Schlagwort: Silvester

  • Einatmen – Ausatmen (Rück-Ausblick 25/26)

    Einatmen – Ausatmen (Rück-Ausblick 25/26)

    Ein Jahr geht zu Ende. Ein neues Jahr beginnt. Ein Anlass, den inneren Kopf um 180 Grad zu drehen, und nach hinten sowie nach vorne zu schauen.

    Mehr Action

    Dem letzten Jahr hatte ich Ende Dezember 2024 ein Motto gegeben: „Mehr Action.“

    Nachdem ich den Vormittag des 1. Januar 2025 damit verbracht hatte, durch den Bahnhof zu sprinten, um zu verhindern, dass mein Portmonnaie nach Berlin fährt, während ich noch ein paar Tage in Hannover und Dithmarschen bleiben wollte, begann ich am Motto zu zweifeln.

    Nachdem Madame am selben Tag abends die Reste der Silvesterrakete entdeckte, welche die Fensterscheibe durchschlagen hatte und knapp neben dem Geschenkpapierstapel explodiert war – Wohnungsbrand um Zentimeter verpasst – beschloss ich schon vor Tag 2 des Jahres, das Jahres-Motto nicht mehr zu erwähnen.

    Naja, Action auf eine langsame Art wurde es dennoch. Oder eher: Es wurden sieben Monate Ausnahmezustand. Von Juni bis Mitte September hielt mich die Bachelorarbeit auf Trab und alles war anders als sonst. Und noch vor Abgabe erfuhren wir, dass wir das Glückslos mit der neuen Wohnung gezogen haben (Innerhalb des S-Bahn-Rings! Noch verkehrsgünstiger als die alte Wohnung! Bezahlbar! Ohne Hallodris!). Spätestens mit der Wohnungs-Übergabe begann der nächste Ausnahmezustand, verzichtbar akzentuiert durch die zwischenzeitliche Corona-Infektionspremiere.

    Halbswegs „normal“ waren im letzten halben Jahr die Tage zwischen der letzten Bachelorklausur (16.9.) und der Wohnungsübergabe (6.10.).

    Meine Action war immerhin selbstgewählt. Madame hingegen hatte durch fremdbestimmte Umstände so viele Überstunden wie noch nie im Leben; dafür aber immerhin auch fünf Wochen Auszeit zwischendurch (so viel wie auch sehr sehr lange nicht mehr).

    Bachelorabschluss und Umzug waren genug Action für einen langen Zeitraum. Gerade das letzte halbe Jahr war durchaus erfolgreich – ich sitze mit neuem Uni-Abschluss in neuer Wohnung. Aber jedes Jahr muss das nicht sein.

    Politik

    Fangen wir mit dem – nach fast-Wohnungsbrand und Wasserschäden in der Wohnung – anstrengendsten Thema an: Politik. Und ich will eigentlich gar nicht dazu schreiben, außer Haken zu machen:

    • Gegen Nazis demonstriert – check
    • Wahlhelfer gewesen – check

    Insgesamt ausbaufähig.

    Kultur

    Wenig überraschend geriet die Ausgehkultur in 2025 im zweiten Halbjahr unter die Räder. Es blieb aber noch eine Menge Schönes übrig, gerade in der ersten Hälfte des Jahres:

    • Mehrfach beim Noonsong gewesen in der Kirche am Hohenzollernplatz. Mehrfach trat Madame mit dem Chor auf, wovon ich auch ein bißchen was sah.
    • Im Januar führte ein Erster Weg in die Komische Oper. Barrie Kosky hatte Puccinis La Boheme inszeniert.
    • Im Boulez-Saal hatten im Februar Roberta Mameli (Sopran), Michele Pasotti (Erzlaute und Theorbe) und Margret Koell (Barockharfe) ein Programm aus italienischer Musik des Frühbarocks zusammengestellt.
    • Im März inszenierte Barrie Kosky Echnaton von Philipp Glass in der Komischen Oper
    • Auch im März: Die Akademie für Alte Musik (Akamus) hatte zum Kammerkonzert geladen. Oboen- und Hornquartette von bekannteren (Mozart) und unbekannteren (Družecký, Warnitzky, Stamitz) Komponisten standen auf dem Programm.
    • Im April begann die Reise in die Philharmonie. Vox Luminis, das Freiburger Barockorchester und insbesondere Tenor Raphael Höhn führten die Johannespassion auf.
    • Noch mal im April ging es in die Oper: Antikrist an der Deutschen Oper.
    • Im Mai wieder die Philharmonie: Avi Avital spielte auf der Mandoline unter anderem die vier Jahreszeiten.
    • Im Juni neigte sich die Saison dann endgültig dem Ende, zum Abschluss wieder in die Philharmonie zu den Kings Singers.
    • Spätestens nach dem Sommer übernahm der Ausnahmezustand. Seitdem kam nur noch eine Theateraufführung (K. nach Kafka von Barrie Kosky im Berliner Ensemble) und eine Rockoper (Jesus Christ Superstar; Komische Oper auf dem Flughafen Tempelhof) hinzu.
    • In den zwei Wochen der herbstlichen Fast-Normalität besuchten wir die Pferdeshow in Chantiliy.
    • Bereits gekaufte Karten für die Transvokale und Mahagonny ignorierten wir, weil weder Kraft noch Zeit noch Energie vorhanden waren, um die Veranstaltungen wirklich aufzusuchen.

    Ausstellungen: Niki de Saint Phalle/Jean Tinguely/Pontus Hulten im Grand Palais Paris // Jean-Tinguely-Museum Basel // Die Stundenbücher Très Riches Heures in Chatiliy (b. Paris) // Mehrere Bibliotheken von innen besichtigt

    Ich glaube, in meine Sammlung kam kein einziges neues Schwimmbad. Als Besucher der Zweitbesuch im Westfalenbad in Hagen. Dienstlich – ohne Schwimmen, deshalb zählt es nicht richtig – kam ich endlich ins Forumbad im Berliner Olympiapark. Mit Schwimmen, aber auch semi-dienstlich (Teamtag) war der Tag im Strandbad Wannsee. Spannend – leider auch ohne Schwimmen – die Führung durch das sehr sehr baufällige Baerwaldbad in Kreuzberg.

    Im Kino: Niki de Saint Phalle (F,B 2024 – Delphi Lux) / High School Musical (USA 2006 – Odeon) / Amrum (D, 2025 – Capitol Dahlem) / The Sound of Music (USA, 1965 – Delphi Lux) / Vermiglio (I, 2024 – Cinema Paris) / La Chimera (I, 2023 – Kant Kino) / Flow (LT 2024 – Passage) / When Harry Met Sally (USA, 1989 – Odeon) / Sense and Sensibility (USA/UK, 1995 – Delphi Lux)

    Bücher herauszusuchen ist mir zu unübersichtlich.

    Das beste Essen kam entweder vom Grill im Garten oder aus Töpfen, Ofen und Crock Pot in der Wohnung. Der Eintritt bei der solidarischen Landwirtschaft der Gemüslichkeit hat hier nicht geschadet. Das spektakulärste (und auch sehr gute Essen) kamen bei Vincent Klink in Stuttgart und Le Train Bleu in Paris auf den Tisch.

    Unterwegs

    Passend zum Jahr begann es im Januar mit einem Trip nach Hagen zur Fernuni. Das wirtschaftsmathematische Seminar im Nebel, das mir die Teilnahme an der Bachelorarbeit sicherte.

    Auch nach Dithmarschen und Baden ging es. Besonderes Highlight: Die Einladung zur Taufe in Trier.

    Aber selbst privat-privat war noch Zeit trotz allem. Vor dem Ausnahmezustand und in den zwei Wochen der Ruhe im Herbst, verließ ich Berlin. Beide mal in dieselbe Richtung.

