Schlagwort: Schwül

  • 26-06-30 Shall I compare thee to a summer’s day

    26-06-30 Shall I compare thee to a summer’s day

    Madame machte Sugo für vier.

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    Am Potsdamer Hauptbahnhof gibt es einen Automat, der herren- und damenlose verschlossene Paketsendungen1 für einen kleinen zweistelligen Eurobetrag verkauft. Dann Überraschung! Ich bin stolz auf mich, dass ich der Neugier standhielt ob des Geschäftsmodell. Und ein bißchen traurig.

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    Am Bahnhof Schöneberg unterhielt ein Ohrstöpseltelefoniermann den halben Bahnsteig mit „Wir müssen die Performance-Muster rauskämmen“ – joah.

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    Eine Frau im Kleid mit dem Farbton S-Bahn-Sitz verschmolz optisch mit diesem. Es sieht aus wie so Green-Screen-Aufnahmen auf denen mensch nur Arme und Beine aus dem Nichts hervorschauen sieht.

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    Es war ein Sonntag unerträglicher Hitze und ein Arbeitsmontag erträglicher Schwüle.

    14 lines of iambic pentameter

    Köpererinnerung wird von der Hitze ans Tageslicht gedrückt. Als wir aus unserem klimatisierten Restaurant auf den abendlich-vorgewittrigen Uber Plaza in die Hitzeglocke traten, sagte mein Körper „Mississippi“ – nach dem Kino, halb in der Nacht, auf den Parkplatz, es ist dunkel, aber immer noch dürckend heiß – genau so war es.

    Absurderweise kommt mir dann Ms. Thomas in den Sinn, die wunderbare Englischlehrerin, die in der 12. Klasse nach Lehrplan 10% Chaucer und 90% Shakespeare unterrichtete; seitdem bin ich Shakespeare-Hool.2

    Das Sonnet 18 poppt im Geiste wieder auf. Shall I compare thee to a summer’s day – ein Sonnet aus glücklicheren Zeiten, als ein Sommertag in England noch nicht bedeutete, vor der gnadenlosen Sonne zu fliehen.

    Shall I compare thee to a summer’s day?
    Thou art more lovely and more temperate:

    Das wäre auch noch im Jahre 2026 angemessen, auch Ende Juni. Die Aussage more temperate zu sein als der Brutofen da draußen, ist vielleicht niedrigschwellig, aber ein Kompliment.

    Rough winds do shake the darling buds of May,
    And summer’s lease hath all too short a date:

    Die Kürze des Sommers wird heutzutage hingegen nicht ganz so oft beklagt.

    Sometime too hot the eye of heaven shines,
    And often is his gold complexion dimmed;
    And every fair from fair sometime declines,
    By chance, or nature’s changing course, untrimmed

    Schwieriger wird es mit:

    But thy eternal summer shall not fade,
    Nor lose possession of that fair thou ow’st;
    Nor shall Death brag thou wander’st in his shade
    When in eternal lines to time thou grow’st:

    Zeitlos das Ende

    So long as men can breathe or eyes can see,
    So long lives this, and this gives life to thee.

    Was für ein Paradies es sein muss, in dem Menschen Wollpullover tragen können ohne in die Notaufnahme zu müssen

    Passend zum amerikanischen Wochenende mühte sich unsere 50- bis 78-jährige Reisegruppe den Sonntag wie so amerikanischen Teenager in den 1990ern zu verbringen: Wir hingen in der klimatisieren Mall ab.

    Nach dem erfreulichen Samstag im Kühlparadies UCI Uber Plaza, folgte der Sonntag im UCI Postdam Bahnhofspassage: wieder ging es eine Stunde im gekühlten SUV über Land, dann ins Parkhaus, dann ins Kino, dann etwas essen. Es war nicht mehr Friedrichshain, sondern Potsdam, es war nicht mehr Baujahr 2006 sondern 1999, aber es war ähnlich.

    Das Kino war voll. Wir waren nicht die einzigen mit der Idee. Und da wir eine Vorstellung zur Peak Tageshitze um 13:30h gewählt hatten, waren wir im Kinderparadies gelandet. Fast hätte ich gegen 9-jährige um meinen Rosa-goldenen Slushi kämpfen müssen.

    Wir verbrachten Zeit im Foyer, rätselten über die seltsame Aussicht.

    Das Baufeld ist noch unklar. Aber ich fand inzwischen heraus: Der Turm gehört zur Seniorenresidenz Heilig-Geist-Park, die Ende der 1990ern auf den Fundamenten der gesprengten Heilig-Geist-Kirche entstand.

    Dann verschwanden wir in Saal 7. Noch einmal Glennkill – ein Schafskrimi, diesmal in der deutschen Vorstellung, wir in anderern Formation und diesmal mit Liegesitzen. Die gestochen scharfen Bilder wogen die Klimaanlage am Rande ihrer Leistungsfähigkeit nur mit Mühe auf – es war nicht mehr Vergeh-Heiß, aber schwül und stickig im Saal – das konnte Friedrichshain besser – der Film allerdings war auf deutsch genauso toll und lieb und wunderbar wie auf englisch.

    Danach Eisdiele. Diese servierte auch Pizza. Wir beschlossen zu drei Vierteln, dass wir genug Schweisssalz verloren hatten, und schwenkten spontan zu dieser um. Einkaufszentrums-Spontan-Pizza, was gibt es besseres.

    DON’T MOVE!

    Das Kino: rappelvoll. Die Straßen: rappelleer. Die Wege um die Latifundien herum: ausgestorben. Eine einzige Radtour sah ich um 8:36h. Die einzigen Zeiten zu denen ich mich dort freiwillig bewegte lagen zwischen 23 und 8 Uhr.

    Selbst wenn wir es schafften, die heißesten Stunden des Tages in gekühlten Räumen zu verbringen, blieben reichlich heiße Stunden übrig, bis wir um 23 Uhr endlich die 30 Grad Außentemperatur erreicht hatten. Es galt die Kunst des Minimalismus zu zelebrieren.

    Madames getöpferte Insektentränke wird angenommen. Da wir uns selbst am Sonntag nicht mehr bewegten, hatteen wir die Chance näher in Augenschein zu nehmen. Gerade die Hippiewespen, die friedlichen Feldwespen, nutzten diese eifrig. Manchmal landen sie zu Madames Freude auf dem vorgesehenen Ein- und Ausstieg, viel öfter aber besteigen sie abgefallene Rosenblätter, die nun wie kleine Schiffchen auf dem Wasserbecken dümpeln, und als Lande- und Trinkplatz ausersehen werden.

    Neue Freude: Bahnfahrt live auf der Railmap-App verfolgen

    Ich fragte mich: Mal angenommen, ich würde wirklich auf dem Land leben, sagen wir jenseits von Neuruppin. Und der eine Zug, den ich benötigte, würde ausfallen. Wäre ich etwas stadtnäher, vielleicht Kremmen, gäbe es eine halbe Stunde später eine Alternative, die ebenfalls ausfallen würde. Und der Nachfolger „meines Zuges“, eine ganze Stunde später, hätte 40 Minuten Verspätung mindestens, und aus zwei Zugteilen des eh immer überfüllten Zuges wäre einer geworden.

    Was würde ich dann machen? Eine Stunde vierzig in Neuruppin am Bahnhof stehen? Arbeitgeber oder anderen erklären, warum ich schon wieder zwei Stunden zu spät bin? Fragen, die mir durch den Kopf gingen, während sich am Kremmener Bahnhof die Ereignisse im Brandenburger Tempo überschlugen: Zug um 5.49h gestrichen, Zug um 6:15h gestrichen, Zug um 6:50h einteilig mit mindestens 40 Minuten Verspätung.

