Schlagwort: Tigerschnegel

  • 26-05-05 Treffen der Wissens-Nerds in Ehrenfeld (Köln->Berlin)

    26-05-05 Treffen der Wissens-Nerds in Ehrenfeld (Köln->Berlin)

    Auf der Kölner Domplatte: Drei jung jungerwachsene Betreuer einer Pfadi-Gruppe stürmten so enthuasiastisch wie es nur beseelte Jungerwachsene können aus dem Bahnhof in die Stadt Köln. Ihnen folgte eine Gruppe Kinder, die so eindrucksvoll schlurften wie nur vom Leben und von enthusiastischen Erwachsenen gebeutelte Kinder schlurfen können.

    30 Meter weiter: die Polizei erläuterte einem Krishna-Trommler, dass er zwar Krishna-trommeln darf, aber nicht oben auf einer geschlossenen Containermulde.

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    Madame nutzte Sonnenlicht auf den Latifundien, um Familie Tigerschnegel in die Winkel des Wasserrohrlochs zu vertreiben, bevor Madame selbst dorthin hinabstieg.

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    Der Kölner Wikipedia-Treffpunkt liegt gegenüber der einzigen Karnevalshutfabrik der Stadt.

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    Einer Schokoladen-Zutatenliste verdanke ich das tolle Wort Schwarzbrotbrösel. Jetzt muss ich mich nur noch entscheiden ob ich einen Roman oder eine Art-Pop-Band so nenne.

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    Es war ein Jury-Samstag und ein Jury-Reise-Sonntag.

    In einer anderen Betonwüste: Ein Eichhörnchen

    Von J.G. Ballard existiert ein Roman Concrete Island/ Die Betoninsel. Dieser schildert wie ein Jaguar-Fahrer nach einem Unfall in einem Stückchen Grasland zwischen mehreren Autobahnstücken gefangen ist und dort eine Robinsonade erlebt.

    Nicht ahnte ich, dass das entsprechende Grasland in Köln liegt. Und dass ich als Fußgänger dorthin geraten kann, wenn ich einfach nur vom malerischen Park mit Schwimmbad den Kilometer bis zum Rhein laufen möchte. Dort, wo Open Street Map Park/Zoo/Park titelte traf ich inmitten von Hektotonnen Beton keinen einsamen Jaguarfahrer, sondern ein Obdachlosencamp.

    Köln – du Stadt der Überraschungen!

    Am Ende der Betonschluchten gelangt ich zum Fast-Sommerrhein im Feiertagsmodus! Die Pollux mit Heimathafen Hamburg überholte auf dem Fluss die am Ufer liegende Viking Gymir mit Heimathafen Basel, und das war eine schöne Nordsee-Oberrhein-Connection via Köln.

    Dann, der nächste Park, den ich ich im Nachhinein vielfach als Brennpunkt beschrieben fand. Ich fand ein stolzes Sanierungsschild neben einem traurigen wasserlosen Brunnen. Problemlos hätte ich meinen Restlebensbedarf an illegalen Drogen decken können.

    Köln- du Stadt der Überraschungen!

    Dann Café mit Kölsch-Radler und Programmkino und zentral gelegenes Hotel mit Grün drumherum. Du Stadt der Überraschungen! Love ya ein bißchen.

    Eisschwimmhalle

    Mit wehendem nassen Haar verließ ich das Lentbad? (Lentpark-Bad? Bad im Lentpark? Nur Lentpark – aber ist das nicht der Park an sich?) Durch den frühlingssonnenbeschienen Park tönten nicht nur die Rufe der Vögel – auch ein lange gehaltener Blasinstrumententon wehte herbei – entweder eine tiefe Trompete oder ein hohes Alphorn.

    Während ich meine Schritte abwandte, wurden die verblassenden Töne vielfältiger – offenbar doch eine Trompete deren Klang über das Gras klang.

    Es konnte kaum besser kommen, denn ich kam bereits aus einem schönen Bad.

    Schwimmschwimmhalle mit Eiskuck

    Das Lentbad (Lentpark-Bad? Bad im Lentpark? Nur Lentpark -aber ist das nicht der Park an sich?) liegt im Lentpark an den Ausläufern des Rheinufers. Der Rhein ist nah genug, damit in der Schwimmhalle nachträglich eine Hochwassermarke vom Rheinhochwasser 1784 angebracht wurde, und fern genug, um den Fußweg zum Rhein abenteuerlich zu gestalten.

