Schlagwort: Weihnachtsbaum

  • 25-12-20 oudèn rheî (wenn Harry met Sally)

    25-12-20 oudèn rheî (wenn Harry met Sally)

    Mit Lichterketten und leuchtenden Kugeln behängte Frauen fahren durch die Gegend.

    Während ich dies schreibe, läuft im Hintergrund eine CD des finnischen A-cappella-Ensembles Rajaton.

    Einst vor einigen Jahren waren wir zugegen als der Kaptain einen Teppich von der Teppichreinigung zurück bekam. Kurzfristig waren wir geschockt, was das kostet. Langfristig sind wir immer noch beeidruckt, wie sauber und toll der gereinigte Teppich aussah.

    Lange Geschichte kurz: Anlässlich des Umzugs landeten alle Erbteppiche bei Teppichreinigung Abbasi zum säubern und ausbessern. Wir lernten: es handelt sich um einen Wollteppich Kazak, einen indischen Seidenteppich und irgendwas dahingemurmeltes mit Pakistan.

    Im Kino lernte ich: im New York des Jahres 1987 wurden Weihnachtsbäume noch ohne Netz verkauft und mussten in voller Auskragung transportiert werden.

    Ich war das erste mal seit Jahren war in einem Karstadt und hatte nicht das Gefühl, einem Geschäft beim Sterben zuzusehen. Entweder es war ein Advents-Sondereffekt, oder aber ausnahmsweise macht jemand in dem Konzern etwas richtig.

    Es gab sogar eine schöne Auswahl. Wir bekamen dort, was wir in diversen anderen Geschäften zuvor vergeblich gesucht hatten.

    Es waren zwei Tage zwischen Arbeit, dem Auftreiben von Handwerkern und Besuch.

    Wie jedes Jahr strebe ich an, zwischen dem 22.12. und dem 6.1. einfach zwei Wochen lang mit Büchern auf dem Sofa zu liegen und nichts mit Außenwelt zu machen. Das wird dieses Jahr noch weniger funktionieren als die letzten.

    Aber 2026! Da wird es eine Woche Urlaub in einer Stadt am Meer Ende November/Anfang Dezember geben. Unbedingt,

    Gänsekeule und Kaviarei

    Am Freitagabend fand der traditionelle Adventsbesuch von Dr.D. und Dr.E. statt. Alle in Jahresenderschöpfung; schön, wenn es Menschen gibt, mit denen man sich alle umfassender allumfassender Erschöpfung treffen kann, und es wird einfach nett.

    Die ersten Blumen

    Wir wollten natürlich die neue Wohnung vorführen. Leider war es aufgrund der aktuellen Unpässlichkeit der Küche schwierig, Menschen zu bewirten, so dass wir in den den Berliner Hof auswichen: Deutsche Küche von Menschen, die sich ein Beispiel an französischer Restaurantkultur nehmen. Oder wie Madame mit höchster Wertschätzung sagte: „Das Lokal könnte sich sowohl im Service wie auch von der Küche her auch in Baden behaupten.“

    Wenn das Hirschgulasch kommt und wir schon den Wildgeruch riechen bevor der Teller auf dem Tisch steht, läuft alles richtig.

    Am Samstagmorgen kam Miss Bilanz zum Frühstück. Auch sie mit Wohnungsstress, wenn auch anders als bei uns. In ihrer Schmuckschatulle leben seit neuestem vier Frauen.

    Sie hatte Brötchen mitgebracht, Madame hatte beim ukrainischen Kaviarimporteur-wird-Supermarkt-Ledo (Forellen)kaviar besorgt. Sie hatte lustige Geschichten zu erzählen, von der langen Schlange am Freitag am Kaviarstand, wo Menschen vor ihr, die Bedienung aufgrund ihrer Anforderungen ins Lager schickten.

    Weiterhin geplant: bei Ledo das gigantische Fischangebot austesten. Und das Fleich von Rinderherz bis Schweinefuss von dort in den Crocky werfen. Wenn denn je die Küche komplett einsatzfähig ist.

    Der Mobilempfang im Keller als Thema

    Deadlines Ende des Jahrs haben die unangenehme Eigenschaft, im Dezember Arbeit zu machen. In diesem Falle immerhin mit der netten Nebenwirkung, mir Schwimmbadexkursionen zu ermöglichen. Auf zum Teamtag/Unterweisungstag ins Stadtbad Märkisches Viertel, unterweisen und erklären.

    Ich mag die Schwimmbadleute als Typ einfach zutiefst – die Mischung der Anforderungen aus Dienstleister-an-Menschen, Techniker-Handwerker für Wasseraufbereitung und Lüftung im Industriemaßstab und was-mit-Sport zieht einen spannenden Menschenschlag an. Und auf jeden Fall sehr anders als die übliche linksliberal-universitäre Bubble, die mich sonst meist umgibt. Die Leute im Bad sind cool Socken.

    Spannend natürlich auch in den Berliner Bädern, die ich als Besucher ja alle kenne. Aber mit Teamräumen, Büros und dem ganzen „versteckten“ Gangsystem noch eine ganz neue Ebene in den Bädern entdecke. Es wird wohl eine Sondersituation bleiben (zweieinhalb Stunden reale Fahrzeit Südkreuz-MärkischesViertel-Südkreuz müssen erst mal gerechtfertigt sein), aber wenn sich die Chance ergibt, freue ich mich sehr.

    Der Router blinkt, die Leitung tropft

    Beim Nachumzug sind wir in der Zwei-Schritte-vor-ein-Schritt-zurück-Phase.

