Schlagwort: Sankt-Peter-Ording

  • 24-12-28 Kein Kuchen für Nazis im Nebel

    24-12-28 Kein Kuchen für Nazis im Nebel

    Die Taube ist zu zerbrechlich und schwach, um den Frieden zu bringen. Deshalb steigt ein Adler hinab. Mit seiner Größe und Kraft übernimmt er die Mission der schwachen Taube: Der Friedensadler kommt.

    Die Kastelruther Spatzen – sie leben noch – haben ihr neues Lied dem Friedensadler gewidmet. (Hintergrund: Aus der Taube wird der „Friedensadler“) Und dieses erfuhr ich nur dank des linearen Fernsehens.

    Weihnachten – die große Zeit des linearen Fernsehens. Denn wenn die Familien aus Nah und Fern zusammenkommen, werden sie sich nicht nur zu Braten und Keksen zusammensetzen, sondern auch zum Fernsehen. Auch die Kinder, die seit Jahren nur noch Streamen; auch die Enkel, die Fernsehen in ein Zeitalter mit Dampfloks einsortieren.

    Spannend: Ich sah eine Dokumentation über Jacques Mayol – legendärer Apnoe-Taucher der 1970er, der den Tiefenweltrekoed im Freitauchen auf 100 Meter steigerte.

    WIe jedesmal war ich fasziniert von einem Sport, der gleichzeitig Höchstleistung verlangt und totale Entspannung bei der Durchführung. Nur, wer ihre Körperfunktionen so herunterfährt, dass sie kaum Sauerstoff benötigen, kann lange genug ohne Atmen durchhalten.

    Mayol, und das Wissenschaftlerteam, das ihn begleitete, schrieben Joga und den dortigen Atemübungen mindestens die Hälfte seines Erfolges zu.

    Weniger spannend: Ich sah die Doku um 4 Uhr Nachts, während ich vor Schmerzen nicht schlafen konnte, im Zustand kompletter Übermüdung. Ein Hoch auf die Feiertage – nachdem mir mit Ibu (immerhin noch ausreichend) genug Schmerzdämpfung gelang, um einzuschlafen – durfte ich den Schlaf bis in den Vormittag hinein nachholen.

    Northvolt im Nebel

    Werktags fuhren die übliche Runde nach Heide mit einer Auswahl der üblichen Programmpunkte:

    • [ ] Baumarkt
    • [X] Elektromarkt
    • [ ] Recyclinghof
    • [X] Wischmanns Hofladen
    • [X] Edeka Frauen
    • [X] Kohlosseum

    Ein seltener Stopp auf der Runde: Der Drogeriemarkt. Ich hatte die Lesebrille vergessen! Wie sollte ich die Hörzu entziffern können so baräugig?

    Die Wege dorthin führten uns durch die Dithmascher Unterwasserwelt. Der Nebel ist stark, die Augen sind schwach. Wasser von oben, von unten von links und von rechts. Die Sicht beträgt fünf Meter, das Gefühl ist „im Aquarium, in dem ich wunderbarerweise noch Atmen kann“. Würden Quallen durch den Nebel treiben wäre ich nicht im geringsten überrascht.

    Auf der Straße kamen uns die Kolonnen der Kurkrötenautos aus dem Nebel entgegen. Kennzeichenlesen: HH – PI – H – PI – KI – WL – HH – ES – E – HH – DO – IZ – PI – OH. Der Weihnachtsansturm an die Nordsee geht los. Gut, dass wir antizyklisch fahren werden.

    Links der Straße nach Heide lag die feiertagsruhige Northvolt-Baustelle. Wird die Batteriefabrik noch gebaut werden? Wie viele Jahrzehnte werden die Grünen in dieser Gegend benötigen, um sich vom Imageverlust zu erholen, sollte sie nicht gebaut werden?

    Wir hatten Zeit, und konnten uns die Luxusrunde nach Heide leisten: die Runde einschließlich der Dithmarscher Wasserwelt, um einmal den Körper zu wässern und durchzubewegen.

    Die Wasserwelt erfüllt drei der vier Anforderungen1, die ich an ein gutes Schwimmbad stelle und landet damit in meinen Top 5 aller Schwimmbäder.

    Die Wasserwelt erlaubt die komplette Runde von kalt nach warm, von anstrengend zu wohlig. Wir begannen mit ein paar Runden auf der 50-Meter-Bahn, hüpften danach kurz ins Außenbecken und suhlten uns abschließend in der warmen Sole.

    Dank einer Bedienungsanleitung für den Hubboden lernte ich: Die Dithmarscher Wasserwelt wurde 1975 gebaut. Ich hätte sie jünger geschätzt, freue mich aber: 1975 ist ein guter Jahrgang.

    Sonst könnte der Abend peinlich enden

    Was sollen wir essen sieben Tage lang? Was sollen wir essen? Was ein Fest!

    Auswärts: Sushi-Rolls und Momo – das alterehrwürdige Rentnerparadies Büsum kann inzwischen hippe Edel-Systemgastronomie-Sushi-Läden. Wir bleiben neugierig auf die Veränderungen.

