Das Datum für das Einweihungs-Open-House steht. Die Einladung steht auch schon fast. Gestern fertigte ein freundlicher Kassenmitarbeiter noch ein freundliches Strandkorbfoto von uns beiden an.
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Madame kehrte aus Basel zurück. Sie hatte knapp 25 Kilo Kaffee und Raclettekäse im Gepäck-
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Letztens war hier im Haus ein Wasserballspiel mit Publikum. Und statt uns Bescheid zu sagen, hat die Badbesatzung nachträglich besorgt gefragt, ob uns der Lärm gestört hat. NEIN! Wir haben nichts gehört. Sonst wären wir ja dazu gekommen.
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Auch wurde ich beim Duschen getadelt, weil wir zu den falschen Zeiten schwimmen gehen.
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Vielleicht schreibe ich mal wieder einen Wikipedia-Artikel. Zur Zeit schwanke ich thematisch zwischen Morris und WEP.
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Der Currywurststand gegenüber vom Eck-Edeka hat sonntags „Ruhige Tag“. Wir sollten uns daran ein Beispiel nehmen.
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Vielleicht schreibe ich auch keinen Wikipedia-Artikel und mache öfter Ruhige Tag.
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Miss Fluffy schrieb den ersten Durchgang eines Buchs, ich bin angemessen beeindruckt und begeistert.
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Es war ein Sonntag im Garten und ein Montag mit Arbeit und Kino.
Markierung und Markierungs-Vermeidung
Nebenbei vertiefe ich mich weiter in das Fernuni-Modul zur Digitalen Diversität. Je tiefer ich mich eingrabe, je mehr Julia Krönung eigene Forschung einfließen lässt, desto beeindruckter werde ich.
Angesichts seiner Zielgruppe muss das Modul vermutlich wirklich beim Urschleim anfangen und sich in Tipselschritten nach vorne bewegen. Angesichts des Umfelds ist vermutlich auch die vielfach abgesicherte Defensive vieler Aussagen erklärbar. Aber wenn es dann tiefer in den Stoff geht, freue ich mich an neu zu lernendem und inhaltlicher Substanz.
Wir sind aufgetaut. Der Garten ist aufgetaut. Ein guter Zeitpunkt, um zu schauen, wie er den Frost überstand.
Wir fuhren auf die Latifundien, sondierten Rohre und Innenräume (sieht alles gut aus) suchten im Garten nach offensichtlichem Erfrorenem (nichts) und Frühlingsanzeichen (wenig).
Auf den Feldern nördlich und südlich der Latifundien bilden sich schon wieder Nordsee und Südsee. Diese sind im Vergleich zu vorherigen Jahren noch schmächtig.
Noch ist es norddeutscher Winter mit Regen und Wind, noch ist es kein Frühling. Noch haben wir nach etwas Logistik, etwas Kontrolle und dreimaligem Durchatmen wieder unsere Sachen gepackt und sind zurück nach Wilmersdorf gefahren.
Der Gesang der Wälder
Ich entdeckte: Es existiert eine Bus-Direttissima mit dem 249er von unserer Wohnung zum Cinema Paris. Das heißt, ich könnte vom Südkreuz aus über den Ku’damm zum After-Work-Kino fahren und dann direkt nach Hause.
Ich entdeckte: Neben dem Cinema Paris eröffnet ein bis 24 Uhr geöffnetere Rewe. Gut für Einkäufe nach dem After-Work-Kino.
Es gab Le Chant des forêts / Das Flüstern der Wälder12. Der französische Dokumentarfilmer Vincent Munier filmt wie er, sein Vater Michel Munier und sein Sohn Simon Munier in den heimischen Vogesen die Natur beobachten. Naturaufnahmen überwiegen, Menschen kommen spärlich ins Bild und zu Wort. Es gibt wenig Dialoge, eher kurze Erzählungen von Michel Munier (Opa) gegenüber Simon (Enkel).
Da Michels Herzensvogel das Auerhuhn in den Vogesen inzwischen nicht mehr auffindbar ist, absolvieren sie eine Reise nach Norwegen, um es dort zu finden. Aber, der Film geht konsequent von der Spur zum Geräusch zum Bild, finden sie seinen Kot – den Munier früher nutzte, um das Haus nach Kiefernharz riechen zu lassen.
Beeindruckend: Die Naturaufnahmen. Das langsame Erzähltempo. Die Tatsache, dass Tiere vor allem als Geräusch vorkommen (der titelgebende Gesang der Wälder) und nur mit Glück gesehen werden können. Vincent Munier schafft es das Gefühl vom Übernachten an der Beobachtungsstelle zu vermitteln, vom improvisierten Lagerfeuer, vom Stapfen durch den Schnee.
Weniger beeindruckend: Zwei Drittel der Aufnahmen bestehen aus Nebel oder Gegenlicht oder Nebel im Gegenlicht. Manchmal hatte ich das Gefühl eines Fünf-Gang-Menüs bei dem alle fünf Gänge aus Sahne und Zucker bestehen. Auch war der Gesang der Wälder großartig, der nicht-Gesang schwierig. Zu viele Szenen sind nicht nur Natur-Tonspur, sondern sie werden mit einem quatschigen New-Age-Geklimper unterlegt. Als würde Munier (oder sein Produzent) dem eigenen Material nicht trauen und dies noch unbedingt bis zum Anschlag aufpimpen wollen – welch Verschwendung.
Yorck-Unlimited-Besuch No. 12 – 19,83€ pro Besuch ↩︎
Sehr eigenwilliger deutscher Titel mal wieder – der Wald im Film trötet, rumpelt, röhrt. kreischt, zwitschert – er singt. Aber er flüstert nicht, nur die Menschen flüstern. ↩︎
Eine Parfümwolke umhüllte mich in der U-Bahn. Geschmacksrichtung: Kirschbonbon.
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Das Knirschen von Streusplit begleitet meine Wege. Vor der Autowaschanlage bildete sich eine epische Schlange: 40 Autos? 50 Autos? Samstagvormittag und das Ende von Eis und Schnee kombinierten sich zur höchsten Autowaschanlagenbetreiberbeglückung.
Endlich kann ich wieder lüften ohne die Wohnung sofort in einen Iglu zu verwandeln.
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Paten-E liebt Spätzle.
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An der Bushaltestelle erzählte eine junge Frau in hippiesker Aufmachung ihrer Freundin wie sie anlässlich einer Buchmesse das erste mal in einem Edel-Business-Hotel übernachtete: „Es war crazy aber auch inspirierend.“
Im Eck-Edeka erzählte mir eine etwas ältere Frau im Brustton tiefer Überzeugung: „Was soll ich mit Wein? Ich brauch Bier!“
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Kaum hatte ich Donnerstag geschrieben, dass meine Hilfsbereitschaft für den Monat aufgebraucht ist, bekam ich eine Mail von einem der fünf Menschen, die mich jederzeit wegen privaten IT-Problemen kontaktieren dürfen.
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Das syrische Restaurant Planet Cuisineam Kleistpark bietet ein Ramadan-Menü mit Hauptgericht (2 Speisen nach Wahl), Ayran und Datteln. Das kommt auf die innere Liste.
