Schlagwort: Demonstration

  • 25-10-30 21 x 0- (15,2)

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    Die Schwimmbadquartetts sind wieder aus.

    Bei der BundID bin ich zu Bechtle-Support-Level 2 vorgedrungen. Aber noch ohne Erfolg. Level 1 hatte nur die Standardmail zu bieten mit lauter Lösungen für Probleme, die offensichtlich nicht meine waren. Ich bin gespannt was Level 2 einfällt.

    Hurra. Ein europäisches Land hat gewählt und das Ergebnis ist nicht komplett furchtbar. Danke, Niederlande.

    Hurra, in der CDU tut sich was und eine Gruppe liberaler Politiker*innen formiert sich. Ich glaube, dass die entscheidende politische Auseinandersetzung unserer Zeit innerhalb der CDU ausgefochten wird. Wer wirklich, wirklich effektiv etwas ändern will, sollte dort eintreten. Ich kann mich selber aber auch nicht zu diesem Parteieintritt bringen, würde vermutlich auch so wenig Stallgeruch mitbringen, dass ich nie irgendeinen Einfluss erringen könnte.

    Es waren drei Tage des Arbeitens, zwei Abende des Holens und Bringens. Die Arbeit brachte Spielen mit Obsidian und Mermaid und überraschend engagiert geführte Schnittstellendiskussionen. Abends holte ich Gemüsli, Badelatschen und ein halbes Bett, brachte Blut und ein halbes Bett.

    Andere Schnittstellendiskussionen entstehen in der neuen Wohnung zwischen Klempner und Küchenbauer. Es bleibt spannend.

    Ein Umzugsunternehmensmensch kam vorbei. Nachdem er alle Bücher zusammengerechnet hatte, entfuhr ihm ein spontanes „Halleluja“. Seiner groben aber professionellen Schätzung nach müssen 76 Regalmeter Buch und CD umziehen.

    Dank des Umzugs betreiben wir derzeit mehr oder weniger drei Haushalte (Wohnung alt, Wohnung neu und Bungalow) – kein Szenario für sind-alle-Türen-zu-und-der-Herd-aus?-Paranoiker. Immerhin sind es zwar drei Wohnstätten aber bisher nur zwei Herde.

    Pros der Konstellation: Während ich gerade in Wilmersdorf versuche die Küchen-Schnittstellendiskussion zu verstehen, schickt Madame zum Sterben schöne Fotos von den Latifundien. Egal, was beim Umzug zwischendurch für Chaos ausbricht – wir haben einen funktionierenden Haushalt.

    Im Südkreuz fahren weder Fern- noch Regionalzüge. Es fahren nur noch S-Bahnen. Die Bahn nutzt das Szenario, um umfangreich am Bahnhof herumzubasteln. Auf einer Leiter ein Mann in Warnweste, umgeben von sechs Kollegen, beschallte die halbe Grand Hall – since 2006 mit einem „Das müssten wir uns mal erlauben!“

    Das Katzenstreuwrack verschwand

    Tohuwabohu im HInterhof um 22 Uhr. Eine größere Gruppe, bestehend anscheinend aus zwei Einzelgruppen diskutierte und umrundete die kennzeichenlose B-Klasse. Türen wurden geöffnet, die Kotflügel gemustert. Eine Teilgruppe bestand aus unseren Haushallodris, die andere wirkte wie so recht junge Autohändler aus der Gegend, überraschenderweise inklusive einer bekopftuchten Frau.

    Es wirkte nach Verkaufsgespräch – wobei es auch super zu unseren Hallodris passen würde, ein zusammenbrechendes Auto im Dunkeln und Regen zu verkaufen, wenn niemand etwas sieht.

    Am nächsten Tag war die B-Klasse noch vorhanden. Dafür verschwand das Katzenstreuwrack vom Hof. Arbeitshypothese: Die neue Gruppe hat sich bereit erklärt das komplett marode Katzenstreuwrack zu entsorgen und als Bonus dafür die vermutlich noch fahrfähige B-Klasse dazu bekommen und wird diese abholen.

    High Life

    Die Querdenker sind müde und nass. Wie immer begab ich mich Dienstagabend zur Blutspende und wie immer sah ich aus dem Bus die immerwährende Querdenkerdemo auf der Schlossstraße. Es war ein schlechter Tag für sie. Es war dunkel und regnete. Weder sie noch ihre Plakate waren gut zu erkennen. Anscheinend hatte der Regen auch demotiviert. Viele Plakate standen einzeln herum, ohne dass ihre Plakathalter*innen anwesend waren.

    Auf dem Rückweg hatten sie komplett abgebaut. Das gab es noch nie!

    Bei der Blutspende ging es hoch her. Sowohl mein Eisenwert (gut) wie auch der Blutdruck (schlecht) waren am höheren Ende des Üblichen. Offenbar wirkte ich in dieser Konstellation sehr gesprächseinladend. Schon die junge Ärztin im Vorbereitungsgespräch (nein, kein Tattoo in letzter Zeit, keine Impfung, nie BSE gehabt) war ungewohnt mitteilsam. Süß die Krankenschwester „Ich kenne sie ja. Die Vene ist gut zu sehen, aber liegt tief. Da muss man beim Stechen so Ooompf!“ und sie machte eine kräftige, ruckartige Bewegung mit der Hand.

    Das mit dem Oompf hat sehr gut funktioniert.

    Bib und Bad

    Madame begab sich in den unkreuzbergerischsten Teil Kreuzbergs und so hatte ich die Ehre Gemüslichkeit und Thomas-Dehler-Bibliothek aufzusuchen. Mir gelang die Dechriffrierung des Leihnummernsystems ebenso wie die Bedienung des Selbstleihautomaten. Mir schien, die Personen vor Ort waren etwas traurig, dass sie mir nicht helfen durften.

    Das Gemüsli wird in einem unbeleuchteten Schrank auf unbeleuchteter Wiese geliefert, was des Winters dazu führt, dass ich mit zwei Händen eine Taschenlampe, eine Tasche, das Gemüse und die Waage bedienen musste – bis zum Frühjahr werden wir phänomenale Fähigkeiten der Gemüsebalancierung erreichen.

    Es gab keine Kartoffeln, keine Möhren, aber ein Kilo Roter Beete, Chinakohl und einen gigantischen Endiviensalat.

    Spaghettikürbisse vom Himmel holen

    Heute ist auch der Tag, an dem ich zum ersten Mal einen Spaghetti-Kürbis zubereitet habe und meine Güte, was für ein Quatsch! … Ich sehe hier viele Möglichkeiten, den Prozess zu vereinfachen zum Beispiel indem ich wieder wie sonst Hokkaido kaufe

    Ein KI-Browser wäre ungefähr das letzte was ich freiwillig auf den Rechner ließe. Umso netter, dass andere es testen und berichten: Der Browser mit dem Informationsüberschuss

    Heute beim Gehen fiel mir die Antwort ein: Ich bin ein Bürokrat. Da dieser Begriff eher negativ besetzt ist, gebe ich beim nächsten Mal vielleicht Büroiker oder Büronaut an. Vielleicht auch nicht, ich sollte noch ein wenig darüber nachdenken.

