Schlagwort: Die Jakobsbücher

  • 25-02-18 Zerreißen sie den Stimmzettel

    25-02-18 Zerreißen sie den Stimmzettel

    Im Feldkampf gegen BV Garding unterlag Achtung Wesselburen nach bewegtem Duell knapp mit zwei Metern Kiek ut. Garding hatte bereits zwei Schott erspielt, musste diese jedoch im Lauf des Matches wieder einsetzen. Leider für Wesselburen entglitt dem 20. Boßler die Kugel stark auf den mit hohem Gras bewachsenen Deich, und das war der Sieg für Garding.

    Auf der Straße: ein Schneeräum-Smart. Den Bus überholte ein Zweisitzer-Smart, vorne mit montierte Schneeschaufel, hinten mit Salz/Kies-Streu-Trommel. Es wirkte durchaus professionell. Nur sehr klein.

    Madame bekam ihren Koffer wieder. Der Kofferreparateur lobte das Modell, hadert aber mit seinem Gestänge.

    Die Lörracher demonstrierten.

    Die Manic Street Preachers veröffentlichten ein neues Album, ich bin unterwältigt.

    Nach der Klausurabgabe Betriebliche Informationssysteme habe ich die Notenstatistik des Vorsemesters angeschaut. Oops, Durchschnitt 3,5, gut ein Drittel der Schreibenden ist damals durchgefallen. Irgendwie hatte ich die Klausur als gar nicht so selektiv im Hinterkopf gespeichert.

    Glücklicherweise muss ich hier nichts über Politik schreiben: Rebecca Solnit nimmt mir in ihrem Newsletter die Worte aus dem Mund . Fast möchte ich sagen, sie schreibt wortwörtlich das, was ich auch schreiben würde. Aber natürlich hat sie es tiefer durchdacht als ich gerade und formuliert besser als ich je könnte: No One Knows How This Will End (But I Do Not Think It Will End Well for Them):

    I don’t know where Trump, Musk, and Vance’s story ends, but I know it doesn’t end with them in power, and I don’t think it will end particularly well for them, though my main concern–and yours, I presume–is trying to prevent damage along the way. And I’m convinced that if we take action, we get to write some of the chapters and maybe revise or erase some of what they’re trying to impose.

    Der Hallig-Gröde-Paragraph

    Madame als Briefwahllokalschriftführerin bekam eine persönliche Schulung im Rathaus durch die Leiter der Briefwahlzentren. Ich als Bundestags-Wahlhelfer der Reserve musste mich mit dem Schulungsvideo begnügen. Gegenüber meiner letzten Urnen-Wahlhilfe entdeckte ich zwei Änderungen:

    • Die Wahllokale sind angehalten, ziemlich genau die Länge der Schlange vor dem Lokal zu monitoren. Zweimal am Tag sollen sie die Zahl der Wartenden melden – vermutlich, damit die Wahlleitung einschreiten kann, wenn Schlangen zu lang werden.
    • Überraschend viel Zeit verwendete die Schulung auf den Sonderfall nach §68 Abs. 2 BWO „Ergibt die Feststellung .. dass weniger als 30 Wähler ihre Stimme abgegeben haben“. In diesem Fall wird unter komplexen Regularien und stringenter Dokumentation nach 18 Uhr das Wahllokal aufgelöst und die Stimmen zusammen mit einem anderen Wahllokal ausgezählt.

    Nicht neu hingegen war der ausführliche Tanz, um Briefwähler*innen, die dann doch im Wahllokal auftauchen. Auch das ein hingebungsvoll choreographierter Akt mit vielerlei Durchschlägen.

    Es läge mir fern, Menschen von der Wahl abzuhalten; aber falls ihr Briefwahl beantragt habt, macht ihr das Leben Eurer Wahlhelfer deutlich einfacher, wenn ihr auch wirklich briefwählt. Und falls nicht: Bringt auf jeden Fall den Wahlschein mit. Sonst werdet ihr zurückgewiesen.

    Falls ihr den Stimmzettel mitbringt, den ihr für die Briefwahl bekommen habt, so ist die Anweisung „zerreißen sie den Stimmzettel vor den Augen des Wahlberechtigten und händigen sie einen neuen aus.“

    Die Jakobsbücher

    Nachdem die Klausur vom Tisch war, konnte ich ein weiteres Opus Magnum beenden. Die Jakobsbücher – begonnen im Sommerurlaub – sind fertig. In Bücherregal meines Inneren teilen sich die Jakobsbücher eine winzige Nische mit dem Zauberberg und Don Quijote. Auf der Nische steht „Mühsam, langweilig, aber so großartig, dass jede Stunde es wert war.“

    Olga Tokarczuk erzählt in den Jakobsbüchern auf etwa 1200 Seiten das Leben des Jakob Frank (geb. Jakub Lejbowicz), Wanderer zwischen den religiösen Welten, Jude und Christ, Religionsgründer und fast-Messias sowie seiner Anhänger durch das Polen des 18. Jahrhunderts.

    Das Buch beginnt vor Franks Geburt und endet nach seinem Tod. Dabei hat die Erzählungen Ausschweifungen und ein Erzähltempo, das eher dem 18. Jahrhundert angemessen erscheint als dem 21. Auf Seite 3 hatte ich den Überblick über alle handelnden Personen verloren. Wechselnde Erzähler, Zeitsprünge und erzählerische Kreisbewegungen lassen das Buch im Stil fast wie eine Andacht oder Meditation wirken.

    Passend zum Thema spielt sich das Buch sowohl in einer realen wie in einer geistigen Welt ab. Dabei hat die reale Welt der Zeit genug Veränderung: es beginnt tief auf dem Land im polnischen Shtetl, geht über Warschau, Tschenstochau und den kaiserlichen Palast in Wien und endet in einem Offenbacher Schloss, während sich die Französische Revolution abspielt.

    Europa tritt aus dem Rest-Mittelalter in die Aufklärung hinein, und mittendrin die Gruppe getaufter Kabbalisten auf ihren seltsamen Wegen. Ein erfreulicher Realismus: da das Buch ein ganzes Leben abdeckt, altern die Protagonisten, man erlebt den Wandel unterschiedlicher Charaktere von der stürmischen Jugend hin bis ins hohe Alter.

