Schlagwort: 30 Pflanzen

  • 26-04-07 Die Möwe, die sich für einen Lenkdrachen hielt (Dithmarschen -> Berlin)

    26-04-07 Die Möwe, die sich für einen Lenkdrachen hielt (Dithmarschen -> Berlin)

    Der Zeitungsbeilagenkatalog preist einen 6-Meter-Fahnenmast mit Deutschlandfahne für 29,99€ an. Ich dachte, dieses Land wäre nicht so billig.

    **

    Unerwartete Nachricht beim Einchecken ins Berliner Hotel: „Ab dem 4. Stock funktioniert das Fernsehen nicht mehr.“

    **

    Der Kaptian buk1 einen Schweinebauch.

    Der Spargelhof kochte Spargel. Die Oster-Doppelhelix-Verbringung (erst wir in Dithmarschen, jetzt der Kaptain in Berlin) erlaubte einen Dreierbesuch mit Kurzabenteuer zur Eröffnung der Saison. Gerade das SB-Restaurant (der „Landwirt“) auf dem Hof erlaubt die aparte Kombination aus rustikaler Hemdsärmeligkeit mit Edelgemüse frisch vom Feld.

    **

    Aufgrund einer Verkettung vom Umständen kaufte ich entgegen aller Vorsätze einen originalen Apple-Handy-Ladeteller. Und allein beim in-die-Hand nehmen sparkt er Joy. Auch bei der Benutzung. Mit Dota Kehr: Ich hasse es.

    **

    Es waren drei Osternordseereisetage.

    Savall stand still

    Ein Nachtrag zu Savall/Haydn in der Elbphilharmonie, an den Madame mich erinnerte.

    Emotionaler Höhepunkt des Konzerts, der Moment an dem der Kaptain fast weinte, war das Vokalensemble stehend, das Orchester ruhig und nur gesungen eines der sieben letzten Worte. Also zum Beispiel „Es ist vollbracht„.

    Und nicht nur war das Orchester komplett ruhig. Selbst Savall dirigierte nicht mehr sondern stand nur ruhig am Pult. Nicht einmal einen gegebene Einsatz sahen wir. Gänsehaut.

    Kuschlig, aber vermutlich streng riechend

    Der Rest der Tage blieb erdnäher.

    Wir lehnten uns in die Landschaft. Wortwörtlich. Oben an der Deichkante stürmte es ausreichend, um sich sanft in den Wind zu legen und den eigenen Körperschwerpunkt in physikalisch ungewohnte Bereiche zu schieben.

    Ein wenig wie im Schwimmbad, nur halt lauter beim Sturmgebraus.

    Nordsee bedeutet Spaziergang:

    Wasser

    Am Deich in Hillgroven, um das Sielbauwerk herum. Natürlich die erste Strecke gegen den Wind. Das ist über das Jahre des Radfahrens dort eingebrannt: bei freier Streckenwahl gibt die Windrichtung den Ausschlag für die Routenführung.

    Auf dem Deich standen die Schafe und wieselten die Lämmer, im Versuch das Sturmgetöse mit ihrem Blöken zu übertönen. Abgetrennt in einem besonderen Bereich, die kleinsten Lämmer und das eine schwanzlose Exemplar, das zudem leicht humpelte.

    Nur dank äußerster Disziplin widerstand ich dem Impuls, mich einfach auf das Tier zu stürzen und mich festzukuscheln.

    Auf den Salzwiesen rastete eine Kolonie Austernfischer. Wenn der Wind richtig stand, konnten wir ihren Gesang hören.

    Über dem Deich eine Möwe. Die Flügel statisch, der Flug halb am Ort, halb in raschem links und rechts, oben und unten. Wie ein Lenkdrachen, nur ohne Schnur.

    Land

    Nordsee bedeutet Spaziergang auf den Wesselburener Feldwegen.

    Wir bewunderten die halbwilden Narzissen, die sich zu dichten Büscheln weitab der Häuser gesammelt hatten. Marschboden ist Narzissenboden. Feuchtgemäßig ist Narzissenklima. Osterdithmarschen ist gelbes Puscheldithmarschen.

    Während wir das leuchtende Gelb bewunderten, der ganze innere Romantikapparat beim Sonnenuntergang gegen das Schilf anging, huschte etwas vorbei.

    War das vorüberhuschende Wesen eine Katze? Vermutlich nicht. Zu puschlig der Schwanz, zu weißspitzig, zu hochbeinig das Tier.

    Ein Fuchs? Fuchs ist immer gut.

    Dann hoppelte es um die Kurve direkt auf uns zu. Musterte uns neugierig, legte die Ohren an und erwies sich als waschechter Osterhase.

    Das erste Eis der Saison

    Dithmarschen bedeutet Kleinstadtbummel. Schauen wie es den Städtchen geht. Im Zentrum: Heide, die „Marktstadt im Nordseewind“ mit Wochenmarkt und sehr viel Wind. An der Küste: Büsum, die Touristadt im Nordseewind mit Fast-Überfüllung und Blanken Hans.

    Die Städte erwiesen sich als ungewohnt mitteilsam. Die rumänischen Landarbeiter in Wesselburen sind inzwischen lang genug vor Ort, dass sie mit Moin grüßen.

    Längere Gesprächsangebote richteten sich an Madame. An der Form allerdings müssen die Einheimischen noch üben.

    Von seltsam zu unangenehm:

    • Im Drogeriemarkt. Madame wartet bis eine Mutter mit Tochter das Erkältungsmittelchenregal wieder frei gibt, als die Mutter sich umdreht, Madame vor den Inkontinezprodukten herumstehen sieht und ausführlich von ihren Erfahrungen mit diverser dieser Produkte berichtet. Die Tochter bewies, dass es cringe auch als Körperhaltung gibt.
    • Der Wesselburener Radfahrer, der aus zwei Meter Entfernung nach Alkohol roch und der Madame fragte, ob sie heute schon genug Blumen geschenkt bekommen habe.
    • Der Heider Radschieber, der Madame halb über den Haufen schob, sie dann anpöbelte, warum wie im Weg steht und sich jedes weiteren Dialogs verweigerte.

    Heide, you can do better!

    Solange wir mit niemandem redeten allerdings blieb es nett.

    Das erste Eis der Saison im Eiscafé Cortina, aufgrund der Windigkeit des Nordseewinds ausnahmsweise drinnen. Es gab Spaghetti und Spaghetti-Joghurt.

    Während Heide mal wieder durch eine Leerstandsphase der Geschäfte schreitet, ist Büsum kurz vor dem Platzen. Besonders auffallend die vielen Läden, die als klassisches „Geschäft“ durchgehen würden. So mit Kleidung oder Schuhen oder Büchern. Büsum lebt.

    Auf der Büsumer Deichbank. Einfach eine halbe Stunde auf das Meer schauen und Leute schauen. Ein alter Lehrbuchsatz kam mir ins Hirn „Die tobende Nordsee heißt Blanker Hans. Nicht weil sie so konturlos, glatt ist, sondern weil es von Blank (blanca, blanc) = weiß kommt. Gischtspitzen selbst in der friedlichen Büsumer Hafeneinfahrt, weißes Wasser, dass sich bis zum Promierweg emporleckte. Brechende Wellen zeigten jeden Unterwasser-Wellenbrecher an. Weiß war das Meer.

    Blick ins Hafenbecken Büsum. Links ein Bug auf dem "Büsum" steht zusammen mit einem Neptun.Wappen, weiter hinten ein Schiff der Küstenwache,

    Ciao Miao

    Stadtbummeleien führen zu Buchhandlungsbummeleien. In Heide und Büsum bedeutet dies vor allem: Scheller Boyens, die Buchhandlung zum Buchverlag zur Lokalzeitung WIE SICH DAS GEHÖRT.

    Vor allem, weil die Buchhandlung anscheinend noch von echten Buchhändler*innen gepflegt wird, die sich Gedanken machen, was auf welchen Tisch kommt, wo die Highlights sind und was im Schaufenster steht. Natürlich wird auch hier der Papeterie- und Dekoschnus-Anteil von Jahr zu Jahr größer. Aber noch geht es um Bücher.

