Schlagwort: Hakan Nesser

  • 25-08-30 Bin ich Bernd?

    25-08-30 Bin ich Bernd?

    T minus 3. Noch drei Tage bis zur Abgabefrist der Bachelorarbeit.

    Im Bus fragte mich eine Frau: „Entschuldigung, aber heißt Du Bernd?“. Äh, nein. Ich bilde mir ein, diese Frage vor ein paar Jahren schon mal bekommen zu haben. Anscheinend habe ich einen Doppelgänger in Berlin.

    Madame zeigte Fotos aus Halle und berichtete von einem Ministeriumsvorbereitungsgespräch. Später kaufte sie einen italienischen Terrassenvorhang und fuhr damit auf eine Party nach Hamburg.

    Im Motzkiez ist Folsom Europe. Ich fuhr zufällig mit dem Bus vorhin und freute mich sehr an den ganzen Männern in Leder, Latex und anderen phantasievollen Anzügen. Nachdem meine Wahrnehmung entsprechend ausgerichtet war, erfreute ich mich fast noch mehr daran, auch im ganzen weiteren Stadtgebiet Männer in eher kurzen Lederoutfits zu sehen. Meine Lieblinge aber war das Pärchen in Ganzkörperleder mit Hundemasken am Bahnhof Zoo. Mehr Folsom wagen!

    Unabhängig vom Folsom(?) eine Frau mit zerrissene-Strumpfhose-Tattoo am Bein. Spannend.

    Am Steinplatz wunderte ich mich über eine aparte aber am Ort überraschende Statue einer Kröte auf der Rasenfläche. Bis sie sich bewegte und sich als liegender Mops herausstellte.

    Es war ein Freitag und ein Samstag des Bachelurlaubs.

    Das Hygrometer im Wohnzimmer zeigt bei geöffneter Balkontür knapp 80% Luftfeuchtigkeit. Das erklärt das tropische schweißfreundliche Feeling, selbst bei gemäßigten Temperaturen.

    Freitag führte der Weg ins Insulanerbad. Alle Wege waren noch regennass. Aber ich kam trocken ins Becken. Wir teilten uns eine Doppelbahn zu zweit und damit war natürlich alles wunderbar. Sogar ein weiterer Regenschauer war mir vergönnt. Denn es gibt kaum etwas jauchzerinduzierendes als eh schon im Wasser zu sein und dann im Regen zu schwimmen. Nur das Handtuch litt etwas.

    Wann führt Berlin endlich ein Badeschluss-Lied ein? Zu den vielen, vielen Sachen, die Wien besser hinbekommt als jede deutsche Stadt, gehört der Schwimmbadbetrieb eindeutig dazu.

    Samstag ein kleiner Spaziergang wieder auf den Spuren von Carlo Levi und Håkan Nesser.

    10961

    Zum Soundtrack der Arbeitet entwickelt sich deutlich der Song Occhi a Spillo auf Dauerschleife.

    Aktueller Stand: 10961 Worte. Wortvorgabe des Lehrstuhls sind 9000 bis 11000. Für die Zählung von Formeln etc. bin ich gerade zu erschöpft.

    Aber: Die Wörter stimmen. Es gibt ein Fazit und ein echtes Literaturverzeichnis. Ich finde keine Fehlrechnungen mehr. Die Arbeit ist quasi fertig. Ich könnte sie mit gutem Gewissen so einreichen.

    Jetzt habe ich noch drei Tage Zeit, um den Text noch ein wenig schöner machen.

    Das Literaturverzeichnis wurde spannend. Der Lehrstuhl sagt „Hardvard-Stil.“ Menschen, die sich damit auskennen, werden jetzt kurz auflachen. Es gibt ungefähr zwei Dutzend Zitierstile, die sich „Harvard“ nennen. Das vom Lehrstuhl gegebene Paxisbeispiel einer Literaturangabe entsprach keinem dieser zwei Dutzend Stile.

