Schlagwort: Dachboden

  • 23-09-14 Eigenkapitalrendite veganer Hackfleischproduktion

    23-09-14 Eigenkapitalrendite veganer Hackfleischproduktion

    Madame soll melden, ob sie einen Besucherparkplatz benötigt.

    Der Herbst naht. Lidl verkauft Weißwurst. Der Herbst naht. RTL kündigt die nächste Staffel Ninja Warrior Germany an.

    Der Fahrstuhl der Hinterhausbaustelle verschwand. Entweder sie haben jetzt alles Schwere und Sperrige vom Dach entfernt und neues Schweres und Sperriges hinaufverfrachtet. Oder das Geld ging ihnen aus. Oder jemand hat vergessen, den Mietvertrag zu verlängern. Alles ist möglich.

    „Unser“ Fahrtstuhl ist noch da. Und passend zum Klausurtermin hat mal wieder jemand lautstark auf dem Dach gearbeitet.

    Freundlicherweise waren die lauten Bohr-Zeiten immer nur einige Minuten kurz und über einem anderen Abschnitt der Wohnung. Nicht so gut war, dass dann auch noch auf dem Hof eine Mischung aus Laubbläser und Presslufthammer losging. (Keine Ahnung was – konnte ja nicht rausschauen, ich stand unter Klausuraufsicht). Immer sehr passend, wenn die Klausur eine Onlineklausur ist und ein Teil über eine Zoomkonferenz mit zwangsweise offenem Mikro läuft. Ich hoffe, bei den anderen kam der Baustellengeräuschpegel nur gedämpft an.

    r(*) = (e1/-2e0) x ((Wurzel(e1/2e0 – e2/eo)) -1)

    Ich stellte fest: Offensichtlich habe ich keine Blogleser*innen, die hier BWL-Korrektur lesen. Meine Ausführungen zum Cashflow vor ein paar Tagen waren falsch – aber zum Glück merkte ich es noch rechtzeitig. In der Klausur erschien auch prompt eine Frage zum Themenkomplex.

    Vor der Klausur kamen die letzten Tage der Vorbereitung. Wieder in Schöneberg. Wieder ging es mir am letzten halben Tag, vor allem darum, den Kopf frei zu kriegen und mir wieder etwas Flexibiliät in Hirn zu schaffen. Das heißt normalerweise Park + Schwimmbad.

    Diesmal nicht.

    Ich möchte die Chance nutzen, um unaufgefordert Gesundheitstipps zu geben: Falls Ihr vorhabt, Euch einen schwall kochendes Wasser über den Bauch zu kippen: Haltet ein!

    Es fühlt sich nicht so toll an. Das optische Resultat ist meines Erachtens verbesserungsfähig. Und vor allem: Danach habt Ihr länger eine größere nicht-verheilte-Wunde – mit der Schwimmen nicht möglich ist. Und das ist das Schlimmste!

    Irgendwie habe ich Mittwoch überstanden. Die Klausur entsprach im Wesentlichen meinen Erwartungen: (a) Wenn ich scheitere, dann nur an eigener Dämlichkeit. (b) Wie ich mich kenne, liegt das komplett im Bereich des Möglichen.

    K_0 = – 1000 + (200×1,02^-1) + (500×1,03^-2) + (500×1,01^-3)

    Also, einloggen heute um 8.40h, dem Zoom-Meeting beitreten, den Name auf Nachname, Vorname (park, south) ändern und den Bildschirm freigeben. Die Klausuraufsicht spricht Einzelne an, die bei einem der beiden Punkte Probleme haben.

    Um 8.55h werden die Fragen freigeschaltet. Um etwa 9.10h spricht mich eine Aufsicht via Breakout-Session an, lässt sich Personalausweis, Taschenrechner und leere Schmierblätter zeigen.

    Ich folge meinen üblichen Verfahren:

    1. Runde – alles überfliegen, so dass ich eine ungefähres Gefühl habe, für das was kommt.

    2. Runde – alle Fragen beantworten, bei denen ich ohne Überlegen entweder die Antwort weiß (MC) oder weiß was ich rechnen muss.

    3. Runde – Fragen, die mich einige Minuten des Überlegens kosten (Ich weiß, ich weiß die Formel – muss sie mir aber erstmal korrekt ins Gedächtnis rufen. Oder auch: Aufgabe mehrfach lesen, um sicher zu sein, wie ich sie verstehen muss.)

    4. Runde – Fragen, bei denen ich überhaupt mal überlegen muss, was der Ansatz sein könnte.

    Glücklicherweise war ich danach mit allen Fragen durch. Es war kurz nach 10 und ich hatte noch fast eine Stunde Zeit.