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Der steigende Zuzug von Inder*innen nach Berlin zeigt sich an der steigenden Zahl von Lebensmittelläden mit indischen Produkten. Eine begrüßenswerte Erscheinung.
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Es kommt der Punkt im Arbeitsleben an dem ich mich frage „Können unsere Kassenrechner eigentlich Sound ausgeben?“
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Am Südkreuz eröffnete Bäcker Dreißig by Wöllhaf. Der Moabiter schleppte mich in der Hoffnung auf Eröffnungsangebote hin. Aber es gab nichts besseres als „Sechs Brötchen für den Preis von fünf.“
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Beim Kaptain fiel nachts um vier bei Minusgraden und starkem Ostwind die Heizung aus. Der örtliche Sänitär- und Heizungshandwerker verwies auf viele andere ausgefallene Heizungen und erklärte Unpässlichkeit.
Zum Glück scheint beim Anderen, erfahrungsgemäß schwierigen, Heizungdienst mittlerweile ein Generationswechsel stattgefunden zu haben: der Sohn erwies sich als ungeahnt schnell, freundlich und verbindlich.
Oh wie schön ist ein warmes Haus.
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Es war ein Arbeitsfreitag und ein Gruschtelsamstag.
Am 20. März findet die Klausur statt
Langsam lerne ich etwas ernsthafter für die Digitale-Diversitäts-Klausur. Dabei lernte ich Neues gelernt: Nicht unbedingt inhaltlich im Kern, aber doch, dass dafür inzwischen feste etablierte Theorieanätze existieren:
Die IT-Identität (im Sinne von „Mein Dauergamen / meine Programmierkenntnisse / meine Teilnahme an der eSports-Excel-Weltmeisterschaft sind Teil meiner Identität genau wie Geschlecht, Ethnie, und Überzeugungen)
Stereotype threat / Stereotype lift: Wenn Menschen wissen, dass ihre Gruppe bei einer Aufgabe als stereotypisch „schlecht abschneidend“ angesehen wird und sie befürchten durch ihr eigenes ungenügendes Abschneiden dieses Stereotyp in der Situation zu verstärken, führt allein dieses Wissen und die Befürchtung zu schlechteren Leistungen. Im speziellen Fall „Digitale Diversität“ erklärt am alten Klassiker Frauen-und-Mint. Und es führt natürlich auch zur Problemvermeidung, indem sich Mitglieder der entsprechenden Gruppen gar nicht erst in entsprechende Sitiuationen begeben.
Immer wieder nett, „eigene“ Bücher in der Oxfam-Verkaufsauslage zu sehen
Ausgelesen: Dashiell Hammetts The Dain Curse. Meine zwischenzeitlich schwindende Liebe zum Buch kehrte zurück. Dazu irgendwann mehr. An sich ging es diese Tage eher darum, Bücher durch die Gegend zu fahren als darum, sie zu lesen.
Es waren Tage der Buchlogistik. Mein Versuch in Schöneberg ein Büchereibuch abzuholen, scheiterte am Bibliotheksausweis. Dieser war zwischen Bestellung und Abholung abgelaufen. Man könnte denken: „Prima, du warst ja eh gerade in der Bücherei.“ Aber ha! Diese spezielle Zweigstelle wird von Ehrenamtlichen betrieben, die keine Stammdaten bearbeiten dürfen. Nicht einmal, um profan Ausweise zu verlängern.
Also begab ich mich nach Wilmersdorf für ein Miniabenteuer: Meinem Erstbesuch in der eigentlich örtlich für uns zuständigen Dietrich-Bonhoeffer-Bibliothek. Die war freundlich und höflich, aber diese Bibliothekar*innen eigene innere Begeisterung und Drang anderen Menschen zum Lesen und Wissen zu verhelfen, fehlte; sowohl am Tresen wie auch in der ganzen Ausstattung. Irgendwie fühlte sich das emotional kalt an. Ich werde weiter beobachten.
Also dann mit gültigem Ausweis zurück nach Schöneberg, um Exhalation: Stories von Ted Chiang abzuholen. Immerhin ist mein Jahresmotto ja „Einatmen – Ausatmen.“ In der Thomas-Dehler-Bibliothek habe ich wieder Menschen getroffen, die einem am liebsten sofort die ganze Bibliothek zeigen und vorführen würden und ihre Lieblingsbücher präsentieren – wie ich es kenne.
Am Samstag absolvierte ich den Gang, den wir seit Monaten hinter uns bringen, und wohl auch noch in sinkender Intensität hinter uns bringen: Ich brachte Bücher zu Oxfam. „Guten Tag, ich habe eine Tasche Buch.“
Der 101er-Bus hält neben dem Schillertheater
Während ich dies schreibe, sitzt Madame im ICE 278 Basel->Berlin. Überraschenderweise wird dieser am Bahnhof Zoo halten. Noch überraschendererweise ist das für uns von Belang.
Es ist spannend. Eigentlich sind wir nur zwei Kilometer parallel zum S-Bahn-Ring gezogen. Aber „unser Berlin“ fühlt sich anders an. Nicht nur im Nahbereich, Alt-Wilmersdorf ist deutlich kleinstädtischer als Alt-Schöneberg. Auch im weiteren Verlauf: Wir sind in einer anderen Einfahrtsschneise in die Stadt gelandet.
Fielen wir bis 2025 in den Bus oder die S-Bahn auf dem Weg „in die Stadt“ landeten wir entweder an der Schloßstraße in Steglitz oder irgendwo zwischen Potsdamer Platz und Friedrichstraße, da wo auch Brandenburger Tor, Unter den Linden und viele Ministerien sind. Eine Gegend, die bis 1990 oft brach lag, sich seit 1990 neu erfunden hat.
Ab 2026 führt uns der Weg „in die Stadt“ in Richtung Zoo, Wittenbergplatz, Ku’damm. Das klassische Westberlin. Eine Gegend, die sich immernoch neu finden muss und den Verlust der zentralen Berliner Stadtzentrumsrolle verknusen.
Und auch wir müssen uns noch finden. Festgestellt: Hit Markt Ulrich am Bahnhof Zoo kann ein ganz normaler Supermarkt auf dem Weg nach Hause sein. Einschließlich des sehr selbstvergessenen Menschen, der auf einer kleinen Eisfläche schnelle Umdrehungen um sich selber machte, der Dame, die dem wartenden Ampelpublikum lautstark etwas verworrenes von Menschenrechten erzählte und dem was die Zeitung wohl „Auseinandersetzung im Obdachlosenmilieu“ nennen würde – immerhin ohne Gewalt.
Langsam lerne ich die Orientierung durch die Labyrinth-U-Bahn-Station Fehrbelliner Platz. Noch nicht lerne ich, dass ich in der U7 von Schöneberg aus meist nach Westen will und nicht nach Osten.
Das Sakral muss anspringen
In einem Blog las ich die Formulierung „das Sakral muss anspringen“ führ „es muss sich richtig anfühlen“, und ich möchte die bitte übernehmen, allein schon um meinen Mitmenschen auf den Keks zu gehen.