    Geographisch gar nicht so weit weg, das nächste angefangene Buch: Dmitrij Kapitelman: „Eine Formalie in Kiew“. Kapitelman, 1991 mit acht Jahre als jüdischer Kontingentflüchtling aus Kiew gekommen, will Deutscher Staatsbürger werden. Dafür benötigt er eine Geburtsurkunde, die nur die ukrainischen Behörden vor Ort ausstellen können. Bisherigerer Eindruck: das Buch ist Satire, aber bitterer und trauriger als der Klappentext vermuten lässt.

    Weil ich gut ignorieren kann, wie viele ungelese Bücher ich noch besitze, führte mich mein Weg zur Stadtbibliothek Schöneberg. Dort wartete Lutz J. Heinrichs Geschichte der Wirtschaftsinformatik – Entstehung und Entwicklung einer Wissenschaftsdisziplin auf mich. Ich bin gespannt, ob es mir gelingt, sie aufzuschlagen, bevor die Leihfrist abläuft.

    Vor der Bibliothek. Im Hintergrund der Vorplatz vor dem Stadtbad Schöneberg. (Leider derzeit Baustelle)

    Klezmer Futura Fediverse

    Wie ein New Yorker Sohn eines Calypsobassisten den Klezmer wiederbelebte: A little thread celebrating one of the great albums of Jewish-American music, DON BYRON PLAYS THE MUSIC OF MICKEY KATZ

    Die Deutschen Bahnhofsschilder seit den 1950ern und wie sie schicker werden. Von Futura nach Arrow., Deutschlands Bahnhofsschilder.

    Herr Rau über den Stand der Demilliardärisierung.

    Der Pixelboomer bastelt derweil daran, eine Instanz im Fediverse aufzusetzen.

    Es ist erstaunlich, wie schlecht Computer (=Rechner) im Wahrheit im Rechnen sind. Wie Hans J- Boehm durch 10 mathematische Theoriekreise stieg, um Android eine funktionierende Taschenrechner-App zu gönnen: „A calculator app? Anyone could make that.“

    Queere Rollatoren gegen Rechts.

  • 25-01-28 The most unglamourös Gericht on earth

    25-01-28 The most unglamourös Gericht on earth

    Madame bekam eine Einladung zur Wahlhelfendenschulung. Ich bekam eine Einladung als Zählkommission.

    Der ehemalige Asia-Imbiss im Südkreuz verwandelte sich in Döner Biz.

    Die Otto-Bock-Zentral am Potsdamer Platz verwandelte sich im Laufe der letzten Jahre in eine Telekom-Dependance.

    Büromaterialversandhändler Böttcher spendete möglicherweise über Umwege eine Million an die AfD. Ich muss mir wohl einen neuen Kugelschreiber- und Paketbandabrollerversand suchen. Schade. Aber es gibt Grenzen.

    Ich weiß nicht, was die Freunde auf dem Dachboden machen. Aber unser Schlafzimmerfenster sieht von außen aus als hätten es sich im Schlamm gesuhlt.

    Mir träumte, ich müsste den Rückflug aus Portugal erwischen. Leider fand ich meinen Koffer nicht mehr. Und niemand konnte mir sagen wann der Bus zum Flughafen fährt. Dementsprechende Hektik herrschte im Traum. Als ich aufwachte, musste ich mir mühsam sagen, dass Sonntag ist, und ich überhaupt nirgendwo hin muss.

    Die Entschleunigung gelang. So brauchte ich dann auch 13 Stunden nach dem Aufstehen, um zumindest mit den Jakobsbüchern in die Badewanne zu kommen.

    Vorher Fernsehen.

    Ich schaute die ersten Folgen von „Ich bin ein Star“. Ich muss ja Auskunft geben können, wenn Madame mich fragt wer wer ist.

    Ich staune, dass sich Reality Star weiterhin zum Ausbildungsberuf mit Karriereoption entwickelt. Alessia Herren „Mein Traum wäre es bei Aldi an der Kasse zu sitzen mit einem regelmäßigen Einkommen.“ Yeliz Koc: „Ich hab dann viele Dating Shows gemacht. Ich bin froh, dass ich da endlich raus bin und zum Dschungelcamp aufgestiegen.“

    Und wenn man drüber nachdenkt gibt es vermutlich viele Jobs, die besser bezahlt und inhaltlich weit unseriöser sind als Reality Star.

    Selbst in unsere friedliche bodenständige AöR zieht das Schlagwort KI ein.

    Nachdem wir feststellten, dass Netflix genau gar keinen der 100 berühmtesten Paris-Filme im Programm hat, fand ich Furies.

    Furies ist eine nett geistlose aber explosionsreiche Serie über die Pariser Unterwelt.

    Der Plot: Die sechs Familien habe eine „Furie“ als Aufpasserin und Polizei zwischen sich. Ein junges Mädchen gerät in das Geflecht aus Unterwelt-Paten und Furie. Sie wird als Nachwuchsfurie gecastet. Nach und nach entwickelt sich in immer abstruseres Geflecht aus historischen Verwicklungen.

    Aber ich sehe tolle Paris-Aufnahmen und tolle Explosionen.

    Madame fuhr mit ECE150 am Europapark vorbei, später stieg sie in Frankfurt in den ICE832 um.

    Die Tage zuvor testete sie die neue Busverbindung Markgräflerland-Elsass-Flughagen Mulhouse/Basel/Freiburg. Die Verbindung akzeptiert jede Menge verschiedenste Fahrscheine aus halb Europa, darunter auch das Deutschlandticket. Und plötzlich wird ein Busausflug ins Elsass ein Kinderspiel. Manches wird besser auf der Welt.

    Montag: Arbeit.

    ECE, ICE und Elsass-Bus fuhren besser als der Berliner Nahverkehr. Die Busse und U-Bahnen und Trams wurden durch den Ver.di-Streik lahmgelegt. Die S-Bahn litt unter Personen im Gleis.

    Dafür traf ich WiseWoman auf dem Bahnhofsvorplatz. I’m delighted.

    Zum Glück kann ich auch einfach nach Hause laufen. Hätte es nicht geregnet, wäre es sogar noch besser gegangen.

    Kartoffeln mit Graupen. Als Brei.

