Schlagwort: Berlinwahl

  • 26-03-12 Whisky. Danach auf den Boden legen und Musik hören.

    26-03-12 Whisky. Danach auf den Boden legen und Musik hören.

    Bienen und Schwebfliegen schwirren in der Kornellkirsche. Auch wenn wir theoretisch auf einen Parkplatz schauen wirkt es optisch wie ein Garten. Es ist ein sehr sympathischer Parkplatz.

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    Mir träumte von wilden Abenteuern in einer Ferienwohnung. Diese Wohnung ähnelte stark unserer neuen Wohnung. Was passt: Auch fünf Monate nach Einzug fühlt es sich hier immer noch im positiven Sinn nach Ferienwohnung an. Alles so leicht und hell (und halt auch kleiner) und mit Blick ins Grüne.

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    Die defekten Rolltreppen am Hauptbahnhof/Südkreuz werden langsam ein Berliner Wahlkampfthema.

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    Die Fernuni schickte mir eine erste Einladung zur Absolventen-Ehrung am Campus Berlin.

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    Originellerweise schickt mir die Fernuni auch lauter Einladungen für Studien-Anfangs-Veranstaltungen. Das Sommersemster 2026 wird halt mein erstes offizielles Mastersemester sein.

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    Gastronomische Hyperkorrektur am Café neben dem Büro: „Kalbsschnitzel Wiener Art.“

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    WordPress möchte im Halbtagestakt Updates auf neue Versionen installiert haben. Das ist bei Software ein schlechtes Zeichen. Die Logs sprechen dann auch wenig überraschend von Sicherheitsupdates.

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    Es waren drei Arbeitstage.

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    Was alles in wenigen Stunden eines gewöhnlichen Werktages passieren kann. Einiges wird Nachwirkungen über Monate haben, anderes ging schnell vorbei.

    Karpfenchinkali

    Besonders nett an diesem Werktag war das Kleintreffen der Karpfengruppe. Wie der gesamte Mittwochnachmittag stand auch dieses erstmal unter einem schlechten Stern: Nicht nur sagte die Hälfte der Anwesenden wegen Unwohlsein ab, selbst die als Ort avisierte Resonanz schloß sich an: Heute wegen Krankheit geschlossen.

    Dann aber wurde es schnell besser. Der Georgier direkt gegenüber der Resonanz (Il Ostan) hatte nicht nur geöffnet, sondern auch Plätze in der Abendrestsonne, georgisches Bier und allerlei Teigtaschen mit Kartoffeln, Pilzen, Hack, Käse und Schmand. Ich glaube jemand schwebte vor Freude über Nudeln mit Kartoffeln.

    Ach, diese Chinkali, diese wunderbaren Chinkali.

    Wir redeten darüber dass Informationswissenschaft- und Kommunikationswissenschaft ja nahezu dasselbe sind und Informatik und professionelle Kommunikation damit quasi auch.

    Es ging um Athen und Berlin-Websiten, um den Youtube-Kanal unserer Arbeitgeberin und Gründe, um aus Leipzig wegzuziehen. Außerdem um Geschwindigkeit, so ganz allgemein.

    Ein Teller mit Khinkali und ein Gefäss mit überbackenen Teigtaschen auf einem Tisch,

    Ihr seid Spaghetti!

    Bevor es hätte ausufernd werden können, musste ich aufbrechen. Denn um weiter aus seinem nachmittäglichen Formtief herauszukommen, hatte der Mittwoch einen Film auf das Programm gesetzt.1 Die Spielplandaten von „Ach diese Lücke, diese entsetzliche Lücke“ schwinden. Bevor sich der Film ganz aus dem Kinoprogramm verschwindet, wollten Madame und ich ihn sehen. Es lief Abends im Kant Kino Saal 4.

    Ich testete neue Westberlin-Strecken. Mit der M46 zum Ku’damm, dann ein paar Meter zu Fuß und mit dem X34 die Kant-Straße hinunter, um Madame zu treffen. Eine Stadt, die ich schon ewig kenne, aber auf neuen Wegen mit neuen Perpesktiven – erwähnte ich schon ein gewissess Ferienwohnungs-Feeling in den letzten Wochen?

    Schauspielschulenfilme

    Ach diese Lücke.. ist einfach ein schöner Film. Und wie es sich gehört bei einem Film über eine Schauspielschule, insbesonders ein sehr schön gespielter Film.