    Gesagt mit Josef Hader:

    Der eine kommt nach Paris / der andere kommt nicht nach Paris / wie das Leben halt so iis

    Eher zufällig stellte Madame fest, dass ich noch nie in Paris war und beschloss dies zu ändern. Dank neuer Direkt-Zugverbindung ging das ganz einfach. Das Hotel war direkt am Bahnsteig, die Versorgung hervorragend durch das gegenüberliegende Bouillon Chartier gesichert. Das erlaubte die bequeme und schöne Homebase.

    Bei beiden Paris-Trips war Paris gar nicht das eigentliche Ziel, sondern der kleine Umweg. Eigentlich lauteten die Fahrten Berlin->(Paris)->Trier und Berlin->(Paris)->Tübingen. Es wird also Zeit einmal nach Paris mit Reiseziel Paris zu fahren.

    Madame machte es in dieser Hinsicht besser: die fuhr im Sommer ein drittes Mal nach Paris (diesmal mit Reiseziel Paris) und dann weiter nach Versailles, Chantiliy, Bayeux und in die Schweiz.

    Zum ersten Mal..

    • Eine Bachelorarbeit geschrieben, abgegeben und bestanden: „Parametrische Optimierung – Der Einfluss von Schwankungen in den Modellparametern auf die optimale Lösung“
    • In Julia programmiert
    • In Paris gewesen (und da viele Dutzend Sachen zum ersten mal..)
    • Auf dem Flight Tracker zwei Flüge vom Kaptain verfolgt
    • Ernsthaft mit ChatGPT rumgespielt. Daraus folgend das Wort „Haselant“ in den aktiven Wortschatz aufgenommen
    • Eine Einbauküche gekauft
    • Corona bekommen
    • Einen Mietvertrag als einziger Hauptmieter unterschrieben (seriously)
    • Mir in IKEA Prügel androhen lassen
    • Eine Gleitsichtbrille getragen (mit der Wohnungszusage eine der beiden besten Entscheidungen des Jahres)
    • Das Wort „Schwimmbad“ in meine Adresse aufgenommen
    • Die Wohnung in Bademantel und Adiletten verlassen, um Schwimmen zu gehen
    • Einer katholischen Taufe beigewohnt
    • Auf einem Pappbett geschlafen

    Einatmen – Ausatmen

    Ich war versucht, das Jahr 2026 einfach unter das Motto „Weniger Action“ zu stellen. Aber das trifft es nur halb. Lieber Einatmen – Ausatmen. Ankommen. Einen Rhythmus finden. Den Ausnahmezustand auf verschiedenen Ebenen wieder in einen ruhigeren Alltag überführen. Und mehr Schwimmen, die Tätigkeit, bei der ich am ehesten an Einatmen – Ausatmen denke.

    Wenn der Atemrhythmus sitzt geht es auch besser und schneller voran.

    Konkreter:

    • den Master fortsetzen
    • wieder „richtig“ Urlaub (Litauen?)
    • den neuen Kiez erkunden
    • das Schwimmbad im Haus dauernutzen. Irgendwann werd ich mich doch noch für so ein See-Langstreckenschwimmen anmelden.
    • die Yorck-Unlimited-Karte dauernutzen
    • das Jahr mit einem neuen Jobtitel und mehr Geld beenden
  • 26-01-01 New Years New York, New York im Yorck

    26-01-01 New Years New York, New York im Yorck

    Im Adventskalender der Seemannsmission gewannen wir „Maritime Bettwäsche“. Jetzt müssen wir diese allerdings an der Seemannsmission Brunsbüttel abholen.

    Die Töpfe wandern. Viele der Töpfe, die wir einst „erbten“, weil die Vorbesitzer sich einen Induktionsherd anschafften, geben wir als neue Induktionsherdsbenutzer jetzt selber weiter. Einige Exemplare wandern über den Umweg unserer Küche von den Eltern zur Tochter.

    Madame las einen Regency-Roman und fragte sich, wie das damals eigentlich mit den Pferdewechseln an den Kutschenstationen waren? Haben die damals einfach so die Pferde durchgetauscht und irgendjemand hat am Ende den alten Klepper abbekommen?

    Schreibe ich dieses Jahr ausnahmsweise einen Gesamt-Jahresrückblick im Blog? Vielleicht. Aber nicht jetzt. Jetzt folgt ein Zwei-Tages-Rückblick.

    Es war Silvester und Neujahr.

    Eierlikör, Marmelade, Pflaumenmus, Mandel-Marzipan

    Silvester begann am 30. Dezember abends. Wir hatten beschlossen, schon Dienstag auf die Latifundien zu fahren, auf dass wir dort am 31. Dezember mehr Tageslicht abbekommen, weil wir schon morgens anwesend sind.

    Es war spannend: Wir waren seit Ende Oktober nicht mehr auf den Latifundien. Ende Oktober hatten wir nur die Wintervorbereitung light absolviert – nicht ahnend, dass es acht Wochen mit einigen -10-Grad-Nächten dauern würde, bis wir zurückkämen.

    Es stellte sich die Frage: kämen wir überhaupt bis dorthin? Auch der 17 Jahre alte Subaru hatte in den letzten acht Wochen nur vielfach die Zwei-Kilometer-Kurzstrecke zwischen alter und neuer Berliner Wohnung zurückgelegt. Bei ausgeprägten Minustemperaturen neigte das Auto in den letzten Jahren auch zum Zicken, gerade auch seine Batterie.

    Aber: Alles ging. Der Motor zündete als wäre er neu. Der latifundale Zugang zum Wasseranschluss war seit dem letzten Frühjahr überwachsen und jetzt zugefroren, lies sich aber freilegen. Einzig ein vergessenes Gardena-Plastik-Gartenschlauchteil hat es vielleicht durchs Eis gerissen, das wäre verschmerzbar. Alle echten Autos, Leitungen und Getränkeflaschen haben alles unbeschadet überstanden.

    Madame absolvierte einen Kneipp-Tag: Nach der vormittäglichen Sauna kam nun der Bungalow mit einer Innentemperatur von 3 Grad hinzu. Aber nach diversen Stunden des Heizens wurden die Temperaturen erträglich, bis zum Silvestermorgen sogar fast angenehm.

    Es folgten am 31. mittags einige letzte Besorgungen (Das Buch Der Schwarm in die Büchertelefonzelle zurückbringen, Baguette und Pfannkuchen (Eierlikör, Marmelade, Pflaumenmus, Mandel-Marzipan) kaufen). Bei Tageslicht konnten wir noch den Grünspecht sehen, der den halben Garten umpflügte und das Rotkäppchen auf dem Zaunpfahl („Robin in the snow!„). Es folgte der lange dunkle Abend des Lesens und Chillens und Tomaten-Käsefondue und Nachbars Kinderfeuerwerk aus dem Fenster sehen.

    Es war so dunkel und so ruhig, um Mitternacht schliefen wir schon beide sanft vor uns hin, selbst durch Böller und Feuerwerk nur wenige Sekunden aus dem Schlaf gerissen.

    Back to the Ä

    Dass mein Geist langsam wieder aufnahmefähig für weitere Themen merkte ich im Bungalow. Dort fiel mein Blick auf das 800-Seiten-Monstrum „Moderne Betriebssysteme“ von Andrew S. Tanenbaum. Das ist in seiner Version von 2003 eher modern im historischen Sinn; aber die Grundlagen sind ja seit 2003 unverändert. Und vor allem: Ich hatte Lust es zu lesen und anscheinend auch wieder geistige Kapazität dafür. Das Studium kann weitergehen.

    Denn auch wenn ich es die letzten Monate komplett ignorierte: Ich studiere noch auf den Master Wirtschaftsinformartik. Und das Semester ist schon fast zu Ende. Irgendwann fiel mir auf, dass ich mich für das nächste Sommersemester Rückmelden muss, und mich voller Übermut noch dieses Semester für Klausuren anmelden kann.

