Schlagwort: Dachboden

  • 24-10-21 Chillen und Grillen

    24-10-21 Chillen und Grillen

    Montag Morgen begann with a bang. Vermutlich war den Dachbodenbauarabeitern etwas umgefallen. Punkt 7 begann das Hämmern und Bohren. The marvelous Frau Z, die zum Putzen kam, hatte Mitleid mit uns.

    Aber ich freue mich über jedes Anzeichen, dass die Dachbodenbaustelle weitergeht. Ihr stetiger Arbeitsbeginn genau um 7, spricht zudem für eine Grundprofessionalität, die in diesem Hause ungewöhnlich ist.

    Am Südkreuz recherchierte ich Parkplätze. Es gibt Ebenerdig-Tempelhof, Ebenerdig-Schöneberg und Parkhaus-Süd. Alle drei kosten denselben Stundenpreis (2,50€)1, haben aber alle verschiedene Tagespreise (E-T: 27€, E-S 30€, PH: 25€). Mein Lieblingsparkplatz dort ist allerdings das Parkhaus-Nord: Dem gönnte die Bahn nicht einmal eine Auffahrt, so dass es seit Jahren als Lost Place mitten am ICE-Bahnhof steht.

    Die Bahn spendierte Madame eine knappe Stunde Aufenthalt in Zeuthen. Das war nicht der Tagesauftakt, den sie sich vorstellte.

    Der tip besuchte das Botanische Bistro Talea. Langsam wird es peinlich, dass wir immer noch nicht da waren. Vermutlich wird es in der New York Times stehen, bevor wir hinkommen.

    Roastbeef? Rumpsteak?

    Madame und Euphegenia sammelten die letzten Schlehen und setzten Sloe Gin an.

    Samstag bei Donna Rosa fragte Mio macchina, was der Platz für den Rest des Wochenendes sei? Nichts. Chillen. Ach ja. Und Grillen. Ausnahmsweise weder Gemüse noch Schweinekamm, noch Spezialbratwürste sondern Steaks.

    Es gab Unklarheiten, was wir gekauft hatten: Roastbeef oder Rumpsteak. Anforderung an die Verkäuferin war gewesen: „Ein ganzes Stück Rindfleisch aus dem man gut Steaks schneiden kann.“ Wir bekamen ein Kilostück schön aussehendes Fleisch. Auf dem Schild stand Rumpsteak. Der Metzger sprach von Roastbeef. Wikipedia klärte auf: Rumpsteak ist Roastbeef.2

    Am Ende egal. Aufgrund mangelnder Steak-Übung schlug ich nach: Beide Sorten fallen unter „mittelfestes Rindfleisch“.

    Ich schnitt das Kilostück in zwei Scheiben (500 Gramm, etwa 4 cm dick), heizte den Grill auf etwa 280 Grad.

    Die Scheiben kamen einige Minuten direkt über die Hitze (etwa 3 Minuten von jeder Seite – bis sie recht aussahen) und etwa 20 Minuten bei 270 Grad in die indirekte Hitze. Vor dem Servieren wurden beide Scheiben geviertelt und über den Salzstein gezogen.

    Werden wir wiederholen.

    Die Gottesanbeterin vom Samstag tauchte wieder auf, selbe Zeit, selber Ort. Auf den Astern machte es sich ein Distelfalter bequem. Madame bezwang in herkulischer Aufgabe den nicht-mehr-nötigen Maschendrahtschutz um Apple Blossom. Bei der Gelegenheit dezimierte sie auch verschiedene der Fremdbäume, die sich im Rambler-Konglomerat angesiedelt hatten.

    Die Mathe-Tafel feierte ihre Premiere auf der Terrasse. Wir müssen mit dem Wind aufpassen, sonst ist sie ebenso praktisch wie ausnehmend dekorativ. Überhaupt gönnte der Oktober zum Hochzeits-Nachtag unseren Gästen einen ausgesprochen dekorativ-spätsommerlichen Abschied.

    Harzen

    Über das Wochenende las ich zwei Filmbesprechungen, die mich interessieren: Zone und Rumours.

    Zone spielt im Nachkriegsharz. Versucht sich daran, die deutsche Geschichte mit ihren beiderlei Lagern auszutreiben:

    Friedrich exorziert die deutsche Geschichte, aber sie tut es in Bildern, die man so noch nicht gesehen hat. In der Zone herrschen die beiden Wächter (Tobias Ofenbauer und Jonas Schlagowsky) in ihren Großvater-Pullovern. Beim täglichen Putzritual müssen die Kacheln mit Essiglösung geschrubbt werden, die besonders hartnäckigen Flecken auch mit der Rasierklinge. Alles muss picobello sein! Zum Abendbrot gibt es Blut- und Leberwurstbrote. Draußen lebt ebenfalls unter strenger Aufsicht der Wächter ein russischer Soldat in einem Hundezwinger. Nur manchmal tut sich ein Fenster auf: In einer Szene liegt das Mädchen da, nackt auf dem Boden, nur bedeckt mit Blättern, und beißt in eine Ananas. (Peter Neumann: Zum Fürchten gut)

    Beim Lesen dachte ich noch: Nanü? Wie kommt dieser Film auf diese Website? Das ist viel zu sehr außerhalb des Gängigen für deutsches Feuilleton. Der Film kommt mir deutlich zu sperrig vor, um in gängingen Diskursen anschlussfähig zu sein.

    Weitere Recherchen erbrachten, ich hatte Recht. Die Filmbesprechung kam offenbar nicht über die üblichen Marketingkanäle zustande. Filmstart war am 3. Oktober. Eigentlich ist Zone schon wieder aus den Kinos raus. Offenbar hat ein Autor/ ein Hinweisgeber den Film gesehen, und dann überzeugt.

    Kurze Recherche nach dem Autor: Schreibt auch über die Soziologin Eva Illouz, Lyotard + Snoop Dogg (in einem Artikel), Interview mit der Philosophin Maria-Sibylla Lotter über Rache – passt.

