Schlagwort: 1. Mai

  • 26-05-02 Flossenprothesen Schtetldämonen (Berlin->Köln)

    26-05-02 Flossenprothesen Schtetldämonen (Berlin->Köln)

    Ich stieg aus der U-Bahn-Station, konnte keinen Straßennamen erkennen. Also öffnete ich Organic Maps. Dann lud ich die Köln-Karte herunter. Dann versuchte ich mich zu orientieren, wo ich bin. Dann versuchte ich mich zu orientieren, wo das Hotel ist. Dann schaute ich in die von mir bestimmte Richtung. Dann sah ich 20 Meter direkt vor mir ein großes Schild „HOTEL“. Okay.

    *

    Freude zum 1. Mai: Nicht nur Bollerwagentrupps und Damengruppen mit kleinen Fläschchen in der Hand waren unterwegs, sondern auch ein Aufrechter, der mit Parteifahne auf dem Bahnsteig Genoss*innen einsammelte.

    *

    Madame erzählte, dass die Kornellkirsche in der Schweiz auch Tierlibaum genannt wird, wegen der ganzen Tierli, die dort herumsummen. Wir dachten, das bezieht sich auf Blüten und Früchte. Aber auch jetzt, im reinen Blattstadium, ist der Baum voller Insekten. Uns ist unklar warum. Eine mysteriöse Freude.

    *

    Madame bestimmte einen rötlichen Spatz als Bluthänfling. Von den Latifundien erzählte sie, dass ein einziges Summen im Apfelbaum herrscht. Sie erzählte dies, während mehrere Vögel versuchten, sich lautstark in unser Telefonat einzumischen.

    *

    Es war ein Bahnfahrfeiertag, davor die Berliner Harfe der Kabbala, danach der Kölner Gesang der Sirenen.

    S5 Richtung Mahlsdorf

    Mein Handy piepte. Die Bahn teilte mir mit, dass es auf meiner Verbindung über Spandau nach Köln ein Problem gibt. Die S3 nach Spandau fällt aus. Stattdessen fährt die S 3.

    Damit konnte ich leben. Zumal ich entgegen dem Wunsch der Bahn gar nicht nach Spandau fuhr, sondern den Hauptbahnhof ausgewählt hatte, um in den ICE940 nach Köln zu besteigen.

    Und weil ich so früh dran war, fuhr ich in der S-Bahn am Hauptbahnhof vorbei gleich weiter zum Ostbahnhof. Denn:

    • Ich bin Unordnungsreisender und wenn ich die Auswahl habe zwischen einem Weg den ich nahezu auswendig kennen (Hbf) und einem, den ich nur wenig kenne (Ostbahnhof) neige ich zu letzterem.
    • Wurde die Bahnfahrt bezahlt und geplant von jemandem-der-nicht-ich-bin. So hatte ich einen Platz in einem Zug „mit hohem erwarteten Fahrgastaufkommen“ in der zweiten Klasse. Ich hoffte darauf, mich bereits häuslich einrichten zu können, bevor am Hauptbahnhof die Massen kommen.
    • Schrumpfte meine exorbitant großzügige Reiseplanung durch den Umweg auf eine Reiseplanung zusammen, die normale Menschen als großzügig ansehen. Ich konnte mich an jedem Punkt an dem die S-Bahn auf freier Strecke stockte oder sich die Türen nicht schließen liessen, mit Adrenalin microdosen.

    Belohnt wurde ich mit einer faszinierenden Tirade einer älteren Dame, die einen komplett ratlosen freundlichen jungen Mann zehn Minuten lang beschimpfte, warum Berlin schlimm ist, und alle weg wollen, und Bürgergeldempfänger alle zwei Fernseher geschenkt bekommen und in Berlin alle unhöflich sind und niemand mehr Geld hat.

    Ich glaube es begann damit, dass jemand die Dame am Alex leicht rüpelig vor den Augen der Polizei auf der Treppe hat, ohne dass die Polizei einschritt. Ich glaube der Hauptgrund für die unstoppbare Gefühlsaufwallung war, dass jetzt auch die zweite Tochter der Dame samt Enkelkind aus Berlin wegzieht und sie alleine zurücklässt.

    Wofür allerdings der junge Mann nichts konnte.

