Schlagwort: Narzissen

  • 26-04-21 How do you know when the hug is done?

    26-04-21 How do you know when the hug is done?

    Madame erklärte den Unterschied zwischen einem Algorithmus und KI.

    *

    Ich war das erste Mal seit Januar 2025 unprovoziert auf einer US-News-Website. So tief sitzt der Stachel.

    *

    An der most plastic Plastic Plaza Berlin, dem Uber-Platz zwischen der Uber Arena und der Uber Eats Music Hall, wollten wir Essen. Wer zuerst kommt, sucht aus. Madame wählte den Kumpir Club, oder wie mir ihre Rechtschreibprüfung mitteilte: Sitze bei lumpig.

    *

    Bestandsaufnahme nach dem Regen: Die Ahornblüten am Parkplatz wurden komplett niedergeschwemmt. Der rosa Fluschelpuffel hielt sich tapfer. Unter dem Magnolie im Office-Innenhof steht aktuell eine weiß überzogene Buxbaumkugel.

    *

    Es war ein Regensonntag im Garten und ein Trockenmontag zwischen Arbeit und Hail Mary.

    Wesselburen ist AWBU, Lörrach ist RLR

    Dank Uschi wurde ich auf die wunderbare Welt der Bahn-internen Bahnhofsbezeichnungen hingewiesen, Nach diesen hat zum Beispiel der Hauptbahnhof Hannover die Bezeichnung HH, der Hamburger Hauptbahnhof wird hingegen AA geschrieben.

    Ich folgte der Spur und stellte fest, je tiefer ich mich in das Thema hineinbegebe, umso unklarer wird, warum welcher Bahnhof wie betitelt ist. Nur scheinen Telegrafenkürzel des 19. Jahrhunderst einiges damit zu tun zu haben.

    Damit ich nicht komplett im Kaninchenloch verschwinde, arbeitete ich mich mit Bekanntem wieder heraus: Der Bahnhof Südkreuz trägt das Kürzel BPAF – Ich vermute Berlin Papestraße Fernbahnhof.

    Die Schubkarre füllte sich

    Madame hechtete aus der S-Bahn in den mit laufendem Motor bereit stehenden Subaru, um mit auf die Latifundien zu kommen. Denn wir noch nachts ankämen, würden wir morgens bereits im Garten aufwachen. Es galt das Drittel des Tages zu erwischen bevor zur Freude des Gartens und zur Unfreude der Gärtner*innen der große Landregen begann.

    Vor dem Regen: Die Kirschallee in der Ferne leuchtete über das Feld. Kirsche und Steinfrüchte in der Nähe leuchteten über den Garten. Ich himmelte die rosa Staubblätter in der weißen Birnenblüte an. Unter dem Rotdorn blühte die einzige tapfere rote Tulpe, die dort seit Jahren blüht. Vom Feld schaute ein großer schwarzer Hund zu uns hinüber.

    Wir versuchten eine Kaffegartenrunde zu absolvieren, die einerseits vor dem Regen fertig würde, andererseits auf gar keinen Fall Anzeichen von Eile zeigte – denn das stünde dem Zweck dieser Runde komplett entgegen.

    Im beginnenden Regen: Madame brachte den Rosendünger aus. Ein Eichelhäher lieferte eine Flugshow an der Pergola.

    Im Starkregen: Madame arbeitete, ich las weiter in Exhalation. Dazu im Deutschlandfunk Django Reinhardt über Bach, danach die Ska-Urgesteine El Bosso & die Ping-Pongs.

    Im Erdgeschoss bestellen, im dritten Stockwerk abholen und essen

    Liebes IMAX, wir müssen über den Ausdruck „normal“ reden. Ich bin nun wahrlich kein der Connaisseur der Kleinportion. Aber in dem was ihr unter einem „normal“ großen Popcorneimer verkauft, hätte mensch Spaghetti für eine komplette Jugendhandballmannschaft kochen können.

    Wobei ich beim Popcorneimer noch dachte „naja, ist halt für Menschen, die auch Freunde haben, die teilen sich das.“ Aber die Colabecher in denselben Proportionen. Are you kidding?

    southpark verlässt das Arthouse-Biotop, geht ins UCI luxe und staunt; nicht nur darüber wieviel Geld mensch für eine einzige Kinokarte ausgeben kann, auch für ein paar Magnum-Bons, die acht Euro kosten – und es Menschen gibt, die dies bezahlen. Eine wundersame Welt.

    Der Besuch dieser Welt lohnte: denn nirgends ist der Screen größer und der Sound besser und es galt ein Weltraumepos zu sehen.

