Schlagwort: Hauhechelbläuling

  • 25-07-19 Ich werde dieses Tüchlein in Cassios Gemach verlieren

    25-07-19 Ich werde dieses Tüchlein in Cassios Gemach verlieren

    Ich liege auf dem Bett und denke an Julia. Langsam habe ich Ideen, wie ich die JuMP-Optimierung in der Julia programming language möglichst sinnvoll in Funktionen packen kann, so dass das alles nicht ganz so sehr nach der improvisierten Baumarktlösung aussieht, die es im Grunde ist und bis Ende August auch bleiben wird.

    Ich freute mich, dass es auch anderen so geht: „Manchmal lege ich mich früher ins Bett, um über Mathe nachzudenken“ Ich fürchte allerdings, dies ist die einzige Gemeinsamkeit zwischen mir und Hannah Cairo.

    Madame verbringt 40 Minuten auf dem Bahnhof Eichwalde. Strom kaputt. Der S-Bahnfahrer scheuchte sie aus dem Zug, solange der Batterie-Rest-Strom noch eine Öffnung der Türen ermöglichte.

    Vor dem Nachbarhaus waren Gerüstbauer zugange. Aber anscheinend bauten sie weder ein Gerüst auf noch ein Gerüst ab. Aber wir freuen uns ja, wenn wir überhaupt Bewegung von Bauarbeitern sehen, selbst ganz ohne Baustelle.

    Ich wehrte einen Montags-nach-dem-Urlaub-um-sieben-Uhr-morgens-Termin ab.

    Es war ein Bürofreitag und ein Latifundiensamstag mit Berlinexkursion.

    Ich las ein bißchen herum. In Granta blieb ich diesmal allerdings eher an der Biographie einer Autorin hängen „She is a part time climate justice organiser“ und freute mich an der Inner-Satz-Fallhöhe zwischen absoluter Weltrettung und Widrigkeiten des Alltags.

    Sonst weiter in Wir schon wieder – 16 jüdische Erzählungen. Die Texte von Joe Fleisch und Marina Frenk. Beide spannend.

    Der Fleisch- Text: Wie der prozionistische Reichskanzler Kroll Rumpelstielzchen und die anti-zionistische TV-Journalistin Gayle „FistAss“ Hasardeur aufeinandertrafen – der Schilderung einer Diskussion Kroll Rumpelstielzchen und einer amerikanischen AlArabiya-Journalistin dachte ich während des Lesens: Viertes Reich, eine Fernsehmoderatorin, die vor laufender Kamera kotzt, Gaza-Hamas-Vorträge mit Hitlerbärtchen – muss das alles sein? Muss wirklich der sprachliche Lautstärkeregler des Textes permanent voll aufgedreht sein? Dann aber stellte ich fest, dass unter der Oberfläche genug Substanz ist, um noch länger über den Text nachzudenken.

    Marina Frenks Text Ein Versuch, sich zu verabschieden hatte mich sofort: Sprache und ihre seelische Auswirkung. Der Versuch, die Muttersprache, russisch, aus politischen Gründen nicht mehr zu reden. Changieren zwischen Politik und Poetologie mit Identität. Ich begann Frenk zu recherchieren: Stellte fest: Sie schreibt und schauspielert und macht Musik, und ich bin noch gespannter – es gelang mir aber nicht herauszufinden, ob sie jetzt gerade etwas auf einer Bühne macht.

    Unterwasserscheinwerfer

    Seit drei Jahren lädt der Insulaner zur Nacht. Der Insulaner selbst ist ein Trümmerberg, der nach dem Zweiten Weltkrieg entstand. Dort befindet sich ein Park, ein Planetarium samt Sternwarte, das Insulanerbad und die Spielstätte der Shakespeare-Company.

    Seit drei Jahren koopieren die drei zur Langen Nacht: das Schwimmbad bietet Schwimmen bis Mitternacht, Shakespeare bietet ein Sonderprogramm, das teilweise auf dem Badgelände stattfindet und ebenso die Sternwarte.

