Schlagwort: Hannover 96

  • 26-04-11 Spandau-Süd, Hamburg-Ost (Berlin -> Dithmarschen)

    26-04-11 Spandau-Süd, Hamburg-Ost (Berlin -> Dithmarschen)

    Lachgas ist aus. Verboten. Gut, dass wir noch einen 10-Jahres-Vorrat zur Herstellung von Schlagsahne gebunkert haben.

    **

    Versprochen lachgasfrei: Wilde Nächte mit wilden Träumen; für meinen Geschmack zu arbeitsthematisch. Abwechslungsreicher wurde es, als mir träumte, wir würden durch den nebligen Schwarzwald wandern und dabei die dort heimischen Baby-Elefanten sehen.

    **

    Im Bus, zwei junge Frauen direkt hinter mir, unterhielten sich über ihren Wasserschaden und die Versicherung, über verschiedene Enthaarungsmethoden, und über die Reportage über den ghanaisch-deutschen Fußballtrainerexspieler Otto Addo, an der eine von ihnen arbeitet. Als sie sich voneinander verabschiedeten, war ich kurz davor, ihnen zum Abschied die Hand zu drücken, weil ich sie innerlich bereits in meinen Bekanntenkreis aufgenommen hatte.

    **

    Vielleicht war ich besonders aufmerksam, weil Otto Addo einst ein Held von Hannover 96 war, ein Verein von dem ich gerade wieder mehr mitbekomme, weil 96 sich mit Hertha und diversen Anderen ein Nagelbeißer-Fotofinish um den Aufstieg in die 1. Männer-Fußball-Bundesliga liefert.

    **

    War es, mit Dota Kehr, der erste Samstag im Frühling? Ich weiß es nicht, denn ich war den größten Teil des Samstags auf der Autobahn. Aber auch wenn Boote auf den Straßen und im Wasser, Menschen an allen Plätzen und Stühle auf den Wegen, dafür sprachen: Die hohe Jackendichte und das fluchtartige Verlassen der Außenplätze bei Schattenwurf sprachen noch dagegen.

    **

    Es war ein Kleinreisearbeitsfreitag und ein Großreisesamstag.

    Sense and Usability

    Bei der Kaltmamsell las ich ein Lob des Lernens von „Nutzlosem“.

    Ich musste spontan an unseren Schulprakti denken, dem wir gerade erklärt haben, dass viele Tätigkeiten im Arbeitsleben – egal bei welcher Arbeitgeberin – sich währenddessen reichlich sinnlos anfühlen oder sich im Nachhinein als reichlos sinnlos herausstellen werden. Wobei der Zusammenhang zwischen beidem locker ist. Wir versuchten, eine wichtige Lektion für’s Leben zu vermitteln, aber ich weiß nicht wie begeistert sie aufgenommen wurde.

    Ebenjener Prakti führte auch zur internen Fragestellung: Liebe Kolleg*innen mit den zweistelligen E-Nummern im Arbeitsvertrag: Welche eurer Tätigkeiten kann auch ein 17jähriger nach einer Stunde Einweisung erledigen?

    The Lifecycle of Software Objects (2007)

    Gelesen: Ted Chiangs The Lifecycle of Software Objects – eine Novelle, die sich in Chiangs Kurzgeschichtensammlung Exhalation geschmuggelt hatte.

    Der 2007 veröffentlichte Text behandelt eine Zukunft in der KI als eine Art Wesen geschaffen wird. Bestehen aus einem „Genom“ wird sie trainiert ähnlich wie ein Tier oder ein Mensch, entwickelt dann Fertigkeiten und eine Intelligenz. Erzählerin der Geschichte ist Ana, promovierte Biologin/Ex-Tierpflegerin im Zoo, der das Training der ersten Gruppe dieser KIs, Digients, obliegt.

    Die Frage „was ist es“, „wie reagiert es“ und „wie reagieren Menschen darauf?“ sind zentrale Thesen des Textes. Am Ende geht es um Software, die eine Selbstwahrnehmung besitzt, Gefühle zumindest ausdrückt und im Laufe der Novelle immer mehr einen eigenen Willen und eigene Pläne entwickelt.

    Dabei wurde sie programmiert, extrem niedlich zu sein – sie wird verkörpert durch Avatare in einer Second Life/Metaverse ähnlichen Umgebung und später durch Roboter, die die Software laden und sich dann entsprechend verhalten können.

