Schlagwort: Konzerthaus

  • 26-04-30 Debussy!

    26-04-30 Debussy!

    Eine Krähe knackte die Herausforderung des hängenden Meisenknödels. Sie wickelte das Band mehrfach um einen Ast. Jetzt liegt der Knödel halb auf dem Holz. Sie kann den Knödel, auf dem Ast sitzend, verzehren.

    *

    Das Piano in der Südkreuz-Eingangshalle scheint Klavierfestival-inspiriert. Das Klavier spielte hörbar ein anspruchsvolles Programm. Auch wenn es die Pianierperson ebenso hörbar an ihre Grenzen brachte.

    Derweil leistete ich IT-Support auf der großen Treppe im Südkreuz. Fast wunderte mich, dass es so lange dauerte, bis die Situation kam. Wenn auch alle Kolleg*innen denselben Anfahrtsweg ins Büro haben.

    *

    Der Fahrradmeister und ich fanden eine Einigung, welches neues Fahrrad ich bestellen darf. Diskussionsbedürftig war die Farbgebung lichtblau dormant. Ich finde, dass ein Fahrrad, das im Schwimmbad wohnen wird, gerne auch schwimmbadfarbig sein darf.

    *

    Auf dem Weg zum Fahrradmeister kamen wir an der alten Wohnung vorbei. Es kleben neue Namen auf der Klingel, in der Wohnung hängen Vorhänge. Die Fensterrahmen sehen weiterhin so aus, als wären sie in einem Zustand wie Buckelwal Timmy. Anscheinend fand keine Grundrenovierung statt. Was bei dem Zustand der Wohnung mutig wäre.

    *

    Es waren drei Arbeitstage mit Wolpe-Rachmaninoff-Intermezzo.

    Von Stadtmitte nach Südwest

    Unsere neue Wohnung liegt nicht weit entfernt von der alten. Dennoch ändern sich die ganzen Wege erstaunlich umfassend. Während die Schöneberger Wohnung exzellent an mehrere Buslinien im 5-Minuten-Takt angeschlossen war, liegt die neue direkt am U-Bahn-Netz. Ich bin vermutlich in den letzten fünf Monaten mehr U-Bahn gefahren als in den 17 Jahren zuvor. Nur die S-Bahn bleibt.

    *

    Mir gegenüber in der Bahn, aufgereiht auf einer Bank; Fünf Frauen von 18 bis 70, von abgekämpfter Alltagskleidung bis Sektempfang. Alle sind mit dem Handy beschäftigt; swipend, tippend, lesend, Sprachnachrichten sprechend. Ein Bild, gleichzeitig so lebendig und so klischee: mensch hätte die Bank komplettemang auf eine Theaterbühne beamen können und die fünf einen gemeinsamen Song singen lassen können.

    *

    In der S-Bahn höhe Yorckstraße, Stimme aus dem Off:

    Irres Lachen

    (20 Sekunden Pause)

    „Arschgeweih, Dicker“

    (20 Sekunden Pause)

    Irres Lachen

    (2 Minuten Pause)

    „Ich hör dir zu!“

    *

    Der sehr junge Mann, „Milchbubi“ wäre despektierlich, mit wildem Schnauz und einem Outfit als wäre er direkt dem Easy-Rider-Filmset entstiegen.

    *

    Am Heidelberger Platz, drei Abiturientinnen über eine Vierte: „Sie wird halt oft missverstanden, weil sie so redet wie Lehrer. Sie kann halt noch nicht richtig deutsch.“

    Was einerseits eine absurde Aussage ist, andererseits total stimmig.


    Hamelin!

    Einer von Madames neuen Klavier-Ultra-Freunden meinte, den Pianisten Cheng Zhang im Publikum gesehen zu haben. Vielleicht war es der Herr mit tief sitzendem Basecap und hochgeschlagener Trainingsjacke tatsächlich.

    Aber angesichts der Sichtung, und angesichts der ziemlich technisch klingenden Pausengesprächsfetzenverwehungen, fiel mir auf, dass vermutlich wirklich der ein oder andere professionelle Musiker im Publikum sitzen wird. Das Berliner Klavierfestival ist schon ein wenig eine Veranstaltung von Pianists-Pianisten, also Pianisten, die von anderen Pianisten gehört werden; und vielleicht bei niemand so sehr wie bei Marc-André Hamelin.

    Denn selbst angesichts der hochkarätigen Besetzung der letzten Tage, hat Hamelin den Ruf noch einen Tick virtuoser und noch müheloser zu spielen. Wenn Hough den Anschein erweckt, das Klavier bald nur mit der Kraft seiner Gedanken spielen zu können, erweckt Hamelin den Anschein, das Klavier würde von alleine anfangen, wenn Hamelin mal kurz gedanklich vorbeihuscht.

    Tatsächlich begann er schon mit dem Spielen als er noch halb dabei war, sich hinzusetzen. „Schwebende Leichtigkeit“ schrieb ich beim letzten Hamelin-Konzert. Ich möchte noch Klarheit ergänzen, so sehr hatte ich immer das Gefühl niemals nur „Klang“ wahrzunehmen, sondern immer jeden einzelnen Ton.

    Sein erstes Wort des Abends kam, wie schon 2024, direkt vor der ersten Zugabe. 2024 sagte er „Prokofiev!“, dieses Jahr „Debussy!“.

    Hough war Perfektion, Hamelin wäre Perfektion in einer Welt, die ein ganzes Stück schräger und entrückter wäre, als sie es gerade ist.

    Schräg und entrückt war auch das Programm. Ich fühlte mich ein wenig wie an einem Bergtag der Tour-de-France. Einrollen mit Haydn, ein leichtes Kopfsteinpflaster mit Frank Zappa, der steile Aufstieg mit Wolpes Passacaglia (Zwölfonmusik!)1, 2,3 auf dem Gipfel mit John Oswalds crazy Stück Tip (ein 10-Minuten-Stück „plunderphonics“-Stück, in dem 40 Jazz- Pop- und Klassik-Klassiker zitiert werden), um dann mit Medtner (Improvisation Nr. 1, Danza festiva) Schwung holend, mit Rachmaninoff mit Tempo den Berg wieder hinunter zu pianieren und mit der Zugabe („Debussy!“ / Judy-and-Punch-Show) mit erhobenen Armen und offenen Haaren ins Ziel rollern.

    Wie auch bei der Tour de France: Der Anstieg ist das Beste.

    Fiebertraum mehr Persönlichkeit

    Poupoulab beim Klavierfestival: Berliner Klavierfestival 2026. Stephen Hough

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    Service: der Fusskiesel kieselt ab jetzt unter https://blog.kieselwiese.de, siehe Neues Blog

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    Anscheinend hat niemand den Post verlinkt. Das geht nicht. Wegen des großen Erfolgs meiner kleinen Antwort auf die Frage, ob kranke Menschen immer über ihre Krankheit sprechen müssen vor ein paar Tagen … schreibe ich diesen kleinen Konzertbericht mal mit allen Widrigkeiten, bei denen ich mir Mühe geben musste.