    So passiere ich den Nordsee-Dithmarschen-Buch-Teil (im Touri-Ort Büsum ganz vorne, in der Einheimischen-Einkaufsstraße Heide ziemlich weit hinten), schaue nach Trends bei Garten- und Kochbüchern und widerstehe mit äußerster Kraftanstrengung auch den persönlichen Romanempfehlungen der Mitarbeiter*innen.

    Auffallend im leuchtenden Pastell: Der BookTok-Tisch. Bücher von großen Gefühlen, mit Titeln in güldener Schreibschrift, in allen Farbschattierungen, welche prastelllila, pastelltürkis und pastellrosa hergeben. Ich schwanke zwischen einem gütigen Lächeln, das sich am Riemen reißen muss, um nicht zur Arroganz zu kippen, und einem spontanen Kniefall mit erhobenen Armen „DANKE, dass ihr den deutschen Buchmarkt rettet.“

    Noch nicht wusste ich, dass ich in Wesselburen – von allen Orten – am nächsten Tag (leider ein Feiertag) eine komplette neue BookTok-Buchhandlung sehen würde: Ciao Miao, mit starken Italien-Connections, begann soweit ich mit zusammenreimte als Legami-Händlerin bis sich Inhaberin Ellie ihren Traum einer echten lokalen Buchhandlung erfüllte – mit starkem Fokus auf junge Menschen und deren Wünschen.

    Das vibet alles so positiv und nett und sympathisch, auch die selbst betriebene Wesselburen-Unterseite, dass wir seitdem überlegen, wie wir eine Lokalbuchhandlung 400 Kilometer von unseren Wohnort sinnvoll supporten können.

    30 Pflanzen

    Anlässlich des Buchhandlungs-Besuchs lernten wir: Die in meiner Internetbubble hochgelobte Katharina Seiser hat ein Buch zu den 30 Pflanzen herausgegeben. Dies verwunderte mich, hielt ich sie doch bisher für eine viel zu handfeste Person, um sich solchen Albernheiten hinzugeben. Aber vermutlich ist auch das ein Auswuchs von „Wes‘ Grünkohl ich ess‘ des Lied ich sing.“

    Egal, wenn schon Zählen, dann konsequent. Die Woche nähert sich dem Ende und es gibt einige Pflanzennachträge zu machen:

    • 62 – Mandel (Vom Mandelkuchen D’oh!)
    • 63 – Rote Paprika (Beilage zum vietnamsischen Tofu)
    • 64 – Soja (Vietnamesisches Tofu)
    • 65 – Brauner Eichblatt-Salat (Vorspeise zum Schweinebauch)
    • 66 – Lauch (Beilage zum Schweinebauch)
    • 67 – Weißer Spargel (Beim Spargelhof)
    • 68 – Kartoffel (zum Spargel)
    • 69 – Himbeeren (In Schokoummantelung, Ostern halt)

    Selbst bei allen Unsicherheiten (Blauschimmel anyone?) sind 68 verschiedene Pflanzen in der Woche deutlich mehr als 30. Damit kann ich wieder aufhören zu zählen.

    Meine Vermutung ist, dass reisebedingtes häufiges Auswärtsessen diese Woche die Zahl nach oben trieb – für ein Restaurant ergibt es logistisch mehr Sinn, einen Salat aus je einem halben Blatt sieben verschiedener Salatsorten zuzubereiten, als für einen Privathaushalt. Aber das wird kontrollgezählt, wenn wieder eine Woche kommt, in der wir beide nicht verreist sind.

    Enjoy the Struwen

    Bridgerton vor Bridgerton: A program from the 1925 Paris Opera: “La Nuit Créole” (No. 4)

    Camp Catatonia mäandert durch Heidelberg: Enjoy the Silence

    Falls ich jemals dazu komme, eine Dissertation in Politik-Mathe zu schreiben, dann über Zahlensender. Leider wird mein mathematisches Wissen dafür vermutlich nie reichen. Neues zum neuen Zahlensender, der auf Farsi aus der Nähe von Böblingen sendet: Priyom.org: V32. (via Jan Montag: V32 sendet Zahlen)

    Zweimal Struwen in einer Timeline: In Münster, lerne ich am Telefon von Kaa, ist das (oder ein?) traditionelles Karfreitagsessen Struwen. Was nicht etwa fischig ist, sondern pfannkuchenähnlich, dicke kleine eher nicht so süße Pfannkuchen mit Rosinen. Klingt ganz so, als wäre das was für mich. und aber Das Aufregendste heute war, dass ich für mich beschlossen habe, in einem der kommenden Jahre an Karfreitag ins Münsterland zu reisen und Struwen zu essen, in einem Landgasthaus. Alternativ natürlich, falls mich wer einlädt, bei dieser Person zu Hause.

    Notat

    Für zum Wiederfinden in späteren Zeiten:

    • Gelbe Dockers-Schuhe gekauft.
    • Spiegel beim Kaptain umgehängt.
    • Für 1,12€ bei HEM (Hamburg) getankt.

    Anmerkungen

    1. Das Internet scheint irrigerweise der Meinung zu sein, dass Schweinebauch gebraten wird. Selbst wenn der Akt im BACKofen stattfindet. ↩︎
  • 26-04-04 Odometer 200000 (Berlin->Dithmarschen(Hamburg ?))

    26-04-04 Odometer 200000 (Berlin->Dithmarschen(Hamburg ?))

    Auf der Autobahn: Riesen-Pick-Ups mit Riesen-Wohnwagen. Ich versuche mir kurz eine Version meiner selbst vorzustellen, die in ihrer Jugend so abbog, dass sie heute.. NEIN!

    **

    Madame erzählte, warum sie Hosentaschen junger Männer mustert und warum ihre Prüflinge gerne mit Schlumpfhosen und Moon Boots zur Prüfung erscheinen.

    **

    Der Kaptain buk Mandelkuchen.

    **

    Die Küstenseeschwalben sind noch auf Wanderschaft. Bisher kehrten nur die Lachmöwen in die Kolonie zurück.

    **

    Es waren konzertante Reiseostertage, oder Osterreisetage.

    Sand im Salatgetriebe

    Manchmal versuche ich Sand-im-Getriebe des globalen Kapitalismus zu sein, indem ich bei McDonalds Mehrwegbecher bestelle. Das ist möglich, aber offenbar so wenig McDonalds-durchrationalisiert, dass selbst der Feld-Wald-und-Wiesen-AöR-Prozessmensch in mir weint, wenn er die Umstandskrämerei betrachtet, die diese Bestellung und die Pfandeinlösung in der Filiale auslösen.

    Dazu auch noch Salat. Wenn wir die Filiale schon mit unvorhergesehen Wünschen irritieren, dann konsequent. Wir lieben es funky. Zumal ich mit einer Salat-Bestellung die Pflanzen-der-Woche-Liste gleich um fünf erweitern konnte:

    • 57 – Eisbergsalat
    • 58 – Lollo Rosso
    • 59 – Endivie
    • 60 – Frissee
    • 61 – Radicchio (sagt das Internet dass er drin wäre. Ich habe keinen gesehen)

    Also deshalb lieber die echte 61 aus dem Falafel-Wrap vom Vortag:

    • 61 – Kichererbsen

    Geisterautos

    Für’s Protokoll: Autogas kostet derzeit für uns zwischen 1,08€ und 1,12€. Das ist gerade von Belang, denn wir müssen deutlich öfter tanken als normal.

    Ein Geisterauto auf der nächtlichen A24 ganz ohne Beleuchtung, das sich auch durch Signale anderer nicht zur Lichtentzündung bewegen lassen wollte.

    Ein anderes Auto auf der A23, das immer wieder mit Warnblinker auf den Standstreifen fuhr, um uns wenige Minuten später mit 180km/h zu überholen.

