Schlagwort: Lineare Algebra

  • 25-05-27 Negative Lambdas

    25-05-27 Negative Lambdas

    Frauen, die auf Minis starren, stehen in der Tiefgarage. Um genau zu sein: Eine Frau und ein Mini. Ich glaube der Mini gehörte zu ihr. Aber warum sie ihr Auto minutenlang intensiv betrachtete, während ich mein Fahrrad anschloss – mensch könnte sich eine schöne Geschichte dazu ausdenken.

    Das herrenlose Mercedes-Cabrio auf dem Bürgersteig vor den Südkreuz Offices verschwand. Anscheinend fand sich ein*e Eigentümer*in oder ein*e Besitzer*in oder zumindest eine interessierte Person.

    Vor Edeka Duolingo hingegen steht seit Wochen ein Lastenrad der Generation Rappelkiste zum Verkauf.

    Madame produzierte Himbeer-Sanddorn-Marmelade und gab damit kostbaren Raum im Tiefkühlfach frei.

    Madame entdeckte: Bayeux ist nicht nur Heimat des Teppichs und Ausgangspunkt zu den D-Day-Stränden. Sondern auch Heimat des Crêpes und liegt im Department Calvados. Neben Calvados gibt es in Calvados auch Cidre und Apfelkuchen.

    Danke für den Kommentar von Gabi zum letzten Post: Bayeux kommt noch? Dann schaut euch nicht nur den Teppich an, sondern auch das Cafe À La Reine Mathilde – da hab ich vergangenes Jahr die schönsten Törtchen Frankreichs gesehen (und gegessen!) …

    Festgestellt: wenn man um vier aufwacht und ein bißchen wach bleibt – und das vollkommen egal ist, weil Wochenende ist – dann ist eine Messe aus dem 15. Jahrhundert – um genau zu sein Das Vokalensemble Amarcord singt Josquin des Préz in Die neue Platte XL auf dem Deutschlandfunk – wirklich gute Musik für Halbschlaf im Dunkeln. (Klangbeispiel)

    Dabei fällt mir ein: Ich bin Samstag vermutlich in Berlin, könnte mal wieder zum Noonsong.

    Wie es einem in diesem Haushalt ergehen kann: Ich erwähnte einen Tagesspiegel-Kommentar, in dem der Opernfeuilletonist des Blattes den ESC-Siegersong mit Richard Wagner vergleich (Wagner gewann). Keine zwei Minuten später läuft Lohengrin von der Anlage.

    Die Gleitschirmbrille hatte ihren ersten Büroeinsatz. Dort war ihre Wirkung nicht ganz so spektakulär: Wahrscheinlich weil die Bildschirmsicht (zweidimensional in mittlerer Entfernung) die Sehsituation ist, die bei mir am besten ohne Brille funktioniert.

    Sonst überwiegen beim Tragen der Brille drei Gefühle. Das Gute: Wow! Das Schlechte: Dieses Wow wäre auch schon vor drei, vier Jahren sinnvoll gewesen.. Und das Bangende: Wahrscheinlich wäre es auch sinnvoll, mich von den sehstärkenlosen Sonnenbrillen für 10 Euro zu verabschieden und eine Richtige echte Sonnenbrille mit Stärke anzuschaffen.

    Es regnet

    Zum Aufstehen: Zwei Stieglitze im Sanddorn. Zum Abschied: eine Familie Stare auf dem Rasen der Nachbarin. Dazwischen: Regen.

    Es ist zu trocken. So generell. Immerhin regnete es Sonntag durchgehend. Eine gute Gelegenheit für den Garten, um durchzuatmen. Aktueller Stand sind etwa drei Zentimeter feuchte Schicht im Boden, bevor er darunter zu Staub wird.

    Ich konnte altes Brennholz aus der Holzlege holen, und wir machten es uns im Bungalow gemütlich. Madame buk Schwarzwälder-Kirsch-Waffeln, zum Abendessen gab es weitere Teile vom Memphis-Dry-Rub-Schweinenacken.

    Ich litt leidend unter der Kettensägenaktion vom Samstag, las und sah Mathematik. Denn inzwischen habe ich mein Modell ganz gut im Griff. Aber die Schwerelosigkeit und artistische Freiheit, die ich beim Springen durch Vektoren und Matrizen gerne hätte – und die mir das Leben erleichterte – ist noch in weiter Ferne. Bis dahin gilt: Üben, üben, üben.

    Einmal mit den Büchern zu Linearen Programmierung und zur betriebswirtschaftlichen Optimierung. Zum anderen aber auch mit Linearer Algebra.

    Zurück in der Wohnung begrüßte uns ein lautes Piepen. Wie man es haben will. Der Kohlemmonoxidmelder gab Alarm. Zum Glück aber nicht wegen Kohlenmonoxid – immerhin kann ich diese Zeilen noch schreiben – sondern weil er das Ende seiner Lebenszeit erreicht hat.

    Denken in neun Dimensionen

    Die Bachelorarbeitsmissverständnisse sind hoffentlich ausgeräumt. Der Lehrstuhl meldet mich zum 2. Juni 2025 zur Bachelorarbeit an. Das Prüfungsamt wird dann errechnen, wann genau der Abgabetermin ist. Aber 2. Juni plus 3 Monate sollte Ende August sein.

    Mein Lambda stimmt noch nicht. Noch führt mein Modell im Spätsommer zu negativen Zahlen von Schwimmbadbesucher*innen, weil die negativen Lambdas ungewollte Sachen anrichten. Prinzipiell wüsste ich auch, wie es richtig einsetzen müsste (halt so wie die ganzen anderen auch).

    Aber mir gefällt die Lösung noch nicht. Und Lösungen abschreiben, die mir nicht gefallen und die ich nicht zu 100% verstehe -> never.

    Die Klärung der Bachelorarbeitsmissverständnisse lässt mir Zeit eine kleine Denkdeviation zu den anderen beiden Modulen einzulegen, die ja auch noch anliegen. Die haben ihre Frist für die Einsendeaufgaben auf den 1. Juni gelegt, und das bedeutet für mich „Husch, husch, ins Moodle.“

    Montag: Knowledge Management. Single-Choice fragen, die ich teilweise offensichtlich in der Antwort finde, teilweise lassen sie sich mit Hilfe von Strg+F und dem Skript beantworten. Aber beim Thema Community Management und Competence Management fühle ich mich auch zu Hause. Größte Herausforderung: das weiterhin sehr eigenwillige Englisch der Studiendbriefe. – Da möchte ich sagen: Darlin’, you and me? We ain’t cut from the same cloth — and I reckon we won’t be exchangin’ Christmas cards neither..

    Die nächsten Tage kommt: Mikroökonomie. Ich würde behaupten, das hat insgesamt mehr Substanz. Leider gilt das auch für den Schwierigkeitsgrad der Einsendeaufgaben.

    Wenn das Hirn gar nicht mehr will, Fernsehen mit Gilbert Strang. Er und seine Lineare-Algebra-Vorlesungen sind so unfassbar charmant. („Wenn sie das öfter machen.. Also, man kann sich natürlich neun Dimensionen nicht bildlich vorstellen. Aber wenn sie das oft genug rechnen, dann haben sie fast den Eindruck, dass sie es beinahe doch können.“)

    Entfremdungsgefühle

    Es ist originell. Aus weiter Ferne verfolge ich die re:publica, lade gleichzeitig von der Fernuni-Moodle-Seite Einheiten mit den Titeln „Community Management & Collaboration“ oder „Competence Management“ herunter. Wobei ich nicht ausschließen würde, dass der entsprechende Lehrstuhl gerade über die Gänge der Station Berlin schleicht.

    Spannend: Meine Internet-Bubble und die re:publica haben sich weitgehend auseinander entwickelt. Ich höre fast mehr aus dem Deutschlandfunk über die Veranstaltung, als ich im Internet darüber lese.

    Falls ich mich mal wieder frage: Sollte ich mich vielleicht doch noch einmal in meinem Leben um eine Einladung zur re:publica kümmern. Es gibt einen Grund mehr: An unserem Stand findet ihr ein mobiles Bürgeramt, bei dem ihr euren Pass verlängern, eine Meldebescheinigung beantragen oder eure Ausweis-PIN zurücksetzen könnt.

