Schlagwort: Konzert

  • 26-05-07 He reads

    26-05-07 He reads

    Madame las Fernuni im Volkspark. Später filmte sie den Fuchs.

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    Auf der Kreuzung eine Nachtvermessung. Ein oranger Mann mit Messgerät, ein oranger Mann mit Stab, der vom Messgerät anvisiert wurde. Der Stab erhellte die Kreuzung im funky Leuchtdesign.

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    Die erste Rolltreppe am Südkreuz ist repariert. Leider an einer Stelle, die mir nichts nutzt. Aber wenn die Deutsche Bahn in dem Tempo weitermacht, ist sie schon Anfang 2028 mit allen defekten Rolltreppen durch.

    Immerhin ist der Dönerstand jetzt wieder unter 100 Treppenstufen erreichbar.

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    In der S-Bahn. Zwei Jungs, noch in Trainingsjacke vom Rugby-Club, unterhalten sich ob ein Ring eine geometrische Figur sei und ob die eher achteckige Ringbahn nicht falsch benannt ist, und Achteckbahn heißen müsste.

    Ein Pärchen, das mir in Kleidung und Akzent sagte „Wir-sind-british-upper-class-aber-in-cool“ zerstritt sich bis auf Tränen über die Frage, ob sie jetzt in Tempelhof umsteigen oder nicht.

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    Es waren drei Arbeitstage mit Klavier-Hochamt und New-York-Backalleys auf 35mm anamorphic.

    Parkplatz-Garten-Nacht-Goldregen

    Motten in Masken

    Die Verkaufserdbeere am Südkreuz begann Erdbeerverkauf mit famos erdbeerig schmeckenden Erdbeeren für 30 Cent das Stück (= 6,60€ für ein Pfund).

    Madame fuhr in den Süden. Dort kaufte sie ein. Noch müssen wir uns daran gewöhnen, mit der U-Bahn eine Station in die „falsche Richtung“, Richtung Vorstadt zu fahren, und dort BioCompany, Buchhandlung und Fleischerei zu finden. Das funktioniert, fühlt sich aber komisch an.

    Auf den Latifundien sammelte Madame einen weiteren kleinen Erbteppich für Teppichreinigung Abbasi ein. Der Teppichreiniger konnte sich nicht mehr an Wohnung-in-Schwimmbad erinnern. Aber sofort erinnerte er sich an „Ah, der Woll-Kazakh!“. Entgegen unseren Vermutung war der kleine latifundinische Teppich gar nicht aus Polyester, sondern besteht auch aus Wolle, wurde aber maschinengeknüpft, und wird bald sauberer sein.

    Überhaupt besser werden Schals und Handschuhe sein. Im Alt-Corona-Stoff-Masken-Schal-Handschuh-Vorrat entdeckte Madame einen Rückzugsort der Kleidermotte, entsorgte einen Teil der Sachen und ihrer Behältnisse. Der andere Teil darf ein paar Wochen in den Tiefkühler.

    Hochamtlich

    Das erste Berliner-Klavierfestival-Konzert wurde im Radio ausgestrahlt und liegt jetzt in der Mediathek: Rhythmusgötting Sophia Liu. Der Kaptain hörte bereits via Alexa.

    Während des Klavierfestival noch nachklingt, überstürzen sich die Kulturereignisse. Diesmal in besonders schnellem Wechsel. Nach dem Mittwochs-Festival-Hamelin folgte ein Montags-Philharmonie-Sokolov. Mein erster mündlicher Eindruck war „Es war anders“. Was einerseits nichtssagend ist, andererseits untertrieben, aber vor allem vollkommen korrekt. Bei Hamelin und Sokolov handelte es sich theoretisch um dasselbe Genre, Klavierkonzert. Aber alles war anders. Sehr.

    Statt im kleinen Saal im Konzerthaus (300 Plätze), waren wir im großen Saal der Philharmonie (2400 Plätze). Statt Nehru-Jacket (Stephen Hough) oder Flatterhemd (von Eckhardstein) trug Grigori Sokolov Frack. Statt Stücken aus den entlegenen Ecken des Repertoires waren es Hauptwerke von van Beethoven und Schubert. Und das war erst der Anfang.

    Sokolov ist laut diversen Internetseiten, laut Le pianiste und laut Madames Klavierfestival-Freunden der künstlerisch bedeutendste Pianist, der derzeit auf der Erde wandelt. Er gibt keine Konzerte, er zelebriert Klaviermessen. Wo das Festival sich immer ein wenig nach familiären Arbeitstreffen anfühlte, so „kann dieses Stück überhaupt von einem Pianisten dieser Welt gespielt werden“ war das hier reine Zelebration, und ein komplett anderer Stil.

    Hatte ich bei Hamelin immer das Gefühl, er spielt 20 Töne aus drei Takten gleichzeitig und ich kann sie alle einzeln wahrnehmen, erzeugte Sokolov einen Klang; der dann ein wenig in der Luft hängen durfte bevor der nächste Klang kam. Das war auf seine Art eindrucksvoll, aber ich ertappte mich bei dem Gedanken: „Könnte ich vielleicht die Passacaglia von letzter Woche nochmal hören?“

    Bis die Zugabe kam1. War das alles bis dahin sehr schön und sehr gesetzt, drehte Sokolov richtig auf. Der Klang hing nicht mehr nachhallend im Raum, er flog. Aus dem „wir-klatschen-begeistert-weil-wir-hier-sind“ wurden bei Zugabe 2, einem Brahms-Intermezzo, hingerissene Standing Ovations des Publikums2.

    Insgesamt hörten wir sechs Zugaben, ich verstand wie Sokolov zu seinem Ruhm kam.

    Unlimited hier, unlimited dort

    Kaum habe ich ein Kino-Abo, entdecke ich lauter weitere davon. Nach MUBI+Go und der UCI Unlimited Card, entdeckte ich das Cineville-Abo. Wäre ich nicht schon bei Yorck Unlimited wäre das eine Alternative. Ein Abo (20€/Monat) für zahlreiche Indie-Kinos bundesweit, von Braunschweig bis Freiburg, darunter das legendäre Hamburger Abaton oder die Kölner Filmpalette, in der ich noch letzten Freitag war.

    Auch in Berlin sind 14 Kinos dabei. Alles spannende Orte; aber halt ohne die Yorck-Kinos und für mich überwiegend ungünstig gelegen. Ich bleibe wo ich bin und ich nutze Yorck Unlimited.

    Ich war im Kino. Die eklektische Klassiker-Überraschungsreihe Best of Cinema brachte Three Days of the Condor, von 1975 von Sydney Pollack mit Robert Redford und Faye Dunaway ins Kant-Kino3.

    Ein Film von 1975

    Um mit dem Tiefpunkt anzufangen. Der Film ist sehr 1975 und kreist um seinen Hauptdarsteller. Die einzige relevante Frauenrolle (Kate / Faye Dunaway) kreist um diesen Hauptdarsteller. In diesem Film in der ganz besonderen Variante:

    „Irgendein Typ entführt mich mit auf der Straße mit einer Waffe, fesselt mich in meiner eigenen Wohnung und redet ziemlich wirres Zeug. Natürlich habe ich mich sofort in ihn verliebt.“

    Was auch sonst?

    This was the world I was born into.

    Ein Film über die C.I.A.

    Im Film geht es um das zynische Innenleben eines Geheimdienstes.

    Der Plot trägt den Film, sollte aber generell nicht allzu genau betrachtet werden.

    Wichtig ist: Alle Beteiligten auf allen Seiten arbeiten für die CIA, bei steter Unsicherheit wer gerade auf welcher Seite ist. Noch wichtiger: Die Hauptfigur Joe Turner (Redford) ist kein Agent, sondern ein „Reader“ – jemand, der für die CIA Romane in entlegenen Sprachen liest und Plot-Points sowie Verfahren in einen Computer füttert – also ein literarisch interessierter Nerd.

    Auf die konsternierte Frage eines CIA-Chefs hin, wie Turner ihnen immer noch entkommen kann, lautet die Antwort „He reads. He knows things.“

    Ein Film in New York

    Vor allem verkörperte der Film seine Zeit und seine Stadt. Männer tragen noch Krawatten, aber unter Pullundern in wilden Farben mit braunen Ledersackos und Cordhosen. Die Haare sind selbst bei der CIA länger, die Kragen groß. Einige Offiziere der CIA können sich noch an die Zwischenkriegszeit kurz nach dem Ersten Weltkrieg erinnern.

    Im Büro steht ein großer Desktop-Computer mit winzigem Display in grün-schwarz, daneben Fernschreiber, Bücher, Schreibmaschinen. Die Zeiterfassung läuft über ein Buch.

    Die New Yorker Seitenstraßen sind voller Straßenkreuzer mit gelegentlichen VW Käfern. Joe Turner selbst fährt Fahrrad, Kate einen Geländewagen, der so aussieht als hätte er noch im Koreakrieg gedient.

    Joe ist nicht nur Reader sondern auch Hacker. Mit Spezialgerät flüchtet er sich in einen Leitungskeller, schaltet Telefonleitungen zusammen und kann anhand der Pieptöne ermitteln, welche Nummer angerufen wurde.

    Unterlegt ist es von Dave Grusins funky-souligem Soundtrack, einschließlich des besten aller Songtitels Sing Along with the C.I.A.

    This was the time the modern world as we know it was born.

    Stilistisch durchaus passend: Kant-Kino Saal 1

    Straßenquerungsdresscode

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    Straße überqueren für Anfänger*innen und professionell.

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    Die Kaltmamsell beendete die Ära des Kommentierens in ihrem Blog.

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    Prüfungen in Zeiten von KI und allumfassender Mobildaten: Schülern ist zum ersten Mal zur Prüfung ein gewisser Dresscode vorgeschrieben worden. Alles mit Knöpfen oder Kapuzen ist verboten.

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    Ich lag auf dem Rücken auf einer Decke, schaute in die Äste eines Baumes mit Zapfen dran, dahinter blauer Himmel. Eventuell bin ich kurz eingeschlafen. Ich las im Buch weiter, wir machten ein kleines Picknick, es wurde geschnitzt. Im Grunde wirkt das Gelände wie ein riesiger Krater, oben drüber kreiste ein Raubvogel und einmal flog ein Hubschrauber vorbei. Die Grillen zirpten.

