Schlagwort: Dachboden

  • 25-10-18 Aus dem Schattiernetz fiel ein Ei

    25-10-18 Aus dem Schattiernetz fiel ein Ei

    Gemach! Alle Entspannen!

    In einer Liste aus der Mode gekommener Worte stieß ich auf den Imperativ Gemach! (im Sinne von gemächlich) und beschloss, diesen auch öfter zu verwenden.

    Ein Motto, dass diese Woche gebraucht hätte. Auch der Freitag fühlte sich so gar nicht an wie ein Freitag, sondern hatte starke Montagsvibes. Aber es ist vorbei, jetzt sitze ich neben dem Kamin, höre Monika Roscher, und wenn es nicht stockdunkel wäre, würde ich Garten, Feld und Himmel sehen.

    Es war ein Tag des mobilen Arbeitens und ein Indian-Summer-Tag auf den Latifundien.

    Madame bekochte mich. Unter anderem mit dem gemüslichen Brokkoli. Der kam den Möhren von letzter Woche nach: Optisch gar nicht mal so ansprechend. Aber im Geschmack eine Brokkoligkeit? Wie sagt man, wie pflanzengewordenes Brokkoli-Konzentrat. Wie intensiv dieser Kohl schmecken kann. Meine Güte! Wie Großartig.

    Ganz anders aber auch wiederholenswert Gemüsli-Fenchel-mit-Crowdfarming-Mango-Salat.

    Die Schöneberger Dachbaustelle arbeitet sich von rumpelnden Ukrainern hin zu einem schlecht gelaunten original Berliner Dachdecker vor. MMB arbeitet an seinem ersten IT-erklär-Video.

    In Wilmersdorf existiert die Hui-Buh-Bibliothek. Offiziell ist es die Eberhard-Alexander-Burgh-Bibliothek. Aber da dessen Ruhm vor allem auf der Erschaffung von Hui Buh, dem Schlosssgespenst, beruht, ist es für mich die Hui-Buh-Bibliothek.

    Mich passierte ein Mann mit Union Jack auf der Jacke und darüber eine Aufschrift „geographical norway“. Sofort versuche ich, eine ungefähre Rahmenhandlung für einen Alternative-Geschichte-Roman zu entwerfen, in dem diese Flaggen/Landes-Kombination nicht nur Sinn ergibt, sondern auch relevant ist.

    Danach zum Edeka No. 1

    Ich bin ein braver Kollege. Wenn eine Lieblingsbadleiterin sagt, ich soll in ihr Bad kommen und schwimmen gehen, dann kann ich mich kurzfristig haselantisch herausreden. Aber natürlich gehe ich schwimmen.

    Am Freitag loggte ich mich aus dem Rechner aus und stieg ab in den 187er nach Lankwitz. Ich schwamm ein paar Bahnen, betrieb ein paar Bahnen improvisiertes Wassertreten hinter unpassierbarem Treibholz, winkte an den Beckenrand, und beendete die Beckenzeit unter dem künstlichen Wasserfall..

    In Lankwitz ist Action!

    Bereits vorher hatte ich mir die Mio-Mate-Einladung ins BBL-Büro besorgt – wo ich erst ausgefragt wurde „Wie viele Bahnen? Welche Zeit?“ und dann genötigt werden sollte, mich zu einem Besuch pro Woche zu verpflichten.

    Grün zu Gelb zu weg

    Ist es das Gartenwochenende der Gartenwochenenden? Die Sonne lockte noch einmal Hummel, Schwebfliegen und Tagpfauenaugen hervor. Untermalt vom Dauerttröten der Kraniche und Gänse, die mal zu hören sind, mal zu sehen, mal als Einzelvogel, mal als Trupp. Gelegentlich fliegt ein Schwarm Stare vorbei – so niedrig, dass ich vermeine, meinen Arm nach ihnen ausstrecken zu können.

    Der reichliche Regen des Jahres brachte nur nicht ungewohntes Grün im Sommer, sondern jetzt auch eine Farbexplosion von Grün (Apfelbäume), zu gelb (Pfirsich) zu rot – leuchtend in der Sonne.

    Nur mühsam rafften wir uns auf, den Garten langsam auf den Winter vorzubereiten. Ich begann das Schlußmähen (Fortsetzung nächste Woche), Madame montierte das Schattiernetz von der Pergola ab. Dabei fiel ihr ein zerbrochenes Ei in die Hände – Hühnereigröße. Wir können ausschließen, dass da oben ein Huhn brütete. Aber wie sonst kam das Ei dorthin?

    Land der Haseln

    Ich befragte den Halluzinator zum Wort Haselant – vielleicht fände er noch ein paar schöne Literaturstellen oder hätte Anekdoten zum Wort.

    Der Halluzinator allerdings machte, was er am besten kann: Halluzinieren. Erst erzählte er, Haselant sei das Land der Haseln. Konnte natürlich auf Nachfrage keine Fundstellen liefern.

    Dann schubste ich in die richtige Richtung: „Denke an Narr oder Scharlatan.“ Damit verortete er den Haselanten im 16. Jahrhundert – wieder ohne einen Beleg angeben zu können.

    Erst als ich ihn mit Nachdruck auf das 19. Jahrhundert hinweis, fand er Textstellen bei E.T.A. Hoffmann, Theodor Storm oder Theodor Fontane und fand auch eine Bedeutung „Mensch, der viel und schön redet, aber ohne Sachkenntnis/ Mensch ohne Charakter“. Da fiel es mir auf:

    Der wahre Haselant ist der Halluzinator selber.

    Back to the 80s

    Angesichts von Madames Bibliotheksausflügen, diskutierten wir Zeiten, in denen in Bibliotheksbüchern noch echte Stempelkarten waren, in denen jeweils der Rückgabetermin eingestemptelt wurde. Wir haben fanden es immer sehr spannend zu sehen, wie oft oder selten ein Buch ausgeliehen wurde und wie lange die Zeiträume des Nicht-Verleihens waren.

    Madame fiel auf, dass ein Buch ja nicht nur in der Bibliothek lebt, sondern quasi eine Reise durch Privathaushalte erlebt, schon auf den verschiedensten Tischen, Ablagen und Sofas gelegen hat. Sofort hatte ich eine vage Romanhandlung im Kopf, ein Episodenroman, zusammengehalten durch ein Buch, das durch Berliner Haushalte wandert.

    Die Stempelkarten-Erinnerung passte in die 80/90er-Thematik der Woche. Madame liest aktuell ausgeliehen den Inspektor-Linley-Roman, der ungefähr 1988 spielt. Nicht nur, dass andauernd geraucht wird, und ebenso oft Sherry, Brandy, oder Whisky, getrunken, auch taucht als neuste Errungenschaft der Computer Room bei Scotland Yard auf, in dem man auf eine Datenbank zugreifen kann, in die alle Außenstellen(!) Daten einpflegen können.

    Dazu passend, bei Klassik Pop et cetera Moses Pelham mit Musik seiner Kindheit und Jungend, die zeitlich stark mit meiner Kindheit und Jugend überlappte – und ich könnte ihm stundenlang zuhören, wie er darüber redet. Offensichtlich ist er mit jeder Faser seiner selbst Musikfan, schafft es über Musik (in toller Stimme auch noch!) einerseits reflektiert zu reden, aber gleichzeitig mit der Begeisterung eines hingerissenen Liebhabers. Großes Kino.

    Darauf Metall auf Metall.

    Etwas Täubchen, etwas Franzbrot

    Herr Buddenbohm empfiehlt die Grabowsche Kur Etwas Täubchen, etwas Franzbrot und gerne möchte ich sie dem Motto Gemach! unterstellen.

    Alternativ: Mit dem Zug von Zürich zum Schneehuenerstock und wieder zurück: Auszeit auf 2650m Höhe.

    Wer Knarf Rellöm zitiert, gehört zu den Guten: Trotzdem!