    Messy Nessy verweist auf das New York Magazine und auf Wikipedia: 13 Things I Found on the Internet Today (Vol. 756)

    [S]eitdem bin ich mir meines Umwelt-Fußabdrucks nicht nur bewusster, sondern frage mich auch regelmäßig: „Wann eigentlich radikalisieren sich ein paar Umweltschützer und fangen damit an, Privatflieger vom Himmel zu holen und Privatyachten im Meer verschwinden zu lassen?“

  • 25-03-27 19 x 0- (14,1)

    25-03-27 19 x 0- (14,1)

    Büsum feiert Jubiläum: 125 Jahre Wattenlaufen mit Musik.

    Am Kaiser-Richard-Platz eröffnet ein neues Nagelstudio. Ich versuche, mich daran zu erinnern, was dort vorher war: KfZ-Sachverständigenbüro?

    Orange.the.fruit.dude möchte sich mit mir auf Discord anfreunden. Das wirkt vertrauenswürdiger als 90% der LinkedIn-Teilnehmer.

    Auf dem Balkon Scherben und Taubeneier.

    Seit Tagen vergessen wir Schwarztee zu kaufen und trinken zwangsweise Ingwer-Guacamole-Bockshornklee-Tee. Als ich beim Umstieg von Arbeitsbus auf Blutspendebus an Istanbul Supermarket vorbeilief, machte es endlich mal zur richtigen Zeit „dringelingeling“ im Hirn und ich ging zum Teeregal. Wer winkte mir freundlich entgegen: Madame.

    Madame klärte mich auf über das Tagesgeschehen auf: Die laut Zeit „Schlimmste Schule Deutschlands“, liegt zwar in Laufweite. Eigentlich ist ihre direkte Umgebung, und ihr potenzielles Einzugsgebiet, sehr viel puschliger als direkt um unsere Wohnung herum. Aber die Schule besuchen gar nicht die Kinder, die dort wohnen.

    Aus Gründen hat die Schule ihr gesamtes natürliches Klientel verloren. Dort landen nur noch Schüler*innen, die anderswo gar nicht erst genommen wurden oder rausgeflogen sind. Und die echten Schüler*innen müssen dann noch jeden Tag stundenlang quer durch Berlin anreisen. Ich würde jetzt mal behaupten, die Schulprobleme haben am wenigsten damit zu tun, wie die Schule intern organisiert ist.

    Es sind Fernuni-entspannte Zeiten. Auch alle Feiertage und Urlaube liegen noch ein Stück entfernt. Zeit für das andere Pflichtprogramm wie Zahnarzt und Blutspende.

    Auf dem Weg zur Zahnärtzin passiere ich das Kugelbombenhaus. Immer noch sind dort gerade Glaser aktiv. Wenig später lese ich von heutigen Razzien mit 150 Polizit*innen zum Thema.

    Geben und Nehmen 1

    Sie gaben Häckerle und nahmen Blut. Das DRK zählt mich inzwischen bei Blutspende 19. Obwohl zwischen den einzelnen Terminen Wochen oder Monate liegen, habe ich langsam den Eindruck, ich werde wiedererkannt.

    Also wieder nach Arbeit mit dem M85 nach Süden gefahren; an der Schloßstraße die immerwährende Querdenkerdemo passiert und bis zum Klinikum Benjamin Franklin gefahren. Offenbar gab es viele kurzfristige Absagen: So leer war es dort noch nie. So schnell kam ich noch nie durch.

    Kaum hatte ich den Zettel ausgefüllt (nein, immer noch keine Tattoos, ja immer noch langer außereuropäischer Auslandsaufenthalt 1993, nein, keine Zahreingung in den letzten Tagen) saß ich auch schon beim Arzt, ließ Temperatur, Blutdruck und Eisengehalt im Blut messen. Adern und Krankenschwester verstanden sich diesmal auch deutlich besser als oft – alles ein Träumchen.

    Schließlich saß ich allein am Häckerle-Buffet und konnte mich verwöhnen lassen.

    Und weil ich so schnell war, hielt ich auf dem Rückweg noch an der Schloßstraße an, Kreuzkümmel und anderes kaufen.

    Es war eine gute Gelegenheit, die Querdenkerdemo näher zu besichtigen. Sie ließen ein Art Podcast laufen zu Corona – ich glaube derselbe wie jede Woche. Die Plakate wabern immer mehr ins Unkonkrete. Teilweise sind sie unverständlich (irgendwas mit Julia Klöckner) teilweise noch unverständlicher (Selensky go home!). Ich beobachte die Verwandlung einer die-Corona-Maßnahmen-sind-uns-zu-heftig-Demo in eine Neonazi-Demo in Superzeitlupe über mehrere Jahre.

    Rein persönlich scheint den Demonstrant*innen das ganze übrigens auch nicht gut zu tun. Wirkten die am Anfang wie halt so leicht irres Bildungsbürgertum aus dem reichen Südwesten Berlins, sind sie inzwischen in einem Zustand, in dem man spontan Hilfe anbieten würde, wenn man sie (ohne Plakate) auf der Straße trifft.

    Geben und Nehmen 2

    Sie gab Zahnpolitur und nahm per Sandstrahler etwas von den Zähnen. Die Uni-Urlaubs-Feiertagsfreie Zeit eignet sich für Sonstiges. Und so lagen Blutspende und Zahnprophlaxe innerhalb einer Woche. (Und natürlich erst Blut, dann Zahn, weil sonst Komplikationen).

    Der BVG-Streik vereinfachte die Wahl des Verkehrsmittels: Fahrrad.

    Anscheinend hat sich das medizinische Personal diese Woche abgesprochen: Es ging schnell, flüssig und voller Lob wie selten. Und wo wir schon mal alle schnell durch waren und gute Laune hatten, überlegten wir schnell und konstruktiv an einer schon länger währenden Unbequemlichkeit herum.

    So schnell hatte ich die Praxis wieder verlassen, und war zurück beim Gefährt, dass ich fast aus lauter Überschwang gleich am Kaiser-Richard-Platz Kreuzkümmel gekauft hätte.

    Hauptsache soft

    Der Zahnärztin-Termin versprach zwar unkompliziert zu werden. Aber ich freute mich, dass ich für alle Fälle in Vorbereitung schon mal Ilkas Zahn-OP-freundlichen Mahlzeiten nachlesen konnte: Kein Shepherd’s Pie und Dal-Suppe. Nur die pürierte Nudelsuppe klang jetzt nicht ganz so lecker. Von mir gute Besserung!

  • 25-02-09 Qobuz

    25-02-09 Qobuz

    Die Zahl der Schwimmbadbesucher im Mecklenburg-Vorpommern ist wieder auf dem Vor-Corona-Niveau.

