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  • 26-05-05 Treffen der Wissens-Nerds in Ehrenfeld (Köln->Berlin)

    26-05-05 Treffen der Wissens-Nerds in Ehrenfeld (Köln->Berlin)

    Auf der Kölner Domplatte: Drei jung jungerwachsene Betreuer einer Pfadi-Gruppe stürmten so enthuasiastisch wie es nur beseelte Jungerwachsene können aus dem Bahnhof in die Stadt Köln. Ihnen folgte eine Gruppe Kinder, die so eindrucksvoll schlurften wie nur vom Leben und von enthusiastischen Erwachsenen gebeutelte Kinder schlurfen können.

    30 Meter weiter: die Polizei erläuterte einem Krishna-Trommler, dass er zwar Krishna-trommeln darf, aber nicht oben auf einer geschlossenen Containermulde.

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    Madame nutzte Sonnenlicht auf den Latifundien, um Familie Tigerschnegel in die Winkel des Wasserrohrlochs zu vertreiben, bevor Madame selbst dorthin hinabstieg.

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    Der Kölner Wikipedia-Treffpunkt liegt gegenüber der einzigen Karnevalshutfabrik der Stadt.

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    Einer Schokoladen-Zutatenliste verdanke ich das tolle Wort Schwarzbrotbrösel. Jetzt muss ich mich nur noch entscheiden ob ich einen Roman oder eine Art-Pop-Band so nenne.

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    Es war ein Jury-Samstag und ein Jury-Reise-Sonntag.

    In einer anderen Betonwüste: Ein Eichhörnchen

    Von J.G. Ballard existiert ein Roman Concrete Island/ Die Betoninsel. Dieser schildert wie ein Jaguar-Fahrer nach einem Unfall in einem Stückchen Grasland zwischen mehreren Autobahnstücken gefangen ist und dort eine Robinsonade erlebt.

    Nicht ahnte ich, dass das entsprechende Grasland in Köln liegt. Und dass ich als Fußgänger dorthin geraten kann, wenn ich einfach nur vom malerischen Park mit Schwimmbad den Kilometer bis zum Rhein laufen möchte. Dort, wo Open Street Map Park/Zoo/Park titelte traf ich inmitten von Hektotonnen Beton keinen einsamen Jaguarfahrer, sondern ein Obdachlosencamp.

    Köln – du Stadt der Überraschungen!

    Am Ende der Betonschluchten gelangt ich zum Fast-Sommerrhein im Feiertagsmodus! Die Pollux mit Heimathafen Hamburg überholte auf dem Fluss die am Ufer liegende Viking Gymir mit Heimathafen Basel, und das war eine schöne Nordsee-Oberrhein-Connection via Köln.

    Dann, der nächste Park, den ich ich im Nachhinein vielfach als Brennpunkt beschrieben fand. Ich fand ein stolzes Sanierungsschild neben einem traurigen wasserlosen Brunnen. Problemlos hätte ich meinen Restlebensbedarf an illegalen Drogen decken können.

    Köln- du Stadt der Überraschungen!

    Dann Café mit Kölsch-Radler und Programmkino und zentral gelegenes Hotel mit Grün drumherum. Du Stadt der Überraschungen! Love ya ein bißchen.

    Eisschwimmhalle

    Mit wehendem nassen Haar verließ ich das Lentbad? (Lentpark-Bad? Bad im Lentpark? Nur Lentpark – aber ist das nicht der Park an sich?) Durch den frühlingssonnenbeschienen Park tönten nicht nur die Rufe der Vögel – auch ein lange gehaltener Blasinstrumententon wehte herbei – entweder eine tiefe Trompete oder ein hohes Alphorn.

    Während ich meine Schritte abwandte, wurden die verblassenden Töne vielfältiger – offenbar doch eine Trompete deren Klang über das Gras klang.

    Es konnte kaum besser kommen, denn ich kam bereits aus einem schönen Bad.

    Schwimmschwimmhalle mit Eiskuck

    Das Lentbad (Lentpark-Bad? Bad im Lentpark? Nur Lentpark -aber ist das nicht der Park an sich?) liegt im Lentpark an den Ausläufern des Rheinufers. Der Rhein ist nah genug, damit in der Schwimmhalle nachträglich eine Hochwassermarke vom Rheinhochwasser 1784 angebracht wurde, und fern genug, um den Fußweg zum Rhein abenteuerlich zu gestalten.