    Zahlreiche Freunde1 der Lichthupe quasi überall. Ich überlegte kurz, ob es überzeugte Christen sind, die ob der nahenden höchsten Feiertage in emitionale Aufwühlung gerieten. Aber ich verwarf den Gedanken. Wahrscheinlich war die Lichthupe ein fast schon verzweifeltes Hilfesignal „Die Zivilisation überfordert mich! Ich wäre jetzt viel lieber in einer Höhle und würde von Mammuts träumen! Helft mir!“

    Erlebnisse, die im Moment irritierend waren, aber nicht den Eindruck der Fahrt von Berlin nach Dithmarschen verwässerten, die aller Vorösterlichtkeit zum Trotz entspannt und ruhig war.

    Abgerundet wurde dieses im Ganzen friedlich entspannte Reisegefühl durch das ein- oder andere Osterfeuer, das sich entlang der Strecke sehen oder riechen ließ.

    Bereits kurz nach der Abfahrt erreichte der Subaru seinen Kilometer 200.000. Damit wird er dieses Jahr nicht nur volljährig, sondern erreichte auch einen Kilometer-Meilenstein.

    Einzig der Geruch nach Gummi, störte. Aber das wurde erst ein Thema für den nächsten Tag.

    „Ist halt Subaru“

    Machen ADAC-Techniker Fortbildungen, in denen sie lernen, das Auto des Clubmitglieds zu loben? „Unser“ Techniker bestand diese Fortbildung offenbar mit Sternchen.

    Der leichte Gummigeruch des Vorabends hatte sich über Nacht zu einem veritablen „Es fährt nicht los“ entwickelt. So standen wir also mit dem Techniker vor der offenen Motorhaube. Er sah sich das einmal an, holte ein Art Gartenschere aus seinem Kofferraum, griff in den Motor und sagte „Geht wieder.“ Auf unsere ungläubigen Blicke folgte ein „Ist halt Subaru.“

    Er führte aus „Dieser Motor ist ein Geschenk“, weil alles so zugänglich und leicht erreichbar ist. Auch die defekte Klimaanlage, deren Keilriemen hier das Problem auslöste. Ein Schnitt mit der Gartenschere. Keilriemen und Klimaanlage waren damit zwar endgültig außer Effekt gesetzt, der Rest des Motors blieb unbeeindruckt. Frage „Stört das die Funktionsfähigkeit des Autos?“ Er: „Nur wenn sie in die Wüste Gobi fahren.“

    Wir diskutierten kurz, ob eine Klimaanlage notwendig oder Luxus ist, er warf den Wiederverkaufswert des Autos ein. Der interessiert uns wenig, denn wir gedenken, den Forester zu fahren bis er auseinanderfällt oder der TÜV uns gewaltsam trennt.

    Er „Stimmt. Sowas kriegen sie nie wieder.“ und „Die Subarus waren da ja für die Ewigkeit gebaut.“

    Und so kam es, dass wir den ADAC rufen mussten, erfuhren, dass das Auto einen Schaden um 1000-1500-Euro-Bereich hat, und wir trotzdem danach ein gutes Gefühlt hatten.

    Well played, Autoclub, well played.

    Christus am Ölberge

    Es stürmte auf der Südseite der Plaza. Kaum waren wir bei unserer Umrundung der Elbphilharmonie um die Ecke gebogen, erkauften wir uns den Blick, mit einem Gegenwind, der mich an abbrechende Äste gemahnte. Aber der Blick war es wert.

    Oder auch die Blicke: Innen, Außen, Oben und Unten. Der Bau der Elbphilharmonie war ein ähnliches Drama wie der Bau des Berliner Flughagfns, das Ergebnis erhebt sich über die Vergessbarkeit des Verkehrsgebäudes in Brandenburg. „Spektakulär“ kein anderes Wort lässt sich sagen.

    Der Blick auf Hafen und Stadt gleichzeitig, eine Perspektive, die viele autochthone Hamburger gefühlt immer haben, aber sie kaum sehen. Der Blick auf alle Kirchtürme. Die Barkassen und Hafenfähren, die Miniatur-Wunderland gleich, weit unten fahren. Die Treppenhäuser und Foyers; das Innere des großen Saals, der wirkt wie die Berliner Philharmonie, neugestaltet von Jonathan Ive und nach Erfindung der CNC-Technik. Komme herein, Bauer und Städter, Hamburger, Berliner und Kopenhagener: Komme herein und staune.

    Und so kamen wir uns sie. Der Mann, der bei mir dezenten Sakkoneid auslöste durch seinen Sakko im Design der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche oder eines anderes geometrischen Glasfensters; der kleine Junge, der tapfer einen Beethoven und einen halben Haydn durchhielt bevor der doch Super Mario aus der Tasche zog; die junge Frau, die die Dramödie „meine erste steile Treppe in hohen Absätzen“ aufführte.

    Überhaupt waren viele Familien anwesend. Und ein echtes Symphoniekonzert am Karfreitag zog anscheinend eine deutlich festlichere Konzertgemeinde an als Herr Buddenbohm sie erlebte.

    Vielleicht das spektakulärste des Spektakels war der Klang. Egal, auf welches Instrument wir fokussierten: Es hörte sich an, als würden wir direkt daneben sitzen. Als der Trompeter einmal mit dem Fuß den Takt klopfte, wir hörten es vier Etagen weiter oben. Aber auch; jeder Huster irgendwo im Publikum, jedes vibrierende Handy einmal quer durch den Saal. In der klanglichen Überwältigung des Raumes reden wir hier von Weltwunderniveau.

    Die sieben letzten Worte unseres Erlösers am Kreuze

    Vorweg: Berührend war die Herzlichkeit mit der Dirigrent, Orchester und Vokalensemble vor und nach den Stücken miteinander umgingen. Das war um so beeindruckender, weil das musikalische Karfreitagsprogramm nicht herzlich war: Ringend, aufbrausend, schmerzend, feierlich, ruhig, donnernd – aber nicht herzlich.

    Der Altmeister der alten Musik Jordi Savall führte mit seinem Orchester Le Concert des Nations und dem Vokalensemble La Capella Nacional de Catalunya ein Programm auf, das Ostern erst nahm.

    Beethovens Oratorium: Christus am Ölberge – die dramatischen letzten Stunde Jesu im Garten Gethsemane bis zu seiner Verhaftung und Haydns Die sieben letzten Worte unseres Erlösers am Kreuze, feierlich, getragen fast schmerzlich in seiner Intensität. Der Moment als alles vorbei scheint, der Kampf vorüber und das Ende der Geschichte nah ist.

    Von vielen vielen beeindruckenden Momenten vielleicht der gänsehautigste: Das Vokalensemble, ohne Orchester, steht und intoniert „Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?“

    Akustisch gestaltete Wand der Elbphilharmonie

    Badeanzug-Bärchenemoji

    Haben sie diese amerikanische Kleinstadt schon einmal gesehen? ‘Courthouse Square’ auf dem Universal-Gelände spielte schon die Kleinstadt in Filmen von Tarantula bis Zurück in die Zukunft. (Oder To Kill a Mockinbird, Magnum, Knight Rider, Bruce Almighty.. you name it. Vermutlich haben Dutzende Millionen von Menschen diese Kulisse vor Augen wenn sie „US-Kleinstadt“ denken: Look familiar? ‘Courthouse Square’ is a regular character in film, tv

    Menschen, die ich bewundere. Conny unterhält sich seit 2017 mit wildfremden Menschen am Telefon, die irgendwas von Wikipedia wollen:

    Badeanzüge, die nicht schwarz sind und in denen frau trotzdem schwimmen kann. Ein ewiges Thema. Auch in Potsdam.

    Ich lachte laut: „Für mich fühlt sich Spielen mit einem Controller immer ein bisschen an wie ein Alptraum: Ich werde auf einen Stuhl gesetzt und soll ein Verkehrsflugzeug sicher landen während gleichzeitig die Landebahn unter schweren Beschuss steht. Dazu drückt man mir eine Banane in die Hand, auf die jemand sämtliche Emojis geklebt hat, die es gibt. Dann erklärt man mir die Mechanik: „Um vorwärts zu fahren: Kotz-Emoji + Bärchen + Schraubendreher + abwechselnd Schildkröte von vorne und Clownsgesicht. Schildkröte von vorne!“

    Anmerkungen

    1. Ich konnte die Fahrersitze nicht sehen. Aber glaubt irgendwer, dass hier gegendert werden müsste? ↩︎
  • 26-04-03 You can never enter the kingdom of God with hardness against any one

    26-04-03 You can never enter the kingdom of God with hardness against any one

    Sind wir sauberer seitdem wir in einem Schwimmbad wohnen? Maybe. Ist das Auto sauberer, seitdem wir neben einer Waschstraße wohnen? Auf jeden Fall.