    Der Film orientiert sich am gleichnamigen autobiographischen Roman von Joachim Meyerhoff. Er schildert die Zeit wie Meyerhoff von 1989 bis 19922 an der Otto-Falckenberg-Schauspielschule in München studierte, während er gleichzeitig bei seinen Großeltern: einer ehemaligen Filmdiva (Inge Birkmann) und einem emeritierten Philosophieprofessor (Hermann Krings) wohnte.

    Es ist einerseits ein Film über einen jungen Mann, der immer mehr zu sich selbst und ins Leben findet und andererseits über ein altes Paar, das immer weniger wird und am Ende komplett aus dem Leben schwindet; ein Film mit zwei Bewegungsrichtungen zum Leben und im Leben stehend: Lustig, traurig, anrührend, beängstigend, fröhlich.

    Ins Leben hinein

    Diese Doppelbewegung. Da ist der junge Joachim, halb aus Trotz zur Schauspieler kommend, halb aus Überzeugung. Der Joachim, der irgendwie schon dazu gehören möchte, aber sich allem verweigert was irgendwie peinlich, herausfordernd oder seltsam ist.

    Und eine Schauspielschule bietet sehr viele Gelegenheiten für peinliche Herausforderungen. („Jetzt seid ihr Spaghetti! Und ihr fallt in kochendes Wasser!“) Immer in diesem seltsamen Zwischenspiel, dass er eigentlich dazu gehören will – aber nicht so!

    Sehr schön besetzt mit Bruno Alexander, der als einziger Schauspieler einer wichtigen Rolle im Film nie an einer Schauspielschule war – und vielleicht deshalb das Befremden über das Leben dort und auch eine Art des Spiels besonders gut herüberbringen konnte.

    Aus dem Leben heraus

    Hach, und das Paar, die Großeltern (gespielt von Senta Berger und Michael Wittenborn). So aufeinander eingespielt und nach Außen schrullig wirkend wie vermutlich viele ältere Paare. Wir fühlten uns sehr erkannt. Auch wenn wir kein Duo-Gurgeln betreiben oder Punkt fünf zur Schlag zahlreicher Uhren den Whisky öffnen – wahrscheinlich bietet jedes Paar genug Beobachtungen für solche Momente.

    Sie sind hinreißend, wenn sie gemeinsam aber getrennt Gymnastik machen. Oder wenn er, Ordinarius für Philosophie, immer wieder gerne zustimmend wiederholt, was sie gerade gesagt hat. Oder wenn sie, zu Meyerhoffs befremden, erklären, dass sie Musik am besten nebeneinander auf dem Teppichboden liegend hören können und das sofort in die Tat umsetzen. Damit dann der eine oder die andere oder beide nach diversen Champagner und Whisky am Abend vom Treppenlift ins Schlafzimmer gehievt werden.

    Es ist anrührend, wenn man sieht wie die Routinen und Abläufe immer ein wenig weiterschrumpfen, weil es nicht mehr geht. Während gleichzeitig der junge Meyerhoff immer weiter ausgreift, größere Kreise zieht, in die Wellt tritt.

    Wirklich ein schöner berührender Film. Nicht ganz so großartig in Kamera, Ausstattung und Sound wie Hamnet – aber ähnlich großartig gespielt.

    Hit is muchel to seggen all þat pinunge hie on me uuroȝten

    Ein sehr schönes Experiment. Ein durchgehender Reisebericht, der in jedem Absatz sprachlich ein Jahrhundert zurückrutscht. Bei mir kostet es ab 1500 Mühe, ab 1200 bin ich raus.: How far back in time can you understand English? (via The Curious About Everything Newsletter #60)

    Auch über die englische Sprache schreibt Herr Rau. Konkreter vor allem über /æ/, /e/ und /ɪ/: Aussprache-Spiele und -Videos

    Um im Thema der letzten Einträge zu bleiben, legt der Guardian nach: The unbelievable life of Leo Sayer! The songs, the sex, being swindled – and a spooky phone call from Elvis

    Anmerkungen

    1. Yorck Unlimited No. 15 dieses Jahr – 15,86€ pro Besuch. ↩︎
    2. Punktgenau dasselbe Jahr in dem der andere große Schauspielschulenfilm Kleine Haie gedreht wurde. Die beide grundverschiedene Filme sind aber dasselbe Setting haben. Anlass für ein Double Feature. ↩︎
  • 23-03-02 Autostraßen

    23-03-02 Autostraßen

    Madame ent-wickelte sich.