    Wenn in unserem dritten Wohnzimmer so etwas stattfindet, wollen wir natürlich hin. Wir beobachten wie sich alles einspielt: die Sternwarte hatte große von innen beleuchtete Darstellungen der Planeten auf der Liegewiese platziert und ein mobilbes Planetarium aufgebaut. Im Bad gab es einen DJ und erstmals auch Unterwasserscheinwerfer, der Übergang zum Theater war offen, dort gab es die Bar und immer wieder auf der Bühne einzelne Szenen aus ihren Stücken.

    Wir reisten aus der Mittelmark an und begannen beim Inder – Korma, Saag und Vindaloo. Am Nebentisch eine größere Familie, die wir später im Bad wiedersehen sollten. Dann ab ins Freibad. Entweder gleich mit Getränken in die Gastronomie-Liegestühle oder in die neue Saisonkabine und ins Wasser.

    Wie geplante verdunkelte sich der Himmel, die Beleuchtung aus farbigen Scheinwerfern zeigte immer mehr Effekt. Halblauf lief Musik, der Fünf-Meter-Turm war geöffnet und die Schwimmer*innen freuten sich.

    Zum Abschluss: zwei Szenen Othello bei Shakespeare. Die tragische Wendung des Stücks: Desdemona verliert ihr Taschentuch, Jago schiebt dies Cassios unter und Othello ist überzeugt, dass Desdemona und Cassios ihn betrügen, das Unglück nimmt seinen Lauf. Zwei Schaupieler, eine Schauspielerin, zehn Minuten und doch einmal das ganze Elend der Menschheit eindrucksvoll vorgeführt.

    Marderparty Schmetterlingswolke

    Die Schubkarre entdeckt eine zweite Karriere als Mini-Swimming-Pool, auf dem Rasen sind Schleimspuren der Schnecken und alles zusammen ist grün wie seit Monaten nicht mehr. Eine Woche Regen hinterließ Spuren im Garten.

    Die Rosenblüten sind größtenteils abgeschlagen, die Erde ist einmal durchgeweicht. Aber jetzt ist wieder trocken und heiß, uns springt alles entgegen.

    Wortwörtlich: Insekten. Kaum streife ich beim Wege-Mähen Stauden oder Gräser springen und fliegen sie empor. Eine unbedachte Bewegung und schon stehe ich in einer Wolke aus weißen, braunen, rötlichen und blaunen Schmetterlingen. Einmal mit dem Fuß durchs Gras und drei empörte Grashüpfer springen noch. Einmal den Lavendel angehaucht und sechs Hummeln hummeln herum. Es ist Insektenwetter.

    Die Zahl der Schwalbenschwänze steigerte sich auf zwei. So schön.

    Die/der Marder freut sich, dass der Subaru wieder da ist. Die Fußspuren aus Lehm auf Dach und Rückfenster deuten auf eine Party hin, die Verdauungshinterlassenschaften auf der Motorhaube ehrlich gesagt auch.

    Der Bauer mähte das Rapsfeld. Am Himmel ein Rotmilan.

    Kein Rotmilan.

    Kobern-Gondorf-Prag-Ljubljana

    Christiane erstand einen Comic von Brétécher und Monsieur eine Kettensäge

    Der Halluzinator empfiehlt mir regelmäßig The Gleaners zu sehen. Ich freute mich, auch mal eine menschliche Empfehlung zu lesen: Gesehen: The Gleaners and I (2000) – Politische Nachlese

    Karen reiste weiter: Turku-Sarajevo mit dem Zug. Folge 2: Prag und Folge 3: Prag – Graz – Ljubljana

    Kubiwahn liest Judith Hermann auf tschechisch um Tschechisch zu lernen.

    Plötzlich – kurz vor Kobern-Gondorf („Wo war Gondorf als die Westfold fiel?“) – habe ich ein starkes Gefühl der Großartigkeit. Damit meine ich nicht meine eigene Großartigkeit, sondern die des Lebens in diesem einen Moment. Ist es nicht großartig, abwechselnd lesend und aus dem Fenster schauend durch eine so schöne Gegend kutschiert zu werden?

