Schlagwort: Bayerisches Viertel

  • 26-02-05 Rammstein. Ein Film platzt. (The photographers room, Kaunas)

    26-02-05 Rammstein. Ein Film platzt. (The photographers room, Kaunas)

    Im Antiquariat Bücherkeller neben unserer alten Wohnung hängt ein Schild Betrieb ruht. Leider aber erwartbar gestaltet sich die Suche nach einem Nachfolger für die Antiquariatsführung schwierig.

    Auch der zweite Versuch mit einem Festnetztelefon gestaltet sich kompliziert. Nachdem Telefon Nummer eins nicht mit der Fritzbox reden mochte, fehlten bei Nummer 2 die Akkus in der Packung. Das ist an sich ein behebbares Problem. Nur nicht jetzt, wo mensch, außer in Notlagen, nicht in die Eislandschaft Berlin hinausgehen mag.

    Crack tut nicht gut. Anschauungsbeispiele sieht Madame leider reichlich derzeit an den Schöneberger U-Bahn-Stationen. Ausgerechnet erblickt bei der Rückkehr von Kirchenchor und solidarischem Gemüse im gut bildungsbürgerlichen Bayerischen Viertel. Bei Minus zehn in kurzer Hose, jegliches Temperaturempfinden schon lange zerstört.

    Nachdem ich Madame die Haustür geöffnet hatte, roch ich, dass es wieder Kimchi gab; der deutlich besser schmeckt als er riecht, Zeit wieder Raclettekäse zu besorgen.

    Um 5:50h stand ich in der Tür, wollte Schnee schippen und stellte fest, dass der Schnee sich in Eisregen verwandelt hatte. Dann lieber umkehren, in der Hoffnung, dass eine Crème-Brûlée-Konsistenz des Schneeeises besser zu handeln ist, als reines Eis auf glattem geräumten Weg.

    Es gibt keine Hotels in Travemünde mehr. Bis auf Schlafstrandkorb Nummer 7 ist alles ausgebucht, wenn wir eine Übernachtung benötigen.

    This escalated quickly. Vor drei Tagen überlegten wir noch grob, ob wir im Sommer ganz grundsätzlich mit oder gegen den Uhrzeiger reisen wollen. Jetzt haben wir einen Fährplätz ab Klaipėda, eine Bahnkarte nach Warschau sowie Hotels in Warschau (Polonia Palace), Kaunas (Bōheme House mit dem Photographers Room), Vilnius (Comfort Rock’n’Roll Hotel), Klaipėda (Dangė) und Lübeck (Premier Inn gegenüber vom Bahnhof) gebucht. Einzig die Züge in Polen und Litauen fehlen noch – die können erst 60/30 Tage vor Abfahrt gebucht werden.

    Es waren Tage der Arbeit zwischen Eis, Schnee und David Lynch.

    Spannender, aber inputreicher Arbeitstag am Mittwoch und ich hing abends in den Seilen. Madame besorgte Butter Chicken und Mulligatawny Soup von Sagar.

    In einer Arbeits-Nebenhandlung: Ich überwand meine Selbstverwirrung mit dem R-Script und bin jetzt an dem Punkt an dem Ticketauswertung von links nach rechts und von oben nach unten wirklich Spaß macht.

    Man sieht ihn um die Kirche schleichen

    Das Jahr 2026 wird das Jahr der geschlossenen Film-Bildungslücken. Eine der größeren Lücken betraf die Person David Lynch. Dessen große Zeit lag eigentlich genau in der Zeit in der ich viel upp’n Schwutsch war, viel gesehen hab, neugierig auf alles war. Im Freundes- und Bekanntenkreis war Lynch immer Thema: Frisch, herausfordernd, edgy wäre eigentlich mein Ding gewesen. Eigentlich hätte ich damals irgendwas von ihm sehen müssen. Aber irgendwie waren das immer falsche Vibes, die von seinen Filmen und Serien ausgingen, immer fühlte ich „Ne, ach doch nicht.“

    Jetzt bin ich älter und kann noch einmal neu schauen.

    Ich sah meinen ersten David-Lynch-Film: Lost Highway1. Und ich sah meinen letzten David-Lynch-Film. Irgendwie möchte ich mich gar nicht soviel gedanklich mit dem Film beschäftigen. Das wäre mir kostbare Gedankenverschwendung.

    • Quasi alles was ich am Film nicht mochte (und das zwar ziemlich viel) wurde sehr unvorteilhaft dadurch verstärkt, dass der Film komplett besoffen von seiner eigenen gefühlten Großartigkeit war. Eigentlich hätte er auch die ganze Zeit in Riesen-Blinkschrift einblenden können „Ich bin Kunst! Ich bin edgy! Wow!!“
    • Im Nachhinein überlege ich jetzt: Gibt es irgendwas, was ich am Film wirklich mochte? – Nein. Gibt es irgendwas, was ich an ihm interessant fand? – Nein. Fast gefiel mir immerhin die Stelle an der Lou Reeds This Magic Moment als Hintergrundmusik auftauchte. Und Rammsteins Heirate mich war zumindest an diesem Punkt im Film originell.

    Mit oder ohne h

    Spannender als der Film selber waren die äußeren Umstände: der Film lief abends im Kant Kino/Kantstraße in der Yorck-Filmreihe Best of Cinema.

    Lange war ich nicht mehr Abends in der Kantstraße. Ich las schon von vielen Asiatischen Restaurants dort. Aber erst bei Dunkelheit mit ihrer Leuchtschrift fällt richtig auf, dass über viele Blocks hin ein Hotpot-Laden neben Fried Korean Chicken und Phở-Spezialisten steht. Der einzige Burrito-Anbieter wirkte seltsam unpassend. Laut lachen musse ich als ich inmitten lauter Ramen-Shops ein Fachgeschäft für Rahmen (und Bilder) fand.

    Im Kino selbst: Das Publikum war überraschend jung, der Median um die 30, hatte aber genau diese „Ich bin anders aber auch cool“-Vibes, die ich erwartete.

    Noch überraschender. Der Film läuft in einer Yorck-Outside-of-the-Box-Reihe. Normalerweise haben die ein kuratiertes Programm und gute Namen (zum Mongay für you-can-guess oder Boulevard Noir für you-can-guess-as-well oder Fetch (nach einem Ausdruck aus Mean Girls) für RomCom/Teen/Musicals).

    Die Reihe Best of Cinema hat nun den schlimmstmöglichen Namen und die darin gezeigten Filme wirken auch eher eklektisch, oft gute Filme aber sicher nicht best of Cinema.

    Ich lernte: Die Reihe ist keine Yorck-Reihe sondern eine Reihe des französischen Filmproduzenten Studiocanal mit dessen Filmen. Wenn ihr ein Arthouse-Kino in der Nähe habt, sind die Chancen gut, dass die Filme da auch jeweils an diesem Tag laufen. Noch überraschender: Sie wird gesponsert vom Fernsehsender Kabel eins. Dass ich mal einen Film präsentiert von Kabel eins sehen würde.

