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  • 26-05-19 Die Goldglänzenden Rosenkäfer fliegen wieder

    26-05-19 Die Goldglänzenden Rosenkäfer fliegen wieder

    Eine Taube flog über das Feld, verwandelte sich in einen Turmfalken und begann zu rütteln.

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    Auf der Suche nach einem Altkleidercontainer fuhr Madame mit dem Fahrrad einen Sack alter Wäsche zum Ku’damm und zurück.

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    In der S-Bahn eine junge Frau mit stark zerrissener Jeans, Sonnenbrille, Piercings und einem Polizei-Hoodie, der samt seinen Wappen überraschend offiziell aussah. Entweder die bestgetarnte oder die schlechtestgetarnte Zivilpolizistin meines Lebens.
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    Im Garten las ich alte Blogposts, stellte fest, dass die Natur die letzten Jahre zu diesem Zeitpunkt immer weiter war (und oftmals noch trockener), dass mein Alternaria-Allergie-Antritts-Termin gar nicht im Juni liegt, sondern eher Mitte Mai und dass die Arbeitswoche vor Pfingsten immer unerfreulich war.
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    Es war ein Rest Grünwochenende und ein Arbeitstag mit Schwarz-Weiß-Abschluss

    Falls die Person mitliest: Wir suchen die Schenker*innen des Mattei Cap Corse – der ist fein

    Es begann mit fehlenden Kabeln. Zum Samstagabend wollten wir endlich den Gartenbeamer einweihen, der seit mehreren Jahren ein Leben in Schränken und Kisten führt. Aber schnell fiel uns wieder auf, warum er so ein Schattendasein führte:

    Der Beamer war damals fortschrittlich für eine Zukunft gebaut worden, die so nie kam. Sein Betriebsmodus ist kabelloses Screensharing bzw. Chromecast – ein Verfahren bei dem 2026 sämtliche Streamer und Mediatheken (selbst Filmfriend, selbst die ARD mit dem ESC) sofort aus Kopierschutzgründen das Streamen abbrechen. Die Alternative ist „Videoübertragung per USB-C“ – auch ein Technikstandard, der sie nie durchsetzte.

    Unser Abend also setzte sich also ohne Beamer fort, aber dafür mit einer Großbestellung an Adaptern und Kabeln. Wir werden die gescheiterte Zukunft ja wohl besiegen.

    Der Beamer kam zurück in die Kiste. Wir griffen stattdessen in das Regal und zogen den vollanalogen Mattei Cap Corse heraus, der sich auf der Einzugsparty, vermutlich als Gastgeschenk, in den Haushalt schlich, füllten ihn mit Tonic und Zitronentzesten auf und schauten auf dem Laptopmonitor Teile des ESCs. Als wir am nächsten Morgen das Ergebnis mitbekamen waren wir einig: Der Barangaranga-Sieg1 war verdient. Das muss ja wohl ein Dancefloor-Crasher dieses Sommers werden.

    Vor dem Duke-of-Cambridge war das Rosentriebbohrer-Sprühzeug aus

    Frühstück auf der Terrasse im Schlafanzug aber mit Strohhut. Ich glaube das war der Stil Adelsverwahrlosung. (Auch wenn der verwahrloste Adel im Allgemeinen edlere Schlafanzüge trägt als ich, der Strohhut hat das wieder rausgerissen.)

    Ein Admiral flog vorbei. Die Sonnentage lockten sämtliche Insekten, die die Latifundien zur Zeit zu bieten haben, hervor. Miniaturschmetterlinge in braun, schwarz, orange und gelb; Goldglänzende Rosenkäfer und Trauer-Rosenkäfer, die wir vor allem betrunken torkelnd in Rosen- und Abelienblüten kennen, müssen aktuell mangels Rosen- und Abelienblüten noch mit den ersten Skabiosen vorlieb nehmen. Sie wirken deutlich koordinierter als sonst.

    Die erste Pfingsrosenblüte behauptete seit Freitag sich gleich sofort öffnen zu wollen, ohne es je zu machen.

    Luft und Licht liefen zur herrlichsten Frühsommerform auf.

    Madame, die den Gesang der Dorngrasmücke inzwischen auch spontan ohne App erkennt, wies mich in den Vogel ein und so konnte ich ihn auch sehen. Halt braun und sehr klein.

    Und ob mein Körper gerade begann vom Wochenend- in den Urlaubsmodus zu schalten, ob es Allergiedingsnebenwirkungen waren, ob das es komische Wetter war, das irgendwie gleichzeitig zu kalt, perfekt und zu warm war, meine Güte war ich erschöpft, freute mich an Tieren und Pflanzen, die aus der Ferne leuchteten und widmete mich dem Gartentischbestiarium.

    Nach Käsejalapenobratwurst und Zitronenkohlrabi fuhren wir rechtzeitig nach Wilmersdorf für erfolgreiche Entmarderung (Auto) bzw. Entwuschelung (ich).

    Vielleicht setze ich mich auch nur mal einen Nachmittag und Abend ins Foyer und schaue Leute

    In der U-Bahn: „nuschelruschelnuschelngrrss Weichenstörung nuschelruschelnuschelknörz“ Diese Art der Ansagen fehlt mir schon sehr, seit die BVG alles von professionellen Sprecher*innen einsprechen und von Band abspielen lässt.

    Die U2 aber öffnete kurz ein Fenster in die Vergangenheit, bevor sie uns weiter Richtung Mitte brachte.

