Schlagwort: hinterhaus

  • 25-11-08 Quick Commerce und ein Tiroler Apfelkuchen

    25-11-08 Quick Commerce und ein Tiroler Apfelkuchen

    Die erste gute Nachricht: der Strich auf dem Test wird heller. Die zweite gute Nachricht: die innerwohnungliche Quarantäne ist beendet.

    Aus der Kombination der beiden Nachrichten (Quarantäne beendet, aber Strich noch da), lässt sich die schlechte Nachricht deduzieren: Es hat auch Madame erwischt.

    Unserer Schätzung nach passierte es am Montag als ich erst noch gar nicht wusste, dass ich krank bin, und dann nichts von COVID-19 ahnte.

    Es waren drei Tage der COVID-19.

    Jetzt also sofiert Madame. Ich aber fühle mich fit wie die ganze Woche nicht, habe freiwillig mehrfach eine kleine Leiter bestiegen und ein 20-Kilo-Paket erst vier Stockwerke hoch und dann wieder herunter getragen.

    Spannend, dass der Controllstreifen je dunkler ist, je heller der coronaTeststreifen ist.

    Grünspecht und Eichelhäher

    Langsam bin ich wieder diesseits meiner eigenen Gedanken, und möchte für das Protokoll vom letzten Sonntag vermerken:

    • Die neuen Narzissen sind gesetzt: unter Küchen- und Schlafzimmerfenster, am alten Grillplatz und neben dem großen Gartenvulkan. Also im Wesentlichen einmal um den Bungalow herum.
    • Madame schnitt Hecke auf dem Gemeinschaftsgrundstück und – am Wichtigsten – wurde dabei von mehreren relevanten Nachbarn gesehen, hat sich zur Erinnerungsförderung auch mit diesen unterhalten.
    • Wir nahmen uns vor, nächstes Jahr endlich den Schuppen mit einer Stufe vor der Tür und mit Strom zu versorgen; noch nicht ganz entschieden ist, ob für alle Fälle eine Wallbox hinzu kommen soll. Noch fahren wir mit Autogas und Benzin (und der Subaru möge noch ein paar Jahre durchhalten), aber ein Ende des Verbrennungsmotors ist hier absehbar.
    • Fast hätten wir uns nicht in den Garten getraut. Denn die ganze Zeit hüpften Grünspecht und Eichelhäher durch den Garten – die wollten wir natürlich nicht verscheuchen.

    Fahrradträger und enge Durchfahrt

    Letzter externer Sozialkontakt bevor ich daniedersank: eine tschechische Familie, die anscheinend zur neu gebauten Dachboden-Ausbau-Wohnung im Hinterhaus wollte. Ich frage mich, ob als Gast oder als Besitzer? Denn so in klassischer vier-Personen-Familienaufstellung mit frische geputztem Mittelklasseauto und darauf frisch geputzte Fahrräder, sie alle in glänzender Funktionskleidung – ich glaube nicht, dass ich in diesem Haus je Menschen sah, die so derartige mein-Habitat-ist-nicht-die-Großstadt-Vibes verströmten wie diese.

    Ist es möglich, Bücherregale dreireihig zu stellen?

    Angesichts des baldigen Umzugs versuchen wir Zeug loszuwerden. Die neue Wohnung ist in vielerlei Hinsicht ein Traum, und sie sparkt jede Menge Joy. Aber sie ist auch 12 Quadratmeter kleiner als unser jetzt schon vollgestopftes Domizil.

    Wenn ich richtig zähle, dürften die ersten fünf bis sechs Meter Buch die Wohnung verlassen haben. Ich fing an, die erste Tasche mit nicht-dringend-gemochten-CDs zu packen und eine seit Jahren nicht verwendete Ersatzsportmatte verließ die Wohnung. Das Stehpult ist noch da, aber nur weil die Übergabe am Virus scheiterte.

    Noch sucht der silber-blaue Sessel ein neues Heim; und vermutlich weitere zehn Meter Buch, sowie anderer Kleinkram. Ich überlege, einen Zu-verschenken-Verteiler aufzubauen.

    Größer Posten: Das Bett. Das mögen wir eigentlich. Aber es ist ein paar kritische Zentimeter zu groß für das neue Schlafzimmer, ist zudem 17 Jahre alt, von IKEA, und wurde auch schon einmal geflickt. Aber jetzt ein neues Bett kaufen als Ersatz für Eines, das wir beide mögen?

    Naja, ein paar Tage Krankenlager ersparten uns die Entscheidung. Halb brach es, halb sank ich dahin. Offenbar hat es genau rechtzeitig zum Umzug seine natürliche Lebensdauer erreicht. Noch besser wäre es gewesen, es hätte diese Entscheidung nicht nachts um 1 getroffen, während ich das Zimmer eigentlich nicht verlassen sollte.

    Der improvisierte Schlafplatzumbau funktionierte auch Nachts. Am nächsten Tag war Madame in der Hafenstadt, so dass ich ein paar Stunden Zeit zur ordnungsgemäßen Demontage und Verräumung hatte.

    Bestellen

    Zum Glück ist Ereignis ein paar Tage her. Nichts läge mir derzeit ferner als fiebrig im Bett zu wälzen. Das Abenteuer wartet. Und da meine Abenteuer ja immer noch unter Vermeidung phyischer Nähe stattfinden sollte, wagte ich mich in die Welt der Lebensmittebringdienste.

    Versuch 1: Quick Commerce, aka Flink. Versprechen eine Lieferung von ihrem Angebot innerhalb einer kurzer Zeit. Und tatsächlich war es spannend, auf „bestellen“ zu drücken, einem Punkt auf der Berlin-Karte zu folgen, und kaum 20 Minute später waren neue Coronatests, Schokolade, Wurstaufschnitt und eine Überraschungs-„Rettertüte“ mit Tomaten, Birnen und Quaese in der Wohnung.

