Schlagwort: Teppichreinigung

  • 26-05-07 He reads

    26-05-07 He reads

    Madame las Fernuni im Volkspark. Später filmte sie den Fuchs.

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    Auf der Kreuzung eine Nachtvermessung. Ein oranger Mann mit Messgerät, ein oranger Mann mit Stab, der vom Messgerät anvisiert wurde. Der Stab erhellte die Kreuzung im funky Leuchtdesign.

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    Die erste Rolltreppe am Südkreuz ist repariert. Leider an einer Stelle, die mir nichts nutzt. Aber wenn die Deutsche Bahn in dem Tempo weitermacht, ist sie schon Anfang 2028 mit allen defekten Rolltreppen durch.

    Immerhin ist der Dönerstand jetzt wieder unter 100 Treppenstufen erreichbar.

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    In der S-Bahn. Zwei Jungs, noch in Trainingsjacke vom Rugby-Club, unterhalten sich ob ein Ring eine geometrische Figur sei und ob die eher achteckige Ringbahn nicht falsch benannt ist, und Achteckbahn heißen müsste.

    Ein Pärchen, das mir in Kleidung und Akzent sagte „Wir-sind-british-upper-class-aber-in-cool“ zerstritt sich bis auf Tränen über die Frage, ob sie jetzt in Tempelhof umsteigen oder nicht.

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    Es waren drei Arbeitstage mit Klavier-Hochamt und New-York-Backalleys auf 35mm anamorphic.

    Parkplatz-Garten-Nacht-Goldregen

    Motten in Masken

    Die Verkaufserdbeere am Südkreuz begann Erdbeerverkauf mit famos erdbeerig schmeckenden Erdbeeren für 30 Cent das Stück (= 6,60€ für ein Pfund).

    Madame fuhr in den Süden. Dort kaufte sie ein. Noch müssen wir uns daran gewöhnen, mit der U-Bahn eine Station in die „falsche Richtung“, Richtung Vorstadt zu fahren, und dort BioCompany, Buchhandlung und Fleischerei zu finden. Das funktioniert, fühlt sich aber komisch an.

    Auf den Latifundien sammelte Madame einen weiteren kleinen Erbteppich für Teppichreinigung Abbasi ein. Der Teppichreiniger konnte sich nicht mehr an Wohnung-in-Schwimmbad erinnern. Aber sofort erinnerte er sich an „Ah, der Woll-Kazakh!“. Entgegen unseren Vermutung war der kleine latifundinische Teppich gar nicht aus Polyester, sondern besteht auch aus Wolle, wurde aber maschinengeknüpft, und wird bald sauberer sein.

    Überhaupt besser werden Schals und Handschuhe sein. Im Alt-Corona-Stoff-Masken-Schal-Handschuh-Vorrat entdeckte Madame einen Rückzugsort der Kleidermotte, entsorgte einen Teil der Sachen und ihrer Behältnisse. Der andere Teil darf ein paar Wochen in den Tiefkühler.

    Hochamtlich

    Das erste Berliner-Klavierfestival-Konzert wurde im Radio ausgestrahlt und liegt jetzt in der Mediathek: Rhythmusgötting Sophia Liu. Der Kaptain hörte bereits via Alexa.

    Während des Klavierfestival noch nachklingt, überstürzen sich die Kulturereignisse. Diesmal in besonders schnellem Wechsel. Nach dem Mittwochs-Festival-Hamelin folgte ein Montags-Philharmonie-Sokolov. Mein erster mündlicher Eindruck war „Es war anders“. Was einerseits nichtssagend ist, andererseits untertrieben, aber vor allem vollkommen korrekt. Bei Hamelin und Sokolov handelte es sich theoretisch um dasselbe Genre, Klavierkonzert. Aber alles war anders. Sehr.