    In Baden-Württemberg müssen Glasaale nicht ausgeschrieben werden. Die können die zuständigen Landesbehörden einfach beim Zoll abholen. Fischundfang.de berichtet ausführlich darüber, wie der Stuttgarter Zoll 170.000 Glasaale beschlagnahmte, die noch am selben Tag im Rhein landeten: Aal-Rettung erfolgreich:

    Bevor die Rettung der Aale durch Rückführung in ein geeignetes Gewässer erfolgen konnte, musste die erforderliche artenschutzrechtliche Ausnahmegenehmigung erteilt werden, um den Tieren einen legalen Aufenthalt im Land zu bescheinigen.

    Madame fand im Internet eine Robbie-Williams-Doku. Darauf Luftaufnahmen vom Glastonbury-Festival: 88000 Besuchende und nie endende wollende Menschenmassen auf den Bildern. Oder anders gesagt: Halb so viele wie letzte Woche auf der Demo in Berlin und ein Drittel so viele wie diese Woche in München.1

    Montag wird die BVG wieder streiken, dafür ist das Fahrrad halbwegs entmaladiert. (Zumindest okay, der Fahrradmeister hat ja eh beschlossen, dass ich mir zum Frühjahr ein neues kaufen muss).

    Ab Dienstag läuft das Festival della Canzone Italiana (besser bekannt als Sanremo-Festival) über fünf Tage. Ich hoffe die RAI gönnt uns auch dieses Jahr einen Stream

    Seit zehn Jahren und zwei Arbeitsstellen radle ich auf dem Arbeitsweg am Werdauer Weg vorbei. Dieser liegt inmitten eines Autobahnkreuzes und führt im Wesentlichen zu einem Schrottplatz und einem Baumaterialgroßhandel. Einst stand an der Kreuzung zum Sachsendamm ein Bordell. Dies wurde abgerissen und durch ein Hotel ersetzt.

    Erst diese Woche lernte ich. Das Hotel – im Autobahnkreuz, an der Straße zum Schrottplatz – heißt „NIU Schöneberg Dwarf“ und steht unter dem Motto Gartenzwerg und Garten.

    Nachbar Omega brachts uns „das beste Tahini!“ aus Israel mit.

    Ein zweiter Versuch mit der Ninja Creami wurde unternommen. Vielleicht bekommen wir dieses mal ein Exemplar, das funktioniert.

    Der milde Winter zeigt sich. Soweit sichtbar noch keine Frostverluste auf den Latifundien, hingegen schon einiges an Blüten. Der Winter ist auch trockener als der letzte: Im Loch steht kein Grundwasser.

    Das Klausurlernen für die Betrieblichen Informationssysteme nimmt Fahrt auf. Ich sichtete die drei Musterklausuren des Lehrstuhls. Noch bin ich dabei vorsichtig: Es gibt keine Altklausuren und nur drei Muster – die möchte ich mir als Sparringspartner bis kurz vor knapp aufheben.

    Aber zumindest wollte ich ein Gefühl für die Art der Aufgabenstellung bekommen:

    • Es wird einige Aufgaben geben in der Form „Erläutern sie den Unterschied zwischen einem Planungs- und Dispositionssystem..“ Das wird auf Auswendiglernen hinauslaufen, denn ich bin sicher, er möchte dafür die Fachbegriffe hören, die er in seinen eigenen Definitionen verwendet.
    • Es wird eine Aufgabe geben: Zeichen sie ein Diagramm in UML oder EPK.. Da ich ja schon ein ganzes Modul Modellierung betrieblicher Informationssysteme hinter mir habe, konnte ich das zumindest schon mal in diesem Studium.
    • Vielleicht wird es eine Aufgabe geben: Schreiben sie Pseudocode für folgende Aufgabe… Das wird am herausfordernsten. Pseudocode bedeutet: kein lauffähiges Programm, sondern nur dessen wichtigste Elemente, damit ein Mensch versteht was der Code machen soll. Da verstehe ich anhand der kargen Beispiele immer noch nicht richtig, was der Lehrstuhl als wichtig empfindet. Aber das wird noch.

    Langsam freunde ich mich aber mit Modul und Thema an. Inzwischen finde ich es sogar inhaltlich interessant.

    0,022 > 0,004

    Ein nächster Schritt auf der Demiliardärisierung des Internets ist vollzogen und das Spotify-Abo gekündigt. Jetzt gibt es den französischer Streamer Qobuz. Neben dem Unwillen die Unbequemlichkeietn des Wechsels auf uns zu nehmen, bot Spotify halt auch Podcasts. Es war so schön einfach beides aus derselben Quellen zu bekommen. Aber no more.

    Der Wechsel war einfach. Konto anlegen, Playlists per Soundiiz übertragen und dann in der neuen Oberfläche zurechtfinden. Alles war ein überschaubarer Aufwand.

    Qobuz kostet etwas mehr als Spotify (13 Euro / Monat mstatt 10 Euro/Monat). Es bietet aber mindestens drei Vorteile:

    • Die Künstler*innen bekommen am meisten (Qobuz 0,022 $/Stream, Tidal 0,013$, Spotify 0,004$)
    • Die Soundqualität ist besser (mindestens CD, wenn besseres verfügbar ist auch das)
    • Merkte ich erst nach der Anmeldung: Die ganze Attitütde ist eine andere; eine die Musik und Musiker*innen wirklich ernst nimmt. Es lässt sich schwer festmachen, zeigt sich aber sowohl daran wie Musik beschrieben wird, auch an Auswahlen und Zusammenstellungen.

    Bisher also ein Win-Win, bei dem das ethischere Handeln auch persönlichen Gewinn bringt.

    Einziger Nachteil: Ich habe nicht die geringste Idee, wie sich das Wort Qobuz ausspricht.

    Koffer nächste Woche

    Als mir damals in den 1990ern der globalisierte Kapitalismus versprochen wurde, hat niemand dazu gesagt „Es wird in ganz Berlin nur noch eine Werkstatt für Koffer geben. Und wenn Du einen kaputten Koffer hast, musst du die fünf Stunden in der Woche abpassen, in der die Werkstatt offen hat. Und dann ein halbes Jahr auf den Koffer warten, weil sie so überlaufen ist. „

    Madames Koffer rief an: Er ist jetzt fertig. Wir rechneten kurz: Wenn die Kofferwerkstatt um 11 in Charlottenburg öffnet, und unser Gartengerätsfachgeschäft um 12 in Vehlefanz schließt, dann.. schaffen wir das nicht. Koffer ist verschoben.

    Denn hinter dem Heckenscheren-Erwerb steht eine echte Deadline: §39 des Gesetzes über Gesetz über Naturschutz und Landschaftspflege:

    Es ist verboten … Hecken, lebende Zäune, Gebüsche und andere Gehölze in der Zeit vom 1. März bis zum 30. September abzuschneiden.

