Monat: Dezember 2022

  • 22-12-31 Das Auto ist frisch gewaschen

    22-12-31 Das Auto ist frisch gewaschen

    Platz – mir unbekannt – im BRF Silvestercountdown ist „Part Time Lovers“

    Wie jede*r gute*r Berliner*in verließen wir an diesem besonderen Tag bei Tagesanbruch die Stadt. Also insofern Tagesanbruch mit unserem Silvesterfrühstück in Übereinstimmung zu bringen war. Denn im Bungalow warteten bereits die mitgebrachten Linda-Kartoffeln aus Dithmarschen.

    Über Tankstelle (morgen fällt ein Steuerrabatt für Autogas weg), Waschanlage (Neujahr) und Bäcker (Eierlikör-Pfannkuchen) ging der Weg zum Bungalow.

    Platz 69 des BRF Silvestercountdowns ist „Alice“ (das Original)

    Ich absolvierte schöne Silvestertraditionen wie das Ablesen des Stromzählers und das Abzählen des Wasserzählers. Bei der Gelegenheit traf ich den Teichmolch von Vorgestern wieder. Wir einigten / informierten uns, dass dieser vermutlich in den Wasserkeller gefallen war und der Rettung bedurfte: auf zur Teichmolchrettung!

    Ein Teichmolch (grün, mit leichten orangetönen) streckt seinen Kopf über ein Blatt Papier. Das Papier liegt auf Gras.

    Madame malte einige Bäume an. Ich las mich zur deskirptiven Statistik kund, passierte geometrische Mittel und Kurvenkoeffizienten.

    Platz 68 des BRF Silvestercountdowns ist Phil Collins mit „Two Hearts“.

    Zwischendurch Jahresrevuepassierenlassen. Im großen privaten Maßstab brachten wir 2019 einige Steine ins Rollen, die die letzten Jahre vor sich hinrollten und dieses Jahr tetrisgleich zum Liegen kamen. Mein Plan für nächstes Jahr wäre an dieser Front: ein Jahr zwischendurch, in dem privat alles ruhig so weiterläuft wie aktuell – und wie schon länger nicht mehr. Die größeren Abenteuer dürfen ab 2024 wieder kommen. Für 2023 bin ich mit Abenteuer per Bahnurlaub und Statistikklausuren zufrieden.

    Platz 67 des BRF Silvestercountdowns ist Queen mit „I want it all“

    Ich nicht. Also nicht nächstes Jahr. Da bin ich mit „I want what I have“ sehr zufrieden.

    Dieses Jahr möchte ich noch das Gemüse, das gerade auf dem Grill liegt zusammen mit ein paar Rest-Kohlwürsten. Und mich einkuscheln, Urs Faes lesen und vielleicht eine schönes Glas Wein. Wie üblich die Bungalowfrage: wenn es schon um 16:00 Uhr draußen stockdunkel wird – halten wir bis MItternacht durch?

    Platz 66 des BRF Silvesercountdowns ist Boney M mit „Daddy Cool“

    Haltet Euch warm!

  • 22-12-30 weeoh aweem away

    22-12-30 weeoh aweem away

    Madame möchte sich selber eine Meinung über wichtige Begebenheiten des Zeitgeschehens bilden und arbeitet mit den Originalquellen.

    Während wir die letzten Tage den Eiderdeich entlangstrichen, kam das Weihnachtswesen ins Büro und hinterließ eine größere Menge Büropflanzen. Zusammen mit der menschlichen Besatzdichte, die an einem Freitag den 30. Dezember zu erwarten war, ergab sich ein stark verändertes Raumgefühl.

    Büropflanze beschienen mit gelbem Bürolicht vor Fenster durch das ein weiteres Bürogebäude im bläulichen Abendlich zu sehen ist.

    Von soviel Frische motiviert, ging es gleich zur nächsten Betriebsstätte der Berliner Bäder: Die Aktions-Jahreskarte sollte bis zum Ende genutzt werden und führte uns ins Stadtbad Schöneberg. Es war zu voll, um stur Bahnen zu ziehen und über das letzte Jahr nachzudenken. Aber das überraschte nicht.

    In verschiedenen Blogs lese ich derzeit Jahresrückblicke und staune immer wieder über die Aussage „Lieblingsblogs? – Ich lese keine anderen Blogs.“ Das ist kein Vorwurf, aber ein Warum? Wer als Blogger*innen sollte wissen, wie unterhaltsam und bildend Blogs sein können.

