Schlagwort: Südkreuz

  • 26-07-09 Samedi 29 juillet: Ich bin Tochter des Korsaren

    26-07-09 Samedi 29 juillet: Ich bin Tochter des Korsaren

    Madame lud Ms. Bilanz zum Pistazieneis a la casa in la casa ein.

    *

    Der Kaptain erzählte vom Bad-Bramstedt-Besuch. Alles nicht so einfach dort. Vor allem weil es nicht Dithmarschen ist. Aber der Kaptain konnte helfen.

    *

    Post und vor allem PIN haben auch nach Monaten der Gewöhnung noch Probleme, unseren Briefkasten zu finden. Wir bekamen am Ende doch mehrere Briefe mit Aufklebern „unbekannt“ oder Stempeln „unbekannt verzogen“ übergeben.

    Ich überzeugte meine Arbeitgeberin, meiner Postadresse noch eine Wegbeschreibung hinzuzufügen.

    Madame war im Bürgeramt am Hohenzollernplatz, ausprobieren, inwieweit auch behördliche Prozesse Anmerkungen bei der Postadresse zulassen. Wir hatten Glück: Die Wegbeschreibung steht so auch im Mietvertrag und ist somit offiziell genug für ein Berliner Bürgeramt.

    Jetzt müssen wir noch auf die Lesefähigkeiten des Briefbot*in vertrauen. Immerhin weiß das Bürgeramt auch schon, dass PIN-Bot*innen anscheinend jede Woche ihr „Revier“ ändern und pro Brief genau drei Sekunden Suchzeit haben oder so.

    *

    Kaum fahre ich mal eine Woche lang nicht mehr mit Ringbahn, schon ist die Rolltreppe der Gegenwart ganz verschwunden. An ihrer Stelle klafft ein Loch.

    *

    Es war radelnde Arbeitstage inmitten eines well behaved summers.

    Nicht vergessen: Beim Funkhaus einmal grüßend an den Helm tippen

    Den Fahrradhelm vergaß ich schon wieder.

    Aber langsam groovt es sich ein. Langsam beginne ich auch auf der neuen Strecke ein Kurven- Hubbel- und Bremsgedächtnis zu etablieren. Auch der optimale Fotoschlenker auf die Stadtparkbrücke entsteht. Es wird nicht mehr lange dauern, dann läuft die eigentliche Strecke im Blindflug. Dann kann ich mich ausschließlich auf den Verkehr konzentrieren, den Wind im offenen Haar spüren und Glasscherben ausweichen. Denn vorausschauend fährt es sich am besten, wenn ich im Vorhinein weiß was kommt

    Südkreuz-Office-Tiefgarage. Mensch beachte das inzwischen durchgehende Anti-Tauben-Netz unter der Decke.

    Der Rückweg führte am KaDeWe vorbei hin zum Schuhdiscount. Ich brauchte noch gute lauffähige Schuhe für touristisches Stadtlaufen, die nicht schon vorher halb am auseinanderfallen sind. Endlich wieder einmal der nette Weg durch’s Bayerische Viertel Richtung Wittenbergplatz.

    Verregneter Blick den Tauentzien hinunter Richtung Europacenter, Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche, Shoe City Outlet und Hochhäuser am Zoo.
    West! West! Westberlin!

    Getrieben vom eigenen Schwung die letzten Meter bis zum Beckenrand gleiten lassen

    Anscheinend gehen die Eichenprozessionsspinnerabsperrbänder zur Neige. Am Hans-Baluschek-Park war ein Großteil der betroffenen Bäume nurmehr durch ein aufgespraytes „E“ in rosa gekennzeichnet. Denn, gute Nachricht, ich radelte wieder einmal durch den Hans-Baluschek-Park, der Südkreuz und Insulaner miteinander verbindet.

    Langsam kommt zusammen, was zusammen gehört: Freibad und Fahrrad, der kleine After-Work-Ausritt zum Insulaner, ein Abendplantsch und dann weiter in die Wohnung. Ich hatte ihn vermisst, den Fahrradhain: vom Format einer Halle, fast durchgehend beschattet, und doch angenehm luftdurchzogen und soweit ich sah ohne Eichenprozessionsspinner.

    Vielleicht, wenn das nächste mal 35 Grad plus sind, und ich nicht mehr in das Freibad gehen mag, stelle ich mich einfach dort hin, genieße Schatten und Lufthauch.

    Noch aber muss ich mir die Gedanken nicht machen: noch herrschten 23 Grad bei strahlendem Sonnenschein. Ich konnte hinein, die Kabane genießen1 und noch mehr konnte ich das leidlich leere Becken genießen: ein bißchen Kraul-Total-Immersion üben, ein bißchen mehr rumwabern und ein bißchen auf der Beckenterrasse das Wetter genießen.

    Danach übte ich den neuen Rückweg nach Wilmersdorf. Ich stellte fest, ich radle direkt am Rüdi vorbei. Die ganzen schicken Fachgeschäfte für das verwöhnte Bürgertum haben zu dieser Zeit zwar schon geschlossen, aber die BioCompany und vor allem der Rüdesheimer Weinbrunnen sind noch geöffnet.

    Gerne wieder.

    Leichtigkeit Vielleichtigkeit

    Tja, Sommer. Dieses Jahr übt er noch. Ich liebe Sturm bei 22 Grad, glaube aber ich bin damit eher allein. Dennoch besser als 41 Grad. Solange der vor-der-Haustür-Sommer noch seine Gestalt sucht, gehen wir ins Kino, schauen Sommer von vor 30 Jahren prä-Klimaerwärmung. Eric Rohmers Conte d’été / Sommer von 1996 lief im Ciné Club, der Reihe mit französischen Klassikern im Cinema Paris.2

    Der Mathematik-Absolvent und unentdeckte Shanty-Komponist Gaspard (Melvil Poupaud) verbringt einige Sommerwochen zwischen Uni-Abschluss und Berufseinstieg, zwischen Mittjuli und Augustanfang am Strand der Bretagne. Die Tage werden einzeln mit einer Art Kalendereinblendung aufgezählt, was dem Film einen leicht dokumentarischen Hauch verleiht.

    Dort, im Badeort Dinard, wartet er auf seine vielleicht-Freundin Lena (Aurélia Nolin), die er vielleicht liebt. Während er wartet, lernt er Margot (Amanda Langlet) kennen, die ihn vielleicht liebt und er vielleicht sie. Margot, macht ihn mit Solène (Gwenaëlle Simon) bekannt.

    Gaspard liebt vielleicht Solène, diese allerdings verlangt von ihm eine klare Entscheidung. Gaspard trifft eine Entscheidung – allerdings jeden halben Tag eine neue Andere Entscheidung.

    Am Ende hat Gaspard drei Frauen versprochen, dass er jeweils mit ihnen zusammen ein paar Tage auf der Insel Ouessant verbringen wird; jeweils allein und jeweils in der letzten Woche bevor er arbeiten muss. Er macht, was wohl fast jeder Mann in dieser Situation angesichts dieser Entscheidung machen würde. Er nuschelt „muss ein Mischpult kaufen“ und macht sich aus dem Staub.

    Die äußere Handlung ist spärlich. Gaspard läuft allein durch Dinard an der bretonischen Smaragdküste. Gaspard sitzt allein im Zimmer und schreibt an seinem Shanty Fille de Corsaire. Margot und Gaspard laufen am Strand von Dinard und reden miteinander. Lena und Gaspard laufen am Stand von Saint-Lunaire und reden miteinander. Solène und Gaspard sind zusammen am Strand von Saint Malo und reden miteinander.

    Menschen am Übergang zwischen Studium und echtem Beruf treffen sich in der Jahreszeit in der normalen Regeln des Alltags ausgesetzt sind, alles in den speziellen Sommermodus fällt. Nur Solène ist entschiedener, will Klarheit. Vor allem mit Solène passiert Handlung jenseits des „sie laufen zu zweit am Meer entlang und reden“. Mit Solène findet der emotionale Höhepunkt statt: Die Ausfahrt auf dem Boot in den Ärmelkanal mit Familie, Akkordion und sie singt Fille de Corsaire.

    Ein Film unentschiedener Leichtigkeit. Wie ein guter Sommer selbst, wunderbar um sich hineinzulegen, aber mit einem natürlichen Ende versehen wenn der erwachsene Alltag kommt und Entscheidungen möchte.

    Ein Seemannslied über die Ebenen Mexikos

    In Sommer werden zwei Shanties gesungen. Neben der Tochter des Korsaren, extra geschrieben für den Film, kommt auch Santiano vor.

    Von Santiano dachte ich, ich kenne den Song, gesungen von der gleichnamigen deutschen Band, die vermutlich einen Song schrieben, um sich selbst zu feiern. Um so verwunderter war ich den Song, hier zu hören, viele Jahre bevor Santiano (Band) sich gründete und vor allem mit einem Text über Saint Malo an der Küste der Bretagne.

    Ist das vielleicht gar kein Santiano-eigener Song? Aber auch kein englischer Shanty, den Santiano (Band) einfach eingedeutscht haben? Ist es eventuell französisch? Hat sich hier ein Stück französische Kultur in den deutschen Mittelaltermarkt-Kanon geschlichen?