    Wir waren bis zum Alex gefahren, ich hatte mich dort wie es sich gehört leicht verlaufen, um dann schließlich Richtung Strausberger Platz unter den Platanen2 im Schatten zum Kino zu wandeln.

    Kurz vor dem Kino am verlassenen Laden: Ein Obdachlosencamp. Erstaunlich offensiv gelegen, mitten an der Prachtstraße. Erst beim Näherkommen fiel mir auf, dass der verlassene Laden ein Luxus-Campinggeschäft ist und das Obdachlosencamp seine Bürgersteig-Zeltausstellung.

    Von dort aus konnte ich schon das große Sandra-Hüller-Plakat am Kino sehen, das den Film Rose3 ankündigte.

    Der Weg führte fast auf die Bezirksgrenze Mitte/Friedrichshain in das frisch renovierte Kino International. Das ehemalige DDR-Premierenkino, eine Ikone der Ostmoderne, mit dem vielleicht schicksten Foyer der Yorck-Kinos, ist heute ein Programmkino deluxe. Es lief leiser brasilianischer Bar-Jazz, der mich an dota erinnerte, insbesondere als ein portugiesischer Text mehrfach das deutsch gesungene Wort „Elisabeth“ umspielte.

    Suzanna sang für Rose, Suzanna sang für sich

    Es war ein Film, bei dem ich zögerte. Zu Schwarz-Weiß schien mir die Vorschau, zu sehr „wir machen einen ernsthaften Film über Gender“, zu eindeutig in seiner Aussage, wenig ambivalenzambitioniert.

    Andererseits sprachen gleich zwei Frauen dafür, ihn zu sehen: Madame wollte Rose sehen. Und bei Hauptdarstellerin Sandra Hüller habe ich nicht nur großes Vertrauen in ihre Schauspielerei, sondern auch in ihre Filmauswahl.

    Of course, they were right. Ich war währenddessen angetan, und mit zeitlichem Abstand vergrößert sich die Begeisterung: ein Film zum dauerhaft-im-Herzen tragen.

    The Basics

    Rose ist ein Film, der von einem Österreicher im Harz gedreht wurde, 2026 erst auf der Berlinale einen Preis für die beste Schauspielerin gewann und dann in die Kinos kam.

    Es geht um Rose (Sandra Hüller), die als Soldat aus dem 30jährigen Krieg zurückkehrt, als Mann das Erbe eines Hofes antritt, dort prosperiert. Sie heiratet als Mann Suzanna (Caro Braun), die Tochter des benachbarten Großbauern. Diese bekommt ein Kind. Durch einen medizinischen Notfall fliegt die Geschichte auf. Rose stirbt durch das Schwert, Suzanne im Sack im Fluss.

    Es gab einigen Knatsch, weil der Film auf mehreren Quellen beruht, insbesondere einem Buch von Angela Steidele. Es übernimmt sie aber nicht. sondern führt bedeutsame Änderungen ein, wie vor allem dass die Buch-Rose ihre Männlichkeit samt Sex voll auslebte, in heutigen Worten vermutlich ein Transmann war, die Film-Rose aber in „die Hose schlüpft, um etwas mehr Freiheit zu haben“ – das ist schon eine starke Änderung. In anderen Worten: Die Handlung wurde entqueert.

    Je mehr ich aber den Film sah, desto weniger konnte ich die Kritik nachvollziehen. Das Buch erzählt die Geschichte einer bestimmten Person. Der Film ist eine artifizielle Meditation über Geschlecht und Frauenrollen, durchgeführt an zwei Personen.

    Freiheit durch Kontrolle

    Der Film war in einer Ästhetik, die mich extrem an Tarkowskis Serkalo/Der Spiegel erinnerte, den ich schon im Januar liebte; ähnlich wirklich-unwirklich, durch Künstlichkeit ins emotionale Herz treffend. Die Erzählstimme, die Bildgestaltung, die mal Film sagte, mal Theater, mal Klassikergemälde, und natürlich das Aufgehen von Mensch und Haus in der umgebenden Natur; vermutlich ein glücklicher Zufall, aber als Rose allein durch das verwilderte Feld lief, über ihr ein rüttelnder Falke, der sehr nach der-war-beim-Drehen-wirklich-da aussah: Marvellous.

    Und ach, allein über die Musik werden Abschlussarbeiten geschrieben werden.

    Aber am Ende waren es zwei Menschen:

    Sandra Hüller spielt eine Frau, die vorgibt ein Mann zu sein. Sie spielt zu spielen, und das ist wohl der Punkt, den sie selber spannend fand. Es ist faszinierend zu sehen, wie begrenzt sie spielt, wie kontrolliert, ausdruckslos; sowieso im begrenzteren Ausdrucksrepertoire, das Männern im Normfallfall zu Verfügung steht, hier noch einmal eingeschränkt durch die Vorsicht, nur ja nicht zu expressiv, zu „weiblich“ zu wirken. Der Mann, eingezwängt in dichte Kleidung, fast schon in Starre spielend.

    Wie faszinierend zum Ende hin, nach der Enttarnung, die Rose „als sie selbst“ zu sehen. Immer noch ein Mensch, gezeichnet vom Krieg, trainiert darauf keine Emotionen zu zeigen, und doch so anders als vorher.

    Wie faszinierend Roses Partnerin Suzanna, vorgestellt als „sittsame Frau, in allen weiblichen Belangen kompetent“, gedrängt in eine Ehe mit einem hergelaufenen Krieger. Wie sie auf ihre eigene Art verschlossen und starr ist.

