Schlagwort: Wikipedia-Stammtisch

  • 24-12-07 Wenn die Nacht am tiefsten ist, ist der Tag am nächsten

    24-12-07 Wenn die Nacht am tiefsten ist, ist der Tag am nächsten

    DM am Südkreuz nahm eine Batterie SB-Kassen in Betrieb.

    Das Klavier vor jenem DM floriert weiter. Langsam stehen Leute daneben und filmen mit. Ich hatte den Eindruck es gab sogar eine Schlange potenziell Spielender.

    Falls die Bauarbeiter vom Dachboden noch vor Weihnachten ein fertiges Dach produzieren wollen, wäre es langsam Zeit für die Errichtung des Dachstuhls. Immerhin ließ sich aus unserer Wohnung ein neues Brett am Rand des Dachboden-Bodens erkennen. Es soll offenbar eine Auffang- oder Stützfunktion haben.

    Die Sonne geht heute um 15:52 unter. Wie auch gestern und vorgestern und wie die nächsten zehn Tage. Danach wird es besser. Wir haben Peak Sonnenuntergang bereits erreicht.

    Meine Erfolgssträhne mit der Ordnungsamt-App geht weiter. Diesmal musste ich nur daran denken, die Big Bags mit Bauschutt, die seit Wochen nahe der Bushaltestelle stehen, dort zu melden – schon waren sie am nächsten Tag verschwunden.

    Offenbar haben die Berliner Medien zu oft über Gefahrbremsungen der Busse berichtet. An ebenjener Haltestelle stieg ein Mensch mit aufgesetztem Helm und Signalweste zu.

    Da schaut man mal eine Woche lang nicht genau hin, und ein ganzer Staat kollabiert. Es bleibt den Syrer*innen zu wünschen, dass sie die Bürgerkriegs-Warlord-Phase überspringen und danach eher im Modell Türkei als im Modell Afghanistan landen.

    Der Termin am Nikolaus war Zufall: Aber der zweite Teil Ticketsystem-API-Schulung fühlte sich an wie ein Geschenk. Ein ganzes Universum an Möglichkeiten öffnete sich. Ich habe so viele lustige Ideen, was mensch mit diesem Ticketsystem so anstellen kann. Nur blinken, flackern und überraschende Farbwechsel werden wohl nicht funktionieren.

    Mein Plan: das Fernuni-Modul Informationsmanagement dieses Wochenende abschließen und dann bis in den März hinein ignorieren harrt noch der Umsetzung. Nachdem die ersten Studienbriefe sich wirklich sehr schleppten, geht es jetzt in raschem Tempo voran.

    Offenbar hat der schreibende Informationsmanagement-Lehrstuhl den Punkt erreicht, wo er nicht mehr das Material seiner Vorgängerin überarbeiten musste (der alte Kurs der vorherigen Lehrstuhlinhaberin war berüchtigt) und ist jetzt bei seinen eigenen Themen angekommen: IT-Out und-Insourcing, Sinn- oder Unsinn von Cloudlösungen und Service Management (ITIL). Es ist richtig gut, es ist verständlich geschrieben und erreicht ungeahnte inhaltliche Tiefe. Ich stelle fest, wie sich im Hinterkopf bei mir der Gedanke „Vielleicht-was-für-eine-Abschlussarbeit“ bildet.

    Positiver Nebeneffekt der Glasfaser-Einrichtung: Die ganze Infrastruktur-Ecke der Wohnung sieht ordentlich aus wie seit Jahren nicht mehr.

    Weil das mit dem Glasfaser-Anschluss so gut funktionierte, und ich nach Weihnachtsgeschenken gedrängt werde, rechechierte ich ein wenig nach Technik-Spielzeug. Tja nun, das Fundstück sprengt jeden Preisrahmen.

    Läuft

    Wir sind beide sehr überrascht. Die Glasfaser läuft, dieser Blogpost erscheint über Glasfaser.

    Doppelt überrascht: Als wir Ende September den Anschluss beaufragten wurde uns der Februar 2025 als Termin genannt. Jetzt haben wir Dezember – und hätten wir mehr Tempo gemacht, hätte das alles vermutlich schon MItte November funktioniert.