    Vor: Mein Rechner, der Wlan-Router, Rombitombi und der Drucker sind provisorisch aufgebaut. Ebenso ist die Spülmaschine mit Zu- und Abfluss mit der Wasserleitung verbunden.

    Zurück: Der Internetanschluss ist theoretisch freigeschaltet. Praktisch allerdings funktioniert er nicht. Und nach diversen Runden mit automatisierten Telekom-Störsystemen und einer echten Technikerin im Chat kommt Dienstag ein leibhaftiger Telekom-Mensch vorbei und schaut nach – vorausgesetzt ich finde bis dahin heraus, wo in diesem Schwimmbad der Hausanschluss liegt und wer die dazu gehörigen Schlüssel besitzt.

    Zurück: Alles hängt an der Wasserleitung. Dafür ist weiter oben eine undichte Stelle an einer Rohrverbindung aufgetaucht. Alle paar Sekunden quetscht sich ein Tropfen durch eine Dichtung. Das ist in dem Moment nicht dramatisch – aber würde sich über Stunden/Tage/Wochen natürlich trotzdem zu gigantischen Strömen summieren. Also Küchenwasser komplett zu, und zu ausgewählten Zwecken (Waschmaschine) unter Beobachtung auf. Sanitärmenschen sind beauftragt. Ob und wie sie vor Weihnachten noch kommen, werden wir erfahren.

    Nichts fließt.

    University of Chicago, 1977

    Nach dem Feiertagsfilmerlebnis dritter Art am letzten Mittwoch, sahen wir noch einen altersangemesseneren Film im Odeon-Kino, wenn auch aus traurigem Anlass. Odeon-Betreiberin Yorck Kinos hatte nach dem Tod von Regisseur Rob Reiner spontan When Harry met Sally einige Sondervorstellungen gewidmet.

    Es war schön. Es war spannend. Auf dem großen Screen entdeckten wir doch Details, die wir vorher noch nie gesehen hatten. Auch war natürlich die Konzentration größer, mir fiel zum Beispiel erstmals wirklich der Soundtrack auf. Dabei ist der Film einmal sehr nostalisch (in der Musik), Kind seiner Zeit (die 1980s sind allgegenwärtig) und in seiner Grundkonstellation zeitlos.

    Auch wenn die Telefone und Computer im Film inzwischen nach Kostümdrama aussehen, überall Zeitungen und Bücher gelesen werden und dieser unglaubliche Wagenrad-Tisch einem mit 1987! gerade anschreit – die Konstellation, das Drama, die Grundfragen – haben nichts an Menschlichkeit und Aktualität verloren.

    Einfach ein schöner Film.

  • 25-11-29 Nach West, nach Nord, nach West, nach Ost, nach Nord und jeweils wieder zurück

    25-11-29 Nach West, nach Nord, nach West, nach Ost, nach Nord und jeweils wieder zurück

    Die Eckkneipe Willi Mangler heißt jetzt Willy’s, und es wirkt als wollte sich der Kiez schon verabschieden bevor wir richtig weg sind.

    Der letzte Schöneberger immobil-mobiles-Arbeiten-Tag ist vorbei. Nächstes mobiles Arbeiten: Zwischen Hotspot und unausgepackten Umzugskisten. Vielleicht. – Vielleicht auch einfach im Büro.

    Ich wüsste gerne, was genau die Schöneberger Haushallodris plötzlich zu für sie unfassbaren Sauberkeitsbestrebungen motiviert. Selbst der vertrocknete Adventskranz und das Paar Doc Martens, die seit einem knappen Jahr in drei Meter Höhe auf dem Baugerüst lagen, sind verschwunden.

    Nur, dass sie die Müllmänner vom Hof aussperrten, war halt nicht so geschickt.

    Wieviele Hüte besitzt Du? – Noch zwei. Den Panama-Hut von der Dithmarscher (Standesamts)-Hochzeit und den dunklen Hut von der Beuggener (kirchlichen)-Hochzeit. Ein weiterer Hut verließ wie derzeit vieles unsere Haushalt.

    T-4, noch vier Tage bis zum Umzug.

    Es waren zwei Tage des Prä-Umzugs. Den Freitag allerdings nahm ich am Prä-Umzug eher symbolisch Teil, denn ich war den größten Teil des Tages im Büro und meetete zu Schnittstellen.

    Zustand: Wie der Flusskiesel schreiben würde: Viel im Außen, wenig bei mir. Oder anders gesagt: Ich schüttete Schwarztee in die Kaffeemaschine.

    Ich überlege mein eh schon softes Fernuni-Semester weiter zu verkuscheln, indem ich die Datenstrukturen & Algorithmen nach hinten schiebe. Damit blieben Digitale Diversität (eeaasy) und Einführung in die Imperative Programmierung (noch nicht ernstlich reingeschaut, sollte ich prinzipiell aber auch können). Wann unichillen, wenn nicht jetzt mit der druckfrischen Bachelorurkunde direkt vor mir?

    Gelesen: Professor A. Donda von Stanislaw Lem. Eine schöne Ausgabe. Leider ist das Buch zwar gut, erfreulich böse und in Teilen urkomisch, insgesamt aber doch eher eine Fingerübung Lems denn ein eigenständiges Werk.

    Wir bekamen Wilmersdorfer Haushalts-Mülltonnen, die inmitten der sonstigen Gewerbemüllcontainer auf dem Betriebshof arg verloren aussehen.

    Meine Überzeugung, niemals nicht einen Weihnachtsbaum zu benötigen wird schwach. Denn nicht nur haben wir in der neuen Wohnung 25-Meter-Becken und Sauna im Gebäude, sondern jetzt auch einen Weihnachtsbaumverkauf direkt auf dem Grundstück. 15 Meter vom Weihnachtsbaumstand bis zum Gebäudeeingang, näher wird es niemals werden.