    Wie Suzanna singt, kurz nach der Hochzeit für Rose, fast unmelodiös, schleppend, aus ihrem eigenen Lied fallend. Wie froh und laut sie später singt, als sie verkündet, Schwanger zu sein. Wie sehr der Wandel von in-eine-gezwängter-Frau zu ihre-Rolle-findender-Frau zu Co-Verschwörerin-von-Rose sie immer größer und lebendiger werden lässt.

    Je mehr und je länger ich über Rose nachdenke, desto lieber mag ich den Film.

    Links

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    Cannes – dies und das vom Filmfestival

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    Frau Herzbruch auf Curaçao Teil 7 und Teil 8 und Teil 9.

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    See me fascinated. In diesem Garten läuft alles 180 Grad anders als es mir für unseren eigenen vorstellen kann. Aber um so interessierter lese ich: Ich weiss ja, was alles ansteht (einen Baum wieder ausgraben und höher einsetzen, dafür muss der Rasen aufgeschnitten und wieder zugeklebt werden

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    Alle unsere Baltikumsausflüge scheinen über Travemünde zu führen. Um so spannender zu lesen, wenn jemand dort sogar übernachtet: Travemünde – mit der Fähre zum Frühstück

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    Es gäbe in japanischen Schwimmbädern — die recht seicht sind — eigene Spuren für Aquawalking, das unter älteren Menschen sehr populär wäre, sagt A.

    Notat

    ~ Zugänge: T-Shirt (weiß, Segelboote) und T-Shirt (sand)
    ~ Zugangsnachtrag: Defektes Schlafzimmerradio (Bungalow) ersetzt
    ~ Autogas getankt für 1,19€
    ~ Getestet: Imren-Döner (Hauptstraße) wiederholenswert

    Anmerkungen

    1. Ich liebe, dass sie einerseits selbst im Sieg noch soviel Dance-Choreo hinbekommen und andererseits mega-ausgelassen dabei wirken. Zurecht gewonnen, sag ich ja. ↩︎
    2. Speaking figuratevly, ich hab ehrlich gesagt überhaupt nicht darauf geachtet, welche Bäume mir Schatten spenden ↩︎
    3. Yorck Unlimted No. 25 – damit 9,52€ pro Besuch. ↩︎
  • 26-04-30 Debussy!

    26-04-30 Debussy!

    Eine Krähe knackte die Herausforderung des hängenden Meisenknödels. Sie wickelte das Band mehrfach um einen Ast. Jetzt liegt der Knödel halb auf dem Holz. Sie kann den Knödel, auf dem Ast sitzend, verzehren.

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    Das Piano in der Südkreuz-Eingangshalle scheint Klavierfestival-inspiriert. Das Klavier spielte hörbar ein anspruchsvolles Programm. Auch wenn es die Pianierperson ebenso hörbar an ihre Grenzen brachte.

    Derweil leistete ich IT-Support auf der großen Treppe im Südkreuz. Fast wunderte mich, dass es so lange dauerte, bis die Situation kam. Wenn auch alle Kolleg*innen denselben Anfahrtsweg ins Büro haben.

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    Der Fahrradmeister und ich fanden eine Einigung, welches neues Fahrrad ich bestellen darf. Diskussionsbedürftig war die Farbgebung lichtblau dormant. Ich finde, dass ein Fahrrad, das im Schwimmbad wohnen wird, gerne auch schwimmbadfarbig sein darf.

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    Auf dem Weg zum Fahrradmeister kamen wir an der alten Wohnung vorbei. Es kleben neue Namen auf der Klingel, in der Wohnung hängen Vorhänge. Die Fensterrahmen sehen weiterhin so aus, als wären sie in einem Zustand wie Buckelwal Timmy. Anscheinend fand keine Grundrenovierung statt. Was bei dem Zustand der Wohnung mutig wäre.

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    Es waren drei Arbeitstage mit Wolpe-Rachmaninoff-Intermezzo.

    Von Stadtmitte nach Südwest

    Unsere neue Wohnung liegt nicht weit entfernt von der alten. Dennoch ändern sich die ganzen Wege erstaunlich umfassend. Während die Schöneberger Wohnung exzellent an mehrere Buslinien im 5-Minuten-Takt angeschlossen war, liegt die neue direkt am U-Bahn-Netz. Ich bin vermutlich in den letzten fünf Monaten mehr U-Bahn gefahren als in den 17 Jahren zuvor. Nur die S-Bahn bleibt.

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    Mir gegenüber in der Bahn, aufgereiht auf einer Bank; Fünf Frauen von 18 bis 70, von abgekämpfter Alltagskleidung bis Sektempfang. Alle sind mit dem Handy beschäftigt; swipend, tippend, lesend, Sprachnachrichten sprechend. Ein Bild, gleichzeitig so lebendig und so klischee: mensch hätte die Bank komplettemang auf eine Theaterbühne beamen können und die fünf einen gemeinsamen Song singen lassen können.

    *

    In der S-Bahn höhe Yorckstraße, Stimme aus dem Off:

    Irres Lachen

    (20 Sekunden Pause)

    „Arschgeweih, Dicker“

    (20 Sekunden Pause)

    Irres Lachen

    (2 Minuten Pause)

    „Ich hör dir zu!“

    *

    Der sehr junge Mann, „Milchbubi“ wäre despektierlich, mit wildem Schnauz und einem Outfit als wäre er direkt dem Easy-Rider-Filmset entstiegen.

