Schlagwort: Dachboden

  • 24-08-04 Kein Dach über dem Kopf (Warschau-Berlin)

    24-08-04 Kein Dach über dem Kopf (Warschau-Berlin)

    Der Körper bleibt stationärer. Keine Schnellzugfahrten mehr. Er bewegte sich nur zu einem Ausflug nach Latifundien, ergänzt um eine Exkursion in den Baumarkt und zum Recyclinghof. Die Seele hat Chancen nachzukommen. Inzwischen sind ich alle in Berlin.

    Ein Teil meiner selbst versucht sich zu erinnern, dass Morgen ja Werktag ist – wie ging der Arbeitsweg? Was war das Passwort? Was arbeite ich überhaupt?

    Ein anderer Teil meiner selbst sitzt noch im polnischen Intercity beziehungsweise ist auf dem Weg zum Warschauer Abendessen.

    Nachdem uns EC44 der PKP, RE1 der Odeg, und S3 und S41 der S-Bahn Berlin nach Hause gebracht hatten, nutzten wir auf der Reise:

    • 2 Fernfähren (Travemünde-Helsinki; Helsinki-Tallinn)
    • 9 Fernzüge (Berlin-Hamburg; Hamburg-Travemünde; Tallinn-Valga; Valga-Riga; Riga-Vilnius; Vilnius-Mockava; Mockava-Warschau; Warschau-Frankfurt/Oder; Frankfurt/Oder-Erkner)
    • 3 S-Bahnen (Berlin)
    • 1 U-Bahn (Helsinki)
    • 13 Trams (8 Helsinki, 3 Riga, 2 Warschau)
    • 4 Diesel-Linienbusse (2 Warschau, Travemünde, Helsinki)
    • 2 Trolley-Linienbusse (Vilnius)
    • 2 Shuttlebusse (Travemünde, Helsinki)
    • 2 Hopserfähren (Travemünde)

    Pawlowa

    Wir gingen dieses Jahr spärlich essen unterwegs. Helsinki war uns zu teuer. In Tallinn waren wir zu unpässlich. In Vilnius hat’s zu sehr geregnet. Das Hotelpicknick mit Supermarktzutaten fand öfters statt als gedacht.

    Ein Grund, es uns in Warschau gut gehen zu lassen.

    Dem Rat unseres polnischen Mitreisenden folgend, versuchten wir den Kulturpalast zu ignorieren, fuhren mit der Tram zum anderen Ende seines Platzes. Dann Fußweg. Obwohl sich Warschau schon fast heimatlich anfühlte, war uns diese Ecke zwischen den Hochhäusern hindurch fremd und faszinierend.

    Madame hatte die Browary Warszawskie ausgemacht. Ehemalige Großbrauerei, seit 2021 „ein neuer Hotspot. Bars mit hausgemachten Bier, eine große Food Hall und reichlich Sitzmöglichkeiten in gemütlichen Cafés.“ Wir saßen draußen im Untergeschoss in der gleichnamigen Bar.

    Spannende Gegend: Die Leute um uns herum sahen weder nach Touristen noch nach eingesessenen Warschauern aus – eher die schicken etablierten jungen Menschen, die mensch in entsprechenden Plätzen in London oder Zürich erwarten würde. Wobei eh alles wahnsinnig schick aussah. Ein Weltensprung gegenüber dem Berlin, das uns einen Tag später erwartete.

    Wir schwelgten: Litauisches Roggenbrot mit Ostseehering; Fischpierogi; Trüffelburger; Gegrillter Blumenkohl; Pawlowa; Sernik. Dann rollten wir mühsam nach Hause, wir blieben beim Thema Schwelgen.

    Palace

    Letztes Jahr bei unserem Polentrip war das Hotel in Warschau dasjenige, welches am teuersten war und dafür auch am wenigsten Joy sparkte. Irgendwie sagten wir „Warschau halt…“. Außerdem lag es nett fußläufig zu Warszawa Centralna, dem Warschauer Hauptbahnhof. Aber ging es nicht besser?

    Dieses Jahr war das Hotel in Warschau immer noch das teuerste der Reise – aber es sparkte jede Menge Joy. Den Polonia Palace hatten wir sogar schon gesehen – er liegt noch näher am Bahnhof, als das alte Hotel. Bei jedem Gang vom ZSCW-Hotel zum Bahnhof liefen wir am Polonia Palace vorbei.

    Jedes mal dachten wir: „Grand Hotel. Kostet sicher mehrere hundert Euro die Nacht. Weit über Budget.“

    Seat 61 brachte uns dazu noch einmal nachzusehen. Dessen Hoteltipps sind zwar am oberen Ende unserer Reiseplanung, aber das Nachdenken wert. Er empfahl das Grandhotel. Madame schaute nach. Denkste! Bezahlbar. Auf ins Grand Hotel.

    Gigantisches Zimmer, schickes Frühstück und ein tolles Gebäude, dessen Geschichte für einen eigenen Wikipedia-Artikel ausreicht. Genau gegenüber dem anderen Gebäude das wir ignorieren sollten. Welch schöner Urlaubsabschluss.

    Dementsprechend blieben wir den Vormittag im Hotelzimmer – muss man ja nutzen und gingen direkt nach Warszawa Centralna.

    Sie sehen nichts. Insbesondere kein Gebäude.

    Rollkommando

    Das Schicksal blieb uns hold, zwischen Warschau und Frankfurt hatten wir ein Abteil für uns allein. Wir bestellten Kotlet schabowy im PKP-Speisewagen – denn solang das Schnitzel noch vor Ort geklopft wird, soll man es ausnutzen.

    Ab Frankfurt half alles Schicksal nicht – die Deutsche Bahn kam ins Spiel.

    Vor Monaten gebucht: EC bis Frankfurt danach Regio, denn EC durchbuchen ging nicht. Kurz vor Abfahrt erzählte derHexer von Bahn-Bauarbeiten bei Frankfurt / Oder. Wenige Tage später die Mail „ihre Verbindung fällt aus.“ Das will man nicht lesen, wenn man noch im falschen Land unterwegs ist.

