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  • 25-01-16 Sportler/Doping (Hagen)

    25-01-16 Sportler/Doping (Hagen)

    Um mit einer Lektüreempfehlung zu beginnen. In den Kommentaren zum Salatpost schreibt Thomas, wie es einem Lokführer (Triebfahrzeugführer?) nach einem „Personenschaden“ mit seinem Arbeitgeber ergeht. Hochspannend, und mir gibt es Vertrauen in die Deutsche Bahn.

    In Hagen hängen die Wahlplakate. Geht es nach Wahlplakatdichte wird es ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen der CDU mit Direktkandidatin Tijen Ataoğlu und der MLPD ohne erkennbare Direktkandidatur. Abgeschlagen auf Rang 3 das BSW. Andere Parteien sind nicht präsent.

    In der realen Welt hingegen wurde der Wahlkreis Hagen durchgehend seit 1961 von der SPD gewonnen.

    Im Bus auf meiner Stammstrecke DRK (Bildungsherberge) und Fernuni-Polizeipräsidium(Edeka)-Loxbaum (Umstieg zum Westfalenbad) stutzte ich kurz beim Einsteigen, dachte, im Bus sitzt der Wikipedia-Benutzer Sebastian Wallroth.

    Er war es natürlich nicht. Stattdessen sprach mich der Mann beim Aussteigen an „Sie sind der einzige, der nicht auf sein Handy geschaut hat!“.

    Fasziniert bin ich weiterhin vom Fernuni-Campus, der irgendwie ein Unicampus ist, mangels anwesender Student*innen und anwesenden Lehrpersonals aber auch nicht. Gefühlt sehe ich auf den Wegen immer nur Anwohner*innen, die ihre Hunde ausführen – nette Parklandschaft.

    Irgendwie ein Lost Place, aber auch nicht. Denn obwohl es immer verlassen wirkt, ist halt alles in Schuss, gepflegt und funktioniert. Zur Mittagszeit kommen aus dem Nichts zahlreiche Menschen, die Mensa ist prall gefüllt.

    Als Connoisseur des Unerwarteten natürlich mein Platz.

    Aber ich war ja nicht nur gekommen, um die Fernuni zu bestaunen.

    Das Seminar

    Ich kam für das Seminar. Der bestimmte Artikel ist korrekt.

    Denn das Fernstudium zeichnet sich zumindest bei den Wirtschaftsinformatikern und den Wiwis dadurch aus, dass es im gesamten Studium zu genau einer Pflichtzusammenkunft mit dem Lehrpersonal kommt: In dem Seminar.

    Ich kann (je nach Lehrstuhl, Semester, Mondstand) noch an weiteren Formaten wie Mentoriaten, Tutorien, Studientagen oder anderen Formaten teilnehmen, die das Treffen anderer Menschen beinhalten – aber ich muss nicht. Das Seminar ist singulär.

    Der genaue Ablauf ist je nach Lehrstuhl verschieden. Hier beim Lehrstuhl bwlquam (BWL Methoden, insbesondere Wirtschaftsmathematik) existierte eine Themenliste. Man konnte sich Themen priorisieren und diese wurden dann Ende September zugeteilt. Bis Ende November musste die Seminararbeit eingereicht werden (12 Seiten, vorgegebenes Format, ich hab einfach das LaTeX-Template des Lehrstuhls benutzt). Dann gab es eine Rückmeldung.

    Und nun das Treffen in Hagen selbst. Im großen Mehrzweckgebäude, Seminarsaal B mit 20 Student*innen (16 Studenten, 4 Studentinnen). WIe immer in Hagen eine lustige Mischung. Drei im Bachelor, siebzehn im Master, im bisherigen Bildungsweg vom Fachabi bis zum Dr. Ing. alles dabei. Aber auch: bei 17 Masterstudent*innen (plus ich) hatten 18 von 20 auf jeden Fall schon einen Uniabschluss. Das Alter reichte von Anfang 20 bis um-die-Fünfzig mit deutlicher Häufung zwischen 35 und 45.

    Den Tag über gab es Vorträge. Jeweils 20 Minuten Vortrag plus 15 Minuten Diskussion. Ich durfte den allerersten Vortrag halten – was ich als Glück empfand. Dann war ich durch – und ich konnte beim Rest des Seminars einfach zuhören und mitmachen, ohne die ganze Zeit im Hintergrund an mein Thema zu denken.