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    Am Heidelberger Platz, drei Abiturientinnen über eine Vierte: „Sie wird halt oft missverstanden, weil sie so redet wie Lehrer. Sie kann halt noch nicht richtig deutsch.“

    Was einerseits eine absurde Aussage ist, andererseits total stimmig.


    Hamelin!

    Einer von Madames neuen Klavier-Ultra-Freunden meinte, den Pianisten Cheng Zhang im Publikum gesehen zu haben. Vielleicht war es der Herr mit tief sitzendem Basecap und hochgeschlagener Trainingsjacke tatsächlich.

    Aber angesichts der Sichtung, und angesichts der ziemlich technisch klingenden Pausengesprächsfetzenverwehungen, fiel mir auf, dass vermutlich wirklich der ein oder andere professionelle Musiker im Publikum sitzen wird. Das Berliner Klavierfestival ist schon ein wenig eine Veranstaltung von Pianists-Pianisten, also Pianisten, die von anderen Pianisten gehört werden; und vielleicht bei niemand so sehr wie bei Marc-André Hamelin.

    Denn selbst angesichts der hochkarätigen Besetzung der letzten Tage, hat Hamelin den Ruf noch einen Tick virtuoser und noch müheloser zu spielen. Wenn Hough den Anschein erweckt, das Klavier bald nur mit der Kraft seiner Gedanken spielen zu können, erweckt Hamelin den Anschein, das Klavier würde von alleine anfangen, wenn Hamelin mal kurz gedanklich vorbeihuscht.

    Tatsächlich begann er schon mit dem Spielen als er noch halb dabei war, sich hinzusetzen. „Schwebende Leichtigkeit“ schrieb ich beim letzten Hamelin-Konzert. Ich möchte noch Klarheit ergänzen, so sehr hatte ich immer das Gefühl niemals nur „Klang“ wahrzunehmen, sondern immer jeden einzelnen Ton.

    Sein erstes Wort des Abends kam, wie schon 2024, direkt vor der ersten Zugabe. 2024 sagte er „Prokofiev!“, dieses Jahr „Debussy!“.

    Hough war Perfektion, Hamelin wäre Perfektion in einer Welt, die ein ganzes Stück schräger und entrückter wäre, als sie es gerade ist.

    Schräg und entrückt war auch das Programm. Ich fühlte mich ein wenig wie an einem Bergtag der Tour-de-France. Einrollen mit Haydn, ein leichtes Kopfsteinpflaster mit Frank Zappa, der steile Aufstieg mit Wolpes Passacaglia (Zwölfonmusik!)1, 2,3 auf dem Gipfel mit John Oswalds crazy Stück Tip (ein 10-Minuten-Stück „plunderphonics“-Stück, in dem 40 Jazz- Pop- und Klassik-Klassiker zitiert werden), um dann mit Medtner (Improvisation Nr. 1, Danza festiva) Schwung holend, mit Rachmaninoff mit Tempo den Berg wieder hinunter zu pianieren und mit der Zugabe („Debussy!“ / Judy-and-Punch-Show) mit erhobenen Armen und offenen Haaren ins Ziel rollern.

    Wie auch bei der Tour de France: Der Anstieg ist das Beste.

    Fiebertraum mehr Persönlichkeit

    Poupoulab beim Klavierfestival: Berliner Klavierfestival 2026. Stephen Hough

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    Service: der Fusskiesel kieselt ab jetzt unter https://blog.kieselwiese.de, siehe Neues Blog

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    Anscheinend hat niemand den Post verlinkt. Das geht nicht. Wegen des großen Erfolgs meiner kleinen Antwort auf die Frage, ob kranke Menschen immer über ihre Krankheit sprechen müssen vor ein paar Tagen … schreibe ich diesen kleinen Konzertbericht mal mit allen Widrigkeiten, bei denen ich mir Mühe geben musste.

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    Been there, done that: Zwei Tage nachdem ich den Rasenmäher bestellt hatte, konnte ich 22 Tabs in meinem Browser schließen. Produktvergleiche, Produktdokumentationen, Baumarktseiten, Bewertungen, Fachforen, Fanforen. Der Blick auf die noch offenen Tabs fühlte sich an, wie ein Blick in eine fiebrige Vergangenheit.

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    Das einzige wofür KI gut taugt, ist Entertainment: Curly quotes

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    Passend dazu: Ich habe den Haselanten letztens gefragt, ob ein bestimmter Blog-Text mit KI geschrieben ist. Antwort (im Auszug):

    „Besonders KI-verdächtig sind die Passagen, die generisch klingen wie zum Beispiel: „Mein Weg in der KI-Ära heißt: Mehr Mensch, mehr Persönlichkeit, mehr Wir.“

    Anmerkungen

    1. Wer spontan noch etwas Musikwissenschaft dazu lesen möchte: Bei der Stefan Wolpe Society (nach Passacaglia for Orchestra, op. 23. suchen). ↩︎
    2. Was den Youtube-Kommentaren auffällt: Er spielt mit Noten. Was er den Kommentaren, und auch meiner Beobachtung nach, nie macht. Nicht mal bei dem sonstigesn crazy stuff, den er im Programm hat. ↩︎
    3. Dazu passt der Satz aus der Wolpe-Society: Wolpe dedicated the “Passacaglia” to Edward Steuermann, a student of Busoni. Since no such virtuoso was then available in Palestine, he arranged the work for two pianos. ↩︎

  • 26-04-28 Jubilate Supercalifragilisticexpialidoso

    26-04-28 Jubilate Supercalifragilisticexpialidoso

    Aufwachen mit Sonne im Schlafzimmer; es ist auch in dieser Wohnung möglich. Am Bahnsteig eine sanft wippende Frau mit Überohr-Kopfhörern, die sich mit geschlossenen Augen der Sonne entgegenstreckte. Wo auch immer sie innerlich war, ich wäre auch gern an diesem Ort gewesen.