    **

    Ein Mann ohne Unterschenkel aber dafür mit zwei Krücken kam uns auf einem Skateboard entgegengerollert.

    **

    Ein Mann in weißem Ganzkörperschutzanzug mit Kapuze und Maske schob einen Einkaufswagen mit Pfandflaschen durch die Barstraße.

    **

    Höhe Strausberger Platz lachte jemand so durchdringend, dass selbst Menschen in der vollgestopften Berliner Pendler-U-Bahn aufschauten.

    **

    Es waren zwei Tage der Arbeit mit ekstatisch-zölibatärer Kino-Unterbrechung.

    Es hält kein Zug in Baden-Baden

    Eine elektronische Bahn-Abfahrtstafel informiert mich, dass der ICE nach Brig „ohne Halt in Baden-Baden“ fährt. Was einerseits korrekt ist. Andererseits ist die Info inmitten der Berlin-Südkreuz-Rolltreppen-Absperrungen, temporär gestörten S-Bahnen und komplett ausfallenden Zügen nach Hamburg oddly specific.

    Langsam wohnen sich auch die defekten Rolltreppen ein. Die leuchtend gelben Absperrungen verschmuddeln jeden Tag ein wenig mehr. Ihr Ausdruck wandert von „Achtung! Attention! Attenzione! Hier ist etwas wirklich, wirklich kaputt!“ zu „Ich bin halt auch ein Stadtgrümpel und tue mein Bestes.“

    Dort, wo die Benutzung der Treppe einen Umweg darstellen würde, wurden die Absperrungen aus dem Weg geschoben, damit die Rolltreppe zumindest belaufen werden kann. Dort, wo sie noch stehen, sammelt sich erster Müll an unzugänglichen Stellen.

    Zwei einsame Kofferträger suchen erfolglos Menschen, die ihnen ihre Koffer zum Tragen anvertrauen. Ein seltener Besuch, ein Handwerker, schraubte an einer der Fahrtreppen herum, allerdings ohne sichtbaren Erfolg.

    Gelber Doppeldeckerbus in der Nebellandschaft des Bahnhofsvorplatzes. Im Vordergrund zwei Fahrräder, halb umgekippt, halb von ihrem Schloss an einem Schild stabilisiert,

    Der Unterschied zwischen Mushrooms und Funghi

    Madame recherchierte dem Hot Pot hinterher. Jetzt weiß ich, dass eines der gegessenen Grünzeuge Am Choi war. Zumindest einer Pilze ließ sich als Enoki bestimmen. Das, was wirkte, wie sehr dünn geschnittene Champignons, waren tatsächlich welche.

    Teile der Tierteile bleiben mysteriös. Aber Tierteile sind keine Pflanzen. Auch nicht bei der 30-Pflanzen-Challenge. Wie anscheinend auch Schimmelpilze oder Hefen.

    Die einschlägigen Veröffentlichungen sind auf englisch und sprechen von zählenden Mushrooms. Mushroom wird generell und pi-mal-Schluckauf als „Pilz“ übersetzt. Technisch korrekter wäre „Fruchtkörper eines Pilzes.“ Ein Blauschimmel zum Beispiel ist zwar ein Pilz, aber kein Mushroom.

    Das alles ergibt biologisch noch weniger Sinn – aber nunja, Kulinarik und Biologie haben zueinander ein Verhältnis wie die Schwestern in Aschenputtel.

    Um nach all der Vorrede zu Zahlen zu kommen. Es gibt neue verzehrte Pflanzen:

    • 48 – Enoki-Pilze (Hot Pot)
    • 49 – Am Choi (Hot Pot)
    • 50 – Banane (Snack)
    • 51 – Braune Alblinsen (Linseneintopf)
    • 52 – Spanische Crowdfarming-Linsen (keine Ahnung ob der Sorte, auf jeden Fall keine Alblinsen)
    • 53 – Pflaume (getrocknet, Linseneintopf)
    • 54 – Kirsche (getrocknet, Linseneintopf)
    • 55 – Kreuzkümmel (Linseneintopf)
    • 56 – Hafer (Drink, Frühstück)

    Spuren des George

    Spontan musste ich beim Bahnhof Zoo an den Duisburger Großmeister des Straßenaufkleberfotos, den Flusskiesel, denken:

    Aufkleber auf Ampelmast "Duisburg war hier"

    Vor dem Kino waberte ich noch ein wenig durch den Zookiez. Eine Bewegtbild-Infotafel informierte mich, dass ich 50 Plastik am Tag esse. Waren es Gramm? Oder waren es Mikrogramm? Ist das schlimm? Oder gibt es jetzt analog zur 30-Pflanzen-Challenge auch die 50-Plastik-Challenge? Das Bewegtbild bewegte sich zu schnell, um es zu erfahren.

    Ein Graffitti war statischer. Seine Info, wie ich Dickpicks von George googlen könnte, half mir aber auch nicht weiter im Leben.

    Schließlich liess ich mich zurück in einen geschützt-kuratierten Raum treiben.

    Im Delphi Lux freute ich mich mein Brlo-Helles mit Yorck-Branding direkt mit meiner Sparda-Girocard und Handy unter Umgehung von Apple Pay und Mastercard zahlen zu können.

    Im Foyer erfuhr ich, dass es neben Yorck Unlimited ein weiteres Angebot gibt: Mubi go. Unbegrenztes Mubi-Streaming und jede Woche ein Kinoticket. Zum selben Preis wie Yorck Unlimited. Sähe ich mich selbst öfter als dreimal im Jahr ernsthaft einen Film auf einem fernsehartigen Gerät sehen, käme ich ins Grübeln.

    13 Kilometer

    Es lief Film den ich lieben sollte1. The Testament of Ann Lee von Mona Fastvold geht um eine faszinierende Frau. Es ist ein Musical, mit mysthisch-seltsamen Stoff, historisch verortet, und wird allgemein als intensiv und publikumsspaltend beschrieben.

    Und doch verbrachte ich zuwenig Zeit im Kino damit, mit großen Augen und offenem Mund in den Film zu versinken, und zuviel Zeit damit, mich intellektuell zu fragen, warum der Film für mich nicht funktioniert.

    Ann Lee

    Der Film folgt dem Leben von „Mutter Ann Lee“ von der Kindheit in der präindustriellen Metropole Manchester des 18. Jahrhunderts bis sie 1784 von einem Mob losgelassener MAGA-Vorfahren derart misshandelt wird, dass sie wenige Monate später an den Folgen der Verletzungen stirbt.

    In der Zeit dazwischen schloss sie sich den Shaking Quakers an, brachte vier Kinder zur Welt, von denen keines ein Jahr überlebte, wurde mehrfach inhaftiert, wurde zur Prophetin und Wiedergeburt Jesu, erklärte Sexualität und insbesondere die Ehe zur Grundsünde, die die Menschen von Gott entfremdete, entfremdete sich von ihrem Mann, wanderte in die nordamerikanischen Kolonien aus, gründete eine Kolonie der Shaking Quakers in der Kolonie New York, die politisch und gesellschaft selbst 250 Jahre später noch politisch weit links im Koordinatensystem stehen würde, wurde mehrfach verhaftet und misshandelt und starb schließlich als die Shaker mehrere tausend Mitglieder hatten.

    Stoff bietet die Biographie reichlich.

    Ist es ein Flugzeug? Ist es Superman?

    Es ist ironisch: Ein Film über eine Frau, die gegen alle Widerstände ihrer eigenen Vision folgte, scheitert daran, dass er nicht so recht weiß, was er will.

