Madame vermutet, dass sie die neue Berliner Regierende Elif Eralp im Studium getroffen hat. Zumindest studierten sie gleichzeitig dasselbe an derselben Uni, Madame kann sich auch vielleicht an sie erinnern.
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Beim ersten Bett-Kaffee setzte mir Madame die Bedeutung des Memorandum of Understandings im Völkerrecht und seine Herkunft aus dem britischem Common Law auseinander. Dafür liebe ich sie sehr.
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Wenn ein Vortrag beginnt mit „meine These mag manche überraschen“ und ich denke „Keinesfalls!“, dann ist das kein guter Anfang.
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Ein guter Vortrag ist es, wenn der Vortragende das Schlagwort der „ISBN-Suche auf Steroiden“ bringt und dann spontan-improvisiert in eine Erörterung der Geschichte des Steroid-Dopings seit den 1970ern abschweift.
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Es war ein Oberpfälzer Konferenzwochenende.
Die steinerne Brücke, die spätestens 1146 fertiggestellt wurde, ist die älteste Brücke Deutschlands
Ich lernte: Regensburg liegt an der Donau. Und auch sonst war mein Wissen über das Städtchen in der Oberpfalz an der Donau bis zu diesem Wochenende nicht sehr ausgeprägt.
Ich wusste immerhin, dass die Stadt etwas mit von Thurn & Taxis zu tun hat und relativ alt ist.
Etwas mehr lernte ich am Wochenende.

Zum Beispiel lernte ich, dass sonntags offenbar kein Bus zum Westbad fährt. Auf meine sonntagvormittägliche Suche nach einer, irgendeiner ÖPNV-Verbindung zum Bad wurde mir als erste Möglichkeit ein Bus genannt, der um 23:.. Uhr abfährt und montags um 5:.. Uhr ankommt.
Überhaupt scheinen Busse und ÖPNV keine Stärke der Stadt zu sein.

Ich lernte, beziehungsweise ich fühlte mich bestätigt, dass Sozi(aldemokrat) in Bayern ein Schimpfwort ist. Es ist ja nicht vollkommen falsch, August Bebel, den Begründer der Sozialdemokratie, den SPDler aller SPDler auf einer Gedenkplakette als „Staatsmann“ zu bezeichnen. Aber irgendwie fehlt was Wichtiges.

Entlang der Ostenallee bis zum Franz-Xaver-Gruber-Denkmal
Viel lernte ich nicht. Denn unsere Regensburgerkundungen beliefen sich nur auf den Fußweg vom elaya-Hotel (in den Ausfransungen der Fußgängerzone Richtung Bahnhof) zum marina forum.
Samstagfrüh drehten wir noch die motiviertere Runde entlang der Altstadt (mit Dom, Steinerner Brücke, viel Welterbe, der Donau, dem Odesa-Denkmal und dem Goldenen Waller, der als Kunstwerk bitte nicht bestiegen werden soll), danach waren wir entweder zu müde oder zu gepäckstückt und liefen direkt: Durch das Neugestaltete Ex-Industriegebiet beim Hafen, entlang recht spektakulärer älterer großer Wohnhäuser und vor allem entlang der Wallanlagen bis zu den Party People Regensburgs vorm Hotel.

Zollingerdach
Ich litt nur ein wenig unter mir selber, weil ich es nie schaffte die Veranstaltung wirklich zu verlassen, und ich litt auch nur ein wenig unter dem Regensburger ÖPNV, der sonntags keine Busse zum Schwimmbad fahren lässt, denn ich wurde entschädigt.
Das marina forum, Marinaforum, ist ein Veranstaltungsort, der eines exzellenten Wikipedia-Artikels würdig wäre. Ein historischer Schlachthof, dem halt das übliche bundesdeutsche Schicksal wiederfuhr – irgendwann war das alles zu kleinteilig, zu laut, zu stinkend, zu städtisch – der wie üblich geschlossen wurde und dann wie auch oft wiederbelebt wurde.
Kernstück sind die Anbauten von 1927 – laut Wikipedia Großviehhalle, laut den Aushängen vor Ort An- und Ablieferung, die in bester Bauweise der damaligen Moderne entstanden – mit großen Bögen, großen Fenstern und dem spektakulären Zollingerdach in Lamellenbauweise1.
Dort trafen wir Menschen.