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    Madame war beim Konzert einer abhebenden Rhythmusgöttin in Tüllwolke. Da das Berliner Klavierfestival gerade Konzerte in einer Frequenz in unser Leben wirft, hinter der ich nicht hinterherbloggen kann, verweise ich auf poupoulab: Berliner Klavierfestival 2026. Sophia Liu

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    Madame brachte vom Osteuropa-Wunderland ein neues Experimentalgetränk mit: Rjaschenka. Eventuell ernähre ich mich in Zukunft nur noch davon.

    Immerhin können wir die Rjaschenka auch im Crocky selber machen: Homemade Slow Cooker Ryazhenka: A Nutritious Fermented Milk Drink

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    Der Puschefluffel fluffelt ab. Als Ausgleich dürfen wir derzeit über einen rosa Blütenteppich das Haus verlassen. Wenn Zugluft und Wind richtig stehen, haben wir ein kleines Blütenblattmeer im Treppenhaus.

    Als Nachfolgerin legt die Strauch-Lonicera los, auch in rosa. So spannend, diesen Parkplatz-Garten das erste Mal durch die Jahreszeiten zu beobachten.

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    Die Fernuni-Klausur Digitale Diversität ist bestanden. Die Note ist spektakulär schlecht. Aber der vorherige Arbeitsaufwand war auch spektakulär gering. Insofern erreichte ich das Semesterziel, das lautete: „Mit minimalem Aufwand bestehen.“ Hätte ich noch weniger Aufwand getrieben, wäre ich durchgefallen.

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    Es war ein theologischer Sonntag und ein erklärbärig-konzertanter Montag.

    Jubilate Deo, omnis terra

    Die Vaterunser-Gemeinde hatte zu, Gottesdienst Jubilate1 einen Jazz-Gottesdienst versprochen. Wir nutzten den unlatifundalen Sonntagmorgen, um in unserer Wilmersdorfer Gemeinde vorbeizuschauen. Angesichts der Ankündigung

    • erwartete Madame etwas Künstlerisches, Freejazziges frei Schwebendes
    • ich erwartete eine nicht-singende Gemeinde ohne Organist*in, bei der dann halt Manni aus dem Gemeindekirchenrat rumtröten muss, damit überhaupt Musik da ist

    Wir lagen beide falsch. Uns erwartete eine vier-Personen-Band aus Bass, Banjo, Posaune und winzigen Sopran-Saxophon, die im Laufe des Gottesdienstes fünf Dixieland-Kracher aufführte. Wie wir später erfuhren, sind die Bandmitglieder alle Ü75, wurden einst von einem schon lange nach Bayern gezogenen Temporärpfarrer in die Gemeinde gebracht, und insbesondere die Saxophonistin war auch musikalisch eine echte Wucht.

    What a show.

    Alle bekannten Anwesenden (= alle außer wir) wurden mit „Moin“ begrüßt, wir nicht ganz so informell, aber ähnlich herzlich, die Stimmung war im besten Sinne familiär, und beim anschließenden Kirchenkaffee wurden wir schon dreiviertel in die Familie integriert, mussten aufpassen uns nicht gleich im Überschwang der Gefühle zur Tanzgruppe Feuer und Flamme zu verpflichten.

    Württemberg ist nicht Berlin

    Der Sekt musste weg. Durch Bewegungen des Lebens fanden sich in unserem Kühlschrank noch fünf Flaschen Sekt. Da wir alleine zu zweit quasi nie Sekt trinken, und wir bei Besuch, der fünf gekühlte Sektflaschen gleichzeitig nötig machen, normalerweise Vorwarnzeit haben, waren die Flaschen fehl.

    Also gab es als Aperitif zum Besuch von Dr. D. und Dr. E. Pseudo-Kir-Royal mit Madames Sloe Gin und Sekt. Danach:

    • Best of Wilmersdorfer Osteuropa-Geschäft: Zweierlei vom Räucherfisch plus eingelegte Tomaten und grünen Salat.
    • Best of Latifundien: Spargelcremesuppe aus Spargel vom Hof und Croutons
    • Rhabarberauflauf

    Die Gespräche nahmen die übliche weite Runde, die mit diesen beiden immer zustande kommt: Vom Spaghetti-Eis 1988 im City Center Langenhagen über Bahnreisen in Marokko (empfehlenswert) und die Frage „Wie relevant ist Homosexualität beim Thema ‚Die-Bibel-zur-Diakonie’“?

    Einst wollte der Bezirk Wedding nicht mit dem Prenzlauer Berg zusammengehen, weil der Prenzlberg zu arm war

    Entdeckung: Pizza Kral in der U-Bahn-Unterführung Osloer Straße ist ein toller Laden für handgemachte orientalische Teigtaschen und Teiggerichte aller Art. Im Hintergrund kneteten, schoben und formten zwei junge Männer Pide, Börek, Lahmacun, Pizza und alles was das Herz begehrt, vorne verkaufte eine Frau, die die Großmutter der beiden sein könnte.