    Seit 1936/1937 steht dort eine Eislaufhalle, zwischenheitlich war sie Heimat der Kölner Haie. Aufgrund von Baufälligkeit wurde das Gebäude 2007 abgerissen und dann nach Protesten der Bürger gegen ihr verschwinden neu 2011 (Gebäude) bzw. 2012 (Freibad) gebaut.

    Das Gebäude vereint Schwimmbad, Eislaufhalle (sichtbar vom den Stiefelgängen im Bad) und vor allem eine Eishochbahn in der ersten Etage, der durch Glas getrennt durch Schwimmhalle und Eishalle führt.

    Never seen this before, aber ich bin hochgradig beeindruckt.

    Ich möchte mich bedanken: ein Bad, das den Spagat zwischen funktionell und schick schafft.

    Kabinen, Duschen, Becken, alles sagt mir: Hier ist Schwimmen. Nichts wirkt architektonisch exorbitant. Und trotzdem ist da noch ein netter kleiner Warmwasserwhirlpool inmitten der Becken. Die Aussicht ist Grüne ist super. Alles wirkt schön. Und das special ist wirklich special.

    Selber schwimmen, und oben die Eisläufer vorbeihuschen sehen. Das ist schick.

    Schwimmbad-IT-Menschen finden sowas spannend. Es gibt keine eigene Eintrittskarte, sondern der QR-Code für das Schwimmbaddrehkreuz wurde direkt auf den Kassenbon gedruckt.

    Vieles zum Bau in alt und neu Archiv des Badewesens: Eislauf und Baden unter einem Dach.

    Fokus auf das alte Bad im KStA: Die Geschichte des alten Kölner Eis -und Schwimmstadions

    Meine Köln-Kreiselungen führten nach Ehrenfeld

    Ein Besuchskind auf den Latifundien fragte, warum ich nicht anwesend bin. Es verstand als Antwort: „Schiri-Treffen“. Das war nicht komplett abwegig.

    Allerdings ging es nicht um Fußball, sondern um Wikipedia-Artikel.

    Weder war ich zum Schwimmen noch zum Stadtstromern nach Köln gekommen, sondern für eine ernsthafte Angelegenheit. Die Jury des Wikipedia-Schreibwettbewerbs traf sich im wichtigsten deutschen Wikipedia Community-Treffort: dem Lokal K in Köln.

    Oder, wie einst eine Lokalzeit titelte, deren Ausschnitt noch an der Pinnwand hing: „Wissens-Nerds treffen sich in Ehrenfeld.“

    Enzyklopädieartige Schilderung des Schreibwettbewerbs

    Der Schreibwettbewerb ist eine Institution der Wikipedia. Er findet zweimal im Jahr statt (März und September eines jeden Jahres). Autor*innen können Artikel ihrer Wahl einreichen, bewertet wird das Beste was in diesem Monat entstannden ist.

    Dies war die 44. Ausgabe des Schreibwettbewerbs. Ich war soweit ich rekonstruieren kann, bereits zweimal in der Jury. Bei der allerersten Ausgabe 2004 und dann noch mal bei der fünften Ausgabe 2006, die fast die Jury und den Schreibwettbewerb gesprengt hatte. Danach hatte der Wettbewerb 39 Ausgaben Ruhe vor mir bis jetzt.

    An den Artikel und dem Ablauf lässt sich schön die Geschichte der Wikipedia verfolgen: wie intensiv oder nicht-intensiv teilgenommen wurde, welche Preise ausgelobt wurden, wie stilistisch die ausgezeichneten Artikel aussahen, und vor allem, was im Umfeld des Preises diskutiert wurde.

    Diesmal war es ein Alt-Treffen. Von den sechs Jurymitgliedern waren zwei schon damals in der ersten Jury, zwei weitere waren 2004 schon aktiv in der Wikipedia, eine kam nur wenig später und nur eine Jurorin war mit ihrem ersten Edits in den späten 2010ern ein echter Jungspund.