Vereint durch Rechthaberei das Streben nach Wissen
Das zunehmende Alter der Wikipedia-Community zeigt sich im Frühstücksraum. 2006 noch hätten bei einem Wikipedia-Treffen alle bis 10 Uhr in den Seilen gehangen, im Jahre 2026 war zuverlässig der Frühstücksraum um kurz nach sieben gefüllt, ein verdächtig großer Teil der Anwesenden wirkte sogar ansprechbar.
Dort unterhielten sie sich über Erbrecht („mal angenommen, ich schlage nach 6 Wochen ein Erbe aus und meine Tochter hat in dieser Zeit die Blumen der toten Großmutter gegossen, hat sie dann schon das Erbe konkludent angenommen?“) und die Versteuerung von 3 Dollar Aktiengewinn aus US-Aktien.
Ähnliche Szenen spielten sich in fast allen Regensburger Hotels ab. Über 400 Wikifanten wollten in der 150.000-Einwohner-Stadt untergebracht sein, um sich zur Wikicon zu treffen. Mittlerweile gelingt es den Veranstaltern eine relativ gemischte Gruppe aus Männern und Frauen, sehr nerdigen und nicht ganz so nerdigen Menschen zusammenzustellen.
Nur der Communitykern ist natürlich noch der Kern von 2006 in seiner damaligen Zusammensetzung – nur halt zwanzig Jahre älter.

Admins im Spannungsverhältnis zwischen kolonialer Sprache, Open Street Map und GraphIT
Als jemand, der Wikicons nur alle paar Jahre besucht (zuletzt 2021 Erfurt, davor 2019 Wuppertal, 2018 St. Gallen, und von 2010 bis 2014 durchgehend), bin ich gut geeignet um „du bist aber groß geworden“ zu sagen.
Von einer Veranstaltung on a shoestring mit Sechserzimmern in Jugendherbergen, komplett überarbeiteten Freiwilligen und den Überraschungen und Problemen, die komplett überarbeitete Freiwillige so erzegen, wurde eine ebenso erschreckend wie beeindruckend durchgeführte Konferenz.
Irgendwie langweiliger. Aber auch schöner und für mich altersangemessener.
Denn auch ich werde langweiliger. Ich verbrachte vergleichsweise viel Zeit auf dieser Konferenz in Sessions:
- GraphIT – eine experimentelle WikiBase-Plattform zur Modellierung von Lerninhalten an der Uni Regensburg – leider, leider nur 15 Minuten. Raphmann, Professor für Mensch-Maschine-Interaktion, baute mit Hilfe der Wikibase-Software einen Graphen, der Abhängigkeiten von Wissen aufzeigt – also um jemand Exponentialrechnung beizubringen muss er Multiplikation können -> Addition -> Zahlen und das halt in verzweigt und komplex. Die Medieninformatiker der Uni nutzen das, um ihre Kursinhalte abzustimmen – in den Kursen selber aber auch auf Vorkenntnisse und Interessen der Studierenden. Und auf jeden Fall hätte ich davon gerne mehr gehört. (Hier auf jeden Fall die Website dazu)

- Admins im Spannungsverhältnis zwischen Vertrauen und Kontrolle: Wie können wir die Situation verbessern? – Hätte ich vermutlich ausgelassen, weil ich das Thema für zu-Tode-diskutiert halte, aber wollte natürlich dabei sein wenn poupou moderiert.
- How to kill a wiki – schon allein spannend, wenn mensch Wikipedianer kennt, seit sie 18 sind und sie sich mittlerweile zum „Autor beim Dänischen Nationallexikon für die Fachbereiche Eskimo-Aleutische Sprachen, Grönländische Biografien, Grönländische Familien und Grönländische Wüstungen entwickelt“ haben.2 Ich gehe davon aus, dass Kenneth der Experte für die grönländische Sprache in Deutschland ist und außerdem der einzige Admin und der einzige Autor der grönländischen Wikipedia. Aber das ist er nicht mehr – denn er ließ diese Sprachversion einstellen. Ein spannender Talk zum Warum und Wie.
- Open Data mit Wikipedia, OpenStreetMap und Bibliotheksdaten – Es ist immer super, Mathias beim Denken zuzusehen. Wie immer inspirierend.3
- Wir fördern dein Ehrenamt: Unterstützung durch die Wikimedia-Vereine für die Communitys im DACH-Raum – eine 15-Minuten-Session, die ich sah, weil ich mal wieder einen aktuellen Stand über die „Szene“ hauptamtlicher Förderer haben wollte.
- Wissen im Dialog – Koloniale Sprache im Alltag und in der Wikipedia – faszinierend, weil es mit einem sehr spannenden hochfliegenden Vortrag eines Philosophen an der Uni Halle dessen Namen leider nirgendwo schriftlich festgehalten ist zu kolonialer Sprache und postkolonialer Theorie begann, der dann sehr irdisch auf ein „wir haben einigen schlechten Stellen in Wikipedia-Artikeln gefunden“ hernterknallte, worauf mensch ja eigentlich nur antworten kann „Ach.“ Wahrscheinlich die diskussionserzeugendste aller Sessions auf denen ich war.

