Schlagwort: Jasmin

  • 26-06-09 Fast dringliche Fokussierung der Strategie zur Steigerung der Resilienz

    26-06-09 Fast dringliche Fokussierung der Strategie zur Steigerung der Resilienz

    Es gibt noch Bierbikes in Berlin.

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    In der U-üc ein kleiner Junge im Dinosaueriershirt. Ein wenig war ich neidisch. Zum Glück trug ich mein Bären-Narwal-Shirt und konnte mich daran trösten.

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    Notiz: „Mir träumte – Auto Schuhe, Schlamm, Fazit: andere dürfen ihre Schuhe“ – eventuell sollte ich meine Notizen nicht ganz so kursorisch kurz schreiben.

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    Die leicht übergriffige Deutschlandflagge von Nachbar canineri ist mittlerweile arg ausgefranst und ausgeblichen. Langsam kann ich eine emotionale Beziehung zu ihr herstellen: „Wir alle, Deutschlandflagge, wir alle.“

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    Es war ein Wochenende zwischen menschlicher Wissensstrategie in Fernost-Kreuzberg und dem Tanz der Knautien.

    Weder Gorgo noch Schreinern

    Als ich im letzten Post etwas vom „Töpfermodus“ des Hirns schrieb, begab ich mich in ein bloggerisches Mikroabenteuer. Ich habe keine Ahnung vom Töpfern, und dementsprechend frei improvisiert war der Vergleich.

    Madame hingegen hat viel Ahnung vom Töpfern und challengte mich erwartbarerweise, wie ich genau diese Metapher meine. Und ich habe halt keine Ahnung. Mein Gedanke über Gedanken war: „Struktur aus dem formlosen Nichts erschaffen. Anders als bei einer Schreiner- oder Ingenieur-Metapher, geht es mir dabei weniger um das planen, passend machen von Einzelteilen und Zusammensetzen, sondern mehr um ein ganzheitliches System, das erst durch den Prozess selbst gedacht werden kann.“

    Auch nachzutragen: GIORGIO. Nachdem mir der letzte Post mit Moroder und Armani gleich zwei Giorgios zum Benennen bot, habe ich den Vornamen nicht ein einziges Mal korrekt geschrieben. Immerhin tauchten verschiedene Varianten auf. GIORGIO, zwei I, ein R, zwei O. So schreibt er sich.

    Die von Pfuel’sche Badeanstalt

    Es ergab alles Sinn. Kaum war ich vom Schlesischen Tor ein paar Meter gelaufen, hatte ich innerhalb von 15 Minuten die Uber Arena, die Oberbaumbrücke, die Straße des Wikibären und das Bi Nuu gesehen. Alles Orte, die ich mir als irgendwo-im-nirgendwo gemerkt hatte, und die ich nur mit Suchen auf einer Berlinkarte finden würde.

    Gerade die UberArena und der Platz drumherum wirken selbst dann noch wie vom-Ufo-abgeworfen wenn man in ihrer Mitte steht. Der ist so un-Berlin wie ein städtischer Ort nur sein kann. Sie zerstören meine innere Orientierung jedes mal. Aber jetzt habe ich ein Gebiet vor mir: Am nördlichen Spreeufer das Ex-Niemandsland des Mauerstreifens, nach der Wende bereit mit Ufos verfüllt zu werden; am südlichen Spreeufer Industriegebiet-Rand-Kreuzberg, wo sich Kleinfabriken, Entsorger und die entlegensten Ecken der Kreuzberg-Szene sammelten – nach 1990 teils-gentrifiziert und teils auch nicht.

    In so eine Gegend passen Entertainment-Exklave, Kellerclubs, irgendwo-im-nirgendwo-Feeling, Ausgehstraße, das Gefühl der Verlassenheit, ein U-Bahn-Hof, der wirkt als hätte er sich aus Zehlendorf oder Wannsee hierher verirrt und der ikonischste Brückenanblick der Stadt.