    (Dafür allerdings hat sie den Wettbewerb seitdem öfter gewonnen als alle anderen Juroren in allen Jahren zusammen)

    Nicht ganz so enzyklopädieartige Schilderung des Schreibwettbewerbs

    Diesmal gab es drei Sektionen (Natur und Technik // Kunst und Kultur // Geschichte und Gesellschaft) mit je zwei Juror*innen und insgesamt 23 nominierte Artikel.

    Die Jury vergleicht dabei nicht Äpfel mit Birnen, sondern wortwörtlich Organe mit Völkerschauen, Messer mit nicht realisierten Bahntrassen und antike Theatergattungen mit Spinnenarten.

    Es sind Artikel, die tief aus einem wissenschaftlichen Fachdiskurs kommen und nur mühsam gewöhnliche Leser*innen mitdenken, oder spannend zu lesende Artikel mit schwieriger Quellenlage. Es sind exorbitante Abhandlungen zu umfassenden Themenbereichen oder tief gebohrte Nischenthemen.

    Jede Bewertung ist hier natürlich hoch subjektiv, die Diskussion darüber aber ein großer Spaß. Und es ist erstaunlich, dass sich die Jurys doch am Ende einigen können. (Außer beim legendären fünften Schreibwettbewerb)

    Die 44. Ausgabe

    Jede Jury hatte ihre Sektion komplett gelesen und ihre Lieblingsartikel vorgestellt. In „meiner“ Sektion Geschichte & Gesellschaft hatten wir uns auf Hagenbecks Völkerschau der „Bella Coola“ 1885/86, das Mithräum am Ballplatz, die Ostalpenbahn, das Mimos und das Plattform-Sutra geeinigt.

    Die anderen beiden Jurys gingen ebenso mit Vorschlagslisten in die Sitzung. Alle Jurymitglieder hatten bis zur Sitzung alle Artikel gelesen und dazu Anmerkungen, Kritiken und Stellungnahmen formuliert.

    Jede Jury stellte „ihre“ Artikel vor und dann gab es jeweils eine ausgiebige Diskussion. Sind die Quellen valide? Ist das verständlich? Ist das aktuell? Stimmt es überhaupt? Ist es sinnvoll aufgegliedert und geordnet? Fehlt eine Karte? undsoweiter. Das ging so für jeden Artikel. Danach hatten wir schon mal eine gute gemeinsame Einschätzung ob ein Artikel eher ganz nach oben, oder eher unten oder vielleicht doch so in die Mitte kommt.

    Und weil das sowieso alles subjektiv ist, und undifferenzierte Wertungen feige, einigen wir uns am Ende auf eine Reihenfolge. Bis 19 Uhr waren wir fertig, konnten nach nebenan ins Brauhaus.

    Am nächsten Tag: Nach einmal drüber schlafen: Sind wir uns immer noch einig (eine Folge des 5. Schreibwettbewerbs); bei ein oder zwei Fakten haben wir noch mal recherchiert, nicht dass wir peinlicherweise etwas Falsches auszeichnen, und es galt ja auch noch, das Votum zu begründen und in die Wikipedia zu setzen.

    Wir haben einen Gewinner: Die Milz. Und alles was ihr jemals darüber wissen wolltet und noch viel mehr.

    Going home

    Wie kann man einen kompletten Bahnsteig aufwecken, der nach 30 Minuten warten auf den verspäteten ICE1055 in einer Art Dämmerzustand dahingesunken ist? Man lösche den Zug einfach komplett von der elektronischen Anzeige. Menschen, ich, schaue hektisch gleichzeitig auf die Anzeigentafel, auf ihr Handy und auf andere Reisende, ob deren Handy vielleicht schlauer ist.

    Nach einer Minute war der Spuk vorbei.

    Der Kölner Hauptbahnhof hatte Weiche, Notarzteinsatz und Signal und „mein“ ICE1055 deshalb verspätet anreisendes Personal. Mit Jurorin Nina hatte ihr Glück nach Berlin bereits Richtung Frankfurt versucht, ich wollte aber am Unordnungsreisen festhalten: ein ICE, der in Recklinghausen, Osnabrück und am Bahnhof Zoo hält, nicht aber in Wolfsburg oder Spandau, muss doch wohl Glück bringen.