    Also muss die latifundale Ligusterhecke (des Nachbarn auch noch, der sie irgendwie nicht selber geschnitten bekommt) bis zum 28. Februar gestutzt werden, wofür es der Heckenschere bedarf, die erst erworben werden muss, wofür wir nach Vehlefanz müssen.. und naja, die Wochenenden sind knapp, jetzt oder nie.

    Das Fachgeschäft war wie man es sich wünscht: ausführliches Erklären und Testen am lebenden Objekt. Wir nahmen noch ein Glas Honig mit, das der geschäftseigene Schlosser imkert. Und der Kunde nach uns wurde gleich erkannt „Ach, da bist du ja wieder!“ und der Mitarbeiter instruiert „Der kommt einmal pro Jahr, braucht ein Teil für seinen John Deere und das kann man nur auf diesen verschlungenen Wegen bestellen..“

    Wir brachen um 11.30h zu den Latifundien auf. Im Gepäck ein Glas Honig und die Stihl HSA60. Seitdem sind Madames Arme wobbly.

    Problematisch unterwegs

    So schnell kann es gehen:

    Weil ich merkte das jetzt irgendwas nicht mit mir stimmt wollte ich mich in den kleinen Pausenraum zurückziehen. Ich stand vor dessen Türe und wusste nicht mehr wie diese auf geht. Keine Ahnung wie lange ich da stand die Türe anstarrend. Die Kollegin kam und meinte „Soll ich Dir aufmachen?“ und ich glotzte auf ihre Hand mit dem Schlüsselbund während sie öffnete. Wie in Zeitlupe sah ich ihren Schlüssel und dachte“,“ „Ich wusste doch irgendwie das ich den brauche, warum ist mir das nicht eingefallen?“

    Langanhaltend: Die Probleme der LKW-Fahrer2:

    Reaktion des Arbeitgebers: Versuche, den Anhänger gewaltsam zu entfernen.
    Einschüchterung durch eine litauische Schlägertruppe. Sperrung seiner Temporary Resident Card (TRC), um ihn in einen illegalen Status zu drängen und seine Abschiebung zu erzwingen. Seine Angst: Er schläft kaum noch, aus Angst, überfallen oder getötet zu werden.

    Beim Pubquiz mit den Crushes von vor 20 Jahren.

    Anmerkungen

    1. Das Wacken-Open-Air hat 85.000 Besucher. Wenn ihr davon Bilder seht, stellt Euch einfach doppelt so viele Menschen vor, dann habt ihr die Berliner Demo letzte Woche. ↩︎
    2. Nicht gegendert. Man kann sich aber mühelos vorstellen, dass die Gewalterfahrungen die Frauen abbekommen würde, deutlich größer wären. ↩︎
  • 25-02-04 Klausur naht, trotzdem da – Teilzeitstudi-Antifa

    25-02-04 Klausur naht, trotzdem da – Teilzeitstudi-Antifa

    Fiat Lux! Madame testete, ob der Baustellenschmodder an unseren Fenstern eher abwaschbarer Schlamm oder eher ewig bliebender Betonmatsch ist. Es sieht nach Schlamm aus. Sie bekam die Fenster ein gutes Stück sauberer.

    Fiat Lux! Selbst an längeren Bürotagen gehe ich im Hellen aus dem Haus und verlasse zumindest in der Dämmerung die Südkreuz Offices.

    Happy office days because of zwei neue Kolleg*innen.

    (Auch Du kannst Nummer 3 werden, wir suchen noch eine:n Teamleiter:in IT-Infrastruktur (d/w/m))

    Mir träumte, dass Anna-Maria aus Bielefeld mir einen bösen Brief schickte, weil ich ihre Rezepte nicht mehr in meinem Blog verlinke. Anna-Maria, ich weiß nicht wer du bist und ob du jenseits des Traums existiert – aber sorry.

    „Bier ist mein Yoga“ titelte ein LKW, der an mir vorbeifuhr. Und damit bringt er viele Probleme von Männlichkeit auf einen Punkt.1

    Letztens gab es eine Suche nach einem Slow Medium, dass die US-Ereignisse zusammenfasst. Ich neige zum neuen Rebecca Solnit-Newsletter Meditations in an Emergency – weil Rebecca Solnit großartig ist. Und weil sie niemals nie dieses verzweifelte Doomscrolling von sich gibt. Gedanklich ist sie schon einen Schritt weiter:

    Underlying all this is an old assumption by many elites, especially the authoritarian and fascist variety, that ordinary people are weak, timid, fearful and pretty much collapse if you say boo to them. They also tend to think we are selfish and operate only out of self-interest because they think we’re like them. They are very often wrong in very consequential ways..

    Some resistance is going to look familiar: protests, marches, demonstrations, blockades. New tactics may emerge, and there is reason to fear that the lawless people who’ve seized our federal government–or rather parts of it–will be ruthless in new ways against civil disobedience. But that’s far from all that’s happening. …

    Some resistance is not going to look like anything at all because we will not see what goes on inside some of those government offices or how a medical worker doesn’t comply with an unjust or inhumane mandate or how local police rebuff ICE (though it’s been great to local police say publicly „here’s how we do not with ICE“), will not see a neighbor quietly reaching out to a targeted individual. All this matters.

    Die Partei die Linke hat 71.000 Mitglieder und damit so viele wie seit 2010 nicht mehr. Vor zwei Wochen waren es noch 60.000. In 14 Tagen 11.000 Mitglieder zu gewinnen ist ein nie dagewesener Rekord. Bei Bündnis90/Die Grünen waren es 5000 neue Mitglieder in fünf Tagen. Sie müsstem damit bei 165.000 Mitgliedern sein: „Seit November haben wir eine riesige Eintrittswelle, seit letzten Mittwoch ist daraus ein regelrechter Ansturm geworden.“

    Oha, das Wikipedia:Café wurde gelöscht. Die eine Seite, die frei von jedem Enzyklopädie- oder Arbeitsgedanken rein der Laberei diente. Prinzipiell fand ich das Konzept sympathisch – praktisch waren die „Diskussionen“ dort meistens komplett unerträglich. Diese Meinungen teilten viele Wikipedistas, wie sich der epischen Löschdikussion entnehmen lässt.

    Über die Mengenlehre zu SAP

    Samstag teilte sich unser temporäres Sextett auf.

    Der jung-dynamische Teil verschwand Richtung Olympiastadion, eine Stadionführung mitmachen. Der ältere gebildete Teil ging erst zum Noonsong und dann ins Museum. Ich ging ein Café suchen.

    Nach kurzen Einkäufen rosenkohliger Art suchte ich mir ein friedliches Café zum Lernen. Samstagnachmittag war die Suche nach einem freien Platz überraschend schwierig. Aber am Ende landete ich im Wiener (Offenbacher) Feinbäcker im Eingang von Rewe. Der Kaffee war vollkommen okay, ich hatte Platz, um mich auszubreiten, ich hatte alle Ruhe der Welt zum Lernen und konnte ab und an Leute schauen. Triple Win.