    Damit ich am Sonntag nicht nur fernsehe – was sollen denn die Leute denken! – köchelte ich noch ein wenig vor mich hin.

    Wir haben größere Mengen Crowdfarming-Avocados. Und so kochte ich ein fleischarmes Schwarze-Bohnen-Chilli. Ich hoffte auf die Aussicht, ein Avocado-Limetten-Salsa anzurühren.

    Außerdem kochte ich etwas, dass einerseits das am wenigsten sexieste Essen der Erde sein könnte – andererseits aber als Unesco-Welterbe geschützt ist: Mulgi Puder.

    Ein estnischer Brei aus Graupen und Kartoffeln und Salz. Und sonst nichts. So wie es klingt ist es vielleicht auch das geschmacksneutralste Essen der Welt. Noch weiß ich es nicht, denn noch probierte ich nicht.

    Ich konsultierte mehrere Rezepte. Alle waren sich einig; In Mulgi Puder gehören Kartoffel und Graupen. Sonst nichts. Zum servieren dürfen dann noch Speck dazu, oder Kräuter oder fermentiertes Gemüse oder fermentierte Milch (=etwas Joghurtartiges). Hier unterscheiden sich die Rezepte.

    Aber die Essens scheint der graugelbe Brei ohne Geschmack zu sein.

    Ein Essen konstitutiv für die Kultur der Mulgi, die bei Valga leben. Gestern noch im Unesco-Report, heute auf ihrem Tisch.

    Blau, grün, braun, Schneefarben

    Mehr zum Thema Böttcher und die AfD und so: Weitere Details zum AfD-Spender aufgetaucht

    Poupou besuchte die Nordlichter-Ausstellung in der Foundation Beyeler und war sehr angetan:

    warmes Blau, warmes Grün, rötliches Braun, Schneefarben. Die Szenerie wirkt stets statisch, auch wenn Spuren im Schnee, Lokomotivenqualm oder abgeholzte Stämme die eben aus dem Bildausschnitt getretenen Menschen verraten. Spärliches Licht und dunkle Horizonte kontrastieren Schneemassen auf Hängen und Wäldern. Der Schritt zum Abstrakten wäre nicht weit – genau wie zum Ornament und zum Dekorativen, Tapetenhaften, wie es sich in einem von goldenen Kanteleseiten überspannten Wasserfall zeigt.

    Frau KrautundRüben las an der Alpe Adria Universität in Klagenfurt.

    Readinginsweden war auch auf der Pro Democracy Rally am Brandenburger Tor: 26.1.2025 Wochenende Lebe lieber bunt

    Ebenso wie loosy die Demo besuchte: 25.01.2025 – Bunt statt SchwarzZuBlau

    Frau Kluges & Scheiß empfiehlt ein Tanzvideo.

  • 24-12-24 Samstags steht unser Wasserspielzeug DOGGY zur Verfügung

    24-12-24 Samstags steht unser Wasserspielzeug DOGGY zur Verfügung

    Schlafen, schlafen nicht mehr ganz so müde. Der Kalender gönnt uns drei Tage zwischen den Zeiten – nicht mehr Alltag, aber auch noch nicht Weihnachten – und diese wirken wie ein langsames Ausatmen über 72 Stunden.

    Von beiden Seiten schwappt es herein in diese Tage der unwirklichen Schwerelosigkeit. Die Downton-Abbey-Filme auf DVD fühlen sich weihnachtlich ein. Ebenso der wiederentdeckte Sherry zum Roman. Paketeinpacken und ein letzter Gang in den Supermarkt gehören noch in die Rubrik Alltag. Die letzten verschollenen Pakete tauchen auf. Noch sind nicht alle angekommen, aber bei den Übrigen wissen wir immerhin ungefähr wo auf dem DHL-Weg sie sich befinden.

    Innerlich überschlage ich kurz Seminar- und Klausurtermine und denke, dass ich eigentlich dafür etwas tun müsste. Aber zu kostbar erscheinen mir diese Tage des Schwebens zwischen den Zeiten.

    Mehrere Tage hintereinander las ich konzentriert ein Buch – wann passierte dies zuletzt? Weiterhin in Olga Tokarczuks Jakobsbüchern, die sich langsam dem Ende nähern. Die Protagonisten werden alt, die neue Welt, die sie um sich herum erleben, ist nicht mehr die Welt des Buches, nicht mehr wirklich die ihre.

    I feel like I am living on another planet now – sagt die Dowager Countess of Grantham im Downton-Abbey-Film – Everybody does, lautet die Antwort, you only need to live long enough.

    Ich las Nils Minkars Newsletter und über Deutschland und Frankreich und das Elend der jeweiligen Politik; kurz darauf „Schleswig-Holstein. Die Kulturzeitschrift für den Norden.“ mit einem Portrait von Carl Friedrich Cramer – deutscher Intellektueller zur Zeit der französischen Revolution. Er war Übersetzer von Schiller ins Französische und Übersetzer von Rousseau und Diderot ins Deutsche – glühender Anhänger der französischen Revolution, aus Kiel vertrieben nach Paris und am Ende in Frankreich politisch so heimatlos wie in Deutschland. Ein Minkmar des späten 18. Jahrhunderts und auch nicht.

    Die Mahlzeiten eine Mischung aus Tiefkühler-zum-Jahresende-ausleeren (Pomeranzenmarmelade, Skinny Boullabaisse aus Tiefkühl-Muscheln und Garnelen), Frankfurter Kranz bei Bäcker Plentz und Rehgulasch-Reste. Wir kaufen letzten Lauch. Denn weil wir Heiligabend zu zweit verbringen und total crazy sind, wird es Fondue irlandaise geben aus Cheddar, Guiness, Whiskey und Worcestersauce mit Roggenbrot und Lauch.

    Mr. Darcy – Ettenbühl Sunset – Tuscany Superb – Betty Prior

    Das allerletzte verschollene Paket lokalisierten wir in dem Schreibwarenladen/DHL-Filiale auf den Märkischen Hamptons. Zum Glück kennen sie uns und die Siedlung, wissen, dass es im Winter ein paar Tage dauern kann bis wir kommen, und behielten das Paket trotz Fristablaufs im Laden.