    Ich sah Elemente dreier großartiger Filme:

    • Ein intensiver körperlicher in der Zeit verankerter Historienfilm, der mühelos durch die Zeit wandert, da er an Empfindungen anschließt, die allen Menschen zu allen Zeiten gemein sind. (siehe zB Hamnet)
    • Ein episch-exzentrisch ausschweifendes Musical, das klar erkennbar aus dem Jetzt auf die Vergangenheit schaut. (siehe zB Barrie Kosky)
    • Eine religiös-visionäre Meditation (siehe zB Tarkowsky)

    Alles war im Film angelegt, alles kam zeitweise zum Vorschein. Nur vertrug es sich nicht sonderlich gut untereinander. Noch weniger vertrug es sich mit Elementen konventioneller Hollywood-Historien-Schinken, die immer wieder aufschienen.

    Da wo bei Hamnet eigentlich alles richtig wirkte, jeder Schnitt, jede Bewegung, jeder Tonkrug im Bildhintergrund, wirkt bei Ann Lee irgendwie immer alles falsch: Das Timing stimmt quasi nie. Die Musik ist weder historisch noch „jetzt“. Die Ausstattung wirkt immer unfreiwillig nach Kulisse. Die Trickeffekte sehen deutlich nach dem schmalen Budget aus, dass der Film hatte, nicht nach dem großen Budget, dass er gerne gehabt hätte. Das gesprochene Englisch im Film ist weder überzeugend „Arme Leute, Manchester 18. Jahrhundert“ noch so unspezifisch, dass es nicht auffällt.

    Dann auch noch immer wieder Schlampigkeiten, wie zum Beispiel dass die Gruppe knapp 20 Jahre vor Einführung des metrischen Systems eine Entfernung als „13 Kilometer“ angibt. Was halt auffällt, weil zwischendurch noch die französische Revolution stattfinden muss.

    Da kann Amanda Seyfried (neben der Wahl des Ausgangsstoffes so ziemlich das einzige was der Film konsequent richtig macht) noch so sehr mit allem Ausdrucksvermögen und aller Körperlichkeit gegenanspielen – es reicht nicht.

    Was bleibt

    War es lohnend? Unbedingt,

    Meine Shaker-Bildungslücke ist geschlossen und ich will schon wieder nach Neuengland reisen, weiter Shaker recherchieren.

    Es gab denkwürdige Aufnahmen und erinnerungswürdige Bilder – insbesondere wenn es ins Kammerspiel direkt mit Seyfried ging.

    Und es gab die Erinnerung, dass die USA nicht nur MAGA in ihrem Urschleim haben, sondern auch pazifistische Frauen, die schon vor Gründung des Staates, mit Allem was sie hatten, Gleichberechtigung, Pazifismus und Liebe predigten.

    The River of Sachsen-Anhalt

    Boy, war die Musik in dem Film daneben. Bei der nachfolgenden Suche nach echter Shaker-Musik stieß ich auf .. wenig. Ein einziges Album eines Projektensembles New England Voices, die mit The River of Love eine Sammlung von Shaker-Hymnen versammelte. Eine Aufnahme, der, natürlich, King’s Singers, die die Hymne The Gift to be Simple auf ihrem gleichnamigen Folk/Traditions/Balladen-Album brachten.

    Und da hört es auch auf.

    Ein durchgehend denkwürdiger Film war Souleymanes Geschichte über einen ghanaischen Lieferradler in Paris. Dazu passend, das Buch Liefern: Tomer nimmt uns mit zu Lieferfahrer_innen in Tel Aviv, Berlin, Istanbul, Buenos Aires und Delhi.

    Poupou zählt gegessene Jahrespflanzen und kommt (ohne Whiskey und Blauschimmel) auf derzeit 52: Pflanzen 2026

    Thomas lebt in Sachsen-Anhalt und sieht Landtagswahlen heraufziehen: Sachsen-Anhalt im Fokus

    Wir werden demnächst in der Elbphilharmonie sein. Herr Buddenbohm war schon. Frau Klugscheisser war auch dort. Sie waren sogar in der selben Vorstellung.

    Gefühlt besteht derzeit die Hälfte meines Arbeitslebens aus Diskussionen, wie „Welche Daten wo?“, „Wo ist die Cloud?“, „Gibt es eine AAV?“, „Sind diese Daten anders als andere Daten etc.?“ Und dann lese ich sowas: „Eine KI Vibe Coding Horrorgeschichte“ Eigentlich hätte ich während des Lesens durchgehend schreien können.

    Anmerkungen

    1. Yorck Unlimited No. 18 – damit 13,22€ pro Ticket und damit unter dem Abendkassen-Basispreis in den A-List-Kinos von Yorck. Nebenentdeckung auf der Website: Der +1-Ticket-Rabatt für Mitkommende für Yorck Unlimited steigt von 10% nach 12 Monaten auf 20%. Damit bin ich noch sichererer, dass das verlängert wird. ↩︎
  • 26-03-31 Mr. Darcy treibt kräftig

    26-03-31 Mr. Darcy treibt kräftig

    Wal, da liegt er.

    2026 gibt sich mit Buckelwal und beißendem-Wolf-bei-IKEA bereits im Frühjahr mehr Mühe im Bereich nachrichtenwürdiger Großtiere als manches Jahr im Hochsommer. Aber auch: Eine Nachrichtensendung in der ein Buckelwal in der Ostsee und Wölfe in der Hamburger Innenstadt vorkommen, schreit danach, Hintergrundgeräusch in den ersten fünf Minuten eines apokalyptischen Films zu sein.

    Und das noch vor dem Politikteil.

    **

    Streitpunkt mit Madame: Zählt „den anderen Ausgang am S-Bahnhof nehmen“ schon als Mikroabenteuer? Was sagt ClipClop dazu?

    **

    Montagmorgen am S-Bahnsteig schaute ich schon mal in das Handy. Generell bin ich sehr beeindruckt von der karibischen Schweizerin, halte sie für das beste was einem an Kollegin passieren kann und bewundere sie in vielerlei Hinsicht. Aber in diesem Moment dachte ich nur: „Meine Güte, Mädel, wie kann man Montagmorgen schon so motiviert sein?“ Beziehunsgweise dachte ich eher „Mgmmlknmnmthmotirtmm!“. Das sind Uhrzeiten, in denen ich selbst geistig noch nicht artikulationsfähig bin.

    **

    In der S-Bahn eine Frau, die ihr Handy in metallicrosa Hülle direkt an ihr metallicrosa Kopftuch hielt. Innerlich pfiff ich anerkennend.

    **

    Südkreuz. Rolltreppe. Mit April Lavigne: Can I make it more obvious?

    Blick auf einen Bauzaun, hinter dem das brandneue Folienbild einer Rolltreppe zu sehen ist.,

    Es war der Sonntag der zwei Gärten und ein Arbeitsmontag der Rinderlappen.

    Bleek und wie er die Welt sah

    Der Jazz-Noir-Film Mo‘ Better Blues vom letzten Donnerstag spukte mir weiterhin im Kopf herum. Wie kann ein Film, der so intelligent gebaut ist, an einzelnen Stellen so doof sein? Das ergibt keinen Sinn.

    Je länger ich darüber nachdachte, desto mehr stolperte ich über das Ende. Das ist in den doofen Schleifen des Films ganz besonders doof. Das kann nicht aus Versehen passiert sein.

    Das Ende muss der Schlüssel sein.

    Deshalb rekapitulierte ich: Ungefähr bei 80% der Filmlaufzeit ist Protagonist „Bleek“ Gilliam am Ende: Frauen weg, Band weg, Gig weg und er selbst so übel zusammengeschlagen, dass er nie wieder richtig trompeten wird. Dann kommt die sagenhafte Wendung, in der er innerhalb von zwei Minuten vom Tiefpunkt seines Lebens mit Hilfe purer Aufdringlichkeit zu Frau, Kind und einem Bilderbuchleben kommt, das genau seiner Kindheit entspricht.

    This cannot be real

    Und wenn es nicht real sein kann, ist es vielleicht Einbildung? Ist es das Traumbild von Bleek? Das er sich ausmalt?