Andere Menschen stellen Duftkerzen auf. Ich mörsere ein wenig Kreuzkümmel.
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Vielleicht sollte ich ein Symposium für Innenarchitektur, Gärten und Wintergärten veranstalten, nur damit ich Symposium für Innen*Architekt*Innen auf die Plakate schreiben kann.
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Von Madame und Zio macchina, beide in verschiedenen Funktionen mit Prüfungsaufsichten befasst, lernte ich die neusten Betrugsversuchs-Techniken: Der Stift, der aussieht wie ein Textmarker, aber eigentlich ein Scanner ist, der den Klausurtext ausliest und über die Smart Watch an ChatGPT schickt; die Handyhülle, die genau so aussieht wie ein zugelassener Taschenrechner.
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Das schöne, wenn mensch deutlich schneller arbeitet als die Umgebung, und dazu noch Zeug, bei dem kaum jemand beurteilen kann, was mensch eigentlich macht – mensch kann relativ ungestört mal ein paar Tage konzentriert vor sich rumnerden.
Ich bin sehr sehr happy über das dabei entstandene Ticketauswertungs-Skript und ich bin kurz davor, alte Fernuni-Statistik-Module rauszukramen, um die Sache even more fancy zu machen. In the long run wird das soo schick und soo viel Arbeit und Zeit sparen. (die ich dann wieder zum Rumnerden..)
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Eine Mutter las in der S-Bahn ihrem Kind Janosch vor. Das war sehr schön.
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Es waren Tage der Arbeit mit Kino und Schrauben.
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Ein Gefühl wie im Vampirfilm. Seit Wochen führt Berlin einen aussichtslos scheinenden Kampf gegen das Eis. Verwundete allüberall. Erst gestern lief wieder eine junge Frau mit erkennbarem Pflaster für gebrochene Nasen an unserem Fenster vorbei. Erst ließ sich die Stadt aus Blödheit überrumpeln, danach half nichts mehr, und das angebliche Wundermittel Salz blieb folgenlos.
Bis ein Sonnenstrahl kam. Und wie im Film der Vampir von nichts auf gleich verschwindet ist, ist es hier das Eis.
Noch ist der erste Samstag im Frühling (dota) noch ein wenig entfernt. Aber wir haben über Null Grad. Die Berliner*innen, die sich in den letzten Wochen in immer mehr Kleidungsschichten einmummelten, Schals über Mützen über Buffs über weitere Mützen zogen, mummelten sich in Minuten wieder aus. Sie sind wieder als Menschen erkennbar. Das allgemeine Aufatmen ist spürbar.
Ich begann Feldforschung im Kindl Boulevard für mein Buch, das dort spielen wird. Dann Kino.
Er isst immer nur Chips
Es war ein Film über Kochen1. Eigentlich istWinter in Sokcho ein wunderschöner Film über Identität, Zugehörigkeit, zwischenmenschliches auf allen Ebenen, Körperlichkeiten – aber das alles in einer sehr spröden, leisen, poetischen Form.
Die einzigen Moment in denen es filmisch intensiv auf die Glocke geht, die Farben springen, die Nahaufnahmen fast schamlos werden, ist beim Essen und vor allem beim Kochen: Tintenfische in verschiedenen Variationen, Sashimi, andere Fische, Pajeon (Korean Pancakes) und verschiedenes Gemüse.
Kein anderer Moment ist so intensiv körperlich wie das Füllen und Verschließen der Tintenfischtuben.
Kein anderer Moment ist so rührend, traurig, rom-com-ig wie der Moment als die Heldin Sooha (Bella Kim) aus Sokcho (Südkorea an der Grenze zu Nordkorea) für den das-Koreanische-gar-nicht-mögenden Franzosen Yan (Roschdy Zem) ein Boeuf Bourgignon zu kochen versucht und dazu ein französisches Youtube-Video konsultiert. („Für das Fleisch gehen sie einfach zu ihrem Metzger und sagen sie, sie wollen Boeuf Bourgignon machen..“).
Und, frei nach Tschechow2: Wenn mensch einen Fugu3 im Film einführt, dann muss mensch den Fugu auch im Film benutzen.
Bürsten
Sokcho, Mittelstadt am südkoreanischen Meer, nahe der Grenze zu Nordkorea. Im Sommer mit Bergen und Meer ein beliebtes Touristenziel im Winter ist Sokcho as trist as can be. Graue Felsen im Hintergrund, blaugraues Meer, eine Stadt, weder klein noch groß in grauer Nachkriegsarchitektur.
Sooha, Tochter einer südkoreanerischen Fischhändlerin und eines verschollenen Franzosen arbeitet in einer Pension zusammen mit dem älteren Herrn Park. Ihr Freund möchte Model in Seoul werden. Sie wird zu mehr Karriere, baldiger Heirat und Schönheits-OPs gedrängt, hadert mit sich selbst und allem. Bis der französische Comiczeichner Yan nach Sokcho kommt.
Liebt sie ihn? Vermutlich nicht. Löst er vieles in ihr aus? Auf jeden Fall. Ist er an ihr interessiert: Eher nicht. Sie reden über Nordkorea und eigentlich geht es über Sein, Liebe, Leben, Körper. Sooha bürstet ihrer Mutter die Haare, sie reden über ihren Vater, dabei geht es über Sein, Liebe, Leben, Geschichte, Familie, Körper. Sie wäscht einen Tintenflecken aus der Decke. Sie reden. Dabei geht es über.. You get it.
Alles in grau, blau, Bewegungen spärlich, Tonfall gedämpft. Wenn es emotional wird, wechselt der Film in Tuschezeichnungen.
Ich werde dringend die xkcd-Comics suchen, in denen Menschen auf Bürostuhlen durch die Gegend fahren
Madame bekam ein DHL-Kleinpaket. Leider mit einem etwas obskuren Absender, so dass die schöne Volte, sich ein Paket von Speedo ins Schwimmbad senden zu lassen, verloren ging.
Ich bekam ein UPS-Großpaket und das Angebot, mir zwei starke Schwimmeister zu organisieren, um es in die Wohnung zu tragen. Zu den ausgenudelten Sachen, die vielleicht gar nicht erst hätten umziehen sollen, gehörte mein alter Schreibtischstuhl.
Langsam gestand ich mir ein, dass es eine auffallende Häufung von Rücken-ist-schlecht-Tagen an Home office-Tagen gibt und das eventuell der alte Stuhl etwas damit zu tun haben könnte. Madame schenkte mir nachträglich zum Geburtstag einen neuen Stuhl.
Und wenn ich die Auswahl habe, etwas gut funktionierendes und solide Gebautes in der Variante seriös oder der Variante albern zu bekommen, nehme ich natürlich albern.
Das Gaming Chair war zielgruppengerecht. Das 37-Kilo-Paket kündigte bereits den Unboxing-Moment an, die Anleitung war aufgemacht wie Videospielgoodies und eigentlich wartete ich nur auf die Trainingsmission, in der ich Schrauben übe. Allein der Aufbau war eine Show, voller Liebe im Detail: Ich sage nur: Stuhl fast durchgehend in Schwarz (bzw. charcoal), aber eine rote Schraube in der roten Fingerklemmsicherung.