    Leider bin ich viel zu selten im Gesundbrunnen. Aber falls ich wieder dort bin, werde ich mir den erlesenen Ort am unwirtlichen Platz merken.

    Eine Gelegenheit endlich mal wieder in den Wedding zu kommen, bot meine derzeitige Teilzeittätigkeit als Digital-Erklärbär im Kombibad Seestraße2. Das Bad und mit ihm ziemlich viele Auszubildende hatten Fortbildungstag. Im Rahmen eines umfassenden Programms gewann ich den Slot „digitale Dateiablage und andere sexy Themen“ und ich glaube, die live-Evakuierungsübung „Chlorgasalarm“ war nur fast so spannend wie die digitale Dateiablage.

    Ich persönlich habe immerhin viel gelernt.

    Auch gelernt: in 18 Jahren Berlin war ich nie am Ort an dem die Mauer fiel, der Bornholmer Brücke. Auch dies ist jetzt nachgeholt.

    Habe ich es je bei einem Konzert erlebt, dass der Künstler bereits zur Pause mehrfach wieder auf die Bühne geklatscht wurde?

    In der U2, uns gegenüber zwei Frauen im festlichen aber ernsthaften Schwarz. Eine regte sich furchtbar auf, weil jemand anderes sich auf Facebook aufgeregt hatte, weil ein „falsches“ Stück gespielt worden war.

    Wollten sie etwas dahin wo wir auch hinwollten?

    Als sie mit uns die U-Bahn verließen und über den Gendarmenmarkt Richtung Konzerthaus strömten, war es klar: Ja.

    Madame nahm mich zu ihren neuen Freunden vom (räumlich) linken Rand des kleinen Saals im Konzerthaus mit. Noch tauschten sie keine Telefonnummern, aber nach vier Klavierkonzerten in fast identischer Publikumskonstellation waren sie kurz davor.

    Dieses begeistert musik-nerd-hafte beim Festival ist auch dieses Jahr eine große Show. Eine wunderbare Mischung aus wunderbaren Männern, die uns erzählen wie sie während Corona viele Sonaten durchgehört haben und der Frau im gehobenen Business-Dress, die mir entgegenkam, wie sie Bier aus der Flasche trank.

    In der Pause: Professor Transformation.

    Laut dem Economist ein Universalgenie

    Es spielte Stephen Hough, Commander of the British Empire, MacArthur Fellow, Fellow in Oxford und Cambridge, zum Ritter geschlagen. Das Konzert wäre eine Ansage gewesen, hätte Hough es noch nötig, Ansagen zu machen.

    Das war der Standard an dem sich alle anderen abarbeiten können. Ruhig, wo es ruhig gehört, atemberaubend schnell, wo es schnell gehört, immer in einer Lautstärke und zu einem Zeitpunkt, an dem ich dachte: Genauso ist es richtig und nicht anders.

    Andere mögen besonder schnell sein, oder besonders virtuos oder klangmächtig oder rhythmisch. Bei ihm hatte ich den Eindruck, er spielt einfach so wie es richtig ist.

    Dabei spielte er in einer Bewegungsökonomie, die mich denken ließ: „Noch ein paar Jahre, und er muss die Hände gar nicht mehr bewegen, dann reicht reine Gedankenkraft“

    Wo sich für mich alles am richtig richtigsten war: Im ersten Teil seine Brahms-Schönberg-Zusammenziehung3. Im zweiten Teil wurde er verspielter mit Schumanns Carnaval und eigenen Arrangements von Mary Poppins.

    Bei aller Souveränität, die er ausstrahlte, eigentlich scheint Hough ein humorvolles Spielkind zu sein. Hätte er nicht diese Seite in sich, könnte er diese Version von Supercalifragilisticoespialidoso weder komponiert/arrangiert haben und sie auch nicht spielen4.

    Und das war nichtmal die Zugabe.

    Immer etwas schönes vorhaben und ein Klavierarrangement

    Ich bin nicht überrascht, dass Stephen Hough einst bloggte. Zum Beispiel über die Toiletten in Singapur (hier bei Minute 1:48)

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    Ähnlich und auch nicht: Arztbesuche in Japan.

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    Ich muss noch ein wenig bei Hough bleiben, denn Youtube bietet auch sein „My Favoourite Things“ (bekannt aus The Sound of Music) Arrangement.

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    Regenwasserrückhaltebeckenfolienverlegung – als Blogpost noch besser denn als Wort.

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    Vor langer Zeit habe ich mich ja entschieden, dass meine Neigung und berufliche Perspektive nicht darin liegt, Neues zu erschaffen, sondern darin Bestehendes zu erhalten, zu verbessern und zugänglicher zu machen.

    Einerseits sehe ich wie sehr KI gerade in Tech-Berufen Kohorten von Software-Entwicklern in die Arbeitslosigkeit stürzt. Andererseits denke ich: Meine Güte, ich häuft gerade alle so viel technische Schuld und so unübersichtliche Systeme an. Wer in der Lage ist, sich in den AI-Slop hinein zu denken und die echten Fehler zu finden – vor dem liegt in ein paar Jahren eine goldene Zukunft. Beweisstück Nr. ziemlich viele: Do I belong in tech anymore?