    Anmerkungen

    1. Wie wir im Nachhinein lernten, spielt Sokolov immer ein eher kurzes identisches Programm und immer sechs Zugaben, die sich je nach Auftritt ändern. Vielleicht auch ein Umgang mit seinem Alter, das ihn das gesetzte Programm vorsichtig gestalten lässt und dann die Freiheit lässt je nach Tagesform nochmal richtig aufzudrehen. ↩︎
    2. Ein erheblicher Teil des Publikums war russisch. Was die Frage aufwarf, „wie hältst du es mit dem Krieg, Grigori?“ Wir lernten im Nachhinein: Sokolov gilt als extrem verschlossen und äußerst sich seit Anbeginn aller Zeit zu nichts außer zu Klavierspielen. Aber er spielte Konzerte zugunsten humanitärer Ukraine-Hilfe und zu Ehren eines Anti-War activist Pianisten, hat zudem seit 2022 „aus besonderen Gründen“ die spanische Staatsbürgerschaft. ↩︎
    3. Yorck Unlimited No. 22 – damit 10,82€ pro Karte. ↩︎

  • 26-05-02 Flossenprothesen Schtetldämonen (Berlin->Köln)

    26-05-02 Flossenprothesen Schtetldämonen (Berlin->Köln)

    Ich stieg aus der U-Bahn-Station, konnte keinen Straßennamen erkennen. Also öffnete ich Organic Maps. Dann lud ich die Köln-Karte herunter. Dann versuchte ich mich zu orientieren, wo ich bin. Dann versuchte ich mich zu orientieren, wo das Hotel ist. Dann schaute ich in die von mir bestimmte Richtung. Dann sah ich 20 Meter direkt vor mir ein großes Schild „HOTEL“. Okay.

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    Freude zum 1. Mai: Nicht nur Bollerwagentrupps und Damengruppen mit kleinen Fläschchen in der Hand waren unterwegs, sondern auch ein Aufrechter, der mit Parteifahne auf dem Bahnsteig Genoss*innen einsammelte.

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    Madame erzählte, dass die Kornellkirsche in der Schweiz auch Tierlibaum genannt wird, wegen der ganzen Tierli, die dort herumsummen. Wir dachten, das bezieht sich auf Blüten und Früchte. Aber auch jetzt, im reinen Blattstadium, ist der Baum voller Insekten. Uns ist unklar warum. Eine mysteriöse Freude.

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    Madame bestimmte einen rötlichen Spatz als Bluthänfling. Von den Latifundien erzählte sie, dass ein einziges Summen im Apfelbaum herrscht. Sie erzählte dies, während mehrere Vögel versuchten, sich lautstark in unser Telefonat einzumischen.

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    Es war ein Bahnfahrfeiertag, davor die Berliner Harfe der Kabbala, danach der Kölner Gesang der Sirenen.

    S5 Richtung Mahlsdorf

    Mein Handy piepte. Die Bahn teilte mir mit, dass es auf meiner Verbindung über Spandau nach Köln ein Problem gibt. Die S3 nach Spandau fällt aus. Stattdessen fährt die S 3.

    Damit konnte ich leben. Zumal ich entgegen dem Wunsch der Bahn gar nicht nach Spandau fuhr, sondern den Hauptbahnhof ausgewählt hatte, um in den ICE940 nach Köln zu besteigen.

    Und weil ich so früh dran war, fuhr ich in der S-Bahn am Hauptbahnhof vorbei gleich weiter zum Ostbahnhof. Denn:

    • Ich bin Unordnungsreisender und wenn ich die Auswahl habe zwischen einem Weg den ich nahezu auswendig kennen (Hbf) und einem, den ich nur wenig kenne (Ostbahnhof) neige ich zu letzterem.
    • Wurde die Bahnfahrt bezahlt und geplant von jemandem-der-nicht-ich-bin. So hatte ich einen Platz in einem Zug „mit hohem erwarteten Fahrgastaufkommen“ in der zweiten Klasse. Ich hoffte darauf, mich bereits häuslich einrichten zu können, bevor am Hauptbahnhof die Massen kommen.
    • Schrumpfte meine exorbitant großzügige Reiseplanung durch den Umweg auf eine Reiseplanung zusammen, die normale Menschen als großzügig ansehen. Ich konnte mich an jedem Punkt an dem die S-Bahn auf freier Strecke stockte oder sich die Türen nicht schließen liessen, mit Adrenalin microdosen.

    Belohnt wurde ich mit einer faszinierenden Tirade einer älteren Dame, die einen komplett ratlosen freundlichen jungen Mann zehn Minuten lang beschimpfte, warum Berlin schlimm ist, und alle weg wollen, und Bürgergeldempfänger alle zwei Fernseher geschenkt bekommen und in Berlin alle unhöflich sind und niemand mehr Geld hat.

    Ich glaube es begann damit, dass jemand die Dame am Alex leicht rüpelig vor den Augen der Polizei auf der Treppe hat, ohne dass die Polizei einschritt. Ich glaube der Hauptgrund für die unstoppbare Gefühlsaufwallung war, dass jetzt auch die zweite Tochter der Dame samt Enkelkind aus Berlin wegzieht und sie alleine zurücklässt.

    Wofür allerdings der junge Mann nichts konnte.

    ICE940 Richtung Köln

    Aus dem Zug betrachtet, ist Düsseldorf gar nicht so glamourös wie ich immer dachte. Duisburg hingegen entsprach ungefähr meinen Vorstellungen. Beide Bahnhöfe waren mir komplett unbekannt. Anscheinend bin ich bisher immer durch einen Tunnel nach Köln gefahren.

    Da ich im gebuchten Zug auf dem gebuchten Platz am Ziel ankam, gilt die Bahnreise als erfolgreich absolviert. Ich sah eine frühlingshafte Landschaft und las Vilnius – eine Stadt in Europa zu Ende. Weierhin eine große Empfehlung.

    Im Großraumwagen waren viele Familien mit jungen Kindern. Abstrakt fand ich das gut, weil ZUKUNFT. Ganz konkret in diesem Moment über sechs Stunden hinweg möchte ich anmerken, dass die Zukunft doch recht laut war.

    Dank Tiptoi und Marcel dem Feuerwehrmann konnte ich mein Wissen über die Feuerwehr runderneuern. Allerdings machte es mir Sorgen, dass der Lieblingssatz des tiptoienden Kindes war „Hilfe, ich bin in der Tür eingeklemmt! Helft mir!“

    Leah steht für die Zahl 36

    Zeitlich vor dem Maiausflug lag das Walpurgisnachtkonzert in der Philharmonie. Kaum hatte das Klavierfestival mit dem besten Konzert des Festivals geendet, lied das DSO zum Casual Concert.

    Ich kannte niemand

    Unser Konzerthinterunssitzer musste sich auskennen. Immerhin kannte er drei Philharmoniker persönlich, teilte er seiner Begleitung mit. Leider spielten die gar nicht, sondern das DSO. Aber würden die Philharmoniker auftreten, würde er drei von ihnen persönlich kennen.

    Wenig überraschend konnte er sich nur mühsam beherrschen, die Einführung ins Programm nicht durch ein geflüstertes Co-Referat zu ergänzen, und natürlich hatte er zwei Sekunden nach Ende des Konzerts eine quasi druckreife und abschließende Meinung zum Gehörten.

    Auch desöfteren erwähnt: Dirigent Kent Nagano war ein Bernstein-Schüler

    So sehr es mich schmerzte, ihm innerlich zuzustimmen. In einem hatte er Recht. Die Einführung war schlecht. Es ist mir ein Rätsel, wie mensch ein Stück, das insgesamt nur 40 Minuten dauert, 50 Minuten lang einführen kann, und dabei dann fast nicht über Musik redet.

    Dabei hatte der Abend alle Chancen.

    • Ein sperriges Stück von Leonard Bernstein, das seit seinem Erscheinen 1974 bis zu diesem Abend noch nie in Deutschland aufgeführt wurde.
    • Mit Ausflügen in die Atonalität interpretiert durch Kabbala und Zahlenmystik.
    • Die zum Ballett gesetzte Legende des Dybbuk – eine alte jüdische Legende; wie Romeo und Julia im Schtetl, nur das zwischendurch gebrochene Versprechen, Dämonen und Rabbiner, die einen Exorzismus betreiben, vorkommen.
    • Allein der Anblick der Instrumente versprach einiges: Sechs Bässe, Harfe, Flügel und 10 bis 15 Meter Percussion einschließlich Glockenspiel, Xylophon und zwei Gongs.
    • Auch eher selten im Ballett: in der Besetzungsliste standen auch zwei Sänger: Bass und Bariton.

    Eigentlich bietet das Casual Concert eine hervorragende Gelegenheit, um solche sperrigen Stücke zu vermitteln. Die Einführung findet im Saal mit dem kompletten Orchester auf der Bühne statt. Es gibt zum Beispiel die Gelegenheit:

    • einzelne Stimmen oder Instrumente herauszunehmen, allein zu besprechen und dann im Zusammenklang (z.B. warum klingt diese Harfe anders als normale Harfen im Konzert)
    • Stellen, die zeitlich auseinanderliegen, direkt hintereinander zu spielen und so zu zeigen, wie bestimmte Motive immer wieder auftauchen, sich aber im Laufe des Konzerts ändern und verwandeln.

    Stattdessen: Ein ewiges Wiederkauen und nochmaliges Wiederkauen und wiederwiederkauen der Handlung.

    Leider war danach die Luft ein wenig raus. Ob wir ermattet waren, ob das Orchester ermattet war, oder ob das Stück nach dem Motto funktionierte „hm-irgendwas-stimmt-noch-nicht-ach-dann-pack-ich-halt-noch-ein-Percussioninstrument-dazu“ war nicht mehr ganz klar.

    Spannendes Stück; ich würde es gerne mal unter besseren Umständen hören. Bleibt zu hoffen, dass es bis zur nächsten deutschen Aufführung nicht wieder 52 Jahre dauert.

