Schlagwort: Letzte Generation

  • 23-05-25 Srieh srieh

    23-05-25 Srieh srieh

    Heute ist internationaler Tag der Datenschutzbeauftragten. Leider haben wir dieses Datum zu spät bemerkt, um unserem DSB noch einen Strauß Blumen zu besorgen.

    Im Briefkasten lagen Karten aus Trier (Krähe, selbstgemalt) und Sylt (Hindenburgdamm, umspült von 3-Meter-Wellen) – Danke.

    Ich verbrachte den Tag im immobilen Arbeiten zu Hause. Denn ein fremder Mann in Arbeitsmontur kam in die Wohnung. Er brachte einen langen Stab mit, mit dessen Spitze er auf alle Rauchmelder drückte. Als diese kurz auslösten, war er zufrieden. Vor der Wohnungstür machte ein anderer Mann Notizen.

    Er fragte noch kurz besorgt, ob unser Haus auf Fernwärme umrüsten wollte – „Nein“ – Die Auskunft machte ihn glücklich. Sonst hätten sie die Rauchmelder alle ändern müssen.

    Besuch von oben

    Unangekündigt kamen im weiteren Verlauf des Tages zwei schwer atmende Zeug:innen Jehovas vorbei. Allein für den Mut, mit einer so potenziell konflikterzeugenden Mission durch die Berliner Innenstadt zu wandeln, hätte ich sie am liebsten zum Kaffee eingeladen.

    Aber

    (a) Bin ich mir nicht sicher, ob Zeugen Jehovas überhaupt Kaffee trinken dürfen.

    (b) Bin ich mir sicher, dass die Bewirtung von Missionaren auch bei liberaler Auslegung nicht zu meiner Stellenbeschreibung im Home Office gehört

    (c) Wäre es ja kein netter Plausch geworden, sondern sie hätten mit mir über die Bibel reden wollen. Da ich in meiner Punk-Jugend bereits einen mehrstufigen Bibel-Fernkurs der Siebter-Tags-Adventisten durchlaufen habe und alle „Fragen-junger-Leute/Praktische-Antworten„-Bände der Zeugen Jehovas las, hätten sie mir nichts Neues erzählen können.

    Die Mauersegler, welche die energetische Sanierung des Nachbarhauses aus unserer Hinterhoflandschaft vertrieben hatte, flogen kurz im Hinterhof vorbei. Im Sturzflug ihr lautes Srieh strieh! (Wikipedia) ausstoßend. Es freut mich, dass sie zumindest ein anderes Obdach in Südwestberlin gefunden haben.

    Gestern eröffnete Madame die Freibadsaison im Sommerbad im Insulaner. Danach gelang es mir, sie Mittags in die Blumenfisch-Via-Raststätte auszuführen, welche ein Lichtblick in der kulinarischen Ödnis zwischen Bahnhof Südkreuz und IKEA ist. Schöne Räume, total freundliche Leute und echtes vor Ort selbst gekochtes Essen.

    Madame vollendete die Lektüre des 34-seitigen Threads zum Thema Ninja Creami im Forum des Grillsportvereins. Ergebnis: Der Creami kann auch weitere Massen außer Eiscreme.

    Auf eine Tafel handgeschriebener Speise-Wochenplan der Gaststätte.

    Drei Gleichungen und sieben Variablen

    Seltsam: ich war der Mensch, der bei Computerspielen immer aufhörte, wenn „Logikrätsel“ auftauchten und mir der Lösungsweg nicht gleich sofort offensichtlich war.

    Diese Mathe-Einsendeaufgaben sind am Ende auch eine Art „Logikrätsel jetzt even more extreme.“ Und ich beginne mich hinein zu verbeißen. Jeglicher Ehrgeiz in mir ist geweckt. Ich stelle fest: Logikaufgaben interessieren mich vor allem in ihrer even more extreme Variante und wenn es um Etwas geht.

    An einer Aufgabe (zur Gauß-Elimination) scheitere ich immer wieder am selben Punkt. Der Neugier halber habe ich die Aufgabe nun einem Onlinetool zur Lösung von Gaußeliminationen gegeben. Und es scheitert an genau denselben Stellen wie ich. Was mir immerhin sagt: den Lehrstoff habe ich verstanden. Das um-die-Ecke-denken jenseits der normalen Verfahren will der Aufgabensteller halt, dass man es sich erarbeitet.

