Schlagwort: Wedding

  • 26-06-25 Flurfilm

    26-06-25 Flurfilm

    Steigende Temperaturen treiben irrende Menschen um unsere Wohnung herum, auf der Suche nach dem nahe gelegenen Freibad.

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    Madame holte ein Paket in einem Mehr-Use-Laden, in dem unter anderem aufgearbeitete Tripp-Trapp-Baby-Hochstühle, edle Second-Hand-Kleidung für Kinder, Second-Hand-Kleidung für Erwachsene, DHL-Pakete, ornamentalen Silberschmuck und Binder für Jugendliche Transpersonen angeboten werden. Sie war etwas verwirrt, weil ihr nicht so recht klar war, was der Laden verkauft – nur, dass sie zu keiner möglichen Zielgruppe gehört – war aber sehr angetan von Freundlichkeit und professioneller Paketorga: Lilli & Paul

    *

    Der Klavierstimmer kam. Das Instrument hat sich in der neuen Wohnung eingewohnt und akklimatisiert. Was für schöne Töne plötzlich aus dem Wohnzimmer kamen. Wie gut es klingt.

    Der vorherige Klavierstimmversucher hatte noch behauptet, das Klavier sei unstimmbar und unrettbar kaputt. Beinahe hätte das Instrument deswegen nicht den Umzug überstanden, denn wer möchte schon ein kaputtes Klavier durch die Gegend tragen? Zum Glück vermittelte Le pianiste diesen Stimmer. Der hatte bereits vor dem Umzug die Rettbarkeit des Klaviers festgestellt. Nun war er gekommen, um – nach angemessener Eingewöhnung des Instruments im Raum – das Klavier zu retten.

    *

    Der Eichenprozessionsspinner spinnt auch in Pankow.1

    *

    Es waren zwei Arbeitstage.

    Gespinst des Eichenprozessionsspinners über Absperrband „Vorsicht Eichenprozessionsspinner.“

    _, err

    Ich arbeite an der Klausurvorbereitung zur imperativen Programmierung. Nach meinen ersten echten geschweiften Klammern und dem ersten echten Code, machte ich diesmal den Multiple-Choice-Selbsttest.

    Der lief gut, bestätigte mir, dass ich im Prinzip alles verstanden habe und zumindest innerhalb der gelehrten Grundlagen weiß, wie Go funktioniert.

    Das theoretische Wissen heißt noch nicht, dass ich den Standardsyntax auswendig kann, mit der beispielsweise eine Funktion als zweiten Rückgabewert einen Fehlercode macht. Aber das wird sich hoffentlich durch ausreichendes Training für das Fingergedächtnis legen.

    15 Grad und es wird noch heißer

    Manchmal stehe ich nachts auf und setze mich an das offene Fenster, um die Kühle zu genießen. Oft stehe ich auch sehr früh morgens auf, wie diese komplette Woche.

    Der Vorteil an Madames Woche der Wochen ist das Aufstehen. An sich ist Aufstehen um 5:00h morgens wenig beliebt. Derzeit bietet es uns aber die Chance, alle Fenster aufzureißen und die Morgenluft hereinzulassen. Manchmal ist sie kühl, manchmal nur „das Kühlste was es gerade gibt“, aber auf jeden Fall ist sie besser als die Nachmittagsluft.

    Mittwochmorgen: 15 Grad. Während ich versuchte durch oftmaliges Aufrufen von Kachelmannwetter irgendwie die Vorhersage für das Wochenende nach unten zu drücken, mochte ich die 15-Grad-Luft-Herzen-an-mich-drücken und nie wieder gehen lassen. Aber es hilft nichts, der einzige erkennbare Effekt ist das Ansteigen der Vorhersage von bisher 39 auf 41 Grad am Wochenende, mit nur geringfügigen Unterschieden zwischen Berlin und den Latifundien.

    Während ich dies Mittwochabend schreibe, sind wir noch bei 32 Grad – kein Wetter, in dem ich mich in der Sonne aufhalten möchte, aber bei eher trockener Luft (Taupunkt 12 Grad) im Schatten noch gut aushaltbar. Nur sind 32 nicht 39 und herannahende Gewitter zerstieben die Hoffnung auf dauerhaft trockene Luft.

    Die zweitgrößte Stadt Litauens

    Mein Versuch, eine Bahnfahrkarte von Vilnius in Litauen in die Hafenstadt Klaipėda zu kaufen, scheiterte. Noch stehen diese nicht zum Verkauf.