    Langes Gewürge, die Verbindung bis Frankfurt/O fuhr ganz normal. Danach gab es die Auswahl der Bus zum Hauptbahnhof, oder per Regio/S-Bahn/S-Bahn zum Südkreuz. Im Regio eine drei-Mann-Fahrkartenkontrolle. Eine militärisch auftretende Schaffnerin plus zwei Securities, auch eher am martialischen Ende des Verhaltensspektrums. Um ein Haar hätte ich mit der Bahncard salutiert.

    In a tent

    Zurück in Berlin. Ihr kennt das: man ist in einer anderen Welt, geht implizit davon aus, dass sich auch zu Hause viel geändert haben muss. Dabei waren es nur ein paar Tage, nichts ist passiert. Der Fahrstuhl an der S-Bahn ist immer noch defekt. Weiterhin erbarmte sich niemand, die Notdurft (eines Obdachlosen?) aus der Hofeinfahrt zu entfernen. Nicht einmal ein neuer Smash-Burger-Laden eröffnete in der Nachbarschaft.

    Diesmal aber gab es einen Unterschied: das Dach war weg. Das Gerüst um das Haus war in den oberen Etagen gewachsen. Dafür fehlten Dach- und Dachboden. Wir wohnen jetzt dachlos.

    Am Donnerstag immerhin kam ein polnischer Bautrepp, errichtete um das Gerüst herum eine Zelthalle. Diese soll vor Regen schützen. Wir vermuten, unter der Halle wird neuer Dachboden und neues Dach errichtet.

    Sunshine Vilnius

    Karen mit Familie war auch in Vilnius. Aber länger und bei weniger Regen: Halbeuropatour ’24 (10): Vilnius

  • 24-07-27 Valga (Tallinn – Riga)

    24-07-27 Valga (Tallinn – Riga)

    Währenddessen in Berlin: Kaum sind wir mal ein paar Tage abwesend, passiert an der Dachbodenbaustelle scheinbar mehr als im kompletten Jahr zuvor. Wir sind gespannt.

    Während in Berlin gebaut wird, sind wir in Riga im Hotel angekommen. Obwohl Riga nur 170.000 Einwohner mehr besitzt als Tallinn, fühlt es sich mindestens viermal so groß an.

    Um dorthin zu gelangen nutzten wir:

    • Zwei Fernfähren
    • Vier Fernzüge (Neu: elron 10/330 „Baltic Express“ Tallinn -> Valga und vivi ??? Valga -> Riga)
    • Eine S-Bahn, eine U-Bahn, acht Trams, zwei Linienbusse, zwei Shuttlebusse, zwei Hopserfähren.

    Totentanz

    In Tallinn war es soweit. Sei es die Umstellung auf das Reiseleben; sei es etwas schlecht Gegessenes; – sei es ein Virus, der uns gestreift hatte. Wir beide fühlten uns körperlich begrenzt. Das Handy wies noch wundersame 10.000 Schritte am Tag auf. Aber diese verbrachten wir in der Nähe von Bahnhof, Fährterminal und historischer Altstadt.

    Das Go Hotel Shnelli ist Teil des Bahnhofskomplexes. Es ist unschlagbar, wenn man an jenem Bahnhof einen Zug um 7:15h erreichen will. Einmal aus der Tür treten, das Gebäude halb umrunden und man steht auf dem Gleis. Unter anderen Umständen würde ich nochmal nach einem anderen Hotel suchen.

    Die Altstadt – wäre ich Miniaturbahnmodellhersteller und hätte diese Altstadt designt. Ich könnte wochenlang vor Stolz nicht schlafen. Es stimmt einfach alles.

    Selbst das gelegentlich verfallene Haus oder die rückwärtige Straße mit Mülltonnen sind vorhanden, damit es nicht zu disneyhaft wirkt. Es ist perfekt und in einem süßen Miniaturmaßstab. Es mag an meiner geistigen Verfasstheit gelegen haben – fasst schon unwirklich.

    Selbst die gelegentlich auftauchenden Botschaftsgebäude wirkten schon wie ein Sprung in der Matrix, ein unabsichtliches Durchscheinen der Räderwerks, dass die Maschine vor unseren Augen am Laufen hält.

    Unser Höhepunkt: Niguliste kirik – die ehemalige Nikolaikirche – gotische Prachtkirche deutscher Kaufleute, die seit 1984 als Museum für mittelalterliche Kirchenkunst dient. Museale Aufbereitung und Gebäudetechnik sehen nach 2020ff. aus.

    Die Kunst schön präsentiert und jedes einzelne Stück eine Reise wert. Wir verbrachten die längste Zeit vor dem Tallinner Totentanz. Ein ursprüngliches 30 Meter langes, heute noch 7 Meter erhalten, Gemälde aus dem Mittelalter, dass den Tanz des Todes mit den Menschen zeigt. Eine zeitweise populäre Symbolik: egal, wer Du bist, ob Papst, Kaiser oder Knecht, am Ende wird der Tod Dich holen und ihr seid alle gleich.

    Der Tallinner, eng angelehnt an den verlorenen Lübecker Totentanz, zeigt einen Tod in glänzender Laune mit wild ausladenden Tanzbewegungen, während Papst, Kaiser und Edelfrauen doch arg gequält schauen. Darunter auf (Altmittel-)Plattdeutsch die Erläuterung:

    To dussem dantse rope ik al gemene
    Pawes keiser unde alle creaturen
    Arm ryke groet unde kleine
    Tredet vort went iu en helpet nen truren

    Estland blieb uns verschlossen. Sei es die hermetische Sprache (außer bei Glückstreffen wie Politsei, Güümnasium oder Disain), die abgeschlossene Miniaturwunderlandstadt oder die Tatsache, dass selbst der Zug direkt hinter dem Bahnhof in den Wald fuhr und nie wieder daraus hervorkam – Estland, who are you?

    Erdbeerlimo mit Grenzblick

    Man stelle sich vor, es gibt einen Zugverbindung am Tag zwischen Berlin und Hamburg. Diese besteht darin, dass man drei Stunden eine Regionalbahn von Berlin nach Salzwedel nimmt. Dann vier Stunden in Salzwedel wartet. Und dann wieder drei Stunden mit einer Regionalbahn von Salzwedel nach Hamburg fährt.

    Dieses ist die Bahn-Situation zwischen der estnischen Hauptstadt Tallinn und und der lettischen Haupstadt Riga. Entfernung per Luftlinie: keine 300 Kilometer, Reisestadt: 10,5 Stunden.