    Auswärts: Trümmertorte und Eierlikörtorte. Wir bleiben traditionell. Das Koog-Café in Wesselburenerkoog ist schon deshalb das beste Café des Landstrichs, da wir dort einsat nach unserer standesamtlichen Hochzeit einkehrten. Darüber hinaus backen dort die Meister der Trümmertorte. Sie besitzen die netten FC-Sankt-Pauli-Verbindungen, die ein sicheres Mittel gegen jegliche Biederkeitsgefahr darstellen. Neu entdeckt: ein braun-weiß (St. Pauli) gestaltetes Schild: Kein Kuchen für Nazis.

    Zwei Junge Damen saßen mit am Tisch. Man konnte ihnen ansehen wie sie vor Cringe vergingen als wir uns über Lese- und andere altersnotwendigen Brillen unterhielten. Endlich sind wir in einem Alter in dem wir Jugendliche allein durch unsere bloße Anwesenheit in die Verzweiflung treiben können!

    Auswärts: Burger vom Raketenofen. Wir waren auf Kotzenbüller Landgüter eingeladen, bewunderten das Baumhaus und die Spielscheune im Sockel der ehemaligen Windmühle. Der Marschboden war kurz davor, sich in Wattenmeer zurückzuverwandeln. Die Schafe sind inzwischen ausgezogen, aber die Hühner gackerten friedlich in ihrem Gartenteil. Ein junger Mann spielte mit der neuen Feuerwehr. Er drohte „sonst wird der Abend peinlich enden!“ falls er keinen Weihnachtspunsch bekäme.

    Wir lüfteten uns aus, fuhren auf einen Spielplatz und wanderten durch die Dünen Sankt Peter Ording. Wenn man nur oft genug im Kreis läuft, kann man dort stundenlang wandern. Zum Glück fanden wir Maleens Knoll und den Aussichtspunkt, der uns einen Überblick über Dünen und Wald erlaubte.

    Heimwärtiges Essen: Linsensalat, Zwiebelsuppe und Rosenkohl, die drittbeste Kohlsorte.

    Anmerkungen

    1. (I) 50-Meter-Bahn (II) Spannende Architektur (III) Außenbecken (IV) viel Platz zum Schwadern. ↩︎
  • 24-10-06 Ist es eine Möwe? Nein! Ein Reiher? Nein! Es ist zwei Regenbrachvögel!

    24-10-06 Ist es eine Möwe? Nein! Ein Reiher? Nein! Es ist zwei Regenbrachvögel!

    Vor Edeka steht eine Stiege Kohl – wie es sich gehört.

    Am Erntedankfestswochenende wird geerntet. Auf den Straßen fährt jeden Kilometer ein Traktor. Sie transportieren Möhren von Nord nach Süd. Oder Grünschnitt von Süd nach Nord. Oder leere Anhänger in alle Richtungen,.

    Ein Kind schluchzte. Es wirkte in seinen Grundfesten erschüttert. Seine Überzeugungen und Glaube an die Welt zertrümmert. Ein Schrei aus dem tiefsten Innern der Seele drang hervor, als es an uns vorüberzog. Nur mühsam waren seine Worte zu vernehmen: „Ich will Pommes!“

    Wir beendeten das lange Dithmarschen-Geburtstags-Wochenende mit einem Besuch im feindlichen Ausland: Eiderstedt/Nordfriesland, um genau zu sein Sankt-Peter-Ording. Wir bekamen Eiscreme, das Kind bekam in diesem Moment nichts, und erst recht keine Pommes.

    Vorher: Heide. Marktstadt im Nordseewind. Fischstände auf dem Wochenmarkt bestaunen (vermutlich bester Fisch der Nordseeküste) und Gemüsestände und alles was ein Bauernmarkt in einer stolzen Landwirtschafsregion hervorzaubern kann. Wir musterten Schaffelle und Lammsalami.

    Währenddessen mit Gewinn: Zufällig in die kurze Wochenend-Andacht in der St.-Jürgen-Kirche in Heide am Markt geraten.

    Davor: Die Besorgungsrunde – Besuch bei Peter Benzin, Baumarkt, Media Markt, Edeka und Fahrradmanufaktor.

    Davor: Rosenkohl und Wildbraten und Schweizer Rotwein bei Kerlins Kupferpfanne, schon wieder in Eiderstedt, Eidersperrwerk, Krabbenkutter-im-Einsatz-Ballett und Strand Wesselburenerkoog.

    Davor: Spätes Frühstück, Geschenke, Schokotorte, Aufbau der Mathestaffelei und Anlesen des ersten Romans.

    Wenig von der Welt mitbekommen in diesen Tagen. Aber mitbekommen: Extinction Rebellion hat eine Discobedience-Tanzgruppe.

    Auch mitbekommen, mit Trauer: Wir trauern um unseren Kirchenmusiker Thomas Noll

    Wer ist Moni?

    Zu lesen begonnen: Alina Bronsky: Pi mal Daumen. Ein Roman über ein ungleiches Paar (er 17, ehrgeiziges Mathe-Genie / sie Anfang 50, Putzfrau/Hotelrezeptionistin, wundersamerweise an der Uni in Mathematik eingeschrieben) und ihr Mathe-Studium.