    Besser stricken als TypeScript

    Während wir unsere Gemüslichkeits-Yacons immer noch leicht befremdlich finden, widmet sich Frau Zimtkringel der Cherimoya,

    Herr Paul bringt sich stricken bei.

    Kalle hält altes MacOS am leben: mit adobe cs4 in die zukunft

    Nico schreibt eine Stelle aus: Sage klar, was du zu bieten hast. Und was dich von anderen unterscheidet. Denn React, TypeScript, nextJS und Tailwind, das können alle. Doch, alle. Außer mir vielleicht. Finde mal heraus warum.

    Readinginsweden versucht mit der Bahn nach Köln zu fahren: Jetzt ist unser Zug defekt und kann nicht losfahren, denn er ist neu, so wird es durchgesagt.

    Ich liebte das schon mit Fünf: Ich hätte nicht gedacht, dass ich einmal … äh … alt genug? Geistig abwesend genug? Keine Ahnung, was für ein Adjektiv noch passen könnte genug? wäre, um mich ernsthaft darauf zu freuen, mit meinem Auto in die Waschanlage zu fahren, dort einfach sitzenzubleiben, während es um mich herum schäumt und wachst und wedelt und bläst,

    Anmerkungen

    1. Yorck Unlimited Besuch No. 8 – 29,75€ pro Besuch. ↩︎

  • 25-12-16 Elinor liebt Edward. Brandon liebt Marianne liebt Willoughby

    25-12-16 Elinor liebt Edward. Brandon liebt Marianne liebt Willoughby

    Nur noch ein Karton steht im Wohnzimmer. Langsam beginnt sich die Wohnung einem Zustand zu nähern, der schon fast als Normalität durchgehen könnte.

    Langsam habe ich sogar wieder Geist für andere Themen. – Wie jetzt, nächste Woche ist Weihnachten?

    Der Bahnhof Südkreuz ist wieder ein echter Bahnhof. Denn nach Wochen der Umbauzeiten fahren wieder Züge.

    Passend dazu eröffnete Einstein Kaffee.

    Madame testete die neu eröffnete Dresdner Bahn zwischen der Hafenstadt und dem Südkreuz und stellte fest, dass sie vor allem aus Lärmschutzwänden besteht. Als Panoramafahrt wird diese Strecke nicht in die Reiseführer eingehen.

    Ich beginne mich auch langsam an die Arbeitsanfahrt per Ringbahn zu gewöhnen. Wenn denn irgendwann der Umzug wirklich ganz vorbei und überstanden ist, denke ich noch einmal über ein neues Fahrrad nach.

    Arbeitstage, die damit beginnen, dass ich quasi noch in Jacke und weit entfernt von einer Kaffeetasse unter dem Tisch liege und nach losen Kabeln suche, sind verbesserungsfähig. Später tauchten dann gleich zwei lange verschollene Geister auf und spukten kurz herum. Wahrhaft ein denkwürdiger Tag.

    Es war ein kultureller Sonntag und ein alltäglicher Montag.

    Der Sonntag begann im Bayerischen Viertel. Ich passierte das Denkmal an der Synagoge Münchner Straße, anscheinend hatte vor nicht so langer Zeit eine Trauerfeier stattgefunden. (9. November?)

    Otterngezücht!

    Noch vor der Kultur begann der Sonntag mit Sonne. Ich stand im kleinen Park knapp neben der Kirche am Heilsbronnen, ließ mir die Wintersonne ins Gesicht scheinen und atmete. Endlich Ruhe. Endlich einmal andere Aktivitäten fernab jeder privaten oder dienstlichen Logistik. Sonne. Atmen. Sonne. Grün. Atmen.

    Es folgte Kultur 1: Händel. Madame sang im Heilsbronnen Teile des Messias. Die dortige Gemeinde feierte zum Dritten Advent eine Deutsche Messe. Denn weil die dortige Gemeinde nicht nur arg konservativ sondern auch musikfreundlich ist, gab es Kirchenkreisorchester plus Solosänger plus Chor im Gottesdienst.

    Und es war schön. Und es war rührend. Und der Tenor war ganz besonders rührend. Und selbst die Predigt der Vikarin, schlug gekonnt den Bogen von der besinnlich-glitzendern Vorweihnachtszeit zur Bibelstelle der Woche „Ihr Schlangen! Ihr Otterngezücht! Wie wollt ihr dem Gericht der Hölle entgehen? und wieder zurück.

    Schon fast niedlich und entzückend die Verabschiedung ebenjener Vikarin, deren Vikariat mit diesem Gottesdienst endete.

    Yes. It w-was conducted, eh, oddly enough, in Plymouth.

    Am Abend Kultur 2. Wir trafen uns im Wartesaal bei okayem irgendwie-italienischen Essen mit Professor Transformation und the manchester Entrepreneuress. Der Wartesaal war hier praktisch gelegenes Mittel zum Zweck: eigentlich wollten wir ins Delphi Lux.

    Die Yorck Kinos betreiben allerlei Filmreihen jenseits der aktuellen Kinoprogramms. In der Reihe Screen Legends lief Sense and Sensibility, die legendäre Verfilmung von 1995 mit Emma Thompson, Kate Winslet, Hugh Grant und Alan Rickman.

    Ich konnte damit zwei Bildungslücken schließen: ich kannte den Film nicht, welche Frevel. Und obwohl ich schon viel über Jane Austen gelesen hatte, habe ich noch nie etwas von ihr gelesen. Okay, habe ich immer noch nicht. Aber ich habe ein Gefühl dafür bekommen, was Menschen an ihr schätzen.

    Zum Film: Liebe und Schmerz, Lachen und Leiden. Überraschenderweise musste ich an Toni Erdmann denken, daran dass alles eigentlich ganz furchtbar ist, aber dennoch irgendwie schön und lustig.

    An Shakespeare musste ich denken: So stehen wir Menschlein da, lächerlich wie wir sind, durchschaut bis auf die Knochen, und dennoch liebenswert.

    Selten sah ich einen Film, der seine Protagonist*innen mit soviel Wärme und Liebe behandelt, während er gleichzeitig erbarmungslos das System seziert, in dem sie sich bewegen.

    Großes Kino.

    Buch nach Serie, Film nach Buch

    Ausgelesen: Tomasz Duszyński: Glatz. Ein polnischer Krimi-Bestseller, der 1920 in der (damals Deutschen) Kleinstadt Glatz in Niederschlesien spielt.

