Schlagwort: Potsdam Royals

  • 26-05-23 Drüberheben von Kindern wird als Betrugsversuch gewertet

    26-05-23 Drüberheben von Kindern wird als Betrugsversuch gewertet

    Aufwachen zum Srieh srieh der Mauersegler.

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    Das Leipziger Wave Gothic Treffen (WGT) zieht seine Spuren durch die Hallen des Bahnhofs Südkreuz. Welch faszinierender Clash of Cultures: Die modernistische Konzernsachlichkeit der Bahnhofshalle gegen Düstere-Romantik-Rüschen-Schleier-Spitzen-Outfits der WGT-Teilnehmer*innen.

    Ganz anders, und doch irgendwie gleich: Der Clash of Cultures zwischen den schreiend farbigen Fußballoutfits der Pokalfinalfans und dem aufgehübschten Hutzeltum des Holländischen Viertels in Potsdam.

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    Im Hallenbad-Umkleide-Spind-Bereich die Auswahl: Mit oder ohne Videoüberwachung?

    Ist Aquacycling noch ein Ding?

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    Madame entdeckte auf unserem Parkplatzgarten einen aufblühenden Strauch des Schwarzen Holunders. Mit einer Aufnahme dessen spielte sie das nächste Flora Incognita Level frei: den Fragebogen zum phänologischen Sommerbeginn.

    Noch schöner ihre Flora-Incognita-Entdeckung via Mastodon: Die Krautschau. „Unkraut“-beschriftung im öffentlichen Raum. Eine so wunderbare Mischung genau auf der Grenze zwischen Aufklärung und Trollerei, dass ich hin und weg bin.1

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    Es war ein vorfeiertäglicher Wochenausklangsübergang mit Hallenschwimmen, Außenessen und Außenschwimmen.

    Finding Europe, not finding Transponder

    Zum ersten mal in vier Jahren vergaß ich mein Dienstgehängsel in der Wohnung. Es war ein Freitag vor den Feiertagen, alles dementsprechend ausgestorben, mein Hoffen auf die Raucher*innen, die vor der Haustür stehen und mich einlassen, brauchte lange um sich zu erfüllen.

    Einpiepen in der Zeiterfassung ging nicht, ebenso wie mir mein eigener Spind mit meinem Rechner verschlossen blieb. Zeiterfassung nachtragen lag ja noch im Bereich des Möglichkeiten. Vorarbeiten ohne Rechner wird bei meiner Tätigkeit schwieriger.

    Die Schlüsselmeisterin hätte einen Zweitschlüssel für meinen Spind. Aber mit dem würde sie aufschließen, mir aber nicht den Schlüssel geben. Nachmittags wenn sie schon gegangen ist, aber ich noch anwesend, hätte ich dasselbe Problem in rückwärts.

    Die Überlegung erledigte sich, weil die Schlüsselmeisterinneninnentür verschlossen war. Bevor ich weiter an Plan C herumdachte (immerhin sitze ich ja an der Hardwarequelle), wurde es mir zu blöd.

    Jetzt weiß ich, wie lange ich wirklich brauche vom Büro zur Wohnung und direkt wieder zurück.

    Da das komplette Gehängsel an einem Ex-re:publica-Lanyard2 von vor vielen Jahren hängt, dachte ich ja erst an irgendwelche karmischen Verwicklungen des Vergessens mit der re:publica, die diese Woche stattfand.

    Einen wahrscheinlicheren Grund meiner geistigen Abwesenheit offenbarte mir aber mein Urlaubskalender. Der letzte echte Urlaub waren zwei Tage Anfang Oktober 2025, danach in den letzten siebeneinhalb Monaten hatte ich zwei Tage Urlaub für die Umzugstage, einen Tag für eine Klausur und einen Tag für die Wohnungsübergabe. Der Rest der sieben Monate danach musste so gehen. Ich glaub‘ ich bin einfach durch(gearbeitet).

    Aber jetzt: Feiertage und zwei ganze Tage Urlaub-Urlaub!

    Nach Groß-Kleinmachnow

    Kaum war ich am Westkreuz in die S7 gestiegen, saß mir gegenüber ein junger Mann mit Potsdam-Royals-Helm neben sich. Ich grüßte gedanklich eine Nachbarbloggerin.