    Aber: Selbst mir fiel auf, dass das ganz schön teuer war angesichts der Einkäufe und die Auswahl begrenzt. Am Ende ist Quick Commerce halt so eine Art Liefer-Späti mit Späti-Preisen und -Angebot.

    Zweiter Versuch Knuspr: Das wollte sich eher an, wie eine Onlineversion der BioCompany mit lokalem Gemüse und Fleisch der Biomanufaktur Havelland. Dazu diverse Münchner Lokalerzeuger, tschechische Knödel, drollige Eigenmarken und Marks and Spencer Food. Fast hätte ich bestellt; aber die Lieferung war erst Montag möglich – da kann ich voraussichtlich schon wieder selber einkaufen.

    Selber backen

    Deshalb weiter im Programm, möglichst viele Vorräte vor dem Umzug aufzubrauchen: Diesmal Buchweizenmehl. Das Internet hatte mir vor ein paar Tagen schon einen (Süd)Tiroler Apfelkuchen mit Buchweizenmehl in verschiedenen Varianten in die Hände gelegt. Den gab es gleich zweimal, einmal prä-Coronatest und einmal jetzt und ich pickte mehr oder weniger blind dieses Rezept:

    Südtiroler Apfelkuchen mit Buchweizenmehl – kann empfehlen, die Nuss-Buchweizen-Mischung gegen Apfel, Zucker und Bitterorange funktioniert.

    Heute aber war ich neugierig. Wenn mir das Internet etwas als „traditionell“ für eine Gegend verkaufen will, beginnt mein Misstrauen. Leider sind solche Claims auch nur mit großem Aufwand recherchierbar. Also fragte ich den Haselanten.

    Aussage: Nein, ein Apfelkuchen mit Nüssen aus Buchweizenmehl ist in (Süd)Tirol nicht traditionell. Aber es gibt dort einen traditionellen Buchweizen-Nuss-Kuchen mit Apfel.1

    Hurra, der Haselant hat seinen sympathischen Spirit der Gaga-Aussagen wieder, den ChatGPT durch ChatGPT5 verloren hatte.

    Drehtür und Bahnhof

    Ich musste kurz grinsen: Neue Drehtür am Görlitzer Park gestohlen

    Da entdecke ich eine Gemeinsamkeit mit Frau Novemberregen und schon ist sie vorbei: [ich] bin sehr freudig aufgeregt über sehr viele Dinge, zunächst einmal die Übernachtung, ich wollte nämlich immer schonmal in einem Intercity-Hotel übernachten, nur hat es sich bisher noch nie ergeben. Bis heute!

    Passend dazu: Herr Buddenbohm nimmt mir die Worte aus dem Mund, was ich an Bahnhöfen liebe.

    Auch du, Athen: Gentrifizierung nennt man das.

    Nein, ich hätte nicht gedacht, dass ich meine Musiktipps je aus einem Blog names fadenspiel und fingerwerk bekommen würde. Aber hach, Soleil Blue ist einfach zum Dahinträumen und das Video schon sehr Frankreich.

    Endlich mal jemand, der den Zusammenhang zwischen Halloween und Allerseelen sieht:

    ich erinnere mich an die fotos von hell erleuchteten friedhöfen, kannte und kenne aber niemanden, der selber was angezündet hat, klar, wir waren alle knapp über 20 damals, da hatten wir noch keine toten, aber es war auch niemand auf diese art gläubig, […] Inzwischen trage ich meine toten so mit mir herum, sie sind teil des inneren panoptikums, denke sozusagen immer und nie an sie. […] ich mag den jetzigen umgang mit allerseelen lieber, die geister werden im lebendigen gefeiert, die toten und ihre gespenster in einer kindgerechten form, (Hotel Mama: ognissanti)

    Jetzt Dunkeltuten.

    Anmerkungen

    1. Die wahre Traditionstorte scheint aber die Schwarzplentene Torte mit Preiselbeeren zu sein. ↩︎
  • 23-09-14 Eigenkapitalrendite veganer Hackfleischproduktion

    23-09-14 Eigenkapitalrendite veganer Hackfleischproduktion

    Madame soll melden, ob sie einen Besucherparkplatz benötigt.

    Der Herbst naht. Lidl verkauft Weißwurst. Der Herbst naht. RTL kündigt die nächste Staffel Ninja Warrior Germany an.

    Der Fahrstuhl der Hinterhausbaustelle verschwand. Entweder sie haben jetzt alles Schwere und Sperrige vom Dach entfernt und neues Schweres und Sperriges hinaufverfrachtet. Oder das Geld ging ihnen aus. Oder jemand hat vergessen, den Mietvertrag zu verlängern. Alles ist möglich.

    „Unser“ Fahrtstuhl ist noch da. Und passend zum Klausurtermin hat mal wieder jemand lautstark auf dem Dach gearbeitet.

    Freundlicherweise waren die lauten Bohr-Zeiten immer nur einige Minuten kurz und über einem anderen Abschnitt der Wohnung. Nicht so gut war, dass dann auch noch auf dem Hof eine Mischung aus Laubbläser und Presslufthammer losging. (Keine Ahnung was – konnte ja nicht rausschauen, ich stand unter Klausuraufsicht). Immer sehr passend, wenn die Klausur eine Onlineklausur ist und ein Teil über eine Zoomkonferenz mit zwangsweise offenem Mikro läuft. Ich hoffe, bei den anderen kam der Baustellengeräuschpegel nur gedämpft an.

    r(*) = (e1/-2e0) x ((Wurzel(e1/2e0 – e2/eo)) -1)

    Ich stellte fest: Offensichtlich habe ich keine Blogleser*innen, die hier BWL-Korrektur lesen. Meine Ausführungen zum Cashflow vor ein paar Tagen waren falsch – aber zum Glück merkte ich es noch rechtzeitig. In der Klausur erschien auch prompt eine Frage zum Themenkomplex.

