Schlagwort: Komische Oper

  • 26-02-28 Frischluftfleisch

    26-02-28 Frischluftfleisch

    Der Träger des FIFA-Friedenspreis für herausragende Leistungen für Frieden und Völkerverständigung startet einen Großkrieg in Nahost und das kann man sich alles gar nicht ausdenken.

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    Die S-Bahn sagte mir durch „Wegen Bauarbeiten auf den Linien S… .. … finden umfangreiche Bauarbeiten statt.“

    Keine erkennbaren Bauarbeiten finden weiterhin auf dem rolltreppenlosen Bahnhof Südkreuz statt.

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    Mir wurde eine neue Telefontechnik entdeckt: 30 cm vom Mund entfernt halten und dann reinbrüllen. Immerhin weiß ich jetzt alles über das letzte Bewerbungsgespräch der Telefonierenden.

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    Tischtelefone gibt es immer noch und wieder im Café Keese. Dieses passierten wir als dort ein Film gedreht wurde. An der Straße stand die übliche Karawane der 30 Crew- Bühnen- Catering- und Materialwagen. Der Eingang ausgeleuchtet mit Schweinwerfern und in Lametta getaucht. Direkt danaben eine Kiste „15 x Bommel, 2 x Haushalt.“

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    Kaum diskutierten wir hier über Auerhühner in den Vogesen und im Schwarzwald, da setzte die Regionalzeitung „Die Rückkehr der Auerhühner in die Lausitz“ auf die Titelseite.

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    Kaum diskutierten wir, ob Shisha-Bars noch in sind, lasen wir dass der Berliner Bürgermeister Kai Wegner und der Berliner SPD-Fraktionschef Raed Saleh regelmäßig zur Shisha im Charlottenburger Restaurant Palace treffen.

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    Madame bestellte eine 2002 gestaltete Mid-Century Deckenlampe für unsere Mid-Century-Baudenkmal-Wohnung. Die Post lieferte Kabelmanagementbedarf in die Packstation.

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    Es war ein Arbeitsfreitag und ein Gartensamstag mit Oper und Angrillen.

    Datteln

    Vor die Oper setzen wir den Dönerteller. Rüya am Ernst-Reuter-Platz1 befindet sich nicht nur in Laufweite des Schillertheaters, sondern bietet auch ganz vortreffliche Dönerteller. Wenn die Oper um 19 Uhr beginnt, stellen wir uns um 17.35h in die Bestellschlange, bestellen um 17:42h und wundern uns, dass uns kurz darauf eine Schale Datteln frei Tisch serviert wird.

    Kurzes Stutzen. Dann gleiten uns nacheinander die Gedanken „Ramadan“, „Fastenbrechen“, und „wann ist das heute?“ ins Hirn. Ein Blick in das Mobilgerät: Iftar war um 17:40h. Wir haben perfektes Timing. Und perfekter Dönerteller wie immer. Aufgewertet dadurch, dass der plötzliche Pseudofrühling, der gerade über uns hereinbricht, uns an die Außentische verleitete. Alles schmeckt besser, wenn es im Freien gegessen wird.

    Скука = Skuka = Langeweile

    Es begann mit einem Hinweis:

    Screenshot: Bitte beachten Sie: Die Inszenierung enthält Darstellungen körperlicher und sexualisierter Gewalt/Vergewaltigung. 

Eine anregende Vorstellung wünscht Ihnen Ihr Besucherservice der Komischen Oper Berlin

    Bitte beachten Sie: Die Inszenierung enthält Darstellungen körperlicher und sexualisierter Gewalt/Vergewaltigung.

    Eine anregende Vorstellung wünscht Ihnen Ihr Besucherservice der Komischen Oper Berlin

    Zwei Tage vor jedem Besuch bekommen wir eine Mail der Komischen Oper. Normalerweise enthält die ein paar nette Worte zum Stück, einen Hinweis auf die Einführung eine halbe Stunde vor Beginn und den Hinweis. auf nicht vorhandenen Parkplätze. Dieses mal also mit Triggerwarnung.

    Und ehrlich gesagt war das jetzt weder das Bewegendste noch das Herausfordernste der Oper. Ich verstand, warum Barrie Kosky diese Oper seit vielen Jahren inszenieren will – aber auch, warum er so viele Jahre zögerte es zu tun. That was intense. Wir wurden zweieinhalb Stunden am Kragen gepackt, durch die Gegend geschleudert, durchgewalkt, hochgehoben und in groteskte Tänze gezwungen. Sowohl musikalisch wie auch in der Inszenierung.

    Bei der Tragödie ist das Ende durch die Ausgangskonstellation schon festgelegt

    Deshalb beginne ich mit dem einfachsten Teil: dem Plot. Die Oper beginnt mit einem Arioso der Katerina Ismailowa (gesungen/gespielt von Ambur Braid), die auf dem russischen Dorf als Ehefrau eines an ihr uninteressierten Kaufmanns im Goldenen Käfig vor Langeweile („Skuka“ / Скука) vergeht. Einzige Gesellschaft ist ihr herrschsüchtiger/sadistischer Schwiegervater mit seiner Vorliebe für „Pilzchen“ (грибки /gribkí) zum Essen.

    Es kommt wie es kommen muss. Katerina beginnt eine Affäre mit dem Arbeiter Sergej ihres Mannes. Um nicht enttarnt zu werden, vergiftet sie die schwiegerväterlichen gribki mit Rattengift. Ihr Mann kommt ihr trotzdem auf die Spur, zeigt zum ersten Mal Aufmerksamkeit für sie indem er sie verprügelt, was auch sein Ende besiegelt.

    Katerina heiratet Sergej, die Hochzeit wird von der Polizei gesprengt, Katerina und Sergej finden sich wieder auf dem Marsch ins Lager nach Sibirien. Dort will Sergej von Katerina nichts mehr wissen. Katerina ermordet erst seine neue Geliebte und dann sich selber.

    Frei nach Tschechow: Wenn du ein Paar Strümpfe im vierten Akt einführst, dann musst du sie auch benutzen

    Es begann, indem Katerina Ismailowa auf dem Bauch lag und sang. Und so wenig ich praktisch vom Singen verstehe, desto sicher bin ich mir, dass bäuchlings eine sehr ungeeignete Position dafür ist.

    Die Besetzungsliste der Oper kennt 19 Rollen. Aber eigentlich ist es ein Ein-Personen-Stück der Katerina Ismailowa. Was Ambur Braid in den 150 Minuten über die Bühne, auf dem Bühnenende, auf und unter dem Bett lief, sprang, rollte, gezerrt wurde, geschubst wurde, schubste, kletterte – durchgehend barfuss oder in High Heels – wäre schon eine krasse Meisterleistung wenn sie niemals den Mund aufgemacht hätte.

    Aber sie hat auch noch fast durchgehend gesungen, keine einfache Partie führwahr.

    Der Trailer gibt einen ziemlich guten Eindruck der Inszenierung.

    Die Unbarmherzigkeit der Tänze

    Wenn Du auf dem Rang sitzt und siehst die acht Zusatzblechbläser in den Orchestergraben einmarschen, dann weisst du: Gleich ist was los.

    Die Lady Macbeth von Mzensk war Dmity Schostakowitschs zweite (und letzte) Oper. Sie feierte nach ihrer Uraufführung 1934 rasende Erfolge, bis Stalin 1936 einer Aufführung beiwohnte. Stalin hasste sie und verbannte Schostakowitsch für den Rest seines Lebens zu einer Existenz als gefeierter Staatskünstler, der immer den Koffer bereit hatte, weil die Zwangsabreise ins Gulag drohte.

    Dazu führte auch dazu, dass der immer noch wilde ausgelassene Schostakowitsch nach 1936 nur noch die vorsichtige gezähmte Version desjenigen Schostakowitsch war, der noch Lady Macbeth von Mzensk geschrieben hatte. Musik zwischen Verzweiflung, „Pornophonie“, Lärm, grotesken Tänzen, entstellter Zirkusmusik und dem Trauermarsch nach Sibirien. Schostakowitsch arbeitet sich durch ein musikalisches Repertoire in hohem Tempo, stellt es um, entstellt es und setzt es wieder zusammen.

