Schlagwort: Schnee

  • 26-03-26 Senior IT Administrator:in (d/w/m) oder Stellvertretende Abteilungsleitung IT (d/w/m)

    26-03-26 Senior IT Administrator:in (d/w/m) oder Stellvertretende Abteilungsleitung IT (d/w/m)

    Die Berliner Bäder vergeben aktuell zwei IT-Jobs: Senior IT Administrator:in und Stellvertretende Abteilungsleitung IT. Da ihr hier gelandet sein, beweist ihr Geschmack und Kompetenz und deshalb: Wenn es für Euch in Frage kommt: Bewerbt euch gerne!

    Die Stellen sind im öffentlichen Dienst, mit allen Vor- und Nachteilen, im Microsoft-geprägter Umgebung. Ihr müsst es nicht lieben, solltet davon aber auch keine Bauchschmerzen bekommen. Ihr dürft/könnt/müsst mit mir zusammenarbeiten. Für Fragen dazu bin ich natürlich auch absprechbar.

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    Ende der unbezahlten Werbeeinblendung.

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    Madame vermisste Vögel in der Kornellkirsche. Wie auf Zuruf kamen in der nächsten Minute zwei Meisen und kurz danach auch noch ein Eichelhäher. Ein schönes Tier!

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    Während die Kornellkirsche langsam an Blühkraft verliert, befindet sich die nebenstehende Verdachtskirsche kurz vor dem Ausbruch. Wir hoffen, dass sie sich gut mit dem angesagten Nachtfrost koordiniert.

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    Videomeeting mit Dienstleister „unten in Thüringen.“ Angesichts des Schnees auf seinem Dachfenster sah das für mich eher nach „oben in Thüringen“ aus. Wir einigten uns auf „700 Meter über dem Meeresspiegel kurz vor der bayerischen Landesgrenze.“

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    Ich habe die Ehre, 80 Seiten eines Romans-in-Entstehung lesen zu dürfen, und der ist richtig, richtig gut. Ein Wow-Moment.

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    Edeka Duolingo installierte Kameras über den SB-Terminals.

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    Im Südkreuz, eine junge Frau in Influencer-Beige mit Plüsch-Alpaka im Arm, das fast so groß war wie sie selbst. Und ich dachte immer, der Slogan „Alpakas-sind-die-neuen-Einhörner“ wäre nie aus den Laboren der Werbeabteilungen entkommen.

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    Im Südkreuz auf der Treppe (die Rolltreppen sind weiter außer Gefecht) rannte ein junger Mann mit Angel, Netz und entsprechenden Hut und Hose die Treppe hoch. Wohl doch kein so entspannendes Hobby.

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    Es waren drei Arbeitstage unterbrochen von Nachtkino.

    Das schwappende Geräusch der letzten Wellen

    Ich war mal wieder im Becken. Leider konnte ich nicht wirklich schwimmen. Irgendwie war ich die Hälfte der Zeit von dem Gedanken absorbiert: „Und ich wohne hier. Wie krass ist das?“

    Vielleicht weil es leerer war als sonst. Vielleicht weil ich mehr „Raum“ mitbekam und weniger auf andere Personen achten musste. Die guten Vorsätze aus dem Januar sind längst alle vergessen. Der beginnende Frühling zieht Menschen aus den Hallenbädern und nach draußen.

    Ich nutzte wieder einmal die Zeit, zum Vor-ins-Bettgehen-schwimmen-weil-es-so-schön-nah-ist. Und in den letzten paar Minuten vor dem Ende der Badezeit teilten wir uns zu dritt ein komplettes 25-Meter-Becken; während des draußen schon lange dunkel war, die Rettungsschwimmer*innen und Fachkräfte langsam begannen, zusammenzupacken und dieser ganze Raum in eine seltsam melancholisch-ruhige Stimmung versank.

    Geister in Neukölln

    Ein Traum in Türkis

    An der Kreuzung neben unserer Wohnung ist eine Autowaschstraße mit Boxen zum Auto-Selberwaschen. An der Herrmannstraße/Neukölln ist ein „Selbstwasch Hundesalon“.

    Das Neues Off-Kino in Neukölln wirkt, als hätten sie das Odeon umgebaut und dabei Wes Anderson als Stilberater eingestellt. Vielleicht habe ich neues Lieblingskino.1

    Ich unternahm geistig eine der heftigeren filmischen Achterbahnfahrten meines Lebens. Im gefühlten Tempo von 10 km/h. Der Kinobesuch am Dienstag2 ließ mich ähnlich sprachlos mit offenem Mund zurück wie damals in Sommer La Chimera. Nur war der Film diesmal nicht italienisch sondern thailändisch, mir fehlte also auch noch eine Menge kultureller Referenzrahmen. Die Frage „Was ist seltsam? Was ist normal?“ wird nochmal spannender, wenn ich keine Ahnung habe, was Macher*innen und Zielpublikum des Films als „normal“ empfinden.

    Geister existieren, wenn sie erinnern oder wenn sie erinnert werden

    A Useful Ghost / ผีใช้ได้ค่ะ (Thailand, Singapur, Deutschland, Frankreich 2025) ist das Erstlingswerks des Regisseurs Ratchapoom Boonbunchachoke. Er lief im Rahmen der In the mood-Reihe der Yorck Kinos. Der Film ist mit Hilfe internationaler Gelder aus Berlinale Weltfonds und ähnlichem entstanden, aber komplett mit einem thailändischen Team gedreht.

    Auch in Thailand läuft der als eine Art Arthouse-Film, hat aber gerade bei den weiblichen Hauptdarstellerinnen etablierte Mainstream-Stars am Start.

    Es handelt sich um eine queere Geister-Komödie / politischer Film / Sozialsatire.

    Es beginnt damit, dass ein Staubsauger nachts hustet und Staub wieder ausspuckt, läuft über die Krankenhausszene in der eine Krankenschwester mit einem Staubsauger darüber diskutiert, ob sie als Geist-der-Ehefrau-im-Staubsauger sich an die Besuchszeiten halten muss oder als Ehefrau zu jeder Zeit kommen darf und endet nach über zwei Stunden in einer Szene, in der die Geister des Massakers von 2010 blutige Rache am zuständigen Minister nehmen.

    Zwischendurch ist es eine Art Meditation über Fortschritt und seine Kosten und die Bedeutung der Erinnerung.

    Wie meine Eingangsworte vermuten lassen: Es ist schwer, den Plot in seiner ganzen Komplexität wieder zu geben. Es geht um Geister, die nicht gehen können, weil sie lieben und andere, weil sie noch offene Rechnungen mit den Lebenden haben. Es geht darum, wie die Lebenden versuchen, diese Geister auszunutzen (daher der Titel „A Useful Ghost“) und die Opfer, die dabei anfallen. Und zuletzt ist der Film queer: Mal fast klassisch (Mann-Mann) mal ungewöhnlich (Mann-Geist-Staubsauger).

