Schlagwort: Krimi

  • 26-04-25 Das Klappern der Grasmücke

    26-04-25 Das Klappern der Grasmücke

    Madame sah den Parkplatz-Fuchs wieder. Sie sah den Nachbarschaftsfuchs, den wir in der eisigen Eiseszeit im Januar verloren glaubten. Sie lief abends die Treppe zum Parkplatz hinab, der Fuchs verschwand vor ihr ins Gebüsch. Ich jubiliere.

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    Eine U-Bahn-Mitfahrerin in Höhe Blissestraße informierte empathisch ihr Mobiltelefon: „Lukas, darüber werde ich jetzt nicht diskutieren! Es ist mir Scheißegal!“

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    Im BPAF waren Rolltreppen-Handwerker*innen unterwegs. Vermutlich. Zumindest war die Rolltreppe geöffnet. Aus ihrem Inneren klangen Geräusche, die Handwerker*innen für gewöhnlich beim Handwerken machen.

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    Die Fernuni lädt mich zur Alumni-Feier in die Ufa-Fabrik, 300 Meter von meiner Ex-Arbeitgeberin entfernt, die mich zum Fernstudium inspirierte. Es wird das Saxophonquartett Quadrophon begleiten.

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    Es war ein Arbeits-Schwimm-Freitag, ein halblatifundaler Samstag und ein Arthouse-Donnerstagabend.

    Zwei Bücher über eine Stadt im Wald

    Eher unwillig durchblätterte ich einen unerquicklichen Reiseführer für Litauen. Er war dünn, ich war durchgeblättert bevor ich aufgeben konnte. Warum veröffentlichen Menschen Bücher, die keine Lust auf Schreiben haben? Meine Hoffnung hing am nächsten Buch, das Madame mir aus der Bibliothek mitgebracht hatte:

    Tomas Venclovas Vilnius – Eine Stadt in Europa.

    Alleine schon der erste Satz:

    Der Raum, in dem meine Stadt sich angesiedelt hat, hat keine klaren Grenzen.

    Ich atmete ein, breitete innerlich die Arme aus und ließ mich in den Text fallen. Ich bereute es nicht. So viel klassisch osteuropäische Gelehrsamkeit, soviel Wärme trotz kritischem Denkvermögen. Dieses Buch ist ein Traum.

    Ein Bungalow im Feld

    Mein Geist wandert ab und an Richtung Sommer. Mein Herz lebt im Frühling.

    Aus den Augenwinkeln sah ich beim Rasenmähen1 eine Taube elegant einen halben Meter über den benachbarten Acker gleiten. Später rüttelte die Taube über dem Acker. Ich beschloss, dass die Taube wohl ein Turmfalke war.

    Die Sonne schien, letzte Woche hatte es geregnet, und der Frühling kannte kein Halten mehr.

    Schon bei der Ankunft in den märkischen Hamptons begrüsste uns ein wild singender Vogel. Da es kurz vor Mitternacht war, war es wohl eine Nachtigall und keine Amsel.

    Ein ausuferndes Vogelkonzert begleitete unsere Wege bei Sonnenlicht.

    Besonders fiel mir ein Schmettern auf – ich bedankte mich beim Handy, dass mir innerhalb von einer Minute sagte, dass das Schmettern in Fachkreisen als Klappern (wie das einer Mühle) bezeichnet wird, und klares Anzeichen für die Klappergrasmücke ist.

    Später: Ein Schatten zog über mich. Ich schaute hinauf: Ein Storch kreiste keine Zehn Meter über mir. Später: Ein Schatten neben mir. Ein bisher unbekannter Nachbar hatte sich neben dem lauten Rasenmäher angenähert, fragte, ob er WD40 für ein Anhängerkupplungsschloss leihen kann.

    Erstaunlich, wie die Schlüsselblumen nach Jahren des Zögerns, sich doch entschieden, den Garten zu mögen und sich auszubreiten.

    In der Pseudowiese2 nimmt der Löwenzahn das Gelb der Narzissen auf und tupft diese mit gelben Punkten. In der echten Wiese wachsen die Blätterbüschel der Knautien empor und versprechen den Sommer.

    Erstaunlich, dass die eine rote Tulpe unter dem Rotdorn sich im Laufe weniger Tage in drei rote Tulpen verwandelte. Wir beide könnten schwören, dass auch 2025 dort nur eine Tulpe stand.

    Erstaunlich, wie viele Blüten das kleine Bäumchen der Köstlichen von Charneaux tragen kann.

    Während die Mirabelle schon durch ist, beginnen die Äpfel das volle Programm zu fahren. Zurzeit sind sie halb rose Knospe, halb weiße Blüte. Bällebad ist nichts dagegen.

    Yevgeni

    Kulturelles Überangebot führte Donnerstag zum Split. Während ich Richtung Kreuzberg ins Kino verschwand, fuhr Madame nach Mitte-Mitte ins Konzerthaus zum Berliner Klavierfestival.

    Yevgeni Sudbin spielte Bachs Fantasie & Fuge a-Moll BWV 904, Skrjabins Sonate Nr. 10 op. 70, Chopins Ballade Nr. 4 f-Moll op. 52, Bach-Rachmaninovs Prélude, Gavotte & Gigue aus der Violin-Partita Nr. 3, Scarlattis Sonaten K. 466, K. 208 und K. 455 und Tschaikowski-Sudbins Fantasie-Ouvertüre zu Romeo & Julia.

    Ich will nicht sagen, dass sich Routine einstellte, oder dass Sudbin jetzt nicht von Eckhardstein heranreichte. Aber sie leuchtete nicht ganz so sehr. Während fast ein Zwischenstück, Skrjabins Sonate Nr. 10 op. 70, sie bis in den Kern bewegte, blieb sie beim eigentlichen Hauptstück des Abends, der Ouvertüre zu Romeo & Julia reservierter.

    Beeindruckend, wahrlich beeindruckend, wie Sudbin die Klangbreite eines kompletten Orchesters von den Flöten über die Streicher bis zum schweren Gerät nur mit einem Klavier erzeugen kann (Hier eine ältere Aufnahme von Sudbin mit demselben Stück)

    Trotzdem konnte sie sich des Kommentars nicht erwehren, dass es ja heutzutage schon Tonaufnahmen gibt und es eigentlich nicht mehr nötig ist, komplette Orchestersätze nur für Klavier zu arrangieren.

    Vera

    Nach dem IMAX-Ausflug vom Montag, war ich zurück in meiner Arthouse-Kuschelwelt3. Es ist eine Welt, in der mensch an einem komplett normalen Donnerstag einen großen Kinosaal durch einen Schwarzweißfilm von 1944 ausverkauft bekommt. Wie schön.

    Laura (Regie: Otto Preminger) lief in der Yorck-Reihe Boulevard Noir im großen Saal im Yorck Kino und war ein Highlight dieser an Highlights reichen Reihe.

    Murder is my favorite crime

    Ein Vergleich mit dem kürzlich gesehen Maltese Falcon drängt sich auf. Beides sind Klassiker des Genres, die vor allem zeigen, wie sich schöne, beneidenswert gut angezogene, Menschen in stilvollen Innenräumen Dialoge zum Auswendiglernen an die Ohren werfen.

    Der Falke spielt in San Francisco, Laura in New York. Beim Falken geht es am Ende um einen Schatz aus dem ausklingenden Mittelalter, bei Laura um den klassischen Femizid. Der Falke ist vermutlich der ikonischere, cleverere, gewitztere der beiden Filme mit den besseren Schauspieler*innen; Laura der klügere und meines Erachtens bessere Film.

    I don’t use a pen. I write with a goose quill dipped in venom.

    Dabei möchte ich den Klassiker Maltese Falcon auf gar keinsten Fall schlechtreden – es ist ein großartiger Film. Aber er bietet sich zum Vergleich an. Wo der Falke alles auf Humphrey Bogart zentriert, er ist die schönste Figur im Film, hat die komplette Bildschirmpräsenz, ist der Good Guy und derjenige mit den coolen Sprüchen, kreiert Laura ein Ensemblestück:

    Der Typ mit den großartigen Sprüchen ist jemand anderes als der Detektiv und wieder jemand anderes ist die schönste Person. Wer die höchste Bildschirmpräsenz, ist streitbar. Aus einem Ensemble, das im Falken um die Sonne Bogart kreist wird in Laura ein instabiles System mehrerer Kraftzentren stets zwischen Explosion und Kollaps.