    Der zweite Film spielt auch im Harz, ist anders ungewöhnlich. Aber immerhin hat er dank Cate Blanchett Star-Power. Ich warte auf den deutschen Kino-Release:

    [Rumours] a stylized and self-aware satire set during a G7 summit hosted by the German prime minister (played by Blanchett); things go horribly and hilariously wrong when these leaders of the world’s most advanced economies find themselves lost in a primeval forest and are set upon by onanist bog-men, Scandinavian witches, and a giant glowing brain, as well as their own petty, childish regrets. (Bilge Ebiri: How Did Cate Blanchett Wind Up in the Year’s Funniest Movie?)

    Schnitzel und Elternzeit

    Die FAZ veröffentlichte einst ein Best of Google Streetview Berlin 2008. Ich werde meine Bibliothekszugänge durchforsten müssen, um den ganzen Artikel zu sehen.

    Vincent Klink über Wiener Schnitzel: Wiener Schnitzel, seltenes Vergnügen (via Nils Minkmar/der Siebte Tag)

    Elternzeit und Berufsleben. Für einen Mann im Bildungssystem Österreichs: Vater werden ist nicht schwer, Vater sein dagegen sehr und für eine Frau bei einer deutschen Behörde. (Zurück ins Berufsleben – ein neuer Alltag)

    Ach du Scheiße. Haltet durch!

    Anmerkungen

    1. Für vorsichtig-regeltreue Menschen könnte der Preis im Parkhaus besser sein, da nur die wirklich geparkte Zeit bezahlt wird; im Gegensatz zur Vorauskasse des Parkplatz-Parkscheins. Für verwegen-rücksichtlos Parkende gilt das Gegenteil. ↩︎
    2. Zumindest wenn ich dem Roastbeef-Artikel der Wikipedia glaube. Der Rumpsteak-Artikel sieht es schon wieder anders. ↩︎
  • 24-10-15 Waffeln im Sturm

    24-10-15 Waffeln im Sturm

    When life gives you Mangoes – eat them. Dieses Jahr treffen im Wochentakt Mangos unserer Crowdfarming-Adoptionsbäume ein. Ich könnte mich daran gewöhnen, den Herbst mit Mangos einzuleiten. Die Mango-Festwochen erscheinen mir als gutes Übergangsritual aus dem Sommer heraus.

    Gleich mal den Italopop rausholen und Angelina Mango abspielen.

    Von den ehemals sechs Tonnen Betonestrich vor dem Haus sind fünf Tonnen bereits auf dem Dachboden gelandet. Bisher scheint das Dach zu halten.

    Ein Dachboden-Baustellenchef rief an: Er würde gerne in unserer Wohnung etwas machen. Meine spontanen Gefühle rufen gleichzeitig aus: „Geh weg! Lass unsere schöne Wohnung mit Deiner Baustelle in Ruhe!“ und „Sehr gut, es wirkt koordiniert und planvoll und gut wenn sie wissen was sie tun.“

    Auf jeden Fall wird es sinnvoll sein, einen direkten Kontakt mit dem Baustellenchef zu haben und nicht über den Umweg Wir-> Vermieter -> Hausverwaltung -> Dachbodeneigentümer -> Baustelle kommunizieren zu müssen.

    Die Taschenlampenzeit im Treppenhaus ist vorbei. Strom und Licht im Treppenhaus, ebenso wie im Hinterhof, funktionieren wieder. Leise frage ich mich, welcher Handwerker zwischen 20 und 21 Uhr arbeitet. Aber vielleicht war es wirklich nur eine Sicherung und es dauerte drei Tage, den Mensch mit dem Schlüssel zum Sicherungskasten aufzutreiben.

    Die Hansenet-Zeit in diesem Haushalt nähert sich dem Ende. In einem größeren Paketaustausch mit verschiedenen Nachbarn gelangte der neue Router in den Haushalt. Das O2-Gerät wird uns demnächst zusammen mit O2 verlassen. Wir wechseln pragmatisch-langweilig zu einer Fritzbox.

    Am Wochenende auf dem dörflichen Herbstfeuer gelernt: Im Schneewinter 1978 haben sie in den Märkischen Hamptons Wege quer über die Felder freigeräumt. Auf den Straßen war es unmöglich. Der Weg über das Feld war kürzer und an den Seiten waren die Schneeberge noch nicht so hoch.

    Ich glaube der Erzähler war auch froh, dass wir die einzigen Anwesenden waren, die die Geschichte noch nicht gehört hatten.

    Neben Mangos und Herbstfeuer gehört derzeit auch der Semesterauftakt zum Herbst. Genauer: der Einsendeaufgabeneinsendeschluss. Ich stelle fest, der Kurs geht davon aus, dass ich Linearfaktorzerlegung noch aus der Schule kenne, und sie deshalb nicht erklärt werden muss. Sie wird eigentlich auch nicht abgeprüft – eigentlich geht es um Polynome mit Komplexen Zahlen, die Zerlegung ist da eher Verzierung.

    Ich gehe davon aus, dass ich mich an komplett gar nichts mehr meiner Schulmathematik erinnern kann, und drehe ein paar Extrarunden im Crash-Wiederholungs-kurs Polynome in ihre Faktoren zerlegen.

    Madame joggt derweil durch das Stadtbad Wilmersdorf I.

    Vielleicht sollten wir den Herbst in Mango-Astern-Zeit umbenennen.

    Tausche Rosengarten gegen Kohltrüffel

    Zusammen mit den Wochenend-Westlern traf ein letztes Geburtstagsgeschenk ein: die Rosengarten Zweibrücken wird ihre Ranken zukünftig an der Südwestecke der Pergola ausstrecken, uns mit ihrer Farbe und ihrem Duft betören. Im Austausch erhielten die beiden ein best-of-Dithmarschen-Paket.

    Nachmittag und Abend prägten Lebensphasenübergangsgespräche. Dazu Brandenburger Fleisch und bestes Dithmarscher Gemüse vom Grill. Vorher Zwetschgenkuchen mit Zwetschgen vom Bäcker und Waffeln mit Puderzucker.

    Die für sechs Personen kleine Wohnküche im Bungalow veranlasste dazu, das Kochen nach Draußen zu verlegen. Während das Grillen eh unser Sommer-Ess-Standard ist, zog auch das Waffeleisen nach draußen. Madame und Zia sociale trotzten Sturm und kurzen Regenschauern und entwanden dem Wetter ein Dutzend Waffeln.

