Sind wir sauberer seitdem wir in einem Schwimmbad wohnen? Maybe. Ist das Auto sauberer, seitdem wir neben einer Waschstraße wohnen? Auf jeden Fall.
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Ein Mann ohne Unterschenkel aber dafür mit zwei Krücken kam uns auf einem Skateboard entgegengerollert.
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Ein Mann in weißem Ganzkörperschutzanzug mit Kapuze und Maske schob einen Einkaufswagen mit Pfandflaschen durch die Barstraße.
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Höhe Strausberger Platz lachte jemand so durchdringend, dass selbst Menschen in der vollgestopften Berliner Pendler-U-Bahn aufschauten.
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Es waren zwei Tage der Arbeit mit ekstatisch-zölibatärer Kino-Unterbrechung.
Es hält kein Zug in Baden-Baden
Eine elektronische Bahn-Abfahrtstafel informiert mich, dass der ICE nach Brig „ohne Halt in Baden-Baden“ fährt. Was einerseits korrekt ist. Andererseits ist die Info inmitten der Berlin-Südkreuz-Rolltreppen-Absperrungen, temporär gestörten S-Bahnen und komplett ausfallenden Zügen nach Hamburg oddly specific.
Langsam wohnen sich auch die defekten Rolltreppen ein. Die leuchtend gelben Absperrungen verschmuddeln jeden Tag ein wenig mehr. Ihr Ausdruck wandert von „Achtung! Attention! Attenzione! Hier ist etwas wirklich, wirklich kaputt!“ zu „Ich bin halt auch ein Stadtgrümpel und tue mein Bestes.“
Dort, wo die Benutzung der Treppe einen Umweg darstellen würde, wurden die Absperrungen aus dem Weg geschoben, damit die Rolltreppe zumindest belaufen werden kann. Dort, wo sie noch stehen, sammelt sich erster Müll an unzugänglichen Stellen.
Zwei einsame Kofferträger suchen erfolglos Menschen, die ihnen ihre Koffer zum Tragen anvertrauen. Ein seltener Besuch, ein Handwerker, schraubte an einer der Fahrtreppen herum, allerdings ohne sichtbaren Erfolg.

Der Unterschied zwischen Mushrooms und Funghi
Madame recherchierte dem Hot Pot hinterher. Jetzt weiß ich, dass eines der gegessenen Grünzeuge Am Choi war. Zumindest einer Pilze ließ sich als Enoki bestimmen. Das, was wirkte, wie sehr dünn geschnittene Champignons, waren tatsächlich welche.
Teile der Tierteile bleiben mysteriös. Aber Tierteile sind keine Pflanzen. Auch nicht bei der 30-Pflanzen-Challenge. Wie anscheinend auch Schimmelpilze oder Hefen.
Die einschlägigen Veröffentlichungen sind auf englisch und sprechen von zählenden Mushrooms. Mushroom wird generell und pi-mal-Schluckauf als „Pilz“ übersetzt. Technisch korrekter wäre „Fruchtkörper eines Pilzes.“ Ein Blauschimmel zum Beispiel ist zwar ein Pilz, aber kein Mushroom.
Das alles ergibt biologisch noch weniger Sinn – aber nunja, Kulinarik und Biologie haben zueinander ein Verhältnis wie die Schwestern in Aschenputtel.
Um nach all der Vorrede zu Zahlen zu kommen. Es gibt neue verzehrte Pflanzen:
- 48 – Enoki-Pilze (Hot Pot)
- 49 – Am Choi (Hot Pot)
- 50 – Banane (Snack)
- 51 – Braune Alblinsen (Linseneintopf)
- 52 – Spanische Crowdfarming-Linsen (keine Ahnung ob der Sorte, auf jeden Fall keine Alblinsen)
- 53 – Pflaume (getrocknet, Linseneintopf)
- 54 – Kirsche (getrocknet, Linseneintopf)
- 55 – Kreuzkümmel (Linseneintopf)
- 56 – Hafer (Drink, Frühstück)
Spuren des George
Spontan musste ich beim Bahnhof Zoo an den Duisburger Großmeister des Straßenaufkleberfotos, den Flusskiesel, denken:

Vor dem Kino waberte ich noch ein wenig durch den Zookiez. Eine Bewegtbild-Infotafel informierte mich, dass ich 50 Plastik am Tag esse. Waren es Gramm? Oder waren es Mikrogramm? Ist das schlimm? Oder gibt es jetzt analog zur 30-Pflanzen-Challenge auch die 50-Plastik-Challenge? Das Bewegtbild bewegte sich zu schnell, um es zu erfahren.