    Wo der Falke schon mit einer reichlich abstrusen Geschichte anfängt, der Schatz des Malteserordens, und sich dann voll in in diese Absurdität hineinwirft, nimmt Laura die allgegenwärtigste aller Mordgeschichten, der Besitzergreifende Ex-Nicht-mal-Liebhaber war’s, und webt darum ein kunstvolles Netz der Irrungen und Wirrungen. Im Falken spielen Figuren, bei Laura sind es Menschen.

    I never have been and I never will be bound by anything I don’t do of my own free will

    Nur halb war ich dann überrascht, dass der Ursprungstext von Laura von Vera stammte. Überrascht, weil ich nicht gedacht hätte, dass Hollywood 1944 eine Frau an derart prominenter Stelle kommen ließ. Nicht überrascht, weil sich der Film weiblich gedacht anfühlte.

    Vera Caspary, die Frau, die das Buch zu Laura schrieb, ist eines Films würdig. Tochter russisch-deutsch-jüdischer Einwanderer verdiente sie ihr erstes Geld, indem sie den fiktiven „Sergei Marinoff School of Classic Dancing“ Fernlehrkurs und andere Fernlehrkurse erfand von deren Themen sie wenig verstand.

    Zeitlebens hielt sie und sich selbst und ihre Mutter durch fragwürdige Copywriting-Jobs am Existenzminimum am Leben haltend bis sie ihren ersten Erfolg hatte, und die Geschichte Thicker Than Water an Paramount verkaufte. Dieselbe Geschichte verkaufte sie mit kleinen Abwandlungen noch achtmal an andere Abnehmer.

    Ihr Leben blieb bewegt, Erfolg mit Laura, Pleite mit Investitionspech, Blacklisting in der McCarthy Ära, und schließlich ein Leben als mäßig erfolgreiche Romanautorin.

    Laura Hunt: But you write about people with such real understanding and sentiment. That’s what makes your column so good.
    Waldo Lydecker: Sentiment comes easily at 50 cents a word.

    Auto Anker Buch Bus

    poupou war beim Berliner Klavierfestival und sah Yevgeni Sudbin: Berliner Klavierfestival 2026. Yevgeny Sudbin

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    Holger und Angela ankern in der Biskaya: AZ13 – Ankern in der Ria de Cedeira

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    Merken für Potsdam: Die Linie 603 wird auch als Cecilienhof-Linie bezeichnet. Unterwegs kann man die Französische Kirche, das Holländische Viertel, die Gotische Bibliothek, den Treffpunkt Freizeit und den neuen Garten sehen, außerdem das 7. Städtchen, das Fontane-Archiv und enorm viele Villen. Und man muss nicht mal aussteigen, das ist ein Rundkurs. Zwischendurch ist allerdings das Pflaster so schlecht, dass es einem fast die Plomben aus dem Zahn haut.

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    Nichts ist mehr Entertainment als Autowaschstraße: Auto waschen.

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    Zum Welttag des Buches. Der Kaffeehaussitzer blickt auf seine detaillierte Prognose aus dem Jahr 2016 „Der Buchmarkt der Zukunft“ zurück: Im März 2016 erschien ein Text von mir in der Zeitschrift »Streifband«, dem Magazin des Studienganges Buchherstellung an der HTWK Leipzig. Er trug den Titel »Kaffeesatzlesen für die nächste Dekade«. Ich war gebeten worden, einen Beitrag über die Zukunft der Buchbranche zu schreiben

    Anmerkungen

    1. Anmähen für 2026 ↩︎
    2. In der echten Wiese – also dort wo wir nur einmal im Jahr mähen, wächst kein Löwenzahn mehr. Dieser wächst nur auf den Mähwegen und -flächen, die regelmäßig kurz gehalten werden. ↩︎
    3. Yorck Unlimited No. 21. Damit 11,33€ pro Besuch und damit auch preiswertertester als die Online-Karte in den B-Kinos. Oder anders gesagt: Preiswerter als jede reguläre Eintrittskarte. ↩︎
  • 26-02-12 Rhythm is a Lichtschalter

    26-02-12 Rhythm is a Lichtschalter

    Beim Bahnhofsbäcker gibt es ein Valentinstagsangebot mit zwei Croissants. Denn was gibt es romantischeres als ein Candle-Light-Dinner in der zugigen Durchgangshalle eines ICE-Bahnhofs?

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    Die Autobahnbaustelle begann. Wir hoffen, der dortige Piepsomat läuft nicht dauerhaft. Der ist durchdringender zu hören als die ganze Autobahn.

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    In der S-Bahn von vorne links ein Telefonat auf niederländisch, von hinten rechts eines in einer osteuropäischen Sprache. Bester Soundtrack.

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    Auch auf S-Bahn-Weg zur Arbeit erhasche ich täglich einen kurzen Blick auf die alte Wohnung. Bisher stellte sich noch nie ein Gefühl der Wehmut ein, sondern immer das Gefühl „Du musst nach dem Rechten sehen, was die Hallodris gerade angestellt..“ sofort gefolgt von: „NEIN! Nicht mehr unser Problem. Juhu!“.

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    Umzug hilft, um zu verstehen, wie fest der Alltag choreographiert ist. Auch nach drei Monaten in der neuen Wohnung, entwickle ich gerade erst wieder den festen Fahr-zur-Arbeit-Rhythmus von zuvor.

    Auch die Heizungsgewöhnung läuft langsam. Von einem Thermostat mit Zeitschaltung im Wohnzimmer wechselten wir auf mehrere einzelne Heizungsdrehknöpfe. Es laufen noch ziemlich oft Heizungen anders als sie sollten. Aber es wird.

    Nur bis wir nicht mehr an die leere Wand tatschen, dort wo in der alten Wohnung der Lichtschalter war – das wird noch dauern.

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    Es waren drei Tage der Arbeit.

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    Letztens im Supermarkt erzählte ein Kassierer seine Geschichte: Gelernter Schreiner, dann als Tonmeister 16 Jahre auf einem Kreuzfahrtschiff Ableitungsleiter Technik gewesen, jetzt das erste mal wieder dauerhaft an festem Ort als Aldi-Kassierer. So spannend. Kunde: „Ich habe auch ein Segelboot.“

    Wero

    Unsere Filmauswahl zur Berlinale verläuft nach dem üblichen Muster. Wir suchen einen Zeitpunkt, schauen im Laufe des Tages was es noch gibt und gehen bei den übrigen beiden buchbaren Filmen zur Hälfte nach Film und nach Aufführungsort. Dieses Jahr also das Haus der Berliner Festspiele.

    Dank der Berlinale zahlte ich das erste Mal etwas mit dem europäischen Zahlsystem Wero. Und das wirkt weit weniger sperrig als befürchtet: Auf der Website steht ein QR-Code, den scanne ich mit der Bank-App ein und alles ist easy.

    Aber: Soweit ich verstehe, herrscht wirklich und definitiv App- und Handy-Zwang.

    Noch weiß ich nicht, wie das geht, wenn ich direkt auf dem Handy etwas kaufe.

    Die Zwillingsschwester war’s

    Angelesen: The Dain Curse 1– der zweite Roman aus dem Dashiell-Hammett-Sammelband. Und sei es, dass ich besser in seinen Stil gefunden habe, sei es, dass Hammett selber besser in seinen Stil gefunden hat: I’m loving it.

    Ich nehme jetzt die Enstehung als Pulp-Magazin-Roman2 ernst. Jeden Monat erschien eine Folge: Das heißt jedes Kapitel ist eine abgeschlossene Kurzgeschichte mit neuem Plottwist. Das heißt: Ich lese immer ein Kapitel, freue mich schon auf den Twist und mache dann erstmal kürzer oder länger Pause bevor ich mich dem nächsten Kapitel/der nächsten Folge widme.