    Die Online-Rückmeldung schickte mich in eine Warteschleifen:

    Die Online-Rückmeldung über den virtuellen Studienplatz ist für Sie leider nicht möglich, da Sie Ihren aktuellen Studiengang erfolgreich abgeschlossen haben. Für eine Rückmeldung mit Änderung [sic!] des Studiengangs, zum Beispiel zur Fortsetzung Ihres Studiums im Masterstudiengang oder den Wechsel in einen anderen Studiengang oder zum Akademiestudium nutzen Sie bitte den „Antrag auf Rückmeldung mit Änderung“. [sic!]

    Also füllte ich das online-PDF-Formular Antrag auf Rückmeldung mit Änderung für das Sommersemester aus. Ich kreuzte alle Module dieses Semesters als „belege ich als Wiederholer“ an (you never know) und noch zwei dazu als neu-zu-belegendes (vielleicht klappt ja auch noch etwas). Das ergibt:

    Als Wiederholer

    • Einführung in die imperative Programmierung
    • Datenstrukturen und Algorithmen
    • Digitale Diversität

    Neu

    • Einführung in die objektorientierte Programmierung1
    • Dienstleistungsmanagement

    Was genau ich davon wirklich studieren werde, entscheidet sich in den Klausuren, die ich in den nächsten Wochen vielleicht belege und vielleicht bestehe.

    I want to wake up in a city that doesn′t sleep

    Neujahrs-Abends: Ein Drama, das sich als Musical tarnt. Martin Scorseses New York, New York mit Liza Minelli und Robert de Niro im Yorck-Kino. Die dortige Kinoreihe Boulevard Noir könnte mein Liebling aller Kinoreihen der Yorck-Kinos werden.

    Eskalation!

    Man muss sich das Leben als Reaktion auf von Algorithmen geschaffene Situationen vorstellen

    Joel malte einen Leuchtturm.

    Konzert des Jahres: Eine Schweizer Partyband in Chemnitz. (Merken für mich: am 18. April in der Stadthalle Falkensee – Beispiel)

    Percy Puddletree eskaliert noch mehr (mit Fotobeweis): The same procedure

    Konstantins Tochter möchte doch nur Computerspiele spielen: Und mir immer wieder die Frage gestellt: „Kann ich nicht eine Frau waehlen?“

    Frau Zimtkringel versteht die Algorithmen nicht, die Menschen auf ihren Blog bringen:

    Nun habe ich aber gerade festgestellt, dass ein Rezept aus 2018 (!) in diesem Jahr dem Käsekuchen fast den Rang abläuft. What? Why? Ok, der magische Zauberbegriff scheint hier Airfryer zu sein. Leute, baut irgendwo den Begriff Airfryer oder Heißluftfritteuse ein und landet ein Klickwunder! Vor Zeiten habe ich mal schnelle Paprika-Antipasti aus dem Airfryer gebastelt und eben dieses uralte, pupsige 08/15-Rezept wurde in den letzten zwölf Monaten im sehr hohen fünfstelligen-Bereich aufgerufen. Echt jetzt, Leute? Warum?

    Anmerkungen

    1. Für Informatiker. „Einführung in die objektorientierte Programmierung (für Wirtschaftsinformatiker)“ habe ich schon irgendwann 2023 belegt und bestanden. ↩︎

  • 25-12-30 Mid-century Baudenkmal; nichts tropft (Baden->Berlin)

    25-12-30 Mid-century Baudenkmal; nichts tropft (Baden->Berlin)

    Süderdeich/Wesselburen gewann das traditonelle Erbsensuppenboßeln.

    In Schöneberg gab es drei Tage vor Silvester eine Explosion. Mehrere Fenster eines Wohnhauses wurden zerstört. Ein Silvester-Feuerwerks-Zusammenhang ist wahrscheinlich.

    In Lörrach wurde das Winterwohnzimmer in Betrieb genommen. In Dithmarschen ging der Kaptain vietnamesisch essen.

    Es war der Tag der Weihnachts-Rückfahrt und zwei Tage der gemächlichen Arbeit in Berlin.

    Zwei Nachträge zum letzten Blogpost.

    1. – Das Buch Toast von Nigel Slater wurde verfilmt. Dieser Film ist via Filmfriend für jede*n Nutzer*in öffentlicher Bibliotheken zugänglich.
    2. – Ich lernte am Wochenende: Museen und Gleitsichtbrillen vertragen sich nur mäßig. Denn die Brille geht davon aus, dass man berechenbar in eine Richtung und Entfernung schaut. Museen gehen davon aus, dass irgendwo Ausstellungszettel hängen, die Kunstwerke sich in verschiedenen Höhen befinden und man sie aus verschiedenen Winkeln sieht und all so. Oft genug passt die von mir gewünschte Sehsituation, und das was die Brille bietet, nicht zusammen. Ich glaub am Ende war mir leicht schwindlig.

    Langsam habe ich wieder den Eindruck in meinem Leben auch Anderes machen zu können, als nur umzuziehen. Ich löste ein Geburtstagsgeschenk ein und bin nun inhaber von Yorck Unlimited: Unbegrenzt und immer ins Kino in 14 Berliner und einem Münchner Arthouse Kino.1 Was brauche ich Streaming wenn ich Kino vor der Nase habe?

    Die langsame Normalisierung des Alltags zeigt sich auch daran, dass wir nach dem 23.12. bereits am 29.12. unseren zweiten Schwimmbadbesuch im Haus schafften. Madame wagte sich am 30. in die hauseigene Sauna. Ihr erster Besuch in einer Sauna seit 30 Jahren. Zur Vorbereitung las sie: Mein erstes Mal: Der Ratgeber für Sauna-Anfänger

    Mit Stop in Hanau, Hildesheim, Wolfsburg

    Der Zugfahrt Baden->Berlin begann mit Verhandlungen: Was kommt mit, was eher nicht? Die handgeschöpfte mundgepresste Olivenöl mit unsicherem Verschluss von Pantelleria kam mit. Die stoß- und bröckelempfindlichen guten Meringuen blieben in Südbaden.

    In der S6 zwischen Lörrach und Basel spang direkt hinter der Schweizer Grenze ein Fahrkartenkontrolleur hinter den Sitzen hervor. Das gab es noch nie! Und weil er unser Deutschlandticket nicht scannen konnte, ließ er sich wenigstens die Personalausweise zeigen.

    Der ICE372 fuhr pünktlich los. Dass der Zug erst in Basel, und nicht wie geplant in Bern (und erst recht nicht im irgendwann mal geplanten Thun, Spiez, Visp, Brig) losfuhr störte uns nicht, eher im Gegenteil: So blieben ein paar Plätze mehr frei. Der Zug fuhr überraschend entspannt durch Eis und Nebel.

    Einzig den Zugchefs gelang es gleichzweimal, mich zu erschrecken:

    1. „Der Zug fährt zwischen Basel und Frankfurt“ – wie? nach BERLIN will ich, nicht in Frankfurt stranden „… ohne gastronomisches Angebot“. Ausatmen. Leider war das Gastro-Team in Bern gestrandet und nie an Bord von ICE372 gelangt.
    2. „Wegen eines technischen Schaden am Triebwagen“ – Atemanhalt – „..ist der ICE vor uns stehengeblieben. Wir müssen eine Umleitung fahren.“ – Ausatmen.

    Sonst war es eine sehr ruhige, entspannte Fahrt. Unsere Prognose der Mitreisenden (Madame „Silvesterfeiernde auf dem Weg nach Berlin“, ich: „Familien mit vielen Kindern und Koffern, die sonst nie Bahn fahren“) lagen beide daneben. Es war (zumindest in der 1. Klasse) der Tag der solo rückreisenden älteren Verwandten. Und bis kurz vor Spandau waren wir sogar überpünktlich. Nur der defekte ICE vor uns brachte noch ein wenig Verspätung ein.