    Während ich mich durch die Website und die App klickte, lernte ich, dass wir wählen können: Zur Wahl stehen ein traditioneller Zug mit Lok und Waggons, die mich an deutsche Regios erinnern, oder ihre Pesa-730ML-Triebzüge, in dem ich bisher eine meiner komfortabelsten Bahnfahrten überhaupt (Riga <-> Vilnius, 2024) durchführte.

    Während ich noch darauf warte, die Pesa-Tickets kaufen zu dürfen, beginne ich ganz sutsche mit praktischer Kaunas-Planung: Was wollen wir da überhaupt?

    Das Art Deco/Modernismus-Welterbe ist klar, deshalb fahren wir hin. Die Erfahrung bisheriger Städtereisen spricht dafür, dass wir zentrale Einkaufs- und Ausgehstraßen sowie die Altstadt auch von alleine finden werden, einfach indem wir in den fraglichen Gegenden ein wenig zu Fuß laufen.

    Übersehen könnten wir:

    Der Kiemo Galerija – ein Street-Art-Hinterhof, der damit begann, dass Anwohner Vytenis Jakas in einem ignorierten Hinterhof Kunstwerke anbrachte, die an die ehemaligen jüdischen Bewohner*innen der anliegenden Häuser erinnern. Heute ist er das Zentrum Kaunaser Street Art und vermutlich Insta-Hotspot, aber ohne Insta weiß ich von sowas nichts.

    Das Barockkloster Pažaislis am Rande der Stadt auf einer Halbinsel eines Memel-Stausees.2

    Keine Taxen am Bahnhof Zoo

    Es ist eine schwimmbadbüroreiche Woche. Um überhaupt aus dem Haus zu kommen, und weil ich auf angenehm abendliche Temperaturen hoffte, stieg ich in den 249er Bus zum Delphi Lux am Bahnhof Zoo.

    Vor mir saß ein Mann, eine echte wahrhaftige physische Zeitung lesend, im Anzug, der mehr „gut angezogen“ sagte als „Business“, mit Rucksack und Brille, der zwischendurch den Bus verließ, mit Zeitung, Anzug und Rücksack zügigen Schrittes von dannen eilte. Und ich fragte mich „Herr Buddenbohm in Berlin?“

    Vermutlich war es nicht Herr Buddenbohm. Mit Sicherheit war es Berlin. Spätestens als ich beim Überqueren einer Kreuzung neben mir zwei Damen hatte, von denen einer ihrer Freundin erzählte, sie müsse die japanische Botschafterin begleiten und auch die Staatsministerin, war klar, dass ich in der Stadt der Bundesbeamtinnen unterwegs bin.

    Knapp drei Stunden später, nach dem Film, bot sich ein neues Bild. Die glücklichen und gerade hier, aich die unglücklichen Gestalten der Nacht trafen sich. Sie trafen sich in Mengen, dafür waren die Taxen verschwunden. Denn die Bahn hatte Komplettausfall. Getroffen waren auch S-Bahn und Regios. Insbesondere die Busse nach Spandau waren voll, wie wohl noch nie an einem Dienstag um kurz vor Mitternacht.

    Ich stellte mir kurz vor, wie es ist, mitten in der Nacht irgendwo im nirgendwo zu versacken, weil der Zug nicht fährt, erinnerte mich an einige wenige ungeplante Zwangsübernachten an Überraschungsorten, und freute mich zumindest, weil es warm genug war, um ohne Gesundheitsgefahren die ganze Nacht draußen zu bleiben.

    In Berlin, hier am Zoo, lassen sich zum Glück auch fast alle Strecken irgendwie mit U-Bahn, Tram und Bus und Fußweg bewältigen. So lange die Störung zeitlich begrenzt blieb3, war die Crowd um mich herum in einer vergleichsweise guten Position.

    Backrooms

    Es begann mit gelben Räumen. Ich hatte die Trailer für den Film Backrooms gesehen. Das Horrorfilmszenario reizte mich weniger. Aber diese gelben Räume: in dem verblassten fröhlichen Gelb, irgendwie unwirklich, irgendwie unheimlich und gleichzeitig komplett banal. Das reizte mich. Im laufe der folgenden Wochen las ich mehr zu Hintergrundgeschichte und Hype des Films. Aber das, was mich letztlich ins Delphi Lux trieb4, waren die gelben Räume und Flure.