    Des Kaptains Versicherung bezahlt für den Unfallschaden, den ihr ein unbekannter Gegner auf dem Supermarkt-Parkplatz hinzugefügt hat. Das ist eine beruhigende Nachricht. In des Kaptains Nachbarschaft rufen Menschen die Polizei, weil bei anderen Menschen, beziehungsweise ihren Autos, der TÜV abgelaufen ist.

    Uns begegneten gleich drei Polizeiwagen. Als wir harmlos vom Kurzbaden im Stadtbad Schöneberg nach Hause schlenderten, ereignete sich vor unseren Augen ein Auffahrunfall. Zwei Autos, beide deutlich zu schnell unterwegs, fuhren Slalom. Einer setzte sich vor den anderen. Der andere fuhr mit Karacho hintendrauf. Fast hätten sich die Beteiligten danach geprügelt. Fast möchte man froh sein, dass sie sich nur gegenseitig die Autos demolierten.

    Sahnehäubchen: Eines der beiden Autos entsprach dem Klischee, war offensichtlich getunt und mit extra großem Auspuff versehen. Das andere allerdings war ein Fahrschulwagen. Der hochemotional aus dem Auto springende Mensch ein Fahrlehrer. Die arg eingeschüchtere Fahrschülerin saß noch auf dem Fahrersitz.

    Schwarz-Weiß Bild von 1959. Mehrere Autos stehen nach einem Unfall auf einer Landstraße.
    Bild: Five-car road accident in Caernarfon von: Geoff Charles (1909-2002), Geoff Charles‘ photographs also form part of the Europeana Libraries Project Lizenz: Creative Commons CC0 1.0 Universal Public Domain Dedication

    Auch wenn ich schon bei diversen Unfällen anbei war, war dies der erste den ich wirklich sah. Beide Autos ließen vorher den Motor aufheulen und fuhren so auffallend, dass ich sie schon vorher betrachtete. Wir machten brav unsere Aussage, hinterließen die Personalien und wandelten der Wege.

    Am alten Arbeitsplatz vermisse ich überhaupt nicht das häufige Aufstehen zwischen 3:30h und 4:30h. Aber ich vermisse sehr die halbe Stunde auf dem Rad durch das nächtlich-frühmorgendliche Berlin, mit Sonnenaufgang und ohne Menschen. Dringend muss ich mir eine regelmäßige Radstrecke suchen, die länger als der derzeitige Mini-Arbeitsweg ist. Aber es sollte halt auch eine Strecke sein, in der ich nicht in Feierabendverkehr und irre Autofahrer gerate und trotzdem etwas von der Stadt sehe.

    Dienstagabend konnte ich zumindest nach Kreuzberg radeln zur Buchhandlung des Vertrauens. Alleine die paar Meter durch das Tempelhofer Fliegerviertel, hinaus zum Platz der Luftbrücke, dann wieder hinab bis zum Kreuzberger Bergmannkiez: Es war einfach schön.

    Ich holte Klausurlektüre ab (Kracher wie: Aktiengesetz 49. Auflage mit Corona-Sonderrecht und Wichtige Steuerrichtlinien 39. Auflage, aber auch ein wenig was schönes wie Gioacchino Criaco: Die Söhne der Winde. Des Hammett-Buchhändlers Augen leuchteten als er mir das Buch übergab – und das ist immer ein gutes Zeichen.

    Wenn ich das Fenster aufmache, höre ich ein Rauschen. Das sind die fallenden Umfragewerte der Berliner SPD. Die Partei, die bei der Wahl mehr abgestraft wurde als alle anderen; die Partei, die seit 32 Jahren in der Regierung sitzt, sagt jetzt „Wir haben verstanden, die Leute wollen Änderung. Deshalb bleiben wir – ohne einen Tick an Personal oder Programm zu ändern – an der Regierung“. Und damit die Leute überhaupt nicht verstehen, warum sie uns je wieder wählen sollten, nehmen wir dieselbe Muff-Koalition, die schon in den 1990ern das ganze Elend anrichtete, unter dem die Verwaltung bis heute leidet.

