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  • 26-01-08 Der Vampir tanzte Jig im 9/8-Takt

    26-01-08 Der Vampir tanzte Jig im 9/8-Takt

    Laut Asterix-das Kartenspiel bestand das römische Heer vor allem aus Generälen, Legionären und Hornisten. Wer vier Hornisten in seine Truppe sammeln kann, bekommt 100 Bonuspunkte.

    Die Benutzung einer Küche macht mehr Spaß, wenn die Spülmaschine und vor allem der Wasseranschluss in der Küche problemlos funktioniert.

    Noch 13 unausgepackte Umzugskartons, derzeit aber auch noch einige neu angebrachte ungenutzte Regalbretter.

    Madame nutzte die Chance der funktionierenden Küche zum Einkauf bei Ledo, brachte guten frischen Kimchi, noch frischere Artischocken und Doraden mit. Das Suppenhuhn hatten wir an Neujahr aus dem Suppenhuhnautomat nahe der Latifundien gelassen.

    Es waren die letzten Tage zwischen Weihnachten und dem zurückkehrenden ernsthaften Ernst des Lebens. Einer davon mit Arbeit, einer mit Besuch aus Wien, und zwei Filmen.

    Der wir-Schwimmen-zu-Hause-Streak hielt zumindest bis zum 4. Januar. Wenn ich richtig rechne, waren wir am 2. und am 4. im Becken. Madame besorgte sich eine Monatskarte und beschloss, sich mit Total Immersion zu beschäftigen. Das bringt uns gerade einige Zeit ins Nichtschwimmer– Lehr-Schwimmbecken, um lustige Übungen zu machen. Auch wenn wir verschiedene Startpunkte haben, profitieren wir beide stark davon.

    (Immer noch mit dem eigenartigen Gefühl, dass vermutlich jede Person am Beckenrand weiß wer wir sind und im Zweifel interessiert zuschaut).

    Der Yorck-Unlimited-Pass verleitete zu zwei Kinobesuchen in den ersten drei Tagen des Jahres (damit bisher 119 Euro/Besuch). Beide Filme waren auf ihre Art episch, manchmal schwierig, aber hochspannend: New York, New York im Rahmen der Reihe Boulevard Noir im Yorck-Kino und Sinners im Odeon.

    Start spreading the news

    Das Jahr beginn mit einem Martin-Scorsese-Musical. New York, New York von 1977 bewies warum das Genre des Depri-Musicals sich nicht durchsetzte. Aber was für ein Film. Ein Film

    • Der eine Hommage an die Hollywood-Musicals der 1940er war
    • Aber sich in einem 1970er gritty Sozialrealismus zu Hause fühlte
    • Ein Vehikel für Robert de Niro und Liza Minella darstellte
    • Zeigte, dass der Mensch der künstlerisch auf der „richtigen und wahren“ Seite steht trotzdem ein totales Arschloch sein kann
    • Jazz und Swing der 1940er feierte (in seiner BigBand- und seiner Harlem-Club-Version. So spannend wie verschieden sich eine eigentlich sehr ähnliche Musik im Film anhören kann)
    • Der auf Rassentrennung der USA in den 1940ern/1950ern hinwies
    • Vollkommen zurecht Liza Minellas Hairstylist im Vorspann erwähnte (Sydney Guilaroff – „a British-American hair stylist during Hollywood’s Golden Age, and the first to receive on-screen credit in films“)
    • Großartige Musiknummern hatte
    • Halb ausversehen eine Hymne in die Welt setzte. (eben jenes New York, New York – man musste sich beim Zusehen immer wieder sagen, dass der Song dem damaligen Publikum komplett unbekannt war, weil eben nur für den Film geschrieben)yout
    • Mit seit einer Woche einen Ohrwurm in den Kopf setzt
    • Großartige immer wieder Tricktechniken der 1940er zitierte
    • Ein spaciges Musical im Musical vorführte
    • Das vermutlich unpassendste und schlechtgelaunteste Liebes- und Ehepaar der Musicalgeschichte porträtierte

    This movie ain’t no fun. Aber so so spannend und mitreissend beim zusehen.