    Vor allem aber: Es war komplikationsfrei. Alle vier Schritte (Umstellung DSL-Anschluss auf anderen Anbieter, Austausch Router, Bau-einer-Wohnungs-Glasfaserdose-und-Verlegung-der-Lichtwellenleiter-in-die-Wohnung sowie Aktivierung Glasfaser) verliefen überraschend schmerzlos.

    Leichtes haken drohte nur beim LWL-in-Wohnung-Teil – was eher an der schwierigen Situation im Haus und mit der Hausverwaltung liegt.

    Sonnabend die letzte Etappe: Glasfaser live schalten. Größtes Problem: Die Wandhalterung für das Modem an der Wand befestigen, die an dieser Stelle aus bröseligem Gips besteht.

    Kleinere Schwierigkeit: den Router (Fritzbox 7590, gekauft, nicht gemietet) mit der Leitung verbinden. Bis ich herausgefunden hatte, dass es in der Fritzbox-Oberfläche einen einfachen Assistenten gibt, bei dem ich nur „jetzt bitte Glasfaser“ clicken muss, hatten wir doch einige Zeit mit DuckDuckGo1, diversen Hilfeseiten und der komplett nutzlosen Magenta-App verbracht. Nachdem Madame mich auf den richtigen Weg zum Knopf gebracht hatte: ein Traum.

    Manchmal fühlt diese Gegenwart gewordenen Zukunft sich doch auch nach erstrebtem Fortschritt an.

    Chile – una geografia loca

    Beständigkeit hingegen ist das Wesenselement der Eckneipe Resonanz. Die Pace-Fahne an der Wand stammt vermutlich von den Anti-Irak-Kriegsdemos der frühen 2000er. Das Chile – una geografia loca – Poster sieht nach den Achtzigern aus. Und der handgeschriebene Spruch „Wenn die Nacht am tiefsten, ist der Tag am nächsten2 stammt vermutlich entweder aus den aktiven Jahren von Ton, Steine, Scherben oder aus den Gründungszeiten der Resonanz.

    Das Personal ist dasselbe wie immer, die Musik bleibt sich treu. Die einzige Änderung der Karte seit 2008 ist neben den gestiegenen Preisen der Hinweis auf Lesebrillen, die verliehen werden. Einzig die Ent-Raucherkneipung samt Raucheraquarium im Nebenraum sorgte für einschneidende Veränderungen.

    Das Publikum hat sich in den letzten Jahren deutlich verjüngt. Aber auch weiterhin kommen sie zum Klönen, Kartenspielen, Brettspiel-Spielen, Tatort schauen, Flirten oder einfach allein herumsitzen. Die Resonanz, ein Ort der Konstanz im Berliner Hamsterradwahnsinn.

    Ein schöner Ort für ein Projekt, dass sich Langlebenkeit und Verlässlichlkeit auf die Fahnen geschrieben hat: die Wikipedia. Über viele Jahre fand dort der Wikipedia-Stammtisch statt. Dann machte die ganze Berliner Community in Projekten und Arbeitstreffen und alles wurde irgendwie verkrampfter und anstrengender.

    Und seit einiger Zeit veranstaltet Poupou l’quourouce wieder Stammtische in der Resonanz. Wir waren zu sechst, fünf WP-Veteran*innen aus den frühen 2000ern und ein kompletter Newbie, der mit seinem starken Enthusiasmus und voller Energie auf die starre Wikipedia traf – und nun nach Hilfe dabei sucht sich aus den entstehenden Kalamitäten wieder herauszumanövrieren.

    Wir sprachen über alte Zeiten (natürlich), den aktuellen Wikipedia-Klatsch&Tratsch, wissenschaftliche Redlichkeit und das „P-Wort“, Gendern in wissenschaftlichen Veröffentlichungen (so selbstverständlich, dass es bei der Generation U60 nicht mal mehr Thema ist), PAKs in Parkett (Fazit: lieber Gebäude verschenken als das Zeug entsorgen müssen); große Augen am Tisch als WiseWoman beiläufig den Satz fielen ließ „Ich habe mal einen Artikel in Nature veröffentlicht“.

    Sofern etwas zu verstehen war (die Resonanz machte an diesem Abend ihrem Namen alle Ehren) ist jeder der Abende ein wilder Ritt durch die seltsamsten Themen. Und genau deshalb so schön.

    Es ist kurz nach Acht. Aber bei einem Wikipedia-Treffen kann man nie sicher sein, dass die Uhren der Anwesenden auf ME(S)Z eingestellt sind.