    Mein erster Zwischenstopp nach dem Ausstieg aus der S7 führte mich ins Potsdamer Prunk-Schwimmbad in Wettkampfausstattung (10 Bahnen, 50 Meter), das fast neu gebaute Blu.

    Meine letzten Besuche im Blu waren ein paar Jahre her. Damals war es noch alles kurz nach Eröffnung. Baustellen sorgten für eine seltsame Wegeführung vom Bahnhof zum Bad. Das Außengelände war auch noch eine Baustelle.

    Jetzt ist es acht Jahre später. Erstaunlicherweise liegt auf den 100 Metern zwischen Bahnhof und Blu immer noch eine Großbaustelle. Und selbst die Teile, die offensichtlich fertig gebaut sind, lassen es erstaunlich schwierig erscheinen, den eigentlich extrem simplen Weg von Bahnhof zum Bad zu laufen. Wegeführung aus dem siebten Kreis der Unmotiviertheit.

    blu

    Gesperrt oder auch nicht

    Der Konflikt zwischen urbanem Architekturdesign mit Weltstadtanspruch und Brandenburger Bademeisterherrlichkeit war damals 2017(?) beim letzten Besuch noch nicht entschieden.

    Denn das Schwimmbad-Gebäude ist schick. Einerseits von einer quadratisch-imposanten Sachlichkeit, andererseits mit klug gesetzten Holzbalken, einem durchdachten Farbspiel in Graublautönen mit einzelnen gelben Akzenten – das ist nicht „schön“ im klassischen Butzenfenster-Fachwerkhaus-Denken – aber es hat was.

    Spätestens, wenn ich die einzige Uhr in der Schwimmhalle sehe, bei der ein graublauer Uhrzeiger auf blaugrauem Grund bestenfalls zu erraten ist, weiß ich, dass Pragmatismus nicht das einzige Prinzip bei der Hallengestaltung war.

    Betrieben wird das Blu aber halt nicht von Mailänder Designer*innen sondern von Potsdamer Fachangestellten für Bäderbetriebe – und diese gewannen. Die wohldurchdachten graublauen Proportionen ergänzt um Schwimmgerümpel in allen denkbaren Signalfarben, mehrfaches Testen der Pausenhupe für die Wasserballer, die „intuitive“ Wegeführung ergänzt um zahlreiche Schilder und natürlich die obligatorischen Hinweise was alles notwendig oder verboten ist.

    Unter anderem lernte ich, dass es als Betrugsversuch gewertet wird, Kinder über das Drehkreuz zu heben.

    Es waren zu wenig Schilder. Die 10 Bahnen waren unübersichtlich. An einer hing ein DLRG-Schild und ein Trainer stand am Rand. Das war einfach. Bei anderen stand nur ein*e Trainer*in aber ohne Schild oder es hing ein „gesperrt“-Schild am Startblock einer leeren Bahn; unklar ob es sich auf den Startblock, die Bahn oder die-Bahn-vor-einer-Stunde bezog.

    Ich flüchtete mich in den Treibholzbereich. Der war eindeutig, und da fühle ich mich wohl. Bis sie anfingen Bahnen diagonal abzuleinen des Sprungbretts wegen, ich plötzlich auf einer trichterförmigen Bahn schwamm.

    Eigentlich ein tolles Bad, die Bahnen, die ich schwamm, waren schön. Aber ich sehe noch Verbesserungspotenzial.

    Aus der Serie: Schwimmbadeintrittskarten

    Geschichten aus Britz und Trier

    Aber trotz aller Schwimmbadherrlichkeit war ich aus ganz anderen Gründen in Potsdam. Das Ostertauferinnerungsteam trifft sich über Pfingsten in Potsdam/ Berlin. Die erste Zusammenkunft war für den Freitag im Fliegenden Holländer im Holländischen Viertel geplant.

    Suitable für Tourists, dennoch nett, edel aber nicht überkandidelt, einladend für alle ohne dass Mensch auf Plastikstühlen unter der Klimaanlage sitzt.

    Der revolutionäre Postbote hatte bereits den Park von Sans,souci erkundet. Kellerkind fiel erstaunlich fit wirkend direkt nach 12 Stunden Zugfahrt ins Lokal und Madame holte mich vor dem blu ab, damit wir mit der Tram zum Nauener Tor fuhren.