    Jein.

    Soweit ich weiß: Santiano (deutsch) und ist eine rockige Überarbeitung von Santiano (französisch)3. Der Text blieb dabei weitgehend unverändert, allerdings wurde bei der deutschen Übersetzung Saint-Malo in der Bretagne durch Hamburg ersetzt. Der eigentliche Ausdruck Santiano hat dabei keine Bedeutung, ist eher Marker von Exotik und Ferne.

    Santiano hat im franzöischen Text auch keine echte Bedeutung, Santiano und Saint-Malo sind aber klanglich so nahe, dass ich als Hörer davon ausgehe, das irgendeine Verbindung besteht.

    Das französische Lied hat Hugues Aufray – bekannt vor allem als Interpret französischer Bob Dylan-Coversversionen – einem älteren englischen Shanty Santiana entnommen4. Es erwarteten mich zwei Überraschungen: Santiana ist ein echter Shanty, wirklich aus dem 19. Jahrhundert5 und wohl wirklich auf Schiffen als Arbeitslied gesungen.6

    Und der Text handelt von den Ebenen Mexikos und General/Präsident Antonio López de Santa Anna und dem mexikanischen Unabhängigkeitskrieg. Entgegen den Lyriks des Songs allerdings ging der Krieg nicht gut aus für Santa Anna – und das trotz der Unterstützung durch private britische Soldaten – also Soldaten die nicht im Auftrag von UK kämpften, aber eigentlich normalerweise schon britische Soldaten waren.

    Santiano ist Santiana ist Santa Anna ist ein Name. Und der hat nur höchst indirekt etwas mit Seefahrt zu tun. Das kam überraschend.

    Links

    ##

    Der Tagesspiegel hat sich den Südkreuz-Rolltreppen auch mal wieder angenommen (leider mittlerweile mit Paywall): „Fürs Eigenheim oder dergleichen“: Berliner Student bietet defekte Rolltreppen vom Südkreuz in einer Kleinanzeige an

    ##

    hotel mama sah linie 1: linie 1 war wirklich lustig und kam so frisch und gutgelaunt rüber wie am ersten tag, dabei lief es zum 2343. mal oder so. theater voll bis auf den letzten platz, publikum singt mit. 5 vorhänge.

    ##

    Ein Hotel sollte ein wirtlicher Ort sein. Unser aktuelles Hotel für drei Tage ist kein wirtlicher Ort.

    ##

    Wann sind eigentlich Internet-Cafés und öffentliche Internet-Terminals ausgestorben? (via kaltmamsell). Ich kann zwei Datenpunkte liefern: 2011 als wir in Yorkshire noch eine Überfahrt von Felixstowe(?) auf den Kontinent zurückbuchen mussten, fest davon ausgegangen waren, es Internet-Café zu erledigen – und es gab keins. Nada. Nichts. Nicht einmal in York. Am Ende fuhren wir direkt in den Hafen zum Fährbüro. 2011 waren Internet-Cafés in Deutschland noch total üblich, im nicht-großstädtischen UK aber komplett ausgestroben. Der zweite Datenpunkt ist 2020 als unser damaliger Nachbarspäte/Internetcafé per Schild verkündete: „Interweg wegen Corona geschlossen.“ Ich glaube das war am Ende des Ende der dortigen Terminals. Mittlerweile wurden sie durch einen Billardtisch ersetzt.

    Anmerkungen

    1. Kabanenbesuch No 5/2026 – damit 16 Euro pro Besuch. ↩︎
    2. Yorck Unlimited No. 37 – damit 6,43€ pro Besuch ↩︎
    3. Tolles Video auch. Ehrlich. ↩︎
    4. Für eine lange Liste traditioneller Einspielungen: Mainy Norfolk: Santy Anna / The Plains of Mexico ↩︎
    5. Laut dem Shanty-Blog Wild Chants with Doggerel Words war der erster Druck 1868: #30-32 Santiana/ The Plains of Mexico ↩︎
    6. Roud-Index No. 207! Das allerdings öffnete gleich das nächste Kaninchenloch „Was ist der Roud Index und wie funktioniert seine Nummerierung? Ein andernmal.“ ↩︎

  • 26-07-02 Liegenbleiben

    26-07-02 Liegenbleiben

    Um 5:10h kam der kleine Parkplatzfuchs. In der Kornellkirsche: Meisenaction.

    *

    Edeka Duolingo verkauft Ube-Latte. Weil ich Online-Überschriften lese von Journalist*innen, die Social-Media-Accounts betreiben, weiß ich sogar was das ist.1

    *

    In Kuckswinkel standen die kleinen Störche im Nest.

    *

    Madame fuhr zum Überraschungsabschied nach Spandau.

    *

    Es waren drei Tage in schwächelnder Hitzeaufrappelung durch Mensch und System.

    Linksherum und rechtsherum

    Ach, Deutsche Bahn, wo fang ich an. Ich bewundere dein Bemühen, trotz allem immer noch jeden Tag Millionen von Menschen durch die Welt zu befördern und wohlbehalten von A nach B zu bringen. Manchmal jedoch fragte ich mich diese Woche, ob auch ganze Konzerne umschulen können, vielleicht auf eine Tätigkeit, die vielleicht weniger komplex ist als die derzeitige Aufgabe, etwas einfaches, nettes, in dem der Konzern und die Kund*innen glücklicher werden.

    Wo fange ich an?

    Vielleicht mit der guten Nachricht: Die Bahnfahrkarte von Vilnius nach Klaipėda ist gekauft.2

    Die Rolltreppe der Gegenwart wird weiter demontiert und verwandelt sich daweil in den Schrotthaufen der Gegenwart. Soweit so erwartet. Unerwartet hingegen war die Mitteilung, dass Dienstag, nachdem ich mit dem Prignitz-Express et al gekommen war, auch die Treppe der Gegenwart gesperrt war. Da wo Montagnachmittag noch eine Treppe war, sah ich nur noch einen weiß verhängten Bauzaun, drei Mitarbeiter in Warnwesten und viele verwirrte Bahnreisende. Da stand ich nun mit Aussicht und kam nicht mehr hinunter. Eine Lautsprecheranlage informierte mich, dass ich doch über das Gleis und das Parkdeck und dann den Fahrstuhl.. Nein!3

    Der Kran war schuld.

    Die Ringbahn hat Hitzestörungsdauerschaden. Offiziell ist ein Teilstück gesperrt und nur noch im 20-Minuten-Takt befahrbar. Faktisch fährt sie mal oder auch nicht, oder hält an überraschenden Orten an oder hält an erwarteten Orten nicht an. Für mich ist das lästig bis anstrengend. Für Madame, die frühmorgens die Ringbahn als Alternative zur ebenfalls gesperrten S-Bahn in die Hafenstadt benötigt, wird es langsam wirklich schwierig mit dem ÖPNV dorthin zu gelangen.

    Über die Hafenstadt führt vielleicht auch unser Weg an die kurische Nehrung. Die Bahnfahrt durch halb Europa wird ihre größte Herausforderung im Teilstück Berlin->Frankfurt/Oder haben. Auch hier sind die Bahnalternativen vom „durch das Parkhaus“ inspiriert, so dass ich mittlerweile ernsthaft schaute, was ein Mietwagen kostet, den wir in F/O abgeben können (gibt’s nicht), ein Taxi (~ 200 Euro) oder ein Uber (~ 250-450 Euro). Natürlich könnten wir auch mit dem Auto nach F/O fahren. Aber da wir durch Europa im Kreis fahren werden, uns die Rückreise aus Westen/Travemünde verlaufen wird, würde auch das so enden, dass wir in Berlin sein würden, das unerreichbare Transportmittel aber in F/O.

    Immerhin fuhr der ICE375 von Spandau nach Interlaken bis zum von uns benötigten Bahnhof Basel Bad. Er hatte Oberleitung und Signal und er hatte daraus folgende Zugverknäuelung vor Frankfurt/Main, die am Ende zu zwei Stunden Verspätung in Basel führten.

    Expedition Mülltonnenrausrollen

    Das Motto Züge fahren wieder, aber Weichen und Signale sind noch kaputt, scheint auch gerade auf Hirne zuzutreffen. Meines zum Beispiel. Alltagsverrichtungen sind herausfordernd, Orientierung ist schwierig, und so langsam sehe ich ein, dass ich vielleicht einfach liegen sollte.

    Das erste Mal dieses Jahr habe ich keine vorgekauften Kinokarten mehr, nachdem ich gleich drei Besuche cancelte: Tschüss Demon Pond (Japan, 1979), Good bye Supergirl (USA, 1984) und vielleicht irgendwann mal To Live and Let Die in L.A. (USA, 1985). Gerade um Demon Pond (夜叉ヶ池, Yasha-ga-ike), ein drittel japanische Nouvelle Vague, ein Drittel Fantasy-Horror, ein Drittel Kabuki-Theater, in der die männliche Kabuki-Legende Bandō Tamasaburō V in einer Doppelrolle das Mädchen vom Lande und die Dragon Princess spielt, in dem es Rollen wie Norihei Miki as Catfish messenger oder Fujio Tokita as Crab oder Hisashi Igawa as Carp gibt – darauf fiel mir der Verzicht schwer.