    Ein merkwürdiges Buch. Ich hatte die Hoffnung, dass Duszyński die Form des Krimis vor allem nutzt, um eine Geschichte von Glatz, Kleinstadt in Niederschlesien 1920 zu erzählen. Denn diese Zeit und dieser Ort sind weder in der deutschen noch in der polnischen Historie Präsent. Ich merke beim Lesen, dass Duszyński in die Archive gestiegen war, alle Lokalitäten, Vereine und Speisekarten des historischen Glatz kannte. Alle tauchten auf. Aber leider, lässt er in der Stadt Menschen auftreten, die wie frisch aus dem Jahr 2025 wirken, so denken und reden wie Menschen in einer aktuellen Netflix-Serie, nicht wie in 1920. Überhaupt hat man den Eindruck eine Netflix-Serie zu lesen mit viel Gewalt, etwas Sex, etwas Politik, nur dass sich alle Beteiligten kurz vor Drehbeginn schnell historische Kostüme übergeworfen haben und jemand die Autos gegen Kutschen tauschte. Oddly anachronistic, aber nicht in einem guten Sinne.

    Noch nutze ich den Haselanten für Produktempfehlungen, denn noch sind die Large Language Models angenehm werbefrei und halbwegs zuverlässig. Aber mir ist klar, dass dies nur ein kurzes Zeitfenster lang andauern wird. Denn die Horden stürmen: Re: Marketing für KIs

    Was sind das denn für Menschen, die sich einen Muppet-Film in der Originalsprache im Kino ansehen, was für ein gesellschaftliches Segment fühlt sich da angesprochen und angezogen?

  • 25-09-25 Menschen betrachten bei Nutzung ihrer Software

    25-09-25 Menschen betrachten bei Nutzung ihrer Software

    Ricarda Lang studiert ab dem Wintersemester an der Fernuni Hagen auf den Master. Willkommen.

    Madame eskalierte ihr neues 3D Tetris.

    Madame entdeckte einen handwerklichen Schumacher (und Maßschuhhersteller – aber das erst wenn ich groß und reich bin). https://Schuhmachermeister.net ist nett. Im positiven Sinne. Erfreulicherweise scheint er auch nicht älter als wir – er wird also auch nicht gleich in Rente gehen kurz nachdem wir ihn fanden. Ich lachte laut bei Lektüre der Website: „Seit 2016 ist Hund Amy mit im Geschäft und hat mittlerweile eine führende Position übernommen.

    Die BioCompany feiert Oktoberfest. Das bedeutet Weißwürste für uns. Auch sah ich ein BioCompany Liefer-Fahrrad. Bedeutet das, sie macht jetzt auch Hauslieferungen?1

    Der ADAC eröffnet tatsächlich ein neues Fahrsicherheitszentrum in Oberkrämer.

    Der Bezirk Tempelhof-Schöneberg eröffnete endlich den Radweg auf der Grunewaldstraße.

    Deformation professionelle: Wenn ich privat mit Leuten zu tun habe, die an Computern sitzen (zB Sachbearbeiter in Banken, die Person am Empfang beim Arzt etc.) muss ich schauen, was für Geräte so rumstehen, wie sie verkabelt sind und ob und wo der Inventar-Sticker ist. Auch spannend natürlich: Welche Software wird benutzt (Branchenlösung? Microsoft? Was ganz anderes?) und wie fließend sind sie um Umgang damit.

    Aus Faulheit nahm ich den Bus zur Arbeit und sah zu, wie eine Busfahrerin noch in die Strecke eingewiesen wurde. Er mit Klemmbrett neben ihr. Sie „Jetzt die Hauptstraße rechts?“. Er „Ja.“ Sie kommentierte launig Straße und Verkehr.

    Das erklärt auch, warum der Bus zwischen zwei Stationen kurz vor meinem Zustieg auf einmal sieben Minuten Verspätung sammelte. Da war wohl zwischendurch ein klärendes Gespräch nötig.

    Es waren drei Tage der Arbeit.

    In verschiedenen Programmen (Editor, VS Code) entdecke ich noch offene Dateien mit Resten der Bachelorarbeit. Es fühlt sich schon wieder Monate her an.

    Aus Neugier sah ich das erste Fernuni-Video zum neuen Semester „Willkommen im Modul Digitale Diversität.“ Ich lernte, dass der Lehrstuhl kein Gendersternchen oder ähnliches nutzt, weil es andere Gruppen (beispielsweise Menschen mit Lese-Rechtschreibschwäche) ausgrenzt. Jetzt bin ich gespannt, wie sie das Thema angehen: Denn ein generisches Maskulinum kann ich mir in diesem Modul auch nicht vorstellen.

    Neben den Maßschuhen entdeckte ich auch unbezahlbare italienischen Standherde. Die sehen wahnsinnig gut aus, kosten mehr als so manches gebrauchtes Auto und sind in Deutschland nur in Köln und Frankfurt erhältlich. Aber mensch braucht ja Ziele im Leben.

    Ansonsten scheint in DACH der Standherd eine aussterbende Gattung zu sein. Die Mittelschicht mutiert immer mehr zur Generation Einbauküche – ein Konzept das ich bis heute nicht verstehe, ästhetisch für schwierig halte und auch sonst eher unpraktisch finde.

    Mermaid

    Auch ich nutze gelegentlich Software, und bin gerade dabei, ein neues Spielzeug auszuprobieren: Mermaid. Das Programm erlaubt es, Diagramme als Text/Code zu formulieren und baut daraus echte optische Diagramme.

    Aus:

    flowchart LR
    A[Programm öffnen] –> B(Tippen)
    B –> C(Grafik erzeugen)
    C –> D[Grafik anzeigen]

    Wird theoretisch ein Flussdiagramm. Noch aber macht das Programm an überraschend vielen Stellen nicht das, was ich gerne von ihm hätte. Aber das wird.

    Vorteil: Kein Kästchenschieben! Vorteil: es lässt sich im Nachgang tausendmal einfacher anpassen und wiederverwenden. Nachteil: Rein optisch ist das Ergebnis eher so mittel.

    You’ll never walk alone

    Nach unserem zufälligen „Die-Megastars-des-Musicals“-Wochenende, versuche ich noch zu verstehen, was über mich hereinbrach. Erst Rodgers&Hammerstein am Samstag (The Sound of Music), dann Andrew Lloyd Webber am Sonntag (Jesus Christ Superstar).

    Erste Erkenntnis: Es lebe die Komische Oper. Die Version von Jesus Christ, die wir gesehen haben, warbesser gesungen und gespielt als alles was ich online dazu finde.

    Erste Erkenntnis im direkten Vergleich der beiden Erschaffer, Lloyd Webber ist das globale Musical mit Tourismusgarantie, während R&H deutlich regionaler amerikanischer geprägt waren. Das ist in Deutschland natürlich einfach zu beobachten, weil der eine ziemlich bekannt, die beiden anderen ziemlich unbekannt sind.

    Überraschung: Von R&H stammt die ultimate globale Fußballhymne (ausgerechnet): You’ll never walk alone.

    Noch eine Überraschung: Ein Jesus-Christ-Song (Last Supper) hat es mit geändertem Text ins evangelische Gesangbuch und ins Gotteslob geschafft. (Video Last Supper / Video Nimm oh Herr die Gaben die wie bringen )

    Keine Überraschung, wenn man bedenkt, wie wichtig R&H waren, doch eine Überraschung in Anbetracht der musikalischen Unterschiede: Lloyd Webber ist großer Rodgers-Fan:

    In his tickling memoir, Lloyd Webber reveals that his admiration for Rodgers—which began when, as a kid, he saw his dad moved to tears by a recording of “Some Enchanted Evening”—got him teased as a young Londoner in the 1950s.

