Schlagwort: Friedrichstraße

  • 25-10-28 Kafkaeskes Tingeltangel

    25-10-28 Kafkaeskes Tingeltangel

    Mein Schwimmbad-Zahlenschloss tauchte wieder auf. Wenig überraschend eigentlich fand ich es in einer Schwimmtasche. Aber halt nur in der B-Schwimmtasche, wo ich doch die ganze Zeit in der A-Schwimmtasche gesucht hatte.

    Jetzt reorganisierte ich A und B in „Alte-Wohnung-Schwimmtasche“ und „Neue-Wohnung-Schwimmtasche“ und dabei fand ich Einiges.

    Vor Freude beschloss ich wieder, an meinem Schwimmbadbuch weiter zu arbeiten. Derzeit bin ich gedanklich eher bei einem Roman. Verschiedene Lebenswege die sich kreuzen. Verankert in einem Ex-DDR-Schwimmbad, das fast im aktuellen existierenden Berlin steht, aber nicht ganz. Arbeitstitel: 5 Bahnen.

    Ich erfuhr Döntjes aus der guten alten Zeit der BBB und bedaure zutiefst, diese nicht öffentlich teilen zu können.

    Beim Schreiben fällt mir auf: Diese Döntjes lassen sich verfremdet natürlich super im Roman einbauen.

    Es war ein Sonntag zwischen Latifundien und Theater, ein Montag zwischen Office und IKEA und dem Stadtbad Wilmersdorf.

    Wenn ich bei Bund ID eine Supportanfrage stelle, landet diese beim IT-Dienstleister Bechtle. Ich treffe doch immer wieder dieselben.

    Fast hätte ich meine Armbanduhr wieder auf Normalzeit gestellt. Leider vergesse ich jedes Halbjahr wieder, wie ich sie stelle. Im Zweifel zeigt sie mir dann immer nur noch das Hochwasser vor Hawaii an, nicht aber die Uhrzeit in Berlin.

    Auch nicht merken kann ich mir: Die Antipasti-Platte in der Pizzeria Marienkäfer ist riesig. Selbst bei der „kleinen“ Platte geteilt durch zwei Personen sollte mensch sie keinesfalls „Anti“ irgendwas essen, weil das Irgendwas dann immer zuviel ist. Auch merken: Beim Marienkäfer-Besuch immer eine Flasche Wasser für danach einpacken; selten sind wir im Restaurantnachgang so durstig wie dort.

    Was schlechter klingt als es ist: Für einen Vor-Theater-Friedrichstadtpalast an der Friedrichstraße ist der Marienkäfer sehr gut geeignet.

    Erst fliegen Kraniche, dann Zweige

    Einmal Herbst im Schnelldurchlauf bitte. Hatten wir am Beginn des Sonntagsfrühstücks noch überlegt, es ob des wildromantischen tiefen Sonnenscheins nach draußen zu verlegen, war uns drei Stunden später zum Ende hin, doch sehr wohl, nicht im stürmischen Starkregen zu sitzen.

    Le pianiste kam und hatte schwäbische Backwaren aus Friedrichshain mitgebracht. Am Beginn: ein zauberhaftes Draußen, schon bevor Kraniche über dem Garten kreisten, die Gesprächsthemen allerdings mit starkem Drang Richtung November. Insofern passte sich das Draußen dem Drinnen an. Auch dort eher Dauerregen.

    Jemand musste Josef K. verleugnet haben

    Insofern war Kafka keine unpassende Abendgestaltung. Barrie Kosky verließ die Komische Oper und inszenierte am Berliner Ensemble K. – ein Abend, um Kafka herum, angekündigt unter anderem als Jiddisches Tingeltangel.

    Kern des Stückes war Kafkas „Der Prozess“ auf deutsch, jiddisch und hebräisch, verschachtelt mit anderen Kafka-Texten (Strafkolonie, Hungerkünstler, vor dem Gesetz), jiddischem Vaudeville von 1900 und herzerreissenden Szenen mit Dora Diamant und Franz Kafka.

