Schlagwort: WIkipedia

  • 26-06-09 Fast dringliche Fokussierung der Strategie zur Steigerung der Resilienz

    26-06-09 Fast dringliche Fokussierung der Strategie zur Steigerung der Resilienz

    Es gibt noch Bierbikes in Berlin.

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    In der U-üc ein kleiner Junge im Dinosaueriershirt. Ein wenig war ich neidisch. Zum Glück trug ich mein Bären-Narwal-Shirt und konnte mich daran trösten.

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    Notiz: „Mir träumte – Auto Schuhe, Schlamm, Fazit: andere dürfen ihre Schuhe“ – eventuell sollte ich meine Notizen nicht ganz so kursorisch kurz schreiben.

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    Die leicht übergriffige Deutschlandflagge von Nachbar canineri ist mittlerweile arg ausgefranst und ausgeblichen. Langsam kann ich eine emotionale Beziehung zu ihr herstellen: „Wir alle, Deutschlandflagge, wir alle.“

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    Es war ein Wochenende zwischen menschlicher Wissensstrategie in Fernost-Kreuzberg und dem Tanz der Knautien.

    Weder Gorgo noch Schreinern

    Als ich im letzten Post etwas vom „Töpfermodus“ des Hirns schrieb, begab ich mich in ein bloggerisches Mikroabenteuer. Ich habe keine Ahnung vom Töpfern, und dementsprechend frei improvisiert war der Vergleich.

    Madame hingegen hat viel Ahnung vom Töpfern und challengte mich erwartbarerweise, wie ich genau diese Metapher meine. Und ich habe halt keine Ahnung. Mein Gedanke über Gedanken war: „Struktur aus dem formlosen Nichts erschaffen. Anders als bei einer Schreiner- oder Ingenieur-Metapher, geht es mir dabei weniger um das planen, passend machen von Einzelteilen und Zusammensetzen, sondern mehr um ein ganzheitliches System, das erst durch den Prozess selbst gedacht werden kann.“

    Auch nachzutragen: GIORGIO. Nachdem mir der letzte Post mit Moroder und Armani gleich zwei Giorgios zum Benennen bot, habe ich den Vornamen nicht ein einziges Mal korrekt geschrieben. Immerhin tauchten verschiedene Varianten auf. GIORGIO, zwei I, ein R, zwei O. So schreibt er sich.

    Die von Pfuel’sche Badeanstalt

    Es ergab alles Sinn. Kaum war ich vom Schlesischen Tor ein paar Meter gelaufen, hatte ich innerhalb von 15 Minuten die Uber Arena, die Oberbaumbrücke, die Straße des Wikibären und das Bi Nuu gesehen. Alles Orte, die ich mir als irgendwo-im-nirgendwo gemerkt hatte, und die ich nur mit Suchen auf einer Berlinkarte finden würde.

    Gerade die UberArena und der Platz drumherum wirken selbst dann noch wie vom-Ufo-abgeworfen wenn man in ihrer Mitte steht. Der ist so un-Berlin wie ein städtischer Ort nur sein kann. Sie zerstören meine innere Orientierung jedes mal. Aber jetzt habe ich ein Gebiet vor mir: Am nördlichen Spreeufer das Ex-Niemandsland des Mauerstreifens, nach der Wende bereit mit Ufos verfüllt zu werden; am südlichen Spreeufer Industriegebiet-Rand-Kreuzberg, wo sich Kleinfabriken, Entsorger und die entlegensten Ecken der Kreuzberg-Szene sammelten – nach 1990 teils-gentrifiziert und teils auch nicht.

    In so eine Gegend passen Entertainment-Exklave, Kellerclubs, irgendwo-im-nirgendwo-Feeling, Ausgehstraße, das Gefühl der Verlassenheit, ein U-Bahn-Hof, der wirkt als hätte er sich aus Zehlendorf oder Wannsee hierher verirrt und der ikonischste Brückenanblick der Stadt.

    Für mich als Schwimmbadinteressierter natürlich auch spannend: die Stelle an der Spree, wo knapp unterhalb der Oberbaumbrücke ehemals Berlins erste Badeanstalt lag, die von Pfuel’sche Badeanstalt.

    Ich war geflasht. Nur zehn Meter laufen und so viele spannende Stadtgeschichte in mehreren Lagen direkt vor meinen Augen. In jede Richtung anders aufregend. Oder wie mein Thüringer mit-Zählkommissionsmitglied meinte „Und in jeder Richtung widerlich.“

    So verschieden lässt sich Gegend interpretieren.

    AI Agents Summit

    Beim Kreuzberg-Wandeln sah ich in gelben Schuhen mit Bären-Narwal-Shirt, den langsamen Schritten und dem staunenden Blick aus wie der letzte Tourist auf Erden. Was gut ist: Der Tourist an sich ist ja entspannt, gut gelaunt, offen für Neues und außerdem außerordentlich unbeliebt.

    Inhaltlich war der Touristenlook korrekt: Diese Straßenzüge waren mir komplett unbekannt und ich war hier zum Entdecken. Er war aber auch vollkommen falsch: Immerhin war ich in „meiner Stadt“ mit „meiner U-Bahn“ zur Versammlung „meines Vereins“ gefahren, an der ich mich als Mitglied der Zählkommission auch noch semi-inhaltlich beteiligen wollte, während Madame es auf sich genommen hatte, die Versammlungsleitung zu geben. Noch untouristischer geht es nicht.

    Aber erst galt es den Ort zu erkunden:

    Die letzten Jahre hatte die MV im bUm stattgefunden. Das bUm in einem ehemaligen Umspannwerk entstand aus Protesten gegen einen geplanten Start-Up-Hub an diesem Ort und sieht sich als „ein Raum für Engagement und solidarisches Miteinander“.

    Dieses Jahr waren wir im Spielfeld – einem Start-Up-Hub im ehemaligen Postamts-Backstein-Schloss Kreuzberg SO 36, gegründet von Roland Berger und Visa. Hatte es im bUm noch die drei Toiletten „Flinta*“, „Alle“ und „Behindert / alle“ gegeben, gab es nun „Men“, Piktogramm einer Frau und „Staff only“. Wer eine Behindertentoilette suchte, musste den eigentlichen Veranstaltungsort verlassen und durchschritt dabei eine Tür ohne Wiederkehr – aka, eine die sich nur von innen beim Verlassen des Ortes öffnen ließ.

    Es war ein Ort, der Kaffee nicht als Infrastruktur des Lebens begriff, sondern als Genußmittel, das nur von Barangestelten ausgegeben werden durfte („staff only“) und während bei der Veranstaltung betont wurde, wie sehr Wikipedia und co. menschengemacht sind und sich von „KI“ so weit wie möglich distanzieren, war der Rest des Start-Up-Hubs natürlich voll davon.

    Schöne Architektur, sonst eher fragwürdig dort.

    Vor Wachstum? Durch Wachstum?

    Bei der 31. Mitgliederversammlung von Wikimedia Deutschland fand statt, was aus Mitgliederversammlungen so stattfindet: Die Mitglieder wählten ein neues Präsidium, hörten sich Berichte der einschlägigen Gremien an und berieten über Anträge.

    Alles einmal auf „schräg“ gedreht, dass Wikimedia Deutschland zwar zur Wikipedia gehört und von dieser geprägt ist – inhaltlich aber nichts mit ihr zu tun hat und auch kein Betreiber ist. Das führt dazu, das ein Großteil der „Vereinsinhalte“ ausgelagert ist und gar nicht zur Befassung durch den Verein geeignet ist. Es führt auch dazu, dass WMDE 116.000 Mitglieder hat, von denen etwa 50 stimmberechtigte Mitglieder zu einer MV kommen.

    Inhaltlich geht es dann auch um Inside-Baseball to the extreme. Aber in Entwicklung. Nachdem sich in den letzten Jahren die hauptamtlich durchgeführte Organisation der Veranstaltung in fast schon absurde Höhen professionalisierte, zieht langsam auch die Mitgliedschaft nach.

    Nach divesern Erklär- und „Warum Wikimedia- nicht Wikipedia“-Formaten am Vorabend und Vormittag, hatten es bis Mittags alle verstanden. Nicht ein einziger verwirrten Diskussionsbeitrag tauchte auf, der beides verwechselte. Überhaupt habe ich es selten in irgendeinem Kontetx erlebt, dass quasi alle Diskussionen on point waren, dass alles was als Frage deklariert war, auch eine echte Frage war und ich nach 90% der Beiträge ernstlich das Gefühl hatte, klüger zu sein. Chapeau.

    Richtig glücklich war ich, weil der Verein nach Jahrzehnten der Irrungen und Wirrungen endlich eine Strategie verabschiedete, die sich nicht mehr als „und dann machen wir noch das und dann das und das auch noch“ las, sondern als „das ist unser Ziel, das sind die Umweltbedingungen und deshalb fokussieren wir uns auf drei Punkte, die wir langfristig umsetzen wollen.“ Oder anders gesagt: 22 Jahre nach Vereinsgründung hat WMDE das erste Mal eine Strategie, die ich als solche erkennen würde.

    Anstrengend war der 7-Stunden-Ritt in stickiger Luft dennoch. Wir im Publikum litten am Ende ziemlich, ich hatte mehr als Respekt für alle auf dem Podium und natürlich Madame, die sieben Stunden vorne saß, on und präsent sein musste.

    Für den Heimweg Käsekuchen

    Danach Schlafwandeln. Wieder ins Baraka beim Görli, diesmal Mezze-Platte und Künafa, für den nächsten Tag steckten wir beim Waffle-Brother-becomes-baskischer-Käsekuchen-Laden noch zwei Stück Käsekuchen ein, wir fuhren mit der Bahn nach Wilmersdorf und dann über die nächtliche Autobahn zu den Latifundien. Als wir um 23:48h auf den Latifundien die Autotür erst halb geöffnet hatten, stellte Madame schon fest „Oh wie das duftet.“

    Die Knautien tanzen wieder

    Nach der Marathon-Performance des Vortags war Madame den Sonntag über Knülle. Bei mir reichten ganz ohne Performance die Nachwirkungen von vielen Stunden intensiver Diskussion, erlebt auf einem Stuhl mäßiger Langfristsitzbarkeit.