    Eine weltberühmte Schweizerin starb.

    DWDL würdigt Let’s Dance als die letzte große Livesendung des Deutschen Fernsehens.

    Die profilierungsfreudigen Eskalationtaktiker:innen der Letzten Generation sind auf genauso profilierungsfreudige Eskalationstaktiker:innen bei Politik und Staatsanwaltschaft gestoßen. Bild und Welt wissen schon seit Wochen nicht mehr, wohin mit all‘ den Champagnerflaschen. Die Empörungsgruppen sammeln sich. Rudelbildung erfolgt. Gruppen, die nicht ganz so profilierungsfreudig sind, verlieren Zulauf. Alle regen sich über Alle auf.

    Wenn es nicht immer so deprimierend vorhersehbar wäre.

    Ach. wenn die LG wenigstens radikale Forderungen hätte oder inhaltlich etwas zu sagen hätte.

  • 23-04-25 Kleine Taschenlampe brenn‘

    23-04-25 Kleine Taschenlampe brenn‘

    Zwei Menschen stehen am S-Bahnhof Schöneberg, Konzertkarten in der Hand. M: „Was spielt sie noch mal für Musik?“, S: „Keine Ahnung mehr.“ Wir einigen uns auf „altersangemessen für uns, so eine Art Country-Pop.“

    Homesick

    Es war der Juni 2021 gewesen. Der erste Corona-Winter war vorüber. Wir hatten die erste Anti-Corona-Impfung erhalten. Langsam zeichnete sich Hoffnung ab, wieder ausgehen zu können. Ich wollte einfach nur Konzertkarten kaufen. Ilse DeLange kam ins Tempodrom. Wir hatten sie kurz vorher bei Let’s Dance gesehen und für hochsympathisch befunden. Ihr Song „Calm After the Storm“ gehört zu meinen Top-25-ESC-Titeln. Also nicht lange gefackelt, Karten gekauft.

    Ihr könnt Euch denken wie es weiterging mit einem Konzert, das für den Dezember 2021 angesetzt war.

    Verschoben auf den Frühsommer 2022.

    Und wieder nichts. Verschoben auf den April 2023.

    Und jetzt endlich, wir auf dem Weg ins Tempodrom mühsam zusammenerinnernd, wen wir überhaupt sehen würden.

    • Es war rockiger als gedacht. Mehr als einmal waberte das Wort „Rockröhre“ durch meinen Hinterkopf.
    • Das Publikum war im Schnitt noch grauhaariger als wir. Wobei es auch ein gutes Konzert für Eltern-Teenie-Kind-Ausflüge war. Und diverse Twen-Frauengruppen waren unterwegs.
    • Vor allem war es auch abwechslungsreicher als gedacht, neben dem Rock mit Country, echtem Pop und Balladen. Geradezu berührend wurde es bei Homesick. Dem Song der während Corona entstand. In ihrer Anmoderation erzählte sie angesichts der Geschichte dieses mehrfach verschobenen Konzerts, wie es einer Bühnenkünstlerin während Corona erging.
    • Überraschend: Für zwei Songs kamen The Boss Hoss auf die Bühne. Nicht ganz so überraschend: Ilse Delange hat so eine wunderbar bühnentaugliche Herzlichkeit. Man gebe der Frau eine eigene Fernsehsendung.
    • Rühend: das Ü55-Konzertpublikum, das von seinen Teen-Kindern während des Konzerts lernte wie das mit dem Schwenken der Handy-Taschenlampen funktioniert.
    Bühne mit Rockband, Nebelmaschinennebel, blaue Beleuchtung, Musiker in Schemen zu erkennen.,

    Mathemittag

    Die Einsendeaufgaben Algorithmische Mathematik zwingen mich, meine Dienst-ist-Dienst-Schnaps-ist-Schnaps-Politik aufzugeben und in der Mittagspause Mathe zu lernen. Ich bin weiterhin total begeistert und weiterhin total planlos. Auf jeden Fall habe ich mir für dieses Semester eine spannende Achterbahnfahrt beschert.