    Es begann mit gelben Räumen. Die Entstehung des Films begann mit einem Foto von leeren gelben Räumen, das 2019 auf 4chan gepostet wurde. Daraus entwickelten sich erst Memes, dann eine Webvideo-Serie auf Youtube und am Ende ein Spielfilm eines 20-jährigens Youtubers beim Prestigestudio A24, der bei übersichtlichen PRoduktionskosten mit bisherigen Einnahmen von 300 Millionen Dollar zu den Kassenschlagern des Jahres zählt.

    Während des Schauens versuchte ich mich innerlich von der Entstehungsgeschichte zu lösen und den Film nur so zu sehen wie er war: Im Jahr 1990 entdeckt der verkrachte Discount-Möbelhausbesitzer Clarke (Chiwetel Ejiofor) in seinem Keller einen Durchgang in ein schier endloses Labyrinth gelber Räume.

    Mit der Zeit stellt sich heraus, dass sich dort – nach einer Horrorfilmlogik über die mensch besser nicht länger nachdenken sollte – das Unbewusste von Menschen manifestiert, insbesondere die unangenehmen Teile. Seine Therapeutin Mary (Renate Reinsve) folgt ihm, trifft in den gelben Räumen einen Clarke, der offenbar psychisch komplett durch ist. Es kommt zum dramatischen Showdown und irgendwie taucht dann am Ende noch eine geheimnisvolle Organisation auf.

    Diese Räume.. eine Welt, die gleichzeitig unglaublich banal und extrem creepy ist, in der die Gesetze normaler Logik nicht gelten – in einem durchgehend tollen Set-Design. Was hätte der Film an Potenzial gehabt. Der Verschnitt mit einer 1990er-Discount-Möbelhaus-Brüllaffenwerbung-Ästhetik – so großartig!

    Weniger Großartig, dann das ganze Therapie-Unbewusste-Setting, das ist halt auch 2020er-InstaTikTok-Niveau und fällt deutlich ab. Vor allem aber: der Film hat in seinem Setting alle Möglichkeiten. Everything is possible in these rooms. Und er entscheidet sich für 90 Minuten dieselbe emotionale Tonlage – immer ist es creepy, bedrohlich, unheimlich. Immer spielt im Hintergrund der selbe Soundtrack „Grusel“.

    Dabei weiß doch jeder Film, und auch gerade die guten Horrorfilme, dass Fallhöhe vorhanden sein muss. Dass es die emotionalen Highs geben muss, die Momente der Unbeschwertheit, der falschen Gewissheit, der Freude, damit dann der Schock um so größer wird. Die Chance vergibt Backrooms vollkommen.

    Der Film war nicht gut, aber interessant mittelmäßig.

    Die Kugelbar mit der Kegelbahn

    Es endete in einem gelben Raum.

    Der diesjährige Teamtag führte in den für mich fernen Norden Berlins. Es begann mit einem Meeting/Arbeitstreffen auf drei schattigen Bänken im Rosengarten des Bürgerparks Pankow. Der Park deutete an, dass es ein richtig schöner Sommertag werden könnte. lauschig, blumig, schattig mit Kirschen und Wassermelonen, während wir uns in Visionen versuchten und Hochzeitsgesellschaften bei ihren Fototerminen zusahen.

    Nach einem Mittagessen bei einem Italiener (erfüllte seinen Zweck), wechselten wir in den Westen und gingen im Wedding in die Kugelbar Kegeln. Wir hatten das Gebäude für uns: Oben Bar und ein Mini-Biergarten, unten die Kegelbahn, die uns als „70 Jahre alte Grand Dame“ vorgestellt wurde, die ein wenig anspruchsvoll sei.

    Erinnerungen an Kindergeburtstage beim Jugoslawen oder Griechen kamen hoch bei mir, B konnte mit der Kegelbahn beim Wilmersdorfer Chinesen glänzen, die in der damals typischen Rot-Schwarzen-Lackästhetik von Chinarestaurants gestaltet war. Der Semipro-Bowler im Team prophezeite uns Muskelkater für den nächsten Tag, hielt sich aber mit Spielen zurück.

    Vielleicht war es der Geruch, der ihn abhielt. Denn ich fürchte, ich habe einen Gedächtnisgeruch erschaffen – wie ein Raum bei 35 Grad Außentemperatur so kühl und vor allem feucht sein kann, war spektakulär. Eine mit Stoff ausstattfierte nasse Kegelhöhle, in der vermutlich passiert, was passiert, wenn mensch Stoff über längere Zeit in nasse Höhlen legt. Da muss mensch Kegeln wollen.

    Ich wollte. Zwei Stunden lang. Mit überschaubarem Erfolg und sehr viel Spaß. Jetzt habe ich Muskelkater.