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    Been there, done that: Zwei Tage nachdem ich den Rasenmäher bestellt hatte, konnte ich 22 Tabs in meinem Browser schließen. Produktvergleiche, Produktdokumentationen, Baumarktseiten, Bewertungen, Fachforen, Fanforen. Der Blick auf die noch offenen Tabs fühlte sich an, wie ein Blick in eine fiebrige Vergangenheit.

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    Das einzige wofür KI gut taugt, ist Entertainment: Curly quotes

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    Passend dazu: Ich habe den Haselanten letztens gefragt, ob ein bestimmter Blog-Text mit KI geschrieben ist. Antwort (im Auszug):

    „Besonders KI-verdächtig sind die Passagen, die generisch klingen wie zum Beispiel: „Mein Weg in der KI-Ära heißt: Mehr Mensch, mehr Persönlichkeit, mehr Wir.“

    Anmerkungen

    1. Wer spontan noch etwas Musikwissenschaft dazu lesen möchte: Bei der Stefan Wolpe Society (nach Passacaglia for Orchestra, op. 23. suchen). ↩︎
    2. Was den Youtube-Kommentaren auffällt: Er spielt mit Noten. Was er den Kommentaren, und auch meiner Beobachtung nach, nie macht. Nicht mal bei dem sonstigesn crazy stuff, den er im Programm hat. ↩︎
    3. Dazu passt der Satz aus der Wolpe-Society: Wolpe dedicated the “Passacaglia” to Edward Steuermann, a student of Busoni. Since no such virtuoso was then available in Palestine, he arranged the work for two pianos. ↩︎

  • 26-04-28 Jubilate Supercalifragilisticexpialidoso

    26-04-28 Jubilate Supercalifragilisticexpialidoso

    Aufwachen mit Sonne im Schlafzimmer; es ist auch in dieser Wohnung möglich. Am Bahnsteig eine sanft wippende Frau mit Überohr-Kopfhörern, die sich mit geschlossenen Augen der Sonne entgegenstreckte. Wo auch immer sie innerlich war, ich wäre auch gern an diesem Ort gewesen.

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    Madame war beim Konzert einer abhebenden Rhythmusgöttin in Tüllwolke. Da das Berliner Klavierfestival gerade Konzerte in einer Frequenz in unser Leben wirft, hinter der ich nicht hinterherbloggen kann, verweise ich auf poupoulab: Berliner Klavierfestival 2026. Sophia Liu

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    Madame brachte vom Osteuropa-Wunderland ein neues Experimentalgetränk mit: Rjaschenka. Eventuell ernähre ich mich in Zukunft nur noch davon.

    Immerhin können wir die Rjaschenka auch im Crocky selber machen: Homemade Slow Cooker Ryazhenka: A Nutritious Fermented Milk Drink

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    Der Puschefluffel fluffelt ab. Als Ausgleich dürfen wir derzeit über einen rosa Blütenteppich das Haus verlassen. Wenn Zugluft und Wind richtig stehen, haben wir ein kleines Blütenblattmeer im Treppenhaus.

    Als Nachfolgerin legt die Strauch-Lonicera los, auch in rosa. So spannend, diesen Parkplatz-Garten das erste Mal durch die Jahreszeiten zu beobachten.

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    Die Fernuni-Klausur Digitale Diversität ist bestanden. Die Note ist spektakulär schlecht. Aber der vorherige Arbeitsaufwand war auch spektakulär gering. Insofern erreichte ich das Semesterziel, das lautete: „Mit minimalem Aufwand bestehen.“ Hätte ich noch weniger Aufwand getrieben, wäre ich durchgefallen.

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    Es war ein theologischer Sonntag und ein erklärbärig-konzertanter Montag.

    Jubilate Deo, omnis terra

    Die Vaterunser-Gemeinde hatte zu, Gottesdienst Jubilate1 einen Jazz-Gottesdienst versprochen. Wir nutzten den unlatifundalen Sonntagmorgen, um in unserer Wilmersdorfer Gemeinde vorbeizuschauen. Angesichts der Ankündigung

    • erwartete Madame etwas Künstlerisches, Freejazziges frei Schwebendes
    • ich erwartete eine nicht-singende Gemeinde ohne Organist*in, bei der dann halt Manni aus dem Gemeindekirchenrat rumtröten muss, damit überhaupt Musik da ist

    Wir lagen beide falsch. Uns erwartete eine vier-Personen-Band aus Bass, Banjo, Posaune und winzigen Sopran-Saxophon, die im Laufe des Gottesdienstes fünf Dixieland-Kracher aufführte. Wie wir später erfuhren, sind die Bandmitglieder alle Ü75, wurden einst von einem schon lange nach Bayern gezogenen Temporärpfarrer in die Gemeinde gebracht, und insbesondere die Saxophonistin war auch musikalisch eine echte Wucht.

    What a show.

    Alle bekannten Anwesenden (= alle außer wir) wurden mit „Moin“ begrüßt, wir nicht ganz so informell, aber ähnlich herzlich, die Stimmung war im besten Sinne familiär, und beim anschließenden Kirchenkaffee wurden wir schon dreiviertel in die Familie integriert, mussten aufpassen uns nicht gleich im Überschwang der Gefühle zur Tanzgruppe Feuer und Flamme zu verpflichten.

    Württemberg ist nicht Berlin

    Der Sekt musste weg. Durch Bewegungen des Lebens fanden sich in unserem Kühlschrank noch fünf Flaschen Sekt. Da wir alleine zu zweit quasi nie Sekt trinken, und wir bei Besuch, der fünf gekühlte Sektflaschen gleichzeitig nötig machen, normalerweise Vorwarnzeit haben, waren die Flaschen fehl.

    Also gab es als Aperitif zum Besuch von Dr. D. und Dr. E. Pseudo-Kir-Royal mit Madames Sloe Gin und Sekt. Danach:

    • Best of Wilmersdorfer Osteuropa-Geschäft: Zweierlei vom Räucherfisch plus eingelegte Tomaten und grünen Salat.
    • Best of Latifundien: Spargelcremesuppe aus Spargel vom Hof und Croutons
    • Rhabarberauflauf

    Die Gespräche nahmen die übliche weite Runde, die mit diesen beiden immer zustande kommt: Vom Spaghetti-Eis 1988 im City Center Langenhagen über Bahnreisen in Marokko (empfehlenswert) und die Frage „Wie relevant ist Homosexualität beim Thema ‚Die-Bibel-zur-Diakonie’“?