    Der Wasserversorgen hatte uns hinausgerufen. Wir sollten zum Jahresende den Zählerstand mitteilen. Dazu: Durchatmen, Weite. Trotz windigem Nieselregen die Freude draußen zu sein und den Himmel zu sehen. Stanwell Perpetual macht ihrem Namen alle Ehre und blüht noch. Selbst Violina scheint noch eine Knospe hervorzubringen.

    Wir überwanden die klamme Nässe, setzten Mr. Darcy und Ettenbühl Sunset (Beet), Tuscany Superb (die Alte-Rosen-Allee-in-Entstehen) und Betty Prior (Vorgarten).

    Festtagspreis wie früher

    Endlich wieder schwimmen gehen, wie seit Wochen nicht mehr. Endlich den schwarzen peinlichen Fleck auf meiner inneren Berliner Schwimmbadlandschaft füllen: Wir nutzten die Fahrt zu den Latifundien für einen Abstecher im Stadtbad Hennigsdorf. Dies eröffnete nach Neubau 2023 und noch nie war ich dort.

    Vorgänger: das aqua Hennigsdorf, von mir geliebter Typenbau der DDR-Volksschwimmhalle C. Schlicht und doch von einer untypischen Eleganz für den Arbeiter- und Bauernstaat mit Diktaturhintergrund. Jetzt abgerissen.

    Der Neubau überrascht: in Bahnhofsnähe – sogar öffentlich erreichbar. Von außen so schlicht, dass wir ihn mit dem Auto ein paarmal umrunden, bevor wir das Schwimmbad ausmachen. Innen: Im Geiste seines Vorgängers. Schlicht – keine zusätzliche Deko, ein Schwimmerbecken, ein Nichtschwimmer, ein kleines niedriges Nichtschwimmer und ein Planschbecken – Holz, Stein und Glas. Jegliche Gestaltung besteht aus Funktionselementen.

    Ein Bad, das mitdenkt wie ich mir wünsche: Föne umonst; im Schuhausziehbereich stehen Schuhlöffel; die Verriegelung der Kabinen mit dem besten störungsfreisten System; in den Duschen ausreichend Ablagen und Haken. An der Decke eine Markierung für die Rückenschwimmer. Ein Bad in dem irgendwie alles funktional ist, und zusammen doch irgendwie schön.

    Die Digitaluhr in der Halle fungiert auch als Anzeigetafel. Ich erfahre, dass Mittwochs und Freitags(?) eine Bahn für Flossen- Anzug und Geräteschwimmen frei ist, sowie das Samstag das große Wasserspielzeug DOGGY im Schwimmerbecken bespielt werden kann.

    Weil Ferien sind, hat das Bad Montagmittag für die Öffentlichkeit geöffnet. Weil Festtage sind, bezahlen wir einen Eintrittspreis wie früher.

    Kein Weihnachtslied

    Elke Brüser beobachtet Kraniche: Geflügelte November-Fischer

    Dieser Haushalt hat zu Weihnachten ein besseres Verhältnis als zu Deko. Und so besteht die Weihnachtsschmückung aus einem Adventskranz, einem Herrnhuter Stern und der immerwährenden Lichterkette, die im Frühjahr und Herbst als Kinobeleuchtung für Beamer-Abende fungiert und im Dezember als Weihnachtsschmuck. Die einzige Variante eines Weihnachtsbaums, die ich mir für mein Heim vorstellen kann, steht sowieso im Garten und sieht ungefähr so aus. Aber Garten und Wohnung liegen weit auseinander – also nichts.

    Dennoch finde ich das Konzept Weihnachtsbaum spannend, habe einiges über ökologisch-nachhaltiges Weihnachtsbaum und Gardenwashing bei Gunhild Rudolph gelernt: Die Tradition des Weihnachtsbaums und Der ökologische Weihnachstbaum.

    Die Kaltmamsell sah ein Theaterstück über (im weitestmöglichen Sinne) ein Schwimmvereinsmitglied. Die Bühnendeko immerhin ausschließlich in Schwimmbadblau und Rot: Journal Sonntag, 22. Dezember 2024 – Laufwetterglück, Eine Zierde für den Verein im Marstall

    Zum Abschluss ein Weihnachtslied, das eigentlich kein Weihnachtslied ist. Schedryk, ukrainisches Volkslied über die Ernte und später bekannt geworden als Carol of the Bells. Ich muss dringend in die Ukraine sobald man dort nicht mehr von russischen Drohnen abgeschossen wird: The Unknown Ukrainian Carol that everyone knows

  • 24-12-05 Merken: Unfallkasse Berlin

    24-12-05 Merken: Unfallkasse Berlin

    Ob mensch 300 Hongkong-Dollar in Scheinen in Berlin in Euro wechseln kann ohne Aufwand für 500 Hongkong-Dollar dafür treiben zu müssen? Was ist mit den 100 mexikanischen Peso, die in derselben Kiste lagen?

    Auf der jährlichen Arbeitsschutzunterweisung lernte ich: Der klassische Unfall auf dem Weg zur Arbeit ist der Alleinunfall mit dem Fahrrad. Das kann ich bestätigen: Mein einziger Arbeitsunfall war 2019 (?) ein Alleinunfall mit dem Fahrrad auf dem Weg zur Arbeit. Es war im Winter fünf Uhr morgens, um die Null Grad, auf den meisten Straßen stand Wasser – nur auf dieser einen befand sich eine kleine Eisfläche.

    Passiert ist außer einer Prellung nichts. Aber eine schadhafte Hinzuziehung des Ellbogens stand kurz im Raum. Ich lernte die Segnungen des Wortes „Berufsunfall“ in Arztpraxen kennen. So schnell und ausführlich wurde ich spontan nie wieder behandelt. Aber ich lernte auch: das Zauberwort muss begleitet werden von der Nennung der zuständigen Berufsgenossenschaft.

    Nachdem ich diese über das Jahr zwischen den Unterweisungen vergaß, werde ich sie mir nun merken: Es ist die Unfallkasse Berlin.

    Auch gelernt. „Rauchen ist keine betriebliche Tätigkeit.“

    Ich frage mich, ob die IT-Personen-Unterscheidung in Team Lötkolben und Team Tastatur nicht nahezu identisch ist mit Team-im-Zweifel-behalten und Team-im-Zweifel-wegwerfen.