    Wir wachten auf, dösten, wachten, schliefen, dösten und haben uns am Ende kurz vor Mittag zu den Brötchen begeben. Der Rest des Tages änderte sich wenig. Madame kochte und stellte fest, dass auch sie das „zuviel! zuviel!“ im Garten erleidet. Mittlerweile bestimmte sie mit Flora incognita 86 Pflanzenarten, nicht nur aber vor allem im Garten und zunehmend nehmen die Doppelbestimmungen zu. Zuviele Pflanzen zum Merken.

    Und während wir den Sonntag low and slow verbrachten, blühte, kreuchte und fleuchte es wie auf einem wildgewordenen Wimmelbild. Selbst der geruchlose Jasmin bequemt sich unter voller Blüte zum Duften.

    Die Knautien begannen, sich zu entfalten. Gerne an den Wiesenrändern, an den Wegen, fast immer dort wo Wege dreieckig zusammenlaufen. Dutzende Blüten? Hunderte! Sie stehen an dünnen Stängeln bis zu einem Meter über der Wiese. Sobald ein Wind aufkommt, fangen sie an zu tanzen.

    Links

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    Leider auf englisch. Wer schreibt die Liste auf deutsch: The 100 Greatest Bird Names of All Time (via Curious about everything) Aus derselben Quelle. Ich habe die höchst wundervolle Autorin Caity Weaver wiedergefunden. Sie ist bei The Atlantic gelandet und schrieb: I Found It: The Best Free Restaurant Bread in America:

    But still. It is impossible to lock eyes with a Frenchman, after he has just spent minutes delicately extolling the virtues of 16 different breads, and ask, “Could I do one of each?” without feeling ridiculous, no matter how evenly he responds, “Absolutely!”

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    readinginsweden seeing in der Neuen Nationalgalerie: „Brancusi, Sie sollten sich unbedingt Brancusi anschauen.“

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    auf eine art bin ich üb­ri­gens froh, dass bei uns vor der tür die ben­zin-as­sis ihre mo­to­ren in der (theo­re­ti­schen) fahr­rad­stras­se auf­heu­len las­sen um (sehr) lau­te fehl­zün­dun­gen zu pro­vo­zie­ren. den gan­zen tag über, aber am liebs­ten nach mit­ter­nacht. so­lan­ge die­se as­sis hier noch woh­nen und fah­ren, stemmt der wed­ding sich noch ge­gen die gen­tri­fi­zie­rung.

  • 26-06-07 Im Gefecht von Möckern besiegten die preußischen Truppen unter Ludwig Adolf Peter zu Sayn-Wittgenstein die Truppen Napoleons (full male frontal nudity)

    26-06-07 Im Gefecht von Möckern besiegten die preußischen Truppen unter Ludwig Adolf Peter zu Sayn-Wittgenstein die Truppen Napoleons (full male frontal nudity)

    Madame lebt und testet derzeit in drei Chören. Der Vorteil des Nachbarschaftschors: Fenster und Grundstück sind auf den nicht mehr existierenden Wilmersdorfer See ausgerichtet, aus dem Proberaum kann frau denken, an einem Seegrundstück zu sein. Außerdem lief ein Fuchs in die Probe hinein und war danach längere Zeit im Garten.

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    Im Volkspark sah Madame zwei große und einen Babyfuchs.

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    In der Zeitung lese ich von Eichenprozessionsspinnern, die die Schließung von Sportplätzen und Strandbädern (nicht unseres!) erforderlich machen und sich in Siedlungen ausbreiten. Ich beschließe, neben Walen in der Ostsee und Wölfen in Hamburg auch giftige Raupen in meinen apokalyptischen Roman aufzunehmen. Das würde schöne literarische Effekte erzeugen, wenn Menschen einen kleinen niedlichen bunten Schmetterling sehen und in Panik geraten, weil sie an die wollige Raupe denken.

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    An der U-Bahn-Station einen junge Frau, die ihren begleiteten Mann anschreit, dass selbst die Mutter der jungen Frau gemerkt habe, wie sehr sie ihn liebt. Er versucht zu erwidern, kommt aber nicht zu Wort. Eine spannende Ton-Inhalt-Schere.

    In der Bahn, eine andere junge Frau mit verschiedenen Piercings und Totenkopf-Tattoos, die ihren Begleiter durchgehend unironisch „Schatzi“ nennt. Ich liebe sie dafür, wie perfekt sie Berliner-Club-Gestalt und Brandenburger-Einfamilienhaus-Bewohnerin in einer Person vereint.

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    Es war ein Wochenausklang zwischen Ticketsystem, den Achtzigern als Ansage und der Mutter aller gesperrten Rolltreppen.

    Prozesse töpfern

    11:40h. Ich beschließe, die Notizen für Frau Brüllens Was machst du eigentlich den ganzen Tag einzustellen. Ich dachte, ich mache crazy shit und nehme an einer Blogaktion teil, stelle aber fest, dass mein Hirn derzeit nur in zwei Modi funktionieren möchte:

    • Modus Töpfern: Ich nehme den ungeordneten meiner Umwelt, konturlos, formlos, unklar, und forme ihn. So funktioniert es im Büro, wenn ich versuche aus irgendwie stattfindenden Abläufen einen geordneten Prozess zu machen und den dann vielleicht sogar in Technik zu hinterlegen. Aus dem Nichts werde Form.
    • Modus Flipper: Ein Impuls von Außen schießt die Gedanken in irgendwelche Richtungen, auf dem Weg fangen lauter Lichter an zu blinken, Gongs und Sirenen ertönen, bis der nächste Impuls kommt. So funktioniert es in der Freizeit.

    Ein vorgegebener chronologischer Ablauf, der dann ausgefüllt werden muss, passt in beide Betriebsmodi nicht wirklich. Nicht so, dass ich diesen Monat Lust darauf ihn abzuarbeuten, und so stelle ich das uhrzeitgenaue notizieren ein.

    Stattdessen töpfere ich gedanklich weiter. Seitdem ich bei der aktuellen Arbeitgeberin bin, habe ich das Ticketsystem einmal von links nach rechts gedreht und wieder zurück, habe sowohl Oberflächen wie Betriebslogik umgestellt und gefühlt ist jeder Buchstabe dort mittlerweile „meins“.

    Bis auf ein kleines gallisches Dorf, einen Unterabschnitt des Systems, für ein Legacy-System, an das ich mich nie herantraute.

    Bis jetzt. Das Legacy-System ist abgelöst und das neue System bietet mir die Chance auch hier alles umzubauen. Und jedes mal lerne ich mehr über das Ticketsystem.

    Möckern

    Die Abende waren kreuzbergig. Die wieder durchgängig fahrende U-üc bringt mich im Laufe eines schnellen Tagtraums nach Kreuzberg, und so landete ich gleich zweimal an der Station Möckernbrücke.

    Donnerstag: Auf dem Weg zum Yorck-Kino, das nur einen kleinen Spaziergang von dort entfernt liegt. Freitag: Auf dem Weg zur Geschäftsstelle von Wikimedia Deutschland, das dort einen kleinen Vorabendevent vor der samstäglichen Mitgliederversammlung feierte.

    Es war ein Weg der Erinnerung. Immerhin habe ich in der Geschäftsstelle zwei Jahre gearbeitet, bin sehr oft von dieser U-Bahn-Station ans Tempelhofer Ufer 23 gelaufen, oder durch die Straßen drumherum.

    Wie auch diesmal. Es hatte sich erstaunlich wenig geändert, fast alle Lokalitäten überlebten Corona, ebenso wie Russland-Gas-Krise und das allgemeine Gastrosterben der letzten Jahre. Ich hatte einen erstaunlichen Mittagspausenblick, registrierte, dass das damals neu eröffnete Grand Bistro (oder so) ebenso noch exister wie das Schnittchen, der namenlose Pasta/Pizza-Laden und selbst der Grieche, der schon 2014 aus der Zeit gefallen wirkte und „Zum Goldenen Handwerk“, die Eckneipe, die eher für Feierabend als für Mittagspause gut war, ist noch da.

    Nur das ägyptische Lokal/Shisha-Bar hat seinen Lokalteil inzwischen ganz aufgegeben und ist reine Shisha-Bar. Ganz verschwand nur die Ökotussi [sic!], und selbst die halt lange genug durch, dass in ihren Fenster noch die Abschiedsnachricht an die Kund*innen hängt.

    Was sich änderte: An der Möckernbrücke lässt sich betrachten, wie es aussieht, wenn die BVG nicht nur die Rolltreppe für die Gegenwart aufgibt, sondern auch die Rolltreppe für die Zukunft. Das wird wohl nichts mehr:

    Was auch neu war: Zum ersten Mal fragte ich mich, warum die Station Möckernbrücke eigentlich Möckernbrücke heißt.

    1. Sie liegt nach der Möckernbrücke über den Landwehrkanal. So weit so wenig überraschend.
    2. Die Möckernbrücke heißt nach der Möckernstraße, die über diese läuft. Auch das hätte ich mir noch selbst ausdenken können.
    3. Die Möckernstraße wiederum ist benannt, wie viele Straßen in Kreuzberg 61, nach gewonnen preußischen Schlachten. Hier: die Gefechte bei Möckern, die in den preußischen Kriegen gegen Napoleon Gefechte beim sächsischen Dort Möckern waren, die am Rande der Völkerschlacht stattfanden. (s. Wikipedia: Gefecht bei Möckern)

    2004 schrieb de.Wikipedia den 100.000. Artikel

    Stärker als die Gegend hatte sich die eigentliche Geschäftsstelle verändert. Die ist kurz nach meinem Weggan eingerüstet worden, und durchläuft ein noch epischeres Baustellen-am-Haus-Drama als unsere eigene Wohnung.

    Wikimedia selbst zog von einem Stockwerk (zu meiner Zeit) auf drei Stockwerke, dann wieder auf zwei, und inzwischen habe ich keinen Überblick mehr. Die Veranstaltung fand im ersten Stock, „meinem“ Stock statt, so dass ich die allgemeine Raumgeographie mit den drei Fluren, dem großen Veranstaltungsraum und dem Empfang wieder erkannte. Aber sonst war alles anders.