    Lernen aber tut not. NUR NOCH ZWEI WOCHEN BIS ZUR KLAUSUR! und ich komme immer noch mit der Struktur des Moduls Betriebliche Informationssysteme nicht klar – finde sie im Aufbau so komplett fremdartig und eigentümlich, so wild im Niveau schwankend, dass ich mich nur schwerlich eingrooven kann.

    Er definiert wirklich von ganz unten „Was ist Information?“, „Was ist ein Betrieb?“, „Was ist ein automatisches System“ und bastelt sich langsam hoch. Der Versuch einer mathematischen Denkweise, in der wirklich jeder Schritt sicher und schlüssig auf dem Vorhergehenden aufbaut und ganz genau definiert ist – aber angewandt auf ein realweltliches System. Das ist schräg.

    Noch schräger die gelegentlichen wilden Ausflüge in Mathematik oder Code, die nirgendwo eingeführt werden und dann auch plötzlich wieder enden.

    Aber ich mache glaube ich Fortschritte. Ich glaube zu verstehen, was genau dieser Aufbau und Ablauf beabsichtigen will. Ich finde es immer noch falsch – aber zumindest erkennen ich ein System; es kommen nicht mehr wild blaue und rote Stangen auf mich zu, sondern ich erkenne die gesteckte Slalomstrecke.

    Und am Ende landet alles bei SAP.

    Antipasti Baba Ganoush

    Abends galt es, das Sextett wieder zusammenzusammeln. Nach unseren verschiedenen Exkusionen (Olympiastadion/Hackesche Höfe oder DHM mit zwei Ausstellungen (Aufklärung und Roads not taken) oder Café und lernen) trafen wir uns im Marienkäfer an der Marienstraße. Die osteuropäische Kellnerin servierte uns von Arabern zubereitete Pizza, und es war wie immer großartig.

    Für Mitte-Mitte, für eine Lage nahe von Friedrichstadtpalast, Berliner Ensemble und drölf Millionen Hauptstadtsitzen von Lobbyorganisationen, ist der Laden extrem nett, die Pizza überdurchschnittlich und selbst das Ambiente und die Deko wirklich schön. Wir hörten Erzählungen vom Deutschen Stadion (dem Vorgängerbau des Olympiastadions) und den Wendepunkten deutscher Geschichte.

    Heimfahrt mit dem 100er Bus, noch einmal vorbei an Brandenburger Tor, Reichstag, Schloss Bellevue und Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche. Mit den M46 nach Schöneberg.

    Danach: Alle platt. Alle Bett.

    Plakate mit Faltanleitungen auf der Rückseite

    Sonntag: Platt. Nicht im Bett.

    Denn die CDU und Friedrich Merz nötigten mich zum Aufstehen. Auf zum Reichstag, demonstrieren.

    Die Zahlen sind müßig, wenn Du auf der Straße des 17. Juni stehst und weder ein Ende noch ein Anfang der Demo erahnbar sind; wenn selbst die breite Prachtschneise mit ihren 45 bis 85 Metern Breite nicht mehr ausreicht, die Demo aufzunehmen und diese auf Parallelstraßen ausweicht.

    Ich glaube außer „Silvester 2000 – oh Gott wie bin ich hier hingekommen“ auf derselben Straße war ich noch nie in annähernd so großen Menschenmengen. Und es war komplett friedlich und entspannt. Wieder einmal staunte ich darüber wie normal alle waren. Wie jede zweite Gruppe IKEA oder Umzugs-Kartons wiederentdeckt hatte und mit eigenen Sprüchen verziert. Da war nichts zentral organisiert, nichts gelenkt – es waren einfach sehr sehr viele Menschen, die die Ereignisse der letzten Tage sehr scheiße fanden.

    Zwei Plakate fielen mir besonders auf:

    Kein Lillet trotzdem da – Nina Chuba Antifa. Eine Prise Humor, eine Prise Hedonimus, und ein Zeichen dafür, dass der Protest weit über die üblichen Kreise hinaus trug.2

    Meine Vorfahren kamen nicht her, haben dieses Land aufgebaut und für die Demokratie gekämpft, damit jetzt dies passiert. (Sinngemäß, der Spruch war vergleichsweise lang und komplex). Endlich einmal ein Faschismus-Protest, der anerkennt, dass in Deutschland auch Menschen leben und mitzureden haben, deren Vorfahren 1933 noch nicht in Deutschland lebten. Die haben auch eine deutsche Geschichte und die muss erzählt werden. Davon gibt es auch auf den Demos viel zu wenig.

    Montag nach dem Wochenende: Alle platt. Alle Bett.

    Kafka Zombie Kürbiseintopf

    Die Washington Post gedachte Jimmy Carter mit einem Rezept und Frau Küchenlatein adaptiert: Kürbis-Erdnusseintopf.

    Thomas Gigold räumt auf: Wenn auf einer internationalen Seite mit 30.000 Followern pro Post noch 3 Likes zusammenkommen weißt du: Organische Reichweite beim dicken blauen Flaggschiff [Facebook] ist tot.

    Herr Rau hadert mit einem Theaterbesuch.

    Sari fährt sehr tapfer sehr oft zum Fußball.

    1. Muss ich erklären, warum? Ich hoffe nicht. ↩︎
    2. Der Wikipedia-Erklärartikel für dienigen, die sich fragen: Lillet? Nina Chuba?: Wildberry Lillet (Lied) ↩︎
  • 25-02-02 Vecchia zimarra, senti

    25-02-02 Vecchia zimarra, senti

    Im Berliner Schillertheater finden 1070 Personen Platz, in der Komischen Oper (vor der Renovierung) 1190 Personen.

    Sushi Goku am Kaiser-Richard-Platz schließt schon wieder und wird sich als Restaurant Al-Sult wiedererfinden.

    Die Zeugen Telekoms klingelten erneut. Sie wollten wieder mit uns über Glasfaser reden. Immerhin hatten sie eigentlich schon im Hausflur die Glasfaser-Leitung in unsere Wohnung gesehen. So ließen sie sich schnell von „hammwa schon, wollnwa nich nochma“ überzeugen.

    Wartend vor der doppelverlegten Bushaushaltestelle. Vor mir bremst ein Lastenrad. Der Lastenradfahrer schaut Richtung Gulli und flucht. Er steigt ab und fängt an zu telefonieren. Später sehe ich den platten Reifen am stehen gelassenen Rad. Ach, Berlin, ach, Glasscherben auf Wegen und Straßen.

    Bei Decathlon erwarb ich neue Beißringe. Aka ringförmige Handkrafttrainer. Aka Mausarm-Verhinderungsgeräte. Denn aus Schaden wurde ich klug, und seitdem die Beißringe im Einsatz sind, blieb ich vom Mausarm verschont.