    Am Ende: Kiemen

    Auch in Köln blieb es bei kultureller Exorbitanz. Es blieb dabei, dass ich dachte „eine halbe Stunde kürzer wäre auch okay gewesen“, es blieb in einer Zwischenebene zwischen Menschlichem und Nicht-Menschlichem.

    Nach Köln-Begehungen beendete ich den Abend im Programmkino Filmpalette. Es lief Sirens Call.

    Vor dem Kino hatte mich der Kellner im Café nebenan noch gefragt, was ich für einen Film sehen wollte. Ich hatte Probleme, es zu formulieren. Danach hätte ich noch mehr Probleme gehabt.

    Der Film geht um die real existierende Mermaid Una und die Gruppe der Merfolk in Portland.- einer Gruppe von Wesen, die davon ausgehen falsch im Körper eines Menschen gelandet zu seien, da sie eigentlich Meerfrauen/-männer/-wesen sind.

    In selteneren Teilen ist der Film Dokumentation, in der der Mensch um Una spricht, eine Doktorin der Psychologie, die mit Strafgefangenen arbeitet, und die Merfolk bei Veranstaltungen und Protesten in den USA unter Trump gezeigt werden.

    In häufigeren Teilen versucht der Film eine Una-Erzählung: aus der Perspektive der Meerjungfrau, die sich im komischen Körper eines Menschen findet, gleichgesinnte sucht und sich zu orientieren versucht. Es ist eine sehr träumerische, surreale Nachstellung von Unas Jugend, wie sie durch New York, Florida, Las Vegas driftete, immer mit dem Gefühl, nicht dazu zu gehören.

    Keine Dokumentation; denn eine Mermaid würde keine Dokumentation drehen, sondern etwas zwischen Meditation und Traum, in Blau, spielend in billigen Hotels, Diners und mit sehnsuchtsvollem Blick in Aquarien.

    War es ein guter Film? Ich bin nicht sicher. War es ein inspirierender Film: Ganz unbedingt!

    Kernkompetenz alles mit Klavier

    poupoulab zum Klavierfestival: Berliner Klavierfestival 2026. Marc-André Hamelin

    Been there, done that: „Zugegebenermaßen liegt meine Kernkompetenz eher bei Eisbären. Aber Eisbären interessierten an dem Abend niemanden.“

    Manchmal wenn ich die Informatik-Module durchblättere, kommen mir die ganzen „KI“-Diskussionen in den Sinn, dass Vibecoding mit KI programmieren überflüssig macht. Und mir kommen noch mehr die ganzen frisch-arbeitslosen Programmierer*innen auf Mastodon in den Sinn, die gerade neue Jobs suchen. Dann frage ich mich: Lerne ich gerade das richtige. Dann denke ich an reale Software mit der ich 39 Stunden in der Woche zu tun habe, gehe in mich und denke „auf jeden Fall!“ In anderen Worten bei Thomas: Coding, Viben und Probleme

    was ge­blie­ben ist: blog­gen ist wei­ter­hin ein rand­phä­no­men. und das ist auch nicht wei­ter schlimm. im ge­gen­teil.

  • 26-04-30 Debussy!

    26-04-30 Debussy!

    Eine Krähe knackte die Herausforderung des hängenden Meisenknödels. Sie wickelte das Band mehrfach um einen Ast. Jetzt liegt der Knödel halb auf dem Holz. Sie kann den Knödel, auf dem Ast sitzend, verzehren.

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    Das Piano in der Südkreuz-Eingangshalle scheint Klavierfestival-inspiriert. Das Klavier spielte hörbar ein anspruchsvolles Programm. Auch wenn es die Pianierperson ebenso hörbar an ihre Grenzen brachte.

    Derweil leistete ich IT-Support auf der großen Treppe im Südkreuz. Fast wunderte mich, dass es so lange dauerte, bis die Situation kam. Wenn auch alle Kolleg*innen denselben Anfahrtsweg ins Büro haben.

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    Der Fahrradmeister und ich fanden eine Einigung, welches neues Fahrrad ich bestellen darf. Diskussionsbedürftig war die Farbgebung lichtblau dormant. Ich finde, dass ein Fahrrad, das im Schwimmbad wohnen wird, gerne auch schwimmbadfarbig sein darf.

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    Auf dem Weg zum Fahrradmeister kamen wir an der alten Wohnung vorbei. Es kleben neue Namen auf der Klingel, in der Wohnung hängen Vorhänge. Die Fensterrahmen sehen weiterhin so aus, als wären sie in einem Zustand wie Buckelwal Timmy. Anscheinend fand keine Grundrenovierung statt. Was bei dem Zustand der Wohnung mutig wäre.

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    Es waren drei Arbeitstage mit Wolpe-Rachmaninoff-Intermezzo.

    Von Stadtmitte nach Südwest

    Unsere neue Wohnung liegt nicht weit entfernt von der alten. Dennoch ändern sich die ganzen Wege erstaunlich umfassend. Während die Schöneberger Wohnung exzellent an mehrere Buslinien im 5-Minuten-Takt angeschlossen war, liegt die neue direkt am U-Bahn-Netz. Ich bin vermutlich in den letzten fünf Monaten mehr U-Bahn gefahren als in den 17 Jahren zuvor. Nur die S-Bahn bleibt.

    *

    Mir gegenüber in der Bahn, aufgereiht auf einer Bank; Fünf Frauen von 18 bis 70, von abgekämpfter Alltagskleidung bis Sektempfang. Alle sind mit dem Handy beschäftigt; swipend, tippend, lesend, Sprachnachrichten sprechend. Ein Bild, gleichzeitig so lebendig und so klischee: mensch hätte die Bank komplettemang auf eine Theaterbühne beamen können und die fünf einen gemeinsamen Song singen lassen können.

    *

    In der S-Bahn höhe Yorckstraße, Stimme aus dem Off:

    Irres Lachen

    (20 Sekunden Pause)

    „Arschgeweih, Dicker“

    (20 Sekunden Pause)

    Irres Lachen

    (2 Minuten Pause)

    „Ich hör dir zu!“

    *

    Der sehr junge Mann, „Milchbubi“ wäre despektierlich, mit wildem Schnauz und einem Outfit als wäre er direkt dem Easy-Rider-Filmset entstiegen.

    *

    Am Heidelberger Platz, drei Abiturientinnen über eine Vierte: „Sie wird halt oft missverstanden, weil sie so redet wie Lehrer. Sie kann halt noch nicht richtig deutsch.“

    Was einerseits eine absurde Aussage ist, andererseits total stimmig.


    Hamelin!

    Einer von Madames neuen Klavier-Ultra-Freunden meinte, den Pianisten Cheng Zhang im Publikum gesehen zu haben. Vielleicht war es der Herr mit tief sitzendem Basecap und hochgeschlagener Trainingsjacke tatsächlich.

    Aber angesichts der Sichtung, und angesichts der ziemlich technisch klingenden Pausengesprächsfetzenverwehungen, fiel mir auf, dass vermutlich wirklich der ein oder andere professionelle Musiker im Publikum sitzen wird. Das Berliner Klavierfestival ist schon ein wenig eine Veranstaltung von Pianists-Pianisten, also Pianisten, die von anderen Pianisten gehört werden; und vielleicht bei niemand so sehr wie bei Marc-André Hamelin.

    Denn selbst angesichts der hochkarätigen Besetzung der letzten Tage, hat Hamelin den Ruf noch einen Tick virtuoser und noch müheloser zu spielen. Wenn Hough den Anschein erweckt, das Klavier bald nur mit der Kraft seiner Gedanken spielen zu können, erweckt Hamelin den Anschein, das Klavier würde von alleine anfangen, wenn Hamelin mal kurz gedanklich vorbeihuscht.

    Tatsächlich begann er schon mit dem Spielen als er noch halb dabei war, sich hinzusetzen. „Schwebende Leichtigkeit“ schrieb ich beim letzten Hamelin-Konzert. Ich möchte noch Klarheit ergänzen, so sehr hatte ich immer das Gefühl niemals nur „Klang“ wahrzunehmen, sondern immer jeden einzelnen Ton.

    Sein erstes Wort des Abends kam, wie schon 2024, direkt vor der ersten Zugabe. 2024 sagte er „Prokofiev!“, dieses Jahr „Debussy!“.

    Hough war Perfektion, Hamelin wäre Perfektion in einer Welt, die ein ganzes Stück schräger und entrückter wäre, als sie es gerade ist.

    Schräg und entrückt war auch das Programm. Ich fühlte mich ein wenig wie an einem Bergtag der Tour-de-France. Einrollen mit Haydn, ein leichtes Kopfsteinpflaster mit Frank Zappa, der steile Aufstieg mit Wolpes Passacaglia (Zwölfonmusik!)1, 2,3 auf dem Gipfel mit John Oswalds crazy Stück Tip (ein 10-Minuten-Stück „plunderphonics“-Stück, in dem 40 Jazz- Pop- und Klassik-Klassiker zitiert werden), um dann mit Medtner (Improvisation Nr. 1, Danza festiva) Schwung holend, mit Rachmaninoff mit Tempo den Berg wieder hinunter zu pianieren und mit der Zugabe („Debussy!“ / Judy-and-Punch-Show) mit erhobenen Armen und offenen Haaren ins Ziel rollern.

    Wie auch bei der Tour de France: Der Anstieg ist das Beste.

    Fiebertraum mehr Persönlichkeit

    Poupoulab beim Klavierfestival: Berliner Klavierfestival 2026. Stephen Hough

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    Service: der Fusskiesel kieselt ab jetzt unter https://blog.kieselwiese.de, siehe Neues Blog

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    Anscheinend hat niemand den Post verlinkt. Das geht nicht. Wegen des großen Erfolgs meiner kleinen Antwort auf die Frage, ob kranke Menschen immer über ihre Krankheit sprechen müssen vor ein paar Tagen … schreibe ich diesen kleinen Konzertbericht mal mit allen Widrigkeiten, bei denen ich mir Mühe geben musste.

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    Been there, done that: Zwei Tage nachdem ich den Rasenmäher bestellt hatte, konnte ich 22 Tabs in meinem Browser schließen. Produktvergleiche, Produktdokumentationen, Baumarktseiten, Bewertungen, Fachforen, Fanforen. Der Blick auf die noch offenen Tabs fühlte sich an, wie ein Blick in eine fiebrige Vergangenheit.