    Am Ende schrumpften 40 Minuten Verzögerung bei der Abfahrt auf 15 Minuten bei der Ankunft. Ich saß auf dem gebuchten Platz im gebuchten Zug, damit gilt die Fahrt als Erfolg. Zumal ich ein gutes Buch hatte: Joseph Roths Das Spinnennetz.

    Dritter Ort – ein Schafskrimi

    Sari bei der Premiere von Glennkill – ein Schafskrimi. Den Film möchte ich auch noch sehen.

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    Florian Heinz über das „Netz war nie ein dritter Ort“ – nicht unspannend. Aber „das Netz“ ist mindestens genau so unspezifisch wie „die Stadt“. Die Stadt ist auch kein dritter Ort, aber dort gibt es solche. Das Netz ist kein dritter Ort, aber dort gibt es solche. Es kommt darauf an, mehr davon zu schaffen.

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    Doppelblog-Facharztmisere. Hier in der Buddenbohm-Kafka-Interpretation:

    Aber man sieht es sofort vor sich, finde ich, wie etwa der berühmte Schlusssatz aus Kafkas „Vor dem Gesetz“ in diesem Zusammenhang ins Satirische gedreht werden kann, vielleicht am Ende eines bissigen, bösen Einakters, gesprochen von einer Arzthelferin, in der Tür des Wartezimmers lehnend: „Hier konnte niemand sonst behandelt werden, denn dieser Termin war nur für dich bestimmt. Ich gehe jetzt und vergebe ihn neu.“

  • 25-09-07 MU durch MU

    25-09-07 MU durch MU

    Das Katzenstreuwrack bekam einen Partner. Auf dem Hof steht ein zweites Auto ohne Nummernschild. Ein Kabel führt vom Mittelbau in den Motorraum des Audis. Das Auto allerdings ist mindestens zehn Jahre zu alt, um ein Elektroauto zu sein.

    Ich bin neidisch auf die Schweizer und deren WC-Enten-Briefmarke mit Zitrusreinigerduft. (via Frau Brüllen)

    (und nein, solange ich keine Post aus der Schweiz heraus verschicken muss, möchte ich sie nicht haben, sonst krempelt sie hier nur herum)

    Ich schaute Theaterprogramme durch. Das Berliner Ensemble hatte ich mich schon beim Untertitel „ein talmudisches Tingeltangel“. Als ich dann weiterlas, und entdeckte, Barrie Kosky inszeniert „Kafkas Prozess mit Musik von Bach über Schumann bis Jiddischem Vaudeville“ war ich bereit, schlimme Sachen zu machen, um eine Karte zu bekommen. Zum Glück reichte es, einfach nur zu bestellen.

    Es waren anderthalb Tage Klausururlaub in Wohnung und Freibad und ein Samstag auf den Latifundien.

    Madame kochte solidarisches Gemüsli. Ich kirschholzräucherte einen Rinderstolz-Schweinenacken und warf dazu den Zaphito-Kürbis auf den Grill. Beides sehr gut. Später schaute sie ein langes Video, in dem die Gemüslichkeit ihre Solidarische Landwirtschaft erläutert. Das klang sympathisch und erfreulich nicht-naiv. Etwas misslich allerdings: Der Haupt-Kommunikations-Kanal der Gemüslichkeit scheint Instagramm zu sein (ham‘ wa nich‘, woll’n wa nich‘), „unser“ Abholpunkt Schöneberg kommuniziert über eine Telegram-Gruppe (ham‘ wa nich‘, wolln wa nich‘).

    Drei Menschen und ein Tigerschnegel

    Das war es mit der Kabane. Das Insulanerbad hat heute seinen letzten Öffnungstag der Saison und vorher wollte der Kabanenschlüssel zurückgegeben werden. Madame und ich fuhren Donnerstagabend (27 Grad), es war überraschend voll.

    Arbeitshypothese: All‘ die Menschen, die im Mai eine 20er-Sommerkarte gekauft haben und denen jetzt auffiel, wieviel Eintritte noch drauf sind. Eine Dame vor dem Eingang versucht auch prompt, uns einen von ihren Eintritten zu verkaufen. Aber wir sind schon versorgt. Madame räumte ihre Sachen aus der Kabane. Den Schlüssel behielten wir noch.