    Damals „offener Raum, gedacht für Gäste, Community, Veranstaltungen“ mit vielen Glastüren, einem offenen Kühlschrank für alle, Sofas, Wänden, die für Mitteilungen gedachte waren und ebenso bunten wie unfassbar schlecht zu sitzenden Veranstaltungsstühlen – jetzt eine konzentrierte Arbeitsatmosphäre in all White, geschlossene Türen, Veranstaltungen wie diese nur ab und an.

    An sich denke ich, dass der Verein nach meiner Zeit starke Höhen und starke Tiefen hatte, aber gerade wieder auf einem besseren Weg ist. Aber die Geschäftsstelle wirkte seltsam steril.

    Nett war der Event: vier Wikipedianer*innen erzählen von anno dunne. Sie haben mit lyzzy, Nina, Dab. und Raymond eine nette Auswahl verschiedener Menschen mit verschiedenen Geschichten eingeladen. Ich freute mich, weil Madame in Abwesenheit dafür Applaus bekam, die Admincon mitgegründet zu haben, und ich freute mich, ein paar Menschen wieder zu sehen.

    Der Film begann mit einem nachträglichen Nachruf auf Giorgio Armani

    In meiner inneren Chronologie ist das Jahr 1980 zottelig und trägt Jeansjacke. Ich lebte zwar schon, kann mich aber an nichts erinneren, und vertraue Fernseh- und Zeitschriftenbildern der Zeit. Diese zeigen mir Bluesrocker mit zotteligen Vollbärten, Jeanswesten, Koteletten, Cordhemden, orange Hemden mit breitem Kragen. Die Siebziger waren ästhetisch näher als das was ästhetisch die Achtziger werden sollten,

    Außer in diesem Film1: American Gigolo ist Fönfrisuren Armani-Anzug-Porn im Mercedes Cabrio. Ein traumschöner junger Richard Gere spielt einen Edel-Callboy und Anzug-Freak2, der sich durch das reiche Kalifornien arbeitet und dabei in einen Verbrechensplot gerät. Begleitet von Soundtrack von Giorgio Moroder. Mehr als einmal ist er dabei halbnackt, Wikipedia versprach mir sogar „The first full mal frontal nudity“ in einem Mainstream-Film, aber ich glaube ich muss mit Wikipedia ein ernstes Wort über die Bedeutung des Worts „frontal“ reden.

    American Gigolo ist 1980s Style in seiner höchsten Vollendung schon bevor die 1980er überhaupt richtig angefangen hatten.

    Wie oft, bei den Boulevard-Noir-Filmen: Der Plot ist ziemlich egal, das einzig wichtige ist, dass der Plot es erlaubt, dass Zuhälter Leon (Bill Duke) eine der besten der-Movie-Villain-hält-seine-Erklärrede-Szene der Filmgeschichte hält. Eigentlich aber ist der Plot nur der Kleiderhaken, an dem Typen, Stil und Musik aufgehängt.

    Denn wie so viele der Boulevard-Noir-Filme, das ist ein Stil-Musik-Film. Was die Jeanne-Morau-durch-Paris-mit-Miles-Davis-Soundtrack-Szene in Fahrtstuhl zum Schaffott war, ist hier das Richard-Gere-im-Mercedes-Cabrio-durch-Kalifornien-mit-Georgio-Moroder-Blondie-Soundtrack3: Nachdem ich die Auftaktszene von American Gigolo gesehen hatte, dachte ich es auch: Meinetwegen können die nächsten zwei Stunden kreischende Teletubbies kommen. I will love this movie.

    Erfreulicherweise kamen Richard Gere, Anzüge und Bill Duke.

    Not full, aber das ist frontal. Zwei Häuser neben dem Yorck-Kino.

    Links

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    Die Süddeutsche klärt auf. Wie kommen Zeiten wie „3 Stunden“ auf Wanderwegweiser? Für seine Wegweiser nutzt der Alpenverein eine Formel, um Wanderzeiten zu errechnen, abhängig von Höhenmetern und Entfernung. (via Christian)

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    Ich lernte im Juni: Auf See und ohne W-LAN funktioniert die Onleihe nicht.

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    Liesel bloggt wieder!

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    Für Reisendenker: The Demise of an Empire: How Lonely Planet stopped serving the very people it was created for (via Johannes)

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    The 1969 Memphis Country Blues Festival – als „Blues“ noch Rhythm and Blues und Soul und Blues und keine Museumsveranstaltung war. (via Ligne Claire) Der Film erinnert mich stark an den Aretha-Franklin-Konzertfilm oder E.P.I.C. (aber in schlechterer Bildqualität)

    Anmerkungen

    1. Yorck Unlimited No . 29 – 8,21€ pro Film ↩︎
    2. Wenn mensch American Gigolo kennt, schaut mensch auch Pretty Woman komplett anders, in dem der ältere Richard Gere plötzlich der Kunde ist. ↩︎
    3. Madame bemerkt wie ähnlich der Anfang von Call me/Blondie in American Gigolo dem Song Born to be wild in Easy Rider ist. Das stimmt. Und ist spannend, weil beide Songs Menschen auf der Straße unterlegen: Motorradzottel in Easy Rider, Anzug-im-Mercedes in American Gigolo. ↩︎

  • 26-05-11 Nebelkrähe: Eins

    26-05-11 Nebelkrähe: Eins

    Sind Phantomrosendornenstiche möglich? Ich bin mir sicher, alle Rosenteile aus der Hand gezogen zu haben, dennoch reagiert der linke Zeigefinger als steckte dort ein Dorn.

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    Warum Michael-Jackson-Biopic und nicht Moondog-Biopic?

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    The Fahrradbestellung has left the Fahrradmeister. Nachdem wir beide noch mehrfach darüber schliefen, haben wir uns final geeinigt. Er wird mich informieren, wann das Rad kommen wird.

    Madame nutzte derweil ihr vorhandenes Fahrrad um den Maschinen-Woll-Teppich-Mini von Teppichreinigung Abbasi wieder abzuholen.

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    The Wikicon-Anmeldung has left my computer. See you vom 18. bis 20. September in Regensburg.

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    Es war ein latifundinisches Wochenende und ein durch dieses inspirierter baumarktbesuchender Arbeitsmontag.

    Zur Begrüßung Nachtigallendröhnen, darunter aus der Ferne klingend: Ein Kuckuck

    Schon auf dem Weg zum Grundstück: Landluft. Aber seit wann riecht diese nach Verwesung? Erst als Madame „Apfelessig“ sagte, fiel es mir auf. Das ist es! Fermentiertes wurde auf den Feldern verteilt.

    Neben dem Geruch, das Geräusch: Mehrere wild lärmende Nachtigallen um 20 Uhr übertönten den sanft und allein rufenden Kuckuck .. Kuckuck.

    Es ist eine gefährliche Zeit für den Rasenmähermann. Das Gras wächst tageweise mehrere Zentimeter, die meisten Stauden und ähnliche Pflanzen wachsen langsamer, sind noch unbeblüht-grün. Wie leicht überragt das Gras die daneben stehenden Wunschpflanzen. Wie ähnlich sehen sie sich noch. Wie leicht gerät eine Staude, eine Rose, ein kleiner Kirschbaum, unter die Messer.

    Bisher aber schien alles glatt zu gehen. Das Mähwochenende war zum Glück ein entspanntes. Seit Montag freute ich mich darauf, ein ganzes Gartenwochenende zu haben, ganz ohne Aushäusigkeiten, mit dem einzig vage verpflichtenden Termin des Geschäftsschlusses vom Schweinenackenverkaufswagen.

    So konnte ich den Rasenmäher langsam, entspannt und voller Liebe an den Stauden vorbeischieben. Ich sah Madame beim Abstechen zu; ich versuchte die Alten Rosen freizulegen, die Madame schon freigelegt hatte, fröhnte meinem Dauerhobby des Brennesselausgrabens, sah Madame beim Frühjahrputz zu, verbrannte pilzgefährdeten Rosenschnitt, schritt, schlenderte, döste, schlief, tagträumte und las.

    Manchmal versuchte ich der Hornissenkönigin zu telepathieren, dass die dachpappebedeckte Stelle zwischen Bungalowtür und Schuppentür wirklich ungeeingnet für ein Nest ist, und sie bitte weiterziehen möge.

    Elster: Zwei

    Wir beteiligten uns an der Stunde der Gartenvögel. Also eigentlich haben wir auf der Terrasse gefrühstückt, und versucht, uns zu merken, welche Vögel wir dabei von 10:30h bis 11:30h sahen.

    Das ist natürlich extrem uneffektiv, weil es sehr effektiv ist, Vögel zu verscheuchen und auf Abstand zu halten, indem mensch sich bewegend auf eine Terrasse setzt.

    Auch war es vermutlich nicht hilfreich, dass wir uns die Vögel zwar merkten, sie aber nicht weiter meldeten. Hätten wir sie gemeldet, wäre das unser Meldebogen gewesen:

    • Nebelkrähe: 1
    • Ringeltaube: 1
    • Spatz: 3
    • Elster: 2
    • Rotmilan: 1
    • Storch: 1
    • Kleiner brauner Vogel, der sich zu weit weg zu schnell bewegte, um ihn zu erkennen: 2

    Hummeln, Hornissen, Schwebfliegen zählen ja leider ebenso wenig wie Vögel, die wir nur hören aber nicht sehen. Auch fehlten Amsel, Fink und Star, die sich vor 10.30h oder nach 11.30h zeigten, ebenso wie die nur hörbare Mönchsgrasmücke und natürlich Nachtigallen und Kuckuck.

    Hellgrüner Bus: Vier

    Am Südkreuz-Vorplatz hätte ich mit der Stunde der Bahnhofsbusse weitermachen können:

    • Hellgrün (Flixbux): 4
    • Rot (Gecharteter Reisebus): 1
    • Dunkelgelb (RegioJet): 1
    • Hellgelb (BVG): 2

    Wie auch bei den Vögeln zählt die Zahl der gleichzeitig gesehen Exemplare.

    Ich aber wollte gar nicht Bus fahren, sondern eine neue Verbindung testen: Irgendeine S-Bahn nach Süden, dann Höhe Insulaner den M76 nach Westen. Dann zum Baumarkt. Dann den 186 weiter nach Westen. Dann mit der U3 wieder nach Norden zur Wohnung.