Schreib an die Borsten eine Ode
Irgendwo im Internet las ich ähnlich der David-Lynch-Geburtstags-Festspiele „David Lynch. Die einen lieben ihn, die anderen verstehen ihn nicht.“ Ich glaube, das waren die Vibes, die mich schon in den Neunzigern abschreckten. Zumal das damals gerne von Leuten gesagt wurde, deren Filmgeschmack eher unterkomplex war.
Jetzt muss ich mal ein Jahr lang nicht mimosenneidisch auf Südfrankreich sein, gleich kann ich filmneidisch werden. Christiane bei Hildegard Knef: Regen, ein Film und keine Mimosen
Im Kino: Boeuf Bourgignon. Im Blog nebenan: Coq au vin.
Nach Wikipedia: In einer besonderen Zubereitungstechnik werden die durch das darin enthaltene Tetrodotoxin hochgiftigen Körperteile wie Eierstock, Darm, Rogen, Leber und je nach Kugelfischart auch die Haut vorsichtig entfernt und meist nur das ungiftige Muskelfleisch verwendet. Daher muss heute in Japan jeder, der mit Fang, Handel oder Zubereitung zu tun hat, eine spezielle Lizenz besitzen. Für die Zubereitungslizenz muss der Koch zwei Jahre in einem Fugurestaurant gearbeitet haben und dann eine Prüfung ablegen. ↩︎
Das Freibad Wesselburen gab eine Pressekonferenz zur neuen Saison. Auch ich merke, dass ich öfter an Freibäder denke. Und überhaupt: Bald ist Frühling.
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Am Baum: Wieder Blaumeisen. Der Fuchs bleibt derzeit verschwunden.
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Der Kaptain fragt, warum wir „immer im Osten“ Urlaub machen. Die Aussage würde ich so absolut nicht unterschreiben. Aber ich würde behaupten, „der Osten“ erzählt die spannenderen Geschichten.
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Noch aber haben stecken wir weit entfernt von Freibad und Sommerurlaub im Winter. Erste Büromeldungen am Freitag sprachen vom Gletscher Südkreuz – der Bahnhof auf allen abschüssigen Wegen Richtung Südkreuz Offices von Eisplatten umgeben. Der Eisabstieg zu den Offices blieb herausfordernd.
Es gab Stürze, aber immerhin blieben alle unverletzt. Bis Mittag begann ein sanftes Tauen. Ich bringen den Müll zwar noch in Straßenschuhen raus (weil nass, dezent rutschig und dreckig), gehe aber bei deren Auswahl wieder nach leichter Anziehbarkeit statt nach Profil und lasse auch die Jacke in der Wohnung.
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In den Offices angekommen, hatte ich Spaß mit R und nebenbei eine krasse Lernkurve.
Unter anderem lernte ich: Intern speichert Excel ein Kalenderdatum nicht als Datum sondern als Zahl. Genauer als „Zahl der Tage, die seit dem 31.12.1899 vergangen sind.“ Das muss man doch für Unerwartetes ausnutzen können.
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Es war ein Freitag der Arbeit, Abende des Ausgehens und ein Samstag des Gruschtelns.
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Langsam sollte ich mir Gedanken machen, ob ich dieses Semester die Klausur „Digitale Diversität“ schreiben möchte. Die scheint mir vergleichsweise einfach. Dennoch sollte ich mit Lernen beginnen, wenn ich es etwas werden soll.
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Eigentümlichkeiten der neuen Wohnung: Madame wird im Badeanzug im Schwimmbad von hinten von Menschen angesprochen, dass die digitale Bestellung vom Sauna-Aufgussmitteln nicht funktioniert. Und nein, eigentlich arbeitet sie immer noch der Hafenstadt und nicht hier.
Sie war bereits das zweite Mal diesen Monat total immersiv schwimmen, fragte sich dabei, warum Eltern die selbst anscheinend weder Lust noch ernstliche Kenntnis vom Schwimmen besitzen, jetzt unbedingt selber ihren Kindern unmotiviertes schlechtes Schwimmen beibringen wollen.
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Das Gemüsli zog nach drinnen. Bei Minus zehn Grad wollte doch niemand das Gemüse über Stunden in einem Sperrholzschrank im Freien lagern.
Nach verschiedenen auswärtigen Essen begann die Gemüsli-Verarbeitung dieser Woche am Samstag. Wie immer im Winter mit dem „Kimchi“1 – das schmeckt ganz hervorragend, ist aber olfaktorisch dominant im Kühlschrank. Wieder mit Raclette-Käse – die Mischung aus guter Würze, saurer Frische und der fetthaltig-herzhaften Umschmeichlung durch Käse funktioniert erstaunlich gut.
Ein Schnitzel = 4l Bier. Angeblich. Es war weit weniger.
Es war nötig. Nach Anlaufzeiten im öffentlich-rechtlichen Glazialtempo passiert jetzt wirklich digitale Transformation. Die ist an verschiedenen Enden anstrengend. Wir als Team müssen auch neu zusammenruckeln und so wurde es dringend Zeit für ein Treffen der Jungkarpfen2, auch Teilprojektteam Nicht-Man-Cave zum gegenseitigen Seelestreicheln mit Kommunikationsbegleitung. Sehr schön, sehr gut, sehr wiederholenswert. Und das Schnitzel mit Süßer-Senf-Panade kann ich weiterempfehlen.
Goldener Muskateller und Schinken
Es war ein wildes Ausgehleben. Nach dem schwäbischen Restaurant am Donnerstag, folgte Freitag eine (österreichische) Heurigenwirtschaft. Die Nussbaumerin betreibt ein Restaurant in Charlottenburg und eine Heurigenwirtschaft in Zehlendorf knapp jenseits der Wilmersdorfer Bezirksgrenze.
Zia sociale und zio macchina luden Madame als verspätetes Geburtsgstagsgeschenk ein. Ich hatte Glück und durfte dabei sein. Wie es sich gehört: Es gab eine kleine Karte aus kleinen Schmankerln und dem Mittagstisch der letzten Tage. Es gab überhaupt nur zwei Tische und ein wunderbares Weinangebot.
Wir schlemmten:GoldenerGelber Muskateller aus der Wachau, Grüner Veltliner und einem Rosé dessen Details ich mir Banause nicht merkte. Dazu Gulasch, Tafelspitz, Käsekrainer, eine Schinkenplatte und oh, himmlischste aller Freuden: Marillenknödel aus Topfenteig. Dafür dass ich gar nicht so der Süße bin, waren die Knödel vortrefflichst. Also außergewöhnlich. Unfassbar gut. Wann gehen wir wieder?
Beim Aufbauen von IKEA-Regalen verschiedenen Alters kann mensch beobachten wie stark sich selbst ein identisches Design über die Jahre im Detail veränderte
Diese Woche vollendeten sich die letzten beiden größeren Umzugs-Baustellen: die alte Wohnung ist übergeben (YAY!) und wir haben wieder einen echten Stromvertrag, sind aus der Grundversorgung heraus. (Yay).