    Während R&H-Musicals noch handlungsgetrieben waren, einzelne Songs Charakter oder die Handlung voranbringen, ist ALW Meister des durchgehenden Soundteppichs bei sich auflösender Handlung. Je mehr ich darüber nachdenke, desto mehr beschließe ich, dass ALW in seinen späteren Werken die Einbauküchen des Musiktheaters erschaffen hat: Durchgehend, glatt, für alle irgendwie anschlußfähig2.

    Endlich Grünkohl

    Es waren Tage des nachmittäglichen Treffens mit Madame an anderen Orten. Mittwoch: Im Bayerischen Viertel, Gemüsli abholen. Auch ich sah die Abholstation gegenüber der Polizeiwache. Hingehen -> Schloss öffnen -> Zettel mit den zugewiesenen Mengen studieren -> abwiegen -> einpacken.

    Falls ich wieder den Tara vergesse: Das Schälchen, das auf der Waage steht, wiegt 142 Gramm.

    Es gab Paprika, Tomaten, Kohlrabi, Zaphito, Salat, Ruccola, Salat und Grünkohl. Grünkohl! Es ist nicht alles schlecht am kommenden Winter.

    Home of the Grünkohl

    Lernlücken und dunkle Finnen vor dunklem Hintergrund

    Nachdem ich gerade eine intensive, und ich würde sagen am Ende erfolgreiche, Lernphase hinter mir habe, würde ich Diéssica Gurskas zustimmen:

    True learning is too disjointed, unpredictable, and fraught with setbacks. We obsess over minimising gaps between repetitions, but are these gaps learning breaks, or learning itself? (via Thomas)

    Einst in meiner Jugend schwor ich mir, später als alter Mensch nicht immer noch die Bands meiner Jugend zu besuchen, und dabei gleichzeitig zu verknöchern und mich selbst cool zu finden. Und Geld hab ich auch nicht, siehe italienischer Herd weiter oben, aber hey: Die Pixies in Leipzig! Meine Jahre des ernsthafteren Schreibens in Leipzig über Popmusik begannen mit einer SPEX-Ausgabe auf der Kim Deal abgebildet war. Ohje. Where is my mind?

    Ich bin fasziniert, wie der Rest Deutschlands es schafft, die beiden Münchner Großbaustellen komplett zu ignorieren. Heikos noch-Laufstrecke führt durch die baldige Baustelle „2. S-Bahn-Stammstrecke“

    Margit und Wally, nicht zur Kernzielgruppe gehörend, schauen KPop Demon Hunters

    Ilka schaut Schiffe.

    Karen empfindet Autofahren in Finnland als schwierig: Die 12 schwierigsten Monate im finnischen Strassenverkehr

    Ich empfinde eine „Hebbel-Arena“ in Wesselburen als schwierig.

    Karin gastheiratet in Norfolk und Shaked in Weil am Rhein.

    Anmerkungen

    1. Nachgeschlagen: Ja, bedeutet es. ↩︎
    2. Was eine hohe schwierige Kunst ist, nonetheless. ↩︎
  • 25-08-26 BBmax = BBmaxtab = 15,2

    25-08-26 BBmax = BBmaxtab = 15,2

    T minus 7. Noch sieben Tage bis zur Abgabe der Bachelorarbeit. Derzeitiger Stand: 11.900 Wörter (Zielwert 9.000-11.000), davon 75 Symbole, 111 Formeln, 5 Tabellen, 1 Plot (keine Zielwert) und ich entdecke null unstimmige Rechnungen (Zielwert: 0).

    Madame erntete James Grieve und die leicht erreichbaren Alkmene-Äpfel. Nächstes Wochenende wird es wohl nichts mit uns und den Latifundien und dann ist es zu spät.

    Bei der zu besorgenden Rose für den focal point am Wegende steht Penelope gut im Rennen. Oder ich bekomme noch heraus, zu welcher Sorte diese gigantische Vier-Meter-Strauchrose in der Kyffhäuserstraße gehört.

    Geerntete Äpfel verarbeitete Madame zu Kompott. Die 3-Gänge-Tage setzen sich fort. Vor dem Kompott ein lauwarmer Linsensalat und davor Oeuf mayo. Oder halt Eier mit Mayonnaise. Aber da die Vorspeise von diesem FAS-Artikel über Pariser Bouillons und das dortige Oeuf mayo inspiriert war, sollte ich es auch französisch bezeichnen.

    Außerdem ist Oeuf mayo eine Kulturform, Eier mit Mayonnaise eher nicht.

    Es war ein Sonntag und der erste Montag des Bachelurlaubs II.

    Gelernt: das englische fast-Fachwort satifisficing, eine Mischung aus satisfacton und optimizing, deutsche Übersetzung „gut genug“. Wenn die Optimierung irgendwann zu aufwendig wird.

    Zuchtbullen zu Erdbeeren

    Zufällig las ich direkt nacheinander etwas über Karls Erdbeerhof und den Prickings-Hof, die Heimat von Bauer Ewald.

    Wer in den 1980er/1990ern in Nordwestdeutschland lebte, kennt Bauer Ewald. Und sei es nur für den Flyern, die alle zwei Monate im Briefkasten lagen und zur Bustour in den Prickings-Hof einluden.

    Mir erschloss sich: Bauer Ewald war der Karl Erdbeere der 1980er. Und am Unterschied zwischen dem Prickings Hof und dessen Attraktionen (Kaffeefahrten, gigantische Schlachtplatten, die Cadillac-Sammlung, Bauer Ewald selbst) und Karls Erdbeerhof kann mensch schön gesellschaftliche Entwicklung sehen.

    Bei Ewald war alles groß und schwer und riesig: Von den Cadillacs der Autosammlung bis zum größten Zuchtbullen der Welt. Tourist*inne kamen mit Bussen, bekamen im Restaurant klodeckelgroße Schnitzel serviert und gingen mit der 30-Kilo-Tasche Wurst nach Hause.

    Bei Karl ist alles leicht und schwebend. Familien kommen individuell, verbringen eine Zeit im Karussel, beim Kaffee und schauen der Bonbonproduktion zu, am Ende geht es mit einem teuren Glas Marmelade nach Hause.

    Aber Ewald war auch räumlich gebunden: Es gab nur einen Bauer Ewald und nur einen weltgrößten Zuchtbullen. Die Cadillacs konnten nur an einem Ort ausgestellt werden. Karls Konzept hingehen ist so schwebend und abstrakt – er kann einfach jede Woche einen neuen Standort quer durch Europa eröffnen. Der Unterschied zwischen 1980 und 2025.