    In Perleberg (Prignitz) demonstrierten 300 Menschen gegen Faschismus. Ich verneige mich vor Respekt.

    Im Tagesspiegel lese ich, dass Grüne und die Linke Rekordzahlen an Parteieintritten melden.

    Madame stand Donnerstag mit 5999-12999 anderen Demonstrant*innen vor dem Adenauerhaus, mal kurz der CDU sagen was okay ist und was nicht. Sie war ziemlich früh dort und beeindruckt vom Anfang der Demo. Die wirkte so als wären einfach Menschen aus den Bürohäusern nebenan in Bürokleidung mit Aktentaschen gekommen – und das ist die Klientel, deren Protest die CDU wirklich schmerzt.

    Freitag: Wochen-End-Erschöpfung. Nur um Haaresbreite gelang es mir, drei Minuten vor Beginn der Pflicht-Anwesenheits-Zeit am Arbeitsplatz sitzen.

    Sì. Mi chiamano Mimì

    Der erste Komische-Opern-Besuch der Saison ließ sich bis zum 31. Januar Zeit. Zusammen mit drei HSV-Fans und einer Musiklehrerin gingen wir zur Barrie-Kosky-Inszenierung von Puccinis La Boheme. Den beiden jüngeren Besucher*innen wurde die übliche Sawade-Schokolade am Opernausgang versprochen.

    Die Oper erzählt die Geschichte von 6 Bohemians im Paris der 1830er. Sie hungern, sie frieren, sie feiern, sie lieben sich, sie streiten sich, sich machen Kunst und am Ende stirbt Mimi.

    Der Stoff greift Koskys Inszenierungsthema in Berlin auf: Der Tanz am Abgrund.

    Oft findet der Tanz am Abgrund im Subtext statt. Die Perlen der Cleopatra sind das urkomischste (Musik-)Theaterstück, dass ich sah, mit Schwung und Elan inszeniert, dass man gar nicht mehr weiß wohin mit den Augen. Aber Kosky, den Künstler*innen und einem Großteil des Publikums ist bewusst, dass Komponist und Librettisten 15 Jahre nach der Uraufführung des Stücks vor den Nazis flüchten mussten und Familienmitglieder im Holocaust verloren.

    In La Boheme ist der Abgrund stückimmanent. Die Figuren Feiern begeisternd. Die Szene im Quartier Latin ist ein wahres Wimmelbild der Kostüme, sich Liebenden vieler denkbarer Geschlechter, tollenden Kindern, trinkenden Nonnen – wie man es sich wünscht.

    Und doch: der Abschluss. Mimi (Ru­zan Man­tash­yan) liegt im Sterben. Musetta (Penny Sofroniadou) trennt sich von ihrem Lieblingsschmuck, um Mimi einen wärmenden Puff und Medizin zu kaufen.

    Colline (Tijl Fav­eyts) zieht seinen abgeranzten Prachtmantel aus, steht im Unterhemd da und verabschiedet sich von diesem ins Leihaus. Danke dir alter Mantel, nie beugtest du dich den Reichen und Mächtigen. In Deinen Taschen verkehrten Philosophen und Poeten. Aber nun musst Du gehen. Zum heulen:

    Le mie grazie ricevi
    Mai non curvasti il logoro
    Dorso ai ricchi ed ai potenti
    Passâr nelle tue tasche
    Come in antri tranquilli
    Filosofi e poeti

    Im Hintergrund der Bühne Daguerrotypien aus der Zeit der Handlung. Kostüme und Beleuchtung lassen die Figuren teilweise so wirken als wären sie in ihrer Monochromität Teile der Daguerrotypie.

    Sicut cervus

    Während die HSV-Fans eine Führung durch das Olympiastadion bekamen, brachen wir Samstag auf zum NoonSong – immernoch erstaunt, dass es ihn gibt, immer noch erstaunt, dass wir die ersten 700 Veranstaltungen verpassten.

    Ein kurzer Gottedienst in der Kirche am Hohenzollernplatz. Eine Liturgie, angelehnt an den anglikanischen Evensong mit professionellen Sänger*innen und von Anfang bis Ende (sans Lesung) gesungen. Eine eindrucksolle Kirche, eindrucksvolle Musik, ein nahezu perfekter Start in ein Wochenende.

    Der 701. NoonSong , letzter Sonntag nach Epiphanias und einen Tag vor Lichtmeß feierte das Ende der liturgischen Weihnachtszeit: mit Musik aus Renaissance und Barock

    Zum selber ansehen von diesem Samstag: Heinrich Schütz: Das Wort ward Fleisch. (der ganze NoonSong im ganzen Video)

    Lernen und Schreiben

    Wir entdeckten: Der NoonSong hat seinen einen Wikipedia-Artikel.

    Schöne Idee, unbedingt beibehalten: Was ich im Januar gelernt habe (und danke für die Links)

    Anderswo gelernt: Zwirnbinden, manchmal auch als Zwirnflechten benannt, ist eine der ältesten Techniken, um geschlossene Flächen aus Fasern verschiedenster Stärke herzustellen. Dabei wurde mir klar, der Übergang von der Textilherstellung zum Korbflechten ist fließend.

    Warum Nazis KI-Bilder lieben. Geschichte der Gegenwart: Echte Emotionen. Generative KI und rechte Weltbilder

    Den Vormittag verbrachte ich mit Mailverkehr, ich schrieb diejenigen in der SPD, die gestern nicht mit abgestimmt hatten, an und fragte warum. Außerdem fragte ich noch bei Herrn Wanderwitz nach, aus persönlichem Interesse und ich bedankte mich bei Frau Tillmann für ihre Haltung – sei wie Frau Novemberregen.

  • 25-01-28 The most unglamourös Gericht on earth

    25-01-28 The most unglamourös Gericht on earth

    Madame bekam eine Einladung zur Wahlhelfendenschulung. Ich bekam eine Einladung als Zählkommission.

    Der ehemalige Asia-Imbiss im Südkreuz verwandelte sich in Döner Biz.

    Die Otto-Bock-Zentral am Potsdamer Platz verwandelte sich im Laufe der letzten Jahre in eine Telekom-Dependance.

    Büromaterialversandhändler Böttcher spendete möglicherweise über Umwege eine Million an die AfD. Ich muss mir wohl einen neuen Kugelschreiber- und Paketbandabrollerversand suchen. Schade. Aber es gibt Grenzen.

    Ich weiß nicht, was die Freunde auf dem Dachboden machen. Aber unser Schlafzimmerfenster sieht von außen aus als hätten es sich im Schlamm gesuhlt.

    Mir träumte, ich müsste den Rückflug aus Portugal erwischen. Leider fand ich meinen Koffer nicht mehr. Und niemand konnte mir sagen wann der Bus zum Flughafen fährt. Dementsprechende Hektik herrschte im Traum. Als ich aufwachte, musste ich mir mühsam sagen, dass Sonntag ist, und ich überhaupt nirgendwo hin muss.