    Statt im kleinen Saal im Konzerthaus (300 Plätze), waren wir im großen Saal der Philharmonie (2400 Plätze). Statt Nehru-Jacket (Stephen Hough) oder Flatterhemd (von Eckhardstein) trug Grigori Sokolov Frack. Statt Stücken aus den entlegenen Ecken des Repertoires waren es Hauptwerke von van Beethoven und Schubert. Und das war erst der Anfang.

    Sokolov ist laut diversen Internetseiten, laut Le pianiste und laut Madames Klavierfestival-Freunden der künstlerisch bedeutendste Pianist, der derzeit auf der Erde wandelt. Er gibt keine Konzerte, er zelebriert Klaviermessen. Wo das Festival sich immer ein wenig nach familiären Arbeitstreffen anfühlte, so „kann dieses Stück überhaupt von einem Pianisten dieser Welt gespielt werden“ war das hier reine Zelebration, und ein komplett anderer Stil.

    Hatte ich bei Hamelin immer das Gefühl, er spielt 20 Töne aus drei Takten gleichzeitig und ich kann sie alle einzeln wahrnehmen, erzeugte Sokolov einen Klang; der dann ein wenig in der Luft hängen durfte bevor der nächste Klang kam. Das war auf seine Art eindrucksvoll, aber ich ertappte mich bei dem Gedanken: „Könnte ich vielleicht die Passacaglia von letzter Woche nochmal hören?“

    Bis die Zugabe kam1. War das alles bis dahin sehr schön und sehr gesetzt, drehte Sokolov richtig auf. Der Klang hing nicht mehr nachhallend im Raum, er flog. Aus dem „wir-klatschen-begeistert-weil-wir-hier-sind“ wurden bei Zugabe 2, einem Brahms-Intermezzo, hingerissene Standing Ovations des Publikums2.

    Insgesamt hörten wir sechs Zugaben, ich verstand wie Sokolov zu seinem Ruhm kam.

    Unlimited hier, unlimited dort

    Kaum habe ich ein Kino-Abo, entdecke ich lauter weitere davon. Nach MUBI+Go und der UCI Unlimited Card, entdeckte ich das Cineville-Abo. Wäre ich nicht schon bei Yorck Unlimited wäre das eine Alternative. Ein Abo (20€/Monat) für zahlreiche Indie-Kinos bundesweit, von Braunschweig bis Freiburg, darunter das legendäre Hamburger Abaton oder die Kölner Filmpalette, in der ich noch letzten Freitag war.

    Auch in Berlin sind 14 Kinos dabei. Alles spannende Orte; aber halt ohne die Yorck-Kinos und für mich überwiegend ungünstig gelegen. Ich bleibe wo ich bin und ich nutze Yorck Unlimited.

    Ich war im Kino. Die eklektische Klassiker-Überraschungsreihe Best of Cinema brachte Three Days of the Condor, von 1975 von Sydney Pollack mit Robert Redford und Faye Dunaway ins Kant-Kino3.

    Ein Film von 1975

    Um mit dem Tiefpunkt anzufangen. Der Film ist sehr 1975 und kreist um seinen Hauptdarsteller. Die einzige relevante Frauenrolle (Kate / Faye Dunaway) kreist um diesen Hauptdarsteller. In diesem Film in der ganz besonderen Variante:

    „Irgendein Typ entführt mich mit auf der Straße mit einer Waffe, fesselt mich in meiner eigenen Wohnung und redet ziemlich wirres Zeug. Natürlich habe ich mich sofort in ihn verliebt.“

    Was auch sonst?

    This was the world I was born into.

    Ein Film über die C.I.A.

    Im Film geht es um das zynische Innenleben eines Geheimdienstes.

    Der Plot trägt den Film, sollte aber generell nicht allzu genau betrachtet werden.

    Wichtig ist: Alle Beteiligten auf allen Seiten arbeiten für die CIA, bei steter Unsicherheit wer gerade auf welcher Seite ist. Noch wichtiger: Die Hauptfigur Joe Turner (Redford) ist kein Agent, sondern ein „Reader“ – jemand, der für die CIA Romane in entlegenen Sprachen liest und Plot-Points sowie Verfahren in einen Computer füttert – also ein literarisch interessierter Nerd.

