Zwei Schmetterling (einer braun, einer blau) an blauen Blüten

23-08-20 Vamos a la Playa

Madame dachte an das Bienenkissen.

Die Wäschesprengerwespenabwehr funktioniert. Hatten uns die (Marmeladen-)Wespen am letzten Latifunden-Wochenende noch zum Indoor-Frühstück gezwungen, war dieses Wochenende ihre Angriffslust erlahmt. Sie besuchten uns zwar zum Frühstück und zum Kuchen und zum Falläpfelverarbeiten und auch einfach so. Aber es lief wie eigentlich immer: zwei drei mal den Wäschesprenger in Anschlag gebracht und die Wespen flüchteten wieder in den weiten Himmel.

Wobei ich hier nur von den Aggro-Wespen schreibe – also der deutschen Wespe (Vespula germanica) oder der gewöhnlichen Wespe (Vespula vulgaris) – die immer nur im August auftreten. Mit den vielen Solitärwespen und den gallischen Feldwespen und den Hornissen und vielen anderen haben wir ganzjährig vollkommen unproblematische Beziehungen.

Vielleicht war den Wespen auch zu schwül.

Ankunft Freitag abend 22 Uhr: Im Bungalow herrschen 37 Grad. Bis 23:30h hatten wir ihn auf 33 Grad heruntergekühlt. Die morgendliche Minimaltemperatur waren 25 Grad.

Im Internet lernte ich, dass der „Taupunkt“ die entscheidende Größe ist, um persönliches Hitzeleiden zu bestimmen. Das ist die Temperatur an der sich Tau zu bilden beginnt, weil die Luft das Wasser nicht mehr aufnehmen kann. Je höher die Temperatur, desto mehr Feuchtigkeit in der Luft. Der Taupunkt ist eine Methode, die absolute Luftfeuchtigkeit anzugeben (anstatt der meist verwendeten relativen Luftfeuchtigkeit.)

Und ich lernte auch, ab 16 Grad Taupunkt wird es unangenehm – dann spricht Meteorolgen von „Schwüle.“. Ich lief Samstag Abend bei 26 Grad durch das Gras und es war vom Tau klatschnass.

Dementsprechend inaktiv war der Samstag. Wir fuhren zum Supermarkt, kauften Fluchtwürste, Tonic und alkoholfreies Bier. Gegrillt wurden eine handvoll Minitintenfische (Gefrierfachfund), eine handvoll Nürnberger Würstchen und viel Gemüse. Und wir beiden dachten: diese Platte aus etwas (Tinten)fisch, etwas Schweinefleisch und viel gegrilltem Sommergemüse: Das fühlt sich an wie Griechenland.

(Nachzutragen: Gepreppt letzte Woche: Polpettone nach Michele Scicolone.

Alle anderen Aktivitäten verschob ich auf Sonntag. Madame ist mit in ihrer Einarmigkeit ja eh derzeit ausgeliefert, was viele Aktivitäten angeht und musste dementsprechend mitziehen.

Libellenkunstflug

Angenehm wurde es Nachts, als die Temperaturen erträglich wurden, wir den Kopf in den Nacken legen konnten und uns am Sommerdreieck erfreuten.

Heute war es immer noch schwül, aber nicht mehr arg so arg, und so reichte es für eine kleine Bungalowrepatur, das Einsammeln der James-Grieve-Falläpfel samt Apple-Crumble-Herstellung (Die Äpfel am Baum sind immer noch nicht ganz pflückreif, aber kurz davor) und ein wenig Deadheading.

Von der Terrasse aus beobachteten wir Libellen, die eindrucksvoll Hochgeschwindigkeitskurven flogen, wie ich es sonst nur von Mauerseglern kenne. Und groß waren sie die Libellen. Immerhin konnten wir sie von der Terrasse aus sehen.

Kein neues unbekanntes Insekt bestimmt, aber dafür einen entzückenden Tarn-Bläuling vors Handy bekommen.

Zwei Schmetterling (einer braun, einer blau) an blauen Blüten

Gelesen

Gelesen vor allem: Tony Fenelly: Mord auf der Klappe (en: The Glory Hole Murders). Ein anderes Buch von Fenelly war mir einst, in der Gebraucht-Bücher-für-zwei-Euro-Kiste bei Hammett in die Hände gefallen. Das Zauberwort „New Orleans“ funktioniert bei mir immer. Und dann war ich verwirrt: Einerseits sprachlich hardboiled, keine Gefangenen nehmend und heutzutage vermutlich nicht mehr publizierbar ohne entrüstete Demos vor dem Verlag. Anderseits ist der Haupt-Protagonist ein schwuler Antiquitätenhändler, der treffsicher Abgründe, Verlogenheiten und Rassismus in New Orleans Ober- Unter- und vor allem Halbwelt benennt. Ein Macho-queerer-Achtziger-Krimi. Die Biographie von Tony Fenelly gab Hinweise, wie so ein Buch entsteht. Und ich war hooked.

Gelsen: Die Lokalzeitung, den Oranienburger Generalanzeiger, der im Lokalteil vom CCC-Camp berichtete. Das war niedlich.

Die andere Lokalzeitung, den Märkischen Anzeiger, aus Versehen geliefert, die einen Rückblick auf 40 Jahre Vamos a la Playa bot. Und ich stellte fest, niemals hatte ich auf den Text gehört. Die explodierende Atombombe entging mir ebenso wie der radioaktive Wind.

Robbe weg, Statue da

Karen und Familie machten bei ihrer epischen Nachtzugreise Zwischenstopp in Sofia

Herr Buddenbohm hatte so etwas ähnliches wie gute Laune. Tanzen ist ganz erstaunlich.

Robben & Wientjes verschwand nun auch als Marke. Und damit ging die letzte der „Weltmarktführer in Berlin“-Marken. (Siehe Bolle, siehe Reichelt, siehe Bäckerei Wittler) – Nach der Wende kamen die Westdeutschen und nutzten ihren Größenvorteil.

Nach Dresden kam eine Schwimmbadstatue zurück ins Schwimmbad. In Berlin-Lichtenberg ging ein Bad, aber vielleicht kommt ein wahnsinnig schönes Mehrzweckegebäude.

Mathematisch-Technischer Softwareentwickler ist ein Ausbildungsberuf.

Merken

Es müssen wieder Tupperdosen in den Bungalow.

Vom Freitag 20 Uhr bis Montag 5 Uhr ist nächste Woche die A111 gesperrt.