    Die Letzte Generation zog um und benutzt nun statt der Autobahnauffahrt, die ich immer passiere, nun eine Kreuzung weiter im Westen. Die Beklebung recht lauschig. Wenn sie noch ein paar Tage durchhalten kommen die ersten Leute, setzen sich daneben und machen Selfies. Noch ein paar Wochen und das Berliner Stadtmarketing bietet geführte E-Roller-Touren zu den besten besetzten Kreuzungen an.

    Die Badsicherung ist wohl doch nicht ganz so einfach zu reparieren, wie unser Elektriker-Nachbar meinte. Aber immerhin scheint es zu funktionieren, ohne den kompletten Sicherungskasten neu aufzubauen.

    Abendessen wurde durch die Crowdfarming-Artischoken bestimmt. Unter anderem mit USA-kulinarisch-inspirierten Rice-a-Noa.

    Da wir beide mal mehr (M) mal weniger (ich) im Axel-Springer-Kosmos unterwegs waren, kaufte Madame das Stuckrad-Barre-Buch „Noch Wach?„. Ihre komplexe Reaktion auf’s Lesen interpretiere ich als bereichernde Lektüre.

    Häkelcorgis

    Hinten im Garten: Der Tod meiner Mutter

    Herr Buddenbohm erklärt sein Gartengemüsekonzept für den unzuverlässigen Gärtner. Im Garten gewesen.

    Passend zur Krönung empfiehlt die New York Times besuchenswerte Orte in UK In the Footsteps of Charles III (Link mit entfernter Paywall.) Mir war diverses neu und einiges spannend.

    Passend zur Krönung, diese Anleitung für Häkelcorgis. Bei Etsy gab es einen gestrickten König-Karl-Teekannenwärmer.

  • 23-04-13 Ringbahn zu Drehkreuzen

    23-04-13 Ringbahn zu Drehkreuzen

    Katharina Witt schrieb mir einen Brief. Sie fordert mich zur Teilnahme an der Postcode-Lotterie auf, die gleichzeitig sehr hohe Gewinne ausschüttet und mindestens 30% der Einnahmen an wohltätige Projekte ausschüttet. Da muss ich nicht einmal an meinem Mathe-Seminar arbeiten, um den Fehler in der Logik zu finden.

    Kurzer Einschub

    Es ist möglich, Roulette zu schlagen (also mathematisch-statistisch, in echt). Und ich bin total fasziniert.

    In kurz: Roulettekessel sind physische Geräte und als solches nicht perfekt. Während der Ball rollt, ist es theoretisch möglich die ungefähre Ankunftszone des Balls zu bestimmen (verbotenerweise mit Computern, eventuell – noch nicht geklärt – auch durch lange Übung rein auf Sicht) und so die Wahrscheinlichkeitsrechnung zu eigenen Gunsten zu verändern.

    In lang: Bloomberg schreibt eine spannende Räuberpistole aus der Welt zwischen Glamour, Mathematik und Kriminalität: The Gambler Who Beat Roulette.

    Einschub Ende

    Nach der ostermontäglichen Bahn-Odysee zog ich den mobilen Home-Office-Tag auf Dienstag vor. Die Reaktion des Teams rührt mich weiter. Abends fotografierte ich einen Stein auf dem Küchentisch. Noch später Abends trafen wir e-Hälfte der Schwiegerfamilie, die sich über Ostern aus Süddeutschland nach Berlin begeben hatte. Ich liebe diesem Familienteil dafür, wie unkompliziert und einfach unfassbar nett er ist. Das Sagar erwies sich wieder als ebenso leckerer wie familienfreundlicher Inder. Dann k.o.

    Mittwoch konnte ich die Möglichkeit nutzen, direkt aus der Arbeit durch das Drehkreuz zu treten und in das 50-Meter-Becken zu hüpfen. Freundlicherweise fährt eine Ringbahn direkt von der Verwaltung zur Betriebsstätte SSE (Schwimm- und Sprunghalle im Europasportpark) und so ließ sich der spontane Außeneinsatz direkt ins Feierabendpaddeln überführen.

    Blick auf SSE und Parkhaus darunter.