    Neues Off Kino von außen. Nachts, Schaukästen und Ankündigungstafel über dem Eingang erleuchtet mit "A Useful Ghost"

    Das Denkmal für die Revolution von 1932 fällt

    • Für seine Komplexität und Absurdität ist der Film sehr langsam erzählt. Lange Einstellungen, spärlicher Dialog, Schauspielern auf engem Raum.
    • Es ist ein Erstlingswerk. Ich vermute, jede*r erfahrene Regisseur*in hätte versucht die 800 spannenden Ideen des Film auf 8 zu kürzen, und jede davon mehr durchzuerzählen. Das wäre dann ein formal besserer Film geworden – aber halt auch viel weniger spannend.
    • Mir fehlt jeglicher Referenzrahmen für thailändischen Film. Aber ich vermute, dass dieser Film auch in Thailand aus dem Rahmen fällt. Um so spannender, dass er mit Davika Hoorne und Apasiri Nitibhon zwei echte dortige Stars an Land zog – soweit ich recherchieren konnte, im Fall Hoorne aus persönlicher Bekanntschaft und weil sie das Drehbuch spannend fand.
    • Dass das gestürzte Denkmal, geräumt zugunsten einer Shopping-Mall, an die Revolution von 1932 erinnerte, zum Beispiel musste ich mir erst im Nachhinein anlesen. Bei einem Film, der sich so nachdrücklich um das Thema Erinnern dreht, war das eine Bedeutungsebene, die mir fast entgangen wäre.
    • Die Staubsaugerfabrik sieht so aus wie deutsche Fabriken in den Filmen aus den 1960ern/1970ern, bei denen ich immer denke „die gibt es nicht mehr.“ Doch gibt es: in Thailand.
    • Was ich am Film spannend finde: So sehr die Story die greifbare Realität verlässt, so sehr zeigt er Alltag in einer Welt, die mir sehr fremd ist.
    • Dieser Regisseur ist kein Freund buddhistischer Mönche. Wahrlich nicht. Aber ihre Szenen sind sehr lustig.
    • Ich liebe den Film dafür, dass der Minister als charmanter Sympathieträger eingeführt wird, und sich erst langsam seine Seite als Massaker-Befehlender offenbart. Wobei er als Mensch im eins-zu-eins immer noch charmant und sympathisch bleibt, auch wenn schon klar ist, wie viele Leute er hat umbringen lassen.

    Licht und Schatten

    poupou auf der Suche nach parfümfreien Deo: Parfümfrei: Deoprobleme (unbezahlte Werbung)

    Madame kann beisteuern: Auch Fish&Chips ist ein hervorragenden einarmiges Essen: Abends aßen wir im Restaurant. Bei der Auswahl bin ich zurzeit etwas eingeschränkt, da ich möglichst Gerichte wähle, die problemlos einhändig zu essen sind, etwa Penne mit Rindfleischstreifen oder Erbseneintopf, weil das Essen mit Messer und Gabel wegen der Armschiene etwas mühsam ist. Auch weiterhin gute Genesung.

    Licht und Schatten und licht und ton.

    Ich würde diese Beobachtung aus der S-Bahn bestätigen: Dabei habe ich festgestellt: Man liest offensichtlich wieder. Entgegen all der Meldungen zur Krise des Buches und der Buchhandlungen hatten eine Unzahl von Solo-Personen Bücher in der Hand, und zwar Bücher aller Art

    CW häusliche & sexuelle Gewalt: Grandma’s Hands

    Der grosse Herr Maus, der montags erst um zehn in der Schule sein muss, bekam kurz vor halb zehn einen Anruf von einer unbekannten Nummer. Da sie aber nicht nach einer Werbenummer aussah und er ausserdem einen Rückruf aus der Poliklinik erwartete, ging er glücklicherweise ran. Es war eine Lehrerin, die Aufsicht bei den Abiturprüfungen hatte, und nun anrief, um zu fragen, ob der grosse Herr Maus denn gar nicht zum Deutschabi – das er genau wie die grosse Schwester vor zwei Jahren jetzt schon schreibt – zu kommen gedenke. Ich hörte ihn nur panisch „Was, heute? Jetzt?!“ ins Telefon rufen

    Anmerkungen

    1. Auch das Kino-Kompendium scheint mir ungewöhnlich enthusiastisch im Tonfall. Zu recht. ↩︎
    2. Yorck Unlimted No. 16, damit 14,88€ pro Film. ↩︎

  • 26-01-31 Gewöhnlich erkannten wir die Unsrigen sofort, sobald sie hinter einem Busch auf freiem Gelände hervorkamen

    26-01-31 Gewöhnlich erkannten wir die Unsrigen sofort, sobald sie hinter einem Busch auf freiem Gelände hervorkamen

    Madame fuhr nach Bremen. Dachte sie. Dann war sie in Oldenburg. Am Ende kam sie doch in Bremen an.

    Sie schwärmt seitdem vom Hotel gegenüber vom Bahnhof.Nur am Namen sollte das Hotel noch arbeiten: Plaza Premium Columbus Hotel Bremen. Meine Güte.

    Sie traf und trifft eine der unverstandensten Gruppen des freien Internets: Wikipedia-Administrator*innen.

    Urlaubsplanüberlegungen: Mit der Fähre direkt nach Klaipeda? Oder mit dem Zug nach Kopenhagen/Trelleborg und von dort mit der Fähre nach Klaipedia? Oder ganz anders?

    Martinhörner zur Mitternacht. Ein Geräusch, das wir so geballt seit der Schöneberger Hauptstraße nicht mehr hörten. Im Halbschalf dachte ich „Stadtautobahn.“

    Die Berliner Feuerwehr berichtet, dass ihr zeitweise die Rettungswagen ausgehen. Die Unfallkrankhäuser schieben ähnlich viele Einsätze wie an Silvester. Willkommen in der Eiswüste Berlin. Allein an der Ampel gegenüber dem Büro – leicht abschüssig, inzwischen eine blanke Eisplatte – sah ich bei meinen letzten drei Überquerungen jedesmal eine Person stürzen.

    Life-Hack einer jungen Mutter: An den besonders schlimmen Stellen den Kinderwagen (ohne Kind nehme ich an) an wacklig wirkende Menschen ausleihen, damit diese einen Impro-Rollator nutzen können.

    Aufgrund der Eislandschaft Berlin haben die Berliner Öffentlichen Bibliotheken ihre Leihfrist um drei Wochen verlängert. Niemand soll gezwungen sein, vor die Tür zu gehen und sich ein Bein zu brechen, beim Versuch etwas zurückzugeben. Ehrenmenschen.

    Es war ein Wochenendanfang zwischen Eis und Kino mit besonderer Aufmerksamkeit aufs Atmen.

    Sprachi

    Im Radio geriet ich an das „rbb Jugendradio“ Fritz. Und ich staunte, Im Fünfminutentakt hörte ich Wörter, die ich noch nie in einem deutschen Text gesprochen gehört habe. Das meiste waren Übernahmen aus dem amerikanischen Social-Media-Kontext1 und dürfen als solche gerne weiter jenseits meines Wortschatzes bleiben. Schön fand ich „Schickt eine Sprachi an..“ – da stimmen Albernheit von Wort und Tätigkeit doch wunderbar überein. Das sollte ich übernehmen.

    BANIS

    In Zehlendorf an der Bushaltestelle. Eine auf den ersten Blick normal wirkende Frau schreit mit bewunderungswürdiger Ausdauer die leere Fläche vor sich an. „Du FOTZE! Du hast mir nicht zu sagen! Du Schwanzlutscherin!“

    Später in der Wohnung. In den frisch gefallenen Schnee vor unserem Fenster schrieb jemand vier Meter breit: „PENIS“.

    Der Winter schlägt den Berliner*innen auf’s Gemüt.

    Am nächsten Morgen: Fuchsspuren verliefen durch das Wort. Bis Vormittags hatte jemand PENIS in BANIS verwandelt. (oder B8NIS)

    Michael Haneke sah diesen Film 25mal

    Ein Kino hatte mich nach Zehlendorf gelockt. Die Bahnhofslichtspiele (Bali) feiern ihren 80. Geburtstag. Einst in den 1960ern/1970ern ein an diesem Ort unerwarteter Hotspot des Westberliner Politkinos, seit 2024 von einem ehemaligen Rechtsanwalt übernommen, dem ich unterstelle sich damit einen Jugendtraum zu erfüllen.

    Das Kino: mit alten Filmpostern an der Wand, Klavier und Jukebox im Saal, vor der ersten Reihe einige Bistrotische, alles hat eine Aura des Jugendzentrums. Muss ich explizit sagen, dass ich es sehr mochte?

    Anlässlich des 80. Geburtstags veranstaltet das Kino eine Woche der Filmklassiker. Da ich nicht alles sehen kann und will, entschied ich mich zur Füllung einer Bildungslücke. Andrei Tarkowski’s Der Spiegel (Зеркало -> Serkalo, UdSSR 1975)2.