    Aber vorher: Werbung.

    Dieses Bild zeigt nicht wie steil die Plätze bergab gehen und wie riesig diese Leinwand ist.

    Spider Wars 14

    Ein anderen Kino bedeutet andere Werbung. In diesem Falle bedeutet ein Mainsteam-Blockbuster-Kino auch Werbung für Mainstream-Blockbuster-Filme.

    Es gab Werbung für Scream 7 (8? 9?), Spider Man irgendwas, Star Wars das-will-doch-wirklich-niemand-mehr-zählen. Inspirierend, und sei es nur anregend zur Geldausgabe-für-ein-Kinoticket wirkte das jetzt nicht.

    Was mich aber noch mehr überraschte als die inhaltliche Ödnis der Trailer: Ich saß in der Überwältingungsmaschine IMAX und die Trickeffekte sahen dennoch bestenfalls nach einem mittelmäßigen Computerspiel aus. Letztens las ich noch in einer Überschrift, dass Film-CGI in den letzten Jahren schlechter wird. Mein visueller Eindruck schien das zu verfestigen.

    Oder ich hatte noch keine Brille ich das letzte Mal in einem echten Special-Effects-Film war.

    Den Trailern nach zu urteilen, besteht großes Kino derzeit überwiegend aus der Fortsetzung der Fortsetzung einer Serie, die 1980 ihren kreativen Höhepunkt hatte, und nun mit zweifelhaften CGI aufgepimpt wird.

    Da freue ich mich die über all jene, die sich davon nicht abschrecken lassen, trotzdem ins Kino gehen, dort riesige Popcorneimer kaufen und damit das IMAX finanzieren, auf dass ich es auch einmal in 10 Jahren besuchen kann.

    Im Atmen orientierte er sich an Katharine Hepburn

    Popcorneimer waren angebracht. Wir sahen „a masterpiece of a family popcorn movie“ – The Astronaut/Project Hail Mary mit Ryan Gosling, Sandra Hüller und Rocky der Puppe.

    Toller Film, nicht lebensveränderung, keine große Kunst, aber ein richtig, richtiger schöner popcorniger, lieber, emotionaler, ästhetisch toller Popcornfilm.

    Und, beste Entscheidung, weitgehend ohne Computergrafik. Denn die Macher*innen des Films verließen sich auf die jahrhundertealte Kunst des Puppenspiels. Das tolle, großartige Alien Rocky war eine Puppe, die von sechs Rockyteers gespielt und vom Hauptrockyteer James Ortiz gesprochen wurde.

    (Für Hintergrund: A Little Baby Owl. A Little Katharine Hepburn. All Alien.)

    Denen gelang es, eine Puppe zu erschaffen, die wirklich Alien, nicht-menschlich-nicht-tierisch aussieht, und doch so viel „Gestik“ und Leben in sich hat, dass mensch sie sofort knuddeln möchte. Wie Ryan Gosling auch – der aber dann das Konzept einer Umarmung erklären muss.

    „Wann ist die Umarmung vorbei?“ – „Man merkt es.“

    Notat

    Service: hier veröffentliche die DB InfraGo die komplette Excel-Liste sämtlicher Abkürzungen der Betriebsstätten.

    *

    Für den Herbst. Es war gar nicht so einfach, noch Narzissenlücken zu finden. Außer der Stelle am Obstbaumweg zwischen neuer Birne und Mirabelle, die wir immer vergessen.

    Nett wären welche im Landschilfhain.

    Und unter dem Wohnzimmerfenster.

    Telechandler

    In der neuen Folge erklärt Franceso Wilking von Die Höchste Eisenbahn und Tele, wie er mit 16 in das Werk von Bob Dylan eintaucht.. und das wird Madame vermutlich interessieren, weil der 16jährige Francesco in ihrer eigenen Schulband spielte. (via)

    *

    Auch ’ne Idee zur Studienfinanzierung: Sie kümmert sich

    *

    Und ich stellte es mir komisch vor, zum letzten Mal die Tür zu schließen. Dann andererseits auch nicht, man schließt ständig irgendwelche Türen zum letzten Mal, macht es sich nur nicht bewusst und kann natürlich alles mit Bedeutung aufladen, wenn man dazu neigt. Ich neige dazu nicht. Aber die Tür zum Elternhaus ist dann ja vielleicht doch, naja, wir werden sehen, dachte ich mir.

    *

    Borges meinte glaube ich mal, dass die besten Rezensionen zu nicht-erschienenen Büchern geschrieben werden. Rein subjektiv gilt das natürlich auch für nicht gelesene Bücher. Zumal wenn es Bücher sind, die ich durchaus lesen könnte, aber irgendwie nie dazu kam: Einige Gedanken zu „Lebwohl, mein Liebling“ von Raymond Chandler

    *

    An liebe jedes Wort in diesem Text.