    Chiang dekliniert es durch, umfassend, in vielen Facetten – bis es im „sexual turn“ und der Frage inwieweit die Software selbstverantwortlich handeln darf, endet. Die Frage steht dahinter: Was macht den Mensch zum Mensch, was das Tier zum Tier und wie weit kann, darf und soll Software dort hineinragen.

    Das Problem: Chiang kann keine Menschen. Als belletristisch aufbereitete philosophische Gedankenexperimente sind seine Texte eindrucksvoll, als Belletristik im engeren Sinn mit handelnden, emotionalen, körperlichen Menschen, fallen sie flach.

    Auch hier werden auf der Menschenseite der Geschichte Pappmachéfiguren hin- und hergeschoben, und wenn schon der Autor Probleme hat, die Menschlichkeit der Menschen darzustellen, fällt auch die ganze Maschinen-Menschlichkeits-Diskussions ins Wasser.

    Als Denkansatz ist das spannend. Als Idee, was KI sein könnte außer Plapperbots, ist es inspirierend. Als durchdekliniertes Gedankenexperiment fällt es weitgehend aus, weil es schon an der Frage scheitert, wann eine fiktive Menschenfigur menschlich wirkt.

    Go West

    Es gibt Gründe dagegen, zwei Stunden Fahrzeit zu imvestieren, um Arbeitssachen in Person zu machen, die im Prinzip auch remote gingen. Aber es gibt auch sachliche Gründe dafür, es zu tun.

    Und es gibt den Grund dafür, dass ich endlich mal als Mitfahrer die Heerstraße von Berlin-Westend Richtung Spandau-Süd entlang fahre und aus dem Fenster schauen kann. Ich sehe die Ausläufer des Olympiageländes, die einstigen Villengegenden im Wald, die sich nach dem Ausbau der Heerstraße zur fünf- bis achtspurigen Magistrale verkümmerten und die dazwischen gesetzten Wohnblocks des utopischen sozialen Wohnungsbaus. Alles inmitten einer Brandenburger Hügel-Wald-Landschaft.

    Schild "Anlegestelle Leiter" an einem Großwohngebäude der 1970er/1980er

    Und es gibt den Grund, dass ich ein weiteres Bad von innen- und hinten kenne: Gut, dass mir jemand den Weg vom Badleitungsbüro zum Konfi-Raum zeigte, ich hätte mich in alle den Treppen, Hintertüren und Personalausgängen dieses Bades hoffnungslos verlaufen. Juhu, Spandau-Süd!

    Bootobahn

    Es gibt sehr gute Gründe dafür, insgesamt etwa 11 Stunden Fahrzeit zu investieren, um den Kaptain wieder nach Dithmarschen zu bringen. Am letzten Hotelfrühstück nahmen wir teil, trafen im Saal eine Gruppe Lautern-Fans, die tenhaag Road-Show on tour beim Frühstück und eine Freundesgruppe im Nahrentenalter, die sich im sächsischen Singsang über Berliner Sehesnwürdigkeiten unterhielt.

    Nachdem der Kaptain vor den Augen des Hotelmanagers zwei Kulis hatte mitgehen lassen, ließen wir alle Berliner Sehenswürdigkeiten hinter uns, fuhren nach einem kurzen Zwischenstopp auf den Latifundien und einem Eis am Trauerspiel Autobahnraststätte Gudow über die Autobahnkreuze Oranienburg, Hamburg-Ost und Hamburg-Nordwest nach Dithmarschen.

    Wo letzte Woche die WoMos aller Größen dominiert hatten, war dieser Samstag der Tag der Bootverbringung nach Norden. Aus Plastik und Holz, mit Segel und Motor, in Groß und Klein, Heimathafen Berlin oder Rostock – es war das Wochenende der Boote auf den Hängern.

    Folgerichtig endeten wir bei den großen Booten im Büsumer Hafen: wo es nach der Ankunft in Brandenburg Spargel direkt beim Spargelhof gegeben hatte, gab es nun Krabbe und Scholle direkt auf dem Werksgelände der Fischerfamilie. Fisch Möller tischte wie immer herrlich auf.

    Danach an den Wesselburener Marktplatz.