    In der Bahn nachdenken über die beiden IT-Typen Keyboardklöppler*in und Unter-dem-Tisch-Kabel-Verlöter*in und nachdenken darüber, dass Informations-Technologie-Betreiber*innen sich nett in Team Information und Team Technologie aufteilen lassen. Ich bin froh, dass bei mir sowohl Neigung wie Stellenbeschreibung zu Team Information gehören. (und bin dementsprechend dankbar für die Team-T-Leute mit denen ich zusammenarbeite).

    Heute erlebte ich einen Heureka-Moment dabei, ein Häkchen zu setzen. Nachdem ich 120 Minuten lang danach gesucht hatte, wo der Haken fehlt.

    Mittwoch abend/Donnerstag tagsüber/Donnerstag abend crockten Madame und ich kubanische Frijoles negros nach Miss South.

    Ich erwarb das Deutschlandticket, um kurz darauf zu erfahren, dass der VBB unseren netten Zug nach Verlorenort umplante und der Umstieg an der Ringbahn in Jungfernheide wegfällt. Wie soll ich zum Umsteigen nach Charlottenburg kommen?

    Es ist mir komplett unklar: Der RE6 stellt eine wichtige Pendlerverbindung weit über den Berliner Speckgürtel hinaus dar. Die zu den üblichen Zeiten immer überfüllt ist, und immer unpünktlich. Der Drang auf dieser Strecke etwas zu verbessern, ist nicht vorhanden. Selbst falls alle Nordwestbrandenburger Pendler vom Auto auf die Bahn umsteigen wollten: Sobald das mehr als ein Dutzend umsetzen, wird der öffentliche Nahverkehr auf dieser Strecke komplett zusammenbrechen.

    Leider beschäftigten sich die alternativen Berliner Verkehrsdenker mehr damit, sich selbst unliebsame Brandenburger per Kiezblock vom Leibe halten zu wollen, als sich Gedanken über klimafreundliches Pendeln zu machen.

    Passend: die Letzte Generation möchte die eigene schnell gelangweilte Klientel bei Laune halten, indem sie „Berlin zum Stillstand bringt.“ Nicht dass Autobahnkleben zu öde wird, und die Event-Klimaschützer*innen wieder nach Thailand fliegen.

    Der Berliner Radfahrteil in mir ist immerhin Happy: Auf der Schöneberger Hauptstraße wird ein echter Radstreifen entstehen.

    (Internetsuchen/DuckDuckGoen nach der Postcode-Lotterie brachte Spannendes zum Vorschein. Es ist nicht ganz so schlimm unseriös wie zuerst von mir gedacht. Die deutsche Lotterie ist eine Tochter der niederländischen Nationale Postcode Loterij. Katharina Witt hatte in ihrer Werberolle Vorbilder in Rafael Nadal, Bill Clinton oder Nelson Mandela. Trotzdem möchte ich bemerken: Lotterie ist Unfug, der funktioniert weil Menschen mehr einzahlen als herausbekommen. Wenn Ihr Geld für Gutes (mit groß-G) ausgeben wollt, dann spendet direkt.)

  • 23-02-28 Flammet um mich her!

    23-02-28 Flammet um mich her!

    Madame ließ sich von acht Azubis (m/w/d) umgarnen.

    Die Freundin von MMB hat ein neues parfümiertes Waschmittel. Sie arbeitet sich an die perfekte Dosierung heran. Heute hatte der gesamte Nordflügel etwas davon. Die Reaktionen reichten von „Bitte arbeite auf dem Platz neben mir“ bis zu „Junge, hier ist ein Zehner. Kauf Dir in der Mittagspause bitte einen Knoblauchdöner.“

    Der Vor-der-Haustür-Weihnachtsbaum verschwand.

    Nachdem ich mehr oder weniger zwangsweise im letzten Spätherbst unseren Stromanbieter wechselte bekam ich nun vom neuen – etwa vier Monate nach Vertragsabschluss – eine Mailankündigung mit dem „Willkommensbonus.“ Das warf mich so aus der Bahn, dass ich haaresbreite diesen Vertrag gleich wieder gekündigt hätte.

    Vor einigen Jahren sahen Madame und ich in der Komische Oper eine Aufführung, die großartig war. Relativ neue (20. Jahrhundert) Opern, inszeniert als eine Art Stummfilm/1920er-Comic/Experimentalfernsehen – eine große Videoprojektion, in der Menschen sich bewegten. Großes Kino im wahrsten Sinne des Wortes. Der Versuch, dies später nachzusuchen, scheiterte. „Französische/russische Oper, Künstlergruppe der Namen irgendwie kurz war und aus Ziffern bestand“ war nicht findbar.