    Zwischen M76 und 186 flüchtete ich mich vor einem Platzregen in die BioCompany. Und wo ich schon da war, kaufte ich Cookies, Schokolade und Milch. Zurück in der Wohnung erwartete mich Madame mit ihren unabgesprochenen Einkäufen: Cookies, Schokolade und Milch. Aber immerhin andere Sorten. Und sie hatte auch Blumenkohl und Lauch dabei.

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    Beim Fahren mit unbekannten S-Bahnen entdecke ich unbekannte Berliner Ortsteile: Blankenfelde und Blankenburg. Beide Namen habe ich als S-Bahn-Haltepunkte sicher schon hunderte Male gelesen und hunderte Male entschwanden sie wieder meinem Hirn.

    Ich versuche mir zu merken: Blankenburg liegt im Norden, Blankenfelde im Süden. Auf der Standard-Landkarte ist Blankenburg also oben auf der Karte, Blankenfelde weiter unten. Oder: Die weiße Burg thront über das weiße Feld.

    Von Hühnerrupferinnen und Pferdeschweifdieben

    Auf der Terrasse, dem Sofa und im Bett las ich: Abraham Karpinowicz: Die phantastische Theorie vom Schuster Prenzik, ein Buch, das über eine haselantische Empfehlung und via der Berliner Bibliotheken in mein Leben kam.

    In jeder Hinsicht eindrucksvoll.

    Lambert Schneider, Gerlingen

    Das Buch enthält eine Auswahl der Geschichten von Abraham Karpinowicz (geb. 1918 in ווילנע (Wilne) / Vilnius / Wilna / Вільня (Wilnja), gest. 2004 in Tel Aviv), die dieser ab 1946 für mehrere Jahrzehnte auf Jiddisch verfasste. Die Geschichten spielen durchweg im jüdischen Wilne.

    Das Buch erschien 1995 beim Verlag Lambert Schneider in Gerlingen, der zu dieser Zeit von Heinz Max Bleicher geleitet wurde, der wiederum ein Bundesverdienstkreuz für sein ehrenamtliches Engagement der christlich-jüdischen Zusammenarbeit erhielt.

    Als das Buch erschien, interessierte es quasi niemand.

    Zum Glück für Karpinowicz Nachruhm und für die Welt erschien 2016 in den USA eine englische Übersetzung seiner Geschichten unter dem Titel Vilna My Vilna. Diese hinterließ mehr Eindruck, sammelte Preise ein und wurde als szenische Lesung umgesetzt. Sie lässt hoffen, dass Karpinowicz nicht ganz im Vergessen entschwinden wird.

    Leijke die Schwarze und Elinke der Große

    Die Geschichten, hach ich bin hin und weg. Sie spielen im jüdischen Wilne, im Kreise derjenigen, die über die Runden kommen: die Frauen, die mal Prostituierte sind, mal Kellnerinnen und mal Hühnerrupferinnen, der Pferdeschwanzdieb, der sich dann zwangsweise auf Rosstäuscherei verlegt, der Friseur hin- und hergerissen zwischen seinen revolutionären Friseurgesellenfreunden und seinem Traum, einmal selbst einen kleinen Salon..

    Leijke die Schwarze, Tamara die Große, Hirschel der Zigeuner, Selik der Wohltätige, Sjomke der Reporter, Awrem, der Anarchist und Gebrauchtwarenhändler, der Schuster Prenzik, der die Welt verändern will und der Einsame vom Club der Meschuggenen, der jüdisches Geld einführen will. Sie sind verworfen in der Welt und wollen doch anständige Gauner bleiben.

    Genauso aber spielt Wilne eine Rolle: die Kneipe von Itzke dem Gelben, der Verein von der Goldenen Fahne, die Deutsche Straße, die Parks und die beiden Stadt-Flüsse Wilije und Wilenke. Die Stadt lebt.

    Erzählt ist es in einer fast märchenhaften Erzählweise, die klar der Stadt verbunden bleibt, aber beinah den Eindruck erweckt, dass sie in einer immergültigen Zeit jenseits normaler Zeitrechnung spielen. Erst beim genauen Lesen bemerkt man das Wilne der 1920er/1930er. Die zur damaligen Zeit polnische Stadt, die revolutionären Umtriebe und das nahe kommunistische Russland, die Hoffnung auf einen jüdischen Staat, der jüdisches Geld benötigen wird. Aber die Zeichen der Zeit bleiben schwach. Zu stark ist die Aura der Jahrhunderte des jüdisch-städtischen Lebens in der Stadt.

    Nur manchmal wird die Zeit deutlich: Wenn die Deutschen mit Panzern kommen und Tamara die Große und viele Andere erschießen. Denn seitdem existiert Wilne nicht mehr.

    Links

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    poupou stellte Banane-Mohn-Eis in der Creami her.

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    Angela und Holger sind derweil in Asturien angekommen.

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    Der große Sohn einer Bekannten arbeitet im neu geöffneten Erdbeere-Stand und hat den Führerschein gemacht. Eben waren sie noch klein, jetzt tragen sie Erdbeerjacke und brauchen einen eigenen Parkplatz.

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    kubiwahn ist zurück in Wilhelmsburg nach 42 Jahren.

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    Ich stehe mit dem Weckerwecken auf. Im Radio sagt die eine Frau, sie hab Aioli gegessen und ich möchte mich direkt wieder hinlegen.

  • 26-05-09 cellphones are NOT REAL

    26-05-09 cellphones are NOT REAL

    Auf der Kreuzung: Sushi.

    Lachs und Reis hielten noch zusammen, wirkten aber verloren auf der schwarzen Fahrbahn.

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    Für mehr Zylinder mit Totenkopfmotiven in der Bahn. Für mehr Transport von duftendem Obst.

    In der Ringbahn: Ein Radfahrer mit leicht blutendem Finger stieg ein, sofort sprang eine Reisende mit Rollkoffer auf und bot ihm ein kleines Pflaster aus ihrem Vorrat.

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    Madame übersetzte einen Liszt-Sonaten-Artikel für Wikipedia.

    *

    Die neuen Saisonkräfte für die Freibadsaison arbeiten sich ein. Es ist mir seit Jahren nicht mehr passiert, dass ich in dieser meinen Organisation ganz leicht von oben herablassend gesiezt wurde.

    Im Schwimmbadfoyer, ein Erwachsener fragte ein kleines Mädchen, ob sie noch ein Schwimmabzeichen machen wird. Sie, sehr schüchtern: „Ich kann nicht. Ich hab schon Silber.“

    *

    Der Parkplatzfuchs ist jetzt zwei Füchse. Donnerstagabend entdeckte ich großen Fuchs und eine halbe Länge schräg dahinter einen kleinen Fuchs, auf dem Parkplatzgarten. Wie schön.

    *

    Es waren zwei klavierkonzertfreie Arbeitstage zwischen Neukölln und Hohenschönhausen.

    Die Auferweckung der reitenden Leichen

    Nach dem netten Schreibwettbewerbswochenende überlege ich, mal wieder an der Wikicon teilzunehmen. Die liegt ausnahmsweise nicht an meinem Geburtstagswochenende, sondern findet vom 18. bis 20. September in Regensburg statt.

    (Hinweis: Auch wenig oder nicht-Aktive Wikipedia-Interessierte sind sehr willkommen).

    Wenn ich schon hinfahre, kann ich auch etwas anbieten. Derzeitig unter dem Arbeitstitel: „Die Auferweckung der reitenden Artikelleichen.“ Es soll eine Art Workshop werden (vor Ort, vermutlich mit Vorbereitung schon online onwiki), zum Thema „Wichtige Artikel, die sehr schlimm veraltet sind.“

    Leider hat Wikipedia mehr dieser Artikel als die Community jemals wird überarbeiten können.

    Deshalb der Workshop: Ziel ist es zu erarbeiten, welche der Artikel den größten Schmerz verursachen. Ziel soll es sein, einerseits eine Einigung zu haben, was am meisten Schmerz verursacht (Zentraler Artikel, Aktuelles Thema, keine Quellen, Inhaltlich stark veraltet) und eine Liste mit 10 am meisten schmerzenden Artikeln.

    Mit dem Ziel: Wir zeigen uns auf der Wikicon 2027 wie stark sie sich verbessert haben.

    Hohenschönhausen

    Ende letzter Woche war das Bundesfinale Jugend trainiert für Olympia in Berlin. Ich merkte dies, weil ich meine Tram Richtung Sportforum Hohenschönhausen mit diversen Gruppen Jugendlicher mit Jacken wie Sportland NRW oder Team Schleswig-Holstein oder „schwarz-aber-auf-einem-Koffer-steht-handschriftlich-Cottbus“ teilte.

    Mit mir zusammen reisten die besten Schul-Jugendhandballmannschaften Deutschlands in der Tram an. Denn das Sportforum hat nicht nur eine Schwimmhalle des Olympiastützpunktes Schwimmen (mein Ziel), sondern auch eine Eislaufbahn, eine Bogenschießanlage, eine Rollschuhbahn und eine große Sporthalle zum Beispiel für Handball.

    Ich aber wollte weder Handball spielen noch schwimmen, sondern mal wieder in ein Büro. Der eigentliche Grund meiner Anwesenheit lief erfreulich schnell und glatt ab, und weil ich gut in der Zeit lag und es Freitagmittag war und die BBL (Badbetriebsleitung) super ist, bekam ich noch eine kleine Führung durch die Anlage:

    • Mit dem großen 50-Meter-Becken
    • Und dem Sprintbecken für Startübungen
    • Und der Gegenstromanlage
    • Und dem ehemaligen Sprungbecken und und dem anderen ehemaligen Sprungbecken
    • Und der ehemaligen 50-Meter-Schwimmhalle in deren umgebauten Ex-Becken jetzt die Bogenschützen trainieren
    • Und dem Technikkeller: größflächiger und heller als in „unserem“ Bad, aber mit all den Rohren, Pumpen, Filtern und Leitungen immer wieder faszinierend.
    • Sehr faszinierend: Die Leinensäcke: Die Bahnleinen hängen unter dem Becken in großen Säcken und können von oben herausgezogen werden.

