit interessierten Obdachlosen lieferten, scheint eine neue Phase angebrochen.

    Auch das letzte Autowrack wurde entfernt. Bis auf unser eigenes Auto ist der Hof komplett leer. Die Durchfahrt zum Hof bekam einen neuen Anstrich und neue Lampen – und das Tor ist abgeschlossen. Also soll zumindest abgeschlossen sein: Da die Mieter zweier kompletter Hinterhäuser (und all ihr Besuch) durch dieses Tor durchmüssen, es außer dem physischen Schlüssel keine Öffnungsmöglichkeit gibt, ist es natürlich komplett absurd das Tor dauerhaft abschließen zu wollen.

    Der Zettel, der sagte, „das Tor muss abgeschlossen werden“ – wie üblich natürlich ohne Namen, Ansprechpartner oder andere erkennbare Absender – hing auf jeden Fall keine 24 Stunden.

    Arbeitshypothese: Die Hallodris wollen mal wieder irgendeinen weiteren Teil des Hauses verkaufen, und dafür soll es so wirken als wäre das hier ein bürgerliches und wohlanständiges Grundstück.

    *kicher*

    Wir werden beobachten.

    Und sind auch nicht komplett böse, in deutlich geregeltere Verhältnisse zu ziehen.

    Ein Versuch einer Rekonstruktion

    Eigentlich wären wir dieses Wochenende in Frankfurt/Oder und Słubice und würden Dota auf der Transvocale hören. Aber dann zogen wir den Lottogewinn einer neuen Wohnung und seitdem ist es alles etwas hektisch und unübersichtlich gerade.

    Aktuell ist unser Leben schneller als wir selber, wir beide sahen uns heute Nachmittag an „Das mit dem Pain au chocolat, das Frühstück, das war erst GESTERN?“

    Also: Dienstag – Arbeit, abends zum Recyclinghof Wilmersdorf, Bett und Elektroschrott wegbringen.

    Mittwoch: Madame holte Gemüsli. Ich: ????? (War das der Tag an dem ich versuchte, einen Stromvertrag für Wilmersdorf abzuschließen???. Ich glaube es war der Tag, an dem ich um haaresbreite bei einer dreistündigen Softwareschulung eingeschlafen wäre)

    Donnerstag: Mobiles Arbeiten. Der Piano-Express transportierte ein Piano ein paar Kilometer nach Westen. Warten auf Godot die Küchenlieferung 1 (sie blieb verschollen). Küchenlieferung 2 und 3 kamen perfekt nach Plan.

    Freitag: Morgens um sieben Küchenbauer und Estrichmeister in Empfang nehmen, Frühstück in der neuen Wohnung mit Pain au Chocolat vom S-Bahn-Backstand. Danach bin ich zur Arbeit, Madame bespaßte die Küchenbauer. Ab Mittags bis in den Abend hinein wir beide: Diverse Verhandlungen mit IKEA-Chat und Hotline wegen Nachlieferung und Nachmontage. Abends IKEA vor Ort (Oberschschrank besorgen)

    Samstag: Bücher aussortieren; Bücher wegbringen zu Oxfam; Elektro, CDs, Haushaltsblech, Batterien zum Recyclinghof Gradestraße; bei IKEA eine vergessene Unterschrankbeleuchtung besorgen. Treffen mit Zia sociale und Zio macchina, Wohnung zeigen, Essen in der Heidelbeere.

    Holen..

    Die Sache mit der Küche ist kompliziert. Mittlerweile habe ich inzwischen so oft IKEA-Menschen zu erklären versucht, warum es zwei verschiedene Teilaufträge für eine Küche gibt, dass ich es nicht mehr schreiben mag.

    Auf jeden Fall führte die Spezial-Konstruktion dazu, dass 114 Küchenteile in der neuen Wohnung liegen, zehn (darunter leider Kochfeld und Spülschrank) fehlen.

    Freitag also waren zwei großartige Küchenbauer vor Ort, die einen Top-Eindruck machten, viele Ideen hatten, anfingen ein paar Schränke zusammenzubauen – und feststellten, dass sie ohne Spülschrank und Kochfeld, die Arbeitsplätte nicht zusägen können, und ohne Arbeitsplatte, die Wandpaneele nicht anbringen können und deshalb auch keine Oberschränke. Das war wohl vorerst wenig.