    Beleuchteter Eingang zur Komischen Oper zur Blauen Stunde.

    Bis jetzt, ha!. Im Rahmen unserer privaten Barrie-Kosky-Komische-Oper-Festspiele hatten wir auch Karten für „Die Zauberflöte“; eine Inszenierung, die inzwischen weltweit gespielt wird und zum Beispiel der New York Times als Referenzwerk für andere Inszenierungen gilt. Diese ist besonders. Wir fanden heraus: Denn sie wurde zusammen mit demselben Künstlerkollektiv entworfen und hat eine ähnliche Stummfilm-Comic-Ästhetik. Und ist großes Kino.

    Das Kollektiv ist 1927 (theatre company) aus Margate, UK und die damalige Inszenierung war PETRUSCHKA / L’ENFANT ET LES SORTILÈGES. Ihr neuestes Werk spielt in Wien. Es fühlte sich damals mehr nach Spätprogramm im Fernsehen, Nischenprogramm für Nischenpublikum an. Wenig ahnten wir, dass aus derselben Quelle die erfolgreichste Inszenierung der gesamten Kosky-Zeit kam.

    Das Publikum: Jünger und vielfältiger als in anderen Opern, selbst für Komische-Opern-Verhältnisse. Sehr begeisterte uns die Gruppe französischer Student*innen in unseren Reihen, die einfach die ganze Oper und ihre Inszenierung mit Lachen und Spontanapplaus feierten. Es war aber auch schön.

    Hintergrund zur Inszenierung gibt es an anderen Orten: Kosky and 1927’s Magic Flute: A complete reinvention celebrates the opera’s roots

    Nebenentdeckungen: Meine Güte, ist das Libretto gaga. Selbst gemessen an den niedrigen Ansprüchen, die Opernlibretti in Hinsicht Sinn und Logik im Allgemeinen erreichen, ist dieses Libretto ganz besonders absurd. Was ganz gut ist: Dann fällt es nicht auf, wie schlimm das Libretto inhaltlich ist. Wie Kosky sehr diplomatisch sagt: „It’s one of those pieces that’s a minefield of problems“

    Dafür dass die Königin der Nacht eine der berühmtesten Opernrollen überhaupt ist, bekommt sie überraschend wenig Bühnenzeit. Aber okay, die Rachearie. Die ich überraschenderweise auf einer Karaokesite fand. Okay, Karaoke und Alkohol gehen manchmal seltsame Verbindungen ein: Aber die Rachearie?

    Neben-Nebenentdeckung: Es gibt einen Rosa-von-Praunheim-Film mit Edda Moser: „Operndiven und Operntunten“ und den muss ich unbedingt sehen.

    Zurück nach Berlin: An der Autobahnauffahrt steht keine Polizei mehr und trotzdem wird sie nicht beklebt. Im Internet las ich, dass die Letzte Generation anbietet, die Proteste gegen politische vergleisweise läppische Konzessionen einzustellen. Und ich dachte: „Leute, offensichtlich habt ihr ein Mobilisierungsproblem, Euch gehen die Freiwilligen aus und ihr versucht den ehrenvollen Abgang.“ Das Problem mit der apokalyptischen Alles-oder-Nichts-Politik: Wenn das Ergebnis nach mehreren Monaten nicht „Alles“ ist, interpretieren es die eigenen Leute als „Nichts“, sind frustriert und gehen wieder.

  • 23-02-04 Array [month] = Array [month +1]

    23-02-04 Array [month] = Array [month +1]

    Das diesjährige Berlinale-Poster zeigt keinen Bären. Ich prangere dies an! Zum Glück kaufte Madame vor kurzem einen Küchenkalender, dessen Februar-Bild zufällig einen Bären abbildet. Eine kurze Websuche führte mich auf die Berlinale-Seite. Ich wollte schauen ob es schon ein Programm oder Tickets gibt. Aber nichts: Das detaillierte Programm wird am 7. Februar veröffentlicht, Tickets sind ab dem 13. Februar erhältlich.