    Eine Katastrophe für die Infrastruktur – und ein Grund warum jeder normale Mensch lieber den Reisebus nimmt – aber für den abenteuerbereiten Urlauber natürlich ein Paradies.

    Es gibt den Zug von Tallinn nach Valga – ein neues Modell. Ich könnte nicht sagen, je in einem Zug so gut gesessen zu haben. Dann Valga. Dann der Zug sowjetischer Bauart, behutsam modernisiert, der lettischen Eisenbahn.

    Valga hat 14.000 Einwohner. Es ist eine Grenzstadt (Stadtzentrum und Bahnhof liegen im estnischen Valga, ein bedeutender Teil des Städtchens im lettischen Valka). Der prachtvolle Bahnhof – so(!) soll ein Bahnhof aussehen – büßte etwas an subjektiver Pracht ein, nachdem wir lasen, dass er 1949 im stalinistischen Klassizismus von deutschen Kriegsgefangenen erreichtet wurde.

    Das eigentliche Stadtzentrum liegt einen 20-minütigen Fußmarsch vom Bahnhof entfernt. Es enthält historische Häuser, Holzhäuser; kurz erwarteten wir, dass gleich schießende Cowboys aus den Gebäuden heraustreten würden. So sehr sah es nach Westernstadt aus.

    Dahinter diverse große Einkaufszentren die direkt neben dem Grenzpfahl liegen. Eines verkaufte uns Erdbeerlimonade. Zurück wandelten wir durch einige neu angelegte schöne Parks und Promenaden, die zum Flanieren einladen.

    Es waren sehr schöne vier Stunden.

    Bahnhofs-Highlight: Die Klofrau, die an einer großen analogen Registrierkasse saß, so wie damals 1982 im Supermarkt.

    Personen im Gleis

    Der Zug nach Riga wurde in Valga nicht angekündigt. Es handelt sich um einen Zug der lettischen Bahn in einem estnischen Bahnhof. Diese werden anscheinend aus Prinzip nicht angezeigt. Oder weil man den Zug nicht in das estnische System einpflegen kann.

    Der Zug folgte man Modell analoge Registrierkasse. Er sah so aus wie Züge in meiner Kindheit aussahen: Eine echte Lokomotive zog Personenwaggons, die durch mehrfache Türen voneinander getrennt waren. Der Einstieg erforderte nahezu bergsteigerische Fähigkeiten – selbst vom Bahnsteig aus.

    Wobei nicht alle lettischen Bahnhöfe Bahnsteige haben. Manchmal stehen auch Leute auf der Wiese. Außerhalb Rigas führen die Wege zum Zug auch immer direkt über das Gleis – keine Unterführungen, keine Überführungen, keine Schranken, einfach geradeaus. Die Leute gingen auch einfach über das Gleis. An einem Bahnsteig sahen wir einen Trampelpfad zwischen den Gleisen. Spannend!

    Auch scheint das Konzept des beschrankten Bahnübergangs dem ländlichen Lettland fremd zu sein. Wild tutend kreuzten wir in hohen Tempo Landstraßen, die einzig mit blinkenden Andreaskreuzen gesichtert waren.

    Nicht nur eine Reise nach Riga, sondern auch eine Reise in die Vergangenheit.

    Die Einfahrt nach Riga: Großstadt. Direkt vor dem Hauptbahnhof ein gigantischer Güterbahnhof mit der längsten Fußgängerüberquerung, die ich je sah. Langsam verlassen wir gefühlt den Ostseeraum und nähern uns Ostmitteleuropa.

    Totentanz und Jakobsbücher

    Madame las im Zug Excellent Women und kann dies sehr empfehlen.

    Ich las Tuvia Tenenboms Gott spricht Jiddisch zu Ende – eigenwillig, gewöhnungsbedürftig, aber mit großem Gewinn gelesen.

    Danach angefangen Olga Tokarczuk: Die Jakobsbücher. (übersetzt von Lisa Palmes und Lothar Quinkenstein). Nach ungefähr fünf Seiten fand ich jeden Literaturnobelpreis gerechtfertigt. Jedes habe ich nur das Problem, dass mich jedes verpasste Wort grämen würde. Ich lese also konzentriert, blättere des Öfteren zurück und lege reichlich Pausen ein, wenn die Konzentration nachlässt. In diesem Tempo brauche ich für den Wälzer ein paar Jahren.

    Mehr zum Tallinner (und zum Lübecker) Totentanz: The Dance of Death in Tallinn.

  • 24-06-20 It’s sad and it’s sweet and I knew it complete (13,3)

    24-06-20 It’s sad and it’s sweet and I knew it complete (13,3)

    Bei Penny gibt es Weihnachtsdekoration zum Angebotspreis. Aber nicht sehr viel: Eilt!

    Ein erstes Mal im Leben: 10 Nacktschnecken an der Biotonne. Was die Frage aufwirft: Warum sind sie dort nicht dauernd?

    In der Tiefgarage bauen Tauben ein Nest aus Kabelbindern. Wir warten auf die Wache des Taubenschutzvereins.

    Berliner*innen schaffen es, drei große Rollkoffer, einen Kinderwagen und einen E-Rolli in den kleinen Stehbereich eines überfüllten Busses zu bekommen. Nur beim Zwillingskinderwagen – da half nichts mehr.

    Der Fahrradmeister war einst der Motorradmeister.

    Madame brauchte das Maismehl auf. Sie kaufte Grafschafter Goldsaft, türkischen Schwarztee und Köfte-Grundstoff.

    Sie erfuhr warum der ausgebaute Dachboden noch nicht vermietet ist. Die Gründe sind ebenso bizarr wie amüsant wie untergründig bedrohlich; und damit passt es hervorragend zum ganzen Haus.

    Was spielen die bei EM alle unentschieden? Das ist ganz mies für mein Kickspiel-Karma.

    ¬17 x 0- (13,3)

    Nach langer Zeit ein Besuch beim Blutspenden. Sie wollten mich nicht. Zuwenig Eisen. Eisenderdautz. Brian Johnson wäre das nicht passiert.