    Einst wollte der Bezirk Wedding nicht mit dem Prenzlauer Berg zusammengehen, weil der Prenzlberg zu arm war

    Entdeckung: Pizza Kral in der U-Bahn-Unterführung Osloer Straße ist ein toller Laden für handgemachte orientalische Teigtaschen und Teiggerichte aller Art. Im Hintergrund kneteten, schoben und formten zwei junge Männer Pide, Börek, Lahmacun, Pizza und alles was das Herz begehrt, vorne verkaufte eine Frau, die die Großmutter der beiden sein könnte.

    Leider bin ich viel zu selten im Gesundbrunnen. Aber falls ich wieder dort bin, werde ich mir den erlesenen Ort am unwirtlichen Platz merken.

    Eine Gelegenheit endlich mal wieder in den Wedding zu kommen, bot meine derzeitige Teilzeittätigkeit als Digital-Erklärbär im Kombibad Seestraße2. Das Bad und mit ihm ziemlich viele Auszubildende hatten Fortbildungstag. Im Rahmen eines umfassenden Programms gewann ich den Slot „digitale Dateiablage und andere sexy Themen“ und ich glaube, die live-Evakuierungsübung „Chlorgasalarm“ war nur fast so spannend wie die digitale Dateiablage.

    Ich persönlich habe immerhin viel gelernt.

    Auch gelernt: in 18 Jahren Berlin war ich nie am Ort an dem die Mauer fiel, der Bornholmer Brücke. Auch dies ist jetzt nachgeholt.

    Habe ich es je bei einem Konzert erlebt, dass der Künstler bereits zur Pause mehrfach wieder auf die Bühne geklatscht wurde?

    In der U2, uns gegenüber zwei Frauen im festlichen aber ernsthaften Schwarz. Eine regte sich furchtbar auf, weil jemand anderes sich auf Facebook aufgeregt hatte, weil ein „falsches“ Stück gespielt worden war.

    Wollten sie etwas dahin wo wir auch hinwollten?

    Als sie mit uns die U-Bahn verließen und über den Gendarmenmarkt Richtung Konzerthaus strömten, war es klar: Ja.

    Madame nahm mich zu ihren neuen Freunden vom (räumlich) linken Rand des kleinen Saals im Konzerthaus mit. Noch tauschten sie keine Telefonnummern, aber nach vier Klavierkonzerten in fast identischer Publikumskonstellation waren sie kurz davor.

    Dieses begeistert musik-nerd-hafte beim Festival ist auch dieses Jahr eine große Show. Eine wunderbare Mischung aus wunderbaren Männern, die uns erzählen wie sie während Corona viele Sonaten durchgehört haben und der Frau im gehobenen Business-Dress, die mir entgegenkam, wie sie Bier aus der Flasche trank.

    In der Pause: Professor Transformation.

    Laut dem Economist ein Universalgenie

    Es spielte Stephen Hough, Commander of the British Empire, MacArthur Fellow, Fellow in Oxford und Cambridge, zum Ritter geschlagen. Das Konzert wäre eine Ansage gewesen, hätte Hough es noch nötig, Ansagen zu machen.

    Das war der Standard an dem sich alle anderen abarbeiten können. Ruhig, wo es ruhig gehört, atemberaubend schnell, wo es schnell gehört, immer in einer Lautstärke und zu einem Zeitpunkt, an dem ich dachte: Genauso ist es richtig und nicht anders.

    Andere mögen besonder schnell sein, oder besonders virtuos oder klangmächtig oder rhythmisch. Bei ihm hatte ich den Eindruck, er spielt einfach so wie es richtig ist.

    Dabei spielte er in einer Bewegungsökonomie, die mich denken ließ: „Noch ein paar Jahre, und er muss die Hände gar nicht mehr bewegen, dann reicht reine Gedankenkraft“

    Wo sich für mich alles am richtig richtigsten war: Im ersten Teil seine Brahms-Schönberg-Zusammenziehung3. Im zweiten Teil wurde er verspielter mit Schumanns Carnaval und eigenen Arrangements von Mary Poppins.

    Bei aller Souveränität, die er ausstrahlte, eigentlich scheint Hough ein humorvolles Spielkind zu sein. Hätte er nicht diese Seite in sich, könnte er diese Version von Supercalifragilisticoespialidoso weder komponiert/arrangiert haben und sie auch nicht spielen4.

    Und das war nichtmal die Zugabe.

    Immer etwas schönes vorhaben und ein Klavierarrangement

    Ich bin nicht überrascht, dass Stephen Hough einst bloggte. Zum Beispiel über die Toiletten in Singapur (hier bei Minute 1:48)

    *

    Ähnlich und auch nicht: Arztbesuche in Japan.

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    Ich muss noch ein wenig bei Hough bleiben, denn Youtube bietet auch sein „My Favoourite Things“ (bekannt aus The Sound of Music) Arrangement.

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    Regenwasserrückhaltebeckenfolienverlegung – als Blogpost noch besser denn als Wort.

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    Vor langer Zeit habe ich mich ja entschieden, dass meine Neigung und berufliche Perspektive nicht darin liegt, Neues zu erschaffen, sondern darin Bestehendes zu erhalten, zu verbessern und zugänglicher zu machen.

    Einerseits sehe ich wie sehr KI gerade in Tech-Berufen Kohorten von Software-Entwicklern in die Arbeitslosigkeit stürzt. Andererseits denke ich: Meine Güte, ich häuft gerade alle so viel technische Schuld und so unübersichtliche Systeme an. Wer in der Lage ist, sich in den AI-Slop hinein zu denken und die echten Fehler zu finden – vor dem liegt in ein paar Jahren eine goldene Zukunft. Beweisstück Nr. ziemlich viele: Do I belong in tech anymore?

    *

    „Immer etwas Schönes vorhaben und etwas Leckeres zu essen.“

    Anmerkungen

    1. Im Kirchenjahr der dritte Sonntag nach Ostern, benannt nach dem liturgischen Vers des Tages, Psalm 66,1: „Jubilate Deo, omnis terra“. ↩︎
    2. Das zum 1. Mai, also in drei Tagen, die Freibadsaison eröffnet. Hingehtipp, die sind da super. ↩︎
    3. Brahms: Klavierstück es-Moll op. 118 No. 6 Intermezzo & Arnold Schönberg: Sechs kleine Klavierstücke ↩︎
    4. Youtube denkt mit und brachte mir direkt danach Beethovens Waldstein-Sonate, auch Teil des Konzertprogramms, die ich in Teilen direkt bei Supercalifragilisticexpialidoso hören lässt. ↩︎

  • 25-03-29 Solooboistin

    25-03-29 Solooboistin

    Madame liest jetzt das Helgoland-Buch.

    Im Internet lese ich erwachsene Menschen Ü50, die die neusten Internet-Trends und Memes referieren und bekomme spontan Mitleid.