    Madame empfiehlt das Blog National Trust Scones.

    In der Wikipedia findet zum dritten Mal der Ukraine’s Cultural Diplomacy Month 2023 statt. Er dient dazu, ukrainische Kultur in den weltweiten Wikipedien besser darzustellen. Der zweite Cultural Diplomacy Month fiel direkt in den Kriegsausbruch.

    Passionierte Blogleser interessiert sicher auch „Diaries of Note“ – jeden Tag ein anderer Tagebucheintrag. Mal von Kafka, mal von komplett Unbekannten.

    Montag streikt der öffentliche Dienst in Berlin. Mein erster Streik! Ich bin so aufgeregt.

    Die Wikipedia:Auskunft ist eine Unterseite der Wikipedia, auf der allgemeine Wissensfragen gestellt werden können. Ich bin dahingeschmolzen bei dieser Frage:

    Guten Morgen,

    (Sie werden meine Sprachfehler entschuldigen, ich benutze einen Übersetzer).

    Als Kind habe ich die Geschichten der „Menschen aus Fulda“ gelesen. Nach dieser Erzählung, zunächst intelligent und gebildet, waren sie überfordert und beschlossen, sich als dumm auszugeben. Nur dass sie durch Glauben wirklich geworden sind. Daher eine ganze Reihe lustiger Missgeschicke. Meine Fragen : Ist es ein klassisches Märchen aus der deutschen Folklore oder eine Erfindung eines neueren Autors? Wo würde ich ein deutsches Buch finden, das darüber spricht? Und warum wird es nicht im „Kultur“-Teil des Artikels Fulda erwähnt?

    Danke

  • 23-02-14 Unsortiertes Treibenlassen

    23-02-14 Unsortiertes Treibenlassen

    Vor Abgabe

    What a ride. Die „Eingführung in die objektorientiere Programmierung“-Prüfung ist vorbei + das war mal ein Erlebnis. Sonntag stand noch komplett im Zeichen des Lernens, Rekapitulierens und des „Wo kommt denn dieses Unterkapitel auf einmal her? War das schon immer Teil des Stoffs?“

    Montag Vormittag folgte die Vorbereitung des Spickzettels: wir durften ein A4-Blatt mit in die Klausur nehmen, gefüllt mit Inhalten und Formaten unserer Wahl – und das wollte am Montag strategisch geschickt erstellt werden. Im Gegensatz zu den meisten meiner Mitschreibenden entschied ich mich für leserliche Schrift (10 Punkt), Überschriften, und nur einige kurze Anrisse. Die meisten hatten anscheinend versucht, das halbe Skript in 3-Punkt-Schrift auf einen Zettel zu bekommen.

    Wir waren 12 Leute in dieser Pflichtklausur 2/3. Semester. (Zum Vergleich: Zur Pflichtklausur erstes Semester waren noch etwa 60 Menschen erschienen – sagt etwas über die Durchhalteraten dieses Studiengangs). Und ich habe selten in meinem Leben in einer „Wissensklausur“ mit vielen Fragen wirklich die komplette Zeit durchgeschrieben und litt am Ende in Zeitnot. Ich bin eigentlich immer früher fertig: entweder weil ich es weiß, oder weil ich zumindest sicher weiß, dass es ich nicht weiß. Heute war es zwei Stunden durchpowern. High Intensity Klausuring.

    (Immerhin fiel mir noch auf, dass die Klausuraufsicht mich in ihrer Art an einen jungen Sheldon Cooper erinnerte)

    Ergebnis: Ich beantwortete 90% der Fragen, bin mir sicher, dass meine Antworten alle tendenziell in die richtige Richtung gingen – aber ob sie weit genug in diese Richtung gingen zum Bestehen – ich weiß es nicht. Chapeau übrigens an den Lehrenden: er verzichtete komplett auf Multiple Choice und stellte Fragen, die entweder in Text oder in Stift-auf-Papier-geschriebenem Javacode beantwortet werden mussten. Es ist sicher kein Spaß, dies zu korrigieren.