    Als kleines Nikolausgeschenk bekamen wir eine API-Schulung bei unserem Ticketsystem-Anbieter. Die entpuppte sich überraschend schnell als komplex, klingt aber generell nach viel Spaß.

    Gelernt: die Steigerungsform vom Adventskalender ist der Weihnachtswichtel, der sich jede Nacht noch ein lustiges Programm überlegt. Du meine Güte. Why?

    Madame unternahm eine Tour durch West-West-West-Berlin und kam dabei auch am U-Bahnhof-Schlossstraße in Steglitz vorbei. Sie war beeindruckt von „Brutalismus in quietschbunt.“

    Von ihren Exkursionen brachte sie eine Zitronenpresse und Crowdfarming-Cacciocarvallo mit. Da ihr Weg am Recyclinghof begann, brachte ihr Ausflug dennoch einen Netto-Masse-Verlust an Haushaltmasse.

    Endlich ist der Trump-Sieg auch in unserem Briefkasten angekommen. Langsam können wir das New York Magazine1 wieder lesen. Das benötigt in seiner Papierversion immer ein paar Wochen bevor es von New York in den Briefkasten gelangt. Und in den letzten Wochen wussten wir natürlich wie die US-Wahl ausgeht. Das Magazin war aber noch voll großer Hoffnung auf Kamala Harris und in bang-freudiger Erwartung. Hart zu lesen.

    Besser: Wieder ein paar hundert Seiten in den Jakobsbüchern geschafft. Die sind genauso ausschweifend erzählt wie ich es mir für ein Werk der sehr frühen Neuzeit vorstelle. Am Ende ist es eine ähnliche Reise wie durch die Don-Quixote-Lektüre. Es will überhaupt nicht mehr aufhören, zeitweise wird es arg anstrengend. Gerade bei den Jakobsbüchern kämpfe ich auch nach 600 Seiten noch darum, den ganzen ausfernden Cast auseinanderzuhalten. Am Ende aber freue ich mich über jede Seite.

    Fasziniert bin ich von der Musk-Milei-Taktik der FDP. Offensichtlich wurde die These von Elon Musk zu lernen nur in die Welt gebracht, um von Pyramiden und offenen Feldschlachten abzulenken. Es funktioniert erschreckend gut.

    Abgestoßen bin ich, weil die FDP die klassische AfD-Methode anwendet: „Wir sagen irgendwas was inhaltlich komplett jenseits von Gut und Böse und der Realität ist. Menschen, die uns eh nicht wählen, wird es auf die Palme bringen und sie werden es empört breit thematisieren. Menschen, die uns vielleicht wählen, werden denken, dass es überspitzt und übertrieben ist, aber die Richtung stimmt.“

    Der andere Techniker

    Vor gar nicht so langer Zeit unterschrieben wir einen Termin für Glasfaser. Angekündigter Umstellungstermin: Februar 2025. Also noch weit hinter Weihnachten. Soweit ich verstand war Kabel weder im Keller noch vom Keller auf unserer Etage gezogen.

    Deshalb erstmal ignorieren. Ist noch lange hin.

    Die Telekom sah das anders, schickte gefühlt täglich Mails und SMS zur Umschaltung und drängelte auf einen baldigen Termin, damit wir den Wohnungsteil fertig bekamen. Wir ließen uns zum 4.12. drängeln.

    Wohnungstermin bedeutet Zugang zum Hausanschluss. Das ist nicht ganz trivial. Denn die Kommunikation läuft Telekom-Technik -> Telekom-Dispo -> Telekom-Callcenter -> wir -> Vermieter -> Hausverwaltung -> Hausmeisterservice -> Hausmeister oder umgekehrt. Detailabsprachen sind schwierig.

    Und so rief mich am 4.12. im 12 der Hausmeister an:

    Hausmeister: „Ich bin jetzt da. Wo ist der Techniker?“

    Ich: „AB 12 Uhr. Nicht UM 12 Uhr. Keine Ahnung; genauere Infos habe ich nicht.“

    H: „Öh“

    I: „Hm“

    H: (wegsprechend vom Telefon) „Sind Sie hier wegen der Glasfaser?“ (zu mir): „Wir haben Glück gehabt!“

    H: (fünf Minuten später): Ne, das war ein anderer Telekom-Techniker der aus anderen Glasfaser-Gründen an den Hausanschluss musste. Wann kommt denn ihrer?
    I: ?!?

    „Unser“ Techniker kam natürlich drei Minuten nachdem das eine wichtige Home-Office-Meeting des Tages angefangen hatte, bei dem ich als alleiniger Vorturner vorgesehen war. Wie man es sich wünscht. Entgegen allen Widrigkeiten funktioniert am Ende alles. Jetzt wartet der Anschluss nur noch darauf, dass wir unsere Nachbarn antreffen, um bei ihnen das Paket mit dem Modem auszulösen.

    Godot ist kein Dezemberkind

    Vielleicht doch Silvester auf Föhr? ZOLL-HH: 150 Kilogramm Kokain an Nordseestränden angespült/ Staatsanwaltschaft und Zoll ermitteln wegen illegaler Einfuhr

    Der rbb mit den Basisdaten unseres Bundestagswahlkreises 80: Bundestagswahl 2025 | Wahlkreis 80 Berlin-Tempelhof-Schöneberg (ergänzend: WK 58 – Latifundien: Oberhavel – Havelland II und WK 62 – Hafenstadt – Dahme-Spreewald – Teltow-Fläming III)

    Man kann wirklich jedes Dezemberkind fragen. Jeder von ihnen wird euch sagen, dass es keinen Spaß macht kurz vor, direkt an oder kurz nach Weihnachten Geburtstag zu haben.

    Vom sich verlieren & sich suchen.

    KI-Rant von Ed Zitron: Godot isn’t making it

    „There is no path, from what I can see, to turn generative AI and its associated products into anything resembling sustainable businesses, and the only path that big tech appeared to have was to throw as much money, power, and data at the problem as possible, an avenue that appears to be another dead end.

    And worse still, nothing has really come out of this movement. I’ve used a handful of AI products that I’ve found useful — an AI powered journal, for example — but these are not the products that one associates with „revolutions,“ but useful tools that would have been a welcome surprise if they didn’t require burning billions of dollars, blowing past emissions targets and stealing the creative works of millions of people to train them.“

    1. Nicht zu verwechseln mit dem New Yorker. Wenn der New Yorker Pink Floyd in ihrer frühen Phase sind, ist days New York Magazine die Spice Girls. ↩︎
  • 24-11-19 Ein Laubbläser heulte. Blut spritzte.