    Zum Glück hatte ich Madame dabei, und diese das Auto, so dass wir zur S-Bahn nach Hennigsdorf fahren konnten, und ich wieder weiß, warum ich normalerweise unter der Woche in Berlin bleibe. Die S-Bahn-Fahrt selber ist schön, aber mir fällt Schöneres ein, was ich in diesen Anderthalb Stunden (+x) machen kann.

    Zurück der Regio ab Charlottenburg. Ein Anlass für eine weitere West-Berlin-Exkursion: Irgendwann werde ich begreifen wie dieser Bahnhof funktioniert. Diesmal fuhr der Zug; vollwagig. Wieder mit 40 Minuten Verspätung. Bis ich neben Madame in den klimatisierten Autositz sinken durfte.

    Links

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    Dieses Wochenende im Kino war ein Ding. Auch in Friedrichshain im Kühlpalast war Reading in Sweden (wir müssen uns knapp verpasst haben): Hoffen auf den erlösenden …, und ich glaube weiter im Westen Berlins Sari: Unser #WIB am 27./28.06.2026 – Totalausfall oder doch Hitzefrei?

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    Liebe alles am Text, der beginnt mit „Jede einzelne Zugtoilette hat einen eigenen Computer und Schaltschrank der sie steuert.“ und endet mit „Denn ich vertraue darauf Jesus Christus, ich weiß, dass er immer auf mich aufpasst und einen guten Plan für mich hat. Auch wenn Züge ausfallen und kurzfristig Chaos entsteht weiß er wie ich sicher nach hause komme.“

    Nebenbei stelle ich fest, dass ich weiterhin Null Interesse für Blogsoftware und ähnliches aufbringe, aber computergesteuerte Bahntoiletten – that’s my kind of technology!

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    Schafe! Und Meer! Und kühl! Irgendwann komme ich noch auf die Insel. Bis dahin allerdings: Große kleine Sprache Färöisch (via Zeilenkino)

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    Außerdem habe ich ein Schälchen mit „Streber und stolz darauf“-Buttons im Büro, da können sich alle einen nehmen; gesünder als Süßigkeiten. – kann ich dafür bitte einen Klassensatz für den nächsten Wikipedia-Stammtisch bestellen?

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    Frau Novemberregen mit Freuden des Alters: [I]m Laden lief Gothic und Dark Wave der 80er, ich lobte die Musik, die sich für mich positiv vom ewigen Elektrogedudel des Stammpersonals abhob. Die junge Frau wollte mir die Bands und die damalige Szene erklären und ich sagte „entschuldige Mal“ und erklärte es dann umgekehrt ihr.

    Anmerkungen

    1. Technisch diese Plastikumschläge, die der moderne Versender von heute gerne verwendet. Die passen besser in die kleinen Fächer als echte Kartons. ↩︎
    2. Chaucer natürlich auch. Aber das würde ablenken. Whan that Aprill, with his shoures soote / The droghte of March hath perced to the roote / And bathed every veyne in swich licour, / Of which vertu engendred is the flour; / Whan Zephirus eek with his sweete breeth / Inspired hath in every holt and heeth ↩︎
  • 26-06-23 Taupunkt 22 Grad. Just as once upon a time in Mississippi.

    26-06-23 Taupunkt 22 Grad. Just as once upon a time in Mississippi.

    Schweiß-Salzränder auf dem T-Shirt.

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    Klassenfahrtknäuel am Bahnhof Südkreuz.

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    Der Kaptain beackert mit bewundernswerter Energie das Dithmarscher Gesundheitssystem.

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    Der Fifa-Friedenspreistäger droht wieder einmal, den Iran „in Grund und Boden zu bomben“. Um die Männer-Fußball-WM zu verfolgen, ist dieses Jahr noch mehr intellektuelle und moralische Selbstverleugnung als sonst nötig.

    Im Tippspiel dümpele ich weiter vor mich hin, derzeit auf Platz 16. Guter ITler der ich bin, habe ich auch schon einmal vergessen, auf Speichern zu drücken.

    Nachbar Canineri enttäuschte uns. Am frühen Abend vor dem Deutschlandspiel hatte er anscheinend ein paar Kumpels da und wir hofften aus Live-Geräusch-Berichterstattung von ein paar Gärten weiter. Aber bis zum Anpfiff um 22 Uhr war er anscheinend alleine. Sein einsames „Tor! Nein! Doch nicht!“ wirkte er traurig als fanbegeistert.

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    Es war ein schwül-bratwurstig-pfirsicher Latifundiensonntag und ein prozessionsspinnend-freibadiger Montag.

    As in Berlin, 2023, 2024, 2025

    Das vorletzte Juniwochenende macht in Wiederholung. 2026 las ich ermattet von Hitze, Schwüle und unter dem Wissen um die Unwetter der Gegend in alten Blogposts.

    2025 hatte ich am 24. Juni unter Peak Tageshitze geschrieben: „Berlin gab Klimakrise mit erst 35 Grad und dann sturmgefällten Bäumen“, im Jahr 2024 war es etwas später, da lautet der einschlägige Blogpost vom 2. Juli „Vier Schattierungen der Schwüle„. Im Jahr 2023 schrieb ich am 20. Juni „Die Wettervorhersage sieht für die nächsten Tage Temperatursprünge von knapp zehn Grad nach oben und unten vor, zwischendurch Regen. Welcome to heiße Waschküche.“

    Noch spannender allerdings fand ich den Eintrag vom 24. Juni 2025 zu einem anderen Thema: Spannende Entdeckung zum Schachbrettfalter: Seit drei Jahren blogge ich über ihn und jeweils erscheint der Post am vorletzten Juniwochenende. Anscheinend ein Falter mit einem sehr zuverlässigen Jahresrhythmus.

    Ich dürfte raten, welchen Schmetterling wir dieses vorletzte Juniwochenende ganz besonders oft sahen, so dass er auf jeden Fall im Blogpost vorkommen sollte.

    As in Memphis, 1992, 1993

    Wetter war in Thema. Wir saßen sonnengeschützt aber weichgekocht unter dem Schattiernetz als wir irgendwie auf meine Zeit in Southaven, Mississippi, Vorort von Memphis 1992/1993 zu sprechen kamen.

    Unter anderem mit der Frage: „Wie war dort das Wetter?“, und ich konnte nur antworten: „So wie jetzt.“ Denn die heißesten Sommermonate hatte ich damals ausgelassen, war nur von Elvis‘ Todestag Mitte August bis zum Ende des Schuljahres im Juni vor Ort.

    Aber diese Schwüle, diese entsetztliche Schwüle, blieb mir auch noch aus dem September, Oktober, April und Mai in Erinnerung: Football-Training in stehender Luft. Der ewige Duft feuchter Erde. Der leichte Dauer-Schweißfilm, der in jedem klimatisierten Raum verdunstete und sich sofort neu bildete, sobald sich eine Außentür öffnete; Outside-Aktivitäten, die weit in den Abend hineingezogen wurden. Footballspiele im Dunkeln aber Warmen.

    Tagsüber war das ein Wetter wie jetzt. Ein Wetter für Klimaanlagen oder rollende Ermattung unter intensiver Beobachtung von Wetter-Apps. Ich lernte, dass das Maß für absolute Feuchtigkeit der Taupunkt ist.