Am Samstag ging es mit Kleinkram weiter: die magnetischen Whiteboards hängen, Klavier und Schrankvitrine sind von Zeug freigeräumt. Wir beschlossen, dass die restlichen Regalbretter wirklich auf die Latifundien können und luden diese ins Auto. Nach einer endgültigen CD-Regal-Platz-Einigung schraubten wir die letzten beiden Regale an.
Falls ich mich in Zukunft frage, wie alt meine Bettdecke eigentlich ist, so gilt dann die Formel „Zahl der Tage seit dem 7. Februar 2026“. Der Vor- und Nachteil des Umzugs ist ja, dass man wirklich alles was mensch mit sich rumschleppt mehrfach in der Hand hat, kritisch anschaut und denkt „Das ist aber schon arg durchgenudelt, ehrlich gesagt.“
Red Harvest
Ausgelesen: Dashiell Hammetts Red Harvest. Immer noch unschlüssig wie ich es finde. Großartiger Plot-Bau, großartiges Alle-ziehen-alle-über-den-Tisch, eine Athmosphäre die sich genau so rau, brutal und desillusioniert anfühlt wie es in Minenstädten im US-Westen um 1930 vermutlich war. Aber trotzdem schweifte ich gedanklich immer wieder ab, weil mich keiner der Charaktere wirklich interessierte.
Ähnlich spannend wie der Inhalt war das physische Buch. 1979 wurde es als englische Ausgabe aller Hammett-Romane gedruckt, trägt es einen Stempel US Army und gehörte zu einer US-Army-Library. Aus Gründen, die ich gerne kennen würde, gelangte es dann in die Bibliothek Altglienicke (tief im Osten Berlins) und der untere Rand landete einmal offenbar in der Badewanne. Ein Buch mit echter Geschichte. Ich frage mich, ob ich es der Bibliothek abschwatzen kann, wenn ich vorschlage, es durch ein neueres Exemplar in besserem Zustand zu ersetzen.
Stricken in der Stadtbibliothek, Spaß mit dem Haselanten
Ich vermute, eine Koreaner*in würde uns fassungslos anschauen, wenn wir das fermentierte Kraut dort als Kimchi bezeichneten. Was seinem Geschmack aber zum Glück nicht schadet. ↩︎
Die Geschichte woher der Name kommt ist kompliziert und ich habe sie ehrlich gesagt komplett vergessen. ↩︎
Im Antiquariat Bücherkeller neben unserer alten Wohnung hängt ein Schild Betrieb ruht. Leider aber erwartbar gestaltet sich die Suche nach einem Nachfolger für die Antiquariatsführung schwierig.
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Auch der zweite Versuch mit einem Festnetztelefon gestaltet sich kompliziert. Nachdem Telefon Nummer eins nicht mit der Fritzbox reden mochte, fehlten bei Nummer 2 die Akkus in der Packung. Das ist an sich ein behebbares Problem. Nur nicht jetzt, wo mensch, außer in Notlagen, nicht in die Eislandschaft Berlin hinausgehen mag.
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Crack tut nicht gut. Anschauungsbeispiele sieht Madame leider reichlich derzeit an den Schöneberger U-Bahn-Stationen. Ausgerechnet erblickt bei der Rückkehr von Kirchenchor und solidarischem Gemüse im gut bildungsbürgerlichen Bayerischen Viertel. Bei Minus zehn in kurzer Hose, jegliches Temperaturempfinden schon lange zerstört.
Nachdem ich Madame die Haustür geöffnet hatte, roch ich, dass es wieder Kimchi gab; der deutlich besser schmeckt als er riecht, Zeit wieder Raclettekäse zu besorgen.
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Um 5:50h stand ich in der Tür, wollte Schnee schippen und stellte fest, dass der Schnee sich in Eisregen verwandelt hatte. Dann lieber umkehren, in der Hoffnung, dass eine Crème-Brûlée-Konsistenz des Schneeeises besser zu handeln ist, als reines Eis auf glattem geräumten Weg.
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Es gibt keine Hotels in Travemünde mehr. Bis auf Schlafstrandkorb Nummer 7 ist alles ausgebucht, wenn wir eine Übernachtung benötigen.
This escalated quickly. Vor drei Tagen überlegten wir noch grob, ob wir im Sommer ganz grundsätzlich mit oder gegen den Uhrzeiger reisen wollen. Jetzt haben wir einen Fährplätz ab Klaipėda, eine Bahnkarte nach Warschau sowie Hotels in Warschau (Polonia Palace), Kaunas (Bōheme House mit dem Photographers Room), Vilnius (Comfort Rock’n’Roll Hotel), Klaipėda (Dangė) und Lübeck (Premier Inn gegenüber vom Bahnhof) gebucht. Einzig die Züge in Polen und Litauen fehlen noch – die können erst 60/30 Tage vor Abfahrt gebucht werden.
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Es waren Tage der Arbeit zwischen Eis, Schnee und David Lynch.
Spannender, aber inputreicher Arbeitstag am Mittwoch und ich hing abends in den Seilen. Madame besorgte Butter Chicken und Mulligatawny Soup von Sagar.
In einer Arbeits-Nebenhandlung: Ich überwand meine Selbstverwirrung mit dem R-Script und bin jetzt an dem Punkt an dem Ticketauswertung von links nach rechts und von oben nach unten wirklich Spaß macht.
Man sieht ihn um die Kirche schleichen
Das Jahr 2026 wird das Jahr der geschlossenen Film-Bildungslücken. Eine der größeren Lücken betraf die Person David Lynch. Dessen große Zeit lag eigentlich genau in der Zeit in der ich viel upp’n Schwutsch war, viel gesehen hab, neugierig auf alles war. Im Freundes- und Bekanntenkreis war Lynch immer Thema: Frisch, herausfordernd, edgy wäre eigentlich mein Ding gewesen. Eigentlich hätte ich damals irgendwas von ihm sehen müssen. Aber irgendwie waren das immer falsche Vibes, die von seinen Filmen und Serien ausgingen, immer fühlte ich „Ne, ach doch nicht.“
Jetzt bin ich älter und kann noch einmal neu schauen.
Ich sah meinen ersten David-Lynch-Film: Lost Highway1. Und ich sah meinen letzten David-Lynch-Film. Irgendwie möchte ich mich gar nicht soviel gedanklich mit dem Film beschäftigen. Das wäre mir kostbare Gedankenverschwendung.
Quasi alles was ich am Film nicht mochte (und das zwar ziemlich viel) wurde sehr unvorteilhaft dadurch verstärkt, dass der Film komplett besoffen von seiner eigenen gefühlten Großartigkeit war. Eigentlich hätte er auch die ganze Zeit in Riesen-Blinkschrift einblenden können „Ich bin Kunst! Ich bin edgy! Wow!!“
Im Nachhinein überlege ich jetzt: Gibt es irgendwas, was ich am Film wirklich mochte? – Nein. Gibt es irgendwas, was ich an ihm interessant fand? – Nein. Fast gefiel mir immerhin die Stelle an der Lou Reeds This Magic Moment als Hintergrundmusik auftauchte. Und Rammsteins Heirate mich war zumindest an diesem Punkt im Film originell.