    Nur schwimmen dort wird schwer. Für Training am Olympiastützpunkt reicht es bei mir nicht.

    Karl-Marx-Döner

    In der U-Bahn-Station Karl-Marx-Straße in Neukölln eine Kunst-Installation, irgendwas kritisches zur neuen Zeit mit Handies und Handy-Hüllen und so. Groß wird es allerdings erst, wenn die Installation in direkten Dialog mit ihrer Umgebung, einer Neuköllner U-Bahn-Station tritt, und zweisprachig verkündet „cellphones are NOT REAL / handy sind ATTRAPPEN“.

    Vorher: Karl-Marx-Straße. Beste Hauptstraße Neuköllns; weniger langweilig als die Hermannstraße, diverser als die Sonnenallee, Karl-Marx kann Hipster und little Arabia gleichzeitg.

    Vorher: Der türkischsprachige Film hatte mich inspiriert, ich setzte mich in einen Dönerstand, aß ganz hervorragenden Döner und freute mich am älteren enthusiastischen Alleintouristen aus Süddeutschland, den das alles etwas überforderte, der aber mit großer Begeisterung seine Halal-Currywurst aß.

    Vorher: Saal 3 im Passage-Kino. Der große Fernsehsaal. Ich werde mir merken, in diesem Saal nur noch die ersten drei Reihen zu buchen. Berlinale-2026-Gewinner Gelbe Briefe von İlker Çatak lief im After-Work-Kino um 18.10h.1 Ein Film, der viele Vorschusslorbeeren einsammelte, meinem Eindruck nach nach seinem echten Kinostart aber eher sang- und klanglos versackte.

    Ich verstand warum.

    Ein Film über Staatskunst

    Gelbe Briefe hat zehn richtig gute Minuten. Leider muss man knapp zwei Stunden auf sie warten, und der gute Filmpart kann sich nicht bis ins Ende retten.

    Gelbe Briefe handelt von einem Künstlerehepaar (Sie, Derya: Schauspielerin, Er, Aziz: Drehbuchschreiber mit Unilehrstuhl), die in einer autorität regierten Türkei leben. Genaue Details zum politischen System bleiben eher vage.

    Sie eiern sich so durchs System wie es die meisten Menschen machen würden: Mit genug Meinung, um noch in den Spiegel sehen zu können, aber angepasst genug um noch auf der „richtigen“ Seite der roten Linie zu sein, es reicht für die Stelle am Nationaltheater und an einer staatlichen Universität.

    Dann passiert etwas Politisches im Hintergrund. Die rote Linie verschiebt sich. Plötzlich finden sich die beiden auf der falschen Seite wieder. Sie verlieren Jobs und Wohnung, sie ziehen zusammen mit ihrer 14jährigen Tochter Ezgi zu seiner Mutter in die Wohnung nach Istanbul und eiern dann dort genauso herum, nur unter finanziell schlechteren Umständen.

    Verpasste Chancen

    (1) Er könnte das Herrschaftsinstrumentarium zeigen, wie sich die Schlinge um sie zusammenzieht, wie Freunde auf Abstand gehen, die Familie sich in Sicherheit bringt etc.Das passiert nicht: Die Schilderung des Downfalls bleibt schematisch,. Ihr gesamtes soziales Netz bleibt erhalten. Die Kleinfamilie beginnt Streit untereinander, aber nie so sehr, dass es bedrohlich wirkt, immer mehr: so streiten halt Familien. Ja, vom Unilehrstuhl zum Taxifahrer ist ein Fall. Aber ich konnte den Gedanken nicht ablegen, dass es genug Künstler gibt, die auch ganz ohne autoritäte Regime Odds Jobs arbeiten müssen, um ihr Leben zu finanzieren.

    (2) Der Film könnte das Rumeinern thematisieren. Also: wieviel Stolz ist möglich? Wieviel ist nötig? War ihr Verhalten vor dem Absturz eigentlich okay? Wie gehen sie mit der Situation um? Das Thema steht eigentlich im Raum, wird aber nie so wirklich thematisiert. Einige alte Weggefährten, schon länger auf der „falschen Seite“ sprechen es kurz an, nie aber wird es wirklich Thema.

    Nur zehn Minuten lang, Derya bekommt ein Angebot als Hauptrolle in einer erschlechten Soap Opera, wenn sie Präsidentenfeindliche Social Media Posts löscht, wird es thematisiert: Wie steht Selbsterhalt und Unabhängig im Verhältnis zu politischen Prinzipien? Ist es Politik was Aziz macht oder nur Ego? Die beiden streiten direkt vor der Tochter, und es wird spannend. Die Tochter rennt davon und Aziz wirft sofort alle Prinzipien über den Haufen, um Kontakte zur Polizei zu nutzen, um die Tochter zu finden.

    Da tut es mal weh, da wird nicht nur geeiert.

    Und nachdem Ezgi wieder gefunden wurde, haben sie alle wieder lieb und eieern halt weiter durch ihr Leben.

    Mein Bauchgefühl ist, dass Çatak zu viele türkische Freund*innen hat, denen ähnliches wiederfuhr und die ihm gegenüber seinen Filmfiguren zur Beißhemmung führten. Irgendwie ist der Film dauerhaft zu nett zu ihnen.

    Links

    Im Nu hatte ich meine stets bereite Wikipedia-Präsentation (Obsidian) gezückt

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    Juna bei einer Kurator:innenführung für Internetmenschen im Deutschen Historischen Museum: Ausstellungsbetrachtung: Objekte. Geschichte. Geschichten. Blick in die Sammlung des dhm Berlin

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    Wir hörten ein rauschendes Klavierkonzert. Nein, anders: Wir versuchten ein Klavierkonzert in Deutschlandfunk Kultur während der Fahrt zu den Latifundien zu hören, das UKW-Rauschen des Autoradios machte aber jedes Hören zunicht. Zum Glück leben wir im Zeitalter der Mediatheken: Marc-André Hamelin beim Berliner Klavierfestival

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    Wo wir bei Hamelin sind: ein Fundstück. Hamelin erklärt auf Youtube warum nahezu unspielbare Stücke nahezu unspielbar sind: Super-Virtuoso Breaks Down 9 Impossible Piano Pieces (ft. Marc-André Hamelin)

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    was es alles nicht mehr gibt in der großen stadt [Berlin]. eine unvollständige liste.

    Anmerkungen

    1. Yorck Unlimited No. 23 – 10,35€ pro Kinobesuch. ↩︎

  • 26-05-05 Treffen der Wissens-Nerds in Ehrenfeld (Köln->Berlin)

    26-05-05 Treffen der Wissens-Nerds in Ehrenfeld (Köln->Berlin)

    Auf der Kölner Domplatte: Drei jung jungerwachsene Betreuer einer Pfadi-Gruppe stürmten so enthuasiastisch wie es nur beseelte Jungerwachsene können aus dem Bahnhof in die Stadt Köln. Ihnen folgte eine Gruppe Kinder, die so eindrucksvoll schlurften wie nur vom Leben und von enthusiastischen Erwachsenen gebeutelte Kinder schlurfen können.

    30 Meter weiter: die Polizei erläuterte einem Krishna-Trommler, dass er zwar Krishna-trommeln darf, aber nicht oben auf einer geschlossenen Containermulde.

    *

    Madame nutzte Sonnenlicht auf den Latifundien, um Familie Tigerschnegel in die Winkel des Wasserrohrlochs zu vertreiben, bevor Madame selbst dorthin hinabstieg.

    *

    Der Kölner Wikipedia-Treffpunkt liegt gegenüber der einzigen Karnevalshutfabrik der Stadt.

    *

    Einer Schokoladen-Zutatenliste verdanke ich das tolle Wort Schwarzbrotbrösel. Jetzt muss ich mich nur noch entscheiden ob ich einen Roman oder eine Art-Pop-Band so nenne.

    *

    Es war ein Jury-Samstag und ein Jury-Reise-Sonntag.

    In einer anderen Betonwüste: Ein Eichhörnchen

    Von J.G. Ballard existiert ein Roman Concrete Island/ Die Betoninsel. Dieser schildert wie ein Jaguar-Fahrer nach einem Unfall in einem Stückchen Grasland zwischen mehreren Autobahnstücken gefangen ist und dort eine Robinsonade erlebt.

    Nicht ahnte ich, dass das entsprechende Grasland in Köln liegt. Und dass ich als Fußgänger dorthin geraten kann, wenn ich einfach nur vom malerischen Park mit Schwimmbad den Kilometer bis zum Rhein laufen möchte. Dort, wo Open Street Map Park/Zoo/Park titelte traf ich inmitten von Hektotonnen Beton keinen einsamen Jaguarfahrer, sondern ein Obdachlosencamp.

    Köln – du Stadt der Überraschungen!

    Am Ende der Betonschluchten gelangt ich zum Fast-Sommerrhein im Feiertagsmodus! Die Pollux mit Heimathafen Hamburg überholte auf dem Fluss die am Ufer liegende Viking Gymir mit Heimathafen Basel, und das war eine schöne Nordsee-Oberrhein-Connection via Köln.

    Dann, der nächste Park, den ich ich im Nachhinein vielfach als Brennpunkt beschrieben fand. Ich fand ein stolzes Sanierungsschild neben einem traurigen wasserlosen Brunnen. Problemlos hätte ich meinen Restlebensbedarf an illegalen Drogen decken können.

    Köln- du Stadt der Überraschungen!

    Dann Café mit Kölsch-Radler und Programmkino und zentral gelegenes Hotel mit Grün drumherum. Du Stadt der Überraschungen! Love ya ein bißchen.

    Eisschwimmhalle

    Mit wehendem nassen Haar verließ ich das Lentbad? (Lentpark-Bad? Bad im Lentpark? Nur Lentpark – aber ist das nicht der Park an sich?) Durch den frühlingssonnenbeschienen Park tönten nicht nur die Rufe der Vögel – auch ein lange gehaltener Blasinstrumententon wehte herbei – entweder eine tiefe Trompete oder ein hohes Alphorn.

    Während ich meine Schritte abwandte, wurden die verblassenden Töne vielfältiger – offenbar doch eine Trompete deren Klang über das Gras klang.

    Es konnte kaum besser kommen, denn ich kam bereits aus einem schönen Bad.