    Für mich als Schwimmbadinteressierter natürlich auch spannend: die Stelle an der Spree, wo knapp unterhalb der Oberbaumbrücke ehemals Berlins erste Badeanstalt lag, die von Pfuel’sche Badeanstalt.

    Ich war geflasht. Nur zehn Meter laufen und so viele spannende Stadtgeschichte in mehreren Lagen direkt vor meinen Augen. In jede Richtung anders aufregend. Oder wie mein Thüringer mit-Zählkommissionsmitglied meinte „Und in jeder Richtung widerlich.“

    So verschieden lässt sich Gegend interpretieren.

    AI Agents Summit

    Beim Kreuzberg-Wandeln sah ich in gelben Schuhen mit Bären-Narwal-Shirt, den langsamen Schritten und dem staunenden Blick aus wie der letzte Tourist auf Erden. Was gut ist: Der Tourist an sich ist ja entspannt, gut gelaunt, offen für Neues und außerdem außerordentlich unbeliebt.

    Inhaltlich war der Touristenlook korrekt: Diese Straßenzüge waren mir komplett unbekannt und ich war hier zum Entdecken. Er war aber auch vollkommen falsch: Immerhin war ich in „meiner Stadt“ mit „meiner U-Bahn“ zur Versammlung „meines Vereins“ gefahren, an der ich mich als Mitglied der Zählkommission auch noch semi-inhaltlich beteiligen wollte, während Madame es auf sich genommen hatte, die Versammlungsleitung zu geben. Noch untouristischer geht es nicht.

    Aber erst galt es den Ort zu erkunden:

    Die letzten Jahre hatte die MV im bUm stattgefunden. Das bUm in einem ehemaligen Umspannwerk entstand aus Protesten gegen einen geplanten Start-Up-Hub an diesem Ort und sieht sich als „ein Raum für Engagement und solidarisches Miteinander“.

    Dieses Jahr waren wir im Spielfeld – einem Start-Up-Hub im ehemaligen Postamts-Backstein-Schloss Kreuzberg SO 36, gegründet von Roland Berger und Visa. Hatte es im bUm noch die drei Toiletten „Flinta*“, „Alle“ und „Behindert / alle“ gegeben, gab es nun „Men“, Piktogramm einer Frau und „Staff only“. Wer eine Behindertentoilette suchte, musste den eigentlichen Veranstaltungsort verlassen und durchschritt dabei eine Tür ohne Wiederkehr – aka, eine die sich nur von innen beim Verlassen des Ortes öffnen ließ.

    Es war ein Ort, der Kaffee nicht als Infrastruktur des Lebens begriff, sondern als Genußmittel, das nur von Barangestelten ausgegeben werden durfte („staff only“) und während bei der Veranstaltung betont wurde, wie sehr Wikipedia und co. menschengemacht sind und sich von „KI“ so weit wie möglich distanzieren, war der Rest des Start-Up-Hubs natürlich voll davon.

    Schöne Architektur, sonst eher fragwürdig dort.

    Vor Wachstum? Durch Wachstum?

    Bei der 31. Mitgliederversammlung von Wikimedia Deutschland fand statt, was aus Mitgliederversammlungen so stattfindet: Die Mitglieder wählten ein neues Präsidium, hörten sich Berichte der einschlägigen Gremien an und berieten über Anträge.

    Alles einmal auf „schräg“ gedreht, dass Wikimedia Deutschland zwar zur Wikipedia gehört und von dieser geprägt ist – inhaltlich aber nichts mit ihr zu tun hat und auch kein Betreiber ist. Das führt dazu, das ein Großteil der „Vereinsinhalte“ ausgelagert ist und gar nicht zur Befassung durch den Verein geeignet ist. Es führt auch dazu, dass WMDE 116.000 Mitglieder hat, von denen etwa 50 stimmberechtigte Mitglieder zu einer MV kommen.

    Inhaltlich geht es dann auch um Inside-Baseball to the extreme. Aber in Entwicklung. Nachdem sich in den letzten Jahren die hauptamtlich durchgeführte Organisation der Veranstaltung in fast schon absurde Höhen professionalisierte, zieht langsam auch die Mitgliedschaft nach.