    Der Taupunkt sagt objektiv wieviel Wasser in der Luft gelöst ist, unabhängig von der Temperatur, subjektiv ist er ein Anhaltspunkt dafür als wie drückend Wetter empfunden wird. Dabei gilt generell ein Taupunkt bis 15 Grad angenehm. Darüber wird es schwül. So ab 18-19 Grad Taupunkt wird es sehr unangehm und bei 24 Grad Taupunkt beginnen größere Gruppen von Menschen Kreislaufprobleme zu bekommen.

    In Memphis zu meiner Zeit lag er zumindest in den Fast-Sommermonaten Mai/Juni/September/Oktober jenseits der 20 Grad. Auf den Latifundien am Wochenende lag er bei 22.

    Noch blühen die Alten Rosen

    Wir saßen weiter im Insektenobservatorium Pergola. Wildbienen in allen Tönen von schwarz, braun und gelb surrten um uns herum. Wie beruhigend das Surren war. Wie beschaulich das Schwirren und Sirren der Tiere wirkte.

    Wie hektisch es wirkte, wenn ich eine einzige Biene fokussierte, „Blüte – Rein – Check – Raus – Blüte – Rein – Check – Raus“.. bevor ich beschloss doch wieder mehr auf das beschauliche Summen zu achten. Unwetter und Regen hatten einmal alles geputzt. Die Sauerkirschen leuchteten am Baum, die Johannisbeeren versteckten sich, die Schachbrettfalter flatterten.

    Am Tor zum Feld, ein neuer Gast: Der Balkenschröter Dorcus parallelipipedus1, ein Käfer mit einer „weiten Präsenz in naturnahen Gärten und Parks.“ Das nehme ich jetzt als Kompliment.

    Zia sociale und zio machina kamen zur Übergabe des Rennpolos und brachten Kirschplotzer mit. Während Internet und Sirenengeheul aus der Ferne Landunter meldeten, saßen wir im Fast-Trockenen, redeten über dies und das über Kniee und Hüften über Kirschplotzer mit und ohne Stein.

    Madame hatte das Kochbuch gut bei hitze von Katharina Seiser konsultiert, bereitete Tomaten-Pfirsisch-Salat (sah besser aus) und Salsa-Verde-Fenchel-Bohnen-Salat (schmeckte besser), dazu ein gegrilltes Bratwurst-Potpurri von Wildelust.

    Es war schön.

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    Gemischtschöner war die Berliner Rückkehr in den Alltag.

    Das hafenstädtischen Kalendergötter setzten Madame die Woche der Wochen in den Dienstplan, die immerhin Stoff für zwei bis drei normale Wochen abarbeitet.

    Freundlicherweise möchte meine eigene Stelle diese Woche wieder weniger von mir, eine der zu vertretenden Stellen ist wieder besetzt, die zweite wird Mittwoch wieder besetzt und der Sonntagabend offenbarte noch eine weitere Deus-Ex-Machina-Vertretung.

    Ich schaute in meinen Kalender, weitete ungläubig die Augen und begann kurz zu hecheln, als ich merkte, dass es ich nur noch 36 Nicht-Urlaubs-Tage bis zur Imperativen Programmierklausur habe. Bis dahin hatte ich immer noch keine Klammer in Go geschrieben.

    Jetzt schon.

    Wellen. Fast wie im Freiwasser. Nur klarer.

    Die Berliner Großstädter durchlaufen eine unfreiwillige Fortbildung zum Thema „Welcher Baum ist eine Eiche?“ Die Bezirke kennzeichnen diese jeden Tag etwas flächendeckender mit weiß-roten Absperrbändern auf denen „Eichenprozessionsspinner“ steht.

    Wenn ich einen Radwege sehe, neben dem links und rechts ein Dutzend gekennzeichnete Eichen stehen, ich daran denke, dass schon einzelne eingeatmete Härchen Reaktionen erzeugen können und im 20-Sekunden-Takt Radfahrer*innen vorbeifahren, dann zweifle ich an der Situation.

    Die spinnen, die Eichen

    Frei nach Margrit, Wasser erdet mich, hatte ich mich bei 30 Grad Richtung Insulanerbad begeben2.

    Es war voller. Die Schnellschwimmbahn war zur Mäßíg-schnell-Schwimmbahn motiert, die Schwimmbahn war zur Langsamschwimmbahn geworden und der Treibzholzbereich hatte sich in Richtung „versuch es gar nicht erst“ gewandelt. Aber noch was alles sutsche, peacig, die Sonne schien, ein leichtes Lüftchen wehte, und ich konnte im kühlen klaren Wasser schweben.

    Hach, ach, wie schön, schweben erdet.

    Links

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    Gelesen und für gut befunden. Ich freue mich schon auf die Umsetzung: Milchreis-Eiscreme

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    Gelesen und für gut befunden. Umsetzung hier schwierig, weil Mangos im Juni. Mango Gazpacho

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    Für den Freundeskreis Dystopie: Palettenweise wandern Sachbücher und Romane aus europäischen Antiquariaten in die USA. Dahinter stecken mutmasslich KI-Unternehmen: Sie nutzen gedruckte Bücher als Rohdaten für ihre Sprachmodelle – und werfen sie nach dem Scannen in die Tonne.

    Anmerkungen

    1. Heißt der lateinische Name auf deutsch wirklich Parallelfuß? ↩︎
    2. Kabanenbesuch No. 4 – 20 Euro pro Besuch ↩︎
  • 26-06-20 Zu viert in die Bistronomie, zu viert in die Heidelbeere

    26-06-20 Zu viert in die Bistronomie, zu viert in die Heidelbeere

    Der Eichenprozessionsspinner rückt näher. Wir verfolgen den Weg der gesicherten Bäume die Straße hinunter vom Dorfzentrum Richtung unserer Wohnung. Jeden Tag rückt er einige Bäume näher. Zum Glück ist die Wohnung durch einen Schutzwall aus Linden umgeben.

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    Ich buchte zwei Tickets im Pink Soup Train. Wir werden in Kaunas einsteigen und nach Vilnius fahren. Proud to be a tourist. Leider werden an Bord nur Sandwiches serviert werden, und keine Šaltibarščiai. Aber einer der Wagen wird in Rosa leuchten.

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    Die Fernuni-Einsendeaufgaben Dienstleistungsmanagement sind bestanden. Das heißt, ich darf an der Klausur teilnehmen. Das freut mich vor allem, weil diese Aufgaben für BWL ungeahnte gedankliche Transferleistungen erforderten, und ich mir nicht sicher war, ob ich diese mit meiner Ex-und-Hopp-Aufgabenbearbeitung korrekt interpretiert hatte. Aber ich hatte.

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    Im Tippspiel änderte ich meine Strategie. Daraufhin stieg ich von Platz 26 auf 12. Meine geänderte Strategie hatte auf den Aufstieg allerdings null Auswirkung. Nicht einer meiner neu in dei Strategie aufgenommenen 3:1-Tipps brachte zusätzliche Punkte. Nur die Teams spielten jetzt mit sinvolleren Ergebnissen. Meine schon immer gegebenen 1:0-Tipps brachten plötzlich Punkte. Soviel zum Unterschied zwischen Kausalität und Korrelation, soviel zum Glücksspiel-Element solcher Spiele.

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    Es war ein gemeinschaftliches Ende der Woche in heiß.