    Auf jeden Fall hatten sie noch lustige Ideen, die Küche abseits des IKEA-Standards ein bißchen aufzupimpen, was uns noch zu diversen Materialnachkäufen veranlasste. Wir werden berichten.

    ..und Bringen

    Gibt es besseres Wetter, um zum Recyclinghof zu fahren, als Dauerregen im Dunkeln? Auf jeden Fall – es macht mehr Spaß, wenn wir trocken stehen und etwas sehen können.

    Gibt es stimmungsvoll passenderes Wetter? – Auf gar keinen Fall.

    Nachdem ich Dienstag bereits auf dem Miniatur-BSR-Hof in Wilmersdorf war (soo niedlich) also heute zur Mutter aller Recyclingshöfe nach Neukölln; dort wo direkt nebenan die echten Müllautos losfahren, dort wo ich vermutlich auch radioaktive Abfälle und Kriegswaffen entsorgen könnte.

    Samstag Nachmittag – beste Zeit. Erstmal standen wir 30 Minuten hinter einem Kuwaitischen Botschaftsauto in der Schlange bevor wir auf den Hof durften.

    Dann staunte ich, dass der Recyclinghof zweistöckig ist: Unten Elektro, Schadestoffe und komplexere Sachen – oben Holz, Metall, Sperrmüll, CDs, Röntgenbilder. Die Container für Holz, Metall und Sperrmüll stehen im Erdgeschoss, so dass man vom Sonnendeck aus die Sachen einfach nach unten werfen kann.

    Dann stellte ich fest, dass ich im strömenden Regen 200 CDs aus ihren Packungen pfriemeln sollte, damit sie getrennt entsorgt werden. Und ich freute mich, was alles getrennt gesammelt wird.

    Sollte ich jemals alte Röntgenbilder von mir entsorgen wollen, weiß ich wo der entsprechende Container steht.

    Immerhin festgestellt: Wir haben wirklich sehr wenig echten Gruscht in der Wohnung. Fast alles sind Sachen, von denen wir denken „Ist gut. Aber wir haben inzwischen etwas Ähnliches in Schöner.“ (Das gilt zum Beispiel für die fünf Meter Buch, die heute bei Oxfam landeten) oder es waren sentimentale Erinnerungsstücke, die bereits mehrere Sortierrunden überstanden hatten in den letzten Jahren.

    Viele davon hatte ich heute allerdings in der Hand, und dachte „die Erinnerungen an Orten, Zeiten, Personen sind soviel lebendiger als diese Stücke. Ich brauche sie wirklich nicht.“ Und so verließen mich mehrere Dutzend Konferenzbadges, sowie ausgewählte Kleinigkeiten aus Studiums- und WG-Zeiten. Und auch der Hausausweis beim Europäischen Parlament:

    Nicht mehr Teil dieses Haushalts. Der Ex-Brüsseler-Hausausweis des Europaparlaments.

    The Unknown and the Gumpert

    Thomas ranted, zurecht: Keiner braucht KI in persönlichen Blogs

    Wenn ich es dieses Wochenende schon nicht nach Frankfurt/Oder schaffe, kann ich nachlesen wie der Umblätterer dort vor ein paar Wochen eine Ausstellung besuchte: GKM in der Hansestadt Frankfurt an der Oder

    Watching Forever beschreibt einen Film (“The Unknown” von 1927) und zwei Gedanken sind in meinem Kopf (1) Wie um alles in der Welt, konnte ich Lon Chaney bisher verpassen! (2) Das Film wäre voll was für Herrn Rau.

    Herr Rau allerdings spielt währenddessen mit einem Schweinskopf.