    Zum Glück besitzt eine Suchoption, bei der ich einstellen kann „Namen in Kapitälchen – Check.“, „Jahreszahl in Klammern – Check“, „Keine typographische Auszeichnung des Aufsatztitels – Check“. Und so weiter. Es fanden sich drei ungefähr passende Stile: „Berichte über Landwirtschaft“, „geoLoge“ und „HNI-Berlag“. Ich entschied mich für einen modifizierten geoLoge.

    Erudiendae Artibus Iuventuti

    Es funktioniert recht gut, den Kopf im Wechsel mit Schwimm- und Spaziereinheiten freizubekommen. Nachdem Freitag Swimming in the rain angesagt war, also am Samstag wieder ein längerer Spaziergang. Erstmals im Bachelurlaub hatte ich alle 46 Seiten (35 Text, 11 Seiten Klimbim wie diverse Verzeichnisse) ausgedruckt und wollte diese in anderer Umgebung – einem Café – mit Stift in der Hand korrekturlesen.

    Die Fortsetzung der Levi/Nesser-Tour bot sich an. Denn so grundverschieden deren Bücher „Die doppelte Nacht“ und „Elf Tage in Berlin“ sind – sie spielen in sich überlappenden Teilen Berlins.

    Die Route führte vom Zoo (beide) über die Hardenbergstraße zur Fasanenstraße. Dort die Fasanenstraße hinauf und hinunter, auf den Spuren von Nesser. Mit tiefem Durchatmen und Platz-genießen am Fasanenplatz.

    Zurück in der Hardenbergstraße folgten ein paar Meter zum Steinplatz. Hier hatte Levi 1958 in der Intellektuellenkneipe Volle Pulle so manchen Abend verbracht. Auch dieser Platz war einladend. Ich strich spontan den Korrektur-im-Café-Plan. Immerhin saß ich direkt im Schatten der Hauptgebäudes der Universität der Künste. Über mir der Spruch Erudiendae Artibus Iuventuti/Der in den Künsten zu unterrichtenden Jugend, nahm den einladenden Platz und das gute Karme der UdK als gutes Omen und korrigierte hier.

    Blick entlang eines geplasterten Teils des Steinplatzes hin zum Hauptgebäude der UdK. Ein großer wilhelmischer Prachtbau. Wild bewölkter Himmel.

    Zurück dann über den Savigny-Platz (Levi) und den Ku’damm (auch hier war Levi ein eifriger Bummler). Am Hard-Rock-Café strich ich einen weiteren Punkt von der könnte-ich-mal-Liste. Der Ausblick von dort auf die Ku’damm-Bummelant*innen war nett, der Rest nicht wiederholenswert. Dann weiter Reste des 1950er-Ku’Damm suchen, den Levi beschrieb. Am Europa-Center stieg ich wieder in den Bus zurück an den Rechner.

    Lieber Bücher als Scooter

    Weil ich so tapfer Wörter strich, nehme ich damit an der Blogparade „Weniger ist mehr“ teil. Oder auch nicht. Bildchen und Blogtitelmodifikation überfordert mich.

    Weniger ist mehr gilt auch oft für E-Scooter. Via Mastodon entdeckt: der Melder für unmögliche abgestellte Jeräte: Scooter-Melder.

    Daniel besorgte sich seinen ersten Bibliotheksausweis. Und das ich finde ich töfte!

    Margrit und Wally besuchten das Poet*innenfest Erlangen, das seit einigen Jahren auch in die Heime kommt.

    Campcatatonia sang Strada da Sole in Leipzig.

    Herr Rau trägt Hut.