    Lasst uns über VLANs reden

    Am Südkreuz fuhr ein Bus nach Triest. Kurz stellte ich mir vor, dass ich ein Mensch sein könnte, der jetzt einsteigt und 10 Stunden später kurz eine SMS an die relevanten Stellen schickt: „Sorry, bin grad in den Alpen. Es geht mir gut. Macht euch keine Sorgen.“ Kurz betrachtete ich den Bus, dann lief ich zurück in die Südkreuz Offices,

    Ich bin der Mensch, der ein Meeting absagt mit der Begründung „Sorry, muss auch mal was arbeiten.“ Wobei sich die Intensität der Arbeit zu Ende der Woche auch legte. Aber da pfiff wie ich bereits aus dem letzten Loch wie ein aufblasbarer Pool-Flamingo mit, nun ja, Loch.

    Das Wetter half nicht. Aber wir haben ja einen Serverraum, indem ich die Funktionsfähigkeit der Klimaanlage testen kann.

    Morgens: Handy aus der Hand gefallen, weil ich auf dem Weg zum Frühstück einschlief, nachmittags: Buch aus der Hand gefallen, als ich noch kurz auf dem Sofa in Fische und Drachen weiter lesen wollte. Bei der Arbeit: Wach geblieben.

    Mittags hatten wir zwei aufschlussreiche Besuche im Quartier Bistronomie: für einen Mittagstisch zu teuer für den öffentlichen Dienst, aber für Apfelschorle und Cola gerade richtig.

    Auf den Wegen zwischen Wohnungsbüro, Bürobüro und Bistronomie passierte ich Aufkleber. Einen davon möchte ich hier als Diskussionsanregung hinterlassen:

    Ampelpfahl mit lila Aufkleber "FCK AFD". Dahinter eine Kreuzung,

    Kaffee im Schwimmbad

    Madame telefonierte letztens gar nicht auf alemannisch. Sie nahm an einer zweisprachigen alemannisch/schriftdeutschen Telefonkonferenz teil, dabei jeweils zwischen alemannisch und schriftdeutsch wechselnd.

    Jetzt gab es keine Telefonkonferenzen mehr. Die Reisegruppe Südbaden war eingetroffen. Nachdem wir die Bahn-Abenteuer innerlich überwunden hatten, konnten wir uns herzlich in Familie begeben.

    Wie es sich für Badener gehört, fanden die Erörterungen bei ausführlichen Mahlzeiten statt. Die Nähe Frankreichs färbt.

    Am Donnerstag, dem Tag des Zahnarztabenteuers und des Niemand-ist-nach-den-letzten-Tagen-mehr-in-der-Lage-die-Wohnung-zu-verlassen besorgten Madame und Madame-Madame im ukrainischen Fischparadies Räucherfisch, Forellenkaviar und eingelegte Tomaten. Madame wärmte die Gibanica auf, fertigte den solidarischem Salat. Wir aßen mit Blick auf das Ringeltaubennest.

    Am Freitag, nach Strickcafé und Fahrradbefriedung trafen wir in der Heidelbeere bei Schnitzel aller Art und Kutterscholle. Jedes Schnitzel hat dort eine andere Beilage, es gab „Bratkartoffel“ (Wiener Art) und „Spätzle“ (Jäger-Art).

    Am Samstag hatte das Wochenende in den märkischen Hamptons geführt bei Grillburgern aus Rinderlust-Mett und gemüslichem Mangold und Brokkoli.

    Ich war durchgehend behost und erlangte trotzdem zwei Mückenstiche am Oberschenkel

    Wir entflohen der Berliner Stadthitze in die Landhitze der Latifundien. Die 21-Uhr-Autobahntunnel-Sperrung verschaffte uns einen stadtentdeckerisch wertvollen Umwege durch die besten Industriegebiete Reinckendorfs, bevor wir ankamen.

    Auf der Terrasse im Dunkeln war es erträglich. Der Bungalow allerdings hatte ausreichend Zeit gehabt, um eine veritable Hitzeglocke in seinem Inneren zu entwickeln. Also tranken wir außen Rotwein vom Lausitzer Tagebau, rissen Türen und Fenster auf und krabbelten zu den hitzenpropfenöffnenden Schlafbodenfenstern, um diese zu öffnen. Wie das Wasser schwerkraftgetrieben nach unten abfließen möchte, möchte die heiße Luft schwerkraftgetrieben-in-Rückwärts nach oben abfließen.

    Siesta ist wie den Tag mit Käse überbacken. Nur ohne Backen, hoffentlich.

    Falls ich je daran dachte, dass meine Berufung wäre, Gärtner in Botanischen Garten oder im Leipziger Gondwanaland zu werden: Nein. Das Gute am Heißwettersamstag war, dass es so diesig war, dass die Sonne nie direkt knallte. Das Schlechte am Heißwettersamstag war, dass es so diesig war, dass wir permanent durch 30-Grad-Nebel waberten.

    Gartenarbeit bei diesem Wetter muss mensch schon wirklich wollen. Ich wollte nicht. Trotzdem waren die Wege am Ende irgendwie nachgemäht und das Schattiernetz war an der Pergola festgenäht. Madame wurde in der Nähe gesichtet.

    Von unten breiten sich die Katzenminzen in der Pergola aus. Das verschafft uns eine Insekten-Beobachtungs-Station vom Gartenstuhl – Wildbienen und Schwebfliegen lieben Katzenminzen! – und sorgt für athmosphärisches Hintergrundbrummen. Wie Vuvuzelas, nur in angenehm.

    Der große dunkle Schmetterling entzog sich unserer Beobachtung, auf der Suche fanden wir nur Schornsteinfeger.

    Während die Großrosen beweisen wollen, dass dies das üppigste Rosenjahr aller Zeiten ist, sind die kleinen Großrosen noch halb zugewachsen. Aber auch sie blühen: Die Alten Rosen Alba semiplena, Madame Hardy blühen wie noch nie. Gallica versicolor ist ein Traum in Rot-Weiss-gestreift. Die KLetterrosen an der Pergola, die noch nicht klettern, sondern gerade einmal die Köpfchen nach oben strecken, blühen wie noch nie: Rosengarten Zweibrücken und auch Sourire d’Orchidee – wir entdecken vollkommen neue Blüten.

    Links

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    Falls ich je bergsteige dann nur in diesem Outfit. (#1)

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    A Collection of Rare Photos of Men in the 1800s in Intimate Embraces (#5)

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    Herr Rau erzählt Das Märchen vom Zauberfaden

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    Thematisch anschlufähig: Klar kann die KI übersetzen! und Was die KI mit Reliquien zu tun hat

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    Die einen sagen dann auch noch, man solle die Sonnenbrille absetzen, wenn man irgendwo rein geht, also ich muss doch echt sagen, es sind der Zumutungen schon genug im Sommer, auch ohne 30x am Tag die Brille zu wechseln. Sowieso, warum soll man jetzt seine Augen zeigen, anderes aber wieder nicht, niemand soll sich die Hose ausziehen beim Betreten einer Kaffeebar, irgendwo verläuft da eine Grenze und ich weiß, Konventionen, aber was ich nur sagen will: das ist nicht naturgegeben, das ist erfunden und ich werde mich nicht wegen einer erfundenen Konvention noch mehr quälen als sowieso schon. Zum Glück trage ich gerne Hosen.

  • 25-08-30 Bin ich Bernd?

    25-08-30 Bin ich Bernd?

    T minus 3. Noch drei Tage bis zur Abgabefrist der Bachelorarbeit.