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    Das einzige wofür KI gut taugt, ist Entertainment: Curly quotes

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    Passend dazu: Ich habe den Haselanten letztens gefragt, ob ein bestimmter Blog-Text mit KI geschrieben ist. Antwort (im Auszug):

    „Besonders KI-verdächtig sind die Passagen, die generisch klingen wie zum Beispiel: „Mein Weg in der KI-Ära heißt: Mehr Mensch, mehr Persönlichkeit, mehr Wir.“

    Anmerkungen

    1. Wer spontan noch etwas Musikwissenschaft dazu lesen möchte: Bei der Stefan Wolpe Society (nach Passacaglia for Orchestra, op. 23. suchen). ↩︎
    2. Was den Youtube-Kommentaren auffällt: Er spielt mit Noten. Was er den Kommentaren, und auch meiner Beobachtung nach, nie macht. Nicht mal bei dem sonstigesn crazy stuff, den er im Programm hat. ↩︎
    3. Dazu passt der Satz aus der Wolpe-Society: Wolpe dedicated the “Passacaglia” to Edward Steuermann, a student of Busoni. Since no such virtuoso was then available in Palestine, he arranged the work for two pianos. ↩︎

  • 26-04-25 Das Klappern der Grasmücke

    26-04-25 Das Klappern der Grasmücke

    Madame sah den Parkplatz-Fuchs wieder. Sie sah den Nachbarschaftsfuchs, den wir in der eisigen Eiseszeit im Januar verloren glaubten. Sie lief abends die Treppe zum Parkplatz hinab, der Fuchs verschwand vor ihr ins Gebüsch. Ich jubiliere.

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    Eine U-Bahn-Mitfahrerin in Höhe Blissestraße informierte empathisch ihr Mobiltelefon: „Lukas, darüber werde ich jetzt nicht diskutieren! Es ist mir Scheißegal!“

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    Im BPAF waren Rolltreppen-Handwerker*innen unterwegs. Vermutlich. Zumindest war die Rolltreppe geöffnet. Aus ihrem Inneren klangen Geräusche, die Handwerker*innen für gewöhnlich beim Handwerken machen.

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    Die Fernuni lädt mich zur Alumni-Feier in die Ufa-Fabrik, 300 Meter von meiner Ex-Arbeitgeberin entfernt, die mich zum Fernstudium inspirierte. Es wird das Saxophonquartett Quadrophon begleiten.

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    Es war ein Arbeits-Schwimm-Freitag, ein halblatifundaler Samstag und ein Arthouse-Donnerstagabend.

    Zwei Bücher über eine Stadt im Wald

    Eher unwillig durchblätterte ich einen unerquicklichen Reiseführer für Litauen. Er war dünn, ich war durchgeblättert bevor ich aufgeben konnte. Warum veröffentlichen Menschen Bücher, die keine Lust auf Schreiben haben? Meine Hoffnung hing am nächsten Buch, das Madame mir aus der Bibliothek mitgebracht hatte:

    Tomas Venclovas Vilnius – Eine Stadt in Europa.

    Alleine schon der erste Satz:

    Der Raum, in dem meine Stadt sich angesiedelt hat, hat keine klaren Grenzen.

    Ich atmete ein, breitete innerlich die Arme aus und ließ mich in den Text fallen. Ich bereute es nicht. So viel klassisch osteuropäische Gelehrsamkeit, soviel Wärme trotz kritischem Denkvermögen. Dieses Buch ist ein Traum.

    Ein Bungalow im Feld

    Mein Geist wandert ab und an Richtung Sommer. Mein Herz lebt im Frühling.

    Aus den Augenwinkeln sah ich beim Rasenmähen1 eine Taube elegant einen halben Meter über den benachbarten Acker gleiten. Später rüttelte die Taube über dem Acker. Ich beschloss, dass die Taube wohl ein Turmfalke war.

    Die Sonne schien, letzte Woche hatte es geregnet, und der Frühling kannte kein Halten mehr.

    Schon bei der Ankunft in den märkischen Hamptons begrüsste uns ein wild singender Vogel. Da es kurz vor Mitternacht war, war es wohl eine Nachtigall und keine Amsel.

    Ein ausuferndes Vogelkonzert begleitete unsere Wege bei Sonnenlicht.

    Besonders fiel mir ein Schmettern auf – ich bedankte mich beim Handy, dass mir innerhalb von einer Minute sagte, dass das Schmettern in Fachkreisen als Klappern (wie das einer Mühle) bezeichnet wird, und klares Anzeichen für die Klappergrasmücke ist.

    Später: Ein Schatten zog über mich. Ich schaute hinauf: Ein Storch kreiste keine Zehn Meter über mir. Später: Ein Schatten neben mir. Ein bisher unbekannter Nachbar hatte sich neben dem lauten Rasenmäher angenähert, fragte, ob er WD40 für ein Anhängerkupplungsschloss leihen kann.

    Erstaunlich, wie die Schlüsselblumen nach Jahren des Zögerns, sich doch entschieden, den Garten zu mögen und sich auszubreiten.

    In der Pseudowiese2 nimmt der Löwenzahn das Gelb der Narzissen auf und tupft diese mit gelben Punkten. In der echten Wiese wachsen die Blätterbüschel der Knautien empor und versprechen den Sommer.

    Erstaunlich, dass die eine rote Tulpe unter dem Rotdorn sich im Laufe weniger Tage in drei rote Tulpen verwandelte. Wir beide könnten schwören, dass auch 2025 dort nur eine Tulpe stand.

    Erstaunlich, wie viele Blüten das kleine Bäumchen der Köstlichen von Charneaux tragen kann.

    Während die Mirabelle schon durch ist, beginnen die Äpfel das volle Programm zu fahren. Zurzeit sind sie halb rose Knospe, halb weiße Blüte. Bällebad ist nichts dagegen.

    Yevgeni

    Kulturelles Überangebot führte Donnerstag zum Split. Während ich Richtung Kreuzberg ins Kino verschwand, fuhr Madame nach Mitte-Mitte ins Konzerthaus zum Berliner Klavierfestival.

    Yevgeni Sudbin spielte Bachs Fantasie & Fuge a-Moll BWV 904, Skrjabins Sonate Nr. 10 op. 70, Chopins Ballade Nr. 4 f-Moll op. 52, Bach-Rachmaninovs Prélude, Gavotte & Gigue aus der Violin-Partita Nr. 3, Scarlattis Sonaten K. 466, K. 208 und K. 455 und Tschaikowski-Sudbins Fantasie-Ouvertüre zu Romeo & Julia.

    Ich will nicht sagen, dass sich Routine einstellte, oder dass Sudbin jetzt nicht von Eckhardstein heranreichte. Aber sie leuchtete nicht ganz so sehr. Während fast ein Zwischenstück, Skrjabins Sonate Nr. 10 op. 70, sie bis in den Kern bewegte, blieb sie beim eigentlichen Hauptstück des Abends, der Ouvertüre zu Romeo & Julia reservierter.

    Beeindruckend, wahrlich beeindruckend, wie Sudbin die Klangbreite eines kompletten Orchesters von den Flöten über die Streicher bis zum schweren Gerät nur mit einem Klavier erzeugen kann (Hier eine ältere Aufnahme von Sudbin mit demselben Stück)

    Trotzdem konnte sie sich des Kommentars nicht erwehren, dass es ja heutzutage schon Tonaufnahmen gibt und es eigentlich nicht mehr nötig ist, komplette Orchestersätze nur für Klavier zu arrangieren.

    Vera

    Nach dem IMAX-Ausflug vom Montag, war ich zurück in meiner Arthouse-Kuschelwelt3. Es ist eine Welt, in der mensch an einem komplett normalen Donnerstag einen großen Kinosaal durch einen Schwarzweißfilm von 1944 ausverkauft bekommt. Wie schön.

    Laura (Regie: Otto Preminger) lief in der Yorck-Reihe Boulevard Noir im großen Saal im Yorck Kino und war ein Highlight dieser an Highlights reichen Reihe.

    Murder is my favorite crime

    Ein Vergleich mit dem kürzlich gesehen Maltese Falcon drängt sich auf. Beides sind Klassiker des Genres, die vor allem zeigen, wie sich schöne, beneidenswert gut angezogene, Menschen in stilvollen Innenräumen Dialoge zum Auswendiglernen an die Ohren werfen.

    Der Falke spielt in San Francisco, Laura in New York. Beim Falken geht es am Ende um einen Schatz aus dem ausklingenden Mittelalter, bei Laura um den klassischen Femizid. Der Falke ist vermutlich der ikonischere, cleverere, gewitztere der beiden Filme mit den besseren Schauspieler*innen; Laura der klügere und meines Erachtens bessere Film.

    I don’t use a pen. I write with a goose quill dipped in venom.

    Dabei möchte ich den Klassiker Maltese Falcon auf gar keinsten Fall schlechtreden – es ist ein großartiger Film. Aber er bietet sich zum Vergleich an. Wo der Falke alles auf Humphrey Bogart zentriert, er ist die schönste Figur im Film, hat die komplette Bildschirmpräsenz, ist der Good Guy und derjenige mit den coolen Sprüchen, kreiert Laura ein Ensemblestück:

    Der Typ mit den großartigen Sprüchen ist jemand anderes als der Detektiv und wieder jemand anderes ist die schönste Person. Wer die höchste Bildschirmpräsenz, ist streitbar. Aus einem Ensemble, das im Falken um die Sonne Bogart kreist wird in Laura ein instabiles System mehrerer Kraftzentren stets zwischen Explosion und Kollaps.

    Wo der Falke schon mit einer reichlich abstrusen Geschichte anfängt, der Schatz des Malteserordens, und sich dann voll in in diese Absurdität hineinwirft, nimmt Laura die allgegenwärtigste aller Mordgeschichten, der Besitzergreifende Ex-Nicht-mal-Liebhaber war’s, und webt darum ein kunstvolles Netz der Irrungen und Wirrungen. Im Falken spielen Figuren, bei Laura sind es Menschen.