    Ein Film der mich an Yi Yi vom Mittwoch erinnerte: Plot und Erzählstruktur sind noch aufgelöster als in Yi Yi. Jede Einstellung ein Gemälde, jeder der knappen Dialoge halb Gedicht halb Meditation/Gebet, (außer die Teile in denen tatsächlich Gedichte gesprochen werden) jedes Geräusch ein Teil des Soundtracks. Ein Film, der in seiner Logik des emotionalen Fließens näher an Musik liegt als an gängigen Filmen.

    Matsch

    Es gibt keinen Plot. Die Rahmenhandlung lautet, dass ein 40jähriger Dichter sich im Moment seines Todes an sein Leben erinnert. Diese Rahmenhandlung habe ich während des Films nicht bemerkt, habe erst im Nachhinein davon gelesen.

    Es ist eine Abfolge von Erinnerungsfragmenten Tarkowskis, immer wieder springend, immer wieder in Erinnerungen an Träume übergehend an seine Kindheit und als junger Erwachsener. Oft springt der Film; ein Wort oder eine Handlung, die in einer Sequenz erwähnen werden, öffnen die Tor in die nächste Sequenz.

    Im Wesentlichen gibt es drei Orte, die immer wieder auftauchen: russisches Landleben auf der Blockhaus-Datscha, der Dichter als kleines Kind (etwa 1935); Moskau im Zweiten Weltkrieg; der Dichter als Erwachsener mit kleinem Sohn (1960er/1970er). Wir sehen aus der Sicht des Dichters: Mutter und Ehefrau werden von derselben Schauspielerin gespielt ebenso wie der Dichter als Junge und sein Sohn.

    Wo die Handlung schwimmt, und die konsitente Realität sich auflöst und die reale Realität um so stärker. Bilder vom Matsch, ich fühle mich nass; Bilder vom brennenden Haus, ich rieche das Feuer. Oft genug schafft es der Film, jegliche Vernunftkontrolle zu umgehen und sofort zu den tieferen Hirnschichten des haptschen Fühlens und Riechens vorzudringen.

    Bach, Bruegel, Artemeyev

    Ein Film in vier Stimmen.

    Der Film beginnt mit Bach und der Film endet mit Bach. Dazwischen Purcell und Pergolesis Stabat Mater. Selten erklingt Musik, aber wenn, dann ist sie raumgreifend, nie nur Hintergrund sondern Architektur der Szene.

    Ein andere Modus: Die eigentliche „Filmmusik“ von Eduard Artemjew. Oft elektronisch, nur selten als Musik erkennbar, oft komponiert aus Natur- und Umgebungsgeräuschen, elektronisch aufgearbeitet und verfremdet. Wie der ganze Film: es ist ein halb träumerischer Übergang zwischen Umgebung und Gefühl, subjektiv empfundenem und vorgefundenen.

    Dritter Modus: Geräusch. Ähnlich wie in Yi Yi, nie „nur“ Geräusch, sondern immer Rhythmus, Verstärker, gesetzt, oft erst die Szene machend.

    Vierter Modus: Gedicht. Tarkowskis Vater, der Dichter Arseni Tarkowski, liest seine eigenen Gedichte während im Film etwas anderes passiert. Auch hier zählt Klang mehr als Worte (wenn man kein russisch kann und den Untertext liest eh). Der Klang des Gedichts als eigene Musik.

    Flüssiges Land, zähflüssiges Buch

    Es waren Tage der Auflösung: Neben den Filmen Yi Yi und Serkalo, in denen sich Filmkonventionen und Realitätssicht auflösten, las ich auch Raphaela Edelbauers „Das flüssige Land“ aus. Hier löst sich buchstäblich das Land auf.

    Leider ist, trotz aller sprachlichen Brillanz, das Buch konventioneller als die beiden Filme. Und auch die wunderschöne Idee der österreichischen Kleinstadt im Wechselgebiet, nicht ganz von dieser Welt, halb im 19. Jahrhundert, halb im Jetzt, wortwörtlich verschlungen von den Sünden der Vergangenheit, wird im Laufe des Romans immer mehr entmagischt und immer „realistischer.“ Wodurch auffällt, wie sehr die innere Logik hakt. Inhaltlich strebt das Buch dem fulminanten Höhepunkt zu, stilistisch fällt es auseinander. Schade. Am Ende doch kein Buch, das dauerhaft im Regal bleiben wird.

    Leiter weg, Blumenkohl her

    Die Logistikwochen lassen in ihrer Intensität nach. Aber noch sind sie nicht vorbei. Nachdem die Schöneberger Wohnung inzwischen leer ist, war das Auto voll. Denn Bretter, die große Leiter und der latifundinische Staubsauger sollten alle nach Brandenburg. Dem Subaru würde es nicht schaden, auch mal wieder bewegt zu werden.

    Also auf in die märkischen Hamptons. Die letzten Meter über den Plattenweg Richtung Siedlung mit dem Auto rutschen. Die weiße Schneelandschaft bestaunen. Einatmen. Ausatmen. Weite. Stille. Mit Schnee noch weiter und stiller als normalerweise.

    Alles stand noch. Alles sah noch gut aus. Das Grundstück war, abgesehen von Katzenspuren, unberührt. Bier und Brause hatten erwartungsgemäß den Temperaturen standgehalten.

    Stehen. Schauen. Atmen. Nichts hören. Wieder atmen. Augen schließen. Atmen.

    Nach einem Zwischenstop beim Supermarkt beschloss ich das Haus nicht mehr zu verlassen. Also ging ich ins Schwimmbad.

    Total Immersiv

    Wie schnell Systeme zusammenbrechen. In unserem Hausbad gibt es eine als solche gekennzeichnete Sportbahn. Bei der Treppe ist der Bereich Totholz und dazwischen liegt der Bereich der Bahnenschwimmer ohne sportlichen Ehrgeiz. Je nach Laune und Beckenfüllung bin ich beim Totholz oder beim Bahnenschwimmen, ich bin ja aus Jux und Dollerei unterwegs, nicht aus sportlichen Gründen. Naja, heute war ein echtes Totholz-Pärchen unterwegs das zwei Drittel der Bahnschwimmbreite einnahmen. Sofort brach die Unordnung aus. Zwei Leute von 40 Anwesenden. Und alles wurde schwierig.

    Im tiefen Becken ein bißchen mit der Totalen Immersion herumspielen. Und wie immer, wenn mensch in einem komplexen Bewegungsablauf auf einen Teil bewusst achtet (hier: An welchem Punkt beginne ich den Armzug nach hinten?) gerät alles andere in Unordnung.

    Leider gehört zum komplexen Bewegungsablauf Kraulschwimmen auch das Atmen. Und naja, es gelang mir erfolgreich weder zu ertrinken noch auf halber Strecke hustend zusammenzubrechen. Nachdem ich meinen Stolz überwunden hatte, und von 3-Zug-Atmung auf 2-Zug-Atmung umgestellt hatte, hielt ich sogar länger als acht Meter durch.

    Wien du wunderbare

    I feel Joel. Manchmal hat man das Gefühl, das rein physisch links und rechte Sachen kaputt gehen und mensch mit den reparieren gar nicht hinterherkommt. Aber das neu gekauft Auto noch beim Händler, das ist krass: Dinge gehen kaputt.

    Weiter südlich gibt es weniger Eis aber mehr Schnee: Mehr davon, und zwei und drei und vier.

    Wien du wunderbare I: Früher konnte man mit Romantauschzentralen gutes Geld verdienen, heute tröpfelt das Geschäft mit Groschenromanen nur noch. (via Blütenstaub)

    Wien du wunderbare II: “waun I mi scho aufbrezln muass, gibt’s hoid a a Brez’n dazua” Camp Catatonia beim Wiener Ball der Wissenschaft und ich liebe einfach alles an diesem Text.