    Und dann kam: Gegenrechnen und gegenrechnen. Im Wesentlichen bestanden die Aufgaben aus Berechnungen, die etwas Taschenrechnerartistik verlangten. Auch wenn ich mich überzeugt hatte, dass all‘ meine Ergebnisse zumindest ein plausibles Ergebnis hatten; ich in der richtigen Größenordnung ankam- Verrechner sind bei mir immer möglich.

    Und wenn ich mal irgendwo 1,02 statt 1,03 getippt habe oder einen Term ganz vergaß – dann schreibe ich halt 330,679 statt der korrekten 337,987 – dann sind das Null Punkte bei der Frage.

    Naja, ich fand Verrechner und dann noch einige Verrechner und irgendwann fand ich keine mehr, war aber auch schon so gehirnmatschig, dass mein Rechnen vermutlich nicht mehr besser geworden ist.

    Um 11 Uhr war Schluß. Passend gewürdigt mit einem wilden Bimmeln vieler Handies in Hörweite der Klausurteilnehmer*innen. Und damit war mein 3. Fernuni-Semester beendet. Ich kann raten: Legt Euch wichtige Termine auf 11 Uhr am Alarmtag, das macht Stimmung.

    Nach der Klausur. Mit beschmiertem Schmierpapier und ordnungsgemäßen Taschenrechner.

    1, 2 und 3 – vorbei

    Damit ist Semester 3 des Fernuni-Abenteuers vorbei. Aktueller Stand: Bestes Semester. Sei es die wilde Achterbahnfahrt der Algo-Mathe, sei es Investition und Finanzierung (das ich viel zu lange sträflich ignoriert habe, eigentlich finde ich auch das inhaltlich spannend.)

    Langsam komme ich im ganzen Prozess auch so an, dass ich auf dem Fahrrad das neue Kranzler Eck/den Fernuni-Campus-Berlin ohne Nachdenken finde. Mein Arbeits- und Lernrhythmus wird besser. Meine Klausurvorbereitung zumindest etwas entspannter. Ich bekomme ein besseres Gefühl dafür, wie die Fernuni so tickt und was sie wirklich von mir will.

    (Wie immer half mir Inaugenscheinname: Zum Studientag nach Hagen fahren war trotz 38 Grad und Bahn-Chaos jeden Schweißtropfen wert).

    Morgen stehen vermutlich die Unterlagen für Semester 4 auf dem Briefkasten.

    Da ich immer noch nicht schwimmen durfte, also ausgiebig seufzen. Danach brach ich auf zur nächstbesten Alternative: Mit Ringbahn, U7 und Bus zum Bürgeramt Wasserstadt und meinen neuen Personalausweis abholen.

    Und jetzt bin ich knülle.

    Türkischer Basar

    Noch ein Gesundheitstipp: Nicht vom eigenen Steuerordner erschlagen lassen. Zum Glück sah Madame das ähnlich und wehrte das herabfallende Regalbrett ab.

    Bücher, auch nicht-Krimis, kaufe ich bei Hammett. Und gratuliere herzlich dazu, schon wieder den Deutschen Buchhandelspreis gewonnen zu haben.

    Karen war unterwätigt von Florenz und sah zu wenig von Pisa.

    Nachdem der Silobrand den NDR nach Wesselburen gelockt hatte, entdeckten die Journalisten auch gleich die rumänische Community. Ist auch nicht ganz einfach. Ein 3000-Einwohner-Städtchen (Land, Schleswig-Holstein, starker Rentneranteil), in das in wenigen Jahren mehrere hundert Rumänische Landarbeiter*innen ziehen. Sagen wir mal, die Auffassungen, was „normal“ und „richtig“ ist divergieren stark. Bisher verhalten sich alle Beteiligten vergleichsweise zivil.

    Für einen (Wirtschafts)Informatik-Studenten, dessen Arbeitsplatz sich im Organigramm unter Informationstechnologie->Infrastruktur findet, war mein Verhältnis zum „Programmieren“, immer etwas schwierig. Ich fand und finde es ziemlich umständlich, dem Rechner wirklich buchstabenweise erklären zu müssen, was er tun soll. Meine Neigung zu Tippfehlern ist in dem Kontext nicht hilfreich.

    Aber inzwischen verstehe ich genug vom Thema, um Programmiersprache als Konzept total spannend zu finden und auch, wie verschiedene Sprachen bestimmte Strukturen ähnlich oder halt verschiedenen lösen. Mit Genuß las ich „Python erklärt für Benutzer von R„.