    Das ist zum Zuhören eine einzige Achterbahnfahrt. Ich will gar nicht wissen wie es zu spielen oder zu singen ist.

    Blick auf das Schillertheater zur Blauen Stunde kurz vor Vorstellungsbeginn. Im Vordergrund das "Komische Oper" Schild, die Ankündigung von Lady Macbeth von Mzensk, das Gebäude von innen beleuchtet, Menschen warten

    Der Begriff „Krokanten“ ist das „zum Bleistift“ unserer Generation

    Nur der Feuerdorn hat Frostschäden

    Eigentlich hätten wir nach dieser Oper einen Tag Erholung benötigt. Aber unsere Arbeitgeberinnen wollten uns Freitag noch sehen, so dass wir entsprechend durchgewalkt ins Wochenende wandelten.

    Aber dann: Latifundien, Sonne, Garten! Nach Silvester die zweite Übernachtung des Jahres und der erste Aufenthalt ohne Heizung, fast überwiegend draußen.

    Madame legte Schneeglöckchen frei. In den 24 Stunden unsere Aufenthalts zwängten sich allüberall Narzissen durch die nasse Erde. Kraniche tröteten, eine Gänseschwarm graste den Acker jenseits des Zauns ab. Über der Haustür kreiste ein Rotmilan. Noch ist alles braun und gelb und schwarz. Aber es ist auf dem Sprung.

    Kammspieß und Rinderhack

    Herzigster Moment der Tage: das fröhliche Lächeln, fast Lachen der Fleischfachverkäuferin, die uns seit Monaten das erste Mal sah. Deren Fleischerei ist seit Herbst baustellenabgeschnitten von ihren Kund*innen. In den Monaten, die wir nicht mehr in den märkischen Hapmtons waren, hat sich Rinderstolz&Wildelust einen Verkaufswagen zulegt und vagabundiert.

    Aber wir fanden sie!

    Und sie freute sich! So schön.

    Fast genauso schön: Angrillen mit Rote Beete, Blumenkohl, Spießen vom Schweinekamm und Burger-Patties aus Rinderhack.

    Vamos a la Theater

    I recently spent a few months in one of these abandoned timelines: the one where the microwave oven replaced the stove. First, I had to get myself a copy of the world’s saddest book. Microwave Cooking, for One (via onli blogging)

    Vom Puschel Herdwick-Wolle zum Band. Und einer der besten Italopop-Songs aller Zeiten. Und Mimosen. In einem Post! 2026 #8 / #9 – Herdwick-Wolle verarbeitet und zum Band verwebt

    Die Kaltmamsell war im Theater und „das Stück Istanbul“ möchte ich auf jeden Fall sehen, wenn es in der Nähe gespielt wird.

    Heiko versucht ein Jugendkonto für seine Tochter zu eröffnen und scheitert an der KI: ING – Das Gesamtbild und das System entscheidet

    Noch nie im Leben hörte ich von Sendai. Gut, dass Claudia hinfuhr und berichtet: Ein Tag in Sendai.

    Künstliche Bauchpinselung

    Letztens spielte ich ein bißchen mit dem Haselant und einem knappen Dutzend bekannter und regelmäßig schreibender Blogs: „Wenn es verfilt würde, wer würde die Hauptperson darstellen“.. „welche*r Autor*in ähnelt es im Stil“, welcher Myer-Briggs-Typ ist es. Halt lauter Unfug, dessen Ergebnisse mal mehr oder weniger sinnvoll waren.

    Eine der Antworten, die mich am ehesten überzeugte war spannenderweise „Wenn dieses Blog ein Tanz wäre, dann wäre es.“ Bei „.. wäre ein Foxtrott“ oder „.. wäre ein Wiener Walzer“ dachte ich sofort „stimmt.“

    Natürlich habe ich auch Iberty gefragt. Iberty ist Lindy Hop: „Cut, Break, Improvisation, Call-and-response. Popkultur und Straße, Energie und plötzliche Ruhe. Viele kleine „Moves“ hintereinander, und doch hält ein Groove alles zusammen.“ Zusammengefasst auf einen Song: Caravan Palace – Lone Digger. Ich fühle mich ausreichend gebauchpinselt.

    Anmerkungen

    1. Für die zahlreichen Menschen, die sich wie wir fragen, warum es einen Rüyam in Schöneberg gibt und einen Rüya in Charlottenburg, mit offensichtlich sehr ähnlicher Gestaltung, Konzept und Döner, hat Felix B. aus Riegel am Kaiserstuhl auf Tripadvisor einen Hinweis: „das „Rüya“ in Schöneberg nennt sich nach dem Verkauf nun Rüyam und die jetzigen Inhaber versuchen mit Kräften diesen beschriebenen Spirit am Leben zu halten.. Etwas fehlt. Und was genau, das weiß man spätestens, wenn man das neu eröffnete Rüya (in der ursprünglichen Schöneberger Besetzung) entdeckt & besucht hat.“ Als Menschen, die das Schöneberger Rüya im Verschlag kannten und liebten, haben wir keine Möglichkeit die Story zu überprüfen. Aber sie klingt plausibel: das Charlottenburger Rüya ist in Spirit und Essen näher am alten Schöneberger Rüya als das heutige Schöneberger Rüyam. ↩︎
  • 26-01-06 Einblick in die Zauberküche

    26-01-06 Einblick in die Zauberküche

    Die Sonntagszeitung kommt wieder. Wir hatten sie wegen des voraussehbaren Umzugschaos abbestellt. Auch scheint der Zeitungsbote auf Anhieb in der Lage, den Briefkasten zu finden.

    Die Motorsäge verschwand. Zia und zio holten sie ab und brachten sie zurück nach Wochenend-West, wo sie hingehört. Nicht ohne Dominosteine und Lebkuchen mitzubringen und mit uns zusammen Nüsse, Marzipan und Kiwis zu verzehren.

    Ein neues Polster für das Schaukelschaf kam.

    Das Internet kommt noch nicht wieder. Aber wir haben eine neue spannende Abenteuer in den Untiefen der Bäder erlebt. So hatten wir einen Einblick in das derzeit geschlossene Bad-Bistro, an dessen ehemaliges Dasein nur der Aufkleber Zauberküche an ebenjener erinnert. Und wir sind einen großen Schritt weiter (hoffentlich), was die Fehler-Behebung angeht. Übermorgen kommt der Telekom-Techniker und dann wissen wir mehr.

    Nach Wochen des Rumüberlegens bestellte ich mir für schmalen Taler einen kleinen Label-Drucker. Ich freue mich, wie ein kleines Kind, dem eine Trommel versprochen wurde. Was ich alles mit Labeln bekleben werde können!

    Mir träumte, dass ich in einer kleinen Bibliothek am Bücherregal stehe und etwas suche, als sich mein alter Mitabiturient Ingo aufdrängt. Den habe ich zwar seit 1995 nicht mehr gesehen, aber sein Verhalten war realistisch geträumt. Bevor es allerdings zu einer Auseinandersetzung kam, sahen wir eine eine handtellergroße weiße Spinne und versuchten diese durchs Fenster rauszuwerfen.

    Es waren zwei Tage der Arbeit und des Schnees.

    Wutbürger

    Ausgelesen: Vincenzo Cerami: Ein ganz normaler Bürger. Ein Roman geboren aus den Spät-68ern und dem Aufruhr der Zeit, aber porträtierend eben das, einen ganz normalen Bürger (italienischer Titel: Borghese piccolo piccolo): Einen Ministerialbeamten zur Bearbeitung von Ministerialbeamtenpensionen, dessen größter Lebenstraum es ist, dass sein Sohn eine Ministerialbeamter höherer Stufe als er selber wird.

    Mir missfiel: Der Plot-Bogen „Normalen Menschen wird schlimmes angetan und dann nimmt er grausam Rache“ war vermutlich schon in den 1970ern ausgelutscht, und er wurde seitdem nicht besser. Wie es sich bei der Thematik gehört, ist es ein reines Männerbesuch: die einzige Frau vegetiert erst geistig vor sich hin, dann trifft sie der Schlag und sie vegetiert auch körperlich und dann stirbt sie, weil ihr Mann die pflegebedürftige Frau aus Versehen ignoriert. Alles andere: Männer.