    Ist es vielleicht der Punkt, an dem er die Realität nicht mehr verklärt, sondern komplett in Tagträume abdriftet. Schildert der Film die Realität gar nicht mehr als „objektiver Beobachter“ sondern zeigt er quasi das, was in Bleeks Kopf vorgeht?

    It’s just a dream

    Voraus dann der nächste Gedanke folgt: Wenn der Film am Ende quasi Bleeks geträumte Version der Geschichte zeigt, kann das auch am Anfang sein? Zu der Zeit als er noch nicht in Tagträumen lebte, aber offensichtlich eine ziemlich verklärte Sicht von sich und der Welt hatte?

    Dann würde vieles mehr Sinn ergeben: Die karikaturenhaftigkeit mancher Nebenfiguren. Die Tatsache, dass alle Frauen nie miteinander, sondern immer nur mit ihm reden. Sowieso, wie sehr die komplette Filmwelt um ihn herum kreist. Das ergibt überraschend Sinn.

    Ich müsste den Film noch einmal sehen, um diese These zu überprüfen. Also spätestens 2046 wenn er wieder mal in einem Kino gebracht wird.

    Zwei Gärten

    Hamptons der Mittelmark

    Unter ernsthaften Gärtnern ist die Forsythie eine Art André Rieu des Pflanzenorchesters. Plakativ, platt, ohne jede Tiefe, und ein One-Trick-Pony. Dementsprechend ist sie ähnlich beliebt unter Gartenfachleuten wie Rieu unter Musikkritikern. Aber wie auch der Rieu – die Menschheit liebt sie.

    Ungleich Rieu allerdings mögen wir sie auch. So ein strahlendes Gelb, gerettet mit Hilfe eines Ablegers aus dem Schöneberger Hinterhof, bringt sie die ganze Ecke aus Totholzstapel, dunkler Nachbarsfichte und bräunlich-grünen Wiesenresten aus dem Vorjahr zum Leuchten.

    Während die Narzissen langsam eine nach dem anderen die Köpfe ausstrecken, der Blattpflaum des Zierapfels einen Bartwuchs eines Vierzehnjährigen erinnert und die Rosen noch mit Austrieb vollbeschäftigt sind (selbst der kleine Mr Darcy) leuchtet sie schon wie eine Rolltreppenwarnabsperrung: Hier bin ich! Und es wird Frühling!

    Dann sehen wir: Beet 2L entwickelt sich zum Königskerzenwald. Weitere ungeahnte Schachbrettblumen treiben aus. Die Hummeln mühen sich in den Regenpausen ab,

    Wochenend-West

    Das Forsythienleuchten bedeutet aber auch: Die Exkursion nach Wochenend-West stand an. Auch dort stehen Obstbäume und Rosen, die geschnitten werden wollen. Auch wenn dort, Sandboden, halb im Wald, quasi alles anders ist als auf unserem sonnengefluteten Lehm, die Rosen wachsen hier wie dort.

    Wie bewunderten den neuen Zaun (kein Jägerzaun mehr, denn wie der Berliner sagt Jägerzaun = Jekreuzt), ebenso wie die neue Treppe. Wir informierten über Familienmitglieder, hörten uns News zur Fast-Triest-Reise an und zu den Problemen der Internet-Reisebuchung. Am Ende gab es Pilzsuppe, Gemüsequiche und wie immer den spirituellen Geist eines Asterix-Gelages am Lagerfeuer.

    Blick nach oben in die Brandenburger Nadelbäume. Dazu strahlendblauer Himmel.

    Pilze sind keine Pflanzen, sonst wären es ja Pflilze

    Gegessene Gemüsesorten zu zählen ist zugegebenermaßen eine hochgradig alberne Angelegenheit. So wie vieles im Leben. Erwerbsarbeit zum Beispiel. Aber hier wie dort, gilt: Die Albernheit läuft zur höchsten Form auf, wenn mensch sie in Regeln gießt.

    Wenn ich also die 30-Pflanzen-Challenge durchspiele, möchte ich halbwegs klare Regeln haben, was eine Pflanze ist und was nicht. Etwas Recherchen erbrachten den Ursprung der Angelegenheit: 10.000 Citizen Scientists schickten Stuhlproben und Ernährungslisten an Ernährungswissenschaftler und nach einigen Statistikskripts (RStudio?) und etwas Magie, entstand die Zahl von 30 notwendigen Pflanzenarten, die Citizen Scientist essen muss für die optimale Stuhlprobe.

    Es gilt:

    • Pilze sind Pflanzen (An dieser Stelle atme ich einmal gut hörbar ein.)
    • Verschiedenfarbige Gemüse zählen mehrfach. Also zum Beispiel Rote und Grüne Paprika.
    • Es geht vor allem um die sekundären, obskuren Inhalte. Wenn die noch vorhanden sind (Kaffee, Fermentiertes, Vollkornmehl) zählt das Lebensmittel. Wenn es zu stark verarbeitet ist, zählt die Pflanze nicht (Zucker, Weißmehl).
    • Es muss eine erkennbare Menge sein. Die ist bei Kartoffeln größer als bei Kurkuma, aber es muss schon echter Bestandteil der Mahlzeit sein, nicht der siebzehnte Zusatzstoff auf der Inhaltsangabe.

    Und nach all‘ der Vorrede zähle ich weiter für diese Woche:

    • 30 – Orange (Snack)
    • 31 – Feldsalat (Mittagessen)
    • 32 – Kumquat (Abendessenauftakt Wochenend-West)
    • 33 – Grüner Salat (Abendessensalat Wochenend-West)
    • 34 – Radieschen (Abendessensalat Wochenend-West)
    • 35 – Schnittlauch (Abendessensalat Wochenend-West)
    • 36 – Stangensellerie (Abendessensalat Wochenend-West)
    • 37 – Salbei (Pilzsuppe Abendessen Wochenend-West)
    • 38 – Champignons (Pilzsuppe Abendessen Wochenend-West)
    • 39 – Petersilienwurzel (Gemüsequiche Abendessen Wochenend-West)
    • 40 – Erdnuss (Erdnussmus, Frühstück)
    • 41 – Blauschimmel (Im-Käse-Lebenwesen, Frühstück)
    • 42 – Pak Choi (Hot Pot Friedrichshain)
    • 43 – Chinakohl (Hot Pot Friedrichshain)
    • 44 – Grüne Paprika (Hot Pot Friedrichshain)
    • 45 – Brokkoli (Hot Pot Friedrichshain)
    • 46 – Blumenkohl (Hot Pot Friedrichshain)
    • 47 – Diverse chinesische Pilze, die ich im Leben nicht benennen könnte (Hot Pot Friedrichshain)

    Viele Pandas

    Letzte Woche noch im Kino, heute schon mit uns im Hot-Pot-Restaurant-in-der-leblosen-Mall: Jazz Musiker*innen.

    Auch wenn die Spike-Lee-Versionen im Kino noch cooler waren als die Friedrichshainer vor uns, und außerdem Musik machten, waren die beiden vor uns die sehr viel bessere Wahl: Umgänglich, eine Freude für ihr Umfeld und einfach tolle Menschen. Im Leben siegt toller-Mensch-sein vor Coolness.

    Wir saßen im Ruyixuan Hot Pot Restaurant in einer Deko aus Plastikpandas, roter atmosphärischer Beleuchtung, um uns herum, viele Menschen, die ich nach China verorten würde. Eindrucksvoll die Frau mit dem spektakukären Blumen-Hemd unter dem rückenfreien Top, das sich beim zweiten Gang als Tatoo herausstellte.

    Gut, dass ich kein Mandarin kann: das eindrückliche Ohrwurmpotenzial des zuckersüßen Chinapops entfaltete sich weniger, wenn keine Wörter stellte.

    Schnell stellte sich die Frage: Wie authentisch ist zu authentisch?

    Wir hatten vor uns den typischen Hot-Pot-Tisch in dem Tomaten- und Pilzbrühe1 eingelassen waren, und konnten ans Buffet gehen. Dort lagen, hm, vermutlich Tierteile, die ich weder einem Tier noch einem bestimmten Teil eines Tiers hätte zuordnen können – nur Muskelfleisch war das nicht. Am Rand des Buffets standen 10 Schilder „Schichtdarm, Rinderlappen, Rindfleischkugeln, Entenfüße..“ und wir konnten raten, welches Schild zu welchem Teil gehört. Spannender wurde es in der Abteilung „aus der See“. Da sind die Tiere kleiner, manchmal war raten besser, aber so einiges war nur für den abenteuerlustigen Europäer.