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    „Immer etwas Schönes vorhaben und etwas Leckeres zu essen.“

    Anmerkungen

    1. Im Kirchenjahr der dritte Sonntag nach Ostern, benannt nach dem liturgischen Vers des Tages, Psalm 66,1: „Jubilate Deo, omnis terra“. ↩︎
    2. Das zum 1. Mai, also in drei Tagen, die Freibadsaison eröffnet. Hingehtipp, die sind da super. ↩︎
    3. Brahms: Klavierstück es-Moll op. 118 No. 6 Intermezzo & Arnold Schönberg: Sechs kleine Klavierstücke ↩︎
    4. Youtube denkt mit und brachte mir direkt danach Beethovens Waldstein-Sonate, auch Teil des Konzertprogramms, die ich in Teilen direkt bei Supercalifragilisticexpialidoso hören lässt. ↩︎

  • 25-11-18 Pain au chocolat mit Meise

    25-11-18 Pain au chocolat mit Meise

    Im Schrank ein Karton mit 200 Versandtaschen. Der war überraschend.

    Die Bratsche ist bereits in Wilmersdorf. Sherry, Brandy und Whiskey werden zeitnah folgen.

    Uns verließen viele – also mehrere hundert – Bücher.

    Und es fühlt sich gut an. Denn in den zweiten Regalreihen und unter den Stapeln tauchten lauter Favoriten wieder auf. Derzeit denke ich bei fast jedem von „meinem“ Büchern im Regal – dieses Buch würde ich sofort gerne und mit Gewinn nochmal lesen. Der aktuelle Zustand unseres Bücherregals macht mich sehr happy.

    Mein kurzer Arbeitsweg streift Cheruskerpark und Euref-Gelände. Heute war dort viel Polizei, also sehr viel. Auf dem Nachhauseweg war alles voller Taxis. Ich dachte schon, ach gott, was hier los, so viele wichtige Menschen offenbar. Und siehe da, ich hatte zweimal den Summit of European Digital Sovereignty passiert. Bei einer Teilnehmerliste mit Friedrich Merz, Emmanuel Macron, Bundesdigitalminister Dr. Karsten Wildberger, Frankreichs Digitalministerin Anne Le Hénanff, EU-Vizepräsidentin Henna Virkkunen sowie Digitalministerinnen und -minister aus 23 EU-Mitgliedstaaten weiß ich dann auch, warum die Polizei so zahlreich meinen üblichen Spazierpark bewachte.

    Etwa 100 Meter vom Eingang zum Euref-Gelände entfernt sucht die Polizei Zeugen eines Drive-by-Shootings vor Ort. Ich würde nie behaupten, hier einen Mangel an Abwechslung zu haben.

    Abwechslung bringt auch der Hallodri-Plan im Schöneberger Haus ein ordentlich bürgerliches Haus zu suggerieren, indem die Hoftür seit neuestem abgeschlossen wird. Leider stoppt das geschlossene Tür auch die BSR – und nichts suggeriert so erfolgreich bürgerliche Ordnung, wie Hinterhofcontainer, die vor Müll in alle Richtungen überquellen, weil sie niemand mehr leeren kann.

    Das ist nicht mehr lange unser Problem.

    Madame erhöhte die Zahl der Buchstaben in diesem Haushalt. Während ich letztens das B.Sc. hinter meinem Namen erkämpfte (aber noch nicht formal tragen darf), darf Madame ein O mehr vor dem Namen tragen. Sie ist jetzt ORR (Oberregierungsrätin) Madame, M.A.

    Zeitverwerfungen

    Zustand: Ich muss mir mehrmals täglich bewusst sagen: „Heute ist Dienstag. Das bedeutet, gestern war Montag. Morgen ist Mittwoch. Heute ist Dienstag.“ Denn eigentlich funktioniert mein Hirn gerade nur mit dem Tunnelblick Umzug und zählt Tage danach.

    Es ist übrigens T-15. Dann geht es endgültig auf nach Wilmersdorf.

    Eigentlich will mein Hirn nur funktionieren nach „Heute ist Küchenrest-kommt“, „Morgen ist Umzugsunternehmen kommt schauen.“, „Übermorgen ist Küchenbauer kommen“, „Den Tag danach ist Ummelden-im-Bürgeramt“. Alles was nicht in dieser Schiene hängt, bedarf extra Aufmerksamkeit und bewusster Steuerung, um durchzudringen.

    Insofern war es nicht schlecht, dass wir heute Teammeeting hatte, und ich bewusst darüber nachdenken musste, was eigentlich letzte Woche in der Arbeitszeit passierte.

    Aber erstmal fange ich mit dem Tunnel an.

    Noch 6 Stopps dann da

    Sie haben es geschafft. Die letzten zehn Einzelteile Küche kamen an.

    Die IKEA/Rhenus-Livetracker-Lieferanzeige ist ein Witz. Entgegen aller Absprachen und vielfach hinterlassener Telefonnummern, rief auch niemand an. Aber der dienstägliche Küchenauslieferfahrer war fitter als derjenige vom letzten Donnerstag, und fand den Schwimmbadeingang – und damit auch unsere Wohnung.

    Halleluja!

    Alle Teile sind (vermutlich) angekommen, die Küchenbauer dürfen bauen.

    Und weil es so schön war, standen dann noch die Klempner vor der Tür, „sie wären eh grad im Gebäude und wollten mal schauen, ob sie jetzt den Boiler anschließen können.“

    Halleluja!

    Handwerker, die von der Hausverwaltung geschickt werden, und dann selber kommen, weil sie eh grad im Gebäude sind. Ein komplett unbekanntes Phänomen in den letzten 17 Jahren Berlin.