    Ich lese und staune: Der KI – Themenbuch – Verlag® bietet freien Autoren und Ghostwritern in der Jetztzeit die Möglichkeit eigene Klima bezogene Umweltbücher zu schreiben! Im Zeichen der Umweltzerstörung und der sich anbahnenden Klimakatastrophen ist es wichtig, dass viele Autoren mit ihren KI-Umweltbüchern die Menschen auf die kommenden Umweltveränderungen vorbereiten! (Mit Link. Ich halte euch alle für erwachsen und seelisch gefestigt genug, dass ihr das weder als Empfehlung noch als Werbung interpretiert.)

  • 25-06-21 Bannstrahl für Waschbären

    25-06-21 Bannstrahl für Waschbären

    Zum Donnerstagnachmittag: Wüste Taubenrandale auf dem Gerüst. Madame diagnostizierte Junghähne.

    Zum Donnerstagnachmittag: Eine Fahrkartenkontrolleurin in der S-Bahn lobte Madames Bluse.

    Zum Donnerstagabend: Ein brennendes Wohnmobil auf der Stadtautobahn. Zum Glück in der anderen Richtung, und zum Glück war die Feuerwehr schon da als wir kamen.

    Danach: Tagelange Sonnenuntergänge in Pastell, begleitet von Fledermausinvasionen.

    Es war ein arbeitender Freitag in Berlin und ein freiseiender Samstag. Der Hochsommer drückte sich breit in die Stadt und auf das Land.

    Stand der Bachelorarbeit: 15 Seiten schlechter Text. Bis zum Ende des Monats die 30 Seiten schlechten Text hinzubekommen, ist noch möglich.

    Der Kaptain durchlief alle menschendenkbaren Untersuchungen, bis auf die eine, die auf Montag angesetzt wurde. Immerhin fand sie jemand, der ihr auf dem E-Book-Reader das Krankenhaus-Wlan einrichtete. Wir wünschen Kopf hoch.

    Freitag früh ein Reh zum Frühstück. Ich kam um 5:40h an das Bungalowfenster, und sah wie es sich grad erhob und zum Frühstück ein paar Knopsen einer Ramblerrose snackte, die wir außerhalb des Zauns auf die Ausgleichsfläche gesetzt hatten. Ein Gefühl zwischen „Oh wow!“ und „Verschwinde, du Mistviehl!“

    Fahrräder und ChatGPT

    Kurz danach: Der Prignitz-Express von den Latifundien zu den Südkreuz Offices und zum Freitagabend ein überfüllter RE mit Pendlern, Wochenendausflüglern mit Fahrrad und Kegel und einem halbierten Zug. Rudelkuscheln im Regio.

    Während der diversen Bahnfahrten, sah ich jemanden eine Dreiviertelstunde offensichtlich einer Erwerbsarbeit nachgehen, die nahezu ausschließlich in der Bedienung von ChatGPT auf dem Tablet bestand. Und ich fragte mich, ob das ein Zeichen dafür ist, dass sein eigentlicher Job bald überflüssig ist und ChatGPT den middle man ersetzen wird?

    Endlich einmal gelang es mir, etwas zur Graugießeren Velten zu recherchieren, deren imposante Industrieruine ich regelmäßig vom Prignitz-Express aus sehe und die ich doch immer wieder vergesse bis ich mein Ziel erreichte. Offenbar ein Teil des ehemaligen Stahlwerks in Hennigsdorf, aber doch älter als dieses.

    Echsenmenschen

    Madame traf sich Freitagabend auf den Latifundien mit der Selbsthilfegruppe Ex und ich durfte freundlicherweise dabei sein.

    Der Brandenburger Waldgänger erzählte, wie er erst im Wald seinen alten Job fand – Anzugjob am Potsdamer Platz, der Chef war Jäger und jetzt seine neue Beschäftigung: „Da steht halt so ein Sägewerk neben meinen Wald und die sind alle ganz gemütlich da.“

    Nebenbei schaffte er es, einen Stapel an Würsten, Schweinefleisch, Geflügel und Käse gleichzeitig auf dem Grill für eine Neunergruppe gar zu bekommen – Respekt.

    Es gab Aperol und alte Geschichte, neue Entwicklungen und immer wieder staunen, was man alles durchmachen kann. Gesprächsthema: Schlechter Job oder Rente? Was ist schlimmer?