    Vor der Klausur kamen die letzten Tage der Vorbereitung. Wieder in Schöneberg. Wieder ging es mir am letzten halben Tag, vor allem darum, den Kopf frei zu kriegen und mir wieder etwas Flexibiliät in Hirn zu schaffen. Das heißt normalerweise Park + Schwimmbad.

    Diesmal nicht.

    Ich möchte die Chance nutzen, um unaufgefordert Gesundheitstipps zu geben: Falls Ihr vorhabt, Euch einen schwall kochendes Wasser über den Bauch zu kippen: Haltet ein!

    Es fühlt sich nicht so toll an. Das optische Resultat ist meines Erachtens verbesserungsfähig. Und vor allem: Danach habt Ihr länger eine größere nicht-verheilte-Wunde – mit der Schwimmen nicht möglich ist. Und das ist das Schlimmste!

    Irgendwie habe ich Mittwoch überstanden. Die Klausur entsprach im Wesentlichen meinen Erwartungen: (a) Wenn ich scheitere, dann nur an eigener Dämlichkeit. (b) Wie ich mich kenne, liegt das komplett im Bereich des Möglichen.

    K_0 = – 1000 + (200×1,02^-1) + (500×1,03^-2) + (500×1,01^-3)

    Also, einloggen heute um 8.40h, dem Zoom-Meeting beitreten, den Name auf Nachname, Vorname (park, south) ändern und den Bildschirm freigeben. Die Klausuraufsicht spricht Einzelne an, die bei einem der beiden Punkte Probleme haben.

    Um 8.55h werden die Fragen freigeschaltet. Um etwa 9.10h spricht mich eine Aufsicht via Breakout-Session an, lässt sich Personalausweis, Taschenrechner und leere Schmierblätter zeigen.

    Ich folge meinen üblichen Verfahren:

    1. Runde – alles überfliegen, so dass ich eine ungefähres Gefühl habe, für das was kommt.

    2. Runde – alle Fragen beantworten, bei denen ich ohne Überlegen entweder die Antwort weiß (MC) oder weiß was ich rechnen muss.

    3. Runde – Fragen, die mich einige Minuten des Überlegens kosten (Ich weiß, ich weiß die Formel – muss sie mir aber erstmal korrekt ins Gedächtnis rufen. Oder auch: Aufgabe mehrfach lesen, um sicher zu sein, wie ich sie verstehen muss.)

    4. Runde – Fragen, bei denen ich überhaupt mal überlegen muss, was der Ansatz sein könnte.

    Glücklicherweise war ich danach mit allen Fragen durch. Es war kurz nach 10 und ich hatte noch fast eine Stunde Zeit.

    Und dann kam: Gegenrechnen und gegenrechnen. Im Wesentlichen bestanden die Aufgaben aus Berechnungen, die etwas Taschenrechnerartistik verlangten. Auch wenn ich mich überzeugt hatte, dass all‘ meine Ergebnisse zumindest ein plausibles Ergebnis hatten; ich in der richtigen Größenordnung ankam- Verrechner sind bei mir immer möglich.

    Und wenn ich mal irgendwo 1,02 statt 1,03 getippt habe oder einen Term ganz vergaß – dann schreibe ich halt 330,679 statt der korrekten 337,987 – dann sind das Null Punkte bei der Frage.

    Naja, ich fand Verrechner und dann noch einige Verrechner und irgendwann fand ich keine mehr, war aber auch schon so gehirnmatschig, dass mein Rechnen vermutlich nicht mehr besser geworden ist.

    Um 11 Uhr war Schluß. Passend gewürdigt mit einem wilden Bimmeln vieler Handies in Hörweite der Klausurteilnehmer*innen. Und damit war mein 3. Fernuni-Semester beendet. Ich kann raten: Legt Euch wichtige Termine auf 11 Uhr am Alarmtag, das macht Stimmung.

    Nach der Klausur. Mit beschmiertem Schmierpapier und ordnungsgemäßen Taschenrechner.

    1, 2 und 3 – vorbei

    Damit ist Semester 3 des Fernuni-Abenteuers vorbei. Aktueller Stand: Bestes Semester. Sei es die wilde Achterbahnfahrt der Algo-Mathe, sei es Investition und Finanzierung (das ich viel zu lange sträflich ignoriert habe, eigentlich finde ich auch das inhaltlich spannend.)

    Langsam komme ich im ganzen Prozess auch so an, dass ich auf dem Fahrrad das neue Kranzler Eck/den Fernuni-Campus-Berlin ohne Nachdenken finde. Mein Arbeits- und Lernrhythmus wird besser. Meine Klausurvorbereitung zumindest etwas entspannter. Ich bekomme ein besseres Gefühl dafür, wie die Fernuni so tickt und was sie wirklich von mir will.

    (Wie immer half mir Inaugenscheinname: Zum Studientag nach Hagen fahren war trotz 38 Grad und Bahn-Chaos jeden Schweißtropfen wert).

    Morgen stehen vermutlich die Unterlagen für Semester 4 auf dem Briefkasten.

    Da ich immer noch nicht schwimmen durfte, also ausgiebig seufzen. Danach brach ich auf zur nächstbesten Alternative: Mit Ringbahn, U7 und Bus zum Bürgeramt Wasserstadt und meinen neuen Personalausweis abholen.

    Und jetzt bin ich knülle.

    Türkischer Basar

    Noch ein Gesundheitstipp: Nicht vom eigenen Steuerordner erschlagen lassen. Zum Glück sah Madame das ähnlich und wehrte das herabfallende Regalbrett ab.