    Ain’t no Haints

    Sinners (Titel im deutschen Verleih: Blood and Sinners) ist fast 50 Jahre jünger als New York, New York, aber wie dieser Film auch ein unfrohes Musical. Bei Sinners sind die Probleme Vampire und Rassismus.

    Der Film, laut irgendwelcher Internetseiten derzeit übrigens Oscar-Frontrunner, ist einerseits ein klassischer Genrefilm Vampire des Jahres 2025 mit demenstprechend viel Blut, Gewalt und Trickeffekten. Brauch ich nicht, kann ich (im Gegensatz zu Madame) aber auch ganz gut ignorieren, und die Genrekonventionen einfach als Mittel zum Zweck ansehen:

    Der Film erzählt eine Geschichte über das Schwarze Mississippi der 1930er. Die Sklaverei ist de jure seit über 60 Jahren beendet, de facto existiert sie durch das Sharecorpping-System weiter. Schwarze arbeiten auf den endlosen Baumwollplantagen und werden mit selbstgeschnitzten Holzdollars bezahlt. Wer aufmuckt kommt ins Gefängnis, oder wird vom Ku-Klux-Klan geholt. Die einzige, oft vergebliche Hoffnung: die Great Migration, die Flucht in den Norden nach Chicago, New York und in andere Großstädte.

    Erzählt ist er aus einer Schwarzen Perspektive. Ausbeutung und Rassismus werden thematisiert, vor allem aber die schwarze Kultur der Zeit gefeiert. Weiße kommen fast nicht vor. Die einzigen Sympathieträger sind Mary (weiß aussehend mit schwarzem Großvater, damit nach US-Rassenlogik selber schwarz) und der irischstämmige Vampir. Selbst der Vampir ist sympathischer und menschlicher als die Weißen aus Mississippi.

    Spannend: der Vampir ist Europäer. Sowohl der Vampir im Film wie auch der Vampirmythos. Die Hoodoo-Wissende der Gemeinde erwähnt mehrmals, dass sie sich mit Haints, den Geistern des Hoodoo, auskennt, von Vampiren aber bisher nur härte und diese nie sah.

    Kern des Films sind zwei Musiknummern: das als Blues beginnend Lied to you, das „die Geister der Vergangenheit und Zukunft beschwört, in eine Melange mit Gospel, Rock und Hip Hop übergeht“ und die Vampirnummer Road to Dublin zu der der Obervampir einen Jig tanzt.

    Auch ein wirklich spannender Film. Man muss nur halt nur den 2020er-Action-Blut-FX-Schlacht-Teil mögen oder zumindest tolerieren. Ich liebte den Film, schon weil sie die einzige echte und beste Art des Englischen Reden: Delta Englisch – wie es sich gehört.

    Schnee!

    Auf dem Weg nach Hause: Schnee schippen. Das erste Mal in Berlin. Wenn das Bad abends geschlossen ist, sind wir die einzig Anwesenden. Wenn wir über das große Grundstück zur Straße kommen wollen, empfiehlt es sich den knöchelhohen Schnee aus dem Weg zu schippen bevor er festfriert.

    Außerdem ist unserer beider Verbundenheit mit den Besitzern von Wohnung und Grundstück sehr viel höher als in der vorherigen Wohnung.

    Freundlicherweise haben die Kolleg*innen Schaufeln und Streugut so im Keller gelagert, dass wir dort herankommen. Dabei gesehen: Der Fuchs ist auch noch da.

    Niki Kater Quark

    Julia war im Sprengel-Museum Hannover.

    Daniel schrieb eine Geschichte.

    Thomas schrieb handgemachten Quark. Ha!

    Darüber machte ich mir noch nie Gedanken: Wie viel kosten ÖPNV-Monatskarten im Vergleich zur Einzelfahrt. In Europa liegt die der Preis der Monatskarte irgendwo zwischen 12 Fahrten (Prag), 16 (Berlin mit Deutschlandticket) 20 Fahrten (die meisten italienischen Städte) bis zu etwa 35 Fahrten (Paris). Andererseits sind die Monatskarten in London und Istanbul so teuer, dass ihr Erwerb in gar keinem Szenario Sinn ergeben, in Nordamerika liegt die Ratio bei knapp 50 Fahrten bevor die Monatskarte lohnt.