    Sommerfestzeltaufbau

    „Bringt zur Versammlung Stühle und Eure eigenen Becher mit.“ Die Versammlungen des Gartenvereins sind nicht wie andere Versammlungen.

    Spannend der Unterschied zum letzten Wochenende: Letzte Woche: Wikimedia Deutschland, 113.000 Mitglieder, 180 Angestellte – 210 Minuten Versammlung, Samstag der Gartenverein, 90 Mitglieder alles ehrenamtlich – 120 Minuten Versammlung.

    Bei WMDE alles minutiös durchgeplant, mit Hybridteilnahme, einer professionellen Online-Regie, Rechtsanwalt und Moderation, die am Tag vorher einen mehrstündigen Generaldurchlauf gemacht hatte.

    Hier ein Ereignis, bei dem die Wahl so informell war wie möglich („Muss ich wirklich jedes mal fragen, ob sich noch jemand bewirbt? – Ja, musst du.“), und inklusive mehrminütiger Diskussion weil zwar zwei Personen zweite*r Gartenwart*in werden wollte, aber niemand Erste. Dafür konnte es halt passieren, dass das Festkomittee noch ein paar ausgiebige Schwänke vom Kuchenbuffet erzählte und sich in Details zum Sommerfestzeltaufbau verlor.

    Letztlich war es entspannt. Alle großen Spannungspunkte der letzten Jahre haben sich in Wohlgefallen aufgelöst oder sind andernweits befriedet. So war Zeit, neben dem Sommerfest und dessen Kuchenbuffet auch noch über die Waschbären zu reden. Der Vereinsvorstand belegte sie mit einem Bannstrahl.

    Der Einsatz des Jägers wurde letztes Jahr noch abgeblasen, nachdem sich herausgestellt hatte, dass die Waschbären zwar lebend gefangen werden, aber danach trotzdem umgebracht.

    Was kein Wunder ist. Welche*r Jäger*in würde sich beliebt machen mit dem Satz „Ich hab hier noch ein Dutzend Waschbären, darf ich die bei Ihnen aussetzen?“

    Nun aber scheint zumindest bei einer Partei der Leidensdruck so hoch, dass sie auch der Waschbärtötung zustimmen würde.

    Früher trugen Studenten Kokarden, vermutlich deshalb heißt die Kokardenblume auch Studentenblume

    Nach der Vereinsversammlung kamen Miss Bilanz und die Hamburger Washingtonerin oder auch die Seattler Hamburgerin. Aber das ist eine andere Geschichte für einen anderen Blogpost. Erst einmal will ich nur vom Garten erzählen.

    Denn quasi von März bis Oktober denke ich „Wir haben ganz schön viele Insekten im Garten.“ An einigen ausgewählten Tagen an „Ich bin Franz von Assissi der Schmetterlinge und Wildbienen. Ich mache einen Schritt und überall schweben sie um mich herum.“

    Ein solcher Tag war es, die Schmetterlinge finden Temperaturen jenseits der 30 Grad offenbar besser als ich. Neben den üblichen – Kohlweißling, Zitronenfalter, Hauhechelbläuling – gesellten sich Mengen an Distelfalter, kleinen braun-orangen Tierchen (noch unbestimmt) und Schachbrettern. Sie balgten und sie liebte sich.

    (Und ich freute mich, dass der Halluzinator den Schachbrettfalter als Indikator für gesunde Wiesen betrachtete – da ließ ich mal alle Skepsis ob seiner Kompetenz sein). Ein Wesen, eine Mischung aus Mücke, Heuschrecke und Taube, versuchte ihren Legerüssel in meinem Arm zu platzieren. Ich hoffe ohne Erfolg.

    Die Rosen blühen wie blöde, und auch das Reh war mehrfach da. Vor allem aber konnten wir im milden Lüftlein sitzen, die Tageshitze unter dem Sonnenschirm auswarten, und Abends dann in Bewegung übergehen.

    Some Science

    Willkommen im Museum of All Things

    Küchenlatein wird 20 und da gratuliere ich natürlich!

    Zur Geschichte des Harzens in der DDR. (mit dem tollen. tollen Harzmobil)

    Herr Rau recherchiert Schreibmaschinen-Kunst.