    Spannend: Vor dem Blutspenden geht es kurz zur Arzt/Ärztin, den Fragebogen durchgehen: „Ja, der lange USA-Aufenthalt 1992/1993 ist immer noch harmlos. Ich nehme weiterhin keine schwierigen Medikamente, hatte kein Fieber im letzten Monat und so.“ Normalerweise geht das schnell und schmerzlos. Manchmal denke ich „Ach, toller Mensch“

    Diesmal clickte es irgendwie gar nicht. Er war nett, er war höflich. Trotzdem sagte mein Bauchgefühl „finde ich unsympathisch“. Prompt stimmten die Werte nicht. Wir gingen so untergründig disharmonisch auseinander wie unser Gespräch begann.

    Immerhin gab mir die arg verkürzte Blutspende die Chance, früher bei der immerwährenden Querdenkerdemo vorbeizufahren. Ausnahmsweise konnte ich die Demo vor dem Abbau bewundern. 15 Menschen standen mit selbstgestalteten Plakaten an der Schloßstraße. Zweimal wegen Corona, dreimal „Deutschland!“ und der Rest war „Russland! Mir! Frieden!“

    Gelernt: Es gibt schräge Corona-Liedermacherinnen-Coverversionen von Tote-Hosen-Hits.

    Deformation semiprofessionelle: Ich war kurz davor, eine Spontanberatung abzubieten, wie sie Slogans und Plakate mitreißender gestalten können, die Demo an sich einlander und cooler aussehen könnte.

    Einst bei den Stuttgarter Kickers

    Ungewohnte Ereignisse rufen ungewohnte Erinnerungen hervor.

    Es war in den Neunzigern. Hannover 96 spielte 0:0 gegen Preußen Münster. Beide Mannschaften waren im Mittelfeld der Tabelle der zweiten Liga. Es regnete in Strömen. Ich stand auf den nicht-überdachten Stehplätzen des Niedersachsenstadions und dachte, dass ich schon sehr motiviert sein muss.

    Fußballschauen mit Kolleg*innen ist Zeit für Erzählungen von anno dunne. Hertha-Stadionbesuche von vor 20 Jahren gegen die Stuttgarter Kickers wurden hervorgeholt, Im-Westfalen-Stadion-als-Schalke-fast-Meister-geworden-wäre oder eben 0:0 gegen Preußen Münster. Memory trip.

    Wir saßen mit Pizza, Chips und Deutschlandservietten im Konferenzaum(*), bewunderten Musiala, Gündogan und fragten den halb-Schweizer-Kollegen nach Schweizer Fanrufen aus. Spannend, wie anders man manche Kolleg*innen neu kennenlernt.

    Die Arbeit ist weiterhin viel. Wenn auch in einem angenehmeren Rhythmus als im zerfahrenen Mai. Wenn ich schon zum Entertainment nicht raus komme, muss das Entertainment zu uns kommen.

    (*) Um es explizit gesagt zu haben: Feierabend – in der Freizeit – sämtliche Nahrungsmittel und Getränke privat bezahlt.

    New York State of Mind

    Ungewohnte Ereignisse rufen ungewohnte Erinnerungen hervor.

    Sona MacDonald trat auf bei Klassik. Pop et cetera. Sie wurde der langen Reihe Sängerinnen Ü60 gerecht, die durchgehend großartige Sendungen moderiert haben. Sie spielte Billy Joels Piano Man an, so begeistert von dem Stück, dass sie die halbe Zeit darüber moderierte.

    Ich erinnerte mich, dass ich einst mit 15 – ungefähr zu Hannover-96-Zeiten – sämtliche Billy-Joel-Platten besaß. Welch Entdeckung gerade die alten Sachen waren, im Vergleich zu Eurotrash oder Heavy Metal. Spontan musste ich mir noch einmal die Greatest Hits auf CD besorgen – und kann nun hören:

    It′s nine o’clock on a saturday
    The regular crowd shuffles in
    There′s an old man sittin‘ next to me
    Makin‘ love to his tonic and gin

    Ich bin überrascht wie ähnlich sich das dem internen IT-Support anfühlt. Auch dort dieselbe Mischung aus langjährigen Stammgästen und Laufpublikum. Die Gesichter, die man immer wieder sieht, deren Lebensgeschichte man geschildert bekommt. Die Leute voller Sorgen, die Hilfe erwarten und doch wissen wie sinnlos alles ist. Und natürlich der Kollege, der davon träumt freiberuflicher SAP-Berater mit Arbeitsort Thailand zu sein und doch hier gelandet ist. Ich hätte es nie so formuliert, aber beim Hören fühlte es sich so an: Ich erkannte überraschend Vieles wieder.

    Lovely und Monty

    Ab August wohl erstmal wieder mit dem Auto Richtung Nordsee. Bahnstrecke Hamburg-Berlin monatelang gesperrt

    Lovely und Monty mit dem wahren Hit der EM gehören auch hier verlinkt.

    Wir freuen uns an unsere Saisonkabine im Freibad. Das ist nichts gegen Wien. Dort kann mensch aufsteigen, von Saisonkabine über Wiesenkabine bis zu Kabane. Die Kabanen im Freibad haben bis zu 85 Quadratmeter pro Kabane, in einzelnen Bädern darf dort übernachtet werden. Wartezeiten sind 7 bis 20 Jahre. Ach, Wien, du Badeparadies. ORF: Bis zu 20 Jahre Wartezeit auf Kabanen.

    New York State of Mind II: 57 Sandwiches that define New York City.

  • 24-06-13 Pi Sigma Bowtie

    24-06-13 Pi Sigma Bowtie

    Die Gerüste sind verschwunden. Das Über-dem-Bordell-Mural entpuppte sich als Nike-Werbung.

    Länger – Monate schon – sind die Gerüste am Hinterhaus verschwunden. Bauarbeiten sind keine mehr zu erkennen. Der ausgebaute Dachboden steht weiterhin leer.

    Entweder der Investor hat so viel Geld, dass er den Markt auswarten kann. Oder er hat so wenig Geld, dass es für Wasser- und Stromanschluss nicht mehr reicht.

    Im ähnlichen Limbo befindet sich das Hoftor. Das ist seit einem Monat halb montiert, die Farbe grundiert aber das Tor nicht gestrichen. Es wird seitdem nicht mehr angefasst.

    In diesem Haus stellt das kein überraschendes Vorgehen dar. Nur wirkten die Handwerker, die die erste Hälfte ablieferten, ungewöhnlich kompetent. Aber vielleicht war mit einem halben Hoftor auch das gute Handwerkerkarma für 2024 aufgebraucht.