    Die Vernunft siegte knapp. Meine Abendplanung besteht im Wesentlichen darin, mich am frühen Abend auf die Nachdenkliege im Kaminzimmer-sans-Kamin zu legen, mich von Madame zu Gurken und Salat zu ermuntern zu lassen und dann ins Schlafzimmer umzuziehen.

    Die Abend und Nächte um die 20 Grad müssen genutzt werden, so lange sie andauern.

    Ich fühle mich nicht alleine. Team-Meetings sind kurz. So kurz wie noch nie, niemand hat mehr Energie, sie um das nicht-Notwendigste zu erweitern. Dafür werfen wir uns im Alltag mehr staunende Blicke zu als normalerweise. Alles schwierig. Zeit für die Ferien.

    Links

    ##

    Den Ube-Latte-Trend habe ich gerade noch mitbekommen. Vollkommen an mir vorbei, bis zum Frau-Zimtkringel-Text, gingen Gochujang Nudeln. Werde ich mir merken.

    ##

    Hitzenachwirkungen allüberall

    ##

    Im Hoffen auf bessere Zeiten widmet Herr Buddenbohm sich lobenswerterweise den Morgen- Schlaf- Bade- und Hausmänteln.

    ##

    Existenzieller und jetzt-bezogener verlinkt Thomas: Hitze, Wandern, Radfahren … Watrify hilft dir Trinkquellen und öffentliche Brunnen zu finden

    ##

    An einem Tag mit lebensbedrohlicher Hitze vier Stunden als Begleitung an einem Patientenbett stehen ist auch eine eindringliche Erfahrung. Es ist völlig überfüllt dort, unfassbar viele Personen mit Hitzeschäden und zwar im wesentlichen sehr alte Menschen und dazu viele junge Männer in Sportkleidung

    Anmerkungen

    1. Wie immer alle mit Paywall außer die taz: Trendfood UbeLila Ausbeutung ↩︎
    2. Die aufmerksame Leser*in wird bemerken, dass die DB an dieser Nachricht nicht beteiligt ist. ↩︎
    3. Die Nichtqualitätspresse hat ein wenig Hintergrund: Rolltreppe kaputt, Treppe gesperrt – und die Fahrgäste gefangen ↩︎
  • 26-06-27 Menschen, die im Schatten stehen

    26-06-27 Menschen, die im Schatten stehen

    Rein prophylaktisch schauten wir, bis zu welchen Temperaturen eigentlich Ticketlesegeräte und Datenschränke in den Freibädern ausgelegt sind.

    *

    Madame studierte die Guide-Michelin-Websites für Warschau.

    *

    Rosa Rosarium Uetersen leuchtet.

    *

    Jungerwachsene in Deutschland-Trikots am Bahnhof Zoo unterhielten sich über das Autofahren unter Alkoholeinfluss. Eine von ihnen stellte die meines Erachtens verwegene These auf: „Da fährt man mit Tunnelblick. Da ist man viel konzentrierter als ohne Alkohol.“

    *

    Es waren.. heiß!

    Hitze

    Unser Bungalow-Thermometer reicht nur bis 40 Grad. Offenbar wurde es in besseren Zeiten gestaltet. Denn es war seit Tagen heiß. Am Mittwoch lief es mit Mitte 30 Grad an, steigerte sich über die nächsten Tage bis zum derzeitigen Höhepunkt von 39 Grad in den Märkischen Hamptons.

    Wir bewegen uns vom Schatten zu klimatisierten Bereichen und wieder zurück. Wir entdecken, dass die Wohnung (Baujahr 1961) sehr viel hitzebeständiger ist als das Büro (Baujahr 2022) und das obwohl das Büro eine Wärmepumpen-Klimaregulierung hat. Aber bei einer raumhohen kompletten Glasfront Richtung Süden, Richtung sechsspurige Straße und Autobahn, hilft die auch nicht mehr.

    Am Bahnhof Südkreuz stellten sich die Tesla-Mitarbeiter*innen, die auf den Shuttle-Bus warteten, in den Schatten der wenigen Bäumchen. Denn der Bahnhofsvorplatz ist gut dafür gemacht, Menschen vom Bahnhof hin irgendwo nach Berlin zu bringen. Er verbindet das aber mit der architektonischen Hilfsaussage „Hau bloß ab.“ Der Drang zur schattenfreien Betonfläche ist groß, Sitzplätze sind spärlich, und Sitzplätze im Schatten, offensichtlich nicht vorgesehen.

    Sommerbuch

    Es begann mit einer vereisten Ostsee, und ich spürte wie ein ganzer kleiner Kinosaal neidisches Verlangen entfand. Wir waren in das klimatisierte Delphi Lux gekommen am Zoo gekommen, um den Film Sommerbuch1nach Tove Janssons – of Mumins Fame – Buch Sommerbuch zu sehen.

    Im Sommerbuch geht es um eine Dreigruppe – Kind, Vater, Oma (Glenn Close) – die einen Sommer in einem Mökki auf einem Inselchen in der finnischen Ostsee verbringen. Die dazu gehörige Mutter ist vor kurzem gestorben. Der Vater flüchtet sich in Arbeit, die Oma versucht sich um die Tochter zu kümmern, kämpft aber auch mit ihrem Alter, die Tochter versucht irgendwo einen Weg zu finden.

    Es wird manchmal gesprochen, manchmal gerudert, oft durch die Natur gelaufen. Nachbar Eriksson auf seinem Motorboot wird oft erwartet, kommt aber nie vorbei. Die Tochter fragt, Papa hat was zu tun und Oma kann sich manchmal zu ihrem eigenen Unwillen nicht erinnern.

    Die Einstellungen sind ruhig, die Musik von Hania Rani auch meistens, die Ostsee und das Inselchen ist dauerpräsent. Es ist eine Szenerie, die zeitlos wirkt und doch offenbar in den 1960ern/1970ern spielt. Es ist auf seine Art sehr friedlich, und doch nah genug am Leben, um nicht idyllisch zu werden. Es ist ein Film, ein Tempo, eine Ruhe, der seelisch entspannt, wo körperliche Entspannung nicht hinkommt.

    Vielleicht lag es aber auch nur am klimatisierten Kino. Denn heiß.

    Ich hatte ausnahmsweise die S-Bahn zum Kino genommen, denn die Ringbahn ist ordentlich klimatisiert. Das war diese Woche ein unschlagbarer Vorteil.

    Der Schmetterling des Jahres 2023

    Es ist Dunkelgartenzeit. Am hellichten Tag lautet der derzeitige Latifundienplan, möglichst regungslos unter dem Apfelbaum zu verharren, oder gleich ganz in klimatisierte Räume zu flüchten. Die Hauptzeit für den Garten-Garten sind dementsprechend der Morgen und sehr frühe Vormittag sowie die Dämmerung und danach.

    Ich begann mich zu fragen, ob Schmetterlunge eine Hitzegrenze haben? Bisher ging ich davon aus, dass diese nach dem Motto leben, je mehr Sonne, desto gut. Inzwischen scheinen auch diese, in die frühen Vormittags- und späten Abendstunden auszuweichen.

    Samstag verteilten sie sich: Am Lavendel oben im Garten die Kohlweißlinge, in der MItte über der Wiese die Schachbrettfalter, unten Richtung Feld und Beeren kleine braunorange Falter. Ein besonderer Fund war das Grüne Ampferwidderchen, Schmetterling des Jahres 2023.

    Ich liebe seinen Glanz. (aber nur vorsichtig, sonst wird es zu aktiv und Aktivität ist nicht gut bei diesem Wetter)

    Grünes Ampferwidderchen an Knautie.

    Couscous und Ribs

    Besondere Zeiten2 verlangen besondere Maßnahmen.

    Wir gingen ins Kino3. Ins klimatisierte Kino. Madame hatte die Idee und plante, aber es entstand am Samstag ein amerikanischer Tag: Wir fuhren eine Stunde mit 100 km/h4 im klimatsierten SUV über die Autobahn, fuhren ins Parkhaus, gingen ins klimatisierte Kino, wo es Cola und Fanta-Slushi gab.

    Im Kino saßen wir auf Ledersesseln, die sich elektrisch in Liegesessel verwandelten. Danach gingen wir einmal kurz über den Platz in Tony Roma’s Rip Place (natürlich klimatisiert), aßen Ribs mit Eistee und fuhren danach wieder eine Stunde mit 100 km/h nach Hause.

    Währenddessen war die Außentemperatur immerhin um zehn Grad von 40 auf 30 Grad gefallen.

    Auch wenn bei mir Kino gehen, immer bedeutet Kino gehen, nicht Film sehen, Ort, Publikum, Reise sind immer wichtig, war das Verhältnis noch nie so deutlich zu ungunsten des Films wie an diesem Samstag: Hauptsache klimatisierte Liegesessel.

    Um so schöner, dass der Film trotzdem schön war: Couscous und Geheimnisse ist eine französische Culture Clash Komödie über einen Koch, Sohn einer alleinerziehenden Mutter, die aus Algerien nach Frankreich einwanderte, der versucht die Ansprüche die Familie und Welt durch konsequente Vermeidung und Durchschummeln zu bewältigen.