    Junior Thiel kauft mit Papa sein erstes Auto. Eine Geschichte in sehr vielen Akten: Von Der Junior wird im September volljährig sein bis zum aktuellen Zwischenstand in Folge 12(?): der Carport liegt voller Motorteile und Werkzeug,

    Auch meine Mutter war vierzig Jahre lang Rettungswagenfahrerin und kann all die Berg- und Talstraßen fast mit verbundenen Augen bei Tempo 100 befahren. Sie hatte natürlich eine Meinung über den Fahrstil meines Vaters und mein Vater hatte eine Meinung über den Fahrstil meiner Mutter. Zusammengefasst würde ich sagen: war kein gutes Thema.

  • 25-09-11 Felder, die auch Säulen sind

    25-09-11 Felder, die auch Säulen sind

    Madame holte eine solidarische Experimentalmelone ab.

    Sie stellte fest, dass wir noch nie zusammen bei Caruso waren.

    Auf unsere Dachbaustelle wurden Solarpaneele angefahren. Da sich diese Dachbaustelle langsam ihrem Ende zuneigt, entsteht die nächste. Auf dem Mittelbau bauen sich Menschen mit Dachpappe und Brennern auf. Als erstes installierten sie ein improvisiertes Geländer auf dem Dach.

    Madame entdeckte die Gestaltungslinie „Leberwurst mit Griffmulde“.

    Die Welt verändert sich. Zu merken, daran, dass selbst vor dem Baumarkt der Fahrradständer komplett überfüllt ist. Aber wenn mensch wie ich nur ein solides Vorhängeschloss benötigt oder ein paar Oberflächen sehen will, muss man halt nicht mit dem Auto kommen.

    In Anbetracht der Tatsache, dass ich auf den Latifundien nicht eine Mücke sah, sind meine Beine erstaunlich zerstochen.

    Im Cheruskerpark am Erwachsenen-Spielplatz den Sportgeräten erstmals zwei geparkte Kinderwagen. Am anderen Sportparcours ein Grüppchen mit Warnwesten, die wild Fotos machten und Sachen notierten.

    Der Bahnhof Südkreuz besitzt ein gewisses Gewerbegebietsflair. Das wird aktuell dadurch verstärkt, dass ein Großteil aller Aufzüge und Rolltreppen weiträumig von Baustellenabsperrungen umgeben sind.

    Es waren zweieinhalb Werktage des Arbeitens und Lernens. Denn soweit ich meinen Urlaub dieses Jahr mit bezahltem Urlaub, unbezahltem Urlaub und Bildungsurlaub ausgedehnt habe – er ist immer noch endlich. Der letzte Klausurstoff muss neben die Arbeit passen.

    Normalerweise verbringe ich die ersten Arbeitstage nach dem Urlaub in einer Art Staunen: „Wer bin ich? Wo bin ich? Was mache ich hier? Woraus besteht überhaupt meine Arbeit?“. Dieses mal hatte ich dazu keine Chance. Es ging in zwei Minuten von Null auf Hundert und ist auf dem Tempo durchgängig die ersten Tage geblieben. Am ersten Tag gegen 15 Uhr hatte ich einen Großteil meiner verschiedenen Tätigkeiten einmal durch.

    Gute Nachricht: Offenbar wurde ich vermisst.

    Noch bessere Nachricht: Trotzdem hat sich niemand in meinem Urlaub hinein gemeldet,

    Immerhin steht demnächst echter Urlaub-Urlaub an. Mit Zwischenstopp in dem Land in dem gestern Ganzlandesblockade aufgerufen war, mit der Ankündigung, „Das ist erst der Anfang.“ Es wird spannend: Werden wir nach Paris kommen? Und noch spannender: Werden wir es wieder verlassen können?

    Vor den Urlaub allerdings setzte die FernUniversität in Hagen die letzte Klausur des Semesters: Knowledge Management.

    The problem is not the language

    Dieses Modul ist einigermaßen kurios.

    Es ist Wahlpflicht, also sogar von mir ausgesucht. Inhaltlich bin ich wohl in keinem anderen Modul so zu Hause. Der Lehrstuhl gewinnt auch regelmäßig Wahlen, wenn die Student*innen ihre liebsten Wiwi-Veranstaltungen wählen. Da wurde ich neugierig.

    Allerdings ist das Modul selber gewöhnungsbedürftig.

    Es beginnt damit, dass es auf Englisch geschrieben ist, und das sehr offensichtlich von Nicht-Muttersprachlern. Satzbau und Wortwahl sind so unfassbar deutsch – ich hätte nicht gedacht, dass so etwas im Rahmen einer prinzipiell korrekten englischen Grammatik überhaupt möglich ist. Ein einziger Stolperparcours durch die Sprache.

    Und ja, leider, die Reihenfolge der Wörter im Satz ist im Englischen bedeutungstragender als im Deutschen. Es macht etwas mit Inhalten wenn die Wörter wild durch die Gegend aneinandergereiht werden. Mehr als einmal habe ich Mühe zu enträtseln, was mir ein Satz nun wirklich sagen will.

    Denn was will mir Folgendes sagen?

    Regardless of the community type, most communities experience through three lifecycle phases comprising various sub-processes:

    Aber je mehr ich mich aber in das Modul hineinarbeite, desto mehr stelle ich fest: Die Sprache ist gar nicht das Hauptproblem. Der Text würde so auch auf deutsch durch die Gegend holpern.

    Es steht dort: Buzzwords, such as growing competition .. are only some of the challenges

    Und nein, herrje. Buzzwords sind bestenfalls eine Challenge für die Sprache. Andernfalls bezeichnen Wörter vielleicht Herausforderungen. Aber sie sind es nicht selber.

    While various values.. take their time to unfold fully

    Weiterhin nicht klar ist es mir, wie ein kultureller Wert sich entfalten kann. Seine Wirkung vielleicht. Aber Werte entfalten sich nicht.

    Das ist einfach wirr. Man möchte sie schütteln „You know, words have meaning!“ Und das in einem akademischen Kontext!

    Es sind nicht auch nicht nur die Worte: Selbst die Infografiken sind alle unscharf, als wären sie zwischendurch von einem Bildschirm gescreenshottet und dann wieder groß gezogen worden. Wahrlich ein seltsames Modul.

    Naja, egal, inzwischen habe ich mich damit arrangiert, das Modul einfach nur als exzentrisch anzusehen und werde versuchen, die Klausur im selben exzentrischen Stil zu beantworten.

    Nachts in der Bibliothek

    Überraschend hilfreich beim Hineindenken in das Modul war der Lesesaal der Stabi (Langform: Staatsbibliothek Berlin Preußischer Kulturbesitz – Standort Potsdamer Straße). Den entdeckte ich nach einigen Jahren der Absenz wieder.

    Vom Südkreuz kann ich mich kurz in die S-Bahn schwingen, zwei Stationen später am Potsdamer Platz wieder aussteigen, beim Pseudo-Tanzfestival am indischen Stand ein Butter Chicken kaufen und dann an der Spielbank vorbei zur Bibliothek laufen.

    Der Leseaal hat sich meinem letzten Besuch verbessert: Ich glaube es sind mehr Plätze. Es kostet keine Gebühr mehr. Und er hat bis 22 Uhr geöffnet. Ich ahnte, dass ich nach 18 Uhr problemlos einen Platz finden kann. Und ich ahnte richtig. Nach einiger Zeit des Herumirrens erinnerte ich mich sogar wieder, dass mein liebster Platz an der Empore ist.

    Über mir thronte der TVöD – offenbar war ich grad an den Regalen mit dem Verwaltungsrecht angekommen, um mich herum die genau richtige Mischung aus einigen Menschen, Bewegung, einer leisen Geräuschkulissen, die aber alle noch nicht störten.

    Wobei die Zahl der Anwesenden mit Kopfhörern auffällig war. Ich glaube, das letzte Mal als ich dort war, wäre noch jede*r hochkant hinausgeflogen, die auch nur den Anschein erweckt hätte, Musik abspielen zu wollen – und sei es über Kopfhörer.1

    Und so versuche ich auswendig zu lernen, dass die vier Action fields nach Riempp die Fields Content Collaboration Competence Culture sind, beziehungsweise sind Content Collaboration Competence auch drei der vier main pillars, in die die Architektur aufgeteilt ist.