    Salzpfad- Zeitstrahl – Pressspann

    Beim Schreiben gefunden, im New York Magazine Berlins, dem Tip, ein Führer durch Kneipen in Schöneberg: Neuer Kult um alteingesessene Eckkneipen (bei dem Teil den ich kenne, kann ich alles bestätigen (Zudem klärt der Artikel eine Frage, die wir uns vor kurzem stellten: Willi Mangler ist eine Nichtraucherkneipe mit Raucherraum. Keine Raucherkneipe. Wir müssen endlich mal hin)).

    Herr Rau sucht eine Dramenaufbau-Zeitstrahl-Software

    Poupou kauft keine Pressspannplatten.

    Thomas Gigold über den Salzpfad. Ist fürs Kinoprogramm vorgemerkt

    Fußnoten

    1. Ursprünglich stand dort Google. Ich stelle überrrascht fest: Es war einfach die Standard-Suchmaschine zu ändern (seit vielleicht zwei Jahren schon) als den eigenen Sprachgebrauch. ↩︎
    2. Spontangedanke. Vielleicht pilgere ich einfach mal an Rios Grab vorbei heute. ↩︎
  • 24-07-20 Algenöl 3000

    24-07-20 Algenöl 3000

    Die ehemalige Spielhalle Neptun wird umgebaut.

    Neben dem Druckertonerladen eröffnete noch ein Smash-Burger-Laden: Diesmal sind es Devil’s Burger.

    Nicht weit entfernte parkte ein martialisches Sport-Motorrad mit Diplomatenkennzeichen. In den Vereinigten Arabischen Emiraten fährt man gern rasant.

    Der Teeküchenschrank unterscheidet jetzt zwischen Weiße Tassen und Bunte Tassen.

    In der S-Bahn fuhr ein Hipster ungefähr in meinem Alter, der mit amerikanischem Akzent über Softwareverträge redete. Sein T-Shirt sagte „I read the liner notes“. Mir schien das eher eine Aussage über sein Alter als über sein kulturelles Kapital zu sein.

    Während wir am letzten Wochenende im Bungalow vor uns hin wochenendeten, verpassten wir eine Palästina-Krawall-Demo die an unserem Haus in Berlin die Fassade erklettern wollte; wir vermuten weil Nachbarn wieder eine Israel-Flagge vom Balkon hängten.

    Von anderen Nachbarn erfuhren wir von einem guten Fallafel-Laden, der auch von Palästinensern betrieben wird, aber auch dann freundlich bleibt wenn man im Laden hebräisch redet.

    Das Reformhaus am Kaiser-Richard-Platz verkauft Algenöl 3000. Das klingt für mich mehr nach Jacques Tati als nach Lebensreform.

    Madame verbrachte unsere Abende an der Ecke Ebersstraße/Gustav-Freytag-Straße.

    Donnerstag: der erste Wikipedia-Stammtisch in der Resonanz seit 2019 oder so. Ohne Plan, Ziel, Produktivitätsanforderungen. Einfach nur Quatschen. Erstaunlich: GodeNehler, der vor knapp zwei Wochen von „unserer“ Reise zurückkam und die zeitnächsten Informationen zum Fahrkartenkauf Valga->Riga hatte.

    DerHexer konnte beistauern, dass er den Pizzaautomaten am Flughafen Helsinki empfiehlt. Aber dort werden wir nicht vorbeikommen.

    Freitag dann dieselbe Straßenecke, gegenüber der Resonanz. Madame hatte im Café ILOstan eine Georgische Weinprobe mit Amphorenwein und Chinkali gebucht. Die Organisation war eher improvisiert. Aber der Wein war gut, die Leute waren ausgesprichen sympathisch, die Chinkali geradezu spektakulär.

    Gute Fernuni-News. Mein Vabanque-Spiel – dieses-Seminar-oder-keines zahlte sich aus. Ich darf nächstes Semester das Seminar Angewandte Optimierung belegen. So richtig drei Tage in Hagen mit Menschen und Kommilliton*innen und einem Professor und so wie ein normales Präsenzstudium. Ich bin sehr gespannt.

    ¬Kritis

    Immer mal wieder haben wir Team-Diskussionen, wie sehr man sich von den großen Tech-Anbietern abhängig macht und abhängig machen muss.