    Der Kürbis hieß mit Vornamen Spaghetti

    Es waren ungewöhnliche Tage. Ich glaube, der Subaru ist im letzten Monat mehr Kurzstrecke gefahren als die sieben Jahre davor zusammen.

    Selbst das Kochen leider mehr als sonst – irgendein-Gemüse-in-Pfanne-oder-Ofen kriegen wir fast immer zustande. Aber die direkt-nach-Corona-Konditionsschwäche plus das Außen, sorgt auch hier für Änderungen: Wir bestellten in den letzten zwei Wochen mehr Lieferessen als in den zwei Jahren zuvor.

    Immerhin erkannte mich der freundliche Mann aus dem Sagar wieder als wir uns auf der Treppe trafen: „Ach? Sie wohnen hier?“ – „Ja, äh nein, also schon noch, aber eigentlich auch nicht mehr.“

    Lange Vorrede: Freitag haben wir wieder so was ähnliches wie gekocht. „Kürbis“ (laut Gemüsli) aus dem Ofen und Arrabiata-Ravioli aus dem Kühlregal. Auf dem Teller stellte sich heraus: Der Kürbis hieß Spaghetti. Wie es sich für das Gemüsli gehörte, war er ungemein aromatisch, sowohl frisch und fruchtig wie auch kürbissig. Ein Traum. Glückstreffer für uns.

    Samstag verschiedenfarbige Gemüsli-Beeten aus dem Backofen mit Trüffel-Ricotta-Ravioli aus dem Kühlregal und Ziegenkäsecreme. Danach Mont Blanc (Süßspeise).

    Ausgesprüht

    Samstag war ein Tag der Prä-Umzugs-Logistik: Früh zum Recyclinghof (insgesamt der dritte Besuch), wieder mit gefundenem Elektroschrott. Vor allem verschaffte ich Kabel und Adapter, eine semidefekte Waage und einige historische Handies.

    Praktischerweise liegt der Recyclinghof in bequemer Geh-Entfernung der neuen Wohnung: So konnte ich gleich noch Gegend kennenlernen und mich in den verbindenen Nebenstraßen orientieren.

    Ich winkte der neuen Wohnung, begab mich aber direkt zurück zur alten Wohnung, denn mittlerweile hatte Oxfam geöffnet. Wir griffen Büchertaschen und zu Oxfam. Dort wurden wir fast alle Bücher los, Madame kaufte ein, ich begab mich schon mal Richtung Innsbrucker Platz.

    Von Oxfam in die alte Wohnung: Orchideen und Weihnachtskaktus ins Auto packen, nach Wilmersdorf fahren, und dem Zugriff der Umzieher entziehen. In der Wilmersdorfer Wohnung dann das geliehene Teppichreinigungsgerät (Es saugt und sprüht der Heinzelmann Sapur) ins Auto einladen und zur Drogeriemarktkette zurückbringen.

    Madame holte beim verlässlich verpeilten Asia-Markt noch ein Paket ab, bevor sie das epische Abenteuer der Wäsche-Umzugs-Vorbereitung anging. Ich hatte noch einen letzten Gang, mal wieder zum Container und zum Altglas und dann noch ein paar weitere Einkäufe besorgen.

    Und nachdem ich vom Einkaufen wiederkam, sah ich noch ein ehemaliges semi-funktionsfähiges Fotostativ aus Metall, das sicher auch gerne im Recyclinghof geendet wäre.

    Spin Spin Sugar.

    Butter Chicken Betonteile

    Manchmal denke ich, ein E-Auto wäre toll. Manchmal denke ich, ein Auto ohne Software wäre noch toller: Vom ID.3 bis zur Waage: Wie uns Software das Leben oft schwerer macht – statt leichter

    Poupou und die Kaltmamsell bloggen über ihre jeweilige Büchergeschichte. Poupoulab: Büchergeschichte. Vorspeisenplatte: Journal Mittwoch, 26. November 2025 – Vom Bücheraussortieren

    Karin räumt und bewegt Sachen hin und her und ich fühle gerade sehr mit: 2025 #48 – mit kleinen Schritten geht es auch voran

    Ich finde es immer superspannend, wenn Menschen darüber schreiben, womit sie Geld verdienen: Das bedeutet ich stehe das ganze Jahr über draussen, bei wirklich jeder Witterung, und lade Betonteile auf LKW.

    Makhani Mac and Cheese: Makhani-Sauce ist eine buttrige Sauce auf Tomatenbasis, am bekannsten ist sie wohl für Makhani-Chicken – aka Butter Chicken.

  • 24-12-24 Samstags steht unser Wasserspielzeug DOGGY zur Verfügung

    24-12-24 Samstags steht unser Wasserspielzeug DOGGY zur Verfügung

    Schlafen, schlafen nicht mehr ganz so müde. Der Kalender gönnt uns drei Tage zwischen den Zeiten – nicht mehr Alltag, aber auch noch nicht Weihnachten – und diese wirken wie ein langsames Ausatmen über 72 Stunden.

    Von beiden Seiten schwappt es herein in diese Tage der unwirklichen Schwerelosigkeit. Die Downton-Abbey-Filme auf DVD fühlen sich weihnachtlich ein. Ebenso der wiederentdeckte Sherry zum Roman. Paketeinpacken und ein letzter Gang in den Supermarkt gehören noch in die Rubrik Alltag. Die letzten verschollenen Pakete tauchen auf. Noch sind nicht alle angekommen, aber bei den Übrigen wissen wir immerhin ungefähr wo auf dem DHL-Weg sie sich befinden.