    Halleluja!

    Mittlerweile entdeckte ich auch, dass Service&more gar nicht der generische Claim der Küchenbauer ist, sondern ihr Firmenname. Seitdem weiß ich wo sie wohnen, und unter welcher Telefonnummer ihr Büro erreichbar ist – und auch das erleichtert unser Leben.

    Halleluja!

    Fast schade, dass wir keine weitere Küche benötigen. Ich glaube, mit Service&more eine Küche von Anfang an zu planen und bauen zu lassen, würde richtig Spaß machen.

    Die Wohnung sparkt Joy

    Warten auf und Betreuung von Lieferdiensten und Handwerkern bewegte uns vielfach in die Wilmersdorfer Wohnung. Auch wenn Madame dankenswerterweise einen Großteil dieser Aufgaben übernahm, fuhr ich auch nach Wilmersdorf, sofern mein Arbeitgeber erlaubte.

    Da die üblichen Verdächtigen gerne ein Ankommen „ab 7“ ankündigen, fuhren wir dementsprechend früh. Und da dachten wir, wir können ja auch dort frühstücken, uns an der S-Bahn ein Pain au chocolat kaufen und dann wenigstens nett warten.

    Wie nett! Die Wohnung liegt in der Innenstadt. Theoretisch sehen wir auf einen Parkplatz. Praktisch fühlt es sich an, als würden wir einen Park betrachten, so grün ist das alles. Im Baum direkt vor dem Fenster kommen Meisen, abends läuft der Fuchs vorbei. Ein großer Fortschritt gegenüber den Schöneberger Randaletauben.

    Mit 10-Meter-Turm in der Halle. So wow.

    Denkwürdig war dann doch, dass ich mal Ausgang bekam. Normalerweise arbeite ich ja für Schwimmbäder, aber nicht in diesen. The Verwaltung is my home.

    Aber ich hatte mir eine Exkursion erkämpft. Und dann sogar ins Forumbad, das selbst in der Berliner Landschaft vieler besonderer Bäder ganz besondrig ist.

    Das Bad wurde noch vor den Nazis konzipiert, aber 1934 eröffnet, ist architektonisch auf jeden Fall eindrucksvoll. Es liegt im Olympiapark neben dem Olympiastadion – eine gottverlassene Gegend voller Hertha-Insignien, die bestenfalls semiöffentlich ist. Auf dem Weg zum Bad passierte ich verschiedene Tore und Zäune, alles hatte Vibes von „Bist du sicher, dass du hierhin darfst?“

    Und wie es sich dann gehört, ist das Bad für die Öffentlich nicht offen, sondern ist reiner Ort für Spandau 04 und die Sportschule nebenan. Die Berliner Bäder sind zwar irgendwie präsent – aber so wenig, dass ich vor dem Bad stehend in der Technik anrufen musste, damit ich einen Kollegen finde – und der kam dann durch abgeschlossene Stahltüren aus dem Keller heraus.

    Dafür hat das Bad gigantische Katakomben, im Stil der 1930er. Und ein großes, leeres Büro. Und eine Belegenschaft, die durch den eigentümliche Ort, die Abkapselung von der normalen Öffentlichkeit, und die Tatsache, dass das Bad in jeder Hinsicht entlegen ist, auch besonderer ist als andere Belegschaften.

    Es war großes Kino. Ich will da wieder hin! Und ich will davon bei einem Bier erzählen!

    Schütteln, schreiben und grüßen

    Das „Schöneberger Dreieck“, also der Ort wo die alte Wohnung liegt, soll Klimaquartier werden.

    Andere Menschen fragen sich desöfteren „warum blogge ich?“, Ich eigentlich nicht. Ich frage mich ja auch nicht, warum ich atme. Aber ich stelle fest; Wenn ich lese „..wie ich heute bei iberty las und mich kurz schüttelte„, dann freut das mein kleines Herz. Ehrlicher Impact! (und beste Grüße an den Rhein)

    Robin Rendle definierte, welche Art von Science Fiction ich mag und gab ihr einen netten Namen: „Cardigan Sci-Fi“:

    The science or the tools or the spaceships do not sit at the heart of Cardigan sci-fi — it’s all about the people that wear the cardigans instead.

    (via Ligne Claire)

    In Wikipedia können User kleine Kästchen, sogenannte Babel-Boxen, auf ihre Userseite stellen. Diese können mal sinnvoll sein im Rahmen kollaborativer Zusammenarbeit („Diese Userin spricht Friesisch“, „… kann Algebra lesen“, „.. kann Sütterlin lesen“, mal halbwegs seriös „..wohnt in Thüringen“, „.. hat Katzen“, mal albern. Damit kann mensch spielen und versuchen, cooler und interessanter zu sein andere. Das Spiel allerdings ist zu Ende: Astro_Christina hat gewonnen.

    Zumal von Christina auch die erste Wikipedia-Bearbeitung stammt, die aus dem Weltraum heraus (an Bord der ISS) vorgenommen wurde.

    Früher am Telefon musste ich „Grüß Gott“ sagen, denn der Auftraggeber saß in München. Heute bin ich schriftlich-dienstlich bei „Liebe/r“, mündlich – sofern ich das Gegenüber kenne und mag, also in 99% der Fälle, bei einem „IT, southpark, Hi!!!“ Herr Rau trat eine epische Diskussion zum Thema Grußformen los.