    Auch im Internet lese ich, „Wirtschaftsinformatik ist das Gegenteil von Informatik“, und der olle Rechthaber in mir muss natürlich widersprechen. Ich nehme mal die drei Punkte, die ich für den Wesenskern der Informatik halte:

    • Es geht um Information, ist also prinzipiell abstrakt
    • Es geht immer um Wiederholbarkeit und generelle Verfahren, niemals um Einzelfälle
    • Maschinen sind beteiligt

    Dann würde ich eher sagen, Schnitzen, Töpfern oder Sandburgenbau sind das Gegenteil der Informatik.

    Das Fernuni-Sommersemester nähert sich. Ich warte noch auf die Bachelorarbeits-Themenbestätigung, habe aber schon vor der Personalabteilung den rituellen Teilzeitarbeits-Tanz für die Zeit der Bachelorarbeit vorgeführt.

    Noch aber kann ich mich den normalen Modulen widmen. Ich begann mit der Mikroökonomik, und wir wurden inhaltlich spontan Freunde. Fast lachen musste ich als ich eine Fußnote am Begriff der „Neoklassischen Theorie“ fand:

    Nicht zu verwechseln mit dem sogenannten Neoliberalismus. Die neoklassische Theorie ist eine mathematisch fundierte Theorie, die unter bestimmten Rahmenbedingungen vielfach empirisch überprüft ist. Neoliberalismus ist eine politische Ideologie, die auf dem Glauben beruht..

    Die CDU möchte das Informationsfreiheitsgesetz abschaffen und in der Zeitung mit den vier Buchstaben las ich den wildesten Aufhänger dazu „Fler verkracht sich mit seinem Freund Amthor.“

    Wobei ich mir nicht sicher, ob ich es schlimmer fände, mit Fler oder mit Philipp Amthor befreundet zu sein.

    Im Wohnungs-Treppenhaus wurde Briefkasten 25 aufgehängt. Angesichts von 12 Wohnungen im Haus ist das viel. Es scheint aber diesmal kein Briefkasten zu sein, der zu einer der Immobilienfirmen gehört, die bei uns residieren.

    Wahrscheinlich gehört er zum Anbau auf dem Hof, wahrscheinlich waren sie es müde, niemals vom Briefträger gefunden zu werden. Passend: Verlinkte ich Donnerstag noch den Artikel über die wachsende indische Community in Deutschland, wohnen jetzt Kumbukkal und Sunandan bei uns.

    Der Große fuhr erstmals mit der S-Bahn zur Arbeit, um das Chaos der gesperrten Autobahnbrücke zu umgehen, die verwirrenderweise Ringbahnbrücke heißt. Und was passiert: Die Ringbahn wird auch gesperrt, weil die Autobahn auf die S-Bahn zu fallen droht.

    Madames Töpferkurs hat eine neue Star-Teilnehmerin: Die Brückenbauingenieurin, die einiges über Autobahn-Brücken im Besonderen und Brückensanierung im Allgemeinen zu sagen hatte. Sie rief in Erinnerung: der Brücke wohnt das Problem inne. Denn wäre es einfach an ihrem Standort zu bauen, wäre dort eine flache Straße und keine Brücke.

    Der neue, alte Gedarmenmarkt wurde nach seiner Sanierung ziemlich abgewatscht. „Steinwüste“ lasen wir, begleitet von entsprechenden Fotos. Ein Konzert brachte uns nun selber zum Platz: und wir sahen wie suggestiv Fotos wirken können. Was mit dem entsprechenden Weitwinkel aus geschicktem Winkel aussieht, wie eine riesige Steinfläche, ist in echt halt ziemlich klein. Im Vergleich zu den drei Gebäuden dort – Deutscher Dom, Französischer Dom und Konzerthaus – ist das mehr ein Vorplätzchen der drei; selbst wenn es nur aus Stein ist, ist er viel zu klein für eine „Wüste.“

    Barockhornsammler

    Uns aber führte der Weg einige Treppen hinauf in den Kleinen Saal des Konzerthauses. Die Akademie für Alte Musik (Akamus) hatte zum Kammerkonzert geladen. Oboen- und Hornquartette von bekannteren (Mozart) und unbekannteren (Družecký, Warnitzky, Stamitz) Komponisten standen auf dem Programm.

    Während die Solooboistin Xenia Löffler einfach „nur“ gut spielte, war der Solohornist Erwin Wieringa selbst ohne sein schöne hornieren eine Schau. Uns Beide erinnerte er an Mr. Bean – rein optisch, aber auch vom Gefühl her in anderen Sphären zu leben. Dass das Barockhorn maßgeblich gespielt wird, indem die Hand im Schalltrichter bewegt wird, (Siehe Stopfen (Musik)). Das ist eine eindrucksvolle Spieltechnik, sieht aber halt auch leicht bean-esk aus.

    Passend dazu die Info, dass Wieringa privat eine große Sammlung von Hörnern besitzt – das passte.

    Denn wir konnten es sehen: Der Saal klein, wir in Reihe 2, wohl kein Saal in Berlin mit besserer Akustik für Kammermusik, und alle Bewegungen und jegliches Handwerk der Musiker*innen gut zu sehen. Ein großer Abend.

    Treckerclub beim Ausflug

    Schweinenacken, immer wieder Schweinenacken.

    Während Madame die Kasse des Dauergartenvereins prüfte, überlegte ich am Grillprogramm. So ein ganzer Schweinenacken low&slow vom Grill ist schon sehr lecker. Aber ist es nicht doch etwas langweilig?

    Als sie wiederkam fuhren wir zu Rinderstolz&Wildeslust. Auf dem Hof dort ein Oldtimertraktorenclub auf Ausflug. Die Gefährte waren dabei, knatternd und trötend in ihren Deutzes, Bulldogs und Hanomags den Hof zu verlassen, nicht ohne dem Metzger zum Abschied zu Winken.

    Nachdem wir sie verabschiedet hatten, kauften wir, natürlich Schweinenacken, der mit Blumenkohl und Tomaten auf den Grill kam.

    Madame freute sich am Blühen der Forsythie, denn nun darf sie Rosen schneiden. Hummeln nutzten die Sonnen und besuchten die Taubnesselwälder. Im Beet tauchten weiße Überraschungs-Szillen auf, die frühesten Narzissen sorgen für Ostergefühle und selbst der Pfirsich hat vielleicht Blütenknospen angesetzt.

    Die Kranichschwärme beschränkten sich auf einen Einzelkranich, und auch der Hausrotschwanz hielt sich bedeckt. Vielleicht war ihnen auch zu kalt.

    Madame wehrtete die WIldkamera aus, die auf den Kompost gerichtet ist, aber dazu vielleicht später mehr. Lustiges Tierleben haben wir.

    Saarbrücken hat keine Metro

    Kann man sich nicht ausdenken: Bürgerrat zur Corona-Aufarbeitung: SPD wollte Esoteriker als Organisatoren einsetzen

    Letztens stellen wir fest, dass das Saarland das einzige Bundesland ist, in dem wir noch nie waren. Praktischerweise schrieb der Flusskiesel einen Besuchsbericht aus dem Saarland, so dass wir etwas weniger Bildungslücke haben: 2025-03-21 Freitag und 2025-03-22 Samstag.