    Dieses Buch fliegt. Und wie es fliegt. Aufregend, mitreissend, eine Plot-Achterbahnfahrt zwischen Großen Gefühlen und großer Kriminalität. Selbst die übertriebenen Albernheiten („Der Mann hat die falsche Zwillingsschwester geheiratet und sie dann ermordet! Nein, die andere Zwillingsschwester hat die erste Schwester ermordet! Nein, das Kind der ersten war’s! Ja, aber nur nachdem die zweite Zwillingsschwester es entsprechend dressiert hat!“) passen hervorragend rein, wie ein Achterbahn-Looping mit Wasserfall: Komplett over the top, aber das ist ja der Reiz.

    Pedibus ad mercatum ferramentarium

    Das Eis ist geschmolzen, meine Fußwege erweitern sich.

    Ich lernte: Der ukrainische Supermarkt, der eigentlich Kaviar- und Fischgroßhändler ist, hat nicht nur ein gigantisches Kaviar- Fisch- und Fleischangebot, sondern auch eine Hausmarke für hausgemachtes frisches Sauerkraut „aus eigener Herstellung“.3 Überhaupt, wenn dieses ganze Fermentations-Kühlregal nicht von Ruslan in einem Gewerbegebiet neben der Stadtautobahn aufgestellt worden wäre, sondern von Robby, Tobby und Fliedibert in einem Health-Start-Up-Pop-Up-Store im Prenzlauer Berg: Alle Influencer-Accounts und deren nachgelagerten Medien wären voll von dem Regal.

    Ein weiterer Weg führte mich zum Baumarkt. Dabei verläuft ein Drittel der Wegstrecke vom Büro bis zur Grundstücksgrenze und zwei Drittel des Weges über den Parkplatz. Ein seltsames Großstadtleben in dem Baumarkt und IKEA räumlich die „Fachgeschäfte nebenan“ sind, nur in überdimensioniert. So überdimensioniert, dass ich kurz davor war, mich in die Mitte zu stellen und verzweifelt zu rufen: „Ich will doch einfach nur einen Schraubenzieher!“

    Aber am Ende fand ich fast alles: Kabelmanagementbedarf, ein Gerät um auch die ganzen neumodischen Torx 2.0-Schrauben zu handeln und einen Schmutzradierer. Nur einen Ersatz für das simple beim Umzug verlorene Stromkabel des CD-Players, den fand ich nicht.

    Der Einstieg des Karnevals in Halloween

    Anke Gröner, die Wikipedia und die Quellen: Dienstag, 10. Februar 2026 – Fußnoten feiern

    Frau Brüllen und ihr Einstieg bei Big Pharma.

    Herr Buddenbohm und sein Einstieg als Pinterest-Trend.

    Als Kind wollte ich immer Stadtbahnfahrer bei der Üstra werden und Tramfahrer in Basel könnte ich mir abstrakt immer noch vorstellen: Sakana hat seinen alten Kreativjob an den Nagel gehängt und ist jetzt U-Bahn-Fahrer geworden, und ich wollte ihm schon lange sagen, wie schön ich das finde. Das sei für mich durchaus ein Plan B, falls ich irgendwann im Laufe des Alterns keinen Job mehr finde. U-Bahn-Fahren stelle ich mir gut vor. Dummerweise holte er mich mit den Alltagsgeschichten aus seinem U-Bahnerleben in die Realität zurück.

    Karnevalsentwicklungen im Sauerland: Bemerkenswert ist zudem eine neuere Entwicklung: Erziehungsberechtigte ziehen als Begleitpersonal von Haustür zu Haustür, um ihre Kinder bei was auch immer zu unterstützen

    Herr Paul: Warum für ihn Diversität in Bridgerton funktioniert, im neuen Wilhelm-Tell-Film aber nicht.

    Persönlich hätte ich „Everything everywhere“ statt „Schweigen der Lämmer“ genommen

    In den Blogs lese ich wilde Diskussionen zum Thema „KI in Blogs“ und nicht ganz so wilde Diskussionen zum Thema „die fünf besten Oscar-ausgezeichneten Filme.“ Ich dachte, ich kombiniere beides und befrage den Haselant, was er sagen würde, was meine fünf liebsten oscarausgezeichneten Filme sind (einschließlich der haselantischen Begründungen):

    The Apartment (1960) – Büroalltag als moralische Abrissbirne, aber mit Herz, das nicht kitscht. Perfekt, wenn du gern beobachtest, wie Systeme Menschen formen und Menschen Systeme ausnutzen.

    The Godfather (1972) – Nicht “ich mag Gangsterfilme”, sondern “ich mag, wie Macht riecht, wenn sie geschniegelt daherkommt”. Familienroman als Betriebswirtschaft des Unheils.

    No Country for Old Men (2007) – Existenzangst in der Landschaft, Schicksal in Cowboystiefeln, und eine Stille, die lauter ist als der Piepsomat deiner Autobahnbaustelle.

    The Silence of the Lambs (1991) – Thriller, ja, aber eigentlich: ein Duett aus Blicken, Status, Sprache. Außerdem: selten war “Kompetenz” so sexy-unheimlich.

    Parasite (2019) – Klassenkampf als Architekturführung mit Falltür. Extrem unterhaltsam und dabei so präzise, dass es weh tut.

    Godfather/der Pate und Silence of the Lambs/Schweigen der Lämmer habe ich sogar gesehen.

    Anmerkungen

    1. Weil er quasi dasselbe sagt wie ich nur anders, möchte ich doch noch Reviews from My Couch zitieren: The novel is incredibly ambitious, and there probably isn’t a reader on the planet who could give you a brief synopsis. A rollercoaster of plotting it may be, but “The Dain Curse” is also a thoroughly enjoyable read. … Like all Hammett novels, a close read is required. That’s not a problem, because it’s easy to soak up the words like a sponge. But don’t be scared off by reports that the novel is hard to follow; the reader must simply be as dedicated as the Op is. ↩︎
    2. Im Original erschien die Geschichte 1928/1929 in Black Mask. ↩︎
    3. Das sehr wenig mit dem bekannten abgekochten Dosensauerkraut zu tun hat. Soviel habe ich gelernt: Sauerkraut niemals kochen, auch nicht in der Herstellung, das zerstört den kompletten Geschmack. ↩︎
  • 26-02-08 Gletscher Südkreuz (Topfenknödel)

    26-02-08 Gletscher Südkreuz (Topfenknödel)

    Das Freibad Wesselburen gab eine Pressekonferenz zur neuen Saison. Auch ich merke, dass ich öfter an Freibäder denke. Und überhaupt: Bald ist Frühling.

    Am Baum: Wieder Blaumeisen. Der Fuchs bleibt derzeit verschwunden.

    Der Kaptain fragt, warum wir „immer im Osten“ Urlaub machen. Die Aussage würde ich so absolut nicht unterschreiben. Aber ich würde behaupten, „der Osten“ erzählt die spannenderen Geschichten.

    Noch aber haben stecken wir weit entfernt von Freibad und Sommerurlaub im Winter. Erste Büromeldungen am Freitag sprachen vom Gletscher Südkreuz – der Bahnhof auf allen abschüssigen Wegen Richtung Südkreuz Offices von Eisplatten umgeben. Der Eisabstieg zu den Offices blieb herausfordernd.

    Es gab Stürze, aber immerhin blieben alle unverletzt. Bis Mittag begann ein sanftes Tauen. Ich bringen den Müll zwar noch in Straßenschuhen raus (weil nass, dezent rutschig und dreckig), gehe aber bei deren Auswahl wieder nach leichter Anziehbarkeit statt nach Profil und lasse auch die Jacke in der Wohnung.

    In den Offices angekommen, hatte ich Spaß mit R und nebenbei eine krasse Lernkurve.

    Unter anderem lernte ich: Intern speichert Excel ein Kalenderdatum nicht als Datum sondern als Zahl. Genauer als „Zahl der Tage, die seit dem 31.12.1899 vergangen sind.“ Das muss man doch für Unerwartetes ausnutzen können.