    Innerlich überschlage ich kurz Seminar- und Klausurtermine und denke, dass ich eigentlich dafür etwas tun müsste. Aber zu kostbar erscheinen mir diese Tage des Schwebens zwischen den Zeiten.

    Mehrere Tage hintereinander las ich konzentriert ein Buch – wann passierte dies zuletzt? Weiterhin in Olga Tokarczuks Jakobsbüchern, die sich langsam dem Ende nähern. Die Protagonisten werden alt, die neue Welt, die sie um sich herum erleben, ist nicht mehr die Welt des Buches, nicht mehr wirklich die ihre.

    I feel like I am living on another planet now – sagt die Dowager Countess of Grantham im Downton-Abbey-Film – Everybody does, lautet die Antwort, you only need to live long enough.

    Ich las Nils Minkars Newsletter und über Deutschland und Frankreich und das Elend der jeweiligen Politik; kurz darauf „Schleswig-Holstein. Die Kulturzeitschrift für den Norden.“ mit einem Portrait von Carl Friedrich Cramer – deutscher Intellektueller zur Zeit der französischen Revolution. Er war Übersetzer von Schiller ins Französische und Übersetzer von Rousseau und Diderot ins Deutsche – glühender Anhänger der französischen Revolution, aus Kiel vertrieben nach Paris und am Ende in Frankreich politisch so heimatlos wie in Deutschland. Ein Minkmar des späten 18. Jahrhunderts und auch nicht.

    Die Mahlzeiten eine Mischung aus Tiefkühler-zum-Jahresende-ausleeren (Pomeranzenmarmelade, Skinny Boullabaisse aus Tiefkühl-Muscheln und Garnelen), Frankfurter Kranz bei Bäcker Plentz und Rehgulasch-Reste. Wir kaufen letzten Lauch. Denn weil wir Heiligabend zu zweit verbringen und total crazy sind, wird es Fondue irlandaise geben aus Cheddar, Guiness, Whiskey und Worcestersauce mit Roggenbrot und Lauch.

    Mr. Darcy – Ettenbühl Sunset – Tuscany Superb – Betty Prior

    Das allerletzte verschollene Paket lokalisierten wir in dem Schreibwarenladen/DHL-Filiale auf den Märkischen Hamptons. Zum Glück kennen sie uns und die Siedlung, wissen, dass es im Winter ein paar Tage dauern kann bis wir kommen, und behielten das Paket trotz Fristablaufs im Laden.

    Der Wasserversorgen hatte uns hinausgerufen. Wir sollten zum Jahresende den Zählerstand mitteilen. Dazu: Durchatmen, Weite. Trotz windigem Nieselregen die Freude draußen zu sein und den Himmel zu sehen. Stanwell Perpetual macht ihrem Namen alle Ehre und blüht noch. Selbst Violina scheint noch eine Knospe hervorzubringen.

    Wir überwanden die klamme Nässe, setzten Mr. Darcy und Ettenbühl Sunset (Beet), Tuscany Superb (die Alte-Rosen-Allee-in-Entstehen) und Betty Prior (Vorgarten).

    Festtagspreis wie früher

    Endlich wieder schwimmen gehen, wie seit Wochen nicht mehr. Endlich den schwarzen peinlichen Fleck auf meiner inneren Berliner Schwimmbadlandschaft füllen: Wir nutzten die Fahrt zu den Latifundien für einen Abstecher im Stadtbad Hennigsdorf. Dies eröffnete nach Neubau 2023 und noch nie war ich dort.

    Vorgänger: das aqua Hennigsdorf, von mir geliebter Typenbau der DDR-Volksschwimmhalle C. Schlicht und doch von einer untypischen Eleganz für den Arbeiter- und Bauernstaat mit Diktaturhintergrund. Jetzt abgerissen.

    Der Neubau überrascht: in Bahnhofsnähe – sogar öffentlich erreichbar. Von außen so schlicht, dass wir ihn mit dem Auto ein paarmal umrunden, bevor wir das Schwimmbad ausmachen. Innen: Im Geiste seines Vorgängers. Schlicht – keine zusätzliche Deko, ein Schwimmerbecken, ein Nichtschwimmer, ein kleines niedriges Nichtschwimmer und ein Planschbecken – Holz, Stein und Glas. Jegliche Gestaltung besteht aus Funktionselementen.

    Ein Bad, das mitdenkt wie ich mir wünsche: Föne umonst; im Schuhausziehbereich stehen Schuhlöffel; die Verriegelung der Kabinen mit dem besten störungsfreisten System; in den Duschen ausreichend Ablagen und Haken. An der Decke eine Markierung für die Rückenschwimmer. Ein Bad in dem irgendwie alles funktional ist, und zusammen doch irgendwie schön.

    Die Digitaluhr in der Halle fungiert auch als Anzeigetafel. Ich erfahre, dass Mittwochs und Freitags(?) eine Bahn für Flossen- Anzug und Geräteschwimmen frei ist, sowie das Samstag das große Wasserspielzeug DOGGY im Schwimmerbecken bespielt werden kann.

    Weil Ferien sind, hat das Bad Montagmittag für die Öffentlichkeit geöffnet. Weil Festtage sind, bezahlen wir einen Eintrittspreis wie früher.