    Ich stellte diese Woche den Plan auf, nur dreimal die Woche zu bloggen, und werde diesen Plan gleich brechen. Ich prangere dies an! Aber morgen ist WMDEDGT (Was machst du eigentlich den ganzen Tag), und da geht es dann ja nur um Sonntag, nicht um Freitag und Samstag.

    Am Arbeitsradweg stehen derzeit an der Autobahnauffahrt keine Polizist*innen und auch niemand klebt sich fest. Die Kleber*innen betreiben aktuell in Thailand Selbstfindung. Wie unfassbar dämlich kann man sein?

    Die Klebenden-Dämlichkeit beschäftigt mich mehr als sie sollte und als gut für mich ist. Aber wie unfassbar dämlich kann man sein? Dazu passend: Auf Google Drive standen für Journalisten zugängliche Listen der Letzten Generation. Diese „enthielten unter anderem Telefonnummern [von Interessenten], E-Mail-Adressen, Wohnorte, Angaben zu besuchten Seminaren und Trainings, Angaben zur Bereitschaft, im Rahmen von Protesten ins Gefängnis zu gehen, sowie teilweise Details über ihre Lebenssituation und Auszüge aus E-Mails“.

    Gut, dass ich jegliche gedankliche Abschweifungen zum Thema Weltrettungs-Dämlichkeit einfangen kann, in dem sich die Gedanken auf die „Einführung in die Objektorientierte Programmierung“-Klausur in anderthalb Wochen lenke. Bei den Übungsaufgaben verstehe ich 90% der Fragestellungen so gut, dass ich sie Außenstehenden erklären könnte und auch den Sinn dahinter. Ebenso 80% der Musterlösungen. Bestehen würde ich noch nicht. Aber ich habe noch einige Lerntage Zeit, um die entsprechenden Wissensbrocken in die „Stehen-auf-Abruf-bereit“-Register meines Hirns zu laden.

    Letztens las ich von der Lehrmethode: „Nur wenn alles aus einem Teilproblem verstanden ist, lehre man das nächste Problem.“ Ich würde dabei wahnsinnig werden. Ich brauche erst einmal einen Überblick über alles, quasi die grobe Themengebiets-Landkarte und dann gehe ich gerne ins Detail und schaue vor Ort. Hat die Lerntypenforschung schon etwas zum Thema gebracht „Menschen die erst in die Breite und dann in die Tiefe lernen“ hervorgebracht – beziehungsweise umgekehrt?

    Madame brachte ein Faxgerät zum Recyclinghof. „Unserer“ Hof, der mit dem Fahrrad oder Bus um die Ecke erreichbar war und sich gut eignete, um schwierigen Abwahl einfach loszuwerden, verschwand. Ich prangere das an. Sein Nachfolger ist eine halbe Tagesreise entfernt erfordert fast zwingend die Nutzung eines Autos.

    Gut mit der Tram erreichbar ist die Dominsel in Posen (województwo wielkopolskie). Diese bildet den Ursprung der Stadt – war allerdings immer geistiges Zentrum und wird seit langem als „ruhig, abgelegen“ beschrieben. Wie halt Kirchen so sind. Der Dom stammt in seiner heutigen Gestalt aus dem Jahr 1956. Nachdem die Zerstörungen des Zweiten Weltkriegs repariert wurden.

    Das Gebäude bezieht sich in einer Backsteingotik aus Reste aus dem 14/15. Jahrhundert, die durch die Weltkriegszerstörungen wieder freigelegt wurden. Bei unserem Besuch war es ungewohnt in einer Kirche der Backsteingotik zu stehen, die so deutlich katholisch ausgestattet war. Es fühlte sich fast falsch an. Dabei waren natürlich alle Backsteingotik-Kirchen zu ihrer Bauzeit katholisch.

    Die Dominsel war leer. Das Haupttor war verschlossen.

    Bronzetür des Doms mit fischförmigen Griffen.

    Zuerst waren wir zur zweit in der Kirche, danach kam eine geführte Tour, deren Geplapper aber räumlich begrenzt blieb. Wie in vielen großen Kirchen fühlte ich mich in der Kirche wie in einer kleinen Stadt. Die ganzen Seitenkapellen, der Eigang zur Krypta, die verschiedenen Schiffe und der Chor – was natürlich dadurch ergänzt wurde, dass die Dominsel selber schon eine kleine Stadt mit einigen Wohnhäuser, archöologischen Denkmalen, zwei Museen und einer weiteren Kirche ist.