    Bücher, auch nicht-Krimis, kaufe ich bei Hammett. Und gratuliere herzlich dazu, schon wieder den Deutschen Buchhandelspreis gewonnen zu haben.

    Karen war unterwätigt von Florenz und sah zu wenig von Pisa.

    Nachdem der Silobrand den NDR nach Wesselburen gelockt hatte, entdeckten die Journalisten auch gleich die rumänische Community. Ist auch nicht ganz einfach. Ein 3000-Einwohner-Städtchen (Land, Schleswig-Holstein, starker Rentneranteil), in das in wenigen Jahren mehrere hundert Rumänische Landarbeiter*innen ziehen. Sagen wir mal, die Auffassungen, was „normal“ und „richtig“ ist divergieren stark. Bisher verhalten sich alle Beteiligten vergleichsweise zivil.

    Für einen (Wirtschafts)Informatik-Studenten, dessen Arbeitsplatz sich im Organigramm unter Informationstechnologie->Infrastruktur findet, war mein Verhältnis zum „Programmieren“, immer etwas schwierig. Ich fand und finde es ziemlich umständlich, dem Rechner wirklich buchstabenweise erklären zu müssen, was er tun soll. Meine Neigung zu Tippfehlern ist in dem Kontext nicht hilfreich.

    Aber inzwischen verstehe ich genug vom Thema, um Programmiersprache als Konzept total spannend zu finden und auch, wie verschiedene Sprachen bestimmte Strukturen ähnlich oder halt verschiedenen lösen. Mit Genuß las ich „Python erklärt für Benutzer von R„.

    Ich habe leichte Hoffnung. Hoffnung, dass die Medien-Schul-Universitäts-Deutschen es schaffen, „Gastarbeitergeschichte“ auch als Teil „ihrer“ Geschichte zu begreifen. Vielleicht entwickelt sich eine kollektive deutsch Geschichtserzählung, die die Zeit der 1950 und folgende ebenso aus Sicht der Gastarbeiter*innen erzählt, wie aus Sicht der hier schon ansässigen.

    Auf jeden Fall hörte ich letztens im Deutschlandfunk Kalenderblatt ohne jedes Tamtam einen Rückblick auf den Ford-Streik 1973. Über eine neue Geschichts-Plakette in Schöneberg zum Türkischen Bazar in der Hochbahn stieß ich auf den Film Aşk, Mark ve Ölüm (Liebe, DM und Tod), der immerhin einen Berlinale-Publikumspreis gewann. Auch auf DLF mitten in der Lied und Folksendung spielte der Song Onda Calabra – dessen Video auch Italien-in-Deutschland-unglamouröse-Variante spiegelt.

  • 23-08-31 Ab-Rüsten. Mit Geodreieck.

    23-08-31 Ab-Rüsten. Mit Geodreieck.

    Madame macht sich Gedanken: „Was ist Recht?“ Unterscheidet sich „Recht“ von „das Recht“?

    Bei diesen Gedanken stieß sie auf den Heavy-Metal-Mathe-Professor Christian Spannagel und seine Ausführungen zum Flipped Classroom. Ich verstand, warum Spannagel-Videos seid vielen Jahren zur Grundausstattung einer/s jeden Mathe-Lernenden-Studis gehören.

    Mit Lernen – also Neu-Lernen – ist bei mir natürlich gerade gar nichts. So kurz vor der Klausur im Klausurlaub denke ich „Alles was ich während des Kurses schon nicht verstanden habe, verstehe ich jetzt auch nicht mehr.“ Aber ich bin eigentlich optimistisch, dass ich bis in den Juli/August hinein genug verstanden habe, um zu bestehen.

    Jetzt halt: Wiederholen. Sich erinnern. Und den handschriftlichen DIN-A4-Spickzettel erstellen, den ich mitnehmen darf.

    Erinnerungen an den Sommer: Beim 18 Grad und Dauerregen schaue ich Studientagsvideos. Die kümmern sich zwar nur um Mathe, aber ab und an kommen auch die Bedingungen des Studientags vor. Lebhaft erinnere ich mich an 34 Grad Außentemperatur – wir saßen in einem nicht-klimatisierten 80er-Jahre-Unibau, in dem wir die Fenster nicht öffnen durften, denn direkt davor war die Baustelle. Sie erzeugte Lärm und Staub.

    Und so pivotierten wir links herum und rechts herum und wieder rechts herum und vielleicht auch einmal auf dem Kopf, dass einem ganz schwindelig wurde. Sei es wegen der 34 Grad, sei es wegen der Pivoetten.

    Jetzt ist angenehmer. 18 Grad. In der Wohnung bei bedarfsweise offenen oder geschlossenen Fenstern. Natürlich verlernhöhle ich dabei auch. Es kommt zu wenig mehr als einem Gang zum Supermarkt, zum Fahrradmeister und vielleicht auch mal mit Lernmaterialen in den Park.

    Tablet mit Matheaufgabenfilm. Im Hintergrund Wohnzimmer.
    In da Lernhöhle

    Die Hinterhausbaustelle bietet uns wieder Gerüstnahsehen an. Denn das Hinterhausgerüst verschwindet endgültig. Die alleroberste Etage, die über das Dach hinausragte ist bereits weg, weitere werden vermutlich folgen. Die katzenhafte Sicherheit mit der die Herren dort herumturnen – beeindruckend.

    Andere Herren legten dafür mit der Dachbodenbaustelle über unseren Köpfen los und fanden eine Mauer zum Einreißen. Es wirkt genau so wie es sich liest: „Direkt über Deinem Kopf wird eine Mauer eingerissen.“ Ich hoffe, sie setzen das nicht fort, wenn ich gerade eine Onlineklausur schreiben möchte.