    24-11-19 Ein Laubbläser heulte. Blut spritzte.

    Anti-Brumm! Ich brauche Anti-Brumm! Ende November bei 3 Grad Außentemperatur in einer Innenstadtwohnung. Wie absurd kann es werden?

    So verstochen wie ich bin, scheint es wenig Alternativen zu geben. Unsere Arbeitshypothese: die Mücken lebten friedlich in einer Pfütze / Wasserbehältnis auf der Dachbodenbaustelle. Jetzt wo es kalt wird, fliehen sie ins Warme – und unsere Wohnung ist der nächstgelegene warme Aufenthaltsort.

    Der Sonntag blieb ein echter nur-nicht-rausgehen-Sonntag mit Romanlektüre. (Weiter in Olga Tokarczuks Jakosbüchern. Nach Der Dibbuk schon wieder der Handlungsort Wolhynien.)

    Bei plötzlich eintretenden Energieschüben machte ich mich an’s Heimbüro-Aufräumen: Kalender aufgeräumt; als Wahlhelfer angemeldet; Stromzählerstand Berlin gemeldet; am Stromverbrauch Latifundien herumgerechnet; die Monatszahlung für meinen Mastodon-Host erneuert; was man halt so macht.

    Madame besorgte derweil Foxgloves und Sourir d’Orchidee.

    Gelernt: das Kaufmanns-Und & entwickelte sich aus lateinisch et, das im Laufe der Jahre zu einem Zeichen verschmolz. Die Schriftgeschichte hat viele spannende Varianten dieses Zeichens hervorgebracht.

    Mir träumte, ich spiele eine Art SimLife mit 1980er-2D Graphik von oben. Nur die Soundeffekte waren äußerst aufdringlich. Irgendwann war ich wach genug, um die Soundeffekte als montäglichen Wecker zu erkennen.

    Passend dazu setzte ein Laubbläser ein. Er trieb mich ins Bad, wo ich eine der Stechmücken erwischte. Blut an der Wand! So viel Blut an der Wand! Wie konnte eine einzige Mücke mir so viel Blut abzapfen?

    Es gelang mir gerade noch, mich halbwegs morgenfertig zu machen, bevor the marvelous Frau Z die Wohnung betrat.

    In der Mittagspause den Kurzspaziergang ausnahmsweise links herum geführt. Dabei in dem Haus, das letzten Monat noch eine Baustelle war, zwei neue Lokalitäten gesichtet. Die Rote Insel verspricht Coffee and Food. Noch hat sie geschlossen, aber vielleicht könnte das etwas für die Mittagspause werden.

    Le Quartier sieht spannend aus. Aber 12,50€ für das einfachste Mittagsgericht sind doch etwas viel für täglichen Besuch. Aber vielleicht könnten wir mal einen lauschigen Abend machen bei Steak Tartar, Escargots, Bouillabaisse oder Steak Frites. Es kommt auf jeden Fall auf die Liste.

    Auf dem Heimweg konnte ich einen Blick auf den neuen 1-Cent-Dönerladen erhaschen: Ömi’s Gemüsedöner. Dem einsehbaren Innenleben nach gehört er zur besseren Hälfte der Dönerläden dieses Häuserblocks.

    Nach dem Heimweg erfreulicherweise noch die Energie gehabt wieder ernsthaft über Sensitivitätsanalyse nachzudenken und ein paar Schmierzettel vollzumalen. Dass ich das Wochenende nutzte, um mich in Raum und Zeit zu verorten, viele Liegengebliebenes wegzusortieren, half um mich wieder gedanklich auf die Uni stürzen zu können.

    Inhaltlich waren meine Sensitivitätsschmierzettel noch nicht so gehaltvoll. Aber da halte ich es mit Adrienne: „Der schwierigste Teil, ist es anwesend zu sein. Der Rest geht wie von alleine.“

    Egal

    Eine Kollegin fragte mich nach Tipps für den privaten Laptopkauf. Ich konnte mich gleich als Nicht-Nerd beweisen, in dem ich keine Präferenz hatte: Ist für Deine Zwecke1 ziemlich egal. Alles was in den letzten Jahren in den Handel kam, sollte technisch ausreichen.

    Ich würde lieber hochwertig-gebraucht kaufen als zusammengeschustert-neu. Wenn Windows, dann Windows 11, das wird noch länger supportet. Und wenn gebraucht, dann den Händler ein wenig anschauen, ob das Bauchgefühl passt. Sie selbst legte Wert auf einen 15-Zoll-Laptop oder größer.

    Zu technischen Details habe ich zwar Meinungen, halte die aber in dem Kontext für ziemlich irrelevant und verwirrungsstiftend. Um sie nicht ganz so verloren mit „ist egal“ heimzuschicken, suchte ich ihr noch einen Rechner heraus, den ich bestellen würde. (ThinkPad, 3 Jahre alt. 400 Euro)

    Hey Du, ich kann Dir Geld überweisen

    Ich beendete den Sonntagabend damit, Wero-Nutzer zu werden. Wero soll eine Art PayPal auf europäisch werden. Und ich leide schon länger darunter, dass es bei Zahlungen im Internet genau vier Möglichkeiten gibt – PayPal, Klarna, Visa, MasterCard – die mir alle gleichermaßen unsympathisch sind.

    Wer Nutzer eines deutschen Onlinebankings bei einer altmodischen Bank ist, kann sich Wero ziemlich problemlos einrichten. Im Zweifel ist es schon in der normalen Banking-App hinterlegt und muss nur einmal aktiviert werden.

    Nachteil: Noch kann es nix, außer Geld an andere Wero-Nutzer*innen zu übermitteln. Ich stellte schnell fest: die Zahl der Wero-Nutzer*innen im Bekanntenkreis beträgt Null.

    Erschütterung

    Frau Rabe inspizierte in Indien.