    Neben Java-Exceptions und Errors, Bubble Sort, Merge Sort und Quck Sort, schweifte mein heutiger Rechnertags-Geist zur Sugo Marinetti. Filippo Marinetti war ein Futurist, der um 1930 den Italieniern die Pasta austreiben wollte. Er hätte am liebsten eine Ernährung aus Tabletten und Pasten eingeführt.

    Von seinen Küchenideen blieb wenig übrig. Das Kochbuch “La Cucina Futurista“ ist vermutlich noch im Gebrauchtbuchhandel zu bekommen (sehr schöne Besprechung hier). Kulinarisch bleibt er vor allem mit der Pastasauce Sugo Marinetti in Erinnerung. Die entstammt einem Kochwettbewerb der Zeitschrift „La Cucina Italiana“ aus dem Jahr 1932, an dem Marinetti als Juror teilnahm. Warum er, der zwei Jahre vorher noch die Pasta an sich abschaffen wollte, sich dafür fand? Nicht nur die Klimabewegung ist inkonsequent.

    Das Sugo besteht unter anderem aus Tomaten, Artischocken, Schinken Sardinen und Pistazien.

    Als ich in dieses Internet-Kaninchenloch fiel, brachte ich auch anderes mit:

    La Cucina Italiana schreibt (anscheinend nur in der englischen Ausgabe) über die Ursprünge der Zeitschrift: Dinner at Delia’s: the Birth of a Magazine

    Auf italienisch gibt es noch: La cucina futurista.

    Und da sowohl die Futuristen als auch die frühen Jahre der Cucina enge Verbindungen zum italienischen Faschismus haben, vorsichtshalber auch: Pastasciutta antifascista.

    Jetzt aber erstmal kochen. Die Miss-South-Oliven-Zitronen-Klößchen verlangen nach Beilagen.

  • 23-01-06 Eins, zwei Polizei

    23-01-06 Eins, zwei Polizei

    Kollege P möchte am Montag beim Strategieworkshop mit nacktem Oberkörper einradfahren und dabei mit vier Bällen jonglieren. Vielleicht habe ich aber auch etwas falsch verstanden.

    Madame setzte ihre Forschungreihe zu Fahrradmonteur:innen fort.

    Ich bin zu wochen-end-müde für Integralrechnung (und recht optimistisch für die Zeitplanung meine Einreichaufgaben), so dass ich mir einen freien Abend gönne. Während Madame weiter The Crown schaut, las ich in Granta und finde, die heute gelesene Kurzgeschichte hat zuviel Berghain-Bezug.

    Es war der Tag der zwei Polizeieinsätze:

    Polizeiwagen steht zwischen zwei Bürohäusern. Spätabends, es hat geregnet, künstlicher Lichter spiegeln sich, im Hintergrund ein Sonnenuntergang.
    Dieser Polizeiwagen hat mit keinem der Einsätze zu tun, stand aber dekorativ herum.

    Morgens, auf dem Weg Richtung meiner üblichen Klimakleberautobahnabfahrt denke ich noch: „Keine Polizei bewacht die Abfahrt. Wie seltsam“, während mich ein Kleinbus mit Blaulicht wild überholt und die dort schon klebenden Mitglieder der letzten Generation umschwärmt.

    Ich unternehme ja zwangsläufig eine Langzeituntersuchung dieser Abfahrt. Und nur wenn ich beim Vorbeiradeln denke „Naja, keine Polizei heute?“ oder „Nanu, das ist wenig Polizei“ wird die Abfahrt später beklebt. Was ein unglaublicher Zufall sein kann. Oder sie haben Quellen in der Polizei. Oder die letzte Generation hat Spähposten, die alle in Frage kommenden Stellen abfährt und Meldung an die Zentrale gibt.