    Mir gefiel: Es war eigentlich kein Plot-Bogen. Eher werden alle drei Tote des Romans in den Alltag hineingesogen. Alle drei Morde passieren fast beiläufig. Der eigentlich Mord bekommt selten mehr als einen Satz Raum, anderes – Angeln, die Freimaurer, die Position des Bettes – ist viel wichtiger.

    Fast möchte ich Arendt zitieren: die Banalität des Bösen. Aber es auch nicht richtig böse, eher aufgewühlt, ein wildes Herz gefangen im Leben eine kleinen Kleinbürgers.

    Do not Rag the Bone

    Was für ein niedliches Konzert!

    Wir waren in einem Kammerkonzert der Komischen Oper im Schillertheater. Es ließ sich nicht anders als puschelig bezeichnen. Genau eine Person am Einlass, eine Person an der Bar, eine handvoll (100 bis 150) Stapelstühle für das Publikum und eine improvisierte Bühne im Foyer gegenüber der Bar.

    Nicht geplant war allerdings, dass das Programm sich immer weiter zusammenstrich. Das als „Kammerkonzert 3 – Rhythm is a Dancer – Mit Minimal Music und Jazz ins Neue Jahr“ angekündigte Konzert immer mehr Minimal Music und Jazz verlor. Denn erst fiel der geplante Erste Geiger aus und wurde nachträglich durch den Konzertmeister ersetzt. Das Online einsehbare Programm schrumpfte von vier oder fünf Minimal-Music-Stücken auf zwei.

    Dann fiel die Fagottistin noch kurzfristiger aus und das Jazzige Jazz Stück von Wynton-Marsalis-Stück für Fagott und Streichquartett wurde gestrichen. Und dann hatte die Bratsche Hand, das Konzert wurde auf halber Strecke unterbrochen und dann noch mal Stücke in der Wiederholung gespielt.

    Damit bestand „Minimal Music und Jazz“ aus etwas zwei Minuten Minimal Music, einem jazzartigen George Gershwin und vor allem aus Antonín Dvořák.

    Was in Großer Oper echt anstrengend gewesen wäre, wirkte (zumindest auf das Publikum) in der nahbar-intimen Atmosphäre dieses Konzerts vor allem sehr zugänglich, menschlich und als Blick hinter die Kulissen. Ob mit oder ohne Schrumpfprogramm empfand ich das als Wiederholenswert.

    Gespielt wurde (in der zweiten Inkarnation, schon mit ausgedünntem Adams):

    • John Adams: John’s Book of Alleged Dances: »Hammer & Chisel«
    • Florence Beatrice Price [1887–1953]: Streichquartett Nr. 2 a-Moll
    • John Adams John’s Book of Alleged Dances: »Rag the Bone«
    • Wynton Marsalis [*1961]: Meeelaan
    • PAUSE
    • Antonín Dvořák [1841–1904]: Streichquartett Nr. 12 F-Dur (»Amerikanisches«)
    • George Gershwin [1898–1937]: Variations on I Got Rhythm (Bearbeitung für Streichquartett von Matthew Naughtin)

    Es spielten: Violine: Ga­bri­el Ad­or­ján/Fuyu Iwaki, Viola: Julia Lindner de Azevedo Conte, Cello: Arne Christian Pelz

    Auf dem Weg zum Schillertheater

    Reden, nicht handeln

    Mich wundert, wie sehr alle Kommentare die Selbstbezeichnung der „linksextremen Vulkangruppe“ glauben, welche die Berliner Stromkabel abgebrannt haben. Selten habe ich Aktionen gesehen, die sich so wenig „links“ anfühlten, selten sagt mein komplettes Bauchgefühl so sehr „das ist nicht so wie es scheint“ und selten scheint es fast niemand anderen so zu gehen.

    Nach allem was ich über die Extreme Linke weiß, sind in der Linkenaußenschicht alle immer viel besser darin zu reden und zu schreiben als darin, wirklich zu handeln – nicht umgelehrt. Jede Linke Gruppe, die ich kenne, hätte, hätte sie jemals eine Aktion mit einem Zehntel der Durchschlagskraft wie die Vulkanaktionen, durchgeführt, danach 10 Jahre lang täglich Infoblätter produziert und sich unter öffentlichkeitswirksamen Diskussionen dreimal gespalten vor der nächsten Aktion.

    Alle Linken Gruppen haber aber auch ein großes semilegales Umfeld, dass ihr Reden verstärkt und in die Welt trägt. Radikale Linke ohne dazugehörige Szene ist nicht vorstellbar. Linke lieben hochsymbolische Aktionen mehr als Aktionen gegen unsexy Infrastruktur.

    Die Vulkangruppe macht nun das absolute Gegenteil – selten sah ich jemand, der so wenig linksextremen Stallgeruch hat. Selten dachte ich, das schreit so unfassbar nach hybrider russischer Kriegführung. Und niemand schreibt es! Außer jetzt Enno Lenze und seine Experten für hybride Kriegführung: Stromausfall in Berlin – kyrillische Fehler im Text?

    Auch ausführlicher Schreiben sollte ich darüber, dass wir in dieser krisenhaften Zeit ausgerechnet des Kanzler des verkörperten Neoliberalismus gewählt haben. Denn Neoliberals Marktdenken widerspricht fundamental der Vorbereitung auf eine Krise.

    Marktwirtschaft möchte, dass Ressourcen effektiv genutzt werden. Das bedeutet: Perfektion ist erreicht, wenn sämtliche verfügbaren Ressourcen unter maximaler Dauerlast laufen. Wenn eine Ressource verschwindet (weil sie zum Beispiel verbrannt wird), gibt es Nachfrage und Beanspruchung, die zeitweise nicht gedeckt wird. Das ist gewollt. Resilienz bedeutet umgekehrt, ungenutzte Ressourcen „als Reserve“ zu haben, um diese im Falle einer Krise einsetzen zu können. Wenn eine Ressource wegfällt, gibt es andere, die einspringen können.

    Aber genug dazu.

    Creepy Neo

    Weil ich mich auf den Wynton Marsalis echt gefreut hatte, hier wenigstens eine Video-Aufnahme: Louisville Orchesta: Meeelaan by Wynton Marsalis.

    Samantha Schweblin schrieb 2021 mit Hundert Augen einen dystopischen Roman über Kuscheltier-Roboter in westlichen Wohlstandsgesellschaften, die in Wahrheit von Menschen in Indien und anderen Ländern ferngelenkt werden. Und in dieser Welt zu dieser Zeit muss jede Dystopie natürlich sofort auch umgesetzt werden: Oder sowas wie NEO, der vor ein paar Monaten vorgestellt wurde. NEO soll dieses Jahr für 20.000 Euro in den Verkauf gehen – und wird dann von einem Remote-Worker irgendwo in Indien gesteuert, weil er selber nichts kann.

    Die Kaltmamsell im Friedrichstadtpalast.

    Shift Happens im Scheibflasch. Der Artikel, der so tut als ginge er um Dance Dance Revolution nerdet eigentlich extrem zum Thema „Pfeiltasten auf dem Keyboard.“ Loving it!

    Ich habe immer noch keinen echten Bubble Tea getrunken und bin umso faszinierter von Legos Boba Quest durch New York. Er testete: ChaHalo in Long Island City, right in between the Queens Plaza station (E, F, R) and Court Square (7, E, F, G, R)

  • 25-09-25 Menschen betrachten bei Nutzung ihrer Software

    25-09-25 Menschen betrachten bei Nutzung ihrer Software

    Ricarda Lang studiert ab dem Wintersemester an der Fernuni Hagen auf den Master. Willkommen.

    Madame eskalierte ihr neues 3D Tetris.

    Madame entdeckte einen handwerklichen Schumacher (und Maßschuhhersteller – aber das erst wenn ich groß und reich bin). https://Schuhmachermeister.net ist nett. Im positiven Sinne. Erfreulicherweise scheint er auch nicht älter als wir – er wird also auch nicht gleich in Rente gehen kurz nachdem wir ihn fanden. Ich lachte laut bei Lektüre der Website: „Seit 2016 ist Hund Amy mit im Geschäft und hat mittlerweile eine führende Position übernommen.

