Schlagwort: WMDE

  • 26-06-09 Fast dringliche Fokussierung der Strategie zur Steigerung der Resilienz

    26-06-09 Fast dringliche Fokussierung der Strategie zur Steigerung der Resilienz

    Es gibt noch Bierbikes in Berlin.

    *

    In der U-üc ein kleiner Junge im Dinosaueriershirt. Ein wenig war ich neidisch. Zum Glück trug ich mein Bären-Narwal-Shirt und konnte mich daran trösten.

    *

    Notiz: „Mir träumte – Auto Schuhe, Schlamm, Fazit: andere dürfen ihre Schuhe“ – eventuell sollte ich meine Notizen nicht ganz so kursorisch kurz schreiben.

    *

    Die leicht übergriffige Deutschlandflagge von Nachbar canineri ist mittlerweile arg ausgefranst und ausgeblichen. Langsam kann ich eine emotionale Beziehung zu ihr herstellen: „Wir alle, Deutschlandflagge, wir alle.“

    *

    Es war ein Wochenende zwischen menschlicher Wissensstrategie in Fernost-Kreuzberg und dem Tanz der Knautien.

    Weder Gorgo noch Schreinern

    Als ich im letzten Post etwas vom „Töpfermodus“ des Hirns schrieb, begab ich mich in ein bloggerisches Mikroabenteuer. Ich habe keine Ahnung vom Töpfern, und dementsprechend frei improvisiert war der Vergleich.

    Madame hingegen hat viel Ahnung vom Töpfern und challengte mich erwartbarerweise, wie ich genau diese Metapher meine. Und ich habe halt keine Ahnung. Mein Gedanke über Gedanken war: „Struktur aus dem formlosen Nichts erschaffen. Anders als bei einer Schreiner- oder Ingenieur-Metapher, geht es mir dabei weniger um das planen, passend machen von Einzelteilen und Zusammensetzen, sondern mehr um ein ganzheitliches System, das erst durch den Prozess selbst gedacht werden kann.“

    Auch nachzutragen: GIORGIO. Nachdem mir der letzte Post mit Moroder und Armani gleich zwei Giorgios zum Benennen bot, habe ich den Vornamen nicht ein einziges Mal korrekt geschrieben. Immerhin tauchten verschiedene Varianten auf. GIORGIO, zwei I, ein R, zwei O. So schreibt er sich.

    Die von Pfuel’sche Badeanstalt

    Es ergab alles Sinn. Kaum war ich vom Schlesischen Tor ein paar Meter gelaufen, hatte ich innerhalb von 15 Minuten die Uber Arena, die Oberbaumbrücke, die Straße des Wikibären und das Bi Nuu gesehen. Alles Orte, die ich mir als irgendwo-im-nirgendwo gemerkt hatte, und die ich nur mit Suchen auf einer Berlinkarte finden würde.

    Gerade die UberArena und der Platz drumherum wirken selbst dann noch wie vom-Ufo-abgeworfen wenn man in ihrer Mitte steht. Der ist so un-Berlin wie ein städtischer Ort nur sein kann. Sie zerstören meine innere Orientierung jedes mal. Aber jetzt habe ich ein Gebiet vor mir: Am nördlichen Spreeufer das Ex-Niemandsland des Mauerstreifens, nach der Wende bereit mit Ufos verfüllt zu werden; am südlichen Spreeufer Industriegebiet-Rand-Kreuzberg, wo sich Kleinfabriken, Entsorger und die entlegensten Ecken der Kreuzberg-Szene sammelten – nach 1990 teils-gentrifiziert und teils auch nicht.

    In so eine Gegend passen Entertainment-Exklave, Kellerclubs, irgendwo-im-nirgendwo-Feeling, Ausgehstraße, das Gefühl der Verlassenheit, ein U-Bahn-Hof, der wirkt als hätte er sich aus Zehlendorf oder Wannsee hierher verirrt und der ikonischste Brückenanblick der Stadt.

    Für mich als Schwimmbadinteressierter natürlich auch spannend: die Stelle an der Spree, wo knapp unterhalb der Oberbaumbrücke ehemals Berlins erste Badeanstalt lag, die von Pfuel’sche Badeanstalt.

    Ich war geflasht. Nur zehn Meter laufen und so viele spannende Stadtgeschichte in mehreren Lagen direkt vor meinen Augen. In jede Richtung anders aufregend. Oder wie mein Thüringer mit-Zählkommissionsmitglied meinte „Und in jeder Richtung widerlich.“

    So verschieden lässt sich Gegend interpretieren.

    AI Agents Summit

    Beim Kreuzberg-Wandeln sah ich in gelben Schuhen mit Bären-Narwal-Shirt, den langsamen Schritten und dem staunenden Blick aus wie der letzte Tourist auf Erden. Was gut ist: Der Tourist an sich ist ja entspannt, gut gelaunt, offen für Neues und außerdem außerordentlich unbeliebt.

    Inhaltlich war der Touristenlook korrekt: Diese Straßenzüge waren mir komplett unbekannt und ich war hier zum Entdecken. Er war aber auch vollkommen falsch: Immerhin war ich in „meiner Stadt“ mit „meiner U-Bahn“ zur Versammlung „meines Vereins“ gefahren, an der ich mich als Mitglied der Zählkommission auch noch semi-inhaltlich beteiligen wollte, während Madame es auf sich genommen hatte, die Versammlungsleitung zu geben. Noch untouristischer geht es nicht.

    Aber erst galt es den Ort zu erkunden:

    Die letzten Jahre hatte die MV im bUm stattgefunden. Das bUm in einem ehemaligen Umspannwerk entstand aus Protesten gegen einen geplanten Start-Up-Hub an diesem Ort und sieht sich als „ein Raum für Engagement und solidarisches Miteinander“.

    Dieses Jahr waren wir im Spielfeld – einem Start-Up-Hub im ehemaligen Postamts-Backstein-Schloss Kreuzberg SO 36, gegründet von Roland Berger und Visa. Hatte es im bUm noch die drei Toiletten „Flinta*“, „Alle“ und „Behindert / alle“ gegeben, gab es nun „Men“, Piktogramm einer Frau und „Staff only“. Wer eine Behindertentoilette suchte, musste den eigentlichen Veranstaltungsort verlassen und durchschritt dabei eine Tür ohne Wiederkehr – aka, eine die sich nur von innen beim Verlassen des Ortes öffnen ließ.

    Es war ein Ort, der Kaffee nicht als Infrastruktur des Lebens begriff, sondern als Genußmittel, das nur von Barangestelten ausgegeben werden durfte („staff only“) und während bei der Veranstaltung betont wurde, wie sehr Wikipedia und co. menschengemacht sind und sich von „KI“ so weit wie möglich distanzieren, war der Rest des Start-Up-Hubs natürlich voll davon.

    Schöne Architektur, sonst eher fragwürdig dort.

    Vor Wachstum? Durch Wachstum?

    Bei der 31. Mitgliederversammlung von Wikimedia Deutschland fand statt, was aus Mitgliederversammlungen so stattfindet: Die Mitglieder wählten ein neues Präsidium, hörten sich Berichte der einschlägigen Gremien an und berieten über Anträge.

    Alles einmal auf „schräg“ gedreht, dass Wikimedia Deutschland zwar zur Wikipedia gehört und von dieser geprägt ist – inhaltlich aber nichts mit ihr zu tun hat und auch kein Betreiber ist. Das führt dazu, das ein Großteil der „Vereinsinhalte“ ausgelagert ist und gar nicht zur Befassung durch den Verein geeignet ist. Es führt auch dazu, dass WMDE 116.000 Mitglieder hat, von denen etwa 50 stimmberechtigte Mitglieder zu einer MV kommen.

    Inhaltlich geht es dann auch um Inside-Baseball to the extreme. Aber in Entwicklung. Nachdem sich in den letzten Jahren die hauptamtlich durchgeführte Organisation der Veranstaltung in fast schon absurde Höhen professionalisierte, zieht langsam auch die Mitgliedschaft nach.