    Madames Armbaustelle baut auch ab. Tagsüber darf sie sich wieder ohne Rüstung, nacktarmig und orthesenfrei in die Öffentlichkeit wagen. Nur Nachts, wenn niemand die Armbewegungen kontrolliert, ist der gerüstete Schutz nötig. Sonst steht halt das übliche Programm auf dem Plan, um Arm und Handgelenk wieder zum Leben zu erwecken.

    Zur Feier des Tages trafen wir uns bei der Kaffeerösterei Enrico, tranken Galao und aßen Zitronen-Baiser-Tarteletts. Zur Feier des Tages verschwand Madame im Stadtbad Schöneberg (Schwimmen: Gut. Radfahren: Böse.) Und zur Feier des Tages brachte sie ein neues Geodreieck mit. („Ignorieren Sie nicht die geometrische Lösung einer Optimierungsaufgabe!“)

    Das Weihnachtsbaumgeschäft brummt

    Corona existiert noch. Der politisch-moralisch stets mustergültig postende Teil der Menschheit muss sich noch zurückgewöhnen. Auf Tröt lese ich mehrere Posts des Inhalts „Ich bin erst zwei Stunden zur Rush Hour mit der Ringbahn gefahren, war dann in der Karaokebar, um erst im Aufzug Potsdamer-Platz-Aussichtsturm 15mal rauf und runter zu gelangen und dann in den KitKat-Club zu gehen. UND NUR ICH HATTE EINE MASKE AUF!“. Aber das wird noch.

    Das Silofeuer in Wesselburen ist gelöscht. 500 Einsatzkräfte auf mehreren Landkreisen bis hin zu Experten der Hamburger Berufsfeuerwehr.

    Die Wikipedia-Gruppe Hannover entdeckte eine*n verstorbene*n Erblasser und fuhr mit dem Erbe nach Posen/Poznań.

    Via Landlebenblog lernte ich: Das Weihnachtsbaum-Geschäft brummt quasi schon, Sie sollten sich also eilen, wenn Sie noch einen vernünftigen Baum ergattern wollen

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  • 23-08-29 Lichterlohes Lodern über Dithmarschen

    23-08-29 Lichterlohes Lodern über Dithmarschen

    Die Dachbaustelle im Hinterhaus bekommt einen erkennbaren Balkon.

    Auf unserem Dachboden, den ich eigentlich für komplett leer halte, sind neuerdings Abends nach 22 Uhr oder morgens vor 7 Uhr kleine Männergruppen und machen irgendwas. Ich vermute, dort findet fortgeschrittenes Hallodritum statt.

    Fortgeschrittenes Fensterputztum fand in der Wohnung statt, dank eines Profis mit Leiter und norddeutschem Migrationshintergrund.

    Der italienische Feinkostladen in der Straße eröffnete. Stilecht mit grün-weiß-roten-Luftballons. Angesichts der übrigen Kleineinzelhändler dieser Straße vermute ich trotzdem, dass er im Hintergrund einer türkischstämmigen Familie gehört. Aber es waren Leute anwesend. Viele.

    Wir sind Zeugen einer Transformation: Wirkten die Geschäfte dieser Straßenzeile (Wettbüros, Sportschuhe, Gastrogroßbedarf) bisher so als wären sie nicht auf Laufkundschaft – oder überhaupt auf Kundschaft – angelegt, hat die rapide Transformation in den letzten Wochen viel Neues gebracht: Hühnerwald, „Medien + Reisebüro“, der neue Inder und jetzt auch der Feinkostladen wirken ernstlich so, als sollten Leute hineinkommen. Nur der „Barbershop-Großbedarf“ verströmt weiterhin das Flair einer geschlossenen Gesellschaft.

    Gepreppt: The one and only Coffee Chili. Als Nachtisch: James Grieve aus eigenem Anbau. Unter dem anderen Apfelbaum wächst Borretsch. Der hat sich freundlicherweise ohne unsere direkte Intervention dort angesiedelt.

    Heute morgen beim Frühstück warnte mich die Katwarn-App: Feuerwehreinsatz in Dithmarschen. Halten Sie Fenster und Türen geschlossen. Eines der beiden Wesselburener Wahrzeichen brannte. Und da im Getreidesilo immer wieder Getreide nachrückte, war es quasi unlöschbar. Drama in Wesselburen. Anruf beim Kaptain: „Ach, deshalb riecht es so. Ich hab mich schon gefragt, wer so früh am Morgen grillt.“

    Der Geruch in der Tiefgarage der Südkreuz Offices wird intensiver. Soweit ich verstehe, scheitert eine Taubenbekämpfung am Taubenschutzverein, der Nester mit Eiern entdeckte. Als Mieter eines Berliner Balkons sage ich: Herrje. Natürlich. Sobald man drei Minuten nicht hinschaut, haben sich Tauben angesiedelt, ein Nest gebaut und Eier gelegt. Das ist ihre Superkraft.

    Taube im Parkhaus: Darunter Taubendreck.
    Die Höhenwarnung schaukelt. Ein Eigenschaft, die die Stadttaube offensichtlich schätzt.

    Mutter von Welt, Zug in Griechenland

    Kitty Koma war in Nachbarschaft unserer Latifunden auf einer Einschulungsfeier. Sie entdeckte: Die Mutter von Welt trägt bei so einer Veranstaltung um 9:30 Uhr langes Abendkleid, silberne High Heels und falsche Wimpern zu ihren üblichen Tatoos.

    Ich finde Karens Zugreise durch halb Europa ebenso cool wie inspirierend. Und auf meiner eigenen Löffelliste landete sofort der Plan: Mit dem Zug an den griechischen Strand: Turku-Istanbul mit dem Zug: (13) Kineta

    Strong, striving, great, more, wider

    Überraschenderweise bin ich ja in meinem Leben aktuell im öffentlichen Dienst gelandet – und den Vorurteilen nach soll dort nicht alles immer rasend schnell gehen. Umso mehr freut es mich, dass mein Ex-Arbeitgeber, Wikimedia Deutschland, sich das „10-Wochen-Jetzt“ angewöhnte. WMDE bloggt We are excited to announce that Wikimedia Deutschland (WMDE) now has a new strategic direction until 2030!