    I never have been and I never will be bound by anything I don’t do of my own free will

    Nur halb war ich dann überrascht, dass der Ursprungstext von Laura von Vera stammte. Überrascht, weil ich nicht gedacht hätte, dass Hollywood 1944 eine Frau an derart prominenter Stelle kommen ließ. Nicht überrascht, weil sich der Film weiblich gedacht anfühlte.

    Vera Caspary, die Frau, die das Buch zu Laura schrieb, ist eines Films würdig. Tochter russisch-deutsch-jüdischer Einwanderer verdiente sie ihr erstes Geld, indem sie den fiktiven „Sergei Marinoff School of Classic Dancing“ Fernlehrkurs und andere Fernlehrkurse erfand von deren Themen sie wenig verstand.

    Zeitlebens hielt sie und sich selbst und ihre Mutter durch fragwürdige Copywriting-Jobs am Existenzminimum am Leben haltend bis sie ihren ersten Erfolg hatte, und die Geschichte Thicker Than Water an Paramount verkaufte. Dieselbe Geschichte verkaufte sie mit kleinen Abwandlungen noch achtmal an andere Abnehmer.

    Ihr Leben blieb bewegt, Erfolg mit Laura, Pleite mit Investitionspech, Blacklisting in der McCarthy Ära, und schließlich ein Leben als mäßig erfolgreiche Romanautorin.

    Laura Hunt: But you write about people with such real understanding and sentiment. That’s what makes your column so good.
    Waldo Lydecker: Sentiment comes easily at 50 cents a word.

    Auto Anker Buch Bus

    poupou war beim Berliner Klavierfestival und sah Yevgeni Sudbin: Berliner Klavierfestival 2026. Yevgeny Sudbin

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    Holger und Angela ankern in der Biskaya: AZ13 – Ankern in der Ria de Cedeira

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    Merken für Potsdam: Die Linie 603 wird auch als Cecilienhof-Linie bezeichnet. Unterwegs kann man die Französische Kirche, das Holländische Viertel, die Gotische Bibliothek, den Treffpunkt Freizeit und den neuen Garten sehen, außerdem das 7. Städtchen, das Fontane-Archiv und enorm viele Villen. Und man muss nicht mal aussteigen, das ist ein Rundkurs. Zwischendurch ist allerdings das Pflaster so schlecht, dass es einem fast die Plomben aus dem Zahn haut.

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    Nichts ist mehr Entertainment als Autowaschstraße: Auto waschen.

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    Zum Welttag des Buches. Der Kaffeehaussitzer blickt auf seine detaillierte Prognose aus dem Jahr 2016 „Der Buchmarkt der Zukunft“ zurück: Im März 2016 erschien ein Text von mir in der Zeitschrift »Streifband«, dem Magazin des Studienganges Buchherstellung an der HTWK Leipzig. Er trug den Titel »Kaffeesatzlesen für die nächste Dekade«. Ich war gebeten worden, einen Beitrag über die Zukunft der Buchbranche zu schreiben

    Anmerkungen

    1. Anmähen für 2026 ↩︎
    2. In der echten Wiese – also dort wo wir nur einmal im Jahr mähen, wächst kein Löwenzahn mehr. Dieser wächst nur auf den Mähwegen und -flächen, die regelmäßig kurz gehalten werden. ↩︎
    3. Yorck Unlimited No. 21. Damit 11,33€ pro Besuch und damit auch preiswertertester als die Online-Karte in den B-Kinos. Oder anders gesagt: Preiswerter als jede reguläre Eintrittskarte. ↩︎
  • 26-04-07 Die Möwe, die sich für einen Lenkdrachen hielt (Dithmarschen -> Berlin)

    26-04-07 Die Möwe, die sich für einen Lenkdrachen hielt (Dithmarschen -> Berlin)

    Der Zeitungsbeilagenkatalog preist einen 6-Meter-Fahnenmast mit Deutschlandfahne für 29,99€ an. Ich dachte, dieses Land wäre nicht so billig.

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    Unerwartete Nachricht beim Einchecken ins Berliner Hotel: „Ab dem 4. Stock funktioniert das Fernsehen nicht mehr.“

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    Der Kaptian buk1 einen Schweinebauch.

    Der Spargelhof kochte Spargel. Die Oster-Doppelhelix-Verbringung (erst wir in Dithmarschen, jetzt der Kaptain in Berlin) erlaubte einen Dreierbesuch mit Kurzabenteuer zur Eröffnung der Saison. Gerade das SB-Restaurant (der „Landwirt“) auf dem Hof erlaubt die aparte Kombination aus rustikaler Hemdsärmeligkeit mit Edelgemüse frisch vom Feld.

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    Aufgrund einer Verkettung vom Umständen kaufte ich entgegen aller Vorsätze einen originalen Apple-Handy-Ladeteller. Und allein beim in-die-Hand nehmen sparkt er Joy. Auch bei der Benutzung. Mit Dota Kehr: Ich hasse es.

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    Es waren drei Osternordseereisetage.

    Savall stand still

    Ein Nachtrag zu Savall/Haydn in der Elbphilharmonie, an den Madame mich erinnerte.

    Emotionaler Höhepunkt des Konzerts, der Moment an dem der Kaptain fast weinte, war das Vokalensemble stehend, das Orchester ruhig und nur gesungen eines der sieben letzten Worte. Also zum Beispiel „Es ist vollbracht„.

    Und nicht nur war das Orchester komplett ruhig. Selbst Savall dirigierte nicht mehr sondern stand nur ruhig am Pult. Nicht einmal einen gegebene Einsatz sahen wir. Gänsehaut.

    Kuschlig, aber vermutlich streng riechend

    Der Rest der Tage blieb erdnäher.

    Wir lehnten uns in die Landschaft. Wortwörtlich. Oben an der Deichkante stürmte es ausreichend, um sich sanft in den Wind zu legen und den eigenen Körperschwerpunkt in physikalisch ungewohnte Bereiche zu schieben.

    Ein wenig wie im Schwimmbad, nur halt lauter beim Sturmgebraus.

    Nordsee bedeutet Spaziergang:

    Wasser

    Am Deich in Hillgroven, um das Sielbauwerk herum. Natürlich die erste Strecke gegen den Wind. Das ist über das Jahre des Radfahrens dort eingebrannt: bei freier Streckenwahl gibt die Windrichtung den Ausschlag für die Routenführung.

    Auf dem Deich standen die Schafe und wieselten die Lämmer, im Versuch das Sturmgetöse mit ihrem Blöken zu übertönen. Abgetrennt in einem besonderen Bereich, die kleinsten Lämmer und das eine schwanzlose Exemplar, das zudem leicht humpelte.

    Nur dank äußerster Disziplin widerstand ich dem Impuls, mich einfach auf das Tier zu stürzen und mich festzukuscheln.

    Auf den Salzwiesen rastete eine Kolonie Austernfischer. Wenn der Wind richtig stand, konnten wir ihren Gesang hören.

    Über dem Deich eine Möwe. Die Flügel statisch, der Flug halb am Ort, halb in raschem links und rechts, oben und unten. Wie ein Lenkdrachen, nur ohne Schnur.

    Land

    Nordsee bedeutet Spaziergang auf den Wesselburener Feldwegen.

    Wir bewunderten die halbwilden Narzissen, die sich zu dichten Büscheln weitab der Häuser gesammelt hatten. Marschboden ist Narzissenboden. Feuchtgemäßig ist Narzissenklima. Osterdithmarschen ist gelbes Puscheldithmarschen.

    Während wir das leuchtende Gelb bewunderten, der ganze innere Romantikapparat beim Sonnenuntergang gegen das Schilf anging, huschte etwas vorbei.

    War das vorüberhuschende Wesen eine Katze? Vermutlich nicht. Zu puschlig der Schwanz, zu weißspitzig, zu hochbeinig das Tier.

    Ein Fuchs? Fuchs ist immer gut.

    Dann hoppelte es um die Kurve direkt auf uns zu. Musterte uns neugierig, legte die Ohren an und erwies sich als waschechter Osterhase.

    Das erste Eis der Saison

    Dithmarschen bedeutet Kleinstadtbummel. Schauen wie es den Städtchen geht. Im Zentrum: Heide, die „Marktstadt im Nordseewind“ mit Wochenmarkt und sehr viel Wind. An der Küste: Büsum, die Touristadt im Nordseewind mit Fast-Überfüllung und Blanken Hans.

    Die Städte erwiesen sich als ungewohnt mitteilsam. Die rumänischen Landarbeiter in Wesselburen sind inzwischen lang genug vor Ort, dass sie mit Moin grüßen.

    Längere Gesprächsangebote richteten sich an Madame. An der Form allerdings müssen die Einheimischen noch üben.

    Von seltsam zu unangenehm:

    • Im Drogeriemarkt. Madame wartet bis eine Mutter mit Tochter das Erkältungsmittelchenregal wieder frei gibt, als die Mutter sich umdreht, Madame vor den Inkontinezprodukten herumstehen sieht und ausführlich von ihren Erfahrungen mit diverser dieser Produkte berichtet. Die Tochter bewies, dass es cringe auch als Körperhaltung gibt.
    • Der Wesselburener Radfahrer, der aus zwei Meter Entfernung nach Alkohol roch und der Madame fragte, ob sie heute schon genug Blumen geschenkt bekommen habe.
    • Der Heider Radschieber, der Madame halb über den Haufen schob, sie dann anpöbelte, warum wie im Weg steht und sich jedes weiteren Dialogs verweigerte.

    Heide, you can do better!

    Solange wir mit niemandem redeten allerdings blieb es nett.

    Das erste Eis der Saison im Eiscafé Cortina, aufgrund der Windigkeit des Nordseewinds ausnahmsweise drinnen. Es gab Spaghetti und Spaghetti-Joghurt.

    Während Heide mal wieder durch eine Leerstandsphase der Geschäfte schreitet, ist Büsum kurz vor dem Platzen. Besonders auffallend die vielen Läden, die als klassisches „Geschäft“ durchgehen würden. So mit Kleidung oder Schuhen oder Büchern. Büsum lebt.

    Auf der Büsumer Deichbank. Einfach eine halbe Stunde auf das Meer schauen und Leute schauen. Ein alter Lehrbuchsatz kam mir ins Hirn „Die tobende Nordsee heißt Blanker Hans. Nicht weil sie so konturlos, glatt ist, sondern weil es von Blank (blanca, blanc) = weiß kommt. Gischtspitzen selbst in der friedlichen Büsumer Hafeneinfahrt, weißes Wasser, dass sich bis zum Promierweg emporleckte. Brechende Wellen zeigten jeden Unterwasser-Wellenbrecher an. Weiß war das Meer.