    Ich denke ich hielt einen der erinnerungswürdigeren Vorträge der Veranstaltung und bin mir ziemlich sicher bestanden zu haben – damit ist ein Ziel erreicht.

    Das andere Ziel: Bachelorarbeit an genau diesem Lehrstuhl. Da beginnt jetzt erst die offizielle Bewerbungsphase – aber ich bin auch hier ziemlich zuversichtlich, dass es gut gehen wird und ich im SoSe2025 meine Bachelorarbeit schreiben werden.

    Meine Güte. Das geht in einem Tempo.

    Nächste Woche gibt es ein reines Onlineseminar das Lehrstuhls. Das hat sich – entgegen der Ausschreibung – zum reinen Bachelorseminar entwickelt, weil die meisten Bacheloratis lieber online teilnehmen wollten.

    Auch wenn es weder vom Alter noch von der akademischen Vorbildung her hinkommt. Da sich zufällig ein Seminar des Lehrstuhls zum Bachelorseminar entwickelte und das andere zum (fast)Masterseminar, fühle ich mich als Bachelor im Masterseminar natürlich so als wäre ich gerade zum Erwachsenentisch befördert worden.

    Das Seminar fand in Raum 121 des Mehrzweckgebäudes statt. Im Gebäude selbst eine Plakette, die erst erklärt, warum es sich hier um einen beispielhaften und vorbildlichen Bau der 1970er handelt, nur um damit zu enden, dass alle nachfolgenden Gebäude der Fernuni komplett anders gebaut wurden.

    Schwimmen

    Abends dann natürlich die perfekte Tätigkeit zum Runterkommen: Abkühlen, Kopf unter Wasser und behutsam bewegen: Auf ins Schwimmbad.

    Wenn ich in Berlin mein Mitarbeiterkärtchen an der Kasse vorzeige, um ins Bad zu kommen, entspinnt sich oft folgender Dialog:

    Ich: „Einmal schwimmen.“

    Kassenkraft: „Schwimmen?“

    Ich: „Schwimmen!“

    Gemeint ist „Du willst wirklich nicht in die Sauna, du kämst doch umsonst rein?“ Antwort: „Nein, wirklich, ich möchte nur schwimmen.“

    Als also im Westfalenbad gefragt wurde „Schwimmen?“ antwortete ich reflexhaft „Schwimmen!“ Erst als ich mit dem Drehkreuz kollidierte, war mir klar, dass die Frage gar nicht Schwimmbad oder Sauna war, sondern Sportbad oder Sole/Spaßbad.

    Auf ins Sportbad, das seinen eigenen Eingang und eigene Kabinen hat. Beim Sport existiert noch die Miniatur-Sammelumkleide, die auf kurzem Weg direkt zum Lehrschwimmbecken führt. Dieses umrundete ich, sah die Taschen von „Triathlon NRW“ und sondierte, dass knapp die Hälfte der Bahnen von Vereinen belegt war. Darunter mehrere junge Fragen mit Team-Deutschland-Badekappen.

    Ich begab mich zu den anderen: Hach. 50 Meter. Hach, ein Riesenbecken, mit Schwimmautobahn, ordentlicher Ausstattung. Immer noch schwer zu glauben, dass es nur ein (der kleinere) Teil des gesamten Schwimmbadkomplexes war.

    Nach meinen Bahnen noch etwas ausspannen im wärmeren Lehrschwimmbecken. Auf dem Weg dorthin Freude über eine Tür, die Beschriftet war mit „Sportler/Doping“. Immerhin ehrlich.

    Irgendwann gegen 20 Uhr begab ich mich umständlich zurück zur Herberge – autogerechte Stadt my ass!

    Käsetoast Volkskanzler

    Gelesen: Walter Moers: Die Insel der Tausend Leuchttürme. Als ehemaliger Nordseeküstenbewohner fand ich vieles erfreulich treffend überzeichnet, phantastisch überdreht und gut beobachtet – wie es so ist an den deutschen Nordseeküstenkurbädern. Irgendwann wird es dann aber viel Welt retten – der Auserwählte – die ausgewählte Gruppe tapferer Exzentriker – Yadda, yadda, braucht kein Mensch. Gern gelesen, aber würde ich nicht unbedingt weiterempfehlen.