    Spannender System-Admin-Kram trifft Mastodon: Die Rettung vom Troet.Cafe (via onli blogging)

  • 25-08-26 BBmax = BBmaxtab = 15,2

    25-08-26 BBmax = BBmaxtab = 15,2

    T minus 7. Noch sieben Tage bis zur Abgabe der Bachelorarbeit. Derzeitiger Stand: 11.900 Wörter (Zielwert 9.000-11.000), davon 75 Symbole, 111 Formeln, 5 Tabellen, 1 Plot (keine Zielwert) und ich entdecke null unstimmige Rechnungen (Zielwert: 0).

    Madame erntete James Grieve und die leicht erreichbaren Alkmene-Äpfel. Nächstes Wochenende wird es wohl nichts mit uns und den Latifundien und dann ist es zu spät.

    Bei der zu besorgenden Rose für den focal point am Wegende steht Penelope gut im Rennen. Oder ich bekomme noch heraus, zu welcher Sorte diese gigantische Vier-Meter-Strauchrose in der Kyffhäuserstraße gehört.

    Geerntete Äpfel verarbeitete Madame zu Kompott. Die 3-Gänge-Tage setzen sich fort. Vor dem Kompott ein lauwarmer Linsensalat und davor Oeuf mayo. Oder halt Eier mit Mayonnaise. Aber da die Vorspeise von diesem FAS-Artikel über Pariser Bouillons und das dortige Oeuf mayo inspiriert war, sollte ich es auch französisch bezeichnen.

    Außerdem ist Oeuf mayo eine Kulturform, Eier mit Mayonnaise eher nicht.

    Es war ein Sonntag und der erste Montag des Bachelurlaubs II.

    Gelernt: das englische fast-Fachwort satifisficing, eine Mischung aus satisfacton und optimizing, deutsche Übersetzung „gut genug“. Wenn die Optimierung irgendwann zu aufwendig wird.

    Zuchtbullen zu Erdbeeren

    Zufällig las ich direkt nacheinander etwas über Karls Erdbeerhof und den Prickings-Hof, die Heimat von Bauer Ewald.

    Wer in den 1980er/1990ern in Nordwestdeutschland lebte, kennt Bauer Ewald. Und sei es nur für den Flyern, die alle zwei Monate im Briefkasten lagen und zur Bustour in den Prickings-Hof einluden.

    Mir erschloss sich: Bauer Ewald war der Karl Erdbeere der 1980er. Und am Unterschied zwischen dem Prickings Hof und dessen Attraktionen (Kaffeefahrten, gigantische Schlachtplatten, die Cadillac-Sammlung, Bauer Ewald selbst) und Karls Erdbeerhof kann mensch schön gesellschaftliche Entwicklung sehen.

    Bei Ewald war alles groß und schwer und riesig: Von den Cadillacs der Autosammlung bis zum größten Zuchtbullen der Welt. Tourist*inne kamen mit Bussen, bekamen im Restaurant klodeckelgroße Schnitzel serviert und gingen mit der 30-Kilo-Tasche Wurst nach Hause.

    Bei Karl ist alles leicht und schwebend. Familien kommen individuell, verbringen eine Zeit im Karussel, beim Kaffee und schauen der Bonbonproduktion zu, am Ende geht es mit einem teuren Glas Marmelade nach Hause.

    Aber Ewald war auch räumlich gebunden: Es gab nur einen Bauer Ewald und nur einen weltgrößten Zuchtbullen. Die Cadillacs konnten nur an einem Ort ausgestellt werden. Karls Konzept hingehen ist so schwebend und abstrakt – er kann einfach jede Woche einen neuen Standort quer durch Europa eröffnen. Der Unterschied zwischen 1980 und 2025.

    Zielfunktionswert in Abhängigkeit von D

    So alle Rechnungen stimmen überein. BBmax (der Wert, den Julia ausspuckt) und BBmaxtab (der Wert den der manuelle Simpex ausspuckt) sind identisch: 15,2. Und wenn ich jetzt noch einen rechnerischen Fehler finde, muss ich den kaschieren. Nochmal rechne ich den ganzen Schmuh nicht mehr von vorne bis hinten durch. Das ist Arbeit!