    ICE940 Richtung Köln

    Aus dem Zug betrachtet, ist Düsseldorf gar nicht so glamourös wie ich immer dachte. Duisburg hingegen entsprach ungefähr meinen Vorstellungen. Beide Bahnhöfe waren mir komplett unbekannt. Anscheinend bin ich bisher immer durch einen Tunnel nach Köln gefahren.

    Da ich im gebuchten Zug auf dem gebuchten Platz am Ziel ankam, gilt die Bahnreise als erfolgreich absolviert. Ich sah eine frühlingshafte Landschaft und las Vilnius – eine Stadt in Europa zu Ende. Weierhin eine große Empfehlung.

    Im Großraumwagen waren viele Familien mit jungen Kindern. Abstrakt fand ich das gut, weil ZUKUNFT. Ganz konkret in diesem Moment über sechs Stunden hinweg möchte ich anmerken, dass die Zukunft doch recht laut war.

    Dank Tiptoi und Marcel dem Feuerwehrmann konnte ich mein Wissen über die Feuerwehr runderneuern. Allerdings machte es mir Sorgen, dass der Lieblingssatz des tiptoienden Kindes war „Hilfe, ich bin in der Tür eingeklemmt! Helft mir!“

    Leah steht für die Zahl 36

    Zeitlich vor dem Maiausflug lag das Walpurgisnachtkonzert in der Philharmonie. Kaum hatte das Klavierfestival mit dem besten Konzert des Festivals geendet, lied das DSO zum Casual Concert.

    Ich kannte niemand

    Unser Konzerthinterunssitzer musste sich auskennen. Immerhin kannte er drei Philharmoniker persönlich, teilte er seiner Begleitung mit. Leider spielten die gar nicht, sondern das DSO. Aber würden die Philharmoniker auftreten, würde er drei von ihnen persönlich kennen.

    Wenig überraschend konnte er sich nur mühsam beherrschen, die Einführung ins Programm nicht durch ein geflüstertes Co-Referat zu ergänzen, und natürlich hatte er zwei Sekunden nach Ende des Konzerts eine quasi druckreife und abschließende Meinung zum Gehörten.

    Auch desöfteren erwähnt: Dirigent Kent Nagano war ein Bernstein-Schüler

    So sehr es mich schmerzte, ihm innerlich zuzustimmen. In einem hatte er Recht. Die Einführung war schlecht. Es ist mir ein Rätsel, wie mensch ein Stück, das insgesamt nur 40 Minuten dauert, 50 Minuten lang einführen kann, und dabei dann fast nicht über Musik redet.

    Dabei hatte der Abend alle Chancen.

    • Ein sperriges Stück von Leonard Bernstein, das seit seinem Erscheinen 1974 bis zu diesem Abend noch nie in Deutschland aufgeführt wurde.
    • Mit Ausflügen in die Atonalität interpretiert durch Kabbala und Zahlenmystik.
    • Die zum Ballett gesetzte Legende des Dybbuk – eine alte jüdische Legende; wie Romeo und Julia im Schtetl, nur das zwischendurch gebrochene Versprechen, Dämonen und Rabbiner, die einen Exorzismus betreiben, vorkommen.
    • Allein der Anblick der Instrumente versprach einiges: Sechs Bässe, Harfe, Flügel und 10 bis 15 Meter Percussion einschließlich Glockenspiel, Xylophon und zwei Gongs.
    • Auch eher selten im Ballett: in der Besetzungsliste standen auch zwei Sänger: Bass und Bariton.

    Eigentlich bietet das Casual Concert eine hervorragende Gelegenheit, um solche sperrigen Stücke zu vermitteln. Die Einführung findet im Saal mit dem kompletten Orchester auf der Bühne statt. Es gibt zum Beispiel die Gelegenheit:

    • einzelne Stimmen oder Instrumente herauszunehmen, allein zu besprechen und dann im Zusammenklang (z.B. warum klingt diese Harfe anders als normale Harfen im Konzert)
    • Stellen, die zeitlich auseinanderliegen, direkt hintereinander zu spielen und so zu zeigen, wie bestimmte Motive immer wieder auftauchen, sich aber im Laufe des Konzerts ändern und verwandeln.

    Stattdessen: Ein ewiges Wiederkauen und nochmaliges Wiederkauen und wiederwiederkauen der Handlung.

    Leider war danach die Luft ein wenig raus. Ob wir ermattet waren, ob das Orchester ermattet war, oder ob das Stück nach dem Motto funktionierte „hm-irgendwas-stimmt-noch-nicht-ach-dann-pack-ich-halt-noch-ein-Percussioninstrument-dazu“ war nicht mehr ganz klar.