    Nach divesern Erklär- und „Warum Wikimedia- nicht Wikipedia“-Formaten am Vorabend und Vormittag, hatten es bis Mittags alle verstanden. Nicht ein einziger verwirrten Diskussionsbeitrag tauchte auf, der beides verwechselte. Überhaupt habe ich es selten in irgendeinem Kontetx erlebt, dass quasi alle Diskussionen on point waren, dass alles was als Frage deklariert war, auch eine echte Frage war und ich nach 90% der Beiträge ernstlich das Gefühl hatte, klüger zu sein. Chapeau.

    Richtig glücklich war ich, weil der Verein nach Jahrzehnten der Irrungen und Wirrungen endlich eine Strategie verabschiedete, die sich nicht mehr als „und dann machen wir noch das und dann das und das auch noch“ las, sondern als „das ist unser Ziel, das sind die Umweltbedingungen und deshalb fokussieren wir uns auf drei Punkte, die wir langfristig umsetzen wollen.“ Oder anders gesagt: 22 Jahre nach Vereinsgründung hat WMDE das erste Mal eine Strategie, die ich als solche erkennen würde.

    Anstrengend war der 7-Stunden-Ritt in stickiger Luft dennoch. Wir im Publikum litten am Ende ziemlich, ich hatte mehr als Respekt für alle auf dem Podium und natürlich Madame, die sieben Stunden vorne saß, on und präsent sein musste.

    Für den Heimweg Käsekuchen

    Danach Schlafwandeln. Wieder ins Baraka beim Görli, diesmal Mezze-Platte und Künafa, für den nächsten Tag steckten wir beim Waffle-Brother-becomes-baskischer-Käsekuchen-Laden noch zwei Stück Käsekuchen ein, wir fuhren mit der Bahn nach Wilmersdorf und dann über die nächtliche Autobahn zu den Latifundien. Als wir um 23:48h auf den Latifundien die Autotür erst halb geöffnet hatten, stellte Madame schon fest „Oh wie das duftet.“

    Die Knautien tanzen wieder

    Nach der Marathon-Performance des Vortags war Madame den Sonntag über Knülle. Bei mir reichten ganz ohne Performance die Nachwirkungen von vielen Stunden intensiver Diskussion, erlebt auf einem Stuhl mäßiger Langfristsitzbarkeit.

    Wir wachten auf, dösten, wachten, schliefen, dösten und haben uns am Ende kurz vor Mittag zu den Brötchen begeben. Der Rest des Tages änderte sich wenig. Madame kochte und stellte fest, dass auch sie das „zuviel! zuviel!“ im Garten erleidet. Mittlerweile bestimmte sie mit Flora incognita 86 Pflanzenarten, nicht nur aber vor allem im Garten und zunehmend nehmen die Doppelbestimmungen zu. Zuviele Pflanzen zum Merken.

    Und während wir den Sonntag low and slow verbrachten, blühte, kreuchte und fleuchte es wie auf einem wildgewordenen Wimmelbild. Selbst der geruchlose Jasmin bequemt sich unter voller Blüte zum Duften.

    Die Knautien begannen, sich zu entfalten. Gerne an den Wiesenrändern, an den Wegen, fast immer dort wo Wege dreieckig zusammenlaufen. Dutzende Blüten? Hunderte! Sie stehen an dünnen Stängeln bis zu einem Meter über der Wiese. Sobald ein Wind aufkommt, fangen sie an zu tanzen.

    Links

    ##

    Leider auf englisch. Wer schreibt die Liste auf deutsch: The 100 Greatest Bird Names of All Time (via Curious about everything) Aus derselben Quelle. Ich habe die höchst wundervolle Autorin Caity Weaver wiedergefunden. Sie ist bei The Atlantic gelandet und schrieb: I Found It: The Best Free Restaurant Bread in America:

    But still. It is impossible to lock eyes with a Frenchman, after he has just spent minutes delicately extolling the virtues of 16 different breads, and ask, “Could I do one of each?” without feeling ridiculous, no matter how evenly he responds, “Absolutely!”

    ##

    readinginsweden seeing in der Neuen Nationalgalerie: „Brancusi, Sie sollten sich unbedingt Brancusi anschauen.“

    ##

    auf eine art bin ich üb­ri­gens froh, dass bei uns vor der tür die ben­zin-as­sis ihre mo­to­ren in der (theo­re­ti­schen) fahr­rad­stras­se auf­heu­len las­sen um (sehr) lau­te fehl­zün­dun­gen zu pro­vo­zie­ren. den gan­zen tag über, aber am liebs­ten nach mit­ter­nacht. so­lan­ge die­se as­sis hier noch woh­nen und fah­ren, stemmt der wed­ding sich noch ge­gen die gen­tri­fi­zie­rung.

  • 26-06-07 Im Gefecht von Möckern besiegten die preußischen Truppen unter Ludwig Adolf Peter zu Sayn-Wittgenstein die Truppen Napoleons (full male frontal nudity)

    26-06-07 Im Gefecht von Möckern besiegten die preußischen Truppen unter Ludwig Adolf Peter zu Sayn-Wittgenstein die Truppen Napoleons (full male frontal nudity)

    Madame lebt und testet derzeit in drei Chören. Der Vorteil des Nachbarschaftschors: Fenster und Grundstück sind auf den nicht mehr existierenden Wilmersdorfer See ausgerichtet, aus dem Proberaum kann frau denken, an einem Seegrundstück zu sein. Außerdem lief ein Fuchs in die Probe hinein und war danach längere Zeit im Garten.

    *

    Im Volkspark sah Madame zwei große und einen Babyfuchs.

    *

    In der Zeitung lese ich von Eichenprozessionsspinnern, die die Schließung von Sportplätzen und Strandbädern (nicht unseres!) erforderlich machen und sich in Siedlungen ausbreiten. Ich beschließe, neben Walen in der Ostsee und Wölfen in Hamburg auch giftige Raupen in meinen apokalyptischen Roman aufzunehmen. Das würde schöne literarische Effekte erzeugen, wenn Menschen einen kleinen niedlichen bunten Schmetterling sehen und in Panik geraten, weil sie an die wollige Raupe denken.

    *

    An der U-Bahn-Station einen junge Frau, die ihren begleiteten Mann anschreit, dass selbst die Mutter der jungen Frau gemerkt habe, wie sehr sie ihn liebt. Er versucht zu erwidern, kommt aber nicht zu Wort. Eine spannende Ton-Inhalt-Schere.

    In der Bahn, eine andere junge Frau mit verschiedenen Piercings und Totenkopf-Tattoos, die ihren Begleiter durchgehend unironisch „Schatzi“ nennt. Ich liebe sie dafür, wie perfekt sie Berliner-Club-Gestalt und Brandenburger-Einfamilienhaus-Bewohnerin in einer Person vereint.

    *

    Es war ein Wochenausklang zwischen Ticketsystem, den Achtzigern als Ansage und der Mutter aller gesperrten Rolltreppen.

    Prozesse töpfern

    11:40h. Ich beschließe, die Notizen für Frau Brüllens Was machst du eigentlich den ganzen Tag einzustellen. Ich dachte, ich mache crazy shit und nehme an einer Blogaktion teil, stelle aber fest, dass mein Hirn derzeit nur in zwei Modi funktionieren möchte:

    • Modus Töpfern: Ich nehme den ungeordneten meiner Umwelt, konturlos, formlos, unklar, und forme ihn. So funktioniert es im Büro, wenn ich versuche aus irgendwie stattfindenden Abläufen einen geordneten Prozess zu machen und den dann vielleicht sogar in Technik zu hinterlegen. Aus dem Nichts werde Form.
    • Modus Flipper: Ein Impuls von Außen schießt die Gedanken in irgendwelche Richtungen, auf dem Weg fangen lauter Lichter an zu blinken, Gongs und Sirenen ertönen, bis der nächste Impuls kommt. So funktioniert es in der Freizeit.

    Ein vorgegebener chronologischer Ablauf, der dann ausgefüllt werden muss, passt in beide Betriebsmodi nicht wirklich. Nicht so, dass ich diesen Monat Lust darauf ihn abzuarbeuten, und so stelle ich das uhrzeitgenaue notizieren ein.

    Stattdessen töpfere ich gedanklich weiter. Seitdem ich bei der aktuellen Arbeitgeberin bin, habe ich das Ticketsystem einmal von links nach rechts gedreht und wieder zurück, habe sowohl Oberflächen wie Betriebslogik umgestellt und gefühlt ist jeder Buchstabe dort mittlerweile „meins“.