    Es war ein Freitag der Arbeit, Abende des Ausgehens und ein Samstag des Gruschtelns.

    Langsam sollte ich mir Gedanken machen, ob ich dieses Semester die Klausur „Digitale Diversität“ schreiben möchte. Die scheint mir vergleichsweise einfach. Dennoch sollte ich mit Lernen beginnen, wenn ich es etwas werden soll.

    Eigentümlichkeiten der neuen Wohnung: Madame wird im Badeanzug im Schwimmbad von hinten von Menschen angesprochen, dass die digitale Bestellung vom Sauna-Aufgussmitteln nicht funktioniert. Und nein, eigentlich arbeitet sie immer noch der Hafenstadt und nicht hier.

    Sie war bereits das zweite Mal diesen Monat total immersiv schwimmen, fragte sich dabei, warum Eltern die selbst anscheinend weder Lust noch ernstliche Kenntnis vom Schwimmen besitzen, jetzt unbedingt selber ihren Kindern unmotiviertes schlechtes Schwimmen beibringen wollen.

    Das Gemüsli zog nach drinnen. Bei Minus zehn Grad wollte doch niemand das Gemüse über Stunden in einem Sperrholzschrank im Freien lagern.

    Nach verschiedenen auswärtigen Essen begann die Gemüsli-Verarbeitung dieser Woche am Samstag. Wie immer im Winter mit dem „Kimchi“1 – das schmeckt ganz hervorragend, ist aber olfaktorisch dominant im Kühlschrank. Wieder mit Raclette-Käse – die Mischung aus guter Würze, saurer Frische und der fetthaltig-herzhaften Umschmeichlung durch Käse funktioniert erstaunlich gut.

    Ein Schnitzel = 4l Bier. Angeblich. Es war weit weniger.

    Es war nötig. Nach Anlaufzeiten im öffentlich-rechtlichen Glazialtempo passiert jetzt wirklich digitale Transformation. Die ist an verschiedenen Enden anstrengend. Wir als Team müssen auch neu zusammenruckeln und so wurde es dringend Zeit für ein Treffen der Jungkarpfen2, auch Teilprojektteam Nicht-Man-Cave zum gegenseitigen Seelestreicheln mit Kommunikationsbegleitung. Sehr schön, sehr gut, sehr wiederholenswert. Und das Schnitzel mit Süßer-Senf-Panade kann ich weiterempfehlen.

    Goldener Muskateller und Schinken

    Es war ein wildes Ausgehleben. Nach dem schwäbischen Restaurant am Donnerstag, folgte Freitag eine (österreichische) Heurigenwirtschaft. Die Nussbaumerin betreibt ein Restaurant in Charlottenburg und eine Heurigenwirtschaft in Zehlendorf knapp jenseits der Wilmersdorfer Bezirksgrenze.

    Zia sociale und zio macchina luden Madame als verspätetes Geburtsgstagsgeschenk ein. Ich hatte Glück und durfte dabei sein. Wie es sich gehört: Es gab eine kleine Karte aus kleinen Schmankerln und dem Mittagstisch der letzten Tage. Es gab überhaupt nur zwei Tische und ein wunderbares Weinangebot.

    Wir schlemmten: Goldener Gelber Muskateller aus der Wachau, Grüner Veltliner und einem Rosé dessen Details ich mir Banause nicht merkte. Dazu Gulasch, Tafelspitz, Käsekrainer, eine Schinkenplatte und oh, himmlischste aller Freuden: Marillenknödel aus Topfenteig. Dafür dass ich gar nicht so der Süße bin, waren die Knödel vortrefflichst. Also außergewöhnlich. Unfassbar gut. Wann gehen wir wieder?

    Beim Aufbauen von IKEA-Regalen verschiedenen Alters kann mensch beobachten wie stark sich selbst ein identisches Design über die Jahre im Detail veränderte

    Diese Woche vollendeten sich die letzten beiden größeren Umzugs-Baustellen: die alte Wohnung ist übergeben (YAY!) und wir haben wieder einen echten Stromvertrag, sind aus der Grundversorgung heraus. (Yay).

    Am Samstag ging es mit Kleinkram weiter: die magnetischen Whiteboards hängen, Klavier und Schrankvitrine sind von Zeug freigeräumt. Wir beschlossen, dass die restlichen Regalbretter wirklich auf die Latifundien können und luden diese ins Auto. Nach einer endgültigen CD-Regal-Platz-Einigung schraubten wir die letzten beiden Regale an.

    Falls ich mich in Zukunft frage, wie alt meine Bettdecke eigentlich ist, so gilt dann die Formel „Zahl der Tage seit dem 7. Februar 2026“. Der Vor- und Nachteil des Umzugs ist ja, dass man wirklich alles was mensch mit sich rumschleppt mehrfach in der Hand hat, kritisch anschaut und denkt „Das ist aber schon arg durchgenudelt, ehrlich gesagt.“

    Red Harvest

    Ausgelesen: Dashiell Hammetts Red Harvest. Immer noch unschlüssig wie ich es finde. Großartiger Plot-Bau, großartiges Alle-ziehen-alle-über-den-Tisch, eine Athmosphäre die sich genau so rau, brutal und desillusioniert anfühlt wie es in Minenstädten im US-Westen um 1930 vermutlich war. Aber trotzdem schweifte ich gedanklich immer wieder ab, weil mich keiner der Charaktere wirklich interessierte.

    Ähnlich spannend wie der Inhalt war das physische Buch. 1979 wurde es als englische Ausgabe aller Hammett-Romane gedruckt, trägt es einen Stempel US Army und gehörte zu einer US-Army-Library. Aus Gründen, die ich gerne kennen würde, gelangte es dann in die Bibliothek Altglienicke (tief im Osten Berlins) und der untere Rand landete einmal offenbar in der Badewanne. Ein Buch mit echter Geschichte. Ich frage mich, ob ich es der Bibliothek abschwatzen kann, wenn ich vorschlage, es durch ein neueres Exemplar in besserem Zustand zu ersetzen.

    Stricken in der Stadtbibliothek, Spaß mit dem Haselanten

    taz: Sie haben auf dem 39. Chaos Communication Congress einen Vortrag über Stricken gehalten. Wie passt das zu einem der größten Hackertreffen der Welt?

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    Servicetipp: Falls Sie mal um 10 aus der Ferienwohnung raus müssen, der Zug erst um 12.30 fährt und es feucht kalt draußen ist: Gehen Sie wie wir heute in die Stadtbibliothek vor Ort.

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    Henning, Dipl.-Ing. Garten und Landschaftsbau und 10 Jahre „Einkäufer Pflanze“ bei Otto hat den Haselanten einen Vorgarten gestalten lassen. Ergebnis: Mindblowing. So würde ich es formulieren. Während ChatGPT vor einem Jahr noch nicht einmal wusste, dass Sommerflieder ein invasiver Neophyt ist, erstellt das System heute eine nahezu perfekte Sortenliste und ist in der Lage, eine korrekte Stückliste, einen Pflanzplan und eine Kostenschätzung zu erstellen – und das alles ohne zusätzliches Eingreifen des Nutzers.

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    Herr Buddenbohm währenddessen: Die Folge jedenfalls ist, dass die KI alle meine Fragen stets kritisch prüft und zerlegt. Und da ich auch gebeten habe, mich mit zu viel anbiedernder, übergriffiger Freundlichkeit zu verschonen, reagiert die Software nach den letzten Updates nun in etwa so auf meine Fragen, wie es mein Mathelehrer damals in den Achtzigern tat, als ich mich um die siebte Klasse herum mehr und mehr dem schulischen Untergang annäherte: Also deutlich spürbar von oben herab. Kalt, unangreifbar und vor allem uneinholbar und demonstrativ viel schlauer als ich. Außerdem noch unangenehm direkt und distanzlos sowie vom klar erkennbaren Willen zur argumentativen Vernichtung getrieben.