    Margrit und Wally lesen vor. Und als hätte ich nicht gerade mehrere hundert Bücher entsorgt, denke ich “ das wäre schön, vielleicht antiquarisch?“: Die Unbehausten

    10 Jahre Jubiläumsschild „20 Jahre Friseursalon Gumpert“

  • 25-10-11 Vollzeiteinfädeln

    25-10-11 Vollzeiteinfädeln

    Es hat Pfumb gemacht. Das Auto springt an. Der Subaru hat nach drei Wochen des Nicht-Bewegtwerdens im Jahre 2025 problemlos den Sprung in die Herbst der kühlen Temperaturen geschafft. Damit verläuft dieser Herbstbeginn besser als der von 2023 (Ausfall wegen Batterie) und der von 2024 (Ausfall wegen Benzinpumpe).

    Auch sonst lief und bewegte sich eine Menge. Aus dem Urlaubsrhythmus kommend, versuchte ich mich in ein derzeit wildbewegtes Alltags- und Arbeitstempo einzufädeln, ohne überfahren zu werden.

    Gefühlt war Kalenderwoche 41 meine erste echte Vollzeit-Arbeitswoche seit Mitte Juli – Wochen in denen vieles gestartet wurde, das nun mit voller Wucht auf mich hereinkam. Ich konnte weder sagen „ich bin schon wieder weg“ oder „dann bin ich ja im Urlaub“, sondern es kam alles auf mich. Der Lackmeister, mein Halt-mir-den-Rücken-frei-Kollege, hat extra mit seinem Urlaub gewartet, bis ich wieder voll ansprechbar bin, aber nun es ist soweit. Er ist weg, ich geriet in eine bewegte Woche.

    Nicht das Wichtigste, aber erinnernswert an einer erlebnisreichen Woche: Meine überraschend lang andauernde Erklärung, dass sich ein defektes Kabel auch in Fällen hoher Dringlichkeit nicht remote reparieren lässt.

    Immerhin konnte ich fast das komplette Wochenende damit verbringen, in eine Decke eingehüllt auf die Latifundien zu schauen, Kraniche und Stare(?) zu bewundern, etwas zu lesen und etwas mehr zu schlafen.

    Nachdem ich jetzt eine Woche Zeit hatte, mich wieder im Alltag einzufinden, mich selbst, Arbeit und sonstige Umwelt wieder in einen zueinander passenden Rhythmus zu bringen, geht es auch das Blog wieder richtig. Ich schreibe am Sonntag über die Woche, die Sonntag zu Ende geht.

    Es war eine Berliner Woche der Arbeit und anderthalb Tage des Schlafens in den märkischen Hamptons.

    Während vor mir ein Farbbeispielkatalog liegt, macht auch das Wetter deutlich: der graue Alltag hat mich wieder.

    Auf dem Weg zur Arbeit passierte ich den Möbel-Hoffi. Quer über den Parkplatz des noch leeres Geschäfts dröhnt ununterbrochen eine automatisierte Lautsprecherdurchsage „Herr .. bitte sofort zum Kontrollpunkt kommen. Herr … bitte sofort zum Kontrollpunkt kommen. Herr … bitte sofort zum Kontrollpunkt kommen.“ – so beginnen Horror- oder Zombiefilme.

    Das ehemalige Café Lavazza am Bahnhof Südkreuz verwandelt sich in ein Café Einstein. Im Rahmen der bahnhofsbedingten Systemgastronomie scheint mir das das Beste, was passieren konnte.

    Berlin semisperrte eine weitere Autobahnbrücke. In besseren Nachrichten: die neue Show im Friedrichstadtpalast lief an.

    Direkt neben der semigesperrten Brücke erhielt ich eine Führung durch das Stadtbad Wilmersdorf I selbst inklusive des Chlorgasraums. Madame kaufte kurz darauf Forellenkaviar in Berlins Kaviar-Epizentrum, dem Ledo am Heidelberger Platz.

    Die Gemüslichkeit entschuldigte sich fast für den Herbst und den Wechsel des Ernteanteils von Tomaten und Zucchini hin zu Möhren und Kartoffeln. Wobei ich denke: Noch empfinden die meisten den Wechsel als abwechselnd. Viel spannender wird es ja, wenn es im März immer noch Möhren und Kartoffeln gibt.