    Aufsteller mit "Fernuni Hagen Prüfungen M+I"

    Nach Abgabe

    Und nachdem ich hoffte, dass der Bubblesort ein paar nötige Punkte eingebracht hatte, war mein Hirn leer. der Adrelinspiegel sank gewaltig und ich war nur ein großes unsortiertes Puuuh! Madame lud mich zur Feier des Tages zum Mittagessen auf ein Butter Chicken bei Sagar ein. Und ich beschloss, mir eine BVG-Tageskarte zu kaufen und mich treiben zu lassen.

    S-Bahn Ringbahn gen Westen, Norden und Nordosten: Auf zur Schwimmhalle Ernst-Thälmann-Park. Diese wurde nach längerer Zeit renoviert wieder eröffnet. Nachdem sie vorher eher ein warmes, einladendes Farb- und Lichtkonzept hatte, folgten nun blaue-kühle Farben. Respekt: die erste Berlin-83-Typenbau-Schwimmhalle in der die Umkleidekabinen nicht in-die-Ecke-gezwängt-wirken. Treiben lassen im wahrsten Sinne des Wortes.

    Tram M4 gen Süden: Bis zum Alexanderplatz. Neue Baustellen besichtigen und bei Saturn kurz einen Blick auf externe Festplatten werfen.

    U-Bahn U5 gen Westen: die neu eröffnete U-Bahn unter Unter den Linden. Musste ich auch mal sehen. Ausstieg bei Dussmann – das Kulturkaufhaus. Die CD-Abteilung ist wirklich arg geschrumpft, die Gruscht-Deko-Anteile im Sortiment sind gestiegen. Aber noch gibt es vier Etagen Musik und Bücher und noch ist das ein gefährliches Pflaster für mich.

    Ein versuchter Kurzeinkauf im Edeka am Bahnhof Friedrichstraße. Die Frau im weißen Mantel auf der Suche nach Schokopops und ich auf der Suche nach Milch liefen uns so oft über den Weg – wir waren kurz davor eine gemeinsame Band zu gründen. Zwanzig Minuten später suchte ich nach der Geheimhaltestelle für den Schienenersatzverkehr.

    Bus SEV gen Süden. Warum fahren Menschen mit dem PKW nach Berlin-Mitte-Mitte-Mitte? Eine halbe Stunde im Stau stehen für 100 Meter von der Friedrichstraße bis zur Russischen Botschaft? Das ist doch in hohem Maße Widersinnig? Naja, ich stand mit im Bus – mir war’s recht, ich war ja im Modus des mich sinnlosen Treibenlassens. Da passte das gut. Ich konnte sehr ausführlich der Komischen Oper winken an der wir vorbeistanden. Der SEV bescherte mir noch eine lange Stadtrundfahrt und schließlich schleppte ich Milch und neue Bücher nach Hause.

    Bücher

    Ich habe ja heute den ganzen Abend Zeit an dem ich nicht lernen, werde, und ich fand ich durfte mir etwas gönnen, und Dussmann ist so toll:

    Kazuo Ishiguro – Klara and the Sun. Ich liebe und bewundere The Remains of the Day – finde ihn handwerklich einen der besten Roman, den ich je las – und wollte Clara and the Sun schon länger besorgen. Da lag er nun.

    Kurt Vonnegut – Slaughterhouse Five. Ich habe immer noch den Eindruck, dass der Roman in den USA nahezu Canon ist, in Deutschland aber fast unbekannt. Steht auch schon langer auf der inneren Liste der Bildungslücken. Und wo er schon auf dem Stapel „Set in Germany“ lag.

    Jasper Fforde – The Constant Rabbit. Ich bin Jasper-Fforde-Fanboy. Bester Fantasy-Autor.

    Olga Tokarczuk – Die Jakobsbücher. Ich erwarte 1000 Seiten persönliche Welterweiterung und Erschütterung.

    Berlin wählte

    Fast hätten mich meine Grünen Stimmen gereut. 110 Stimmen mehr für die Partei, Franziska Giffey hätte auf jeden Fall ihr Bügermeisterinnenamt abgeben müssen und schneller als man hätte hupen können, wäre es zur großen Autobahnkoalition gekommen.

    Schön in Berlin

    Dreimal Freude über den Wohnort: Während meine Mitprüfenden wilde Geschichten über die Anreise zum Prüfungsort erzählten, bin ich halt heute morgen aufs Rad gestiegen, und tiefenentspannt mit viel Frischluft auf dem Weg bei der Klausur angekommen.