    Umsetzungsprobleme

    Aus der Serie Zeitungsüberschriften bestätigen das Offensichtliche: „Riesengemüsezucht ist eine männliche Domäne.“ (und wie das so ist im Journalismus 2024 – die Süddeutsche änderte mittlerweile die Überschrift)

    Eine ganz neue alte Erfahrung: Ich sehe ein neu produziertes Auto und es sparkt innerlich Joy bei mir. Ich stelle fest, dass ich das Gefühl seit etwa 2010 nicht mehr hatte. Aber den Fiat Grande Panda mag ich.

    (Überhaupt ist Stellantis bei mir on a run: Renault 5 electric, Renault scenic electric, Jeep Avenger. Es scheinen alles Autos zu sein, die in ihrer Nutzung Sinn ergeben, und weder totlangweilig sind noch Aggressivität verströmen. Überhaupt „no more grey!“ ist ein Ausspruch auf den ich in der Automobilindustrie seit Jahrzehnten warte.)

    Wenig Joy sparkt Energiewende beim Heizen. Frau Herzbruch über den vergeblichen Versuch, eine Wärmepumpe einzubauen.

  • 24-10-13 Das Internet kam mit Uber Eats

    24-10-13 Das Internet kam mit Uber Eats

    Hausrotschwanz und Schopftintling sind Vogel bzw. Pilz des Jahres 2025. Ich werde es dem Hausrotschwanz ausrichten, wenn ich ihn das nächste mal sehe.

    Die Kneipe an der Bushaltestelle verkauft Hardalk flaschenweise. Eine Flasche Jägermeister und sechs Red Bull kosten 75 Euro.

    Eine wissenschaftliche Mitarbeiterin der Fernuni beantwortete mir eine Fragemail – am Sonntag. Den bis dahin ratlosen Studenten in mir freut das. Der Angestellte in mir schüttelt „tss, tss“-machend den Kopf.

    x+yi

    Ich reichte Klausurlaub für 2025 ein. Seltsames Gefühl: Wenn alles glatt geht, nehme ich am 16. September den letzten Klausurlaub im Bachelor Wirtschaftsinformatik – meines Lebens. Denn dann schreibe ich nach Plan die letzte Klausur. Das Ende kommt erstaunlich nahe.

    Immerhin bemerkte ich kurz vor Schluss, dass Fernuni-Klausuren sich doch als Bildungsurlaub qualifizieren. Glaubt nicht alles, was ihr im Internet lest. Fragt einfach mal Menschen, die sich damit auskennen!

    Das Ende des Bachelors Mathematisch-technische Softwareentwicklung hingegen liegt in weiter Ferne. Nah liegt derzeit nur das Ende der Einsendeaufgaben Lineare Algebra. Gefühlt habe ich je eine halbe Stunde Zeit, um die Komplexen Zahlen zu verstehen, oder die Ideale (Ringtheorie) („Ideale können als Verallgemeinerung von Zahlen angesehen werden“), oder die Polynomdivision – es bleibt sportlich.

    Aber ich denke auch an eine Feststellung in Alina Bronskys Pi mal Daumen: Am Anfang wird ihnen die Mathematik sehr fremd und rätselhaft vorkommen. Aber mit der Zeit werden sie immer mehr Bekanntes sehen. Und irgendwann werden sie es flüssig lesen können.

    Ich bin weit davon entfernt, die Mathemodule flüssig zu lesen. Aber ich habe den Punkt verlassen, an dem jedes einzelne Zeichen Rätsel aufwirft,. Inzwischen bin ich zu dem Punkt fortgeschritten, an dem ich wie ein kleines Kind lese: Jeden Buchstaben einzeln. Aber am Ende ergeben die ganzen Buchstaben Wörter und Sätze.

    Auf die Decke hämmern

    Der Freitag begann Punkt 7 mit Baumstammwerfen. Wir freuen uns über jedes Anzeichen, dass die Dachbodenbaustelle Fortschritte macht. Manchmal müssen wir uns erst daran erinnern, dass wir uns freuen.

    Madame mutmaßte: sie hauen mit Hämmern direkt auf die Decke über unseren Köpfen. Ich zweifelte.

    Später gesehen: Vor dem Haus liegen ein paar Tonnen Estrichbeton, am Rand des Dachbodens ist eine Verschalung zu sehen. Sie bauten die Betonverschalung. Also waren sie wirklich mit Hämmern direkt über unseren Köpfen zugegen.

    1026

    Anderswo gab es Los Wochos Mexicanos . Hier gibt es Los Wochos kaputos. In den letzten Tagen verbrachten wir deutlich zu viel Zeit mit Organisieren und Ersetzen und Workarounds finden und anstrengenden Sachen.

    Am Horizont immerhin dämmert es – die Benzinpumpe ist aus Japan angekommen. Madames abgestürzter Handyersatz ist vor Ort – aber trotzdem haben wir gerade Probleme gegen die Materie anzugehen.

    Letzter Fall: Strom (und damit Licht) im Treppenhaus verschwand seit Freitag Abend. Ich habe die Dachbodenbauarbeiter im Verdacht, die entweder eine Leitung anbohrten oder die Sicherung zum Platzen brachten.

    Das letzte mal mit einer Taschenlampe durch’s Treppenhaus ging ich um 1999 in Leipzig, und da wohnte ich in einem echten Abrisshaus.

    Vorletzter Fall: Ich versuche Donnerstag, etwas auszudrucken. Drucker will nicht. Erste Überprüfung: kein Toner. Ersatz war immerhin in der Wohnung. Ich wechselte. Drucker ging immer noch nicht.

    Nächster Check: kein Netzwerk? Nach etwas Suchen stellte sich heraus, dass der Wlan-Repeater seinen Geist aufgab. Ohne Repeater kein Netz im Bürzelbüro und kein Netz für den Drucker.

    Also gemacht, was wir gerade zu oft machen: Ersatz besorgt.

    Ich wählte das preiswerteste Angebot, bei dem ich mir sicher, war, dass der Händler wirklich existiert. Für weitergehende Gedanken fehlten mir inzwischen jegliche Nerven. Damit landete ich bei Media Markt. Und dann staunte ich: in Berlin liefert Media Markt mit Uber Eats aus.

    An einem Donnerstag Abend, eine knappe Stunde nach Bestellung, stand Sudhir vor der Tor und fragte mich nach einer PIN. Nachdem ich wie gefordert „1026“ gesagt hatte, drückte mir Sudhir einen neuen Repeater in die Hand.