Mit oder ohne h
Spannender als der Film selber waren die äußeren Umstände: der Film lief abends im Kant Kino/Kantstraße in der Yorck-Filmreihe Best of Cinema.
Lange war ich nicht mehr Abends in der Kantstraße. Ich las schon von vielen Asiatischen Restaurants dort. Aber erst bei Dunkelheit mit ihrer Leuchtschrift fällt richtig auf, dass über viele Blocks hin ein Hotpot-Laden neben Fried Korean Chicken und Phở-Spezialisten steht. Der einzige Burrito-Anbieter wirkte seltsam unpassend. Laut lachen musse ich als ich inmitten lauter Ramen-Shops ein Fachgeschäft für Rahmen (und Bilder) fand.
Im Kino selbst: Das Publikum war überraschend jung, der Median um die 30, hatte aber genau diese „Ich bin anders aber auch cool“-Vibes, die ich erwartete.
Noch überraschender. Der Film läuft in einer Yorck-Outside-of-the-Box-Reihe. Normalerweise haben die ein kuratiertes Programm und gute Namen (zum Mongay für you-can-guess oder Boulevard Noir für you-can-guess-as-well oder Fetch (nach einem Ausdruck aus Mean Girls) für RomCom/Teen/Musicals).
Die Reihe Best of Cinema hat nun den schlimmstmöglichen Namen und die darin gezeigten Filme wirken auch eher eklektisch, oft gute Filme aber sicher nicht best of Cinema.
Ich lernte: Die Reihe ist keine Yorck-Reihe sondern eine Reihe des französischen Filmproduzenten Studiocanal mit dessen Filmen. Wenn ihr ein Arthouse-Kino in der Nähe habt, sind die Chancen gut, dass die Filme da auch jeweils an diesem Tag laufen. Noch überraschender: Sie wird gesponsert vom Fernsehsender Kabel eins. Dass ich mal einen Film präsentiert von Kabel eins sehen würde.
Ich änderte den „Heimatort“ im Navi nach Wilmersdorf. Es ist erstaunlich in wie vielen Kleinigkeiten sich so ein Umzug bemerkbar macht.
Nach Überwindung einiger Komplikationen haben wir ab dem 6. auch einen „echten“ Stromvertag jenseits der Grundversorgung in Wilmersdorf.
Madame kehrte erfolgreich und begeistert aus Bremen zurück. Weitgehend unter Kooperation der Deutschen Bahn.
Die Urlaubsplanung entwickelt sich von „Mit dem Zug nach Trelleborg und dort auf die Fähre nach Kleipeda“ zu „Mit dem Zug nach Kleipeda und dort auf die Fähre nach Travemünde.“
Es war ein Sonntag des Gruschtelns und ein Montag zwischen Übergabe und Bali-Jubiläum.
Vom Greise befreit sind Wege und Straßen
Stand des Wetters: Um den Müll vor die Haustür zu bringen, zog ich mir eine dicke Winterjacke und ordentliche Schuhe an. Nicht, dass ich ausrutsche, und dann bei Minus 10 Grad im Pullover mit gebrochenem Bein hilflos auf dem Hof liege.
Samstag sah ich eine Frau mit einem Paar Schlittschuhen, die sie über der Schulter gehängt hatte, aus der U-Bahn kommen. Mein erster Gedanke war: „Sie war auf einer Eislaufbahn.“ Mein zweiter Gedanke: „Sie hat einfach die richtigen Schuhe für den derzeitigen Stand der Gehwege.“
Mein Gedanke war halb ernsthaft, halb im Scherze. Aber er war wahrhaftig. Am nächsten Tag sah ich im Internet, dass jemand in Sichtweite der Südkreuz Offices tatsächlich Schlittschuh auf dem Geh- und Fahrradweg gefahren war: „Schlittschuhlaufen auf Fahrradweg in Berlin„
Stand des Winters: Ein geplantes Treffen am nächsten Samstag verkompliziert sich wegen einer gebrochenen Speiche (Unterarm) nach Sturz. Unser Vermieter heute kam mit einem geschienten Arm wegen gebrochenem Handgelenk nach Sturz.
Es war in Schöneberg im Jahr 2008
Neben vielen Kleinigkeiten umfasst der Umzug auch Großigkeiten. Die Übergabe der alten Wohnung zum Beispiel. Seit dem 2. Februar sind wir sie endgültig los. Nach 18 Jahren. Die Übergabe verlief schnell und nett (allem Irrsinn im Hause zum Trotze, der persönliche Beauftragte unseres Vermieters war immer extrem nett und zugänglich).
Wir waren uns mit ihm einig, dass die Wohnung ein riesiges Potenzial hat. Aber auch, dass der Zustand der Wohnung schlecht ist und nur noch übertroffen wird vom katastrophalen Zustand des ganzen Hauses. Aber nicht mehr unser Problem:
Nicht die diversen Wasserschäden und Dutzende Risse in den Wänden, die wir dem Dachstuhlausbau verdanken.
Nicht die Fenster, deren Rahmen schon lange Morsch waren und denen die Monate ohne Dachrinne (Dachstuhlausbau..) endgültig den Rest gaben.
Nicht die Gastherme, die brav und tapfer durch jeden Berliner Winter heizte, die aber auch schon einige Jahrzehnte auf dem Buckel hat.
Nicht die Elektrik auf dem Stand der Technik 1949.
Nicht die Wasserrohre, vermutlich Stand der Technik 1915.
Wir sind endgültig und vollkommen raus.
Zelebrieren in Zehlendorf
Danach galt es zu feiern. Nicht ganz einfach an diesem Tag der Begann mit einem abgerissenen Handtaschengriff, an dem es minus zehn Grad hatte, die Wege vereist waren und die BVG streikte.
Bei all meiner Liebe für Gewerkschaften: Liebe ver.di ihr hättet Held*innen der Stadt werden werden können, hättet ihr Sonntag Mittag eine Pressemitteilung verschickt „Ey, sorry, Leute. Wir haben grad aus dem Fenster geschaut. Ist ja unzumutbar draußen für Fußgänger und Radfahrer. In Berlin-Brandenburg ist der Streik verschoben.“
Aber nein.
Zum Glück half uns die S-Bahn . An der S1 liegen die alte Wohnung, der Karstadt an der Schloßstraße (mit einem großartigen Handtaschenverkäufer) und die Zehlendorfer Innenstadt mit dem Tomasa.
Im Tomasa gab es Brunch, viel Kaffee und natürlich Sekt. Wir saßen und redeten, saßen und tranken, saßen und lasen (Sonntagszeitung bzw. Bialik), schliefen fast ein und tranken mehr Kaffee. Wie so Student*innen. Unser Termin war erst drei Stunden später.
Eine Frage des Timings
Nachdem wir wechselnd durchgefroren und gesättigt waren ging es, nicht lachen, ins Kino. Die 80-Jahre-Bali-Festwoche dauert an. Wieder mit einem Klassiker: „Les vacances de M. Hulot„, 1953 produziert von Jacques Tati, der auch die Hauptrolle spielt.