    Die BioCompany feiert Oktoberfest. Das bedeutet Weißwürste für uns. Auch sah ich ein BioCompany Liefer-Fahrrad. Bedeutet das, sie macht jetzt auch Hauslieferungen?1

    Der ADAC eröffnet tatsächlich ein neues Fahrsicherheitszentrum in Oberkrämer.

    Der Bezirk Tempelhof-Schöneberg eröffnete endlich den Radweg auf der Grunewaldstraße.

    Deformation professionelle: Wenn ich privat mit Leuten zu tun habe, die an Computern sitzen (zB Sachbearbeiter in Banken, die Person am Empfang beim Arzt etc.) muss ich schauen, was für Geräte so rumstehen, wie sie verkabelt sind und ob und wo der Inventar-Sticker ist. Auch spannend natürlich: Welche Software wird benutzt (Branchenlösung? Microsoft? Was ganz anderes?) und wie fließend sind sie um Umgang damit.

    Aus Faulheit nahm ich den Bus zur Arbeit und sah zu, wie eine Busfahrerin noch in die Strecke eingewiesen wurde. Er mit Klemmbrett neben ihr. Sie „Jetzt die Hauptstraße rechts?“. Er „Ja.“ Sie kommentierte launig Straße und Verkehr.

    Das erklärt auch, warum der Bus zwischen zwei Stationen kurz vor meinem Zustieg auf einmal sieben Minuten Verspätung sammelte. Da war wohl zwischendurch ein klärendes Gespräch nötig.

    Es waren drei Tage der Arbeit.

    In verschiedenen Programmen (Editor, VS Code) entdecke ich noch offene Dateien mit Resten der Bachelorarbeit. Es fühlt sich schon wieder Monate her an.

    Aus Neugier sah ich das erste Fernuni-Video zum neuen Semester „Willkommen im Modul Digitale Diversität.“ Ich lernte, dass der Lehrstuhl kein Gendersternchen oder ähnliches nutzt, weil es andere Gruppen (beispielsweise Menschen mit Lese-Rechtschreibschwäche) ausgrenzt. Jetzt bin ich gespannt, wie sie das Thema angehen: Denn ein generisches Maskulinum kann ich mir in diesem Modul auch nicht vorstellen.

    Neben den Maßschuhen entdeckte ich auch unbezahlbare italienischen Standherde. Die sehen wahnsinnig gut aus, kosten mehr als so manches gebrauchtes Auto und sind in Deutschland nur in Köln und Frankfurt erhältlich. Aber mensch braucht ja Ziele im Leben.

    Ansonsten scheint in DACH der Standherd eine aussterbende Gattung zu sein. Die Mittelschicht mutiert immer mehr zur Generation Einbauküche – ein Konzept das ich bis heute nicht verstehe, ästhetisch für schwierig halte und auch sonst eher unpraktisch finde.

    Mermaid

    Auch ich nutze gelegentlich Software, und bin gerade dabei, ein neues Spielzeug auszuprobieren: Mermaid. Das Programm erlaubt es, Diagramme als Text/Code zu formulieren und baut daraus echte optische Diagramme.

    Aus:

    flowchart LR
    A[Programm öffnen] –> B(Tippen)
    B –> C(Grafik erzeugen)
    C –> D[Grafik anzeigen]

    Wird theoretisch ein Flussdiagramm. Noch aber macht das Programm an überraschend vielen Stellen nicht das, was ich gerne von ihm hätte. Aber das wird.

    Vorteil: Kein Kästchenschieben! Vorteil: es lässt sich im Nachgang tausendmal einfacher anpassen und wiederverwenden. Nachteil: Rein optisch ist das Ergebnis eher so mittel.

    You’ll never walk alone

    Nach unserem zufälligen „Die-Megastars-des-Musicals“-Wochenende, versuche ich noch zu verstehen, was über mich hereinbrach. Erst Rodgers&Hammerstein am Samstag (The Sound of Music), dann Andrew Lloyd Webber am Sonntag (Jesus Christ Superstar).

    Erste Erkenntnis: Es lebe die Komische Oper. Die Version von Jesus Christ, die wir gesehen haben, warbesser gesungen und gespielt als alles was ich online dazu finde.

    Erste Erkenntnis im direkten Vergleich der beiden Erschaffer, Lloyd Webber ist das globale Musical mit Tourismusgarantie, während R&H deutlich regionaler amerikanischer geprägt waren. Das ist in Deutschland natürlich einfach zu beobachten, weil der eine ziemlich bekannt, die beiden anderen ziemlich unbekannt sind.

    Überraschung: Von R&H stammt die ultimate globale Fußballhymne (ausgerechnet): You’ll never walk alone.

    Noch eine Überraschung: Ein Jesus-Christ-Song (Last Supper) hat es mit geändertem Text ins evangelische Gesangbuch und ins Gotteslob geschafft. (Video Last Supper / Video Nimm oh Herr die Gaben die wie bringen )

    Keine Überraschung, wenn man bedenkt, wie wichtig R&H waren, doch eine Überraschung in Anbetracht der musikalischen Unterschiede: Lloyd Webber ist großer Rodgers-Fan:

    In his tickling memoir, Lloyd Webber reveals that his admiration for Rodgers—which began when, as a kid, he saw his dad moved to tears by a recording of “Some Enchanted Evening”—got him teased as a young Londoner in the 1950s.

    Während R&H-Musicals noch handlungsgetrieben waren, einzelne Songs Charakter oder die Handlung voranbringen, ist ALW Meister des durchgehenden Soundteppichs bei sich auflösender Handlung. Je mehr ich darüber nachdenke, desto mehr beschließe ich, dass ALW in seinen späteren Werken die Einbauküchen des Musiktheaters erschaffen hat: Durchgehend, glatt, für alle irgendwie anschlußfähig2.

    Endlich Grünkohl

    Es waren Tage des nachmittäglichen Treffens mit Madame an anderen Orten. Mittwoch: Im Bayerischen Viertel, Gemüsli abholen. Auch ich sah die Abholstation gegenüber der Polizeiwache. Hingehen -> Schloss öffnen -> Zettel mit den zugewiesenen Mengen studieren -> abwiegen -> einpacken.

    Falls ich wieder den Tara vergesse: Das Schälchen, das auf der Waage steht, wiegt 142 Gramm.

    Es gab Paprika, Tomaten, Kohlrabi, Zaphito, Salat, Ruccola, Salat und Grünkohl. Grünkohl! Es ist nicht alles schlecht am kommenden Winter.

    Home of the Grünkohl

    Lernlücken und dunkle Finnen vor dunklem Hintergrund

    Nachdem ich gerade eine intensive, und ich würde sagen am Ende erfolgreiche, Lernphase hinter mir habe, würde ich Diéssica Gurskas zustimmen:

    True learning is too disjointed, unpredictable, and fraught with setbacks. We obsess over minimising gaps between repetitions, but are these gaps learning breaks, or learning itself? (via Thomas)

    Einst in meiner Jugend schwor ich mir, später als alter Mensch nicht immer noch die Bands meiner Jugend zu besuchen, und dabei gleichzeitig zu verknöchern und mich selbst cool zu finden. Und Geld hab ich auch nicht, siehe italienischer Herd weiter oben, aber hey: Die Pixies in Leipzig! Meine Jahre des ernsthafteren Schreibens in Leipzig über Popmusik begannen mit einer SPEX-Ausgabe auf der Kim Deal abgebildet war. Ohje. Where is my mind?

    Ich bin fasziniert, wie der Rest Deutschlands es schafft, die beiden Münchner Großbaustellen komplett zu ignorieren. Heikos noch-Laufstrecke führt durch die baldige Baustelle „2. S-Bahn-Stammstrecke“

    Margit und Wally, nicht zur Kernzielgruppe gehörend, schauen KPop Demon Hunters

    Ilka schaut Schiffe.

    Karen empfindet Autofahren in Finnland als schwierig: Die 12 schwierigsten Monate im finnischen Strassenverkehr

    Ich empfinde eine „Hebbel-Arena“ in Wesselburen als schwierig.