    Dem Foto nach könnte diese Kegelbahn in Backrooms vorkommen. Im echten Erleben war sie anders überraschend.

    Links

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    Dank Markus gelernt, dass Melatonin u.a. die Körpertemperatur senkt. Das sollten wir vielleicht für die kommenden Tropennächte in Erwägung ziehen. In der Apotheken-Umschau lernte ich, dass das bewiesen wirksam nur für die verschreibungspflichtige retardierte Form ist und zwei bis drei Wochen der Eingewöhnung benötigt. Es ist alles kompliziert.

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    Menschen, die jedenfalls Hilfe brauchen, so sieht es oft aus. Menschen, die aber manchmal durchaus keine Hilfe wollen. Weil sie keine Papiere haben, wie man dann vielleicht hört. Kaum ein Wort Deutsch können sie, aber „Keine Papiere“, das haben sie doch lernen müssen, und vermutlich schnell. Die dann jedenfalls abwinken und sich hastig weiterschleppen, um die nächste Ecke und weg, bloß weg.

    Es kommt hier alles vor, und nichts daran ist einfach. Ich habe es bisher nie gelesen, glaube ich, aber es kommt mir nicht gerade unwahrscheinlich vor, dass an der Hitze mehr Menschen auf der Straße sterben, und schneller auch, als an der Kälte im Winter.

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    Lawrence von Arabien im Kino: Ich weiß nicht, wie oft ich den Film seitdem gesehen habe. Viele Dialoge kann ich jedenfalls mitsprechen. Gestern bot sich die Gelegenheit, ihn im Kino anzuschauen. Der Film gehört ins Kino. Mit der Ouvertüre auf schwarzer Leinwand. Es war die lange Version. Knapp vier Stunden mit Al ’awrence.

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    Gestern noch unterhielten wir uns über den von einer polnischen Familie betriebenen Dorfkrug in Bärenklau, und dessen große herzliche Gastfreundschaft und Gästesorge, die sich von der üblichen Brandenburger Stoffeligkeit abhebt. Da lese ich bei Frau Rabe von einer Einladung: „Sonntag waren wir zum Geburtstagsgrillen bei den Ex-Nachbarn eingeladen .. Es gab Unmengen zu essen (die ex-Nachbarin ist gebürtige Polin, die hat ein ganz anderes Verhältnis zu Gastfreundschaft als die meisten Norwegys)“

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    Es ist immer gut, wenn man in der Lage ist, seine Meinung zu ändern. Äußerte ich mich vergangene Woche noch zurückhaltend bis ablehnend über Austern, so muss ich mich korrigieren. Nachdem ich ihnen gestern und heute eine weitere Chance gab, empfinde ich inzwischen durchaus Genuss bei ihrem Verzehr.

    Anmerkungen

    1. Vielleicht sollte ich das mit den biblischen Plagen nochmal nachlesen. Raupen und Hitze würde meiner Erinnerung nach passen. ↩︎
    2. Der natürlich jünger ist als das Kloster. Ich vermute, es wurde auf einer ehemaligen Hügelspitze errichtet. ↩︎
    3. Ein klein wenig dazu, was passiert ist auf Mastodon bzw. dem dort verlinkten Bahn-FAQ ↩︎
    4. Damit Yorck Unlimited No. 35 – d.h. 6,80€ pro Besuch. ↩︎
  • 25-09-04 Die Fans zogen anstandslos wieder ab

    25-09-04 Die Fans zogen anstandslos wieder ab

    Falls jemand ein Kirchengebäude aus den 1920ern kaufen möchte: Die (ehemalige) neuapostolische Kirche Schöneberg steht zum Verkauf.

    Madame meldete sich bei Reddit an und war begeistert. Gleich sofort ein gigantischer Thread zum Thema „mumifizierten Kefir wiederbeleben“.

    In verwandten Nachrichten: Der Kefir lebt.

    Der Fensterputzer war da. Er fluchte noch ausgiebiger über die Dach-Bauarbeiter und deren Fensterhinterlassenschaften als wir. Aber er hinterließ einen Unterschied wie Tag und Nacht – fast wortwörtlich.

    Es waren zweieinhalb Werktage des Klausurlaubs. Ein Lerndienstag, treibend durch die Bibliotheken. Ein Lernmittwoch in der Wohnung mit abendlichen Ausgehen und ein halber Lerndonnerstag in der Wohnung.