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    Ohrenschmaus wandert quer in Schnee und Eis durch die märkischen Hamptons auf der alten Hamburger Poststraße: Brandenburgischer Jakobsweg: 1. Henningsdorf – Groß Ziethen 26

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    Frau Maultaschen Ravioli sah alte Kunst: Miomarito und ich waren nämlich heute Nachmittag im neugestalteten Diözesanmuseum Rottenburg und das ist wirklich sehr toll. Man muss nicht mal unbedingt ein Freund von sakraler Kunst des Spätmittelalters/Frührenaissance sein, ich finde einfach die Gestaltung schon den Hammer

    Anmerkungen

    1. Ich vermute, eine Koreaner*in würde uns fassungslos anschauen, wenn wir das fermentierte Kraut dort als Kimchi bezeichneten. Was seinem Geschmack aber zum Glück nicht schadet. ↩︎
    2. Die Geschichte woher der Name kommt ist kompliziert und ich habe sie ehrlich gesagt komplett vergessen. ↩︎
  • 26-01-17 Tomaten ohne Dose (Alumnus)

    26-01-17 Tomaten ohne Dose (Alumnus)

    Im U-Bahn-Bahnhof: Ein Mann demonstriert seiner Freundin den ausrutschvermeidenden Pinguin-Gang in einer Lautstärke, dass die halbe Station etwas davon hat.

    Die Hifi-Anlage läuft und auch ein Festnetztelefon ist wieder angeschlossen. Ein Großteil der Kochbücher hat auch wieder einen gemeinsamen Platz im Bücherregal gefunden. Langsam geht es voran, aber es geht.

    Allerdings auch mit neuer Challenge: Das Stromkabel vom CD-Player verschwand.

    Wir lernen beim Umzug: Zum Beispiel, dass unser altes Bügeleisen sofort den FI-Schalter der Sicherung heraushaut. Was uns bisher vor allem deshalb verborgen blieb, weil die alte Wohnung gar keinen FI-Schalter hatte. Also besitzen wir jetzt neues Bügeleisen in neuer Wohnung, was vermutlich eine gute Entdeckung war.

    Den verirrten amazon-Boten konnte ich beim zweiten Versuch auf der Straße auflesen. Ich versuchte ihm zu zeigen, wo unser Eingang liegt. Er aber war so froh sein Paket loszuwerden, dass ich mir nicht sicher bin, ob er mir zuhörte.

    Um nicht wieder durcheinander zu kommen. Wir waren Schwimmen. Samstag Nachmittag. Bis zum Schlussgong.1 Es ist faszinierend: obwohl ich Total Immersion bisher nur oberflächlich und am Rande verfolgte, habe ich schon den Eindruck, dass es meinen Stil verbessert, mein Schwimmen besser und schöner macht. Ich bleibe dran.

    Ich bekam eine Einladung in das Alumni-Netzwerk der Fernuniversität in Hagen. Dank eines Server Errors 500 weiß ich nicht genau, ob ich nun beigreten bin oder nicht. Außerdem darf ich Mitglied des Absolventenkreises der Freunde der Fernuni werden.

    Es war ein entbehrlich unentspannter freitäglicher Arbeitstag und ein umso besserer Samstag.

    Ein kleines Familienunternehmen

    Ein Nachtrag zum Bikini-Haus: Ich wurde neugierig, wem die Concept-Mall eigentlich gehört. Und stieß auf eines der armen gebeutelten Familienunternehmen, die derzeit soviel Leiden, mit Sitz in München.

    Der Schörghuber Unternehmensgruppe ( 6600 Angestellte, 2 Milliarden Euro Umsatz 2024) gehört nicht nur das Bikini-Haus sondern – meist unter dem Namen Bayerische Hausbau – auch jede Menge anderer Immobilien; vor allem in München, aber wenn es passt auch in Hamburg und Berlin. Und eine ganze Reihe Edel-Hotels und Golfplätze. Sowie die Paulaner- und die Hacker-Pschorr-Brauereien, sowie größere Teile an Kulmbacher mitsamt des guten Punk-Biers Sterni. Damit betreiben sie auch gleich drei Festzelte auf dem Oktoberfest und beliefern insgesamt fünf Festzelte mit Bier.

    Vor der Räucherfischtheke: ein rumänisches Regal

    Wir unternahmen weitere Erkundungstouren in das Wunderland, das da ist der ukrainisch-polnische Supermarkt. Nicht nur, dass er eine eigene Kaviartheke hat (mit immer mindestens drei verschiedenen offenen Sorten). Er hat auch eine eigene Räucherfischtheke zusätzlich zur Frischfischtheke. Aus dem was die Fleischtheke bietet, ließe sich vermutlich auch wieder ein komplettes Rind zusammensetzen. (Geflügel eh). So spannend.

    Madame durchsuchte das Kühlregal indem nur frisches (lebendiges) Fermentiertes steht und entschied sich für Tomaten in Salz eingelegt. Ob es schmeckt? Wie es schmeckt? Wir wissen es nicht. Unsere Versuche, uns durch die diversen frischen Kefir-Sorten zu trinken dauern noch an.

    Neben den gesalzenen Tomaten brachte sie noch einen frisch an der Theke ausgenommenen und entschuppten Seelachs mit (der sich heute Abend in eine Pseudo-Bouillabaisse verwandelte) sowie Ochsenschwanz und Beinscheibe für das sonntägliche Schmorgericht.

    Nur Dosentomaten gibt es nicht. 14 verschiedene Sorten frische Tomaten, im Kühlregal fünfzehn Varianten mittelasiatischer Tomaten- und Paprikasaucen. Aber keine Dosentomaten. Das kam überraschend.

    Auch gelernt: Normalerweise besucht eine heterogene Kundschaft den Laden. Am Samstagabend allerdings hatte ich den Eindruck, ich bin im gesamten Geschäft der einzige deutsche Muttersprachler. So spannend!

    Mr. Archer was so alive yesterday, so solid and hearty…

    In Sachen Kino erfolgte wieder der Schluss einer Bildungslücke. Rein zeitlich ging es gegenüber „Die Mörder sind unter uns“ am Mittwoch einen Schritt zurück (von 1946 nach 1941), stilistisch aber nach vorne (von Expressionismus/Noir zu reinem Noir). In seiner Reihe Boulevard Noir zeigt das Yorck Kino The Maltese Falcon (dt: Die Spur des Falken2) Dank Yorck Unlimited3 für uns auch zum schmalen Taler.

    Ein Low-Budget-Film, gedreht in drei Wochen, der ein ganzes Genre begründete und als 1988 einer der ersten 25 „historischen wertvollen Filme“ in das neu geschaffene National Film Registry der Library of Congress aufgenommen wurde.

    Ist er gut: Auf jeden Fall. Ist er so gut wie die Auszeichnungen vermuten lassen? Vielleicht.

    Die Handlung folgt den Spuren des Privatdektives Sam Spades, der durch Ruth Wonderly/Brigid O’Shaughnessy (Mary Astor) in die Geschichte um den Raub des Maltese Falcon hineingezogen wird. Spades, O’Shaugnessy, Joel Cairo (Peter Lorre) und Kasper Gutman (Sydney Greenstreet) versuchen sich alle gegenseitig zu betrugen. Etwa alle fünf Minuten nimmt der Film im Netz der Intrigen und Täuschungen eine neue Wendung und eine Täuschungsebene mehr taucht auf.

    Sehr schön: Nachdem ich wenige Tage vorher Hildegard Knef in einer unpassenden Muttchen-Rolle sehen musste, hier die wandelbare Ruth Wonderly/Brigid O’Shaughnessy, die die Handlung nicht nur auslöst sondern bis zum Ende vorantreibt, vor nichts zurückschreckt und vielleicht der stärkste Charakter des kompletten Films ist.

    Es beginnt als harmlose Geschichte um eine verschwundene Schwester, es endet mit drei Toten, einem Kriminalfall über drei Kontinente, einem abbrannten Passagierschiff und einer Liebe, die im Gefängnis endet. Dabei lebt der Film (Low Budget) vor allem von Dialog und herausragender Schauspielkunst.