    Ich bearbeitete die Möhren, die schon fast klischeehaft klein und verknorzt waren. Aber ich glaube noch nie stand ich in einer derartigen Wolke Karottendurft einfach nur beim Putzen des Gemüses. Ich bin begeistert.

    Café-Literaturpreis

    Weiter gelesen in Moritz Klopsteins Effi-Briest-Adaption. Dabei das schöne Wort Haselant gelernt1 und beschlossen, es in meinen aktiven Wortschaft aufzunehmen.

    Gelesen. Das zum Geburtstag geschenkte Buch Ein Bauch spaziert durch Paris – nach dem Besuch von Paris und von Vincent Klinks Wielandshöhe in der Vorwoche natürlich die perfekte Nach-Reise-Lektüre.

    Etwas anstrengend: das Füllmaterial, das sich sehr nach einer Paraphrase der entsprechenden Wikipedia-Artikeln zu Paris anhört. Lohnend: Seine eigenen Schilderungen, Begegnungen, seine Obsession mit Hotelbars und natürlich die zahlreichen Restaurantbesuche.

    Mit besonders in Erinnerung geblieben:

    Das Café Les Deux Magots, das seit 1933 einen eigenen Literaturpreis vergibt. Obwohl es seit dem 1950ern Stammgast eines jeden Reiseführers ist, soll es laut Klink immer noch sehens- und erlebenswert sein. (Salat um die 25-30€))

    Das Grand Véfour, in dem schon Danton und Robespierre aßen, später dann Jean Concteau, Colette und andere. Heute betrieben von Guy Martin und laut Klink immer noch eine Empfehlung. (Drei-Gang-Mittagsmenü aktuell 70€ plus Getränke)

    Das Jules Verne. Nachdem ich es schaffte, Paris hemmungslos zu verfallen, und dabei den Eiffelturm komplett zu ignorieren2, brachte mich Klink auf die Idee, dass man sehr viel Touri-Entertainment vermeiden, und dabei hervorragend essen kann, indem man das Turm-Restaurant besucht. Das hat zwei Sterne und eine hervorragende Aussicht. (und hier kostet das Vier-Gang-Mittagsmenü aktuell 180€ plus Getränke. Die Website weist nachdrück auf den Dresscode hin)

    Neben vielen spannenden Infos über Paris, hat es mir aber auch geholfen, unser Essen letzte Woche noch besser zu verstehen. Denn im Buch wird deutlich: Zwei Herzen schlagen ach in seiner Brust: der bodenständige-fast-puratinische-Schaffer-Schwabe, und derjenige, der hemmungslos Pariser Großartigkeit und Darstellungsgabe verfallen ist. Beides findet sich in seiner Karte.

    Musik

    Im ehemaligen Mecca-Klavierbau zieht Miamorflora ein.

    Ein Klavierbauer besuchte die Wohnung. Er begutachtete das geerbte Zimmermann-Klavier, das der ehemalige Mecca-Klavierbauer3 als irreparabel defekt bezeichnet hatte. Die gute Nachricht: Der Zweitmeinungs-Klavierbauer sieht das nicht so. Die schlechte Nachricht: Jetzt müssen wir es wohl mal in Ordnung bringen lassen.

    Aus der Konserve läuft beim Schreiben dieses Textes die CD Monika Roscher – Witchy Activities; auch ein Geburtstagszugang dieses Haushalt und ein sehr hörenswerter. Vielen Dank!

    Text

    Juna, irgendwie jüdisch, Der siebte Oktober. 7. Oktober 2025

    Beim Durchirren von Stuttgart 21 fragten wir uns, was eigentlich aus dem angekündigten Neubau des Bahnhofs Altona wurde. Stern.de lieferte eine aktuelle Antwort: Was Stuttgart kann, kann Hamburg auch: Bahnhof Altona wird Jahre später fertig

    Hätte ich den Samstag nicht unter Kranichen verbracht, dann im Erinnern an den Türkischen Bazar im Bahnhof Bülowstraße: Ein U-Bahnhof als Herzstück deutsch-türkischen Lebens in Berlin Ich hoffe jetzt auf die kommenden Jahre.