    Polizeieinsatz Nummer 2, Rückweg: Ich stehe an einer roten Fußgängerampfel. Plötzlich will neben mir eine Jugendliche auf Leih-E-Roller über die Straße fahren, fährt aber leider in die Fahrertür eines vorbeifahrenden Kleinwagens. Roller strauchelt, Kleinwagen fährt weiter. Direkt hinter dem Kleinwagen eine Polizei, die sich erstmal erkundigt, ob jemand verletzt ist. (Nein, alle okay.) Doppelzweifel an der Menschheit: warum fährt man mit seinem E-Roller orthogonal bei Rot auf eine stark befahrene Straße? Warum hält man mit dem Auto nicht an, wenn einem gerade ein E-Roller in die Tür geraten ist? Dem/r Fahrerflüchtigen wünsche ich auf jeden Fall eine verbeulte Tür.

    Deutlich drastischer als Polizei geht es bei Geheimdiensten zu. Dawn (Democracy for the Arab World now) berichtet, dass 2020 zwei Wikipedia-Administratoren Ziyad al-Sofiani und Osama Khalid aufgrund ihrer Wikipedia-Tätigkeit zu acht bis 32 Jahren Gefängnis in Saudi-Arabien verurteilt wurden. Es liegt nahe, dass die Geschichte mit den 16 überraschend durch die Wikimedia Foundation gesperrten Wikipedia-Accounts zusammenhängt. Die Wikimedia Foundation allerdings gibt nur extrem kurz angebundene und kryptische Statements zum Thema ab.

    Abendessen: Pan Haggerty mit Wirsing nach Miss South. Erstaunlich, dass der Slow Cooker aus so simplen Zutaten (Sellerie, Kartoffeln, Roter Beete) soviel Aroma herauszaubern kann.

  • 23-01-04 The vessel with the pestle

    23-01-04 The vessel with the pestle

    Ich wurde klimaklebeblockiert. Mit dem Fahrrad. Mein morgendlicher Radweg ist zwar kurz, führt aber an ein bis drei Autobahnausfahrten vorbei. Eine davon war beklebt. Die Kreuzung drumherum ein großes Verkehrstohuwabohu und die Polizei versuchte Ordnung hineinzubringen. Naja, und so stand ich ziemlich lange mit dem Rad herum und hoffte auf durchkommen.

    Eine autofahrende Frau beschwerte sich Richtung Fahrbahnsitzende „Ihr Faulpelze“. Das ist der letzte aller denkbaren Vorwürfe: Frühmorgens aufstehen, an ein Stadtende fahren, sich im kalten Regen festkleben und dann noch mit Autofahrer:innen rumstreiten, „faul“ ist das sicher nicht.

    Aber ich nehme das eh alles nicht persönlich: sie wollen einfach nur ins Fernsehen.

    Madame fuhr in die Hafenstadt und suchte ein Ventil.

    Ich erfreute mich an den Erinnerungen an „The Court Jester“ (USA, 1956; auf deutsch der Hofnarr); endlich füllte ich gestern Abend meine Bildungslücke zur Frage woher das Zitate „Der Kelch mit dem Elch, und der Becher mit dem Fächer“ (bzw. „The Vessel with the pestle and the chalice from the palace“) kommen. Falls Euch das alles nicht sagt: die Bildungslücke ist füllenswert.

    Liegender männlicher Elch, der zur Seite schaut. Ansicht von vorne, das heißte Brust und eine Seite des Kopfes sind zu sehen.
    Elch ohne Kelch. Bild: Close view of head with antlers of young bull moose von: aubenstein Karen, U.S. Fish and Wildlife Service Lizenz: This work has been released into the public domain by its author, Laubenstein Karen, U.S. Fish and Wildlife Service.

    Heute noch gelernt: Glynis Johns, die Darstellerin von Maid Jean in dem Film ist aktuell die älteste lebende Disney-Legende, der/die älteste lebende Schauspieler:in die für einen Oscar nominiert wurde und der/die einzige lebende Darstellerin aus dem Original-Batman. (und vermutlich auch die einzige lebende Darstellerin aus The Court Jester).

    Ich fände es schön, wenn Schauspieler:innen heutzutage standardmäßig singen, tanzen und fechten könnten.

    Das Dach auf dem Hinterhaus hat in Teilen Dachziegel. Vielleicht wird diese eine Baustelle beendet.

    Die Schwimmhalle Ernst-Thälmann-Park eröffnet nach Sanierung am 9. Januar wieder für das Publikum.