  • 26-04-07 Die Möwe, die sich für einen Lenkdrachen hielt (Dithmarschen -> Berlin)

    26-04-07 Die Möwe, die sich für einen Lenkdrachen hielt (Dithmarschen -> Berlin)

    Der Zeitungsbeilagenkatalog preist einen 6-Meter-Fahnenmast mit Deutschlandfahne für 29,99€ an. Ich dachte, dieses Land wäre nicht so billig.

    **

    Unerwartete Nachricht beim Einchecken ins Berliner Hotel: „Ab dem 4. Stock funktioniert das Fernsehen nicht mehr.“

    **

    Der Kaptian buk1 einen Schweinebauch.

    Der Spargelhof kochte Spargel. Die Oster-Doppelhelix-Verbringung (erst wir in Dithmarschen, jetzt der Kaptain in Berlin) erlaubte einen Dreierbesuch mit Kurzabenteuer zur Eröffnung der Saison. Gerade das SB-Restaurant (der „Landwirt“) auf dem Hof erlaubt die aparte Kombination aus rustikaler Hemdsärmeligkeit mit Edelgemüse frisch vom Feld.

    **

    Aufgrund einer Verkettung vom Umständen kaufte ich entgegen aller Vorsätze einen originalen Apple-Handy-Ladeteller. Und allein beim in-die-Hand nehmen sparkt er Joy. Auch bei der Benutzung. Mit Dota Kehr: Ich hasse es.

    **

    Es waren drei Osternordseereisetage.

    Savall stand still

    Ein Nachtrag zu Savall/Haydn in der Elbphilharmonie, an den Madame mich erinnerte.

    Emotionaler Höhepunkt des Konzerts, der Moment an dem der Kaptain fast weinte, war das Vokalensemble stehend, das Orchester ruhig und nur gesungen eines der sieben letzten Worte. Also zum Beispiel „Es ist vollbracht„.

    Und nicht nur war das Orchester komplett ruhig. Selbst Savall dirigierte nicht mehr sondern stand nur ruhig am Pult. Nicht einmal einen gegebene Einsatz sahen wir. Gänsehaut.

    Kuschlig, aber vermutlich streng riechend

    Der Rest der Tage blieb erdnäher.

    Wir lehnten uns in die Landschaft. Wortwörtlich. Oben an der Deichkante stürmte es ausreichend, um sich sanft in den Wind zu legen und den eigenen Körperschwerpunkt in physikalisch ungewohnte Bereiche zu schieben.

    Ein wenig wie im Schwimmbad, nur halt lauter beim Sturmgebraus.

    Nordsee bedeutet Spaziergang:

    Wasser

    Am Deich in Hillgroven, um das Sielbauwerk herum. Natürlich die erste Strecke gegen den Wind. Das ist über das Jahre des Radfahrens dort eingebrannt: bei freier Streckenwahl gibt die Windrichtung den Ausschlag für die Routenführung.

    Auf dem Deich standen die Schafe und wieselten die Lämmer, im Versuch das Sturmgetöse mit ihrem Blöken zu übertönen. Abgetrennt in einem besonderen Bereich, die kleinsten Lämmer und das eine schwanzlose Exemplar, das zudem leicht humpelte.

    Nur dank äußerster Disziplin widerstand ich dem Impuls, mich einfach auf das Tier zu stürzen und mich festzukuscheln.

    Auf den Salzwiesen rastete eine Kolonie Austernfischer. Wenn der Wind richtig stand, konnten wir ihren Gesang hören.

    Über dem Deich eine Möwe. Die Flügel statisch, der Flug halb am Ort, halb in raschem links und rechts, oben und unten. Wie ein Lenkdrachen, nur ohne Schnur.

    Land

    Nordsee bedeutet Spaziergang auf den Wesselburener Feldwegen.

    Wir bewunderten die halbwilden Narzissen, die sich zu dichten Büscheln weitab der Häuser gesammelt hatten. Marschboden ist Narzissenboden. Feuchtgemäßig ist Narzissenklima. Osterdithmarschen ist gelbes Puscheldithmarschen.

    Während wir das leuchtende Gelb bewunderten, der ganze innere Romantikapparat beim Sonnenuntergang gegen das Schilf anging, huschte etwas vorbei.

    War das vorüberhuschende Wesen eine Katze? Vermutlich nicht. Zu puschlig der Schwanz, zu weißspitzig, zu hochbeinig das Tier.