    Spannendes Stück; ich würde es gerne mal unter besseren Umständen hören. Bleibt zu hoffen, dass es bis zur nächsten deutschen Aufführung nicht wieder 52 Jahre dauert.

    Am Ende: Kiemen

    Auch in Köln blieb es bei kultureller Exorbitanz. Es blieb dabei, dass ich dachte „eine halbe Stunde kürzer wäre auch okay gewesen“, es blieb in einer Zwischenebene zwischen Menschlichem und Nicht-Menschlichem.

    Nach Köln-Begehungen beendete ich den Abend im Programmkino Filmpalette. Es lief Sirens Call.

    Vor dem Kino hatte mich der Kellner im Café nebenan noch gefragt, was ich für einen Film sehen wollte. Ich hatte Probleme, es zu formulieren. Danach hätte ich noch mehr Probleme gehabt.

    Der Film geht um die real existierende Mermaid Una und die Gruppe der Merfolk in Portland.- einer Gruppe von Wesen, die davon ausgehen falsch im Körper eines Menschen gelandet zu seien, da sie eigentlich Meerfrauen/-männer/-wesen sind.

    In selteneren Teilen ist der Film Dokumentation, in der der Mensch um Una spricht, eine Doktorin der Psychologie, die mit Strafgefangenen arbeitet, und die Merfolk bei Veranstaltungen und Protesten in den USA unter Trump gezeigt werden.

    In häufigeren Teilen versucht der Film eine Una-Erzählung: aus der Perspektive der Meerjungfrau, die sich im komischen Körper eines Menschen findet, gleichgesinnte sucht und sich zu orientieren versucht. Es ist eine sehr träumerische, surreale Nachstellung von Unas Jugend, wie sie durch New York, Florida, Las Vegas driftete, immer mit dem Gefühl, nicht dazu zu gehören.

    Keine Dokumentation; denn eine Mermaid würde keine Dokumentation drehen, sondern etwas zwischen Meditation und Traum, in Blau, spielend in billigen Hotels, Diners und mit sehnsuchtsvollem Blick in Aquarien.

    War es ein guter Film? Ich bin nicht sicher. War es ein inspirierender Film: Ganz unbedingt!

    Kernkompetenz alles mit Klavier

    poupoulab zum Klavierfestival: Berliner Klavierfestival 2026. Marc-André Hamelin

    Been there, done that: „Zugegebenermaßen liegt meine Kernkompetenz eher bei Eisbären. Aber Eisbären interessierten an dem Abend niemanden.“

    Manchmal wenn ich die Informatik-Module durchblättere, kommen mir die ganzen „KI“-Diskussionen in den Sinn, dass Vibecoding mit KI programmieren überflüssig macht. Und mir kommen noch mehr die ganzen frisch-arbeitslosen Programmierer*innen auf Mastodon in den Sinn, die gerade neue Jobs suchen. Dann frage ich mich: Lerne ich gerade das richtige. Dann denke ich an reale Software mit der ich 39 Stunden in der Woche zu tun habe, gehe in mich und denke „auf jeden Fall!“ In anderen Worten bei Thomas: Coding, Viben und Probleme

    was ge­blie­ben ist: blog­gen ist wei­ter­hin ein rand­phä­no­men. und das ist auch nicht wei­ter schlimm. im ge­gen­teil.

  • 25-05-01 Der Geschmack von ausgepresster Orange am Abend

    25-05-01 Der Geschmack von ausgepresster Orange am Abend

    Das Prinzenbad eröffnete die Berliner Freibadsaison am 30. April. Heute zog unter anderem das Insulanerbad nach. Ein schöner Tag.

    Mir träumte, ich hätte an einer wüsten Party teilgenommen. Leider erinnere ich mich nur an das Ende. Ich musste in mehreren abgeschlossenen Räumen mein T-Shirt suchen. Den Mann, dessen Band-Shirt irgendwie an mir gelandet war, musste ich mit einem 16-Euro-Cocktail besänftigen. Die Straße vor dem Partyort funkelte, allein vom Glitzer, den die Partygänger*innen verloren hatten.

    Es ist seltsam wie das Gehirn funktioniert. Das hörte ich ein paar Takte The Cure und sofort war ihr Bild vor mir. Melanie aus der 9. Klasse, komplizierte Liebe aus der Schach AG und riesiger The-Cure-Fan. Bestimmt habe ich seit 30 Jahren nicht mehr an sie gedacht.