    Noch ungewöhlicher: Obwohl das Tor weiß grundiert ist, hat seit einem Monat noch niemand ein Griffito am Tor angebracht. Ich zweifle an Schöneberg Central. Wenigstens wurde die nächtliche Lungerei im Hinterhof wieder eröffnet.

    Mir träumte, ich wäre bei einer Wikipedia-Konkurrenz aktiv. Leider wurden uns die Server abgeschaltet und wir mussten unter Zeitdruck alle Daten sichern.

    Katherine Ryan gewann die zweite Staffel von Taskmaster. Greg Davies, der Taskmaster, spielt die Rolle des Tatortreinigers in der englischen Tatortreiniger-Adaption The Cleaner.

    Beinschlitz ist der diesjährige Trend bei Abiball-Kleidern.

    Die Gurkenernte im Spreewald hat begonnen. Es beginnen die jährlichen zwei Wochen ultimativer Brandenburgküche: Frischer Spargel mit frischen Spreewaldgurken.

    Die Bahnstrecke Richtung Latifundien soll ausgebaut werden. Jetzt wirklich und ehrlich. Indianerehrenwort.

    Der Alltag bietet diese Woche überraschend viel Interaktion mit dem politischen Geschehen. Nach Wahlhilfe bei der Europawahl und nach die-Polizei-schützt-unser-Haus-vor-der-Palästinademo nun Staatsbesuch und Ukrainekonferenz.

    Einmal mit dem Fahrrad quer durch die Polizeiabsperrungen. An jeder Kreuzung hier mindestens zwei Polizeiwannen mit Kennzeichen aus Nordrhein-Westfalen und Hamburg. Ein epischer Stau durch komplette Stadtteile. Kaum S-Bahn. Kolleg*innen, die über Stunden auf dem Weg zur Arbeit verschollen waren.

    Nur ich fuhr mit dem Fahrrad am Stau vorbei. Es erfreut mein kleines schadenfrohes Herz bei jedem Anlass.

    Aus einer Wohnküche heraus schaute ich auf die Paul-Gerhardt-Kirche. Der Blick sorgt für ziemlich viel Fragen auf Aufregung.

    Eine Website weist mich darauf hin, dass meine Kreditkarte demnächst abläuft. Es wird ein großer Spaß werden, diese an passenden und unpassenden Stellen zu ersetzen.

    Permutieren

    Neben der Teilnahme am Weltgeschehen gelang es mir, ein paar Seiten Fernuni zu bearbeiten. Das Modul Sicherheit im Internet und Datenbanken erreicht den Teil Datenbanken. Und kaum hab ich mal fünf Seiten am Stück unkonzentriert gelesen, schon fand ich mich inmitten höherer Mathematik wieder.

    Endlich wieder neue Symbole. Endlich Bowtie.

    \(\bowtie \)

    Also zurück, sorgfältiger lesen. Ganz so schlimm ist es nicht mit der Relationalen Algebra. Aber ich war ganz froh über die diversen Mathemodule der letzten Semester, die mich viel über die formale Denkweise dahinter lehrten ebenso wie über die Notation.

    Faszinierend. Ich mache noch an einer anderen Uni einen kommerziellen SAP-Kurs. Während der SAP-Kurs auf der Oberfläche arbeitet und erklärt, welche Schalter welche Module wie aktivieren, kommt der Hagener Datenbanken-Kurs vom anderen Ende: „Nun stellen wir uns mal ganz dumm: Was ist eine relationale Datenbank?“

    Man muss das Thema einkreisen.

    Antreten und zählen

    Lin trat in Magdeburg für die SPD an.

    Hotel Mama streikt in Berlin.

    Ilka ging in Skandinavien nicht schwimmen.

    Sieglinde Geisel in der FAZ bespricht den weissrussischen Roman Europas Hunde von Alhierd Bacharevičs. Ich bin interessiert.

  • 24-02-04 Einhalb plus Zweiviertel gleich Eins. (Perplexity.ai)

    24-02-04 Einhalb plus Zweiviertel gleich Eins. (Perplexity.ai)

    Kim Victoria wird von ihrem Schamanen ins Dschungelcamp begleitet. Kitchen Impossible wird am 25. Februar starten.

    Für Italopop-Liebhaber*innen der Hinweis: Nächste Woche läuft das San-Remo-Festival. Ich hoffe auf den RAI-Livestream. Auch Ricchi e Poveri werden antreten. 54 Jahre nach diesem Auftritt.

    Langsam wird hier der Nach-Erkältungs-Normalbetrieb wieder aufgenommen. Freitag folgte der erste radfahrende Bürobesuch seit Mitte Januar. Das Fahrrad ächzte nach drei Wochen unbewegtem Draußenstehen bei Winterwetter bald mehr als ich.

    Inflation hin oder her. Aber dass ich 5,60€ für ein Wurstbrötchen am Südkreuz bezahlte, löst in mir noch Tage später Sprachlosigkeit aus.

    Die Wal-Socken lösen sich nach zwölf Jahren auf. Das bedeutet, wir müssen wieder nach Neuengland.

    Auf der still liegenden Dachbodenbaustelle waren Menschen. Weiterhin keine Bauarbeiter, sondern ein wichtige-Menschen-Trupp mit Klemmbrett.

    Ich bin aufgeflogen und wurde mit Intune (nicht: Intunes) bestraft.

    Knobeln mit MMB, warum das Ticketsystem macht was es macht. Er vergleicht es mit, „so wie ich mir ein Escapegame vorstelle“. Ich nehme das als Kompliment.

    Madame wickelt ab. Sie kann 50 Logbucheinträge vorweisen. Auch dank der Afd.

    Dauerregen trotzdem da – Bürgerpflicht Antifa

    Während ich versuchte, Polynome und Spaltenvektoren zu sortieren, war Madame demonstrieren. Es war noch größer als vor zwei Wochen. Es war deutlich besser organisiert. Die Vorbereitungszeit war sowohl bei Organisator*innen als auch Teilnehmer*innen zu merken. Die Zahl handgebastelter Plakate blieb gleich, die Zahl von gedruckten Plakaten oder Fahnen stieg an. Die Anzahl gemeinsam kommender und organisiert auftretender Gruppen oder Organisationen war deutlich gestiegen.