    Viel mehr Salate sollten als Zutat Käsetoast enthalten. Chilli und Ciabatta: Chicorée-Salat mit Käsetoast.

    Sari hat spannende Blogpläne für 2025: Bloggerschnack im Januar: Was möchtest du dieses Jahr erreichen?

    Weniger spannend, mehr beängstigend, die Lage ist Österreich. Kraut und Rüben: Warum wir keinen „Volkskanzler“ brauchen

  • 25-01-14 Wasserloses Tal (Berlin -> Hagen)

    25-01-14 Wasserloses Tal (Berlin -> Hagen)

    Die Bildungsherberge übermittelte mir meinen Türcode.

    Der Vertreter des Vermieters ersetzte höchstselbst die erste demolierte Silvesterraketenscheibe und brachte die zweite zum Glaser.

    Ein weiterer Karriereschritt steht bevor. Ich bin nicht nur betrieblicher Brandschutzhelfer, sondern werde Ende Januar auch Ersthelfer sein.

    Madame versuchte Schwerenöter zur Räson zu bringen.

    Später recherchierte sie weiter zum Noonsong. Dieser wurde etabliert von einem Berliner Professor für evangelische Liturgie, der sich Idee bei den Anglikanern abschaute, die ihren Evensong wieder der liturgischen Vesper enlehnte haben.

    Zurück in Berlin setzte er sich mit einem katholischen Kollegen und Freund zusammen und sie erschufen ein Format, dass sich an den Evensong anlehnt und sowohl evangelisch wie katholisch akzeptabel ist. Anscheinend wechseln sich auch wöchentlich evangelisch und katholische Geistliche ab,

    Sie erreichten einige Effekte: Ein ästhetisch schöner Gottesdienst; es gibt die Chancen, dass die hunderten von nie gesungenen Kirchenliedern des Repertoires einmal von professionellen Sängern aufgeführt werden. Und die Kirche ist einmal die Woche ziemlich voll.

    In Hagen befinden sich fünf Kopien der Seminarpräsentation (drei digital, zwei auf Papier). Was auch immer bei diesem Seminar passieren wird; es wird nicht daran scheitern, dass Mittwoch im Gebäude 8, 1. Etage Raum B121 keine Präsentation vorliegt.

    Noch rechtzeitig entdeckte ich, dass eine Deadline zur Präsentationseinreichung via Mail existiert – done.

    Auch rechtzeitig entdeckte ich, dass ich zum gemeinsamen Abendessen des Seminars im Gasthaus Humpert am Höing zusagen muss – done. Ich habe keine Ahnung, was Dortmunder Salzkuchen ist – aber es klingt spannend und ich möchte probieren.

    Wo ich dabei bin, Hagen-Recherche: Das Westfalenbad erforschte ich bereits beim letzten Besuch im Sommer 2023. Fazit damals (bei 36 Grad und einem komplett überfüllten Bad): „ein spektakuläres Schwimmbad – ob im guten Sinne, bin ich noch unentschieden.“

    Andere Großstädte mit potenziell spannenden Schwimmbäder in der Nähe:

    • Wuppertal. Okay, die Schwimmoper kenne ich schon.
    • Dortmund: mit Südbad, Nordbad und der Soletherme im Landschaftspark.

    Auch schaute ich nach Theatern in Hagen. Eine einzige Vorführung läuft, während ich mich in der Stadt aufhalte. Es handelt sich (ungelogen) um Freibad oder Shut up and swim! Leider läuft das Stück während ich meinen Vortrag halten werde.