    Madame holte Gemüsli ab. Es liegt in einem Schöneberger Schuppen, gesichert durch ein widerspenstiges Zahlenschloss. Im Schuppen stehen dann sortenreine Kisten und sie durfte unsere Anteile selbst abwiegen, einpacken und dann einen Haken hinter „Madame“ setzen. Es gab unter anderem Zaphito (Zappho/Zappo/Zappalito)-Kürbisse, toll aussehende Fleischtomaten und zu ihrer großen Freude: KEINE Kartoffeln.

    Reprise

    Ein wichtiges Arbeitstool am Rechner ist der Texteditor. In dem landen Notizen aller Art, kurze Überlegungen, whatever. Seit Windows11 speichert er automatisch. Und naja, ich habe jetzt ungefähr 25 gespeicherte Dateien mit Notizen zur Bachelorarbeit geschlossen. Ein gutes Gefühl.

    Die für die Arbeit ausgeliehenen Bücher aus der Feruniversitätsbibliothek Hagen liegen fertig im Paket verpackt im Flur. Langsam beginne ich mich innerlich zu lösen.

    Nachbetrachtend: Die Arbeit lag inhaltlich doch ein gutes Stück außerhalb meines eigenen Komfortbereichs. Das war von mir so gewollt, hat aber zwischendurch einiges an Nerven und Arbeit gekostet. Dafür hat sich wunschgemäß mein Komfortbereich an dieser Stelle enorm erweitert.

    Wenn ich jetzt noch mal anfangen würde, könnte ich viel Spaß haben und wilde Sachen machen noch viele Schnörkel einbauen – aber das wäre ja in der Komfortzone und damit per Definition langweilig.

    Mikro-Ö

    Nach dem Bachelurlaub ist im Klausurlaub. Nachdem ich die Reste der Bachelorarbeit weggeräumt habe, greife ich zum Ordner Mikro-Ö und hole die beiden Lehrbriefe zur Mikroökonomik hervor.

    Freundlicherweise weit in meiner Komfortzone liegt inzwischen die Mikroökonomik. Denn darüber werde ich nächste Woche die Klausur schreiben. Ein Modul, das ich in seiner Machart sehr angenehm finde und das stark methodisch-mathematisch aufgebaut ist. Da zahlt es sich natürlich aus, dass ich die letzten Wochen eher intensiv mit Themen der Wirtschaftsmathematik zugebracht habe.

    Und irgendwo ein schöner Kreis. War doch Mikroökonomik auch eines der vier Themen der „Einführung in die Wirtschaftswissenschaften“ in Semester eins. Die kondensierte Version dieses Moduls habe ich schon einmal ganz am Anfang des Studiums gelernt und jetzt ganz am Ende die Langversion.

    Ich erinnere mich noch, wie arg mich Im Sommersemester 2022 die Cobb-Douglas-Funktion herausgefordert hat

    \[z(x_1,\dotsc,x_n)=\beta\cdot\prod_{i=1}^{n}x_i^{\alpha_i} \] oder einfacher \[ y = x^i_1 * x^i_2 … \]

    oder die Formel zur Preiselastizität:

    \[\eta_{x,p} := \frac{\mathrm{d}x/x}{\mathrm{d}p/p}=\frac{\mathrm{d}x}{\mathrm{d}p}\cdot\frac{p}{x}=x'(p)\cdot\frac{p}{x} \]

    Jetzt kommen sie mir fast vor wie alte Freunde. Aber aufpassen: Die Klausur muss noch geschrieben werden, mit „weiß nicht so genau, aber find ich toll“ werde ich nicht durchkommen.

    Neben dem Digital-Zebra

    Teil eins des Klausurlaubs. Lehrbriefe nochmal durchlesen. Nachdem ich jetzt über Wochen mehr oder weniger vor den Rechner gezwungen war, freue ich mich an Materialen aus Papier, die damit gewonnene Freiheit der Mobilität, und lasse mich treiben.

    Erst geht es mit dem Bus zur Staatsbibliothek Berlin Potsdamer Straße. Ich lerne: Es gibt so gut wie keine funktionierenden Spinde mehr mit Pfand – aber viele Schließfächer, die ich mit meinem mitgebrachten Schloss sichern könnte, wenn ich es dabei hätte.