    (Prozesse der Verstetigung und Professionalisierung; die zu erwarten waren. Aber sie zeigten, dass die Magie des Moments gerade dabei ist, zu verschwinden. Früher oder später wird es die sehr breite Ausrichtung der Bewegung zu Problemen führen).

    Welches ist das schönste Schwimmbad?

    Damals, 2000 in Brüssel, stürmte eine irische Praktikantin in mein Praktikantenzimmer und rief aus; „Goooooogle! This is so amazing!“ Es war ein Moment, der mein (Internet)leben veränderte. Der Sprung von manuell erstellten Verzeichnissen hin zu einer Suchmaschine, die scheinbar das ganze Internet durchsuchen konnte war massiv. Bei vielem Hadern meinerseits: bis Freitag war Google meine Suchmaschine mit den besten Ergebnissen.

    Dann fand ich einen Hinweis auf Perplexity.ai – Suchen mit Hilfe von KI. Angesichts der ersten Testsuchen bin ich fast so geflasht wie damals von Google. Nicht nur die KI-Antworten; auch die „Hinweise auf die Quellen“ sind deutlich besser als die ersten Google-Treffer.

    Leider mit allen Nachteilen von KI – jede Suchanfrage verbraucht vermutlich genug Energie, um eine Kleinstadt ein Jahr lang zu versorgen. Am Ende der Nahrungskette als wahre Eigentümer der Produktionsmittel stehen vermutlich rechtspopulistisch-faschismusfreundliche TechBros, denen die Technik gehört.

    Begründet und wenn mgl. korrekt

    Noch 16 Tage bis zur Klausur.

    Mathe mit alles. Der letzte Wochenend-Studientag dieses Semesters steht an. Thema „Klausurvorbereitung.“ Samstag mit Linearer Algebra und Logik, Sonntag mit Analysis. Die Aufgaben sollen noch einmal auf die Klausuren eingrooven, sind allerdings aufwendiger und wären so in der Klausurzeit sicher nicht lösbar.

    Der Zoom-Meeting-Begleitchat begann durchzurechnen, bei wieviel Punkten man wie viele Minuten zur Lösung einer Aufgabe hat. Hinweis der Korrekturen, dass es Teilpunkte vergeben werden, aber nicht hin zu endlich kleinen Teilpunktzahlen. Auch der Hinweis, die Arbeiten nachvollziehbar (und mgl. korrekt) zu lösen und zu begründen.

    „Das sieht man“ ist in Mathe ein erstaunlich häufiges Vorgehen, wird aber dennoch zu wenigen Punkten führen.

    Inhaltlich kommt es zu Verwirrungen weil Polynome mit Spaltenvektoren durcheinandergebracht werden. Ich bin froh, dass ich ungefähr verstehe, worum sich die Diskussion überhaupt dreht. Noch größere Verwirrung, ob der Schritt f(0) = 0 nötig ist.

    Was ich noch üben sollte: In wenigen Minuten 20 handgeschriebene Seiten mit dem Handy einscannen, zu einem PDF zusammenfügen und dann als ein kombiniertes PDF auf Moodle hochladen.

    Weitere inhaltliche Punkte, die ich bis zur Klausur Auswendig und im Schlaf anwenden können sollte:

    Rangsatz

    \(dim V = dim(ker(f) + dim(im(f)) \) das bedeutet \(dim(im(f)) = dim V – dim(ker(f)) \)

    Die Regel von L’Hopital

    Unter bestimmten Bedingungen kann der Grenzwert eines Quotienten zweier Funktionen \(\frac{f(x)}{g(x)} \) durch den Grenzwert des entsprechenden Quotienten der Ableitungen \(\frac {f′(x)}{g′(x)} \) ersetzt werden. Anwendbar ist er, wenn beide Funktionen gegen Null oder Unendlich konvergieren.

    Binomische Formeln

    Erste BF: \((a+b)^3 = a^3 + 3a^2b + 3ab^2 +b^3 \)
    Zweite BF: \((a-b)^3 = a^3 -3a^2b + 3ab^2 – b^3 \)
    Dritte BF: \((a+b) * (a-b) = a^2 – b^2 \)

    Auch die Klassiker sollten sitzen.

    Foto von Rechner mit zwei Monitoren, Mathe und Mastodon.

    Erwerbsarbeit

    Christa Chorherr arbeitete einst bei einer Bank.

    Viele Andere arbeiten Anfang Februar richtig engagiert, was nicht blogfreundlich ist.

    Wo ich schon im Ricchi-e-Poveri-Kaninchenbau verschwand, vier Minuten „La Storia dei Ricchi e Poveri“.

  • 23-11-23 Duo foresees a change of action

    23-11-23 Duo foresees a change of action

    Die Silomaisernte ist in Brandenburg in diesem Jahr wieder deutlich gestiegen. Der Ertrag lag bei 310,7 Dezitonnen pro Hektar und damit fast 45 Prozent über dem Vorjahresertrag.

    Der Kaptain muss die Putzsituation überarbeiten.

    Angelesen: Nicole Seifert: Frauen Literatur. Licht und Schatten. Mehr wenn ich durch bin, vielleicht lichtet sich der Schatten noch.

    Auf dem Dachboden wird anscheinend geflext. Der Stromablesemann fragt nach einer Hausverwaltung, die ihm Zutritt zu den Stromablesern im Keller bietet. Die suchen wir selber.

    Die Arbeits-Rad-Weg-Alternative entwickelt sich. Ich fand einen Schlenker, der es erlaubt, kurz in den Stadtpark Schöneberg zu schauen. Wie geahnt: Nach 5 Kilometern Radstrecke fühle ich mich besser als nach 1,5 Kilometern.

    Aber auch wenn ich intellektuell weiß, dass ich 15 Minuten länger benötige – also 15 Minuten früher los muss – in der Morgenroutine ist das noch nicht verankert. Ich muss mich zum Ende hin mehr sputen als gewünscht. Außerdem waren die 2×15 Minuten der Hauptgrund, warum ich bisher die Direttissima nahm.

    Soweit, dass ich vor Home Office/mobiles Arbeiten-Tagen freiwillig auf’s Rad steige bin ich auch noch nicht.