    Auf die konsternierte Frage eines CIA-Chefs hin, wie Turner ihnen immer noch entkommen kann, lautet die Antwort „He reads. He knows things.“

    Ein Film in New York

    Vor allem verkörperte der Film seine Zeit und seine Stadt. Männer tragen noch Krawatten, aber unter Pullundern in wilden Farben mit braunen Ledersackos und Cordhosen. Die Haare sind selbst bei der CIA länger, die Kragen groß. Einige Offiziere der CIA können sich noch an die Zwischenkriegszeit kurz nach dem Ersten Weltkrieg erinnern.

    Im Büro steht ein großer Desktop-Computer mit winzigem Display in grün-schwarz, daneben Fernschreiber, Bücher, Schreibmaschinen. Die Zeiterfassung läuft über ein Buch.

    Die New Yorker Seitenstraßen sind voller Straßenkreuzer mit gelegentlichen VW Käfern. Joe Turner selbst fährt Fahrrad, Kate einen Geländewagen, der so aussieht als hätte er noch im Koreakrieg gedient.

    Joe ist nicht nur Reader sondern auch Hacker. Mit Spezialgerät flüchtet er sich in einen Leitungskeller, schaltet Telefonleitungen zusammen und kann anhand der Pieptöne ermitteln, welche Nummer angerufen wurde.

    Unterlegt ist es von Dave Grusins funky-souligem Soundtrack, einschließlich des besten aller Songtitels Sing Along with the C.I.A.

    This was the time the modern world as we know it was born.

    Stilistisch durchaus passend: Kant-Kino Saal 1

    Straßenquerungsdresscode

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    Straße überqueren für Anfänger*innen und professionell.

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    Die Kaltmamsell beendete die Ära des Kommentierens in ihrem Blog.

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    Prüfungen in Zeiten von KI und allumfassender Mobildaten: Schülern ist zum ersten Mal zur Prüfung ein gewisser Dresscode vorgeschrieben worden. Alles mit Knöpfen oder Kapuzen ist verboten.

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    Ich lag auf dem Rücken auf einer Decke, schaute in die Äste eines Baumes mit Zapfen dran, dahinter blauer Himmel. Eventuell bin ich kurz eingeschlafen. Ich las im Buch weiter, wir machten ein kleines Picknick, es wurde geschnitzt. Im Grunde wirkt das Gelände wie ein riesiger Krater, oben drüber kreiste ein Raubvogel und einmal flog ein Hubschrauber vorbei. Die Grillen zirpten.

    Anmerkungen

    1. Wie wir im Nachhinein lernten, spielt Sokolov immer ein eher kurzes identisches Programm und immer sechs Zugaben, die sich je nach Auftritt ändern. Vielleicht auch ein Umgang mit seinem Alter, das ihn das gesetzte Programm vorsichtig gestalten lässt und dann die Freiheit lässt je nach Tagesform nochmal richtig aufzudrehen. ↩︎
    2. Ein erheblicher Teil des Publikums war russisch. Was die Frage aufwarf, „wie hältst du es mit dem Krieg, Grigori?“ Wir lernten im Nachhinein: Sokolov gilt als extrem verschlossen und äußerst sich seit Anbeginn aller Zeit zu nichts außer zu Klavierspielen. Aber er spielte Konzerte zugunsten humanitärer Ukraine-Hilfe und zu Ehren eines Anti-War activist Pianisten, hat zudem seit 2022 „aus besonderen Gründen“ die spanische Staatsbürgerschaft. ↩︎
    3. Yorck Unlimited No. 22 – damit 10,82€ pro Karte. ↩︎

  • 26-01-20 Nägel raus, Wollteppich Kazak rein (Playin‘ for the blue haired crowd)

    26-01-20 Nägel raus, Wollteppich Kazak rein (Playin‘ for the blue haired crowd)

    Noch acht Kisten. Wir sind uns mit der Zählung wieder einig. Ich warf Schuhe weg, von denen ich hätte schwören können, sie schon seit Jahren nicht mehr zu besitzen.