    (Formell beschlossen am 17. Juni, gebloggt am 29. August)

    Zu meiner Zeit war es so, dass WMDE ein disparater Verein war, mit reichlich verschiedenen Abteilungen. Um ein Bild zu nutzen: Wäre es ein „Verein zur Förderung des Sports gewesen“, hätte es eine Abteilung für Schwimmen gegeben, eine zur Entwicklung von Kufen für Rennrodeln, eine zur Erforschung des Sports im Nationalsozialismus und eine für internationale Beziehungen.

    Dementsprechend schwierig waren alle Strategiedebatten. Meistens endeten sie darin, dass unter Hinzuziehung mehrerer Arbeitsgruppen mit großem Aufwand und in schönen Worten gesagt wurde „Wir müssen Wassersporttreibende ohne Sportgerät fördern und schnellere Verbindungen zwischen durch Schwerkraft angetriebenen Renngeräten und dem Eis entwickeln und das Wissen über das Wesen des Sports im Nationalsozialismus vertiefen und das alles in einen internationalen Kontext stellen.“

    Meine Zeit ist lange vorbei. Aber wenn ich mir die Strategie so betrachte: Nicht viel hat sich geändert seitdem.

    Viel Geld

    Die 1990er haben angerufen und möchten ihre Standort-Deutschland-Debatte zurück. Einziges Zeichen des ökonomischen Wandels seitdem: Das Schimpfwort der „Vollkaskomentalität“ wandelte sich zur „Flatratementalität.“ Eine Nation der Autobesitzer verwandelte sich in eine Nation der Handynutzer.

    Wobei sowohl Vollkaskoversicherungen wie auch Handy-Flatrates nur existieren, weil sie für die Anbieter gewinnbringende Geschäftsmodelle sind. Die Kunden zahlen im Schnitt mehr einzahlen als sie entnehmen. Menschen schätzen es, wenn sie keine finanzielle Unsicherheit erfahren. Sie sind bereit, dafür Geld zu auszugeben.

    Die New York Times berichtet, dass Dänemark überlegt zwei nationale Wirtschaftsbilanzen aufzustellen: Eine mit Novo Nordisk, dem Entwickler von Ozempic und Wegovy, (Gesamtes Nationales Wirtschaftswachstum mit NN knapp 2%) und eine ohne (Wirtschaftswachstum 0%). Zwei Diätmedikamente machen genug Umsatz und Gewinn um komplette europäische Volkswirtschaften aus dem Rahmen zu werfen.

    Um fast soviel Geld geht es im New-York-Times-Feature The Inheritance Case That Could Unravel an Art Dynasty (Geschenklink ohne Paywall) – die Welt aus gigantischem Reichtum (mehrfache Milliardärsklasse), einem kulturell-distinguierten Lebensstil weit über jede Karikatur hinaus, totaler Verschwiegenheit und Organisierter Kriminalität auf Eliteniveau fasziniert mich. Ähnlich fasziniert mich aber auch seit Jahren Feuilletonberichterstattung über moderne Kunst, die ohne die Wörter Schwarzgeld, OK und Mafia auskommt.

    Die Zeit entdeckte (hinter der Paywall), dass ausgerechnet der Veltener Bernsteinsee ein „Trendsee“ sein soll. Da kommen auch Journalismuszweifel auf: Von den etwa zehn Badeseen in der Nordwestecke Berlins, die mir einfielen, liegt der Bernsteinsee irgendwo zwischen Platz 9 und 10.

  • 23-05-16 Fluch der Karibik

    23-05-16 Fluch der Karibik

    Die Hinter-dem-Büro-Baustelle dichtet das Tiefgaragendach mit Dachpappe ab. Das Dach liegt genau auf Bodenhöhe. Es sieht so aus, als würden mehrere Lagen Dachpappe direkt auf den Erdboden verlegt. Darauf wird ein halber Meter angekarrter Erde kommen, um Natur zu suggerieren. Die Hinterhausbaustelle zog Schläuche quer über den Hinterhof. Irgendeine weitere Baustelle sperrte spontan den Radweg vor unserem Haus.

    Der Bungalow-Wasserzählerwechsel mit Verplombung ist in all‘ seinen Verästelungen durchlaufen. Damit ist die letzte der dortigen Winter-’22/’23-Aufgaben vollendet.

    Der Kaptain schickte Fotos aus Sylt – ich bewundere, dass sie eine Wohnung mieten konnte, die im Erdgeschoss liegt, Meerblick hat und bezahlbar ist. Madame stand am Spandauer Damm.

    Meine Lieblings-Event-Mitarbeiterin (MLEM) testete freundlicherweise einen neu erfundenen Prozess.

    Zur mittelfristigen Erhaltung meiner geistigen Gesundheit nahm ich mir vor „Keine Uni auf der Arbeit. Auch nicht in den Pausen.“ Jetzt aber bin ich aber an einem Punkt, an dem ernsthaft Neugier und Ehrgeiz geweckt sind, Ich will wissen, wie diese komischen Mathe-Sachen funktionieren. Ich nahm mehrfach Mathe mit zur Mittagspause – weiß aber noch nicht was ich davon halte.

    Matritzenrechnungen mit zahlreichen Variablen
    Mathematiker haben es nicht so mit Zahlen.