    Ich habe leichte Hoffnung. Hoffnung, dass die Medien-Schul-Universitäts-Deutschen es schaffen, „Gastarbeitergeschichte“ auch als Teil „ihrer“ Geschichte zu begreifen. Vielleicht entwickelt sich eine kollektive deutsch Geschichtserzählung, die die Zeit der 1950 und folgende ebenso aus Sicht der Gastarbeiter*innen erzählt, wie aus Sicht der hier schon ansässigen.

    Auf jeden Fall hörte ich letztens im Deutschlandfunk Kalenderblatt ohne jedes Tamtam einen Rückblick auf den Ford-Streik 1973. Über eine neue Geschichts-Plakette in Schöneberg zum Türkischen Bazar in der Hochbahn stieß ich auf den Film Aşk, Mark ve Ölüm (Liebe, DM und Tod), der immerhin einen Berlinale-Publikumspreis gewann. Auch auf DLF mitten in der Lied und Folksendung spielte der Song Onda Calabra – dessen Video auch Italien-in-Deutschland-unglamouröse-Variante spiegelt.

  • 23-08-31 Ab-Rüsten. Mit Geodreieck.

    23-08-31 Ab-Rüsten. Mit Geodreieck.

    Madame macht sich Gedanken: „Was ist Recht?“ Unterscheidet sich „Recht“ von „das Recht“?

    Bei diesen Gedanken stieß sie auf den Heavy-Metal-Mathe-Professor Christian Spannagel und seine Ausführungen zum Flipped Classroom. Ich verstand, warum Spannagel-Videos seid vielen Jahren zur Grundausstattung einer/s jeden Mathe-Lernenden-Studis gehören.

    Mit Lernen – also Neu-Lernen – ist bei mir natürlich gerade gar nichts. So kurz vor der Klausur im Klausurlaub denke ich „Alles was ich während des Kurses schon nicht verstanden habe, verstehe ich jetzt auch nicht mehr.“ Aber ich bin eigentlich optimistisch, dass ich bis in den Juli/August hinein genug verstanden habe, um zu bestehen.

    Jetzt halt: Wiederholen. Sich erinnern. Und den handschriftlichen DIN-A4-Spickzettel erstellen, den ich mitnehmen darf.

    Erinnerungen an den Sommer: Beim 18 Grad und Dauerregen schaue ich Studientagsvideos. Die kümmern sich zwar nur um Mathe, aber ab und an kommen auch die Bedingungen des Studientags vor. Lebhaft erinnere ich mich an 34 Grad Außentemperatur – wir saßen in einem nicht-klimatisierten 80er-Jahre-Unibau, in dem wir die Fenster nicht öffnen durften, denn direkt davor war die Baustelle. Sie erzeugte Lärm und Staub.

    Und so pivotierten wir links herum und rechts herum und wieder rechts herum und vielleicht auch einmal auf dem Kopf, dass einem ganz schwindelig wurde. Sei es wegen der 34 Grad, sei es wegen der Pivoetten.

    Jetzt ist angenehmer. 18 Grad. In der Wohnung bei bedarfsweise offenen oder geschlossenen Fenstern. Natürlich verlernhöhle ich dabei auch. Es kommt zu wenig mehr als einem Gang zum Supermarkt, zum Fahrradmeister und vielleicht auch mal mit Lernmaterialen in den Park.

    Tablet mit Matheaufgabenfilm. Im Hintergrund Wohnzimmer.
    In da Lernhöhle

    Die Hinterhausbaustelle bietet uns wieder Gerüstnahsehen an. Denn das Hinterhausgerüst verschwindet endgültig. Die alleroberste Etage, die über das Dach hinausragte ist bereits weg, weitere werden vermutlich folgen. Die katzenhafte Sicherheit mit der die Herren dort herumturnen – beeindruckend.

    Andere Herren legten dafür mit der Dachbodenbaustelle über unseren Köpfen los und fanden eine Mauer zum Einreißen. Es wirkt genau so wie es sich liest: „Direkt über Deinem Kopf wird eine Mauer eingerissen.“ Ich hoffe, sie setzen das nicht fort, wenn ich gerade eine Onlineklausur schreiben möchte.

    Madames Armbaustelle baut auch ab. Tagsüber darf sie sich wieder ohne Rüstung, nacktarmig und orthesenfrei in die Öffentlichkeit wagen. Nur Nachts, wenn niemand die Armbewegungen kontrolliert, ist der gerüstete Schutz nötig. Sonst steht halt das übliche Programm auf dem Plan, um Arm und Handgelenk wieder zum Leben zu erwecken.

