Schlagwort: ICE371

  • 26-02-17 Trecker, Wolfsriss und ein Dirigent in Pritzwalk

    26-02-17 Trecker, Wolfsriss und ein Dirigent in Pritzwalk

    Madame kaufte ein gebrauchtes Buch. Im Buch: Ein Bibliotheksstempel aus Wales. Gerade mal ein Jahr alt. Wir rätseln, was wohl passierte damit die Caernarfon library das Buch bereits nach einem Jahr wieder aussortierte. Die Hälfte der bibliothekseigenen Beschriftung ist in walisisch. Wie schön.

    **

    Der Winter ist nicht vorbei, solange nicht Berlinale war. Auch dieses Jahr.

    **

    Wobei unser Berlinale-Besuch ausfiel. Der einzige Film, für den wir in geeignetem Kino zu geeigneter Zeit noch Karten bekamen, entpuppte sich auf den zweiten Blick nicht als athmosphärisch düsterer Film über Textilfabriken in Indonesien sondern als ausgemachter Tricktechnik-reicher-Horrorstreifen mit viel Kunstblut, worauf wir dann beide keine Lust hatten.

    **

    Weiter gelesen: Dashiell Hammetts The Dain Curse. Zwischenzeitlich frage ich mich, obwohl es in Hammetts Hirn eine Verbindung von The Main Course zu The Dain Curse gab. Inzwischen bin ich in Teil 3 und frage mich, ob er nicht selbst für mich zu sehr ins Alberne abgleitet. Aber ich werde sehen.

    **

    Die Welt warf einen verspäteten Zug, einen Toilettenraucher, eine gesprungene Scheibe und eine Verspätung wegen der Verspätung auf Madame. Aber es gelang ihr mit ICE371 nach Basel durchzukommen. Mir ist noch unklar, ob die Scheibe sprang als der Raucher entschärft werden musste.

    **

    Ich meldete mich für die Klausur zur Digitalen Diversität an. Ich beschloss, dass mir das inhaltlich gar nichts Neues gegenüber meinem aktuellen Kenntnisstand abverlangt, und ich die für die Klausur nötige Auswendiglernerei schon mit überschaubarem Aufwand hinbekommen werde.

    **

    Es war ein Sonntag der Heimerholung und ein Montag der Arbeit.

    **

    Beim Postwestfalen lese ich: Ich weiß nicht, ob sie wirklich neu ist oder ob ich sie einfach bislang nicht wahrgenommen hatte, jedenfalls habe ich den Eindruck, die Baustellen, große wie kleine, werden ständig mehr, nie wird eine fertig. Auch das wird langsam etwas unheimlich, wobei es mir fernliegt, daraus eine Verschwörung oder ähnlich finstere Pläne abzuleiten.

    Ich weiß auch nicht wie er darauf kommt.

    Bild einer Rolltreppen-Baustelle. Die Baustelle abgesperrt, die Rolltreppe nur noch in Teilen vorhanden, drei Gestalten in der Ferne mit Warnweste. Dazu ein Schild "Erneuerung der Rolltreppe bis Dezember 2025." Aufgenommen wurde das Bild im Februar 2026.

    Vandalismus-Touch-Feier

    Es ist nicht alles perfekt an dieser Wohnung. Sonntagabend stellte ich die gelbe Tonne an die Straße, Montagmorgen bekam ich sie ohne Decke und mit gerissenem Griff (?!?) zurück. Aber hier gibt es eine Hauseigentümerin, die das interessiert, die sich kümmert und darüber auch noch mit uns redet.

    Und wo ich bei der Wohnungsbeschwerung sind: das Touch-Bedienfeld am Induktionsherd, das wir nicht vermeiden konnten, ist genau so ein umständlicher Blödsinn wie vorher geahnt. Aber es gibt zum Glück schlimmere Probleme.

    Noch drei volle Umzugskartons. Bereits letzte Woche kam das Umzugsunternehmen und holte weitere 27 leere Kartons ab. Die letzten drei Kartons werden wir bezeiten über den Altpapiercontainer oder die BSR entsorgen.

    Damit konnten wir auch ein Datum für eine kleine Einzugsfeier festlegen. Vermutlich werden es ein paar Stunden Open House bzw. Open Wohnung werden, an der Interessierte mal reinschauen können, ein paar Stullen abgreifen, eine Miniatur-Wohnungsführung bekommen und dann wieder gehen.

    Sie wird seltsamerweise (nachmittags) an genau dem Tag stattfinden an dem ich (vormittags) die Klausur Digitale Diversität schreiben werden. Das aber passt ja zum Einzug, der quasi auch nahtlos an die Bachelorprüfung anschloss.