    ChatGPT macht dumm.

    Warum google meint, dass am 11. eines Monats weniger passiert als an anderen Tagen.

  • 25-06-10 Tanz der Knautien

    25-06-10 Tanz der Knautien

    Es war der zweite Teil des Pfingswochenendes.

    Die Klimaanlage am Flughafen Hammamet hatte unseren Nordseeaufenthalt vereitelt. So verbrachten wir Sonntag und Montag auf den Latifundien.

    Der Sonntag ein unruhiger Tag: Irgendwann nachts um vier ein Rettungshubschrauber verdächtig laut, verdächtig nahe am Bungalow – vermutlich auf dem Weg zur Autobahn. Geweckt wurden wir dann ernstlich morgens durch die Feuerwehrsirene. Kaum waren die Kamerad*innen wieder zurück, trötete die Sirene gegen 11 ein zweites Mal los.

    Weil Feiertag war, und weil Sekt bei uns tendenziell zu alt wird, öffneten wir eine Flasche. Edles Mitbringsel aus Saale-Unstrut, „handgerüttelt von Stefan Schlösser.“ In den Regenpausen grillten wir Bratwürste vom Rinderstolz, Kartoffeln, Spargeln und Kohlrabi. Madame fertigte Waffeln.

    Ich entdeckte: Falls ich mal wieder Opfer der Zugteilung werde, und in Hamm längere Wartezeiten haben: der Maximiliamgarten ist in Teilen von Piet Oudolf gestaltet. Und das will ich natürlich noch mal im Leben sehen.

    Und ja, eine sehr leichte Ähnlichkeit zum latifundalen Grundstück, ist nicht ganz zufällig. (Ein bißchen mehr zu Oudolf und seinen Gärten)

    Ich sehe, ich brauche einen Grund, mal wieder zur Fernuni nach Hagen zu fahren, und eine Zwischenübernachtung in Hamm einzuschieben.

    Auch gelernt: die Jugendherberge Chemnitz sitzt im Gebäude des sehr schicken 1920er-Jahre Umspannwerks. Modernes Bauen at its best.

    Sly Stone starb. Der Musiker, der alles verkörperte, was in den USA gerade den Bach runtergeht: Neuheit, NEugier, Funk, Gospel mit Wah Wah, Jazz mit Disco, eine Band, für die der Begriff Multikulti erfunden werden müsste. Zu eigen, um jemals ganz groß zu werden: Thank You (Falettinme Be Mice Elf Agin) Und noch eines, schon allein wegen des großartigen Bühnenauftritts.

    Der Tanz der Schwalben

    Madame setzte alles.1

    Das Brennholz ist noch nicht gespalten, aber zumindest komplettemang in 25cm lange Stücke zersägt. Die Paletten, auf denen es zwischenlagerte, dürfen sich jetzt langsam in einen Grill-Ablage-Tisch verwandeln.

    Die jährliche Beet-Unkrautung trieb sie bereits zu fünf der Zehn Beete, und ist damit recht früh im Jahr.

    Im Sturm tanzten die Knautien über die Wiese. Fast ein Ballett aus lila und rosa (Skabiosen) Blüten einen, scheinbar schwerelos einen halben Meter über dem Gras.

    Direkt über uns, kurz vor dem echten Unwetter, der Tanz der Schwalben hoch oben in der Luft.

    Die Holzbiene schimmerte bläulich in der Abendsonne als sie sich zu den wassertropfenübersähten Mohnblumen aufmachte.

    Der samstägliche Distelfalter hielt sich die weiteren Tage versteckt. Dafür begleitete uns Montag fast den ganzen Tag über einer der Schmetterlinge mit dem schönsten Namen, ein Hauhechelbläuling.

    Schocken

    Der Sonntag erwies sich als Tag wetterlicher Garstigkeit. Und so verbrachte ich den Großteil des Tages in den Latifundien, las ein wenig im Internet und ein wenig in Büchern. Es war eine ungeplant jüdische Lektüre: Ich las zwei neue Texte aus Wir schon wieder.