    Schwimmschwimmhalle mit Eiskuck

    Das Lentbad (Lentpark-Bad? Bad im Lentpark? Nur Lentpark -aber ist das nicht der Park an sich?) liegt im Lentpark an den Ausläufern des Rheinufers. Der Rhein ist nah genug, damit in der Schwimmhalle nachträglich eine Hochwassermarke vom Rheinhochwasser 1784 angebracht wurde, und fern genug, um den Fußweg zum Rhein abenteuerlich zu gestalten.

    Seit 1936/1937 steht dort eine Eislaufhalle, zwischenheitlich war sie Heimat der Kölner Haie. Aufgrund von Baufälligkeit wurde das Gebäude 2007 abgerissen und dann nach Protesten der Bürger gegen ihr verschwinden neu 2011 (Gebäude) bzw. 2012 (Freibad) gebaut.

    Das Gebäude vereint Schwimmbad, Eislaufhalle (sichtbar vom den Stiefelgängen im Bad) und vor allem eine Eishochbahn in der ersten Etage, der durch Glas getrennt durch Schwimmhalle und Eishalle führt.

    Never seen this before, aber ich bin hochgradig beeindruckt.

    Ich möchte mich bedanken: ein Bad, das den Spagat zwischen funktionell und schick schafft.

    Kabinen, Duschen, Becken, alles sagt mir: Hier ist Schwimmen. Nichts wirkt architektonisch exorbitant. Und trotzdem ist da noch ein netter kleiner Warmwasserwhirlpool inmitten der Becken. Die Aussicht ist Grüne ist super. Alles wirkt schön. Und das special ist wirklich special.

    Selber schwimmen, und oben die Eisläufer vorbeihuschen sehen. Das ist schick.

    Schwimmbad-IT-Menschen finden sowas spannend. Es gibt keine eigene Eintrittskarte, sondern der QR-Code für das Schwimmbaddrehkreuz wurde direkt auf den Kassenbon gedruckt.

    Vieles zum Bau in alt und neu Archiv des Badewesens: Eislauf und Baden unter einem Dach.

    Fokus auf das alte Bad im KStA: Die Geschichte des alten Kölner Eis -und Schwimmstadions

    Meine Köln-Kreiselungen führten nach Ehrenfeld

    Ein Besuchskind auf den Latifundien fragte, warum ich nicht anwesend bin. Es verstand als Antwort: „Schiri-Treffen“. Das war nicht komplett abwegig.

    Allerdings ging es nicht um Fußball, sondern um Wikipedia-Artikel.

    Weder war ich zum Schwimmen noch zum Stadtstromern nach Köln gekommen, sondern für eine ernsthafte Angelegenheit. Die Jury des Wikipedia-Schreibwettbewerbs traf sich im wichtigsten deutschen Wikipedia Community-Treffort: dem Lokal K in Köln.

    Oder, wie einst eine Lokalzeit titelte, deren Ausschnitt noch an der Pinnwand hing: „Wissens-Nerds treffen sich in Ehrenfeld.“

    Enzyklopädieartige Schilderung des Schreibwettbewerbs

    Der Schreibwettbewerb ist eine Institution der Wikipedia. Er findet zweimal im Jahr statt (März und September eines jeden Jahres). Autor*innen können Artikel ihrer Wahl einreichen, bewertet wird das Beste was in diesem Monat entstannden ist.

    Dies war die 44. Ausgabe des Schreibwettbewerbs. Ich war soweit ich rekonstruieren kann, bereits zweimal in der Jury. Bei der allerersten Ausgabe 2004 und dann noch mal bei der fünften Ausgabe 2006, die fast die Jury und den Schreibwettbewerb gesprengt hatte. Danach hatte der Wettbewerb 39 Ausgaben Ruhe vor mir bis jetzt.

    An den Artikel und dem Ablauf lässt sich schön die Geschichte der Wikipedia verfolgen: wie intensiv oder nicht-intensiv teilgenommen wurde, welche Preise ausgelobt wurden, wie stilistisch die ausgezeichneten Artikel aussahen, und vor allem, was im Umfeld des Preises diskutiert wurde.

    Diesmal war es ein Alt-Treffen. Von den sechs Jurymitgliedern waren zwei schon damals in der ersten Jury, zwei weitere waren 2004 schon aktiv in der Wikipedia, eine kam nur wenig später und nur eine Jurorin war mit ihrem ersten Edits in den späten 2010ern ein echter Jungspund.

    (Dafür allerdings hat sie den Wettbewerb seitdem öfter gewonnen als alle anderen Juroren in allen Jahren zusammen)

    Nicht ganz so enzyklopädieartige Schilderung des Schreibwettbewerbs

    Diesmal gab es drei Sektionen (Natur und Technik // Kunst und Kultur // Geschichte und Gesellschaft) mit je zwei Juror*innen und insgesamt 23 nominierte Artikel.

    Die Jury vergleicht dabei nicht Äpfel mit Birnen, sondern wortwörtlich Organe mit Völkerschauen, Messer mit nicht realisierten Bahntrassen und antike Theatergattungen mit Spinnenarten.

    Es sind Artikel, die tief aus einem wissenschaftlichen Fachdiskurs kommen und nur mühsam gewöhnliche Leser*innen mitdenken, oder spannend zu lesende Artikel mit schwieriger Quellenlage. Es sind exorbitante Abhandlungen zu umfassenden Themenbereichen oder tief gebohrte Nischenthemen.

    Jede Bewertung ist hier natürlich hoch subjektiv, die Diskussion darüber aber ein großer Spaß. Und es ist erstaunlich, dass sich die Jurys doch am Ende einigen können. (Außer beim legendären fünften Schreibwettbewerb)

    Die 44. Ausgabe

    Jede Jury hatte ihre Sektion komplett gelesen und ihre Lieblingsartikel vorgestellt. In „meiner“ Sektion Geschichte & Gesellschaft hatten wir uns auf Hagenbecks Völkerschau der „Bella Coola“ 1885/86, das Mithräum am Ballplatz, die Ostalpenbahn, das Mimos und das Plattform-Sutra geeinigt.

    Die anderen beiden Jurys gingen ebenso mit Vorschlagslisten in die Sitzung. Alle Jurymitglieder hatten bis zur Sitzung alle Artikel gelesen und dazu Anmerkungen, Kritiken und Stellungnahmen formuliert.

    Jede Jury stellte „ihre“ Artikel vor und dann gab es jeweils eine ausgiebige Diskussion. Sind die Quellen valide? Ist das verständlich? Ist das aktuell? Stimmt es überhaupt? Ist es sinnvoll aufgegliedert und geordnet? Fehlt eine Karte? undsoweiter. Das ging so für jeden Artikel. Danach hatten wir schon mal eine gute gemeinsame Einschätzung ob ein Artikel eher ganz nach oben, oder eher unten oder vielleicht doch so in die Mitte kommt.

    Und weil das sowieso alles subjektiv ist, und undifferenzierte Wertungen feige, einigen wir uns am Ende auf eine Reihenfolge. Bis 19 Uhr waren wir fertig, konnten nach nebenan ins Brauhaus.

    Am nächsten Tag: Nach einmal drüber schlafen: Sind wir uns immer noch einig (eine Folge des 5. Schreibwettbewerbs); bei ein oder zwei Fakten haben wir noch mal recherchiert, nicht dass wir peinlicherweise etwas Falsches auszeichnen, und es galt ja auch noch, das Votum zu begründen und in die Wikipedia zu setzen.

    Wir haben einen Gewinner: Die Milz. Und alles was ihr jemals darüber wissen wolltet und noch viel mehr.

    Going home

    Wie kann man einen kompletten Bahnsteig aufwecken, der nach 30 Minuten warten auf den verspäteten ICE1055 in einer Art Dämmerzustand dahingesunken ist? Man lösche den Zug einfach komplett von der elektronischen Anzeige. Menschen, ich, schaue hektisch gleichzeitig auf die Anzeigentafel, auf ihr Handy und auf andere Reisende, ob deren Handy vielleicht schlauer ist.

    Nach einer Minute war der Spuk vorbei.

    Der Kölner Hauptbahnhof hatte Weiche, Notarzteinsatz und Signal und „mein“ ICE1055 deshalb verspätet anreisendes Personal. Mit Jurorin Nina hatte ihr Glück nach Berlin bereits Richtung Frankfurt versucht, ich wollte aber am Unordnungsreisen festhalten: ein ICE, der in Recklinghausen, Osnabrück und am Bahnhof Zoo hält, nicht aber in Wolfsburg oder Spandau, muss doch wohl Glück bringen.

    Am Ende schrumpften 40 Minuten Verzögerung bei der Abfahrt auf 15 Minuten bei der Ankunft. Ich saß auf dem gebuchten Platz im gebuchten Zug, damit gilt die Fahrt als Erfolg. Zumal ich ein gutes Buch hatte: Joseph Roths Das Spinnennetz.

    Dritter Ort – ein Schafskrimi

    Sari bei der Premiere von Glennkill – ein Schafskrimi. Den Film möchte ich auch noch sehen.

    *

    Florian Heinz über das „Netz war nie ein dritter Ort“ – nicht unspannend. Aber „das Netz“ ist mindestens genau so unspezifisch wie „die Stadt“. Die Stadt ist auch kein dritter Ort, aber dort gibt es solche. Das Netz ist kein dritter Ort, aber dort gibt es solche. Es kommt darauf an, mehr davon zu schaffen.

    *

    Doppelblog-Facharztmisere. Hier in der Buddenbohm-Kafka-Interpretation:

    Aber man sieht es sofort vor sich, finde ich, wie etwa der berühmte Schlusssatz aus Kafkas „Vor dem Gesetz“ in diesem Zusammenhang ins Satirische gedreht werden kann, vielleicht am Ende eines bissigen, bösen Einakters, gesprochen von einer Arzthelferin, in der Tür des Wartezimmers lehnend: „Hier konnte niemand sonst behandelt werden, denn dieser Termin war nur für dich bestimmt. Ich gehe jetzt und vergebe ihn neu.“

  • 26-04-18 Ayran in der Wilhelmsaue

    26-04-18 Ayran in der Wilhelmsaue

    Rückwärts einparken für Kreative: Einfach aussteigen und das Auto mit der Hand am Lenkrad schieben.