    Ein Fuchs? Fuchs ist immer gut.

    Dann hoppelte es um die Kurve direkt auf uns zu. Musterte uns neugierig, legte die Ohren an und erwies sich als waschechter Osterhase.

    Das erste Eis der Saison

    Dithmarschen bedeutet Kleinstadtbummel. Schauen wie es den Städtchen geht. Im Zentrum: Heide, die „Marktstadt im Nordseewind“ mit Wochenmarkt und sehr viel Wind. An der Küste: Büsum, die Touristadt im Nordseewind mit Fast-Überfüllung und Blanken Hans.

    Die Städte erwiesen sich als ungewohnt mitteilsam. Die rumänischen Landarbeiter in Wesselburen sind inzwischen lang genug vor Ort, dass sie mit Moin grüßen.

    Längere Gesprächsangebote richteten sich an Madame. An der Form allerdings müssen die Einheimischen noch üben.

    Von seltsam zu unangenehm:

    • Im Drogeriemarkt. Madame wartet bis eine Mutter mit Tochter das Erkältungsmittelchenregal wieder frei gibt, als die Mutter sich umdreht, Madame vor den Inkontinezprodukten herumstehen sieht und ausführlich von ihren Erfahrungen mit diverser dieser Produkte berichtet. Die Tochter bewies, dass es cringe auch als Körperhaltung gibt.
    • Der Wesselburener Radfahrer, der aus zwei Meter Entfernung nach Alkohol roch und der Madame fragte, ob sie heute schon genug Blumen geschenkt bekommen habe.
    • Der Heider Radschieber, der Madame halb über den Haufen schob, sie dann anpöbelte, warum wie im Weg steht und sich jedes weiteren Dialogs verweigerte.

    Heide, you can do better!

    Solange wir mit niemandem redeten allerdings blieb es nett.

    Das erste Eis der Saison im Eiscafé Cortina, aufgrund der Windigkeit des Nordseewinds ausnahmsweise drinnen. Es gab Spaghetti und Spaghetti-Joghurt.

    Während Heide mal wieder durch eine Leerstandsphase der Geschäfte schreitet, ist Büsum kurz vor dem Platzen. Besonders auffallend die vielen Läden, die als klassisches „Geschäft“ durchgehen würden. So mit Kleidung oder Schuhen oder Büchern. Büsum lebt.

    Auf der Büsumer Deichbank. Einfach eine halbe Stunde auf das Meer schauen und Leute schauen. Ein alter Lehrbuchsatz kam mir ins Hirn „Die tobende Nordsee heißt Blanker Hans. Nicht weil sie so konturlos, glatt ist, sondern weil es von Blank (blanca, blanc) = weiß kommt. Gischtspitzen selbst in der friedlichen Büsumer Hafeneinfahrt, weißes Wasser, dass sich bis zum Promierweg emporleckte. Brechende Wellen zeigten jeden Unterwasser-Wellenbrecher an. Weiß war das Meer.

    Blick ins Hafenbecken Büsum. Links ein Bug auf dem "Büsum" steht zusammen mit einem Neptun.Wappen, weiter hinten ein Schiff der Küstenwache,

    Ciao Miao

    Stadtbummeleien führen zu Buchhandlungsbummeleien. In Heide und Büsum bedeutet dies vor allem: Scheller Boyens, die Buchhandlung zum Buchverlag zur Lokalzeitung WIE SICH DAS GEHÖRT.

    Vor allem, weil die Buchhandlung anscheinend noch von echten Buchhändler*innen gepflegt wird, die sich Gedanken machen, was auf welchen Tisch kommt, wo die Highlights sind und was im Schaufenster steht. Natürlich wird auch hier der Papeterie- und Dekoschnus-Anteil von Jahr zu Jahr größer. Aber noch geht es um Bücher.

    So passiere ich den Nordsee-Dithmarschen-Buch-Teil (im Touri-Ort Büsum ganz vorne, in der Einheimischen-Einkaufsstraße Heide ziemlich weit hinten), schaue nach Trends bei Garten- und Kochbüchern und widerstehe mit äußerster Kraftanstrengung auch den persönlichen Romanempfehlungen der Mitarbeiter*innen.