    „Sinnlos treiben lassen“ umfasst ein neu renoviertes Schwimmbad und lauter Orte bekannt aus Funk und Fernsehen und Literatur. Das ist schon nett.

    Meine Nachbar*innen haben gut gewählt. Im Stimmbezirk: Grün 34,2% (leicht mehr); SPD 19,3% (leicht mehr); CDU 16,2% (mehr), Linke 13,1% (weniger), FDP 4,5% (weniger), AfD 3% (gleich).

    (Übersichtskarte mit Ergebnissen nach Stimmbezirken)

    Bitte schauen

    Justine Miles gebärdendolmetsch Text unnd Musik(!) von Rihannas Super Bowl Halbzeit-Show.

  • 23-01-31 Blauer Umschlag in roten Umschlag

    23-01-31 Blauer Umschlag in roten Umschlag

    Ich wählte. Passend zur neuen Zopfmusterstrickjacke und Lesebrille entschied ich mich gegen sentimentales Mitleid (SPD) und auch gegen überbordende Verspieltheit (Volt, Bergpartei, Urbane) sondern wählte erwachsen-rational. Irgendwie schade. Aber ich hoffe, mir wird in Fahrradwegen gedankt werden.

    Madame las Vulture. Wenn uns Netflix schon keine Making-of-Audiospuren anbietet, können wir wenigstens kommentierende Recaps lesen. Passend dazu bekamen wir in den letzten Tage gleich drei Exemplare des eigentlich zweiwöchentlich erscheinenden New York Magazines. Auch mit der schönen jährlichen Jahresendausgabe „Reasons to love New York.“

    Reasons to love Posen, Polen gibt es einige. Da wäre zum Beispiel der Stary Rynek, der alte Marktplatz. Der wird gerade – wie ein Großteil der restlichen Innenstadt – von der Mutter aller Baustellen heimgesucht; und er ist immer noch schön.

    Posen entstand als Doppelstadt: die Kirchenstadt auf der Dominsel mit Dom, Kirchen und geistlichen Gebäuden. Und die Bürgerstadt entstand an einem Ufer der Warthe um den Alten Marktplatz herum.

    Entstanden 1253, an jeder Seite 141 Meter lang und erstaunlicherweise fast vollkommen ein Produkt des Nachkriegs-Wiederaufbaus. Die Häuser wurden ihren Renaissance- und Barockvorbildern nachempfunden, sind mittlerweile auch wieder einige Jahrzehnte alt. Und sie haben Ausmaß, Gliederung und originalähnliche Farbgestaltung. Es reicht alles sofort, um damit ein Bilderbuch über Europäische Städte zu illustrieren. Dominierendes Bauwerk ist – wenn nicht gerade Baustelle ist – das zentral gelegene Rathaus von Giovanni Battista di Quadro aus Lugano. Nur die beiden Zentralbauten erinnern an ihre Bauzeit in den 1950ern. Kann man als störend empfinden oder als reizvollen Kontrast sehen.

    Unsere wichtigste Anlaufstelle war die Touristinfo gegenüber dem Rathaus. Um den Marktplatz herum sind fast ausschließlich Restaurants und Clubs. Selbst im Januar inmitten der Mutter aller Baustellen waren viele junge Einheimische am Feiern als wir dort waren.

    (Für ein paar Nicht-Baustellen-Fotos) Und selbst die Autoren von Hidden Europe, Fans und Kenner aller Polnischen Marktplätze halten es für möglich, dass derjenige in Posen ihrer Liebster ist – nicht ganz bilderbuchperfekt, aber voller Leben. (Letter from Europe: Polish Town Squares und mit der Befürchtung, dass auch er dem Tourismus anfallen wird: Poznan Blues).

    Obwohl so ein Wochenende im Ganz-Woanders einen ja gerne aus dem Alltag herausreißt, und man etwas Mühe hat, wieder anzukommen, ging das bisher erstaunlich gut. Ich freue mich ja immer besonders, wenn ich noch unbekannte Badleitungen kennenlerne. Zusatzfreude, weil wir gerade einige länger andauernde Problemnervereien wegzubekommen scheinen.

    In Friedenau eröffnete eine israelische Bäckerei, schreibt der Tagesspiegel. Das Dschungelcamp hätte gar nicht erst stattfinden müssen – es war ja von Beginn an absehbar, wer gewinnen würde.