    Zielfunktionswert in Abhängigkeit von D

    So alle Rechnungen stimmen überein. BBmax (der Wert, den Julia ausspuckt) und BBmaxtab (der Wert den der manuelle Simpex ausspuckt) sind identisch: 15,2. Und wenn ich jetzt noch einen rechnerischen Fehler finde, muss ich den kaschieren. Nochmal rechne ich den ganzen Schmuh nicht mehr von vorne bis hinten durch. Das ist Arbeit!

    Immerhin bin ich meinem Grundschul-ich treu geblieben: Alle Fehler in der Arbeit entstanden durch Unaufmerksamkeit, weil ich irgendwo in der Zeile oder der Spalte verrutscht bin.

    Die letzten großen inhaltlichen Lücken der Arbeit sind gefüllt. Nicht nur, dass ich eine ungefähr Vorstellung habe, was ich tun muss: ich habe es getan.

    Ich habe noch ein paar Ergebnistabellen angelegt und auch einen ersten Ergebnisplot. Das schöne: Da wo der Plot herkommt, kann ich problemlos noch ein Dutzend weitere Grafiken ziehen. Aber ist das sinnvoll?

    Noch steht alles im Rohbau da, und noch kann auch inhaltlich noch vieles aufgemotzt werden. Aber es gibt keinen Bereich mehr, von dem ich sagen würde „das muss unbedingt noch, sonst grande miseria“.

    Jetzt sitze ich gerade etwas ratlos vor der Arbeit, und frage mich, welche Klein- und Mittelbaustellen ich in welcher Reihenfolge angehe.

    Die schlimmsten Baustellen sind eigentlich: „Es gibt noch kein Fazit“ und „das Literaturverzeichnis ist derzeit eher eine Stichwortliste denn ein Literaturverzeichnis.“ Uneigentlich ergibt es aber erst Sinn, die beiden Baustellen anzugehen, wenn alles andere wirklich fertig ist.

    Barbarossastraße

    Fertig gelesen: Håkan Nesser „Elf Tage in Berlin„. Irgendwie ein seltsames Buch. Mit einer inhaltlichen Konsistenz irgendwo zwischen Weissbrot und Lachgas liest es sich schnell weg, macht auch gute Laune, aber es bleibt wenig greifbar.

    Seltsam aber: während das Buch so vor sich dahinschwebt, sind seine Handlungsorte seltsam konkret. Die Elf Tage spielen nicht irgendwo in Berlin, sondern in der Schuhetage vom KaDeWe, oder in einem Hotel in der Fasanenstraße. Oder es spielt in Wohnungen in der Meraner Straße und der Kyffhäuserstraße in Schöneberg. Das sind reine Wohnstraßen hier in der Nachbarschaft.

    Vor meinem inneren Auge bleibt die Romanhandlung etwas schwach. Aber umso deutlicher sehe ich Nesser auf Berlinurlaub vor mir, der in einem Hotel Charlottenburg wohnt, abends die Restaurants der Gegend aufsucht und durch die lieblichen Straßen des Bayerischen Viertels spazierengeht.

    Gute Idee. Um mal von meiner Arbeit wegzukommen, folge ich Nessers Spuren.

    Ich laufe das kurze Stück von der Wohnung zur Meraner Straße – wirklich ein perfekter Wohnort für eine Bibliothekarin – und mäandere mich durchs Bayerische Viertel. Die Kyffhäuserstraße – noch ein Stück herrschaftlicher und großbürgerlicher als die Meraner – wie gemacht für einen verrückten Professor.

    Lachen muss ich als mir einfällt, dass der verrückte Professor den Kampfnamen Barbarossa trägt – und welche Straße liegt zwischen Meraner und Kyffhäuser? Genau, die Barbarossastraße.

    Es folgt ein Abstecker zu Viki-Lu, dem Victoria-Luise-Platz, so leicht und schwebend wie Nessers ganzer Roman – von ihm aus unerfindlichen Gründen übersehen.

    Aber dann ist es auch nicht mehr weit bis zum KaDeWe. Das hat leider seit Romanerscheinen 2015 stark an Glanz und Niveau verloren, ist jetzt eine seltsame Mischung aus Shopping-Mall im Luxussegment und verlorener Wirke Reste ehemaliger Kaufhausherrlichkeit, und so abschreckend wirkt auch die Schuhabteilung.

    Also lieber eins weiter zum echten Schuhgeschäft, und sogar welche gelauft. Der M46 brachte mich zurück nach Schöneberg Süd.

    Viki Lu – sollte im Nesser-Roman vorkommen, bleibt aber unerwähnt.

    Mit Zug, Segelboot und Bus

    Karen beendete die epische Zugreise: Turku-Sarajevo mit dem Zug: (17) Bratislava – Berlin – Stockholm – Turku

    Es soll hier ja nicht nur ums Zugfahren gehen. Angela und Holger segeln weiterhin: Dieppe I und Dieppe II und gute Besserung.

    Camp Catatonia kam nicht ganz so weit. Sie aquajoggte: Intervallbegegnungen

    Chemnitz oder Paris? Zwei Herzensstädte. Amberlight Label war auf dem Loop-Festival 2025 Limbach Oberfrohna Esche-Museum Strickfestival Chemnitz . Herr Fliegende Bretter fuhr weiter: In der Nachbarstadt im Süden gibt es ein Reiseunternehmen, das ganz Europa per Bus erschließt. Die haben unter anderem auch eine Tagestour nach Paris im Sortiment. (via Flusskiesel)

  • 24-12-26 Es geschah zur Zeit da Quirinius Statthalter in Syrien war

    24-12-26 Es geschah zur Zeit da Quirinius Statthalter in Syrien war

    Ein Kind ward geboren. Die Eltern werden für die nächsten 18 Jahre das Geburtstagsgeschenk am frühen Morgen und Bescherung am Abend in Einklang bringen müssen. Willkommen E!

    Die heilige Nacht in Berlin von ungeahnter Ruhe. Selbst das immerwährende großstädtische Hintergrundrauschen verstummte. Um so auffallender vereinzelte Martinhörner, gegen 3 Uhr Nachts etwas das klang als würde ein Kind sein neu erhaltenes Alarmanlagen-Radau-Gerät ausprobieren.

    Beim Blick in die leeren Busse, die vor der Haustür fahren, der kurze Gedanke „das wäre etwas für mich.“ Busfahren an Heilig Abend ist eine dieser unwirklichen Zwischenwelten, nur halb in dieser Realität, die mich reizen. Leider dürfte ich die Busse aber nicht an Heiligabend fahren, sondern müsste auch wochentags zur Rush Hour ran. Weit weniger reizvoll.

    Das Internet rotiert, denn Elon Musk rief dazu auf, keineswegs für Wikipedia zu spenden. Dazu möchte ich sagen: Geld hat Wikipedia genug. Wer helfen will, möge sich praktisch beteiligen. Wikipedia braucht kein Geld, sondern Zeit, Grips und neue Gedanken.

    Der Tag vor dem heiligen Abend verlief mit Werken: Sachen sortieren, Müll rausbringen, Rombitombi anfeuern – höchst unheilige Geschäftigkeit. Am späten Nachmittag brach Madame zum ersten Auftritt auf, ich blieb in letzter Geschäftigkeit.