    Östlich von Istanbul ist östlich von Istanbul in Almaty (Kasachstan):

    Hinter der Kathedrale ist das Kriegerdenkmal Grund für meine Standardlektion ans Kind und die Lesenden: Deutschland überfiel im Zweiten Weltkrieg die Sowjetunion. Nicht Russland, sondern die ganze Sowjetunion. Ja, die Frage, wer angefangen hat, ist historisch eindeutig geklärt. Und es wurden alle Völker, auch jene die tausende Kilometer von der Front lebten, in den Wahnsinn hineingezogen. Kasachen und Uiguren, Usbeken und Kirgisen fielen überproportional häufig und auch wenn sie die deutschen Truppen nicht unmittelbar im Land hatten, wie der westliche Teil des Riesenreiches, traf die Mobilmachung, die brutalen Forderungen nach Abgaben für die Front und die Flüchtlingsströme aus dem Westen doch auch Zentralasien massiv.

    Harte Liebe für Patrick Bahners:

    Es gab in der FAZ regelmäßige, ausführliche Geburtstagskonferenzen und ein kompliziertes Regelwerk, wann runde und wann nur halbrunde Jubiläen zu einem Artikel führen. Patrick Bahners war der Zirkusdirektor in der Arena dieser Debatten und fasste sich erschüttert an die Stirn, wenn die Runde befand, der Geburtstag eines führenden schwedischen Numismatikers müsste nicht unbedingt in der Zeitung für Deutschland gewürdigt werden. (via der siebte Tag)

    Aus der Praxis: Versicherungstelematik im Auto bei Christian Buggisch.

    Eine andere iOS/Android-Alternative für das Handy: GrapheneOS in der langfristigen Nutzung

    1. Bißchen Internet, bißchen Office. Keine aufwendige Bildbearbeitung, keine Games, kein Bitcoin. ↩︎
  • 24-08-10 Gehölzrand mit lehmig frischem Boden, sommertrocken

    24-08-10 Gehölzrand mit lehmig frischem Boden, sommertrocken

    Spätsommer zeigt sich auch daran, dass man mitten am hellichten Tage verirrte Mücken in klimatisierten Konferenzräumen findet.

    Beim internen Newsletter herrscht anscheinend auch Sommerloch.

    Der US-Bundesstaat Maine wird vielleicht eine neue State Flag bekommen.

    Im Deutschlandfunk heißen Features die über mehrere Folgen laufen jetzt Podcast. Möge der Begriff der Zielgruppe (Hörer*innen und Intendanz) gefallen. Dabei fiel auch auf: Inzwischen haben auch Wissenschaftssendungen für Erwachsene im Deutschlandfunk einen Sound und in Teilen eine Sprache als wäre es die Sendung mit der Maus.

    Ich las mich quer durch Wikipedia und stellte fest, dass gleich zwei persönliche Helden in Riga geboren wurden: Isaiah Berlin und Heinz Erhardt. Zusatzfreude, weil ich beide toll finde, sie untereinander aber kaum unterschiedlicher sein könnten.

    An Die Jakobsbücher liebe ich ja auch die Nebenfigur des Paters Chmielowski, der versucht unter dem Titel Das neue Athen eine Sammlung allen Wissens der Menschheit zusammenzufassen und zu veröffentlichen. Etwas weltfremd, oft allein in seiner Kammer sitzen, ergriffen und überwältig von der Größe seiner Aufgabe. Er ist schwer entrüstet, wenn ihm vorgeworfen, nur abzuschreiben, denn die Sammlung allen Wissens aus allen Büchern ist ja gerade seine Aufgabe.

    Alles sagt mir, Olga Tokarczuk hat mehr als nur oberflächliche Erfahrung mit Wikipedia.

    Ein Segelflieger zog seine Runden

    Ein Segelflieger zog seine Runden und nutzte eine Thermik über unserem Garten. Beeindruckend ein recht großes Flugzeug recht nahe zu sein, und es macht kein Geräusch.

    Abends zwei Kraniche im Vorbeiflug.

    Das Dorf wird von einem neuen Bäckereiwagen besucht, Madame strebte gleich dorthin und kam mit Tomaten zurück.

    Später warf sie Gelbe Beete und Gelbe-Beete-Grün in die Pfanne.

    Offensichtlich unwetterte es letzte Woche möchtig gewaltig. DIe Sonnenblume war umgekippt. Und eine Rose in Teilen. Sowie das Labkraut. Und die Gartendusche.

    Die Rosen scheinen sich von Frost und Stauwasserschäden weitgehend erholt zu haben. Selbst die dieses Jahr stets leidende Eden ’85 erzeugt gesund aussehende neue Triebe.

    Madame bestimmte mit Hilfe von Hansen/Stahl Die Stauden welche Lebensbereich wir im Vorgarten haben. Erst schauen, was dort gut wächst. Dann schauen, zu welchem Lebensbereich die Pflanzen passen. Dann nach Lebensbereich weitere passende Stauden bestimmen. Es ergab sich: Gehölzrand mit lehmig frischem Boden, sommertrocken

    Eigentlich haben wir dank Spätfrost gar keine Äpfel am Baum, dennoch fallen welche zu Boden. WIe jedes Jahr fragen wir uns, wann wir letztes Jahr eigentlich geernetet haben und es ein guter Zeitpunkt war.

    Der Himmel hängt voller Sanddorn.

    Sanddornstrauch von unten

    Ternäre Logik

    Die nächsten Klausuren nahen und ich machte mir den Spaß nachzusehen, wann genau. Zwölf Tage. Ui! Jetzt aber hurtig. So begleitete mich das Heft „Relationale Datenbanken 1“ durch den Tag. Gute Nachricht: ich hatte das im Laufe dieses Semesters alles schon mal verstanden. Schlechte Nachricht: Und wieder vergessen. Noch schlechtere Nachricht: Verstanden haben bedeutet nicht, es reproduzieren zu können.

    Aber ich war fleißig, arbeitete mich durch zahlreiche SQL-Kommandos von SELECT.. FROM..WHERE bis hin zu Schachtelkonstruktionen, Outer Joins, Transactions und Create Table. Bis Mitte nächster Woche also noch Datenbanktheorie, Relationale Datenbanken 2, sowie Sicherheit im Internet 1,2,3 und dann sehen wir weiter.

    Noch müsste ich mal schauen, ob die Klausur eigentlich Online oder Präsenz ist. Auch das wusste ich schon mal.