    Zum Beispiel die gerade erscheinende dreiteilige Serie von Herrn Rau über „Meine Mutter als Programmiererin“ (mit Teil 1: Werdegang, Teil 2: Die frühen Maschinen, Teil 3: Spätere Maschinen„. Also wie kann mensch solche Texte nicht begeisternd hüpfend in jeden Jahresrückblick aufnehmen?

    In der „seriösen Presse“ ist mein promovierter Wikipedia-Artikel aufgetaucht. Mein Wikipedia-John-Locke-Artikel wird nicht direkt genannt, aber die Dissertation bekommt einen kompletten FAZ-Artikel; „Betreut“ von Peter Sloterdijk, entstanden unter ausgiebiger Nicht-zitierter Zuhilfename der Wikipedia. Und aufgeflogen, weil die Autorin sich an ihrem Geburtstdatum in Wikipedia störte. Es passt alles so gut zusammen, fast möchte ich „schön“ schreiben.

    Mein musikalisches ich ist in seinen Grundfesten erschüttert: Es gibt eine „The Lion sleeps tonight“-Coverversion von Helmut Lotti. This adds insult to injury.

    Glücklicherweise lernte ich heute auch, dass Sohrab Habibion in den 1980ern zahlreiche Konzerte der jungen Washington-DC-Hardcore-Szene aufnahm. Die inzwischen auf Youtube landeten ebenso wie im Punk-Archiv der DC Public Library. Hier wurde die weltweite Rockmusik der 1990er geprägt. (Zum Hintegrund der Szene schrieb ich 2018 bereits auf dem Blog nebenan)

    Madame entdeckte eine Entsorgungsmöglichkeit für das Faxgerät.

  • 22-12-29 Die weiße Ledercouch verschwand

    22-12-29 Die weiße Ledercouch verschwand

    „Weiter geht’s auf der A7. Weiter geht’s in Richtung Nord.“ – Was heute nicht stimmte. Aber sobald ich vor meinem inneren Auge Autobahnfahrten Revue passieren lasse, legt sich sofort dieser Soundtrack darüber. Immerhin fuhren wir heute auf der A7. Etwa anderthalb von insgesamt 430 Kilometern. Und in Richtung Süd. Aber A7!

    Zum Abschied aus Dithmarschen bekamen wir das absurdeste eon-Gasschreiben des ganzen absurden Gas-eon-Vorgangs. Zum Glück war dieses Schreiben harmlos und zu kompliziert, um seine Absurdität zu erklären. Aber ich sollte darüber ein Musical verfassen.

    Wir ließen den Kaptain mit etwas Frischem zurück, und hoffen, dass sie sich schnell wieder von unserem Besuch erholt. Mit zwei kurzen Boxenstopps (Autogas in Heide für 1,10€ sowie in Kremmen für 0,98€) und einem längeren Halt (es gibt jetzt Mehrwegbecher bei McDonalds! Spektakulär! Die Besatzung war mit dem Konzept Mehrweg noch überfordert) arbeiteten wir uns vom regenerisch-stürmischen Dithmarschen in die regnerisch-stürmische Mittelmark vor. Weiter gehts auf der A23, A7, diversen Hamburger Stadtstraßen, A24, A10, weiter gehts in Richtung Südost!

    Ein kurzer Kontrollblick zum Bungalow: Steht noch. Wir luden erste Silvesterutensilien ab, stellten fest, dass der Nachbar Wakeboard auch Silvester in der Siedlung ist. Wir erfuhren, dass es in 40 Kilometer Umkreis keinerlei Wasseruhren mehr zu kaufen gibt. Offensichtlich haben die Helden des Wasserverbandes allen Wasseruhrbesitzern, deren Uhr in den knapp 3 Jahren seit Corona aus der Eichung fiel, jetzt gleichzeitig eine vier-Wochen-Frist gesetzt, diese zu ersetzen. (Was über den Daumen gepeilt mehr als die Hälfte aller Wasseranschlussbesitzenden sein dürfte).

    Ich drehte unser Wasser wieder auf, soll ja bis Neujahr frostfrei bleiben, und traf einen niedlichen Wasserkellerbewohner.

    Kleine Echse / Salamander auf Styroporplatte im dunklen Keller. Ausgeleuchtet mit Blitzlicht.