    Es galt zu feiern, und so starteten wir mit Aperitivs (Campari Amalfi, Rosato, Wildberry Lillet) über Spargelsuppe und Wildkräutersalat hin zu Matjes, Steinbeisser, Kalbsleber und Spargel mit Kalbsfilet: Kartoffeln super, Spargel super, Saucen super. Das Fleisch wäre besser gewesen, wenn es die Pfanne eine halbe Minute vorher verlassen hätte.

    Die Mücken (wo kamen sie her?) vertrieben uns schlußendlich von unserem schönen Außentisch. Kellerkind und Revolutionär blieben in der Residenzstadt, wir fuhren zurück nach Berlin. Auf die Tage, die noch kommen werden.

    Return of Kabane

    Und weil ich das Wochenende so gut mit Schwimmengehen eröffnet hatte, ging es am samstäglichen Sonnentag weiter. Das Insulanerbad öffnete endlich wieder. Denn so schön unsere beiden Wohnzimmer sind, ein Freibaddrittsommerwohnzimmer verbessert die Lage schon.

    Also fuhr ich ins Insulanerbad. Freudige Wiederbegrüßung mit den Kolleg*innen an der Kasse. Aber ich habe mich ein bisschen schlecht gefühlt, weil ich das eine ausgefallene EC-Gerät auch nicht reparieren konnte.

    Kabane gemietet. Unser halber Quadratmeter Freibadherrlichkeit! Diese ist leider dasselbe Modell wie letztes Jahr mit denselben Macken.

    Aber geschwommen: Kaltes, klares Wasser, Sonnenschein, freibadglückliche Menschen und diese wunderbare Außenanlage.

    I’mlovingit.

    Links

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    Hurra, das freut mich! (und sorry für das Nicht-Kommentieren. Irgendwann hat WordPress meine ganzen Anmeldungen gefressen und ich hatte keine Lust, mir noch eine E-Mail-Adresse dafür zu besorgen)

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    Drei Bloggerinnen gingen in eine Ausstellung, zwei kauften eine Jahreskarte, aber nur eine schrieb darüber. Kein Witz, sondern eine Tatsachenbeschreibung. Sie gingen unabhängig voneinander, schrieben aber über alle über die Ausstellung im Museum für Fotografie: Neue Frau, Neues Sehen. Die Bauhaus-Fotografinnen. Es schrieb poupou („Auf jeden Fall interessant anzusehen, aber nicht mind blowing.“), die kaltmamsell („Aufmerksam gehängte Ausstellung, gut erklärt und vermittelt,“) und readinginsweden („es gefiel mir außerordentlich„).

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    Postwestfale Carsten war im Le Train bleu in Paris. Damit wächst er natürlich sofort weiter an mein Herz.

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    Über pop64 wurde mir gewahr, dass es möglich ist mit den Fingern binär zu zählen. Ich will das jetzt können. An einer Hand bis 31 zählen. Wie krass ist das denn.

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    Das schöne am Internet ist, dass ich in den letzten Monaten ein starkes Interesse an der geplanten Turkuer Straßenbahn entwickelt habe. Und sie kommt!

    Notat

    Der Subaru ist zurück. Inspektion bei 202.500 Kilometer. Werkstatteindruck blieb gut.

    1. Noch mehr zur Krautschau bei der Senckenberg-Gesellschaft. Es gibt gerade zu Pfingsten auch jede Menge Spaziergänge zum Thema. ↩︎
    2. „Finding Europe“ re:publica No. 9, im Mai 2015 ↩︎
  • 25-07-24 20×0- (14,6)

    25-07-24 20×0- (14,6)

    Auf dem Berliner Wohnungsdach liegen Ziegel. Es liegen mehr als drei Ziegel. Es gibt Hoffnung auf Baustellenvollendung innerhalb unserer Lebenszeit.

    Eine eher gut gekleidete Frau schrie eine leere Bushaltestelle an. Ich fragte mich, ob sie vielleicht zur Querdenkerdemo gehen möchte, der neben ihr stehende mit Klamotten vollgepackte Einkaufswagen deutete ein anderes Schicksal an.