    Aber egal: Ins Foyer der Stabi darf ich auch mit Jacke und Tasche. Auch dort gibt es Schreibtische. Ich erwische den Platz direkt gegenüber dem Infoschalter und bekomme meine Vorurteile bestätigt, dass Bibliothekar*innen die besten Menschen der Welt sind. Sie beantworten wirklich jede Frage in einer unfassabren Freundlichkeit, von detaillierten Detailfragen zur Fernleihe bis zur Qualität der für die Öffentlichkeit geöffneten Personalkantine. („Ist dieselbe Firma wie die öffentliche Cafeteria – also auch nicht besser.“)

    Also sollte ich meinen aufkommenden Hunger woanders stillen. Die Stabi liegt direkt am Potsdamer-Platz. Dessen Gastronomie ist ausgerichtet auf Menschen, die eh nie wieder kommen werden, und bei denen deshalb alles egal ist. Also lieber weiter durch die Stadt treiben lassen. Die U2 und U9 brachten mich zum Leo.

    Am Leopoldplatz im Wedding ist die Schillerbibliothek – meine Bibliotheksliebe – und direkt davor das Frühstückshaus Simit Evi („das Herz der Müllerstraße„), die mir sicher ein paar Sesamringe oder andere schöne türkische Backwaren servieren werden. Aber ach: Alles zu, Fenster abgeklebt und ein einsamer Zettel: „Ab dem 1.8. 2024 vorübergehend geschlossen:“ Das sieht nicht gut aus.

    Mir fiel meine Könnte-mal-Liste ein, auf der der benachbarte Safari Imbiss – Jesus is Lord steht. Aber ach, das Schild noch da, der Imbiss anscheinend auch verschwunden.

    Am Ende verschlug es mich direkt auf den Leo. Dort wogt seit Jahrzehnten der Konflikt zwischen drogeninduzierter Verwahrlosung und einem umfassenden Programm den zentralen Platz des Weddings lebenswert zu machen. Ein wichtiger Standort der Lebenswert-Programme: Das Café Leo, Kieztreff mit Kaffee, kleinen Speisen und nachbarschaftlichen Aktivitäten. Da lass ich mich doch gerne bei Kaffee und Croissant nieder und schau noch dem gerade stattfindenden Miniaturrummel auf dem eigentlichen Platz zu.

    Über diverse Bänke mäandere ich mich die 100 Meter zur Bibliothek, freue mich am phantasievollen Programm der Schillerbibliothek und dem tollen Lesesessel mit Panoramablick auf den Leo. Ich entdecke ein weiteres schönes Programm: Das Digital-Zebra. Ein freundlicher speziell-geschulter Bibliotheksmitarbeiter sitzt in einem abgetrennten Bereich des Lesesaals und hilft bei Digitalproblemen aller Art. Angefangen von „Mein Handy geht nicht an“ über alle Probleme mit Mail, Programmen, komischer Werbung und „das Internet will nicht mehr“ und was sonst noch im digitalen Leben schief gehen kann. Das ist doch mal löblich.

    (Nur den Namen Digital-Zebra verstehe ich nicht)

    Gegenüber vom Gebäude vom Digitalzebra

    Kickin‘ Shrimps

    Spannende Anblicke in der U3: ein*e genderfluid*e Mensch, die Rachel Cusks Transit als Taschenbuch liest. Direkt daneben die Frau im Leopardenmusterrock mit End the Patriarchy-Beutel. Später, die Frau, die sich eine ehemalige Armbanduhr mit Metall-Gliederarmband hat als Choker herrichten lassen. „Entschuldige, darf ich Ihnen mal an den Kehlkopf schauen, um zu sehen wie spät es ist?“

    Irgendwie tragisch, dass sie die einzige ist, die das Ziffernblatt nicht erkennen kann. Aber dafür trug sie noch eine Smartwatch am Arm.

    Mit der U3 ging es in ein urbanes Wasteland ganz eigener Art: Zur O2Mercedes-Benz– Uber-Arena und den Platz drumherum. Uns empfingen an der Warschauer Straße hunderte mittel aufgeregter Teenies und ein Haufen Polizei. Die Teens ballten sich um einen Geländewagen, oben schaute eine Frau heraus und machte Posen. These: Irgendjemand weltberühmtes in einer TikTok-Nische, ich konnte sie nicht richtig erkennen, hatte Zweifel ob ich schlauer würde, wenn ich sie besser sehen könnte. Die Stimmung war irgendwie seltsam, für Teenie-Auflauf überraschend ruhig.

    Aufklärung brachte heute das TikTok für Generation X+, die B.Z: Die experimentell-vulgäre Rapperin Ikkimel hatte via Insta zum Videodreh geladen: Rund 450 junge Leute waren laut Polizei vor Ort. Und die warteten fröhlich und entspannt auf die Rapperin. Im Einsatz waren Einheiten der Bundes- sowie der Landespolizei. Doch Ikkimel hatte die Versammlung offensichtlich nicht angemeldet, so dass diese recht schnell für beendet erklärt wurde. Die Fans zogen dann anstandslos wieder ab.