Noch aber schaffe ich es, auf einen Event zu gehen, und im Innenhof zu lesen. Uprooted leistete mir auch weiterhin gute Dienste.

Wie es Tradition ist, ignorierten wir die Abendveranstaltung der WikiEulen, und begaben uns stattdessen in den lauschigen Innenhof. Dort fand sich eine lustige Runde Wikifanten von-seit-2004 ein, die aber erfreulicherweise auch eine ganze Menge vom Jahr 2026 zu erzählen wusste. Und vielleicht sogar von 2027 und später.
Goin‘ home
Ergreifende Szenen spielten sich ab. Wikifanten verabschiedeten sich im Foyer des marina forums für viele Monate – nur um sich dann alle in der Bahnhofshalle wiederzutreffen.
Dann teilten sie sich auf in Regionalzüge Richtung Nürnberg und Ingolstadt. Sie verabschiedeten sich wieder. Und ein größerer Teil traf sich dann doch wieder im ICE-Sprinter 1004 Richtung Norden. Die An- und Abreise ergab zahlreiche Gelegenheiten, sich zu verabschieden und sich wiederzutreffen.
Wir nahmen den Regio nach Ingolstadt, teilten uns einen vierer mit den beiden Berliner Dresdnern und lernte daderweil, dass Ingolstadt auch an der Donau liegt!
Von der Stadt selbst sahen wir nicht viel, denn zeitgleich mit uns fuhr bereits der ICE1004 am selben Bahnsteig ein. Wir absolvierten den fliegenden Wechsel und stellten überrascht fest, dass die beiden Dresdner, diesmal nicht freiwillig sondern durch die Deutsche Bahn bestimmt, auf den Plätzen neben uns gelandet waren.
Der ganze Wagen blieb Wikicon-lastig, in Nürnberg wurde nachgelegt. Wir fuhren von der Sonne in den Regen in die Sonne mit eindrucksvollen Wolkenbergen. Ich beschloss, dass ich mich mal informieren will, was kurz vor Leipzig/Halle eigentlich für eine Landschaft ist, in der mensch riesige Kohlenkraftwerke und gigantomanische Brücken baut. Die ist sicher naturräumlich spannend.
Um 18:02 teilten wir im Zug das eine Handy, das Empfang hatte, damit alle die Wahlprognosen sehen konnten. Es zeichneten sich leicht überraschende Rot-grün-rote Mehrheiten in Berlin und MV bei gleichzeitiger nicht-überraschender Stärke der braunen Partei ab. Der Wagen nahm es mit „hmm, ja..“ zur Kenntnis.

Zu Hause empfing uns der Geruch von Mangos. Madame bestellte eine vegane Platte bei Sagar.
Links
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Über die Gentrifizierungs-Baseline: Ottensen Baseline
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Die Fliegenden Bretter über die Unsitte deutscher Politik sich volksnah zu geben, indem man demonstraktiv schlecht ist. Beispiel: Am Wahlsonntag in Sachsen-Anhalt postete Ulrich Siegmund oder sein Social Media-Team auf instagram ein Foto, das ihn und seine Frau in der Mittagspause zeigen. Es gab Spirelli mit Wurstgulasch, dazu Coca Cola und geriebener ‚Gut & Günstig leicht‘-Gouda
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Wie lange darf man eigentlich eine Wassermelone liegen lassen, also ab Kauf bis zum Verzehr?
Anmerkungen
- Das mir sehr eng verwandt zu sein scheint mit unserem Pappbett. Bei beiden geht es um Steckteile. Und es geht um eine Konstruktion, die mit minimalen Materialaufwand (Dach: Holz, Bett: Pappe) allein durch die geometrische Form viel Gewicht tragen kann. ↩︎
- Außerdem hat er die beste Wikipedia-Autoren-Biographie ever: „Kenneth Wehr hatte schon früh Kontakt mit Wikipedia. 2007 ließ er sich von seiner Mutter den Wikipedia-Artikel über Meerschweinchen für eine Grundschulaufgabe ausdrucken (und erhielt hierfür eine 2−)“ Und er ist auf dieselbe Schule gegangen wie ich. Und er ist Hannover-96-Fan. Im Gegensatz zu mehr beherrscht er allerdings auch Altnordisch, Sanskrit und Grundlagen der mittelägyptischen Hieroglyphensprache. ↩︎
- Inhaltlich ging es um ISBN-Suche für das tägliche Leben: Ich klicke, zum Beispiel in Wikipedia, auf die ISBN eines Buches und erfahre gleich was die räumlich nächstgelegene Bibliothek ist, die es führt und wie ich mit ÖPNV dorthin komme. Es kombiniert Geodaten, Bibliotheksbestände und Fahrplandaten. ↩︎