    Karin gastheiratet in Norfolk und Shaked in Weil am Rhein.

    Anmerkungen

    1. Nachgeschlagen: Ja, bedeutet es. ↩︎
    2. Was eine hohe schwierige Kunst ist, nonetheless. ↩︎
  • 25-09-23 Die Köstliche von Charneux sollte jetzt geerntet werden

    25-09-23 Die Köstliche von Charneux sollte jetzt geerntet werden

    Unsere ganze Küche riecht nach Mango. Eine der angenehmeren olfaktorischen Begebenheiten meines Lebens.

    Ich will doch einfach nur Knöpfe oder Schalter. Warum hat heute alles Touchscreens und Fernbedienungen, wenn ich doch einfach nur einen haptischen Knopf möchte, den ich bedienen kann, auch wenn ich gar nicht hinsehe. Kippschalter for the win.

    Aber ich weiß ja: Knöpfe und Schalter, wenn sie Qualität haben, sind in der Herstellung teurer als Touchscreens. So sind die einzigen Gegenstände mit echten Schaltern entweder sehr schlecht und preiswert oder sehr teuer.

    Madame traf eine lang vergangene Aussicht auf ein anderes Leben wieder. Aber sie ging damals nicht ans Telefon und ist heute mehr denn je davon überzeugt, dass es richtig war.

    An „unserer“ Autobahnausfahrt steht ein neues ADAC-Schild neben einer Großbaustelle. Bekommen wir ein Fahrsicherheitszentrum?

    Der Kaptain kannte The Sound of Music schon.

    Es war ein halbes Wochenende auf den Latifundien, ein Sonntagabend in der Komischen Oper Tempelhof und ein Montag der Arbeit.

    Wobei ich mich an Montag schon nicht mehr erinnere.

    Last days of Summer

    Uns verabschiedeten Tagpfauenaugen. Diese nutzten das hoffentlich letzte heiße Wochenende des Jahres noch einmal die Latifundien auf- und abzufliegen.

    Madame weckte mich mit Kaffee und zwei frischen Himbeeren.

    Der bunte Frühherbsthimmel hatte uns am Samstagabend erwartet. Der Aufenthalt zwischen den beiden Musicals war nur kurz, aber er reichte um Rosen zu riechen und Birnen zu ernten. Genau dieses Wochenende war das perfekte für die Köstliche von Charneux, die uns vom Baum butterzart und wild durftend vom Baum entgegenfiel.

    Rest-Quallen in der Nordsee

    Die Fernuni kündigte eine Studienbriefs-Lieferung für den Master an. Noch aber habe ich bis zum 1. Oktober semesterfrei und kann einfach so andere Bücher lesen:

    Friedrich Glasl: Konfliktfähigkeit statt Streitlust oder Konfliktscheu. Ein Buch, bei dem ich gar nicht so genau weiß, wie es in meinen Stapel zu-lesender-Bücher kam. Und auch weiterhin bin ich unschlüssig. Glasl scheint ein Doyen der persönlichen Konfliktforschung und Mediation zu sein. Die Teile in denen er praktisch wird und seine Mediationsmethoden schildern klingen auf mich überzeugend.

    Aber er ist auch Antroposoph. In den „Theorie“-Teilen seines Buchs zitiert er teilweise abstruseste Rudolf-Steiner-Glaubenssätze. Das finde ich seltsam; es hat aber so wenig Bezug zum Rest des Textes, das ich damit leben könnte.

    Schwieriger finde ich unterschwellig durchscheinenden Ansatz – er ist natürlich zu intelligent, das so zu schreiben -, dass sich jeder Konflikt friedlich lösen ließen, wenn beide Parteien einander nur verstehen würden. Das halte ich bestenfalls für naiv und schlimmstenfalls für Leid-erzeugend, weil es alle Arten von Konflikten, in denen es zum Beispiel vor allem um Macht geht, eher verschlimmern und verstärken.

    Angelesen: Aleks Scholz: Badetagebuch – Schilderungen des Ganzjahresbadens in einer schottischen Meeresbucht. Immer nur Schnipsel, immer nur das Baden an sich und das unmittelbare drumherum. Ich lese Abschnittsweise, passend zur Jahreszeit: Habe August und September gelesen – die schlechtesten Monate in der Bucht.

    Siegfried Kracauer: Straßen in Berlin und anderswo. Auch angelesen. Wieder ein Buch kurzer Texte in einer derartigen Dichte, dass ich nicht mehr als eine handvoll Seiten am Stück lesen sollte, so lange ich volle Aufmerksamkeit für den Text habe. Lustig, dass das Buch mit zwei Texten von „anderswo“, nämlich ausgerechnet Paris, beginnt.

    Πιζζα

    Es sollte zur Komischen Oper gehen. Zu Jesus Christ Superstar.

    Vor die Oper setzt das Leben setzen wir das Essengehen. Die Komische Oper hatte ihre Aufführung in den Flughafen Tempelhof verlegt, also suchten wir etwas im Kreuzberger Bergmannkiez.

    Wie beide erinnerten uns ans Zeta – ein sehr angenehmer Grieche, der kochte wie ich mir eine Taverne auf einer griechischen Insel wünsche: Viel Gemüse, viele Meeresfrüchte, einfaches Essen aber bester Qualität und mit Liebe gemacht. Unser letzter Besuch ist mindestens 10 Jahre her, aber wir beide erinnerten uns lebhaft und waren uns sofort einig.

    Wir liefen also vom Columbiadamm die Friesenstraße entlang, uns beide an den Anblick der Eckkneipe erinnernd. Das war sie. Ich: „Da ist der Grieche“. Madame: „Stimmt.“ Schilder hatten wir keine gesehen, aber das passte ja zum familiär-informellen Ambiente. Vor meinem inneren Auge sah ich bereits Oktopus, Kritharaki und Taramas.

    Wir betraten den Laden, ein Gastgeber kam uns entgegen und begrüßte uns mit „Buona sera.“

    Wir redeten nicht miteinander, dachten aber dasselbe „(1) Oh, Das ist wohl nicht das Zeta. (2) Trotzdem sieht es hier nett aus. Lass uns bleiben.“ Eine weise Entscheidung, bekräftigt durch Antipasti vegetariano, Pizza Spinacina und Espressi im Castello Montecroce.1

    Einstecktuch-Eumel

    Einem anderen Gastwirt, Vincent Klink, verdanke ich den Begriff Kurzhosen-Eumel in meinem aktiven Wortschatz. Und auch wenn unsere Eumel alles andere als kurzhosig waren, musste ich doch an sie denken.

    Im Castello am Nebentisch ein Dauerredner in langem Anzug und teurem Hemd, der seinen Mittischleidenden quasi ununterbrochen erzählte, wie toll er ist, wie erfolgreich im Geschäft, wie weitgereist, wie sportlich, wie kulturbeflissen. Leider erzählten er auch, dass er mit den anderen zusammen in dieselbe Vorstellung wollte wie wir. Naja, der Hangar in Tempelhof ist groß, er wird schon woanders hingehen.

    In Tempelhof saßen wir neben einer Rentnergang – imagine Kegelausflug trifft Polospieler mit privater Villa auf Mallorca und Stammlokal in Genf, deren Einstecktuch mehr kostete als meine komplette Kleidung zusammen – immerhin nur neben uns. Dann kamen zwei der Ihren, die unsere Plätze beanspruchten. Wir zogen die Karten – sie zogen die Karten. Der Platz war identisch, auf unseren Karten stand ein Datum, auf ihren nicht. Ich hatte einen Verdacht – aber wie waren sie durch die Einlasskontrolle gekommen? Die Einstecktuch-Gang geriet in helle Aufruhr. Die Platzanweiserin eierte hilflos durch die Gänge, der Obereumel wollte „ihren Vorgesetzten sprechen.“

    Naja, und irgendwann kamen auch die Besitzer ihrer anderen Plätze. Der uneumeligste der ihren war in der Lage die Buchung zu checken, und es stellte sich heraus, dass die zehn Damen und Herren leider die Woche verwechselt hatten.