    Ein bißchen umherschweifend im Stil, aber im nächsten Leben werde ich Keyboard-Nerd: Non-Canon Wordprocessors und ihre Keyboards.

  • 26-01-01 New Years New York, New York im Yorck

    26-01-01 New Years New York, New York im Yorck

    Im Adventskalender der Seemannsmission gewannen wir „Maritime Bettwäsche“. Jetzt müssen wir diese allerdings an der Seemannsmission Brunsbüttel abholen.

    Die Töpfe wandern. Viele der Töpfe, die wir einst „erbten“, weil die Vorbesitzer sich einen Induktionsherd anschafften, geben wir als neue Induktionsherdsbenutzer jetzt selber weiter. Einige Exemplare wandern über den Umweg unserer Küche von den Eltern zur Tochter.

    Madame las einen Regency-Roman und fragte sich, wie das damals eigentlich mit den Pferdewechseln an den Kutschenstationen waren? Haben die damals einfach so die Pferde durchgetauscht und irgendjemand hat am Ende den alten Klepper abbekommen?

    Schreibe ich dieses Jahr ausnahmsweise einen Gesamt-Jahresrückblick im Blog? Vielleicht. Aber nicht jetzt. Jetzt folgt ein Zwei-Tages-Rückblick.

    Es war Silvester und Neujahr.

    Eierlikör, Marmelade, Pflaumenmus, Mandel-Marzipan

    Silvester begann am 30. Dezember abends. Wir hatten beschlossen, schon Dienstag auf die Latifundien zu fahren, auf dass wir dort am 31. Dezember mehr Tageslicht abbekommen, weil wir schon morgens anwesend sind.

    Es war spannend: Wir waren seit Ende Oktober nicht mehr auf den Latifundien. Ende Oktober hatten wir nur die Wintervorbereitung light absolviert – nicht ahnend, dass es acht Wochen mit einigen -10-Grad-Nächten dauern würde, bis wir zurückkämen.

    Es stellte sich die Frage: kämen wir überhaupt bis dorthin? Auch der 17 Jahre alte Subaru hatte in den letzten acht Wochen nur vielfach die Zwei-Kilometer-Kurzstrecke zwischen alter und neuer Berliner Wohnung zurückgelegt. Bei ausgeprägten Minustemperaturen neigte das Auto in den letzten Jahren auch zum Zicken, gerade auch seine Batterie.

    Aber: Alles ging. Der Motor zündete als wäre er neu. Der latifundale Zugang zum Wasseranschluss war seit dem letzten Frühjahr überwachsen und jetzt zugefroren, lies sich aber freilegen. Einzig ein vergessenes Gardena-Plastik-Gartenschlauchteil hat es vielleicht durchs Eis gerissen, das wäre verschmerzbar. Alle echten Autos, Leitungen und Getränkeflaschen haben alles unbeschadet überstanden.

    Madame absolvierte einen Kneipp-Tag: Nach der vormittäglichen Sauna kam nun der Bungalow mit einer Innentemperatur von 3 Grad hinzu. Aber nach diversen Stunden des Heizens wurden die Temperaturen erträglich, bis zum Silvestermorgen sogar fast angenehm.

    Es folgten am 31. mittags einige letzte Besorgungen (Das Buch Der Schwarm in die Büchertelefonzelle zurückbringen, Baguette und Pfannkuchen (Eierlikör, Marmelade, Pflaumenmus, Mandel-Marzipan) kaufen). Bei Tageslicht konnten wir noch den Grünspecht sehen, der den halben Garten umpflügte und das Rotkäppchen auf dem Zaunpfahl („Robin in the snow!„). Es folgte der lange dunkle Abend des Lesens und Chillens und Tomaten-Käsefondue und Nachbars Kinderfeuerwerk aus dem Fenster sehen.

    Es war so dunkel und so ruhig, um Mitternacht schliefen wir schon beide sanft vor uns hin, selbst durch Böller und Feuerwerk nur wenige Sekunden aus dem Schlaf gerissen.