    Weiter geht’s auf der A10, A115 Weiter geht’s in Richtung Südost. Nach Berlin. Die Wohnung war unverändert, aber kalt. Die weiße Ledercouch, die uns seit Monaten erst auf dem Innenhof, dann auf der Busspur begleitete, verschwand. Entweder entschied doch jemand, sie sei ein schönes Weihnachtsgeschenk. Oder ein gütiges Sperrmüllweihnachtswesen half aus. Sie ist weg weg.

    Jahrzehnte des Deutschlandfunk-Hörens lehrten mich: Niemand gibt so unterhaltsame Interviews wie Sopranistinnen im Herbst ihres Lebens: ein Paradebeispiel lief heute Abend: Zeitzeugen im Gespräch: Die Opernsängerin Edda Moser.

    Ich versprach die Weitergaben eine Breakfast-Strata-Artikels. Und wo ich ihn schon ent-paywalled habe, hier auch der Link: This Easy Breakfast Strata Is the Ultimate Way to Start the Year.

    Glücklicherweise laufen Tröt-Twitter-Meta-Diskussionen nur am äußersten Rande meines Augenfelds. Aber faszinierend finde ich die These, dass Viralität/Algorithmische Ordnung mehr Diversität in die Debatte bringen sollen. Meiner Erfahrung nach machen diese Mechanismen Alles platt, indem sie es in ein homogenes Aufregung-Gegenaufregungs-Muster zwängen, in dem die Inhalte komplett austauschbar werden.

    Dementsprechend werden die Themen des Tages (der Stunde?) dauernd ausgetauscht, ohne dass die Debatte auch nur einen Schritt nach vorne (oder hinten oder halt in irgendeine Richtung) kommt. Jegliche Unterschiede, Abschweifungen, Abstufungen oder differente Herangehensweisen werden sofort vom Algorithmus wegsortiert. Sie maximieren ja nicht die Aufregung. Es entsteht ein homogener Brei, auf dem die Lautesten nach oben treiben.

    Okay, gefühlt sind es vor allem jene Lautesten, die jetzt den Verlust des Twitter-Algorithmus beklagen.

    Nachdem Arkansas im Liberty Bowl eine Minute vor Schluss noch mit 15 Punkten führte, ging das Spiel noch in die dritte Verlängerung(!) Arkansas gewann am Ende den Liberty Bowl in Memphis gegen Kansas mit 55 zu 53. Ich glaube, ich muss noch eine längere Zusammenfassung des Spiel suchen und anschauen.

  • 22-12-28 Der Tee ist ein Geräusch

    22-12-28 Der Tee ist ein Geräusch

    Das Interrail-Ticket (bis zum 5. Januar noch um 10% ermäßigt) umfasst auch Rabatte auf die Fährverbindungen Travemünde-Helsinki und Travemünde-Liepaja. Das macht unsere mögliche Sommer-Urlaubs-Planung wieder einen Schritt möglicher.

    Nur leider wird bis dahin wohl immer noch kein einziger Zug zwischen Lettland und Litauen fahren. Ich hätte ernsthaft gedacht, dass mindestens Pan-Baltische-Solidarität dafür sorgt, dass eine solche Strecke aus Prinzip betrieben wird. Denkste. Also steht am ehesten eine Reise per Schiff, Zug und Bus ins Haus.

    Während Madame recherchierte, kochte ich endlich den besorgten Grünkohl (Hurra, ich kann wieder alles essen). Dazu Wacken-Craft-Beer, wenn schon regionale Produkte, dann konsequent. Im Fernsehen sahen wir mit erstaunen, dass die Dithmarscher Trümmertorte unter dem Namen „Wolkentorte“ der große Hit in der hippen Kreuzberger Markthalle IX ist.

    Abends blieb sogar Zeit für die Fernuni. Die Mathe-Einsendeaufgaben sind am 10. Januar fällig. Ich beschloss: zu wenig Zeit, um es richtig zu lernen – also jetzt mit Augen-zu-und-durch-im-Schnelldurchgang durch Integrale und Lineare Algebra und hoffen, dass 30 Jahre alte Mathe-LK-Erinnerung zusammen mit „beliebig viel Zeit und Zugriff auf die Unterlagen“ mich durch die Aufgaben bringen.