    Natürlich seid ihr Tapferen, die bis hierhin gelesen haben, eingeladen. Wer aufmerksam mitliest, wird sich vermutlich eh erschließen können, wo genau wir wohnen – aber wer kommen mag, melde sich doch einfach für Details.

    Ihr erster Trecker

    Unsere solidarische Landwirtschaft, die Gemüslichkeit, hatte Hybrid-Mitgliederversammlung. Es war spannend. So spannend.

    1. Dachte ich allgemein: Das ist ja wirklich wie im Bilderbuch. Zwei bis fünf Leute, die weitgehend in Handarbeit einen Miniatur-Acker (0,75 Hektar) bewirtschaften und daher kommt unser Gemüse. Die Äpfel pflückt ein Rentner von der alten Streuobstwiese, den Käse macht eine Schäferin im Alleinbetrieb in der Prignitz. Noch näher-an-der-Natur geht es nicht.
    2. Der Wirtschaftsinformatiker dachte die ganze Zeit „Oh Gott oh Gott. Das kann nicht funktionieren. Das ist so sehr auf Kante genäht und so ohne jede Reserve. Oh Gott!“
    3. Der Sozialromantiker in mir: Und trotzdem machen sie es. Yeah! Nieder mit Hoch auf!

    Das gemüsliche Detail

    Die Versammlung des Vereins fand vor Ort in Wittenberge in der Prignitz statt, es ließ sich aber auch über das Konferentprogramm Big Blue Button teilnehmen. Wir fanden es kontraproduktiv für eine Versammlung einen ganzen Tag durch die Gegend zu fahren und nahmen per Video teil. Wir lernten, beziehungsweise wiederholten:

    • Die Solawi besteht aus einem Verein, in dem wir Mitglied sind. Dieser bezahlt den rechtlich unabhängigen Gartenbaubetrieb Levin Müller. Faktisch sind beide Entitäten eng miteinander verschmolzen, so dass es in der Versammlung um beides ging.
    • Der Gartenbaubetrieb plant 2026 mit 2,7 Vollzeitäquivalent-Stellen, die 0,75 Hektar Acker bewirtschaften, zu einem Großteil in Handarbeit und vollständig in Superbioplus-Qualität.
    • Das Gemüse wird einmal die Woche an Abholstationen in der Prignitz und in Berlin ausgeliefert. Es gibt was es gibt.
    • Dank Förderprogrammen konnte letztes Jahr ein erster kleiner Trecker und eine etwas professionellere Bewässerung angeschafft werden.
    • Zum Netzwerk gehören ein Rentner, der eine Streuobstwiese pflegt, eine Schäferin und ein Bäcker.
    • Der Bäcker Lam Trần Đình lernte ursprünglich das Dirigieren am Konzerthaus Berlin und der Bayerischen Kammerphilharmonie bevor er Chordirektor und Kapellmeister am Theater Kiel wurde. Dann hatte er keine Lust mehr und machte eine Lehre zum Sauerteigbäcker in Berlin-Moabit bevor er sich mit seiner Ein-Mann-Bäckerei in Pritzwalk selbstständig machte. Zur Zeit hat er drei Backtage, weil er Dienstag in Berlin-Dahlem dirigieren muss. Und nachdem er hingebungsvoll von seinen Roggen- und Mischbroten erzählte, und bei jedem Zuhörer große Lust auf sein Brot weckte, kündigte er an, dass der Aufwand für die Solawi zu groß ist – er bäckt nur noch in der Prignitz.
    • Schäferin Anna Winter erzählte unschönes vom Wolf, der auch hier Schafe riss und neue schwerer umständlichere Zäune nötig macht. Wir freuten uns, dass die Schäferin mit bayerischem Akzent ihren Halloumi, der nicht Halloumi heißen kann, dann halt Hallodri nannte.
    • Sympathisch auch, dass sie vor allem in die Prignitz und die dortigen Küchen streben. Aber solange sie von der Prignitz alleine nicht leben können, unterstützen wir gerne, zumal wenn wir dafür komplett großartiges Gemüse abgreifen.

    Falls jemand dies als (unbeauftragte, unbezahlte) Werbung ansieht: Stimmt, soll es sein. Zeichnet Anteile. Ist super.

    Mandelblüte @Jihad

    Ich freue mich, wenn Margrit den Haselanten als eben solchen bezeichnet: Im Nachhinein denke ich, ich hätte noch Gespräch abgebrochen wegen unfähiger KI sagen sollen. Falls mal ein Nicht-Haselant diese Gesprächsverläufe auswertet.