    Im Bus fragte mich eine Frau: „Entschuldigung, aber heißt Du Bernd?“. Äh, nein. Ich bilde mir ein, diese Frage vor ein paar Jahren schon mal bekommen zu haben. Anscheinend habe ich einen Doppelgänger in Berlin.

    Madame zeigte Fotos aus Halle und berichtete von einem Ministeriumsvorbereitungsgespräch. Später kaufte sie einen italienischen Terrassenvorhang und fuhr damit auf eine Party nach Hamburg.

    Im Motzkiez ist Folsom Europe. Ich fuhr zufällig mit dem Bus vorhin und freute mich sehr an den ganzen Männern in Leder, Latex und anderen phantasievollen Anzügen. Nachdem meine Wahrnehmung entsprechend ausgerichtet war, erfreute ich mich fast noch mehr daran, auch im ganzen weiteren Stadtgebiet Männer in eher kurzen Lederoutfits zu sehen. Meine Lieblinge aber war das Pärchen in Ganzkörperleder mit Hundemasken am Bahnhof Zoo. Mehr Folsom wagen!

    Unabhängig vom Folsom(?) eine Frau mit zerrissene-Strumpfhose-Tattoo am Bein. Spannend.

    Am Steinplatz wunderte ich mich über eine aparte aber am Ort überraschende Statue einer Kröte auf der Rasenfläche. Bis sie sich bewegte und sich als liegender Mops herausstellte.

    Es war ein Freitag und ein Samstag des Bachelurlaubs.

    Das Hygrometer im Wohnzimmer zeigt bei geöffneter Balkontür knapp 80% Luftfeuchtigkeit. Das erklärt das tropische schweißfreundliche Feeling, selbst bei gemäßigten Temperaturen.

    Freitag führte der Weg ins Insulanerbad. Alle Wege waren noch regennass. Aber ich kam trocken ins Becken. Wir teilten uns eine Doppelbahn zu zweit und damit war natürlich alles wunderbar. Sogar ein weiterer Regenschauer war mir vergönnt. Denn es gibt kaum etwas jauchzerinduzierendes als eh schon im Wasser zu sein und dann im Regen zu schwimmen. Nur das Handtuch litt etwas.

    Wann führt Berlin endlich ein Badeschluss-Lied ein? Zu den vielen, vielen Sachen, die Wien besser hinbekommt als jede deutsche Stadt, gehört der Schwimmbadbetrieb eindeutig dazu.

    Samstag ein kleiner Spaziergang wieder auf den Spuren von Carlo Levi und Håkan Nesser.

    10961

    Zum Soundtrack der Arbeitet entwickelt sich deutlich der Song Occhi a Spillo auf Dauerschleife.

    Aktueller Stand: 10961 Worte. Wortvorgabe des Lehrstuhls sind 9000 bis 11000. Für die Zählung von Formeln etc. bin ich gerade zu erschöpft.

    Aber: Die Wörter stimmen. Es gibt ein Fazit und ein echtes Literaturverzeichnis. Ich finde keine Fehlrechnungen mehr. Die Arbeit ist quasi fertig. Ich könnte sie mit gutem Gewissen so einreichen.

    Jetzt habe ich noch drei Tage Zeit, um den Text noch ein wenig schöner machen.

    Das Literaturverzeichnis wurde spannend. Der Lehrstuhl sagt „Hardvard-Stil.“ Menschen, die sich damit auskennen, werden jetzt kurz auflachen. Es gibt ungefähr zwei Dutzend Zitierstile, die sich „Harvard“ nennen. Das vom Lehrstuhl gegebene Paxisbeispiel einer Literaturangabe entsprach keinem dieser zwei Dutzend Stile.

    Zum Glück besitzt eine Suchoption, bei der ich einstellen kann „Namen in Kapitälchen – Check.“, „Jahreszahl in Klammern – Check“, „Keine typographische Auszeichnung des Aufsatztitels – Check“. Und so weiter. Es fanden sich drei ungefähr passende Stile: „Berichte über Landwirtschaft“, „geoLoge“ und „HNI-Berlag“. Ich entschied mich für einen modifizierten geoLoge.

    Erudiendae Artibus Iuventuti

    Es funktioniert recht gut, den Kopf im Wechsel mit Schwimm- und Spaziereinheiten freizubekommen. Nachdem Freitag Swimming in the rain angesagt war, also am Samstag wieder ein längerer Spaziergang. Erstmals im Bachelurlaub hatte ich alle 46 Seiten (35 Text, 11 Seiten Klimbim wie diverse Verzeichnisse) ausgedruckt und wollte diese in anderer Umgebung – einem Café – mit Stift in der Hand korrekturlesen.

    Die Fortsetzung der Levi/Nesser-Tour bot sich an. Denn so grundverschieden deren Bücher „Die doppelte Nacht“ und „Elf Tage in Berlin“ sind – sie spielen in sich überlappenden Teilen Berlins.

    Die Route führte vom Zoo (beide) über die Hardenbergstraße zur Fasanenstraße. Dort die Fasanenstraße hinauf und hinunter, auf den Spuren von Nesser. Mit tiefem Durchatmen und Platz-genießen am Fasanenplatz.

    Zurück in der Hardenbergstraße folgten ein paar Meter zum Steinplatz. Hier hatte Levi 1958 in der Intellektuellenkneipe Volle Pulle so manchen Abend verbracht. Auch dieser Platz war einladend. Ich strich spontan den Korrektur-im-Café-Plan. Immerhin saß ich direkt im Schatten der Hauptgebäudes der Universität der Künste. Über mir der Spruch Erudiendae Artibus Iuventuti/Der in den Künsten zu unterrichtenden Jugend, nahm den einladenden Platz und das gute Karme der UdK als gutes Omen und korrigierte hier.

    Blick entlang eines geplasterten Teils des Steinplatzes hin zum Hauptgebäude der UdK. Ein großer wilhelmischer Prachtbau. Wild bewölkter Himmel.

    Zurück dann über den Savigny-Platz (Levi) und den Ku’damm (auch hier war Levi ein eifriger Bummler). Am Hard-Rock-Café strich ich einen weiteren Punkt von der könnte-ich-mal-Liste. Der Ausblick von dort auf die Ku’damm-Bummelant*innen war nett, der Rest nicht wiederholenswert. Dann weiter Reste des 1950er-Ku’Damm suchen, den Levi beschrieb. Am Europa-Center stieg ich wieder in den Bus zurück an den Rechner.

    Lieber Bücher als Scooter

    Weil ich so tapfer Wörter strich, nehme ich damit an der Blogparade „Weniger ist mehr“ teil. Oder auch nicht. Bildchen und Blogtitelmodifikation überfordert mich.

    Weniger ist mehr gilt auch oft für E-Scooter. Via Mastodon entdeckt: der Melder für unmögliche abgestellte Jeräte: Scooter-Melder.

    Daniel besorgte sich seinen ersten Bibliotheksausweis. Und das ich finde ich töfte!

    Margrit und Wally besuchten das Poet*innenfest Erlangen, das seit einigen Jahren auch in die Heime kommt.

    Campcatatonia sang Strada da Sole in Leipzig.

    Herr Rau trägt Hut.

    Spannender System-Admin-Kram trifft Mastodon: Die Rettung vom Troet.Cafe (via onli blogging)

  • 25-07-01 Glamour war Zoopalast, Spaßbad war Blubb, die U1 war die U2

    25-07-01 Glamour war Zoopalast, Spaßbad war Blubb, die U1 war die U2

    Wir tranken Bier (alkoholfrei) und Buttermilch.