    Leider sagt mir meine Schul-Mathe-Erinnerung auch, dass in keinem Fach „Zeit“ und „Zugriff auf die Unterlagen“ so unwichtig sind. Entweder man kann es – dann reicht ein Bruchteil der angesetzten Zeit und das Buch ist nicht nötig. Oder man kann es nicht, und dann hilft beides auch nicht. Es bleibt spannend.

    Nach den 600 Schritten laut Schrittzähler gestern (wann auch immer ich die gemacht haben soll, gefühlt waren es 16), war ich heute ausgeschlafen und erholt. Wir trafen den Badischen Beamten zu unserem traditionellen Nordsee-Weihnachtstreffen (wir beim Kaptain, er bei Schwiegers) und spazierten plaudernd mit >10.000 Schritten durch Tönning und entlang des Eiderdeiches.

    Das Meer ist im Winter so viel eindrucksvoller als im Sommer, scheint es doch die Umgebung zu verschlucken. Und auch wenn die Eider hier noch offiziell Fluss ist, wirkt so doch meerartig. Wir meerartiger sie noch gewirkt haben muss, als das Eidersperrwerk noch nicht gebaut wurde.

    Unser erstes Treffen, in dem alle Anwesenden im öffentlichen Dienst sind. Es fühlt sich so unglaublich gesetzt an. Wobei die beiden anderen Anwesenden in echten großen Behörden sind, die Berliner Bäder fühlen sich im Vergleich halt doch an wir ein normaler Mittelständler mit eigentümlichen Geschäftsbetrieb.

    Wir bestellten Kaffee und Tee. Es schepperte gar fürchterlich in der Küche. Wir bekamen zwei Kaffee, „der Tee dauert noch einen Moment.“ Der Tee war ein Geräusch.

    Heute Abend spielen im Liberty Bowl in Memphis die Kansas Jayhawks gegen die Arkansas Razorbacks an.

  • 22-12-27 Schlafmütze

    22-12-27 Schlafmütze

    Das war eine überraschende Weihnachtswendung. Nach unserer gestrigen Restaurantrückkehr, ging der Kaptain gleich ins Bett, weil sie sich nicht gut fühlte.

    Ich hielt mich auf den Beinen, fühlte mich aber subjektiv so als wäre ich kurz vor einem elendigen Tod durch Schüttelfrost (wenn ich mir auch objektiv sicher war, dass sich das gibt sobald ich das Essen wieder los bin). Naja, irgendwann wurde ich das Essen los. Es geht mir besser.

    Heute Abend war ich mit Reis und Champignons wieder in der Lage überhaupt etwas zu essen. Aber ich fühle mich den Tag über erschöpft, als hätte ich gestern spontan eine Tour-de-France-Etappe gefahren.

    Madame verwöhnte ich brachte mir vom Büsumer „Testgeschäft“ (aka Outlet-Store) eine Schlafmütze mit, die eines der gemütlichsten Kleidungsstücke ist, das ich je besaß. Sie machte sich auch sonst gut. Sie brachte mich zum Schlafen. Und mehr zum Schlafen. Und so gesehen, weiß ich wenig, was heute passierte. Selbst meine Träume konnte ich mir nicht merken, erinnere mich nur vage, dass ich Ex-Kollegen an den neuen Arbeitsplatz geträumt habe. Vor allem aber schlief ich ununterbrochen.

    Bild: British; Night cap; Textiles-Embroidered, late 16th–early 17th century von: This file was donated to Wikimedia Commons as part of a project by the Metropolitan Museum of Art. Lizenz:  Creative Commons CC0 1.0 Universal Public Domain Dedication

    Michael Wendler ist auf Twitter – was ein klarer Indikator für den Niedergang der Plattform ist. Es gibt keine Bahnverbindung zwischen Litauen und Lettland. Was sowohl bescheuert ist, als auch unsere Reiseplanung verkompliziert.

  • 22-12-26 Kurkrötenwanderung

    22-12-26 Kurkrötenwanderung

    Auf dem Weg zur Autobahn: die Kolonnen kommen uns entgegen. Kennzeichen mit HH – HH – PI – M – HH – H – IZ – ST – OH. Weihnachten ist vorbei, Silvester rückt näher, die Kurkröten kommen nach Dithmarschen.

    Wir als Kurkröten plus (nur der Kaptain ist ausgenommen), nutzten den Tag natürlich zum Ausflug. In Gedenken an Oma Uetersen gab es Rinderbraten in Uetersen. Zurück fernab der Autobahn durch Wilstermarsch, Krempermarsch und Dithmarscher Geest.