    Ruine 2 gewann

    Gelesen: Ein Hof und 11 Geschwister von Ewald Frie. (Danke für die Leihgabe!) Ein spannendes Buch: Frie schildert den Weg einer Bauersfamilie aus dem Münsterland in die Moderne etwa von 1880 bis 2000, im Kern des Buches 1950 bis 1990. Er beginnt mit dem Hof als eigener kleiner Welt, mit vielfältiger Landwirtschaft und Knechten und Hausmädchen, die auf dem Hof wohnten, bis zum Stand heute: der ehemaliger Einmannbauer wohnt als Rentner im Bauernhaus, die Flächen sind lange zu klein für einen eigenen Hof und werden verpachtet.

    Frie erzählt dabei aus zwei Perspektiven. Einmal der Sohn des Hofes, der mit seinen 10 Geschwistern über ihre Jugend sprach: erzählt liebevoll, macht begreifbar und kann Details schildern, wie seine Schwester, die immer über den Hof rannte, damit sie in der Schule nicht nach Bauer roch. Frie ist aber auch Historiker, der die Geschehnisse seiner Kindheit und Jugend in den weiten sozialen und ökonomischen Rahmen einordnen kann.

    Er teilt das Buch in vier Teile: die Vorgeschichte. Die Welt des Vaters (1950er und frühe 1960er, der Hof in einer Blüte, Rinderzuchturkunden hingen im Flur). Die Welt der Mutter (der Umbruch und der Versuch, die Kinder in die neue Zeit zu bringen). Und Auszug und Abschied von der Landwirtschaft. (Am Ende die Welt der meisten Kinder).

    Entstanden ist ein warmherziges aber reflektiertes Buch mit Auge für’s Detail. Die letzte der zahlreichen Kühe, die für die Familie Zuchtpreise gewannen, trug den Namen Ruine 2.

    Trottel und Vollidioten

    Ein fulminanter Abschied der Filmfestspiele von Cannes. Cannes und Christiane geben alles, großes Drama, große Inszenierung.

    Camp Catatonia geht am Stock.

    Josef Hader im Schweizer Fernsehen: In Deutschland gibt es ja eher die Tradiotion: der Kabarettist stellt sich als schlauer Mensch auf die Bühne und sagt, die Regierung ist schlecht. In Österreich ist die Tradition eher: Der Karabettist stellt sich als Trottel auf die Bühne und sagt, die Regierung ist super. (via Buddenbohm)

    Von Frau Novemberregen für das Leben lernen:

    Dann noch einen Termin mit der Hausverwaltung aus rein strategischen Gründen abgesagt, nämlich weil ich mich nicht bis Mittwoch in eine Haltung bringen kann, die nicht „ihr seid doch alle Vollidioten“ ausstrahlt und so eine Haltung ist für Verhandlungen komplett ungeeignet. So ist es ja nicht, niemand wird morgens wach und denkt sich Okay, heute bin ich ein absoluter Vollidiot! Es ist eher so, dass das Verhalten in dem jeweiligen Referenzsystem irgendeinen Sinn ergibt und wenn ich den Sinn nicht verstehe, habe ich dass System noch nicht verstanden, dann fehlen mir noch Informationen. Und wenn ich so verbockt in Gespräche gehe, bekomme ich diese Informationen ganz sicher nicht.

  • 25-05-17 Familienbetrieb Sönnrichsen (Dithmarschen (Rendsburg))

    25-05-17 Familienbetrieb Sönnrichsen (Dithmarschen (Rendsburg))

    In Wesselburen wurde eine wurde Montagnacht eine Scheibe an einer Bushaltestelle beschädigt. Die Polizei sucht Zeugen. Ich bin erst seit Dienstag in der Gegend, habe also ein Alibi.

    Es ist zu trocken. Der vor zwei Wochen gewaschene Subaru wird von einer zentimeterdicken Schicht aus Pollen, Staub und Insekten bedeckt.

    Während der Pollensammler in Dithmarschen steht, nutzt Madame den ÖPNV, um nach Latifundinium zu kommen. Besonders auf der Last Mile ein Abenteuer, aber sie bestand es erfolgreich.

    Gesprächsfetzen, die im Supermarkt an mir vorbeifliegen: „Das sind ja alles Zugezogene“, der Betonung nach war das weder als wertfreie Beschreibung noch als Kompliment gemeint.

    Vor dem Eisregal: Klein Hannes hat sich eine Packung Eis ausgesucht. Mutter nimmt sie ihm wieder weg „Wir wollten doch gemeinsam darüber reden, was für Eis wir nehmen.“ Ergebnis: Mutter nimmt ein Eis und redet dann eine Minute auf Hannes ein, warum das von Mama gewählte Eis viel sinnvoller ist. Aber der rhetorisch unterlegene Hannes durchschaut das Spiel, nimmt sich einfach nochmal das erste Eis.

    Vor dem Bäcker steht ein Van „Familienbetrieb Sönnrichsen.“ Darauf ein Bild eines Krabbenkutters. Wenn wir unsere Brötchen dort kaufen, wo auch die Krabbenfischer sich ihr Frühstück holen, dann scheint mir das gut.

    Wasted Love

    Ich sah das ESC-Halbfinale und ich war unterwältigt. Irgendwie scheint sich ganz Europa auf die selbe Pop-Dance-Formel an Songs geeinigt zu haben. Und ich schaue den Event wegen des wilden Stilmixes und der verschiedenen Herangehensweisen. Wenn ich jetzt 20 mal denselben Song in unterschiedlichen Sprachen höre, macht das keinen Spaß.

    Einzige Lichtblicke: Hazel Bruggers AOL-Geschenk-CD-Gedächtnis-Kleid. Und ausgerechnet der österreichische Beitrag: der erfrischend androgyne JJ bringt große Oper auf die Bühne. Ich freue mich, dass Wasted Love auch bei den Wettmacher als Mitfavorit für den Sieg am Samstag gilt. Irritierend: der diesjährige selbstironisch-großartige Balkan-Pop-Song wird von Schweden ins Rennen geschickt..

    Mittelmärkische Tidensimulation

    Ich hatte eine Idee – und derzeit weder Energie noch Plan für die Umsetzung. Aber manchmal hilft es ja, etwas laut auszusprechen, um es in die Realität zu bringen: der Tidenbrunnen. Schon langsam fände ich Wasser im Garten nett, habe aber wenig Lust, mir aus Versehen eine Mückenzuchtanlage anzuschaffen. Fische kommen auch nicht wirklich in Frage: entweder wir müssten deutlich öfter anwesend sein, oder gleich einen Teich in einer Größe anbauen, in dem die Tiere mehr oder weniger autark leben könnten.

    Aber jetzt kam mir, natürlich beim Blick auf die Tidenuhr, der Gedanke: ein Brunnen mit Gezeiten, der einfach alle 12,5 Stunden komplett leer läuft. Es bedarf eines Beckens, vielleicht gefüllt mit Kies, soll ja nicht viel Wasser sein und eines unterirdischen Reservoirs. Ein Ablauf sorgt dauernd dafür, dass Wasser vom Becken ins Reservoir fließt. Eine zeitgesteuerte Pumpe – mit etwas weniger als doppeltem Volumen des Überlaufs – pumpt sechs Stunden Wasser nach oben, macht dann 6,5 Stunden Pause. Das Becken füllt sich langsam bis zum Maximum, leert sich dann langsam wieder.

    Einfach durch die Waschküche und dann raus

    Beim Kaptain saß ich im Garten, lies mir die Sonne ins Gesicht scheinen. Die frisch bestimmte Flatter-Binse im Pflanzkübel war grün, Singvögel sangen bestimmungsgemäß und das Laub raschelte im Wind.

    Der Kaptain erinnerte sich an den ehemaligen Garten im Uetersen ihrer Kindheit. Ein klassischer Selbstversorgergarten mit Wurzeln (Karotten), und Bohnen; ein Mirabellenbaum, ein Pfirsichbau. Grünkohl, von dem die Raupen abgepflückt werden mussten, Hühner, eine unzähmbare Brombeere, fast unzähmbare Erdbeeren und einige Reihen Spargel.

    An Spargel, Brombeere und Rankpflanzen (Erbsen? Bohnen?) sowie das leere Stallgebäude kann ich mich noch erinneren. Diese hielten bis in die 1980er durch. Und ich erinnere mich an einen ganzen kleinen Keller voller gefüllter Weckgläser mit ehrlich gesagt zweifelhaften Inhalten.