    Sonst wäre es auch unheimlich geworden.

    Abends über fast-noch-glatte Wege ins Tulum, Burritos und Enchiladas vergleichen. Am Nachbartisch Gespräche über Zugfahren in die Schweiz. Auch wenn es meinem Selbstbild noch widerspricht: Offenbar sind wir wirklich mehr Wilmersdorf als Schöneberg.

    Löcher kommen, Löcher gehen

    Manchmal entstehen Gedankenverbindungen schrittweise. Wir waren im Jean-Tinguely-Museum. Tinguelys prägende Phase war zwischen 1955 und 1975. Und ich dachte erst: Mid-century! Und dann dachte ich „Er war in derselben Zeit aktiv, in der unsere Wohnung entstand!“ Dann kombinierte ich beide Gedanken und dachte „Wow, wir wohnen in einem Mid-Century Baudenkmal!“ Denn wir wohnen nicht nur im Schwimmbad, sondern auch im Baudenkmal; dürfen aber glücklicherweise trotzdem Löcher in die Wand bohren.

    Bohren ist auch nötig. Denn noch liegen und stehen eine ganze Menge Regale und Bilder auf der Erde, die eigentlich an die Wände gehören. Eine Wand des Kaminzimmers erwies sich als Bohr-Horror: Denn auf der anderen Seite liegen die diverse Steckdosen der Küche, es läuft ein Datenkabel durch die Wand und die Kabel der Schrankleuchten laufen direkt hinter der Wand. Das Strommessgerät piept sich von Aufregung zu Aufregung. Wir entschieden uns am Ende für ein Bild statt der Hängeregale: Ein Bohrloch war machbar, 16 Bohrlöcher in vorgegebenen Abständen hätten meine Nerven nicht ertragen.

    Das Bild hängt. Aller Strom fließt weiterhin. Noch wichtiger aber: Das Wasser fließt.

    Seit dem 30. Dezember 2025 ist erstmals die komplette Küche in Wilmersdorf einsatzfähig. Die Vermieterin hatte an diesem Brückentag der Brückentage eine Sanitärfirma aufgetrieben, die das tropfende Ventil in der Küche reparierte. Und damit sind erstmals alle Geräte angeschlossen und gleichzeitig alle Rohre und Ventile dicht. Halleluja!

    E-Auto, Pokemon-Karten

    Warum man keine Wallbox mehr braucht

    Ulrich versucht die umfassende Energiewende im Privaten: Moderne Zeiten

    Astrids ultimative Lobhudelei auf öffentliche Bibliotheken: Bibliotheksliebe: Kaufst du noch oder leihst du schon? (via maipenquynh)

    Eine unsere Weihnachtsfeiern musste kurzfristig den Ort wechseln, weil der Zugangsweg noch durch die Feuerwehr belegt war. Uschi hat mehr Hintergründe: Grossbrand in Lörrach

    Wenn ich denke „alle irr“, dann lese ich nochmal Readinginswedens Erlebnisse als Buchhändlerin in den letzten Tagen vor Weihnachten und denke „so schlimm ist es bei mir gar nicht“: 26.12.2025 Heizungstage

    Manchmal muss ich Bücher auch gar nicht lesen, sondern fühle mich durch die Rezension allumfassend informiert: Ganzheitliches Leiden – „Junge Frau mit Katze“ von Daniela Dröscher

    Ein epischer Post über Drucksystem-Keyboards, Linotype, Monotype und alles dazwischen. Wenn selbst der Autor eines Buchs über Keyboards sagt, das ihn das Thema überfordert. Shift happens: New in the collection, pt. 5: New Hermes NHI 810

    Anmerkungen

    1. Okay, ob es mir gelingt im nächsten Jahr in die City Kinos München zu kommen. I do not know. Aber alle 14 Berliner Kinos – das wäre doch ein Ziel ↩︎
  • 25-12-28 Teatime mit Lemon Drizzle Cake und Eiersandwich (Baden/Basel)

    25-12-28 Teatime mit Lemon Drizzle Cake und Eiersandwich (Baden/Basel)

    Ein Krähenschwarm wohnt in Lörrach-Zentrum. Falls mensch sie ausnahmsweise nicht sieht, dann sind sie zu hören. Fast schon möchte ich in Hitchcock-Anleihen Die Krähen schreiben.

    Beim Zähneputzen aus dem Fenster geschaut. Dabei eine Amsel, eine Kohlmeise und einen Grünfink gesehen, so wie den Vogel der aussah wie ein Eichelhäher, nur dass er halt braun war.

    Es war die zweite Weihnachtshälfte im Markgräflerland.

    In der Badischen Zeitung stand ein Silvestertipp „Türen und Fenster geschlossen halten, damit keine Rakete ins Zimmer fliegt“ und ich kann nur sagen „Ha!“. Wie wir letztes Jahr bewiesen bekamen, kann eine Rakete auch ein geschlossenes Fenster durchschlagen, um dann neben dem Geschenkpapierstapel zu explodieren. Gerade an Silvester freuen wir uns sehr, zwei Kilometer Abstand zwischen uns und die Kugelbombengegend gebracht zu haben.

    Madame hatte Klassentreffen, und sie erfuhr: Es gibt die Mittwochs-Wandergruppe der ehemaligen Lateinlehrer ihres Gymnasiums. Außerdem erhöhten wir die Zahl der persönlichen Kontakte ins Dota-Umfeld auf zwei.

    Steak Diane und Krabbencocktail

    Ausgelesen: Nigel Slaters Toast. Ein wirklich großes Buch. Slater erzählt in Episoden, verankert in Mahlzeiten und Essen von Süßigkeiten bis zu Steak Diane die Geschichte seines schwierigen Aufwachsens. Ich bin beeindruckt, wie die Erzählperspektive wechselt vom episodischen, unverbundenen Erzählen der Kindheitserinnerungen bis zum stärker analytischen und durchdrungeneren der Episoden als jugendlicher und Jungerwachsener.

    Ich war gerührt. Ich lernte viel über britisches Essen der 1960er und 1970er. Und ich begann beim Essen einen inneren Nigel Slater und dessen Meinung zum Essen zu hören.

    Wortspiel mit Herleitung

    In Dänischen ist das Wort für Vater far und das Wort für Mutter mor. Die Großeltern beziehungsweise ihre Bezeichnungen lassen sich dann wie Lego zusammensetzen. Die farmor ist die Vater-Mutter, also die Großmutter väterlicherseits, der morfar der Mutter-Vater, also der Großvater mütterlicherseits. Farfar und mormor gibt es natürlich auch.

    Leider lässt sich das in korrektem Dänisch nicht immer so weiterführen. Aber niemand hier spricht Dänisch, also ist das auch egal. Wissend, dass die Nichte die niece ist (zwei Nichten sind niecer) ist und die Gattin die hustru

    • trafen wir am ersten Weihnachtstag zwei Hustrumorniecer
    • und am zweiten Weihnachtstag eine Hustrufarniece

    oder anders gesagt: verschiedenen Cousinen von Madame.

    Creme fraiche als clotted-cream-Ersatz

    Am Zweiten Weihnachtstag (Freitag) kamen Hustrafarniece und ihr Mann, der Hustrufarnieceaegtemand. Sie waren zum Kaffee angesagt. Aber Madame fiel rechtzeitig auf, dass die beiden gar keinen Kaffee trinken. Dann gab es Tee, und wo wir schon dabei waren, eine kleine britische Tea Time:

    • Scones in süß und mit Käse
    • Eier- Gurken- und Krabbensandwiches
    • Lemon Drizzle Cake

    Und natürlich jede Menge Tee. Neben des üblichen Rundgangs durch alle Verwandten und das im März geplante Familienfest, ging es auch um buddhistische koreanische Beerdigungen („ich hab einfach immer gemacht, was mir gesagt wurde, was ich machen soll“) und die Frage, was die Unterscheidung zwischen Schweizer Käse, Bergkäse und Alpkäse ist und wann ein Rösti sich von einem Rösti in einen Backofen-Kürbisbratling verwandelt.