    Zur Feier des Tages trafen wir uns bei der Kaffeerösterei Enrico, tranken Galao und aßen Zitronen-Baiser-Tarteletts. Zur Feier des Tages verschwand Madame im Stadtbad Schöneberg (Schwimmen: Gut. Radfahren: Böse.) Und zur Feier des Tages brachte sie ein neues Geodreieck mit. („Ignorieren Sie nicht die geometrische Lösung einer Optimierungsaufgabe!“)

    Das Weihnachtsbaumgeschäft brummt

    Corona existiert noch. Der politisch-moralisch stets mustergültig postende Teil der Menschheit muss sich noch zurückgewöhnen. Auf Tröt lese ich mehrere Posts des Inhalts „Ich bin erst zwei Stunden zur Rush Hour mit der Ringbahn gefahren, war dann in der Karaokebar, um erst im Aufzug Potsdamer-Platz-Aussichtsturm 15mal rauf und runter zu gelangen und dann in den KitKat-Club zu gehen. UND NUR ICH HATTE EINE MASKE AUF!“. Aber das wird noch.

    Das Silofeuer in Wesselburen ist gelöscht. 500 Einsatzkräfte auf mehreren Landkreisen bis hin zu Experten der Hamburger Berufsfeuerwehr.

    Die Wikipedia-Gruppe Hannover entdeckte eine*n verstorbene*n Erblasser und fuhr mit dem Erbe nach Posen/Poznań.

    Via Landlebenblog lernte ich: Das Weihnachtsbaum-Geschäft brummt quasi schon, Sie sollten sich also eilen, wenn Sie noch einen vernünftigen Baum ergattern wollen

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  • 23-08-29 Lichterlohes Lodern über Dithmarschen

    23-08-29 Lichterlohes Lodern über Dithmarschen

    Die Dachbaustelle im Hinterhaus bekommt einen erkennbaren Balkon.

    Auf unserem Dachboden, den ich eigentlich für komplett leer halte, sind neuerdings Abends nach 22 Uhr oder morgens vor 7 Uhr kleine Männergruppen und machen irgendwas. Ich vermute, dort findet fortgeschrittenes Hallodritum statt.

    Fortgeschrittenes Fensterputztum fand in der Wohnung statt, dank eines Profis mit Leiter und norddeutschem Migrationshintergrund.

    Der italienische Feinkostladen in der Straße eröffnete. Stilecht mit grün-weiß-roten-Luftballons. Angesichts der übrigen Kleineinzelhändler dieser Straße vermute ich trotzdem, dass er im Hintergrund einer türkischstämmigen Familie gehört. Aber es waren Leute anwesend. Viele.

    Wir sind Zeugen einer Transformation: Wirkten die Geschäfte dieser Straßenzeile (Wettbüros, Sportschuhe, Gastrogroßbedarf) bisher so als wären sie nicht auf Laufkundschaft – oder überhaupt auf Kundschaft – angelegt, hat die rapide Transformation in den letzten Wochen viel Neues gebracht: Hühnerwald, „Medien + Reisebüro“, der neue Inder und jetzt auch der Feinkostladen wirken ernstlich so, als sollten Leute hineinkommen. Nur der „Barbershop-Großbedarf“ verströmt weiterhin das Flair einer geschlossenen Gesellschaft.

    Gepreppt: The one and only Coffee Chili. Als Nachtisch: James Grieve aus eigenem Anbau. Unter dem anderen Apfelbaum wächst Borretsch. Der hat sich freundlicherweise ohne unsere direkte Intervention dort angesiedelt.

    Heute morgen beim Frühstück warnte mich die Katwarn-App: Feuerwehreinsatz in Dithmarschen. Halten Sie Fenster und Türen geschlossen. Eines der beiden Wesselburener Wahrzeichen brannte. Und da im Getreidesilo immer wieder Getreide nachrückte, war es quasi unlöschbar. Drama in Wesselburen. Anruf beim Kaptain: „Ach, deshalb riecht es so. Ich hab mich schon gefragt, wer so früh am Morgen grillt.“

    Der Geruch in der Tiefgarage der Südkreuz Offices wird intensiver. Soweit ich verstehe, scheitert eine Taubenbekämpfung am Taubenschutzverein, der Nester mit Eiern entdeckte. Als Mieter eines Berliner Balkons sage ich: Herrje. Natürlich. Sobald man drei Minuten nicht hinschaut, haben sich Tauben angesiedelt, ein Nest gebaut und Eier gelegt. Das ist ihre Superkraft.

    Taube im Parkhaus: Darunter Taubendreck.
    Die Höhenwarnung schaukelt. Ein Eigenschaft, die die Stadttaube offensichtlich schätzt.