    Und als die Nacht dann tiefer wurde, konnte ich durch die Scheibe sogar noch den Mercedes-Stern auf dem Europa-Center sehen. Gerne wieder.

    Blick vom Schreibtisch in der Stabi Potsdamer Straße. Im Vordergrund ein Stück leerer Schreibtisch und eine dunkelrot/braune Schreibtischlampe. Der Tisch steht an einer Brüstung, der Blick geht nach unten in den Lesesaal, im oberen Bildteil Deckenlampen.

    Genua statt Chatbot

    People in the Middle East Disagree About a Lot of Things, But I’m Quite Sure That They All Agree That This Is the Silliest Android Bug Ever

    Social Media und der Halluzinator klauen Daten. Aber vor allem klauen sie Zeit: Diebe deiner Lebenszeit:

    Social media platforms have been stealing our time using a sneaky trick: they’ve been speeding up our sense of time […].A sinister thing about social media is that it speeds up your time both in the moment and in retrospect. It does this by simultaneously impairing your awareness of the present and your memory of the past.

    Thomas berichtet: Mensch darf Hakenkreuze übermalen solange das nicht die Sachbeschädigung vergrößert. Man sollte also auf die Verhältnismäßigkeit achten. Und nun viel Spaß da draussen!

    Jedes mal wenn Frau Maultauschenravioli aus Genua postet, denke ich, jetzt müssen wir da aber wirklich mal hin!

    Nun heißt das Buch „STERBEN“ und dieses Wort prangt auch groß auf dem Umschlag. Das sah auf der Notaufnahme natürlich fantastisch aus. Habs dann gleich demonstrativ auf den Tisch gelegt, aber die beiden Frauen interessierten sich nicht dafür, sondern schauten sich Videos auf YouTube an. Sie hörten tatsächlich die ganze Zeit Schlagermusik. Das kann man sich nicht ausdenken: Frakturschrift am Hals und dann hören sie Schlagermusik.

    Anmerkungen

    1. Aber passt: die Massenverbreitung der geräuschunterdrückenden Kopfhörer erfolgte soweit ich herausfinden kann seit 2016 mit den Bose QC35, und vor allem seit den AirPods Pro im Jahr 2019. Meine letzten Lesesaalzeiten waren deutlich davor. ↩︎
  • 25-09-04 Die Fans zogen anstandslos wieder ab

    25-09-04 Die Fans zogen anstandslos wieder ab

    Falls jemand ein Kirchengebäude aus den 1920ern kaufen möchte: Die (ehemalige) neuapostolische Kirche Schöneberg steht zum Verkauf.

    Madame meldete sich bei Reddit an und war begeistert. Gleich sofort ein gigantischer Thread zum Thema „mumifizierten Kefir wiederbeleben“.

    In verwandten Nachrichten: Der Kefir lebt.

    Der Fensterputzer war da. Er fluchte noch ausgiebiger über die Dach-Bauarbeiter und deren Fensterhinterlassenschaften als wir. Aber er hinterließ einen Unterschied wie Tag und Nacht – fast wortwörtlich.

    Es waren zweieinhalb Werktage des Klausurlaubs. Ein Lerndienstag, treibend durch die Bibliotheken. Ein Lernmittwoch in der Wohnung mit abendlichen Ausgehen und ein halber Lerndonnerstag in der Wohnung.

    Madame holte Gemüsli ab. Es liegt in einem Schöneberger Schuppen, gesichert durch ein widerspenstiges Zahlenschloss. Im Schuppen stehen dann sortenreine Kisten und sie durfte unsere Anteile selbst abwiegen, einpacken und dann einen Haken hinter „Madame“ setzen. Es gab unter anderem Zaphito (Zappho/Zappo/Zappalito)-Kürbisse, toll aussehende Fleischtomaten und zu ihrer großen Freude: KEINE Kartoffeln.

    Reprise

    Ein wichtiges Arbeitstool am Rechner ist der Texteditor. In dem landen Notizen aller Art, kurze Überlegungen, whatever. Seit Windows11 speichert er automatisch. Und naja, ich habe jetzt ungefähr 25 gespeicherte Dateien mit Notizen zur Bachelorarbeit geschlossen. Ein gutes Gefühl.

    Die für die Arbeit ausgeliehenen Bücher aus der Feruniversitätsbibliothek Hagen liegen fertig im Paket verpackt im Flur. Langsam beginne ich mich innerlich zu lösen.

    Nachbetrachtend: Die Arbeit lag inhaltlich doch ein gutes Stück außerhalb meines eigenen Komfortbereichs. Das war von mir so gewollt, hat aber zwischendurch einiges an Nerven und Arbeit gekostet. Dafür hat sich wunschgemäß mein Komfortbereich an dieser Stelle enorm erweitert.

    Wenn ich jetzt noch mal anfangen würde, könnte ich viel Spaß haben und wilde Sachen machen noch viele Schnörkel einbauen – aber das wäre ja in der Komfortzone und damit per Definition langweilig.

    Mikro-Ö

    Nach dem Bachelurlaub ist im Klausurlaub. Nachdem ich die Reste der Bachelorarbeit weggeräumt habe, greife ich zum Ordner Mikro-Ö und hole die beiden Lehrbriefe zur Mikroökonomik hervor.

    Freundlicherweise weit in meiner Komfortzone liegt inzwischen die Mikroökonomik. Denn darüber werde ich nächste Woche die Klausur schreiben. Ein Modul, das ich in seiner Machart sehr angenehm finde und das stark methodisch-mathematisch aufgebaut ist. Da zahlt es sich natürlich aus, dass ich die letzten Wochen eher intensiv mit Themen der Wirtschaftsmathematik zugebracht habe.

    Und irgendwo ein schöner Kreis. War doch Mikroökonomik auch eines der vier Themen der „Einführung in die Wirtschaftswissenschaften“ in Semester eins. Die kondensierte Version dieses Moduls habe ich schon einmal ganz am Anfang des Studiums gelernt und jetzt ganz am Ende die Langversion.

    Ich erinnere mich noch, wie arg mich Im Sommersemester 2022 die Cobb-Douglas-Funktion herausgefordert hat

    \[z(x_1,\dotsc,x_n)=\beta\cdot\prod_{i=1}^{n}x_i^{\alpha_i} \] oder einfacher \[ y = x^i_1 * x^i_2 … \]

    oder die Formel zur Preiselastizität:

    \[\eta_{x,p} := \frac{\mathrm{d}x/x}{\mathrm{d}p/p}=\frac{\mathrm{d}x}{\mathrm{d}p}\cdot\frac{p}{x}=x'(p)\cdot\frac{p}{x} \]

    Jetzt kommen sie mir fast vor wie alte Freunde. Aber aufpassen: Die Klausur muss noch geschrieben werden, mit „weiß nicht so genau, aber find ich toll“ werde ich nicht durchkommen.

    Neben dem Digital-Zebra

    Teil eins des Klausurlaubs. Lehrbriefe nochmal durchlesen. Nachdem ich jetzt über Wochen mehr oder weniger vor den Rechner gezwungen war, freue ich mich an Materialen aus Papier, die damit gewonnene Freiheit der Mobilität, und lasse mich treiben.

    Erst geht es mit dem Bus zur Staatsbibliothek Berlin Potsdamer Straße. Ich lerne: Es gibt so gut wie keine funktionierenden Spinde mehr mit Pfand – aber viele Schließfächer, die ich mit meinem mitgebrachten Schloss sichern könnte, wenn ich es dabei hätte.

    Aber egal: Ins Foyer der Stabi darf ich auch mit Jacke und Tasche. Auch dort gibt es Schreibtische. Ich erwische den Platz direkt gegenüber dem Infoschalter und bekomme meine Vorurteile bestätigt, dass Bibliothekar*innen die besten Menschen der Welt sind. Sie beantworten wirklich jede Frage in einer unfassabren Freundlichkeit, von detaillierten Detailfragen zur Fernleihe bis zur Qualität der für die Öffentlichkeit geöffneten Personalkantine. („Ist dieselbe Firma wie die öffentliche Cafeteria – also auch nicht besser.“)

    Also sollte ich meinen aufkommenden Hunger woanders stillen. Die Stabi liegt direkt am Potsdamer-Platz. Dessen Gastronomie ist ausgerichtet auf Menschen, die eh nie wieder kommen werden, und bei denen deshalb alles egal ist. Also lieber weiter durch die Stadt treiben lassen. Die U2 und U9 brachten mich zum Leo.