    Auffallend im leuchtenden Pastell: Der BookTok-Tisch. Bücher von großen Gefühlen, mit Titeln in güldener Schreibschrift, in allen Farbschattierungen, welche prastelllila, pastelltürkis und pastellrosa hergeben. Ich schwanke zwischen einem gütigen Lächeln, das sich am Riemen reißen muss, um nicht zur Arroganz zu kippen, und einem spontanen Kniefall mit erhobenen Armen „DANKE, dass ihr den deutschen Buchmarkt rettet.“

    Noch nicht wusste ich, dass ich in Wesselburen – von allen Orten – am nächsten Tag (leider ein Feiertag) eine komplette neue BookTok-Buchhandlung sehen würde: Ciao Miao, mit starken Italien-Connections, begann soweit ich mit zusammenreimte als Legami-Händlerin bis sich Inhaberin Ellie ihren Traum einer echten lokalen Buchhandlung erfüllte – mit starkem Fokus auf junge Menschen und deren Wünschen.

    Das vibet alles so positiv und nett und sympathisch, auch die selbst betriebene Wesselburen-Unterseite, dass wir seitdem überlegen, wie wir eine Lokalbuchhandlung 400 Kilometer von unseren Wohnort sinnvoll supporten können.

    30 Pflanzen

    Anlässlich des Buchhandlungs-Besuchs lernten wir: Die in meiner Internetbubble hochgelobte Katharina Seiser hat ein Buch zu den 30 Pflanzen herausgegeben. Dies verwunderte mich, hielt ich sie doch bisher für eine viel zu handfeste Person, um sich solchen Albernheiten hinzugeben. Aber vermutlich ist auch das ein Auswuchs von „Wes‘ Grünkohl ich ess‘ des Lied ich sing.“

    Egal, wenn schon Zählen, dann konsequent. Die Woche nähert sich dem Ende und es gibt einige Pflanzennachträge zu machen:

    • 62 – Mandel (Vom Mandelkuchen D’oh!)
    • 63 – Rote Paprika (Beilage zum vietnamsischen Tofu)
    • 64 – Soja (Vietnamesisches Tofu)
    • 65 – Brauner Eichblatt-Salat (Vorspeise zum Schweinebauch)
    • 66 – Lauch (Beilage zum Schweinebauch)
    • 67 – Weißer Spargel (Beim Spargelhof)
    • 68 – Kartoffel (zum Spargel)
    • 69 – Himbeeren (In Schokoummantelung, Ostern halt)

    Selbst bei allen Unsicherheiten (Blauschimmel anyone?) sind 68 verschiedene Pflanzen in der Woche deutlich mehr als 30. Damit kann ich wieder aufhören zu zählen.

    Meine Vermutung ist, dass reisebedingtes häufiges Auswärtsessen diese Woche die Zahl nach oben trieb – für ein Restaurant ergibt es logistisch mehr Sinn, einen Salat aus je einem halben Blatt sieben verschiedener Salatsorten zuzubereiten, als für einen Privathaushalt. Aber das wird kontrollgezählt, wenn wieder eine Woche kommt, in der wir beide nicht verreist sind.

    Enjoy the Struwen

    Bridgerton vor Bridgerton: A program from the 1925 Paris Opera: “La Nuit Créole” (No. 4)

    Camp Catatonia mäandert durch Heidelberg: Enjoy the Silence

    Falls ich jemals dazu komme, eine Dissertation in Politik-Mathe zu schreiben, dann über Zahlensender. Leider wird mein mathematisches Wissen dafür vermutlich nie reichen. Neues zum neuen Zahlensender, der auf Farsi aus der Nähe von Böblingen sendet: Priyom.org: V32. (via Jan Montag: V32 sendet Zahlen)

    Zweimal Struwen in einer Timeline: In Münster, lerne ich am Telefon von Kaa, ist das (oder ein?) traditionelles Karfreitagsessen Struwen. Was nicht etwa fischig ist, sondern pfannkuchenähnlich, dicke kleine eher nicht so süße Pfannkuchen mit Rosinen. Klingt ganz so, als wäre das was für mich. und aber Das Aufregendste heute war, dass ich für mich beschlossen habe, in einem der kommenden Jahre an Karfreitag ins Münsterland zu reisen und Struwen zu essen, in einem Landgasthaus. Alternativ natürlich, falls mich wer einlädt, bei dieser Person zu Hause.

    Notat

    Für zum Wiederfinden in späteren Zeiten:

    • Gelbe Dockers-Schuhe gekauft.
    • Spiegel beim Kaptain umgehängt.
    • Für 1,12€ bei HEM (Hamburg) getankt.

    Anmerkungen

    1. Das Internet scheint irrigerweise der Meinung zu sein, dass Schweinebauch gebraten wird. Selbst wenn der Akt im BACKofen stattfindet. ↩︎
  • 26-03-31 Mr. Darcy treibt kräftig

    26-03-31 Mr. Darcy treibt kräftig

    Wal, da liegt er.