    Madame fragte, ob er auch Pakete mitnimmt. Nein, leider, Uber Eats nimmt keine Pakete an.

    The return of the Brombeere

    Oktober ist Kranichzeit. Dutzende, wenn nicht Hunderte, in der Thermik über den benachbarten Feldern. Ab und an unterbrochen durch Gänseschwärme. Selbst Stare fliegen noch durch die Kolonie.

    Wir haben einen neuen Überraschungs-Garten-Bewohner. Und wie geplant: Wenn Gäste um die Ecke gehen, dann sind sie überrascht und erfreut. Selbst wenn ich um die Ecke gehe, bin ich nicht überrascht, aber erfreut.

    Nach fünfmaligen Ausgraben scheinen wir uns unserer höchsteigenen Brombeere erfolgreich erwehrt zu haben. Dafür warf uns die Welt, oder eher, der Dauergartenverein, neue Brombeeren in die Wege.

    Ein Brombeergetüm auf dem Weg entlang der Ausgleichsfläche Nord. Ein weiteres auf dem anderen Weg entlang der Ausgleichsfläche Süd. Und das Grundstück, von dem wir immer dachten, es gehört gar nicht zum Verein, das sich in eine einzige Brombeerhecke verwandelt hatte. So viele wehrhafte Brombeeren.

    Der Vereins-Subbotnik verschaffte mir Wiener und Bratwurst und Bier, sowie 10.000 Schritte Komposttransport zwischen Parkplatz und Komposthaufen sowie lahme Arme durch Überkopfastscherennutzung. Er verschaffte mir auch viele neue Erkenntnisse.

    Erstaunlich viele der Erkenntnisse mündeten in: Die Brombeerhecke muss weg. Und die andere Brombeerhecke auch.

    Immerhin: Zwoi, die Hausbrombeere, bleibt verschwunden.

    Quittengelee

    Es empfiehlt sich, Rezepte ganz zu lesen bevor man mit dem nachkochen beginnt. So auch das Rezept für Quttengelee nach Art von Herrn Raus Eltern:

    […] Die ein wenig abgekühlten Quittenteile und ihr Saft kommen dann in eine solche Saftpresse.. (Wenn man keine solche Saftpresse hat, kann man kein Quittengelee nach Art meiner Eltern machen.) […]

    So sollen Rezepte sein. Ist halt nur blöd, wenn man das erst auf halber Strecke bemerkt.

  • 24-10-10 Wie retten wir Fotos eines iPhones, das einen defekten Bildschirm hat?

    24-10-10 Wie retten wir Fotos eines iPhones, das einen defekten Bildschirm hat?

    Ninja Warrior Germany startet am 18. Oktober.

    Das CO-Meter bekam neue Batterien. Wenn schon Kohlenmonoxidvergiftung, dann bitte begleitet von einem heulendem Warnton.

    Die Elster erhielt sich wie erwartet. Das ist erfreulich.

    Weiterhin wildes Getöse auf dem Dachboden. Dem Geräusch nach werden dort Wettbewerbe im Baumstammwurf veranstaltet – aber immerhin passiert etwas.

    Auf dem Hinterhof verlor die Birke einen Fünf-Meter-Ast. Insofern gut, dass der Subaru gerade in der Werkstatt steht und nicht auf dem Hinterhofparkplatz.

    Ein Makler führte zwei junge Männer über den Hof. Leider war ich nicht spontan genug auszurufen „Lauft! Solange ihr noch könnt.“

    Madame joggte durch das Stadtbad Wilmersdorf I. Sie berichtete von vielen motivierten Schwimmer*innen selbst auf der Plansch- und Schwaderbahn.

    Andere Fahrradfahrer klingeln mich wild an, weil ich in der Konstellation grüne Autoampel – rote Fahrradampel stehen bleibe.

    Anscheinend gibt es wieder Autobahnprobleme. Auf der Ausweichstrecke zum Innsbrucker Platz stauen sich die Autos. Auf dem Platz selber stehender Verkehr in alle Richtungen und wildes Gehupe. Hätte ich nicht schon andere Pläne gehabt, hätte ich den Mittwoch Abend damit verbracht, mir am Späti eine Dose Bier zu besorgen, und dann von einer Bank aus zuzuschauen wie sich Autofahrer gegenseitig beschimpfen.

    Am Bahnhof Südkreuz steht seit einiger Zeit ein Sperrholz-Wartehäuschen, das so aussieht als hätte es ein Schausteller auf Durchreise vergessen. Im Stil irgendwo zwischen Weihnachtsmarkt und Landesgartenschau; in seiner provisorischen Holzigkeit am Beton-Glas-Monster Bahnhof Südkreuz maximal fehl am Platz. Heute sah ich das Schild: Pilotprojekt ressourcenschonendes Bauen in innovativer Holzleichtbauweise.

    Fände ich spannend. Es wäre aber ein maximaler Wandel der DB-Architektur.

    Horror-Zecke erobert Deutschland informiert mich das Zeitungsregal bei Edeka. Das war es dann mit der Ampel. Sicher möchte Horror-Zecke nach erfolgreicher Eroberung auch Kanzler werden.

    Immerhin: ZDF-Sommerinterview mit Horror-Zecke klingt spannender als dieselbe Veranstaltung mit Olaf Scholz.

    Am Mittwoch absolvierte ich online das erste Tutorium Lineare Algebra. Es bestätigte meine Vermutung: der Stoff ist krass viel. In Anderthalb Stunden kam der Dozent vielleicht durch ein Viertel von Kapitel 1, das eigentlich komplett abgehandelt werden sollte. Leider war das auch das Viertel, das ich im Prinzip verstanden habe. Die anderen drei Viertel aus Kapitel 1 werfen bei mir mehr Fragen auf.

    Ich lernte dort: „Assoziativtität zu beweisen ist entweder sehr einfach oder sehr lästig.“

    Tragik des Informationsmanagements-Moduls: Ich las mittlerweile mehr und studierte ihre Moodle-Seiten. Sie geben sich richtig viel Mühe, das Modul interessant zu machen und die Student*innen zu involvieren. Leider bin ich richtig motiviert, all mein persönliches Involvement auf andere Module zu werfen und für Informationsmanagement nur gerade eben soviel zu tun wie zwingend nötig zum Bestehen ist.