    Auch erfahren: in Baden (Schweiz) und Ennetbaden (da-drüben-Baden) bei Baden existieren jeweils Bagni populare, zum Baden geeignete öffentliche Brunnen, die durch die örtlichen Thermalquellen gefüllt werden. („Ach, und die werden im Winter geheizt?“ – „Gefkühlt! Das Wasser hat 47 Grad.“).

    Wie immer ein sehr schöner bereichernder intellektueller Rundgang mit den beiden durch die Welt.

    Ennetbasel

    Damit waren alle vor Ort erreichbaren Verwandten durchgetroffen. Ein halber Tag zum individuellen Entertainment blieb. Dieser führte fast zu Besuch bei einer bekannten bayerisch-schweizer Bloggerin, soweit ich weiss landeten wir auf dem Roche-Werksgelände. Aber erst ging mit der S6 zum Badischen Bahnhof, und dann eine faszinierende Gegend entlang der Schwarzwaldallee durch Kleinbasel / Ennetbasel – also das Basel auf der „falschen Seite“ des Rheins.

    Eine Ecke zwischen Bahnhof, Rheinufer und Stadtautobahn, eigentlich so urban und voll wie nur irgend sein kann, und trotzdem hießen Orte Sandgrube, Vogelsangweglein oder Ziegeleihof. Die Gebäude waren entweder ziemlich neu, große Wände, die das dahinter gegen die Autobahn abschirmten oder sie sahen aus wie Siedlungen in London oder in Berlin, die Anfang des 20. Jahrhunderts in den besseren Gegend als bürgerlicher Wohngegend im Grünen angelegt wurden. Nur dass „das Grüne“ selbst damals eigentlich nicht zwischen Bahnhof und Industriehäfen lag.

    Ein wenig Recherche erbrachte die Landgüter Sandgrube und Solitude, ehemals landwirtschaftlich genutzte Flächen außerhalb Kleinbasels, die im 18. Jahrhundert in herrschaftliche Landsitze umgebaut wurden. Und es ist spannend. Denn selbst jetzt inmitten von Autobahn, Bahnhof und Chemieindustrie sieht die Gegend so aus, dass ich in 10 Minuten denke „Landsitz im Grünen“.

    Solitude gehörte der Familie Hoffmann, die in die Familie La Roche heiratete, woraus der Pharmaziekonzern Hoffmann-La Roche hervorging. Heute heißt er Roche, hat zwei bekannte Türme in Basel gebaut, in denen einen bekannte Bloggerin arbeitet. Und am Rande des Solitude/Roche-Geländes wiederum steht das Ziel unserer Reise: das Museum Tinguely – a cultural commitment of Roche

    Es rauscht und knattert

    Der Bildhauer/Aktionskünstler/Bastler/Schrottkünstler Jean Tinguely begleitet uns durch dieses Jahr. Letztes Jahr zu Silvester unbewusst, denn Niki de Sant Phalle, deren Grotte wir sahen, und Tinguely gehören eng zusammen. Im März sahen wir einen Film über Niki, nicht ohne lange Auftritte von Tinguely. Im Oktober schließlich waren wir in der Pontus Hulten/Niki de Sant Phalle/Jean Tinguely-Ausstellung im Pariser Grand Palais – und nun der Basler heimatberechtigte Tinguely fast alleine.

    Verkürzt zusammengefasst: Tinguely baute Maschinen. Maschinen, die „frei“ waren, weil sie keine Arbeit verrichteten, sondern sich einfach bewegten. Oft knattern, scheppern und klingeln sie. Manchmal zerstören sie sich selber. Manchmal machen sie Musik, manchmal malen sie. Oft machen sie gar nichts.

    Das Museum sammelt diese Maschinen, stellt sie aus und bringt sie – Alptaum jedes Museums-Konservators – in Bewegung. Von frühen kleinen Werken, bewegter Abstraktion auf kleinem Raum, bis zu zur 17 Meter langen Grosse Méta-Maxi-Maxi-Utopia. Mir komplett neu war seine Faszination für den Autorennsport, einschließlich des Tryptichons Lola T. 180 – Mémorial pour Joakim B. aus zwei Lola-Rennwagen, Schädeln, Knochen und Reifenteilen.

    Das Museum bietet zwei Möglichkeiten: Einfach nur die Maschinen anstaunen. Oder in den kabinettartigen Teilen noch viel zur Geschichte und Theorie dahinter lernen.

    Schädel, Möhren und ein kleines Krönchen

    Tinguelys Tryptichon in Aktion

    Bester Weihnachtsbaum bei Nic.

    Auch Thermomix bietet seinen Nutzern einen Jahresrückblick an. Christian zum Beispiel hat 71 verschiedene Rezepte mit 299 Zutaten gekocht. Lieblingszutat: Möhren.

    Seit Wochen schleiche ich um Sehnsucht in Sangerhausen herum, überlege ich drei Stunden (mit drumherum) meines Lebens in diesen Film investieren soll. André hilft bei der Entscheidungsfindung: Kinotagebuch: Sehnsucht in Sangerhausen (2025) – Bresson, Kiarostami, Novalis, Radlmeier

    Legende oder Geschichte: Der Lauch-Schlitzer!

    Es gibt nämlich seit einer Weile schon eine Frau, die meistens ein kleine Krone trägt, die sich heimlich in die Theater schleicht. Sie ist inzwischen bekannt in der Region, denn sie hat es schon in Nancy, in Metz bis hin nach Straßburg versucht. Sie gibt sich als bekannte Opernsängerin aus und sie müsste unbedingt auf der Bühne proben. Sie hat es in Luxemburg sogar geschafft, dass sie eine ganze Nacht in einer Loge verbrachte und dort auf dem Sofa schlief.

  • 25-03-27 19 x 0- (14,1)

    25-03-27 19 x 0- (14,1)

    Büsum feiert Jubiläum: 125 Jahre Wattenlaufen mit Musik.

    Am Kaiser-Richard-Platz eröffnet ein neues Nagelstudio. Ich versuche, mich daran zu erinnern, was dort vorher war: KfZ-Sachverständigenbüro?

    Orange.the.fruit.dude möchte sich mit mir auf Discord anfreunden. Das wirkt vertrauenswürdiger als 90% der LinkedIn-Teilnehmer.

    Auf dem Balkon Scherben und Taubeneier.

    Seit Tagen vergessen wir Schwarztee zu kaufen und trinken zwangsweise Ingwer-Guacamole-Bockshornklee-Tee. Als ich beim Umstieg von Arbeitsbus auf Blutspendebus an Istanbul Supermarket vorbeilief, machte es endlich mal zur richtigen Zeit „dringelingeling“ im Hirn und ich ging zum Teeregal. Wer winkte mir freundlich entgegen: Madame.

    Madame klärte mich auf über das Tagesgeschehen auf: Die laut Zeit „Schlimmste Schule Deutschlands“, liegt zwar in Laufweite. Eigentlich ist ihre direkte Umgebung, und ihr potenzielles Einzugsgebiet, sehr viel puschliger als direkt um unsere Wohnung herum. Aber die Schule besuchen gar nicht die Kinder, die dort wohnen.