    Nach divesern Erklär- und „Warum Wikimedia- nicht Wikipedia“-Formaten am Vorabend und Vormittag, hatten es bis Mittags alle verstanden. Nicht ein einziger verwirrten Diskussionsbeitrag tauchte auf, der beides verwechselte. Überhaupt habe ich es selten in irgendeinem Kontetx erlebt, dass quasi alle Diskussionen on point waren, dass alles was als Frage deklariert war, auch eine echte Frage war und ich nach 90% der Beiträge ernstlich das Gefühl hatte, klüger zu sein. Chapeau.

    Richtig glücklich war ich, weil der Verein nach Jahrzehnten der Irrungen und Wirrungen endlich eine Strategie verabschiedete, die sich nicht mehr als „und dann machen wir noch das und dann das und das auch noch“ las, sondern als „das ist unser Ziel, das sind die Umweltbedingungen und deshalb fokussieren wir uns auf drei Punkte, die wir langfristig umsetzen wollen.“ Oder anders gesagt: 22 Jahre nach Vereinsgründung hat WMDE das erste Mal eine Strategie, die ich als solche erkennen würde.

    Anstrengend war der 7-Stunden-Ritt in stickiger Luft dennoch. Wir im Publikum litten am Ende ziemlich, ich hatte mehr als Respekt für alle auf dem Podium und natürlich Madame, die sieben Stunden vorne saß, on und präsent sein musste.

    Für den Heimweg Käsekuchen

    Danach Schlafwandeln. Wieder ins Baraka beim Görli, diesmal Mezze-Platte und Künafa, für den nächsten Tag steckten wir beim Waffle-Brother-becomes-baskischer-Käsekuchen-Laden noch zwei Stück Käsekuchen ein, wir fuhren mit der Bahn nach Wilmersdorf und dann über die nächtliche Autobahn zu den Latifundien. Als wir um 23:48h auf den Latifundien die Autotür erst halb geöffnet hatten, stellte Madame schon fest „Oh wie das duftet.“

    Die Knautien tanzen wieder

    Nach der Marathon-Performance des Vortags war Madame den Sonntag über Knülle. Bei mir reichten ganz ohne Performance die Nachwirkungen von vielen Stunden intensiver Diskussion, erlebt auf einem Stuhl mäßiger Langfristsitzbarkeit.

    Wir wachten auf, dösten, wachten, schliefen, dösten und haben uns am Ende kurz vor Mittag zu den Brötchen begeben. Der Rest des Tages änderte sich wenig. Madame kochte und stellte fest, dass auch sie das „zuviel! zuviel!“ im Garten erleidet. Mittlerweile bestimmte sie mit Flora incognita 86 Pflanzenarten, nicht nur aber vor allem im Garten und zunehmend nehmen die Doppelbestimmungen zu. Zuviele Pflanzen zum Merken.

    Und während wir den Sonntag low and slow verbrachten, blühte, kreuchte und fleuchte es wie auf einem wildgewordenen Wimmelbild. Selbst der geruchlose Jasmin bequemt sich unter voller Blüte zum Duften.

    Die Knautien begannen, sich zu entfalten. Gerne an den Wiesenrändern, an den Wegen, fast immer dort wo Wege dreieckig zusammenlaufen. Dutzende Blüten? Hunderte! Sie stehen an dünnen Stängeln bis zu einem Meter über der Wiese. Sobald ein Wind aufkommt, fangen sie an zu tanzen.

    Links

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    Leider auf englisch. Wer schreibt die Liste auf deutsch: The 100 Greatest Bird Names of All Time (via Curious about everything) Aus derselben Quelle. Ich habe die höchst wundervolle Autorin Caity Weaver wiedergefunden. Sie ist bei The Atlantic gelandet und schrieb: I Found It: The Best Free Restaurant Bread in America:

    But still. It is impossible to lock eyes with a Frenchman, after he has just spent minutes delicately extolling the virtues of 16 different breads, and ask, “Could I do one of each?” without feeling ridiculous, no matter how evenly he responds, “Absolutely!”