    Mit Streifen ohne Daten

    Es gibt so Zeiten im Leben. Der Subaru wartet weiterhin auf seine Benzinpumpe, und dann verabschiedet sich auch noch Madames iPhone. Am Bahnhof der Hafenstadt stürzte es sich in den Abgrund.

    Nun funktioniert es im Prinzip noch. Aber das nutzt wenig wenn der Bildschirm nur noch bunte Streifen zeigt. Eine Reparatur würde den Zeitwert des historischen Geräts um ein mehrfaches überkosten. Also besorgen wir ein neues historisches Gerät.

    Nun aber die Frage: wie bekommen wir Daten und Einstellungen von Einem zum Anderen? Für sachdienliche Hinweise sind wir dankbar. Rudimentärbedienung des Handies ist noch möglich – ein „Ok“-Button ließe sich vermutlich identifizieren und clicken. MacBook ist hier nicht vorhanden, ließe sich im Notfall aber ausleihen.

    Mit dem Zug nach Südkreuz

    Kaum hatten wir dem Kaptain abschiedsgewinkt, standen auch schon Euphegenia und Dr D an Gleis 8 im Südkreuz. Die Deutsche Bahn hatte die Strecke Basel->Berlin wider allen Erwartungen tadellos gemeistert. Umstieg in den Rennpolo – dank zweier artistischer Hinterbanksitzerinnen gelangten wir zu viert im Polo auf die Latifundien.

    Für eine angemessene Gartenwürdigung war es zu nass und zu dunkel. Aber wir haben ja noch den Bungalow, wo Madame schon Flammkuchen mit Feigen, Ziegenkäse und Speck vorbereitet hatte. Die beiden packten aus, wir packten ein und ließen uns nach Kremmen an den Bahnhof bringen.

    Aus den märkischen Hamptons empfangen wir Berichte von Blumenzwiebelpaketen, Schornsteinfegern und Bäckern. Wir fuhren mit dem Prignitz-Express über Spandau und Charlottenburg zurück zum tösenden Dachboden.

    Mit dem Zug nach Laibach

    Es geht nicht nur um Musik in diesem Blog: Schreiben und Zeichnen mit Tinte aus Schopftintlingen

    Einst fuhr ich meine allererste Interrail-Eisenbahnstrecke von Villach nach Ljubljana. Damals galt Interrail noch nicht im Wohnland (Deutschland). Die Deutsche Grenze galt es ohne Interrail zu überwinden, so dass mich ein Mitfahrzentralaudi nach Villach fuhr.

    Am Villacher Bahnhof musste ich mich einmal am Schalter zusammenstauchen lassen, weil ich Ljubljana gesagt hatte anstelle von Laibach. Dann aber fuhr ich, kompett übermüdet und vor allem schlafend in die weite Welt.

    Bahnreisen Richtung Ljubljana sprechen mich besonders an. Zumal wenn sie so schön beschrieben sind, wie beim Kieselblog (auch lesenswert, die andere Reiseeinträge rechts und links davon): 2024-09-30 Montag: Slowenien 5, Von Koper nach Ljubljana

    Dazu passend: Kürzlich fand ich mich in einer lustigen Diskussion wieder, in deren Verlauf ich gewagt hatte, die Meinung in den Raum zu werfen, dass man innerhalb Europas eigentlich nicht zu fliegen braucht.

    Kürzer im Ort, weiter im Herzen: Teen Herzbruch macht Sozialpraktikum in der Demenz-Tagespflege.

  • 24-10-08 Wir standen hinter Herzsprung und hatten Lauch an Bord

    24-10-08 Wir standen hinter Herzsprung und hatten Lauch an Bord

    Ein Helgoland-Bäder-Schiff trieb steuerlos über die Nordsee. Mit einem Hauch des Abenteuers in der Stimme kann ich behaupten, dass ich im Leben schon drei bis sechs Fahrten auf der Funny Girl absolvierte.

    Warum gehen immer die Ricarda Langs und Kevin Kühnerts dieser Welt, während die Christian Lindners bleiben?

    Dithmarscher Buchhandlungsentdeckung: Das „Booktok“-Regal hielt sich im Farbton schreiendes Pastell.

    Fernsehentdeckung: Der RBB wiederholte die ersten Folgen von Drei Damen vom Grill von 1977. Ein spannendes zeithistorisches Dokument. So viel hat sich in Berlin geändert in 47 Jahren und doch so wenig.

    Die Uniformen waren damals imposanter. Fabrikjobs, wie sie Tochter Färber in der Sendung hat, sind in Deutschland inzwischen ausgestorben. Eine leichte Unterhaltungssendung, in der drei Frauen die Protagonistinnen sind, wäre auch heute noch ungewöhnlich und mutig.

    Beim Fernsehen auch entdeckt: Exatlon. Eine Art Sport-Reality-Sendung. Sie erinnerte in ihrer Machart extrem an The Biggest Loser, nur dass hier die Teilnehmer*innen bereits von Anfang an schlank und sportlich sind.

    Spannend zu sehen, die Entwicklung, die das Fernsehen nahm. Die Drei Damen wurden entwickelt von einem Berliner Autor für den SFB und gedreht in Berlin. Exathlon wurde entwickelt von einer türkischen Produktionsfirma, feiert seine größten Erfolge in Mexiko und wird produziert in der Dominikanischen Republik.

    Wir testeten Schaffelle, mussten wählen zwischen superflauschig-aber-recht-klein und groß-aber-einen-Tick-weniger-flauschig.

    Vor der Autobahnabfahrt ein Hofladen mit stiegenweise fußballgroßen Butterschmelz-Kohlrabis und Rosenkohl-ganze-Pflanze. Wir luden Käse ohne Rotschmier ein, natürlich Rosenkohl und Kohlrabi, Möhren, Lauch, Lammsalami und Bauernmettwurst. Den durchdringendsten Geruch während der Fahrt lieferte der Lauch.

    In Berlin: Das Treppenhaus – eine Gerölllandschaft als wollte sich das Haus als Voralp bewerben. Auf der Fensterbank von Außen ein Kinderfausgroßer Stein. Anscheinend wurde am langen Wochenende fleißig am Dachstuhl gewerkelt.