    Am Leopoldplatz im Wedding ist die Schillerbibliothek – meine Bibliotheksliebe – und direkt davor das Frühstückshaus Simit Evi („das Herz der Müllerstraße„), die mir sicher ein paar Sesamringe oder andere schöne türkische Backwaren servieren werden. Aber ach: Alles zu, Fenster abgeklebt und ein einsamer Zettel: „Ab dem 1.8. 2024 vorübergehend geschlossen:“ Das sieht nicht gut aus.

    Mir fiel meine Könnte-mal-Liste ein, auf der der benachbarte Safari Imbiss – Jesus is Lord steht. Aber ach, das Schild noch da, der Imbiss anscheinend auch verschwunden.

    Am Ende verschlug es mich direkt auf den Leo. Dort wogt seit Jahrzehnten der Konflikt zwischen drogeninduzierter Verwahrlosung und einem umfassenden Programm den zentralen Platz des Weddings lebenswert zu machen. Ein wichtiger Standort der Lebenswert-Programme: Das Café Leo, Kieztreff mit Kaffee, kleinen Speisen und nachbarschaftlichen Aktivitäten. Da lass ich mich doch gerne bei Kaffee und Croissant nieder und schau noch dem gerade stattfindenden Miniaturrummel auf dem eigentlichen Platz zu.

    Über diverse Bänke mäandere ich mich die 100 Meter zur Bibliothek, freue mich am phantasievollen Programm der Schillerbibliothek und dem tollen Lesesessel mit Panoramablick auf den Leo. Ich entdecke ein weiteres schönes Programm: Das Digital-Zebra. Ein freundlicher speziell-geschulter Bibliotheksmitarbeiter sitzt in einem abgetrennten Bereich des Lesesaals und hilft bei Digitalproblemen aller Art. Angefangen von „Mein Handy geht nicht an“ über alle Probleme mit Mail, Programmen, komischer Werbung und „das Internet will nicht mehr“ und was sonst noch im digitalen Leben schief gehen kann. Das ist doch mal löblich.

    (Nur den Namen Digital-Zebra verstehe ich nicht)

    Gegenüber vom Gebäude vom Digitalzebra

    Kickin‘ Shrimps

    Spannende Anblicke in der U3: ein*e genderfluid*e Mensch, die Rachel Cusks Transit als Taschenbuch liest. Direkt daneben die Frau im Leopardenmusterrock mit End the Patriarchy-Beutel. Später, die Frau, die sich eine ehemalige Armbanduhr mit Metall-Gliederarmband hat als Choker herrichten lassen. „Entschuldige, darf ich Ihnen mal an den Kehlkopf schauen, um zu sehen wie spät es ist?“

    Irgendwie tragisch, dass sie die einzige ist, die das Ziffernblatt nicht erkennen kann. Aber dafür trug sie noch eine Smartwatch am Arm.

    Mit der U3 ging es in ein urbanes Wasteland ganz eigener Art: Zur O2Mercedes-Benz– Uber-Arena und den Platz drumherum. Uns empfingen an der Warschauer Straße hunderte mittel aufgeregter Teenies und ein Haufen Polizei. Die Teens ballten sich um einen Geländewagen, oben schaute eine Frau heraus und machte Posen. These: Irgendjemand weltberühmtes in einer TikTok-Nische, ich konnte sie nicht richtig erkennen, hatte Zweifel ob ich schlauer würde, wenn ich sie besser sehen könnte. Die Stimmung war irgendwie seltsam, für Teenie-Auflauf überraschend ruhig.

    Aufklärung brachte heute das TikTok für Generation X+, die B.Z: Die experimentell-vulgäre Rapperin Ikkimel hatte via Insta zum Videodreh geladen: Rund 450 junge Leute waren laut Polizei vor Ort. Und die warteten fröhlich und entspannt auf die Rapperin. Im Einsatz waren Einheiten der Bundes- sowie der Landespolizei. Doch Ikkimel hatte die Versammlung offensichtlich nicht angemeldet, so dass diese recht schnell für beendet erklärt wurde. Die Fans zogen dann anstandslos wieder ab.

    Auf einem Foto mit Schriftzug „Ikkimel“ daneben, hätte ich sie sogar vermutlich wiedererkannt. In freier Wildbahn auf der Straße: No Chance.

    Eigentlich wollten wir den Abend aber gediegener Verbringen. Ein netter Abschluss des Bachelurlaubs ließ mich meine aktuelle Verstimmung mit den US of A ignorieren und wir aßen Ribs in Tony Roma’s einzigem europäischen Lokal nördlich der Pyrenäen. Wie es sich gehört come-of-the-bone wie aus dem Bilderbuch in reichlich Schmodder und mit Lätzchen. Vorweg die wiederholenswerten Kickin‘ Shrimps, dazu Sweet Tea und Frozen Margerita. Comfort Food auf allen Ebenen.

    Kommen, Gehen, Zeitablauf

    Am 11. Oktober veranstaltet Schöneberg das Musikfest „Gazino und Türkischer Basar“ zur Erinnerung an den ehemligen türkischen Basar im damals stillgelegten U-Bahnhof Schöneberg. Das gibt mir die Gelegenheit noch einmal den schönen Text von Özlem Suzana Ayaydinli zu verlinken: Der Bahnhof Bülowstraße. Erinnerungen an einen vergessenen Ort

    Noch lebendig das Freibad mit der besten Aussicht Berlins: taz-Sommerserie „Berlin geht baden“ (6)

    Delphine gesehen, Sabbatjahr vorbei: AZ13 – Das wars!

    60 ist eine Marke. Mit 50 kann man sich immer noch (naiv) einreden: Wenn es richtig gut läuft, kann ich noch einmal genauso viel Zeit vor mir haben. Die Nummer funktioniert mit der 60 nicht mehr. Das ist auch merkwürdig, denn ich denke jetzt natürlich auch nicht: Okay, sind’s halt noch einmal 40 Jahre. Irgendwie markiert diese Zahl eine Linie.

    Margrit und Wally hörten Dmitrij Kapitelman beim Poet*innenfest.

    Wenn Menschen heute in Deutschland sagen, sie nutzen einen anderen Namen, damit sie nicht als jüdisch erkannt werden, wenn Menschen ihre Mesusot entfernen, wenn wir unsere Davidsterne nicht mehr tragen, wenn die Nachbarn nicht mehr mit einem reden, nur, weil man jüdisch ist, dann stimmt etwas sehr gewaltig nicht. … Wir können gehen, ja. Für manche sollen wir (wieder) gehen – doch wohin?

  • 25-08-28 Brot- Käse- und Gemüsebedingungen (D nur auf der RHS)

    25-08-28 Brot- Käse- und Gemüsebedingungen (D nur auf der RHS)

    T minus 5. Noch fünf Tage bis zur Abgabe der Bachelorarbeit.

    Heute pulle ich einen All-Nighter. Zumindest wenn ich aus dem Fenster schaue. Die Uhrzeit (15:17h) spricht gegen die Nacht; die Tatsache, dass alle Lampen dieser Wohnung brennen, spricht stark dafür, dass schon Nacht ist.

    Ich habe Respekt: In Ostsachsen ehrenamtlich ein Freibad betreiben, dass dann auch noch politische Diskussionsveranstaltungen beherbergt oder wo Menschen von ihrer Arbeit in der Flüchtlingshilfe berichten: Wie ein Schwimmbad der AfD trotzt.

    Gelegenheit für eine Kurzpredigt: Menschen radikalisieren sich nicht, weil es ihnen selbst schlecht gibt, sondern wenn sie den Eindruck haben, dass es in ihrer Umgebung bergab geht. Das geschlossene Schwimmbad ist ähnlich wie die geschlossene Post oder der Supermarkt sehr wirkmächtig. In related news: In der Berliner Reinhardtstraße ist ein Wohnhaus geräumt worden, weil der Dachstuhl einzustürzen droht. Nun werden Teile des Dachs abgetragen.