    Immerhin bin ich meinem Grundschul-ich treu geblieben: Alle Fehler in der Arbeit entstanden durch Unaufmerksamkeit, weil ich irgendwo in der Zeile oder der Spalte verrutscht bin.

    Die letzten großen inhaltlichen Lücken der Arbeit sind gefüllt. Nicht nur, dass ich eine ungefähr Vorstellung habe, was ich tun muss: ich habe es getan.

    Ich habe noch ein paar Ergebnistabellen angelegt und auch einen ersten Ergebnisplot. Das schöne: Da wo der Plot herkommt, kann ich problemlos noch ein Dutzend weitere Grafiken ziehen. Aber ist das sinnvoll?

    Noch steht alles im Rohbau da, und noch kann auch inhaltlich noch vieles aufgemotzt werden. Aber es gibt keinen Bereich mehr, von dem ich sagen würde „das muss unbedingt noch, sonst grande miseria“.

    Jetzt sitze ich gerade etwas ratlos vor der Arbeit, und frage mich, welche Klein- und Mittelbaustellen ich in welcher Reihenfolge angehe.

    Die schlimmsten Baustellen sind eigentlich: „Es gibt noch kein Fazit“ und „das Literaturverzeichnis ist derzeit eher eine Stichwortliste denn ein Literaturverzeichnis.“ Uneigentlich ergibt es aber erst Sinn, die beiden Baustellen anzugehen, wenn alles andere wirklich fertig ist.

    Barbarossastraße

    Fertig gelesen: Håkan Nesser „Elf Tage in Berlin„. Irgendwie ein seltsames Buch. Mit einer inhaltlichen Konsistenz irgendwo zwischen Weissbrot und Lachgas liest es sich schnell weg, macht auch gute Laune, aber es bleibt wenig greifbar.

    Seltsam aber: während das Buch so vor sich dahinschwebt, sind seine Handlungsorte seltsam konkret. Die Elf Tage spielen nicht irgendwo in Berlin, sondern in der Schuhetage vom KaDeWe, oder in einem Hotel in der Fasanenstraße. Oder es spielt in Wohnungen in der Meraner Straße und der Kyffhäuserstraße in Schöneberg. Das sind reine Wohnstraßen hier in der Nachbarschaft.

    Vor meinem inneren Auge bleibt die Romanhandlung etwas schwach. Aber umso deutlicher sehe ich Nesser auf Berlinurlaub vor mir, der in einem Hotel Charlottenburg wohnt, abends die Restaurants der Gegend aufsucht und durch die lieblichen Straßen des Bayerischen Viertels spazierengeht.

    Gute Idee. Um mal von meiner Arbeit wegzukommen, folge ich Nessers Spuren.

    Ich laufe das kurze Stück von der Wohnung zur Meraner Straße – wirklich ein perfekter Wohnort für eine Bibliothekarin – und mäandere mich durchs Bayerische Viertel. Die Kyffhäuserstraße – noch ein Stück herrschaftlicher und großbürgerlicher als die Meraner – wie gemacht für einen verrückten Professor.

    Lachen muss ich als mir einfällt, dass der verrückte Professor den Kampfnamen Barbarossa trägt – und welche Straße liegt zwischen Meraner und Kyffhäuser? Genau, die Barbarossastraße.

    Es folgt ein Abstecker zu Viki-Lu, dem Victoria-Luise-Platz, so leicht und schwebend wie Nessers ganzer Roman – von ihm aus unerfindlichen Gründen übersehen.

    Aber dann ist es auch nicht mehr weit bis zum KaDeWe. Das hat leider seit Romanerscheinen 2015 stark an Glanz und Niveau verloren, ist jetzt eine seltsame Mischung aus Shopping-Mall im Luxussegment und verlorener Wirke Reste ehemaliger Kaufhausherrlichkeit, und so abschreckend wirkt auch die Schuhabteilung.