    Aus Gründen hat die Schule ihr gesamtes natürliches Klientel verloren. Dort landen nur noch Schüler*innen, die anderswo gar nicht erst genommen wurden oder rausgeflogen sind. Und die echten Schüler*innen müssen dann noch jeden Tag stundenlang quer durch Berlin anreisen. Ich würde jetzt mal behaupten, die Schulprobleme haben am wenigsten damit zu tun, wie die Schule intern organisiert ist.

    Es sind Fernuni-entspannte Zeiten. Auch alle Feiertage und Urlaube liegen noch ein Stück entfernt. Zeit für das andere Pflichtprogramm wie Zahnarzt und Blutspende.

    Auf dem Weg zur Zahnärtzin passiere ich das Kugelbombenhaus. Immer noch sind dort gerade Glaser aktiv. Wenig später lese ich von heutigen Razzien mit 150 Polizit*innen zum Thema.

    Geben und Nehmen 1

    Sie gaben Häckerle und nahmen Blut. Das DRK zählt mich inzwischen bei Blutspende 19. Obwohl zwischen den einzelnen Terminen Wochen oder Monate liegen, habe ich langsam den Eindruck, ich werde wiedererkannt.

    Also wieder nach Arbeit mit dem M85 nach Süden gefahren; an der Schloßstraße die immerwährende Querdenkerdemo passiert und bis zum Klinikum Benjamin Franklin gefahren. Offenbar gab es viele kurzfristige Absagen: So leer war es dort noch nie. So schnell kam ich noch nie durch.

    Kaum hatte ich den Zettel ausgefüllt (nein, immer noch keine Tattoos, ja immer noch langer außereuropäischer Auslandsaufenthalt 1993, nein, keine Zahreingung in den letzten Tagen) saß ich auch schon beim Arzt, ließ Temperatur, Blutdruck und Eisengehalt im Blut messen. Adern und Krankenschwester verstanden sich diesmal auch deutlich besser als oft – alles ein Träumchen.

    Schließlich saß ich allein am Häckerle-Buffet und konnte mich verwöhnen lassen.

    Und weil ich so schnell war, hielt ich auf dem Rückweg noch an der Schloßstraße an, Kreuzkümmel und anderes kaufen.

    Es war eine gute Gelegenheit, die Querdenkerdemo näher zu besichtigen. Sie ließen ein Art Podcast laufen zu Corona – ich glaube derselbe wie jede Woche. Die Plakate wabern immer mehr ins Unkonkrete. Teilweise sind sie unverständlich (irgendwas mit Julia Klöckner) teilweise noch unverständlicher (Selensky go home!). Ich beobachte die Verwandlung einer die-Corona-Maßnahmen-sind-uns-zu-heftig-Demo in eine Neonazi-Demo in Superzeitlupe über mehrere Jahre.

    Rein persönlich scheint den Demonstrant*innen das ganze übrigens auch nicht gut zu tun. Wirkten die am Anfang wie halt so leicht irres Bildungsbürgertum aus dem reichen Südwesten Berlins, sind sie inzwischen in einem Zustand, in dem man spontan Hilfe anbieten würde, wenn man sie (ohne Plakate) auf der Straße trifft.

    Geben und Nehmen 2

    Sie gab Zahnpolitur und nahm per Sandstrahler etwas von den Zähnen. Die Uni-Urlaubs-Feiertagsfreie Zeit eignet sich für Sonstiges. Und so lagen Blutspende und Zahnprophlaxe innerhalb einer Woche. (Und natürlich erst Blut, dann Zahn, weil sonst Komplikationen).

    Der BVG-Streik vereinfachte die Wahl des Verkehrsmittels: Fahrrad.

    Anscheinend hat sich das medizinische Personal diese Woche abgesprochen: Es ging schnell, flüssig und voller Lob wie selten. Und wo wir schon mal alle schnell durch waren und gute Laune hatten, überlegten wir schnell und konstruktiv an einer schon länger währenden Unbequemlichkeit herum.

    So schnell hatte ich die Praxis wieder verlassen, und war zurück beim Gefährt, dass ich fast aus lauter Überschwang gleich am Kaiser-Richard-Platz Kreuzkümmel gekauft hätte.

    Hauptsache soft

    Der Zahnärztin-Termin versprach zwar unkompliziert zu werden. Aber ich freute mich, dass ich für alle Fälle in Vorbereitung schon mal Ilkas Zahn-OP-freundlichen Mahlzeiten nachlesen konnte: Kein Shepherd’s Pie und Dal-Suppe. Nur die pürierte Nudelsuppe klang jetzt nicht ganz so lecker. Von mir gute Besserung!

  • 25-01-12 Wie kann ich Salat verkaufen?

    25-01-12 Wie kann ich Salat verkaufen?

    Die Autobahn Gmbh des Bundes beginnt, die Dauerbeleuchtung der Berliner Stadtautobahn abzuschalten. Ich warte darauf, dass Matthias Döpfner sich an der Rudolph-Wissel-Brücke festkettet.

    Dafür beschloss jemand, unsere Treppenhausbeleuchtung auf Dauerbetrieb zu stellen. Aus Gewohnheit drücke ich trotzdem bei jedem zweiten Treppenhausgang den Lichtschalter.

    Auch aus Gewohnheit wollte ich in den Südkreuz Offices wieder die Treppe nehmen. Aber ein hilfreicher Kollege erinnerte mich an die guten Vorsätze – also nahm ich brav den Fahrstuhl.

    Der Fahrradmeister kehrt am 20. Januar aus dem Urlaub zurück. Am 17. Januar beginnt die BVG zu streiken. Vermutlich darf ich mich mit gestrandeten BVG-Nutzern und deren ausgebuddelten Kellergefährten um Reparaturtermine für das malade Fahrrad streiten.

    Madame empfiehlt die vierte Staffel der dänischen Fernsehserie Borgen, um die politische Situation Grönlands zu verstehen. Die Staffel dreht sich um genau um das Thema Grönland und die Dänen – und wenige andere fiktionale Formate sind derart genau und präzise wenn es darum geht, echte Politik in ihrem Ablauf zu schildern.

    Dumpfe Geräusche gehen des Nachts vom Haus aus. Ich vermute, Schnee rutscht von der Dachersatzplane hinab, um auf Gerüst, Nebenhaus oder Hof zu fallen. Ich versuche die Geräusche nicht allzu beunruhigend zu finden und freue mich über die schneefreie Wettervorhersage der nächsten Tage.

    Nachbar 3L hat sich entschieden, seine eigene Wohnung zu kaufen. Einerseits keine schlechte Idee. Andererseits habe ich immer die Worte des ehemaligen Hausmeisters im Ohr „Abreissen! Alles abreissen! Das Haus ist nicht mehr zu retten!“.

    Madame unterhielt sich mit einer Bekannten, die in Schöneberg auf halber Strecke zwischen uns und dem Kugelbombenhaus wohnt. Sie berichtete von einer Art Osterfeuer in der Silvesternacht direkt vor ihrem Erdgeschoss-Fenster – improvisiert aus Mülltonnen und dem was die Freunde des rabiaten Silvesterfestes so fanden. Am Ende brannte das Osterfeuer alleine, weil die Freunde des Böllerns weiterzogen. Dieselbe Bekannte verbringt seit Jahren Silvester in Berlin, weil sie das Gefühl hat, auf ihre Wohnung aufpassen zu müssen.

    Mein Arbeitgeber investiert Geld, schickt mir (und vermutlich allen anderen Angestellten) per Briefpost eine Aufforderung, sich als Wahlhelfer zu registrieren. Ich bin kurz davor zurückzuschreiben „Bin ich doch schon längst!“ Aber das bringt mir auch nichts.

    Eine halbe Stunde Meditation und Musik

    Berlin ist überraschend. Entdeckte ich noch letzte Woche das Pop-Art-Brutalismus Wunderwerk U-Bahnhof-Schloßstraße, fand Madame den Noonsong in der Kirche am Hohenzollernplatz.