    Eine längeres Gespräch mit einer Mathe-Kollegin, die in der 5. Klasse einen Schüler hat, der im Zahlenraum bis 10 noch immer die Finger zu Hilfe nimmt. Beim Blick ins Grundschul-Zeugnis stellte sich dann heraus, dass er in der vierten Klasse in Mathematik gar keine Note, sondern nur ein paar freundliche Worte erhalten hatte. Und da regen sich andere über die vermeintliche Abschaffung der schriftlichen Division auf …

    Anmerkungen

    1. Zum Beispiel: „Musiker A macht legit 1:1 dieselbe Musik wie B“. Also im Sinne von engl. legitimate/legitim, ganz genau, wahrhaftig, wirklich. ↩︎
    2. Die Post-Überschrift („Gewöhnlich erkannten wir..“) ist der erste Satz im eigentlichen Film. Es gelang mir nicht, ihn sinnvoll in den Text hier einzuarbeiten, ↩︎

  • 26-01-13 Dunstabzugshaubensäubern (Gunda on my mind)

    26-01-13 Dunstabzugshaubensäubern (Gunda on my mind)

    Kinder fahren Schlitten. Eltern tragen ihre Kinder auf Schlitten sitzend über die geräumte Kreuzung.

    Die Meisenknödel hängen schlapp und missachtet. Zur Stunde der Wintervögel zählten wir: Krähe. Eins.

    Madames Physiotherapeut, 22, erzählte, er sei noch vollkommen fertig von seinem Umzug mit 15 Kisten und drei Wochen Urlaub. Dafür halten wir uns mit 200 Kisten ohne echten Urlaub tapfer.

    Mensch sollte meinen, ein Haushalt mit insgesamt vier Universitätsabschlüssen wäre in der Lage, bis zwölf zu zählen. Aber offensichtlich sind wir damit überfordert. Wir haben noch zehn oder elf, vielleicht auch zwölf unausgepackte Umzugskisten.

    Wie Madame feststellte: Dem Ankommen in der neuen Wohnung hilft enorm, dass die Wohnung so schön ist; es hilft enorm, dass ganze Haus so wahnsinnig freundlich, hilfsbereit und gutwillig ist. Wenn wir kommen und aus der Ferne das beleuchtete Schwimmbad sehen, hüpft unser Herz.

    Mir träumte, mein selbst verursachtes Arbeits-Terminchaos hätte sich erledigt, weil ich die Wochen verwechselt hätte. Aufwachen mit Schrecken: Hatte ich gar nicht! Ich musste mich selbst darum kümmern, in letzter Minute Sachen abzusagen. Vor Schreck war ich so wach, dass ich um Haaresbreite nachts um zwei angefangen hätte, den morgendlichen Kaffee zuzubereiten.

    Es war ein Sonntag der Altwohnungsherrichtung und ein Montag im Home Office.

    Baby, it’s not as cold outside anymore but verry dangerous!

    Nachdem Sturmtief Elli Berlin ignorierte, müht sich überfrierender Regen Gunda allen Vorhersagen gerecht zu werden.

    Eine Gunda-Vorgängerin brachte mich einst mit gebrochener Nase ins Krankenhaus – den Besuch einer Notaufnahme bei solchen Bedingungen empfehle ich nicht. Ich glaube ich las damals ein 500-Seiten-Buch durch bevor ich drankam.

    Madame schlitterte morgens um 6:00h die paar Meter vom Schwimmbadausgang bis U-Bahn-Eingang, wobei sich insbesondere die Treppe zur U-Bahn als wahrer Endgegner entpuppte. Im Team-Teams Chat meldete sich um halb sieben der erste Gestürzte, der jetzt zum Arzt geht. Noch kann ich anderthalb Stunden in der Wohnung ausharren, die Entwicklung beobachten und intensiv das Profil der verschiedenen Schuhe begutachten. Es bleibt spannend.

    Keine Wehmut

    Entdeckung: Japanische Hersteller von Möbeln und Aufbewahrungssystemen kennen sich mit zuwenig Platz sehr gut aus.

    Erste Male: Das erste Mal seit Umzug war wspaniała pani Z wieder in der Wohnung. Sie schien angetan. Und sie war ordnungemäß verwundert von der Wohnung („Und sonst wohnt hier wirklich niemand?“ – „Nein“) Es herrscht wieder Platz genug, dass Putzen einen Sinn ergibt. Und auch wir waren sehr angetan.

    Das erste Mal seit Umzug waren wir wieder ein paar Stunden in der alten Schöneberger Wohnung. Langsam rückt die Übergabe näher.

    Trotz siebzehn Jahren schönen Lebens dort: Keine Wehmut. Zu sehr begrüßten uns gleich die überquellenden Müllcontainer im Hof, die irren Zettel der Hallodris an alle und jeden, die Tauben und die ewige Baustelle. Ich empfand kurze Freude beim Anblick des Sicherungskastens von 1949 über unser neues Modell jetzt. Es ist tragisch: Soviel Potenzial wie die Wohnung hatte, und so schön die Wohnung in ihren Grundzügen war – das Haus wird seit Jahrzehnten misshandelt und es geht ihm an die Substanz.

    Trauer vielleicht darüber, was aus diesem Haus hätte werden können, wenn sich seit 1984 mal einer der diversen Eigentümer sich wirklich dafür interessiert hätte.

    Wir richteten noch einiges her: Schrauben aus den Wänden entfernen, Gardinenstangen und Galerieschienen abschrauben, Dunstabzug säubern, Heizungsrohre säubern, was mensch halt so macht. Aber mit gebremster Aktivität: bei diversen großen Wasserschäden durch die Dachbauarbeiten, halb zerfallenen Fenster und dutzendweise Risse an den Wänden, fühlten wir uns auch blöd, jetzt zuviel Energie in eine Wohnung zu stecken, die ganz offensichtlich gründlich renoviert werden muss.

    Spannender Fund: Die komplett verrosteten Schrauben, die in der Wand eines Wasserschadens steckten.

    Anyway, nicht mehr lange, und die Schöneberger Wohnung ist in unserem Leben wirklich nur noch als Erinnerung präsent.

    Schweinefleisch und Ortsverein

    Angelesen: Jessice B. Harris: High on the Hog: A Culinary Journey from Africa to America. Ein Buch, dass die Geschichte und den Einfluss afrikanischer Ess- und Kochtraditionen in den USA nachzeichnet – und vor allem die Geschichte der Menschen erzählt, die diese Kulturen trugen.

    Ein Buch meiner Herzensthemen: US Südstaaten, African American Culture und insbesondere Essen. Es hat zahlreiche spannende Geschichten, von denen sich Madame auch schon viele anhören musste. Ein Buch, dass ich herzen müsste und mich abends im Bett daran ankuscheln. Aber so richtig dann leider nicht: Irgendwie fehlt entweder sprachliche Wucht oder intellektuelle Durchdringung, angesichts der Autorin wirken überraschend große Teile anekdotisch vor sich hin plätschernd.

    Ein Bich zum Behalten: Auf jeden Fall. Ein Buch, um ihm einen Sonderplatz ihm Regal samt Lichtinstallation zu geben? Nein.

    Festgestellt: Es gibt einen Kinmo-Dokumentarfilm über den SPD Ortsverein Hamburg Lohbrügge. Die Süddeutsche bespricht, Youtube hat einen Trailer und das Xenon Kino wird ihn an einem Dienstag Abend zeigen.

    Israel Erzgebirgisch

    Lila von Letters from Rungholt schreibt wieder über die Situation in Israel: Lange, lange Zeit

    Auch diesen Winter die schöne Visualisierung: Menschen, die nicht an Sackgassenschilder glauben.

    Joel entdeckt einen neuen Song von Vanessa Paradis.