    Seit 1936/1937 steht dort eine Eislaufhalle, zwischenheitlich war sie Heimat der Kölner Haie. Aufgrund von Baufälligkeit wurde das Gebäude 2007 abgerissen und dann nach Protesten der Bürger gegen ihr verschwinden neu 2011 (Gebäude) bzw. 2012 (Freibad) gebaut.

    Das Gebäude vereint Schwimmbad, Eislaufhalle (sichtbar vom den Stiefelgängen im Bad) und vor allem eine Eishochbahn in der ersten Etage, der durch Glas getrennt durch Schwimmhalle und Eishalle führt.

    Never seen this before, aber ich bin hochgradig beeindruckt.

    Ich möchte mich bedanken: ein Bad, das den Spagat zwischen funktionell und schick schafft.

    Kabinen, Duschen, Becken, alles sagt mir: Hier ist Schwimmen. Nichts wirkt architektonisch exorbitant. Und trotzdem ist da noch ein netter kleiner Warmwasserwhirlpool inmitten der Becken. Die Aussicht ist Grüne ist super. Alles wirkt schön. Und das special ist wirklich special.

    Selber schwimmen, und oben die Eisläufer vorbeihuschen sehen. Das ist schick.

    Schwimmbad-IT-Menschen finden sowas spannend. Es gibt keine eigene Eintrittskarte, sondern der QR-Code für das Schwimmbaddrehkreuz wurde direkt auf den Kassenbon gedruckt.

    Vieles zum Bau in alt und neu Archiv des Badewesens: Eislauf und Baden unter einem Dach.

    Fokus auf das alte Bad im KStA: Die Geschichte des alten Kölner Eis -und Schwimmstadions

    Meine Köln-Kreiselungen führten nach Ehrenfeld

    Ein Besuchskind auf den Latifundien fragte, warum ich nicht anwesend bin. Es verstand als Antwort: „Schiri-Treffen“. Das war nicht komplett abwegig.

    Allerdings ging es nicht um Fußball, sondern um Wikipedia-Artikel.

    Weder war ich zum Schwimmen noch zum Stadtstromern nach Köln gekommen, sondern für eine ernsthafte Angelegenheit. Die Jury des Wikipedia-Schreibwettbewerbs traf sich im wichtigsten deutschen Wikipedia Community-Treffort: dem Lokal K in Köln.

    Oder, wie einst eine Lokalzeit titelte, deren Ausschnitt noch an der Pinnwand hing: „Wissens-Nerds treffen sich in Ehrenfeld.“

    Enzyklopädieartige Schilderung des Schreibwettbewerbs

    Der Schreibwettbewerb ist eine Institution der Wikipedia. Er findet zweimal im Jahr statt (März und September eines jeden Jahres). Autor*innen können Artikel ihrer Wahl einreichen, bewertet wird das Beste was in diesem Monat entstannden ist.

    Dies war die 44. Ausgabe des Schreibwettbewerbs. Ich war soweit ich rekonstruieren kann, bereits zweimal in der Jury. Bei der allerersten Ausgabe 2004 und dann noch mal bei der fünften Ausgabe 2006, die fast die Jury und den Schreibwettbewerb gesprengt hatte. Danach hatte der Wettbewerb 39 Ausgaben Ruhe vor mir bis jetzt.

    An den Artikel und dem Ablauf lässt sich schön die Geschichte der Wikipedia verfolgen: wie intensiv oder nicht-intensiv teilgenommen wurde, welche Preise ausgelobt wurden, wie stilistisch die ausgezeichneten Artikel aussahen, und vor allem, was im Umfeld des Preises diskutiert wurde.

    Diesmal war es ein Alt-Treffen. Von den sechs Jurymitgliedern waren zwei schon damals in der ersten Jury, zwei weitere waren 2004 schon aktiv in der Wikipedia, eine kam nur wenig später und nur eine Jurorin war mit ihrem ersten Edits in den späten 2010ern ein echter Jungspund.

    (Dafür allerdings hat sie den Wettbewerb seitdem öfter gewonnen als alle anderen Juroren in allen Jahren zusammen)

    Nicht ganz so enzyklopädieartige Schilderung des Schreibwettbewerbs

    Diesmal gab es drei Sektionen (Natur und Technik // Kunst und Kultur // Geschichte und Gesellschaft) mit je zwei Juror*innen und insgesamt 23 nominierte Artikel.