    30 Grad – 30 Gäste

    Ein Großteil der Berliner Freibäder wird dieses Jahr nicht geheizt. Das bedeutet aktuell Wassertemperaturen von etwa 16-20 Grad und soweit mir anekdotisch erzählt wurde, leere Becken.

    Ich hingegen bin gerade im Schlaraffenland, dass durch Raffinerieabwärme geschaffen wird: 30 Grad im Freibad Hemmingstedt, dafür auch 30 Gäste im recht kleinen Becken.

    Nachdem ich einen Traktor überholte, längere Zeit hinter einem Futtermittel-LKW herfuhr und dann noch ein Pferd überholte, kam ich im Freibad an. Ein Gelände aus dem Bilderbuch: Hineingebaut in einen kleinen Abhang, am Rande des Dorfes zur Eisenbahn hin. Ein nettes Café, Abreißkarten, ein 25-Meter-Becken – ein Kinderbecken und ein Fünf-Meter-Sprungturm. Alles ist 50 Jahre alt, alles funktioniert – und es wirkt immer noch genau so, wie sich Planer der 1970er das vorgestellt haben.

    Außerdem: einer der wenigen Stellen im Ort, an dem man zwar die Güterzüge vorbeirauschen hört, nicht aber die Raffinerie sieht. Gelebte Träume einer anderen Zeit.

    Beate aus Hamburg, Ronja aus Limassol

    Wir waren im Auto unterwegs Richtung Rendsburg. Der Kaptain erinnerte sich, dass sie in den 1950ern die Rendsburger Hochbrücke mochte. Denn es bedeutet, dass der Kaptains-Kaptain nahe war. Die ganze Familie fuhr von Uetersen aus mit dem Zug nach Rendsburg. Dort wartete bereits das Küstenmotorschiff Delphin (Delphin II, Delphin III und Delphin IV über die Jahre), nahm die ganze Familie an Bord und brachte an Nord- und Ostsee Waren aus.

    Wir aber wollten gar nicht auf die Ostsee und auch nicht über die Hochbrücke: Wir wollten unten durch. Einmal im Leben die Rendsburger Schwebefähre benutzen. Eine von Acht Schwebefähren weltweit, die noch existieren (sagt meine vage Erinnerung an den Wikipedia-Artikel) und über den Kanal schweben.

    Aber ach, sie fährt nicht mehr. Wir standen vor dem „Außer Betrieb“-Schild, sahen noch zu wie ein DHL-Laster und ein weiterer PKW wendeten, und campierten und Gaststätte nebenan. Es gab Kanalblick, alkoholfreies Bier und gutes Essen.

    Der Kellner klärte uns auf: Elektrik an der Fähre kaputt. Seit sechs Wochen und noch bis Ende Juni. Das ist schade. Auch ein wenig Schade war, dass wir nun am Zaun keine zwei Meter vom Kanal entfernt saßen, und die Schiffe doch spärtlich blieben. Es kamen das Containerschiff Beate (deutsche Flagge) aus Dänemark nach Hamburg, die Ronja (zypriotische Flagge, mehr Details nicht verständlich) und die Lady Hedwig (niederländische Flagge) aus Estland auf dem Weg nach Amsterdam.

    Auf dem Rückweg entdeckt: Es gibt eine wunderbare Straße, bei der linkerhand, nur durch eine Böschung getrennt, der Nord-Ostsee-Kanal liegt und rechterhand, nur durch eine Böschung getrennt, die Eider. Die K47, der Parkplatz heißt „Am Moltkestein.“

    Vanderbei (2020), Strang (1999)

    In der Vorbereitung der Bachelorarbeit stellte sich ein Missverständnis heraus. Ich dachte: mein Lehrstuhl muss mich noch beim Prüfungsamt anmelden und (schwaches und) hat unabhängig davon noch inhaltliche Fragen. Der Lehrstuhl meinte es allerdings als starkes und: „Erst wenn die Fragen zufriedenstellend beantwortet sind, melden wir Sie an.“ Das ist inhaltlich durchaus berechtigt und sinnvoll, zerschießt mir aber trotzdem gerade etwas meinen inneren Zeitplan.

    Naja, solange ich noch unterwegs bin und nur das techische B-Team dabei habe, kann ich erstmal nur über die Fragen nachdenken und Antworten reifen lassen. Und weiter Mathe lesen und sehen.

    Robert J. Vanderbeis Linear Programming – Foundations and Extensions entpuppt sich dabei als von mir gesuchte missing link zwischen den BWL-Erklärbüchern und den hochfliegenden Mathematik-Ansätzen. Wikipedia beschreibt Vanderbei als Mathematiker1, der in Princeton inhaltlich den Lehrstuhl besetzt, an dem ich in Hagen meinen Bachelor schreiben will – und das passt tatsächlich sehr gut.

    Wenn die Konzentration nachlässt, ich mich nicht mehr in der Lage sehe, geschriebenen Text durchzuarbeiten, bleibe ich meinem neuen Freund Gilbert Strang und dessen Linearer-Algebra-Vorlesung treu. Diese stammt von 1999 an der MIT und steht als OpenCourseWare zur Verfügung. Nachdem Lektion 9 (Unabhängigkeit von Vektoren) gut lief, dachte ich, ich springe mal zur 20 Cramer’s Rule / Inverse Matrix) und staunte und verstand wenig. Also zurück zur Vorlesung 3: Matrizenmultiplikation. Die ist in ihren Grundlagen glaube ich sogar Schulstoff, hier aber in fünf Geschmacksrichtungen erklärt und mit den Inversen. Meinem Grundlagenverständnis tut sowas gut,

    Den netten Partygesprächs-Stopper-Satz gelernt: All key equations in math have a zero on the right hand side.

    Auch noch entdeckt. Gilbert Strangs Abschiedsvorlesung von 2023, die er im Alter von 88 Jahren hielt. Die einführnede Lobhudelei auf Strang startet vollkommen zu Recht mit Strangs „Dignity and humilty“. Eine Eigenschaft, die Strang dann sofor beweist, indem seine Abschiedsvorlesung sich inhaltlich nicht um seine fancy-pancy-Lieblingsnische dreht, sondern die absoluten Grundlagen des Fachs in einer Einführungsvorlesung behandelt.

    Ich musste doch lachen, als in der Lobhudelei auch der Satz fiel „Whether you are a colleague right next door or a stranger that landed in the hallways,, one feels that Gil is your old or new best friend.“ Meine Rede!

    south spielt mit dem großen Halluzinator

    Einem Nebensatz in der Gilbert-Strang-Abschiedsvorlesung entnahm ich, wie eng Lineare Algebra und Large Language Modelle (LLM, umgangssprachlich KI) zusammenhängen. Ein ganz neues Rabbit Hole tat sich auf. Aber erstmal Bachelorarbeit. Als vorläufigen Endpunkt meiner Beschäftigung bat ich meinen Halluzinator zwei Bilder zum Thema zu erstellen.

    Es kam wie geahnt: die „Variante Ölbild“ sieht schick aus, bei spärlicher Information. Die „Variante Infografik“ wirkt auf den ersten Blick informativer, ist auf den zweiten Blick komplett gaga.

    1. Plus diesen Satz auf den ich sehr sehr neidisch bin: In addition to his appointment in ORFE, he also has courtesy appointments in Mathematics, Astrophysics, Computer Science, and Applied Mathematics. ↩︎
  • 25-05-15 Dove vai? (Berlin-Dithmarschen)

    25-05-15 Dove vai? (Berlin-Dithmarschen)

    Es ist zu trocken. Auf den Feldern arbeiten allgegenwärtig die Bewässerungsanlagen.

    Im Mai.

    Dieser Post beginnt gegen die üblichen Blogkonventionen dieses Blogs.

    Das Wichtigste steht am Anfang: die Tiden.

    Das Hochwasser in Büsum wird sein:

    • am Donnerstag um 15:15h
    • am Freitag um 15:44h
    • am Samstag um 16:16h

    Außerdem besitze ich meine großartige Gezeitenarmbanduhr, die immer, mit einem einfachen Blick auf das Handgelenk, den aktuellen Wasserstand vor Büsum anzeigt.