  • 23-01-25 Der Liebe wegen

    23-01-25 Der Liebe wegen

    Madame verwarf den Plan, eine Stunde in Erfurt zu verbringen.

    Der Berlin-Wahlkampf geht in seine Endphase. An unserer Haustür klebt ein Zettel des SPD-Kandidaten, der eine „historische Kieztour“ anbietet. Schick, schick, zeigt Verbindung zur Gegend, zeigt bürgernähe und als Sozialdemokrat in Schöneberg hat man ein gigantisches Fundus „gute“ Geschichte aus der man schöpfen kann. Nur helfen alle Glanztaten der historischen SPD nicht, wenn die gegenwärtigen Sozialdemokraten verhindern, dass Radwege gebaut werden.

    Wenig später traf ich ein Wahlwerbe-Lastenfahrrad. Es gehörte zum CDU-Kandidaten. Der auch sonst einen überraschend positiven Eindruck macht. Nur leider fuhr das Wahlwerbe-Lastenfahrrad unmittelbar an den Plakaten des CDU-Landesverbandes vorbei. Die stellen klar, dass die Berlin-CDU auf keinen Fall eine wählbare Partei darstellt.

    Ich werde wohl ADFC wählen.

    Jakdojade ist eine tolle App, die in einer nahezu atemberaubenden Unkompliziertheit polnische Nahverkehrsinformationen liefert und gleich die Fahrkarten dazu mitverkauft. Ich staunte wieder, wie schnell und optisch mir, sie mir erläuterte, wie man in Posen (Großpolen) vom architektonisch bemerkenswerten Einkaufszentrum Stary Browar zur Termy Maltanskie kommt. 6er-Tram und 184-er Bus mit einer Fahrzeit von 35 Minuten für 6 Złoty.

    Jakojade-Screenshot mit Verbindungsdetails.

    RTL möchte uns offensichtlich bestrafen, da wir für RTL+ weder Geld bezahlen noch uns anmelden, sondern einfach nur IBES schauen. Deshalb kommen die selben vier Werbespots in jeder einzelnen Werbepause seit Tagen. Ich kann die Werbung für Auris, den Bushido-Podcast, Make Love Fake Love und Are You the One? auswenig mitsprechen. Immerhin erlauben mir die letzten beiden einen faszinierenden Einblick in die Welt der Meta-Datingshows; also Datingshows, in die mensch nur eingeladen wird, wenn man vorher an anderen Datingshows erfolglos teilnahm – weil man so ein Hengst ist, dass eine Frau alleine unmöglich reichen kann.

    Das heißt: zur Karriereplanung ist es sinnvoll, an Datingshows teilzunehmen und möglichst kein Date abzusahnen, weil mensch ja nur dann zur Meta-Datingshow..

    Auf die Regeln von „Are You the One“ wäre der Erfinder des Länderpunkts Erdbeere stolz, wenn er noch leben würde.

    Jan Köppen ist in der IBES-Moderation angekommen. Ich staune, dass Anja Rützel, die Bild-Zeitung und ich alle dieselben beiden Favoriten für den Dschungelkönig-Thron haben.

  • 23-01-24 13 x 0- (14,3)

    23-01-24 13 x 0- (14,3)

    Es gibt wieder Stullen. Selten erlebte ich Menschen so glücklich wie die älteren Damen des Blutspendedienstes, die ihre Blutspender*innen mit Proviant-Brötchen vollstopfen durften.

    Dabei fiel mir auf: ich bin zwar inzwischen eine Art Stammkunde des Blutspendezentrums am Campus Benjamin Franklin der Charité; tatsächlich entwickelte sich unser fester Zweimonatsrhythmus, immer Dienstagabend, erst zu Coronazeiten. Ich kenne diese Lokalität nur mit Maske und originalverpacktem Imbiss zum Mitnehmen. 2019 fühlt sich weit weg an.

    Nicht so heute. Und es war so unglaublich herzerwärmend. Mich ließen sie nicht gehen, bevor ich nicht ein Häcksel(?)Hecker(?)-Brötchen mit Sardinentartar und Ei gegessen hatte.

    Foto von außen auf den beleuchtetenden Blutspendedienst. Im Inneren sind Stühle und wartende Menschen erkennbar.