    Ein Mann fragte mich, wo er meine Armbanduhr bekommen könnte. Ich sagte „Internet“. Er war enttäuscht, dass er sie nicht aus einem Automaten um die Ecke ziehen kann.

    Sobald der ewige Regen nachlässt, stürzen sich sofort die Schmetterlinge auf alle verfügbaren Blüten.

    Es waren drei Urlaubstage auf den Latifundien, unterbrochen durch eine Berlin-Blutspende-Exkursion am Dienstag.

    Ich träume reichlich, aber kann mich nicht erinnern. Tendenziell von der Arbeit. Wobei ich mir sicher bin, dass außerhalb der Traumwelt weder die Zubereitung von Unkentunke noch der Abtransport defekter Waschmaschinen in meinen Aufgabenbereich gehört.

    Madame vollendete die Steuererklärung.

    Madame entdeckte Huber (2014) und widmete Bork (1997) einen Absatz und stieß in die Geschichte der Rechtsdidaktik vor. Sie sucht für eine Einladung einen 70s Look, ich versuche sie entweder zum Look Mahogany oder Annie Hall (der Stadtneurotiker) zu bewegen.

    Regeneration durch Schnitzel

    Der Besuch des Insulanerbads bleibt in 2025 schwierig – jetzt haben wir eine Saisonkabine, dank Urlaubsexkursion wäre Zeit gewesen – und dann sind dieses die Juliwochen mit Regen und Gewitter und Regen.

    Also blieb ich in der Wohnung und fuhr diretissima mit dem M85 ins Blutspendezentrum Benjamin Franklin. Ein ungewohntes Erleben: Nachmittags ist das anders als Abends; mehr Leute, andere Leute. Dachte ich, alle schon zu kennen, tauchten vollkommen neue Ärzt*innen und Schwestern auf.

    Die junge Dame diesmal lies sich von meinem anspruchsvollen Adern nicht beirren, setzte auf ein gewisses Maß Entschlossenheit und erlangte ihr Blut. Damit habe ich die 20 voll.

    Als Prämie gab es es Karten für das Potsdam-Royals-Heimspiel am 16.8 (2 für eine Vollblutspende, 1 für Plasma). Ich hätte sie gerne genommen, Football ist cool, außerdem könnte ich Ilka stalken, aber dann fiel mir ein, dass ich ja den ganzen August die Bachelorarbeit schreiben werde und ganz sicher keine halben Tage durch die Gegend gondle.

    Nachmittags: Häckerle-Schnitten der Blutspendefreiwilligen. Abends eine Einleitung durch den Flötisten in die Feinbäckerei. Wir saßen in der ehemaligen Backstube. Er erzählte von den Freunden in Dresden (nicht zu verwechseln mit denen in Freital) und ihrer besonderen Thüringer Verwandtschaft.

    Taschenschirmhalle

    Es ist gut wenn es dauerregnet. Dann kann ich den ganzen Tag schlafen und lesen. Und ab und an mal aus dem Fenster sehen und dann wieder schlafen und lesen. Mir scheint, es ist ganz gut, dass Urlaub ist.

    Mitte Juli war ich kurz davor, den Kamin anzuheizen, noch nicht aus Kälte- aber aus Gemütlichkeitsgründen. Es wäre eine Premiere gewesen.

    Eine Premiere war eine Zweifachmähung der Gartenwege im Juli. So grün im Hochsommer erinnere den Garten nicht, so wuchsfreudig das Gras aber auch nicht. Was für ein Regen.

    Wenn wir schon einmal länger hier sind, und aufgrund des Regens eh nicht in den Garten kommen, unternehmen wir verrückte Sachen: Wir gehen auswärts essen. Mittwoch den Mittagstisch bei Rinderstolz&Wildeslust im Schwanteland, Donnerstag das Frühstück bei OpdenSteinen im Oranienwerk / Oranienburg.

    Rinderstolz betreibt unsere mittelmärkische Stammfleischerei aus dem Gelände des Gartenbaubetriebs/der Spedition Schwanteland. Vor allem für die dortigen Mitarbeiter*innen, aber natürlich auch alle anderen, gibt es Mittagstisch. Wir nutzt die Chance in der Woche da zu sein: Am Schnitzeltag am Mittwoch mit (sehr gutem) Letscho.