    Hier hat rechtzeitig zur Berlinale mit sibirischem Minustemperatur-Wind einzug gehalten, woanders blühen die Mandeln.

    Der Einzug in ein neues Heim und so viele Kleinigkeiten und Großigkeiten, die es zu erledigen gilt. Ausgabe Wunnibar: 27. Oktober – 09. November 2025

    Ein Handwerker braucht meinen Wohnungsschlüssel, um einem möglichen Leck in der Wasserleitung nachzugehen. Es ist ein netter Typ, berlinert, er gibt mir seine Nummer. Auf Telegram erscheint er mit dem Usernamen @Jihad.

  • 25-12-25 Schlafe in himmlischer Ruh! (Berlin->Baden)

    25-12-25 Schlafe in himmlischer Ruh! (Berlin->Baden)

    Sechzehn Tage und vier Stunden nach Einzug in ein Schwimmbad gingen wir das erste Mal schwimmen: Am 23. Dezember um 19:30h. Die Erschöpfung nach diesem Tag war nicht ganz so schlimm. Die Aussicht auf mehrere freie Tage in einem Haushalt in dem alles funktioniert und alles dort steht, wo es stehen soll, beflügelten zu Abenteuern.

    Zum Abschied sahen wir beim folgendem Abendessen aus dem Fenster auch noch einmal den Parkplatz-Fuchs. Es war ein gutes Omen.

    Aber vor allem ging es auf die Reise. Tage der Aufgeräumtheit, der Ruhe und des Ausschlafens kündigten sich an.

    Es war Heiligabend und der erste Weihnachtstag.

    Heiligabend morgen war Geruchsintensiv. Im U-Bahn-Fahrstuhl musste ich sofort an Frau Brüllens zitierte blumigen Parfümbeschreibungen denken, wollte innerlich den Geruch mindestens so würdigen wie ihr Adventskalender es schafft. Ich brachte aber nur zusammen „Es ist zu früh. Ich bin zu müde.“ Im Zug ein neues Geruchserlebnis. Wieder fehlten mir die Formulierungen, beziehungsweise kondensierten sich zu einem einzigen Wort der Geruchsbeschreibung: Es riecht nach Erdbeerjoghurt.

    Heiligabend abendtrafen wir Familie und werden weitere Treffen. Das war wie immer schön, ich habe schon großes Glück, wo ich einheiratete. Dazu bewährte Klassiker wie Fondue chinoise und Schäufele mit Kartoffelsalat. Wir konnten der Versuchung nicht wiederstehen, Madames Patenkind aus Autofahrerhaushalt für den ÖPNV zu agitieren.

    Über Offenburg nach Paris

    Ich vergaß, vor der langen Bahnfahrt die Glückssocken anzuziehen. Sogleich beschloss die Bahn uns zu testen: Die Ringbahn fiel aus, unser Standardweg zum Hauptbahnhof war nicht mehr möglich. Da wir noch zu neu in der Wohnung sind, um wirklich alle Alternativen sicher zu beherrschen, brach etwas Hektik aus, aber wir packten alles ein, setzten nicht mit den Adventskerzen die Wohnung in Brand und auch das aus Versehen aus dem Fenster geflogene Platzset sammelten wir wieder ein.

    Also statt Ringbahn lieber U-Bahn. Statt S42 und Stadtbahn, lieber U3, U9 und Stadtbahn. Zum Glück hielt die BVG alle Beförderungsversprechen, wir waren pünktlich am ICE371 Berlin-Basel.

    Dieser war erwartungsgemäß leer. Neben uns saß ab Braunschweig eine Familie (Tochter am Ende des Studiums aus Leipzig, Vater aus Freiburg, Oma aus Salzgitter), die zu „Jan“ nach Wiesbaden fuhren. Der Vater hatte einen großen Aufstand veranstaltet, damit alle zusammen plus Omas Rollator einen Vierersitz hatten, nur damit er sich die ganze Fahrt über woanders aufhielt und Tochter, Oma und Rollator alleine ließ.

    In Karlsruhe wurde es voll. Anscheinend war eine Strasbourg-Paris-Verbindung gescheitert, ICE371 plus dem Regionalzug Offenburg-Strasbourg bildeten den Ersatz. Und so schoben sich plötzlich Gruppen asiatischer Frauen durch unsere Waggons oder die griechische Kleinfamilie mit acht großen Schrankkoffern im Gepäck, auf dem Weg über Strasbourg nach Disneyland Paris. Und kaum hatten sie sich alle eingerichtet, waren wir auch schon in Offenburg. Die ganze Karawane aus aller Herren und Damen Länder verließ wieder den Zug.