    Die Entschleunigung gelang. So brauchte ich dann auch 13 Stunden nach dem Aufstehen, um zumindest mit den Jakobsbüchern in die Badewanne zu kommen.

    Vorher Fernsehen.

    Ich schaute die ersten Folgen von „Ich bin ein Star“. Ich muss ja Auskunft geben können, wenn Madame mich fragt wer wer ist.

    Ich staune, dass sich Reality Star weiterhin zum Ausbildungsberuf mit Karriereoption entwickelt. Alessia Herren „Mein Traum wäre es bei Aldi an der Kasse zu sitzen mit einem regelmäßigen Einkommen.“ Yeliz Koc: „Ich hab dann viele Dating Shows gemacht. Ich bin froh, dass ich da endlich raus bin und zum Dschungelcamp aufgestiegen.“

    Und wenn man drüber nachdenkt gibt es vermutlich viele Jobs, die besser bezahlt und inhaltlich weit unseriöser sind als Reality Star.

    Selbst in unsere friedliche bodenständige AöR zieht das Schlagwort KI ein.

    Nachdem wir feststellten, dass Netflix genau gar keinen der 100 berühmtesten Paris-Filme im Programm hat, fand ich Furies.

    Furies ist eine nett geistlose aber explosionsreiche Serie über die Pariser Unterwelt.

    Der Plot: Die sechs Familien habe eine „Furie“ als Aufpasserin und Polizei zwischen sich. Ein junges Mädchen gerät in das Geflecht aus Unterwelt-Paten und Furie. Sie wird als Nachwuchsfurie gecastet. Nach und nach entwickelt sich in immer abstruseres Geflecht aus historischen Verwicklungen.

    Aber ich sehe tolle Paris-Aufnahmen und tolle Explosionen.

    Madame fuhr mit ECE150 am Europapark vorbei, später stieg sie in Frankfurt in den ICE832 um.

    Die Tage zuvor testete sie die neue Busverbindung Markgräflerland-Elsass-Flughagen Mulhouse/Basel/Freiburg. Die Verbindung akzeptiert jede Menge verschiedenste Fahrscheine aus halb Europa, darunter auch das Deutschlandticket. Und plötzlich wird ein Busausflug ins Elsass ein Kinderspiel. Manches wird besser auf der Welt.

    Montag: Arbeit.

    ECE, ICE und Elsass-Bus fuhren besser als der Berliner Nahverkehr. Die Busse und U-Bahnen und Trams wurden durch den Ver.di-Streik lahmgelegt. Die S-Bahn litt unter Personen im Gleis.

    Dafür traf ich WiseWoman auf dem Bahnhofsvorplatz. I’m delighted.

    Zum Glück kann ich auch einfach nach Hause laufen. Hätte es nicht geregnet, wäre es sogar noch besser gegangen.

    Kartoffeln mit Graupen. Als Brei.

    Damit ich am Sonntag nicht nur fernsehe – was sollen denn die Leute denken! – köchelte ich noch ein wenig vor mich hin.

    Wir haben größere Mengen Crowdfarming-Avocados. Und so kochte ich ein fleischarmes Schwarze-Bohnen-Chilli. Ich hoffte auf die Aussicht, ein Avocado-Limetten-Salsa anzurühren.

    Außerdem kochte ich etwas, dass einerseits das am wenigsten sexieste Essen der Erde sein könnte – andererseits aber als Unesco-Welterbe geschützt ist: Mulgi Puder.

    Ein estnischer Brei aus Graupen und Kartoffeln und Salz. Und sonst nichts. So wie es klingt ist es vielleicht auch das geschmacksneutralste Essen der Welt. Noch weiß ich es nicht, denn noch probierte ich nicht.

    Ich konsultierte mehrere Rezepte. Alle waren sich einig; In Mulgi Puder gehören Kartoffel und Graupen. Sonst nichts. Zum servieren dürfen dann noch Speck dazu, oder Kräuter oder fermentiertes Gemüse oder fermentierte Milch (=etwas Joghurtartiges). Hier unterscheiden sich die Rezepte.

    Aber die Essens scheint der graugelbe Brei ohne Geschmack zu sein.

    Ein Essen konstitutiv für die Kultur der Mulgi, die bei Valga leben. Gestern noch im Unesco-Report, heute auf ihrem Tisch.

    Blau, grün, braun, Schneefarben

    Mehr zum Thema Böttcher und die AfD und so: Weitere Details zum AfD-Spender aufgetaucht

    Poupou besuchte die Nordlichter-Ausstellung in der Foundation Beyeler und war sehr angetan:

    warmes Blau, warmes Grün, rötliches Braun, Schneefarben. Die Szenerie wirkt stets statisch, auch wenn Spuren im Schnee, Lokomotivenqualm oder abgeholzte Stämme die eben aus dem Bildausschnitt getretenen Menschen verraten. Spärliches Licht und dunkle Horizonte kontrastieren Schneemassen auf Hängen und Wäldern. Der Schritt zum Abstrakten wäre nicht weit – genau wie zum Ornament und zum Dekorativen, Tapetenhaften, wie es sich in einem von goldenen Kanteleseiten überspannten Wasserfall zeigt.

    Frau KrautundRüben las an der Alpe Adria Universität in Klagenfurt.

    Readinginsweden war auch auf der Pro Democracy Rally am Brandenburger Tor: 26.1.2025 Wochenende Lebe lieber bunt

    Ebenso wie loosy die Demo besuchte: 25.01.2025 – Bunt statt SchwarzZuBlau

    Frau Kluges & Scheiß empfiehlt ein Tanzvideo.

  • 25-01-26 Die Rückkehr des Schornsteins

    25-01-26 Die Rückkehr des Schornsteins

    Bei dm sind die nature-Geschirrspültabs aus. Leider sind dies die einzigen Tabs, bei denen das Silber mit in die Spülmaschine kann ohne danach seltsam auszusehen.

    Dafür gibt es Ramadan-Kalender im Laden. Sagt mir: Irgendwann demnächst muss Ramadan sein.

    Es gibt keine Graupen mehr. Wie kann ein Nahrungsmittel, das Oma Uetersen regelmäßig zubereitet hat, nicht einmal mehr in großen Vollsortimentern auftauchen? Erdmandelmehl my ass. Ich will Graupen. Zum Glück wohne ich in einer Stadt, in der es auch osteuropäische Supermärkte gibt.

    Freundlicherweise eröffnete ein Ledo ein paar Busstationen weiter an der Goebenstraße. Ich nutzte die Chance, den Laden mal näher zu betrachten. Nicht ganz so beeindruckend wie der Ur-Ledo im Schmargendorf, aber gerade Fisch- und Fleischtheke beeindruckend genug. Er verkaufte mir Graupen – und wo ich schon da war auch Kwas und Smetana.