    Beim lustigen DB-Mitmachportal „DB Kundenblick“ durfte ich an einer Umfrage zum Namen der neuen ICE-Generation teilnehmen. „ICE 5“ war anscheinend einem Executive nicht innovativ genug. In meinen Antworten fielen mehrfach die Worte peinlich und cringe. Immerhin konnte ich ein paarmal ankreuzen „Passt zur Deutschen Bahn – 5/5. Gefällt mir – 1/5“.

    Madame ließ sich von Rosa Henne zu Mini-Quiches inspirieren. Im weiteren Verlauf der Woche verwöhnte sie mit verrücktem Huhn. Das sah so gut aus, dass ich hier unmöglich Fotos davon posten kann.

    Madame brachte einen Wecker ins Möbelhaus und 30 Blöcke nach Brandenburg.

    Abends: Stapelverwaltung mit Interrupts und Calls, PUSH und PULL. Immer nur soviel, dass ich keinen inneren Stack Overflow bekomme. Nach mehrfachem Lesen erschloss sich mir, dass das „M“, welches in einigen Diagrammen überraschend auftaucht, für Speicher (Memory) steht. Langsam gewöhne ich mich auch daran, dass die Diagramme zwar von oben nach unten, aber auch von rechts nach links gelesen werden.

    In der Lokalpresse lese ich, dass sich im IKEA-Restaurant Waltersdorf ein Spatzenschwarm angesiedelt hat. Währenddessen wird der Taubenschutzverein in der Tiefgarage aktiv und spannt Netze. Bisher wirken die Tauben mäßig beeindruckt.

    Il cavallo viveva nella mela

    Ciao ciao, 1400-Tage-Streak. Der Duolingo-Italienisch-Streak endet. Es wurde Zeit. Mit jeder Duolingo-Reform wurde der Kurs schlechter. Irgendwann war er in er kostenlosen Variante kaum mehr nutzbar. Eine „Einmal zahlen“-Option gibt es natürlich nicht. Zähneknirschend schloss ich ein Abo über 77 Euro/Jahr ab.

    Und Duolingo wurde weiter schlechter. Von heute auf morgen wurde der komplette Plan geändert, mehrfach – Lektionen gezählt oder gestrichen und Ziele verändert. Der „halt-die-Leute-mit-Games-am-Bildschirm“-Faktor wurde gestärkt, ebenso wie die Möglichkeiten weiteres Geld auszugeben. Ich merkte, dass ich wenig Spaß hatte, inhaltlich stagnierte und die Lektionen immer blöder wurden.

    In den letzten Wochen frage ich mich, ob das System im Backend von menschlich begleiteter Kuratierung auf Full-„KI“ umstieg so willkürlich wie vieles wirkt.

    Aber da war der Streak. Wer gibt schon 1400 Tage (über 3 Jahre) auf? Die letzten Monate war es mehr ein Durchschleppen als ein Lernen.

    Ich gab den Streak auf. Das Abo ist gekündigt. Der Streak läuft gerade so sehr aus, dass ihn auch alle teuren Bezahlmöglichkeiten nicht wiederherstellen werden. Ich kann mich nach einer anderen Option umschauen, weiter sinnvoll italienisch zu lernen.

    Duo – das Duolingio-Maskottchen – wird traurig sein. Aber da Duo mich seit Monaten schlecht behandelt, um 20 Euro mehr aus mir herauszuleiern, kann ich damit leben.

    Rinderzunge aus dem Slow Cooker

    Duolingo ist ein passendes Beispiel, wie sich das Web in den letzten Jahren entwickelte.

    Wikipedia-Eintrag von 2014:

    Duolingo ist eine Webseite um gratis Sprachen zu lernen und Texte mithilfe anderer Benutzer zu übersetzen (Crowdsourcing). Die Webseite ist so aufgebaut, dass die Benutzer einerseits Fortschritte während der Lektionen erzielen und gleichzeitig dabei helfen Webseiten und Dokumente zu übersetzen.

    Wikipedia-Eintrag von 2023:

    Duolingo ist ein Freemium-Onlinedienst zum Erlernen von Sprachen. Er wurde mit dem Ziel erstellt, Bildung allen kostenlos zur Verfügung zu stellen. Das gleichnamige Unternehmen ist seit 2021 an der US-Technologiebörse NASDAQ gelistet

    Leider geht mir seit dem Wochenende nicht mehr das Bild aus dem Kopf wie Georgia Meloni als Hobbit verkleidet (Paywall) an faschistischen Jugendcamps teilnahm. Ähnliches auf englisch ohne Paywall: Hobbits and the Hard Right: How Fantasy Inspires Italy’s Potential New Leader

    Am Sprachen springen: I Campi Hobbit sono state delle manifestazioni organizzate dal Fronte della Gioventù, organizzazione giovanile di estrema destra del MSI, fra il 1977 ed il 1981.

    Die FAZ über die seltsame Forschungslücke und das Nichtwissen von deutscher Islamwissenschaft/ Jüdischen Studien/ Antisemitismus-Studien zum Thema Judenhass in der arabischen Welt: Feindschaft als Forschungslücke. (via Tröt / Kellerkind71)

    Habe zu wenig Hintergrundwissen, um zu plausibilisieren, ob es stimmt. Aber die These klingt spannend: Schlechte Schläfer träumen davon, nicht schlafen zu können.

    Wenn ich hier ein Rezept für Rinderzunge aus dem Slow Cooker poste, vielleicht gibt es sie dann auch bald in echt.

    Im Pyjama im Speisewagen.

    Gute Geister in der S-Bahn.

  • 23-11-11 Das Stadtbad Charlottenburg wird 125

    23-11-11 Das Stadtbad Charlottenburg wird 125

    Das Fresh Bistro hat eröffnet. Durch das Fenster sah ich einen Dönerspieß.

    Das Handy auf dem Weg von Spezial-Post-Filiale zur Packstation ist weiterhin verschollen. Es gelang mir innerhalb der Öffnungszeiten zur Spezialfiliale vorzudringen. Diese hat es auf jeden Fall nicht mehr, sagt sie. Die Packstation redet nicht mit mir. DHL sagt: „Wir melden uns, sobald es in der Packstation ist.“

    Novemberwochenende – Baumarktwochenende. Alle Parkplätze sind voll, die Einkaufswagenausgabe ist leer. Wohl dem, der mit dem Fahrrad kommt und nur ein paar Schrauben benötigt.