    Das muss schief gehen, allerlei Konflikte entstehen, eskalieren, werden gelöst und am Ende haben sich alle lieb. Das war liebevoll gemacht und ist ein wirklich schöner Film für einen netten Nachmittag oder Abend.

    Besonders freute es mich, dass es kein Kunstfilm war, kein Problemfilm, sondern eine Mainstream-Komödie, die trotzdem aus der Perspektive der französisch-algerischen Familie erzählte. Nicht: Es gibt „normale Franzosen“, die die Fremden integrieren müssen und am Ende sind alle toleranter, sondern die Migration ist die Normalität und die Einwandererperspektive ist diejenige die vor allem erzählt.

    Außerhalb eines echten Kunst- oder Aktivismusfilm-Milieus fallen mir da nur wenige deutsche Vergleiche ein.

    Wie es leuchtet

    Meistens wenn wir auf die Latifundien fahren, dann bestehen die letzten Kilometer aus einer sechsspurigen Autobahn, auf der links und rechts Lärmschutzwände stehen. Selbst mich als Liebhaber unwirtlicher Orte, vermag dies nicht auf die Dauer zu fesseln.

    Am Samstagabend allerdings fuhren wir direkt auf den geöffneten Höllenschlund zu. Zumindest schien dies der Himmel zu versprechen. Eine Art „Sonnenuntergang“ in intensivem Schwefelgelb, darin wilde Wolkenformationen, links davon ein tiefes Schwarz, indem immer wieder lange Blitzkaskasden parallel zum Horizont entlangliefen.

    „The greatest Show on Earth“, wie einst ein berühmter Zirkusdirektor sagte. Nur dass es beim Gewitter an sich vermutlich eher zutraf. Und so bewunderte ich mit offenem Mund den Anblick, machte mir gleichzeitig Sorgen, dass die Schnauze des Subarus genau auf die Mitte dieses Höllenschlundes gerichtet war, wir ihm jede Sekunde knapp 30 Meter näher kamen.

    Ich war nicht böse, als wir noch vor dem Unterwetter im Bungalow ankamen, und diese Greatest Show mit Rotwein von der Terrasse aus sehen konnten. Der Sturm, der Regen und die Bodenblitze zogen schlußendlich knapp südlich an uns vorbei. Aber ein ganzer Himmel, der gleichzeitig für eine halbe Sekunden von einem kompletten Netz aus Blitzen überzogen war. Ich weiß nicht, ob ich so etwas je sah.

    Link

    ##

    Im Nachgang zum Film Backrooms bemerkte ich, dass zwar Wikipedien in 28 Sprachen Artikel zum Konzept liminal space haben, nicht aber die deutsche Wikipedia. Ich begann bereits zu überlegen, wie sich diese Lücke füllen lässt, da las ich bei Herrn Rau über seine diesjährigen Abiturient*innen „außerdem habe ich sehr das Gefühl, dass viele davon, oder jedenfalls einige, und damit vielleicht mehr als sonst, Dinge aus meinem Unterricht mitgenommen haben. Und sei es nur „liminale Orte“, die sich manche vorgenommen hatten, irgendwie in das Deutschabitur einzubauen.“ Jetzt müssen wir sie nur noch überzeugen, das gleich in der Online-Enzyklopädie einzubauen.

    Anmerkungen

    1. Yorck Unlimited No. 36 – d.h. 6,61€ pro Kinobesuch ↩︎
    2. Wobei „besondere Zeiten“ natürlich schwierig ist, in dem Zusammenhang. Denn Klimawandel yadda, yadda.. Gerichtet auf die Vergangenheit und gerichtet auf das was ich als „normal“ gelernt habe, ist das Wetter crazy. Gerichtet auf die Zukunft hätten wir mehr als nur unverschämtes Glück, wenn the normal etwa 40 Grad bleibt. ↩︎
    3. Nicht in eines der Yorck-Gruppe. Deshalb voll gezahlt. ↩︎
    4. Okay, ich fahre immer 100 km/h. Alles darüber hinaus wird unentspannt und kostet zuviel Treibstoff. ↩︎
  • 26-06-23 Taupunkt 22 Grad. Just as once upon a time in Mississippi.

    26-06-23 Taupunkt 22 Grad. Just as once upon a time in Mississippi.

    Schweiß-Salzränder auf dem T-Shirt.

    *

    Klassenfahrtknäuel am Bahnhof Südkreuz.

    *

    Der Kaptain beackert mit bewundernswerter Energie das Dithmarscher Gesundheitssystem.

    *

    Der Fifa-Friedenspreistäger droht wieder einmal, den Iran „in Grund und Boden zu bomben“. Um die Männer-Fußball-WM zu verfolgen, ist dieses Jahr noch mehr intellektuelle und moralische Selbstverleugnung als sonst nötig.

    Im Tippspiel dümpele ich weiter vor mich hin, derzeit auf Platz 16. Guter ITler der ich bin, habe ich auch schon einmal vergessen, auf Speichern zu drücken.

    Nachbar Canineri enttäuschte uns. Am frühen Abend vor dem Deutschlandspiel hatte er anscheinend ein paar Kumpels da und wir hofften aus Live-Geräusch-Berichterstattung von ein paar Gärten weiter. Aber bis zum Anpfiff um 22 Uhr war er anscheinend alleine. Sein einsames „Tor! Nein! Doch nicht!“ wirkte er traurig als fanbegeistert.

    *

    Es war ein schwül-bratwurstig-pfirsicher Latifundiensonntag und ein prozessionsspinnend-freibadiger Montag.

    As in Berlin, 2023, 2024, 2025

    Das vorletzte Juniwochenende macht in Wiederholung. 2026 las ich ermattet von Hitze, Schwüle und unter dem Wissen um die Unwetter der Gegend in alten Blogposts.

    2025 hatte ich am 24. Juni unter Peak Tageshitze geschrieben: „Berlin gab Klimakrise mit erst 35 Grad und dann sturmgefällten Bäumen“, im Jahr 2024 war es etwas später, da lautet der einschlägige Blogpost vom 2. Juli „Vier Schattierungen der Schwüle„. Im Jahr 2023 schrieb ich am 20. Juni „Die Wettervorhersage sieht für die nächsten Tage Temperatursprünge von knapp zehn Grad nach oben und unten vor, zwischendurch Regen. Welcome to heiße Waschküche.“

    Noch spannender allerdings fand ich den Eintrag vom 24. Juni 2025 zu einem anderen Thema: Spannende Entdeckung zum Schachbrettfalter: Seit drei Jahren blogge ich über ihn und jeweils erscheint der Post am vorletzten Juniwochenende. Anscheinend ein Falter mit einem sehr zuverlässigen Jahresrhythmus.

    Ich dürfte raten, welchen Schmetterling wir dieses vorletzte Juniwochenende ganz besonders oft sahen, so dass er auf jeden Fall im Blogpost vorkommen sollte.

    As in Memphis, 1992, 1993

    Wetter war in Thema. Wir saßen sonnengeschützt aber weichgekocht unter dem Schattiernetz als wir irgendwie auf meine Zeit in Southaven, Mississippi, Vorort von Memphis 1992/1993 zu sprechen kamen.

    Unter anderem mit der Frage: „Wie war dort das Wetter?“, und ich konnte nur antworten: „So wie jetzt.“ Denn die heißesten Sommermonate hatte ich damals ausgelassen, war nur von Elvis‘ Todestag Mitte August bis zum Ende des Schuljahres im Juni vor Ort.

    Aber diese Schwüle, diese entsetztliche Schwüle, blieb mir auch noch aus dem September, Oktober, April und Mai in Erinnerung: Football-Training in stehender Luft. Der ewige Duft feuchter Erde. Der leichte Dauer-Schweißfilm, der in jedem klimatisierten Raum verdunstete und sich sofort neu bildete, sobald sich eine Außentür öffnete; Outside-Aktivitäten, die weit in den Abend hineingezogen wurden. Footballspiele im Dunkeln aber Warmen.

    Tagsüber war das ein Wetter wie jetzt. Ein Wetter für Klimaanlagen oder rollende Ermattung unter intensiver Beobachtung von Wetter-Apps. Ich lernte, dass das Maß für absolute Feuchtigkeit der Taupunkt ist.

    Der Taupunkt sagt objektiv wieviel Wasser in der Luft gelöst ist, unabhängig von der Temperatur, subjektiv ist er ein Anhaltspunkt dafür als wie drückend Wetter empfunden wird. Dabei gilt generell ein Taupunkt bis 15 Grad angenehm. Darüber wird es schwül. So ab 18-19 Grad Taupunkt wird es sehr unangehm und bei 24 Grad Taupunkt beginnen größere Gruppen von Menschen Kreislaufprobleme zu bekommen.

    In Memphis zu meiner Zeit lag er zumindest in den Fast-Sommermonaten Mai/Juni/September/Oktober jenseits der 20 Grad. Auf den Latifundien am Wochenende lag er bei 22.