    Vor allem aber richtete ich meine Augen durch die neue Gleitsichtbrille auf Moderne ohne Bauhaus. Wie jüdische Unternehmer und ihre Industriearchitektur das Chemnitzer Stadtbild der Moderne prägten

    Gleich zwei blinde Flecken: Sachsen und Chemnitz war einst das Zentrum deutscher Industrie – was außer Sachsen keiner mehr weiß. Und Juden waren halt einfach normal in Deutschland. Immer unter Antisemitismus leidend, aber ganz selbstverständlich auch Deutsche, die ganz selbstverständlich dasselbe machten wie andere Geschäftsleute auch.

    Natürlich ging es um die Warenhäuser Schocken und Tietz. Aber auch um Industriebauten und ihre Industriellen. Und natürlich um Arisierung und Mord.

    Obwohl das Buch also thematisch spannend war und ist, und ich mich freute, das ein oder andere markante Bauwerk der Stadt wiederzuerkennen, blieb ich unterwältigt. Das ist alles sehr brav erzählt, weitgehend ohne Kontext, immer genau auf den Quellen zu dem Unternehmen und jenem Gebäude. Sehr seriös, aber wenn man nicht gerade selber etwas über die entsprechenden Gebäude schreibt, würde man sich etwas mehr Einbettung in den historischen und kulturellen Kontext widmen.

    Vašek Chvatál

    Nach Gilbert Strang habe ich einen zweiten neuen besten Freund im Bereich der Mathematik: Vaclav „Vašek“ Chvátal. Der schrieb das Buch Linear Programming – und das war genau was ich brauchte. Lineare Programmierung auf einem anspruchsvollen Level, aber sehr verständlich erklärt. Dazu in einer Sprache, die einfach Lust macht, weiter zu lesen.

    Chvatal klärte viele meiner Fragen zum „Ich-weiß-ja-wie-aber-warum??“ und damit bin ich erstmal zufrieden. Noch lange bin ich davon entfernt, mich beim Thema wie ein Fisch im Wasser zu fühlen – aber wie ein southpark im Schwimmbad – das kommt näher.

    Also erklärte ich Phase 0 der Bachelorarbeit („reine Recherche“) für beendet und gehe zu Phase 1: Minimalarbeit. Ich versuche, das zu fertigen, was in einem anderen Kontext minimum viable product heißt: die kleinstmögliche Einheit, die für sich allein funktionfähig ist.

    Das heißt: Ich werde eine minimum viable Bachelorarbeit beginnen, die formal allen Ansprüchen genügt (einschließlich des Umfangs) und inhaltlich zumindest genug Substanz hat, damit ich mich nicht in Grund und Boden schämen muss.

    Hoffentlich ist das bis Ende Juni fertig. Dann habe ich noch zwei Monate Zeit aus einer Arbeit, die ich mit zugekniffenen Augen und Wohlwollen zu bestehen hoffe, noch etwas Gutes zu machen.

    Das Vorgehen ist für mich neu, hat im Wesentlichen drei Gründe.

    (1) Der Satz aus der Anmeldung: Die Bearbeitungszeit wird durch nicht chronische Erkrankungen nicht verlängert. Drei Monate sind lang, und da kann viel unerwartetes Zeitraubendes passieren.

    (2) Erfahrungsgemäß merkt man am Besten beim Schreiben was noch an Recherche fehlt. Je früher ich die Lücken schließe desto besser.

    (3) Wenn ich weiß, dass das Schutznetz eingezogen ist, kann ich inhaltlich rückwärts und einbeinig auf dem Hochseil hüpfen. Und darauf freue ich mich.

    Nicht alleinerziehend

    Chvatál auf Video. Um mal einen Youtube-Kommentar zu zitieren: „I knew Chvátal is a genius, but from this interview I learned he is humble and fun too.“

    Was machst Du eigentlich den ganzen Tag beim Opferfest in Side / Türkei.