    Bis auf ein kleines gallisches Dorf, einen Unterabschnitt des Systems, für ein Legacy-System, an das ich mich nie herantraute.

    Bis jetzt. Das Legacy-System ist abgelöst und das neue System bietet mir die Chance auch hier alles umzubauen. Und jedes mal lerne ich mehr über das Ticketsystem.

    Möckern

    Die Abende waren kreuzbergig. Die wieder durchgängig fahrende U-üc bringt mich im Laufe eines schnellen Tagtraums nach Kreuzberg, und so landete ich gleich zweimal an der Station Möckernbrücke.

    Donnerstag: Auf dem Weg zum Yorck-Kino, das nur einen kleinen Spaziergang von dort entfernt liegt. Freitag: Auf dem Weg zur Geschäftsstelle von Wikimedia Deutschland, das dort einen kleinen Vorabendevent vor der samstäglichen Mitgliederversammlung feierte.

    Es war ein Weg der Erinnerung. Immerhin habe ich in der Geschäftsstelle zwei Jahre gearbeitet, bin sehr oft von dieser U-Bahn-Station ans Tempelhofer Ufer 23 gelaufen, oder durch die Straßen drumherum.

    Wie auch diesmal. Es hatte sich erstaunlich wenig geändert, fast alle Lokalitäten überlebten Corona, ebenso wie Russland-Gas-Krise und das allgemeine Gastrosterben der letzten Jahre. Ich hatte einen erstaunlichen Mittagspausenblick, registrierte, dass das damals neu eröffnete Grand Bistro (oder so) ebenso noch exister wie das Schnittchen, der namenlose Pasta/Pizza-Laden und selbst der Grieche, der schon 2014 aus der Zeit gefallen wirkte und „Zum Goldenen Handwerk“, die Eckneipe, die eher für Feierabend als für Mittagspause gut war, ist noch da.

    Nur das ägyptische Lokal/Shisha-Bar hat seinen Lokalteil inzwischen ganz aufgegeben und ist reine Shisha-Bar. Ganz verschwand nur die Ökotussi [sic!], und selbst die halt lange genug durch, dass in ihren Fenster noch die Abschiedsnachricht an die Kund*innen hängt.

    Was sich änderte: An der Möckernbrücke lässt sich betrachten, wie es aussieht, wenn die BVG nicht nur die Rolltreppe für die Gegenwart aufgibt, sondern auch die Rolltreppe für die Zukunft. Das wird wohl nichts mehr:

    Was auch neu war: Zum ersten Mal fragte ich mich, warum die Station Möckernbrücke eigentlich Möckernbrücke heißt.

    1. Sie liegt nach der Möckernbrücke über den Landwehrkanal. So weit so wenig überraschend.
    2. Die Möckernbrücke heißt nach der Möckernstraße, die über diese läuft. Auch das hätte ich mir noch selbst ausdenken können.
    3. Die Möckernstraße wiederum ist benannt, wie viele Straßen in Kreuzberg 61, nach gewonnen preußischen Schlachten. Hier: die Gefechte bei Möckern, die in den preußischen Kriegen gegen Napoleon Gefechte beim sächsischen Dort Möckern waren, die am Rande der Völkerschlacht stattfanden. (s. Wikipedia: Gefecht bei Möckern)

    2004 schrieb de.Wikipedia den 100.000. Artikel

    Stärker als die Gegend hatte sich die eigentliche Geschäftsstelle verändert. Die ist kurz nach meinem Weggan eingerüstet worden, und durchläuft ein noch epischeres Baustellen-am-Haus-Drama als unsere eigene Wohnung.

    Wikimedia selbst zog von einem Stockwerk (zu meiner Zeit) auf drei Stockwerke, dann wieder auf zwei, und inzwischen habe ich keinen Überblick mehr. Die Veranstaltung fand im ersten Stock, „meinem“ Stock statt, so dass ich die allgemeine Raumgeographie mit den drei Fluren, dem großen Veranstaltungsraum und dem Empfang wieder erkannte. Aber sonst war alles anders.

    Damals „offener Raum, gedacht für Gäste, Community, Veranstaltungen“ mit vielen Glastüren, einem offenen Kühlschrank für alle, Sofas, Wänden, die für Mitteilungen gedachte waren und ebenso bunten wie unfassbar schlecht zu sitzenden Veranstaltungsstühlen – jetzt eine konzentrierte Arbeitsatmosphäre in all White, geschlossene Türen, Veranstaltungen wie diese nur ab und an.

    An sich denke ich, dass der Verein nach meiner Zeit starke Höhen und starke Tiefen hatte, aber gerade wieder auf einem besseren Weg ist. Aber die Geschäftsstelle wirkte seltsam steril.

    Nett war der Event: vier Wikipedianer*innen erzählen von anno dunne. Sie haben mit lyzzy, Nina, Dab. und Raymond eine nette Auswahl verschiedener Menschen mit verschiedenen Geschichten eingeladen. Ich freute mich, weil Madame in Abwesenheit dafür Applaus bekam, die Admincon mitgegründet zu haben, und ich freute mich, ein paar Menschen wieder zu sehen.

    Der Film begann mit einem nachträglichen Nachruf auf Giorgio Armani

    In meiner inneren Chronologie ist das Jahr 1980 zottelig und trägt Jeansjacke. Ich lebte zwar schon, kann mich aber an nichts erinneren, und vertraue Fernseh- und Zeitschriftenbildern der Zeit. Diese zeigen mir Bluesrocker mit zotteligen Vollbärten, Jeanswesten, Koteletten, Cordhemden, orange Hemden mit breitem Kragen. Die Siebziger waren ästhetisch näher als das was ästhetisch die Achtziger werden sollten,

    Außer in diesem Film1: American Gigolo ist Fönfrisuren Armani-Anzug-Porn im Mercedes Cabrio. Ein traumschöner junger Richard Gere spielt einen Edel-Callboy und Anzug-Freak2, der sich durch das reiche Kalifornien arbeitet und dabei in einen Verbrechensplot gerät. Begleitet von Soundtrack von Giorgio Moroder. Mehr als einmal ist er dabei halbnackt, Wikipedia versprach mir sogar „The first full mal frontal nudity“ in einem Mainstream-Film, aber ich glaube ich muss mit Wikipedia ein ernstes Wort über die Bedeutung des Worts „frontal“ reden.

    American Gigolo ist 1980s Style in seiner höchsten Vollendung schon bevor die 1980er überhaupt richtig angefangen hatten.

    Wie oft, bei den Boulevard-Noir-Filmen: Der Plot ist ziemlich egal, das einzig wichtige ist, dass der Plot es erlaubt, dass Zuhälter Leon (Bill Duke) eine der besten der-Movie-Villain-hält-seine-Erklärrede-Szene der Filmgeschichte hält. Eigentlich aber ist der Plot nur der Kleiderhaken, an dem Typen, Stil und Musik aufgehängt.

    Denn wie so viele der Boulevard-Noir-Filme, das ist ein Stil-Musik-Film. Was die Jeanne-Morau-durch-Paris-mit-Miles-Davis-Soundtrack-Szene in Fahrtstuhl zum Schaffott war, ist hier das Richard-Gere-im-Mercedes-Cabrio-durch-Kalifornien-mit-Georgio-Moroder-Blondie-Soundtrack3: Nachdem ich die Auftaktszene von American Gigolo gesehen hatte, dachte ich es auch: Meinetwegen können die nächsten zwei Stunden kreischende Teletubbies kommen. I will love this movie.

    Erfreulicherweise kamen Richard Gere, Anzüge und Bill Duke.

    Not full, aber das ist frontal. Zwei Häuser neben dem Yorck-Kino.

    Links

    ##

    Die Süddeutsche klärt auf. Wie kommen Zeiten wie „3 Stunden“ auf Wanderwegweiser? Für seine Wegweiser nutzt der Alpenverein eine Formel, um Wanderzeiten zu errechnen, abhängig von Höhenmetern und Entfernung. (via Christian)

    ##

    Ich lernte im Juni: Auf See und ohne W-LAN funktioniert die Onleihe nicht.

    ##

    Liesel bloggt wieder!