    Ich versuchte, politisches Engagement zu zeigen, indem ich den Kolleginnen und Kollegen (KuK) ein kämpferisches MS-Teams-Emoji zum Abschied in den ersten Mai schickte – und es gibt nichts! Kein Gewerkschafts-Emoji, kein Arbeitskampf-Emoji, keine erhobene Faust, nicht einmal die sozialistische Rose.

    Auch irritierte mich, dass ich ein harmloses vielfältig auslegbares Regenbogen-Emoji in MS Teams suchte, und auch dieses erst über Umwege fand.

    Um so erfreulicher ein anderes Fundstück, dass es den auch 2025 noch gibt: der Sennheiser-Kopfhörer-Pride-Edition.

    Weniger erfreulich: das US-Justizministerium möchte ein wenig Faschismus zeigen und schreibt Briefe an die Wikimedia Foundation wegen der Wikipedia. Anscheinend suchen sie krampfhaft einen Grund, um die Gemeinnützigkeit der Foundation abzuerkennen.

    Aus verschiedenen privaten Gründen suchte ich nach diverser Technik, und suchte auch nach Desktop-PCs. Derzeit erste Wahl zum Thema (muss weder Gamen noch Videos bearbeiten, sollte aber wertig sein): das Lenovo Thinkcentre oder der Dell Inspiron.

    Ihr kennt die Regel beim Kochen: Ein Schluck Wein ans Gericht und ein Schluck für den Koch. Aber habt ihr schon mal 10 Kilo Ende-der-Saison-fast-überrreife Crowdfarming-Orangen gehabt, diese dann ausgepresst, um mit dem Saft zu kochen, und den Rest der ausgepressten Orange beim Kochen gegessen. Ein Gedicht!

    In der Berliner Wohnung zogen Schlupfwespen ein.

    Der große Halluzinator

    Gebt ihr Euren KI-Chatbots Eigennamen? Ich wäre tatsächlich nie auf die Idee gekommen, ES IST EINE STATISIKMASCHINE, lese aber zunehmend davon. Und irgendwie ergibt es auch Sinn, wenn man das Ding halt dauernd anspricht. Aber nein, never, niemals einen Namen. Falsche Ebene.

    Dennoch kann eine Statistikmaschine „Persönlichkeit“ haben. Zum Beispiel zu nett sein, und auch den psychopathischsten, zerstörerischsten Ideen begeistert zustimmen. So in den letzten Wochen bei ChatGPT passiert. Sycophancy in GPT-4o: What happened and what we’re doing about it

    Meistens spiele ich mit dem Ding ja rum. Wenn ihr ein Konzept für einen Arthouse-Film mit Tilda Swinton benötigt, die nachts auf Brandenburger Feldern Gülle ausbringt – ich und der Halluzinator have you covered!

    Ich glaube übrigens, ich habe ein sinnvolles Einsatzgebiet für das Ding gefunden. Ich werde es Beschwerdebriefe formulieren lassen! Ich begann mit einer Liste möglicher Beschwerungen.

    • Die Berliner CDU weil sie Tempo 30 auf der Straße vor unserer Wohnung wieder abschaffen will.
    • Der Deutschlandfunk, weil er das Lied- und Chanson-Programm ins allertiefste Nachtprogramm verbannt hat, und es nicht mal in der Mediathek aufrufbar ist.
    • Der Deutschlandfunk, weil er nicht einmal eine Gewerkschaftskundgebung live überträgt. Wer 52+ Gottesdienst-Liveübertragungen im Jahr schafft, könnte auch einen kämpferischen Ersten Mai ins Programm nehmen.

    Ich-als-Rentner-und-Chat-GPT – es wird ein Traumpaar!

    Schon vor dem Renten-Eintritt bemüht Herr Paul das Programm: Nachdem ich vor ein paar Tagen erst so wirklich herausfand, wie ein LLM funktioniert, passte ich gestern/heute meine Konfiguration an um bessere Ergenisse zu erzielen.

    Der Mohn ist aufgegangen

    Der Mohn ist aufgegangen. Also zumindest die erste Blüte. Sagt Madame. Auch wenn es quasi unmöglich sein sollte, Mohnblüten zu übersehen, scheint es mir heute gelungen zu sein.