    Nebentischgespräche: „Die Arschlöcher im Bundestag“. Ich staune: in meiner Jugend wäre die Aussage in ihrer undifferenzierten Schlagkraft als „links“ wahrgenommen worden, jetzt eher als „rechts.“

    Donnerstag: Ins Oranienwerk. Die ehemalige Regenschirmfabrik ist heute Kulturzentrum/ Veranstaltungsort/ Sitz kommunaler Einrichtungen. Neben dem üblichen „Kesselhaus“ stehen dort auch Gebäude, die „Galvanik“ oder „Taschenschirmhalle“ heißen. Eine der Hallen beherbergt ein Café-Restaurant. Das Gute: Der Restaurantbetreiber war mal Kochweltmeister, die Karte sieht ansprechend aus. Das Schlechte: die Öffnungszeiten richten sich nach dem Mond, an drei Stellen stehen drei verschiedene Angaben, im Restaurant selber „keine feste Öffnung, bitte fragen.“

    Also besuchten wir das Café, hatten ein wunderbares Frühstück mit dem üblichen Brot/Wurst/Marmelade und gegrilltem Gemüse, Salaten, Lachs und Caprese. Welch ein Fest.

    Danach: Warten auf die Trocknung des Gartens.

    Klapp-Gartentisch (ausgeklappt mit zahlreichen Pfützen darauf, fotografiert durch ein Fenster mit Regentropfen darauf)

    Nicht-menschlich

    Gelesen: Zwei Drittel von Emily Wildes Encyclopedia of Fairies. von Heather Fawcett. Genau die richtige Mischung aus Fantasy-Unterhaltungsroman und gritty-Realwelteinflüssen mit einer denkwürdigen Heldin, die zwischen akademischen Ehrgeiz, sozialer Inkompetenz und einer scharfen Beobachtungsgabe changiert. Sehr angenehm: die Beschreibung der Fairies, die einerseits angenehm-märchenhafte Elemente hat, andererseits sind es halt mächtige Wesen, denen menschliches Verhalten fremd ist und die dementsprechend für Menschen gefährlich sind.

    Bonus-Sympathiepunkte für fiktive Charaktere, die Enzyklopädien erstellen wollen.

    Birke und Wurzeln

    Schiefgelesen las Tokarczuk und ich werde dieses Buch wohl auch demnächst lesen: „Gesang der Fledermäuse“ von Olga Tokarczuk Tierische Vendetta – „Gesang der Fledermäuse“ von Olga Tokarczuk

    Ach schau, da hätte ich auf dem Weg zur Blutspende fast zu Christiane ins Literaturhotel winken können.

    Das Ende einer Birke: Leb wohl, Birk

    Das Ende einer – DER – Rap-Gruppe. Anil Dash über das letzte Wu-Tang-Konzert in voller Besetzung: Einschließlich Ol‘ Dirty Bastard, der zum Zeitpunkt des Konzerts von der Polizei gesucht wurde: Exit the Wu

    Ich liebe Gibanitsa, was eine Art Auflauf aus Blätterteig und Frischkäse aus dem Balkan ist. Ich vermute, die Verwandtschaft zum bulgarischen Banitsa ist eng.

    Ich habe mehrere Worte im aktiven Wortschatz für dieses orange Gemüse: Möhre oder Karotte zum Beispiel. Aber das einzig wahre Wort ist Wurzel. Herr Buddenbohm reflektiert über Sprache und Heimat und endet mit dem Gemüse: Wurzeln übrigens, fiel mir vorhin beim Schreiben der Überschrift ein, wenn ich einmal nicht an Metaphern, sondern an das Gemüse denke, kann ich vierfach benennen. Und dabei stets so, dass es für mich jeweils vollkommen richtig und immer nach dem Gleichen klingt. Nämlich als Wurzeln, Wöddeln, Karotten und Möhren.

  • 25-06-07 Was ich brauch rote Rosen, was brauch ich roten Mohn? Holleri, holleri, hollero.

    25-06-07 Was ich brauch rote Rosen, was brauch ich roten Mohn? Holleri, holleri, hollero.

    Während ich dies schreibe, höre ich einen Kuckuck. Und eine Autobahn. Aber der Kuckuck klingt besser.