    ##

    Für Reisendenker: The Demise of an Empire: How Lonely Planet stopped serving the very people it was created for (via Johannes)

    ##

    The 1969 Memphis Country Blues Festival – als „Blues“ noch Rhythm and Blues und Soul und Blues und keine Museumsveranstaltung war. (via Ligne Claire) Der Film erinnert mich stark an den Aretha-Franklin-Konzertfilm oder E.P.I.C. (aber in schlechterer Bildqualität)

    Anmerkungen

    1. Yorck Unlimited No . 29 – 8,21€ pro Film ↩︎
    2. Wenn mensch American Gigolo kennt, schaut mensch auch Pretty Woman komplett anders, in dem der ältere Richard Gere plötzlich der Kunde ist. ↩︎
    3. Madame bemerkt wie ähnlich der Anfang von Call me/Blondie in American Gigolo dem Song Born to be wild in Easy Rider ist. Das stimmt. Und ist spannend, weil beide Songs Menschen auf der Straße unterlegen: Motorradzottel in Easy Rider, Anzug-im-Mercedes in American Gigolo. ↩︎

  • 25-06-15 Julia, die Himbeerlimonade und ich

    25-06-15 Julia, die Himbeerlimonade und ich

    Madame brachte Gartenkirschen von der Keramik mit.

    Das Kreischen der Mauersegler ist in der Wohnung zu hören.

    Es war das Ende der Woche. Ein Arbeitsfreitag und ein Samstag in Berlin-Kreuzberg. Der erste Tag des Hochsommers.

    Er begann mit einem kühlen Freitagsarbeitsweg. Ich war eine halbe Stunde früher dran also sonst. Und plötzlich waren die Straßen nicht mehr voller Pendler*innen sondern voller Jogger*innen. Der kleine Sportplatz im Cheruskerpark war noch ungenutzt. Die Sonne kam erst im Laufe des Tages.

    Freitag war der Hochsommer noch so frisch, dass Menschen freiwillig auf der Sonnenseite der Straße gingen. Bis Samstag hatte sich das bereits geändert.

    An der Bushaltestelle ein Mann mit zotteligem Haar und Bart, etwa 30, der sein Shirt hochgezogen hatte mit den Hüften kreiste und auf seinen Sixpack zeigte. Ich fragte mich, ob das für Schöneberg noch als normal gilt oder eher nicht.

    Der neueste Imbiss-Trend scheinen Steak-Döner zu sein. Vermutlich der Nachfolger des Smash-Burger. Diverse Läden eröffnen oder stehen kurz davor.

    Nachdem wir seit Jahren Crêpes Suzette essen wollen, und es irgendwie nie klappt, nicht einmal in Paris, entdeckte ich, dass in Prenzlauer Berg eine ganze Crêperie namens Suzette steht, die acht oder neun flambierte Crêpes im Angebot hat. Da sollte es wohl mal funktionieren.

    In der deutschen Wikipedia erschien ein Artikel zum South Park Tower. Das freut mich. Umso spannender, weil ich das Hochhaus schon in echt gesehen habe – unwissend welchen Namen es trägt.

    Die Welt sollte mehr sein wie Kreuzberg

    In der ehemaligen Bechstein-Klavierfabrik befindet sich heute eine Tauchschule mit eigenem Schwimmbecken. Gegenüber dem Wellenbad am Spreewaldplatz hat ein Koreaner eröffnet, der Teigtaschen mit Kimchi verkauft.

    Ich wandelte durch einen Straßenblock Kreuzberg und staunte: Jeder Meter sind andere spannende Aufkleber und Graffiti. Eingänge und Häuser mit Kletterblumen bewachsen, und trotzdem halten sich immer noch Lebensmittelläden und andere Geschäfte des täglichen Bedarfs.

    Auf der Straße kam mir ein Wesen in einer Art Ordensornat entgegen, das in seiner genderfluiden Großartigkeit schon fast die Mühsal der menschlichen Ebene verlassen hatte und wirkte wie direkt auf dem Weg zum Mars.

    Und ich dachte, die Welt sollte mehr sein wie Kreuzberg. Dann wäre sie besser. Nicht zu 100% und überall. Aber so generell.

    Alle drei Meter kam mir eine neue Romanidee in den Sinn. Ich dachte, hier sollte dringend ein Roman geschrieben werden. Dann sah ich das Straßenschild: Wiener Straße. Und natürlich hatte schon jemand die Idee.

    Meine zweite Assoziation angesichts des Straßenschilds war origineller: Leitungsstörung. Unser Telekom-Anbieter schickt uns Mails, wenn an irgendeinem Schwimmbadstandort die Leitung zickt. Da steht aber nie das Bad bei, sondern nur die Straßenadresse. Eine davon ist die Wiener Straße.

    Dann gilt es zu ergründen: Welches Bad? Ist das jetzt ein Problem, oder wird das Bad eh grad renoviert und steht im Rohnau? Wobei die meisten Bäder so groß sind, dass sie mehrere Adressen an verschiedenen Straßen haben. Aber der Ehrgeiz besteht natürlich, nur anhand der Adresse das Bad zu erkennen ohne nachschauen zu müssen. Und so überlege ich sofort „Welches Bad“, wenn ich Wiener Straße lese.

    Aber klar, das Wellenbad am Spreewaldplatz, das dort steht, befindet sich in einer Grundsanierung. Kein Wunder, dass öfter Störungsmeldungen kommen.

    Ich aber wollte ins das ehemalige Umspannwerk direkt neben der ehemaligen Desinfections-Anstalt I. Denn dort fand eine Versammlung statt.

    60 von 113000

    Wir waren nicht anlasslos in Kreuzberg. Wikimedia Deutschland, die Gesellschaft zur Förderung freien Wissens hatte zur Mitgliederversammlung geladen.

    Die Geschichte zwischen Wikimedia und Wikipedia ist lang und kompliziert. So kommen zur MV fast keine aktiven Wikipedistas mehr; ein Großteil der Teilnehmer*innen sind pensionierte Studienrät*innen, die Wikipedia unterstützen wollen und dann vor Ort überrascht erfahren, dass Wikimedia und Wikipedia verschiedene Sachen sind.

    Inzwischen wurde aber ein passendes Format gefunden: ein Abend und ein Vormittag, in dem den Mitgliedern Wikimedia erklärt wird, und ein Nachtmittag mit der eigentlichen Versammlung, in der es um Abstimmungen und Ähnliches geht.

    Als Fast-Gründungsmitglied, ex-Präsidiumsmitglied und Ex-Angestellter des Vereins finde ich es ganz nett, zumindest einmal im Jahr zu schauen wie es ihm geht. Zumal ich das als Mitglied einer Zählkommission machen kann, die aus lauter Wikipedia-Veteran*innen besteht. (Danke auch an Nicole für das Kümmern darum!)

    Der Verein hat inzwischen 113.000 Mitglieder, von denen sich 60 an den offenen Abstimmungen vor Ort oder im Livestream beteiligten. Zur Wahl der Kassenprüfer*innen wurden 350 Stimmen abgegeben. 112.650 Mitglieder beteiligten sich nicht.

    Der Verein ist in vielerlei Hinsicht skurril. Aber es war ein sehr netter Tag. Madame lernte noch die Storck-Unternehmenskommunikation kennen. Ich hörte Musik. Vormittags in Kreuzberg, Nachmittags in der Versammlung.

    (Der Rückblick-Blogpost beim Verein)

    Tätowierungen und Lambdas

    Wahrscheinlich war es der Kreuzberg-Vibe, der auf mich überging. Plötzlich hatte ich den Gedanken: Tattoo. Und da ich halt auch in Gedanken die ganze Zeit bei der Bachelorarbeit war, dachte ich: Warum sollte nicht die Zielfunktion meines Modells auf den Unterarm:

    \[max. x_0 = 2x_{HG} + 2x_{HK} + 6x_{FI} + 3x_{FR} + 1x_{SP} + 4x_{NA} \]

    Aber dann fiel mir ein, dass die Bachelorarbeits-Zielfunktion noch gar nicht 100% feststeht und in dieser Variante die Lambdas fehlen und überhaupt.