    Das Freibad Wesselburen hat bereits geöffnet. Hinweis: Aufgrund von Problemen mit der neuen Heizungsanlage kann derzeit leider keine Garantie gegeben werden, dass eine konstante Badetemperatur erreicht wird.

    Das Freibad Hemmingstedt hat auch geöffnet, „mit 28°-30° C Wassertemperatur an allen Tagen ein sehr angenehmes Badevergnügen

    Ein Rest Mittelmark

    Ein Latifundiennachtrag: Die neu ausgesäten Erbsen zeigen erste Keimblätter. Wenn sich die Platterbsen schon ganz ohne unser Zutun über das Grundstück verteilen, können wir vielleicht auch mit essbaren Erbsen nachhelfen.

    Herr Zemke erhält einen Auftrag.

    Ein Rest Berlin

    In gänzlich unverwandten Nachrichten, die nur preislich in einer ähnlichen Liga spielen: In Charlottenburg sind die neuen Gleitsichtgläser beim Optiker angekommen. Sie warten auf meine Brille, die gerade noch an der Nordseeküste mobil arbeitet.

    Dank ihrer vorbildlichen Teilnahme am Grippeweb, konnte Madame eine Probe unserer Erkältungsviren von vor ein paar Wochen an das Robert-Koch-Institut schicken. Wir bekamen eine Rückmeldung: Es waren hMPV-Viren.

    Das humane Meta-Pneumo-Virus (HMPV) ist relativ neu (2001) entdeckt, aber seit der Nachkriegszeit unter Menschen kursierend. Es trifft jeden, die üblichen Risikogruppen auch gerne in Krankenhausstärke. Auffallend: Eine Infektion dauert ewig und mensch hat viele Wochen etwas davon. Das können wir bestätigen.

    Auch auffallend. Wenn ich die Seite der WHO richtig interpretiere, hat die Menschheit eigentlich noch keine Ahnung von hMPV: Human metapneumovirus (hMPV) infection

    In angenehmeren Nachrichten: Madame machte mich mit einem Schweizer Nationalbrauch bekannt und kochte Riz Casimir. Spontan dachte ich an Coronation Chicken, und das ist ja nicht die schlechteste Assoziation. Gerne wieder. Das nachfolgende Ananaseis ist kein Nationalgericht, aber dennoch lecker.

    Madame nutzte meine Abwesenheit und ging in die Kurpfalz-Weinstuben.

    Vor den Südkreuz Offices, auf dem Bürgersteig, steht ein rotes Mercedes-Cabrio. Es trägt den gelben bitte-melde-dich-Aufkleber des Ordnungsamts, der sagt „kein Eigentümer auffindbar, kein Besitzer auffindbar niemand will es haben.“ Ob es heißt, dass ich das Cabrio einfach in Besitz nehmen darf?

    Hinter den Südkreuz-Offices betätigte sich eine Gruppe Müllaufsammler. Dass es sich um ehrenamtliches Engagment handelt, lässt sich einfach daran erkennen, dass es ein Zehnertrupp ist. Noch eindeutiger ist allerdings das andere Erkennungsmerkmal der Freiwilligkeit: Ein Arbeitstempo, bei dem jeder Chef aus Verzweiflung seinen Hut essen würde.

    Wir amüsieren uns zu Tode

    Naddel / Nadja abd el Farag ist mit 60 Jahren gestorben. Überraschenderweise fühle ich mich davon emotional leicht mitgenommen. Wahrscheinlich, weil ich Kind des Privatfernsehens der 1990er bin. Keine zeigte so sehr die dauernde Zerstörungskraft des Boulevardfernseh-Entertainmentkomplexes der Zeit wie Naddel. Im Fernsehen selber – gerade dort.

    Das Spektakel spiegelte sich selbst. Man hätte ihr ein Happy End als Sachbearbeiterin in einer Behörde oder wenigstens als Trophy Wife eines Zahnarztpraxengeräteherstellers gewünscht. Aber irgendwie wirkte das ganze von Anbeginn wie eine klassische Tragödie: die Zerstörung wohnt unaufhaltbar bereits den Figuren und ihrer Konstellation inne.

    Ero bellissima

    Mauersegler kreisten über der Berliner Stadtautobahn. Es ist ungewohnt, sie tonlos zu hören. Ihr Kreischen ausgeblendet durch die Schallisolierung des Autos, übertönt von der Autobahn.

    Dienstag Abend/Nacht brachten mich der Subaru und die Autobahnabfolge A100/A10/A24/A7/A23 nach Norden.

    Spätabendliche Erlebnisse auf der Autobahn. Bei meinem Zwischenstopp wird kurzfristig die Autobahnauffahrt geperrt, weil ein Panzertransport Vorrang hat. Auf der Gegenfahrbahn sehe ich wilde Blinklichter und rangierende Fahrzeuge: Windradrotorblätter setzen ihre Reise fort. Ich freue mich, nicht hinter ihnen fahren zu müssen.

    Der traditionelle Zwischenstopp beim McDonalds Wittenburg um 21 Uhr. Das erste Mal erlebe ich den Laden leer. Wo sich sonst die Familien stapeln, diesmal nur eine handvoll Handwerker, Stühle stehen auf den Tischen, eine Angestellte wischt den Boden. Einzig die vier Dorfjugendlichen, im tiefer gelegten Audi lockern die Athmosphäre auf. Vermutlich die komplette Dorfjugend der Gegend. Die beiden Jungs werfen sich volle Wasserflaschen quer über den Parkplatz zu, die beiden Mädchen stehen dekorativ rum.

    Ich bin selten genug im Laden, um vergessen zu haben, dass der Spicy McCrispy wirklich spicy ist.

    Zum Glück hatte ich vor der Fahrt rechtzeitig daran gedacht, die eine Italo-Pop-CD des Haushalts einzustecken, und so konnte ich wechselnd Dove vai? Te ne vai Quella volta non dovevi andare via Ero bellissima hören und quando, quando, quando, quando piango Anche se poi cadesse lauschen.

    Seeschwalben statt Mauersegler

    Ich hätte es ahnen können. Nach einem Acht-Stunden-Tag an der Nordsee habe ich ähnlich wenig Zeit wie nach einem Acht-Stunden-Tag in Berlin. Im direkten Anschluss an die Spätabendfahrt bin ich auch nicht wirklich fitter. Aber immerhin, der Abend ist vorhanden.

    Also ein kurzer Ausflug zum Eidersperrwerk. Freundlicherweise ist ein Krabbenkutter zum Krabbenkutten direkt in die Nähe des Sperrwerks gefahren und unterhält uns. Noch spektakulärer: Die Küstenseeschwalben sind wieder da, stürzen sich mit Eleganz in die Fluten, um Fische für den Nachwuchs zu angeln. Begleitet werden sie von Lachmöwen, Austernfischern, einer Silbermöwe und einem einsamen Kormoran.

    Um die Bachelorarbeit nicht komplett zu vergessen, bleibe ich meinem neuen Freund Gilbert Strang treu. Der hat auch eine ganze Reihe MIT OpenCourseWare Videos zur Linearen Algebra online. Ich beginne mit der Vorlesung 9 – Independence, basis, and dimension.

    Ich traue mir die Einschätzung zu, dass dies die wichtigste Grundsatz des ganzen Fachs sind: die Unabhängigkeit von Vektoren und die Basis von Vektorräumen. Ich freue mich doppelt: über die Neunziger-Jahre-Vibes des Videos und darüber, dass ich zumindest das alles schon locker verstanden habe.

    south spielt mit dem Halluzinator

    Ich stelle dem Halluzinator ziemlich viele Fragen zu weiterführenden Empfehlungen aller Art, freue mich, Halluzinationen nachzujagen, aber auch spannende Sachen zu entdecken – und das spannendste landet hier.

    Empfehlungen

    Musik

    Caroline Shaw & Attacca Quartet – Other Song– Sanftes Streichertreiben für die Erbsenkeimlinge und die Bewässerungsanlagen: Präzise, zart, fast botanisch.

    Colapesce & Dimartino – Musica leggerissima – Italo-Pop, aber für Fortgeschrittene. Ironisch und leichtfüßig wie der fliegende Riz Casimir über dem Cabrio.