    Auf einem Foto mit Schriftzug „Ikkimel“ daneben, hätte ich sie sogar vermutlich wiedererkannt. In freier Wildbahn auf der Straße: No Chance.

    Eigentlich wollten wir den Abend aber gediegener Verbringen. Ein netter Abschluss des Bachelurlaubs ließ mich meine aktuelle Verstimmung mit den US of A ignorieren und wir aßen Ribs in Tony Roma’s einzigem europäischen Lokal nördlich der Pyrenäen. Wie es sich gehört come-of-the-bone wie aus dem Bilderbuch in reichlich Schmodder und mit Lätzchen. Vorweg die wiederholenswerten Kickin‘ Shrimps, dazu Sweet Tea und Frozen Margerita. Comfort Food auf allen Ebenen.

    Kommen, Gehen, Zeitablauf

    Am 11. Oktober veranstaltet Schöneberg das Musikfest „Gazino und Türkischer Basar“ zur Erinnerung an den ehemligen türkischen Basar im damals stillgelegten U-Bahnhof Schöneberg. Das gibt mir die Gelegenheit noch einmal den schönen Text von Özlem Suzana Ayaydinli zu verlinken: Der Bahnhof Bülowstraße. Erinnerungen an einen vergessenen Ort

    Noch lebendig das Freibad mit der besten Aussicht Berlins: taz-Sommerserie „Berlin geht baden“ (6)

    Delphine gesehen, Sabbatjahr vorbei: AZ13 – Das wars!

    60 ist eine Marke. Mit 50 kann man sich immer noch (naiv) einreden: Wenn es richtig gut läuft, kann ich noch einmal genauso viel Zeit vor mir haben. Die Nummer funktioniert mit der 60 nicht mehr. Das ist auch merkwürdig, denn ich denke jetzt natürlich auch nicht: Okay, sind’s halt noch einmal 40 Jahre. Irgendwie markiert diese Zahl eine Linie.

    Margrit und Wally hörten Dmitrij Kapitelman beim Poet*innenfest.

    Wenn Menschen heute in Deutschland sagen, sie nutzen einen anderen Namen, damit sie nicht als jüdisch erkannt werden, wenn Menschen ihre Mesusot entfernen, wenn wir unsere Davidsterne nicht mehr tragen, wenn die Nachbarn nicht mehr mit einem reden, nur, weil man jüdisch ist, dann stimmt etwas sehr gewaltig nicht. … Wir können gehen, ja. Für manche sollen wir (wieder) gehen – doch wohin?

  • 24-10-17 Entalgebrat

    24-10-17 Entalgebrat

    Bauhaus baut um. Trotz Labyrinthlaufs um die Absperrbänder war es ein kleiner Feiertag für mich. Denn ich durfte Mehrfachsteckdosen kaufen.

    Am Mittwoch, 23. Oktober um 17 Uhr feiert die Mittelpunktbibliothek Schöneberg Geburtstag mit Torte und Blaskapelle.

    Vor dem Ausgang S-Bahn-Schöneberg markieren gelbe Kreide(?)-Striche der Polizei eine Unfallstelle. Auf dem Gehweg ist es ein noch deutlicheres Memento-mori denn auf der Straße.

    Staunend erfahre ich, dass der ehemalige Ofenhandel Kamine und Wein, aus dem unser Bungalow-Eichhörnchen-Ofen stammt, inzwischen ein Nachbarschaftstreff wurde. Er gewann den deutschen Nachbarschaftspreis, wird unseren Ofen aber vermutlich bei Bedarf nicht mehr reparieren.

    Von den Latifundien bekommen wir Signal-Nachrichten von Entenbuffet, Liegestuhlsessions und Frühstück Karl-Friedrich.

    In der Mittagspause zufällig mit Büronachbarn vom DLR gesprochen. Sie schwärmten von ihrem Arbeitgeber. Ein seltenes Verhalten. Kurzes Nachschlagen zu Hause: in die-beste-Arbeitgeber-Deutschlands-Rankings kommt das DLR wahrhaftig in die Top 10. Aber sie haben keine passenden Jobs in Berlin. Dang.

    Gutes auf Arbeit: Viele Projekte werden nach Monaten der Vorbereitung gerade umgesetzt. Schlechtes auf Arbeit: Das betrifft sowohl unsere eigenen Projekte, als auch die Ideen anderer Abteilungen für die wir zeitnah zuarbeiten müssen. Es war schon gemütlicher. Dieser leere Blick, wenn sich der Feierabend nähert, sollte keine Gewohheit werden.