    Weißer Flügel in Neukölln

    Neukölln gab alles. In der U7 zwischen Mehringdamm und Karl-Marx-Straße der junge Mann, gestylt, mit seiner großartigen Pastell-Neon-leuchtenden Boombox, der viel zu laut Achtziger-Jahre-Pop spielte und tanzen wollte. Das Publikum im Wagen schwankte zwischen amüsiert und genervt. Mit der ganz genervten Radfahrerin versuchte der junge Herr sich anzufreunden.

    Wir waren auf dem Weg zu Professor Transformation. Mit unserem Gourmet-Sachverständigen waren wir im „Vorwerck“, dem Event-Restaurant im Erdgeschoss der Neuköllner Oper verabredet. Ich haderte etwas – mehrgängiges Essen in Innenräumen fällt für mich unter Kultur, und damit unter Winteraktivitäten, – aber Madame und Professor Transformation waren von einem dortigen Zufallsbesuch so begeistert, dass ich zum geplanten Essen mitkam.

    Lohnend. Es gab ein 3-Gänge-Menü (Schaum vom Tomatenessenz mit Spalten von Rotweinschalotten), Kalbsrückensteak, Süßkartoffel gefüllt mit Graupen-Risotto und Azuki-Bohnen und New York Cheesecake. Durchgehend kompetent gekocht.

    Dazu, für uns nicht geplant, kamen wir zur Grand Piano Show. Wechselnd setzen sich Kellner an den weißen Flügel und spielen Pophits, Filmmusik, Klassik, die Tische raten gegeneinander. Wer zuerst den richtigen Song ruft, bekommt einen Punkt. Wir waren eher schlecht (3 Pünktchen brachten uns I will Survive, Jeannie und Time Warp). Über das Konzept an sich herrschte an unserem Tisch Uneinigkeit:

    Die klavierspielenden Kellner sind schick – wo muss man schon Fluch der Karibik am Flügel vorspielen, um Kellner zu werden? Ín seiner eigentümlichen Anmutung könnte das ganze Restaurant direkt dem New York Magazine entsprungen sein. Für Berliner Verhältnisse wirkte alles ungewohnt großstädtisch.

    Andererseits war das Essen eigentlich so gut, dass es hätte alleiniger Star des Abends sein sollen und nicht noch mit einer Klaviershow um unsere Aufmerksamkeit buhlen müssen. Aber wir kommen wieder, spätestens im Winter.

    Schafe und Scones

    Frau Herzbruch wurde zur Handball-Eishockeymutter (und als ehemaliger Kreismeister im Kleinfeldhandball kommt mir alles sehr bekannt vor.)

    Sarah Merker von den National Trust Scones besuchte die sconefreien Birmingham Back to Backs.

    Frauherr Streifzug verbrachte die ersten Wochen eines Sabbaticals auf den Orkneys und brachte unter anderem großartige Schafsbilder mit.

    Wem es entging. Meine „du meine Güte-Meldung des Monats:“ Zwei Öl/Gasfelder in Turkmenistan setzen mehr Treibhausgase frei als das komplette Vereinigte Königreich mit alles. Sprich: der Effekt, dort die Lecks zu stopfen wäre größer als die Umstellung eines kompletten westlichen Industriestaates auf Null Treibhauseffekt. Bei dem Thema merkt man immer mal wieder wie klein, unbedeutend und unwichtig man in dieser Welt ist.

  • 23-03-13 Spearman = Bravais-Pearson mit Rangzahlen

    23-03-13 Spearman = Bravais-Pearson mit Rangzahlen

    Die Hinterhausbaustelle lahmt. Gelegentlich sehen wir zwei Männer auf dem Hof, die sich anschreien oder einen Mann, der in ein Telefon schreit. Eigentlich schreit auch nur einer, wenn zwei Männer anwesend sind. Der ruhige Mann heißt Carlos und der aufgeregte Mann besteht darauf, dass ihm noch Geld geschuldet wird. Meine Interpretation: So lange Carlos nicht zahlt, wird die Hinterhausbaustelle weiter ruhen.

    Mein Lernzeit ist in einem seltsamen Loch. Für die (erstrebenswerten) 100% der Punkte bräuchte ich noch intensives Lernen für drei Wochen (und nicht für zwei Tage). Aber die sind mit einem 39-Stunden-Job nebenbei sowieso utopisch. Bei den (notwendigen) 50% der Punkte bin ich mir relativ sicher, dass ich dafür genug kann. Und so hänge ich.

    Beiße aber natürlich die Zähne zusammen und mache trotzdem weiter, denn ich würde mit mir hadern wenn ich an eigener Arroganz oder Selbstüberschätzung scheitern würde, weil ich es habe schleifen lassen. Die nächste Runde Basics verinnerlichen: Gini-Koeffizient, Korrelationsmaße (Bravais-Pearson, Spearman und Chi-Quadrat) und Kurtosis. Stetige Zufallsvariablen und das unmögliche Ereignis.

    Irgendwo in der Post sind Avocados und Orangen verschollen. Irgendwo in der brandenburgischen Nachbarschaftspipeline ging unser Handwerkerauftrag verloren, so dass wir jetzt eher hektisch umplanen müssen. Wobei ich noch den Vor-Klausur-Luxus in Anspruch nehme bis Dienstagabend alles Aktivitätswollende wegzuschieben, solange es nicht brennt und meine Haare bereits feuer fangen.

    Heute immerhin erlaubte ich mir Ausgang, kaufte in der BioCompany Goldstaub geriebene Vanille und im Asia-Markt Pandanblätter und Sesamöl. Im Asia-Markt entdeckte ich gleich zweierlei: Der Markt hat sich einmal komplett von rechts nach links und von vorne nach hinten umgeräumt. Meine lang anhaltende innere Frage, aus welchem Teil von Asia der Markt kommt, klärte sich etwas. Der Markt sucht neue Mitarbeiter:innen, die deutsch und „vorzugsweise chinesisch“ sprechen.