    Großes Theater schon vor dem Theater!

    On thursday night you’ll find him where you want him far from the crowd.

    Aber es gab auch noch großes Theater im Theater. Unser Wochenende der Musical-Legenden. Nach Rodgers and Hammerstein am Samstag, folgte Andrew Lloyd Webber am Sonntag. Die Komische Oper inszenierte Jesus Christ Superstar im Tempelhofer Hangar mit Rockband, Orchester, operntauglichen Sängern, exaltierten Kostümen und 350 Statist*innen aus den Berliner Tanzvereinen. Sie spielen ein Rockkonzert, was das Musical ja eigentlich ist. Groß, größer am größten. Und auch noch zu nah, um es wirklich in Worte fassen zu können.

    Auf jeden Fall hatte ich zwischendurch einen starken Anfall von Jerusalem-Sehnsucht. Und Ilay Bal Arslan als Maria Magdalena war großartig. Sowie Ryan Shaw als Judas. Und die Kostüme von Herodes und seiner Gang. Und die unfassbar motivierten und dauerspringenden Statisten.

    Bratwürste und die 10 Gebote

    Über Ein Song reicht erreichte mich die Chemnitzer Band JETberry. Einfach sympathische Schraddelmusik.

    Katja Evertz feiert 20 Jahre Blog. Glückwunsch!

    Frau Pane-Bistecca mit vielen guten Ideen für Oktoberfestküche. Herr Rau derweil mit Kuttelkunde: Tripe and Onions (tolle URL auch)

    Warum ich immer noch das iPhone 11 Pro nutze. (12 mini hier und das wird so bleiben bis es auseinanderfällt)

    Irgendwie so ähnlich wie in der Komischen Oper bei Jesus Christ Superstar und doch ganz anders: Samstagsplausch „Die Zehn Gebote“

    Anmerkungen

    1. Das Zeta heißt zwar inzwischen Restaurant Z, scheint aber noch zu existieren. Es liegt allerdings eine Straßenecke weiter, wie ich inzwischwen weiß. ↩︎
  • 25-08-21 Korrespondierende Variablen

    25-08-21 Korrespondierende Variablen

    T-12, noch zwölf Tage bis zur Abgabe. Aktuell 10700 Wörter, darunter 97 Formeln und ungefähr zwei Seiten Code.

    Madame ist zurück. Zur Feier der Rückkehr kaufte sie gleich für uns Fahrkarten für ICE und TGV. Wir können den Satz sagen, der zwar ein bißchen pathetisch ist, aber irgendwie auch schön: „Wir haben ein Stammhotel in Paris.“

    Bei zwei bzw. drei Aufenthalten in einem Jahr sollte das gehen. Diese Bahn-Direktverbindung Berlin-Paris ist schon sehr, sehr schön.

    Abendliche drei-Gänge-Menüs sind viel weniger Aufwand für mich, wenn Madame sie zubereitet.

    Auf der Bank im Bahnhof Südkreuz: Ein älterer Herr im gut sitzenden Anzug, der eine gedruckte Zeitung las. Es hat den Stil der ganzen Bahnhofshalle ein Stück nach oben gezogen.

    Auf der Arbeit freue ich mich über Tickets, die den SM-Raum betreffen. Auch in den Schwimmmeister-Räumen steht Technik.

    Es waren drei Tage der halben Erwerbsarbeit und der halben Bachelorarbeit.

    Manchmal fühle ich mich beim Mail-Schreiben seltsam. Erst eine Mail an die Hausverwaltung: „Hallo, wir haben zuwenig Wasser. Also eigentlich gar keins, zumindest kein Warmes.“ Direkt danach die zweite Mail an die Hausverwaltung: „Hallo, wir haben zuviel Wasser, es kommt aus der Zimmerdecke von der Dachbaustelle.“

    Logistik, so wichtig. Es kommt nicht nur auf die Wassermenge an, sondern auch auf den genauen Ort wo es ist.

    Ich gab zuviel Geld für handgestreichelte, biologisch harmonisierte und von glücklichen Kindern am Strand eingesammelte Kokosbriketts für den Grill aus. Wenn schon Geld verbrennen, dann wenigstens wortwörtlich.

    Nach September kommt Oktober

    Auch wenn die hochdramatische Phase mit Bachelorabgabe und direkt darauffolgenden Klausuren erst folgt. Langsam bin ich in der Lage wahrzunehmen, dass die Welt sich am 17. September weiter drehen wird.

    Der erste Termin der Komischen Oper taucht in meinem Sichtfeld des Kalenders auf: Hallo, Jesus Christ Superstar.

    Neben den ICE/TGV-Fahrkarten erfolgten auch Hotel- und Restaurantbuchungen, eine Buchung für eine Pferdeshow über Madame (nein, nicht die Madame) und eine vage Grilleinladung für September und Oktober.

    Auch werde ich endlich mal das Projekt „Linux auf den alten Laptop“ in Angriff nehmen.

    Fast hätte ich mich im Überschwang der Gefühle für die Wikipedia-Schreibwettbewerbsjury gemeldet. Aber da setzte dann doch die Vernunft noch rechtzeitig ein.

    Vage angedacht fürs nächste Jahr: Via Interrail eine Grand Tour Berlin->Paris->Mailand->Triest->Wien->Warschau->Berlin. Auch auf die Gefahr hin, spätestens im Zug Paris->Mailand the most underdressend person in the train zu sein.

    Ist x=2 eine Formel?

    In einer Bachelorarbeitsquelle lese ich etwas von „korrespondierenden Variablen“ und denke spontan an ein kleines x und ein kleines y. Beide betreiben Briefkorrespondenz mit Feder, Tintenfass und Siegelwachs.

    Die Bachelorarbeit fliegt nicht, aber sie geht brav und unbeirrt ihren Gang. Kaum denke ich, das Problem ist gelöst, dann erhebt ein neuer Nebenaspekt sein Haupt aus den Nebeln meines Unwissens.

    Aber ich bin mir relativ sicher, etwas abgeben zu können, für das ich mich nicht abgrundtief schämen muss. Damit ist mein komplettes Ziel für die Bachelorarbeit schon erreicht.

    Weiterhin happy über die frühzeitige Entscheidung alles in LaTeX zu machen – egal, was für einen Humbug ich abgebe. Es sieht toll aus.

    97 Formen erscheinen mir arg viel. Ich überlege, bei „Formeln“ wie

    \[ x_{HG} = 0,564753 \]

    die Nummerierung zu entfernen. Überhaupt könnte ich heute einen Zwischen-Aufräumtag machen, Dopplungen streichen, unbeholfene Formulierungen überarbeiten, und ergründen, warum das Symbolverzeichnis zwar vorhanden ist, nicht aber im Inhaltsverzeichnis angezeigt wird.

    Bild vom Schreibtisch mit zwei ausgeschalteten Monitoren, Tastatur, Maus, Mousepad, zwei Schreibtischaufsätzen - drumherum diverse Bibliotheksbücher zu mathematischer Programmierung, Stifte und ein Taschenrechner.

    Malende Musiker und tanzende Häuser

    Getriggert durch den La-Chimera-Soundtrack habe ich mehr zu Franco Battiato gelesen. Der hat nicht nur mit Centro di gravità permanente einen ewigen Italo-Disco-Synthiehit geschrieben, sondern auch sonst ein überraschend vielfältiges Leben geführt: Prog Rock -> Stockhausen -> Brian Eno -> spiritueller Synth-Pop (die Centro..-Phase) -> Songschreiber für u.a. Milva -> Erste Oper -> Musikalische Messe -> Weitere Oper und verschiedene spiritiuell-philosophische Bücher -> Mit La Cura (hier der deutsche Text) einen der Liebesliedklassiker Italiens veröffentlicht -> Film gedreht -> Mitglied der sizialianischen Regionalregierung -> weitere Opern und Filme.

    Die taz würdigt Hinrich Baller, dem unsere Nachbarschaft einige ihrer spannendsten Bauten verdankt: Als würden sie tanzen

    Readinsweden in Straubing und danke für’s Mitfiebern!