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    readinginsweden seeing in der Neuen Nationalgalerie: „Brancusi, Sie sollten sich unbedingt Brancusi anschauen.“

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    auf eine art bin ich üb­ri­gens froh, dass bei uns vor der tür die ben­zin-as­sis ihre mo­to­ren in der (theo­re­ti­schen) fahr­rad­stras­se auf­heu­len las­sen um (sehr) lau­te fehl­zün­dun­gen zu pro­vo­zie­ren. den gan­zen tag über, aber am liebs­ten nach mit­ter­nacht. so­lan­ge die­se as­sis hier noch woh­nen und fah­ren, stemmt der wed­ding sich noch ge­gen die gen­tri­fi­zie­rung.

  • 26-06-04 Pool’s out for summer

    26-06-04 Pool’s out for summer

    Der Parkplatzjasmin blüht. Duftwolken ziehen bis an diesen Schreibtisch.

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    In der Bahn eine junge Frau, die erst ausgiebig Dehnübungen im Sitz machte und sich danach so schief in diesen hineinfläzte, dass ich allein beim Zusehen Rückenschmerzen bekam.

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    MMB sprach über eine gemeinsame Bekannte als „die, die immer aggressiv-pastell bekleidet ist“. Das ist eine Aussage mit innerem Widerspruch, und dennoch wusste ich sofort, wer gemeint ist, und musste zustimmen.

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    Madame chorierte vertretungsweise unter einem hauptberuflichen Grundschullehrer als Chorleiter und war mehr als begeistert ob seiner Präsenz und seines methodisches Repertoires. Mehr Grundschullehrer*innen in Führungspositionen!

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    Es waren vier Arbeitstage zwischen SERVQUAL, Sternwarte und dem cinealen Versuch, ein Mensch zu bleiben.

    Entscheidungen

    Die Sonne scheint. Die Vögel singen. Das Freibad lockt. Zeit, sich wieder der Fernuni zuzuwenden.

    Unterhaltung / Arousal

    Kunden beobachten andere Kunden auch, weil dies einen gewissen Unterhaltungswert hat. Viele Kunden begeben sich gerne unter andere Menschen und schauen sich das Geschehen in der Öffentlichkeit um sich herum an (Tombs und McColl-Kennedy 2010).

    Das Fernuni-Modul Dienstleistungsmanagement ist mir ein steter Quell der Freude. In seiner inhaltlichen Alltagsnähe, in einer Sprache, die zwischen akademischer Distanz und Business-Bullshit-Bingo schwankt wirkt es mehr als einmal wie die Loriot-Version seiner selbst.

    So zum Beispiel mit der Erkenntnis:

    So zeigen Kaminakis et al. (2019), dass sich die Gestaltung der Dienstleistungsumgebung – im Kontext der Studie ein Restaurant – stärker auf die Erregung (arousal) und die Lust (pleasure) des Kundenkontaktpersonals als auf die Erregung und das Vergnügen des Kunden auswirkt.

    Manchmal denke ich aber auch „Aha“!

    Als ich letztens an der Shell-Tankstelle vorbeilief und an den gescheiterten Versuch dachte als Shell, wieder Tankwarte als Premium-Unterscheidungsmerkmal einzuführen versuchte, da erinnerte ich mich an verwirrte Kund*innen, die nicht recht wussten wie sie mit den Tankwarten umgehen sollten. Dank des Moduls kann ich jetzt denken „Service-Skript“: Jede Dienstleistung erfordert Interaktion und die Kund*in muss jederzeit das Gefühl haben, zu wissen was von ihr gerade erwartet wird. Sonst fühlt sie sich nicht wohl und die Dienstleistung scheitert.

    Bei neuen Dienstleistungen oder Abläufen, die seit Jahrzehnten nicht mehr vorkamen, muss die Anbieterin den Kund*innen beibringen, was diese tun sollen. (Siehe auch: IKEA-Anfänge in Deutschland, McDonalds-Anfänge in Deutschland).