    Der Garten bietet sein volles Frühlingsprogramm. Als wir Mittwoch abend kamen, roch es (nach) Scheiße, also eher halt Gülle. Aber das verzog sich freundlicherweise im Laufe des Feiertags. Bis wir ausgeschlafen und gefrühstückt hatten, war es schon wieder eine Mischung aus Apfelblüte und Raps.

    Freundlicherweise ist dieses Jahr alles zwei Wochen später dran als 2024, so dass wir die volle Wucht erst nach dem Paris-Urlaub erfahren. Der Flieder beginnt zu duften, der Rotdorn wird dieses Wochenende aufblühen und der letzte der drei Apfelbäume hat immer noch Knospen.

    Nachts wachten wir beide unabhängig voneinander auf, weil die Nachtigall so apart lärmte. Zum Frühstück begrüßte uns der Kuckuck.

    Wir beide fragten uns, ob die Insekten die letzten Jahre auch so groß waren.

    Nachdem die Hornisse ihr Nest doch nicht direkt neben der Terrasse baut, fanden wir sie dann im Bungalow. So war das nicht verabredet!

    Leider seit Wochen unberührt wirlt das Vogelnest, das wir in der Holzlege fanden. Ich schaute es doch einnal näher an, bewunderte seine Kunstfertigkeit und Lehmverstärkungen, wir entschieden uns nach diversen Recherchen für ein verlassenes Amsel- oder Singdrosselnest.

    Dafür brütet am Bungelow in einer versteckten Ecke der Außenkostruktion eine Meise. Hurra! Und Störche sowie Turmfalken flogen tief über den Garten. Hurra!

    Ein perfektes Mai-Wochenende kann kommen.

    CDs in Japan und Boba in New York

    Blogs lesen lohnt, dank Hotel Mama entdeckte ich den Klaviersalon Christophori, den wir sicher demnächst aufsuchen, dank eines Kommentars bei der Kaltmamsell die Kurpfalz-Weinstuben in Charlottenburg.

    Mit Frau MaultaschenRavioli bei der Karfreitagsprozession in Madrid.

    Japan kauft noch CDs. In letzter Zeit sogar wiede mehr. Karen erklärt.

    Legos Boba Quest in New York geht weiter: As I wrote about last week, one of my favorite boba shops, Shiny Tea, is closing soon .. Fazit: man kann verschiedene Bubble-Tee-Geschmäcker haben und trotzdem Freunde bleiben.

    Letztens Gespräche über Karrierewege als Technical Expert oder als Manager. Markus fasst den Unterschied sehr schön zusammen: Die beiden Bewerbungsgespräche liefen gut. Allerdings komme ich nur für eine der beiden Firmen infrage. Für die andere bin ich überqualifiziert, wie der Herr meinte. Ich würde mich nur langweilen, sagte er. Überqualifikation finde ich in meinem Fall eine lustige Formulierung. Als Manager oder Führungskraft bin ich in Wahrheit zu inkompetent, um die richtige, fachliche Arbeit durchzuführen. Ich kann aber gute Emails schreiben und die Leute zusammenhalten. Überqualifikation ist natürlich der schönere Begriff.

    Den ultimaten Lebens- und Jobtipp verdanke ich allerdings einer Kollegin. Vielen Dank: Self-help Singh- Make Mistakes

    south spielt mit ChatGPT

    Hallo, Statstik-Maschine, der ich keinen Namen geben werde, erstelle mir eine Illustration sowie diverse Empfehlungen passend zum vorhergehenden Blogpost:

    Empfehlungen

    Outfit: Gut gealterte Jeansjacke über Streifenshirt, Leinenschal – Hommage an 80er-Melancholie und DLF-Verdruss.

    Kulinarisch: Selbstgemachte Rhabarber-Limonade mit einem Hauch Rosenwasser – wie Apfelblüte im Glas.

    Film: The Garden (mit Tilda Swinton) (Derek Jarman, UK 1990) – queere Ikonographie trifft Naturgewalt – ein Gartenfilm gegen Faschismus.

    Musik: The Cure – Charlotte sometimes– – The Cure: direkt aus der Schach-AG der Erinnerung.

    Sachbuch: Kleine Geschichte des politischen Liedes in Deutschland – für DLF-Ärger und 1.-Mai-Rhetorik

  • 23-05-02 Retroradeln

    23-05-02 Retroradeln

    Zwei Kurzzeitbesucher machten mit neckischen Gesten darauf aufmerksam, dass Sommer wird. Das lange Gartenwochenende entließ mich mit je einem Mückenstich links und rechts auf Hosenbundhöhe. Ich brachte sofort den bite-away in Anschlag; in der Hoffnung, dass dieser 2023 genauso gut funktioniert wie in den Vorjahren.