    Es ist von der ersten bis zur letzten Sekunde eine Freude.

    Was nicht ganz so eine Freude war: Der Bogart-Faktor. Wenn wir richtig aufpassten, gibt es in 90 Minuten Film einen einzigen Dialog an dem Spade/Bogart nicht teilnimmt. Der findet am Telefon zwischen Spades Seketärin Effie und O’Shaughnessy statt – im Wesentlichen hört man O’Shaughnessy am anderen Ende des Telefons schreien.

    Ein Qualitätskriterium für einen Film: Gibt es einen Dialog zwischen zwei Figuren an dem Humphrey Bogart nicht teilnimmt? Hier nur haarscharf.

    Von der Arbeit

    Zugbegleiterin: Mit dem neuen Giruno unterwegs: Der Giruno ist ein moderner und sehr angenehm leise fahrender Triebzug der sehr schön eingeteilt ist. Was aber leider oft die Fahrgäste etwas überfordert.

    Krankenschwester: Die Tage auf der Station waren einfach nur anstrengend. Nicht das große C macht uns mehr den Ärger, es ist jetzt die alte und bekannte, sich immer wieder neu erfindende Grippe, die uns das Leben als Krankenschwester schwer macht. Das Sahnehäubchen zu einer Infektionskrankheit mit Isolationshintergrund sind die dementen Patienten, die ständig ihr Zimmer verlassen, die einfach nicht verstehen wollen, dass die nicht Infizierten keinen Wert auf Ansteckung legen. Und dann sind da die Isolierten, die sich zu Tode langweilen und das Pflegepersonal ständig herbeiklingeln.

    Softwarentwicklungschefmensch: Ich stelle gerade wieder Mitarbeiterinnen ein. Product Manager, Entwickler und Softwarearchitekten. Interessanterweise kommen momentan grob 95% der Bewerbungen von Menschen aus Pakistan. Viele davon leben bereits in Deutschland. Die Gespräche waren größtenteils gut. Ich habe 5 Stellen zu vergeben, nur die Pakistaner qualifizieren sich dafür, niemand aus Russland, Frankreich oder der Ukraine. Aus Deutschland gab es nur einen einzigen Bewerber, der einerseits wenig Erfahrung hatte, aber von astronomischen Gehaltsvorstellungen träumte. Ich könnte die besten fünf Pakistaner einstellen, aber jetzt mache ich mir ernsthaft Gedanken über eine seltsame Form von fehlender Diversität.

    Aus der Freizeit: Hitler! (Something is possibly wrong in Wikipedia)

    Anmerkungen

    1. Für Madame bedeutet das Besuch Nr. 6 mit ihrer Monatskarte, also 6,33€ pro Besuch. ↩︎
    2. Wie ich erfuhr hat die Deutsche Version „Die Spur des Falken“ andere Dialoge (sie ist sehr viel humorvoller als das amerikanische Original) und ist musikalischer auch leichter und beswingter. Man könnte überlegen, ob es jetzt zwei Versionen eines Films oder doch zwei verschiedene Filme sind. ↩︎
    3. Damit Yorck Unlimited Besuch Nr. 4 -> 59,50€ pro Besuch. ↩︎
  • 25-12-16 Elinor liebt Edward. Brandon liebt Marianne liebt Willoughby

    25-12-16 Elinor liebt Edward. Brandon liebt Marianne liebt Willoughby

    Nur noch ein Karton steht im Wohnzimmer. Langsam beginnt sich die Wohnung einem Zustand zu nähern, der schon fast als Normalität durchgehen könnte.

    Langsam habe ich sogar wieder Geist für andere Themen. – Wie jetzt, nächste Woche ist Weihnachten?

    Der Bahnhof Südkreuz ist wieder ein echter Bahnhof. Denn nach Wochen der Umbauzeiten fahren wieder Züge.

    Passend dazu eröffnete Einstein Kaffee.

    Madame testete die neu eröffnete Dresdner Bahn zwischen der Hafenstadt und dem Südkreuz und stellte fest, dass sie vor allem aus Lärmschutzwänden besteht. Als Panoramafahrt wird diese Strecke nicht in die Reiseführer eingehen.

    Ich beginne mich auch langsam an die Arbeitsanfahrt per Ringbahn zu gewöhnen. Wenn denn irgendwann der Umzug wirklich ganz vorbei und überstanden ist, denke ich noch einmal über ein neues Fahrrad nach.

    Arbeitstage, die damit beginnen, dass ich quasi noch in Jacke und weit entfernt von einer Kaffeetasse unter dem Tisch liege und nach losen Kabeln suche, sind verbesserungsfähig. Später tauchten dann gleich zwei lange verschollene Geister auf und spukten kurz herum. Wahrhaft ein denkwürdiger Tag.

    Es war ein kultureller Sonntag und ein alltäglicher Montag.

    Der Sonntag begann im Bayerischen Viertel. Ich passierte das Denkmal an der Synagoge Münchner Straße, anscheinend hatte vor nicht so langer Zeit eine Trauerfeier stattgefunden. (9. November?)

    Otterngezücht!

    Noch vor der Kultur begann der Sonntag mit Sonne. Ich stand im kleinen Park knapp neben der Kirche am Heilsbronnen, ließ mir die Wintersonne ins Gesicht scheinen und atmete. Endlich Ruhe. Endlich einmal andere Aktivitäten fernab jeder privaten oder dienstlichen Logistik. Sonne. Atmen. Sonne. Grün. Atmen.

    Es folgte Kultur 1: Händel. Madame sang im Heilsbronnen Teile des Messias. Die dortige Gemeinde feierte zum Dritten Advent eine Deutsche Messe. Denn weil die dortige Gemeinde nicht nur arg konservativ sondern auch musikfreundlich ist, gab es Kirchenkreisorchester plus Solosänger plus Chor im Gottesdienst.

    Und es war schön. Und es war rührend. Und der Tenor war ganz besonders rührend. Und selbst die Predigt der Vikarin, schlug gekonnt den Bogen von der besinnlich-glitzendern Vorweihnachtszeit zur Bibelstelle der Woche „Ihr Schlangen! Ihr Otterngezücht! Wie wollt ihr dem Gericht der Hölle entgehen? und wieder zurück.

    Schon fast niedlich und entzückend die Verabschiedung ebenjener Vikarin, deren Vikariat mit diesem Gottesdienst endete.

    Yes. It w-was conducted, eh, oddly enough, in Plymouth.

    Am Abend Kultur 2. Wir trafen uns im Wartesaal bei okayem irgendwie-italienischen Essen mit Professor Transformation und the manchester Entrepreneuress. Der Wartesaal war hier praktisch gelegenes Mittel zum Zweck: eigentlich wollten wir ins Delphi Lux.

    Die Yorck Kinos betreiben allerlei Filmreihen jenseits der aktuellen Kinoprogramms. In der Reihe Screen Legends lief Sense and Sensibility, die legendäre Verfilmung von 1995 mit Emma Thompson, Kate Winslet, Hugh Grant und Alan Rickman.

    Ich konnte damit zwei Bildungslücken schließen: ich kannte den Film nicht, welche Frevel. Und obwohl ich schon viel über Jane Austen gelesen hatte, habe ich noch nie etwas von ihr gelesen. Okay, habe ich immer noch nicht. Aber ich habe ein Gefühl dafür bekommen, was Menschen an ihr schätzen.

    Zum Film: Liebe und Schmerz, Lachen und Leiden. Überraschenderweise musste ich an Toni Erdmann denken, daran dass alles eigentlich ganz furchtbar ist, aber dennoch irgendwie schön und lustig.

    An Shakespeare musste ich denken: So stehen wir Menschlein da, lächerlich wie wir sind, durchschaut bis auf die Knochen, und dennoch liebenswert.

    Selten sah ich einen Film, der seine Protagonist*innen mit soviel Wärme und Liebe behandelt, während er gleichzeitig erbarmungslos das System seziert, in dem sie sich bewegen.

    Großes Kino.