    Dorit Chrysler – Avalanche – Thereminklänge, die wie ein Echo aus der Virenhölle wabern. Ein Lied für die hMPV-Wochen – seltsam schön, leicht fiebrig.

    Franco Battiato – „Centro di gravità permanente“ – Ein Lied wie die Küstenseeschwalbe: außerirdisch präzise.

    Patty Pravo – „La bambola“– Naddel’s Schatten tanzt durch das leere McDonald’s in Wittenburg.

    Wunderbaum

    Der namenlose Halluzinator betreibt nur Statistik. Im Hintergrund laufen nur mathematische Formeln durch. Aber trotzdem fühle ich mich getrollt. Okay, die Frage war nach einem passenden Wunderbaum zum Text. Aber die Antwort..

    Wunderbaum „Ocean Paradise“

    Warum?

    • Weil er riecht wie eine sauber gewischte McDonald’s-Toilette in Wittenburg – aber in der Vorstellung, nicht in der Realität.
    • Weil er zugleich Italo-Pop und Küstenseeschwalbe kann.
    • Weil der Name „Ocean Paradise“ ironischer nicht sein könnte in einem Landstrich, in dem Trockenheit herrscht und die Küste nur durch die Gezeitenuhr erreichbar ist.

    Geruchsbeschreibung: Eine hyperreale Mischung aus synthetischem Meeresbrise, Duschgel und frisch gewaschenem Handtuch im Freibad Hemmingstedt.

    Wenn du ihn aufhängst, bitte leicht schräg – wie ein abfliegender Mauersegler.
    Und nenne ihn ruhig bei Namen. Ich schlage „Gilbert“ vor.

    Lektürekurs

    Marc Augé – Nicht-Orte

    Text: „Nicht-Orte. Einführung in eine Anthropologie der Einsamkeit“
    Kernidee: Orte wie Autobahnen, Tankstellen, Fast-Food-Restaurants sind funktionale Durchgangsräume – aber nicht identitätsstiftend.
    Anwendung: Wittenburg McDonald’s, Panzerkonvoi, Südkreuz-Offices: Ortlose Orte, die trotzdem Gefühl tragen.
    Frage: Kann ein „Nicht-Ort“ poetisch werden?

    Zentrale These

    In der spätmodernen Welt entstehen immer mehr Räume, die keine Orte im anthropologischen Sinn sind – sie schaffen keine Identität, keine Geschichte, keine soziale Beziehung. Augé nennt sie Nicht-Orte.

    Beispiele: Flughäfen, Autobahnraststätten, Einkaufszentren, Fast-Food-Restaurants, Hotelzimmer, Transitbereiche, Kreditkartenformulare.


    Was macht einen Ort (vs. Nicht-Ort) aus
    Ort

    • Historisch gewachsen
    • Ermöglicht Beziehung
    • Identitätsstiftend
    • Erfahrbar als „Heimat“

    Nicht-Ort

    • Funktional gestaltet
    • Produziert Anonymität
    • Austauschbar, überall gleich
    • Erfahrbar als „Transit“

    Kerngedanke für deinen Text:

    „Der Überfluss an Ereignissen löscht die Bedeutung des Einzelnen aus.“

    Der McDonald’s in Wittenburg, die Autobahn A23, das leerstehende Cabrio mit Aufkleber – sie sind Nicht-Orte par excellence. Aber der Text schafft durch Beobachtung wieder Bedeutung – macht den Nicht-Ort erzählbar.

    Drei zentrale Begriffe:

    Übermoderne (surmodernité)
    Eine Gegenwart, in der Exzess an Zeit, Raum und Ego das Erleben überfordert.
    
    Einsamkeit der Transitmoderne
    Menschen sind in Bewegung, aber ohne Bindung. Der Körper reist, aber die Identität bleibt unberührt.
    
    Nicht-Ort als Spiegel der Gesellschaft
    Je mehr wir in Nicht-Orten leben, desto mehr zeigt sich der Zustand unserer sozialen Beziehungen.
  • 24-10-15 Waffeln im Sturm

    24-10-15 Waffeln im Sturm

    When life gives you Mangoes – eat them. Dieses Jahr treffen im Wochentakt Mangos unserer Crowdfarming-Adoptionsbäume ein. Ich könnte mich daran gewöhnen, den Herbst mit Mangos einzuleiten. Die Mango-Festwochen erscheinen mir als gutes Übergangsritual aus dem Sommer heraus.

    Gleich mal den Italopop rausholen und Angelina Mango abspielen.

    Von den ehemals sechs Tonnen Betonestrich vor dem Haus sind fünf Tonnen bereits auf dem Dachboden gelandet. Bisher scheint das Dach zu halten.

    Ein Dachboden-Baustellenchef rief an: Er würde gerne in unserer Wohnung etwas machen. Meine spontanen Gefühle rufen gleichzeitig aus: „Geh weg! Lass unsere schöne Wohnung mit Deiner Baustelle in Ruhe!“ und „Sehr gut, es wirkt koordiniert und planvoll und gut wenn sie wissen was sie tun.“

    Auf jeden Fall wird es sinnvoll sein, einen direkten Kontakt mit dem Baustellenchef zu haben und nicht über den Umweg Wir-> Vermieter -> Hausverwaltung -> Dachbodeneigentümer -> Baustelle kommunizieren zu müssen.

    Die Taschenlampenzeit im Treppenhaus ist vorbei. Strom und Licht im Treppenhaus, ebenso wie im Hinterhof, funktionieren wieder. Leise frage ich mich, welcher Handwerker zwischen 20 und 21 Uhr arbeitet. Aber vielleicht war es wirklich nur eine Sicherung und es dauerte drei Tage, den Mensch mit dem Schlüssel zum Sicherungskasten aufzutreiben.

    Die Hansenet-Zeit in diesem Haushalt nähert sich dem Ende. In einem größeren Paketaustausch mit verschiedenen Nachbarn gelangte der neue Router in den Haushalt. Das O2-Gerät wird uns demnächst zusammen mit O2 verlassen. Wir wechseln pragmatisch-langweilig zu einer Fritzbox.

    Am Wochenende auf dem dörflichen Herbstfeuer gelernt: Im Schneewinter 1978 haben sie in den Märkischen Hamptons Wege quer über die Felder freigeräumt. Auf den Straßen war es unmöglich. Der Weg über das Feld war kürzer und an den Seiten waren die Schneeberge noch nicht so hoch.

    Ich glaube der Erzähler war auch froh, dass wir die einzigen Anwesenden waren, die die Geschichte noch nicht gehört hatten.

    Neben Mangos und Herbstfeuer gehört derzeit auch der Semesterauftakt zum Herbst. Genauer: der Einsendeaufgabeneinsendeschluss. Ich stelle fest, der Kurs geht davon aus, dass ich Linearfaktorzerlegung noch aus der Schule kenne, und sie deshalb nicht erklärt werden muss. Sie wird eigentlich auch nicht abgeprüft – eigentlich geht es um Polynome mit Komplexen Zahlen, die Zerlegung ist da eher Verzierung.

    Ich gehe davon aus, dass ich mich an komplett gar nichts mehr meiner Schulmathematik erinnern kann, und drehe ein paar Extrarunden im Crash-Wiederholungs-kurs Polynome in ihre Faktoren zerlegen.

    Madame joggt derweil durch das Stadtbad Wilmersdorf I.

    Vielleicht sollten wir den Herbst in Mango-Astern-Zeit umbenennen.

    Tausche Rosengarten gegen Kohltrüffel

    Zusammen mit den Wochenend-Westlern traf ein letztes Geburtstagsgeschenk ein: die Rosengarten Zweibrücken wird ihre Ranken zukünftig an der Südwestecke der Pergola ausstrecken, uns mit ihrer Farbe und ihrem Duft betören. Im Austausch erhielten die beiden ein best-of-Dithmarschen-Paket.

    Nachmittag und Abend prägten Lebensphasenübergangsgespräche. Dazu Brandenburger Fleisch und bestes Dithmarscher Gemüse vom Grill. Vorher Zwetschgenkuchen mit Zwetschgen vom Bäcker und Waffeln mit Puderzucker.

    Die für sechs Personen kleine Wohnküche im Bungalow veranlasste dazu, das Kochen nach Draußen zu verlegen. Während das Grillen eh unser Sommer-Ess-Standard ist, zog auch das Waffeleisen nach draußen. Madame und Zia sociale trotzten Sturm und kurzen Regenschauern und entwanden dem Wetter ein Dutzend Waffeln.