    Glücklicherweise waren unbeholfene Europäer nicht die Hauptzielgruppe, aber auch vorgesehen. Nudeln, vielerlei Gemüse, vielerlei Pilze, Rindfleisch(muskel) und die nicht ganz so extravaganten Fleisch- und Fischstücke von „Ente“ bis zu „Hm, mal schauen“ ergaben ein köstliches Essen, dass sich wie es sich gehört über gesprächsreiche Stunden hinzog.

    Land-Grazien und Nagerteppiche

    Verbrennt die Handies. Denn quasi jeder Mann, der in der Beziehung Gewalt ausübt, dauerüberwacht seine „Partnerin“ auch per Tracking-App auf dem Handy. Das ist so ein Punkt in dem ich mich frage, ob das all‘ das nette, was Handies gebracht haben, die Opfer an anderem Ort wert sind.

    Im Deutschlandfunk sprach Miriam Peters vom Verein Land-Grazien über die Probleme, auch nur mit diesen Frauen zu reden ohne dass ihr Schläger es mitbekommt. Und noch über vieles Andere, was ich so prinzipiell weiß, dass es stattfindet – so im Detail ist es aber doch eine andere Nummer. Das ist hörenswert, und wird noch eindrucksvoller, weil Peters selbst auch nach allem was sie gehört und gesehen hat, immer noch lebendig und optimistisch auf die Welt sehen kann.

    Und Baustellen. Schwimmbäder. Rolltreppen. Demokratie erodiert nicht spektakulär. Sie verliert im Alltag. Verwaltung entscheidet Demokratie. (via)

    Holger spleisst: Mein erster Augspleiss.

    Holger lernte spleissen. Ich lernte: Frau kann Nagerteppiche abonnieren.

    Doch mal Wuthering Heights lesen.

    Der Tag, an dem mein Herz stillstand – 6 Monate später.

    Anmerkungen

    1. „die nach den Prinzipien der traditionellen chinesischen Medizin zubereitet wird, um die Durchblutung zu fördern und das Immunsystem zu stärken“ ↩︎
  • 26-03-28 Schokohimbeeren mit Sahne

    26-03-28 Schokohimbeeren mit Sahne

    Warum ist Jens Spahn noch im Amt?

    **

    Die Dammstraße zu den Latifundien ist repariert. Das Otterwechsel-Schild ist zurück!

    **

    Das Schlafzimmerradio ist kaputt. Der Whiskey ist alle. Selbst falls sich das Radio als irreparabel erweist, kann es sein, dass der Whiskey-Ersatz teurer wird als der Radio-Ersatz.

    **

    Schlechtes Zeichen: Ich gebe in den letzten Wochen zu oft mein Arbeitspasswort in den Privatrechner ein. Mein Geist hat Bürolösungsprobleme.

    **

    Dort hatten wir ein Datenstrukturgespräch mit dem technischen Service: Ich habe in kurzer Zeit erstaunlich viel über die eigentliche Schwimmbadtechnik mit ihren Pumpen, Filtern und Flockungsmitteln gelernt.

    **

    Am U-Bahnhof, eine Säule ist mit Folie abhängt. Darauf ein gedruckter Zettel „Achtung, chemische Behandlung.“ Auf dem Zettel eine handschriftliche Ergänzung „Zauber“. Vermutlich das einzige, was der Infrastruktur noch hilft.

    **

    U-Bahn-Gedanke 1: Immerhin kein Meth. Gedanke 2: Auch Alkohol kann verdammt kaputt machen.

    **

    An der Tankstelle: der erste Elektro-LKW, den ich bewusst sah1. Mit großer E-Power-Aufschrift und erkennbarer Batterie unterhalb der Ladefläche.

    **

    Die Einzugsparty führt zu verstärkten Sozialleben auch außerhalb der Party, mit den ganzen Menschen, die am 20.3. keine Zeit hatten. Am Donnerstag gab es Familienessen mit Kindern. Wir erfuhren, wie es sich bei Siemens Energiy arbeitet. Die Kinder freuten sich an der Bolognese und nicht so sehr an den eingelegten Tomaten der Vorspeise. Spontankreation am Tisch: Himbeeren mit Schokoüberzug, die dann mit Sahne übergossen wurden. Schmeckte wohl nicht so gut, wie sich die kleine Kreativgestalterin das vorher dachte.

    **

    Es war ein Donnerstagabendessen, ein Arbeitsfreitag und ein Gartensamstag.

    Die Männer kummen alleweil wieder zurück

    Ich frage mich, wie ich Jahrzehnte mit Tomaten auf den Augen, bzw. eher auf den Ohren, herumlaufen konnte. Warum entging mir Joy Fleming? Spätestens, dass sie als einzige Deutsche eine Veröffentlichung beim Label of all Labels, Stax, hatte, hätte mich aufwecken müssen.

    Aber irgendwie war da zuviel „Ein Lied muss eine Brücke sein“ und schlechte Schlagerjahre, um zu entdecken wie großartig sie ist. Naja, nachdem ich heute morgen im Radio2Ich sing fer’s Finanzamt“ entdeckte und dann gleich zum Neckarbrückeblues vorstieß, war ich hin und weg.

    Deutschland hatte Weltniveau und hat es nicht gemerkt.

    Einzelne Narzissen blühen, die Forsysthie bildet einen leuchtenden Block gelb im Hintergrund

    Auf dem Sanddorn: ein Rotkehlchen in Augenhöhe. Auf der Ramblerrosenunterlage: eine wild randalierende Blaumeise.

    Auf der Terrasse unter dem Vordach: Toni, die Nachbarskatze, von der Sitzwarte aus auf das Ende des Regens wartend.

    Vom Himmel: Der Regen. Madame nutzte kurz eine Regenpause, um mit der Heckenschere weiter zu arbeiten. Ich drehte die Runde zwischen E10-Benzin, dem Fleischereiwagen (mit Wildschinken) und dem Eierautomaten.

    Danach sitzen wir im Bungalow, freuen uns an den sichtbaren Knospen an den Birnen und den ersten zartgrünen Blättern des Zierapfels. WIr hören Musik, lesen Buch lesen, lesen Lokalzeitung, trinken Tee trinken, Kaffee trinken, Whiskey trinken, mehr Buch lesen, Internet lesen.

    Respect the Dressing room

    Aus dem Kino lernen wir: Zum Beispiel: Auf dem Boden liegen und Musik hören. Der Nachhall des Donnerstagsfilms3 bot sich an. Mo‘ Better Blues lief bei Boulevard Noir, den wie Robin, der großartige Kurator der Serie vor Beginn der Vorstellung anmerkte: Es passt atmosphärisch zum Vibe, den ich mit der Reihe schaffen möchte. Mo‘ Better Blues gehört zu den Musikfilmen mit dem besten Soundtrack. Eingespielt von Branford Marsalis und Terence Blanchard.

    Außerdem hatte der Film mir etwas zum Denken gegeben. Einerseits ein Meisterwerk. Tolle Musik, wahnsinnig gut gut gespielt, großartige Kostüme und emotional ergreifend. Das Ende ist so seltsam, dass es auf jeden Fall denkwürdig ist.

    Andererseits: Die Juden und die Frauen.

    Spike Lee spielt den glücklosen Hallodri

    Um die Grundlagen zu schaffen. Der Film konzentriert sich auf den Jazz-Trompeter Minifield „Bleek“ Gilliam (Denzel Washington) und das Bleek Quintett, das in einem New Yorker Nachtclub auftritt. Bleek ist von seiner Musik besessen, vernachlässigt sein Leben, seine „Freunde“, seine Frauen (plural) und eigentlich alles aus sich und seiner Musik. Der Film folgt ihm, wie sein Leben aufgrund dieser Egozentrik langsam zerfällt bis er vor dem Nachtclub mit seiner Trompete zusammengeschlagen wird, dabei so schwer verletzt wird, dass er nicht mehr spielen kann.