    Also lieber eins weiter zum echten Schuhgeschäft, und sogar welche gelauft. Der M46 brachte mich zurück nach Schöneberg Süd.

    Viki Lu – sollte im Nesser-Roman vorkommen, bleibt aber unerwähnt.

    Mit Zug, Segelboot und Bus

    Karen beendete die epische Zugreise: Turku-Sarajevo mit dem Zug: (17) Bratislava – Berlin – Stockholm – Turku

    Es soll hier ja nicht nur ums Zugfahren gehen. Angela und Holger segeln weiterhin: Dieppe I und Dieppe II und gute Besserung.

    Camp Catatonia kam nicht ganz so weit. Sie aquajoggte: Intervallbegegnungen

    Chemnitz oder Paris? Zwei Herzensstädte. Amberlight Label war auf dem Loop-Festival 2025 Limbach Oberfrohna Esche-Museum Strickfestival Chemnitz . Herr Fliegende Bretter fuhr weiter: In der Nachbarstadt im Süden gibt es ein Reiseunternehmen, das ganz Europa per Bus erschließt. Die haben unter anderem auch eine Tagestour nach Paris im Sortiment. (via Flusskiesel)

  • 25-08-24 Spontanhalt an der Einheitseiche

    25-08-24 Spontanhalt an der Einheitseiche

    T minus 9. Noch neun Tage bis zur Abgabe der Bachelorarbeit. Derzeit besteht ihr Entwurf aus 11.300 Wörtern (Zielwert 9.000-11.000), davon 98 Formeln, 59 Symbole im Symbolverzeichnis und etwa zwei Seiten Code. (keine expliziten Zielwerte). Ich finde drei Rechnungen mit unstimmigen Ergebnissen. (Zielwert: Null).

    Mir träumte ich nahm an einem Kongress teil; Thema unbekannt, aber zahlreiche Wikipedianer*innen unter den Anwesenden. Ein Veranstaltssaal war eine Kirche im Kellergeschoss. Als ich dort zu einem Panel wollte, war dieser bereits zum Schlafsaal umdrappiert.

    Mir träumte, dass ich auf diesem Kongress Debbie meine Bachelorarbeit zeigen wollte. Was mir sagt, dass mein Traum-Ich sie für vorzeigenswert hält.

    Mir träumte, ich teste Fahrräder, und eines davon gefiel mir so gut, dass ich einfach bei der Testfahrt nur noch weiterfuhr. Mein Traumfahrrad ist also durchgängig anthrazit, robust gebaut, hat bis auf Schutzbleche keinerlei Anbauten und eine gerade Lenkerstange.

    Es war ein letzter halber Arbeitstag, ein halber Tag der Bachelorarbeit und ein freier Tag auf den Latifundien. Der letzte gänzliche freie Tag bis T, dem Tag der Abgabe.

    Das Katzenstreuwrack auf dem Hinterhof ist zu verschenken. Sagt zumindest der daran hängende Zettel. Auf die Idee hätten sie auch schon vor einem Jahr kommen können.

    In einer benachbarten Baumscheibe wachsen Cannabispflanzen. Ist das eigentlich inzwischen legal?

    Madame weckte die kühlschrankeigene Kefirknolle aus dem Tiefschlaf.

    Die Apotheke kann nur durch das Notdienstfenster bedienen. Ein Feuer im Stromverteiler des Hauses setzte auch die elektrische Öffnung der Ladentür außer Kraft. Allerdings frage ich mich seitdem, durch welches Fenster eigentlich die Apothekerin und ihre Angestellten jeden morgen ins Geschäft krabbeln?