    Jonas rührt mein Herz mit seinem Gedicht in erzgebirgischer Mundart:

    Sunntichs kumm iech garn zur Ruh,
    Vur allm im Winner, da isses Watter derzu.
    Guck ausm Fanstr, sah su viel Schnee,
    Denk of emol: „Iech muss huch vom Kanapee!“ …

  • 26-01-08 Läuft (Fuchs und Fritz)

    26-01-08 Läuft (Fuchs und Fritz)

    Ex-Bäckerei Thoben wird jetzt der Cleopatra Shisha Shop.

    Am U-Bahnhof Fehrbelliner Platz zwei Teens, eher szenig aufgemacht, Musik laut aus dem Handy: „Am Tag als Conny Kramer starb.“ Whut?

    Um 5.30h lief der Fuchs. Langsam kommen wir wieder dazu, in Ruhe aus dem Fenster zu schauen, aufmerksam für die Umgebung zu sein, und den Parkplatzfuchs zu sehen, der durch den Schnee stapft.

    Es ist weiß und kalt. Langsam erinnere ich mich wieder daran wie Winter mit Schnee einst war. In Berlin ist Winter ja vor allem immer hinderlich im Alltag. Gerne wieder Plusgerade.

    Seit etwa 12:30h läuft das Internet. Nach Einsatz einer Telekom Fernschaltung, zweier Telekom-Techniker und eines Elektriker-Duos kommen wir wieder über Wlan und Fritzbox, DSL und den APL ins Internet. Es bleiben Rätsel: Warum sind Netzwerkdosen in der Wand, wenn anscheinend kein Netzwerk daran hängt? Warum mögen sich Router und Telefon nicht mehr? Aber das sind lösbare Rätsel.

    Es waren zwei Tage der Arbeit in Office und mobilem Arbeiten.

    Nicht gelöst habe ich das Rätsel, warum ich acht Badehosen besaß. Sie sind nicht groß und ich gehe oft Schwimmen. Aber acht? Wozu? Egal, jetzt sind es nur noch fünf, und die bestehen alle aus dem Decathlon-Einheitsmodell mit leichten Variationen.

    Gelöst hingegen habe ich das Rätsel, warum ich mit meiner Yorck-Unlimited-Karte keine Karten mehr kaufen durfte: Nur 3 kostenlose Karten im Voraus sind erlaubt. Jetzt also muss ich die Balance finden zwischen „Ich-will-den-Film-in-fünf-Wochen-unbedingt-sehen-und-vermutlich-wird-er-ausverkauft-werden“ und „ich-möchte-gerne-spontan-nach-der-Arbeit-ins-Kino-gehen-können“.

    Schon wieder Yacón

    Auch die Gemüslichkeit muss Wetter-Herausforderungen trotzen. Unser Gemüse-Übergabepunkt besteht im Wesentlichen aus drei Spanplatten mit einem Schloss davor. Die Übergabestation ist nicht frostfest. Also kam die Mahnung, diese Woche das Gemüse schnell abzuholen, bevor es durchfriert.

    Ab 16:30h war die Abholung möglich, ich kam gegen 18 Uhr und war schon fast der Letzte. Es herrschte Stau. Vor mir bediente sich eine junge Frau. Während ich noch Zwiebeln abzählte kam J mit kleinem Kind, „das allererste Mal etwas abholen“, und als ich überlegte ob ich J im Dunkeln und Kalten mit Kind bei der allerersten Gemüse-Verräumung allein lassen sollte, kam schon die nächste Mitglied.

    Der Salat hatte sich bereits in einen Eisklumpen verwandelt. Es gab wieder Yacéns, ein neues modernes und meines Erachtens durchaus verzichtbares Gemüse. Vor allem aber gab es Kimchi. Davon war noch erstaunlich viel im Schrank. Es war zu riechen warum. Die Fermentation war streng! Aber ich ließ mich nicht schrecken und nahm meinen Anteil. Später, bei Öffnung des Kühlschranks, roch ich, warum das ein mutiges Unterfangen war.

    Nach der Verräumung – abwiegen, einpacken und das Leuchtehandy halten mit zwei Händen – mit einem Weißkohl, ein paar Kilo Möhren und Beete, Yacons, Zwiebeln, Sellerie, Eissalat, Kimchi und dem aus der Bibliothek geholten Roman an Sportplatz und Bibliothek vorbei zur U-Bahn. Zurück zu Madame, die bereits Paradeiskraut mit Maultaschen bereitet hatte.

    Links (radikal)

    Als hätten die Vulkangruppen meinen vorgestrigen Post gelesen, stürzen sie sich gleich in die politisch Linken Tätigkeiten der Zerredung und der Spaltung. Erst schreiben sie ein Bekennerschreiben, dann noch ein Schreiben, dass sie wirklich links sind und dann noch eines weil das Schreiben davor falsch verstanden wurde. Gleichzeitig taucht eine andere Vulkangruppe auf und distanziert sich von der Stromkappung-Südwest-Vulkangruppe. So liebe und schätze ich doch die radikale Linke.

    Auch die üblichen Medien scheinen aufgewacht und beschäftigen sich mehr mit dem was da nun Links ist oder nicht. Sebastian Leber:

    Wenn eine Aktion so sinnlos erscheint, dass selbst ideologisch Nahestehende sie nur noch als fremdgesteuerte Sabotage erklären können, dann belegt das ihr vollumfängliches Scheitern. …. Weder ihre Tat noch ihr unsägliches Bekennerschreiben gelten als anschlussfähig, nicht einmal unter Linksradikalen. Weniger Erfolg als diesen kann eine Aktion gar nicht haben.

    Nils Markwardt:

    Nun waren die drei stromlosen Tage für die Betroffenen freilich kein Spaß. Und erst recht sind Anschläge auf die kritische Infrastruktur nicht lustig. Doch sind es ja gerade die ernsten Stoffe, die nach theatraler Spannungsabfuhr und ein wenig comic relief rufen. Und so gesehen könnte man sich diese ganze Geschichte auch als abendfüllenden Fiebertraum aus den glorreichen Zeiten der Berliner Volksbühne vorstellen

    Links (ins Netz)

    Alles schön und gut mit den hilfreichen Listen der Katastrophenschützer, aber was macht das alte Ömchen auf dem 13. Stock in Berlin-Mitte, wenn die Rente kaum fürs tägliche Essen reicht, geschweige denn für Vorräte? Wie kriegt die alleinerziehende Mutter von zwei Kindern das mit der Vorratshaltung hin, wenn die Zwei-Zimmer-Wohnung so schon viel zu klein ist?

    Passend dazu das Techniktagebuch: Schöner preppen, billiger preppen

    Und nochmal dazu, das wars dann, ich verspreche: Krisenresilienz ist kein Thema für Bierzelte und Marktplätze. Sie kostet Geld und wird im besten Fall nicht gebraucht.

    Nach dem Abi und vor dem Studium hatte ich einen Job, die Einführung von Biotonnen im Landkreis Stade zu begleiten. Unter anderem fuhr ich dazu eine Woche auf einem Mülltonnen-Auslieferungs-Fahrzeug von Karl Meyer mit. Und jetzt erfahre ich: Das Unternehmen ist pleite. Und lässt in Berlin Flaschenberge zurück.

    Carbonara e una Coca Cola.

    Erik sieht Licht am Horizont: Es mag meiner persönlichen Präferenz geschuldet zu sein – aber ich sehe eine neue Art von Communities aufkommen, die vielleicht die Oligarchensilos ablösen

    Geschrieben während draußen dicke Schneeflocken herunterfallen. Katwarn sagt für Morgen „Gefahr für Leib und Leben durch: stark erhöhte Schneedecke bis hin zu blockierten Verkehrswegen. Aufenthalt im Freien vermeiden.“ Meine Wetter-App sagt „Morgen Niederschlag 0mm“. Es wird spannend.

  • 26-01-08 Der Vampir tanzte Jig im 9/8-Takt

    26-01-08 Der Vampir tanzte Jig im 9/8-Takt

    Laut Asterix-das Kartenspiel bestand das römische Heer vor allem aus Generälen, Legionären und Hornisten. Wer vier Hornisten in seine Truppe sammeln kann, bekommt 100 Bonuspunkte.