    Ding, ding, ding! – oder: warum ich versuche, möglichst alte Autos zu fahren, oder: niemals wusste die Menschheit mehr über die Gestaltung von Bedienoberflächen und niemals war sie schlechter darin.

    Hurra, lesenswerter Popjournalismus: Lola Young ist nicht Amy Winehouse! (via holy fruit salad)

    Lorenzo unaufgeregt: Sanktionen beim Bürgergeld verschärfen: Wissenschaftliche Kritik und Befunde

    So wichtig: dazwischen ausreichend freiraum, spielraum für später. da alles, damit hatte ich nicht gerechnet. // um meine imaginationsräume zu öffnen. so sage ich, und genau so stimmt es.

    Anmerkungen

    1. „Der Wallache war ein richtiger Haselant! Und als solcher nicht vertrauenswürdig“ ↩︎
    2. Weil ich es kann! ↩︎
    3. Der gar kein ausgebildeter Klavierbauer war, wie wir jetzt lernten. ↩︎

  • 24-10-31 Metall auf Metall (Berlin -> Chemnitz)

    24-10-31 Metall auf Metall (Berlin -> Chemnitz)

    Letzte Woche fragte Madame einen Teilnehmer des Wikipedia-Stammtischs woher sein ungewöhnlicher Nickname kommt. Antwort: Das ist mein bürgerlicher Name.

    Beim Postwestfalen lerne ich, dass in Löhne (Ostwestfalen) eine schwule Schafherde entsteht. Das erfreut mein Herz. Vor meinem inneren Auge sehe ich sofort Schafböcke in Togen (Togas?) gewandet, die durch Dampfbäder streichen – vermutlich Erkältungsnachwehen.

    Erfreulicherweise bringt der Postbote den vor zwei Wochen bestellten Sommer: Eine CD italienischen Discopops mit Annalisa.

    Italopop-in-Dauerschleife gehört zu allen ernsthafteren Fernuni-Aktionen. Vor mir liegt eine DIE Seminararbeit.

    Ich habe genug Literatur, um eine Masterarbeit zum Thema Sensitivitätsanalyse zu schreiben. Leider verstehe ich die Literatur nur mäßig und habe auch nur 12 Seiten Platz.

    Selten wird unsere Abteilung vom Thema „Technische-Infrastruktur für Aquafit-Kurse“ gestreift. Für ein Spielkind für mich natürlich ein Festtag, wenn plötzlich eine große Boombox mit schwimmbadfähigem Lautsprecher und High-Energy-Music-Mix im Büro steht. Die Szenen im Büro waren genau so. I swear.

    Metall auf Metall (Geräusch) erklingt von der Dachbodenbaustelle. Da wir mandelentzündungsbedingt mehr Zeit in der Wohnung verbringen, bekommen wir mehr von den Geräuschen mit. Manchmal klingt es auch so, als wäre die Baustelle direkt neben mir. Dann zucke ich zusammen. Insgesamt überwiegt bei mir die Hoffnung auf ein wiederkehrendes echtes Dach jegliche Baustellengenervtheit.

    ich hab‘ kein bock auf kompromisse

    Metall auf Metall (Kraftwerk-Song) erklingt aus Madames Rechner. Diese bereitet eine Einheit zum Thema Urheberrecht vor – erklärt am Beispiel Metall auf Metall.

    Metall auf Metall ist ein Kraftwerk-Song, den die Band 1977 auf dem Album Trans-Europa Express veröffentlichten. 1997 sampelte Moses Pelham zwei Sekunden „Beat“ aus Metall auf Metall für Sabrina Setlurs Nur mir.

    Seitdem streiten sich Pelham und Kraftwerk darüber, ob Pelham das durfte? Ist dieses samplen legal? Der Streit hat inzwischen viele Runden beim OLG Hamburg gedreht, war fünfmal beim BGH, einmal beim Bundesverfassungsgericht und liegt seit September 2023 zum zweiten Mal bei EuGH. Sowohl Kraftwerk wie Pelham sind in der Sache Überzeugungstäter und bereit, das Thema bis zum bitteren Ende auszufechten.