    Und so ist es mit den Größen- und Machtunterschieden. Was für mich zwischen neckisch und ärgerlich läuft, war für die Mücken eine Aktion zwischen Leben und Tot.

    Während das Radio aus der Ferne etwas von Demos redete, erinnerte ich mich in innerer Nostalgie an die Leipziger Mai-Gegendemos gegen Mai-Nazidemos. Unvergessen diese Momente in abgelegenen Seitenstraßen mit „Jörg, das sind Nazis!“. – „Ich weiß! Auf sie!“ – „Jörg, das sind 20 Nazis und wir sind vier.“ – „Ich weiß! Auf sie!“

    Im Radio sprachen Menschen derweil von der Vier-Tage-Woche. An einem recht sonnenreichen Drei-Tages-Wochenende klingt eine Vier-Tage-Arbeitswoche nach einem reizvollen Konzept.

    Tatsächlich aber hatte ich mich selbst meiner Freizeit beraubt, rechnete algorithmisch vor mich hin und vertiefte mich in den Graphentheorie nach dem gebürtigen Basler Leonhard Euler. Die Einsendeaufgaben drohten. Was ich nicht gedacht hätte: Wenn ich endlich mal Mathe auf universitärem Niveau lerne, wird es darin enden, dass ich Bastelbögen dreidimensionaler pyramidenartiger Polygone ausschneide, zusammensetze und die Kanten an jedem Knoten zähle.

    Der Vorteil des Informatik-Kurses dieses Semester: Der ist so abstrakt, klassisch mathematisch, dass er komplett ohne Computer auskommt. Ich muss auf Bildschirmspiegelungen keine Rücksicht nehmen. Ich kann fröhlich von der Terrasse aus auf blühende Birne und Zwetschge, brummende Hummeln, suchende Bienen und goldlacktrunkene Fliegen schauen. Nicht zu vergessen: Der aus dem Winterquartier zurückgekehrte Rotmilan, der über das Weizenfeld vor unserem Zaun segelte.

    Goldlackblüten von oben. Nicht wirklich erkennbar: Fliegen darinnen.

    Auf der Terrasse redeten wir aus verschiedenen Anlässen über Axel Springer SE. Unter anderem stellte Madame verwundert fest, dass ausgerechnet ntv die aus ihrer Sicht passendste Rezension von Noch Wach! veröffentlichte. Wir stellten auch fest: Manchmal ist es schwer zu glauben, dass idealo, Stepstone, Die Welt und der Springer-Club alle zum selben Konzern gehören. So krass unterschiedlich sind die Firmenkulturen dort. Wobei mein Eindruck auch ist: Je mehr ein Unternehmensteil finanziell zum Konzernergebnis beiträgt, desto angenehmer sind die Menschen dort.

    Madame übererfüllte mit den Beeten 5L (komplettemang), 4L und 4R das Entkrautungsplansoll für das Wochenende. Trotz (abklingemdem) Multizip räumten wir Möbel auf die Terrasse. Der gegrillte Krustenbraten plus die Resultate unseres Spargelhof-Hofladen-Hauls reichten uns über das komplette lange Wochenende und auch noch in den Beginn der Arbeitswoche.

    Auf dem Weg zum Spargelhof: Wir passierten nicht nur die üblichen Cabrios und Radreisegruppen, sondern auch einen Retro-Radgruppe. Räder, Anzüge und Kleider vermutlich neu: Alles aber erweckte den Anschein als wäre der Cast von Three Men in a Boat auf Brandenburger Straßen unterwegs; oder zumindest als wäre die Gruppe um 1910 zu ihrer Tour aufgebrochen. Wenn ich mal groß bin, mache ich nur noch so stilvoll Fahrradausflüge.

    (Inzwischen gefunden: Anscheinend wurde der Ausflug vom Londoner Tweed Run inspiriert.)

    Herr Buddenbohm fror in Hamburg, die Kaltmamsell wanderte bei München, Hotel Mama haderte in Berlin und Kitty Koma aß einen veganen Burger.

    Ich harre gespannt dem Ergebnis, ob die BVG mich noch irgendwie mit dem Deutschlandticket versorgen wird, bevor ich es das erste Mal benötige.