    Mühsam rang ich mich zu dem Entschluss durch, dass es ein zuviel an LAN-Kabeln geben könnte.

    Madame dehnte ihr Total Immersion + Aquajogging-Programm auf eine Stunde aus. Wenn ich nicht aufpasse sehe ich demnächst nur noch ihre Rücklichter während sie durch’s Wasser chillt.

    Es war ein Arbeitsmontag mit Wohlfühlkino und ein Wohnungs-Ausräum-Sonntag.

    Um 6:56h kam der Parkplatzfuchs. Er überquerte direkt hinter dem eiligen Fußgänger den Weg, unbemerkt von diesem.

    Bei drei Grad Plus kamen drei Eichelhäher. Kaum schwinden die Minusgrade, tauchen die Vögel in unserem speziellen Kälteloch wieder auf. Sogar eine Blaumeise war darunter.

    Der Wollteppich Kazak, der indische Seidenteppich und *nuschel nuschel Pakistan* kamen gereinigt und repariert zurück. Wie man es sich wünscht, entpuppte sich der Lieferer als Teppich-Nerd. Unser Plan „leg man ab und wir überlegen dann wo und wie wir die Teppiche hinlegen“ fand keinen Anklang. Er musste ja den Teppich präsentieren und ausbreiten und zeigen was sie gemacht hatten und diskutieren, wo er am besten aussieht. Und auf jeden Fall – sie sehen toll aus.

    Natrürlich hatte er noch Ideen wo weitere Teppiche gut wirken würden. Ich fürchte er hatte Recht. Naja, irgendwann, wenn wir groß und reich sind. Zum Glück bietet auch hier die mangelnde Quadratmeterzahl der neuen Wohnung eine wirksame Beschränkung allzu ausschweifender Pläne.

    Verschüttete Erde

    Es sind nur noch Kleinigkeiten in der alten Wohnung. Aber selbst die können Arbeit machen, wenn es einfach sehr viele Kleinigkeiten sind: Viele Bohrlöcher zum Beispiel. Oder dies und das und jenes, das nicht umziehen sollte. Wie zum Beispiel die komplette Balkonausstattung: Denn wir haben ja gar keinen Balkon mehr. Insbesondere die Blumenerde.

    Madame putzte an den ganzen unangenehmen Stellen, an die mensch sonst nie rankommt oder ranwill. Sie trug Erde und alte Vorhänge die vier Stockwerke hinunter in den Müll. Wir zogen Nägel aus der Wand, trugen noch mehr Erde nach unten und trafen einen unserer Lieblings-(Ex)-Nachbarn. Wir lernten: Als Taxifahrer ist er Stammgast unserer neu benachbarten Autowaschanlage. Vielleicht sehen wir ihn dort noch einmal.

    Immerhin gelang es den Haushallodris zwischendurch, den Müllcontainer von der BSR leeren zu lassen, so dass wir ihn wieder befüllen konnten.

    High on the Wechselland

    Ausgelesen: Jessica B. Harris: High on the Hog. Das Buch spannt eine weite Reise aus Westafrika über die Zucker-Plantagen der Karibik, die Südstaaten, die Great Migration und das Black Harlem der Harlem Renaissance bis ins Alter der Fernseh-Celebrity-Köche. Immer kenntnisreich, immer spannend, immer ein wenig dahinplätschernd. Herzzerreissend allerdings wird es, wenn man liest, dass es 2011, zur Hochzeit Barack Obamas geschrieben ist und voller Hope und Enthusiasmus, was die Zukunft der Afro-Amerikaner angeht. Als 2026 lebender möchte man nur noch seufzen oder weinen.

    Angelesen: Raphaela Edelbauer: Das flüssige Land. Nach ungefähr fünf Seiten merkte ich: Edelbauer und ich, das klickt total: So denke ich und so würde ich gerne schreiben können. Sie schreibt in einer schönen aber artifiziellen Sprache, die niemand so reden würde – aber passend.