    Passend zu meinen Linux-Plänen für den Oktober veröffentliche Lorenzo den Post: Linux Mint – Schritt für Schritt, so wie ich es gemacht habe

    Wenn ich in Stuttgart bin, sollte ich den Restaurantempfehlungen von Vincent Klink folgen: Wo ich gerne esse. Überhaupt schreibt er ein hoch unterhaltsamen Blog.

    Was ich nicht nachmachen sollte: Mit (am Anfang noch nicht auftretendem) Covid eine Fernwanderung starten: Hardangervidda in Norwegen: Warum ich abbrechen musste

    Filme die ich sehen muss (via Feuilleton und Firlefanz):

    Set at the height of the Cold War, 1949 centres on the relationship between the writer Thomas Mann, played by Hanns Zischler, and his actress, journalist and rally driver daughter Erika, played by Sandra Hüller, as they embark on a road trip in a black Buick cruiser across a Germany in ruins.

  • 25-03-25 Niki braucht Klebstoff

    25-03-25 Niki braucht Klebstoff

    Amerikanische Jungerwachsene diskutierten im M46er-Bus, ob Lego aus Deutschland und Playmobil aus Dänemark komme, oder umgekehrt. Ich beschloss „der Weg ist das Ziel“ und unterbrach ihre Diskursübungen nicht durch germansplaining.

    Arbeitsankunftszeit: 8:53h. Aber mein Bewegungsgefühl beim Radfahren dorthin sagte „Fitter als die letzten Tage“. Anscheinend half die Halbschlaf-Lesekur in den märkischen Hamptons.

    Zu den Teilen meiner Arbeit, die ich gerne abgewählt hätte, gehört der Teil „Stellvertretender Konferenzraumtechniker.“ Aber oh well, manchmal muss man dann halt unter dem Tisch kriechend das lose Kabel suchen, während ein Raum voller total wichtiger Menschen zuschaut. Manchmal findet man dann nicht mal ein loses Kabel und muss dann schulterzuckend sagen „wird wohl heute nichts mehr.“

    Das Fernuni-Moodle hat mich für die Einheit „Abschlussarbeit“ freigeschaltet. Und ich finde das erschreckend.

    Der Zeit entnehme ich, dass wir in Laufweite der „Schlimmsten Schule Deutschlands“ wohnen – was mich immer noch wundert. Denn die Gegend in der sie steht, und damit eigentlich auch das Einzugsgebiet der Schüler*innen, ist eher puschelig.

    An der Jugendverkehrsschule Sachsendamm blühen die Forsythien und auch ein rosa Strauch. Selbst an der windumtosten Autobahnebene ist die stadtgewärmte Berliner Natur ihrem Brandenburger Pendant einige Tage voraus.

    Holzbiene

    Auf den Latifundien täuschte die Forsythie das Aufblühen zwar an, rang sich dann aber doch nicht dazu durch.

    Oh Sonne. Freitag abend hatten wir noch die Hymne Echnatons auf Aton, den Sonnengott gelesen, schon strebten wir am Wochenende selber nach der Sonne:

    Nicht gleich wie Echnaton in seiner Hymne an die Sonne: Du gehst auf für sie – sie leben,du gehst unter, sie sterben.

    Aber doch: Du gehst auf: Wir frühstücken. Du gehst unter: Wir frieren.

    Die Südterrasse kann im Sommer eine Belastungsprobe darstellen. Im Restwinterfrühling bei 11 Grad liegt sie perfekt – die Sonne hielt uns genau in der richtigen persönlichen Temperaturspanne.

    Unvermuteterweise frühstückten wir mit einem weiteren Komische-Oper-Flashback. Die Moderatorin bei Klassik, Pop et cetera war Katherine Merling – weltbekannt in Berlin als Schauspielerin in Renaissance-Theater, Schlossparktheater, Bar jeder Vernunft und eben der Komischen Oper. Vielfache Gewinnerin des Goldenen Theatervorhangs – und einer dieser Siege verschaffte uns letztes Jahr Schnittchen und Getränke umsonst, denn in der Komischen Oper wurde gefeiert und wir waren zufällig in der richtigen Vorstellung.

    Ihr mitgebrachtes Musikprogramm bestand aus Hildegard Knef, Lotte Lenya, Edith Piaf, Portishead. Ich sah und hörte ein Muster.

    Wir blieben den Tag über in der Sonne. Das Getüm wanderte wieder an seinen Sommerplatz. Ich stieg zu den Tigerschnegeln zum Wasserzähler, Madame produzierte fleißig abgeschnittenes Totholz.

    Wir schauten Natur: Der Taubnessenwald, dort wo letztes Jahr der Erdhaufen war. Überraschungs-Anemonen in den Beeten. Die große Holzbiene auf der Suche nach einem Wohnplatz. Die Kohlmeise schauten wir nicht, aber wir hörten sie. Dafür deutlich besitzergreifend von Birne, Palettenstapel und Mirabelle: der Hausrotschwanz.

    Wir lasen. Madame: Gewässer im Ziplock. Ich: Das perfekte Grau. Madame: Begeister. Ich: manchmal begeistert, manchmal „muss das jetzt wirklich sein?“

    Später, als die Sonner verschwunden war, und wir zum Eichhörnchenofen flüchteten, stöbern durch Qobuz. Das ist Musik für Erwachsene. Sowohl darin, was sie selber hören, als auch in der Herangehensweise (lange hatte nicht mehr das Gefühl, ein Medium nimmt Popmusik so ernst) als auch darin wer ihre Hörer sind. Zu den meistgehörten Alben dort gehören zur Zeit Alben von Steve Wilson, Steve Reich, Anoushka Shankar, Billie Eilish und den Dire Straits.

    Niki

    Niki will Klebstoff. Und Klebstoff heißt auf französisch colle.

    Wir waren im Delphi-Lux-Kino, und sahen den Film Niki de Saint Phalle, ein Biopic über die Person Niki de Saint Phalle. Ehemals Aktionskünstlerin, später als Erschafferin der Nanas das Beste was diversen deutschen Innenstädten (insbesondere Hannover) passieren könnte.

    Verarmte Adlige, die ihre Kindheit als Hölle bezeichnete, fast erfolgreiche Schauspielerin, gegen den Willen beider Familien eingeheiratet in das amerikanische Ostküstenestablishment, verließ ihre Kinder und ihren Mann, um Kunst zu machen, wurde durch Gewaltkunst berühmt, um dann mit großen runden freudespendenden Figuren in die Geschichte einzugehen.

    Eine der ungewöhnlicheren Frauen des 20. Jahrhunderts.

    Die leider einen durchaus gewöhnlichen Film gewidmet bekam.

    Der Film war gut erzählt, nett, mit einer herausragenden Schauspielerin, und neugierig machend auf die Person. Aber das Gefühl bleibt: Angesichts dieser Person und dieser Geschichte wäre aber so viel mehr möglich gewesen.

    Wenn ich mit einem Tag Abstand über den Film nachdenke, mich frage, was hängen blieb: die großartige Hauptdarstellerin Charlotte Le Bon, die als Niki durch das Gelände der Irrenanstalt (ungewöhnliche Frau halt..) irrt, Kunst schaffen will, aber nicht darf, und verzweifel jede und jeden um Klebstoff angeht.

    Was Kino kann, was Streaming niemals schaffen wird: Die Publikumsbetrachtung. Hier ein starkes Übergewicht älterer Kulturdamen1 aus den wohlhabenderen Teilen Berlins. Sehr unterhaltsam die Damen.

    Deutsches Design

    Die Website Industrieform DDR widmet sich der Geschichte des Designs der DDR. (via Ligne Claire)

    Die Zeit widmet sich einem unbekannten Klassiker westdeutschen Designs, den niemand kennt, aber fast jeder schon in der Hand hatte: Der Willibecher. Das deutsche Standard-Kneipen-Bierglas.

    Wenn die vierte Gewalt in den USA erschreckend versagt, müssen andere ran: Lest We Forget the Horrors: An Unending Catalog of Trump’s Cruelties, Collusions, Corruptions, and Crimes

    Anmerkungen

    1. Um ein Haar hätte hier nicht ..damen gestanden. Die gute Erziehung siegte dann doch. Aber nicht so absolut, um diese Fußnote zu ersparen. ↩︎
  • 25-03-22 Die Erde entsteht auf deinen Wink, wie du sie geschaffen hast:du gehst auf für sie – sie leben,du gehst unter, sie sterben.