    Nach ihrer Rückkehr begann der heilige Abend: Fondue Irlandaise, weihnachtliche Shanties und die Paris-Playlist. Eine große rote Kerze substituierte als Weihnachtsbaum, Madame reichte Sloe Gin aus eigener Ernte und Gurkensorbet. Insbesondere das Experimentalfondue mit Lauch in der Chaddar-Guiness-Käsemischung erwies sich als überraschend großartig. Gerne wieder. Zum Beispiel diese Woche. Und die nächste. Sowie die Woche danach.

    Ich begleitete zum zweiten Auftritt.

    Mittwoch ging es gen Norden. In Berlin fuhren wir bei leichtem Hochnebel los. Kurzer Zwischenstopp um die Rosen zu streicheln. In Dithmarschen kamen wir in einer Wassersuppe an. Schon wieder eine unwirkliche Zwischenwelt im Nebel, an der die Grenze zwischen den Realitäten zu verschwimmen scheinen, normal unmögliches möglich erscheint.

    Wie es sich gehört, selbst die leuchtende und blinkende Raffinerie war nicht mehr zu sehen. Dithmarschen, das Land das eigentlich Wasser ist. Dem Meer von Hand abgerungen, und doch bedarf es nur eines solchen Tages und die Grenzen verfließen. Ist das wirklich noch Erde? Ist es schon Unterwasser? Die Jahreszeit in der das Land zu sich selber kommt.

    Kyrie Kyrie

    Dienstag absolvierte Madame zwei Auftritte:

    Nachmittags sang sie in Alt-Schöneberg im frugalen Ritus, mit lebendiger Arche auf dem Kirchhof: Alpakas, Ziegen und Esel vor der Kirche und einer Pfarrerin, die von Gott wechselnd in der männlichen und weiblichen Form redet.

    Abends ging ich mit in die Kirche. Auf ins gutbürgerliche Bayerische Viertel zum Heilsbronnen. Frugal blieb nichts.

    Nur selten denke ich bei evangelischen Gottesdiensten „Zweites vatikanisches Konzil“. Hier lag der Gedanke nahe. Die drei gottesdienstenden Damen (immerhin, dort blieb es evangelisch) in weißen Prunkgewändern. Die Liturgie weitgehend gesungen, wie es sich einst gehörte mit dem Rücken zur Gemeinde, Gesicht zum Altar. Die Weihnachtsgeschichte wurde gelesen und wie es sich für eine Messe geziemt, wurde das Abendmahl gereicht.

    Eine Hälfte von mir dachte „Yeah, Pathos, Ritual, Bling-Bling!“, die andere norddeutsch-evangelisch sozialisierte Hälfte dachte „Heidentum! Tanz um das Goldene Kalb! Hokus-Pokus!“

    Aber es ist Weihnachten. Wann wäre die Zeit für die große übertriebene Geste, wenn nicht an Weihnachten?

    Das Fürbittengebet schloß die „Soldaten an der Front“ ein. Ich überlegte kurz, ob ich mich im Jahrhundert geirrt hatte. Aber nein. Passt schon leider.

    Du weißt dass du in Berlin bist, wenn du die Evangelische Messe mit High Church Ritus in der vollen Kirche verlässt, 150 Meter läufst und dann in der U-Bahn Menschen beim Crack-Rauchen siehst.

    Gare de l’Est

    In vielen Familien gibt es den Brauch, dass sich Erwachsene nichts zu Weihnachten schenken. Das ist sehr vernünftig. Aber würden wir das auch so halten, käme ich dieses Jahr nicht nach Paris, und das wäre ja schade.

    Um es mit Joseph Hader zu sagen: Der Eine kommt nach Paris. Der Andere kommt nicht nach Paris. Wie das Leben halt so is. Dededipdebndipdebn..

    Nach Plan also werde ich 2025 von der Andere zu der Eine wechseln. Ich beginne schon einmal mein Paris-Bild von den drei Klischees „Eiffelturm-Selfie, niedliches kleines Café und Mona LIsa“ zu überarbeiten und stelle fest: doch eine echte Metropole. Mit Geographie und Geschichte. Und mittelalterlichem Stadtkern, spannenden Schwimmbädern, historischen Passagen voller indischer Restaurants – es wird spannend.

    Außerdem darf ich in Berlin Hauptbahnhof in einen Zug zeigen, an dem das Fahrtziel „Paris“ steht. Und besser kann es nicht werden.

    Durch

    Weihachten ist Zeit zum Lesen. Vielleicht nicht den Zauberberg. Der ist eher ein Jahresprojekt. Holger schreibt fast alles, an was ich auch beim Lesen dachte: Durch: Der Zauberberg

    Der letzte Tag vor Weihnachten im Leben einer Einkaufszentrumsbuchhändlerin: Unzählige Bücher und Spiele habe ich verkauft (sogar eine Kuschelschlange in lebensgroß hatte ich an der Kasse).

    Einschulung in den USA (speziell in Washington, D.C.). Annegret Hünerfürst: Hurra ich bin ein Schulkind – #Elternalltag

  • 24-09-05 Schlupfvariablen (14,0)

    24-09-05 Schlupfvariablen (14,0)

    Der urbane Wanderer trägt Spüli im Flaschenfach des Rucksacks.

    Madame las Kant aber nicht Roth oder Rath.

    Der Fahrstuhl zum Dachstuhl fährt.

    Der Kaptain wirbelt Käse und Paprika und benötigt eine Zange.

    Ein Rote-Ampel-Jongleur versuchte sich an der Kreuzung Hauptstraße/Dominicusstraße. Erfolglos. Wenn immer die Ampelphase für Fußgänger*innen grün ist, ist alles voller Fußgänger*innen und abbiegender Autos. Kein Platz für Jonglage.

    Mein unbezahlter-vier-Tage-TVÖD-Urlaub-2025-wegen-Uniseminar geht seinen Gang. Die Personalabteilung hätte es am liebsten als (bezahlten) Bildungsurlaub gebucht. Aber das ist es leider nicht.

    Der öffentliche Dienst gibt (TVÖD) und er nimmt (Unflexibilität). Insgesamt bin ich aber damit zufrieden und voller Spannung auf das realweltliche Treffen mit Lehrstuhl und Kommiliton*innen.

    Die Apfelrosen sind familienbekannt aus Great British Bake Off und Perfektem Dinner. Beim Perfekten Dinner präsentierte Danni Büchner das Gebäck als Nachtisch.

    Ich versuchte Madame zu erklären, wer Danni Büchner ist:

    Es war einst Jens Büchner. Der war Finanzproduktvertreter bei Bremen und zog mit seiner damaligen Freundin Jennifer nach Mallorca, um eine Herren- Damen- und Kinderboutique zu eröffnen. Dabei begleitete ihn Goodbye Deutschland. Dann hatte er Krebs – oder er hatte nicht Krebs, aber er dachte er hätte – und hat sich darüber zum Arschloch entwickelt, Beziehung und Boutique gingen perdu. Dann wurde er Partyschlagersänger auf Mallora. Über das Fernsehen lernte er Danni Büchner und ihre drei,vier,fünf Kinder kennen. Sie heirateten Dann starb Jens und Danni wurde Partyschlagersängerin.