    Zeichen der Erschöpfung: Im Lidl fragte ich mich einige Minuten zu lange, warum es jetzt MeToo-Schokoriegel gibt? Irgendwann merkte ich: Es handelt sich um MrTom.

    Ringloses Semester

    Allerdings beschloss ich auch etwas gegen die Erschöpfung zu machen. Die Einsendeaufgaben in Lineare Algebra liefen okay. So, dass ich halbwegs ordentlich durchkommen sollte – aber sie liefen nicht so hervorragend, dass ich mir Freiraum und Freizeit in den nächsten Wochen erkämpfe.

    Das hätte geheißen: Nach den Einsendeaufgaben ist vor den Einsendeaufgaben. Während gleichzeitig die verschiedenen Seminar-Deadlines näher rücken. Zwei zeitraubende Module in einem Semester ist eines zu viel.

    Ich habe das Szenario ein paar Monate in die Zukunft gedacht und sah zwei Optionen: Entweder ich werde in einer der beiden Veranstaltungen durchfallen. Oder ich verzichte neben Arbeit und Studium auf jegliches Leben, und wanke mich am Rande meiner Kräfte zu zweimal „gerade so bestanden.“

    Beides keine gute Optionen. Variante eins erscheint mir besser. Noch besser erscheint mir, ich wähle selber, welches Modul dieses Semester nichts wird. In dem Fall gewinnt Zweitstudium (Wirtschaftsinformatik) gegen Drittstudium (Mathematisch-technische Softwareentwicklung). Die Lineare Algebra mit ihren Ringen, Körpern und Gruppen muss gehen.

    Dafür jetzt mit Karacho auf den Seminarstoff.

    (Vielleicht allerdings belege ich die imprative Programmierung nach. Die hat nur 5 ECTS statt die 10 der Linearen Algebra. Alle Erfahrungen bisher sagen, dass die Informatikmodule deutlich weniger Aufwand verursachen als die Mathemodule)

    Unser Auto, unser Internet, meine Unterhosen

    Bereits mehrere Tage liegen hinter uns an denen nichts mehr kaputtging oder brach. Langsam trifft Ersatz ein oder wir schaffen es zu reparieren. Wlan läuft wieder, Madame hat wieder ein funktionierendes Handy, CO-Meter läuft wieder, auseinanderfallende Kleidung ersetzt und selbst der nicht-dringliche-Handy-Ersatz für mich ist eingetroffen.

    Vor Begeisterung bestellte ich eine Musik-CD.

    Die Benzinpumpe überstand nicht nur die lange Seereise aus Japan, sondern sie wurde auch eingebaut. Und voller Enthusiasmus hat die Werkstatt nicht nur die Inspektion durchgeführt – für die wir ja schon den Termin hatten, der ausfiel weil das Auto gar nicht mehr fuhr – sondern das Gefährt auch durch den TÜV gebracht.

    Unser Plan, 10-Jahre-altes-Auto-kaufen-und-dann-10 Jahre-fahren, hat Chancen, zwei Jahre fortzuschreiten. Dann wären wir bei acht Jahren Fahrzeit angekommen.

    Heile heile Boches

    Zur Klimakatastrophe ist alles schon vielfach gesagt. Selten so auf den Punkt wie von Rebecca Solnit: Is it worse to have no climate solutions – or to have them but refuse to use them?

    Die Kaltmamsell ruft in mir heftige Damals-mit-der-Hamburger-Schule-Erinnerungen hervor. Wobei ich mit den großen Bands (Die Sterne, Blumfeld) immer fremdelte bzw. (Tocotronic) aus großer Liebe krasse Enttäuschung wurde.

    Zufällig lieferte sie mir eine Erklärung für das Fremdeln. „Universal Tellerwäscher“ als „Hymne der Generation Praktikum.“ Die Generation, der ich vom Alter her angehöre, die ich aber – in ihrer Komfortzonen-Rebellion mit fester Karriereplanung – nie verstand oder verstehen wollte. Die Sterne waren in dieser Generation zu anschlussfähig.

    Dann doch lieber Kolossale Jugend („Der Text ist meine Party„), Huah! („Was soll ich mit der Welt wenn ich dich nicht hab“ – großartiges zeitdokumentarisches Video) oder gleich nach East Kilbride und Jesus and Mary Chain hören.

    Sofort verstehe ich den Impuls, einen Wikipedia-Editathon im Hammam zu veranstalten. So geschehen in Istanbul. Ladet mich nächstes mal ein.