    Auf Seite 5 taucht ein erstes wörtliches Zitat auf: Eine E-Mail – die liest sich ziemlich genau wie eine echte informelle Mail eines Uni-Lehrstuhls 2025 klingen würde. Die gesammelte sprachliche Wurstigkeit der Mail im Vergleich zur hochgestochenen Künstlichkeit zuvor knallt wie Regal, das von der Wand fällt. Eins, zwei Sätze nur, und diese rücken den ganzen Roman zurecht.

    Ich bin inzwischen auf Seite 40, bin fasziniert von der Sprache, bin fasziniert vom Springen zwischen profanstem Alltag (Sie öffnete eine Excel um die Beerdigung ihrer Eltern zu planen) und halluzinatorisch-unwirklichen Passagen durch das österreichische Wechselland irgendwo in den Bergen zwischen Niederösterreich und der Steiermark.

    Und jetzt bin ich gespannt:

    • Wird der Roman es schaffen seiner gesamten sprachlichen Hochseilbühnenfechterei ausreichend inhaltlich-emotionale Tiefe zu geben um nicht irgendwann hohl zu wirken?
    • Und: Geht mir der Ansatz irgendwann beim Lesen auf die Nerven? Unwahrscheinlich aber nicht unmöglich.

    Soolai, soolai, soolaimon

    Durch Bekannte kam ich auf die Idee: After-Work-Kino. Dank meiner Jahreskarte1 ist es gar nicht mal so blöd, einfach auf dem Heimweg einen kurzen Abstecher beim Kino zu machen, zwei Stunden in dunklem Raum und gemütlichen Sessel abzuklingen, und erst dann in die Wohnung zu gehen.

    Ich machte einen Versuch mit Song Sung Blue um 17 Uhr im Odeon.

    Ich erwartete ein wenig Comfort Food für die Seele: Einen soliden, rührenden Film, in dem gesungen wird. Ich bekam weit mehr: Großes Kino.

    Dabei ist der Film von Craig Brewer keine Kunst, will keine sein. Nicht in diesem Film kommt unerwartet, nichts fordert heraus, nichts wird irgendeine Grenze erweitern. Das ist perfekt exekutiertes Unterhaltunghandwerk mit erkennbar großer Liebe für seine Subjekte: Diejenigen Entertainer, die nie den großen Durchbruch hatten, aber trotz allem mit allem Herzblut und Liebe unter prekären Lebensumständen Unterhaltung machen. In den Worten der Hauptfigur Mike Sandrino: „I’m not a songwriter. I’m not a sex symbol but, I am an entertainer.“ Alles ist genau dort wo es hingehört, und man sieht, dass es gut ist.

    Der Film ist manchmal witzig, oft traurig, gerne euphorisch, voller Liebe, liebt Musik (in der Form handgemachter Musik von Musikliebhabern), aber vor allem voller Wärme.

    Man möchte sie herzen und knuddeln und umarmen. Und dann passiert etwas und man möchte sie noch mehr herzen und knuddeln und ganz doll umarmen, aber aus anderen Gründen. Und dann passiert etwas und man möchte sie noch mehr herzen und umarmen. Und eigentlich möchte man Charaktere, Nebencharaktere, und das ganze Filmteam umarmen.

    Der Film erzählt die mehr oder weniger reale Geschichte von Mike Sardina (Hugh Jackman) und Claire Stingl (Kate Hudson), die sich als erfolglose Musiker und Imitatoren (Don Ho bzw. Patsy Cline) durchschlagen. Sie treffen sich in mittlerem Alter2 im Backstagebereich eines unbedeutenden Oldie-Gigs („Playing for the blue haired crowd“ der alten Menschen) auf der Wisconsin State Fair, verlieben sich und gründen eine gemeine Neil-Diamond-Coverband. Es folgt die Story aus Glück, Schicksal (in Form eines aus der Kontrolle geratenen Autofahrers, der Claire Bein und Lebenswille kostet), und neu erkämpftem Glück bevor Mike seine Herzkrankheit erwischt.