    Mutter von Welt, Zug in Griechenland

    Kitty Koma war in Nachbarschaft unserer Latifunden auf einer Einschulungsfeier. Sie entdeckte: Die Mutter von Welt trägt bei so einer Veranstaltung um 9:30 Uhr langes Abendkleid, silberne High Heels und falsche Wimpern zu ihren üblichen Tatoos.

    Ich finde Karens Zugreise durch halb Europa ebenso cool wie inspirierend. Und auf meiner eigenen Löffelliste landete sofort der Plan: Mit dem Zug an den griechischen Strand: Turku-Istanbul mit dem Zug: (13) Kineta

    Strong, striving, great, more, wider

    Überraschenderweise bin ich ja in meinem Leben aktuell im öffentlichen Dienst gelandet – und den Vorurteilen nach soll dort nicht alles immer rasend schnell gehen. Umso mehr freut es mich, dass mein Ex-Arbeitgeber, Wikimedia Deutschland, sich das „10-Wochen-Jetzt“ angewöhnte. WMDE bloggt We are excited to announce that Wikimedia Deutschland (WMDE) now has a new strategic direction until 2030!

    (Formell beschlossen am 17. Juni, gebloggt am 29. August)

    Zu meiner Zeit war es so, dass WMDE ein disparater Verein war, mit reichlich verschiedenen Abteilungen. Um ein Bild zu nutzen: Wäre es ein „Verein zur Förderung des Sports gewesen“, hätte es eine Abteilung für Schwimmen gegeben, eine zur Entwicklung von Kufen für Rennrodeln, eine zur Erforschung des Sports im Nationalsozialismus und eine für internationale Beziehungen.

    Dementsprechend schwierig waren alle Strategiedebatten. Meistens endeten sie darin, dass unter Hinzuziehung mehrerer Arbeitsgruppen mit großem Aufwand und in schönen Worten gesagt wurde „Wir müssen Wassersporttreibende ohne Sportgerät fördern und schnellere Verbindungen zwischen durch Schwerkraft angetriebenen Renngeräten und dem Eis entwickeln und das Wissen über das Wesen des Sports im Nationalsozialismus vertiefen und das alles in einen internationalen Kontext stellen.“

    Meine Zeit ist lange vorbei. Aber wenn ich mir die Strategie so betrachte: Nicht viel hat sich geändert seitdem.

    Viel Geld

    Die 1990er haben angerufen und möchten ihre Standort-Deutschland-Debatte zurück. Einziges Zeichen des ökonomischen Wandels seitdem: Das Schimpfwort der „Vollkaskomentalität“ wandelte sich zur „Flatratementalität.“ Eine Nation der Autobesitzer verwandelte sich in eine Nation der Handynutzer.

    Wobei sowohl Vollkaskoversicherungen wie auch Handy-Flatrates nur existieren, weil sie für die Anbieter gewinnbringende Geschäftsmodelle sind. Die Kunden zahlen im Schnitt mehr einzahlen als sie entnehmen. Menschen schätzen es, wenn sie keine finanzielle Unsicherheit erfahren. Sie sind bereit, dafür Geld zu auszugeben.

    Die New York Times berichtet, dass Dänemark überlegt zwei nationale Wirtschaftsbilanzen aufzustellen: Eine mit Novo Nordisk, dem Entwickler von Ozempic und Wegovy, (Gesamtes Nationales Wirtschaftswachstum mit NN knapp 2%) und eine ohne (Wirtschaftswachstum 0%). Zwei Diätmedikamente machen genug Umsatz und Gewinn um komplette europäische Volkswirtschaften aus dem Rahmen zu werfen.

    Um fast soviel Geld geht es im New-York-Times-Feature The Inheritance Case That Could Unravel an Art Dynasty (Geschenklink ohne Paywall) – die Welt aus gigantischem Reichtum (mehrfache Milliardärsklasse), einem kulturell-distinguierten Lebensstil weit über jede Karikatur hinaus, totaler Verschwiegenheit und Organisierter Kriminalität auf Eliteniveau fasziniert mich. Ähnlich fasziniert mich aber auch seit Jahren Feuilletonberichterstattung über moderne Kunst, die ohne die Wörter Schwarzgeld, OK und Mafia auskommt.

    Die Zeit entdeckte (hinter der Paywall), dass ausgerechnet der Veltener Bernsteinsee ein „Trendsee“ sein soll. Da kommen auch Journalismuszweifel auf: Von den etwa zehn Badeseen in der Nordwestecke Berlins, die mir einfielen, liegt der Bernsteinsee irgendwo zwischen Platz 9 und 10.