    Unser Dach-Bauleiter des gerade neu aufgebauten Dachstuhls kam, sah sich Schäden an Er will, sobald ihre Bauten an den Dach-Außenanlagen fertig sind (sehr bald!), unsere Wohnung renovieren lassen. Das ist an sich sehr löblich. Nur leider sind die nächsten Wochen, gar Monate, so vollgestopft, dass wir alles brauchen können, nur keine Handwerker, die hier noch Zusatzchaos verursachen.

    Der Tagespresse entnehme ich, dass der durchschnittliche Single auf 68 qm lebt, der durchschnittliche zwei-Personen-Haushalt auf 104 qm. Da liegen wir mit der Wohnung deutlich drunter; mit Wohnung und Bungalow zusammengerechnet kommt es ungefähr hin. Im Sommer können wir auch noch den dreiviertel Quadratmeter der Schwimmbadkabane dazu rechnen!

    Es waren drei Tage des Bachelurlaubs.

    Dienstag: ein abendlicher Hops mit Madame ins Insulanerbad. Strahlender Sonnenschein. Aber die 20 Grad Wassertemperatur ermunterten zur Bewegung. Premiere: Madame überholte aquajoggend eine Kraulschwimmerin. Es lag nicht daran, dass Madame in Speedjogging ausgebrochen wäre. So bizarr.

    Mittwoch: Wir waren beide etwas neben der Spur. Zum Ausgleich ein Feel-good-Mittagessen an einem weiteren Punkt, der „könnten-wir-mal“-Liste: Nonna Anna. Auch am Südkreuz. Es spricht für italienische Restaurants, wenn der Karte eine regionale Färbung anzumerken ist. Nonna Anna ist offenbar Römerin oder kommt zumindest aus dem Latium.1 Dementsprechend bekamen wir sensationelle Spaghetti Carbonara und Spaghetti all’amatriciana serviert.

    Abends fühlten wir uns beide davon überfordert bei schwülen 29 Grad noch mal den Weg ins Bad auf uns zu nehmen. Dann auch noch durch das Bad laufen und die ganze Umzieherei! Noch haben wir bis zum 7. September. Jeder Tag der Kabane wird genutzt werden!

    Madame versucht’s mal mit Gemüslichkeit2 und unterschrieb dafür einen Vertrag über die Brot- Käse- und Gemüsebedingungen. Solang wir aber das solidarische Gemüsli noch nicht bekommen, brachte sie Pfifferlinge aus der Hafenstadt mit.

    Heute besichtigt Madame im Dauerregen die Himmelsscheibe. Vielleicht bringt sie Salz mit.

    Eingang zum Sommerbad am Insulaner. Ein schmales Kassenhäuschen, unter einem Dach mit zwei Durchgängen links und rechts.

    scatter!(xs2, ys2; label  = „D nur auf der RHS“, marker = :utriangle, )

    Aktueller Stand der Arbeit: 11700 Wörter (Ziel: 9000 bis 11000), 42 Seiten (Zielwert: 30 bis 35), 104 Formeln, fünf Tabellen, zwei Grafiken und null unklare Rechnungen.

    Zwischenzeitlich gab es von allem wieder mehr. Selbst die falsch berechneten 2/19, die ich nun schon mehrfach gelöscht hatte, tauchten an einer weiteren Stelle im Text auf. Nachdem ich die Zahlen alle sortiert haben, kommen jetzt die griechischen Buchstaben dran.

    Mein Plot-Erstellungs-Game hat sich stark verbessert: Ich könnte innerhalb von wenigen Stunden die Seitenzahl der Arbeit von 42 auf 84 steigern, indem ich alles nur mit sinnlosen Plots (Plotten?, Plotoi?) überziehe. Aber eigentlich will ich ja bei 35 Seiten enden, nicht bei 84.

    Noch sind es erst zwei Plotoi. Ein Plot mit D in allen Szenarien, ein Plot mit D auf der RHS. Aber noch habe ich Zeit.

    Langsam biege ich auf die Zielgerade ein. Der Anteil der Straffungen überwiegt inzwischen den Anteil der Ausbauten.

    Das bedeutet auch: Ich verbringe viel Zeit damit, meine alte Arbeit durchzulesen, und freue mich: Sie wirkt kompetent. Leider ist der bestwirkendste Teil derjenige, der ein wenig ins Nichts führt und wohl weiteren Kürzungen zum Opfer fallen wird. Aber noch kann ich mich nicht trennen.

    Karton in Wohnung, Fahrrad nicht zu Grundschule, Essen auf Förderband

    Frau Wunnibar zog um.

    Es gibt immer noch einen Ort, wo das mit dem Radfahren noch schlimmer ist: Mit dem Fahrrad zur Grundschule – ein Follow up

    Ein Mastodon-Thread: Das Vagina-Museum zum Thema wie generative KI funktioniert „and how it can tell you you’ll give birth out of your penis-rectum.“

    Drive-in vollautomatisiert: The “Motormat” Was a Drive-In in Los Angeles, Where the Food Tray Was Sent Out on Rails Right to Your Car

    I’ve spent the better part of two decades dealing with people trying to dox and harass the volunteers who make Wikipedia the incredible resource it is today. I liked it better when they weren’t in Congress.

    Mein innerer Freund mathematischer Modellierung liest erfreut Holgers Gedanken dazu, wie er von Dieppe weiter nach Westen segeln kann. (Gegen den Wind, aber zeitweise mit dem Tidenstrom)

    Anmerkungen

    1. Habe inzwischen die Website konsultiert und fühle mich bestätigt: „Wir begrüßen Sie herzlichst bei Nonna Anna – Un Gusto Etrusco, dem Restaurant, das Sie in die Aromen und Traditionen Nord-Latiums entführt. Lassen Sie sich von Gerichten inspirieren, die nach den Rezepten meiner Schwiegermutter, Anna di Russo, aus Cerveteri zubereitet werden.“ ↩︎
    2. SCNR ↩︎
  • 25-08-21 Korrespondierende Variablen

    25-08-21 Korrespondierende Variablen

    T-12, noch zwölf Tage bis zur Abgabe. Aktuell 10700 Wörter, darunter 97 Formeln und ungefähr zwei Seiten Code.

    Madame ist zurück. Zur Feier der Rückkehr kaufte sie gleich für uns Fahrkarten für ICE und TGV. Wir können den Satz sagen, der zwar ein bißchen pathetisch ist, aber irgendwie auch schön: „Wir haben ein Stammhotel in Paris.“

    Bei zwei bzw. drei Aufenthalten in einem Jahr sollte das gehen. Diese Bahn-Direktverbindung Berlin-Paris ist schon sehr, sehr schön.

    Abendliche drei-Gänge-Menüs sind viel weniger Aufwand für mich, wenn Madame sie zubereitet.

    Auf der Bank im Bahnhof Südkreuz: Ein älterer Herr im gut sitzenden Anzug, der eine gedruckte Zeitung las. Es hat den Stil der ganzen Bahnhofshalle ein Stück nach oben gezogen.

    Auf der Arbeit freue ich mich über Tickets, die den SM-Raum betreffen. Auch in den Schwimmmeister-Räumen steht Technik.

    Es waren drei Tage der halben Erwerbsarbeit und der halben Bachelorarbeit.

    Manchmal fühle ich mich beim Mail-Schreiben seltsam. Erst eine Mail an die Hausverwaltung: „Hallo, wir haben zuwenig Wasser. Also eigentlich gar keins, zumindest kein Warmes.“ Direkt danach die zweite Mail an die Hausverwaltung: „Hallo, wir haben zuviel Wasser, es kommt aus der Zimmerdecke von der Dachbaustelle.“

    Logistik, so wichtig. Es kommt nicht nur auf die Wassermenge an, sondern auch auf den genauen Ort wo es ist.