    Programmierung oder Algorithmen?

    Entscheidender als einzelne Inhalte im Fernuni-Kontext bleibt aber das große Ganze und der Ablauf: Der 1. Juni ist an der Fernuni der Tag des kleinen Übergangs. Am 1. Juni öffnet die Rückmeldefrist für das nächste Semester und es öffnet der Zeitraum der Klausuranmeldungen. Langsam sollte ich mich entscheiden, was ich dieses Semester schreiben und daraus folgend, was ich nächstes Semester belegen werden.

    Bisher lernte ich für

    • Dienstleistungsmanagement
    • Einführung in die Imperative Programmierung

    Die Module gibt es nicht geschenkt. Aber sie sind inhaltlich tief in meinem Wohlfühlbereich angesiedelt. Der Lernaufwand scheint mir überschaubar.

    Angedacht hatte ich

    • Datenstrukturen und Algorithmen (D&A)

    This is a whole kind of different beast. Das Modul hatte ich im letzten Semester schon mal begonnen, weil es doppelt einzahlt – auf den Master Wirtschaftsinformatik wie auch auf den möglichen Bachelor Informatik. Aber dann hatte ich schnell wieder aufgehört, weil es gar nicht einverträglich war mit dem letztsemestrigen plan: „Study, relax & chill“. So gar nicht.

    Die Klausur D&A würde bedeuten, dass ich jetzt wirklich intensiv und unter Vernachlässigung diversen anderen Lebens mit Lernen beginnen müsste und dies bis zur Klausur Mitte August durchziehen. Bei Bestehen wäre ein großer Brocken aus dem Weg geräumt.

    Dann erinnerte ich mich des Jahresmottos „Einatmen – Ausatmen“, dachte „Bist du verrückt? Es ist Freibadsaison!“ und verschob das Modul.

    Dieses Semester bleibt es bei Dienstleistungsmanagement und Imperativer Programmierung. Überraschend auftretende Anfälle von Ehrgeiz kanalisiere ich auf die Noten in den beiden Modulen – oder ich lerne schon mal für die Datenstrukturen im Wintersemester vor. Dort findet back to normal mit Datenstrukturen & Algorithmen und Objektorientierte Programmierung und Socio-Technical Information Systems Design statt.

    Well, we got no choice / All the girls and boys / Makin′ all that noise

    Innen out

    Wir verschlafen ungefähr einmal im Jahr. Das schafften wir Mittwoch. Vermutlich hat die Mischung aus schwül-am-Abend – deshalb schlechtes Einschlafkarma – plus Nachtregen – deshalb Tiefenentspannung am frühen Morgen – dazu geführt, dass ich sämtliche Wecker glücklich überhörte. Madame testete, wie schnell sie bei strömenden Regen in der Hafenstadt sein kann.

    Ich hatte mehr Glück, mein erster Termin lag später und fand in der hauseigenen Schwimmhalle statt.

    Diese war ruhig. Denn bis auf das Schulschwimmen ist der Hallenbadbetrieb eingestellt. Wir sind Schwimm-Heimatlos, müssen wieder das Grundstück verlassen, um Schwimmen zu gehen. Sofort habe ich einen Alice-Cooper-Hit im Ohr:

    Pool’s out for summer / Pool’s out forever / Pool’s been blown to pieces.

    Ich hoffe, dass bei Alice Cooper und bei uns die letzten beiden Zeilen literarische Übertreibungen aus emotionalem Überschwang heraus sind.

    Außen out

    Wenn der Pool out ist, ist das ein Grund mehr zum Steglitzer Sommerwohnzimmer zu pilgern. Auf zum Insulanerbad.

    Aber auch dieser Ausflug teilte das Schicksal unserer letzten Exkursionsversuche (siehe Nymphensee überfüllt – und Fahrradtour mit kaputtem Sattel), er scheiterte. „Wegen Team/Fortbildungstag geschlossen“ Und das mir!