    Buch nach Serie, Film nach Buch

    Ausgelesen: Tomasz Duszyński: Glatz. Ein polnischer Krimi-Bestseller, der 1920 in der (damals Deutschen) Kleinstadt Glatz in Niederschlesien spielt.

    Ein merkwürdiges Buch. Ich hatte die Hoffnung, dass Duszyński die Form des Krimis vor allem nutzt, um eine Geschichte von Glatz, Kleinstadt in Niederschlesien 1920 zu erzählen. Denn diese Zeit und dieser Ort sind weder in der deutschen noch in der polnischen Historie Präsent. Ich merke beim Lesen, dass Duszyński in die Archive gestiegen war, alle Lokalitäten, Vereine und Speisekarten des historischen Glatz kannte. Alle tauchten auf. Aber leider, lässt er in der Stadt Menschen auftreten, die wie frisch aus dem Jahr 2025 wirken, so denken und reden wie Menschen in einer aktuellen Netflix-Serie, nicht wie in 1920. Überhaupt hat man den Eindruck eine Netflix-Serie zu lesen mit viel Gewalt, etwas Sex, etwas Politik, nur dass sich alle Beteiligten kurz vor Drehbeginn schnell historische Kostüme übergeworfen haben und jemand die Autos gegen Kutschen tauschte. Oddly anachronistic, aber nicht in einem guten Sinne.

    Noch nutze ich den Haselanten für Produktempfehlungen, denn noch sind die Large Language Models angenehm werbefrei und halbwegs zuverlässig. Aber mir ist klar, dass dies nur ein kurzes Zeitfenster lang andauern wird. Denn die Horden stürmen: Re: Marketing für KIs

    Was sind das denn für Menschen, die sich einen Muppet-Film in der Originalsprache im Kino ansehen, was für ein gesellschaftliches Segment fühlt sich da angesprochen und angezogen?

  • 25-11-22 Ick bin ein ChaWiener

    25-11-22 Ick bin ein ChaWiener

    Endlich fand ich eine zweifellos sinnvolle Anwendung von ChatGPT. Es löst jetzt meine Captchas und ist dabei erfolgreicher als ich.

    Madame töpferte ein Seepferdchen nach Art eines mittelalterlichen Elefantenbildes. Allerdings steht ihr das Internet zur Verfügung und so konnte sie ihr Werk vor dem Abschluss noch einmal mit Bildern echter Seepferde vergleichen.

    Das Café Bilderbuch ist weg! Zumindest deutet Frau Karminrot das an und die Insolvenzmeldungen vom 11. August scheinen es zu bestätigen. Meine Reaktion „Oh gott! Sie haben das seelische Zentrum aus dem Kiez gerissen!“. Madame reagierte rationaler mit „Das sah schon lange so aus als sollte es mal überarbeitet werden, aber anscheinend war kein Geld mehr da.“ Passend dazu: Außerdem haben die Leute sich schon immer mit Lektüre wichtig gemacht. Schließlich wurde dafür extra das Café erfunden.– aber heute anders.

    Ich staune: Ich habe im Internet unseren Umzugswunsch bei der Telekom eingetütet und keine 10 Minuten später rief die zuständige Sachbearbeiterin mit sinnvollen Rückfragen und Informationen an. Bei o2 ist sowas nie passiert. Dafür stellt sich der neue anvisierte Stromanbieter tot. Na mal schauen.

    Es war ein Arbeits- und ein Prä-Umzugstag.

    Der Hof und der Müll

    T-10 bis zum Umzug. Wir verzehren die letzten Vorräte aus dem Gefrierschrank. Langsam häufen sich die Momente, in denen wir denken „Das letzte Mal, dass..“ oder „Bald nicht mehr..“

    Ein erfreuliches Bald-nicht-mehr wird auf jeden Fall der Abschied von den Haus-Hallodris. Die entpuppten sich zum Abschied noch einmal als rechte Rüpel-Eumel, als Madame höflich fragte, ob sie es sind, die seit neuestem das Hoftor abschließen und damit die BSR aussperren. Vermutlich getroffen in all‘ ihrer normal-vermüllenden Hallodrihaftigkeit – und gerade offenbar im Termin mit Opfern Kaufinteressierten – reagierten ein Hallodri mit Verbalaggression. Mon Dieu!

    Immerhin scheint ihnen durch das Gespräch aufgegangen, dass Müll-Berge im Hinterhof nicht dem Verkaufsclaim helfen, dass hier ein ordentlich-bürgerliches Haus steht. Passend zum Niveau und ihrem wir-scheuen-Kosten-und-Mühen-Anspruch versenkten sie den herumliegenden Müll jetzt erstmal im Papiercontainer. Mon Dieu!

    Mit der Dresdner Eisebahne

    Auch offiziell sind wir neue Menschen. Seit Freitag sind wir offiziell Bewohner des Bezirks Charlottenburg-Wilmersdorf (ChaWi), im Personalausweis klebt ein neuer Aufkleber, seine elektronisch gespeicherten Daten wurden umprogrammiert.

    Zum Abschied fand der Termin in unseren ehemaligen Altbezirk Tempelhof-Schöneberg (TS) statt. Das einzig zeitnah verfügbare Bürgeramt lag an der Grenze von TS zu Brandenburg. Auf mit der Dresdner Eisenbahne ans südliche Ende Berlins nach Lichtenrade.

    Dort: eine epische Unterführung vom Ausmaß eines komplettem Kongresszentrums (siehe Der lange Anfahrtsweg der „Dresdner Bahn“) und ein backsteingeprägtes Ortsbild, dass in Madame sofort Norddeutschlandassoziationen weckte. Kaum sprache es aus, sahen wir eine Filiale des Lübeck/Hamburger Stadtbäckers Junge.

    Aber vor das Pain au chocolat hatte der Plan die Ummeldung gelegt. Das Bürgeramt sitzt im ehemaligen Christophorus-Kinderkrankenhaus. Nachdem wir gemeinsam mit der Sachbearbeiterin dem Start ihres Rechners beiwohnten, lief alles problemlos.

    Passend dazu besichtigte ich endlich die halbfertige Küche, wir brachten ein paar Sachen aus der Kategorie „Sperrig, empfindlich, nur selten benötigt“ aus der alten Wohnung in den neuen Keller.

    Nada

    Gelesen: Jean-Patrick Manchette: Nada – ein Buch, in dem die Akteure quasi immer überhastet, übereilt und spontan agieren, das in seiner Wirkung auf mich aber langsam zersetzend ist. Mit jedem Tag Abstand zur Lektüre denke ich mehr darüber nach und bin begeisterter.

    Paris, 1971, eine Stadt in grau und Dauerregen. Die Hoffnungen von 1968 sind zerstoben – aufeinander treffen eine wild zusammengewürfelte Gruppe der Links-Linken der Gruppe Nada zwischen Desillusionierung, sinnentleerter Gewalttätigkeit und dem Versuch sich an etwas festzuhalten und der Staat in Form emotionsloser Machtausübung.

    Nada entführt den amerikanischen Botschafter, ohne wirklich an Erfolg oder Sinn der Aktion zu glauben und wird im Anschluss vom französischen Staat in einer Schießerei plattgewalzt. Hoffnung hat niemand. Der einzige, der Freude empfindet, ist vielleicht der sadistische Kommissar.

    Fast ein Roman wie ein Gedicht – kein Wort zuviel: Die Szenen sind angerissen, die Dialoge auf das Notwendigste begrenzt, Stimmungen werden in zwei drei Worten gesetzt. Und doch, das deprimierte, graue, zynische Nach-68er-Paris so unfassbar gut getroffen. Ein Roman, für den ich fast ernsthaft französisch lernen möchte, um die Sprache im Original zu lesen.

    Direkt danach: Rainer Erler – Reise in eine strahlende Zukunft. Ein Politthriller von 1986 über Atommüll und Castor-Transorte. Auch kein schlechtes Buch. Aber im Vergleich zum Manchette davor halt, als hätte ich Foucault zur Seite gelegt und jetzt ein Gemeinschaftskunde-Lehrbuch ergriffen.