    Der Evensong ist in der anglikanischen Kirche eine gesungene Form des Abendgottesdienstes, der in größeren Kirchen meist als Choral Evensong, also als größtenteils vom Chor gesungener Gottesdienst ausgeführt wird. Bei jedem Aufenthalt in Großbritannien ein empfehlenswertes Erlebnis.

    Nach 16 Jahren in Berlin entdeckt: Es gibt einen Noonsong – also einen samstäglichen evangelischen Mittagsgottesdienst mit gesungener Liturgie – zeitlich passend zum Markt vor der Kirche und gesungen von Profisängern. Es bedurfte 697 Durchführungen bevor wir ihn entdeckten.

    Überraschend: Obwohl die Veranstaltung alle Pflichtelemente der evangelischen Liturgie umfasste, gilt sie anscheinend nicht als Gottesdienst. Angekündigt wird sie als „Meditation und Musik.“

    Beeindruckende Veranstaltung – beeindruckende Kirche. Leider ohne mich, denn ich bastelte an Folien.

    Geistig umschalten

    Hagen, die Metropole Südwestfalens, ist spannend. Ich glaube, ich habe in meinem Leben noch keine derart autogerechte Stadt erlebt. Und das sage ich als gebürtiger Hannoveraner.

    Obwohl ich mit ÖPNV anreisen werde, freue ich mich auf die Stadt. Irgendwie clickte es beim letzten mal, und ich hatte mich in all ihrer Seltsamkeit in „das Tor zum Sauerland“ verliebt.

    Aber die Welt schickt mich nicht nur zum Vergnügen nach Hagen. Vorher muss ich das Uni-Seminar „Angewandte Optimierung“ mit meinem Vortrag „Sensitivitätsanalyse des Begrenzungsvektors“ bestehen.

    Ich versuche, mich geistig neu zu arrangieren. Nach Weihnachten in Dithmarschen, Silvester in Hannover und der letzten intensiven Arbeitswoche, versuche ich mich voll in die gedankliche Welt „Uniseminar in Hagen“ zu werfen. Es knirscht im gedanklichen Gebälk.1 Aber es wird.

    Schritt 1: Meine Seminararbeit in Folien packen und dabei die Hinweise des Lehrstuhls berücksichtigen. Irgendwie hilf- aber auch arbeitsreich: „In Tabelle 2.2 ist ein Tippfehler“ oder „Überprüfen sie nochmal die Ergebnisse in Gleichung 3.7.“

    Das verspricht noch einige Arbeit, deren Ergebnis am Ende vermutlich eine geänderte Ziffer irgendwo in der Tabelle sein wird.

    Dabei überlegen: Stelle ich alles unter das plakative Motto „Wie kann ich Salat verkaufen“? Das wird vermutlich Anschaulichkeit und Erinnerungswert des Vortrags erhöhen. Aber vielleicht senkt es das Vertrauen in die mathematisch-wirtschaftswissenschaftliche Seriösität des Vortragenden.

    Aber, da es mein Vortrag ist, werde ich ihn natürlich unter das Motto stellen.

    Schritt 2: Die eigentliche Reise nach Hagen vorbereiten – insbesondere mich selbst koordinieren wann ich mit welchem Material wo sein muss. Ich fange damit an, dass ich die Präsentation in mindestens drei Kopien dabei haben möchte. Ich behalte im Hinterkopf, dass die Bildungsherberge, die mich beherbergen wird, am Ende der Welt liegt und ich ferienwohnungsartig selbst für mein Frühstück sorgen muss.

    Noch weiter verbuddelt im Hinterkopf beginne ich auch schon innerlich den eigentlichen Vortrag vorzubereiten. Dafür benötige ich immerhin kein Material und kann das auch im Zug oder in der Herberge fortsetzen.

    Gute Sache: Ich bin der allererste Vorturner im Seminar-Programm. Das heißt, ich bin im Mittwoch Vormittag durch und kann danach bis Samstag Spaß am Seminar und in Hagen haben.

    Madame, die ja unter anderem „Selbstorgansation während des Studiums“ unterrichtet, empfiehlt als Vortragsvorbereitung Mai Thi Nguyen-Kims Vortrag So hältst du einen guten Vortrag. Ich schließe mich dem an.

    The State of Wikipedia

    Zwischen Arbeitsmodus und Unimodus hatte die Welt in Form von Madame einen Wikipedia-Stammtisch angesetzt. Wieder in der Resonanz, wieder in kleiner Runde und wieder extrem angenehm.

    Thema: Sekundärzitäte und deren Problematik.

    Thema: Als Elter möchte man nicht im Berlin in der Kneipe sitzen und dann von zu Hause aus Potsdam die Nachricht kriegen „Wo ist der Verbandskasten?“ Immerhin verlief alles glimpflich. Es war eine Blutwunde, aber keine schlimme.

    Thema: Ein eisiger Wind zieht auf. Die Heritage Foundation (der Trump-nahe Think Tank) versucht den feuchten Traum jeglicher Diktatoren und Faschisten zu erfüllen: Anonyme Wikipedia-Autor*innen aufspüren und öffentlich machen, die ungenehmes Schreiben. Leider wird eine Bewegung, die sich im Umfeld von Elon Musk, Peter Thiel und den Tech-Mogulen from hell bewegt, sowohl das Geld wie auch die technische Expertise haben, um das umzusetzen.

    Wir fragen uns, ob Wikimedia dem etwas entgegensetzen kann. Die Organisationen haben soviel Geld und Mitarbeiter wie – aber auch so wenig Ahnung von der Wikipedia wie es jeden Außenstehenden erschüttern würde.

    Merken: Die heiße Zitrone ist echt lecker.

    Wir sind keine 80 mehr

    Die American Mathematical Society veröffentlicht einen Artikel: An der Wikipedia mitmachen für Mathematiker. (Princ-wiki-a Mathematica: Wikipedia Editing and Mathematics)

    In Friedberg (Hessen) erfand sich ein Jugendstil-Hallenbad als Theater wieder.

    Wie es der Zugbegleiterin ergeht, wenn sich Menschen vor den Zug stürzen. Hauptaufgabe: Verhindern, dass die Menschen im Zug am Rad drehen: Samstagsplausch 25/2 „Schattenseiten“

    Alle 56 Parteien, die an der Bundestagswahl teilnehmen möchten. Die müssen noch vom Bundeswahlleiter zugelassen werden. Bei der DÖNER-Partei oder der iNSDAP sehe ich wenig Chancen. (via mthie)

    Christa Chorherr kann schreiben Wir sind keine 80 mehr, geht aber noch mit den Enkeln in neumodische Restaurants.

    1. Etwas blöd, dass ich Montag keinen Urlaub genommen habe, und die ganzen Arbeitsgedanken noch nicht ganz so weit aus den aktiven Hirnregionen schieben kann, wie ich gerade gerne würde. ↩︎
  • 25-01-05 Ab jetzt auch Alkohol erhältlich

    25-01-05 Ab jetzt auch Alkohol erhältlich

    Draparnaldia erecta ist Alge des Jahres 2025.

    McBrikett stellt den Betrieb ein, und ich frage mich, was die besten aller denkbaren Grillbriketts ersetzen soll? Ich muss beim Grillsportverein suchen, denn das Problem werden viele haben.

    Im Dithmarscher Garten steht eine Ladung Kohlosseums-Sauerkraut. Besser wäre es, diese wäre mit mir in die Berliner Wohnung gereist.

    Ich bin zurück in Berlin, versuche Reste von Weihnachten und Silvester zu verräumen, beginne langsam mir Gedanken, um das Fernuni-Seminar und meinen Vortrag zu machen. Noch 10 Tage Tage.