    2026 gibt sich mit Buckelwal und beißendem-Wolf-bei-IKEA bereits im Frühjahr mehr Mühe im Bereich nachrichtenwürdiger Großtiere als manches Jahr im Hochsommer. Aber auch: Eine Nachrichtensendung in der ein Buckelwal in der Ostsee und Wölfe in der Hamburger Innenstadt vorkommen, schreit danach, Hintergrundgeräusch in den ersten fünf Minuten eines apokalyptischen Films zu sein.

    Und das noch vor dem Politikteil.

    **

    Streitpunkt mit Madame: Zählt „den anderen Ausgang am S-Bahnhof nehmen“ schon als Mikroabenteuer? Was sagt ClipClop dazu?

    **

    Montagmorgen am S-Bahnsteig schaute ich schon mal in das Handy. Generell bin ich sehr beeindruckt von der karibischen Schweizerin, halte sie für das beste was einem an Kollegin passieren kann und bewundere sie in vielerlei Hinsicht. Aber in diesem Moment dachte ich nur: „Meine Güte, Mädel, wie kann man Montagmorgen schon so motiviert sein?“ Beziehunsgweise dachte ich eher „Mgmmlknmnmthmotirtmm!“. Das sind Uhrzeiten, in denen ich selbst geistig noch nicht artikulationsfähig bin.

    **

    In der S-Bahn eine Frau, die ihr Handy in metallicrosa Hülle direkt an ihr metallicrosa Kopftuch hielt. Innerlich pfiff ich anerkennend.

    **

    Südkreuz. Rolltreppe. Mit April Lavigne: Can I make it more obvious?

    Blick auf einen Bauzaun, hinter dem das brandneue Folienbild einer Rolltreppe zu sehen ist.,

    Es war der Sonntag der zwei Gärten und ein Arbeitsmontag der Rinderlappen.

    Bleek und wie er die Welt sah

    Der Jazz-Noir-Film Mo‘ Better Blues vom letzten Donnerstag spukte mir weiterhin im Kopf herum. Wie kann ein Film, der so intelligent gebaut ist, an einzelnen Stellen so doof sein? Das ergibt keinen Sinn.

    Je länger ich darüber nachdachte, desto mehr stolperte ich über das Ende. Das ist in den doofen Schleifen des Films ganz besonders doof. Das kann nicht aus Versehen passiert sein.

    Das Ende muss der Schlüssel sein.

    Deshalb rekapitulierte ich: Ungefähr bei 80% der Filmlaufzeit ist Protagonist „Bleek“ Gilliam am Ende: Frauen weg, Band weg, Gig weg und er selbst so übel zusammengeschlagen, dass er nie wieder richtig trompeten wird. Dann kommt die sagenhafte Wendung, in der er innerhalb von zwei Minuten vom Tiefpunkt seines Lebens mit Hilfe purer Aufdringlichkeit zu Frau, Kind und einem Bilderbuchleben kommt, das genau seiner Kindheit entspricht.

    This cannot be real

    Und wenn es nicht real sein kann, ist es vielleicht Einbildung? Ist es das Traumbild von Bleek? Das er sich ausmalt?

    Ist es vielleicht der Punkt, an dem er die Realität nicht mehr verklärt, sondern komplett in Tagträume abdriftet. Schildert der Film die Realität gar nicht mehr als „objektiver Beobachter“ sondern zeigt er quasi das, was in Bleeks Kopf vorgeht?

    It’s just a dream

    Voraus dann der nächste Gedanke folgt: Wenn der Film am Ende quasi Bleeks geträumte Version der Geschichte zeigt, kann das auch am Anfang sein? Zu der Zeit als er noch nicht in Tagträumen lebte, aber offensichtlich eine ziemlich verklärte Sicht von sich und der Welt hatte?

    Dann würde vieles mehr Sinn ergeben: Die karikaturenhaftigkeit mancher Nebenfiguren. Die Tatsache, dass alle Frauen nie miteinander, sondern immer nur mit ihm reden. Sowieso, wie sehr die komplette Filmwelt um ihn herum kreist. Das ergibt überraschend Sinn.

    Ich müsste den Film noch einmal sehen, um diese These zu überprüfen. Also spätestens 2046 wenn er wieder mal in einem Kino gebracht wird.

    Zwei Gärten

    Hamptons der Mittelmark

    Unter ernsthaften Gärtnern ist die Forsythie eine Art André Rieu des Pflanzenorchesters. Plakativ, platt, ohne jede Tiefe, und ein One-Trick-Pony. Dementsprechend ist sie ähnlich beliebt unter Gartenfachleuten wie Rieu unter Musikkritikern. Aber wie auch der Rieu – die Menschheit liebt sie.