    Freitag verbrachte ich einen gänzlich ereignislosen Arbeitstag. Das größter aller Probleme war, dass ich mich einen halben Tag vor Urlaub nicht mehr wirklich motivieren konnte, um das Problem „SAP auf Rechner 250 produziert keine druckfähigen PDF-Dateien mehr“ lösen zu wollen.

    Nur am Rande bekam ich während der Arbeit mit, dass es anderswo anders lief.

    Erst gegen Abend las ich nach, wie anders sich die Situation andernorts darstellte: Weniger in Deutschland, wo „nur“ ein paar Flughäfen und Bankterminals ausfielen, war anderswo mehr los. Ein bisschen fühlt es sich an, als entdeckte man nachträglich den Blumentopf, der knapp neben einem Herniederging. Crowdstrike gab es große Mühe global Infrastruktur lahmzulegen und das möglichst nachhaltig:

    Undoing this update requires some users to have to individually go to each computer, loading up safe mode (a limited version of Windows with most non-essential software and drivers disabled), and manually removing the faulty code. And if you’ve encrypted your computer, that process gets a lot harder. …If you’re on a small IT team and you’re supporting hundreds of workstations across several far-flung locations — which isn’t unusual, especially in sectors like retail and social care — you’re especially fucked. Say goodbye to your weekend. Your evenings. Say goodbye to your spouse and kids. You won’t be seeing them for a while. Your life will be driving from site to site, applying the fix and moving on.

    Auch wenn wir nur 60 Standorte innerhalb Berlins haben – die Aussicht, dass unser kleines Team jeden einzelnen Rechner manuell vor Ort wieder arbeitsfähig machen müsste.. nein Danke. Und extra Danke, dass wir keine Kritis / kritische Infrastruktur sind. Ganz kurz dachte ich darüber nach, was dieses Problem zum Beispiel bei den Wasserbetrieben anrichten könnte, dann wollte ich schon nicht mehr darüber nachdenken.

    Ein Lob auf meinen ereignislosen Arbeitstag.

    Große Kaskade

    Nach ein paar Jahren traf ich GamerQ am Lietzensee. Erstaunlich was sich inzwischen in ihrem Leben ereignete. Es reicht, um den Rest des Lebens davon Stories zu erzählen und ich bewundere ihre Toughness. Wünsche ihr aber auch, dass es bald vorbei geht.

    Wir umrundeten den Lietzensee links herum und rechts herum und wieder links herum. Zwischendurch Einkehr zu Vanilleshake und Veganem Milchkaffee.

    Ich staunte, dass der bürgerliche Lietzensee in Charlottenburg eine große Kaskade besitzt, die eher nach Schlosspark aussieht als nach Berliner Wohngegend. Noch mehr staunte ich, dass diese schon 1912 zur Wasseraufbereitung gebaut wurde. Nach Q in die S-Bahn ging, wollte ich spontan noch Kaskadenfotos machen – gelangt aber nur bis zwei sich balgenden Füchsen im Seegebüsch. Einer verzog sich Richtung Straße und einer Richtung See.

    Wrocław / Barcelonette

    Mehr zum Thema Crowdstrike-Update und „wir sind alle abhängig“ bei Edward Zitron: CrowdStruck– (via Buddenbohm)

    Karen und Familie fuhren aus Tschechien über Polen und das Baltikum nach Finnland. Das Timing finde ich sympathisch. Während wir also von Finnland aus über das Baltikum und Polen nach Berlin fahren werden, können wir die Rückwärtsreise lesen. Nur Breslau werden wir nicht sehen – was schade ist, Wrocław ist toll. Aber immerhin lesen: Halbeuropatour ’24 (6): Wrocław

    Früher habe ich viel Tour de France im Fernsehen geschaut, allein schon wegen der tollen Landschaftsaufnahmen. Der Tour ist dieses Jahr Christianes Bergwelt ganz nah, es inspiert sie zum Artukel über die höchst erstaunliche und eindrucksvolle Villa Puebla in Barcelonette.

    Auch unterwegs: mit dem Segelboot vor Anker im Wattenmeer. Schlickspur: Planänderung.

    Eine langjährige Blogaktion sind die Freitagsblümchen. In besonders charmant bei fadenspiel und fingerwerk.