    Umsetzungsprobleme

    Aus der Serie Zeitungsüberschriften bestätigen das Offensichtliche: „Riesengemüsezucht ist eine männliche Domäne.“ (und wie das so ist im Journalismus 2024 – die Süddeutsche änderte mittlerweile die Überschrift)

    Eine ganz neue alte Erfahrung: Ich sehe ein neu produziertes Auto und es sparkt innerlich Joy bei mir. Ich stelle fest, dass ich das Gefühl seit etwa 2010 nicht mehr hatte. Aber den Fiat Grande Panda mag ich.

    (Überhaupt ist Stellantis bei mir on a run: Renault 5 electric, Renault scenic electric, Jeep Avenger. Es scheinen alles Autos zu sein, die in ihrer Nutzung Sinn ergeben, und weder totlangweilig sind noch Aggressivität verströmen. Überhaupt „no more grey!“ ist ein Ausspruch auf den ich in der Automobilindustrie seit Jahrzehnten warte.)

    Wenig Joy sparkt Energiewende beim Heizen. Frau Herzbruch über den vergeblichen Versuch, eine Wärmepumpe einzubauen.

  • 24-10-13 Das Internet kam mit Uber Eats

    24-10-13 Das Internet kam mit Uber Eats

    Hausrotschwanz und Schopftintling sind Vogel bzw. Pilz des Jahres 2025. Ich werde es dem Hausrotschwanz ausrichten, wenn ich ihn das nächste mal sehe.

    Die Kneipe an der Bushaltestelle verkauft Hardalk flaschenweise. Eine Flasche Jägermeister und sechs Red Bull kosten 75 Euro.

    Eine wissenschaftliche Mitarbeiterin der Fernuni beantwortete mir eine Fragemail – am Sonntag. Den bis dahin ratlosen Studenten in mir freut das. Der Angestellte in mir schüttelt „tss, tss“-machend den Kopf.

    x+yi

    Ich reichte Klausurlaub für 2025 ein. Seltsames Gefühl: Wenn alles glatt geht, nehme ich am 16. September den letzten Klausurlaub im Bachelor Wirtschaftsinformatik – meines Lebens. Denn dann schreibe ich nach Plan die letzte Klausur. Das Ende kommt erstaunlich nahe.

    Immerhin bemerkte ich kurz vor Schluss, dass Fernuni-Klausuren sich doch als Bildungsurlaub qualifizieren. Glaubt nicht alles, was ihr im Internet lest. Fragt einfach mal Menschen, die sich damit auskennen!

    Das Ende des Bachelors Mathematisch-technische Softwareentwicklung hingegen liegt in weiter Ferne. Nah liegt derzeit nur das Ende der Einsendeaufgaben Lineare Algebra. Gefühlt habe ich je eine halbe Stunde Zeit, um die Komplexen Zahlen zu verstehen, oder die Ideale (Ringtheorie) („Ideale können als Verallgemeinerung von Zahlen angesehen werden“), oder die Polynomdivision – es bleibt sportlich.

    Aber ich denke auch an eine Feststellung in Alina Bronskys Pi mal Daumen: Am Anfang wird ihnen die Mathematik sehr fremd und rätselhaft vorkommen. Aber mit der Zeit werden sie immer mehr Bekanntes sehen. Und irgendwann werden sie es flüssig lesen können.

    Ich bin weit davon entfernt, die Mathemodule flüssig zu lesen. Aber ich habe den Punkt verlassen, an dem jedes einzelne Zeichen Rätsel aufwirft,. Inzwischen bin ich zu dem Punkt fortgeschritten, an dem ich wie ein kleines Kind lese: Jeden Buchstaben einzeln. Aber am Ende ergeben die ganzen Buchstaben Wörter und Sätze.

    Auf die Decke hämmern

    Der Freitag begann Punkt 7 mit Baumstammwerfen. Wir freuen uns über jedes Anzeichen, dass die Dachbodenbaustelle Fortschritte macht. Manchmal müssen wir uns erst daran erinnern, dass wir uns freuen.

    Madame mutmaßte: sie hauen mit Hämmern direkt auf die Decke über unseren Köpfen. Ich zweifelte.

    Später gesehen: Vor dem Haus liegen ein paar Tonnen Estrichbeton, am Rand des Dachbodens ist eine Verschalung zu sehen. Sie bauten die Betonverschalung. Also waren sie wirklich mit Hämmern direkt über unseren Köpfen zugegen.

    1026

    Anderswo gab es Los Wochos Mexicanos . Hier gibt es Los Wochos kaputos. In den letzten Tagen verbrachten wir deutlich zu viel Zeit mit Organisieren und Ersetzen und Workarounds finden und anstrengenden Sachen.

    Am Horizont immerhin dämmert es – die Benzinpumpe ist aus Japan angekommen. Madames abgestürzter Handyersatz ist vor Ort – aber trotzdem haben wir gerade Probleme gegen die Materie anzugehen.

    Letzter Fall: Strom (und damit Licht) im Treppenhaus verschwand seit Freitag Abend. Ich habe die Dachbodenbauarbeiter im Verdacht, die entweder eine Leitung anbohrten oder die Sicherung zum Platzen brachten.

    Das letzte mal mit einer Taschenlampe durch’s Treppenhaus ging ich um 1999 in Leipzig, und da wohnte ich in einem echten Abrisshaus.

    Vorletzter Fall: Ich versuche Donnerstag, etwas auszudrucken. Drucker will nicht. Erste Überprüfung: kein Toner. Ersatz war immerhin in der Wohnung. Ich wechselte. Drucker ging immer noch nicht.

    Nächster Check: kein Netzwerk? Nach etwas Suchen stellte sich heraus, dass der Wlan-Repeater seinen Geist aufgab. Ohne Repeater kein Netz im Bürzelbüro und kein Netz für den Drucker.

    Also gemacht, was wir gerade zu oft machen: Ersatz besorgt.

    Ich wählte das preiswerteste Angebot, bei dem ich mir sicher, war, dass der Händler wirklich existiert. Für weitergehende Gedanken fehlten mir inzwischen jegliche Nerven. Damit landete ich bei Media Markt. Und dann staunte ich: in Berlin liefert Media Markt mit Uber Eats aus.

    An einem Donnerstag Abend, eine knappe Stunde nach Bestellung, stand Sudhir vor der Tor und fragte mich nach einer PIN. Nachdem ich wie gefordert „1026“ gesagt hatte, drückte mir Sudhir einen neuen Repeater in die Hand.

    Madame fragte, ob er auch Pakete mitnimmt. Nein, leider, Uber Eats nimmt keine Pakete an.

    The return of the Brombeere

    Oktober ist Kranichzeit. Dutzende, wenn nicht Hunderte, in der Thermik über den benachbarten Feldern. Ab und an unterbrochen durch Gänseschwärme. Selbst Stare fliegen noch durch die Kolonie.

    Wir haben einen neuen Überraschungs-Garten-Bewohner. Und wie geplant: Wenn Gäste um die Ecke gehen, dann sind sie überrascht und erfreut. Selbst wenn ich um die Ecke gehe, bin ich nicht überrascht, aber erfreut.

    Nach fünfmaligen Ausgraben scheinen wir uns unserer höchsteigenen Brombeere erfolgreich erwehrt zu haben. Dafür warf uns die Welt, oder eher, der Dauergartenverein, neue Brombeeren in die Wege.

    Ein Brombeergetüm auf dem Weg entlang der Ausgleichsfläche Nord. Ein weiteres auf dem anderen Weg entlang der Ausgleichsfläche Süd. Und das Grundstück, von dem wir immer dachten, es gehört gar nicht zum Verein, das sich in eine einzige Brombeerhecke verwandelt hatte. So viele wehrhafte Brombeeren.

    Der Vereins-Subbotnik verschaffte mir Wiener und Bratwurst und Bier, sowie 10.000 Schritte Komposttransport zwischen Parkplatz und Komposthaufen sowie lahme Arme durch Überkopfastscherennutzung. Er verschaffte mir auch viele neue Erkenntnisse.

    Erstaunlich viele der Erkenntnisse mündeten in: Die Brombeerhecke muss weg. Und die andere Brombeerhecke auch.