    Noch blühen die Alten Rosen

    Wir saßen weiter im Insektenobservatorium Pergola. Wildbienen in allen Tönen von schwarz, braun und gelb surrten um uns herum. Wie beruhigend das Surren war. Wie beschaulich das Schwirren und Sirren der Tiere wirkte.

    Wie hektisch es wirkte, wenn ich eine einzige Biene fokussierte, „Blüte – Rein – Check – Raus – Blüte – Rein – Check – Raus“.. bevor ich beschloss doch wieder mehr auf das beschauliche Summen zu achten. Unwetter und Regen hatten einmal alles geputzt. Die Sauerkirschen leuchteten am Baum, die Johannisbeeren versteckten sich, die Schachbrettfalter flatterten.

    Am Tor zum Feld, ein neuer Gast: Der Balkenschröter Dorcus parallelipipedus1, ein Käfer mit einer „weiten Präsenz in naturnahen Gärten und Parks.“ Das nehme ich jetzt als Kompliment.

    Zia sociale und zio machina kamen zur Übergabe des Rennpolos und brachten Kirschplotzer mit. Während Internet und Sirenengeheul aus der Ferne Landunter meldeten, saßen wir im Fast-Trockenen, redeten über dies und das über Kniee und Hüften über Kirschplotzer mit und ohne Stein.

    Madame hatte das Kochbuch gut bei hitze von Katharina Seiser konsultiert, bereitete Tomaten-Pfirsisch-Salat (sah besser aus) und Salsa-Verde-Fenchel-Bohnen-Salat (schmeckte besser), dazu ein gegrilltes Bratwurst-Potpurri von Wildelust.

    Es war schön.

    Func main(){fmt.Println “ „, )}

    Gemischtschöner war die Berliner Rückkehr in den Alltag.

    Das hafenstädtischen Kalendergötter setzten Madame die Woche der Wochen in den Dienstplan, die immerhin Stoff für zwei bis drei normale Wochen abarbeitet.

    Freundlicherweise möchte meine eigene Stelle diese Woche wieder weniger von mir, eine der zu vertretenden Stellen ist wieder besetzt, die zweite wird Mittwoch wieder besetzt und der Sonntagabend offenbarte noch eine weitere Deus-Ex-Machina-Vertretung.

    Ich schaute in meinen Kalender, weitete ungläubig die Augen und begann kurz zu hecheln, als ich merkte, dass es ich nur noch 36 Nicht-Urlaubs-Tage bis zur Imperativen Programmierklausur habe. Bis dahin hatte ich immer noch keine Klammer in Go geschrieben.

    Jetzt schon.

    Wellen. Fast wie im Freiwasser. Nur klarer.

    Die Berliner Großstädter durchlaufen eine unfreiwillige Fortbildung zum Thema „Welcher Baum ist eine Eiche?“ Die Bezirke kennzeichnen diese jeden Tag etwas flächendeckender mit weiß-roten Absperrbändern auf denen „Eichenprozessionsspinner“ steht.

    Wenn ich einen Radwege sehe, neben dem links und rechts ein Dutzend gekennzeichnete Eichen stehen, ich daran denke, dass schon einzelne eingeatmete Härchen Reaktionen erzeugen können und im 20-Sekunden-Takt Radfahrer*innen vorbeifahren, dann zweifle ich an der Situation.

    Die spinnen, die Eichen

    Frei nach Margrit, Wasser erdet mich, hatte ich mich bei 30 Grad Richtung Insulanerbad begeben2.

    Es war voller. Die Schnellschwimmbahn war zur Mäßíg-schnell-Schwimmbahn motiert, die Schwimmbahn war zur Langsamschwimmbahn geworden und der Treibzholzbereich hatte sich in Richtung „versuch es gar nicht erst“ gewandelt. Aber noch was alles sutsche, peacig, die Sonne schien, ein leichtes Lüftchen wehte, und ich konnte im kühlen klaren Wasser schweben.

    Hach, ach, wie schön, schweben erdet.

    Links

    ##

    Gelesen und für gut befunden. Ich freue mich schon auf die Umsetzung: Milchreis-Eiscreme

    ##

    Gelesen und für gut befunden. Umsetzung hier schwierig, weil Mangos im Juni. Mango Gazpacho

    ##

    Für den Freundeskreis Dystopie: Palettenweise wandern Sachbücher und Romane aus europäischen Antiquariaten in die USA. Dahinter stecken mutmasslich KI-Unternehmen: Sie nutzen gedruckte Bücher als Rohdaten für ihre Sprachmodelle – und werfen sie nach dem Scannen in die Tonne.

    Anmerkungen

    1. Heißt der lateinische Name auf deutsch wirklich Parallelfuß? ↩︎
    2. Kabanenbesuch No. 4 – 20 Euro pro Besuch ↩︎
  • 26-06-16 Schafe werden Wolken, Wolken werden Regenschauer

    26-06-16 Schafe werden Wolken, Wolken werden Regenschauer

    Madame telefonierte alemannisch.

    *

    Am Südkreuzklavier sah sie nicht nur Menschen mit Noten für Klavierpartien, sondern auch Pianisten, die ihre eigene Geigerin mitbringen. (oder eine Geigerin, die ihren eigenen Pianisten..)

    Später versuchte Madame, zweierlei Latein in ihrem Kopf zu entwirren. Aufgrund ihrer Mehrchorwochen singt sie gleichzeitig das Mozart-Requiem und das Cherubini-Requiem. Beide haben im Prinzip denselben lateinischen Text. Aber bei Mozart sei es bitte in der deutschen Latein-Aussprache gesungen und bei Cherubini in der italienischen Latein-Aussprache.

    *

    Mein Versuch, litauische Bahnkarten zu kaufen, scheitert an der Meldung „403 forbidden“. Dazu erscheint eine Fehlerseite, die so klassisch technisch aussieht wie das gute alte Internet von ehedem.

    Etwas Recherche erbringt die Info, dass LTG Link gerade aus Cyberabwehrgründen ganz Nicht-Litauen aussperrt. Das Internet empfiehlt die LTG-Link-App oder die Nutzung eines VPNs. Die App zwingt mich, mir einen Account anzulegen und hängt sich dann dabei auf.

    Also werde ich ein VPN suchen müssen, das Litauen kann und trotzdem nicht wie die hinterste dunkle Ecke des Internets wirkt.

    *

    Am Tag als mein Fahrrad verschwand, Madame auf der Suche zwar kein Fahrrad aber einen Fuchs fand, und das Fahrrad wieder auftauchte. Das war der Tag als Madame im Lochowbad erfuhr „Ihr Schloss ist fehlgeleitet“ und dann ihre Uhr vergaß. Das war ein seltsamer Tag.

    *

    Es war ein Sonntag zwischen rain and shine und ein Montag zwischen Südkreuz und Schaf.

    Farben schießen Tore

    Ein niedlicher Nachtrag: Der kleine Fußballfan vom Wochenende, der zwar zur Irritation seiner Eltern überhaupt riesiger Fußballfan ist, aber das noch auf einem Niveau, wo er ganz begeistert vom Spiel von Grün gegen Gelb erzählt.

    Im Kreise älterer fußballinteressierter Menschen läuft mein Tippspiel-Masterplan so mäh. The power of statistics bringt mich am Ende von Spieltag 2 auf Platz 22 von 44.

    An einem Montagnachmittag versuchten drei Menschen im öffentlichen Dienst visionär zu sein. Und zwar nicht visionär im frei fliegenden irgendwann-haben-wir-Flugtaxis-Modus sondern visionär im Sinne von „in sechs Monaten solles real existierende Menschen im Alltag benutzen können.“ Das ist eine manchmal recht mühselige Form der Visionarität, erst recht am Montag Nachmittag.

    Friedhof der Fluginsekten

    Wir joggten Garten. Es konnte passieren, dass wir sagten, „Ah, Sonne, lass uns die Gelegenheit nutzen und den Staubsauger wieder in den Schuppen bringen“, und innerhalb der fünf Meter von der Haus- zur Schuppentür wurde schon wieder jemand klatschnass.

    Der spektakuläre Himmel empfahl für den Sonntag Häuslichkeit. Ich und der Staubsauger versuchten sich am niedrigen Schlafboden an einer Aktivität, die zu einem Achtel aus Athletik und zu sieben Achteln aus Herumrollen bestand. Vielleicht sah es aus wie der welt-unbeholfenste Schlangentanz. Die Staubsauger-Rollethik führte mich insbesondere am großen nicht-zu-öffnenden Südfenster zur letzten Stätte toter Bienen und Fliegen. Denn wo viele Insekten, da auch immer wieder Insekten im Haus, die sich auf dem Rückweg verirren und in die Sackgasse geraten.

    Aus dem Fenster konnten wir die immer wieder kreisende Bachstelze sehen, und raten, wo ihr naheliegendes Nest liegen könnte. Die Alten Rosen sind so gewachsen, dass wir sie selbst hinter dem 2-Meter-Gras noch durchscheinen sehen können. Gerade die Pink Moss wirkt wie direkt aus einem Märchen der Brüder Grimm entstiegen bzw. da die Sorte seit 1696 bekannt ist, ist sie vermutlich einem Märchen der Gebrüder Grimm entstiegen.