    Dem Getöse und den Stimmen auf dem Dachboden nach zu urteilen, fand eine Baustellenbesichtigung statt. Später traf ich auf dem Hof eine unbekannte Frau in Businessdress, die per Telefon „den Projektleiter“ suchen ließ.

    Ich kaufte Karten für das Synchronschwimm-Weihnachtsmärchen.

    Filmplakat-Verleser im Halbschlaf: Werner – Reise ins Licht. Und jetzt möchte ich den dazugehörigen Werner-Film sehen.

    Ich möchte anprangern, dass der Pumuckl-Film nirgendwo in der Abendvorstellung läuft. Ich möchte anprangern, dass der Pumuckl-Film im Zoo Palast nicht mal nachmittags läuft.

    Madame lud Felle hoch.

    Falls jemand kostenlos eine gebrauchte Zobeldecke abzugeben hat, für die in den letzten 100 Jahren kein Zobel mehr gestorben ist: Ich wäre ein Abnehmer.

    Jetzt die Herrenumkleide

    Das Stadtbad Charlottenburg, das älteste Bad in Berlin, wurde 125 Jahre alt. Die Badbesatzung veranstaltete eine kleine Feier den ganzen Tag über mit Kuchen und Kaffee, einer kleinen Ausstellung, Aufstellern mit historischen Kostümen, einem Stand vom Charlottenburger Damenschwimmverein Nixe und einigen Führungen durch das Bad. Uns gelang es – ganz regulär und ohne Hintertür – einen der Führungsplätze durch das Bad zu ergattern.

    Und es war traurig und großartig zugleich. Traurig, weil man all die Gebäudeteile sah, die Aufgrund von Havarien in den letzten Jahrzehnten nicht mehr in Betrieb sind und für die sich seit ewig kein Geld findet, um sie wieder in Betrieb zu nehmen: Sauna, Reinigungsabteilung (mit Wannenbädern und Duschen), die kleine Kneipe neben der Sauna.. Nur kurz anfangen will ich von der aufgrund Deckensturzes komplett unbenutzbaren „Neuen Schwimmhalle Charlottenburg“ nebenan, deren Innenleben nun auch in der alten Schwimmhalle gelagert werden muss. So ist die ehemalige Waschküche der alten Halle zwangsweise die Personal-Herrenumkleide, weil diese eigentlich in die neue Halle gehört hatte..

    Großartig, weil die Führung großartig war. Zwei Baderfahrene – seit 18 beziehungsweise 43 Jahren im Bad im Einsatz – die natürlich viele persönliche Geschichten hatten, vieles noch in Aktion erlebt haben und mit erkennbarer Liebe durch Publikumsbereiche, Ex-Publikumsbereiche und Technikbereiche führten: zu Recht stolz auf ihr Bad aber wohl wissend, was für ungenutztes Potenzial noch in ihm steckt. Wir hatten Glück, mit uns liefen in der Führung fast nur jahrzehntealte Stammgäste, die selber eine enge Verbundenheit mit dem Bad hatten. Sie erinnerten sich noch wie es an den Nackbadetagen direkt von der Sauna ins Becken ging.. Einfach ein toller Ort, auch ganz ohne jede Jubiläumsfeier.

    Der Kleene Stern ungleich der Kleine Stern

    Dieses Fernuni-Semester ist etwas seltsam. Nachdem nun auch die Modellierungs-Einsendeaufgabe hinter mir liegt, stehe ich das erste Mal seit Sommer 2022 nicht im Schatten nahender Einsendeaufgaben oder Klausuren. Andererseits versuche ich ja das vier-Modul-40-ECTS-Semester und das sagt mir permanent: Noch so viel zu tun.

    Also gleich weiter an die technische und theoretische Informatik. Der Kurs beginnt mit einem Vorwort, das ich sinnverschärfend zusammenfassen möchte mit:

    Falls Sie Wirtschaftsinformatik studieren und sich beim Lehrstoff hier fragen: WARUM??? haben wir zwei Antworten: (1) Das Leben ist lang und man weiß nicht was kommt. (2) Die Akkreditierungsorganisationen sagen, das muss gelehrt werden.

    Und so schwanke ich zwischen: Das ist schon sehr speziell alles. Und: Total spannend. Ich bin auf jeden Fall froh die Algorithmische Mathematik hinter mir zu haben, so dass ich zumindest verstehe, was die Theoretische Informatik von mir will. Funky. Auf jeden Fall eine Herausforderung, aber ich denke noch: Eine machbare.

    Oft aber muss ich an den Kommentar eines Mitbloggers zu einem anderen Teil desselben Moduls denken:

    Trotzdem schadet es nicht, wenn man davon zumindest mal gehört hat. Vielleicht brauchen NASA oder ESA ja mal einen fähigen Wirtschaftsinformatiker, der ihnen die Satellitenumlaufbahnen mit dem CASIO FX-991DE berechnet.

    Gänse in Rückenlage

    Uta Bräuer war vor drei Jahren mit der Kamera im Stadtbad Charlottenburg und filmte.

    Via Tröt: In Schweden dürfen Gewerkschaften in Solidaritätsstreiks treten. Tesla bekommt dort keine Post mehr.

    Lila schreibt über ihr Israel und gedenkt toter israelischer Soldaten.

    Heute lernte ich: Es gibt Küchengeräte- Eischleudern – die Eier in der Schale rühren/schütteln, auf dass sich Eiweiß und Eigelb vermischen. Es entsteht das so genannte „Goldene Ei“, ein hartgekochtes Ei in Farbe eines Rühreis. Die Wikipedia-Auskunft lesen lohnt.

    Japanische Kinder, die 7-5-3-Jahre alt sind, müssen zum Tempel. Claudia berichtet: Hurra, unser Kind lebt noch: Das Kinderfest Shichi-Go-San (7-5-3).

    Frau Zimtkringel kocht Mama Erikas Oierles-Supp für kranke und gesunde Tage.

    Whiffling beschreibt ein Flugphänomen bei Vögeln, für das wir uns noch einen schicken deutschen Namen ausdenken müssen. Beim Whiffling drehen Vögel im Flug ihren Körper blitzschnell zur Seite, und zwar bis zu 180°. Statt ganz normal waagerecht parallel zur Erdoberfläche zu sein, fliegen sie kurzzeitig senkrecht oder sogar auf dem Rücken. Ja, wirklich.