    Montag Morgen sah ich Handwerker: Optisch entsprachen sie dem Durchschnitt osteuropäischer Handwerkskolonnen, die den Berliner Bau am Leben halten. Ungwohnt: Sie stiegen aus einem S-Klasse-Mercedes und einem Cadillac, jeweils mit ukrainischen Kennzeichen.

    Abends dann ein BMW mit britischem Kennzeichen und rumänisch redende Aussteigende.

    Alle 3 Fahrstreifen benutzen

    Zur Rückfahrt stiegen wir wieder in den Rennpolo. Ein ganzer Sonntag hätte selbst unter derzeitigen Bedingungen gereicht, mit dem Zug die Strecke Dithmarschen -> Berlin zurückzulegen. Aber der Polo wäre zu sperrig gewesen. Also musste er selber fahren.

    Also auf die Autobahn, Tempomat gesetzt und getestet, wie niedrig ich den Verbrauch bekomme. Der Bordcomputer warf 5,8 Liter / 100 Kilometer aus, verglichen mit den 8,x Liter der zügigeren Hinfahrt. Wir cruisten und wir smoothen bis Herzsprung.

    In Hamburg, ein Hundesitter-Van-des-Hundetrainerdienstes „DogMartens“.

    In Wittenburg: Eine fast-erwachsene Jugendmannschaft von St. Pauli Rugby an der Raststätte.

    Dann gerieten wir auf der A24 in den Berlin-ostdeutschen-Ostsee-Rückreiseverkehr. Und dann standen wir. Neben uns immer wieder das Hunde-Wohnmobil, der Secondhand-Möbel-Van und das alte Opel Cabrio. Auch trafen wir wiederholt, den Berliner Skoda, dem all seine aggressiven Spurwechsel nicht halfen. Stehen und warten. Rollern, 500 Meter fahren. Stehen und warten.

    Draußen die eigentlich schöne, aus dem Auto aber schnell langweilig wirkende Prignitz.

    Von den Ostseeurlaubern trennte uns erst wieder die Anweisung „Standstreifen benutzen“, die ein modernes Verkehrslenkungssystem ab Fehrbellin, erteilte. Ab zu den Latifundien. Vorräte deponieren, Geschenke mit latifundalbezug deponieren und Feuerholz auffrischen.

    Dabei eine kleine Entdeckung. Tauben waren das nicht:

    Ausgeplant

    Das Sommersemester 2024 ist für mich vorbei. Die Fernuni-App schickte das letzte Prüfungsergebnis von „Planen mit mathematischen Modellen“ – bestanden. Wäre auch peinlich, das Modul gehört zum Seminar- und (möglichen) Bacheloarbeits-Lehrstuhl. Es wäre peinlich gewesen durchzufallen.

    Damit geschafft im letzten Semester: 35 ECTS. Persönlicher Rekord. Und fünf Pünktchen mehr als die Regelstudienzeit-Regel für Vollzeitstudierende vorsieht.

    Damit ist der Stand nach fünf Semestern:

    Bachelor Wirtschaftsinformatik

    120 von 180 nötigen ECTS. Im Einzelnen:

    • Pflicht BWL (35/35)
    • Pflicht VWL (05/15)
    • Pflicht Mathe (20/20)
    • Pflicht Informatik (30/30)
    • Pflicht Wirtschaftsinformatik i.e.S. (20/40)
    • Wahlpflicht (10/20)
    • Seminar (0/10)
    • Bachelorarbeit (0/10)

    Für den Masterplan

    155 ECTS von 600 nötigen ECTS, davon:

    • 120 ECTS aus dem Bachelor Winfo,
    • 20 ECTS durch Module, die doppelt angerechnet werden können
    • 15 ECTS durch Module, die nichts mit Wirtschaftsinformatik zu tun haben

    Kevin Robotik Lauchtarte

    Letztes Jahr um diese Zeit standen wir vor Neuruppin und hatten Lauchtarte an Bord.

    Ein Lehrer in guter, ehrlicher Arbeiterkleidung.

    Frau Herzbruch gönnt uns Politik im Blog:

    Ich möchte mich aber noch einmal kurz loben, und zwar für meine Prognose aus dem November 2021, die nach wie vor erschreckend nah an der Realität ist. Da war meine Theorie, dass in den vier Jahren Ampel alle nur verlieren, mit Ausnahme von Christian Lindner. Wenn man jetzt mal auf aktuelle Wahl- und Umfrageergebnisse ansieht, könnte man sagen, dass ich da falsch lag, wenn man Lindner ansieht, scheint er mit sich und der Welt total im Reinen zu sein.

  • 24-09-14 Kabane und Liebe

    24-09-14 Kabane und Liebe

    Der gescheiterte Ampeljongleur der Dominicusstraße zog zum Innsbrucker Platz. Gute Wahl: Mehr Autos, die zusehen müssen, weniger Fußgänger, die ihm durch die Vorstellung rennen.

    Polnisch redende Männer standen auf dem Dachboden und auf dem Gerüst. Madame redete mit ihren Waden, die am oberen Ende unseres Schlafzimmerfensters erschienen. Sie erzählten, dass sie neu sind und jetzt endlich einmal die Baustelle fertig machen wollen.

    Fingers crossed. Vor dem Herbst-Herbst hätten wir gerne ein Dach über dem Kopf und keine Folie.

    Nachdem die Mathe-Grundlagen-Klausur bestanden ist, warf ich einen ersten vorsichtigen Blick in die Lineare Algebra. Gute Nachricht: Mein Mathe-Lesetempo hat sich in den letzten anderthalb Jahren deutlich erhöht; meisten ahne ich beim ersten Anblick der Formel zumindest was sie von mir will.

    Es beginnt mit „Jetzt stellen wir uns mal ganz dumm und fragen: Was ist ein Plus?“

    Schlechte Nachricht: Mir scheint, die Stoffmenge hat gegenüber dem letzten Modul zugenommen. Wenn ich grob überschlage muss ich jetzt ein halbes Jahr lang zwei Kapitel pro Woche durcharbeiten. Ui.

    Immerhin kann ich jetzt kenntnisreich „Abelsche Gruppe“ in ein Gespräch einfließen lassen und verstehe sogar was ich sage.

    Madame bestellte ein.

    Ich kaufte Speiselöwenzahn.