    Die Jury vergleicht dabei nicht Äpfel mit Birnen, sondern wortwörtlich Organe mit Völkerschauen, Messer mit nicht realisierten Bahntrassen und antike Theatergattungen mit Spinnenarten.

    Es sind Artikel, die tief aus einem wissenschaftlichen Fachdiskurs kommen und nur mühsam gewöhnliche Leser*innen mitdenken, oder spannend zu lesende Artikel mit schwieriger Quellenlage. Es sind exorbitante Abhandlungen zu umfassenden Themenbereichen oder tief gebohrte Nischenthemen.

    Jede Bewertung ist hier natürlich hoch subjektiv, die Diskussion darüber aber ein großer Spaß. Und es ist erstaunlich, dass sich die Jurys doch am Ende einigen können. (Außer beim legendären fünften Schreibwettbewerb)

    Die 44. Ausgabe

    Jede Jury hatte ihre Sektion komplett gelesen und ihre Lieblingsartikel vorgestellt. In „meiner“ Sektion Geschichte & Gesellschaft hatten wir uns auf Hagenbecks Völkerschau der „Bella Coola“ 1885/86, das Mithräum am Ballplatz, die Ostalpenbahn, das Mimos und das Plattform-Sutra geeinigt.

    Die anderen beiden Jurys gingen ebenso mit Vorschlagslisten in die Sitzung. Alle Jurymitglieder hatten bis zur Sitzung alle Artikel gelesen und dazu Anmerkungen, Kritiken und Stellungnahmen formuliert.

    Jede Jury stellte „ihre“ Artikel vor und dann gab es jeweils eine ausgiebige Diskussion. Sind die Quellen valide? Ist das verständlich? Ist das aktuell? Stimmt es überhaupt? Ist es sinnvoll aufgegliedert und geordnet? Fehlt eine Karte? undsoweiter. Das ging so für jeden Artikel. Danach hatten wir schon mal eine gute gemeinsame Einschätzung ob ein Artikel eher ganz nach oben, oder eher unten oder vielleicht doch so in die Mitte kommt.

    Und weil das sowieso alles subjektiv ist, und undifferenzierte Wertungen feige, einigen wir uns am Ende auf eine Reihenfolge. Bis 19 Uhr waren wir fertig, konnten nach nebenan ins Brauhaus.

    Am nächsten Tag: Nach einmal drüber schlafen: Sind wir uns immer noch einig (eine Folge des 5. Schreibwettbewerbs); bei ein oder zwei Fakten haben wir noch mal recherchiert, nicht dass wir peinlicherweise etwas Falsches auszeichnen, und es galt ja auch noch, das Votum zu begründen und in die Wikipedia zu setzen.

    Wir haben einen Gewinner: Die Milz. Und alles was ihr jemals darüber wissen wolltet und noch viel mehr.

    Going home

    Wie kann man einen kompletten Bahnsteig aufwecken, der nach 30 Minuten warten auf den verspäteten ICE1055 in einer Art Dämmerzustand dahingesunken ist? Man lösche den Zug einfach komplett von der elektronischen Anzeige. Menschen, ich, schaue hektisch gleichzeitig auf die Anzeigentafel, auf ihr Handy und auf andere Reisende, ob deren Handy vielleicht schlauer ist.

    Nach einer Minute war der Spuk vorbei.

    Der Kölner Hauptbahnhof hatte Weiche, Notarzteinsatz und Signal und „mein“ ICE1055 deshalb verspätet anreisendes Personal. Mit Jurorin Nina hatte ihr Glück nach Berlin bereits Richtung Frankfurt versucht, ich wollte aber am Unordnungsreisen festhalten: ein ICE, der in Recklinghausen, Osnabrück und am Bahnhof Zoo hält, nicht aber in Wolfsburg oder Spandau, muss doch wohl Glück bringen.

    Am Ende schrumpften 40 Minuten Verzögerung bei der Abfahrt auf 15 Minuten bei der Ankunft. Ich saß auf dem gebuchten Platz im gebuchten Zug, damit gilt die Fahrt als Erfolg. Zumal ich ein gutes Buch hatte: Joseph Roths Das Spinnennetz.

    Dritter Ort – ein Schafskrimi

    Sari bei der Premiere von Glennkill – ein Schafskrimi. Den Film möchte ich auch noch sehen.