    Zum Abend verfielen wir dem Dithmarschen-Brauch und sahen analoges Fernsehen. Zum Einschlafen tanzte Miss Marple Charleston.

    Wesselburen, St. Batholomäus und Marktplatz und Blauer HImmel fotografiert aus dem Eiscafe.

    A Brimful of Georgien

    Habt ihr je von Asha Bhosle gehört? Ich auch nicht. Sie starb, und wie ich lernte, if you’ve been alive in the last eighty years, no matter in which country, then it’s quite likely that you heard the voice of Asha Bhosle, one of the greatest singers in Indian historiy. Im Westen namentlich bekannt vor allem bekannt durch Cornershops A Brimful of Asha.

    *

    Blogs lesen erlaubt Einblicke in fremde Welten: Eigentlich erwarte ich in nicht allzu ferner Zukunft die Entrückung.

    *

    Östlich von Istanbul: Wie sehr sich die Berichte vom sowjetischen Vorgehen gegen die georgische Unabhängigkeit 1989 und die Demoberichte aus Georgien 2024 gleichen; Lasst uns heute an Märchen glauben

    *

    Das Faraday’sche-Käfig-Experiment im Deutschen Museum: Unvergesslich! Seitdem seit 40 Jahren plus nicht mehr dort gewesen. Zum Glück kann ich bei Readinginsweden nachlesen: 10.4.2026 Moomins im Weltall oder so

    *

    Fazit: Ein metaphorisches Reh.

  • 24-06-20 It’s sad and it’s sweet and I knew it complete (13,3)

    24-06-20 It’s sad and it’s sweet and I knew it complete (13,3)

    Bei Penny gibt es Weihnachtsdekoration zum Angebotspreis. Aber nicht sehr viel: Eilt!

    Ein erstes Mal im Leben: 10 Nacktschnecken an der Biotonne. Was die Frage aufwirft: Warum sind sie dort nicht dauernd?

    In der Tiefgarage bauen Tauben ein Nest aus Kabelbindern. Wir warten auf die Wache des Taubenschutzvereins.

    Berliner*innen schaffen es, drei große Rollkoffer, einen Kinderwagen und einen E-Rolli in den kleinen Stehbereich eines überfüllten Busses zu bekommen. Nur beim Zwillingskinderwagen – da half nichts mehr.

    Der Fahrradmeister war einst der Motorradmeister.

    Madame brauchte das Maismehl auf. Sie kaufte Grafschafter Goldsaft, türkischen Schwarztee und Köfte-Grundstoff.

    Sie erfuhr warum der ausgebaute Dachboden noch nicht vermietet ist. Die Gründe sind ebenso bizarr wie amüsant wie untergründig bedrohlich; und damit passt es hervorragend zum ganzen Haus.

    Was spielen die bei EM alle unentschieden? Das ist ganz mies für mein Kickspiel-Karma.

    ¬17 x 0- (13,3)

    Nach langer Zeit ein Besuch beim Blutspenden. Sie wollten mich nicht. Zuwenig Eisen. Eisenderdautz. Brian Johnson wäre das nicht passiert.

    Spannend: Vor dem Blutspenden geht es kurz zur Arzt/Ärztin, den Fragebogen durchgehen: „Ja, der lange USA-Aufenthalt 1992/1993 ist immer noch harmlos. Ich nehme weiterhin keine schwierigen Medikamente, hatte kein Fieber im letzten Monat und so.“ Normalerweise geht das schnell und schmerzlos. Manchmal denke ich „Ach, toller Mensch“

    Diesmal clickte es irgendwie gar nicht. Er war nett, er war höflich. Trotzdem sagte mein Bauchgefühl „finde ich unsympathisch“. Prompt stimmten die Werte nicht. Wir gingen so untergründig disharmonisch auseinander wie unser Gespräch begann.

    Immerhin gab mir die arg verkürzte Blutspende die Chance, früher bei der immerwährenden Querdenkerdemo vorbeizufahren. Ausnahmsweise konnte ich die Demo vor dem Abbau bewundern. 15 Menschen standen mit selbstgestalteten Plakaten an der Schloßstraße. Zweimal wegen Corona, dreimal „Deutschland!“ und der Rest war „Russland! Mir! Frieden!“

    Gelernt: Es gibt schräge Corona-Liedermacherinnen-Coverversionen von Tote-Hosen-Hits.