    Sekundärvampire

    Weiter versuche, ich Sekundärliteratur zu lesen, um zu verstehen, was über uns hereinbrach mit den Fearless Vampire Killers. Der Film, der manchmal klassischer Körperslapstick ist, mal Avantgardekino der Vorkriegszeit, dann wieder B-Movie-Horrorflick oder offensichtliches Vorbild für viele spätere Kostümfilme und Tanzszenen; und jede Menge osteuropäischer Shtetl-Romantik.

    Was ich nicht wusste, was aber bei Nachdenken offensichtlich ist: wie sehr Vampirgeschichten und die ewigen antijüdischen Vorwürfe der Ritualmordlegende zusammen hängen. Wie sehr zum Beispiel im Filmklassiker Nosferatu antisemitische Klischees vorkommen. Wie sehr Polanski also im Film auch dieses Stereotyp auf den Kopf dreht, indem die unbeholfen-menschlichen Juden Opfer der teutonischen Vampire werden.

    Mich wundert, wie selten, der Marc-Chagall-Bezug auftaucht. Herrje, die Protagonisten heißen sogar Shagal. Und das Szenenbild sieht mehr als einmal aus wie direkt aus einem Chagall-Gemälde entsprungen. Oder auch hier.

    Leicht fassungslos bin ich weiterhin, dass deutschsprachige Auseinandersetzungen bestenfalls kursorisch streifen, dass die Geschichte im Shtetl spielt; einem in der ersten Hälfte des Films die Szenerie der jüdischen Legenden links und recht anspringt. Selbst die Bundeszentrale für politische Bildung hält es für bemerkenswerter, dass Polanski gerne Ski fuhr und seine Stunts selber drehte, als dass dort Teutonen Juden umbringen.

    Teilweise ist das erklärbar, weil sich das deutsche Wissen über das Judentum sich im Wesentlichen auf die Shoah und den Nahost-Konflikt erstreckt- Im Zweifel erschrecken Deutsche immer, wenn sie „Jude“ sagen müssen. Anderseits muss man nur Polanski zuhören:

    “In the film there’s an Eastern European culture which was desolated by the Germans and that’s been killed off for good thanks to Polish Stalinism,” Polanski told Positif. “It’s the kind of thing that you can see in the work of figures like Chagall and Isaac Babel, and also in certain Polish paintings. This culture, which never reappeared after the war, is part of my childhood memories. There just aren’t any traditional Jews in Poland any more.”

    Nein, halt, eine deutschsprachige Besprechung fand ich, die sich des Themas annimmt – und das obwohl sie den Film nur streift: »No Jews were harmed in this movie« in der Jüdischen Allgemeinen. Mit sehr vielen weiteren Filmtipps, die wir leider jetzt alle sehen müssen.

    Teure Woche

    Der Fahrradmeister war klar, und ich folge: Nach 24 Jahren ist es gut mit Deinem Fahrrad des Theseus. Langsam können wir es nicht mehr zusammenflicken, ohne jedes Jahr ein halbes neues Fahrrad zu bauen. Wenn der Fahrradmeister spricht, sage ich „Aye, aye“, schlage die Hacken zusammen und tue wie mir angewiesen. In diesem Fall also denke ich über ein neues Fahrrad nach.

    Nächster Tag, ich äußere meine Ideen. Der Fahrradmeister winkt ab. Na, jetzt nicht, jetzt hat er es ja gerade wieder fahrfähig für den Winter gemacht. Vielleicht im Frühjahr. „Aye, aye! Neues Fahrrad erst im Frühjahr.“

    Überraschende Entdeckung: Auch der ADAC hat einem Hammer in seinem Werkzeugrepertoire und manchmal haut er auch einfach mit dem Hammer auf das Auto. Half aber auch nicht. Der Subaru erlitt den Klassiker der Autogas-getriebenen Autos: Probleme mit der Benzinpumpe, weil wir diese und das Benzin zu selten nutzten.

    Leider benötigen wir diese Benzinpumpe, um das Auto zu starten und die ersten Minuten zu fahren, bis die Motortemperatur hoch genug für Gasverbrennung ist. Ohne Benzinpumpe kein Fumb.

    Und so spritzt der freundliche Herr Benzin direkt aus der Sprühdose in die Verbrennungskammer, bis der Motor auf warm genug war, auf Gas lief. „Jetzt zur Werkstatt fahren und ja nicht zwischendurch das Auto anhalten. Der springt sonst wieder nicht an.“

    Der Subaru steht vor der Werkstatt, mehr erfahren wir im Laufe der Woche.

    Immerhin hatten wir keine Hemmungen, den Schlüssel in den mäßig gesicherten Werkstattbriefkasten zu werfen. Es ist ja gerade ein Auto mit integrierter Wegfahrsperre.

    Sommerschlüssel Raunachtkomödie

    Im Laufe des Sommers waren wir das ein oder andere mal am Insulaner. Selten aber schafften wir drei Besuche in zwei Tagen.

    Donnerstag Abend: gemeinsamer Saisonabschluss. Ich aus dem Home Office, Madame direkt aus der Hafenstadt zurückkommend. Trotz mäßigem Wetter war das Schwimmbecken voll, viele wollten die letzte Gelegenheit nutzen. Wir kosteten es aus, bis wir zur Schließzeit aus dem Becken geworfen wurden.

    Freitag Nachmittag: Der Saison-Kabanen-Schlüssen wollte zurückgegeben werden. Das Wetter wurde eher als gräuslich beschrieben, Sturm und dauernd erweckte der Himmel den Anschein, als würde er gleich in Starkregen ausbrechen. Aber wo ich schon da war, wollte ich auch schwimmen. Nass werde ich dabei ja eh.

    Und so hatten wir ein 50-Meter-Becken zu viert, am Ende war ich alleine. Und weil es so problemlos mit dem Geradeausschwimmen funktionierte, es sonst aber auch wenig Entertainment gab, zählte ich ausnahmsweise Bahnen. Ich schwamm eine halbe Kaltmamsell, dann musste ich los; zurück nach Hause, bevor es wieder zum Insulaner ging.

    (Damit insgesamt 37 Saisonkabinennutzungen, wie bezahlten also 2,16€ pro Nutzung).