    *

    Am Pavillon von Currywurst Ruhige Tag blinkt und leuchtet eine Eisdiele. War die schon immer da und ich habe sie jahreszeitbedingt nur nie gesehen? Oder ist sie jahreszeitbedingt erst jetzt aufgetaucht?

    *

    Noch viel mehr blinkte und glitzerte ein mir bisher unbekanntes Schaufenster: Wirbelwind Sportbekleidung spezialisiert sich auf Rhythmische Sportgymnastik, Eiskunstlauf, Turnen. Ein dementsprechender Traum in Pailetten schmückt ihr Schaufenster.

    *

    Wahrend ich dies schreibe, signalisiert Madame ein Bild vom Frankfurter Hauptbahnhof. Sie erkundete die letzte Woche wieder einmal Ettenbühl und bringt im ICE278 Rosen sowie organischen Dünger mit. Vielleicht sichert ihr das letztere einen Einzelplatz.

    *

    Es war ein strohwitweriger Wilmersdorfer Wochenendauftakt.

    Am Schreibtisch

    Vor die Wilmersdorf-Exkursionen hatte die Welt meinen Schreibtisch gesetzt.

    Als lahmender letzter Juror des Wikipedia-Schreibwettbewerbs stellte auch ich meine Artikel-Shortlist zusammen, so dass wir jetzt beim Jurywochende eine spannende Artikelauswahl haben, über deren Platzierungen wir streiten können.

    *

    Da die Fernuni Hagen in diesem Sommersemester 2026 das letzte Mal gedruckte Unterlagen ausschickt, rang ich mich zu einer Entscheidung durch, welche Module ich in den kommenden Semestern wohl belegen können wollen würde und belegte noch vier neue:

    Gerade die Informatiker machten es mir nicht leicht. Fast alle ihrer Module werden in den nächsten Semestern verschwinden oder komplett überarbeitet werden. Auch nur eine mittelfristige Planung mit diesen Modulen ist fast unmöglich.

    Um am über die Wilhelsaue herum

    Die erste Attraktion des Ortes kann ich vom Schreibtisch aus sehen. Der rosa Fluffelpuschel, aka die Zierkirsche, steht an einem Schleichweg für Anwohner*innen. Und jede*r zweite zückt zweifellos zögerungsfrei zurecht das Telefon für ein Foto. Die können wir dann sehen und uns am Anblick erfreuen.

    Aber eigentlich sollte es weiter in den Ort gehen.

    Damit das Amt uns finde

    Zu diesen Alt-Wilmersdorf-Exkursionen hatte mich das Bürgeramt angestiftet. Schon bei unserer Ummeldung hatte uns die Sachbearbeiterin aufgrund unserer speziellen Adresse informiert, dass es wichtig ist, dass Behördenpost ankommt. Sonst geht die Behörde davon aus, dass wir dort nicht wohnen, löscht die Anmeldung, womit auch die Autoanmeldung.. und so, alles unschön.

    Nun haben wir langsam die deutsche Post erzogen, unseren Briefkasten zu finden. Leider nutzen Berliner Behörden aber nicht die deutsche Post, sondern PIN. Und ob PIN in der Lage ist?

    Also wollen wir das Lernprogramm für Briefausträger*innen fortsetzen: Wir schicken uns selber Briefe an die neue Adresse mit dem Zusatz „Schwimmbad!“ Irgendwann wird die PIN-Briefträger*in es merken und hoffentlich bei genügend Briefen dauerhaft in Erinnerung behalten, dass diese Adresse existiert.

    Also brauchen wir Briefe. Dafür brauchen wir Briefmarken. Von PIN; die es online nur in 100er-Mengen gibt. Also brauchen wir eine Verkaufsstelle. Die nächste Verkaufsstelle ist der Edeka Berliner Straße am Ende der Wilhelmsaue; der sich als wahrhaftes Supermarkt-Wunderland mit 24 Stunden Öffnungszeit herausstellte, und die Kassiererin fand am Ende auch unter der Kasse die Briefmarken.

    Vorher aber hatte ich schon wilmersdorfgewandert.

    Grüner PIN Briefkasten inmitten einer Baustelle

    Am Stein

    Auch sechs Monate nach Einzug bietet die Nachbarschaft jede Menge Möglichkeiten zur Entdeckung. Zumal wenn sie sich plötzlich im Frühlingskleid zeigt, Menschen auf die Straße gehen, die Trattoria die Tische nach draußen räumt und die Grünflächen gleich einladender wirken.

    Ich entdeckte einen neuen Banksitzplatz unter dem Baum am Gedenkstein für den ehemaligen Ortskern. Ein Traum in der Abendsonne, kaum zu glauben in seiner Idylle und doch durch bemüht nach einem Parkplatz suchende Autofahrer*innen nicht ohne Unterhaltung.

    Mein Telefonat von dieser Bank aus wurde derart von einer singenden Drossel übertönt, dass dies Vögelzwitschern den Kaptain am anderen Ende dauerhaft irritierte.

    Der Karaoke-Keller

    Madame schickte mir einen Veranstaltungshinweis für Freitag Abend: Am 17. April sorgt DJ BigBaer wieder für Stimmung bei Jung und Alt mit seinem Karaoke-Abend.

    In Wilmersdorf ist die Welt noch in Ordnung. Hier existiert noch ein reges Gemeindeleben in der evangelischen Auengemeinde, das nicht nur Mitglieder des RIAS-Kammerchors in die Kirche bringt, sondern auch DJ Big Baer in den Keller des Gemeindehauses.

    Ich hätte große Lust, aber trau mich alleine nicht dorthin. Zumal ich immer noch versuche die hartnäckige Langzeiterkältung loszuwerden, die Abendexzesse verbietet.

    Dann lieber tagsüber unterwegs.

    Auenkirche hinter Auenaue

    Die Waffle-Brothers-Auswechselbank

    Während ich am ehemaligen Wilmersdorfer See entlangschlenderte, der sich im 20. Jahrhundert in Sportplätze verwandelt hatte, fiel mir aufgrund des Gejohles von der Seitenlinien auf, dass ein wahrhaftiges Fußballspiel stattfand. Es spielte Weiß-mit-blauem-Muster gegen Blau-mit-leuchtend-gelber-Ärmelapplikation; Jugendmannschaften der Optik nach.

    Ich blieb stehen, ich bemerkte das erste mal, dass auf dem Sportplatz nicht nur Wechselbänke stehen, sondern diese vor allem vom Freund der snackenden Jugend, den Waffle Brothers gesponsert werden.

    Etwas später konnte ich Vereinsnamen lesen: Delay Sports (weiß) spielte gegen BFC Alemannia 90 (blau). Und dann staunte ich, weil Delay nicht nur irgendein Verein ist, sondern ein neumodischer 2021 von Twitch-Influencern-gegründeter-Verein mit large Internet following. Daher vermutlich auch die Waffle Brothers. Dieser Verein wohnt wirklich auf dem Kunstrasensplatz Blissestraße an dem ich gerade vorbei ging.

    Gänzlich zu Hause wurde ich dann ganz schlau: Ich hatte den 2:1 Sieg der Alemannia C-Jugend über Delay Sports in der Bezirksliga Berlin Staffel 3 gesehen. Delay bleibt aber Tabellenführer und wird vermutlich in Staffel 2 aufsteigen.

    Eine U-Bahn-Station weiter

    Der „Thaipark“ mit Asia Streetfood. Oder wie eine junge Frau mit vor Freude sich fast überschlagender Stimme meinte: „Ich hatte soo gehofft, dass du auch Hunger hast.“

    Zementsack Lächelparade

    Vielleicht bekommt Berlin eine neue Sehenswürdigkeit: Den Zemetsack. Dieser illegal entsorgte Sack wurde, soweit nicht überraschend, seit 17 Jahren nicht entsorgt. Dies wurde, soweit überraschend, aber von einem Anwohner verfolgt und versucht zu ändern: Saubermann 007 und sein Kampf gegen das vermüllte Berlin: Warum liegt der Zementsack seit 17 Jahren am selben Ort?

    *

    Das Elsass und drumherum bekommt ein Wochenendticket. Die Region Grand Est, also der Teil Frankreich an der deutschen Grenze, führt den Pass Groupe Week-End mit dem bis zu 5 Personen für 40 Euro das Wochenende durch Grand Est fahren dürfen. Wann bin ich wieder Baden?

    *

    Erinnert sich noch jemand an das Affen-Selfie. The BBC does: This monkey selfie will protect you from AI slop

    *

    Turkuer Schnipsel

    *

    Beim Umarbeiten finde ich heraus, dass die Landesregierung Nordrhein-Westfalen einen “Arkanbereich” hat! Sofort denke ich Harry Potter, Gandalf, Merlin, magische Bücher und Zauberstäbe. Magischer Staub, der schnödes Papier in herrliche Digitalisiate verwandelt, liegt hier in der Luft. Ledergebundene Bücher murmeln leise im Dunkeln uralte Formeln, ein Rabe krächzt und eine Kristallkugel leuchtet.

    *

    Sagen wir einfach, ein bis zwei Hundertschaften der hanseatischen Promenierbevölkerung gehen hier vorbei. Eine Lächelparade des Wohlwollens. Und die Tanzenden, sie bekommen das kaum mit. Sie sind doch so sehr damit beschäftigt, sich anzusehen.Was aus meiner Sicht auch vollkommen der althergebrachten Ordnung entspricht.

  • 26-04-04 Odometer 200000 (Berlin->Dithmarschen(Hamburg ?))

    26-04-04 Odometer 200000 (Berlin->Dithmarschen(Hamburg ?))

    Auf der Autobahn: Riesen-Pick-Ups mit Riesen-Wohnwagen. Ich versuche mir kurz eine Version meiner selbst vorzustellen, die in ihrer Jugend so abbog, dass sie heute.. NEIN!

    **

    Madame erzählte, warum sie Hosentaschen junger Männer mustert und warum ihre Prüflinge gerne mit Schlumpfhosen und Moon Boots zur Prüfung erscheinen.

    **

    Der Kaptain buk Mandelkuchen.

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    Die Küstenseeschwalben sind noch auf Wanderschaft. Bisher kehrten nur die Lachmöwen in die Kolonie zurück.