    Durch die Straßen fährt ein Auto der BVG mit der Aufschrift „Busspurberäumung“. And I think that is beautiful.

    Ich versuche mein Bachelorarbeitsmodell einmal von Hand durchzurechnen – halb aus Prinzip und halb weil ich den Anspruch habe es wirklich von vorne bis hinten und von links bis rechts zu durchdringen – gehe aber regelmäßig in den vielen Zeilen und Spalten der Berechnung verloren.

    Madame kam und es roch nach Trüffel. Madame kam und es roch nach Kimchi. Wieder hatte uns ein Konzertbesuch in der Philharmonie vorher in den neuen Kerb Food Court am Potsdamer Platz geführt.

    Madame geht trotz kabanenlosen Zuständen in das Insulanerbad und tausch mit den anderen Anwesenden Tipps zum umkleidelosen Baden aus.

    Wieder durchlebten wir einen kleinen Kulturschock auf 300 Metern Weg vom Abendessen zum Konzert. Kerb Food Court: Wir gehören zu den wenigen deutschen Muttersprachlern, sind vermutlich die einzigen Anwesenden, die in Berlin wohnen und gehören zu den ältesten. Philharmonie: Wir gehören zu den Jüngsten, ein Großteil lebt wahrscheinlich länger in Berlin als wir.

    Immerhin sah ich Tweedsakkos mit Lederverstärkungen an den Ellbogen. Diese hatte ich schon für ausgestorben gehalten.

    In der Philharmonie kamen uns viele verwirrte junge Menschen im voll aufgebrezelten Ornat entgegen. Während wir in den Kammermusiksaal wollten, spielten im großen Haus die Philharmoniker höchstselbst Filmmusik von John Williams. Ich würde behaupten, wir waren im besseren Konzert des Abends, waren aber zweiter Sieger was Aufwand und Schönheit des Publikums anging.

    Am Kulturforum sind inzwischen Gebäudeteile des neu zu bauenden Museums erkennbar.

    In Potsdam sah ich ein paar mit Potsdam-Royals-Pullovern. Kurz dachte ich „Ilka?„, aber der Rest passte nicht zu meiner optischen Vorstellung von den beiden.

    Während ich durch den Lidl lief, hörte ich auf den Kopfhörern den Reverend John Wilkins. Und direkt vor mir stand ein Mann in Flip Flops mit „Jesus liebt Dich“-Shirt. Wie live aus Memphis hierhergebeamt.

    Sechs Chor-Studenten des King’s Colleges der Universität Cambridge

    Während ich über ide Kopfhörer gelegentlich Southern Gothic und Memphis Sound hörte, stand die Woche eigentlich im Zeichen englischer Choralmusik.

    Harmlos und nichtsahnend ging ich in die Philharmonie. Vor längerem hatte ich einst die King’s Singers im Radio gehört, und sogar vergeblich Karten besorgt. Aber was sie genau waren, ich hatte ja keine Ahnung.

    Aber dann saßen wir in Reihe 4 in Block B (links) und vor uns stand the best of Britishness. Sechs mittelalte Männer, die auf 100 Meter Abstand Choir Boys und Oxbridge ausstrahlten. Mit Understatement, einem feinen selbstironischen Humor, Bildung, ein bißchen unassuming – und ein Chorkönnen, bei dem wir nur mit offenem Mund zusehen konnten.

    Die King’s Singers sind ein Chorensemble für sechs Männer (2 Countertenor, Tenor, zwei Bariton, Bass), das 1968 von Chorstipendiaten des King’s College Cambridge gegründet wurde. Die Besetzung wechselte seitdem mehrfach, der Geist der Gruppe blieb aber erhalten: ein riesiges Repertoir zwischen englischer Madrigalmusik des 15. Jahrhunderts bis hin zu Ed Sheeran und Disney-Filmen.

    Dabei haben sie den Ehrgeiz, den Horizont zu erweitern: Wer wegen des Königs der Löwen kommt, soll auch Renaissancemusik hören. Wer wegen der Renaissancemusik kommt, soll auch Bee Gees hören.

    Die Gruppe ist auch nach vielfachen Wechseln so stimmig in sich. Fast vergesse ich während des Konzerts wie überragend jeder einzelne Sänger ist – bis er eine Solopartie hat.