    Ein weiterer Saisonabschluss: die vorletzte Vorstellung der Shakespeare-Company auf dem Freibadgelände. Der Sturm ließ nach, das Wetter nicht mehr ganz so garstig. Auf einer Skala von Sommer zu Weihnachten aber schon ein gutes Stück Richtung Weihnachten:

    Twelfe Night , auf Deutsch Was ihr wollt, wurde aufgeführt. Sie liebten und sie verwechselten sich, die Menschen sind emotional, närrisch, großmütig und durchtrieben wie sie halt sind. Billy, alter Menschenkenner.

    Die Inszenierung älter, die Shakespeare Company hat in den letzten Jahren noch einiges dazu gelernt, aber wie immer unterhaltsam, nachdenklich machend, dezent modernisiert. Wie immer schöne Abende.

    Eating the dogs eating the Mozzarellaplatte

    In Springfield they’re eating the pets. (via Tröt) Gleich mal ins Kaninchenloch gefallen und entdeckt, dass das Internet echt großartig sein kann. Abgefahren: The Kiffness wird in genau einer Woche ein Konzert in Berlin spielen. Bedauerlich: Es ist ausverkauft.

    Feldforschung in der Metzgerei Tag 4 und Tag 5.

  • 24-08-08 Igel Disrupt

    24-08-08 Igel Disrupt

    Lauretta-italienische-Feinkost bekommt schon einen Nachfolger. Es wurden Schilder für The Beauty Bar angeschraubt.

    Körper und Geist gebärden sich noch störrisch. Sie möchten im Urlaubsmodus verharren. Aber langsam stellt sich ein Alltagsflow wieder ein.

    Unter dem Zeltdach über unseren Köpfen wird das alte Hausdach weiter zerlegt und abgefahren.

    Es ist das Eine zu sehen, dass kein Dach mehr da ist. Es wirkt deutlicher, wenn man sieht wie die Dachziegel im Entsorgungs-Container landen. „Mein Dach!“, da geht es davon.

    Der Geräuschpegel lässt mich daran zweifeln, ob ich nächste Woche die Online-Fortbildung in der Wohnung absolviere. Es hätte natürlich den Vorteil, dass mich Kolleg*innen mit Alltagsgeschäftsfragen nicht fänden. Bei angekündigten 34 Grad Außentemperatur wiederum wäre das Büro vermutlich angenehmer als die Wohnung.

    Immerhin hat die Zeltplane das Unwetter am Mittwochabend tadellos überstanden.

    Madame bewundert im Badischen polnische Kochbücher und buk gleich mal einen Sernik. Ihrem Erfahrungsbericht nach etwas aufwendiger als ein typischer deutscher Käsekuchen.

    Skurrile Technikentdeckung: Mensch kann Outlook-Meetings „Zusagen“, „Akzeptieren“ oder „Annehmen“, je nachdem ob mensch mit Windows-Outlook, Android-Outlook oder iPhone-Outlook bestätigt.

    Wenn ein Großunternehmen auf die Deutsche Sprache trifft entstehen Bezeichnungen zwischen Berechtigungsverwaltungsadministrator und Yammer-Administrator. (Am Ende sind wir alle Such-Administratoren)

    Im Arbeitspostfach ging eine Werbe-E-Mail mit Einladung zur Igel Disrupt ein. Das erzeugt bei mir seltsame Bilder im Kopf.

    Der Haupt-Lidl stellte seine Parkplatzbewirtschaftung auf Automatik um. Keine Kärtchen mehr, die man sich an der Kasse abstempeln lassen muss. Jetzt läuft es sensorgesteuert: Liegen Ein- und Ausfahrt weniger als 90 Minuten auseinander ist alles gut. Liegen sie länger auseinander .. dann passiert vermutlich Schlimmes, aber ich erfuhr nicht was für Schlimmes.

    Kamera an Mast montiert, daneben angedeutet typische Lidl-Beschilderung
    Neuer Park-Sensor im Einsatz

    Jakobsbücher

    Hauptsächliche Abendbeschäftigung, um den störrischen Geist nicht noch mehr aufzuscheuchen: Lesen.

    Olga Tokarczuks Jakobsbücher sind ein großartiger Anschluss an die Reise. Spielen diese doch im Polen-Litauen des 18. Jahrhunderts, vor allem zwischen Podolien und Smyrna. Passend auch als Anschlusslektüre an Gott spricht Jiddisch. Spielen doch verschiedene jüdisch-messianische Gruppen eine wichtige Rolle bei Tokarczuk.

    Ich liebe dieses Buch. Im Stil angelehnt an das 18. Jahrhundert; mit Ausschweifungen und Divertissements, einem allgemein langsamen Erzähltempo. Auch nach einem knappen Viertel bin ich mir nicht sicher, ob es wirklich einen Plot hat, oder es eher ein Ensemblestück mit verschiedenen vage verbundenen Handlungssträngen wird.

    Wunderbare Sprache, tolle Charaktere, spannende Landschaft.

    Letzibad

    Es gibt eine neue Vergleichs- und Planungsplattform für Nachtzugreisen: Nightride.com.

    In Kattowitz findet die Wikimania statt. Bisher sah ich aber noch keinen spannenden Blogpost dazu. Für Hinweise bin ich dankbar.

    Die Bundeszentrale veranstraltet Game Jams. Das ist sowas wie Hackathons für Computerspiele. Interessierte treffen sich für ein Wochenende und fangen ein Computerspiele zu einem Themenbereich zu entwerfen. Dieses Jahr: Gegenrede im Netz. Stephan Max mit einem Erfahrungsbericht.

    Max Frisch (der Max Frisch) errichtete das Freibad Letzibad in Zürich. Überhaupt sein erster Auftrag. Die NZZ würdigt das ausführlich: Max Frisch soll in Zürich ein Schwimmbad bauen. Dass man ihm das zutraut, darüber staunt selbst der «Dichter-Architekt»:

    Zu denken gibt im Rückblick noch eine andere Sache: Wie ist dem Berufseinsteiger Frisch dieser Triumph gelungen? Er stellt mit seinem Entwurf nicht nur ein ausgeprägtes Gespür für harmonische Raumeinteilungen unter Beweis, sondern auch jenen feinen Sinn für den Zeitgeist, der ihn als Schriftsteller später so erfolgreich macht. Er weiss, dass sich die Bedürfnisse der Menschen gerade in einem radikalen Umbruch befinden.