    Denn ich wollte Freitag früh nochmal. Nachdem ich den Regenguss abgewartet hatte, begab ich moch bei bedecktem Himmel und 20 Grad Lufttemperatur, Wasser 22 Grad, ins Bad. Perfektes Freibadwetter für mich. Auf dem Weg die Treppe hinunter zum Becken sah ich drei Menschen im Wasser und einen Tigerschnegeln auf der Treppe. Trotz kalter Dusche am Beckenrand musste ich nach Wassereintritt aufpassen, nicht aus Reflex zu hyperventilieren. War frisch. Und nachdem ich dann akklimatisiert war, perfekt.

    Das Schwimmen war angemessen flüssig, ich danach angemessen k.o.. Von 1040 (Ankunft im Becken) bis 1130 (Becken verlassen) war die Zahl der Schwimmenden von drei auf sieben gestiegen. Leider hatte auch jemand den Tigerschnegel zertreten.

    Ko, ausgepowert und sehr glücklich gab ich meinen Schlüssel an der Kasse ab und bekam das Schlüsselpfand zurück. In der Hoffnung auf eine Kabane nächsten Sommer.

    Blick in einen Schwimmbad-Kabinentrakt mit orangen Türen der Umkleidekabinen (links) und orange-beigen Spinden (rechts)- Am Ende des Gangs: Ein Käfig mit Schwimmnudeln etc.

    Nun muss ich mal schauen, ob ich es die nächsten Wochen schaffe die Umwege in die kabanelosen noch offenen Bäder wie das Prinzenbad oder das Sommerbad Mariendorf zu bewältigen.

    Mikro-Ö, I hardly knew ya

    Noch allerdings muss ich bis Mitte September lernen. Noch möchte der Bachelor zwei Klausuren von mir: Mikroökonomik am Montag und Knowledge Management am 16. September. Zwei Kurse, die prinzipiell tief in meiner Wohlfühlzone liegen, denn für alles andere wäre im Bachelor-Arbeits-Semester weder Zeit noch Energie gewesen.

    Der Nachteil: Den Mikro-Ö-Kurs mag ich. Der ist schön geschrieben, trifft sehr gut die Balance zwischen Verständlichkeit, und je öfter man schaut, desto mehr inhaltliche Tiefe hat er. Selbst die Übungsaufgaben mag ich: Eine zur Wiederholung, alle anderen mit selber-Denken und Themen aus vorherigen Lektionen nochmal einbauend. Ich und dieses Modul hätten viel Spaß miteinander haben können, wenn ich es nicht über Monate ignoriert hätte.

    Zu schade, dass ich jetzt durch alles durchjage in der Hoffnung, am Montag mit Augen-zu-und-durch die nötigen 50% zu schaffen.

    Hauptproblem: Viele Formeln funktionieren nach der Devise „Teile den Wert von Gut A und Gut B“ oder „Ziehe Wert B von Wert A ab“ oder umgekehrt. Inhaltlich ist es natürlich vollkommen egal, ob A durch B geteilt wird oder B durch A – mathematisch im Ergebnis macht es aber leider einen Unterschied. Deshalb gibt es eine Konvention. Und diese Konvention kann ich nicht während der Klausur durch Logik erschließen, sondern muss sie für alle Formeln auswendig lernen.

    Zum Beispiel:

    \[MRS = -\frac{MU1}{MU2} \]

    Oder auf deutsch: Die Grenzrate der Substitution (Marginal Rate of Substitution – MRS) entspricht dem negativen Bruch aus dem Grenznutzen von Gut 1 (Marginal utility – MU) und von Gut 2. Könnte natürlich auch genau anders herum sein.

    Oder noch auf deutscher: Wenn ich schon 4 Fahrräder und keinen Elektroroller besitze, wäre ich vermutlich glücklicher wenn ich ein Fahrrad gegen einen Elektroroller tauschen könnte. Hätte ich hingegen 4 Elektroroller und kein Fahrrad wäre es vermutlich umgekehrt. Die MRS gibt an, wieviel von Gut 1 ich gegegen Gut 2 an einem bestimmten Punkt tauschen würde.