    Gelernt: Pariser Metro-Tickets gibt es jetzt auch auf dem Handy. Good to know!

    Abgesehen davon, dass Frau Zimtkringel lecker kocht, schreibt sie auch schön. Und vor allem: man hat immer das Gefühl live in der Küche neben ihr zu stehen: Barraquito nach Chili und Ciabatta

    Modern science wouldn’t exist without the online research repository known as arXiv. For once, this isn’t an exaggeration.

    Das Online-Museum der Stewardessen-Uniformen. (via Messy Nessy Chic)

  • 24-12-01 Vom Zuhören (Stille – Cluster – Da da da daa)

    24-12-01 Vom Zuhören (Stille – Cluster – Da da da daa)

    2024 unifrei! Nach der Seminararbeitsabgabe am Donnerstag und der letzten kleinen Einsendeaufgabe am Freitag sind die Fernuni-Pflichttermine beendet. Zur Feier des Abends öffneten wir die Flasche Champagner, die hier schon viel zu lange auf einen besonderen Anlass herumwartet – und immer wenn ein Anlass sich anlasste, waren wir nicht in Champagnerlaune.

    Jetzt geht es Mitte Januar weiter mit der nächsten Einsendeaufgabe und dem Präsenzseminar zur Seminaraufgabe.

    Im Rausch ob des erreichten Reichs der Freiheit machte ich was man in Freiheitsextase halt so tut: Ich erstellte eine Excel-Mappe. Sie heißt „Dezember/Weihnachten 2024“. Danach war der Rausch der Freiheit wieder vorbei. Aber ich habe wieder vage einen Überblick über ein paar Wochen Leben.

    Auch erledigt: Urlaubsanträge für 2025 eingetöckelt. Dabei freie Tage für die Bachelorarbeit vorgemerkt. Für die Bachelorarbeit! Diesen Sommer schon. Es fühlt sich sehr merkwürdig und ein wenig erschreckend an.

    Professioneller macht das Kollege W, der nächste Woche an der Excel-Weltmeisterschaft in Las Vegas teilnehmen wird. Er ist schon vor Ort. Wie ich ihn einschätze wird er alle Verlockungen Las Vegas‘ ignorieren um Speedexceltraining zu absolvieren. Von den vielen Absurditäten, die einem das Berufsleben beschwert, stand „Du-wirst-mit-einem-Excel-WM-Teilnehmer-zusammenarbeiten“ auf gar keiner meiner erwarteten Listen.

    Habe wegen Glasfaser mit der Telekom-Hotline telefoniert; als jemand der auch die Anbieter-Seite von solchen Hotlines gut kennt, war ich beeindruckt ob des Ablaufs. Respekt.

    It wasn’t me. Tatsächlich freue ich mich ja über jeden Baustellenlärm, den er sagt mir, wir kommen einem Dach über dem Kopf wieder näher. Außerdem wären wir viel zu langweilig, um Waffen, Drogen oder Munition im Hause zu haben.

    Die Dachbodenbauarbeiten fuhren letztens Eisenträger mit dem Fahrstuhl nach oben. Das ist erfreulich, denn es zeigt, dass die Baustelle sich schon wieder in der Phase Aufbau befindet und die Phase Einreißen beendet hat. Allerdings bringt jede Bewegung der Träger über das Dach auch ein vollkommen neues Maß der Erschütterungen in unsere Wohnung.

    Ich glaub, dieser Christian Lindner ist gar nicht so helle, wie er von sich selber denkt.

    Madame coachte mit der Pferdemetapher und freute sich ob ihres größten Vorteils: Sie hat keine Ahnung von Pferden und kann deswegen frei erfinden.

    Digitalisierung bedeutet, sehr viele (nahezu alle) organisationsinternen Prozesse anzufassen, und in eine digitale Form zu überführen. Dafür muss man erstmal verstehen wie diese Prozesse funktionieren.

    Letztens musste ich aus heiterem Himmel an des Lumpenpacks Hit Hauch mich mal an denken.

    Berlin-Mitte-Mitte ist ein eigentümliches kulinarisches Ödland. Entweder man muss zu Mr. Kebab oder noch schlimmeren Touri-Abfüllstationen oder gleich zu Nobelhart & Schmutzig oder dem Borchardt (okay, am Ende auch Touri-Abfüllstationen, nur auf einem anderen Preisniveau). Dazwischen gibt es wenig.

    Das ist misslich, denn Mitte-Mitte bietet auch verschiedenste abendlich Ausgehgelegenheiten, die wir gerne mit Essen davor und Wein danach verbinden würden. Wenn es denn ginge. Da war dieser Samstag erfolgreich: das Avan in der Mauerstraße erwies sich unkomplizierter japanischer Vietnamese (oder vietnamesischer Japaner), bei dem das Essen wirklich hervorragend war.

    Die Bar im Foyer des Hiltons an Gendarmenmarkt war ein angenehmer unkomplizierter Zwischenort, in der wir mit Professor Transformation und der Urberlinerin noch Gin Tonic und Tee tranken, lauschend einem Barpianisten, der zu meiner großen Freude Billy Joel spielte.

    Cage – Ligeti – Bach – Beethoven

    Billy Joel allerdings hatte uns nicht nach Mitte gelockt. Uns lockten die größten Kracher der klassischen Musik des 18., 19. und 20. Jahrhunderts. Oder wir Joana Mallwitz, Chefdirigentin und künstlerische Leiterin des Konzerthausorchesters Berlin, sagte: Zentrale Werke der Musikgeschichte.

    Faszinierend: Während ein Johann-Sebastian-Bach noch das unbekannteste Werk auf der Programmliste war, wirkte das Programm in Kombination frisch und originell. Unter dem Titel „Der Klang des Weltalls“ spielten Konzerthausorchester unter Joana Mallwitz und Iveta Apkalna (Orgel):

    • John Cage: 4:33
    • Györgi Ligeti: Atmosphères
    • Johann Sebastian Bach: Fantasie und Fuge c-Moll BWV 537 für Orgel in der Bearbeitung für großes Orchester op. 86 von Edward Elgar
    • Ludwig van Beethoven: Sinfonie Nr. 5

    Im ersten Teil fast faszinierender als die Stücke selber: die bruchlosen Übergänge, die Mallwitz spielen ließ. Von der absoluten Stille des Cages in den „87-Instrumente-spielen-87-verschiedene-Halbtöne“-Anfang von Ligeti. Vom überraschend kurzen Ligeti als wir uns alle zu unserer Überraschung in der Bach/Elgar-Fuge wiederfanden.

    Gelernt: 4:33 Stille in einem ausverkauften Konzertsaal macht etwas mit einem. Es wirkte beinahe wie eine Prüfung des Publikums.