    Eigentlich versuche ich ja vor allem, gerade Textmenge zu schaffen, indem ich blind Sachen herunterschreibe. In meinen Hirn steht LE langsam nicht mehr als großspurige Abkürzung für „Leipzig, fast so cool wie LA“ sondern für Kleinergleich. Auf englisch: lesser equal. In LaTeX: \le. Aber dafür brauche ich einen Monitor und einen Schreibtisch und die Gewissheit, mindestens eine halbe Stunde lang weder von Innen noch von Außen gestört zu werden.

    Aber ich danke auch zu anderen Zeiten über die Arbeit nach. Quasi dauernd danke ich innerlich Gilbert Strang und Vašek Chvatal, weil sie so viele meiner Fragen beantworteten. Und neben der Tattoo-Idee beschäftigt mich noch eine andere Frage: ich muss mein Modell ja nicht nur aufstellen und erläutern, sondern auch lösen. Von Hand ist das eigentlich nicht mehr machbar.

    Also braucht es technische Hilfe. Mein Ursprungsplan: Alles in R schreiben , weil ich R mag. Aber der Plan hat Probleme. R ist eine Statistiksprache und kann ein paar Sachen nicht, die ich brauche. Also kam die Idee: R und ein bißchen in der Programmiersprache Julia. Die hat native Unterstützung linearer Programme und ist für meine Zwecke wie geschaffen.

    Jetzt, am Landwehrkanal, beschloss ich, R einfach R sein zu lassen, und mich nur Julia zuzuwenden. Als ich den Halluzinator fragte, ob er mir mehr zu Julia und Linearen Programmen erzählen kann, hat der mir gleich ein einfaches Modell mit einem Limonadenstand mit zwei Angeboten (Zitronenlimo und Himbeerlimo und einem variablen Zuckerpreis) sowie dessen Implementierung in Julia aufgebaut.

    Ich bin ziemlich gefeit gegen zuviel-KI-in-einer-Arbeit, einfach weil ich mich weigere Sachen aufzuschreiben, die ich nicht komplett selbst verstehe. Aber ich war beeidruckt.

    Neuruppin – Hochschwarzwald – Mallorca

    Maik Horn fährt mit dem Traktor von Neuruppin nach Mallorca.

    Frau Brüllen als Schwimmbadinfluencerin. Und natürlich habe ich mich zwei Absätze gefragt, seit wann sie Finanzratgeber liest.

  • 25-01-12 Wie kann ich Salat verkaufen?

    25-01-12 Wie kann ich Salat verkaufen?

    Die Autobahn Gmbh des Bundes beginnt, die Dauerbeleuchtung der Berliner Stadtautobahn abzuschalten. Ich warte darauf, dass Matthias Döpfner sich an der Rudolph-Wissel-Brücke festkettet.

    Dafür beschloss jemand, unsere Treppenhausbeleuchtung auf Dauerbetrieb zu stellen. Aus Gewohnheit drücke ich trotzdem bei jedem zweiten Treppenhausgang den Lichtschalter.

    Auch aus Gewohnheit wollte ich in den Südkreuz Offices wieder die Treppe nehmen. Aber ein hilfreicher Kollege erinnerte mich an die guten Vorsätze – also nahm ich brav den Fahrstuhl.

    Der Fahrradmeister kehrt am 20. Januar aus dem Urlaub zurück. Am 17. Januar beginnt die BVG zu streiken. Vermutlich darf ich mich mit gestrandeten BVG-Nutzern und deren ausgebuddelten Kellergefährten um Reparaturtermine für das malade Fahrrad streiten.

    Madame empfiehlt die vierte Staffel der dänischen Fernsehserie Borgen, um die politische Situation Grönlands zu verstehen. Die Staffel dreht sich um genau um das Thema Grönland und die Dänen – und wenige andere fiktionale Formate sind derart genau und präzise wenn es darum geht, echte Politik in ihrem Ablauf zu schildern.

    Dumpfe Geräusche gehen des Nachts vom Haus aus. Ich vermute, Schnee rutscht von der Dachersatzplane hinab, um auf Gerüst, Nebenhaus oder Hof zu fallen. Ich versuche die Geräusche nicht allzu beunruhigend zu finden und freue mich über die schneefreie Wettervorhersage der nächsten Tage.

    Nachbar 3L hat sich entschieden, seine eigene Wohnung zu kaufen. Einerseits keine schlechte Idee. Andererseits habe ich immer die Worte des ehemaligen Hausmeisters im Ohr „Abreissen! Alles abreissen! Das Haus ist nicht mehr zu retten!“.

    Madame unterhielt sich mit einer Bekannten, die in Schöneberg auf halber Strecke zwischen uns und dem Kugelbombenhaus wohnt. Sie berichtete von einer Art Osterfeuer in der Silvesternacht direkt vor ihrem Erdgeschoss-Fenster – improvisiert aus Mülltonnen und dem was die Freunde des rabiaten Silvesterfestes so fanden. Am Ende brannte das Osterfeuer alleine, weil die Freunde des Böllerns weiterzogen. Dieselbe Bekannte verbringt seit Jahren Silvester in Berlin, weil sie das Gefühl hat, auf ihre Wohnung aufpassen zu müssen.

    Mein Arbeitgeber investiert Geld, schickt mir (und vermutlich allen anderen Angestellten) per Briefpost eine Aufforderung, sich als Wahlhelfer zu registrieren. Ich bin kurz davor zurückzuschreiben „Bin ich doch schon längst!“ Aber das bringt mir auch nichts.

    Eine halbe Stunde Meditation und Musik

    Berlin ist überraschend. Entdeckte ich noch letzte Woche das Pop-Art-Brutalismus Wunderwerk U-Bahnhof-Schloßstraße, fand Madame den Noonsong in der Kirche am Hohenzollernplatz.

    Der Evensong ist in der anglikanischen Kirche eine gesungene Form des Abendgottesdienstes, der in größeren Kirchen meist als Choral Evensong, also als größtenteils vom Chor gesungener Gottesdienst ausgeführt wird. Bei jedem Aufenthalt in Großbritannien ein empfehlenswertes Erlebnis.

    Nach 16 Jahren in Berlin entdeckt: Es gibt einen Noonsong – also einen samstäglichen evangelischen Mittagsgottesdienst mit gesungener Liturgie – zeitlich passend zum Markt vor der Kirche und gesungen von Profisängern. Es bedurfte 697 Durchführungen bevor wir ihn entdeckten.

    Überraschend: Obwohl die Veranstaltung alle Pflichtelemente der evangelischen Liturgie umfasste, gilt sie anscheinend nicht als Gottesdienst. Angekündigt wird sie als „Meditation und Musik.“

    Beeindruckende Veranstaltung – beeindruckende Kirche. Leider ohne mich, denn ich bastelte an Folien.

    Geistig umschalten

    Hagen, die Metropole Südwestfalens, ist spannend. Ich glaube, ich habe in meinem Leben noch keine derart autogerechte Stadt erlebt. Und das sage ich als gebürtiger Hannoveraner.

    Obwohl ich mit ÖPNV anreisen werde, freue ich mich auf die Stadt. Irgendwie clickte es beim letzten mal, und ich hatte mich in all ihrer Seltsamkeit in „das Tor zum Sauerland“ verliebt.

    Aber die Welt schickt mich nicht nur zum Vergnügen nach Hagen. Vorher muss ich das Uni-Seminar „Angewandte Optimierung“ mit meinem Vortrag „Sensitivitätsanalyse des Begrenzungsvektors“ bestehen.

    Ich versuche, mich geistig neu zu arrangieren. Nach Weihnachten in Dithmarschen, Silvester in Hannover und der letzten intensiven Arbeitswoche, versuche ich mich voll in die gedankliche Welt „Uniseminar in Hagen“ zu werfen. Es knirscht im gedanklichen Gebälk.1 Aber es wird.

    Schritt 1: Meine Seminararbeit in Folien packen und dabei die Hinweise des Lehrstuhls berücksichtigen. Irgendwie hilf- aber auch arbeitsreich: „In Tabelle 2.2 ist ein Tippfehler“ oder „Überprüfen sie nochmal die Ergebnisse in Gleichung 3.7.“

    Das verspricht noch einige Arbeit, deren Ergebnis am Ende vermutlich eine geänderte Ziffer irgendwo in der Tabelle sein wird.