    Kein Weihnachtslied

    Elke Brüser beobachtet Kraniche: Geflügelte November-Fischer

    Dieser Haushalt hat zu Weihnachten ein besseres Verhältnis als zu Deko. Und so besteht die Weihnachtsschmückung aus einem Adventskranz, einem Herrnhuter Stern und der immerwährenden Lichterkette, die im Frühjahr und Herbst als Kinobeleuchtung für Beamer-Abende fungiert und im Dezember als Weihnachtsschmuck. Die einzige Variante eines Weihnachtsbaums, die ich mir für mein Heim vorstellen kann, steht sowieso im Garten und sieht ungefähr so aus. Aber Garten und Wohnung liegen weit auseinander – also nichts.

    Dennoch finde ich das Konzept Weihnachtsbaum spannend, habe einiges über ökologisch-nachhaltiges Weihnachtsbaum und Gardenwashing bei Gunhild Rudolph gelernt: Die Tradition des Weihnachtsbaums und Der ökologische Weihnachstbaum.

    Die Kaltmamsell sah ein Theaterstück über (im weitestmöglichen Sinne) ein Schwimmvereinsmitglied. Die Bühnendeko immerhin ausschließlich in Schwimmbadblau und Rot: Journal Sonntag, 22. Dezember 2024 – Laufwetterglück, Eine Zierde für den Verein im Marstall

    Zum Abschluss ein Weihnachtslied, das eigentlich kein Weihnachtslied ist. Schedryk, ukrainisches Volkslied über die Ernte und später bekannt geworden als Carol of the Bells. Ich muss dringend in die Ukraine sobald man dort nicht mehr von russischen Drohnen abgeschossen wird: The Unknown Ukrainian Carol that everyone knows

  • 24-03-07 Töölö Maustetytöt

    24-03-07 Töölö Maustetytöt

    Madame schrieb 1B. Rechtzeitig meldete sich die Dachbodenbaustelle mit Presslufthammer zurück.

    Ich male klausurvorbereitende Rechtecke und Rhomben.

    Merke: Nicht „die Jana“ verwechseln mit „Diana“; auch nicht am Telefon.

    Neben Verwaltung und Klausurvorbereitung bleibt wenig Energie. Immerhin reicht es zu einem zimtkringelschen Gnocchi-Huhn.

    Das Internet empfiehlt mir Resident Alien. Aber ich fürchte bis zum 21. März ist meine Freizeit-Konzentration nicht ausreichend für irgendeine Art der Fiktion.

    Währenddessen warnt Katwarn vorm Eintreten von Trümmern in die Erdathmosphäre.

    Die „Vulkangruppe“ verhinderte, dass ich Gemüse kaufen konnte. Neben dem Tesla-Werk liegt das Edeka-Zentrallager und seine jetzt stromlose Kühlung.

    Wer sich übrigens fragt, wie man mit einem großen Lagerfeuer eine komplette Autofabrik lahmlegen kann: Ausgerechnet die BZ schreibt eine ausführliche Antwort: Man muss an der Stelle feuern, wo die Starkstromleitungen von der Oberleitung in die Erde gelangen.

    Nicht einmal Manja Schreiner konnte verhindern, dass die Hauptstraße fahrrad- und busfreundlicher umgebaut wird. Als mittelbare Anwohner der kommenden Bauarbeiten klebte eine Nachricht an unserer Haustür – und das war ein Wochenhighlight.

    Go Shnelli

    Wir sind Mitglieder des Star-Clubs geworden. Dabei lernte ich: Die Finnlady wurde in Italien gebaut und ihre Reederei ist letztendlich italienisch. Sie hat 11 öffentliche Decks. Auf dem obersten Deck ist das Restaurant. Wlan kostet extra.

    Madame setzte erste Ideen zur Urlaubsplanung um. Sie lautet derzeit 2 Ostsee, 1 Helsinki (Töölö Towers), 2 Talinn (Go Shnelli), 2 Riga, 2 Vilnius, 1 Warschau (Polonia Palace).

    Bei der Planung halfen Seat61 (zum Beispiel Riga-Tallin und Vilnius-Riga) sowie Turku-Warschauvilnius-mit-dem-Zug

    Bis zum Sommer werde ich auch noch beherrschen, wie sich Tallinn schreibt.

    Vorher buchte ich für den März noch einen Flixtrain von Berlin nach Hamburg-Bergedorf.

    Alte Weihnachtsbäume vor dem Bahnhof Südkreuz

    Ihr liewe Leit

    Die Kaltmamsell inspirierte mich, Konzerttickets zu kaufen. Beziehungsweise: Gibt ein musizierender Kabarettist Konzerte? Sind es Darbietungen? Aufführungen? Ich kenne mich in der Gattung so nicht aus.

    Nachdem ich in Ticketkauflaune war, machte ich weiter. Da ich seit 2001 keine Ahnung mehr von aktuellen Bands habe, suche ich lateral. Ich habe einige bevorzugte Konzertorte, schaue in deren Programm und entdecke Acts, die demnächst auftreten.

    Segen des Internets. Sogar Videos von Liveauftritten sind normalerweise verfügbar. Die Suche liefert spannende Entdeckungen.

    Das 80er-Revival ist so achtziger wie die echten achtziger nie waren: Selofan.

    Play that Funky music. Zu den drei möchte ich ganz dringend hin, leider an einem komplett unpassenden Termin: Say She She. Mit den Vibes, die ich bei einem Livekonzert erleben möchte. Ich will da wirklich hin. Aber, ach.

    Und die Finnen wieder. Einst vor langer Zeit fragte ich eine finnische Band beim Interview, warum so viele schräge Bands aus Finnland kommen. Ihre Antwort: All brown. Everything is brown. Brown sand everywhere. No color. (Ich habe keine Ahnug von Finnland. Aber es klingt plausibel)

    Melodiöser Mitsingpop mit Texten zum aus dem Fenster springen. Ein Journalist schrieb vom „glamor of downright misery“: Mausetot Maustetytöt. (Auch schlechter Termin)

  • 23-08-31 Ab-Rüsten. Mit Geodreieck.