Natürlich vergleiche ich innerlich mit „Serkalo“ (Tarkowski) von drei Tagen zuvor. Einerseits Filme, die kaum miteinander zu tun haben: Serkalo: meditativ, den Film als Genre fast auflösend, erdenschwer und mit der Natur verbunden. Tati: Spritzig, schnell, in bester Buster-Keaton-Tradition; obwohl 20 Jahre älter wirkt Tati moderner als Tarkowski.
Und doch haben sie Gemeinsamkeiten: das Vertrauen in das Bild. Der weitgehende Verzicht auf Dialog, Sprache kommt vor, ist aber mindestens genauso sehr Sound wie Bedeutunsgträger. Beide Filme sind sehr körperlich. Bedeutung kommt aus Bild und Sound.
Die Menschen erleben kleinere und größere Abenteuer, die vor allem durch die Tolpatschigkeit des immer lieben immer hilfsbereiten Monsieur Hulot ausgelöst werden. Sei es, dass erfolglos versucht Kayak zu fahren oder daran scheitern zu reiten oder weil er ein Bild gerade rücken möchte. (Wer den Loriot-Sketch kennt, hier ist die Inspiration für den Loriot-Sketch mit dem schiefen Bild).
Die Szene, in der Hulot versucht, mit einen Mit-Urlauber den bereits abgefahrenen Bus zu erreichen und sich am Ende mit einer Beerdigungsgesellschaft anfreundet gehört zu den großartigetsen Verfolgungsjagden der Filmgeschichte.
Immer liebevoll, immer voller Spott – die Menschen, und insbesondere die Urlauber der 1950er, immer durchschauen und doch nie blossstellend.
Bloong – Töff – Explosion
In einem Film in dem wenig gesprochen wird, und wenn gesprochen wird, wird immer noch wenig gesagt, spielen Musik und Sound eine große Rolle. War es bei Tarkows Bach, der als Mauer im Raum steht – das Bild unterlegt die Musik, nicht umgekehrt, ist es bei Tati das fröhlich beschwingte „Quel Temps Fait-Il A Paris?“, das allein durch ewige Wiederholung die ganze Albernheit der geplant fröhlichen Urlaubszeit in Szene setzt.
Töne verschwinden nicht, sie sind gesetzt. Das Knallen und Pöttern von Hulots Salmson trägt ganze Handlungsstränge. Selbst die Restaurant-Schwingtür mit ihrem ewig Bloong Bloong hat mehr Charaktertiefe als die meisten Actionfilmfiguren. Jeder Ton ein Gewinn für den Film.
1953
Worüber wir auch staunten. 1953. Acht Jahre nach Ende des Zweiten Weltkriegs. Für alle Beteiligten am Film war das gefühlt Vorgestern. Wir staunten über solch explosionsreichen Feuerwerksszenen, gedreht von Leuten, die alle noch Bombenexplosionen im Ohr hatten. Und doch so modern. Es bedürfte nur Änderungen im Detail und mensch könnte den Film nahezu identisch im Jahr 2026 drehen.
Urlaubsplanüberlegungen: Mit der Fähre direkt nach Klaipeda? Oder mit dem Zug nach Kopenhagen/Trelleborg und von dort mit der Fähre nach Klaipedia? Oder ganz anders?
Martinhörner zur Mitternacht. Ein Geräusch, das wir so geballt seit der Schöneberger Hauptstraße nicht mehr hörten. Im Halbschalf dachte ich „Stadtautobahn.“
Die Berliner Feuerwehr berichtet, dass ihr zeitweise die Rettungswagen ausgehen. Die Unfallkrankhäuser schieben ähnlich viele Einsätze wie an Silvester. Willkommen in der Eiswüste Berlin. Allein an der Ampel gegenüber dem Büro – leicht abschüssig, inzwischen eine blanke Eisplatte – sah ich bei meinen letzten drei Überquerungen jedesmal eine Person stürzen.
Life-Hack einer jungen Mutter: An den besonders schlimmen Stellen den Kinderwagen (ohne Kind nehme ich an) an wacklig wirkende Menschen ausleihen, damit diese einen Impro-Rollator nutzen können.
Aufgrund der Eislandschaft Berlin haben die Berliner Öffentlichen Bibliotheken ihre Leihfrist um drei Wochen verlängert. Niemand soll gezwungen sein, vor die Tür zu gehen und sich ein Bein zu brechen, beim Versuch etwas zurückzugeben. Ehrenmenschen.
Es war ein Wochenendanfang zwischen Eis und Kino mit besonderer Aufmerksamkeit aufs Atmen.
Sprachi
Im Radio geriet ich an das „rbb Jugendradio“ Fritz. Und ich staunte, Im Fünfminutentakt hörte ich Wörter, die ich noch nie in einem deutschen Text gesprochen gehört habe. Das meiste waren Übernahmen aus dem amerikanischen Social-Media-Kontext1 und dürfen als solche gerne weiter jenseits meines Wortschatzes bleiben. Schön fand ich „Schickt eine Sprachi an..“ – da stimmen Albernheit von Wort und Tätigkeit doch wunderbar überein. Das sollte ich übernehmen.
BANIS
In Zehlendorf an der Bushaltestelle. Eine auf den ersten Blick normal wirkende Frau schreit mit bewunderungswürdiger Ausdauer die leere Fläche vor sich an. „Du FOTZE! Du hast mir nicht zu sagen! Du Schwanzlutscherin!“
Später in der Wohnung. In den frisch gefallenen Schnee vor unserem Fenster schrieb jemand vier Meter breit: „PENIS“.
Der Winter schlägt den Berliner*innen auf’s Gemüt.
Am nächsten Morgen: Fuchsspuren verliefen durch das Wort. Bis Vormittags hatte jemand PENIS in BANIS verwandelt. (oder B8NIS)
Michael Haneke sah diesen Film 25mal
Ein Kino hatte mich nach Zehlendorf gelockt. Die Bahnhofslichtspiele (Bali) feiern ihren 80. Geburtstag. Einst in den 1960ern/1970ern ein an diesem Ort unerwarteter Hotspot des Westberliner Politkinos, seit 2024 von einem ehemaligen Rechtsanwalt übernommen, dem ich unterstelle sich damit einen Jugendtraum zu erfüllen.
Das Kino: mit alten Filmpostern an der Wand, Klavier und Jukebox im Saal, vor der ersten Reihe einige Bistrotische, alles hat eine Aura des Jugendzentrums. Muss ich explizit sagen, dass ich es sehr mochte?
Anlässlich des 80. Geburtstags veranstaltet das Kino eine Woche der Filmklassiker. Da ich nicht alles sehen kann und will, entschied ich mich zur Füllung einer Bildungslücke. Andrei Tarkowski’s Der Spiegel (Зеркало -> Serkalo, UdSSR 1975)2.
Ein Film der mich an Yi Yi vom Mittwoch erinnerte: Plot und Erzählstruktur sind noch aufgelöster als in Yi Yi. Jede Einstellung ein Gemälde, jeder der knappen Dialoge halb Gedicht halb Meditation/Gebet, (außer die Teile in denen tatsächlich Gedichte gesprochen werden) jedes Geräusch ein Teil des Soundtracks. Ein Film, der in seiner Logik des emotionalen Fließens näher an Musik liegt als an gängigen Filmen.