    Deformation semiprofessionelle: Ich war kurz davor, eine Spontanberatung abzubieten, wie sie Slogans und Plakate mitreißender gestalten können, die Demo an sich einlander und cooler aussehen könnte.

    Einst bei den Stuttgarter Kickers

    Ungewohnte Ereignisse rufen ungewohnte Erinnerungen hervor.

    Es war in den Neunzigern. Hannover 96 spielte 0:0 gegen Preußen Münster. Beide Mannschaften waren im Mittelfeld der Tabelle der zweiten Liga. Es regnete in Strömen. Ich stand auf den nicht-überdachten Stehplätzen des Niedersachsenstadions und dachte, dass ich schon sehr motiviert sein muss.

    Fußballschauen mit Kolleg*innen ist Zeit für Erzählungen von anno dunne. Hertha-Stadionbesuche von vor 20 Jahren gegen die Stuttgarter Kickers wurden hervorgeholt, Im-Westfalen-Stadion-als-Schalke-fast-Meister-geworden-wäre oder eben 0:0 gegen Preußen Münster. Memory trip.

    Wir saßen mit Pizza, Chips und Deutschlandservietten im Konferenzaum(*), bewunderten Musiala, Gündogan und fragten den halb-Schweizer-Kollegen nach Schweizer Fanrufen aus. Spannend, wie anders man manche Kolleg*innen neu kennenlernt.

    Die Arbeit ist weiterhin viel. Wenn auch in einem angenehmeren Rhythmus als im zerfahrenen Mai. Wenn ich schon zum Entertainment nicht raus komme, muss das Entertainment zu uns kommen.

    (*) Um es explizit gesagt zu haben: Feierabend – in der Freizeit – sämtliche Nahrungsmittel und Getränke privat bezahlt.

    New York State of Mind

    Ungewohnte Ereignisse rufen ungewohnte Erinnerungen hervor.

    Sona MacDonald trat auf bei Klassik. Pop et cetera. Sie wurde der langen Reihe Sängerinnen Ü60 gerecht, die durchgehend großartige Sendungen moderiert haben. Sie spielte Billy Joels Piano Man an, so begeistert von dem Stück, dass sie die halbe Zeit darüber moderierte.

    Ich erinnerte mich, dass ich einst mit 15 – ungefähr zu Hannover-96-Zeiten – sämtliche Billy-Joel-Platten besaß. Welch Entdeckung gerade die alten Sachen waren, im Vergleich zu Eurotrash oder Heavy Metal. Spontan musste ich mir noch einmal die Greatest Hits auf CD besorgen – und kann nun hören:

    It′s nine o’clock on a saturday
    The regular crowd shuffles in
    There′s an old man sittin‘ next to me
    Makin‘ love to his tonic and gin

    Ich bin überrascht wie ähnlich sich das dem internen IT-Support anfühlt. Auch dort dieselbe Mischung aus langjährigen Stammgästen und Laufpublikum. Die Gesichter, die man immer wieder sieht, deren Lebensgeschichte man geschildert bekommt. Die Leute voller Sorgen, die Hilfe erwarten und doch wissen wie sinnlos alles ist. Und natürlich der Kollege, der davon träumt freiberuflicher SAP-Berater mit Arbeitsort Thailand zu sein und doch hier gelandet ist. Ich hätte es nie so formuliert, aber beim Hören fühlte es sich so an: Ich erkannte überraschend Vieles wieder.

    Lovely und Monty

    Ab August wohl erstmal wieder mit dem Auto Richtung Nordsee. Bahnstrecke Hamburg-Berlin monatelang gesperrt

    Lovely und Monty mit dem wahren Hit der EM gehören auch hier verlinkt.

    Wir freuen uns an unsere Saisonkabine im Freibad. Das ist nichts gegen Wien. Dort kann mensch aufsteigen, von Saisonkabine über Wiesenkabine bis zu Kabane. Die Kabanen im Freibad haben bis zu 85 Quadratmeter pro Kabane, in einzelnen Bädern darf dort übernachtet werden. Wartezeiten sind 7 bis 20 Jahre. Ach, Wien, du Badeparadies. ORF: Bis zu 20 Jahre Wartezeit auf Kabanen.

    New York State of Mind II: 57 Sandwiches that define New York City.