    Blick ins Hafenbecken Büsum. Links ein Bug auf dem "Büsum" steht zusammen mit einem Neptun.Wappen, weiter hinten ein Schiff der Küstenwache,

    Ciao Miao

    Stadtbummeleien führen zu Buchhandlungsbummeleien. In Heide und Büsum bedeutet dies vor allem: Scheller Boyens, die Buchhandlung zum Buchverlag zur Lokalzeitung WIE SICH DAS GEHÖRT.

    Vor allem, weil die Buchhandlung anscheinend noch von echten Buchhändler*innen gepflegt wird, die sich Gedanken machen, was auf welchen Tisch kommt, wo die Highlights sind und was im Schaufenster steht. Natürlich wird auch hier der Papeterie- und Dekoschnus-Anteil von Jahr zu Jahr größer. Aber noch geht es um Bücher.

    So passiere ich den Nordsee-Dithmarschen-Buch-Teil (im Touri-Ort Büsum ganz vorne, in der Einheimischen-Einkaufsstraße Heide ziemlich weit hinten), schaue nach Trends bei Garten- und Kochbüchern und widerstehe mit äußerster Kraftanstrengung auch den persönlichen Romanempfehlungen der Mitarbeiter*innen.

    Auffallend im leuchtenden Pastell: Der BookTok-Tisch. Bücher von großen Gefühlen, mit Titeln in güldener Schreibschrift, in allen Farbschattierungen, welche prastelllila, pastelltürkis und pastellrosa hergeben. Ich schwanke zwischen einem gütigen Lächeln, das sich am Riemen reißen muss, um nicht zur Arroganz zu kippen, und einem spontanen Kniefall mit erhobenen Armen „DANKE, dass ihr den deutschen Buchmarkt rettet.“

    Noch nicht wusste ich, dass ich in Wesselburen – von allen Orten – am nächsten Tag (leider ein Feiertag) eine komplette neue BookTok-Buchhandlung sehen würde: Ciao Miao, mit starken Italien-Connections, begann soweit ich mit zusammenreimte als Legami-Händlerin bis sich Inhaberin Ellie ihren Traum einer echten lokalen Buchhandlung erfüllte – mit starkem Fokus auf junge Menschen und deren Wünschen.

    Das vibet alles so positiv und nett und sympathisch, auch die selbst betriebene Wesselburen-Unterseite, dass wir seitdem überlegen, wie wir eine Lokalbuchhandlung 400 Kilometer von unseren Wohnort sinnvoll supporten können.

    30 Pflanzen

    Anlässlich des Buchhandlungs-Besuchs lernten wir: Die in meiner Internetbubble hochgelobte Katharina Seiser hat ein Buch zu den 30 Pflanzen herausgegeben. Dies verwunderte mich, hielt ich sie doch bisher für eine viel zu handfeste Person, um sich solchen Albernheiten hinzugeben. Aber vermutlich ist auch das ein Auswuchs von „Wes‘ Grünkohl ich ess‘ des Lied ich sing.“

    Egal, wenn schon Zählen, dann konsequent. Die Woche nähert sich dem Ende und es gibt einige Pflanzennachträge zu machen:

    • 62 – Mandel (Vom Mandelkuchen D’oh!)
    • 63 – Rote Paprika (Beilage zum vietnamsischen Tofu)
    • 64 – Soja (Vietnamesisches Tofu)
    • 65 – Brauner Eichblatt-Salat (Vorspeise zum Schweinebauch)
    • 66 – Lauch (Beilage zum Schweinebauch)
    • 67 – Weißer Spargel (Beim Spargelhof)
    • 68 – Kartoffel (zum Spargel)
    • 69 – Himbeeren (In Schokoummantelung, Ostern halt)

    Selbst bei allen Unsicherheiten (Blauschimmel anyone?) sind 68 verschiedene Pflanzen in der Woche deutlich mehr als 30. Damit kann ich wieder aufhören zu zählen.

    Meine Vermutung ist, dass reisebedingtes häufiges Auswärtsessen diese Woche die Zahl nach oben trieb – für ein Restaurant ergibt es logistisch mehr Sinn, einen Salat aus je einem halben Blatt sieben verschiedener Salatsorten zuzubereiten, als für einen Privathaushalt. Aber das wird kontrollgezählt, wenn wieder eine Woche kommt, in der wir beide nicht verreist sind.

    Enjoy the Struwen

    Bridgerton vor Bridgerton: A program from the 1925 Paris Opera: “La Nuit Créole” (No. 4)

    Camp Catatonia mäandert durch Heidelberg: Enjoy the Silence

    Falls ich jemals dazu komme, eine Dissertation in Politik-Mathe zu schreiben, dann über Zahlensender. Leider wird mein mathematisches Wissen dafür vermutlich nie reichen. Neues zum neuen Zahlensender, der auf Farsi aus der Nähe von Böblingen sendet: Priyom.org: V32. (via Jan Montag: V32 sendet Zahlen)

    Zweimal Struwen in einer Timeline: In Münster, lerne ich am Telefon von Kaa, ist das (oder ein?) traditionelles Karfreitagsessen Struwen. Was nicht etwa fischig ist, sondern pfannkuchenähnlich, dicke kleine eher nicht so süße Pfannkuchen mit Rosinen. Klingt ganz so, als wäre das was für mich. und aber Das Aufregendste heute war, dass ich für mich beschlossen habe, in einem der kommenden Jahre an Karfreitag ins Münsterland zu reisen und Struwen zu essen, in einem Landgasthaus. Alternativ natürlich, falls mich wer einlädt, bei dieser Person zu Hause.

    Notat

    Für zum Wiederfinden in späteren Zeiten:

    • Gelbe Dockers-Schuhe gekauft.
    • Spiegel beim Kaptain umgehängt.
    • Für 1,12€ bei HEM (Hamburg) getankt.

    Anmerkungen

    1. Das Internet scheint irrigerweise der Meinung zu sein, dass Schweinebauch gebraten wird. Selbst wenn der Akt im BACKofen stattfindet. ↩︎
  • 26-03-03 Lord Almighty I feel my temperature rising

    26-03-03 Lord Almighty I feel my temperature rising

    Der Meisenknödel ist alle. Madame füllte nach. Der Parkplatzfuchs bleibt verschwunden.

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    Nach mehrfachen Versuchen gelang es Madame, montags zu töpfern. Vorher führte sie mit ihrer roten Signaljacke Projekte und Projektteilnehmede zusammen.

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    Erstaunlicherweise hat selbst meine weitgehende Untätigkeit seit vielen Jahren die Wikipedia-Community nicht davon abgehalten, mich in die Jury des Wikipedia-Schreibwettbewerbs zu wählen.

    Ich fürchte, ich muss mal meine Wikipedia-Profilseite aufräumen. Die hat immer noch den Stand 2015.

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    Dazu (un)passend. Es gibt einen neuen Wikidata-Eintrag über mich. Über mich; der ich seit Jahren allen Menschen gefragt und ungefragt erzähle, dass sie auf gar! keinen!! Fall!!! einen Wikipedia-Eintrag über sich selber haben wollen, weil der nur unglücklich macht. Auf gar! keinen!! Fall!!!

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    Der Schlüssel des Schwimmbad-Putzmannes funktioniert nicht mehr. Dies erfuhr ich heute Montagmorgen als ich ihm im Schlafanzug die Tür öffnete. Es wäre zwar auch reguläre Bad-Besatzung anwesend gewesen, aber unsere Klingel war die nächste, die er fand.

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    Nachdem ich recherchiert hatte, wie das verschwundene CD-Player-Kabel heißt („Kaltgerätestecker C7/C8„), tauchte er freundlicherweise von alleine wieder auf, bevor ich einen neuen besorgen konnte. Besorgt hingegen hatte ich weiteren Kabelmanagementbedarf. Unter meinem Schreibtisch war es noch nie so ordentlich.

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    Es war ein Kinosonntag und ein Personalversammlungs-Montag

    Mittags: Stullen, Kaffee und Cola

    Wikipedia schreibt zur Personalversammlung: Unter einer Personalversammlung versteht man eine vom Personalrat einberufene Versammlung aller Beschäftigten einer öffentlichen Dienststelle, [sie] .. darf alle Angelegenheiten behandeln, die die Dienststelle oder ihre Beschäftigten unmittelbar betreffen […] Häufig nutzen auch Dienststellenleiter und Vertreter der Gewerkschaften die Personalversammlung, um ihre Positionen zu den Angelegenheiten der Beschäftigten darzustellen.

    Bei meiner Arbeitgeberin hat es sich eingebürgert, dass insbesondere die Beschäftigten selber ihre Positionen zu ihren Angelegenheiten von TVöD bis zur Dienstkleidung darstellen; was immer eine lebendige, unterhaltsame Versammlung ergibt.

    Im Bewusstsein dessen, dass die Auswahl der Redenden, die Themen der Redebeiträge und der Umgangston keineswegs repräsentativ sind, lernte ich doch wieder vieles über meine Arbeitgeberin und den Betrieb. Auch ist es schön, so viele Leute gleichzeitig an einem Ort wiederzutreffen.

    Natürlich ist das alles hoch intern. Aber zwei Sachen, die quasi meine oberste Chefin, SenInn auch bekannt unter dem Titel Berliner Senatorin für Inneres und Sport verkündete, halte ich für öffentlich und kann sie weitersagen: Auf dem Parkplatz an der Schwimmhalle Märkisches Viertel, der an die Gesobau verkauft wurde, sollen im entstehenden Wohngebäude auch Wohnungen für BBB-Mitarbeiter entstehen. Ein wenig älter, aber mir auch neu, Berlin will bis 2028 insgesamt 1000 neue Wohnungen für Landesbeschäftigte schaffen.