    Back to the Ä

    Dass mein Geist langsam wieder aufnahmefähig für weitere Themen merkte ich im Bungalow. Dort fiel mein Blick auf das 800-Seiten-Monstrum „Moderne Betriebssysteme“ von Andrew S. Tanenbaum. Das ist in seiner Version von 2003 eher modern im historischen Sinn; aber die Grundlagen sind ja seit 2003 unverändert. Und vor allem: Ich hatte Lust es zu lesen und anscheinend auch wieder geistige Kapazität dafür. Das Studium kann weitergehen.

    Denn auch wenn ich es die letzten Monate komplett ignorierte: Ich studiere noch auf den Master Wirtschaftsinformartik. Und das Semester ist schon fast zu Ende. Irgendwann fiel mir auf, dass ich mich für das nächste Sommersemester Rückmelden muss, und mich voller Übermut noch dieses Semester für Klausuren anmelden kann.

    Die Online-Rückmeldung schickte mich in eine Warteschleifen:

    Die Online-Rückmeldung über den virtuellen Studienplatz ist für Sie leider nicht möglich, da Sie Ihren aktuellen Studiengang erfolgreich abgeschlossen haben. Für eine Rückmeldung mit Änderung [sic!] des Studiengangs, zum Beispiel zur Fortsetzung Ihres Studiums im Masterstudiengang oder den Wechsel in einen anderen Studiengang oder zum Akademiestudium nutzen Sie bitte den „Antrag auf Rückmeldung mit Änderung“. [sic!]

    Also füllte ich das online-PDF-Formular Antrag auf Rückmeldung mit Änderung für das Sommersemester aus. Ich kreuzte alle Module dieses Semesters als „belege ich als Wiederholer“ an (you never know) und noch zwei dazu als neu-zu-belegendes (vielleicht klappt ja auch noch etwas). Das ergibt:

    Als Wiederholer

    • Einführung in die imperative Programmierung
    • Datenstrukturen und Algorithmen
    • Digitale Diversität

    Neu

    • Einführung in die objektorientierte Programmierung1
    • Dienstleistungsmanagement

    Was genau ich davon wirklich studieren werde, entscheidet sich in den Klausuren, die ich in den nächsten Wochen vielleicht belege und vielleicht bestehe.

    I want to wake up in a city that doesn′t sleep

    Neujahrs-Abends: Ein Drama, das sich als Musical tarnt. Martin Scorseses New York, New York mit Liza Minelli und Robert de Niro im Yorck-Kino. Die dortige Kinoreihe Boulevard Noir könnte mein Liebling aller Kinoreihen der Yorck-Kinos werden.

    Eskalation!

    Man muss sich das Leben als Reaktion auf von Algorithmen geschaffene Situationen vorstellen

    Joel malte einen Leuchtturm.

    Konzert des Jahres: Eine Schweizer Partyband in Chemnitz. (Merken für mich: am 18. April in der Stadthalle Falkensee – Beispiel)

    Percy Puddletree eskaliert noch mehr (mit Fotobeweis): The same procedure

    Konstantins Tochter möchte doch nur Computerspiele spielen: Und mir immer wieder die Frage gestellt: „Kann ich nicht eine Frau waehlen?“

    Frau Zimtkringel versteht die Algorithmen nicht, die Menschen auf ihren Blog bringen:

    Nun habe ich aber gerade festgestellt, dass ein Rezept aus 2018 (!) in diesem Jahr dem Käsekuchen fast den Rang abläuft. What? Why? Ok, der magische Zauberbegriff scheint hier Airfryer zu sein. Leute, baut irgendwo den Begriff Airfryer oder Heißluftfritteuse ein und landet ein Klickwunder! Vor Zeiten habe ich mal schnelle Paprika-Antipasti aus dem Airfryer gebastelt und eben dieses uralte, pupsige 08/15-Rezept wurde in den letzten zwölf Monaten im sehr hohen fünfstelligen-Bereich aufgerufen. Echt jetzt, Leute? Warum?

    Anmerkungen

    1. Für Informatiker. „Einführung in die objektorientierte Programmierung (für Wirtschaftsinformatiker)“ habe ich schon irgendwann 2023 belegt und bestanden. ↩︎