Matsch
Es gibt keinen Plot. Die Rahmenhandlung lautet, dass ein 40jähriger Dichter sich im Moment seines Todes an sein Leben erinnert. Diese Rahmenhandlung habe ich während des Films nicht bemerkt, habe erst im Nachhinein davon gelesen.
Es ist eine Abfolge von Erinnerungsfragmenten Tarkowskis, immer wieder springend, immer wieder in Erinnerungen an Träume übergehend an seine Kindheit und als junger Erwachsener. Oft springt der Film; ein Wort oder eine Handlung, die in einer Sequenz erwähnen werden, öffnen die Tor in die nächste Sequenz.
Im Wesentlichen gibt es drei Orte, die immer wieder auftauchen: russisches Landleben auf der Blockhaus-Datscha, der Dichter als kleines Kind (etwa 1935); Moskau im Zweiten Weltkrieg; der Dichter als Erwachsener mit kleinem Sohn (1960er/1970er). Wir sehen aus der Sicht des Dichters: Mutter und Ehefrau werden von derselben Schauspielerin gespielt ebenso wie der Dichter als Junge und sein Sohn.
Wo die Handlung schwimmt, und die konsitente Realität sich auflöst und die reale Realität um so stärker. Bilder vom Matsch, ich fühle mich nass; Bilder vom brennenden Haus, ich rieche das Feuer. Oft genug schafft es der Film, jegliche Vernunftkontrolle zu umgehen und sofort zu den tieferen Hirnschichten des haptschen Fühlens und Riechens vorzudringen.
Bach, Bruegel, Artemeyev
Ein Film in vier Stimmen.
Der Film beginnt mit Bach und der Film endet mit Bach. Dazwischen Purcell und Pergolesis Stabat Mater. Selten erklingt Musik, aber wenn, dann ist sie raumgreifend, nie nur Hintergrund sondern Architektur der Szene.
Ein andere Modus: Die eigentliche „Filmmusik“ von Eduard Artemjew. Oft elektronisch, nur selten als Musik erkennbar, oft komponiert aus Natur- und Umgebungsgeräuschen, elektronisch aufgearbeitet und verfremdet. Wie der ganze Film: es ist ein halb träumerischer Übergang zwischen Umgebung und Gefühl, subjektiv empfundenem und vorgefundenen.
Dritter Modus: Geräusch. Ähnlich wie in Yi Yi, nie „nur“ Geräusch, sondern immer Rhythmus, Verstärker, gesetzt, oft erst die Szene machend.
Vierter Modus: Gedicht. Tarkowskis Vater, der Dichter Arseni Tarkowski, liest seine eigenen Gedichte während im Film etwas anderes passiert. Auch hier zählt Klang mehr als Worte (wenn man kein russisch kann und den Untertext liest eh). Der Klang des Gedichts als eigene Musik.
Flüssiges Land, zähflüssiges Buch
Es waren Tage der Auflösung: Neben den Filmen Yi Yi und Serkalo, in denen sich Filmkonventionen und Realitätssicht auflösten, las ich auch Raphaela Edelbauers „Das flüssige Land“ aus. Hier löst sich buchstäblich das Land auf.
Leider ist, trotz aller sprachlichen Brillanz, das Buch konventioneller als die beiden Filme. Und auch die wunderschöne Idee der österreichischen Kleinstadt im Wechselgebiet, nicht ganz von dieser Welt, halb im 19. Jahrhundert, halb im Jetzt, wortwörtlich verschlungen von den Sünden der Vergangenheit, wird im Laufe des Romans immer mehr entmagischt und immer „realistischer.“ Wodurch auffällt, wie sehr die innere Logik hakt. Inhaltlich strebt das Buch dem fulminanten Höhepunkt zu, stilistisch fällt es auseinander. Schade. Am Ende doch kein Buch, das dauerhaft im Regal bleiben wird.
Leiter weg, Blumenkohl her
Die Logistikwochen lassen in ihrer Intensität nach. Aber noch sind sie nicht vorbei. Nachdem die Schöneberger Wohnung inzwischen leer ist, war das Auto voll. Denn Bretter, die große Leiter und der latifundinische Staubsauger sollten alle nach Brandenburg. Dem Subaru würde es nicht schaden, auch mal wieder bewegt zu werden.
Also auf in die märkischen Hamptons. Die letzten Meter über den Plattenweg Richtung Siedlung mit dem Auto rutschen. Die weiße Schneelandschaft bestaunen. Einatmen. Ausatmen. Weite. Stille. Mit Schnee noch weiter und stiller als normalerweise.
Alles stand noch. Alles sah noch gut aus. Das Grundstück war, abgesehen von Katzenspuren, unberührt. Bier und Brause hatten erwartungsgemäß den Temperaturen standgehalten.
Stehen. Schauen. Atmen. Nichts hören. Wieder atmen. Augen schließen. Atmen.
Nach einem Zwischenstop beim Supermarkt beschloss ich das Haus nicht mehr zu verlassen. Also ging ich ins Schwimmbad.
Total Immersiv
Wie schnell Systeme zusammenbrechen. In unserem Hausbad gibt es eine als solche gekennzeichnete Sportbahn. Bei der Treppe ist der Bereich Totholz und dazwischen liegt der Bereich der Bahnenschwimmer ohne sportlichen Ehrgeiz. Je nach Laune und Beckenfüllung bin ich beim Totholz oder beim Bahnenschwimmen, ich bin ja aus Jux und Dollerei unterwegs, nicht aus sportlichen Gründen. Naja, heute war ein echtes Totholz-Pärchen unterwegs das zwei Drittel der Bahnschwimmbreite einnahmen. Sofort brach die Unordnung aus. Zwei Leute von 40 Anwesenden. Und alles wurde schwierig.
Im tiefen Becken ein bißchen mit der Totalen Immersion herumspielen. Und wie immer, wenn mensch in einem komplexen Bewegungsablauf auf einen Teil bewusst achtet (hier: An welchem Punkt beginne ich den Armzug nach hinten?) gerät alles andere in Unordnung.
Leider gehört zum komplexen Bewegungsablauf Kraulschwimmen auch das Atmen. Und naja, es gelang mir erfolgreich weder zu ertrinken noch auf halber Strecke hustend zusammenzubrechen. Nachdem ich meinen Stolz überwunden hatte, und von 3-Zug-Atmung auf 2-Zug-Atmung umgestellt hatte, hielt ich sogar länger als acht Meter durch.
Wien du wunderbare
I feel Joel. Manchmal hat man das Gefühl, das rein physisch links und rechte Sachen kaputt gehen und mensch mit den reparieren gar nicht hinterherkommt. Aber das neu gekauft Auto noch beim Händler, das ist krass: Dinge gehen kaputt.
Zum Beispiel: „Musiker A macht legit 1:1 dieselbe Musik wie B“. Also im Sinne von engl. legitimate/legitim, ganz genau, wahrhaftig, wirklich. ↩︎
Die Post-Überschrift („Gewöhnlich erkannten wir..“) ist der erste Satz im eigentlichen Film. Es gelang mir nicht, ihn sinnvoll in den Text hier einzuarbeiten, ↩︎