    **

    Ein Auftritt im Kant Kino inspirierte den Joy Division Song „Komakino“

    Es bleibt absurd. Wir sind gerade einmal zwei Kilometer weit umgezogen, und wir beide haben den Eindruck in einer neuen Stadt gelandet zu sein. Die Wege sind anders, sowohl im direkten Umfeld wie auch „in die Stadt“. Und selbst wenn wir eigentlich Vertrautes treffen, ist es jetzt eher ein „ach, auch mal wieder“ statt Alltag.

    Wir sind immer noch dabei, neue Wege und Verkehrsmittel zu erschließen. Sonntag Vormittag lernten wir: Nicht nur haben wir einen Direttissima-Bus zum Schillertheater (derzeit Komische Oper), derselbe Bus setzt uns auch am Kant Kino ab.

    Auch gelernt: die Kantstraße liegt nach dem Umzug in entspannter Weite mit entspannter Strecke für einen kleinen Sonntagsspaziergang nach der Matinee.

    Sonntag Abend lernten wir: Mit U-Bahn und Bus kommen wir bequem nach Steglitz. Und besuchten das Adria-Kino. Das liegt jetzt eigentlich gar nicht verkehrsgünstiger als vorher. Aber irgendwie ergab es sich.

    Denn wir veranstalteten ein Double-Feature mit zwei Filmen an einem Tag. Oder um genau zu sein: Mit einem Film zweimal am Tag. Es war episch, E.P.i.C. – Elvis Presley in Concert.

    Der Trailer sagte „Schauen sie den Film auf dem größten Bildschirm, den sie auftreiben können.“ Und nun ja, der erste Versuch, Kant Kino1 Saal 2 war das nicht. Um meine Freunde des Filmkompendiums zu zitieren: Um 1988 entsteht an der Stelle der ehemaligen Garderobe der Saal 2. Immerhin wurde er 2017 etwas verschönert. .. Trotzdem konnten die grundsätzlichen Defizite des Raums dadurch nicht behoben werden. Ausstattung des Saals (Technik, Sitzkomfort) liegt knapp unter dem Durchschnitt.

    Ich würde behaupten, für Yorck-Verhältnisse liegt er weit unter dem Durchschnitt. Aber anderereits: Es war eng bestuhl, es war voll, es war stickig, es herrschte gute Laune: Für einen Konzertfilm gar nicht schlecht.

    Dennoch wollten wir mehr Bildschirm und besseren Sound. Also führte uns der Abendweg nach Steglitz ins Adria: 250 Plätze im Kino, das 40 Jahre jünger ist (von 1952) mit State-of-the-Art-Technik. Weniger Stimmung im Saal, dafür mehr Stimmung auf der Leinwand.

    Collage aus zwei Neonschriften "Kant Kino" und "Adria"

    Elvis the second

    Aber warum das Ganze? Für Elvis.

    Wir beide waren bis gestern keine Elvis-Fans. Obwohl ich ein Jahr bei Memphis lebte, keine 100 Meilen entfernt von seinem Geburtsort und in Fahrradweite von Graceland blieb er mir immer verschlossen: Kunstfigur, kein Künstler, Mythos einer anderen Zeit, kein Musiker.

    Das änderte sich.

    Der Film beruht auf historischen Filmaufnahmen, die Baz Luhrmann („der Kubrick des Konfetti„) bei den Recherchen zu seinem Elvis-Biopic von 2022 fand. Zehn Konzerte aus Elvis künstlerisch produktiver Zeit in Las Vegas, noch ohne Ton. Dazu eine absolute Seltenheit: ein echtes langes Interview mit Elvis.

    Sie fanden Tonspuren, sie restaurierten und sie schnitten und sie schufen einen höchst erstaunlichen Film: Einen Konzertfilm, der sich anfühlt, als würde einen der Künstler selbst durch das Konzert führen.

    Durch den Film führt das Interview, das Elvis als sehr nachdenklichen reflektierten Menschen zeigt, die Szenen zeigen mal in Abschnitten den jungen Elvis, vor allem aber viele Proben, erarbeiten der Stücke und Elvis auf der Bühne.

    Ich staunte: Selten habe ich einen weißen Musiker gehört, der durchgehend in seiner kompletten Musik (und seine Bandbreite im Film ist erstaunlich, einschließlich Gospel, Beatles-Songs, Bob-Dylan-Songs und natürlich bekannte Hits) so durchgehend und konsequent nach Black Music klingt. Dazu ein Publikum, das komplett weiß ist. Es ist absurd.

    Dabei lernte ich: Elvis und Band hatten ein Repertoire von etwa 150 Songs, die sie spontan spielen konnten und je nach Stimmung im Publikum und Tag hat er das Programm entsprechend angepasst und live gewechselt. Elvis weigerte sich auch die eigentliche Show zu proben: Er wollte alert und spontan sein, die Band sollte auf ihn reagieren.

    Auch gelernt: Für jemand der THE KING war und kaum auf die Straße gehen konnte ohne von Fans belagert zu werden, wirkt er durchgehend bescheiden, immer bemüht die Distanz des Mythos durch einen selbstironisch-albernen Humor zu brechen.

    Und natürlich: Was für ein Musiker.

    Es kann sein, dass wir eine dritte Vorstellung in einem noch besser ausgestatteten Kinosaal besuchen.

    Gelernt / nicht gelesen

    Noch mehr zum Elvis-Film: Ein langes Interview mit Baz Luhrmann in Vulture/dem New York Magazine: Baz Luhrmann Wants an Elvis Cinematic Universe

    Im März lernte ich: „Dark Showering“ nennt sich der Trend, bei dem man beim Duschen das Licht im Bad ausschaltet, stark dimmt oder maximal ein paar Kerzen anzündet. Das soll helfen, abends besser zu entspannen und die Einschlafzeit zu verkürzen.

    Im März lernte ich auch: Steinerne Rinnen sind ein faszinierendes geologisches Gebilde, bei dem sich Wasser ausnahmsweise nicht irgendwo reingräbt, sondern im Gegenteil etwas aufbaut, zum Beispiel so eine Barriere in der Landschaft, auf (!) der das Wasser dann fließt. Verrückt, oder?

    Ein Abschied vom luxemburger Literaturcafé Bovary: Adieu Bovary

    Schiefgelesen bespricht ein Buch, bei dem bei der kompletten Inhaltsangabe dachte, es wäre 2026 erschienen. Nur um dann zu lesen, dass es von 1940 ist: Die Gedanken sind sein -„Kallocain“ von Karin Boye (und faszinierendes Buchcover-Rezensentin-deja-vue)

    Anmerkungen

    1. Am Rande: Ich entdeckte: Im Kant Kino selber fanden auch einmal Rockkonzerte statt: Aus dem Erfolg der Veranstaltungen, die von „Conny“ zunächst als zusätzliche Werbung für das Kino gedacht waren, entwickelte es sich zu einem Platz für die innovativen Strömungen der Rockmusik. Mit Long Tall Ernie & The Shakers wurde noch im selben Jahr der Anfang gemacht. Punk und New Wave spülten jede Menge aufstrebender Musiker auf die Bühne des Kant-Kinos. Weil „Conny“ ein offenes Ohr besaß, fanden auch Künstler jenseits des Rock-Genres, wie Friedrich Gulda und Jeremy Steig, den Weg in die Kantstraße 54 ↩︎

  • 26-02-28 Frischluftfleisch

    26-02-28 Frischluftfleisch

    Der Träger des FIFA-Friedenspreis für herausragende Leistungen für Frieden und Völkerverständigung startet einen Großkrieg in Nahost und das kann man sich alles gar nicht ausdenken.

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    Die S-Bahn sagte mir durch „Wegen Bauarbeiten auf den Linien S… .. … finden umfangreiche Bauarbeiten statt.“

    Keine erkennbaren Bauarbeiten finden weiterhin auf dem rolltreppenlosen Bahnhof Südkreuz statt.

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    Mir wurde eine neue Telefontechnik entdeckt: 30 cm vom Mund entfernt halten und dann reinbrüllen. Immerhin weiß ich jetzt alles über das letzte Bewerbungsgespräch der Telefonierenden.

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    Tischtelefone gibt es immer noch und wieder im Café Keese. Dieses passierten wir als dort ein Film gedreht wurde. An der Straße stand die übliche Karawane der 30 Crew- Bühnen- Catering- und Materialwagen. Der Eingang ausgeleuchtet mit Schweinwerfern und in Lametta getaucht. Direkt danaben eine Kiste „15 x Bommel, 2 x Haushalt.“

    **

    Kaum diskutierten wir hier über Auerhühner in den Vogesen und im Schwarzwald, da setzte die Regionalzeitung „Die Rückkehr der Auerhühner in die Lausitz“ auf die Titelseite.

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    Kaum diskutierten wir, ob Shisha-Bars noch in sind, lasen wir dass der Berliner Bürgermeister Kai Wegner und der Berliner SPD-Fraktionschef Raed Saleh regelmäßig zur Shisha im Charlottenburger Restaurant Palace treffen.

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    Madame bestellte eine 2002 gestaltete Mid-Century Deckenlampe für unsere Mid-Century-Baudenkmal-Wohnung. Die Post lieferte Kabelmanagementbedarf in die Packstation.

    **

    Es war ein Arbeitsfreitag und ein Gartensamstag mit Oper und Angrillen.

    Datteln

    Vor die Oper setzen wir den Dönerteller. Rüya am Ernst-Reuter-Platz1 befindet sich nicht nur in Laufweite des Schillertheaters, sondern bietet auch ganz vortreffliche Dönerteller. Wenn die Oper um 19 Uhr beginnt, stellen wir uns um 17.35h in die Bestellschlange, bestellen um 17:42h und wundern uns, dass uns kurz darauf eine Schale Datteln frei Tisch serviert wird.

    Kurzes Stutzen. Dann gleiten uns nacheinander die Gedanken „Ramadan“, „Fastenbrechen“, und „wann ist das heute?“ ins Hirn. Ein Blick in das Mobilgerät: Iftar war um 17:40h. Wir haben perfektes Timing. Und perfekter Dönerteller wie immer. Aufgewertet dadurch, dass der plötzliche Pseudofrühling, der gerade über uns hereinbricht, uns an die Außentische verleitete. Alles schmeckt besser, wenn es im Freien gegessen wird.