    23-08-31 Ab-Rüsten. Mit Geodreieck.

    Madame macht sich Gedanken: „Was ist Recht?“ Unterscheidet sich „Recht“ von „das Recht“?

    Bei diesen Gedanken stieß sie auf den Heavy-Metal-Mathe-Professor Christian Spannagel und seine Ausführungen zum Flipped Classroom. Ich verstand, warum Spannagel-Videos seid vielen Jahren zur Grundausstattung einer/s jeden Mathe-Lernenden-Studis gehören.

    Mit Lernen – also Neu-Lernen – ist bei mir natürlich gerade gar nichts. So kurz vor der Klausur im Klausurlaub denke ich „Alles was ich während des Kurses schon nicht verstanden habe, verstehe ich jetzt auch nicht mehr.“ Aber ich bin eigentlich optimistisch, dass ich bis in den Juli/August hinein genug verstanden habe, um zu bestehen.

    Jetzt halt: Wiederholen. Sich erinnern. Und den handschriftlichen DIN-A4-Spickzettel erstellen, den ich mitnehmen darf.

    Erinnerungen an den Sommer: Beim 18 Grad und Dauerregen schaue ich Studientagsvideos. Die kümmern sich zwar nur um Mathe, aber ab und an kommen auch die Bedingungen des Studientags vor. Lebhaft erinnere ich mich an 34 Grad Außentemperatur – wir saßen in einem nicht-klimatisierten 80er-Jahre-Unibau, in dem wir die Fenster nicht öffnen durften, denn direkt davor war die Baustelle. Sie erzeugte Lärm und Staub.

    Und so pivotierten wir links herum und rechts herum und wieder rechts herum und vielleicht auch einmal auf dem Kopf, dass einem ganz schwindelig wurde. Sei es wegen der 34 Grad, sei es wegen der Pivoetten.

    Jetzt ist angenehmer. 18 Grad. In der Wohnung bei bedarfsweise offenen oder geschlossenen Fenstern. Natürlich verlernhöhle ich dabei auch. Es kommt zu wenig mehr als einem Gang zum Supermarkt, zum Fahrradmeister und vielleicht auch mal mit Lernmaterialen in den Park.

    Tablet mit Matheaufgabenfilm. Im Hintergrund Wohnzimmer.
    In da Lernhöhle

    Die Hinterhausbaustelle bietet uns wieder Gerüstnahsehen an. Denn das Hinterhausgerüst verschwindet endgültig. Die alleroberste Etage, die über das Dach hinausragte ist bereits weg, weitere werden vermutlich folgen. Die katzenhafte Sicherheit mit der die Herren dort herumturnen – beeindruckend.

    Andere Herren legten dafür mit der Dachbodenbaustelle über unseren Köpfen los und fanden eine Mauer zum Einreißen. Es wirkt genau so wie es sich liest: „Direkt über Deinem Kopf wird eine Mauer eingerissen.“ Ich hoffe, sie setzen das nicht fort, wenn ich gerade eine Onlineklausur schreiben möchte.

    Madames Armbaustelle baut auch ab. Tagsüber darf sie sich wieder ohne Rüstung, nacktarmig und orthesenfrei in die Öffentlichkeit wagen. Nur Nachts, wenn niemand die Armbewegungen kontrolliert, ist der gerüstete Schutz nötig. Sonst steht halt das übliche Programm auf dem Plan, um Arm und Handgelenk wieder zum Leben zu erwecken.

    Zur Feier des Tages trafen wir uns bei der Kaffeerösterei Enrico, tranken Galao und aßen Zitronen-Baiser-Tarteletts. Zur Feier des Tages verschwand Madame im Stadtbad Schöneberg (Schwimmen: Gut. Radfahren: Böse.) Und zur Feier des Tages brachte sie ein neues Geodreieck mit. („Ignorieren Sie nicht die geometrische Lösung einer Optimierungsaufgabe!“)

    Das Weihnachtsbaumgeschäft brummt

    Corona existiert noch. Der politisch-moralisch stets mustergültig postende Teil der Menschheit muss sich noch zurückgewöhnen. Auf Tröt lese ich mehrere Posts des Inhalts „Ich bin erst zwei Stunden zur Rush Hour mit der Ringbahn gefahren, war dann in der Karaokebar, um erst im Aufzug Potsdamer-Platz-Aussichtsturm 15mal rauf und runter zu gelangen und dann in den KitKat-Club zu gehen. UND NUR ICH HATTE EINE MASKE AUF!“. Aber das wird noch.

    Das Silofeuer in Wesselburen ist gelöscht. 500 Einsatzkräfte auf mehreren Landkreisen bis hin zu Experten der Hamburger Berufsfeuerwehr.

    Die Wikipedia-Gruppe Hannover entdeckte eine*n verstorbene*n Erblasser und fuhr mit dem Erbe nach Posen/Poznań.

    Via Landlebenblog lernte ich: Das Weihnachtsbaum-Geschäft brummt quasi schon, Sie sollten sich also eilen, wenn Sie noch einen vernünftigen Baum ergattern wollen

    Merken: ChubbyCable. Gutscheincode: edent. (Suchwort Ladekabel, USB-C, Lightning)

  • 23-02-28 Flammet um mich her!

    23-02-28 Flammet um mich her!

    Madame ließ sich von acht Azubis (m/w/d) umgarnen.