    25-03-22 Die Erde entsteht auf deinen Wink, wie du sie geschaffen hast:du gehst auf für sie – sie leben,du gehst unter, sie sterben.

    Madame brachte eine berufliche Hauptkampfwoche zu Ende, indem sie in der Hafenstadt durch Räume schlenderte und sich Pinnwände erklären ließ.

    Sehr geehrter Herr southpark, wir freuen uns, Ihnen mitzuteilen, dass Sie im Sommersemester 2025 an unserem Lehrstuhl eine Bachelorarbeit schreiben können..

    Jetzt wird es spannend. Jetzt muss der Lehrstuhl – bwlquam1 – noch das Thema bestätigen – wobei ich mir bei bwlquam ziemlich viele Themen vorstellen kann, die ich gerne schreiben würde.

    Auf jeden Fall – ich habe nächste Woche einen Termin in der Verwaltung, in der wir mal ernsthaft über Arbeitszeiten in der heißen Phase der Bachelorarbeit reden werden. Es geht ja viel neben der normalen Arbeit – aber ich glaube das wird dann zuviel.

    Aber vorerst ist es noch hin. Noch gehe ich normal in die Südkreuz Offices und verfluche das Rechtemanagement unseres Ticketsystems.

    Nach einer ganzen Woche der Arbeitsankunft zwischen 8:50h und 8:58h zeigte sich mein energetischer Aufschwung darin, dass ich Freitag um 8:49h kam – und es sogar schaffte, vorher das Fahrrad aufzupumpen. Ein Leben außerhalb des Lernens ist möglich.

    In der Mittagspause schlenderte ich gemütlich durch das Südkreuz. Das Klavier in der Osthalle hat mittlerweile seinen eigenen Zeit-Artikel bekommen. Auch in der Osthalle ist jetzt DönerBiz; ich dachte sie haben erfolgreich expanidert und bespielen jetzt beide Bahnhofsenden. Aber der Westhallenteil ist chiuso.

    Weiterhin geöffnet hat Rüyam in Schöneberg – auch ein Dönerladen, der anscheinend weltbekannt im Internet ist. Der beste Döner im weiten Umkreis – aber wir holen ihn selten, zu abschreckend ist die Schlange, die zu jeder Tag- und Nachtzeit vor dem Laden ist.

    Da passte es, dass ich einen zweit-Rüyam in Charlottenburg entdeckte. Dieser ist in bequemer Laufweite der Komischen Oper. Denn zu Madames wunderbaren Eigenschaften gehört es, dass man erst mit ihr Döner essen gehen kann und direkt danach eine Oper ohne Handlung von Philipp Glass betrachten kann.

    Nefer Kheperu Ra Wa en Ra

    Echnaton (Akhnaten), Oper von Philipp Glass, uraufgeführt 1983 an der Staatsoper Stuttgart, 2025 neu inszeniert von Barrie Kosky an der Komischen Oper Berlin. Sie läßt mich leicht sprachlos zurück.

    „Die Oper hat keine durchgehende Handlung“ steht in einer Besprechung. Das ist untertrieben. Eigentlich hat sie gar keine Handlung. Glass und Kosky reden wechselnd von „Meditation über Religion“ oder „ein Ritual“.

    Einzelne Tableaus, minimal Music mit zahlreichen Wiederholungen, ein spärliches Bühnenbild, das vor allem aus Licht besteht und Chor und Tänzer*innen auf der Bühne, die „Bewegungssequenzen“ absolvieren. Das Libretto besteht historischen Texten in Altägyptisch, altakkadisch und hebräisch.

    Über- außerirdisch wie vom Stück verlangt, Countertenor John Holiday. Ein Hüne von Mann steht auf der leeren Bühne, macht den Mund auf, und spontan fragen wir uns beide, wo sie die Sopranistin auf der Bühne versteckt wurde.

    Die Geschichte von Echnaton, dem Pharao, der die alte Ordnung stürzen wollte und an seiner eigenen Hybris scheitert, bietet jede Menge Raum für Trump-Assoziationen. Aber das wäre zu wenig, zu flach. So viel mehr steckt in dieser musikalischen Meditation – das muss sacken bevor mir die richtigen Worte dazu einfallen.

    (Der Trailer fasst es ganz gut zusammen. Aber drei Stunden.. mit einer Wucht, die live erlebt werden muss.)

    Streugut in Eimer in die Kiste

    Gut zum gedanklichen sacken lassen, war körperliche Arbeit.

    Nachdem wir quasi wieder in die Zeitfreiheit zurückkamen, legte der Dauergartenverein den Subbotnik auf den ersten freien Samstag Vormittag. Das war nicht ganz so frei, wie es ich mir gewünscht hätte. Aber Bewegung in der Sonne bei einfachen Tätigkeiten, taten uns sicher nicht schlecht.

    Unsere Klein-Arbeitsgruppe mit den Swinging K’s fegte Streugut von den Wegen der Anlage zusammen und sammelte dies wieder ein für den nächsten Winter. Erfolgreich entknirschten wir den Weg, erfuhren Details von der Arbeitsplatzsuche, wenn man zwei Uni-Abschlüsse aber kein Abitur hat.

    Im Schwang der Gartenarbeitsgefühle schwang Madame Heckenschere und Astschere und arbeitete sich durch’s Gehölz. Der Rotdorn wurde eine Etage höher gelegt, die Obstbäume nähern sich in ihrer Form wieder dem Lehrbuch an. Es sammelte sich langsam ein zu verbrennender Stapel Rosenholz.

    Ich versuchte meinen Plan umzusetzen „wenn mich mein Arbeitgeber ließe, würde ich die ganze Woche durchschlafen.“ Gut, dass ich mich sonnengecremt hatte; der Tag hätte peinlich und schmerzhaft enden können. Immerhin hatte ich währenddessen ein paar spannende Ideen. Mal schauen, ob sie nächste Woche immer noch für gut halte.

    Die Forsythie täuscht ein Aufblühen an, hält sich dann aber zurück. Erste zarte Narzissen erscheinen, aber noch blühen 4 von 40 oder so.

    Am Himmel ein Schwarm Kraniche. Eine Hornisse begleitete die Streugruppe. Der Vogel des Jahres, der codirosso spazzacamino, auch Hausrotschwanz, kehrte zurück und vergnügt sich bei uns auf Obstbäumen und Palettenstapeln. Vielleicht entdecken wir dieses Jahr, wo er eigentlich sein Nest baut.

    Die Frühling kommt, aber erst langsam. Nur die Walzenwolchsmilch überascht uns mit ihrer Blüte.

    Doppelinder

    Wenn Leute nach Deutschland migrieren, sind es derzeit Inder*innen. Wenn es quasi Muster-Zuzügler sind, dann Inder*innen. Aber vermutlich wäre es vielen Deutschen auch nicht recht, wenn sie dies bewusst wahrnähmen, und ihnen klar würde, dass die Inder*innen in viel besseren Jobs arbeiten als sie selber. Warum der Boom der indischen Community in Berlin kein Zufall ist

    Chaim Nachman Bialiks Erzählungen sind deutsch erschienen.

    Durch ein 1980er-Rollenspiel das Jahr 2025 verstehen: Schizophrener Computer

    Wäre ich das hier schreibe, spielt mir der Streaming-Dienst der Wahl2 Bloodywood auf den Lautsprecher, eine Heavy Metal Band aus Neu Delhi. Und meine Güte, Heavy Metal und Bollywood passt so gut zusammen. Ich bin fasziniert.

    Ich spiele die letzten Wochen mit Obsidian herum, und es freut mich, dass es Herrn Rau auch so geht. KW 12: Schreck im Theater, Obsidian

    Anmerkungen

    1. Lehrstuhl für Betriebswirtschaftlehre, insbesondere Quantitative Methoden und Wirtschaftsmathematik ↩︎
    2. Nein, nicht DER Streamingdienst. Qobuz it is. ↩︎