    Die Benutzung einer Küche macht mehr Spaß, wenn die Spülmaschine und vor allem der Wasseranschluss in der Küche problemlos funktioniert.

    Noch 13 unausgepackte Umzugskartons, derzeit aber auch noch einige neu angebrachte ungenutzte Regalbretter.

    Madame nutzte die Chance der funktionierenden Küche zum Einkauf bei Ledo, brachte guten frischen Kimchi, noch frischere Artischocken und Doraden mit. Das Suppenhuhn hatten wir an Neujahr aus dem Suppenhuhnautomat nahe der Latifundien gelassen.

    Es waren die letzten Tage zwischen Weihnachten und dem zurückkehrenden ernsthaften Ernst des Lebens. Einer davon mit Arbeit, einer mit Besuch aus Wien, und zwei Filmen.

    Der wir-Schwimmen-zu-Hause-Streak hielt zumindest bis zum 4. Januar. Wenn ich richtig rechne, waren wir am 2. und am 4. im Becken. Madame besorgte sich eine Monatskarte und beschloss, sich mit Total Immersion zu beschäftigen. Das bringt uns gerade einige Zeit ins Nichtschwimmer– Lehr-Schwimmbecken, um lustige Übungen zu machen. Auch wenn wir verschiedene Startpunkte haben, profitieren wir beide stark davon.

    (Immer noch mit dem eigenartigen Gefühl, dass vermutlich jede Person am Beckenrand weiß wer wir sind und im Zweifel interessiert zuschaut).

    Der Yorck-Unlimited-Pass verleitete zu zwei Kinobesuchen in den ersten drei Tagen des Jahres (damit bisher 119 Euro/Besuch). Beide Filme waren auf ihre Art episch, manchmal schwierig, aber hochspannend: New York, New York im Rahmen der Reihe Boulevard Noir im Yorck-Kino und Sinners im Odeon.

    Start spreading the news

    Das Jahr beginn mit einem Martin-Scorsese-Musical. New York, New York von 1977 bewies warum das Genre des Depri-Musicals sich nicht durchsetzte. Aber was für ein Film. Ein Film

    • Der eine Hommage an die Hollywood-Musicals der 1940er war
    • Aber sich in einem 1970er gritty Sozialrealismus zu Hause fühlte
    • Ein Vehikel für Robert de Niro und Liza Minella darstellte
    • Zeigte, dass der Mensch der künstlerisch auf der „richtigen und wahren“ Seite steht trotzdem ein totales Arschloch sein kann
    • Jazz und Swing der 1940er feierte (in seiner BigBand- und seiner Harlem-Club-Version. So spannend wie verschieden sich eine eigentlich sehr ähnliche Musik im Film anhören kann)
    • Der auf Rassentrennung der USA in den 1940ern/1950ern hinwies
    • Vollkommen zurecht Liza Minellas Hairstylist im Vorspann erwähnte (Sydney Guilaroff – „a British-American hair stylist during Hollywood’s Golden Age, and the first to receive on-screen credit in films“)
    • Großartige Musiknummern hatte
    • Halb ausversehen eine Hymne in die Welt setzte. (eben jenes New York, New York – man musste sich beim Zusehen immer wieder sagen, dass der Song dem damaligen Publikum komplett unbekannt war, weil eben nur für den Film geschrieben)yout
    • Mit seit einer Woche einen Ohrwurm in den Kopf setzt
    • Großartige immer wieder Tricktechniken der 1940er zitierte
    • Ein spaciges Musical im Musical vorführte
    • Das vermutlich unpassendste und schlechtgelaunteste Liebes- und Ehepaar der Musicalgeschichte porträtierte

    This movie ain’t no fun. Aber so so spannend und mitreissend beim zusehen.

    Ain’t no Haints

    Sinners (Titel im deutschen Verleih: Blood and Sinners) ist fast 50 Jahre jünger als New York, New York, aber wie dieser Film auch ein unfrohes Musical. Bei Sinners sind die Probleme Vampire und Rassismus.

    Der Film, laut irgendwelcher Internetseiten derzeit übrigens Oscar-Frontrunner, ist einerseits ein klassischer Genrefilm Vampire des Jahres 2025 mit demenstprechend viel Blut, Gewalt und Trickeffekten. Brauch ich nicht, kann ich (im Gegensatz zu Madame) aber auch ganz gut ignorieren, und die Genrekonventionen einfach als Mittel zum Zweck ansehen:

    Der Film erzählt eine Geschichte über das Schwarze Mississippi der 1930er. Die Sklaverei ist de jure seit über 60 Jahren beendet, de facto existiert sie durch das Sharecorpping-System weiter. Schwarze arbeiten auf den endlosen Baumwollplantagen und werden mit selbstgeschnitzten Holzdollars bezahlt. Wer aufmuckt kommt ins Gefängnis, oder wird vom Ku-Klux-Klan geholt. Die einzige, oft vergebliche Hoffnung: die Great Migration, die Flucht in den Norden nach Chicago, New York und in andere Großstädte.

    Erzählt ist er aus einer Schwarzen Perspektive. Ausbeutung und Rassismus werden thematisiert, vor allem aber die schwarze Kultur der Zeit gefeiert. Weiße kommen fast nicht vor. Die einzigen Sympathieträger sind Mary (weiß aussehend mit schwarzem Großvater, damit nach US-Rassenlogik selber schwarz) und der irischstämmige Vampir. Selbst der Vampir ist sympathischer und menschlicher als die Weißen aus Mississippi.

    Spannend: der Vampir ist Europäer. Sowohl der Vampir im Film wie auch der Vampirmythos. Die Hoodoo-Wissende der Gemeinde erwähnt mehrmals, dass sie sich mit Haints, den Geistern des Hoodoo, auskennt, von Vampiren aber bisher nur härte und diese nie sah.

    Kern des Films sind zwei Musiknummern: das als Blues beginnend Lied to you, das „die Geister der Vergangenheit und Zukunft beschwört, in eine Melange mit Gospel, Rock und Hip Hop übergeht“ und die Vampirnummer Road to Dublin zu der der Obervampir einen Jig tanzt.

    Auch ein wirklich spannender Film. Man muss nur halt nur den 2020er-Action-Blut-FX-Schlacht-Teil mögen oder zumindest tolerieren. Ich liebte den Film, schon weil sie die einzige echte und beste Art des Englischen Reden: Delta Englisch – wie es sich gehört.

    Schnee!

    Auf dem Weg nach Hause: Schnee schippen. Das erste Mal in Berlin. Wenn das Bad abends geschlossen ist, sind wir die einzig Anwesenden. Wenn wir über das große Grundstück zur Straße kommen wollen, empfiehlt es sich den knöchelhohen Schnee aus dem Weg zu schippen bevor er festfriert.

    Außerdem ist unserer beider Verbundenheit mit den Besitzern von Wohnung und Grundstück sehr viel höher als in der vorherigen Wohnung.

    Freundlicherweise haben die Kolleg*innen Schaufeln und Streugut so im Keller gelagert, dass wir dort herankommen. Dabei gesehen: Der Fuchs ist auch noch da.

    Niki Kater Quark

    Julia war im Sprengel-Museum Hannover.

    Daniel schrieb eine Geschichte.

    Thomas schrieb handgemachten Quark. Ha!

    Darüber machte ich mir noch nie Gedanken: Wie viel kosten ÖPNV-Monatskarten im Vergleich zur Einzelfahrt. In Europa liegt die der Preis der Monatskarte irgendwo zwischen 12 Fahrten (Prag), 16 (Berlin mit Deutschlandticket) 20 Fahrten (die meisten italienischen Städte) bis zu etwa 35 Fahrten (Paris). Andererseits sind die Monatskarten in London und Istanbul so teuer, dass ihr Erwerb in gar keinem Szenario Sinn ergeben, in Nordamerika liegt die Ratio bei knapp 50 Fahrten bevor die Monatskarte lohnt.