    Zweiter Teil: Die Symphonie, die so bekannt ist, dass echte Spitzenorchester sie auch kaum noch wirklich spielen. Hart, etwas zu spielen, das wirkliche jede*r im Publikum im Ohr hat. Aber okay, Meisterwerk, müssen wir nicht drüber reden.

    Joana Mallwitz redete darüber. In einer Einführung. Sofort wurde klar, warum Berlin ihr zu Füßen liegt: Diese Mischung aus Humor und Kenntnis, die Fähigkeit ihre Begeisterung für die Werke auf das Publikum zu übertragen, begeistert. Zum Ligeti – bekannt natürlich als Filmmusik aus 2001 Space Odyseey – spielte sie noch kurz die anderen beiden Stücke Also sprach Zarathustra von Richard Strauss und Die Blaue Donau von Johann Strauss an.

    Sie erklärte, dass Beethoven die Frage beantwortete wie ein großes Orchester eingesetzt werden kann – mit der Symphonie als Königsform mit Melodie, Harmonik und Rhythmus. Und wie Ligeti diesselbe Frage ganz anders beantwortet – ohne Melodie, ohne Rhythmus und die Harmonik in Clustern – alle Halbtöne eines Intervalls werden gespielt.

    Der Flügel war nur zur Einführung anwesend. Danach: Orgel.

    Direkt bevor die Musik startete, eine zweite ungeplante Ansprache. Mallwitz sprach darüber, wie sehr Zuhören ihr als Konzept am Herzen liegt, gerade heute. Wie sie 4:33 ins Programm setzte, um die Bedeutung des Hörens und gegenseitiges Zuhörens deutlich zu machen, wie sehr die klassische Musik dazu beiträgt diese Fähigkeit zu schulen. Und sie sprach darüber wie sehr die „sehr kurzfristigen, planlosen und einschneidenden“ Finanzkürzung des Berliner Senats diese bedrohen. 4:33m Stille nicht mehr nur als Aufforderung sondern als Bedrohung. Denn die großen Konzerte werden weniger gekürzt, sondern die Vermittlung, die experimentellen Formate – das was die Kultur lebendig und wertvoll hält.

    Man mag ihr wünschen, dass im Publikum dieses großen Abo-Konzerts genug weißhaarige CDU-Granden saßen, die mal ein Wort mit ihrem Bürgermeister oder Kultursenator reden.

    Da da da daa!

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    Fundstück: Mehr darüber wie 2001 Space Odyseey die Musik von Györgi Ligeti einsetzt: How 2001 Uses György Ligeti’s Music

    Daniel Hähnel über betriebsbedingten Stellenabbau, Zukunftsängste und das geänderte Mindset, wenn man sowas öfters durchmacht.

    Frau Herzbruch über professionelle politische Kommunikation, nicht so professionelle politische Kommunikation und Feldschlachten via Pyramide.

    Dieses Kochbuch ist eine echte Kostbarkeit. Wallys Mutter hat es handgeschrieben, es ist mehr als hundert Jahre alt und eng papiersparend angefüllt mit Rezepten für Alltag und Festlichkeiten

    Wenn du ein gebrauchtes Auto kaufst und einen Schalter findest, der nirgends in der Bedienungsanleitung erklärt wird: What does this button do?

  • 24-07-04 Sensitivitätsanalyse bezüglich des Begrenzungsvektors

    24-07-04 Sensitivitätsanalyse bezüglich des Begrenzungsvektors

    Martin Luther steht auf dem Balkon.

    Neben der Papiertonne liegt ein gebrauchter Corona-Test.

    Dem Hoftor wurde ein Schloss anmontiert.

    Im Hinterhaus läuft kein Kabelfernsehen mehr. Und kein Internet. Das lief darüber. Im Vorderhaus läuft das Internet weiter.

    Zwei ältere Herren machen gemeinsame Nachtschicht. Ich stelle mir das romantisch vor, mit Lagerfeuer und Bringdienstpizza im Serverraum. Vielleicht wird es aber auch ganz anders.

    Ich bohrte ein Buchenbrett.

    Der Reisebank-Geldautomat im Südkreuz möchte jetzt auch Gebühren, wenn ich mit der Kreditkarte Geld abhebe.

    Die Lietuvos geležinkeliai, die litauische Staatsbahn, schickt mir Werbemails auf litauisch. Soweit ich verstehe soll ich in der 3. Klasse für 13,60€ von Vilnius nach Klaipeda fahren.

    Die Prinzessin saß auf der Buschbohne.

    Es gibt im Biomarkt wieder Buschbohnen aus Europa. Edeka Duolingo hat derweil serbische Pfifferlinge im Angebot.

    Zwei Füchse: Einen Fuchs – dünn und etwas struppig – traf ich auf der Carl-Zuckmayer-Brücke. Ich war unterwegs von Süd (Innsbrucker Platz) nach Nord (Rathaus Schöneberg), er unterwegs vom Ostzipfel des Volksparks in den Westzipfel. Ich nickte kurz, er blieb kurz stehen und unsere Wege trennten sich.

    Der zweite Fuchs in der heimischen Tiefgarage des Lockenkopfs. Aber, nein, die Geschichte erzähle ich nicht, die ist alptrauminduzierend.

    Vor Ort in Hagen

    Zwei Seminare: Wie aufregend. Nach den ganzen Einsendeaufgaben – Klausur – Modulen kommt nach Plan ein Seminar. Mit vor Ort und Seminararbeit. Es kommt hoffentlich; anscheinend sind die Plätze immer sehr begehrt. Die Vergabe wird mit Hilfe einer Formel gesteuert.

    Ratschlag: „Wenn sie sicher in irgendein Seminar wollen, schreiben sie viele Seminare in die Anmeldung. Dann bekommen sie ziemlich sicher ein Seminar, aber vielleicht nicht dasjenige, welches sie gerne hätten. Wenn sie ein bestimmtes Seminar wollen, wählen sie wenige Auswahlmöglichkeiten. Dann steigen die Chancen auf das Wunschseminar. Aber es gibt auch die Möglichkeit dass sie kein Seminar bekommen und ein Semester warten müssen.“

    Ich bin noch sehr früh im Gesamt-Zeitplan des Studiums und beschränkte mich auf zwei Seminarwahlen: Angewandte Optimierung beim Lehrstuhl bwlquam und Modellierung und Entwicklung betrieblicher Informationsysteme am Lehrstuhl evis. Für bwlquam sollte ich auch schon einen Themenwunsch aus der vorgegebenen Liste angeben. Ich würfelte auf Sensitivitätsanalyse bezüglich des Begrenzungsvektors.

    In der Hoffnung, dass ich bis zu Seminarbeginn verstehe, worum es dabei geht,

    Hohenfriedbergstraße

    Ich bastle weiter daran, mir eine nette 5-Kilometer-Radstrecke durch die Berliner Rushhour zur Arbeit zu finden. Dabei gelten folgende Randbedingungen:

    Abfahrt zu Hause, Ankunft in der Verwaltung (logisch).