    Ich musste natürlich und bin bei der Hälfte. Schöner Roman; er fühlt sich in seiner Uni/Campuslastigkeit und seinem klaren Auge für gesellschaftliche Klassen arg englisch oder amerikanisch an. Ich erkenne Vieles von meinen rudimentären Mathe-Uni-Versuchen wieder.

    Aber auch: alle sind durchgehend am Leiden über all‘ die Arbeitshefte, Aufgaben und dem Zwang immer am Stoff bleiben zu müssen. Dieses Problem kenne ich ja auch – und werde jedes Mal daran erinnert, dass ich gerade einen Roman lese und nicht das Lineare-Algebra-Skript. Das Wintersemester 24/25 ist sechs Tage alt und ich habe schon das Gefühl hinterherzuhecheln.

    Heide-Cortina

    Wie sehr ich vergesse, wie autozentriert der ländliche Raum ist. Vor dem Bäcker gestanden. Eine Schlange von etwa 20 Personen mit mir. Davon kam einer zu Fuß (ich), einer mit dem Rennrad und 18 mit dem Auto. Wenn (fast) alle etwas machen, kann mensch auch sicher sein, dass es an Strukturen liegt und nicht an Personen.

    Die Seltsamkeit von 2024 zeigt sich darin, dass ich verkündete „Genug gekauftes Weihnachtsgebäck für dieses Jahr“ und erst danach das erste Spaghetti-Eis des Jahres verzehrte. Aber Spaghetti-Eis muss in Eisdielen gegessen werden, die Dolomiti oder Venezia oder Cortina heißen, seit den 1950ern/1960ern in Familienhand sind, und die im Winter schließen, weil alle zurück in die Dolomiten fahren.

    So eine Eisdiele beherbergt Heide. Wir aßen bei Cortina, eine Woche vor Saisonschluss, das erste Spaghetti-Eis 2024.

    Heide beherbergt auch die Buchhandlung Boyens-Scheller. In dieser wiederum stehen drei Aufsteller mit prominent aufgestellten Büchern. Aufsteller 1: Empfehlungen der Mitarbeiter*innen. Aufsteller 2: Nominiert für den Deutschen Buchpreis. Aufsteller 3: Seenotrettung (von Flüchtlingen) im Mittelmeer. In einer konservativen ländlichen Gegend: Respekt.

    In Sankt-Peter-Ording hingegen schloß die Buchhandlung. Den dortigen Strand stört dies nicht. Der ist atemberaubend wie immer.

    Bildungslücke Schleusung

    Hach, welch Premiere. Neben der ersten Dithmarscher Queller-Sichtung meines Lebens bot das Eidersperrwerk einen weiteren seltenen Anblick. Krabbenkutter im Einsatz. Vier Stück zogen ihre Runden direkt in Sichtweite der staunenden Tourist*innen: Netz nach unten: Geradeausfahren. Netz hochziehen: um die Kurve. Netz wieder nach unten: Weiter gerade aus.

    Und weil das Eidersperrwerk zum Feiertagswochenende im Entertainment-Modus war, schloß Madame ihre Bildungslücke „Schiffsdurchfahrt durchs Sperrwerk“. Die Adler II passierte das Sperrwerk gleich mehrfach. Ein Segelboot schloß sich an, um dann im Slalom an den Krabbenkuttern vorbei zu kommen.

    Peinlich: Wir waren bei absolutem Hochwasser an der Badestelle Wesselburenerkoog, hatten aber trotz Gezeitenarmbanduhr nicht daran gedacht, Badesachen mitzunehmen. 14 Grad Wassertemperatur laden nicht zu stundenlangem Schwimmen ein. Aber so ein paar Züge, Salzwasser, Sonne und Wind – das wäre etwas gewesen: Nächstes Mal.

    In den Salzwiesen, zwei Vögel. Gräulich. Erster Verdacht: Möwe. Passt fasst immer. Diesmal aber nicht. Irgendwie die falsche Form. Touristen neben uns vermuteten einen Reiher – aber im Leben nicht.

    Die Form erinnerte mich an einen Brachvogel. Aber dafür stimmte wiederum die Farbe nicht. Zu hell war das. Erst das Internet nach der Rückkehr brachte die Aufklärung: Neben den großen Brachvögeln existieren auch Regenbrachvögel. Diese sehen sich sehr ähnlich. Sind aber gräulich und insgesamt heller. Hurra! Persönliche Erstsichtung.

    Auf den Feldern Schafe und Kohlernte.

    Destroyed by war

    Last year Ukraine’s Wiki Loves Monuments organising team inaugurated a special category “German Heritage” in partnership with the Council of Germans of Ukraine (CGU). As this year’s contest just started, and the special category is on for the second time during October, let’s look at 2023 results and best photos: “German Heritage” in Ukraine’s Wiki Loves Monuments photo contest: 2023 results, 2024 plans

    (Ein bißchen scrollen, dann kommen die Fotos. Und ja es gibt eine Kategorie „Destroyed by war“).