    Die Stücke fielen ineinander. Wenig erklärt, es passierte. Und wenn ich so Kritiken lese (sehr schön gesammelt bei Nachtkritik, inklusive Leser*innenkommentare), liegt da der Punkt. Entweder mensch findet dieses Aufeinanderfolgen der Teilstücke in sich stimmig – dann ist es ein großer Abend, oder eben nicht. Dann bleibt es fragmentarisch unbefriedigend.

    Für mich funktionierte es: Es war halt kafkaesk – immer etwas desorientierend, eine eigentümliche typische Mischung aus archaischer Überwältigung und dem Gefühl, dass alles Gesetzmäßigkeiten folgt, die ich fast verstehe, aber doch nicht ganz. Es gibt eine Logik, und ich bin in ihr geworfen.

    Selbst die jiddischen Vaudeville-Stücke, lebensnah, witzig, swingend und energetisch gespielt und gesungen, wirkten für mich eher als Resonanzraum, als Sonne, die die Schatten des eigentlichen Kerntückes noch viel dunkler und bedrohlicher wirken ließen.

    Und dann: Alma Sadé als Dora Diamant singt jiddische Übersetzungen aus Schumanns/Heines „Dichterliebe“. Zum Heulen.

    (Mehr zum jüdischen Kafka-Aneignung des Stücks vielleicht später. Andererseits kann ich auch einfach die Jüdische Allgemeine verlinken: K. wie Kafka wie Kosky)

    Es gibt keinen Geheimgang bei IKEA

    Umzugsbedingt führt uns derzeit der ein- oder andere Weg zu IKEA und insbesondere ins IKEA-Küchenstudio. Dort lernten wir:

    • Immer wenn es etwas komplizierter wird, sagen durchgehend alle Berater*innen: „Ich muss jetzt mal die alte Software aufmachen.“
    • Wobei es generell nicht gut ist, wenn es komplizierter wird. Offenbar nehmen neue und alte Software die Damen und Herren dort so eng an die Kandarre, dass alles, was nicht den drei definierten IKEA-Basisprozessen entspricht, zu einem sofortigen „Computer sagt nein“, führt.
    • Unsere Konstellation, die nicht ganz normal, aber auch nicht wahnsinnig kompliziert ist, liegt doch außerhalb der drei definierten IKEA-Basisprozesse, was unmittelbar zu herumeiernden Mitarbeiter*innen auf allen Ebenen führt. Aber wird schon werden.

    Spannend der Abend als wir bis 20:15h beim Küchenberater saßen. Das Möbelhaus hatte schon 15 Minuten geschlossen. Die Etagenchefin wollte uns bereits herauswerfen. Der Berater durfte uns nur fertig beraten, wenn er mit heiligem Indianerehrenwort versicherte, uns danach persönlich bis zur Ladentür zu bringen.

    Interessant, durch einen leeren IKEA zu laufen. Lehrreich, dass wir auch in Begleitung eines ortskundigen Menschen mit theoretischem Zugang zu eventuellen Geheimgängen denselben Slalom durch viele Abteilungen liefen, den wir auch privat gelaufen wären. Dieser seltsame Rundparcours ist wirklich der schnellste Weg durch das Möbelhaus. Auch die Angestellten müssen dadurch.

    Zu Fuß kurz vor IKEA

    Kachelbetrachtungen

    Die neue, noch nicht bezogene Wohnung, ist badefreundlich. Und so nutzen wir sie bereits als Basislager für Ausflüge in die Schwimmhalle ins Stadtbad Wilmersdorf (I). So voll. Ein ehr sportlich ambitioniertes Publikum, deutlich diverser als ich es von meinen letzten Besuchen vor ein paar Jahren in Erinnerung hatte. Aber schön. Erstaunlicherweise gelang mir inmitten der wogenden Menschenmassen sogar Bahnenschwimmen.

    Wir werden weiter beobachten.

    Hit. It’s Me. Percy Puddletree.

    Hi, It’s Me, Wikipedia, and I Am Ready for Your Apology

    Unser Hamburg-Korrespondent Percy Puddletree live vor Ort.

    Währenddessen die Kaltmamsell beim Jüdischen Neujahrskonzert in München und Astrid auf Entdeckungtour im ehemals jüdisch geprägten Frankfurter Ostend: Spurensuche: Die Naxoshalle in Frankfurt

    Ach du Scheiße. Nachbarn!