    Ein bißchen umherschweifend im Stil, aber im nächsten Leben werde ich Keyboard-Nerd: Non-Canon Wordprocessors und ihre Keyboards.

  • 26-01-01 New Years New York, New York im Yorck

    26-01-01 New Years New York, New York im Yorck

    Im Adventskalender der Seemannsmission gewannen wir „Maritime Bettwäsche“. Jetzt müssen wir diese allerdings an der Seemannsmission Brunsbüttel abholen.

    Die Töpfe wandern. Viele der Töpfe, die wir einst „erbten“, weil die Vorbesitzer sich einen Induktionsherd anschafften, geben wir als neue Induktionsherdsbenutzer jetzt selber weiter. Einige Exemplare wandern über den Umweg unserer Küche von den Eltern zur Tochter.

    Madame las einen Regency-Roman und fragte sich, wie das damals eigentlich mit den Pferdewechseln an den Kutschenstationen waren? Haben die damals einfach so die Pferde durchgetauscht und irgendjemand hat am Ende den alten Klepper abbekommen?

    Schreibe ich dieses Jahr ausnahmsweise einen Gesamt-Jahresrückblick im Blog? Vielleicht. Aber nicht jetzt. Jetzt folgt ein Zwei-Tages-Rückblick.

    Es war Silvester und Neujahr.

    Eierlikör, Marmelade, Pflaumenmus, Mandel-Marzipan

    Silvester begann am 30. Dezember abends. Wir hatten beschlossen, schon Dienstag auf die Latifundien zu fahren, auf dass wir dort am 31. Dezember mehr Tageslicht abbekommen, weil wir schon morgens anwesend sind.

    Es war spannend: Wir waren seit Ende Oktober nicht mehr auf den Latifundien. Ende Oktober hatten wir nur die Wintervorbereitung light absolviert – nicht ahnend, dass es acht Wochen mit einigen -10-Grad-Nächten dauern würde, bis wir zurückkämen.

    Es stellte sich die Frage: kämen wir überhaupt bis dorthin? Auch der 17 Jahre alte Subaru hatte in den letzten acht Wochen nur vielfach die Zwei-Kilometer-Kurzstrecke zwischen alter und neuer Berliner Wohnung zurückgelegt. Bei ausgeprägten Minustemperaturen neigte das Auto in den letzten Jahren auch zum Zicken, gerade auch seine Batterie.

    Aber: Alles ging. Der Motor zündete als wäre er neu. Der latifundale Zugang zum Wasseranschluss war seit dem letzten Frühjahr überwachsen und jetzt zugefroren, lies sich aber freilegen. Einzig ein vergessenes Gardena-Plastik-Gartenschlauchteil hat es vielleicht durchs Eis gerissen, das wäre verschmerzbar. Alle echten Autos, Leitungen und Getränkeflaschen haben alles unbeschadet überstanden.

    Madame absolvierte einen Kneipp-Tag: Nach der vormittäglichen Sauna kam nun der Bungalow mit einer Innentemperatur von 3 Grad hinzu. Aber nach diversen Stunden des Heizens wurden die Temperaturen erträglich, bis zum Silvestermorgen sogar fast angenehm.

    Es folgten am 31. mittags einige letzte Besorgungen (Das Buch Der Schwarm in die Büchertelefonzelle zurückbringen, Baguette und Pfannkuchen (Eierlikör, Marmelade, Pflaumenmus, Mandel-Marzipan) kaufen). Bei Tageslicht konnten wir noch den Grünspecht sehen, der den halben Garten umpflügte und das Rotkäppchen auf dem Zaunpfahl („Robin in the snow!„). Es folgte der lange dunkle Abend des Lesens und Chillens und Tomaten-Käsefondue und Nachbars Kinderfeuerwerk aus dem Fenster sehen.

    Es war so dunkel und so ruhig, um Mitternacht schliefen wir schon beide sanft vor uns hin, selbst durch Böller und Feuerwerk nur wenige Sekunden aus dem Schlaf gerissen.

    Back to the Ä

    Dass mein Geist langsam wieder aufnahmefähig für weitere Themen merkte ich im Bungalow. Dort fiel mein Blick auf das 800-Seiten-Monstrum „Moderne Betriebssysteme“ von Andrew S. Tanenbaum. Das ist in seiner Version von 2003 eher modern im historischen Sinn; aber die Grundlagen sind ja seit 2003 unverändert. Und vor allem: Ich hatte Lust es zu lesen und anscheinend auch wieder geistige Kapazität dafür. Das Studium kann weitergehen.

    Denn auch wenn ich es die letzten Monate komplett ignorierte: Ich studiere noch auf den Master Wirtschaftsinformartik. Und das Semester ist schon fast zu Ende. Irgendwann fiel mir auf, dass ich mich für das nächste Sommersemester Rückmelden muss, und mich voller Übermut noch dieses Semester für Klausuren anmelden kann.

    Die Online-Rückmeldung schickte mich in eine Warteschleifen:

    Die Online-Rückmeldung über den virtuellen Studienplatz ist für Sie leider nicht möglich, da Sie Ihren aktuellen Studiengang erfolgreich abgeschlossen haben. Für eine Rückmeldung mit Änderung [sic!] des Studiengangs, zum Beispiel zur Fortsetzung Ihres Studiums im Masterstudiengang oder den Wechsel in einen anderen Studiengang oder zum Akademiestudium nutzen Sie bitte den „Antrag auf Rückmeldung mit Änderung“. [sic!]

    Also füllte ich das online-PDF-Formular Antrag auf Rückmeldung mit Änderung für das Sommersemester aus. Ich kreuzte alle Module dieses Semesters als „belege ich als Wiederholer“ an (you never know) und noch zwei dazu als neu-zu-belegendes (vielleicht klappt ja auch noch etwas). Das ergibt:

    Als Wiederholer

    • Einführung in die imperative Programmierung
    • Datenstrukturen und Algorithmen
    • Digitale Diversität

    Neu

    • Einführung in die objektorientierte Programmierung1
    • Dienstleistungsmanagement

    Was genau ich davon wirklich studieren werde, entscheidet sich in den Klausuren, die ich in den nächsten Wochen vielleicht belege und vielleicht bestehe.

    I want to wake up in a city that doesn′t sleep

    Neujahrs-Abends: Ein Drama, das sich als Musical tarnt. Martin Scorseses New York, New York mit Liza Minelli und Robert de Niro im Yorck-Kino. Die dortige Kinoreihe Boulevard Noir könnte mein Liebling aller Kinoreihen der Yorck-Kinos werden.

    Eskalation!

    Man muss sich das Leben als Reaktion auf von Algorithmen geschaffene Situationen vorstellen

    Joel malte einen Leuchtturm.

    Konzert des Jahres: Eine Schweizer Partyband in Chemnitz. (Merken für mich: am 18. April in der Stadthalle Falkensee – Beispiel)

    Percy Puddletree eskaliert noch mehr (mit Fotobeweis): The same procedure

    Konstantins Tochter möchte doch nur Computerspiele spielen: Und mir immer wieder die Frage gestellt: „Kann ich nicht eine Frau waehlen?“

    Frau Zimtkringel versteht die Algorithmen nicht, die Menschen auf ihren Blog bringen:

    Nun habe ich aber gerade festgestellt, dass ein Rezept aus 2018 (!) in diesem Jahr dem Käsekuchen fast den Rang abläuft. What? Why? Ok, der magische Zauberbegriff scheint hier Airfryer zu sein. Leute, baut irgendwo den Begriff Airfryer oder Heißluftfritteuse ein und landet ein Klickwunder! Vor Zeiten habe ich mal schnelle Paprika-Antipasti aus dem Airfryer gebastelt und eben dieses uralte, pupsige 08/15-Rezept wurde in den letzten zwölf Monaten im sehr hohen fünfstelligen-Bereich aufgerufen. Echt jetzt, Leute? Warum?