    Die Freundin von MMB hat ein neues parfümiertes Waschmittel. Sie arbeitet sich an die perfekte Dosierung heran. Heute hatte der gesamte Nordflügel etwas davon. Die Reaktionen reichten von „Bitte arbeite auf dem Platz neben mir“ bis zu „Junge, hier ist ein Zehner. Kauf Dir in der Mittagspause bitte einen Knoblauchdöner.“

    Der Vor-der-Haustür-Weihnachtsbaum verschwand.

    Nachdem ich mehr oder weniger zwangsweise im letzten Spätherbst unseren Stromanbieter wechselte bekam ich nun vom neuen – etwa vier Monate nach Vertragsabschluss – eine Mailankündigung mit dem „Willkommensbonus.“ Das warf mich so aus der Bahn, dass ich haaresbreite diesen Vertrag gleich wieder gekündigt hätte.

    Vor einigen Jahren sahen Madame und ich in der Komische Oper eine Aufführung, die großartig war. Relativ neue (20. Jahrhundert) Opern, inszeniert als eine Art Stummfilm/1920er-Comic/Experimentalfernsehen – eine große Videoprojektion, in der Menschen sich bewegten. Großes Kino im wahrsten Sinne des Wortes. Der Versuch, dies später nachzusuchen, scheiterte. „Französische/russische Oper, Künstlergruppe der Namen irgendwie kurz war und aus Ziffern bestand“ war nicht findbar.

    Beleuchteter Eingang zur Komischen Oper zur Blauen Stunde.

    Bis jetzt, ha!. Im Rahmen unserer privaten Barrie-Kosky-Komische-Oper-Festspiele hatten wir auch Karten für „Die Zauberflöte“; eine Inszenierung, die inzwischen weltweit gespielt wird und zum Beispiel der New York Times als Referenzwerk für andere Inszenierungen gilt. Diese ist besonders. Wir fanden heraus: Denn sie wurde zusammen mit demselben Künstlerkollektiv entworfen und hat eine ähnliche Stummfilm-Comic-Ästhetik. Und ist großes Kino.

    Das Kollektiv ist 1927 (theatre company) aus Margate, UK und die damalige Inszenierung war PETRUSCHKA / L’ENFANT ET LES SORTILÈGES. Ihr neuestes Werk spielt in Wien. Es fühlte sich damals mehr nach Spätprogramm im Fernsehen, Nischenprogramm für Nischenpublikum an. Wenig ahnten wir, dass aus derselben Quelle die erfolgreichste Inszenierung der gesamten Kosky-Zeit kam.

    Das Publikum: Jünger und vielfältiger als in anderen Opern, selbst für Komische-Opern-Verhältnisse. Sehr begeisterte uns die Gruppe französischer Student*innen in unseren Reihen, die einfach die ganze Oper und ihre Inszenierung mit Lachen und Spontanapplaus feierten. Es war aber auch schön.

    Hintergrund zur Inszenierung gibt es an anderen Orten: Kosky and 1927’s Magic Flute: A complete reinvention celebrates the opera’s roots

    Nebenentdeckungen: Meine Güte, ist das Libretto gaga. Selbst gemessen an den niedrigen Ansprüchen, die Opernlibretti in Hinsicht Sinn und Logik im Allgemeinen erreichen, ist dieses Libretto ganz besonders absurd. Was ganz gut ist: Dann fällt es nicht auf, wie schlimm das Libretto inhaltlich ist. Wie Kosky sehr diplomatisch sagt: „It’s one of those pieces that’s a minefield of problems“

    Dafür dass die Königin der Nacht eine der berühmtesten Opernrollen überhaupt ist, bekommt sie überraschend wenig Bühnenzeit. Aber okay, die Rachearie. Die ich überraschenderweise auf einer Karaokesite fand. Okay, Karaoke und Alkohol gehen manchmal seltsame Verbindungen ein: Aber die Rachearie?

    Neben-Nebenentdeckung: Es gibt einen Rosa-von-Praunheim-Film mit Edda Moser: „Operndiven und Operntunten“ und den muss ich unbedingt sehen.

    Zurück nach Berlin: An der Autobahnauffahrt steht keine Polizei mehr und trotzdem wird sie nicht beklebt. Im Internet las ich, dass die Letzte Generation anbietet, die Proteste gegen politische vergleisweise läppische Konzessionen einzustellen. Und ich dachte: „Leute, offensichtlich habt ihr ein Mobilisierungsproblem, Euch gehen die Freiwilligen aus und ihr versucht den ehrenvollen Abgang.“ Das Problem mit der apokalyptischen Alles-oder-Nichts-Politik: Wenn das Ergebnis nach mehreren Monaten nicht „Alles“ ist, interpretieren es die eigenen Leute als „Nichts“, sind frustriert und gehen wieder.

  • 23-02-26 Exzess = Wölbung minus drei

    23-02-26 Exzess = Wölbung minus drei

    Alice Schwarzer und Sarah Wagenknecht setzen ein wichtiges Zeichen für die Gleichberechtigung. Auch alternde Frauen dürfen sich bei drohendem Bedeutungsverlust in wirren Wahn flüchten. Das ist kein rein männliches Privileg. Ich finde es wichtig, dass jede:r in einer Gesellschaft das Recht darauf hat, sich daneben zu benehmen, unabhängig von egal-was. Das ist wichtiger, als das unproblematische Sachen für alle erlaubt sind.

    (Wobei ich, bei allem was ich inzwischen über das Funktionieren des Kremls weiß, nicht ausschließe, dass bei Sarah Wagenknecht der Wahn durch ein auskömmliches russisches Nebeneinkommen ergänzt wird.)