    Ich gab zuviel Geld für handgestreichelte, biologisch harmonisierte und von glücklichen Kindern am Strand eingesammelte Kokosbriketts für den Grill aus. Wenn schon Geld verbrennen, dann wenigstens wortwörtlich.

    Nach September kommt Oktober

    Auch wenn die hochdramatische Phase mit Bachelorabgabe und direkt darauffolgenden Klausuren erst folgt. Langsam bin ich in der Lage wahrzunehmen, dass die Welt sich am 17. September weiter drehen wird.

    Der erste Termin der Komischen Oper taucht in meinem Sichtfeld des Kalenders auf: Hallo, Jesus Christ Superstar.

    Neben den ICE/TGV-Fahrkarten erfolgten auch Hotel- und Restaurantbuchungen, eine Buchung für eine Pferdeshow über Madame (nein, nicht die Madame) und eine vage Grilleinladung für September und Oktober.

    Auch werde ich endlich mal das Projekt „Linux auf den alten Laptop“ in Angriff nehmen.

    Fast hätte ich mich im Überschwang der Gefühle für die Wikipedia-Schreibwettbewerbsjury gemeldet. Aber da setzte dann doch die Vernunft noch rechtzeitig ein.

    Vage angedacht fürs nächste Jahr: Via Interrail eine Grand Tour Berlin->Paris->Mailand->Triest->Wien->Warschau->Berlin. Auch auf die Gefahr hin, spätestens im Zug Paris->Mailand the most underdressend person in the train zu sein.

    Ist x=2 eine Formel?

    In einer Bachelorarbeitsquelle lese ich etwas von „korrespondierenden Variablen“ und denke spontan an ein kleines x und ein kleines y. Beide betreiben Briefkorrespondenz mit Feder, Tintenfass und Siegelwachs.

    Die Bachelorarbeit fliegt nicht, aber sie geht brav und unbeirrt ihren Gang. Kaum denke ich, das Problem ist gelöst, dann erhebt ein neuer Nebenaspekt sein Haupt aus den Nebeln meines Unwissens.

    Aber ich bin mir relativ sicher, etwas abgeben zu können, für das ich mich nicht abgrundtief schämen muss. Damit ist mein komplettes Ziel für die Bachelorarbeit schon erreicht.

    Weiterhin happy über die frühzeitige Entscheidung alles in LaTeX zu machen – egal, was für einen Humbug ich abgebe. Es sieht toll aus.

    97 Formen erscheinen mir arg viel. Ich überlege, bei „Formeln“ wie

    \[ x_{HG} = 0,564753 \]

    die Nummerierung zu entfernen. Überhaupt könnte ich heute einen Zwischen-Aufräumtag machen, Dopplungen streichen, unbeholfene Formulierungen überarbeiten, und ergründen, warum das Symbolverzeichnis zwar vorhanden ist, nicht aber im Inhaltsverzeichnis angezeigt wird.

    Bild vom Schreibtisch mit zwei ausgeschalteten Monitoren, Tastatur, Maus, Mousepad, zwei Schreibtischaufsätzen - drumherum diverse Bibliotheksbücher zu mathematischer Programmierung, Stifte und ein Taschenrechner.

    Malende Musiker und tanzende Häuser

    Getriggert durch den La-Chimera-Soundtrack habe ich mehr zu Franco Battiato gelesen. Der hat nicht nur mit Centro di gravità permanente einen ewigen Italo-Disco-Synthiehit geschrieben, sondern auch sonst ein überraschend vielfältiges Leben geführt: Prog Rock -> Stockhausen -> Brian Eno -> spiritueller Synth-Pop (die Centro..-Phase) -> Songschreiber für u.a. Milva -> Erste Oper -> Musikalische Messe -> Weitere Oper und verschiedene spiritiuell-philosophische Bücher -> Mit La Cura (hier der deutsche Text) einen der Liebesliedklassiker Italiens veröffentlicht -> Film gedreht -> Mitglied der sizialianischen Regionalregierung -> weitere Opern und Filme.

    Die taz würdigt Hinrich Baller, dem unsere Nachbarschaft einige ihrer spannendsten Bauten verdankt: Als würden sie tanzen

    Readinsweden in Straubing und danke für’s Mitfiebern!

    Passend zu meinen Linux-Plänen für den Oktober veröffentliche Lorenzo den Post: Linux Mint – Schritt für Schritt, so wie ich es gemacht habe

    Wenn ich in Stuttgart bin, sollte ich den Restaurantempfehlungen von Vincent Klink folgen: Wo ich gerne esse. Überhaupt schreibt er ein hoch unterhaltsamen Blog.

    Was ich nicht nachmachen sollte: Mit (am Anfang noch nicht auftretendem) Covid eine Fernwanderung starten: Hardangervidda in Norwegen: Warum ich abbrechen musste

    Filme die ich sehen muss (via Feuilleton und Firlefanz):

    Set at the height of the Cold War, 1949 centres on the relationship between the writer Thomas Mann, played by Hanns Zischler, and his actress, journalist and rally driver daughter Erika, played by Sandra Hüller, as they embark on a road trip in a black Buick cruiser across a Germany in ruins.

  • 25-08-12 \setcounter{MaxMatrixCols}{17}

    25-08-12 \setcounter{MaxMatrixCols}{17}

    Madame kämpfte mit einer Power-Festplatte und Windows-11-Updates.

    Allgemeiner Stand auf dem Berliner Wohnungsmarkt: [Der Vermieter] will seinen Untermieter in Neukölln loswerden. .. Tür aufgetreten, Pfefferspray ins Gesicht. Mit einem Cuttermesser .. Schnitte am linken Mittelfinger .. Bargeld, Mobiltelefone und Schlüssel.. entwenden.. Schwester des Untermieters mit Pfefferspray angegriffen und in den Bauch getreten. Der Untermieter wohnt weiterhin dort. Besser als eine neue Wohnung finden..

    Falls ihr je versucht, eine 17-spaltige Matrix in LaTeX darzustellen und eine halbe Stunde der Fehlermeldung Extra alignment tab has been changed to \cr. hinterhersucht, dann wisset: Es gibt eine natürliche Begrenzung der möglichen Spalten in Matritzen und diese lautet: 10!

    Nachdem ich das wusste, fand ich auch schnell den Befehl, die Grenze hochzusetzen: \setcounter{MaxMatrixCols}{17} . Und das beste: Die 17-spaltige Matrix passt auch noch auf eine Hochformat-A4-Seite und ist gut lesbar. Anders als eine 19-spaltige-Tabelle. Aber das bekomme ich auch noch hin.

    \[ \begin{equation} %formelumgebung A = \begin{pmatrix} 1 & 0 & 0 & 0 & 0 & 0 & 1 & 0 & 0 & 0 & 0 & 0 & 0 & 0 & 0 & 0 & 0 \\ 0 & 1 & 0 & 0 & 0 & 0 & 0 & 1 & 0 & 0 & 0 & 0 & 0 & 0 & 0 & 0 & 0 \\ 0 & 0 & 1 & 0 & 0 & 0 & 0 & 0 & 1 & 0 & 0 & 0 & 0 & 0 & 0 & 0 & 0 \\ 0 & 0 & 0 & 1 & 0 & 0 & 0 & 0 & 0 & 1 & 0 & 0 & 0 & 0 & 0 & 0 & 0 \\ 0 & 0 & 0 & 0 & 1 & 0 & 0 & 0 & 0 & 0 & 1 & 0 & 0 & 0 & 0 & 0 & 0 \\ 0 & 0 & 0 & 0 & 0 & 1 & 0 & 0 & 0 & 0 & 0 & 1 & 0 & 0 & 0 & 0 & 0 \\ \tfrac{7}{2} & 2 & 4 & 12 & 8 & \tfrac{1}{2} & 0 & 0 & 0 & 0 & 0 & 0 & 1 & 0 & 0 & 0 & 0 \\ 2 & 2 & 1 & 2 & 2 & 1 & 0 & 0 & 0 & 0 & 0 & 0 & 0 & 1 & 0 & 0 & 0 \\ 12 & 12 & 0 & 30 & 20 & 25 & 0 & 0 & 0 & 0 & 0 & 0 & 0 & 0 & 1 & 0 & 0 \\ 2 & 1 & 1 & 3 & 2 & 3 & 0 & 0 & 0 & 0 & 0 & 0 & 0 & 0 & 0 & 1 & 0 \\ 0 & 0 & 0 & 25 & 5 & 3 & 0 & 0 & 0 & 0 & 0 & 0 & 0 & 0 & 0 & 0 & 1 \end{pmatrix} \label{AlleNebenMatrix} \end{equation} \]

    Es waren zwei Tage des Bachelurlaubs mit kleinen Exkursionen ins Schwimmbad und in die Stadt.