    Es war ein latifundaler Sonntag und ein arbeitlicher Montag, weiterhin im Juni-Hochsommer. Die kurze Brutalhitze begann sich langsam anzukündigen.

    Am Montagmorgen passierte ich den Späti mit dem handgeschriebenen Corona-Gedächtnis-Schild: Dieser verkauft Masken, Klopapier und Küchenpapier.

    In Voraussicht der Hitzetage transportierten wir den Ventilator aus der Mittelmark nach Berlin. Madame bestellte Kälteschals.

    Montag war es schwül.

    In letzter Zeit häuft sich Besuch. Montagabend versuchte sich ein Gas-Vertrags-Verkäufer. Aber anscheinend war er neu im Job. Er hatte versäumt wieder zu Atem zu kommen, bevor er in unserem Stockwerk die Klingel drückte. Und so stand ein schwer hechelnder junger Mann vor mir, der kaum in der Lage war, sein Sprüchlein aufzusagen.

    Bachstelze am morgen

    Die Hausrotschwänze besuchen uns dieses Jahr weiterhin seltener in den märkischen Hamptons. Dafür kommen regelmäßig Bachstelzen. Offenbar haben sie ein Domizil in der Nähe bezogen.

    Als leichte Andeutung des Herbstes sammeln sich Stare zu schwärmen und ziehen am Himmel über die Kolonie.

    Auch der Marder kommt weiterhin. Etwas Regen letzte Woche, weichte den Boden genug auf, dass unser komplettes Auto von seinen schlammigen Fußabdrücken gezeichnet wird. Andere Menschen müssen so etwas notdürftig mit Aufklebern simulieren.

    Spaß mit dem Halluzinator: Ich nehme ein Bild eines grün-gelben Käfers auf, frage ihn: „Was ist das?“ Er antwortet mit einem Käfer, der immer rot-schwarz ist.

    Rückfrage von mir: „Hä?“

    Antwort: „Das hast Du sehr gut beobachtet!“ Diese Mischung aus kompletten Gaga-Antworten mit ewiger Lobhudelei – der Nutzwert generativer KI scheint mir weiter stark eingeschränkt, aber unterhaltsam ist sie auf jeden Fall.

    Spannender (und soweit ich beurteilen kann auch richtiger): Die Antwort des Halluzinators auf die Frage, warum auf der Wiese mal Knautien wachsen und mal Land-Reitgras (auch Landschilf). Auch wirkt seine Auskunft kompetent, was Boden, Mikroklima und verschiedene Mahd-Regime der Vergangenheit im Platterbsenbereiche von den vier Brennesselecken unterscheidet.

    Auch spannend: Dass ein eigentlich kleines Gelände so eine Vielfalt an verschiedenen Wuchszonen auf der Wiese bietet. Aktuell breiten sich Labkraut und Knautien aus, während Reitgras stabil bleibt, Glatthafer potenziell auf dem Rückzug ist.

    Eines haben die Halluzinator-Auskünfte der Wikipedia voraus: Der Halluzinator weiß, dass das rötlich blühende Reitgras in der Abendsonne poetisch aussieht. Wikipedia verschweigt das.

    Unbekannter Käfer. Auf jeden Fall kein Oulema melanopus

    Gedanken schwirren lose wie Fruchtfliegen um mich her

    Während ich dies schreibe, mache ich mich für den Teamtag am Wannsee bereit; in einem Team voller gebürtiger Berliner wird das zum Teil ein Trip down memory lane. Passend dazu läuft das Dota-Kehr-Lied zur Westberlin-Nostalgie:

    Und ich bin im alten Westberlin / das es komischerweise immer noch gibt .. Komm wir verschleudern die gute Laune am U-Bahnhof Bundesplatz / Bleiben am Steintisch sitzen / oder fahren raus zum Wannsee mein Schatz .. Wir waren im Linientreu, waren im Rock-it / mit Schülerausweis 16 und drei Getränken frei / Glamour war Zoopalast, Spaßbad war Blubb, die U1 war die U2

    Denn die Post brachte Dota die Triple-Deluxe-Box von Dotas crowdgefundetem Albun Springbrunnen. Es kamen das Album, das Bonus-Album, das Live-Solo-Album (mit Westberlin) und das Liederbuch – und jetzt bin ich beschäftigt. Soviel Text. Soviel Musik. Quasi alles davon spannend, interessant, bedenkenswert. (Besprechung im Rolling Stone von Album 1: Obwohl Dota Kehr schon zweimal den Deutschen Kleinkunstpreis gewonnen hat, ist der Pop auf „Springbrunnen“ viel zu groß, um noch als Kleinkunst durchzugehen.)

    Falls ihr nichts mehr von hört, ich bin Dota hören und lesen.

    Essen bei Hitze

    Als Erinnerung (auch an mich selbst): Der Crocky bleibt beim Kochen ziemlich kühl – gut wenn man nicht noch Zusatzgrad in der Küche produzieren will: Gabi Frankemölle mit Die 10 besten Slowcooker-Gerichte für den Sommer

    Noch besser: Das Restaurant im Fluss: Chef Dean Baldwin Lew was looking to host a dinner of an invasive species. The Ministry of Natural Resources told him that it was illegal to carry the Rusty Crawfish over land as a single pregnant animal could extend the population to another watershed. His only option to cook & serve was to do the whole thing in the actual river where they are caught. (via Messy Nessy Chic)

  • 25-06-29 Laufkundschaft im Nirwana

    25-06-29 Laufkundschaft im Nirwana

    Auf der Budapest Pride waren mehrere hunderttausend Menschen. Besser werden die Nachrichten nicht.

    In Steglitz kann mensch Austernmesser mit einem Griff aus zerstoßenen Austernschalen kaufen.

    Es war ein Donnerstagabend, ein Office-Freitag und ein Latifundien-Samstag, durchgehend schwül bei wechselndem Temperaturen. Von: 21 Grad und schwül bis zu „Ladevorgang des Telefons unterbrochen bis dieses wieder normale Temperaturen hat.“

    Teile der Kollegenschaft verabschiedeten sich ins lange Wochenende auf das Fusion-Festival. Natürlich nur Verwaltung, die anderen müssen hitzegenervte Berliner*innen in den Freibädern bändigen.

    Auf dem Weg ins Büro: der Geruch von frischem Asphalt am Morgen. Immerhin eine Baustelle, die erkennbare Fortschritte macht.

    Das märkische DHL versucht seit zwei Tagen ein Paket auszuliefern, scheitert aber immer an „Krankheit oder Unfall oder Arbeitszeitüberschreitung.“ Was schade ist – nachdem Pakete und Briefe in Berlin schon längerem ein Glücksspiel sind, war die Lage in den märkischen Hamptons bis 2024 mustergültig. Pakete kamen wie angekündigt, Wünsche funktionierten und wir kannten die Austrägerin. Offenbar gab es eine Umorganisation.

    Ein Lob der Schöneberger Nachbarin von gegenüber. Diese erschafft ein wahres grünes Paradies auf ihrem Balkon.

    Gelesen: Carlo Levi „Die doppelte Nacht“ und weiter in „Wir schon wieder.“ Später dazu mehr.

    Die 606 mit Mangolikör

    Es war Donnerstag am späten Nachmittag. Für den Abend war ein mittlerer Weltuntergang angekündigt, vorher war es the new normal mit Temperaturen jenseits der 30-Grad-und-Schwüle. Ich also im besten IT-im-Home-Office-bei-30-Grad-Outfit, Madame hatte sich noch aufgerafft ins Insulanerbad zu gehen.