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    Florian Heinz über das „Netz war nie ein dritter Ort“ – nicht unspannend. Aber „das Netz“ ist mindestens genau so unspezifisch wie „die Stadt“. Die Stadt ist auch kein dritter Ort, aber dort gibt es solche. Das Netz ist kein dritter Ort, aber dort gibt es solche. Es kommt darauf an, mehr davon zu schaffen.

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    Doppelblog-Facharztmisere. Hier in der Buddenbohm-Kafka-Interpretation:

    Aber man sieht es sofort vor sich, finde ich, wie etwa der berühmte Schlusssatz aus Kafkas „Vor dem Gesetz“ in diesem Zusammenhang ins Satirische gedreht werden kann, vielleicht am Ende eines bissigen, bösen Einakters, gesprochen von einer Arzthelferin, in der Tür des Wartezimmers lehnend: „Hier konnte niemand sonst behandelt werden, denn dieser Termin war nur für dich bestimmt. Ich gehe jetzt und vergebe ihn neu.“

  • 26-05-02 Flossenprothesen Schtetldämonen (Berlin->Köln)

    26-05-02 Flossenprothesen Schtetldämonen (Berlin->Köln)

    Ich stieg aus der U-Bahn-Station, konnte keinen Straßennamen erkennen. Also öffnete ich Organic Maps. Dann lud ich die Köln-Karte herunter. Dann versuchte ich mich zu orientieren, wo ich bin. Dann versuchte ich mich zu orientieren, wo das Hotel ist. Dann schaute ich in die von mir bestimmte Richtung. Dann sah ich 20 Meter direkt vor mir ein großes Schild „HOTEL“. Okay.

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    Freude zum 1. Mai: Nicht nur Bollerwagentrupps und Damengruppen mit kleinen Fläschchen in der Hand waren unterwegs, sondern auch ein Aufrechter, der mit Parteifahne auf dem Bahnsteig Genoss*innen einsammelte.

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    Madame erzählte, dass die Kornellkirsche in der Schweiz auch Tierlibaum genannt wird, wegen der ganzen Tierli, die dort herumsummen. Wir dachten, das bezieht sich auf Blüten und Früchte. Aber auch jetzt, im reinen Blattstadium, ist der Baum voller Insekten. Uns ist unklar warum. Eine mysteriöse Freude.

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    Madame bestimmte einen rötlichen Spatz als Bluthänfling. Von den Latifundien erzählte sie, dass ein einziges Summen im Apfelbaum herrscht. Sie erzählte dies, während mehrere Vögel versuchten, sich lautstark in unser Telefonat einzumischen.

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    Es war ein Bahnfahrfeiertag, davor die Berliner Harfe der Kabbala, danach der Kölner Gesang der Sirenen.

    S5 Richtung Mahlsdorf

    Mein Handy piepte. Die Bahn teilte mir mit, dass es auf meiner Verbindung über Spandau nach Köln ein Problem gibt. Die S3 nach Spandau fällt aus. Stattdessen fährt die S 3.

    Damit konnte ich leben. Zumal ich entgegen dem Wunsch der Bahn gar nicht nach Spandau fuhr, sondern den Hauptbahnhof ausgewählt hatte, um in den ICE940 nach Köln zu besteigen.

    Und weil ich so früh dran war, fuhr ich in der S-Bahn am Hauptbahnhof vorbei gleich weiter zum Ostbahnhof. Denn:

    • Ich bin Unordnungsreisender und wenn ich die Auswahl habe zwischen einem Weg den ich nahezu auswendig kennen (Hbf) und einem, den ich nur wenig kenne (Ostbahnhof) neige ich zu letzterem.
    • Wurde die Bahnfahrt bezahlt und geplant von jemandem-der-nicht-ich-bin. So hatte ich einen Platz in einem Zug „mit hohem erwarteten Fahrgastaufkommen“ in der zweiten Klasse. Ich hoffte darauf, mich bereits häuslich einrichten zu können, bevor am Hauptbahnhof die Massen kommen.
    • Schrumpfte meine exorbitant großzügige Reiseplanung durch den Umweg auf eine Reiseplanung zusammen, die normale Menschen als großzügig ansehen. Ich konnte mich an jedem Punkt an dem die S-Bahn auf freier Strecke stockte oder sich die Türen nicht schließen liessen, mit Adrenalin microdosen.