    So nutzte ich die Gelegenheit, das erste Mal seit 15 Jahren nicht das Insulanerbad sondern den Insulanerberg zu erklimmen. Ich entdeckte die geheime Liegewiese außerhalb des Freibads (Luftbad!), ich sah Wege, so dicht bewachsen, dass diese auch im schlimmsten Hochsommer noch im Schatten liegen werden. Ich entdeckte die Andeckenplaketten an Insulaner (Trümmerhügel) und Insulaner (Radio-Kabarett). Ich wiederentdeckte die Sternwarte und warf den ein oder anderen Blick auf das am Fuß des Trümmerhügels liegende verlassen wirkende Schwimmbad.

    Bahnhofsgeschichten

    Berechenbarer als das Insulanerbad bleibt der Bahnhof Südkreuz.

    Für die Zukunft

    Die Rolltreppen dort zum Beispiel bleiben unbewegt. Paul’s Bauzaun Service verwandelte die bisherigen Absperrungen in eine größere Ansammlung von Bauzäunen, auf denen Rolltreppen „für die Zukunft“ angekündigt werden. Das sagte mir, dass DB InfraGO die Rolltreppe „für die Gegenwart“ aufgegeben hat.

    Tatsächlich bestätigte mich der Tagesspiegel-Checkpoint mit einem Text zur Südkreuz-Rolltreppensituation: „Zwei weitere [Rolltreppen] im Eingangsbereich machen größere Probleme. Sie müssen altersbedingt komplett erneuert werden. Die Bauarbeiten beginnen in dieser Woche und werden „einige Monate“ dauern. „

    Im selben Checkpoint wurde immerhin ein weiteres Rätsel gelöst. Denn die Personen, die ich als Kofferträger identifizierte, sah ich nun in vielen Monaten noch nie einen Koffer tragen. Meistens lehnen sie an der Treppe, despektierlich könnte ich schreiben, sie lungern herum, vielleicht sind es gar keine Kofferträger, sondern professionelle Lungerer.

    Auch hier gab der Checkpoint Auskunft: „Achtung, neue Berlin-Vokabel: Während der Bauarbeiten sind „Reisendenlenker“ im Einsatz, „um Fahrgäste zu unterstützen“. Heißt konkret, auch mal Kinderwagen und Koffer die Treppe hochzuwuchten.

    Ich las erst „Reisendenker“. Und vielleicht wäre das etwas: Einfach Menschen an den Bahnhof stellen, die über das Reisen nachdenken. Aber vielleicht machen sie das auch schon die ganze Zeit, und kommen deshalb nicht zum Kinderwagentragen.

    Für die Orientierung

    Vor dem Südkreuz taucht ein neuer Wander-Wegweiser mit Bär mit Wanderstab auf: Grüne Hauptwege. Das ist einerseits komplett absurd, denn der Südkreuz-Vorplatz ist ein Ort für den das Wort „unwirtlich“ in den Duden aufgenommen wurde und der sich besser für „Graue Nebenplätze“ als für „Grüne Hauptwege“ qualifiziert.

    Andererseits ist das Schild damit notwendig: Denn wohl jede*r Wander*in auf einem Grünen Hauptweg braucht hier umfangreiche Bestätigung, sich auch wirklich, wirklich nicht verlaufen zu haben.

    Saving Mima Kirigoe

    Ich hatte mir vorgenommen, nicht mehr als zwei Kinofilme in der Woche zu sehen. Zu sehr verschwimmen die Eindrücke sonst, zu sehr geht mir ein Film aus dem Hirn verloren, noch bevor ich auch nur ansatzweise verstanden habe, was ich erlebte.

    Diese Woche werden es drei Kinofilme werden.

    Montag: Saving Private Ryan (Odeon – USA, 1998)1, Mittwoch Perfect Blue (Babylon Kreuzberg – Japan, 1998)2 und Donnerstag American Gigolo (Yorck – USA, 1980).