    Als Vater auf dem Spielplatz. „Ach, du bist gar nicht alleinerziehend?“

    1. Und weil Computer ja heute ganz außergewöhnliche Sachen können und ich nicht mal mehr abtippen muss, eine Liste für’s Archiv, was dieses „alles“ ist: 1. Baptisia australis
      Indigo-Färberhülse
      Farbe: blau
      Höhe: 100 cm Standort: so
      Pflanzen pro m²: 2/3 Blütezeit: 7–8
      2. Aster novae-angliae ‚Barr’s Blue‘
      Raublatt-Aster
      Farbe: blau
      Höhe: 120 cm Standort: so
      Pflanzen pro m²: 2/3 Blütezeit: 9–10
      3. Gaillardia x grandiflora ‚Burgunder‘
      Kokardenblume
      Farbe: tiefrot
      Höhe: 50 cm Blütezeit: 6–9
      4. Euphorbia griffithii ‚Beauty Orange‘
      Wolfsmilch
      Farbe: orange
      Höhe: 70 cm Standort: so
      Pflanzen pro m²: 5/6 Blütezeit: 5–6
      5. Gaura lindheimerii
      Prachtkerze
      Farbe: weiß
      Höhe: 120 cm Standort: so-h
      Pflanzen pro m²: 5/7 Blütezeit: 6–10
      6. Aster novae-angliae ‚Violette‘
      Raublatt-Aster
      Farbe: violett
      Höhe: 130 cm Standort: so
      Pflanzen pro m²: 2/3 Blütezeit: 8–10
      7. Centranthus ruber ‚Coccineus‘
      Spornblume
      Farbe: karminrot
      Höhe: 80 cm Standort: so
      Pflanzen pro m²: 3/5 Blütezeit: 6–9
      8. Phlox subulata ‚Samson‘
      Polster-Flammenblume, dunkles Auge
      Farbe: rosa
      Höhe: 12 cm Standort: so
      Pflanzen pro m²: 9/12 Blütezeit: 4–5
      9. Artemisia arborescens ‚Powis Castle‘
      Eberraute
      Farbe: silbrig
      Höhe: 80 cm Standort: so
      Pflanzen pro m²: 5/7
      10. Baptisia x varicolor ‚Twilite Prairieblues’®
      Färberhülse
      Farbe: purpurbraun mit gelb NEUHEIT!!
      Höhe: 120 cm Standort: so
      Pflanzen pro m²: 2/3 Blütezeit: 5–6
      11. Achillea millefolium ‚T.F. Pomegranate’®
      Garten-Schaf-Garbe
      NEUHEIT!! granatroter Hingucker
      Höhe: 60 cm Standort: so
      Pflanzen pro m²: 7/9 Blütezeit: 6–9

      12. Verbena bonariensis
      Patagonisches Eisenkraut
      Farbe: violettrosa
      Höhe: 100 cm Standort: so
      Pflanzen pro m²: 3/5 Blütezeit: 7–10
      13. Aster ericoides ‚Golden Spray‘
      Myrten-Aster
      Farbe: gelblich weiß
      Höhe: 60 cm Standort: so
      Pflanzen pro m²: 3/5 Blütezeit: 9–11
      14. Scabiosa columbaria ‚Kudo White’©
      Weiße Tauben-Skabiose
      Farbe: weiß mit zartem rosa
      Höhe: 40–50 cm Blütezeit: 6–9
      15. Asclepias incarnata
      N.-Amerik. Seidenpflanze
      Farbe: rosa
      Höhe: 100 cm Standort: so
      Pflanzen pro m²: 3/5 Blütezeit: 7–8
      16. Thymus praecox var. pseudolanuginosus
      Grauer Woll-Thymian
      Farbe: rosa
      Höhe: 5 cm Standort: so
      Pflanzen pro m²: 15/20 Blütezeit: 5–7
      17. Salvia nemorosa ‚Adrian‘
      Sommer-Garten-Salbei
      Farbe: reinviolett
      Höhe: 40 cm Standort: so
      Pflanzen pro m²: 7/9 Blütezeit: F-J
      18. Gaillardia x grandiflora ‚Tokayer‘
      Kokardenblume
      Farbe: leuchtend orangerot, grünes Blatt
      Höhe: 70 cm Standort: so
      Pflanzen pro m²: 5/7 Blütezeit: 7–9
      19. Berkheya purpurea
      Purpur-Distel
      Farbe: zart-violett
      Höhe: 80 cm Standort: so
      Pflanzen pro m²: 7/9 Blütezeit: 6–8 ↩︎