    Скука = Skuka = Langeweile

    Es begann mit einem Hinweis:

    Screenshot: Bitte beachten Sie: Die Inszenierung enthält Darstellungen körperlicher und sexualisierter Gewalt/Vergewaltigung. 

Eine anregende Vorstellung wünscht Ihnen Ihr Besucherservice der Komischen Oper Berlin

    Bitte beachten Sie: Die Inszenierung enthält Darstellungen körperlicher und sexualisierter Gewalt/Vergewaltigung.

    Eine anregende Vorstellung wünscht Ihnen Ihr Besucherservice der Komischen Oper Berlin

    Zwei Tage vor jedem Besuch bekommen wir eine Mail der Komischen Oper. Normalerweise enthält die ein paar nette Worte zum Stück, einen Hinweis auf die Einführung eine halbe Stunde vor Beginn und den Hinweis. auf nicht vorhandenen Parkplätze. Dieses mal also mit Triggerwarnung.

    Und ehrlich gesagt war das jetzt weder das Bewegendste noch das Herausfordernste der Oper. Ich verstand, warum Barrie Kosky diese Oper seit vielen Jahren inszenieren will – aber auch, warum er so viele Jahre zögerte es zu tun. That was intense. Wir wurden zweieinhalb Stunden am Kragen gepackt, durch die Gegend geschleudert, durchgewalkt, hochgehoben und in groteskte Tänze gezwungen. Sowohl musikalisch wie auch in der Inszenierung.

    Bei der Tragödie ist das Ende durch die Ausgangskonstellation schon festgelegt

    Deshalb beginne ich mit dem einfachsten Teil: dem Plot. Die Oper beginnt mit einem Arioso der Katerina Ismailowa (gesungen/gespielt von Ambur Braid), die auf dem russischen Dorf als Ehefrau eines an ihr uninteressierten Kaufmanns im Goldenen Käfig vor Langeweile („Skuka“ / Скука) vergeht. Einzige Gesellschaft ist ihr herrschsüchtiger/sadistischer Schwiegervater mit seiner Vorliebe für „Pilzchen“ (грибки /gribkí) zum Essen.

    Es kommt wie es kommen muss. Katerina beginnt eine Affäre mit dem Arbeiter Sergej ihres Mannes. Um nicht enttarnt zu werden, vergiftet sie die schwiegerväterlichen gribki mit Rattengift. Ihr Mann kommt ihr trotzdem auf die Spur, zeigt zum ersten Mal Aufmerksamkeit für sie indem er sie verprügelt, was auch sein Ende besiegelt.

    Katerina heiratet Sergej, die Hochzeit wird von der Polizei gesprengt, Katerina und Sergej finden sich wieder auf dem Marsch ins Lager nach Sibirien. Dort will Sergej von Katerina nichts mehr wissen. Katerina ermordet erst seine neue Geliebte und dann sich selber.

    Frei nach Tschechow: Wenn du ein Paar Strümpfe im vierten Akt einführst, dann musst du sie auch benutzen

    Es begann, indem Katerina Ismailowa auf dem Bauch lag und sang. Und so wenig ich praktisch vom Singen verstehe, desto sicher bin ich mir, dass bäuchlings eine sehr ungeeignete Position dafür ist.

    Die Besetzungsliste der Oper kennt 19 Rollen. Aber eigentlich ist es ein Ein-Personen-Stück der Katerina Ismailowa. Was Ambur Braid in den 150 Minuten über die Bühne, auf dem Bühnenende, auf und unter dem Bett lief, sprang, rollte, gezerrt wurde, geschubst wurde, schubste, kletterte – durchgehend barfuss oder in High Heels – wäre schon eine krasse Meisterleistung wenn sie niemals den Mund aufgemacht hätte.

    Aber sie hat auch noch fast durchgehend gesungen, keine einfache Partie führwahr.

    Der Trailer gibt einen ziemlich guten Eindruck der Inszenierung.

    Die Unbarmherzigkeit der Tänze

    Wenn Du auf dem Rang sitzt und siehst die acht Zusatzblechbläser in den Orchestergraben einmarschen, dann weisst du: Gleich ist was los.

    Die Lady Macbeth von Mzensk war Dmity Schostakowitschs zweite (und letzte) Oper. Sie feierte nach ihrer Uraufführung 1934 rasende Erfolge, bis Stalin 1936 einer Aufführung beiwohnte. Stalin hasste sie und verbannte Schostakowitsch für den Rest seines Lebens zu einer Existenz als gefeierter Staatskünstler, der immer den Koffer bereit hatte, weil die Zwangsabreise ins Gulag drohte.

    Dazu führte auch dazu, dass der immer noch wilde ausgelassene Schostakowitsch nach 1936 nur noch die vorsichtige gezähmte Version desjenigen Schostakowitsch war, der noch Lady Macbeth von Mzensk geschrieben hatte. Musik zwischen Verzweiflung, „Pornophonie“, Lärm, grotesken Tänzen, entstellter Zirkusmusik und dem Trauermarsch nach Sibirien. Schostakowitsch arbeitet sich durch ein musikalisches Repertoire in hohem Tempo, stellt es um, entstellt es und setzt es wieder zusammen.

    Das ist zum Zuhören eine einzige Achterbahnfahrt. Ich will gar nicht wissen wie es zu spielen oder zu singen ist.

    Blick auf das Schillertheater zur Blauen Stunde kurz vor Vorstellungsbeginn. Im Vordergrund das "Komische Oper" Schild, die Ankündigung von Lady Macbeth von Mzensk, das Gebäude von innen beleuchtet, Menschen warten

    Der Begriff „Krokanten“ ist das „zum Bleistift“ unserer Generation

    Nur der Feuerdorn hat Frostschäden

    Eigentlich hätten wir nach dieser Oper einen Tag Erholung benötigt. Aber unsere Arbeitgeberinnen wollten uns Freitag noch sehen, so dass wir entsprechend durchgewalkt ins Wochenende wandelten.

    Aber dann: Latifundien, Sonne, Garten! Nach Silvester die zweite Übernachtung des Jahres und der erste Aufenthalt ohne Heizung, fast überwiegend draußen.

    Madame legte Schneeglöckchen frei. In den 24 Stunden unsere Aufenthalts zwängten sich allüberall Narzissen durch die nasse Erde. Kraniche tröteten, eine Gänseschwarm graste den Acker jenseits des Zauns ab. Über der Haustür kreiste ein Rotmilan. Noch ist alles braun und gelb und schwarz. Aber es ist auf dem Sprung.

    Kammspieß und Rinderhack

    Herzigster Moment der Tage: das fröhliche Lächeln, fast Lachen der Fleischfachverkäuferin, die uns seit Monaten das erste Mal sah. Deren Fleischerei ist seit Herbst baustellenabgeschnitten von ihren Kund*innen. In den Monaten, die wir nicht mehr in den märkischen Hapmtons waren, hat sich Rinderstolz&Wildelust einen Verkaufswagen zulegt und vagabundiert.

    Aber wir fanden sie!

    Und sie freute sich! So schön.

    Fast genauso schön: Angrillen mit Rote Beete, Blumenkohl, Spießen vom Schweinekamm und Burger-Patties aus Rinderhack.

    Vamos a la Theater

    I recently spent a few months in one of these abandoned timelines: the one where the microwave oven replaced the stove. First, I had to get myself a copy of the world’s saddest book. Microwave Cooking, for One (via onli blogging)

    Vom Puschel Herdwick-Wolle zum Band. Und einer der besten Italopop-Songs aller Zeiten. Und Mimosen. In einem Post! 2026 #8 / #9 – Herdwick-Wolle verarbeitet und zum Band verwebt

    Die Kaltmamsell war im Theater und „das Stück Istanbul“ möchte ich auf jeden Fall sehen, wenn es in der Nähe gespielt wird.

    Heiko versucht ein Jugendkonto für seine Tochter zu eröffnen und scheitert an der KI: ING – Das Gesamtbild und das System entscheidet

    Noch nie im Leben hörte ich von Sendai. Gut, dass Claudia hinfuhr und berichtet: Ein Tag in Sendai.

    Künstliche Bauchpinselung

    Letztens spielte ich ein bißchen mit dem Haselant und einem knappen Dutzend bekannter und regelmäßig schreibender Blogs: „Wenn es verfilt würde, wer würde die Hauptperson darstellen“.. „welche*r Autor*in ähnelt es im Stil“, welcher Myer-Briggs-Typ ist es. Halt lauter Unfug, dessen Ergebnisse mal mehr oder weniger sinnvoll waren.

    Eine der Antworten, die mich am ehesten überzeugte war spannenderweise „Wenn dieses Blog ein Tanz wäre, dann wäre es.“ Bei „.. wäre ein Foxtrott“ oder „.. wäre ein Wiener Walzer“ dachte ich sofort „stimmt.“

    Natürlich habe ich auch Iberty gefragt. Iberty ist Lindy Hop: „Cut, Break, Improvisation, Call-and-response. Popkultur und Straße, Energie und plötzliche Ruhe. Viele kleine „Moves“ hintereinander, und doch hält ein Groove alles zusammen.“ Zusammengefasst auf einen Song: Caravan Palace – Lone Digger. Ich fühle mich ausreichend gebauchpinselt.

    Anmerkungen

    1. Für die zahlreichen Menschen, die sich wie wir fragen, warum es einen Rüyam in Schöneberg gibt und einen Rüya in Charlottenburg, mit offensichtlich sehr ähnlicher Gestaltung, Konzept und Döner, hat Felix B. aus Riegel am Kaiserstuhl auf Tripadvisor einen Hinweis: „das „Rüya“ in Schöneberg nennt sich nach dem Verkauf nun Rüyam und die jetzigen Inhaber versuchen mit Kräften diesen beschriebenen Spirit am Leben zu halten.. Etwas fehlt. Und was genau, das weiß man spätestens, wenn man das neu eröffnete Rüya (in der ursprünglichen Schöneberger Besetzung) entdeckt & besucht hat.“ Als Menschen, die das Schöneberger Rüya im Verschlag kannten und liebten, haben wir keine Möglichkeit die Story zu überprüfen. Aber sie klingt plausibel: das Charlottenburger Rüya ist in Spirit und Essen näher am alten Schöneberger Rüya als das heutige Schöneberger Rüyam. ↩︎