    Anmerkungen

    1. Für Informatiker. „Einführung in die objektorientierte Programmierung (für Wirtschaftsinformatiker)“ habe ich schon irgendwann 2023 belegt und bestanden. ↩︎

  • 25-11-25 Um halb sieben gehen die Nummern aus

    25-11-25 Um halb sieben gehen die Nummern aus

    Nach 17 Jahren auf dem Schöneberger Hinterhof der Abenteuer verließ das Fahrrad seinen Stellplatz und steht seit Sonntag im Wilmersdorfer Keller der Behaglichkeit. Erstaunlicherweise ist ihm in diesen 17 Jahren nie mehr passiert, als alle neun Jahre einmal ein platter Reifen.

    Die Überführung verschaffte uns einige neue Erkenntnisse zur neuen Nachbarschaft. Am besten: Als Madame feststellte, dass hier in der Nähe der gute Bäcker sein muss, er eine Minute später in unser Sichtfeld geriet und sogar am Sonntagnachmittag geöffnet hatte.

    Es war ein Sonntag des Prä-Umziehens, ein Montag und Dienstag der Erwerbsarbeit.

    Madame bekam eine absehbare historische Rarität: Eine Urkunde, die von einem leibhaftigen BSW-Minister unterschrieben wurde.

    Ich las Blogbeiträge der letzten Jahre und bekam meine vagen Erinnerung bestätigt: November ist immer ein besonders nerviger, anstrengender Monat, wo alles Mögliche erledigt werden soll und ich im Zweifel krank bin.

    Deshalb ja sparte ich mir dieses Jahr drei Urlaubstage für den November ab vom Munde ab -> auf in ein Hotel mit Lesemöglichkeit, Aussicht, gutem Essen im oder am Haus, Seeluft und einem Schwimmbecken im Haus. Und was passiert: Umzug! Corona! Der November bleibt sich treu.

    Immerhin werde ich ab Dezember ein 25-Meter-Schwimmbecken und eine Sauna im Haus haben, gutes Essen gibt es in der Nähe und Lesemöglichkeiten natürlich auch. Im nächsten November wird es dann wirklich was mit dem Urlaub!

    Aufräumerkenntnisse

    Beim gehäuften Ausmisten frage ich mich, was mir wirklich etwas bedeutet – vor allem beim Thema Buch, denn dort verabschiedeten wir die größten Bestände.

    Ich stelle fest: Ich behalte sehr viele Klassiker der Philosophie, Soziologie (samt der obskuren Referenzen auf die Niklas Luhmann sich bezieht – crazy stuff!) und Politik. Ich behalte SciFi-Klassiker (Ursula K. Le Guin, Stanislaw Lem, Phil K. Dick) – aber auch überraschend viel eigentlich mittelprächtige Fantasy-Literatur mit der ich mich emotional verbunden fühle. (Michael Moorcock, Rivers of London)

    Weiterhin macht mich der Anblick des Bücherregals sehr glücklich, denn jedes einzelne der übrigen Bücher würde ich mich Freude sofort wieder lesen.

    Dummerweise führt genau dieses Ausmisten dazu, dass ich nicht voller Spannung das aktuelle Hallodriwesen im Hinterhof beobachten und auswarten kann. Denn wir haben erhöhten Abfallbedarf, der neuste hallodriale Streich, die Müllabfuhr auszusperren, ist also misslich.

    Normalerweise würde ich davon ausgehen, dass unsere Hallodris nach spätestens drei Woche jede Lust und Konsequenz für ihren aktuellen Plan wieder verlieren würden und alles so weiterwurschtelt wie bisher.

    Aber in drei Wochen sind wir gar nicht mehr da! Und Müll haben wir jetzt! Also redet Madame mit allen greifbaren Nachbarn und versucht ihnen die einfache Wahrheit „Wenn Tor zu, dann keine BSR. Wenn keine BSR, dann Müllberg“ zu erläutern. Und ich stiefelte Montag Morgen um halb sechs, kurz bevor die BSR kommt, unsere vier Altbaustockwerke hinauf und hinunter, um das Tor aufzuschließen.

    Same procedure wohl Übermorgen.

    Auf den ersten Blick aufgeräumt wie nie, der Hinterhof

    Was willst du von mir?

    Vergleichweise geordnet trennten wir uns von Küchenbauresten. Wir absolvierten den siebten oder achten IKEA-Besuch in den letzten vier Wochen.. diesmal aber beim Kundenservice. Ich rollerte mit den Küchenteilen nach oben, zog gegen 18:10h meine Nummer K222 und sah, dass die Anzeige bei K192 war. Daneben liefen noch X-, S-, E- und R-Nummern durch – es würde also dauern.

    Irgendwann gegen 18:40h stellte IKEA die Nummernausgabe ein. Dafür tauchte ein Mitarbeiter auf, der die Nachkömmlinge händisch managte. Also theoretisch, praktisch schäkerte er mit Kolleg*innen, verzog sich zur Ausgabe, begleitete andere Kund*innen zum Hot Dog Stand, machte also fast alles außer Queue Management.

    Die Nachkömmlinge irrten also durch die Gegend, landeten zwangsläufig an den eigentlichen Service-Schaltern und wurden dort auf die Suche nach Mr. Queue Management geschickt.

    Bis auf den einen. Der eskalierte gegenüber dem armen Servicemenschen, dass es so alles nicht ginge. Und naja, nachdem er dann zehn Minuten eskaliert hatte, dachte ich, nu is mal gut: Inhaltlich habt ihr wohl alles geklärt, und dass du den armen Menschen von der Arbeit abhältst hilft niemanden. Ich stiefelte in die Szene und redete nun meinerseits energisch auf den eskalierenden jungen Mann ein.

    Der Plan der Problemlösung durch Eskalationssteigerung ging auf. Der Mann, verwirrt jetzt nicht nur den IKEA-Mitarbeiter zu belästigen zu können, sondern selbst zur Rede gestellt zu werden, eskalierte mir gegenüber so laut, dass Mr. Queue Managment aus dem Tiefschlaf aufwachte und den Herrn zur richtigen Stelle geleitete.

    Auch mit 50 kann mensch noch Erfolge feiern: Dass mir bei IKEA Prügel angedroht wurde, war eine Lebenmspremiere.

    KI in Kapernsauce

    Kapern, Huhn, rede gar nicht weiter, ich koche alles nach.. Scaloppine ai capperi – Huhn in Kapernsauce

    Thomas bringt das Wesen des Haselanten auf den Punkt: Ich erzähl ja schon seit geraumer Zeit, dass Large Language Modelle wie ChatGPT keine Wissensmaschine, sondern Erzählmodelle sind. Und erzählen können sie.

    Als Madame noch in Frankfurt wohnte, wohnte sie einmal quer über die Straße von der Riederwaldsiedlung. Wir gingen dort immer gern spazieren – die Architektur spannend, die Gegend so ein Großstadt-seltsames Gefühl von behaglicher Nachbarschaft verbreitend. Es scheint immer noch so: Spurensuche: Architektur der Riederwaldsiedlung

    Ich sehe die (ungeheizte, unbewohnte, nur für Besuch geöffnete) „gute Stube“ im Holsteiner Haus sofort vor mir. Wobei das Konzept zu meiner Kindheit schon aufgeweicht war. Die gute Stube existierte zwar noch, wurde aber neben der bewohnten Küche auch als Wohnzimmer genutzt: Opas Ölgemälde

    Dort saß am Nebentisch ein Paar, das so urluxemburgisch war, wie ich schon lange keines mehr erlebt habe. Sie verstand ich nicht immer weil sie mir den Rücken zukehrte. Er schien jedoch ein alter Knattergreis zu sein: „Nee, du léis dat sinn! Du bezills guer näischt! Wann déi dat bis d‘nächst Woch net an d‘Rei bruecht hunn, ruffen ech dem un! Dat wäerts emol gesinn!“ Dann folgte das, was folgen musste, er grüßte mich.