Ein Graffitti war statischer. Seine Info, wie ich Dickpicks von George googlen könnte, half mir aber auch nicht weiter im Leben.
Schließlich liess ich mich zurück in einen geschützt-kuratierten Raum treiben.
Im Delphi Lux freute ich mich mein Brlo-Helles mit Yorck-Branding direkt mit meiner Sparda-Girocard und Handy unter Umgehung von Apple Pay und Mastercard zahlen zu können.
Im Foyer erfuhr ich, dass es neben Yorck Unlimited ein weiteres Angebot gibt: Mubi go. Unbegrenztes Mubi-Streaming und jede Woche ein Kinoticket. Zum selben Preis wie Yorck Unlimited. Sähe ich mich selbst öfter als dreimal im Jahr ernsthaft einen Film auf einem fernsehartigen Gerät sehen, käme ich ins Grübeln.
13 Kilometer
Es lief Film den ich lieben sollte1. The Testament of Ann Lee von Mona Fastvold geht um eine faszinierende Frau. Es ist ein Musical, mit mysthisch-seltsamen Stoff, historisch verortet, und wird allgemein als intensiv und publikumsspaltend beschrieben.
Und doch verbrachte ich zuwenig Zeit im Kino damit, mit großen Augen und offenem Mund in den Film zu versinken, und zuviel Zeit damit, mich intellektuell zu fragen, warum der Film für mich nicht funktioniert.
Ann Lee
Der Film folgt dem Leben von „Mutter Ann Lee“ von der Kindheit in der präindustriellen Metropole Manchester des 18. Jahrhunderts bis sie 1784 von einem Mob losgelassener MAGA-Vorfahren derart misshandelt wird, dass sie wenige Monate später an den Folgen der Verletzungen stirbt.
In der Zeit dazwischen schloss sie sich den Shaking Quakers an, brachte vier Kinder zur Welt, von denen keines ein Jahr überlebte, wurde mehrfach inhaftiert, wurde zur Prophetin und Wiedergeburt Jesu, erklärte Sexualität und insbesondere die Ehe zur Grundsünde, die die Menschen von Gott entfremdete, entfremdete sich von ihrem Mann, wanderte in die nordamerikanischen Kolonien aus, gründete eine Kolonie der Shaking Quakers in der Kolonie New York, die politisch und gesellschaft selbst 250 Jahre später noch politisch weit links im Koordinatensystem stehen würde, wurde mehrfach verhaftet und misshandelt und starb schließlich als die Shaker mehrere tausend Mitglieder hatten.
Stoff bietet die Biographie reichlich.
Ist es ein Flugzeug? Ist es Superman?
Es ist ironisch: Ein Film über eine Frau, die gegen alle Widerstände ihrer eigenen Vision folgte, scheitert daran, dass er nicht so recht weiß, was er will.
Ich sah Elemente dreier großartiger Filme:
- Ein intensiver körperlicher in der Zeit verankerter Historienfilm, der mühelos durch die Zeit wandert, da er an Empfindungen anschließt, die allen Menschen zu allen Zeiten gemein sind. (siehe zB Hamnet)
- Ein episch-exzentrisch ausschweifendes Musical, das klar erkennbar aus dem Jetzt auf die Vergangenheit schaut. (siehe zB Barrie Kosky)
- Eine religiös-visionäre Meditation (siehe zB Tarkowsky)
Alles war im Film angelegt, alles kam zeitweise zum Vorschein. Nur vertrug es sich nicht sonderlich gut untereinander. Noch weniger vertrug es sich mit Elementen konventioneller Hollywood-Historien-Schinken, die immer wieder aufschienen.