    Die Gegend ist von einem Autobahnkreuz, S-Bahn und ICE-Strecken durchsetzt die sich nur an manchen Stellen queren lassen. Richtung Osten kommt der Kreuzberg (Hügel), der für Berlin ungewöhnlich markante Steigungen ins Stadtbild platziert.

    Keine Albernheiten (also weder die Verwaltung passieren ohne anzuhalten, identische Wege erst hin und dann zurückfahren). Keine blöden Linksabbiegungen, keine Radsperren, keine Abwärtsstrecken, die gerade auf einer Hauptstraße enden. Möglichst wenig dichter Verkehr.

    Ein paar Abschnitte der bisherigen Route mag ich (Carl-Zuckmayer-Brücke; Seltsame Querung des JFK-Platzes, die letzten 200 Meter leicht bergab rollern bis zur Tiefgarageneinfahrt). Die sollen Teil der Strecke bleiben.

    Aktuell bin ich bei 4,3 Kilometern Strecke angekommen, mit Schlenker über Langenscheidtbrücke, Monumentenstraße und Hohenfriedbergstraße.

    Wenn die Strecke steht, kommt der Rückweg dran. Wegen der Linksabbiegebedingung wird der auf jeden Fall ein Anderer werden.

    Blick die Hohenfriedbergstraße hinunter. Berliner Wohnstraße, fünfstöcker, vollgeparkt, einige Radler und Fußgänger auf der Straße. Im Vordergrund: 3 Poller, die die Durchfahrt für Autos sperren, für Fußgänger und Räder offen halten.
    Hohenfriedbergstraße

    Monumentenstraße

    Kaum entdecke ich die Monumentenstraße für meinen Arbeitsradweg, schon entdecke ich eine Demonstration am Wochenende: Monumenten-Fahrradstraße jetzt!

    Das Klavierkonzert von Marc-André Hamelin, das wir im Konzerthaus sahen, ist jetzt auch online zu hören bei Deutschlandfunk Kultur: Marc – André Hamelin beim Berliner Klavierfestival

    Nach der Wahl ist vor der Wahl in Frankreich. Zwischen den Wahlen.

    Geld für Wesselburen und Kotzenbüll.

    Zum Feierabend Erschöpfung mit Käse.

  • 24-06-01 „Prokofiev!“

    24-06-01 „Prokofiev!“

    Ding Dong, auf manchen Schildern auch King Dong, ist nicht mehr. Anstelle des China-Imbisses zog dort dernächste Burgerladen ein. Wenn sich die Trends fortsetzen besteht die ganze Straße in 10 Jahren aus Ladengeschäften in denen abwechselnd Friseure und Burgerladen sitzen.

    Die Hauptstraße wird die Straße der wohlgenährten Friseure und der adrett zurechtgemachten Burgerbräter.

    Die afghanische Bäckerei untervermietet vier Quadratmeter an ein Reisebüro.

    Mit einer Keramikinfluencerin zusammen holte ich Griffelkunst ab

    WIr transportierten 81 Kilo Rasengitterstein, 75 Kilo Kies und 10 Meter Malervlies von Velten auf die Latifundien.

    Ich versäumte die Ahoi-Brausen-Erdnussflips zu kaufen. Dafür recherchierte ich, dass Ahoi Brause mittlerweile zu Katjes gehört. Und dann fand ich heraus, dass Katjes ursprünglich Fliegenfänger herstellte.

    Fliegenfänger sind eine Sommer-Saisonware und erforderten um 1920 Zuckersirup zur Herstellung. EIn WInterartikel, bei dem ein Unternehmen auch große Mengen Zuckersirup einsetzen kann, sind Lakritze.

    Mir träumte ich bin einem verwinkelten Schwimmbad mit riesigen Hallen. Also, enge Gänge und Labyrinthe, dann kathedralenartige Hallen für die Becken. Alles ist weiß gefliest. Ich versuche herauszubekommen wo ich bin: Möckenbeck im Bergischen Land. Ich versuche mir Notizen auf dem Handy zu machen, ohne dass es so aussieht als würde ich Schwimmende fotografiere.

    Am Kaiser-Richard-Platz hängen Plakate „Echte Männer wählen starke Frauen“ – ohne weitere Konkretisierung, welche Frauen gemeint sind. Fast daneben hängt die CDUlerin Hildegard Bentele (Berliner Spitzenkandidatin der CDU), nicht weit entfernt Katharina Barley, Agnes Strack-Zimmermann und Terry Reintke. Nur die AfD hat auf der Liste niemand, die sich als starke Frau qualifizierte.

    Branch and Bound

    Wirtschaftsinformatik fernstudieren in den 2020ern ist sehr anders als Politikwissenschaft präsenzstudieren um 2000. Ich dachte zum Beispiel, dass ich keinerlei Nachtschichten mit Abgabeschluss mehr erleben werde.

    Aber denkst: die Einsendeaufgaben Planen mit mathematischen Modellen hielten mich wach. Obwohl ich das inhaltlich mehrfach durchgegangen war, kostete mich „noch mal sauber hinschreiben und ein paar loose ends festzurren“ fünf Stunden nach der Feierabendheimkunft.

    Langsam verstehe ich aber die sehr gute Klausurstatistik in dem Modul – wer da die zwingend notwendigen Einsendearbeiten gemacht und bestanden hat, hat schon mal einen größeren Teil der Lernarbeit hinter sich.

    Jetzt warten auf das Ergebnis.

    Zur Entspannung lese ich die wissenschaftliche Methoden der Informatik. Das ist ausnahmsweise mal wirklich chillig, endlich mal ein Kurs bei dem mir das schon bestandene Studium weiterhilft. Außerdem mag ich Einheiten, die xkcd zitieren und am Rande korrekt wiedergeben können wie Wikipedia funktioniert.

    Musicbox

    Manchmal muss Madame Frankfurter Zeitungen lesen, um von Veranstaltungen in Berlin zu erfahren. Aus der FAS erfuhr sie vom Berliner Klavierfestival. Eine Woche im Konzerthaus wunderbare Solokonzerte. Am Donnerstag spielte Marc-André Hamelin

    • Maria Szymanowska – Polonaise f-Moll
    • Maria Szymanowska – Etüde Nr. 15 C- Dur
    • Franz Schubert – Impromptu für Klavier Es-Dur op. 90 Nr. 2 D 899
    • Robert Schumann – „Waldszenen“ op. 82
    • Maurice Ravel – „Gaspard de la nuit“ – Trois poèmes pour piano d’après Aloysius Bertrand

    Sei es, weil mein letztes Klavierkonzert in einem Park in Warschau stattfand, sei es, weil ich wusste, dass Szymanowska Polin war, sei es weil eine Polonaise ein beschwingter Tanz ist, sofort fühlte ich mich schwebend im Park am See, an den Ufern blühende Sträucher, glücklichen Menschen, die Bänder schwingen. So blieb es auch den Schubert hindurch. Ein Mann, ein Klavier, eine stetige Leichtigkeit.