    Nur auf Kaviar hatte ich keine Lust. Irgendwie ist Ledo eigentlich und ursprünglich ein Kaviar-Großhändler, so dass es dort an der Fischtheke immer mindestens 20 Sorten falschen und echten Kaviar aller Arten gibt.

    Es gelang mir letzte Woche, eine Lesebrille im leeren 10-Quadratmeter-Zimmer der Hagener Bildungsherberge zu verlieren und danach drei Tage lang nicht mehr wiederzufinden. Diese Woche: Mit Brille im Wohnzimmer losgelaufen, ohne Brille im Schlafzimmer angekommen. Es ist ein Rätsel.

    Die Zukunft der Kaiser-Richard-Passage klingt nicht gut. Ich fand eine längere Pressemitteilung vom Verkauf der Nachbarschaftspassage: Weiterhin soll das Nutzerspektrum optimiert und das Gebäude zeitgemäß revitalisiert werden.

    Weiterhin wildes Getöse ab 8 Uhr, auch am Samstag, auf dem Dachboden. Die Baustelle besteht seit anderthalb Jahren. Seit einem guten halben Jahr sind wir dachlos. Bisher sahen wir nur Sachen verschwinden. (Seien es Teile des alten Dachbodens, seien es Baumaterialien die nach oben fuhren). Einziges sichtbares Erzeugnis des Baus waren große Mengen Müll.

    Und nun: ein Ergebnis. Auf dem Dach steht ein neuer Schornstein. Er durchbricht die Dachabdeckungszeltplane. Es passiert Konstruktives. Es gibt Hoffnung.

    Die wöchentliche Palästina-Demo stand diesmal am Potsdamer Platz. Die Gegendemo hatte sich vergrößert: Fünf Personen, dabei unter anderem Regenbogenflagge mit Davidstern und zwei IDF-Flaggen.

    Um mich selbst zu zitieren:

    Etwas weniger gespannt bin ich, wie Friedrich Merz seine Kanzlerkandidatur versemmeln wird. Ich habe noch keine Vorstellung über den Ablauf – aber darüber, dass er an sich selber scheitern wird, bin ich sicher.

    Er gibt sich alle Mühe.

    Principe

    Derzeit existieren im Netz verschiedene Vorschläge, wie mensch sich als politisch interessierte Person vor Donald Trumps Überwältigungsstrategie schützen kann. Ich empfehle beispielsweise ein Buch zu lesen: Der Fürst / Il Principe.

    Nicht so sehr, weil es toll ist (ist es), sondern weil die Trump-Bagage es offensichtlich auswendig gelernt hat, es als 1:1-Handlungsanweisung nimmt und jetzt das Programm abspielt. Zwei Kernpunkte sind mir in Erinnerung geblieben:

    • Es ist für den Herrscher besser gefürchtet zu werden, als geliebt zu werden. Denn Liebe und Zuneigung sind flatterhaft. Sie können von einem auf den anderen Tag plözlich verschwinden. Furcht hingegen ist stabil und zuverlässig.
    • Der Fürst soll alle unpopulären Grausamkeiten am Anfang seiner Herrschaft begehen. Denn in diesem Moment hat er die größte Macht, die unpopulären Maßnahmen werden über die Zeit vergessen werden.

    Betrachten sie Ausstellungsstück A in Washington. Und ja, es hilft gegen Überwältigung, wenn man die Strukturen dahinter in etwa nachvollziehen kann.

    Aber wo ich eh schon beim Thema Donald Trump bin, stelle ich eine Prognose auf:

    Panta rhei / Alles fließt und mit der Realität lässt sich nicht verhandeln.

    • Es wird ein Punkt kommen, an dem sich Trumpismus erschöpft hat und die Menschen seiner Überdrüssig sind. Soviel ist sicher.
    • Weniger sicher bin ich mir, ob die USA bis dahin noch fähig sind, einen friedlichen Machtwechsel durchzuführen. Und genau das ist das eine wichtige Gefecht das dort geschlagen werden muss. Und das wirklich die Aufmerksamkeit auch hier lohnt.

    So, ich hoffe, das war es dann mit Trump im Blog für dieses Halbjahr.

    Selbstgemalte Pappschilder

    In Bautzen demonstrierten 45 Menschen gegen Rechtsruck. Und vor jeder einzelnen Demonstrant*in verbeuge ich mich und ziehe meinen Hut. In Neuruppin waren es 500.

    In Berlin auf eine solche Demo zu gehen, ist deutlich einfacher. Dafür landet man als Berliner*in in den Fernsehnachrichten. Das ist als Effekt nicht zu unterschätzen. Also trotz aller Gründe1 dagegen auf zum Brandenburger Tor, als Brandmauer gegen Faschismus auflaufen.

    Der Linienbus Richtung Stadtmitte war schon bei uns voll besetzt – also von hinten links mit U4 und U2 bis zum Potsdamer Platz und den Rest gelaufen. Um mich herum, Menschenmassen mit demselben Ziel. Am beeindruckendsten fand ich die nicht enden-wollende Kolonne aus Radfahrer*innen.

    Die Demo diesmal stand vor dem Brandenburger, nicht dem Reichstag. Der Ort erwies sich als besser geeignet: Er war besser zu beschallen. Die Menschenmenge verlief sich weniger auf dem riesigen Gelände.

    Die Demozahlen schwanken zwischen 30.000 (Polizei) und 100.000 (Veranstalter). Ich traue mir aus meiner Position keinerlei Aussage zu. Zu groß die Menge, die zu unübersichtlich und groß das Gelände, zuviel „normaler“ Verkehr der dort auch noch stattfand.

    Verglichen mit dem Januar 2024 waren es weniger Menschen. Aber wie damals ein großes Spektrum stinknormaler Berliner*innen, die ich alle so im Alltag im Bus treffen könnte. Wie 2024 war die Demo besonders überzeugend und ergreifend durch die vielen selbst gemalten Plakate.

    Und es ist ein Marathon – nicht eine Demo ist wichtig, wichtiger ist, dass sich diese nach einem Jahr wiederholen ließ.

    Jeep ducking

    Herr Mess reflektiert über Lehrergesundheit und Arbeitsumstände.

    Gerade noch setzte ich „Besuch eine Bouillons“ auf die Paris-Liste, da schreibt Nils Minkmar (unter Bezug auf arte) schon vom Comeback des Bouillons. (hier der arte-Beitrag auf deutsch)

    Ich bin totaler Metallbau-Laie; finde aber sehr spannend wie so etwas ablaufen kann: Lauf, OL-AF, lauf!

    Kunal Mehta (einer meiner Mastodon-Admins) ist auch Wikipedianer und gibt einen Rückblick über sein Wikipedia-Jahr 2024. Dabei gelernt: Es gibt Jeep ducking – den Brauch anderen Jeep-Fahrern eine Plastikente auf das Auto zu setzen.

    Anmerkungen

    1. Angefangen bei „Ich find den Co-Veranstalter Campact doof“ bis zu „In der Zeit könnte ich auch lernen“ ↩︎