    Belohnt wurde ich mit einer faszinierenden Tirade einer älteren Dame, die einen komplett ratlosen freundlichen jungen Mann zehn Minuten lang beschimpfte, warum Berlin schlimm ist, und alle weg wollen, und Bürgergeldempfänger alle zwei Fernseher geschenkt bekommen und in Berlin alle unhöflich sind und niemand mehr Geld hat.

    Ich glaube es begann damit, dass jemand die Dame am Alex leicht rüpelig vor den Augen der Polizei auf der Treppe hat, ohne dass die Polizei einschritt. Ich glaube der Hauptgrund für die unstoppbare Gefühlsaufwallung war, dass jetzt auch die zweite Tochter der Dame samt Enkelkind aus Berlin wegzieht und sie alleine zurücklässt.

    Wofür allerdings der junge Mann nichts konnte.

    ICE940 Richtung Köln

    Aus dem Zug betrachtet, ist Düsseldorf gar nicht so glamourös wie ich immer dachte. Duisburg hingegen entsprach ungefähr meinen Vorstellungen. Beide Bahnhöfe waren mir komplett unbekannt. Anscheinend bin ich bisher immer durch einen Tunnel nach Köln gefahren.

    Da ich im gebuchten Zug auf dem gebuchten Platz am Ziel ankam, gilt die Bahnreise als erfolgreich absolviert. Ich sah eine frühlingshafte Landschaft und las Vilnius – eine Stadt in Europa zu Ende. Weierhin eine große Empfehlung.

    Im Großraumwagen waren viele Familien mit jungen Kindern. Abstrakt fand ich das gut, weil ZUKUNFT. Ganz konkret in diesem Moment über sechs Stunden hinweg möchte ich anmerken, dass die Zukunft doch recht laut war.

    Dank Tiptoi und Marcel dem Feuerwehrmann konnte ich mein Wissen über die Feuerwehr runderneuern. Allerdings machte es mir Sorgen, dass der Lieblingssatz des tiptoienden Kindes war „Hilfe, ich bin in der Tür eingeklemmt! Helft mir!“

    Leah steht für die Zahl 36

    Zeitlich vor dem Maiausflug lag das Walpurgisnachtkonzert in der Philharmonie. Kaum hatte das Klavierfestival mit dem besten Konzert des Festivals geendet, lied das DSO zum Casual Concert.

    Ich kannte niemand

    Unser Konzerthinterunssitzer musste sich auskennen. Immerhin kannte er drei Philharmoniker persönlich, teilte er seiner Begleitung mit. Leider spielten die gar nicht, sondern das DSO. Aber würden die Philharmoniker auftreten, würde er drei von ihnen persönlich kennen.

    Wenig überraschend konnte er sich nur mühsam beherrschen, die Einführung ins Programm nicht durch ein geflüstertes Co-Referat zu ergänzen, und natürlich hatte er zwei Sekunden nach Ende des Konzerts eine quasi druckreife und abschließende Meinung zum Gehörten.

    Auch desöfteren erwähnt: Dirigent Kent Nagano war ein Bernstein-Schüler

    So sehr es mich schmerzte, ihm innerlich zuzustimmen. In einem hatte er Recht. Die Einführung war schlecht. Es ist mir ein Rätsel, wie mensch ein Stück, das insgesamt nur 40 Minuten dauert, 50 Minuten lang einführen kann, und dabei dann fast nicht über Musik redet.

    Dabei hatte der Abend alle Chancen.

    • Ein sperriges Stück von Leonard Bernstein, das seit seinem Erscheinen 1974 bis zu diesem Abend noch nie in Deutschland aufgeführt wurde.
    • Mit Ausflügen in die Atonalität interpretiert durch Kabbala und Zahlenmystik.
    • Die zum Ballett gesetzte Legende des Dybbuk – eine alte jüdische Legende; wie Romeo und Julia im Schtetl, nur das zwischendurch gebrochene Versprechen, Dämonen und Rabbiner, die einen Exorzismus betreiben, vorkommen.
    • Allein der Anblick der Instrumente versprach einiges: Sechs Bässe, Harfe, Flügel und 10 bis 15 Meter Percussion einschließlich Glockenspiel, Xylophon und zwei Gongs.
    • Auch eher selten im Ballett: in der Besetzungsliste standen auch zwei Sänger: Bass und Bariton.