    Durch die Häufung ergeben sich interessante Effekte. Kurz nacheinander sah ich den Spielberg-Blockbuster Saving Private Ryan und den triggerwarnungs-intensiven Anime Perfect Blue.

    Beide erschienen 1998. Der eine aus der damaligen Gegenwart mit dem Blick in die Vergangenheit, der eine aus der damaligen Gegenwart mit dem Blick in die Zukunft. Eines ein Mainstream-Blockbuster mit den größten Stars des damaligen Kinos, in handwerklicher Brillianz, die uns von der ersten bis zur letzten Sekunde ihrer Intensität in die Sitze drückte; eines ein Anime, der aus Kostengründen kein Spielfilm wurde, in Japan für ein Nischenpublikum produziert war, ästhetisch Höhen und Tiefen hat, und ein zweites Leben als Arthouse-Moviegoers-Festival-Film bekam.

    Und doch hatten beide dasselbe zentrale Thema: Wie bleibe ich unter mörderischen Umständen Mensch? Als Englischlehrer-wurde-Soldat im Zweiten Weltkrieg oder als junge Darstellerin in den Abgründen der J-Pop-Girlband-early-Internet-Reality-Menschenverbrauchsmaschine.

    Beide Filme ließen mich nicht unbeeindruckt ziehen. Beide würde ich gerne wieder sehen. Bei beiden bin ich versucht, den ultimativen Wikipedia-Artikel über sie oder einen Roman inspiriert von ihnen zu schreiben.

    Links

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    Via Mastodon: Der Sterbende wünscht sich, dass zu seiner Beerdigung alle mit einer „lustigen Kopfbedeckung“ kommen. Man darf gespannt sein. Und ich habe kein neues Lebensziel, aber ein neues Sterbensziel. Falls ihr plant, mich zu überleben, denkt schon mal über den Hut nach.

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    Ein Traum der Post in jeder Hinsicht: Vier Tage im Hinterland, gleich gefolgt vom Ähnlichen Kleine Wanderung im Hinterland

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    Wer Bloggerinnen treffe möchte, kann sich einfach in die Ausstellung „Neue Frau, Neues Sehen. Die Bauhaus-Fotografinnen“ begeben. Dort waren Juna („Ich trug meine Ambivalenz mit mir herum und konnte sie zunächst nicht fassen.) und die Pressepfarrerin („später, als sich die Eindrücke gesetzt hatten, ließ sie mich seltsam unbefriedigt zurück“) – wie schon mal verlinkt, waren auch poupou („Auf jeden Fall interessant anzusehen, aber nicht mind blowing.“), die kaltmamsell („Aufmerksam gehängte Ausstellung, gut erklärt und vermittelt,“) und readinginsweden („es gefiel mir außerordentlich„) dort.

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    Japan verstehen: Die “sieben Wunder” sind Gruselgeschichten, die sich Schüler seit Generationen erzählen und die allesamt in der Schule stattfinden. Weil sie im gesamten Land bekannt sind, werden sie oft in verschiedenen Medien erwähnt – Unter dem Verständnis, dass alle die Referenz verstehen.

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    Auch ich beuge mich dem Diktat der großen Wasserstoffbombe am Himmel und trage meinen peinlichen Safarihut. Damit sehe ich zwar aus, als woll ich Velociraptoren jagen, aber immerhin weniger bescheuert als der alte zottelige Mann mit dieser Sonnenbrille in Form des Kölner Doms. – ich weiß nicht. Zottelig werden, eine Sonnebrille in Form des Kölner Doms tragen, und dann als Reisendenker in einem Bahnhof lungern – das klingt für mich wie eine erstrebenswerte Zukunftsversion meiner selbst. Und wenn ich sterbe, müssen alle mit einem komischen Hut kommen.

    Anmerkungen

    ~ Neu im Bestand: Ein T-Shirt (agressiv-pastell blau), ein Polo (Bahamas-Bär)

    1. Yorck Unlimited No. 27 – 8,82€ pro Besuch ↩︎
    2. Yorck Unlimited No. 28 – 8,50€ pro Besuch ↩︎