    Dann kommt das überraschende Ende, dass er mit Nervigkeit eine der beiden Frauen doch noch herumkriegt, sie romantisch heiraten, einen kleinen Trompetersohn kriegen und glücklich im Brownstone wohnen. Ist das ernst gemeint? Regisseur Spike Lee doesn’t tell.

    Uneasyness

    Problem eins, Wikipedia informiert mich: For his portrayal of Jewish nightclub owners Moe and Josh Flatbush, Lee drew the ire of the Anti-Defamation League (ADL), B’nai B’rith, and other such Jewish organizations. The ADL claimed that the characterizations of the nightclub owners „dredge up an age-old and highly dangerous form of anti-Semitic stereotyping“. – Ja, stimmt, das ist offensichtlich.

    Unübersichtlicher wird es bei den Frauen. Der Film spielt in einem misogynen Milieu, er ist sich nur irgendwie uneins, ob er es kritisiert, neutral darstellt oder doch mitträgt.

    Dem Film ist bewusst, dass das Milieu frauenfeindlich ist und manchmal kritsiert er es. Faszinierend die Szenen, in denen einerseits maskuliner schlimmer „Dressing room talk“ in der Garderobe zu hören ist, geschnitten mit dem Auftritt eines Black American Fips Asmussen, der so den Dressing-Room-Talk so schlimm und unerträglich auf die Spitze treibt, dass es jedem Film-Sehendem auffallen muss.

    Dass Bleeks Beziehungsmodell egoistisch und selbstbezogen ist, wird auch deutlich.

    Anderseits sind die Jazzer halt trotzdem unfassbar cool im Film, bei allem Scheiß den sie machen.

    Trotzdem schafft der Film nicht einmal den Bechdel-Test.

    Trotzdem sind die Frauen auch in der Filmästhetik Spiegel für Bleek und keine eigenständigen Charaktere. Trotzdem wird die eine Frau, die einfach selber in die Garderobe kommt, als unfassbar ’nagging‘ dargestellt, und jedem Zuseher ist nachvillziehbar, dass sie die Heiligkeit der Garderobe kurz vor dem Auftritt verletzt.

    Eingang zum großen Saal des Yorck Kinos, an der Tür ein Plakat von Mo Better Blues

    Exhalation

    There always have been arguments showing that free will is an illusion, some based on hard physics, others based on pure logic. Most people agree that these arguments are irrefutable, but no one really accepts the conclusion. The experience of having free will is too powerful for an argument to overrule. What it takes is a demonstration, and that’s what a Predictor provides.

    Eine der Philosophie-Studiums-Diskussionen, die mir in Erinnerung blieb, war die Diskussion, ob wir nicht nur Philosophie im engeren Sinn lesen sollten, sondern auch Literatur. Edel-Science-Fiction wie Stanislaw Lem wurde gerne als Beispiel genannt.

    Derzeit fiel mir ein ähnliches Buch in die Hand. Ted Chiangs: Exhalation. Eine vielfach preisgekrönte (Hugo, Nebula, Locus Awards) Kurzgeschichtensammlung. Das Buch schillert zwischen eleganter Erzählung und Gedankenexperiment; stellt philosophische Fragen in Geschichten verpackt.

    Manchmal vielleicht zu schwebend und ins spekulative abgleitend. Aber eine bereichernde Lektüre. BHätte ich es nicht aus der Bibliothek geborgt, wäre es ein Buch zum behalten.

    Wirklich Palmöl?

    Markus schrieb über die 30 verschiedenen Pflanzen, die man in der Woche aufnehmen soll. Sofort stellten sich mir Definitionsprobleme: Zählt Zucker wirklich mit? Was ist mit dem veganen Zwiebelschmalz von heute morgen? Zählen da alle 9 erkennbaren Pflanzen der Zutatenliste? Oder nur die Hauptzutaten Palmöl und Zwiebel? Zählt Palmöl überhaupt?

    Aber wie so oft, nur weil etwas theoretisch unmöglich ist, kann es praktisch trotzdem funktionieren. Und bei Sicherheit, dass ich auch konservativ gezählt in einer Woche weit jenseits der 30 landen werde, fing ich heute morgen an:

    • 1- Weizen (Party-Reste, aufgetaute Laugenstangen)
    • 2- Zwiebel (das Schmalz + Zwiebel (Bolognese) + Röstzwiebel (zum Salat))
    • 3 – Ölpalme (das Schmalz)
    • 4- Ananas
    • 5-13 Pflücksalat aus dem Plastikschälchen mit neunerlei Grünzeug (Rucola, Bull’s Blood, Tatso-Mizuna, Batavia rot, Batavia grün, Baby Spinat, roter Mangold)
    • 14 – Tomate (Bolognese)
    • 15 – Knoblauch (Bolognese)
    • 16 – Ernteanteil-Karotte (Bolognese)
    • 17 – Ernteanteil-Sellerie (Bolognese)
    • 18 – Ernteantel-Pastinake (Bolognese)
    • 19 – Pfeffer (Bolognese)
    • 20 – Oregano (Bolognese)
    • 21 – Lorbeerblatt (Bologense)
    • 22 – Olivenöl (Bolognese)
    • 23 – Ernteanteil-Kartoffeln
    • 24 – Tee (getrunken)
    • 25 – Wein (Weiß – Bolognese; Rot -getrunken)
    • 26 – Rapsöl (Salat)
    • 27 – Mais (Bourbon-Whiskey)
    • 28 – Bockshornklee (im Käse)
    • 29 – Kümmel (im Käse)

    Selbst wenn man um den Mais und Batavia grün/rot diskutieren kann. Ich bin recht zuversichtlich, dass wir in den nächsten sechs Tagen weit über 30 kommen.

    Die albanische Nationalkrabbe möchte Swingtanzen. Oder so.

    Wo ich schon beim Surfen in alter deutscher Musik war: Die allererste Sendung vom Talentschuppen aus Baden-Baden (1967).

    Auch in meiner ausgewählten RSS-Timeline las ich das zweite Blog, bei dessen Post ich von vorne bis hinten dachte „Das ist dieses typische Haselanten-Gesülze. Wie langweilig!“ Beide gehen eher in die semiprofessionelle Richtung, und eigentlich schätze ich ihre Attitüde. Aber irgendwie sehe ich trotzdem nicht, warum ich mich durch die entsprechenden Texte arbeiten soll. Wenn ich den Haselanten direkt befrage, bekomme ich wenigstens personalisierte Antworten.

    Eine unverkennbare eigene Stimme haben:

    Gelesen wird immer weniger (Auch gleich zum Zusammenhang zwischen lesen und schreiben)

    Es sollte allgemein mehr über Arbeit geschrieben werden: Gemeinsam konstruktiv

    Ich hatte ja keine Ahnung. Von Nichts! Aber jetzt ist mein Leben reicher: Ein Hoch auf japanischen Rock und Pop: Das Tsuta Rock Festival

    Flusskiesel sichtet die albanische Nationalkrabbe und mir beschwert das mindestens eine halbe Stunde gute Laune.

    Just do it! Ich möchte fast doch wieder mit dem Swingtanz anfangen, wenn ich das höre, ich möchte mich spontan irgendwo anmelden. Dieses Gefühl wird sich gleich wieder geben, ich weiß, aber dennoch … Ich würde behaupten, dass Männer, die alleine irgendwo beim Tanzen auflaufen, vermittelt sind, bevor sie auch nur „Ach ich weiß nicht“ denken können.

    Anmerkungen

    1. Nicht an der Zapfsäule. Am Halten, um Kaffee und ne Bockwurst zu kaufen. ↩︎
    2. Klassik, Pop et cetera natürlich. Die beste Sendung für augenöffnende Musikentdeckungen. ↩︎
    3. Yorck-Unlimited-No 17 – damit 14€ pro Karte. Das ist bei Yorck der Normalpreis-an-der-Abendkasse-für-einen-Film-mit-Überlänge. ↩︎