    Anruf von der Bank: Wir haben noch ein Konto, wegen dem sie uns seit über 10 Jahren nicht gesehen haben – das stimmt. Es ist ein reines Funktionskonto, das macht was es soll und keinerlei Aufmerksamkeit bedarf.

    Und weil die Bank keine aktuellen Ausweise und Unterschriften haben, soll das Konto jetzt gesperrt werden – WHAT??? Es stellte sich heraus, dass sie uns im Februar ein Dokument geschickt hatten – das wurde auch ausgefüllt und unterschrieben – aber falsch! WHAT???

    Wir können aber gleich bis 18 Uhr in Steglitz vorbeikommen und Ausweise zeigen. Es war 17:20h in Schöneberg und ich so unvorbereitet auf Außeneinsätze wie mensch nur sein kann. Außerdem: Schwül, Unwetter.

    Aber hilft ja nichts. Ich habe etwas herausgesucht was auf den ersten Blick als ernsthafte Hose erkennbar war. Wir sind zum Bus, dann nach Steglitz und im Eilschritt zur Bank. WIr waren mal echte Laufkundschaft.

    Dann haben wir brav Ausweise eingescannt, drei Stammdatenverträge unterschrieben, erfahren, dass die Dame gerade nur die Vertretung ist1, während wir aus dem Fenster sahen, wie der Himmel immer dunkler wurde, die Bäume sich wild schüttelten. Aber wenn das Banksystem 30 Sekunden benötigt, um den Stammdatenvertrag zu öffnen, dann benötigt es halt 30 Sekunden.

    Wir kamen im trockenen Sturm wieder aus der Bank. Es waren noch ein paar Meter zur Bushaltestelle. Madame bemerkte, dass sie nach Möglichkeit nicht vom einem Baum erschlagen werden möchte und wir jetzt einfach ins nächstes Lokal gehen, dort mit einem Abendessen den Sturm überbrücken.

    Jenseits der Kreuzung war „…sches Restaurant“ an einer Fassade zu lesen. Leider war die Kreuzung sechsspurig mit dichtem Verkehr, so dass wir die grünen Ampeln abwarten mussten. Und der Regen begann, und nach 15 Sekunden waren wir nass. Also die letzten Meter im Laufschritt ins Restaurant. Der Abend der Laufkundschaft zum Zweiten.

    Das entpuppte sich als „indisches Restaurant Nirwana“. Sie waren sicher hocherfreut uns durchgeschwitzt und vollgeregnet im Hause begrüßen zu dürfen, waren aber trotzdem ausgesprochen nett.

    Idunda ist auf Hochzeitsreise in Kopenhagen

    Wir kamen auf Zoos zu sprechen und inspiriert von Frau Brüllen fragte Madame sich, was auf den Basler Zooelefanten ihrer Jugend wurde. Die beiden Anwesenden und Idunda, die laut Schild, immer auf Hochzeitsreise in Kopenhagen war.

    Dabei stieß Madame auf die Geschichte der fünf Elefäntli, die alle als Babies vom Zoo Basel gekauft wurden – natürlich eine Riesenattraktion waren, und auch gerne mal durch die Stadt geführt wurden; auch war es üblich, dass Kinder auf ihnen reiten durften. Soweit rekonstruierbar waren diese immer im Elefantenhaus angekettet. Zu Madames Zeiten waren zwei davon bereits gestorben, Idunda war unterwegs und die anderen beiden standen im Zoo.

    Welch unterschied zu heute. Im Jahr 2025 bereibt der Zoo Basel eine „berührungslose Haltung“, die natürlich sehr viel näher am natürlichen Leben der Elefanten ist, zum Beispiel auch aber bedeutet, dass medizinische Maßnahmen nur stattfinden können, wenn die Elefanten aktiv mitmachen. Und wenn nicht, dann nicht. Wie jetzt als eine Elefantenkuh starb, weil ihr Baby im Körper starb aber nicht entfernt werden konnte, und jetzt auch die Mutter starb.

    A long way seit den Fünf Elefäntli.

    Zum Glück ist der Garten eh viel zu trocken zum Kohlanbau

    Madame brachte Bitumen entlang der Gierschfront aus. Während Nachbar Ost gerade Giersch produziert, verhält sich der Bambus auf der Seite von Nachbar West friedlich – vermutlich ist es dem zu trocken.

    Über der Wiese 30-40 Kohlweißlinge gleichzeitig. Dem benachbarten Rapsfeld sei dank. Dazu Schachbrettfalter, Zitronenfalter, Kleinzeug (Schwebfliegen, Käfer, Bienen) aller Art und die großen Holzbienen. Madame vergleicht ihren Flug mit Militärhubschraubern: groß, dunkel und immer sehr zielgerichtet etwas ansteuernd.

    Eine Wiese in gelb und rosa und violett. Die Knautien blühen noch, inzwischen aber hat das Labkraut die halbe Wiese eingenommen und blüht im bezaubernden Gelb. Darüber eine rosa-weiße Schicht aus rankenden Platterbsen. Hätten wir etwas von geplant, wir hätten es uns nicht besser ausdenken können.

    Da die Temperaturen erträglich sind, erfolgte leichtes Sommeraufräumen – Mohn an diversen Stellen abmähen, Schönheitskorrekturen mit der Heckenschere und die diesjährige Finalisierung des Wiesenwegkonzeptes. Die Pergola bekam ihr Schattiernetz, so dass auch die Sonnetage kommen können.

    Den Rosen geht es geht, Apple Blossom fühlt sich sichtlich wohl.

    And I knew it complete

    Prägendes Erlebnis meiner ehemaligen Interrail-Fahrt: der knallevolle Nachtzug von Montpellier nach Calais – nur ein Abteil war fast leer. Was sich erklärte, wenn man die Tür öffnete: Es stank massiv nach Alkohol. Ich war damals ebenso unerschrocken wie faul und zog einen Sitzplatz mit Abenteuer dem Gangstehen vor. Ich lernte einen lustigen Polen kennen, der mir Rotwein aus einer Plastik-Colaflasche anbot und mir ausführlich vom Theaterfestival in Avignon erzählte. Seitdem bin ich Fan des Festivals, freue mich natürlich wenn Christiane noch etwas mehr dazu schreibt: Erinnerungen an Avignon

    What’s the Right Way to Translate Chinese Dish Names? (via Kaltmamsell)

    Beste Art der Fernreise: von der aus Vietnam stammenden Kollegin zu deren Hochzeit in Vietnam eingeladen werden.

    Der Herr Flusskiesel hat seine Blogroll überarbeitet und eine kleine und feine Liste zusammengestellt. Und das sage ich nicht nur, weil iberty darauf steht.

    Posts mit Billy Joel werden hier natürlich immer verlinkt: It’s sad and it’s sweet

    Famous last words

    Es gibt zwei Gründe, warum ich noch ein New-York-Times-Abo habe. Einerseits. Durch mehrfaches kündigen und Bleib-hier-Angebote zahle ich derzeit nur 2 Euro im Monat dafür. Andererseits der Dealbook-Newsletter, der halt Nachrichten aus Perspektive der Finanzwirtschaft erzählt. Einerseits eine Perspektive, die ich sonst woanders nur schwerlich bekomme, andererseits sortiert der ziemlich gut nach relevanten Themen und irrelevanten Sau-durchs-Dorf-Debatten durch. Zum Wochenende zum Klimawandel (und ja, ich halte den Tonfall für Sarkasmus):


    Banks have started to bake this [Klimawandel-]forecast, once thought extreme, into their research. A recent report from Morgan Stanley on the air-conditioning market, which is expected to benefit from increases in urbanization as well as the frequency and intensity of heat waves, said its “base case” was a 3 percent rise in average global temperatures. In that scenario, how much did analysts expect the cooling market to grow by 2030?