    Startmenü mit morrderlig

    Eigentlich hatte ich ja nur einen kurzen besuchsartigen Aufenthalt in der Erwerbsarbeit die Woche. Gerade mal genug, um in laufenden Projekten mal kurz auf Stand zu kommen und mehr oder weniger weise Worte von mir zu geben, immer begleitet von, „freut mich wenn ihr das dann umsetzt.“

    Eigentlich konnte sich in 5×4 Stunden überhaupt nichts ansammeln, was hätte Stress verursachen können. Uneigentlich haben offenbar alle Kolleg*innen aller Abteilungen am Freitag gerochen, dass dies die vorerst letzte Chance vor Bachelurlaub II ist mit mir zu reden. Meine Güte! Und das Freitag!

    Immerhin, ein wenig Selbstentertainment blieb. Ich lies mir – bestenfalls semi-ernsthaft, weil ich das Ergebnis ahnte – vom Halluzinator eine Infografik über die Unterschiede zwischen Windows 10 und 11 aus Usersicht erstellen. Auch wenn KI-Bilder in Blogs doof sind: Wenn das KI-Bild inhaltliches Thema ist, dann muss es sein. Der Halluzinator hört doch niemals auf mich zu begeistern. Immerhin passt der Gesichtsausdruck:

    Talea chiuso

    Madame ist wieder in Berlin, hat aber noch freie Tage. Wir haben die Gelegenheit, zusammen die „könnten wir mal“-Liste abzuarbeiten. Zumindest so lange diese „könnten wir mals“ zeitlich übersichtlich sind. Restaurants und Cafés zum Mittagessen zum Beispiel.

    Donnerstag: Talea, das botanische Bistro, wollte uns mal wieder nicht. Diesmal wegen Urlaub. Ich glaub, das wird nichts mehr. Aber wir entdeckten, dass Gümüş, die ganz vortrefflich aussehende türkische Bäckerei, direkt gegenüber von Talea eine zweite Filiale eröffnet hatte. So genössen wir Gözleme und Lahmacun und danach eine Tarte Citron und Kaffee Galão bei Enricos Kaffeerösterei.

    Die Dichte an wirklich gutem bodenständigen Essen und Trinken in Schöneberg ist krass – lässt sich nicht anders sagen.

    Freitag ein ähnliches Spielchen, auf französisch. Erst Le Quartier Bistronomique im Nachbargebäude des Büros – mit 20 Euro für ein Mittagsgericht nicht mehr ganz so bodenständig. Aber dafür hatten Hummus und gerösteter Blumenkohl bereits beste Fine Dining-Qualitäten. Dann weiter zu Gorilla, auch eher mit der Zielgruppe gut verdienendes Büropublikum – aber dieses Pain au chocolat war schon sehr sehr gut.

    Geschlechtsanpassung in der Bachelorarbeit

    Ich habe tausend Ideen zur Fortentwicklung, Verschönerung und inhaltlichen Aufmöbelung der Bachelorbeit. Da zeigt sich der Unterschied zwischen Studium 1 und 2 und meiner persönlichen Entwicklung seitdem: Vor 23 Jahren hätte ich begeistert versucht, die Ideen noch umzusetzen. Jetzt denke ich „T minus 9. Never in my life. Lieber das Niveau das sie jetzt hat, aber das so gut wir irgendmöglich exekutiert.“

    Langsam versuche ich die verschiedenen losen Enden der Bachelorarbeit aufzunehmen und ineinanderzuweben. Zu dem Kompetenzeindruck, den ich erwecken will, gehört ja, dass es so wirken soll, als wäre alles geplant was da steht.

    Dabei lese ich alles nochmal durch. Auch das Beispiel an dem ich meine mathematische Theorie durchexerziere. Das Beispiel handelt, vielleicht wenig überraschend, von optimalen Öffnungszeiten von Schwimmbädern. Diese Schwimmbäder werden von einer Anstalt öffentlichen Rechts betrieben.

    Und da fiel mir mein eigener Geschlechtswahnsinn von den Augen: DIE Anstalt. Weiblich. Also auch die Badbetreiberin, nicht der Badbetreiber. Schwupps, einmal Geschlechtsanpassung quer durch die Arbeit und alles passte wieder.