    Madame unterbrach: Das ist ja wie Herrn Raus Piratenschiff!

    Eine Woche 30 bis 34 Grad. Im September. Das ist wie Feierabend, man hat nur aus Bequemlichkeit noch nicht zusammengepackt – und dann stürmt eine Horde Menschen herein und möchte etwas.

    Infrastruktur-1st-Level-Projektmanagement is coming

    In der Abteilung Informationstechnologie der Berliner Bäder-Betriebe AöR sind Stellen zu besetzen:

    • IT-Projektmanager:in (d/w/m) – Analyse, Planung und Initiierung von Projekten ab der Projektumsetzungsphase auch die Einhaltung von Zeitplänen, Budgets, Qualität und Ressourcen. – Hochschulstudium, Berufserfahrung – TVÖD E13
    • Teamleiter:in IT-Infrastruktur (d/w/m) – gestaltest und managst Du in der Abteilung Informationstechnologie das Team Netzwerk und Infrastruktur mit ca. 6 Mitarbeitenden. In Zeiten der Digitalisierung und der bereits begonnen unternehmensweiten Transformation nimmst Du im Besonderen Planungs- und Steuerungsaufgaben zur Unterstützung des täglichen operativen Betriebs der Bäder und der Verwaltung wahr – Hochschulstudium, Berufserfahrung TVÖD E13
    • Mitarbeiter:in IT Support 1st Level und Service Desk (d/w/m) – koordinierst die Bearbeitung von Störungen und Service-Anfragen und sorgst so für eine hohe Zufriedenheit der IT-Kundinnen und Kunden – Ausbildung, Berufserfahrung, TVÖD E9b

    Nicht in der Abteilung aber nah dran:

    • Referent:in Unternehmenssicherheit (d/w/m) – Du verbesserst du das Sicherheitsniveau der BBB ganzheitlich und schützt Personen, Gebäude, Sachwerte und Informationen insbesondere durch Sicherheitsrichtlinien sowie Risiko- und Gefährdungsanalysen. Dabei arbeitest du eng mit anderen sicherheitsrelevanten Funktionen und Abteilungen wie dem Risikomanagement, der Fachkraft für Arbeitssicherheit, der Objektsicherheit oder der IT zusammen. – Hochschulstudium – TVÖD E14

    Mensch muss mit der Organisationskultur klarkommen – lustige Mischung aus Dienstleistungsunternehmen, öffentlichem Dienst und Bademeistertum – aber dann kann ich es sehr empfehlen.

    Rucksackproblem is coming

    Nach der Mathe-Mathe letzte Woche wird es bodenständiger in den Klausuren. Es geht zurück zur angewandten Mathematik. Madame schreibt noch eine Klausur, ich schreibe noch eine Klausur.

    Planen mit mathematischen Modellen ist das dritte Modul, in dem der Simplex-Verfahren eine Rolle spielt. (Nach Mathe für Wiwis und Algorithmische Mathematik); peinlicherweise muss ich immer noch mehrfach nachschlagen wie es genau funktioniert.

    In der Klausur-Praxis ist es einfacher als der Wikipedia-Artikel vermuten lässt. Tabelle mit Zahlen malen, eins, zwei, drei x hinzufügen (die Schlupfvariablen) -> niedrigste Zahl suchen -> ein paar mal Addieren und Multiplizieren. Das ein bis drei Runden lang und man hat ein Ergebnis.

    (In der gelebten Praxis ist es dann schwieriger und einfacher zugleich. Da hat man nicht mehr 10 Zahlen mit denen man arbeitet, sondern eher 10.000; dafür macht die Arbeit auch ein Computer).

    Nur für die Häckerle

    Auf einen neuen Blutspendeversuch. Letztes Mal scheiterte es am Eisenwert. Dieser war diesmal zurück zu normal (ohne dass ich aktiv viel dafür getan hätte), der Blutdruck war geradezu vorbildlich. Aber dann war es heiß, die neue Blutspendeschwester traf die Vene schlecht und die Erfahrenere konnte es auch nicht mehr retten. Blut gespendet, aber schlecht gelaufen und nicht genug und all sowas.

    Süß, dass sie sich mich trösten wollte „Nächstes Mal klappt es ganz bestimmt.“ Fast hätte ich gelacht – ihr wollt ja was von mir, nicht umgekehrt. Ich kann damit leben. Mit Blutverlust und offensichtlichem Verband qualifiziere ich mich für meinen einzigen Grund der Reise: Häckerle-Stullen der DRK-Freiwilligen.

    Auf dem Weg die immerwährende Querdenkerdemo, die ich jeden Dienstagabend auf dem Weg zur Blutspende treffe. Sie war in schlechter Form. Nur sechs Personen anwesend. Zudem hat sie ihre Wurzeln vergessen: kein einziges Corona-Plakat mehr. Dafür „Frieden“, „Gegen CDU“, „Die Kommunistin Sarah ist keine Demokratin“ und „Zahle Bar – gegen digitale Überwachung.“

    Fernab des Kontextes der Querdenkerdemo fast alles Inhalte, die ich unterschreiben würde – was wieder zeigt wie wichtig Kontext und Mitgedachtes-aber-nicht-Mitgesagtes ist.

    Kannst du mal eben?

    Der Atlas der Alltagssprache geht in Runde 13. Unter anderem mit regional üblichen Ausdrücken für Teppichklopfer, Pömpel, Samstag oder Schere, Stein, Papier.

    Die FAZ ging auch im Bayerischen Viertel spazieren: Ein Besuch an Berlins schönstem und friedvollsten Ort, (Paywall leider)

    Bayerisches Viertel ohne Paywall auf evangelisch.de: Wo Einstein wohnte: Das Bayerische Viertel in Berlin

    Aus dem Maschinenraum: „Ich hätte gern, dass meine Leserinnen das Blog auch per Mail abonnieren können“, sprach der Kunde.

    Ich mag polnischen Humor. Der Gameankündigungstrailer zu einer Simulation, in der man in den 1990ern in einem polnischen Wohnblock als „Handwerker“ Wohnungen renovieren muss. Möglichst billig und zu maximalen Ungunsten des Mieters. (via Heiko)

  • 24-08-27 Trippelheureka

    24-08-27 Trippelheureka

    Die College-Football-Saison beginnt. Alabama hat sich mit Western Kentucky einen leichten Aufbaugegner gesichert, Ole Miss mit Furman ebenso.

    Ich klage die Ruhrtriennale an! Wie kann man jährlich ein Festival ausrichten und es dann Triennale nennen?!?

    Die Stacheldrahtrose bekam einen Gießring. Die Bank begann die Cremung, vorerst hinten und unten.