    Go GoLand

    Der Blick auf meinen Kalender sagt mir, dass ich mich ernsthafter mit den beiden kommenden Fernuni-Klausuren beschäftigten sollte. Ich beschloß für Sonntagabend, erst einmal die ganzen Aufgaben aus der „imperativen Programmierung“ zu lösen.

    Denn nur weil ich glaube prinzipiell verstanden zu haben, wie die Sprache Go funktioniert, heißt dass noch lange nicht, dass ich in der Lage bin, alle geschweiften Klammern, Kommata, leere Klammern und Punkte in einer Reihenfolge zu setzen, die die Sprache erfordert.

    Das kann und werde ich mir nur mit Training (= Testaufgaben lösen) aneignen.

    Wie eigentlich immer in der Informatik liegt die erste Herausforderung kann nicht im Inhalt, sondern in der Form: Wieder einmal eine Sprache auf dem Rechner installieren, wieder einmal eine Studiumslizenz für eine Programmierumgebung beantragen und dann das vom Lehrstuhl empfohlene GoLand auch noch auf meinem Rechner zum Laufen bringen. Danach ist mein Lernslot vorbei, weiterhin ohne eine geschriebene Klammer.

    Saal 5 ist der in Blau und Rot

    Am Hühnchenimbiss ein Loch in der Scheibe. Wir überlegten, ob es einem Unfall entstammte oder den gerade grassierenden rustikalen Schutzgelderpressungen mit Schusswaffenhilfe. Der Qualität des halben Hühnchens schadete es nicht.

    Denn, es ist absurd, dasjenige der Yorck-Kinos, das am ehesten unauffällig, funktional, praktisch und gut ist, das Delphi Lux, liegt in der Ecke Berlins, die alles andere als unauffällig oder funktional ist.

    Der Bahnhof Zoo hat nicht nur mit Breitscheidplatz, Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche und Ku’damm alteingesessene Touriattraktionen um die Ecke, mit Zoo-Palast, Delphi Palast und dem Musicaltheater eine große Strahlkraft, sondern auch die Szene, die seit „Wir Kinder vom Bahnhof Zoo“ zwar manchmal die Gestalt und die Droge-der-Wahl wechselt, aber zuverlässig zum Zufluchtsort für die Hoffnungslosen wird.

    Und genau dort liegt ein Kino, das mit seinem sieben kleinen bis mittelgroßen Sälen einfach nur praktisch ist. Es liegt direkt an einem Verkehrsknotenpunkt in einer der Berliner Stadtmitten. Das Delphi Lux ist vom Saal her kein Neues Off, kein Filmtheater am Friedrichshain. Das hat genau die Atmosphäre, die nicht vom Film ablenkt. Die Programmauswahl ist bei sieben Sälen groß, Säle und Foyeur unspektakulär einladend. Ein guter Platz für entspanntes After-Work-Kino.

    It was getting orders from a sheep

    Der Montag endete in flauschiger Niedlichkeit. „Glennkill – ein Schafskrimi / The Sheep detectives“1 ist ein Film, der weise auf jeglichen Originalitätsdrang verzichtet, um die Niedlichkeit und ins-Herz-Schließbarkeit der schafischen und menschlichen Charaktere in Szene zu setzen.

    Ein Schäfer wird getötet. Seine Herde, die zwar Menschen verstehen und miteinander sprechen kann, die für Menschen aber nur aus blökenden Schafen besteht, versucht den Fall zu lösen: Im Stil klassischer Whodunits in einer englischen Kleinstadt mit Testamentseröffnung, einem alle-sind-verdächtig-Cast, einer überraschenden Wendung und der großen Verkündungsszene am Ende.

    Da die Schafe ihre Ermittlungsergebnisse nicht selbst präsentieren können, müssen sie den gutmütigen der trotteligen Dorfpolizisten zu den Spuren ziehen, oder diese auch auf den Boden des Polizeireviers malen. Nachts, vor einer unschuldig inhaftierten, die am nächsten Morgen nur erzählen kann „There was a lamb inside. And it was getting orders from a sheep.“

    Hugh Jackman als Schäfer spielte einen perfekten einsam-herzenswarmen Schäfer, Emma Thompson als Anwältin aus der Stadt war genau so schneidig-faszinierend wie mensch sich in einem solchen Setting Anwältinnen aus der Stadt vorstellt, und überhaupt war das alles komplettes wunderbares Flausch-Wohlfühlkino.

    Ein Tag, der mit Fahrrad und Fuchs begann, endete mit Schafen, die zu Wolken wurden.

    Links

    ##

    Von Madame gelesen, während sie unsere dramatisch schwindenden Buttervorräte aufbesserte.

    ##

    Ich hatte ja keine Ahnung! In Bezug auf Partytricks kann ich einäugig Schielen und habe noch eine Merkwürdigkeit in der Hinterhand: die Ohren taub stellen. Nein, das ist nicht nur eine Floskel, das geht wirklich

    ##

    Auch wenn das wahre Basbektball-Team natürlich die Boston Celtics sind, fühle ich mich verbunden: Seit Anfang der 1990er Jahre bin ich Fan der New York Knicks.

    ##

    Wenn Sie also gerade in Richtung Musik etwas lernen, machen Sie es doch bitte in der Außengastro. Es gibt Menschen wie mich, die sie dabei gerne beobachten wollen und die davon auch etwas haben. / ack

    Anmerkungen

    1. Yorck Unlimited No. 34 – 7,00€ pro Besuch ↩︎
  • 26-06-14 Blandine avec la großer Rucksack multicolore

    26-06-14 Blandine avec la großer Rucksack multicolore

    Manchmal haben Leute am Südkreuz-Klavier umfangreiche Klaviernoten dabei und spielen anspruchsvolle Klavierprogramme. Manchmal spielt auch jemand schief Alle meine Entchen.

    *

    In der U-üc informierte Sophia ihre Freundin, dass Anton mittlerweile zur coolen Gang gehört. Ihre Freundin konnte das nicht glauben. Anton war früher doch der Uncoolste überhaupt, schon allein weil er auf dem Schulhof immer Ameisen aß.

    *

    Manchmal videocalle ich mit Dienstleistern und ich sehe vor meinem inneren Auge einen Stapel brennender Geldscheine.

    *

    Wie schon bei der Männerfußball-EM 2024 versuche ich das Organisationsinterne Tippspiel zur WM 2026 fernab jeder Ahnung oder jedes Interesses mit statistischer Heuristik zu gewinnen. Letztes Mal kosteten mich gefühlsgewallte Tipps den Sieg. Dieses mal wird stur heuristisch getippt. Nach dem 1:1 zwischen der Schweiz und Katar führte dies bisher zu Platz 21 von 46. Aber the power of Statistik liegt in der großen Zahl der zu tippenden Spiele.

    *

    Es war ein Wilmersdorf-Pariser Werktagsausklang und ein feuchtfröhlicher Wochenendauftakt.

    Unten Idylle, oben Screaming Party

    In ihren Mehrchorwochen war Madame wieder Chor, der am Ex-See probt. Und wieder war der Gartenfuchs anwesend, der später von den Gartenkaninchen abgelöst wurden. Zwischendurch spielten kleine Jungs im Garten Fußball und schauten dann dem Chor zu. Die manchmalige Dörflichkeit von Wilmersdorf erstaunt uns weiterhin.

    Jedes mit Absperrband umwickelte und an einen Poller gebundene Auto hat eine Geschichte. Manchmal ist Wilmersdorf auch städtisch.

    Wie ich zwei Kilo Mehl und eine Packung Klopapier durch Wilmersdorf trug

    Das Schöne an einem Umzug ist. Auch nach einem halben Jahr muss ich nach dem Vollkornroggenmehleinkauf nur einmal nicht die Diretissima nehmen, sondern nach links abbiegen und entdecken komplett neue Gegenden.

    Meine Güte. Welch schwäbisch-wohlhabende Idylle haben wir in der Nachbarschaft. Die drei Straßenzüge um die Gasteiner Straße, die Sigmaringer Straße und den Leon-Jessel-Platz sind offenbar einem Katalog für gediegenes Großstadtleben entstiegen. Das ist weder Wilmersdorf als Dorf noch Wilmersdorf als Berlin-Innenstadt, das ist Wilmersdorf als wohlhabender Randbereich einer kleineren Großstadt.

    Altbauten, Kopfsteinpflaster, viel Grün, eine niedliche Straßenmöblierung, einige wenige einladend wirkende Restaurants, die gut eingesessen und dennoch erreichbar-edel wirken. Irgendwie war es passend, dass dort auch die Hobby- und Kleintierzüchter Verlagsgesellschaft wohnt. Und das um die Ecke.

    Über mir formierten sich Mauersegler zu ihren ersten Screaming Parties des Sommers. An den Bäumen wiesen Absperrbänder auf zahlreichen Eichenprozessionsspinner hin. Denn wo ein alter Eichenbestand, da Eichenprozessionsspinner.. Irgendwas ist halt immer.