    Dabei überlegen: Stelle ich alles unter das plakative Motto „Wie kann ich Salat verkaufen“? Das wird vermutlich Anschaulichkeit und Erinnerungswert des Vortrags erhöhen. Aber vielleicht senkt es das Vertrauen in die mathematisch-wirtschaftswissenschaftliche Seriösität des Vortragenden.

    Aber, da es mein Vortrag ist, werde ich ihn natürlich unter das Motto stellen.

    Schritt 2: Die eigentliche Reise nach Hagen vorbereiten – insbesondere mich selbst koordinieren wann ich mit welchem Material wo sein muss. Ich fange damit an, dass ich die Präsentation in mindestens drei Kopien dabei haben möchte. Ich behalte im Hinterkopf, dass die Bildungsherberge, die mich beherbergen wird, am Ende der Welt liegt und ich ferienwohnungsartig selbst für mein Frühstück sorgen muss.

    Noch weiter verbuddelt im Hinterkopf beginne ich auch schon innerlich den eigentlichen Vortrag vorzubereiten. Dafür benötige ich immerhin kein Material und kann das auch im Zug oder in der Herberge fortsetzen.

    Gute Sache: Ich bin der allererste Vorturner im Seminar-Programm. Das heißt, ich bin im Mittwoch Vormittag durch und kann danach bis Samstag Spaß am Seminar und in Hagen haben.

    Madame, die ja unter anderem „Selbstorgansation während des Studiums“ unterrichtet, empfiehlt als Vortragsvorbereitung Mai Thi Nguyen-Kims Vortrag So hältst du einen guten Vortrag. Ich schließe mich dem an.

    The State of Wikipedia

    Zwischen Arbeitsmodus und Unimodus hatte die Welt in Form von Madame einen Wikipedia-Stammtisch angesetzt. Wieder in der Resonanz, wieder in kleiner Runde und wieder extrem angenehm.

    Thema: Sekundärzitäte und deren Problematik.

    Thema: Als Elter möchte man nicht im Berlin in der Kneipe sitzen und dann von zu Hause aus Potsdam die Nachricht kriegen „Wo ist der Verbandskasten?“ Immerhin verlief alles glimpflich. Es war eine Blutwunde, aber keine schlimme.

    Thema: Ein eisiger Wind zieht auf. Die Heritage Foundation (der Trump-nahe Think Tank) versucht den feuchten Traum jeglicher Diktatoren und Faschisten zu erfüllen: Anonyme Wikipedia-Autor*innen aufspüren und öffentlich machen, die ungenehmes Schreiben. Leider wird eine Bewegung, die sich im Umfeld von Elon Musk, Peter Thiel und den Tech-Mogulen from hell bewegt, sowohl das Geld wie auch die technische Expertise haben, um das umzusetzen.

    Wir fragen uns, ob Wikimedia dem etwas entgegensetzen kann. Die Organisationen haben soviel Geld und Mitarbeiter wie – aber auch so wenig Ahnung von der Wikipedia wie es jeden Außenstehenden erschüttern würde.

    Merken: Die heiße Zitrone ist echt lecker.

    Wir sind keine 80 mehr

    Die American Mathematical Society veröffentlicht einen Artikel: An der Wikipedia mitmachen für Mathematiker. (Princ-wiki-a Mathematica: Wikipedia Editing and Mathematics)

    In Friedberg (Hessen) erfand sich ein Jugendstil-Hallenbad als Theater wieder.

    Wie es der Zugbegleiterin ergeht, wenn sich Menschen vor den Zug stürzen. Hauptaufgabe: Verhindern, dass die Menschen im Zug am Rad drehen: Samstagsplausch 25/2 „Schattenseiten“

    Alle 56 Parteien, die an der Bundestagswahl teilnehmen möchten. Die müssen noch vom Bundeswahlleiter zugelassen werden. Bei der DÖNER-Partei oder der iNSDAP sehe ich wenig Chancen. (via mthie)

    Christa Chorherr kann schreiben Wir sind keine 80 mehr, geht aber noch mit den Enkeln in neumodische Restaurants.

    1. Etwas blöd, dass ich Montag keinen Urlaub genommen habe, und die ganzen Arbeitsgedanken noch nicht ganz so weit aus den aktiven Hirnregionen schieben kann, wie ich gerade gerne würde. ↩︎
  • 24-06-22 Freier Feenstaub (CC-SA)

    24-06-22 Freier Feenstaub (CC-SA)

    Jede*r sollte ein Blockflötenduo im Wohnzimmer haben. Das kann ich sehr empfehlen.

    In der Kolonie wurden Drohnen und Waschbären gesichtet. Beides ist unerwünscht. Der Vereinsvorstand sieht sich zu Rundmails verpflichtet.

    Das Hoftor sieht etwas weniger provisorisch aus. Geheimhandwerker kamen.

    Der stets darbende Subway in Friedenau zog aus. Nachfolger, natürlich, ein Burgerladen.

    Der Flötist lud zum Schwaben. Zweimal gab es Gerichte rund um schwäbischen Kartoffelsalat. Einmal Linsen und Spätzle.

    Ich bewundere ihn. Mit Ü80 zog er zwangsweise das erste Mal im Leben aus seinem Kiez:. Er ist neugierig auf alles in der neuen Wohnung und in der neuen Gegend. Er freut sich an neuen Abenteuern. Und voller Optimismus wirft er sich in das Abenteuer. Gerne möchte ich in seinem Alter auch so werden.

    Der Pianist arbeitet andernorts. Es klingt ähnlich gut wie beim Flötist.

    Zwei Köffer reisen kürzer als geplant. Vielleicht bald.

    Auf unserem Wohnzimmertisch steht ein Notenständer. Das ist ungewohnt, sieht überraschend catchy aus.

    Das M und das P

    Wikimedia Deutschland (WMDE) hatte seine Tage. Am Freitag feierte der Verein 20jähriges Jubiläum, am Samstag ging es weiter mit der Mitgliedsversammlung.

    WIe immer bei solchen Events: eine absurde Mischung. Einerseits Menschen, die seit 15 Jahren im Verein aktiv sind, Jahre heftiger Debatten um Satzungen und Ziele hinter sich haben. Auf der anderen Seite kommen Menschen, die ihre erste Wikipedia-Veranstaltung erleben. Denen dämmert auf der MV erstmals, dass Wikipedia nicht Wikimedia Deutschland ist, was nicht die Wikimedia Foundation ist.

    (Im Kurz: Wikipedia ist ein Internetprojekt. Die Wikimedia Foundation mit Sitz in den USA ist Betreiberin. Wikimedia Deutschland ist ein Fanclub).

    Organisator*innen der MV müssen nun versuchen, beiden Gruppen gerecht zu werden. Es begann im Kreuzberger bUm vormittags mit einer allgemeinen Diskussion zur Zukunft der Wikipedia und Wikimedia. Durchaus interessant – aber ich habe genug derartiger Diskussionen in meinem Leben erlebt – ich nahm Freistunde und übte Stochastik.

    Nachmittags folgte das Vereinsgeschäft mit Präsidiumswahlen und Geschäftsordnung. Nachdem ich mit der Europawahl gerade im Zählflow war. habe ich dort gleich als Zählkommission weitergemacht. Spannend: sechs Urmitglieder aus dem Jahr 2004 waren anwesend, davon besetzten drei die Zählkommission.

    (Atemberaubend der Offenbacher Jung. Während alle Urmitglieder halt 20 Jahre älter und etwas mitgenommener aussahen als damals, wirkte er komplett unverändert. Genau wie 2004. Ich mühte mich, ihn nicht mit offenem Mund anzustarren.)

    Inhaltlich ging es ein wenig um das „frei“ in Freies Wissen und viel um KI. Einschätzungen variierten zwischen „Feenstaub“ und „notwendig für das Überleben der Wikipedia“; zum Thema ob und wie der Verein konkret damit umgeht, wird es wohl noch ein Jahr dauern.

    Der Dr. lernte mich gleich doppelt kennen. Freitag als Wikipedianer. Samstag dann sehr überrascht in bürgerlich.

    Die Feier. Soviel „Wir haben uns ja seit Jahren nicht mehr gesehen.“ Viele tolle Menschen wieder getroffen. Bei anderen überrascht gewesen, dass sie nicht kamen.