    Erik mäandert und das liest sich sehr unterhaltsam, bei kalle kein mäandern sondern straight to the point des Kreisens: ich blogge, also bin ich.

    Das Commodore-Amiga-Betriebssystem wird weiter entwickelt: Amiga OS 3.3 in 2026

  • 24-06-18 Boeuf Bourgignon („Die 35 bitte an 205“)

    24-06-18 Boeuf Bourgignon („Die 35 bitte an 205“)

    Wir benötigen Holzschrauben 5×40, Grafschafter Goldsaft und türkischen Schwarztee.

    An der Nordsee wurde ein Familievater händchenhaltend mit nicht-der-Familienmutter gesehen.

    Ebendort scheint Buddleia ditmarsi vielleicht doch noch zu leben.

    Mein Fußballtipp-Catencaccio zahlt sich bisher aus: Platz 3 von 45. Team IT liegt auf Platz 1 von 18 Teams. Madame weiß dass schon, weil ich vielleicht das ein oder andere mal davon erzählte.

    An der Wilhelmstraße thront ein weiteres Nike-Werbe-Mural. Hier auf die touristische Kundschaft abgestimmt: In Berlin-Mitte blickt Kylian Mbappé huldvoll auf die Massen unter ihm. Im Gegensatz zu Musiala kannte ich Mbappé sogar schon vor der EM.

    Radfahren einmal quer hin- und her durch Berlin offenbarte erstaunlich viel Kneipen-Public-Viewing selbst bei Belgien gegen die Slowakei.

    Gelesen: Kirmes im Kopf. Licht und Schatten. Ich habe den Eindruck, die Autorin hat sich viel Mühe gegeben, ein viel zu betuliches Buch zu schreiben. Immerhin habe ich einiges gelernt für den Umgang mit dem ein oder anderen Menschen im Umfeld. Die sind nicht ADHS-diagnostiziert und ich würde das auch nicht auf Basis eines Buches machen wollen. But if it walks like a duck and talks like a duck, maybe es ist eine gute Option to treat it like a duck.

    Madame landjoggte und aquajoggte. (SK11 / 7,27€).

    Das Sportbad Britz ist ab 1. Juli für die Öffentlichkeit zugänglich. Und auch wenn dieses Jahr ein Insulanerjahr werden wird – einmal nach Britz muss sein.

    Biking Berlin

    Berlin-Verwunderung: Seit etwa 10 Jahren existiert ein toller Nord-Süd-Radweg durch den Park am Gleisdreick. Der bringt den Süden Berlins auf angenehmer Strecke vom S-Bahn-Ring fünf Kilometer bis zum Potsdamer Platz. Der Radweg ist liebevoll gemacht.

    Seine Einbindung in die Stadt ist nichtexistent.

    Am Südkreuz endet der Radweg irgendwo auf einem Parkplatz. Vom Parkplatz weg gibt es keinen wirklich guten Weg. Will man weiter nach Süden auf den anschließenden wunderbaren Radweg im Park jenseits der Stadtautobahn muss man sich irgendwie an den Mülltonnen vorbeizwängen und hoffen nicht vom Linienbus überfahren zu werden.

    Richtung Norden muss man auf halber Strecke auf die Straße, um einmal Eisenbahnschienen zu überqueren. Weder die Ein- noch die Abfahrt von der Straße sind irgendwie gestaltet oder auch nur mit Schildern versehen. Es werden einfach jede Stunde viele Dutzend Radler quer auf die Straße geworfen, die sie dann irgendwie passieren müssen.

    Ach Berlin, so gut angefangen und beim kleinen bißchen Mühe, das noch erforderlich gewesen wäre, so kläglich versagt.

    Die Wolke

    Das puschelige Gras um den Grillplatz herum ließ sich als Calamagrostis epigejos (L.) Roth / Gemeines Reitgras, auch Landschilf genannt, bestimmen.

    3R ist mature.

    Fürwahr ist es in Brandenburg trockener als in anderen Gebieten Deutschlands. So auch 2024. Wenn uns auch Sturzfluten, Dauerregen und wochenlanges Grau erspart blieb, so hatten wir den ein oder anderen Regen.