    In der Mitte des Komplexes das Goethe-Gymnasium. Laut Wikipedia ein traditionsreiches altsprachliches humanistisches Gymnasium, das Schüler*innen „von der Sexta bis zur Prima“ betreut. Und – ich weiß nicht ob ich das je in Berlin sah – Gebäude, Hof und Umfeld sahen Immaculate aus, wie der Neusprachler sagen würde.

    Ich lese das weitere Schulportrait auf Wikipedia und mein jungendliches ich ist neidisch: Da wäre ich gerne zur Schule gegangen.

    La double Blandine

    Ich sah einen Spielfilm, der etwa eine Minuten lang im Technikkeller eines Schwimmbads spielte. Und schon allein damit sollte klar sein, dass jetzt eine Lobpreisung folgt.

    Zum Glück verdienen die restlichen 77 Minuten des Films diese auch. Denn je länger ich Le Rendez-vous de l’été / Sommer in Paris1 sacken lasse, desto lieber mag ich den Film. Je mehr ich darüber nachdenke, desto mehr ergibt der Vergleich mit Jacque Tati’s Playtime Sinn.

    Das Rendez-vous mit dem Sommer ist keine klassische Komödie – der Film ist glaube ich gänzlich pointenfrei. Aber wie die immer leicht alienhafte Blandine mit ihrem großen bunten Rücksack und dem Umhängehandy (gespielt von Blandine Medec) durch Paris stolpert gibt sie allein durch ihre Anwesenheit der Stadt die Gelegenheit ihren ganzen Wahnsinn bloßzulegen.

    Die Handlung folgt Blandine, die aus Bayeux nach Paris reist, um einige Schwimmwettbewerbe während der Olympischen Spiele 2024 zu sehen. Daran scheitert sie. Sie trifft ihre seit Jahren entfremdete Halbschwester Julie, toughe Pariserin, die aber so sehr mit der Auseinandersetzung mit ihrem Ex beschäftigt ist, dass sie Blandine nur am Rande wahrnimmt.

    Ihren 30. Geburtstag „feiert“ Blandine indem die Jungendherberge sie vor die Tür setzt, weil sie die Altersgrenze überschritten hat. Blandine irrt immer wieder einsam durch die Stadt, durch die Olympiafeiern, vorbei an den Touri-Attraktionen, aber viel öfter durch die echten Wohnviertel, wo ihre Familie sind. Nur der Elektriker Benjamin, der auch Nachts am Olympia-Schwimmstadion arbeitet, zeigt Interesse an ihr, gibt ihr das Gefühl nicht allein durch die Gegend zu irren.

    Dabei ist insbesondere Blandine gespielt von Blandine beeindruckend. Diese schafft es gleichzeitig so verloren und verworfen in der Welt zu wirken wie alle in dieser sich fühlen und nur selten so aussehen. Sie strahlt eine herzliche Freundlichkeit weit jenseits der Grenze zur Naivität aus, und vermittelz doch auch gleichzeitig den Eindruck, als wäre mehr Lebensweisheit in ihr als im ganzen Paris um sie herum.

    Zum Abschluss spielt sie auf dem Bahnhofsklavier am Gare du Nord, steigt in den Zug nach Bayeux und sitzt in der Abschlusseinstellung am Omaha Beach mit Blick auf den Ärmelkanal.

    Mauersegler zu Staren

    Nach dem Kino der Garten. Eine Nachtfahrt auf die Latifundien. Am Morgen ein Anblick, der meine Formulierungsfähigkeiten übersteigt. So spektakulär war er noch nie. Anscheinend waren Frost und Regen dieses Jahr genau richtig.

    Ich möchte meine Arme ausbreiten und darin herumrollen, über mir Hummeln, Falter, Bienen, Solitärwespen, Fliegen und kleine Starenschwärme.

    Tatsächlich aber mähte ich die Wege nach. Wir trafen Spargelkönigin und Lebkuchenprinz beim Einkauf von Spargel und Nudossi. Wir fuhren nach Wochend-West zur Doppelgeburtstagsfeier mit Regen vor dem Fenster, Kuchen, Aristocats, Regen vor dem Fenster und Familienupdates.

    Dann zu den Latifundien. Ich öffnete die Autotür und sagte spontan „Was für ein Geruch!“

    Hach.

    Links

    ##

    Ein Mann kommt von der Naturweide hinter mir mit einer großen Plane. Er zieht sie hinter sich her und transportiert Zeugs: Erde, Wurzeln und sicher auch tausend Jahre alte Artefakte.

    ##

    Oh, Zeiten: „Die Schülerschaft wirkte dieses Jahr etwas irritiert und unsicher auf mich. Die häufigste Frage meiner Schützlinge war “Welches Spezialthema würden Sie mir empfehlen?” Und zwar fast durchgängig. Dass man sich mit 19 Jahren nicht selbständig zu einer Entscheidung durchringen kann, war mir völlig neu.“ und noch ein Abitursrückblick.

    ##

    „Ois is Blues“ hat der Willy Michl mal gesungen, das seh ich auch so.

    ##

    Christine im italienischen Hinterland und ich bin von den Anblicken begeistert.

    Anmerkungen

    ~ Wenn die deutsch-englische Hybridsprache Denglisch ist, ist die Überschrift dann Dranzösisch?

    ~ Haushaltszugang: Je ein Zahlenschloss in blau und grün für Schwimmbadspind und ähnliches. Der Code ist vierstellig.

    1. Yorck Unlimited No. 33 – 7,21€ pro Besuch. ↩︎
  • 26-06-11 E.T.A.I

    26-06-11 E.T.A.I

    Madame holte gemüslich-prignitzer Salat und Zuckerschoten. Ich aß das Burger-Mix-Menü bei Cebo’s. Beides können wir weiterempfehlen.

    Nicht mehr empfehlen können wir das afghanische Restaurant Bahar an der Ecke neben dem Odeon. Dieses schloss. Sie waren unfassbar nett und sie mühten sich redlich. Aber die professionelle Gastronomie war merklich nicht Ihres. Ich hoffe, sie konnten die Reißleine ziehen, bevor es zu schlimm weh tat.

    *

    Da arbeiten, wo andere Staatsbesuche machen: Am Dienstag zogen die einschlägigen Kolonnen zu Arbeitsbeginn und Arbeitsende an mir vorbei. Nachmittags geschmückt mit Schweizer Fahnen. Am Mittwoch traf ich den Polizeimotorräder-Polizeiwagen-Schwarze-Limousinen-Convoy auf dem Weg aus dem Schwimmbad. Diesmal in ungarisch.

    *

    Bei Edeka Duolingo interviewten zwei Polizist*innen einen älteren Herrn. Diesem war anscheinend die Dramatik der Situation wichtiger als die präzise Faktizität. Im Vorbeigehen flog ein gestisch untermaltes „Und dann DÄNG mit der Faust“ an mir vorbei.

    *

    Die Rolltreppe der Gegenwart am Südkreuz wird demontiert. Der Boden um sie herum ist zerschlagen, die Handläufe existieren nicht mehr. Seitdem Bauzäune dort stehen, wirkt die übrige Treppe doppelt so schmal wie vorher, obwohl der objektive Platz genau gleich blieb.

    *

    Es waren vier Arbeitstage gefolgt von Wasser und Außerirdischen.

    50 Meter Freude

    Madame war zweimal im Lochow. Dieses Jahr trennen sich unsere bisherigen Badewege. Madame geht in das örtlich sinnvollste Bad, das Lochowbad; ich gehe in das zeitlich sinnvollste Bad, das Insulanerbad,

    Nach dem vergeblichen Versuch am 1. Juni, folgte am 8. Juni vor dem Kino Versuch Nummer 2 des Insulanerbadbesuchs im Juni. Und auch dieser lief holprig. Den Kabanenschlüssel vergaß ich in der Wohnung1, die S-Bahn hatte Polizeieinsatz und nachdem ich mit Irrungen und Wirrungen ankam, erhielt ich einen EC-Geräte-Vortrag.

    Aber ich hatte die Badehose dabei und konnte baden! Zu Freibadwetter, wie ich es liebe: Sonne, Wind, Wolken, die rasch vorbeiziehen, und insgesamt kalt genug, um Platz im Becken zu lassen. Ich schwamm im Nicht-Totholz-aber-auch-nicht-sportlich-Bereich für meine Verhältnisse zügig, ich wollte ja noch ins Kino, und verließ entspannt das Becken. Der Sommer groovt sich ein.

    Mittwoch hatte ich kinofrei. Lange studierte ich Regenradar, Blitzradar und Wettervorhersage, um mich doch ins Bad zu wagen. Diesmal fuhr die S-Bahn und ich hatte den Kabanenschlüssel2. Meine Lieblings-Badleiterin3 nutzte das schlechte Wetter, um das Tor am Eingang neu zu streichen – und wie beim Tom Sawyer, ich hatte große Probleme, dem Spontansubbotnik zu entfliehen und nur zu Baden.

    Aber welch ein Traum. Wir waren zu dritt im Treibholzbereich. Ich kam kaum zum Schwimmen, weil ich die ganze Zeit den Himmel mit seiner Mischung aus blau, Sonne, schwarzen Wolken, weißen Wolken und grauen Wolken betrachten musste. Es war ein Schweben mit weit aufgerissenen Augen. Fast wie ein Sternenhimmel.