    Die Baustelle bohrt fröhlich um 7.30h. Aber es geht voran und noch steht die Wohnung.

    In Nord-Mazedonien steht sogar schon ein Denkmal für unsere Bauarbeiter: Siehe hier.

    Fast hätte ich am Wohnungsbestand Zweifel gehabt. Während ich Sonntag im Wohnzimmer saß, roch es heftig nach Grillgeruch. Ich schaute vom Balkon und sah Rauchschwaden aus Wohnung 2L. Okay, den Bewohner*innen dort traue ich auch Balkongrillen zu, aber trotzdem. Ich überlegte: Feuerwehr? Runtergehen und Fragen? Und wenn ich runtergehe und es brennt, muss ich das Haus verlassen, vorher noch was einpacken?

    Naja, während ich überlegte, ließ der Rauch nach und ich hörte fröhliche Stimmen vom Balkon. Glück gehabt.

    Fast nach Wilmersdorf, knapp nach Steglitz

    Die Verzottelungs-Verhinderungs-Exkursionen führten mich bis zu den Extrempunkten von Schöneberg. Ein abendlicher Spaziergang am Sonntag nach Nordwesten endete bei Anna Urania in Sichtweite des KaDeWes und damit in Sichtweite der Bezirksgrenze nach Wilmersdorf. Vorher das abendliche bürgerliche Schöneberg mit Altbau-Wohngegenden, dem einen Ausgehviertel (Akazienstraße), dem anderen Ausgehviertel (Nollendorfkiez) und der ein oder anderen neogothischen Kirche auf dem Weg.

    Dabei im Vorbeigehen entdeckt: Das Restaurant Elefant, das ordentliche bürgerliche Küche zu kredenzen scheint und ein wirklich einladendes über-uns-Foto auf der Website hat. Und die Pizzeria El Mastro. Die lag nun jenseits von allem, sah aus wie der seltsamste Lieferdienst im Industriegebiet, aber war randvoll. Sie muss ein Geheimnis haben.,

    Montag kam the marvelous Frau Z. Und damit die alleine in der Wohnung wirken konnte, startete ich meinen Ausflug an das andere Ende Schönebergs. Das Insulanerbad liegt in Steglitz, aber nur knapp 200 Meter von der südöstlichen Bezirksgrenze entfernt.

    Auch wenn die Uhrzeit Zufall war. Manchmal passt alles. Als ich um 11:20h ins Becken ging, zogen die renitenten Rüpelrentnerpaare gerade ihre letzten Bahnen und verschwanden. Als ich gegen 12:10 nach 1500 Metern das Becken verlies und gen Ausgang lief kamen mir die Großfamilien mit ihren Kinderwagengeschwadern entgegen.

    Dazwischen: Strahlender Sonnenschein, blauer Himmel, 25 Grad, leer genug um vollkommen entspannt Schwadern zu können, und voll genug um beim Schauen Entertainment zu haben. Manchmal gibt es doch perfekte Sommertage.

    Danach ein Menemen bei Café Peri. Madame hatte recht: genau so stelle ich mir auch ein Hipstercafé in Istanbul vor. Das war schon alles sehr türkisch dort, aber auch sehr schick und stylish und kilometerweit von der üblichen Dönerladen-Gemütlichkeit entfernt.

    Ein Stück grüner Wiese vor Büschen. Darauf links eine ehemalige Miniaturrutsche in Form eines Krokodils, erkennbar in die Jahre gekommen und mit Flatterband zum Rutschen gesperrt, rechts ein Tuff rot blühender Blumen.

    10000 Wörter

    Eine Woche Bachelurlaub fühlt sich an wie 10 Wochen. Habe ich je in meinem Leben etwas Anderes gemacht?

    Der Wort-Zähl-Stand ist bei 10.000. Das ist genau der Zielpunkt. Noch fehlen Einleitung und Schluß, und ich habe tolle Ideen für bisherige inhaltliche Lücken. Aber noch sind auch eine ganze Menge Dopplungen im Text.

    Knacknuss 4 und 5 sind geknackt. Diese waren nicht ganz so existenziell wie die ersten drei. Aber ihr Nichtknacken führte doch zu einigem inhaltlichen Rumlavieren in der Arbeit. Bildlich gesprochen ruhte sie auf drei zusammengebundenen Gartenklappstühlen und jetzt ziehe ich gerade ein ordentliches Fundament ein. Es wird. Und wenn die Zeit noch reicht für alles was ich mir vorgenommen habe, wird es richtig gut.

    Schuld ist (Gal, 1973)1, bei dem es jetzt im vielfachten Verstehensversuch plötzlich click machte und ich dachte „Ach, so geht das!“. Und damit waren alle meine Probleme gelöst.

    Jetzt halt „nur“ noch alles im Detail durchgehen und einarbeiten und Schlussfolgerungen daraus ziehen. Noch 21 Tage bis Abgabe, davon 7 inklusive Erwerbsarbeit.

    Island Mostar Civil Service

    „Fasten“ klingt irgendwie viel edler als „nichts essen“. Ein bisschen wie „Hungern“, aber von Manufactum.

    Dazu passend: Die Apotheken-Umschau über Gewicht: Über Gewicht (Folge 1 von 4) – „Ich bin Arzt und dick“ (via Heiko)

    Nic auf Island

    Karen hat die Tourismuszentren Kroations hinter sich gelassen und schreibt gleich wieder viel lebendiger: Turku-Sarajevo mit dem Zug: (12) Mostar

    Terence Eden über Arbeit: I hate being introspective. But I’m told it’s good for me. A few months ago, I handed in my notice to Cabinet Office. And now I’m no longer a Civil Servant.

    Arne Semsrott kommt in die Bücherei.

    Anmerkungen

    1. Gebraucht übrigens für knapp 20 Euro erhältlich, statt der 200, die der Verlag aktuell aufruft. Wissenschaftsverlage.. Und eine sehr wertvolle Anschaffung soviel wie ich da inzwischen drin rumgemalt habe. ↩︎
  • 25-08-10 Neuntausend Wörter

    25-08-10 Neuntausend Wörter

    Die Dachbauarbeiter befestigen eine Regenrinnenhalterung an der Hauswand. Das ist prinzipiell gut, dann fließt der Regen vielleicht irgendwann nicht mehr direkt an unsere Fenster. Allerdings bedeutete es auch Männer mit Bohrmaschinen, die Samstag um acht mehr oder weniger direkt vor dem Schlafzimmerfenster standen und an der Außenmauer bohrten. Naja, ich wollte ja eh an der Bachelorarbeit weiter schreiben.

    In drei Tagen acht Jahreszeiten. Erst hat die LP mit Vivaldis Vier Jahreszeiten eine bedeutende Rolle im Film Vermiglio gespielt – zu dem später mehr – dann wurden Ausschnitte des Werks im Deutschlandfunkgottesdienst gespielt samt Klimawandelpredigt.

    Es waren zweieinhalbtage Bachelurlaub, unterbrochen durch einige kurze Exkusionen ins Kino und ins Schwimmbad.

    Nachdem es mit der Kabane lange schwierig war, kann ich diese mittlerweile nutzen und kam auf die Kabanenbesuche drei (Freitag – 25 Grad – bedeckt, Bad leer) und vier (Samstag – 30 Grad – Sonne, Bad knallevoll). Am Freitag die Premiere, dass ich gleich zwei Kolleginnen im Becken getroffen habe, eine davon sogar in ihrer Freizeit.

    Trümmelbachfälle

    Madame setzte ihren Interrailurlaub in der Schweiz fort.