    Nach der Pause Schumann – wir fanden nicht recht zusammen. Und dann Ravel: Wo Szymanowska und Schubert schwebten, war das eine schwerelose Achterbahn mit dem einen oder anderen Looping. Meine Güte.

    Dann Zusage. Hamelin sagte sein erstes Wort des Abends „Prokoviev“ und spielte. Später forderte jemand im Publikum „Hamelin!“; dann wurde er gar wortreich, sagte „That’s right.“, sein Stück war erst für weitere Zugaben geplant, aber spielt er es jetzt.

    Nebenbemerkung: Wie anders das Publikum als in Philharmonie und Oper. Mittelälter – die Fraktionen Ü70 und U30 waren fast nicht vertreten. Mehr im gehobenen Bürodress, weniger Kostümierung, weniger „ich habe so unfassbar viel Geld, dass ich noch nie arbeiten musste“ und auch nerdiger, konzentrierter. Selten erlebte ich in Berlin so diszipliniertes ein Publikum, das so bei der Sache war.

    Leerer Flügek auf der Bühne des Konzerthauses

    Hackgraupen

    Mehr Rezepte sollten Graupen enthalten.

    Mehr Rezepte sollten den Satz enthalten: Jetzt erstmal Füße hoch und Pause.

  • 24-01-20 Horizontaltage

    24-01-20 Horizontaltage

    Ich boll.

    Eigentlich belle ich immer noch. Diese Erkältung ist so besonders, da sie eine faszinierende Reise durch sämtliche mir bekannten Infekt-Symptome darstellt. Jeden Tag kommen neue hinzu und andere verschwinden. Nur die durchgehende Erschöpfung blieb über Tage konstant. Wenn Du Dich überfordert von dem Gedanken fühlst, den Türöffner zu drücken, weil ein Paket kommen könnte..

    So langsam steigt mein Energielevel wieder (Ich habe Müll rausgebracht!). Dafür setzt jetzt ein nahezu ununterbrochener Reizhusten ein. Sprich: Ich fühle mich besser als die gesamte Woche, klinge aber kränker als je zuvor.

    Damit war unmöglich: die Weihnachtsgeschenkeinlösung mit Corelli – Concerti Grossi der Akademie für Alte Musik. Nicht nur, dass es mir komplett an Energie gefehlt hätte, überhaupt bis zum Konzerthaus zu gelangen. Auch ein Dauerhuster im Publikum wäre sozial schwierig gewesen.

    Madame ging mit Professor Transformation und war begeistert. Also schwer begeistert. Also unfassbar begeistert. Fast schon megabegeistert. Naja, nächstes Jahr soll es den zweiten Teil des Zyklus geben.

    Madame holt die Gans ab. Ein geplantes Gänseessen mit la chanteuse und le pianiste fand im Dezember keinen Termin mehr. Im Januar hingegen sind Gänse schwierig. Anscheinend möchte niemand im Januar Gänse essen.

    Zum Glück wohnt die Geflügel- und Wildfleischerei Albrecht nebenan. Selbst die bekommt im Januar nur Tiefkühlgänse. Albrecht hat eine solche aber Donnerstag anliefern lassen und bis zum heutigen Samstag fachgerecht aufgetaut. Nun wird Madame die niedersächsische Weidegans abholen, über Nacht niedertemperaturgaren und morgen mit zu les musiciens nehmen.

    Dank Paula habe ich neue Perspektiven aufs Wohnzimmer. Fühle mich bestätigt: Es gibt nur eine legitime Variante, private Büchersammlungen zu organisieren: Folgend dem Prinzip Serendipität nach Farbe.

    Bücherregal mit einer gelben und einer schwarzen Buchreihe.

    Rekonstruktion vergangener Tage

    Die Woche begann damit, dass ich Montag um 5:00h von hupenden Demonstrations-Traktoren aus dem Schlaf gerissen wurde. Meine spontane Reaktion bewegte sich im vorpolitischen Raum, war aber nicht von Sympathie und Verständnis geprägt.

    Etwas wacher habe ich mich gefragt, wie wohl die öffentlich-politischen Reaktionen ausfallen würden, wenn 10.000 rumänische Landarbeiter*innen Autobahnen und Straßen blockierten.

    Aber tausende Bilderbücher, Spielzeugsets und Kinderserien mit „mein erster Bauernhof“ sind die beste Imagekampagne aller Zeiten. Dagegen, dass ein Großteil der Deutschen davon träumt, mit dem eigenen Traktor über die eigene Parzelle zu fahren und eigenes Gemüse zu ernten, kommt keine Argumentation an.

    Menschen denken in Bildern oder Worten. Ich tendenziell in beidem. Das Originelle: Seitdem hier regelmäßig Der Bestatter auf Netflix läuft, denke ich teils in Schweizerdeutsch. Nur dass ich gar kein aktives Schweizerdeutsch kann. Ich denke also in einer Pseudosprache, die ich nicht verstehe, die sich aber apart anhört. Vielleicht auch nur ein Erkältungssymptom.

    Die CDU plakatiert „Stoppschild für die Ampel.“ Ich frage mich, was aus der Autofahrerpartei geworden ist. Ampel sticht Stoppschild! Das lernt man doch in der ersten Stunde Fahrschule. D’oh!

    Letztes Wochenende der Versuch mit der Telekom zu kommunizieren, die uns irre Briefe schreibt, obwohl wir keine Kunden sind. Leider erfordert das Kontaktformular zwingend eine Kundennummer. Nach einer Bonusrunde am ebenso merkbefreiten wie sinnlosen Chatbot vorbei, gelang ich an einen Menschen. Immerhin weiß ich, warum sie uns schreiben. Jetzt muss ich nur noch zu den Stellen vordringen, die den Irrsinn auflösen können.

    Nach der letzt-sonntäglichen Maple-Installation fehlte dann jegliche Energie mit damit zu befassen. Ich habe ein neues Spielzeug und es eine Woche lang nicht einmal angeschaut. So sad.

    Auch noch letztes Wochenende: Madame crockte, ich bloggte: Boston Baked Beans.

    Gaggenau-Kaunas-Cannes

    Mehr Rezepte sollten beginnen mit „Im Keller fand sich noch ein Lötkolben.“

    Via Kellerkind auf Tröt. ARD Panorama war bei den Erntehelfern für Kohl.

    Was macht ein Zugbegleiter wenn die GDL streikt? (Und wer fährt die Notzüge: Azubis, Führungskräfte, Beamte)

    Karens Turku-Warschau-Zugreise geht weiter: Kapitel 3: Riga -> Kaunas.

    In Turku schneit es, in Cannes blühen die Mimosen.

    Gaggenau, Zentrum des Florida Death Metal.