    Der vielfache Spielberg

    Madame durchlebt weiter die Mehrchorwochen. Chor 2 hat zwar keinen Fuchs am See zu bieten. Aber dafür singt er das Cherubini-Requiem. Madame ist hin und weg.

    Ich kontere mit den Mehrsesselwochen. Auf in’s Kino, in’s Kino und in’s Kino.

    Auf dem Arbeitsverlassweg, ausnahmsweise ohne begleitenden Staatsbesuch, traf ich die Hüterin der Outlookkalender. Wir plauschten kurz über wohin und woher, über Begehr, ich erzählte von meinen Plänen, und sie erzählte, dass sie ein Yorck-Unlimited-Abo hat. Gute Kinokette, die Yorcks. Gute Frau die Frau!

    Ich hatte vorher erzählt, dass ich auf dem Weg zu meiner Spielberg-Alien-Immersion war im Odeon war. Nach A.I.4 5am Montag folgten E.T.6 am Dienstag Nachmittag, Close Encounters of the Third Kind7 am Dienstag Abend.

    Am Plan „nicht mehr als zwei Filme“ pro Woche arbeite ich noch. Immerhin kann ich bei diesem Konvulut hinterher ganz gut sortieren, welche Filme mir nach einigen Tagen am eindrücklichsten im Gedächtnis hängen. Sie folgen in aufsteigender Reihenfolge.

    Almost

    Der Begriff Uncanny Valley bezeichnet in der Robotik einen Zustand, in dem Roboter so menschenähnlich werden, dass sie unheimlich sind. Roboter, die klar nach Robotern aussehen – okay. Roboter, die wirklich wie ein mensch wirken – sehr okay. Roboter, die fast nach Menschen aussehen, bei denen aber irgendwas nicht stimmt – unheimlich.

    Wir saßen 146 Minuten im Uncanny Valley. Einerseits ging es im Film A.I. um Roboter, hier einen kleinen Jungen, der fast menschenähnlich ist (unfassbar großartig gespielt von Haley Joel Osment), anderseits galt das auch für den Film an sich. Geschrieben vom Meister der gothischen Kathedralen des Films, immer eindrucksvoll, immer zum Luft anhalten, immer aus einer Distanz, allen Kitsches beraubt so dass nur die nackte Essenz übrig bleibt, immer weht ein kalter Wind durch seine Filme; verfilmt vom Meister der dichten emotionalen Packung, des Gefühlskinos, immer wird mensch umarmt und durchgeschüttelt in seinen Filmen. Es entstand ein Film, der fast Kubrick ist, aber nicht wirklich, ein Film der fast Spielberg ist, aber nicht wirklich.

    Sehr faszinierend, aber beim ersten unvorbereitenden Sehen, überfordernd.

    Noch uncannyer. Diesen Film aus dem Jahr 2001 über Künstliche Intelligenz sehen und danach mit dem LLM ChatGPT darüber reden.

    The Stars, the Music, the Suits

    Die Unheimliche Begegnung der Dritten Art, ein Film, der mich dazu brachte, die Spielberg-Biographie nachzulesen.

    (a) Close Encounters of the Third Kind ist wirklich nach Jaws/ Der Weiße Hai erschienen. Auch wenn es nicht so wirkt, auch wenn die Close Encounters auf mich viel unfertiger, tastender und versuchender wirken als das Hai-Meisterwerk.

    (b) Scottsdale it is! Spielbergs Faszination mit Außerirdischen ist hinlänglich bekannt. Und gerade hier im Film tauchen immer wieder eindrucksvolle dunkle Sternenhimmel auf, die in allen Farben blinken – so wie ich sie nur von extrem guten Tagen an den Latifundien, vor allem aber von dunklen Nächten an der Nordsee kenne. Der Himmel, ist einziger Show-Act.

    So prominent wie diese Sternenhimmel im Film auftauchten, sagte es mir: Spielberg hat die Himmelsglitzershow in Echt gesehen. Oft genug, und mit ihm selbst jung genug, um ihn dauerhaft zu prägen. Das kann nicht in einer hellen Großstadt passiert sein: Cincinatti, New Jersey, Philadelphia – die frühen Stationen von Spielbergs Kindheits sind zu lichtverschmutzt. Aber „zog die Familie im Februar 1957 .. nach Scottsdale, einem exklusiven Vorort von Phoenix Und ja, Phoenix, Arizona, Wüste, 1957 noch kaum besiedelt. Dort schien der Sternenhimmel, der der Menschheit viele Außerirdischen-Filme einbrachte.

    Close Encounters of The Third Kind ist der erste dieser Filme. Seltsame Sichtungen, Phänomene, Erscheinungen, Ufos kommen auf die USA nieder. Ein Raumschiff landet am Fuße des Devil’s Tower in Wyoming, einige fast magisch Angezogene (die Protagonisten des Films) schleichen sich an allen Militärabsperrungen vorbei, um Raumschiff und Außerirdische zu sehen.

    Ich musste mich gewöhnen. Zu sehr sah das immer wieder aus, wie die 1970er-Fernsehserien, die der Kaptain so gerne schaut. Wenn man an Spielberg denkt, den Meister darin, einen durch die Gefühlswaschmaschine zu jagen, jemand der halbe Staaten an Logistik und Technik aufbietet, um die Geschichte eines kleinen Jungen zu erzählen, wirkte das alles sehr unfertig, sehr rumpelhaft, sehr nicht-perfekt.

    Fast alles ist schon da: Der kleine Junge, die fremdartig-niedlichen Alians, die John-Williams-Musik, das Poetische im Alltäglichen, die Utility-Cars die auf Sand bremsen, der abgefahrene Menschen-Außerirdischen-Kommunikations-Jazz, die unglaubliche Fähigkeit gewöhnliche Menschen in ungewöhnlichen Situationen zu schildern – am Ende der Spielberg Woche war es wie ein Blick in Spielbergs Emotionswerkstatt, in der die Fassaden noch nicht richtig sitzen, die Leitungen noch nicht verlegt sind, und man viel mehr von der Maschine sieht als in späteren Filmen.

    Und Sternenhimmel natürlich. Sternenhimmel. Ich sah den Sternenhimmel. Diesen Film würde ich gerne noch mal sehen.

    Phone home

    Nach dem Film sahen wir uns beide an, sagten beide: „Ich dachte, das ist ein harmloser, netter Kinderfilm.“

    Wir beide füllten die Bildungslücke E.T.

    What a movie! Herzlich, niedlich, süß, anrührend, und viel dramatischer, trauriger und unheimlicher als wir vorher gedacht hätten. Der Film hat alles. Großes Kino. 10/10.

    Danach: Der Nachthimmel über Schöneberg.

    phone home

    Links

    ##

    Es gibt jetzt eine Citizen-Science-Karte um Eichenprozessionsspinner einzutragen. Hier in der Berlin-Ansicht. Unbedingt gehört er in meinen dystopischen Roman.

    ##

    Unfreiwilliger Selbstversuch von Andrea: Ein Tag ohne Smartphone

    ##

    Über das Klavierspielen

    ##

    Villeicht doch mal über das Zurück-in-die-Zukunft-Musical nachdenken? Ich lese nur Gutes.

    ##

    Heimatgefühle: Nicht nur die Outdoorjacken der Paare sind gleich aussehend, wie seit Jahren schon, auch die Räder sind jeweils Zwillinge. So häufig, dass man irgendwann annimmt, okay, diese E-Bikes werden vermutlich nur in Zweierpacks verkauft, die gehören einfach so. Es ist ein Für-Zwei-Produkt.“ Wobei ich glaube, viele Auto-Pendel-Strecken haben die Länge, dass sie schlecht mit einem Fahrrad aber ganz hervorragend mit einem E-Bike substituiert werden könnten. Wenn dass die Gesellschaft merken würde, könnten wir einen großen Schritt richtung bessere Welt gehen.

    ##

    Sun-Tsu-Zitate peppen jeden Blogeintrag doppelt auf, wenn man sie auf Englisch bringt.

    Anmerkungen

    ~~ An der Fernuni für die Klausur zur Imperativen Programmierung angemeldet

    ~~ An der Fernuni für das nächste Semester rückgemeldet. Das Programm lautet Datenstrukturen und Algorithmen, sowie Objektorientierte Programmerung sowie Socio Technical Information Systems Design.

    1. Es blieb bei Kabanenbesuch No. 1 – 80€ pro Besuch ↩︎
    2. Damit Kabanenbesuch No. 2 – 40€ pro Besuch. ↩︎
    3. Eine meiner Lieblings-Badleiterinnen. Natürlich schätze ich alle Kolleginnen und Kollegen. ↩︎
    4. Okay, technisch keine Außerirdischen sondern entwickelte Maschinen. Spätestens zum Ende hin, sind sie aber nicht mehr unterscheidbar. ↩︎
    5. Yorck Unlimited No. 30 – 7,93€ pro Besuch ↩︎
    6. Yorck Unlimited No. 31 – 7,68€ pro Besuch ↩︎
    7. Yorck Unlimited No. 32 – 7,44€ pro Besuch ↩︎