    Immerhin: Zwoi, die Hausbrombeere, bleibt verschwunden.

    Quittengelee

    Es empfiehlt sich, Rezepte ganz zu lesen bevor man mit dem nachkochen beginnt. So auch das Rezept für Quttengelee nach Art von Herrn Raus Eltern:

    […] Die ein wenig abgekühlten Quittenteile und ihr Saft kommen dann in eine solche Saftpresse.. (Wenn man keine solche Saftpresse hat, kann man kein Quittengelee nach Art meiner Eltern machen.) […]

    So sollen Rezepte sein. Ist halt nur blöd, wenn man das erst auf halber Strecke bemerkt.

  • 24-10-10 Wie retten wir Fotos eines iPhones, das einen defekten Bildschirm hat?

    24-10-10 Wie retten wir Fotos eines iPhones, das einen defekten Bildschirm hat?

    Ninja Warrior Germany startet am 18. Oktober.

    Das CO-Meter bekam neue Batterien. Wenn schon Kohlenmonoxidvergiftung, dann bitte begleitet von einem heulendem Warnton.

    Die Elster erhielt sich wie erwartet. Das ist erfreulich.

    Weiterhin wildes Getöse auf dem Dachboden. Dem Geräusch nach werden dort Wettbewerbe im Baumstammwurf veranstaltet – aber immerhin passiert etwas.

    Auf dem Hinterhof verlor die Birke einen Fünf-Meter-Ast. Insofern gut, dass der Subaru gerade in der Werkstatt steht und nicht auf dem Hinterhofparkplatz.

    Ein Makler führte zwei junge Männer über den Hof. Leider war ich nicht spontan genug auszurufen „Lauft! Solange ihr noch könnt.“

    Madame joggte durch das Stadtbad Wilmersdorf I. Sie berichtete von vielen motivierten Schwimmer*innen selbst auf der Plansch- und Schwaderbahn.

    Andere Fahrradfahrer klingeln mich wild an, weil ich in der Konstellation grüne Autoampel – rote Fahrradampel stehen bleibe.

    Anscheinend gibt es wieder Autobahnprobleme. Auf der Ausweichstrecke zum Innsbrucker Platz stauen sich die Autos. Auf dem Platz selber stehender Verkehr in alle Richtungen und wildes Gehupe. Hätte ich nicht schon andere Pläne gehabt, hätte ich den Mittwoch Abend damit verbracht, mir am Späti eine Dose Bier zu besorgen, und dann von einer Bank aus zuzuschauen wie sich Autofahrer gegenseitig beschimpfen.

    Am Bahnhof Südkreuz steht seit einiger Zeit ein Sperrholz-Wartehäuschen, das so aussieht als hätte es ein Schausteller auf Durchreise vergessen. Im Stil irgendwo zwischen Weihnachtsmarkt und Landesgartenschau; in seiner provisorischen Holzigkeit am Beton-Glas-Monster Bahnhof Südkreuz maximal fehl am Platz. Heute sah ich das Schild: Pilotprojekt ressourcenschonendes Bauen in innovativer Holzleichtbauweise.

    Fände ich spannend. Es wäre aber ein maximaler Wandel der DB-Architektur.

    Horror-Zecke erobert Deutschland informiert mich das Zeitungsregal bei Edeka. Das war es dann mit der Ampel. Sicher möchte Horror-Zecke nach erfolgreicher Eroberung auch Kanzler werden.

    Immerhin: ZDF-Sommerinterview mit Horror-Zecke klingt spannender als dieselbe Veranstaltung mit Olaf Scholz.

    Am Mittwoch absolvierte ich online das erste Tutorium Lineare Algebra. Es bestätigte meine Vermutung: der Stoff ist krass viel. In Anderthalb Stunden kam der Dozent vielleicht durch ein Viertel von Kapitel 1, das eigentlich komplett abgehandelt werden sollte. Leider war das auch das Viertel, das ich im Prinzip verstanden habe. Die anderen drei Viertel aus Kapitel 1 werfen bei mir mehr Fragen auf.

    Ich lernte dort: „Assoziativtität zu beweisen ist entweder sehr einfach oder sehr lästig.“

    Tragik des Informationsmanagements-Moduls: Ich las mittlerweile mehr und studierte ihre Moodle-Seiten. Sie geben sich richtig viel Mühe, das Modul interessant zu machen und die Student*innen zu involvieren. Leider bin ich richtig motiviert, all mein persönliches Involvement auf andere Module zu werfen und für Informationsmanagement nur gerade eben soviel zu tun wie zwingend nötig zum Bestehen ist.

    Mit Streifen ohne Daten

    Es gibt so Zeiten im Leben. Der Subaru wartet weiterhin auf seine Benzinpumpe, und dann verabschiedet sich auch noch Madames iPhone. Am Bahnhof der Hafenstadt stürzte es sich in den Abgrund.

    Nun funktioniert es im Prinzip noch. Aber das nutzt wenig wenn der Bildschirm nur noch bunte Streifen zeigt. Eine Reparatur würde den Zeitwert des historischen Geräts um ein mehrfaches überkosten. Also besorgen wir ein neues historisches Gerät.

    Nun aber die Frage: wie bekommen wir Daten und Einstellungen von Einem zum Anderen? Für sachdienliche Hinweise sind wir dankbar. Rudimentärbedienung des Handies ist noch möglich – ein „Ok“-Button ließe sich vermutlich identifizieren und clicken. MacBook ist hier nicht vorhanden, ließe sich im Notfall aber ausleihen.

    Mit dem Zug nach Südkreuz

    Kaum hatten wir dem Kaptain abschiedsgewinkt, standen auch schon Euphegenia und Dr D an Gleis 8 im Südkreuz. Die Deutsche Bahn hatte die Strecke Basel->Berlin wider allen Erwartungen tadellos gemeistert. Umstieg in den Rennpolo – dank zweier artistischer Hinterbanksitzerinnen gelangten wir zu viert im Polo auf die Latifundien.

    Für eine angemessene Gartenwürdigung war es zu nass und zu dunkel. Aber wir haben ja noch den Bungalow, wo Madame schon Flammkuchen mit Feigen, Ziegenkäse und Speck vorbereitet hatte. Die beiden packten aus, wir packten ein und ließen uns nach Kremmen an den Bahnhof bringen.

    Aus den märkischen Hamptons empfangen wir Berichte von Blumenzwiebelpaketen, Schornsteinfegern und Bäckern. Wir fuhren mit dem Prignitz-Express über Spandau und Charlottenburg zurück zum tösenden Dachboden.

    Mit dem Zug nach Laibach

    Es geht nicht nur um Musik in diesem Blog: Schreiben und Zeichnen mit Tinte aus Schopftintlingen

    Einst fuhr ich meine allererste Interrail-Eisenbahnstrecke von Villach nach Ljubljana. Damals galt Interrail noch nicht im Wohnland (Deutschland). Die Deutsche Grenze galt es ohne Interrail zu überwinden, so dass mich ein Mitfahrzentralaudi nach Villach fuhr.

    Am Villacher Bahnhof musste ich mich einmal am Schalter zusammenstauchen lassen, weil ich Ljubljana gesagt hatte anstelle von Laibach. Dann aber fuhr ich, kompett übermüdet und vor allem schlafend in die weite Welt.

    Bahnreisen Richtung Ljubljana sprechen mich besonders an. Zumal wenn sie so schön beschrieben sind, wie beim Kieselblog (auch lesenswert, die andere Reiseeinträge rechts und links davon): 2024-09-30 Montag: Slowenien 5, Von Koper nach Ljubljana

    Dazu passend: Kürzlich fand ich mich in einer lustigen Diskussion wieder, in deren Verlauf ich gewagt hatte, die Meinung in den Raum zu werfen, dass man innerhalb Europas eigentlich nicht zu fliegen braucht.

    Kürzer im Ort, weiter im Herzen: Teen Herzbruch macht Sozialpraktikum in der Demenz-Tagespflege.

  • 24-09-28 Sanddorn später pflücken

    24-09-28 Sanddorn später pflücken

    Weihnachten klopft an die Tür. Die BBB verschickten eine Einladung zum (alkoholfreien) Weihnachtsumtrunk. Damit sind sie die ersten. Noch vor meinem Geburtstag!