    Was sich auch etabliert hat: immer Dienstagabend demonstriert die Querdenkerminidemo in der Schloßstraße. So kann ich mir alle paar Wochen im Vorbeifahren einen Kurzüberblick über die Szene geben. Die Anzahl der Plakatschwenkenden bleibt gleich. Aber inzwischen sind wie bei einem Drittel Corona-Plakate („Weg mit dem Impfzwang“), ein Drittel generische Verschwörung („Immer mehr Lügen durch die reGIERung“) und ein Drittel Unsere-Freunde-Russland („Grüne an die Ostfront“).

    Nicht an der Front, aber von Berlin aus gesehen im Osten liegt Polen. Und ich fand wieder die Schwimmbad-Infoseite über Polen: infobasen.pl . Die Haupttreffer für Posen in Großpolen beispielsweise sind die Termy Maltańskie und die Pływalnia Atlantis w Poznaniu. Während das städtische Bad Atlantis mehr oder weniger ein normales Bad zu sein scheint, hat die Termy am Maltasee einen Aquapark und ein Sportbad und einen Spa-Bereich und eine Sauna. Überhaupt scheint der Maltasee das Haupterholungsgebiet der Stadt zu sein – dort gibt es auch ein Skigelände.

    Madame unterhielt sich beim Lunch über Zeitreisen.

    Der Wahlamtsanruf klärte sich. Der Briefwahlwollende hat, hüstel. vergessen den Antrag zu unterschreiben. Ich finde es angenehm, dass mir das Amt wegen meiner Bröseligkeit hinterhertelefoniert und versucht, das Problem schnell und unkompliziert aus der Welt zu schaffen.

    Aber das kann warten. Jetzt mache ich, was man nach einem größeren Blutverlust unternehmen sollte: Steptanzen. Ausruhen.

  • 23-01-20 Deve dare | deve avere

    23-01-20 Deve dare | deve avere

    Das Wahlamt rief mich an. Bis ich den Anruf bemerkt hatte, war es Freitag Nachmittag gewonnen. Ich erreichte sogar noch eine Wahlamtsmitarbeiterin. Aber nicht mehr den/die Kolleg:in, die mich kontaktieren wollte. Wir fanden auch keinen Vorgang. Ich warte gespannt auf Montag und weitere Informationen.

    Die optimistischsten Vorstellungen von den Möglichkeiten Berliner Lokalpolitik hat die Partei für schulmedizinische Gesundheitsforschung (ehemals: Partei für Gesundheitsforschung), die 800 Jahre Lebenszeit für alle fordert. Oder auch gleich:

    Plakate der Partei für schulmedizinische Gesundheitsforschung mit dem Slogan "Unbegrenzt langes Leben für alle".- Im Hintergrund Berliner Straßenszene.
    Unbegrenzt langes Leben für alle

    Ungewöhnlich für eine Kleinstpartei scheint die Partei auf den ersten Blick weder Satire noch Sekte. Sie scheint von ernsthaften Menschen betrieben zu werden. Einen zweiten Blick habe ich nicht, weil selbst die drei Medien, die sich mit der Partei beschäftigten, im Wesentlichen deren Selbstdarstellung abschrieben.

    Vertreter des Slow Readings ist der deutsche Vertrieb des New York Magazines. Heute landete eine Doppel-Ausgabe in unserem Briefkasten. Eine Hälfte das normale Magazin, die andere Hälfte der Holiday (Christmas) Gift Guide. Ihr wisst also: nächste Jahr zu Weihnachten gibt es es Hippste aus dem New York des letzten Jahres.

    Sollte heute nicht Poststreik sein? Da Briefe bei uns aber seit Monaten ungefähr zweimal die Woche kommen, wird es keinen großen Unterschied machen.

    Immerhin werde ich die Post bald wieder lesen können. Denn endlich vervollständigte ich mein Schlafmützen-Zopfmusterstrickjacken-Outfit und kaufte eine Lesebrille. Danach wusste ich sogar, welche Spülmaschinentabs ich gerade kaufe. Ohne Lesebrillen sahen wir im Streaming Was vom Tage übrig blieb. Alleine für diesen Film lohnte das winterliche Netflix-Abo.

    Madame beschloss: Fünf ist Trünpf.

    Morgen ist Demo vor dem Kanzleramt, unter dem Motto Free the Leopards!