    Ein Jubiläum

    Frau Küchenlatein wird 19. Nein, ihr Blog wird 19.

    Das schwedische Kirchendorf als Frühform der Wochenendhausssiedlung.

  • 24-06-11 PdF. PdH? PdV? Nein, PdF!

    24-06-11 PdF. PdH? PdV? Nein, PdF!

    Der siebte Herzog von Westminster heiratete. Die Braut fuhr in einem Bentley aus den 1930ern vor. Die Kirche war mit Birken, Rosen und Glockenblumen geschmückt. Die Feier fand in Eaton Hall statt, das der Familie des Dukes seit dem 15. Jahrhundert gehört.

    Der Brandenburger Spargelverband zieht sein Saisonfazit. Wer also bisher zu wenig Spargel hatte, möge sich eilen.

    Kurzes Auflachen beim Lesen der Fernuni-Unterlagen zum Thema Sicherheit im Internet:

    Firewalls sind komplexe Gebilde, die im Rahmen dieses Kurses nicht vollständig abgehandelt werden können. … Bevor Sie eine Firewall installieren, sollten Sie sich mit Hilfe der Literatur tiefer in das Thema einarbeiten.

    Das ist nicht falsch. Aber dann doch so charmant untertrieben wie die Warnung, erst noch ein paar Youtube-Videos zu sehen bevor man an den Stromverteiler geht.

    18 Anwesende um 18 Uhr bei 18 Grad Lufttemperatur. Freibad unter grauem Himmel ist jedesmal erfreulich. Neben 17 offenbar leistungsbezogenen Schwimmer*innen war ich der eine Anwesende, der aus Jux und Dollerei gekommen war.

    Später leistete Madame mir Gesellschaft. Damit kamen wir auf Saisonkabinennutzungen No. 8 und 9 im Insulanerbad und sind bei einem Mietzins von 8,88€ pro Besuch.

    In der Kita Regenbogen wurde gewählt. Nur wir durften nicht mehr. Eine Neuziehung der Stimmbezirke verbann uns von der niedlichen Kita in eine Schulsporthalle direkt neben dem Deutschlandradio.

    Ein Grund in unserer aktuellen Wohnung zu bleiben, ist die Nachbarschaft. In unserem Stimmbezirk 07222 – Rückert-Gymnasium, Turnhalle links errangen die Grünen über 30%, Volt lag mit 7,4% klar vor der CDU und die AfD blieb unter 5%.

    Es ist so ermüdend, weil es so vorhersagbar ist: Es ist der Morgen nach der Europawahl. Ich öffne die Website eines deutschen Leitmediums. Und die ersten acht Artikel beschäftigen sich mit deutscher Innenpolitik.

    Es ist so ermüdend, weil es so vorhersagbar ist: Nachdem der öffentliche Diskurs entscheidend dazu beitrug, Layla zum deutschen Sommerhit 2022 zu machen, wird es dieses Jahr dann Ausländer raus.

    Würde ich nochmal eine Abschlussarbeit in Politikwissenschaft schreiben müssen, wäre „Zusammenhang zwischen der Neigung zur persönlichen Stimmabgabe und der Wahl rechtspopulistischer Parteien und Kandidaten“ ein mögliches Thema. In Berlin bekam die AfD 14,9% bei der Urnenwahl und 7,3% in der Briefwahl – why?

    Vom Verein zum Verein

    Madame ließ sich in Nürnberg etwas von Wikimedia Deutschland erklären. Nach ihrer Rückkehr erzählte sie in Kreuzberg Wikimedia Deutschland etwas.

    Der Verein Wikimedia Deutschland lud zum Wikipedia-Zukunftskongress – Die Weichen für eine Wikipedia der Zukunft stellen. Das ist insofern originell, weil Wikimedia Deutschland weder sonderlich viel Ahnung von Wikipedia hat, noch je in der Lage war, aktiv und bewusst auf die Entwicklung und die Zukunft der Wikipedia einzuwirken.

    Aber es klang nach dem Zusammentreffen mit spannenden Menschen. Und vielleicht auch der ein oder anderen klugen Session in einem Workshop. Nachdem Madame also das Auswahlverfahren der Teilnehmer*innen überstanden hatte, ging es nach Nürnberg.

    Freitag und Samstag standen Keynotes und Podiumsdiskussionen wechselnder Qualität auf dem Programm. Sonntag wäre die Gelegenheit gewesen, auch für die Teilnehmer*innen aktiv zu werden – aber es ging bereits zurück.

    Denn etwas, was WMDE schon 2010 hätte lernen können: viele Wikipedistas sind Wahlhelfer*innen. Man lege einfach nie eine Wikipedia-Veranstaltung auf ein Wahlwochenende. So auch hier mit Madame.

    Sie müssen erst den Umschlag aus dem Umschlag nehmen

    Sonntag bot eine Premiere. Das Bezirkswahlamt hatte beschlossen, uns zu Wahlhelfer*innen bei der Briefwahl zu machen. Urnenwahlhilfe kennen wir, Briefwahl war neu.

    Eine erfreuliche Änderung: Antritt zur Aktion war erst um 14:00 Uhr. Wir konnten also vorher gemütlich selber wählen, ausschlafen und uns mit einem Eis in den Park neben dem Briefwahlstützpunkt setzen.

    Eiswaffel mit Blaubeer-Sahne und Bananenmilch-Eis vor Berliner Straße. Rechts die wilheminische Fassade des Kammergerichts.

    Bis zur Türöffnung um 14 Uhr hatte sich eine dichte Traube hunderter Wahlhelfer*innen vor der Sophie-Scholl-Oberschule gebildet. Im Gebäude waren 72 Briefwahllokale in 72 Klassenräumen eingerichtet, so auch für uns. Ein Briefwahlstützpunkt, besetzt vom professionellen Wahlamt, war im selben Gebäude.

    Der Ablauf war spannend. Punkt 15:00h durften wir die äußeren Umschläge öffnen. Es wurde kontrolliert, dass die Umschläge im richtigen Briefwahllokal gelandet waren, ein korrekt unterschriebener Wahlschein beilag und es auch nur einen Stimmzettelumschlag gab.

    Die Unterlagen gaben deutlich und rot umrandet vor: Immer nur ein Brief. Erst wenn ein Brief abschließend behandelt ist, der Stimmzettelumschlag in der Urne und der Wahlschein in Sicherheit ist, darf der nächste Brief geöffnet werden. Nur ja nichts durcheinander bringen bei den ganzen Umschlägen, den anderen Umschlägen und den Wahlscheinen.

    Waren alle Formalien erfüllt, kam der Umschlag mit dem Stimmzetteln in die Urne, der Wahlschein wurde ordnungsgemäß weggeheftet und die ersten Punkte im Berichtsbogen konnten ausgefüllt und abgehakt werden. Unser 8-Personen-Wahlvorstand war etwa um 16:30h mit den gut 300 Wahlbriefen durch.

    So gegen 17:00 Uhr kam eine Nachlieferung mit den Unterlagen von Last-Minute-Briefwählenden und Fehlläufern. Um 18:50 Uhr kam die Ansage, dass keine weiteren Stimmen mehr kommen werden und wir die Urne öffnen dürfen.

    Also Ausschütten und Stimmzettelumschläge aufschneiden. Kontrollieren, dass in jedem Umschlag nur ein Stimmzettel steckt und kleine und große Häufchen nach Partei machen.

    Da 34 Haufen dieser Wahlzettel reichlich Platz einnehmen, machten wir es so wie bei jeder Wahl bei der ich auszählte: Erstmal wurde nur Platz für die größeren Parteien vorbereitet, die sicher Stimmen bekommen. Bei den Kleinstparteien war davon auszugehen, dass viele in einem Stimmbezirk keine einzige Stimme bekommen würden. Die werden erst angelegt, wenn die erste Stimme auftaucht.

    Und dann begann noch eine Reise durch das Parteiensystem:

    • Wir brauchen das Schild für Pdf!
    • PdH steht schon.
    • Ne, PdF.
    • Ich hätte hier ein Schild für PdV.
    • Nein. Wir brauchen PdF!

    Gegen 21:30h waren wir fertig. Im Vergleich zum Urnenwahllokal ist der späte Beginn der Aktion viel entspannter. Auch fehlt im langweiligen wie im anstrengenden Sinn der direkte Kontakt mit den Wahlbürgern.