    A. 16 percent, to $272 billion

    B. 41 percent, to $331 billion

    C. 104 percent, to $479.4 billion


    1. Unser Glück vermutlich. Der eigentlich zuständige Herr hätte uns vermutlich einfach in die Kontosperrung laufen lassen und dann einen Formbrief geschickt. ↩︎
  • 25-06-17 JuMP HiGHS

    25-06-17 JuMP HiGHS

    Der Mädchen-Späti überreichte mir eine rosa Teekanne und die Theory of Linear and Integer Programming.

    Es war ein heißer schwüler Sonntag in den märkischen Hamptons und ein überraschend kühl-schwüler Montag in den Südkreuz Offices. Heiß, schwül, heiß schwül, gerade der Sonntag war nahe der Grenze der Erträglichkeit.

    Deshalb zu angenehmeren Themen:

    Ein Nachtrag zum letzten Post: Madame denkt bei der Wiener Straße in Kreuzberg an den Song Görli Görli von P.R. Kantate und dessen Textzeilen:

    Weil ick wohne inne Wiena, bin een Balina
    Und och een Schlawina
    Sing üba’n Hintahof meene eegnen Lieda
    Wohne inne Wiena, bin een Balina
    Und och een Schlawina
    Doch dit is Dir ejal

    An der Grunewaldstraße/ Ecke Goltzstraße eröffnet eine neue Cambio-Carsharing-Station. Diese Nachricht begrüße ich.

    Gelesen: Die Anfängte von Carlo Levi: Die Doppelte Nacht – diese Lektüre wird nicht einfach sein.

    Gelesen: Eine Granta-Geschichte von Sarah Bernstein. Ein Ausschnitt aus Study for Obedience. Auch wenn die Kulturkritikreferenzen natürlich literarischer sind, musste ich vor allem an Stephen King denken. Diese Mischung aus banaler Alltäglichkeit in der Geschichte, in der Nichts passiert, und dem alltäglichen kleinen Ort im Nichts, in dem sich einfach alles bedrohlich anführt. Das ist King at his best.

    Dem Gemüseangebot nach gehen zur Zeit vor allem Zucchini und Kohlrabi. Das ist nicht das Schlechteste. Aus der Experimentalküche: Kalte Joghurt-Zucchinisuppe und danach – weniger Experimental – Nürnberger Würstchen und Fenchen-Orangensalat. Noch haben wir letzte Crowdfarming-Orangen.

    Unter der Gartendusche geschrieben

    Dieses Wochenende flog kein nächtlicher Rettungshubschrauber über den Bungalow. Dafür heulte die Feuerwehrsirene Nachts um vier. An sich finde ich Sirenen als Ausbund von Low-Tech-Resilienz-und-Redundanz super. Aber wenn sie quasi neben dem Bett mitten in der Nacht losgeht, trübt sich diese generelle Freude am Objekt kurz ein.

    Immerhin, um vier war das Wetter noch in Ordnung. Später dann: Hochsommer. Der Sonnenschirm verließ sein Lager ebenso wie die Gartendusche. Madame wagte sich in die Hitzefalle Schlafboden, um dort Ordnung zu schaffen.

    Mohn ist aus. Noch nicht ganz. Aber die Blühfreude der Mohnblumen lässt deutlich nach, die Kräfte der Pflanzen scheinen langsam zu erlahmen. Jetzt können wir nur darauf hoffen, dass die Samen sich weit und erfolgreich verteilen.

    Dafür blühen die Rosen. Die Robustas mit einem leuchtenen roten Band in zwei Meter Höhe, wie wir es noch nie sahen. Die Rosarium Uetersen schlängelt sich mit ihrem dunklen Rosa an den leuchten roten Robustas vorbei. Selbst die Alten Rosen blühen, offensichtlich konnte Madame sie vor der Totalentblütung durch den Rosentriebbohrer bewahren.

    Und so haben Mme. Hardy, Alba und Tuscany je eine Blüte in weit, weiß und violett. Die älteren und größeren Pink Moss (in Pink) und Gallica versicolor (rot-weiß) haben nachgeradezu viele Büten.

    In der Wiese aus Fußhöhe: die rosa-violett leuchtenden Nelken, auf Brusthöhe die Knautien, die eine nie gesehene Pracht aufbieten. Umso schöner, weil beide ein Geschenk sind, nie bewusst von uns in die Wiese gesetzt wurden.

    Julia, oh Julia

    Ich habe Zeit, mich näher mit Julia zu befassen; der Programmiersprache. Und quasi alles was ich sehe gefällt mir.

    Zuerst: ich glaube sie kann (fast nativ) alles was ich benötige. Lineare Algebra ist quasi ihre eingebaute Superkraft. Mit Hilfe der JuMP-Erweiterung kann Lineare Programme lösen, die ihr in fast normaler mathematischer Notation gereicht werden. Sie unterstützt 54 Solver, von denen mir derzeit HiGHS der beste zu sein scheint. Und mit Hilfe von ParametricOptInterface.jl kann sie sogar Parametrisierung, ohne dass ich mich dreifach durchs Fenster verbiegen muss.

    Was mir aber fast wichtiger ist. Der Spirit stimmt.

    Die Julia-Community hat Chancen auf den albernsten Buchtitel ever: Romeo and Julia, where Romeo is Basic Statistics. Aber auch andere Bücher, die mehr vielleicht mehr nutzen, haben einen angenehmen Vibe. Da wäre zum Beispiel Julia Programming for Operations Research 2/e oder auch die allgemeine Einführung, die ich schon wieder nicht mehr finde.

    Ihr „gentle“ Youtube-Tutorial hatte mich, als sie drei Voraussetzungen erwähnten, die man erfüllen muss, um Julia zu lernen. Eine, und am wichtigsten: The ability to create folders and subfolders. Immer nötig, oft unterschätzt, diese Fähigkeit.

    Und so verschwand ich vor allem um Juliaversum. Immerhin nicht auch ein bißchen ganz normalen Text für die Bachelorarbeit zu produzieren; hocherfreut wie gut das gerade funktioniert.

    Labskau

    In meiner Schulzeit hatte Niedersachsen in der 5./6. Klasse die Orientierungsstufe erfunden; ein klarer politischer Kompromiss zwischen den Menschen, die lange eine Gesamtschule wollten und denjenigen, die klassisch nach der fünften Klasse die Schüler*innen separieren wollten. Innerhalb der Orientierungsstufe wurden bestimmte Fächer zusammen unterrichtet, andere wie zB Mathe in A-, B-, und C-Kurs unterteilt. AUsgehend von dieser Erfahrung las ich gespannt den differenzierten Bericht zur Binnendifferenzierung innerhalb einer Schulform: Differenzierung: Gut für die Kinder oder die Lehrer?

    Mein Opa war Seemann (entlang der Levante, von der ich als Kind immer nicht wusste, wo die liegt). Und als Seemann wusste er, wie man Labskaus macht. Lustigerweise hat er immer Labskau‘ gesagt, aber das nur nebenbei.

    Endlich einmal ein bißchen Glamour für/über/bei/mit Wikipedia: wikipedia-x-armedangels