    **

    Es waren konzertante Reiseostertage, oder Osterreisetage.

    Sand im Salatgetriebe

    Manchmal versuche ich Sand-im-Getriebe des globalen Kapitalismus zu sein, indem ich bei McDonalds Mehrwegbecher bestelle. Das ist möglich, aber offenbar so wenig McDonalds-durchrationalisiert, dass selbst der Feld-Wald-und-Wiesen-AöR-Prozessmensch in mir weint, wenn er die Umstandskrämerei betrachtet, die diese Bestellung und die Pfandeinlösung in der Filiale auslösen.

    Dazu auch noch Salat. Wenn wir die Filiale schon mit unvorhergesehen Wünschen irritieren, dann konsequent. Wir lieben es funky. Zumal ich mit einer Salat-Bestellung die Pflanzen-der-Woche-Liste gleich um fünf erweitern konnte:

    • 57 – Eisbergsalat
    • 58 – Lollo Rosso
    • 59 – Endivie
    • 60 – Frissee
    • 61 – Radicchio (sagt das Internet dass er drin wäre. Ich habe keinen gesehen)

    Also deshalb lieber die echte 61 aus dem Falafel-Wrap vom Vortag:

    • 61 – Kichererbsen

    Geisterautos

    Für’s Protokoll: Autogas kostet derzeit für uns zwischen 1,08€ und 1,12€. Das ist gerade von Belang, denn wir müssen deutlich öfter tanken als normal.

    Ein Geisterauto auf der nächtlichen A24 ganz ohne Beleuchtung, das sich auch durch Signale anderer nicht zur Lichtentzündung bewegen lassen wollte.

    Ein anderes Auto auf der A23, das immer wieder mit Warnblinker auf den Standstreifen fuhr, um uns wenige Minuten später mit 180km/h zu überholen.

    Zahlreiche Freunde1 der Lichthupe quasi überall. Ich überlegte kurz, ob es überzeugte Christen sind, die ob der nahenden höchsten Feiertage in emitionale Aufwühlung gerieten. Aber ich verwarf den Gedanken. Wahrscheinlich war die Lichthupe ein fast schon verzweifeltes Hilfesignal „Die Zivilisation überfordert mich! Ich wäre jetzt viel lieber in einer Höhle und würde von Mammuts träumen! Helft mir!“

    Erlebnisse, die im Moment irritierend waren, aber nicht den Eindruck der Fahrt von Berlin nach Dithmarschen verwässerten, die aller Vorösterlichtkeit zum Trotz entspannt und ruhig war.

    Abgerundet wurde dieses im Ganzen friedlich entspannte Reisegefühl durch das ein- oder andere Osterfeuer, das sich entlang der Strecke sehen oder riechen ließ.

    Bereits kurz nach der Abfahrt erreichte der Subaru seinen Kilometer 200.000. Damit wird er dieses Jahr nicht nur volljährig, sondern erreichte auch einen Kilometer-Meilenstein.

    Einzig der Geruch nach Gummi, störte. Aber das wurde erst ein Thema für den nächsten Tag.

    „Ist halt Subaru“

    Machen ADAC-Techniker Fortbildungen, in denen sie lernen, das Auto des Clubmitglieds zu loben? „Unser“ Techniker bestand diese Fortbildung offenbar mit Sternchen.

    Der leichte Gummigeruch des Vorabends hatte sich über Nacht zu einem veritablen „Es fährt nicht los“ entwickelt. So standen wir also mit dem Techniker vor der offenen Motorhaube. Er sah sich das einmal an, holte ein Art Gartenschere aus seinem Kofferraum, griff in den Motor und sagte „Geht wieder.“ Auf unsere ungläubigen Blicke folgte ein „Ist halt Subaru.“

    Er führte aus „Dieser Motor ist ein Geschenk“, weil alles so zugänglich und leicht erreichbar ist. Auch die defekte Klimaanlage, deren Keilriemen hier das Problem auslöste. Ein Schnitt mit der Gartenschere. Keilriemen und Klimaanlage waren damit zwar endgültig außer Effekt gesetzt, der Rest des Motors blieb unbeeindruckt. Frage „Stört das die Funktionsfähigkeit des Autos?“ Er: „Nur wenn sie in die Wüste Gobi fahren.“

    Wir diskutierten kurz, ob eine Klimaanlage notwendig oder Luxus ist, er warf den Wiederverkaufswert des Autos ein. Der interessiert uns wenig, denn wir gedenken, den Forester zu fahren bis er auseinanderfällt oder der TÜV uns gewaltsam trennt.

    Er „Stimmt. Sowas kriegen sie nie wieder.“ und „Die Subarus waren da ja für die Ewigkeit gebaut.“

    Und so kam es, dass wir den ADAC rufen mussten, erfuhren, dass das Auto einen Schaden um 1000-1500-Euro-Bereich hat, und wir trotzdem danach ein gutes Gefühlt hatten.

    Well played, Autoclub, well played.

    Christus am Ölberge

    Es stürmte auf der Südseite der Plaza. Kaum waren wir bei unserer Umrundung der Elbphilharmonie um die Ecke gebogen, erkauften wir uns den Blick, mit einem Gegenwind, der mich an abbrechende Äste gemahnte. Aber der Blick war es wert.

    Oder auch die Blicke: Innen, Außen, Oben und Unten. Der Bau der Elbphilharmonie war ein ähnliches Drama wie der Bau des Berliner Flughagfns, das Ergebnis erhebt sich über die Vergessbarkeit des Verkehrsgebäudes in Brandenburg. „Spektakulär“ kein anderes Wort lässt sich sagen.

    Der Blick auf Hafen und Stadt gleichzeitig, eine Perspektive, die viele autochthone Hamburger gefühlt immer haben, aber sie kaum sehen. Der Blick auf alle Kirchtürme. Die Barkassen und Hafenfähren, die Miniatur-Wunderland gleich, weit unten fahren. Die Treppenhäuser und Foyers; das Innere des großen Saals, der wirkt wie die Berliner Philharmonie, neugestaltet von Jonathan Ive und nach Erfindung der CNC-Technik. Komme herein, Bauer und Städter, Hamburger, Berliner und Kopenhagener: Komme herein und staune.

    Und so kamen wir uns sie. Der Mann, der bei mir dezenten Sakkoneid auslöste durch seinen Sakko im Design der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche oder eines anderes geometrischen Glasfensters; der kleine Junge, der tapfer einen Beethoven und einen halben Haydn durchhielt bevor der doch Super Mario aus der Tasche zog; die junge Frau, die die Dramödie „meine erste steile Treppe in hohen Absätzen“ aufführte.

    Überhaupt waren viele Familien anwesend. Und ein echtes Symphoniekonzert am Karfreitag zog anscheinend eine deutlich festlichere Konzertgemeinde an als Herr Buddenbohm sie erlebte.

    Vielleicht das spektakulärste des Spektakels war der Klang. Egal, auf welches Instrument wir fokussierten: Es hörte sich an, als würden wir direkt daneben sitzen. Als der Trompeter einmal mit dem Fuß den Takt klopfte, wir hörten es vier Etagen weiter oben. Aber auch; jeder Huster irgendwo im Publikum, jedes vibrierende Handy einmal quer durch den Saal. In der klanglichen Überwältigung des Raumes reden wir hier von Weltwunderniveau.

    Die sieben letzten Worte unseres Erlösers am Kreuze

    Vorweg: Berührend war die Herzlichkeit mit der Dirigrent, Orchester und Vokalensemble vor und nach den Stücken miteinander umgingen. Das war um so beeindruckender, weil das musikalische Karfreitagsprogramm nicht herzlich war: Ringend, aufbrausend, schmerzend, feierlich, ruhig, donnernd – aber nicht herzlich.

    Der Altmeister der alten Musik Jordi Savall führte mit seinem Orchester Le Concert des Nations und dem Vokalensemble La Capella Nacional de Catalunya ein Programm auf, das Ostern erst nahm.

    Beethovens Oratorium: Christus am Ölberge – die dramatischen letzten Stunde Jesu im Garten Gethsemane bis zu seiner Verhaftung und Haydns Die sieben letzten Worte unseres Erlösers am Kreuze, feierlich, getragen fast schmerzlich in seiner Intensität. Der Moment als alles vorbei scheint, der Kampf vorüber und das Ende der Geschichte nah ist.

    Von vielen vielen beeindruckenden Momenten vielleicht der gänsehautigste: Das Vokalensemble, ohne Orchester, steht und intoniert „Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?“

    Akustisch gestaltete Wand der Elbphilharmonie

    Badeanzug-Bärchenemoji

    Haben sie diese amerikanische Kleinstadt schon einmal gesehen? ‘Courthouse Square’ auf dem Universal-Gelände spielte schon die Kleinstadt in Filmen von Tarantula bis Zurück in die Zukunft. (Oder To Kill a Mockinbird, Magnum, Knight Rider, Bruce Almighty.. you name it. Vermutlich haben Dutzende Millionen von Menschen diese Kulisse vor Augen wenn sie „US-Kleinstadt“ denken: Look familiar? ‘Courthouse Square’ is a regular character in film, tv

    Menschen, die ich bewundere. Conny unterhält sich seit 2017 mit wildfremden Menschen am Telefon, die irgendwas von Wikipedia wollen:

    Badeanzüge, die nicht schwarz sind und in denen frau trotzdem schwimmen kann. Ein ewiges Thema. Auch in Potsdam.

    Ich lachte laut: „Für mich fühlt sich Spielen mit einem Controller immer ein bisschen an wie ein Alptraum: Ich werde auf einen Stuhl gesetzt und soll ein Verkehrsflugzeug sicher landen während gleichzeitig die Landebahn unter schweren Beschuss steht. Dazu drückt man mir eine Banane in die Hand, auf die jemand sämtliche Emojis geklebt hat, die es gibt. Dann erklärt man mir die Mechanik: „Um vorwärts zu fahren: Kotz-Emoji + Bärchen + Schraubendreher + abwechselnd Schildkröte von vorne und Clownsgesicht. Schildkröte von vorne!“

    Anmerkungen

    1. Ich konnte die Fahrersitze nicht sehen. Aber glaubt irgendwer, dass hier gegendert werden müsste? ↩︎