    Andererseits finde ich, ich habe jetzt genug gekaufte Weihnachtskekse für dieses Jahr gegessen. Nun ist gut.

    DPD versteckte ein Paket auf dem Hausflur so geschickt zwischen dem Gerümpel des Nachbarn, dass ich zwei Tage benötigte, um es zu bemerken.

    Mir träumte, mir wurden mein Fahrrad, eine weiße Schallplatte und Keksteig geklaut. Ein freundlicher Mann machte mich auf die Diebe aufmerksam. Aber bis ich den Mann bemerkt hatte, waren sie schon weg. Später trafen wir uns wieder. Die Diebe waren junge Menschen in Barockkostümen, aber hatten ihr Diebesgut schon weitergegeben.

    Ich ging zur Polizei. Dort hörten wir aus der Ferne die geklaute Schallplatte, aber die Polizei wollte nichts bemerkt haben. Ich ging dem Sound nach, traf eine ältere Frau, die aus dem geklauten Keksteig Kekse für Waisenkinder gebacken hatte. Niemsand träumte mehr vom Fahrrad. Ich auch nicht, denn ich wachte auf.

    Die VG Wort gab ihre Zahlen bekannt. Weniger als in den letzten Jahren, mehr als erwartet.

    Kreativer Umgang mit der Geschäftsordnung gehört zum kleinen 1×1 des Politikers. Ich staune, wie sehr sich Berufspolitiker mit Geschäftsordnungsunfug vorführen lassen.

    Gelesen: Im Tagesspiegel ein Interview mit einem Jugendforscher zu den vielen jungen AfD-Wähler*innen. Mir gemerkt habe ich: Er findet sie nicht so bedrohlich, denn bei der Altersgruppe sind auch politische Einstellungen noch im Fluss, können sich in kurzer Zeit deutlich ändern. Viel bedrohlicher findet er die Gruppe 40+, die über ein gefestigtes Weltbild verfügt und damit AfD wählt.

    Gemerkt auch: Viele Jugendliche halten sich auf einer Skale von Ganz-weit-links bis ganz-weit-rechts selber für „etwas Rechts der Mitte“. Sie halten aber auch die AfD für etwas Rechts der Mitte.

    Ich fühle mich darin bestätigt, dass der öffentliche Diskurs hundsmiserabel daran ist, rechts und rechtsextrem zu differenzieren; wie oft er schon scheitert, den Unterschied zwischen „findet Unisex-Toiletten doof“ und „möchte Lager errichten“ wirklich deutlich zu machen.

    Madame und ich stellten fest, es gibt einen bestimmten Stil des bundesrepublianischen Tagungshauses mit Party-Keller-Bar, Kegelbahn, Getränkeautomat (gern mit Bier), viel Holz, vielen Parkplätzen und miserabler ÖPNV-Anbindung – wo die 1980er bis heute fortleben.

    In der Straßenbahn nach Köln traf Madame einen Lokführer. Ehemals Neuköllner, seit fünfzehn Jahren Neu-Kölner, schwärmte er vom Rheinland.

    Und er schwärmte von der Deutschen Bahn und ihren geordneten Prozessen. Leider ist er im „start-uppy“ Chaosladen Flixtrain und kann nicht zur Deutschen Bahn. Die ist in NRW gut besetzt, sucht nur Lokführer im Osten. Und zurück nach Berlin? Auf keinen Fall!

    Später reise Madame zur Zugvereinigung in Hamm.

    Sie war in Hamm. Ich war bei Hammett. Die Saison der Buchbestellungen begann wieder. Sie erlaubte mir einen kleinen Radausflug nach Kreuzberg zur Lieblingsbuchhandlung.

    Dabei festgestellt. vom Südkreuz vom Platz der Luftbrücke sind es nur 2,2 Kilometer. Auch festgestellt: die Marathon-Auftaktveranstaltung ist im Tempelhofer Flughafengelände. Der PladeLü und angrenzende Gegenden sind echt voll, wenn tausende Marathonis gleichzeitig aus dem Messegelände in ihre Hotels strömen.

    Bei Hammett war es normalvoll. Ich widerstand wieder erfolgreich dem Impuls zu Otherland zu gehen und einfach den kompletten Laden leerzukaufen.

    Doch, Bildungsurlaub!

    Glaubt nicht, was im Internet steht. So las ich vor längerem sehr überzeugend, dass sich Fernuni nicht als Bildungsurlaub qualifiziert. Welch Illtum! Jetzt habe ich schriftlich, dass Seminare, Prüfungen und Klausuren in Berlin als Bildungsurlaub zählen + damit wurden mir fünf Urlaubstage im Jahr geschenkt. Hooray!

    Lebensgeister und Konzentratiosfähigkeit kehren wieder. Sie werden aber auch auf eine harte Probe gestellt. Die Lineare Algebra ist zu den Polynomen gelangt „dem schwersten Teil des ersten Kapitels, aber auch einem sehr grundlegenden“ und ich staune und wundere mich. Immerhin staune ich nicht mehr ganz so viel wie beim Polynomteil der Mathematischen Grundlagen.

    Ich lese Seminarlektüre von 1973 – eine echte Hausarbeit, die ich schreiben werde. Wie aufregend.

    Spontanidee. Falls ich den Master mache und die Masterarbeit in Wirtschaftsinformatik-im-engeren-Sinne ablegen: Wäre der Pywikibot ein Thema?

    Stare zu Kranichen

    Der Edeka in Vehlefanz verkauft Renterkalender – das Original.

    Leider verkauft er keine Waffeleisen.

    Auf dem Feierabendweg ein Einspänner.

    Wir fuhren in die Pilze. Also eigentlich fuhren wir über die Landstraße und Madame entdeckte einen Parasol. Anhalten, aussteigen, ernten, braten.

    Der Sanddorn erwies sich als zu-früh-gepflückt. Jetzt wäre die perfekte Zeit wie die übrigen Beeren beweisen.

    Die Sonnenblumen sind unruly, reißen sich immer wieder los. Leider kippen sie manchmal auch um.

    Mal eine Woche Regen und der Garten ist wieder grün wie im Frühjahr. Dazu die schon blühenden Astern und noch blühender Hibiscus und Rosen.

    Noch flattern letzte Schmetterlinge und springen letzte Grashöpfer. Die Stare haben sich bereits gesammelt, kommen ab und an den Latifundien vorbei.

    Die Kraniche sind schon da. Erste Voraustrupps in Kleingruppen fliegen über den Bungalow. Bis Mitte Oktober werden es deutlich mehr werden.

    Die Gänse fehlen.

    Chemnitz / vegetarisch

    In Chemnitz ist Festival of Lights, bzw. Light our Vision. Finde ich aufgrund des demonstrativen Stromverbrauchs eigentlich gar nicht so doll, aber Chemnitz ist eine Herzensstadt. Jonas Fotos sind toll.

    In Cannes hat es geregnet:

    Andere trugen wieder Möbel und Matratzen hinaus und hängten durchnässte Wäsche zum Trocknen an den Zaun und in die Sonne. Was soll ich sagen? Die Jahrhunderthochwasser kommen jetzt alle zehn Jahre oder schon nach neun Jahren oder vielleicht noch öfter. Wenigstens ist diesmal niemand umgekommen.

    In Potsdam-Krampnitz schien die Sonne. Ilka trug eine Warnweste: Da kommst du sonst nicht hin.

    Christa Chorherr über vegetarisches Essen:

    Es gibt immer mehr vegetarisch bzw. vegan kochender Restaurants, in unterschiedlichsten Preisklassen.  Wenn ich mir dort die Speisenkarten ansehe, finde ich wenig von dem, was früher bei uns als Hausmannkost bezeichnet wurde, und was ich wirklich gerne gegessen habe. Aber es war weitgehend vegetarisch! Meine Mutter hat gekocht, und Fleisch gab es meist nur am Sonntag.

    Schon allein lesenswert, weil es so schöne Ausdrücke enthält wie „Dann gab es die guten Eiernockerln und zuweilen (wenn Rest’ln vorhanden waren) die Schinkenfleckerln (genannt Fleischversteckerln) oder den Grenadiermarsch.“

    Gut in die Kategorie vegetarischer Hausmannkost passt da das Magentratzerln: Captain’s Dinner mit zweierlei Erbsen und gelbem Blumenkohl | kapucijnerschotel