    Eigentlich bietet das Casual Concert eine hervorragende Gelegenheit, um solche sperrigen Stücke zu vermitteln. Die Einführung findet im Saal mit dem kompletten Orchester auf der Bühne statt. Es gibt zum Beispiel die Gelegenheit:

    • einzelne Stimmen oder Instrumente herauszunehmen, allein zu besprechen und dann im Zusammenklang (z.B. warum klingt diese Harfe anders als normale Harfen im Konzert)
    • Stellen, die zeitlich auseinanderliegen, direkt hintereinander zu spielen und so zu zeigen, wie bestimmte Motive immer wieder auftauchen, sich aber im Laufe des Konzerts ändern und verwandeln.

    Stattdessen: Ein ewiges Wiederkauen und nochmaliges Wiederkauen und wiederwiederkauen der Handlung.

    Leider war danach die Luft ein wenig raus. Ob wir ermattet waren, ob das Orchester ermattet war, oder ob das Stück nach dem Motto funktionierte „hm-irgendwas-stimmt-noch-nicht-ach-dann-pack-ich-halt-noch-ein-Percussioninstrument-dazu“ war nicht mehr ganz klar.

    Spannendes Stück; ich würde es gerne mal unter besseren Umständen hören. Bleibt zu hoffen, dass es bis zur nächsten deutschen Aufführung nicht wieder 52 Jahre dauert.

    Am Ende: Kiemen

    Auch in Köln blieb es bei kultureller Exorbitanz. Es blieb dabei, dass ich dachte „eine halbe Stunde kürzer wäre auch okay gewesen“, es blieb in einer Zwischenebene zwischen Menschlichem und Nicht-Menschlichem.

    Nach Köln-Begehungen beendete ich den Abend im Programmkino Filmpalette. Es lief Sirens Call.

    Vor dem Kino hatte mich der Kellner im Café nebenan noch gefragt, was ich für einen Film sehen wollte. Ich hatte Probleme, es zu formulieren. Danach hätte ich noch mehr Probleme gehabt.

    Der Film geht um die real existierende Mermaid Una und die Gruppe der Merfolk in Portland.- einer Gruppe von Wesen, die davon ausgehen falsch im Körper eines Menschen gelandet zu seien, da sie eigentlich Meerfrauen/-männer/-wesen sind.

    In selteneren Teilen ist der Film Dokumentation, in der der Mensch um Una spricht, eine Doktorin der Psychologie, die mit Strafgefangenen arbeitet, und die Merfolk bei Veranstaltungen und Protesten in den USA unter Trump gezeigt werden.

    In häufigeren Teilen versucht der Film eine Una-Erzählung: aus der Perspektive der Meerjungfrau, die sich im komischen Körper eines Menschen findet, gleichgesinnte sucht und sich zu orientieren versucht. Es ist eine sehr träumerische, surreale Nachstellung von Unas Jugend, wie sie durch New York, Florida, Las Vegas driftete, immer mit dem Gefühl, nicht dazu zu gehören.

    Keine Dokumentation; denn eine Mermaid würde keine Dokumentation drehen, sondern etwas zwischen Meditation und Traum, in Blau, spielend in billigen Hotels, Diners und mit sehnsuchtsvollem Blick in Aquarien.

    War es ein guter Film? Ich bin nicht sicher. War es ein inspirierender Film: Ganz unbedingt!

    Kernkompetenz alles mit Klavier

    poupoulab zum Klavierfestival: Berliner Klavierfestival 2026. Marc-André Hamelin

    Been there, done that: „Zugegebenermaßen liegt meine Kernkompetenz eher bei Eisbären. Aber Eisbären interessierten an dem Abend niemanden.“

    Manchmal wenn ich die Informatik-Module durchblättere, kommen mir die ganzen „KI“-Diskussionen in den Sinn, dass Vibecoding mit KI programmieren überflüssig macht. Und mir kommen noch mehr die ganzen frisch-arbeitslosen Programmierer*innen auf Mastodon in den Sinn, die gerade neue Jobs suchen. Dann frage ich mich: Lerne ich gerade das richtige. Dann denke ich an reale Software mit der ich 39 Stunden in der Woche zu tun habe, gehe in mich und denke „auf jeden Fall!“ In anderen Worten bei Thomas: Coding, Viben und Probleme

    was ge­blie­ben ist: blog­gen ist wei­ter­hin ein rand­phä­no­men. und das ist auch nicht wei­ter schlimm. im ge­gen­teil.