    An jeder Stelle möchte man sie herzen.

    Insbesondere, weil es eine Geschichte von Mittvierzigern, -fünfzigern erzählt, die das auch Leben. Die sehen so aus als hätten sie vorher ein Leben gehabt. Sie bringen ihr Leben mit (Kinder, Süchte, verpasste Chancen, Eltern, kaputte Autos, einen Zahnarzt, der auch der Musikmanager ist), und die Verhalten sich auch so als hätten sie schon viel erlebt.

    Er erzählt Geschichten von Menschen, die halb Friseurin und halb Musikerin sind, die beten dass ihr Auto durchhält, wenn sie zur Arbeit müssen, und die auf einem Date Corn Dogs essen.

    Er erzählt die Geschichte der Kinder. Denn bei allem anstrengenden was die Eltern machen: Es wird klar, dass die Kinder diejenigen sind, die es am Ende ausbaden müssen, und ihre insbesondere Claires Teen-Tochter Rachel (Ella Anderson) viel zu früh zuviel tragen muss, in einem Leben, dass sie sich nicht aussuchen konnte.

    Er nimmt Musik ernst. Jackman und Hudson singen selber. Nicht perfekt, eher so wie man es von Imitatoren auf der Wisconsin State erwarten würde. Aber sie erwecken den Anschein es zu lieben. Sie erwecken den Anschein, tiefe emotionale Meinungen darüber zu haben, dass der Song Soolaimon von Nial Diamond viel spannender ist als sein allseits bekannter Smashhit Sweet Caroline.

    Kate Hudson ist so großartig.

    Ehre, Ehre, Ehre

    Ich verbeuge mich und bedanke mich herzlich: Leute, die im Schwimmbad wohnen

    Links

    Das Elend des Spiegel-Beststeller-Autor-Aufklebers. Oft beklebte Autoren sind Coaches und Finanzberater, die Wohlstand und ein gutes Leben versprechen. Also Menschen, die online oder bei Verkaufsveranstaltungen noch mehr »Produkte« verkaufen wollen und für die das SPIEGEL-Siegel offenbar fünfstellige Summen wert zu sein scheint. (via Ligne Claire)

    Das Slowcooker-Blog wird 20. Und ich gratuliere herzlich! Gerade bei den ersten Schritten mit unserem Crocky war es unverzichtbar.

    Im Hosentaschenblog wird die Grillsaison mit dem neuen Kugelgrill eröffnet.

    Hotel Mama motiviert mich, endlich den Weg in die Schaubühne zu finden: star trek und „sabotage“

    (Nebenbei: ich staune wieviel Interesse der fünfzehnte Ableger des achten Subplots von Star Trek hervorruft. Aber auch da verweise ich auf Hotel Mama, das ist von all den Besprechungen diejenigen, die mir am meisten vermittelt warum das interessant sein könnte)

    Anke Gröner schildert, dass Leslie Jamison rezensiert das Buch Dress, Dreams, and Desire. A History of Fashion and Psychoanalysis

    Ich würde sagen, nicht nur in der Gemeinde. Ich erlebe ja selber oft genug wie ein extrem ineffizienter Prozess immer gleich ausgetauscht werden soll gegen eine komplett unpersönlichen Prozess: In der Gemeinde sind Micro-Begegnungen wichtiger als Effizienz

    Anmerkungen

    1. Womit das Unlimited-Besuch Nummer 5 war, damit 47,60€ pro Besuch. ↩︎
    2. Jackman war beim Dreh 56 Jahre alt, Hudson 45 Jahre. Und beide dürfen im Film so aussehen als wären sie wirklich so alt. So refreshing. ↩︎
  • 25-12-20 oudèn rheî (wenn Harry met Sally)

    25-12-20 oudèn rheî (wenn Harry met Sally)

    Mit Lichterketten und leuchtenden Kugeln behängte Frauen fahren durch die Gegend.