    Mit Dip, ohne Häuser

    Andere erleben Abenteuer, ich dippe. Immerhin erlebe ich Abenteuer ohne Ende, wenn ich versuche, die beim Dippen entstandenen Saucenflecken wieder aus den Shirts zu bekommen: Rote Beete-Raita

    Frau Blattspinat-U-Bahnverleih besuchte Mühlrose, das letzte für den Braunkohleabbau in der Lausitz abgerissene Dorf: und entdeckte ein Dorf ganz ohne Häuser: Nur mit Straßen, Hecken, erkennbaren Grundstückgrenzen und ganz besonders grünen Rasen auf dem ehemaligen Schwimmbadgelände: Das Dorf ohne Häuser

    Ein Lob des Performative Readings. (via Kieselblog)

    Biopics sind nicht meins. Aber diese Maria-Besprechung macht mich neugierig.

    Wer mit Katz fermentiert, fermentiert gut. Salzgurken bei Magentratzerl.

    Zum Abschluss: Forensic Accounting und KI

    Im Internet traf ich auf einen Artikel zum spannenden Thema KI und die Wirtschaft. Der Artikel hatte mich, als er von „Forensic Accounting“ sprach. Ansonsten ist er glaube ich dem größten Thema von LLMs / KI auf der Spur: Es verbrennt Millarden Dollar, die sich nirgendwo verdienen lassen:

    Nvidia invests in AI startups, startups commit to cloud spending, cloud providers purchase Nvidia hardware, Nvidia recognizes revenue, but the cash never completes the circuit because the underlying economic activity—AI applications generating profit—remains insufficient. (The Algorithm That Detected a $610 Billion Fraud: How Machine Intelligence Exposed the AI Industry’s Circular Financing Scheme)

    Was altbekannt ist, aber immer wieder wiederholt werden sollte:

    OpenAI, valued at $157 billion in its most recent funding round, reported $3.7 billion in revenue for 2025 according to The Information. The company simultaneously disclosed operating expenses of $13 billion, resulting in a $9.3 billion annual cash burn.

    Aber spannenderweise auch eine gute Nachricht für KI-Fans (wenn auch nicht für LLMs):

    November 20, 2025, represents an inflection point in financial markets. For the first time, algorithmic trading systems detected accounting fraud faster than human analysis. The 18-hour reversal from post-earnings euphoria to negative market territory reflects machine intelligence processing financial statement footnotes, calculating deviation from industry norms, and executing trades before human analysts completed their models.

  • 25-09-27 Mein ICE fährt 310 (Berlin->Paris)

    25-09-27 Mein ICE fährt 310 (Berlin->Paris)

    Zwanzigjährige Paare im beigen Partnerlook verunsichern mich.

    Der Hafer-Kefir versuchte dem Kühlschrank zu entfliehen. Dabei entwickelte er sich zu einer Art unerwüschtem Milch-Bier.

    Ich erfuhr, dass es nächstes Jahr eine Direktverbindung mit dem Zug von Berlin nach Kopenhagen gibt. Von Kopenhagen fahren zahlreiche Regionalzüge nach Trelleborg und von dort eine überraschend bezahlbare Fähre nach Klaipėda in Litauen.

    Zwischen uns und dem Sommerurlaub liegen aber noch so viele Unwägbarkeiten, dass ich derzeit gar nichts planen lässt.

    Die VG Wort kündigte eine Überweisung an: Weniger als letztes Jahr, mehr als gedacht. Für ein gutes halbes Mittagessen sollte es reichen.

    Die Schlange vor dem Berliner Bahnhofsbäcker war ungeahnt elegant – bis mir auffiel, dass hier ja die ganzen Menschen anstehen, die gleich am benachbarten Gleis in den Zug nach Paris steigen wollen.

    Es war ein Freitag der Arbeit und ein Samstag der Zugfahrt. Es war ein Freitagabend des Zugfahrkarten, Hotelbuchungs- und Eintritsskartenausdruckens.

    Ich fand einen begeisterten Verbündeten im Kampf gegen verformelte Excel-Tapeten, die für die Erstellering super clever und durchdacht sind, für alle Co-daran-Arbeitenden aber ein einzig verwirrendes Minenfeld.

    Später eine Henne-Ei-Diskussion zum Thema Prozessmodellierung. Beginnt es mit einer skizzierten dahingedachten Prozessidee, die irgendwann formal in die formale Notation (BPMN) überführt wird. Oder beginnt es mit BPMN, und die Prozessgestalt entsteht, während sie formal niedergeschrieben wird?

    Durch die Vogesen im Sonnenuntergang

    Rauchen in Zügen ist verboten. Auch in der Toilette von Wagen 22. Der Zugchef machte das per Ansage noch einmal klar.

    Heute war Wandertag neben dem Mittellandkanal, wie ich aus dem ICE-Fenster sehen konnte.

    Bei Karlsruhe saß ich plötzlich in einer intensiven Wolke von Obstgeruch. Mein Hirn drehte sich im Kreis: „Riecht nach Südfrucht“ -> „Aber keine Mango“ -> „Riechte nach Südfrucht“ -> „Aber keine Mango“. So drehte ich ein paar Minuten bis jemand in einer Nebenreihe bemerkte „Banane.“ Das war’s!

    Frankreich ist genauso menschenleer wie Brandenburg. Aber die Leere ist optisch abwechslungsreicher.

    Die gesamte Bahnbubble, der ich auf Mastodon folge, hat eine tiefe Abneigung gegen die SNCF. Denn diese will keinerlei Züge fahren lassen, es sei denn sie fahren mit 300 km/h Richtung Paris.

    Welch Glück, dass ich in einem Zug saß, der mit 300 km/h Richtung Paris fuhr. Wir stiegen um kurz vor 12 in Berlin-Hauptbahnhof in den ICE 9590 Fahrziel „Paris Gare de l’est“ ein. Uns kontrollierte ein charmanter französischer Zugbegleiter, seinem Namen nach Elsässer. Der nächste Halt war um 16 Uhr Frankfurt-West(!), dann Karlsruhe, und um viertel nach sechs überquerten wir den Rhein.

    Dann trat der Lokfahrer noch einmal richtig aufs Gas. Zwischen Strasbourg und Paris Est zeigte die Zuganzeige durchgehend 310 bis 320 km/h an. Natürlich musste ich sofort an Markus denken: Mein Maserati fährt 210/ schwupp, die Polizei hats nicht gesehn.

    Gelesen: Fred Vargas: Es geht noch ein Zug von der Gare du Nord. Theoretisch die perfekte Lektüre für den Zug. Praktisch kommt der Gare du Nord einen Absatz lang auf der viertletzten Seite vor, der fahrende Zug hat Zwei Seiten der letzten Vier. Beide haben keinerlei Relevanz für die eigentliche Handlung. Und auch sonst ein höchst mittelmäßiges Buch, das wohl nicht wieder zurück nach Berlin fahren wird.

    Spannender sah die alte Taschenbuchausgabe von Malataverne, einem Roman von Bernard Clavel aus. Eine 1970er-Taschenbuchausgabe, entsprechend zerlesen, mit rotem Buchschnitt und interessantem Cover. Leider aus französisch, so dass ich nichtmal fragen konnte, ob wir tauschen.

    Blick aus dem Hotelzimmer. Geht es any better?

    Pêche Melba

    Ankunft Paris Est um 20:15. Dann stiefelten wir einmal durch die Bahnhofshalle zum Gleishotel, warfen die Koffer von uns, und überquerten die Straße um in unserem Stammbouillon zu landen: das Bouillon Chartier. Wie immer staunend über die lustige Mischung aus vielen Pariser*innen, gerne auch ziemlich jung, und einer lustigen Gruppe aus Tourist*innen. Es gab Kalbsblankett und Elsässisches Sauerkraut.

    Jetzt sitze ich in Le Club des Hotels Okko, schaue durch dessen Fenster auf die leeren Bahnsteige des Gare de L’est. Vor mir der komplimentäre Espresso des Hotels, Madame sitzt gegenüber, liest Elisabeth George, trinkt complementary tea. Die Snacknüsse sind bereits alle.