    Am AKW Brokdorf ging die Sonne auf. Ich verdaute den Rinderbraten, versuchte Madame zu entertainen, scheiterte aber elendig.

    Schlaf wird helfen, Wir sind ja im Kur-Modus Minus.

  • 22-12-25 Bis der Whirl zweimal endet

    22-12-25 Bis der Whirl zweimal endet

    Schauen Österreicher „Sissi“? Diese Frage ist bis jetzt für uns ungelöst.

    Madame schäumte Milch.

    Die Weihnachtsbräuche der Nachbarn bleiben unergründlich. Heute Nacht machten die Bräuche um etwa 1:30h intensives lautes Musikhören, rhythmisches Stampfen und weiterhin Schnaps erforderlich. Wir taten unser Missfallen angemessen nachdrücklich kund. Soweit hat es sich inzwischen eingespielt: Der Musikhörende Teil der Nachbar-Wohnungsbesatzung verließ nach unserer Missfallenskundgebung schnell die Wohnung und feierte an anderem Ort weiter.

    Der reguläre Tagesstart ging dementsprechend langsam vor sich. Nach dem Freitag (überwiegend auf der Autobahn) und dem Samstag (Weihnachten vorbereiten und Bescherung), war heute „Auslüften und Wässern“ angesagt.

    Wir begaben uns auf den Weg nach Stinteck und liefen einige Meter entlang der Nordsee. Die Tide lief noch auf, war aber kurz vor dem Hochwasser, das Wasser jahreszeituntypisch still. Auf dem Weg zur Badestelle sahen wir Schafe auf der Weide, die der Bauer mit gehäckselten Kohlresten fütterte. Und da wusste ich: Alles ist gut. So soll es sein in der Welt.

    Am Deich entdeckten wir einen Pächterwechsel der Deichkate, ausgelüftete Hunde, einen Schwarm Möwen. Dass die Radler ausnahmsweise einheimisch waren, erkannte man am Nicht-E-Bike und daran, dass die Jacken weder brandneu noch im Partnerlook waren. Sehr kurz war ich versucht, eine Runde Winter-Nordsee-Baden zu starten, hatte mich aber im Griff. Denn wir wollten noch zur Meerzeit.

    Das Hallenbad in Büsum hieß einst Piratenmeer, und hat nun nach jahrelangem Umbau wieder eröffnet.

    Und ich sah, dass es gut war. Die ganze Gestaltung stilvoller, die Wegeführung sinnvoller, das Außenbecken schöner und einfach alles wirkte einladender. Weihnachtsbonus eins: ein Schwimmbad-Weihnachtsmann in voller Montur und mit Gummistiefeln lief durch die Halle und verteilte Geschenke. Weihnachtsbonus zwei: Wohlfühldichte. Außer uns war kaum jemand da, wir konnten alle Innen- und Außenwhirlpools nach Lust und Laune benutzen. Wir blieben je zwei Whirlphasen, begaben uns zwischenzeitlich mit zu Lesendem auf die Liegestühle.

    Der Büsumer Hafen war ungewohnt: alle Schiffe lagen vor Anker, die Dichte an Fischkuttern war hoch. Die Weihnachtsgeschmückten Fischkutter waren sehr niedlich. Café Knüppel wird abgerissen. Hinter der Ruine taucht eine alte Wandinschrift mit „Nordseehafen“ auf.

    Der Kaptain hatte sich Käsefondue gewünscht. Um dieses rechtzeitig servieren zu können, fuhren wir ohne Umweg nach Hause. Madame bereitete noch Feldsalat und Fenchel-Orangen-Kiwi-Salat. Wir alle freuten uns am Fondue. Davor und danach lief Sissi. Wir haben keine Ahnung, ob Österreicher den Film schauen.

    Der Ukraine-Krieg verfolgt mich. Auf den Bad-Liegestühlen lasen wir. Ich hatte in Berlin wahllos auf den Granta-Stapel gegriffen, erwischte das Exemplar Conflict und dessen erster Text sind Briefe von Lindsey Hilsum nach Hause. Die Briefe einer britischen Korrespondentin zwischen März und Mai dieses Jahres aus Kyiv, Odesa, Dnipro. Noch-mal-Erleben der ersten Kriegswochen und noch einmal die Vernichtung Mariupols.