    Ich setze weiter darauf, 2024 in Odesa urlauben zu können – und das ganz sicher nicht unter russischer Flagge.

    Vorerst aber erfüllte ich meine Bürgerpflicht, indem ich beim Klimavolksbegehren Berlin 2030 abstimmte. Mein Bauchgefühl „Klima, find ich gut“ habe ich vorher noch durch etwas Recherche ergänzt. Fazit:

    • die Initiatoren bleiben beim Thema „Was bedeutet ein ‚Ja‘ nun genau“ absichtlich vage und sehr unbestimmt. Das finde ich schlechten Stil. Es erklärt, warum es vielen Menschen so wie mir geht: Sie schwimmen inhaltlich, wenn sie sich entscheiden sollen.
    • Die Maßnahmen, die aus einer erfolgreichen Abstimmung folgten, wären einschneidend und würden Berliner innerhalb und außerhalb des Rings schmerzhaft im Alltag treffen – wenn sie engagiert von einer kompetenten Verwaltung umgesetzt würden.
    • Aber: Die Verwaltung ist eine Berliner Verwaltung, die von einer Regierung mit SPD- und/oder CDU-Beteiligung geführt werden wird. Das spricht weder für Engagement noch Kompetenz.
    • Wir können froh sein, wenn überhaupt etwas passiert.
    • Und damit etwas passiert, damit die einschlägigen Organisationen und Personen Mittel haben, um widerwillige Verwaltung und Regierung in die richtige Richtung zu treiben, ist das Volksbegehren hilfreich.
    • Ich briefwählte guten Gewissens mit Ja.

    Madame richtete den neuen alten Rechner ein. Nachdem wir gute Erfahrungen damit gemacht hatten, refurbished Gebraucht-Mobiltelefone zu kaufen, versuchten wir es nun auch mit Laptops. Der Rechner musste zweimal zurück zum Händler.

    Beim ersten Versuch, weigerte der Laptop sich, das Windows 11 22H2-Update zu installieren. Ein Blick in die Update-Historie erbrachte, dass auch beim Händler schon fehlgeschlagene Updateversuche stattgefunden hatten.

    Beim zweiten Versuch (selbe Modellreihe, aber wir bekamen ein anderes physisches Gerät), wurde ein Akku gar nicht erkannt und der andere auch eher schlecht befüllt. Also wieder zurück. Der dritte Anlauf immerhin lässt sich gut an. Und sowohl aus Umwelt- wie auch aus Geldgründen werde ich dauerhaft zum Gebrauchtrechnerkauf wechseln.

    „Die Umwelt“ in Gestalt eines Weihnachtsbaums liegt weiterhin vor der Haustür. Allerdings bekam er eine selbst für dieses Haus ungewöhnliche Partnerin: Auf dem Treppenabsatz zum ersten Stock stand eine Spingform. In einer Hälfte der Form befand sich eine Art Spinattarte, in der anderen Hälfte ein Tarteboden mit ausgekratzter Füllung. Was wohl die Geschichte dieser Form war und ihrer halben Tarte war? Nachdem sich über Nacht kein:e Besitzer:in fand, warf Madame Form und Tarte in den Müll.

    Alter Weihnachtsbaum vor Hauseingang,

    Währenddessen bereitete Madame Freitag einen Fisherman’s Pie (der aber gar nicht so geschmacklos war wie es sich für Freitag-Abend-essen-wir-English gehörte) und Samstag Linsen Stroganoff nach Frau Küchenlatein.

    Inspiriert durch die desaströse Riester-Abrechung dieses Jahr (angesichts der Veränderungsrichtung schon fast gut, dass es schon mit kaum-Geld-im-Vertrag begann), forschte ich, ob ich wenigstens gegen das 0%-Sparbuch etwas unternehmen kann.

    Irgendwann kam ich bei der Recherche vom Weg ab und jetzt ist eine Null-Gebühren-Kreditkarte auf dem Weg zu mir, mit der ich hoffentlich gebührenfrei Geld vom Sparkassen-Geldautomaten abheben kann.

    Lange suchte ich den Haken bei der GenialCard der HanseaticBank. Der einzige Haken, den ich fand, war das „Revolving Credit„-Prinzip der Karte: Die Besitzerin zahlt zum Monatsende immer nur einen Teil der in der Kreditkarte aufgelaufenen Schulden. Der Rest wird verzinst. Dies lässt sich aber einfach ausschalten.

    (Disclaimer: in diesem Blog gibt es keine bezahlte Werbung und wird es auch keine geben. Nur weil ich Experimentalkreditkarten erwerbe, ist das keine Aufforderung dass ihr das auch machen sollt.)

    Mich wundert, dass die HanseaticBank mit diesem Konzept Geld verdienen will. Aber letztlich ist das nicht mein Problem. Die HanseaticBank ist eine Tochter von Société Générale und Otto-Versand – wird also nicht den Fintech-StartUp-Move machen und unter „Move fast and destroy things“ plötzlich verschwinden.

    Jobs des 21. Jahrhunderts, deren Inhaber:innen ich bewundere. Samstagabend im Business Dress vor einer Webcam sitzen und solche Dödel wie mich Personalausweise schräg halten lassen für die Sicherheitsmerkmale bei der Personenidentifikation. Mein tiefsten Respekt gegenüber jeder/jedem, der das länger als vier Wochen durchhält.

    Ach ja, ich lernte. Statistik und Wahrscheinlickeitsrechnung. Und stellte fest: meine mathematische Achillesferse ist das Summenzeichen Σ.

    Über Kaltmamsell und Boddenbohm kam Mikka in Markdown zu mir: PLEASE blog.