    Ungleich Rieu allerdings mögen wir sie auch. So ein strahlendes Gelb, gerettet mit Hilfe eines Ablegers aus dem Schöneberger Hinterhof, bringt sie die ganze Ecke aus Totholzstapel, dunkler Nachbarsfichte und bräunlich-grünen Wiesenresten aus dem Vorjahr zum Leuchten.

    Während die Narzissen langsam eine nach dem anderen die Köpfe ausstrecken, der Blattpflaum des Zierapfels einen Bartwuchs eines Vierzehnjährigen erinnert und die Rosen noch mit Austrieb vollbeschäftigt sind (selbst der kleine Mr Darcy) leuchtet sie schon wie eine Rolltreppenwarnabsperrung: Hier bin ich! Und es wird Frühling!

    Dann sehen wir: Beet 2L entwickelt sich zum Königskerzenwald. Weitere ungeahnte Schachbrettblumen treiben aus. Die Hummeln mühen sich in den Regenpausen ab,

    Wochenend-West

    Das Forsythienleuchten bedeutet aber auch: Die Exkursion nach Wochenend-West stand an. Auch dort stehen Obstbäume und Rosen, die geschnitten werden wollen. Auch wenn dort, Sandboden, halb im Wald, quasi alles anders ist als auf unserem sonnengefluteten Lehm, die Rosen wachsen hier wie dort.

    Wie bewunderten den neuen Zaun (kein Jägerzaun mehr, denn wie der Berliner sagt Jägerzaun = Jekreuzt), ebenso wie die neue Treppe. Wir informierten über Familienmitglieder, hörten uns News zur Fast-Triest-Reise an und zu den Problemen der Internet-Reisebuchung. Am Ende gab es Pilzsuppe, Gemüsequiche und wie immer den spirituellen Geist eines Asterix-Gelages am Lagerfeuer.

    Blick nach oben in die Brandenburger Nadelbäume. Dazu strahlendblauer Himmel.

    Pilze sind keine Pflanzen, sonst wären es ja Pflilze

    Gegessene Gemüsesorten zu zählen ist zugegebenermaßen eine hochgradig alberne Angelegenheit. So wie vieles im Leben. Erwerbsarbeit zum Beispiel. Aber hier wie dort, gilt: Die Albernheit läuft zur höchsten Form auf, wenn mensch sie in Regeln gießt.

    Wenn ich also die 30-Pflanzen-Challenge durchspiele, möchte ich halbwegs klare Regeln haben, was eine Pflanze ist und was nicht. Etwas Recherchen erbrachten den Ursprung der Angelegenheit: 10.000 Citizen Scientists schickten Stuhlproben und Ernährungslisten an Ernährungswissenschaftler und nach einigen Statistikskripts (RStudio?) und etwas Magie, entstand die Zahl von 30 notwendigen Pflanzenarten, die Citizen Scientist essen muss für die optimale Stuhlprobe.

    Es gilt:

    • Pilze sind Pflanzen (An dieser Stelle atme ich einmal gut hörbar ein.)
    • Verschiedenfarbige Gemüse zählen mehrfach. Also zum Beispiel Rote und Grüne Paprika.
    • Es geht vor allem um die sekundären, obskuren Inhalte. Wenn die noch vorhanden sind (Kaffee, Fermentiertes, Vollkornmehl) zählt das Lebensmittel. Wenn es zu stark verarbeitet ist, zählt die Pflanze nicht (Zucker, Weißmehl).
    • Es muss eine erkennbare Menge sein. Die ist bei Kartoffeln größer als bei Kurkuma, aber es muss schon echter Bestandteil der Mahlzeit sein, nicht der siebzehnte Zusatzstoff auf der Inhaltsangabe.

    Und nach all‘ der Vorrede zähle ich weiter für diese Woche:

    • 30 – Orange (Snack)
    • 31 – Feldsalat (Mittagessen)
    • 32 – Kumquat (Abendessenauftakt Wochenend-West)
    • 33 – Grüner Salat (Abendessensalat Wochenend-West)
    • 34 – Radieschen (Abendessensalat Wochenend-West)
    • 35 – Schnittlauch (Abendessensalat Wochenend-West)
    • 36 – Stangensellerie (Abendessensalat Wochenend-West)
    • 37 – Salbei (Pilzsuppe Abendessen Wochenend-West)
    • 38 – Champignons (Pilzsuppe Abendessen Wochenend-West)
    • 39 – Petersilienwurzel (Gemüsequiche Abendessen Wochenend-West)
    • 40 – Erdnuss (Erdnussmus, Frühstück)
    • 41 – Blauschimmel (Im-Käse-Lebenwesen, Frühstück)
    • 42 – Pak Choi (Hot Pot Friedrichshain)
    • 43 – Chinakohl (Hot Pot Friedrichshain)
    • 44 – Grüne Paprika (Hot Pot Friedrichshain)
    • 45 – Brokkoli (Hot Pot Friedrichshain)
    • 46 – Blumenkohl (Hot Pot Friedrichshain)
    • 47 – Diverse chinesische Pilze, die ich im Leben nicht benennen könnte (Hot Pot Friedrichshain)