    Moderiert wurde komplett auf Deutsch, von allen sechs im Wechsel. Wir wussten nicht, ob perfekt abgelesen oder wirklich aufgrund deutscher Sprachkenntnisse. Im Nachhinein erfuhren: Der Tenor studierte in Heidelberg und spricht fließend deutsch, Bariton 2 hat deutsche Großeltern. Zur Zugabe: „Mein kleiner grüner Kaktus.“ Sofern dies einem Ü50-Publikum im Kammermusiksaal der Philharmonie möglich ist: Es tobte.

    Generation Distelfalter

    Die allumfassende Blüte des Gartens überfordert mein sprachliches Vermögen. Meine Güte.

    Schön von der Terrasse aus: das Wogen der Wiese im Wind.

    Den halben Tag begleitete ein Distelfalter unsere Wege. Vermutlich war es wirklich ein Exemplar. Die leicht zerrupften Flügel deuteten darauf hin, dass er wirklich zur wandernden Generation gehört, der in den subtropischen Steppengebieten geboren wurde, und dann durch halb Europa und über die Alpen nach Brandenburg wanderte.

    Der mittelmärkische Bäcker-Wagen kommt noch. Jeden Mittwoch und jeden Samstag. Wir haben Glück! Hatten ihn nur letztes Mal knapp verpasst. Und er hat auch wieder Gemüse – frisch aus brandenburgischen Gärten, deshalb dieses mal nur Kohlrabi.

    Im Wettlauf mit dem aufziehenden Regen gelang es mir, das letzte Holz zu zersägen. Da ich die stromgetriebene Kettensäge keinem Schauer aussetzen wollte, wurde es knapp. Der letzte Schritt dauerte am längsten, denn ich wurde hektisch und arbeitete unsauber – wie es sich gehört. Aber das Holz existiert jetzt in handlichen 25-Zentimeter-Stücken, und ich brauchte auch nur 20 Minuten nach dem Abräumen bis mein Arm nicht mehr zitterte.

    Überraschenderweise gelang uns das Terrassen-Abendessen. Mit einem Dreigang-Menü aus Salat, Spargel-Rhabarber-Risotto und Joghurt mit Erdbeeren. Pfingsten auf dem Teller.

    Madame pflanzte Salbei, Walzen-Wolfsmilch und einen Woll-Thymian. Alle Pflanzen waren frisch aus Potsdam importiert.

    Alles mit Sumpf im Namen ist schlecht

    Falls wir dringend ein Unwetter brauchen, fahren wir zu Foerster Stauden nach Potsdam: die Stauden-Enzyklopädie als Gärtnerei.

    Die Gärtnerei, die sehr harmlos und unspektakulär aussieht, die aber alles hat. Sie geht auf Karl Foerster zurück, eine Art Gottvater der märkischen Gartenkunst. Sie führt (fast) nur Stauden, diese werden in alphabetischer Ordnung nach lateinischer Bezeichnung angeordnet.

    Da stehen dann kleine Pflänzchen in alphabetischer Ordnung.

    Das ist nicht königliche-Gartenakademie-sexy, das ist funktional. Aber dafür gibt es fast alles. Freundlicherweise stehen die deutschen Namen auch dabei. So können wir bei spontanen Entscheidungen gleich alles aussortieren, was „Sumpf“ im Namen trägt und alles näher betrachten, was sich als „Steppen-“ bezeichnet.

    Jedes Jahr versuchen wir ein bis zwei Quadratmeter Vorgarten oder Beet auszufüllen. Mit neuen Astern-Sorten, Walzenwolfsmilchen oder Gauras.

    Und wirklich jedes einzelne Mal, wenn wir da sind, bricht ein Unwetter los. Madame scherzte noch, dass es bestimmt gewittert. Ich mit Blick auf Himmel und Wetter-App: Quark. Wir fahren halt sonst immer nur hin, wenn es eh regnen soll. Aber nicht heute.

    Als wir mit allen anderen Gärtnerei-Gästen unter dem kleinen Bereich mit Zeltdach standen und sahen wir Kübelpflanzen umgeworfen wurden, musste ich Madame recht geben.

    Abitur auf finnisch

    Abi feiern auf Finnisch. Herzlichen Glückwunsch auch!