    Ein letztes verwirrtes Paket ist übrig. Das nahm ich in einem Moment der Unaufmerksamkeit für eine unbekannte Nachbarin entgegen. Vermutlich aus dem Hinter- oder Nebenhaus. Aber auch dort steht der entsprechende Name auf keiner Klingel. Wir überlegen, ihr eine Postkarte zu schreiben, dass wir das Paket haben – aber fürchten, die Postkarte wird auch im Nirvana landen.

    Ich staune, wieviel Geld ich einem Sanitärbetrieb dafür zahlen soll, dass er das Verstopfungsproblem nicht lösen konnte.

    Auf einem Schöneberg-Spaziergang sehen ein wir grellpinkes Poster eines Süßigkeiten-Shops. Darauf mit Klebeband befestigt ein ausgedruckter Zettel „Jetzt auch Alkohol erhältlich!“

    Okay.

    Spiegel online titelt „Chefin der Grünen Jugend entschuldigt sich für Kommentar über Männer mit Böllerverletzungen“. Ich lese den Artikel gar nicht erst, kenne den Kommentar nicht, gehe aber davon aus, dass sie Recht gehabt haben wird.

    Als hätte Silvester nicht gereicht, sahen wir gestern Nacht einen Rettungshubschrauber in der Nachbarschaft landen. Angesichts der Zirkelei, die dafür nötig ist, muss es wirklich dringend gewesen sein. Lese heute im Tagesspiegel nach: „Mann hatte Auseinandersetzung mit Frau. Als die Polizei kam, hatet er seine Kleidung mit brennbarer Flüssigkeit getränkt. Als die Polizei die Wohnung betrat, hat er sich selbst angezündet, ist auf die Polizisten zugelaufen und hat an deren Schutzkleidung gezerrt.

    Stoff aus dem Alpträume sind.

    Silvester in Berlin

    Zurück in der Wohnung bestaune ich regelmäßig die Explosionsspuren, die die Silvesterrakete IN UNSEREM WOHNZIMMER hinterlassen hat, und denke regelmäßig „Meine Güte. Das war knapp mit dem Wohnungsbrand“.

    Währenddessen lese ich andere Silvesterberichte aus Berlin:

    Um 22 Uhr gehen wir mit unserem Kinderfeuerwerk vor die Türe, sind aber nach nicht mal 10 Minuten wieder zu Hause, weil auf unseren Straßen gefühlt die Welt untergeht und die Kinder sich damit extrem unwohl fühlen. Schon am Morgen haben wir zwei ausgebrannte Autos vor unseren Türen wiedergefunden. (Heldenhaushalt: Unsere ersten Wochenlieblinge im neuen Jahr 01/2025)

    Bei Nachbars hats gebrannt, brannt, brannt. Habe ich mir nicht ausgedacht. Per gezielter Silvesterrakete wurde ein Balkonbrand ausgelöst. … Unser Briefkasten wurde außerdem per Böller kaputtgesprengt, im Schrebergarten um die Ecke eine Hecke abgefackelt. (Readinginsweden: 4.1.2024 Warum?)

    Kurz nachdem wir bei den Nachbarn waren, klingelte Frau Casino, die auch eingeladen war, mich an. Sie komme nicht an unser Haus heran. Vor dem Haus würde es brennen. Ich verstand nicht, wovon wie sprach. Dann gingen wir alle zum Fenster und sahen die Flammen und die Feuerwehr. Drei Autos standen in Brand. (mequito: [Di, 31.12.2024 – the purge])

    Nordseeoffice

    Nach Plan werde ich im Jahr 2025 etwas mehr Flexibilität in der Arbeit haben als bisher. Ich hoffe es klappt. Am Donnerstag/Freitag erfolgte ein erster Test unter erleichterten die-Hälfte-ist-noch-im-Urlaub-Bedingungen, ob Nordsee-Office funktioniert.

    Im Prinzip ja: Nur der Versuch, auf einem Laptopbildschirm gleichzeitig auf einem Server und bei einem User aufgeschaltet zu sein, und dann auf dem eigenen Laptop noch etwas zu finden, war herausfordernd.

    Wir haben gemütliche Abende auf dem Sofa mit dem Airfryer und einfach so chillen.

    Auf der Rückfahrt in Eile. Der Wetterbericht hatte größere Schneefälle in Norddeutschland angekündigt. Diesen wäre ich gerne entkommen. Aus dem Auto sah ich die schwarz-rosa Wolken mit Niederschlag, der bis zur Erde reichte. Erfreulicherweise immer einige Kilometer entfernt. Bis Hamburg lag Schnee – aber immer neben der Straße.

    Zwischenstopp bei McDonalds. Ich versuche den Betrieb zu trollen, indem ich den McPlant-Burger UND den Salat bestelle. Sei Salat im Getriebe und versuche mit unorthodox-überraschenden Bestellungen den Prozess durcheinander zu bringen. Noch besser übrigens: Mehrwegbecher. Die Pfand-Zurückgabe ist so komplex, dass McD damit einfach Verlust machen muss.

    Berlin

    Der andere Grund für eine eilige Rückkehr war Besuch. Frau elIncognito war gekommen für ein Wochenende in Berlin. Nach abendlichem Quatschen liefen wir am Samstag kreuz und quer durch Schöneberg.

    Wir zeigten lokale Sehenswürdigkeiten: das Kugelbombenhaus (mehrere Glaserwagen standen davor, waren auch am Wochenende im Einsatz), die Stauden-Resterampe, den türkischen Edelsupermarkt, den griechischen Supermarkt, den afghanischen Supermarkt und die Afghan Bakery. Ab diesem Wochenende wird el mit einem Berliner BVG-Deutschlandticket durch München fahren.

    Nachmittags Neukölln. Fast wären wir in das Jemenistische Restaurant gegangen. Es sah einladend aus und roch phantastisch. Aber wir waren nicht die einzigen mit der Idee: Alles voll. Wir gelangten dorthin nach dem Stadtbad.

    Das Stadtbad Neukölln. Eines der prächtigsten Bäder der Stadt in all seiner wilhelminischen Glorie. Da nur die Kleine Halle offen war, gingen wir in diese. Das Becken angenehm leer. Wir konnten Bahnen schwimmen, dieser waren aber kurz. Und wir konnten das prachtvolle Bad bewundern.

    In der Kabine fragte mich ein englischer Muttersprachler nach deutschen Schwimmbadbräuchen. „Can I take the towel inside? Or is there a social norm against it?“ Bei einem schwimmbadfreudigen Soziologen einen gefährliche Frage. Don’t get me started about social norms. Aber ich beschränkte mich auf ein Ja und gute Wünsche für’s Schwimmen.

    Auch Weinnachtsbäume brennen

    Blogleserisch finde ich es wirklich misslich, dass alle gleichzeitig Jahresrückblicke posten. Wer soll die denn lesen? Wie wäre es, jede*r bekommt eine Jahreswoche zugelost, an der der persönliche Rückblick und Ausblick geschrieben wird?

    Nicht nur Silvester. Auch Weihnachten: Nachdem im Januar meine Ex-Schwiegermutter in spe mit dem Weihnachtsbaum und dem halben Haus verbrannt ist und der Ex-Schwiegervater in spe wochenlang im Krankenhaus liegen musste, kann ich nur sagen: So etwas im nahen Umfeld zu erleben, das ist eine Zäsur.

    Schöner. Weihnachtsmarkt in Basel und Lörrach und Matisse-Ausstellung in Riehen.

    Ich nutze die Gelegenheit, noch einmal poupous Matisse-Ausstellungs-Bericht zu posten: Riehen/Basel: Fondation Beyeler: Matisse. Einladung zur Reise

    Kellerkind wird in einer evangelische Kirche zu viel gepredigt.

    Wie wäre es mal mit Entrecôte double Café de Paris? Das klingt nachahmenswert.