Da wo bei Hamnet eigentlich alles richtig wirkte, jeder Schnitt, jede Bewegung, jeder Tonkrug im Bildhintergrund, wirkt bei Ann Lee irgendwie immer alles falsch: Das Timing stimmt quasi nie. Die Musik ist weder historisch noch „jetzt“. Die Ausstattung wirkt immer unfreiwillig nach Kulisse. Die Trickeffekte sehen deutlich nach dem schmalen Budget aus, dass der Film hatte, nicht nach dem großen Budget, dass er gerne gehabt hätte. Das gesprochene Englisch im Film ist weder überzeugend „Arme Leute, Manchester 18. Jahrhundert“ noch so unspezifisch, dass es nicht auffällt.
Dann auch noch immer wieder Schlampigkeiten, wie zum Beispiel dass die Gruppe knapp 20 Jahre vor Einführung des metrischen Systems eine Entfernung als „13 Kilometer“ angibt. Was halt auffällt, weil zwischendurch noch die französische Revolution stattfinden muss.
Da kann Amanda Seyfried (neben der Wahl des Ausgangsstoffes so ziemlich das einzige was der Film konsequent richtig macht) noch so sehr mit allem Ausdrucksvermögen und aller Körperlichkeit gegenanspielen – es reicht nicht.
Was bleibt
War es lohnend? Unbedingt,
Meine Shaker-Bildungslücke ist geschlossen und ich will schon wieder nach Neuengland reisen, weiter Shaker recherchieren.
Es gab denkwürdige Aufnahmen und erinnerungswürdige Bilder – insbesondere wenn es ins Kammerspiel direkt mit Seyfried ging.
Und es gab die Erinnerung, dass die USA nicht nur MAGA in ihrem Urschleim haben, sondern auch pazifistische Frauen, die schon vor Gründung des Staates, mit Allem was sie hatten, Gleichberechtigung, Pazifismus und Liebe predigten.
The River of Sachsen-Anhalt
Boy, war die Musik in dem Film daneben. Bei der nachfolgenden Suche nach echter Shaker-Musik stieß ich auf .. wenig. Ein einziges Album eines Projektensembles New England Voices, die mit The River of Love eine Sammlung von Shaker-Hymnen versammelte. Eine Aufnahme, der, natürlich, King’s Singers, die die Hymne The Gift to be Simple auf ihrem gleichnamigen Folk/Traditions/Balladen-Album brachten.
Und da hört es auch auf.
Ein durchgehend denkwürdiger Film war Souleymanes Geschichte über einen ghanaischen Lieferradler in Paris. Dazu passend, das Buch Liefern: Tomer nimmt uns mit zu Lieferfahrer_innen in Tel Aviv, Berlin, Istanbul, Buenos Aires und Delhi.
Poupou zählt gegessene Jahrespflanzen und kommt (ohne Whiskey und Blauschimmel) auf derzeit 52: Pflanzen 2026
Thomas lebt in Sachsen-Anhalt und sieht Landtagswahlen heraufziehen: Sachsen-Anhalt im Fokus
Wir werden demnächst in der Elbphilharmonie sein. Herr Buddenbohm war schon. Frau Klugscheisser war auch dort. Sie waren sogar in der selben Vorstellung.
Gefühlt besteht derzeit die Hälfte meines Arbeitslebens aus Diskussionen, wie „Welche Daten wo?“, „Wo ist die Cloud?“, „Gibt es eine AAV?“, „Sind diese Daten anders als andere Daten etc.?“ Und dann lese ich sowas: „Eine KI Vibe Coding Horrorgeschichte“ Eigentlich hätte ich während des Lesens durchgehend schreien können.
Anmerkungen
- Yorck Unlimited No. 18 – damit 13,22€ pro Ticket und damit unter dem Abendkassen-Basispreis in den A-List-Kinos von Yorck. Nebenentdeckung auf der Website: Der +1-Ticket-Rabatt für Mitkommende für Yorck Unlimited steigt von 10% nach 12 Monaten auf 20%. Damit bin ich noch sichererer, dass das verlängert wird. ↩︎
Huch! Dabei war ich ja in den letzten Jahren überhaupt nicht in Berlin! Das wird erst im Sommer passieren.
Aber da fällt mir ein, dass ich schon länger keine Stickerfotos mehr veröffentlicht habe und das will ich dann gleich mal nachholen.
Ach, falls es passt und du nicht schon komplett vergeben bist, kannst du ja vorher bescheid geben.