    Sie ließ sich mehrfach koreanisch bekochen.

    Tagesüber besichtigte sie einen Indoor-Wasserfall. Die Trümmelbachfälle haben sich so tief in den Berg hinein geschnitten, dass sie inzwischen ihre eigene Höhle gebaut haben. Über zehn einzelne Fälle fällt das Wasser der Gletscher von Eiger, Mönch und Jungfrau insgesamt 140 Meter tief. Die oberen der Fälle erreicht kein Tageslicht mehr, so tief liegen sie im Berg.

    Wenn es realiter nur halb so spektakulär aussieht wie auf Madames Fotos und Filmchen bin ich schwer beeindruckt.

    Aber die brachte auch die Erkenntnis mit: Lauterbrunnen, quasi der Startpunkt „nach oben“ Richtung Eiger, Mönch und Jungfrau, ist in den Sommerferien ganz schön voll.

    Vermiglio

    Nachdem meine dritte Knacknuss geknackt war, dachte ich, ich mache mir etwas Schönes und gehe ins Kino. Es folgte eine Triangulation aus „beste Zeit“ und „schöner Film“ und „Kino, in dem ich noch nicht war“ und es wurde Vermiglio am Donnerstag Abend im Cinema Paris.

    Das Cinema Paris gehörte einst zum Institut français im Maison de France, ist mittlerweile unabhängig vom Institut und wird – wie das Odeon bei uns um die Ecke – von den Yorck-Kinos bespielt. Ich stellte fest: an diesem Ende des Ku’damms an dem das Kino liegt, war ich quasi noch nie. Es ist überraschend viel frankophonie noch vorhanden.

    Vermiglio, ein italienischer Film, dem mehrere Filmbeschreibungsseiten sogar einen Plot attestieren. Ich habe ihn zwar den Plot gefunden. Da er aber keineswegs handlungstreibend ist oder sonst von großer Relevanz für den Film, werde ich ihn einfach ignorieren.

    Am Ende schildert Vermiglio ein knappes Jahr (Winter 1944 bis Herbst 1945) einer zwölfköpfigen Lehrerfamilie in einem Bergdorf der italienischen Alpen. Die Berge sind großartig, die Räume sind eng und kalt. Es wird gehungert. Andauernd trifft man dieselben Menschen. Alle paar Wochen stirbt jemand. Gefühlt war es eine Mischung aus Heidi (die Alpen-Kulisse, die Kostüme) in dunkel, eng und deprimierend und Ein Hof und 11 Geschwister in gebildeter entlegener Armut.

    Mehr oder weniger die drei Hauptpersonen sind die Schwestern Lucia (vielleicht 18), Ada (15/16) und Flavia (12/13), die versuchen für sich einen Platz in der Welt zu finden – die vor allem aus diesem Dorf besteht; eine Welt, die durch den Zweiten Weltkrieg im Tal noch beengter ist. Schlüsselszenen sind die drei, die Abends unter Kerzenschein in ihrem Holzbett liegen und Geheimnisse austauschen.

    Wirklich großartig. Aber fröhlich ist echt was anders. 1

    Abend/nächtliche Frontansicht des Maison de France. "Maison de France" und "CInema Paris" auf der Fassade in klassischen Neonbuchstaben, unten im klassischen Kinowechselbuchstabenformat angekündigt "Vermiglio"

    Da isser wieder der Gilbert

    Die Bachelorarbeit hat inzwischen 9000 Worte. Damit ist die geforderte Mindestanzahl geschafft. Es sind noch nicht die richtigen 9000. Noch gibt es auch die ein oder andere inhaltliche Lücke – aber ich weiß, wie ich sie füllen will.

    Es nähert sich. Ich kann beim Überarbeiten jetzt auch mit gutem Gewissen Absätze streichen, und Füllmaterial ausbauen. Es wird.

    Zwischendurch eine lustige Wiederentdeckung. Ich habe ja während der Vorarbeiten diverse Videos zu Linearer Algebra mit Gilbert Strang, dem Matheprofessor, der immer so wirkt, als wäre er dein bester Freund, geschaut. Leider hat er keinen direkten Bezug zu meinem Thema.

    Einen direkten Bezug hat aber die Programmiersprache Julia, weil ich in der ein bißchen rechnen werde. Und als dieser Sprache hinterher recherchierte, stieß ich auf den Aufsatz, in dem sie quasi der akademischen Welt vorgestellt wird:

    Bezanson, J., Edelman, A., Karpinski, S. & Shah, V. B. (2017). Julia: A Fresh Approach to Numerical Computing. SIAM Review, 59(1), 65–98. https://doi.org/10.1137/141000671

    Diesen Aufsatz las ich nichtsahnend und dann dieser Absatz:

    Julia has symmetric tridiagonal matrices as a special type. For example, we may define Gil Strang’s favorite matrix (the second-order di fference matrix; see Figure 1) in a way that uses only O(n) memory.“ ..

    Figur eins ist ein Foto einer 11×11-Matrix aus beschrifteten Cupcakes, definiert im Beschreibungstext als strang(n) =

    Anderes Fundstück für mich: A comprehensive study of Mixed Integer Programming with JuMP on Julia (Part 1) AUf jeden Fall praktisch, aber ist das zitabel?

    Nicht zitabel, aber eine Hilfe bei den elenden Rechnungsmarathon, den Lineare Programme so mit sich bringen: Simple Pivot Tool

    Radeln

    Der Herr Flusskiesel ist Schuhfluencer. Als ich Bus einem Bär-Schuhgeschäft vorbeifuhr, wäre ich fast spontan aus dem Bus gesprungen, weil er schon so überzeugend von diesen Schuhen schwärmte.

    Lebensberatung von Frau Novemberregen: [E]s gibt nur eine einzige Strategie: die innere Haltung. Sich voll hineinwerfen und im Kopf keine andere Wirklichkeit zulassen.“ Kein „aber was, wenn“, keinen doppelten Boden mitdenken, all-in gehen. Ist das anstrengend? Ja, sehr! Kann das schiefgehen und man steht hinterher blöd da? Absolut! Das ist der Preis. Plus anschauliches Beispiel.

    Inzwischen haben viele Teilnehmer*innen des Transcontinental Race 11 dieses beendet und gut 4000 Kilometer quer durch Europa in 10 bis 14 Tagen auf dem Fahrrad zurückgelegt. Alle Fähr- und Brückenprobleme sind überwunden. Mir neu waren die Hundeprobleme mit großen frei laufenden und lebenden Hunden in Südosteuropa, denen mensch nachts auch nur so mittelgern auf dem Fahrrad begegnet.

    Dabei entdeckt: Letztes Jahr drehte das ZDF eine Dokumentation zum Rennen: Das verrückteste Radrennend er Welt. Insbesondere beeindruckt von Jana Kesenheimer, die einfach unfassbare Leistungen vollbringt und dabei halt auch noch ne nette, bodenständige Frau aus dem Schwarzwald ist.

    Noch weiter mit dem Rad fährt Rebis. Diese verließ Almaty.

    Karen fuhr diesmal gar nicht mit dem Zug: Turku-Sarajevo mit dem Zug: (11) Dubrovnik – Mostar

    Für mehr osteuropäische Gemüseküche. Magentratzerl bespricht das Buch Kapusta.

    Fundstück:

    Also, I am NOT the author of More Than a Mom: Living a Full And Balanced Life When Your Child Has Special Needs. I’ve asked Goodreads to remove it from my page several times but it keeps getting re-added. If you have questions about this title, please direct them to the other Heather Fawcett!

    Anmerkungen

    1. Es gibt einige Szenen immerhin, die unglaublich komisch sind. Und die ihren Reiz auch daher beziehen, dass die beteiligten Personen im Film jegliche Wahrnehmung der Komic fehlt. Beispiel: Ein Baby, das an Keuchhusten leidet (extrem unkomisch) und mit Kohlwickeln behandelt wird, die sich als eine Art Krone aus Kohlblättern auf des Babys Kopf entpuppen. Ein Anblick zum Schreien – aber natürlich würde niemand in der Situation im Film auch nur Lächeln. ↩︎