    Sitzkassiererin

    Herr Buddenbohm fuhr nach Italien und aß Miracoli.

    Nioch mehr retro: Die FAZ singt ein Loblied auf die Dudu-Filme.

    aharoni zog in die USA und wundert sich, dass dort inzwischen alles eine Journey ist. #

    Christa Chorherr über Wiener Kaffeehäuser mit der Info zum Café Zentral: Meine Großmama (väterlicherseits) war dort Sitzkassiererin.

    Ich suche: Frauen war der Besuch eines Wiener Kaffeehauses erst 1856 erlaubt. Das Café Francais war das erste, das auch Damen einließ. Davor galt die öffentliche Meinung, dem »schwachen Geschlecht« sei das »verruchte Ambiente« – Zigarren‑ und Zigarettenrauch, Alkohol, Spiel und heftiges Debattieren – nicht zumutbar. Bis 1840 war die Sitzkassierin die einzige, öffentlich sichtbare, Frau..

    Der Kostümfilm/die Netzflix-Serie: Wien, 1850, Protagonistin eine Sitzkassierin, das schreibt sich doch von selbst.

  • 24-08-08 Igel Disrupt

    24-08-08 Igel Disrupt

    Lauretta-italienische-Feinkost bekommt schon einen Nachfolger. Es wurden Schilder für The Beauty Bar angeschraubt.

    Körper und Geist gebärden sich noch störrisch. Sie möchten im Urlaubsmodus verharren. Aber langsam stellt sich ein Alltagsflow wieder ein.

    Unter dem Zeltdach über unseren Köpfen wird das alte Hausdach weiter zerlegt und abgefahren.

    Es ist das Eine zu sehen, dass kein Dach mehr da ist. Es wirkt deutlicher, wenn man sieht wie die Dachziegel im Entsorgungs-Container landen. „Mein Dach!“, da geht es davon.

    Der Geräuschpegel lässt mich daran zweifeln, ob ich nächste Woche die Online-Fortbildung in der Wohnung absolviere. Es hätte natürlich den Vorteil, dass mich Kolleg*innen mit Alltagsgeschäftsfragen nicht fänden. Bei angekündigten 34 Grad Außentemperatur wiederum wäre das Büro vermutlich angenehmer als die Wohnung.

    Immerhin hat die Zeltplane das Unwetter am Mittwochabend tadellos überstanden.

    Madame bewundert im Badischen polnische Kochbücher und buk gleich mal einen Sernik. Ihrem Erfahrungsbericht nach etwas aufwendiger als ein typischer deutscher Käsekuchen.

    Skurrile Technikentdeckung: Mensch kann Outlook-Meetings „Zusagen“, „Akzeptieren“ oder „Annehmen“, je nachdem ob mensch mit Windows-Outlook, Android-Outlook oder iPhone-Outlook bestätigt.

    Wenn ein Großunternehmen auf die Deutsche Sprache trifft entstehen Bezeichnungen zwischen Berechtigungsverwaltungsadministrator und Yammer-Administrator. (Am Ende sind wir alle Such-Administratoren)

    Im Arbeitspostfach ging eine Werbe-E-Mail mit Einladung zur Igel Disrupt ein. Das erzeugt bei mir seltsame Bilder im Kopf.

    Der Haupt-Lidl stellte seine Parkplatzbewirtschaftung auf Automatik um. Keine Kärtchen mehr, die man sich an der Kasse abstempeln lassen muss. Jetzt läuft es sensorgesteuert: Liegen Ein- und Ausfahrt weniger als 90 Minuten auseinander ist alles gut. Liegen sie länger auseinander .. dann passiert vermutlich Schlimmes, aber ich erfuhr nicht was für Schlimmes.

    Kamera an Mast montiert, daneben angedeutet typische Lidl-Beschilderung
    Neuer Park-Sensor im Einsatz

    Jakobsbücher

    Hauptsächliche Abendbeschäftigung, um den störrischen Geist nicht noch mehr aufzuscheuchen: Lesen.

    Olga Tokarczuks Jakobsbücher sind ein großartiger Anschluss an die Reise. Spielen diese doch im Polen-Litauen des 18. Jahrhunderts, vor allem zwischen Podolien und Smyrna. Passend auch als Anschlusslektüre an Gott spricht Jiddisch. Spielen doch verschiedene jüdisch-messianische Gruppen eine wichtige Rolle bei Tokarczuk.

    Ich liebe dieses Buch. Im Stil angelehnt an das 18. Jahrhundert; mit Ausschweifungen und Divertissements, einem allgemein langsamen Erzähltempo. Auch nach einem knappen Viertel bin ich mir nicht sicher, ob es wirklich einen Plot hat, oder es eher ein Ensemblestück mit verschiedenen vage verbundenen Handlungssträngen wird.

    Wunderbare Sprache, tolle Charaktere, spannende Landschaft.

    Letzibad

    Es gibt eine neue Vergleichs- und Planungsplattform für Nachtzugreisen: Nightride.com.

    In Kattowitz findet die Wikimania statt. Bisher sah ich aber noch keinen spannenden Blogpost dazu. Für Hinweise bin ich dankbar.

    Die Bundeszentrale veranstraltet Game Jams. Das ist sowas wie Hackathons für Computerspiele. Interessierte treffen sich für ein Wochenende und fangen ein Computerspiele zu einem Themenbereich zu entwerfen. Dieses Jahr: Gegenrede im Netz. Stephan Max mit einem Erfahrungsbericht.

    Max Frisch (der Max Frisch) errichtete das Freibad Letzibad in Zürich. Überhaupt sein erster Auftrag. Die NZZ würdigt das ausführlich: Max Frisch soll in Zürich ein Schwimmbad bauen. Dass man ihm das zutraut, darüber staunt selbst der «Dichter-Architekt»:

    Zu denken gibt im Rückblick noch eine andere Sache: Wie ist dem Berufseinsteiger Frisch dieser Triumph gelungen? Er stellt mit seinem Entwurf nicht nur ein ausgeprägtes Gespür für harmonische Raumeinteilungen unter Beweis, sondern auch jenen feinen Sinn für den Zeitgeist, der ihn als Schriftsteller später so erfolgreich macht. Er weiss, dass sich die Bedürfnisse der Menschen gerade in einem radikalen Umbruch befinden.