    Viele Pandas

    Letzte Woche noch im Kino, heute schon mit uns im Hot-Pot-Restaurant-in-der-leblosen-Mall: Jazz Musiker*innen.

    Auch wenn die Spike-Lee-Versionen im Kino noch cooler waren als die Friedrichshainer vor uns, und außerdem Musik machten, waren die beiden vor uns die sehr viel bessere Wahl: Umgänglich, eine Freude für ihr Umfeld und einfach tolle Menschen. Im Leben siegt toller-Mensch-sein vor Coolness.

    Wir saßen im Ruyixuan Hot Pot Restaurant in einer Deko aus Plastikpandas, roter atmosphärischer Beleuchtung, um uns herum, viele Menschen, die ich nach China verorten würde. Eindrucksvoll die Frau mit dem spektakukären Blumen-Hemd unter dem rückenfreien Top, das sich beim zweiten Gang als Tatoo herausstellte.

    Gut, dass ich kein Mandarin kann: das eindrückliche Ohrwurmpotenzial des zuckersüßen Chinapops entfaltete sich weniger, wenn keine Wörter stellte.

    Schnell stellte sich die Frage: Wie authentisch ist zu authentisch?

    Wir hatten vor uns den typischen Hot-Pot-Tisch in dem Tomaten- und Pilzbrühe1 eingelassen waren, und konnten ans Buffet gehen. Dort lagen, hm, vermutlich Tierteile, die ich weder einem Tier noch einem bestimmten Teil eines Tiers hätte zuordnen können – nur Muskelfleisch war das nicht. Am Rand des Buffets standen 10 Schilder „Schichtdarm, Rinderlappen, Rindfleischkugeln, Entenfüße..“ und wir konnten raten, welches Schild zu welchem Teil gehört. Spannender wurde es in der Abteilung „aus der See“. Da sind die Tiere kleiner, manchmal war raten besser, aber so einiges war nur für den abenteuerlustigen Europäer.

    Glücklicherweise waren unbeholfene Europäer nicht die Hauptzielgruppe, aber auch vorgesehen. Nudeln, vielerlei Gemüse, vielerlei Pilze, Rindfleisch(muskel) und die nicht ganz so extravaganten Fleisch- und Fischstücke von „Ente“ bis zu „Hm, mal schauen“ ergaben ein köstliches Essen, dass sich wie es sich gehört über gesprächsreiche Stunden hinzog.

    Land-Grazien und Nagerteppiche

    Verbrennt die Handies. Denn quasi jeder Mann, der in der Beziehung Gewalt ausübt, dauerüberwacht seine „Partnerin“ auch per Tracking-App auf dem Handy. Das ist so ein Punkt in dem ich mich frage, ob das all‘ das nette, was Handies gebracht haben, die Opfer an anderem Ort wert sind.

    Im Deutschlandfunk sprach Miriam Peters vom Verein Land-Grazien über die Probleme, auch nur mit diesen Frauen zu reden ohne dass ihr Schläger es mitbekommt. Und noch über vieles Andere, was ich so prinzipiell weiß, dass es stattfindet – so im Detail ist es aber doch eine andere Nummer. Das ist hörenswert, und wird noch eindrucksvoller, weil Peters selbst auch nach allem was sie gehört und gesehen hat, immer noch lebendig und optimistisch auf die Welt sehen kann.

    Und Baustellen. Schwimmbäder. Rolltreppen. Demokratie erodiert nicht spektakulär. Sie verliert im Alltag. Verwaltung entscheidet Demokratie. (via)

    Holger spleisst: Mein erster Augspleiss.

    Holger lernte spleissen. Ich lernte: Frau kann Nagerteppiche abonnieren.

    Doch mal Wuthering Heights lesen.

    Der Tag, an dem mein Herz stillstand – 6 Monate später.

    Anmerkungen

    1. „die nach den Prinzipien der traditionellen chinesischen Medizin zubereitet wird, um die Durchblutung zu fördern und das Immunsystem zu stärken“ ↩︎