    Auch ohne Glückssocken hielt sich die Verspätung im Bereich unter 30 Minuten, was als voller Bahnreiseerfolg zählt.

    Essen in Zeiten der Schwierigkeiten

    Auch wenn wir gerade 20 Meter Buch weggegeben haben, irgendwie verirrten sich zwei Exemplare für mich unter den nicht vorhandenen Tannenbaum verirrt:

    Mehr dazu, wenn ich sie gelesen habe. Noch lese ich mich durch schon vorhandenes.

    Im Zug angelesen: Frank Schätzing: Der Schwarm. Einst ehedem in einer Bücher-Telefonzelle gefunden und jetzt als dicken Reisewälzer eingesteckt. Nach 15 Seiten genervt beschlossen, dass ich und dieses Buch nicht zusammenfinden. Zuviel Schlaubi-Schlau-Attitüde, zuviel schlechter Schreibstil, zuviel Mansplaining und null Empathie gegenüber den eigenen Figuren.

    Im Zug angelesen: Nigel Slater: Toast. Die durch Essen erzählte Kindheits- und Jugenderinnerungen des bekannten Kochbuchautos Nigel Slaters. Das Buch gewann beim Erscheinen 2012 zahlreiche Preise, und das vollkommen zurecht. Die Geschichte einer schwierigen Kindheit anrührend erzählt, eine Hommage an Essen und Geschmack, mit jeder Zeile großartig.

    Dazu passt die Lektüre, die zu Hause blieb: High on the Hog. Auch dort Geschichte durch Essen erzählt, und die Kraft die Essen und seine soziale Bedeutung auch in widrigsten Zeiten bringt.

    Weder Esel noch Krippe

    Weihnachten feiern ohne explizit christlichen Bezug ist wie das Tragen eines Band-T-Shirts ohne je etwas von der Band gehört zu haben: Falsch.

    Die Pünktlichkeit der Deutschen Bahn erlaubte uns den Besuch der Christvesper in der Lörracher Kirche im Quadrat. (formerly known as Christuskirche). Die nun vollbrachte das Kunststück eines christlichen Bezugs weitgehend unter Auslassung von Weihnachten.

    Weihnachtsgeschichte – nada. Weihnachtslieder – ganz am Ende noch einmal Stille Nacht. Ansonsten gab es thematisch sehr viel Licht in der Dunkelheit, was man nun irgendwie auch auf Weihnachten beziehen kann. Aber quasi auch an jedem anderen Gottesdienst des Jahres sinnvoll als Thema vor vortragen könnte. Nicht einmal als Absage an Weihnachtskitsch ging es durch, dadurch war es inhaltlich leider auch zu belanglos.

    Immerhin, die Keyboardspielerin/Sängerin und der geigende Konfirmant, die aus Gründen der Organistenknappheit eingesprungen waren, waren beide gut, der Konfirmant auch noch ganz großartig herzig.

    Es wird mehr gesungen

    Sonst vermeide ich es ja tunlichst, beim Gehen auf das Smartphone zu schauen, aber ich möchte gerade der Welt mitteilen, dass mir „ARKA‘N ASRAFOKOR“ so gut gefällt, dass ich eine Bordsteinkante vergesse und stolpere. Ich kann mich noch rechtzeitig abstolpern, aber im rechten unteren Lendenwirbelbereich reißt es leicht.

    Wo ich gerne beim Weihnachtessen naschen würde, ist die Asia-Schweizerin Wilma: Schweizer Wintergemütlichkeit trifft auf asiatische Herzlichkeit – geschmolzener Käse, langsam gekochte Brühen, duftende Gewürze und Gerichte zum Teilen.

    Bester Weihnachtsbaum bei Maik.

    Matthias fragt: Eine Wikipedia-Seite für einen dahergelaufenen Blogger? – und als Wikipedia-Autor sage ich „Nein.“ Unter anderem weil man als Objekt eines Artikels keinen Einfluss mehr hat und dann jahrzehntelang zähneknirschend ertragen muss, wenn unausgegorene Halbwahrheiten im Artikel stehen. (Was ich auch gerne im Blog kommentiere würde, aber dafür müsste ich mich bei WordPress.com anmelden)

    Kalle fragt: gibt es überhaupt eine nennenswerte anzahl an bloggern, die nicht mit helmut schmidt oder helmut kohl als kanzler aufgewachsen sind?

    Hamburg-Korrespondent Percy Puddletree stellt fest: Es wird mehr gesungen. Und als ob das nicht schon absonderlich genug wäre, wurde auch mehr getanzt.