    Wieso kein Regenbogen?

    Der Gartensamstag spielte quattro stagioni. Außer Schnee hatten wir jedes Wetter, und das im Fünf-Minuten-Takt.

    Während Madame fleißig Fallobst sammelte, den Vorgarten aufmöbelte, deadheaddete saß ich auf der Terrasse und las. Oder ich saß im Haus und las. Oder wieder auf der Terrasse.

    Ich las Carlo Levis weiter in Die doppelte Nacht. Wieder nur kurze Abschnitte. Ein Buch mit einer so dichten Sprache – es wäre Verschwendung größere Teile davon auf einmal zu lesen. Fast liest es sich wie Lyrik, nicht wie ein Dokumentartext. Daneben Håkan Nessers Elf Tage in Berlin – ein anderes Buch über einen Berlinbesuch, wie es verschiedener nicht sein könnte.

    Wo Levis Text über das Nachkriegsberlin 1958 sich liest als wäre er in Tontafeln gemeißelt, jedes Wort wohlüberlegt, wirkt Nessers Buch über das Berlin 2015 leicht und unfassbar wie eine fluffige Wolke. Das Buch lies sich problemlos von Samstagnachmittag bis Sonntagvormittag komplett durchlesen.

    Madame las derweil Original Sin über das Elend, dass da Joe Bidens Wiederwahlversuch war.

    Zusammen versuchten wir den wilden Himalayan Musk zu bändigen. Der wächst zwar brav über die Pergola hinweg wie er soll. Aber halt auch in fünf andere Himmelsrichtungen. Ich bin mir sicher, wir werden viel Spaß haben.

    Wir fanden einen weiteren focal point an den eine Rose gehört. Aber Mozart? Reine de Violettes? Jacques Cartier? F.J. Grootendorst? Westerland?

    Rinderstolz empfahl eine Dicke Rippe für den Grill, die ernstlich gut aussah, ich aber hatte kein Vertrauen in mehrere Stunden Draußenwetter am Stück – nächstes Mal. Dieses mal halt Burger.

    Dazu gelang es uns, Gartenzucchini aus einer Tüte am Gartenzaun zu grillen, wie es sich gehört. Die Spontanbremsung zum Spontankauf inmitten von Vehlefanz brachte erstmals die Gedenktafel der Vehlefanzer Einheitseiche in mein Blickfeld.

    Zu Lande, zu Lande und zu Lande

    Während der Halluzinator bei Infografiken erwartbar versagt, schockte er Denny damit wie gut er programmieren kann. Im Blog (und weil das grad unter dem Ansturm zusammenbricht via Google doc: Additions with unique digits: a tale of puzzling and AI) (via Denny in Mastodon)

    The defense against slop and brainrot. What I am doing to prevent myself from stagnating and rotting. (via Jason Kotke auf Mastodon)

    Qbi fuhr Langstrecke nach Jena mit dem E-Auto. Fazit: In allen Ländern, wo ich bisher war, gab es genügend Ladesäulen, auf die man im Notfall ausweichen könnte. Aber es funktionierten immer alle, so dass ich nicht ausweichen musste. Daher hat sich bei mir mittlerweile der Eindruck verfestigt, dass ein E-Auto ein optimales Langstreckenfahrzeug ist. Ich fahre mit dem deutlich lieber lange Strecken als mit den Verbrennern, die ich vorher fuhr.

    Readinginsweden fuhr mit dem Zug aus dem ländlichen Bayern nach Berlin: 22.8.2025 Zuggeschichten

    Sari fuhr Mittelstrecke mit dem Fahrrad zu Karl Erdbeerhof: Eine Radtour durch die Natur im Alleingang

    Schon mal vormerken, Lorenzos zweiter Mint-Post: Linux Mint optimal nutzen: 8 Tipps für mehr Komfort, Sicherheit und Spaß