    Nebenproblem: Ich kann mir die Ableitungsregeln wie die Kettenregeln oder die Ableitung des Logarithmus partout nicht merken. Das ist jetzt ungefähr das vierte Mal im Bachelor, dass ich die für eine Klausur lerne und jedes mal fange ich von vorn an.

    Bwlquam zu Bigsi

    Spannende Selbstbeobachtung: Immer wenn ich auf Fernuni-Klausuren lerne, ist das der Zeitpunkt an dem ich mir am intensivsten Gedanken über den weiteren Verlauf des Studiums mache. Also im Moment: den Master Wirtschaftsinformatik (oder Praktische Informatik?)

    Wenn Wirtschaftsinformatik der gewählte Masterstudiengang wird, würde ich diesmal auch die Abschlussarbeit an einem WInfo-Lehrstuhl schreiben wollen. Die passgenauste Variante für mich wäre der sozialwissenschaftlich ausgerichtete Lehrstuhl Lehrstuhl für Betriebs­wirtschafts­lehre, insb. Gestaltung soziotechnischer Informationssysteme (Bigsi), oder kurz Lehrstuhl Krönung, In dessen Liste der möglicher Themen für Abschlussarbeiten könnte ich blind mit einem Finger tippen und hätte ein Thema, in dem ich mich thematisch und methodisch zu Hause fühle.

    Vor die Abschlussarbeit aber legt die Studienordnung das Seminar. Ich dachte kurz, das Seminar Menstrueller Zyklus und Arbeitsleben: Hormonelle Schwankungen und ihre Auswirkungen auf digitale Arbeit wäre was. Da würde ich immerhin etwas Neues lernen und auch auf der Arbeit kann es nicht sein, dass Männer bei dem Thema komplett ahnungslos durch die Gegend irren. Aber ach:

    Das Seminar richtet sich an weibliche Masterstudierende, die bereit sind, im Verlauf des Semesters den eigenen Menstruationszyklus zu erfassen (in Form von Tagebucheinträgen). Voraussetzung ist zudem der erfolgreiche Abschluss eines Moduls bei Prof. Dr. Julia Krönung oder Prof. Dr. Stefan Smolnik.

    Dann wohl nicht.

    Summer is on

    Wir leben ja im Einklang mit der Natur und lassen uns deshalb vor allem vom Garten sagen, welche Jahreszeit wir haben. Der Garten sagt: Sommer. So viel blüht noch und wieder. So ein Insektenauflauf an Goldrute, wildem Storchschnabel und auf den Wiesen. So viele Grashüpfer, so viele Knospen an den Rosen. So deutlich unser Bestreben, den Tag in beschatteten Bereichen zu verbringen. Der Garten ist noch im Sommermodus. Damit ist Sommer.

    Ein grüner Sommer wie seit vielen Jahren nicht mehr. Immer noch wollen die Wege regelmäßig gemäht werden, um nicht in der Wiese verloren zu gehen. Das ist neu. Wir mähten, fandeten dem Unkraut hinterher. Die Zahl der Falläpfel lies nach, dafür entdeckten wir erste Fallbirnen. Freundlicherweise streckt auch die Pflaume von der Gemeinschafts-Ausgleichsfläche ein paar Zweige mit Pflaumen auf unser Grundstück, die wir gerne miternten.

    Ich lernte in der Pergola und schaute alle halbe Stunde mal wie es dem Nacken im Grill so geht. Am späten Abend besuchte uns ein schwarzer Kater, am morgen zwei Wespen. Keine Mücken zu verzeichnen.

    Hinter der Gardine 50 Keyboards

    Die taz fuhr auch Nachtzug, von Bukarest nach Chișinău: Hinter der Gardine lockt die kühle Brise

    Mir ist es gelungen, all meine Sammelneigungen auf immaterielle Erlebnisse zu beschränken. Aber ich stelle fest, bei Keyboards könnte ich schwach werden: 50 keyboards from my collection (via onli blogging)

    Wieder immaterieller: Eine technische Geschichte von RSS.

    Acuh immateriell: UberBlogr wird 3. Ich gratuliere uns allen und Thomas ganz besonders.

    Was machst du eigentlich den ganzen Tag beruflich im Pflegeheim?