    Während ich mir das Ausgehen am Wochenende versagte, übernahm Madame dies mit einem Doppelausgang. Sonntag in Besame Mucho in der Neuköllner Oper, Samstag beim Ensemble reflektor / Elina Albach mit Super Suite im Theater im Delphi (Weißensee). Insbesondere am Samstag war sie geflasht.

    Gelesen:

    Freudig erinnere ich mich an eine Bahnreise im Februar 2020 von Basel über Köln und Brüssel nach London. Jon Worth schreibt zu neu aufkommenden Forderungen einer Direttissima Basel->London. Will there be a direct train from [insert city] to London through the Channel Tunnel? Probably not (Tl;dr Unwahrscheinlich: Denn die Briten wollen so viele Kontrollen, dass die an den Bahnhöfen nicht durchführbar wären und es gibt überhaupt keine physischen Züge, die die Strecke bedienen könnten.)

    Samsung ersetzt auf Fotos, die seine Handies machen, verschwommene Mondbilder durch KI-berechnete Monde. Warum sollten Kameras auch das verschwommen-kaum sichtbare abbilden, was die Physik vor der Linse hergibt, wenn der fotografierende Mensch viel lieber einen scharfen, detailreichen Mond hätte. (Reddit via Tröt)

    Wasserfarbenbild eines Kranken aus den 1820ern.
    Bild: Octopus vulgaris – Kawahara Keiga von: Kawahara Kaiga, entstanden zwischen 1823 und 1829. This media file is from Naturalis Biodiversity Center, donated in the context of a partnership program. Please mention as the source: Naturalis Biodiversity Center/Wikimedia Commons when using this file.

    Beim Nachdenken über LLM (Large Language Model, also sowas wie ChatGPT) muss ich immer an Paul den Tintenfisch denken. Ihr erinnert Euch: Paul, das Männer-Fußball-WM-Orakel der WM 2010. Ein Oktopus, der Fußball-WM-Ergebnisse mit hoher Präzision vorhersagte.

    Natürlich verstand Paul nichts von Fußball. Aber er nutzte den Kluger-Hans-Effekt: Paul konnte erkennen, welches Ergebnis die Menschen im Saal erwarteten und dieses dann zielsicher wählen.

    Die LLMs kommen mir genau so vor: Natürlich haben sie keine Ahnung davon was die Wörter bedeuten, die sie aneinanderreihen. Aber sie haben gelernt, welche Wortabfolgen Menschen glücklich machen.

    Ich freue mich über den Oscar für Everything everywhere all at once. Nachdem das Odeon den Film wieder aus dem Programm nahm bevor ich ihn sehen konnte, hoffe ich auf eine zweite Chance. Außerdem: Hey, eine schräge Science-Fiction-Komödie mit Dildokampf gewann mehr Oscars in den Hauptkategorien („above the line“) als je ein Film in der Oscargeschichte. Er wurde getragen von einer 60jährigen Hauptdarstellerin, die in diesem Alter den Scheitelpunkt ihrer Karriere erreicht. Und die Annahmereden waren ungewöhnlich schön. I am Happy.

  • 23-01-04 The vessel with the pestle

    23-01-04 The vessel with the pestle

    Ich wurde klimaklebeblockiert. Mit dem Fahrrad. Mein morgendlicher Radweg ist zwar kurz, führt aber an ein bis drei Autobahnausfahrten vorbei. Eine davon war beklebt. Die Kreuzung drumherum ein großes Verkehrstohuwabohu und die Polizei versuchte Ordnung hineinzubringen. Naja, und so stand ich ziemlich lange mit dem Rad herum und hoffte auf durchkommen.

    Eine autofahrende Frau beschwerte sich Richtung Fahrbahnsitzende „Ihr Faulpelze“. Das ist der letzte aller denkbaren Vorwürfe: Frühmorgens aufstehen, an ein Stadtende fahren, sich im kalten Regen festkleben und dann noch mit Autofahrer:innen rumstreiten, „faul“ ist das sicher nicht.

    Aber ich nehme das eh alles nicht persönlich: sie wollen einfach nur ins Fernsehen.

    Madame fuhr in die Hafenstadt und suchte ein Ventil.

    Ich erfreute mich an den Erinnerungen an „The Court Jester“ (USA, 1956; auf deutsch der Hofnarr); endlich füllte ich gestern Abend meine Bildungslücke zur Frage woher das Zitate „Der Kelch mit dem Elch, und der Becher mit dem Fächer“ (bzw. „The Vessel with the pestle and the chalice from the palace“) kommen. Falls Euch das alles nicht sagt: die Bildungslücke ist füllenswert.

    Liegender männlicher Elch, der zur Seite schaut. Ansicht von vorne, das heißte Brust und eine Seite des Kopfes sind zu sehen.
    Elch ohne Kelch. Bild: Close view of head with antlers of young bull moose von: aubenstein Karen, U.S. Fish and Wildlife Service Lizenz: This work has been released into the public domain by its author, Laubenstein Karen, U.S. Fish and Wildlife Service.

    Heute noch gelernt: Glynis Johns, die Darstellerin von Maid Jean in dem Film ist aktuell die älteste lebende Disney-Legende, der/die älteste lebende Schauspieler:in die für einen Oscar nominiert wurde und der/die einzige lebende Darstellerin aus dem Original-Batman. (und vermutlich auch die einzige lebende Darstellerin aus The Court Jester).

    Ich fände es schön, wenn Schauspieler:innen heutzutage standardmäßig singen, tanzen und fechten könnten.

    Das Dach auf dem Hinterhaus hat in Teilen Dachziegel. Vielleicht wird diese eine Baustelle beendet.

    Die Schwimmhalle Ernst-Thälmann-Park eröffnet nach Sanierung am 9. Januar wieder für das Publikum.