26-01-13 Dunstabzugshaubensäubern (Gunda on my mind)

Kinder fahren Schlitten. Eltern tragen ihre Kinder auf Schlitten sitzend über die geräumte Kreuzung.

Die Meisenknödel hängen schlapp und missachtet. Zur Stunde der Wintervögel zählten wir: Krähe. Eins.

Madames Physiotherapeut, 22, erzählte, er sei noch vollkommen fertig von seinem Umzug mit 15 Kisten und drei Wochen Urlaub. Dafür halten wir uns mit 200 Kisten ohne echten Urlaub tapfer.

Mensch sollte meinen, ein Haushalt mit insgesamt vier Universitätsabschlüssen wäre in der Lage, bis zwölf zu zählen. Aber offensichtlich sind wir damit überfordert. Wir haben noch zehn oder elf, vielleicht auch zwölf unausgepackte Umzugskisten.

Wie Madame feststellte: Dem Ankommen in der neuen Wohnung hilft enorm, dass die Wohnung so schön ist; es hilft enorm, dass ganze Haus so wahnsinnig freundlich, hilfsbereit und gutwillig ist. Wenn wir kommen und aus der Ferne das beleuchtete Schwimmbad sehen, hüpft unser Herz.

Mir träumte, mein selbst verursachtes Arbeits-Terminchaos hätte sich erledigt, weil ich die Wochen verwechselt hätte. Aufwachen mit Schrecken: Hatte ich gar nicht! Ich musste mich selbst darum kümmern, in letzter Minute Sachen abzusagen. Vor Schreck war ich so wach, dass ich um Haaresbreite nachts um zwei angefangen hätte, den morgendlichen Kaffee zuzubereiten.

Es war ein Sonntag der Altwohnungsherrichtung und ein Montag im Home Office.

Baby, it’s not as cold outside anymore but verry dangerous!

Nachdem Sturmtief Elli Berlin ignorierte, müht sich überfrierender Regen Gunda allen Vorhersagen gerecht zu werden.

Eine Gunda-Vorgängerin brachte mich einst mit gebrochener Nase ins Krankenhaus – den Besuch einer Notaufnahme bei solchen Bedingungen empfehle ich nicht. Ich glaube ich las damals ein 500-Seiten-Buch durch bevor ich drankam.

Madame schlitterte morgens um 6:00h die paar Meter vom Schwimmbadausgang bis U-Bahn-Eingang, wobei sich insbesondere die Treppe zur U-Bahn als wahrer Endgegner entpuppte. Im Team-Teams Chat meldete sich um halb sieben der erste Gestürzte, der jetzt zum Arzt geht. Noch kann ich anderthalb Stunden in der Wohnung ausharren, die Entwicklung beobachten und intensiv das Profil der verschiedenen Schuhe begutachten. Es bleibt spannend.

Keine Wehmut

Entdeckung: Japanische Hersteller von Möbeln und Aufbewahrungssystemen kennen sich mit zuwenig Platz sehr gut aus.

Erste Male: Das erste Mal seit Umzug war wspaniała pani Z wieder in der Wohnung. Sie schien angetan. Und sie war ordnungemäß verwundert von der Wohnung („Und sonst wohnt hier wirklich niemand?“ – „Nein“) Es herrscht wieder Platz genug, dass Putzen einen Sinn ergibt. Und auch wir waren sehr angetan.

Das erste Mal seit Umzug waren wir wieder ein paar Stunden in der alten Schöneberger Wohnung. Langsam rückt die Übergabe näher.

Trotz siebzehn Jahren schönen Lebens dort: Keine Wehmut. Zu sehr begrüßten uns gleich die überquellenden Müllcontainer im Hof, die irren Zettel der Hallodris an alle und jeden, die Tauben und die ewige Baustelle. Ich empfand kurze Freude beim Anblick des Sicherungskastens von 1949 über unser neues Modell jetzt. Es ist tragisch: Soviel Potenzial wie die Wohnung hatte, und so schön die Wohnung in ihren Grundzügen war – das Haus wird seit Jahrzehnten misshandelt und es geht ihm an die Substanz.

Trauer vielleicht darüber, was aus diesem Haus hätte werden können, wenn sich seit 1984 mal einer der diversen Eigentümer sich wirklich dafür interessiert hätte.

Wir richteten noch einiges her: Schrauben aus den Wänden entfernen, Gardinenstangen und Galerieschienen abschrauben, Dunstabzug säubern, Heizungsrohre säubern, was mensch halt so macht. Aber mit gebremster Aktivität: bei diversen großen Wasserschäden durch die Dachbauarbeiten, halb zerfallenen Fenster und dutzendweise Risse an den Wänden, fühlten wir uns auch blöd, jetzt zuviel Energie in eine Wohnung zu stecken, die ganz offensichtlich gründlich renoviert werden muss.

Spannender Fund: Die komplett verrosteten Schrauben, die in der Wand eines Wasserschadens steckten.

Anyway, nicht mehr lange, und die Schöneberger Wohnung ist in unserem Leben wirklich nur noch als Erinnerung präsent.

Schweinefleisch und Ortsverein

Angelesen: Jessice B. Harris: High on the Hog: A Culinary Journey from Africa to America. Ein Buch, dass die Geschichte und den Einfluss afrikanischer Ess- und Kochtraditionen in den USA nachzeichnet – und vor allem die Geschichte der Menschen erzählt, die diese Kulturen trugen.

Ein Buch meiner Herzensthemen: US Südstaaten, African American Culture und insbesondere Essen. Es hat zahlreiche spannende Geschichten, von denen sich Madame auch schon viele anhören musste. Ein Buch, dass ich herzen müsste und mich abends im Bett daran ankuscheln. Aber so richtig dann leider nicht: Irgendwie fehlt entweder sprachliche Wucht oder intellektuelle Durchdringung, angesichts der Autorin wirken überraschend große Teile anekdotisch vor sich hin plätschernd.

Ein Bich zum Behalten: Auf jeden Fall. Ein Buch, um ihm einen Sonderplatz ihm Regal samt Lichtinstallation zu geben? Nein.

Festgestellt: Es gibt einen Kinmo-Dokumentarfilm über den SPD Ortsverein Hamburg Lohbrügge. Die Süddeutsche bespricht, Youtube hat einen Trailer und das Xenon Kino wird ihn an einem Dienstag Abend zeigen.

Israel Erzgebirgisch

Lila von Letters from Rungholt schreibt wieder über die Situation in Israel: Lange, lange Zeit

Auch diesen Winter die schöne Visualisierung: Menschen, die nicht an Sackgassenschilder glauben.

Joel entdeckt einen neuen Song von Vanessa Paradis.

Jonas rührt mein Herz mit seinem Gedicht in erzgebirgischer Mundart:

Sunntichs kumm iech garn zur Ruh,
Vur allm im Winner, da isses Watter derzu.
Guck ausm Fanstr, sah su viel Schnee,
Denk of emol: „Iech muss huch vom Kanapee!“ …