    Während ich dies schreibe, läuft im Hintergrund eine CD des finnischen A-cappella-Ensembles Rajaton.

    Einst vor einigen Jahren waren wir zugegen als der Kaptain einen Teppich von der Teppichreinigung zurück bekam. Kurzfristig waren wir geschockt, was das kostet. Langfristig sind wir immer noch beeidruckt, wie sauber und toll der gereinigte Teppich aussah.

    Lange Geschichte kurz: Anlässlich des Umzugs landeten alle Erbteppiche bei Teppichreinigung Abbasi zum säubern und ausbessern. Wir lernten: es handelt sich um einen Wollteppich Kazak, einen indischen Seidenteppich und irgendwas dahingemurmeltes mit Pakistan.

    Im Kino lernte ich: im New York des Jahres 1987 wurden Weihnachtsbäume noch ohne Netz verkauft und mussten in voller Auskragung transportiert werden.

    Ich war das erste mal seit Jahren war in einem Karstadt und hatte nicht das Gefühl, einem Geschäft beim Sterben zuzusehen. Entweder es war ein Advents-Sondereffekt, oder aber ausnahmsweise macht jemand in dem Konzern etwas richtig.

    Es gab sogar eine schöne Auswahl. Wir bekamen dort, was wir in diversen anderen Geschäften zuvor vergeblich gesucht hatten.

    Es waren zwei Tage zwischen Arbeit, dem Auftreiben von Handwerkern und Besuch.

    Wie jedes Jahr strebe ich an, zwischen dem 22.12. und dem 6.1. einfach zwei Wochen lang mit Büchern auf dem Sofa zu liegen und nichts mit Außenwelt zu machen. Das wird dieses Jahr noch weniger funktionieren als die letzten.

    Aber 2026! Da wird es eine Woche Urlaub in einer Stadt am Meer Ende November/Anfang Dezember geben. Unbedingt,

    Gänsekeule und Kaviarei

    Am Freitagabend fand der traditionelle Adventsbesuch von Dr.D. und Dr.E. statt. Alle in Jahresenderschöpfung; schön, wenn es Menschen gibt, mit denen man sich alle umfassender allumfassender Erschöpfung treffen kann, und es wird einfach nett.

    Die ersten Blumen

    Wir wollten natürlich die neue Wohnung vorführen. Leider war es aufgrund der aktuellen Unpässlichkeit der Küche schwierig, Menschen zu bewirten, so dass wir in den den Berliner Hof auswichen: Deutsche Küche von Menschen, die sich ein Beispiel an französischer Restaurantkultur nehmen. Oder wie Madame mit höchster Wertschätzung sagte: „Das Lokal könnte sich sowohl im Service wie auch von der Küche her auch in Baden behaupten.“

    Wenn das Hirschgulasch kommt und wir schon den Wildgeruch riechen bevor der Teller auf dem Tisch steht, läuft alles richtig.

    Am Samstagmorgen kam Miss Bilanz zum Frühstück. Auch sie mit Wohnungsstress, wenn auch anders als bei uns. In ihrer Schmuckschatulle leben seit neuestem vier Frauen.

    Sie hatte Brötchen mitgebracht, Madame hatte beim ukrainischen Kaviarimporteur-wird-Supermarkt-Ledo (Forellen)kaviar besorgt. Sie hatte lustige Geschichten zu erzählen, von der langen Schlange am Freitag am Kaviarstand, wo Menschen vor ihr, die Bedienung aufgrund ihrer Anforderungen ins Lager schickten.

    Weiterhin geplant: bei Ledo das gigantische Fischangebot austesten. Und das Fleich von Rinderherz bis Schweinefuss von dort in den Crocky werfen. Wenn denn je die Küche komplett einsatzfähig ist.