    Didaktisch ist das Stück schön, den man ganz von Anfang an durchkaspern „Was ist Urheberrecht? Was schützt es? Was sind Deine Grenzen?“ in quasi beliebiger Komplexität. Inhaltlich kann sich unter so einem Sample spätestens nach dem Hörbeispiel jede*r etwas vorstellen und einen gewissen Unterhaltungswert hat es auch.

    Wer sich weiter durchkaspern will. Ganz grundsätzlich bei arte: Seit 20 Jahren vor Gericht wegen 2 Sekunden Musik zur aktuellsten Volte seit 2023 bei der Legal Tribune Online: Kraft­werk-Fall geht noch mal zum EuGH

    Rechnen

    Noch bevor ich hustend daniedersank, beendete ich Pi mal Daumen. Im zweiten Teil des Romans nimmt eine gewöhnliche Handlung mehr an Fahrt auf. Dafür geht es weniger ums Mathestudium.

    Zwischenzeitlich erinnere ich mich wieder, warum ich damals mit Scherbenpark haderte: Es riecht nichts. Trotz aller treffender Beobachtungen: Alles wirkt immer etwas konstruiert und trotz Ich-Erzählers wie durch eine Glasscheibe betrachtet. Der Autorin möchte ich gelegentlich zurufen: Einmal Anlauf nehmen und einfach mit Schwung in die Situation reinwerfen, weniger überlegen, ohne Nachdenken ab ins Getümmel!

    Was wenig daran ändert: Kurzweiliges, sehr schönes Buch. Ich fühle meine rudimentären Mathe-Studiums-Erlebnisse gut beobachtet und beschrieben. Im Roman kommt Mathematik nur mal als Schlagwort vor – keine Sorge, keine Formeln, keine Zahlen – aber es freut mich natürlich wenn die beiläufigen gedroppten Mathebegriffe richtig und stimmig sind an dieser Stelle.

    Ein Sonderlob möchte ich auch noch aussprechen: Der Roman hat eines der schönsten Enden, die ich je in einem Roman las.

    Fahr’n fahr’n fahr’n

    Wenn meine Abteilung maßgeblich ist, wird nächste Woche ganz Deutschland krankgeschrieben sein. Immerhin wechselte ich von (ungeplanter) Krankschreibung in den (geplanten) Urlaub, und werde mich Montag überraschen lassen, ob außer mir noch jemand anwesend sein wird.

    Die Gesamtkonstitution des Haushalts reicht wieder für Aktivitäten. Auf zum traditionellen Halloween-Burger-Trip nach Chemnitz. Wir verzichteten auf das Abenteuer Deutsche Bahn (RE8 nach Elsterwerda, dann ein anderer RE nach Chemnitz), sondern gönnten dem Subaru nach der Reparatur Auslauf.

    Die Autobahnen blieben feiertagsleer. Das 50s Ville Diner wartete schon auf uns. Und es ist genauso liebevoll gemacht wie ehedem. Die Halloween-Deko im Diner winkte uns schon (Animatronic!. Das Personal war so herrlich blutverschmiert und spinnennetzbehangen wie erwartet. Das Zimmer hatte mehr 1950er-Jahre-Flair als die CDU. Bevor wir uns aber Samhain-Burger und Radioactive lemonade widmen konnten, erfolgte ein weiterer traditioneller Programmprunkt: das smac im Schocken.

    Häckseln

    In einem Blog lese ich von Firmware-Updates des Autos und alles in mir schreit „Neeeein“. Ich möchte bitte ein Gefährt, dass so mechanisch wie möglich ist, und welches das Wort Software nur aus weiter Ferne kennt.

    Dann lieber Zug fahren. Zum Beispiel von Hamburg nach Brüssel oder von Brüssel nach London.

    Nicht mehr mit dem Zug machbar: In einer Gewalttour von Berlin über Istanbul nach Almaty und weiter nach Jarkent an der chinesischen Grenze in etwas weniger als 24 Stunden.

    Anke Cras häckselt Mais.

    Bei Frau Brüllen erntet Sellerie.

    Armin Hanisch telefonierte einst mit Peter Norton.