    Dafür ist es Papierkram. Statt einem Stimmzettel gibt es die vierfache Menge Papier (Stimmzettel, Wahlschein, zwei Umschläge) mit der großen Sorge nur ja nichts durcheinanderzubringen und aus Versehen gültige Stimmzettel zu ungültigen Wahlscheinen zu sortieren.

    Wir waren nicht böse, dass das Europawahlsystem so einfach ist, nur eine Stimme auf einem Stimmzettel erforderte.

    Wien – New York – Chemnitz

    Frau Chorherr wählte im Wiener Sprengel 007.

    Frau Rabe ließ sich in New York zum Essen einladen.

    Chemnitz coolste Stadt. Jonas‘ Blog liefert Anschauungsmaterial: Kurzweilige Kunst und Kultur im kunterbunten Kosmos Chemnitz.

    (PdF = Partei des Fortschritts – linksliberal-optimistisch, errang sogar ein Mandat im Europaparlament; PdH = Partei der Humanisten – linksliberal-wissenschaftsgläubig; PdV = Partei der Vernunft – wirtschaftslibertär).

  • 24-05-05 Das RBB-Besamungsteam – mehr als ein Job

    24-05-05 Das RBB-Besamungsteam – mehr als ein Job

    Jede nachträglich angebrachte Polsterung unter einer Schranke erzählt eine Geschichte.

    In West-Berlin brennt eine Fabrik. die über zwei Ecken mit einer Luftabwehrherstellungs-Fabrik zusammenhängt. Die russischen Medien feiern. In Dresden werden rot-grüne Plakataufhänger schwer verletzt zusammengeschlagen.

    In Kremmen fordert ein Poster: Krieg und Klimawandel – Verhandeln statt Waffen!

    Im Oberhavelland hängen Plakate verschiedener Freier Wählergruppen, von Volt, der AfD, der Linken, der CDU, der SPD und der Piraten.

    Nur die Grünen-Plakate hängen nicht. Mehr.

    Madame testete die Diretissima von der Hafenstadt zum Prellbock. Neben dem Prellbock wird sie imitiert.

    Sie fragte sich, ob die Annette aus Annette ein Heldinnenepos als A-nét-te ausgesprochen wird oder Á-nett. Bei einem Epos mit Versmaß macht das Unterschiede.

    In Berlin spendierte uns der Slow Cooker eine samtige Tomatensuppe. Vielen Dank für das Rezept!

    Professor Transformation stand mit seinem Köfferchen im Bayerischen Viertel.

    Den Abend verbrachten wir mit Professor Transformation und seinem Geschenkwein auf der Terrasse, betrachteten Sommerdreieck und Großen Wagen. Den Soundtrack lieferte eine Nachtigall. Der Professor stellte dank seiner App fest, dass über uns das Flugzeug Rom->Peking flog.

    Gespräche über Wikip/media und deren notwendige Transformation.

    Gespräche über gescheiterte Diskussionen. „Es muss auf Augenhöhe stattfinden. Aber dafür müsste die Partei, die etwas will, auf einen Stuhl steigen.“

    Darauf ein Cujamara Split

    Freubad

    Das Insulanerbad hat offen. Und es ist noch viel schöner als letztes Jahr. Kleine Umbauten an den Außenanlagen haben der Anlage aufgeholfen.

    In vielen Bädern staune ich, wie sehr sich die Persönlichkeit der Badleitung im Bad niederschlägt. Naja, und die Leitung vom Insulaner ist einfach eine coole Socke. Schön, dass es auch im Bad so deutlich wird.

    Dank BVG-Verspätung rutschten wir knapp vor Kassenschluss ins Bad. Kassenkraft et moi erkannten uns gleich wieder. Ein Schritt hinter das Drehkreuz und sofort war der Park da, der Blick auf das Shakespeare-Theater, die übliche Mischung aus Stammschwimmern und Familien und es war ein wenig wie nach Hause kommen.

    Die Saison ist noch jung. Ob Fachangestellte und Rettungsschwimmer*innen auch im August noch so viel Enthusiasmus und Wir-schließen-jetzt-sie-müssen-gehen Cheoreographie aufbringen?

    Und erst das Schwimmen, hach, the Freubadsaison is back. Einzige Aufgabe: den Code von Madames Zahlenschloss rekonstruieren.

    Hufnagel singt Johnny Cash

    Die kleinste europäische Schafrasse heißt gar nicht Croissant sondern Quessant.

    Die kleinst originär deutsche Schafrasse – die Skudde – ist inzwischen die dominierende Schafrasse in Brandenburg. WIr waren im MAFZ Paaren/Glien und bildeten uns weiter. Denn es war Brala – die Brandenburger Landwirtschaftsausstellung.

    Diese liegt netterweise nahe der Latifundien. Dass wir es schafften nach Jahren der Abwesenheit wieder dorthin zu gelangen, spricht für eine Normalisierung und Alltagisierung zumindest unseres Lebens in letzter Zeit.

    Es gab die übliche spannend-kuriose Mischung aus Volksfest und Fachveranstaltung. Das „Sperma-Sonderangebot“ für Rinderzüchter stand neben Hüpfburgen und Gartenmöbelverkauf.

    Die zahlreichen Anbieter von „wir stellen Solarparks auf ihr Land“ standen neben Wildfleischdirektvermarktern und der den Softeis-Verschenkern vom Jagdverband. Irgendwo zwischen Fachveranstaltung und Familienfest siedelten sich die Hühner- und Kaninchenzüchter*innen an. Auf zwei Bühnen trat alles auf von der Country-Coverband Hufnagel bis zu den Funkenmariechen des Nauener Karnevals Clubs.

    Mein Favorit: der Geschwindkeitswettbewerb im Einsammeln und Neuaufstellen eines elektrischen Weidezauns für Schafe (mit Doppellitze!). Wir sahen, wenn man nicht aufpasst, kann man sich schnell im Zaun verheddern und ist für immer gefangen.

    Eigentlicher Kern der Veranstaltungen sind aber die Zuchtschauen. Rinder- Pferde- Schaf- und Schweinezüchter*innen präsentieren ihre besten Tiere. Das Landwirtschaftsministerium, Verbände und der Landkreis verteilen Goldmedaillen und Ehrenpreise. Tiere und Züchter*innen werden durch den großen Ring geführt und vorgestellt.

    Mann führt Charolais-Bullen

    Bei den ganz kleinen Jungzüchtern der Altersklasse U6 kann es auch mal vorkommen, dass das Kalb den Jungzüchtern durch den Ring führt und nicht umgekehrt.

    Schön für uns: Wir lernen sehr viel über aktuelle Landwirtschaft und die dort verwendeten Tiere und Rassen.

    Positive Nebenentdeckung: Gar kein offensichtliches Faschismus-Tattoo oder T-Shirt; für „Das ländliche Brandenburg trifft sich“ hätte ich Schlimmeres erwartet.

    2CV

    Professor Transformation erzählt von KI während ich mich gerade mit der „Verfahrensanweisung Passwort“ beschäftige. In der Wikipedia lernte ich aktuellen Empfehlungen:

    Die Länge eines Passworts sollte nach oben hin nicht begrenzt sein, soweit aus Nutzersicht sinnvoll. Es sollte also möglich sein, Passwörter mit 1000 Zeichen zu verwenden. Extrem lange Passwörter mit über einer Million Zeichen dürfen jedoch abgelehnt werden.

    Texaner zersteiten sich über das German Heritage Festival in Muenster, Texas: A Battle Over Beer Split a Texas Town’s Biggest Party

    Kellerkind meetet in Potsdam.

    Christa Chorherr erzählt von ihren alten Autos, insbesondere den 2CVs (aka Ente).

    Eva Farniente wurde durch das alte Frankfurter Polizeipräsidium geführt. Ich bin wahnsinnig neidisch, aber danke vielmals für den Bereicht.

    Nächstes Wochenende beginnt die Potsdamer Footballsaison und die Orangen fahren aus. Wünsche viel Glück, bin aber auf der anderen Seite von Berlin verplant. Bereits ausgefahren ist ein oranger Stuhl.

    Am 14. September ist Dackelrennen in Bärenklau.