    Seit Wochen warten Outdoor-Malerarbeiten, weil jedesmal ein Regen angesagt wird, der schlecht für die Untergrund- und Farbtrocknung wäre.

    Bis auf Sonntag. Die Wettervorhersage versprach einen ganzen Tag des Sonnenscheins.

    Madame strich die Bungalowtür und grundierte die Pergolagitter Süd und Mitte. Und dann kam die Wolke. Die eine, die 15 Minuten alles unter Wasser setzte. Nächster Versuch beim nächsten Latifundienaufenthalt.

    Das ungewohnte Wasser sorgt weiterhin für ungewohnte Farbintensität und Wachstum. Die weiße Eden-Rose scheint sich dieses Jahr für ein kräftiges Rosa zu entscheiden.

    Würde eine Hummel auf der Kugeldistel sitzen und mit mir reden, wäre es ein Gespräch auf Augenhöhe.

    Das Rätsel der vielen Meisen im Garten klärte sich auf. Beim Streichen der Tür entdeckte Madame gleich zwei verlassene Meisennester, die tief in Gehölzhöhlen des Bungalows hineingekrochen waren.

    Währenddessen lag ich auf der Erde und verfluchte die Produzenten von Kunststoff-Beetumrandungen. Immerhin erlaubte mir das einen intensiven Blick auf den Boden – dort war gleich ein Dutzend Löcher, in einige von ihnen gingen Solitärbienen und -Wespen ein und aus.

    Eine hatte anscheinend im Einrichtungshaus ein großes Blatt geschossen und war dabei sich der Innendekoration zu widmen.

    Solitärwespe schleppt einen Teil eines Blatts in ihren Bau. Daneben heruntergefallenes Blatt einer Mohnblüte.

    À la dernière seconde

    Ende Juli schließen nach 30 Jahren die Galeries Lafayettes in Berlin. 30 Jahre ignorierten wir sie – welch Fehler. Sie waren zu Friedrichstraße, zu Mitte, zu Touristen.

    Die Galeries in Berlin sind ein wenig wie das KaDeWe, nur kleiner, übersichtlicher und französischer. Und halt vorbei. Ende Juli werden sie Geschichte sein.

    Im Untergeschoss , wir hätten es ahnen können, befinden sich Restaurants. Wenn Franzosen sich Mühe geben mit Restaurants… ach, zu spät, Blödheit wird bestraft. Professor Transformation schleppte Madame letztes mit. Und diese schleppte nun mich mit.

    Wir aßen in einem kleinen Bistrosetting, umgeben von Baguetterie und in Sichtweise von Käse- und Fischstand. Ab und an erreichtens uns Ansagen („die 35 an die 205 bitte“). Wie aßen zwei plats du jours. Madame eine Aubergine gefüllt mit Hackfleisch, ich Boeuf Bourgignon. Dazu der empfohlene fruchtig-trockene Wein und Wasser.

    Nicht einmal utopisch teuer war es. Gerade in der Gegend kann mensch für sehr viel mehr als 60 Euro sehr viel schlechter essen.

    Wir blöd wir waren, wie schön, dass wir noch gerade eine Kurve bekamen.

    Ironwoman

    Tough: 15 Stunden 27 Minuten einen Ironman mitzumachen. (via Buddenbohm)

    Tougher: Live-Tagebuchbloggen aus dem Kreißsaal.

    Nach dem Konzert im Restaurant:

    Nachdem ich sinnloserweise alle Gäste beobachtet hatte, ob einer von ihnen vor die Tür ginge, wo ich gnadenlos geschnorrt hätte, fragte ich den Barkeeper, ob er wüsste, wo ich eine einzige Zigarette herbekäme. Woraufhin kurze Zeit später jemand aus der Küche kam und mir ein kleines Tellerchen überreichte, auf dem eine gestärkte, gefaltete Serviette lag, darauf eine einzelne Zigarette, daneben ein Streichholzbriefchen mit dem Tantris-Logo. „Ist Camel okay?“ War total okay, kein Light-Scheiß, danke an den unbekannten Koch oder Spüler, der eine Zigarette entbehren konnte.

    Samstag, 15. Juni 2024 – Béla Bartók und Brandy Alexander