    Am Himmel eine Art Schwalbenschwarm. Sammeln für den Abflug?

    Seltsame Schlaflosigkeit. Nachts um 2 plötzlich wach. Nicht besorgt, kein Gedankenkarussel, das Schlafzimmer angenehm temperiert, kein erkennbarer Grund feststellbar. Weil ich Klausurlaub habe, war ich nicht einmal besorgt wegen möglichen Schlafmangels. Nur hellwach bis 4 Uhr morgens.

    Wenn man so im Dunkeln liegt, die Nacht ruhig ist, hört man auf den Körper. Und der sagt: Ich habe einen Mückenstich am rechten Ellenbogen. Und einen am linken Knöchel. Und da ist noch einer am unteren Rücken.

    Madame maß. Einmal mit Technik – das scheint zu funktionieren. Einmal beim Arzt. Dessen Skala war kaputt.

    Madame warf sich am S-Bahn-Hof Tempelhof mit zwei Gartenstühlen den Ärzte-Fans entgegen, die zum Tempelhofer Feld strömten.

    Wir meldeten einen Liegenbleiber. Das Auto stand ungeschickt auf der Stadtautobahn in einer Kurve auf einem Abschnitt ohne Standstreifen. Nachdem wir den Auffahrunfall vermieden hatten, wollten wir schnell einen professionellen Absperrer hinschicken. Wir entschieden uns für die Blaulichtvariante. Die rief brav zurück und meldete Erfolg.

    Der Brandenburg-Wahl-O-Mat liefert wenig überraschende Ergebnisse: Tierschutz vor Grünen vor Linke. Mich überraschte: die BSW knapp vor der SPD und Deutsch Land Wirtschaft vor CDU und FDP. Geht halt beim Wahlomaten immer nur um Papierversprechen, nicht um Umsetzung. Wie jedes Mal: die AfD landet bei mir zuverlässig auf dem letzten Platz selbst hinter Esoterikern und bekennenden Neonazis.

    Als Nebenwohnsitzbrandenburger sind wir nicht wahlberechtigt.

    Ich vereinbarte einen Termin: Töff töff TÜV.

    Der Kern ist nicht die Basis

    So we meet again, Mathematische Grundlagen und ich. Das Modul, in dem ich in der Klausur WS 23/24 zwei Punkte zu wenig hatte. Mathematische Grundlagen ist das egal – mir nicht.

    Im letzten Semester war mein überwiegendes Gefühl Nervosität – ich ahnte ja, dass es knapp würde. Dieses Semester war es bis letzte Woche Genervtheit mit einer gewissen Grundaggressivität. Das ist so unnötig. Aber half alles nichts. Wenigstens eine Woche ernsthaftes Lernen sollte drin sein.

    Sonntag begann ich mich dem Durchgehen der Unterlagen, Montag nahm es weiter Fahrt auf. Das Gute: an Vieles erinnere ich mich noch. Ich kann (größtenteils) Aufgabenstellungen und fast immer Musterlösungen nachvollziehen. Ab und an kann ich die Übungsaufgaben auch selber lösen.

    Aber ich merke wie sich innerliche Roststellen wieder locken, wie es langsam warm läuft und in Fahrt kommt. Langsam beginne ich wieder, innerlich Kern einer linearen Abbildung, Erzeugendensystem, Basis und Rang eines Vektorraums auseinanderzusortieren.

    In Trippelschritten voran! Gelegentlich (dreimal heute), schrieb ich enthusiastisch HEUREKA an das Ende eines Blattes wenn ein Groschen gefallen war.

    Die Regel von L’Hospital lese ich mir wieder an.

    Youtube besteht den Integrationstest. In diesem Haushalt bringt Youtube beim Suchwort „Integration“ die ersten Ergebnisse Integration durch SUBSTITUTION von MathemaTrick und ähnliches. Die üblichen Krawallvideos kommen weiter hinten.

    Von Genervtheit zur Lust auf die Klausur. Es wird wieder eine Achterbahnfahrt werden. Aber ich bin optimistisch, diesmal im Wagen zu bleiben.

    On the cautious side: Direkt vor der Klausur sind zwei Tropennächte angekündigt. Echter Schlaf wäre schon praktisch.

    Langsam erinnere ich mich wieder an die schiere Masse an Gesetzten, Regeln, Umformungen und sinnvollen Hacks, die man im Kopf haben und anwenden können sollte. Ein Selbstläufer ist das noch nicht.

    Sportviertel

    Um meiner emotionalen und intellektuellen Verhöhlung entgegenzuarbeiten, begab ich mich Montag Abend auf die Straße. Mäandernd zu Fuß durch das Bayerische Viertel, mich am Grün des Viertels erfreuen und Nachbar*innen beobachten.

    Sporteln allüberall: Jogger*innen, Straßenfussballer*innen in Metallkäfigen, alle Tischtennisplatten sind besetzt, aus einer Sporthalle höre ich ein Basketballspiel.

    Das Bayerische Viertel ist für Innenstadtverhältnisse grün, Straßenbäume und Vorgärten in den meisten Straßen, viele kleine Parks und Grünflächen. Dazu wenig Verkehr. Die Bewohnerschaft seit Jahrzehnten eine Mischung aus gutsituiertem Bildungsbürgertum und entspannten Hedonist*innen mit entsprechenden Geschäften und Cafés. Ein lauer Sommerabend aus dem Bilderbuch.

    Wäre da nicht das Andere. Das Bayerische Viertel könnte auch das jüdische Viertel sein. Klafft hier die Wunde besonders tief, die sich Deutschland selber schlug. Bis in die 1930er wohnte hier das jüdische Bildungsbürgertum. Hier wohnten unter anderem Alfred Kerr, Eduard Bernstein, Alfred Lasker, Inge Deutschkron, Gisèle Freund, Marcel Reich-Ranicki und Albert Einstein. Die Zahl der Stolpersteine nimmt von Jahr zu Jahr zu, vermutlich müssten vor jedem Haus welche liegen. Die Orte des Erinnerns bleiben auch nach vielen Jahren eindrucksvoll.

    Was mir neu war, und ich nur zufällig durch Apple Maps entdeckte. Das Denkmal für die ehemalige Synagoge Münchner Straße. Die Synagoge überlebte Nazis und Zweiten Weltkrieg. Sie wurde 1956 abgerissen – wird ja nicht mehr benötigt.

    Kellerkind hadert

    Kellerkind hadert mit Epheser 5.

    poupou arbeitet sich durch Modul 1D LE 2.

    Frau Herzbruch hat Krankenkasse.

    Im Olympiastadion ist es heiß, vor Helgoland ist es windig.

    Herr Mess fragt, wer in der Schule die digitalen Geräte erklärt. Als ewiger beruflicher Computererklärer finde ich die Frage besonders spannend.

    Ein Kollege auf der Tagesschau-Website: Interview mit Berliner Bademeister: „Mein Albtraum wäre, ein Kind rausholen zu müssen“