    Der Mobilempfang im Keller als Thema

    Deadlines Ende des Jahrs haben die unangenehme Eigenschaft, im Dezember Arbeit zu machen. In diesem Falle immerhin mit der netten Nebenwirkung, mir Schwimmbadexkursionen zu ermöglichen. Auf zum Teamtag/Unterweisungstag ins Stadtbad Märkisches Viertel, unterweisen und erklären.

    Ich mag die Schwimmbadleute als Typ einfach zutiefst – die Mischung der Anforderungen aus Dienstleister-an-Menschen, Techniker-Handwerker für Wasseraufbereitung und Lüftung im Industriemaßstab und was-mit-Sport zieht einen spannenden Menschenschlag an. Und auf jeden Fall sehr anders als die übliche linksliberal-universitäre Bubble, die mich sonst meist umgibt. Die Leute im Bad sind cool Socken.

    Spannend natürlich auch in den Berliner Bädern, die ich als Besucher ja alle kenne. Aber mit Teamräumen, Büros und dem ganzen „versteckten“ Gangsystem noch eine ganz neue Ebene in den Bädern entdecke. Es wird wohl eine Sondersituation bleiben (zweieinhalb Stunden reale Fahrzeit Südkreuz-MärkischesViertel-Südkreuz müssen erst mal gerechtfertigt sein), aber wenn sich die Chance ergibt, freue ich mich sehr.

    Der Router blinkt, die Leitung tropft

    Beim Nachumzug sind wir in der Zwei-Schritte-vor-ein-Schritt-zurück-Phase.

    Vor: Mein Rechner, der Wlan-Router, Rombitombi und der Drucker sind provisorisch aufgebaut. Ebenso ist die Spülmaschine mit Zu- und Abfluss mit der Wasserleitung verbunden.

    Zurück: Der Internetanschluss ist theoretisch freigeschaltet. Praktisch allerdings funktioniert er nicht. Und nach diversen Runden mit automatisierten Telekom-Störsystemen und einer echten Technikerin im Chat kommt Dienstag ein leibhaftiger Telekom-Mensch vorbei und schaut nach – vorausgesetzt ich finde bis dahin heraus, wo in diesem Schwimmbad der Hausanschluss liegt und wer die dazu gehörigen Schlüssel besitzt.

    Zurück: Alles hängt an der Wasserleitung. Dafür ist weiter oben eine undichte Stelle an einer Rohrverbindung aufgetaucht. Alle paar Sekunden quetscht sich ein Tropfen durch eine Dichtung. Das ist in dem Moment nicht dramatisch – aber würde sich über Stunden/Tage/Wochen natürlich trotzdem zu gigantischen Strömen summieren. Also Küchenwasser komplett zu, und zu ausgewählten Zwecken (Waschmaschine) unter Beobachtung auf. Sanitärmenschen sind beauftragt. Ob und wie sie vor Weihnachten noch kommen, werden wir erfahren.

    Nichts fließt.

    University of Chicago, 1977

    Nach dem Feiertagsfilmerlebnis dritter Art am letzten Mittwoch, sahen wir noch einen altersangemesseneren Film im Odeon-Kino, wenn auch aus traurigem Anlass. Odeon-Betreiberin Yorck Kinos hatte nach dem Tod von Regisseur Rob Reiner spontan When Harry met Sally einige Sondervorstellungen gewidmet.

    Es war schön. Es war spannend. Auf dem großen Screen entdeckten wir doch Details, die wir vorher noch nie gesehen hatten. Auch war natürlich die Konzentration größer, mir fiel zum Beispiel erstmals wirklich der Soundtrack auf. Dabei ist der Film einmal sehr nostalisch (in der Musik), Kind seiner Zeit (die 1980s sind allgegenwärtig) und in seiner Grundkonstellation zeitlos.

    Auch wenn die Telefone und Computer im Film inzwischen nach Kostümdrama aussehen, überall Zeitungen und Bücher gelesen werden und dieser unglaubliche Wagenrad-Tisch einem mit 1987! gerade anschreit – die Konstellation, das Drama, die Grundfragen – haben nichts an Menschlichkeit und Aktualität verloren.

    Einfach ein schöner Film.