    Letzter Schritt am Abend vor der Reise: Noch einmal den DB Navigator checken. Nicht, dass dessen zunehmende Überraschungen mich morgens am Bahnsteig erwischen. Er gab sein ganzes Programm:

    • Bitte melden sie sich neu an und geben sie ihr Passwort von Hand ein. – Jedes mal wieder ein Spaß bei einem Zufallskennwort mit 24 Zeichen.
    • Bitte wechseln sie ihren Nutzernamen. Er muss jetzt eine E-Mail sein. Gnarf.
    • Ihr Passwort (24 Zeichen, Zufallsfolge) ist nicht sicher genug. Bitte fügen sie ein Sonderzeichen hinzu. Gnarf.
    • Dafür eine Abschlussüberraschung. An ihrer Rückreiseverbindung hat sich nichts geändert. Dafür ist die Zugbindung aufgehoben.
    • Singen Sie ihre Glücksmelodie

    Die Bahnfahrt selbst mit ICE 952 begann wie erwartet; erst hatten BVG und S-Bahn Probleme mich zum Südkreuz zu bringen. Am Hauptbahnhof gab es einen Überraschungs-Bahnsteigwechsel fünf Minuten nach angezeigter Abfahrt des Zuges. Aber nachdem ich im ICE saß, verlief alles wunderbar. Die Bahn erfreute mich sogar mit einer funktionierenden Zugteilung in Hamm.

    Leider begann es mir die gesamte Strecke von Berlin bis Hagen nicht, herauszuhören, ob der telefonierende Mensch hinter mir zur Führung einer großen Uni gehörte oder zum BMBF. Nur dass er vom „lieben Senatsmenschen“ sprach, ließ mich zur Uni tendieren. Denn die „lieben Senatsmenschen“ kenne ich auch aus meiner Arbeit in einer Berliner AöR.

    Die Busfahrt im 527er Richtung Loxberg bis zur Bildungsherberge wieder abenteuerlich. Der Bus fährt eine halbe Stunde einmal um Hagen herum. Und auch wenn ich schon aus dem Jahr 2023 weiß, wie es ist, zweifle ich doch, wenn ich noch 15 Minuten vom Ziel entfernt bin, und an Haltestellen wie „Wasserloses Tal“ oder „Am Waldrand“ vorbeikomme – die auch so aussehen wie sie heißen. Aber ich kam an.

    Alles wird super. Dann so im Fokus/Film gewesen, dass ich entgegen aller selbst gesetzter Regeln nicht am Dienstag bloggte,

    Hallo Kassenautomat

    Während ich mich anschickte, nach Westen zu Fahren um Westfalenbad und andere zu erkunden, musste ich aber erst einmal Hausaufgaben machen

    Selbst auf meiner Berliner Schwimmbadliste befinden sich aktuell weiße Flecken, weil schneller gebaut und saniert wird, als ich zum Besuchen komme.

    Zeit zum Hauptbahnhof zu fahren und ein paar Meter zum ehemaligen Poststadion zu laufen.

    Das Stadtbad Tiergarten kenne und schätze ich schon länger. Das letzte Berliner Bad, das beim Bau noch mit Wannenabteilung gebaut wurde. Aber bei der Eröffnung Mitte der 1980er blieb diese gleich geschlossen. Nach gut 30 Jahren wurde es erstmal richtig saniert.

    Es bedurfte danach noch 350 Tage bevor ich nach Umbau und Wiedereröffnung endlich wieder die Pforten durchschritt.

    Es war Sonntag. Es war ernstlich voll. Wir bewegten uns auf einer 50-Meter-Bahn. Es war alles wunderbar hell. Ich bin ein Fan der neuen Deckengestaltung. Auch das alte Mosaik wurde gerettet.

    Ich war vorher Fan und bin es noch mehr. Besonders Highlight für mich natürlich: der eine neue Kassenautomat der Berliner Bäder.

    Sportkegeln

    Ich weiß, ihr wolltet schon immer einen tiefen Einblick in die Welt des Sportkegelns.

    Slow cooker ist super. Kohlsuppe ist super. Beides zusammen sollte also superduper sein. Mal bei Gelegenheit testen: Meine magische Kohlsuppe

    Meine Güte. Quälende Hustenanfälle, allmorgendliche Kopfschmerzen, Eitergeruch in der Nase: und immer noch solche Fotos aus Tenerrifa: Hustend auf dem Vulkan tanzen.

    Freier Parkplatz aber schlechte Vibes

    Die ARD mit einem Podcast über „Rechtsextreme haben die Offenheit Wikipedias genutzt, um Informationen und Diskurse unerkannt zu manipulieren.“ Dunkel kann ich mich daran erinnern, so etwas mitbekommen zu haben. Oder ist es schon länger her? Mal reinhören.

  • 25-01-12 Wie kann ich Salat verkaufen?

    25-01-12 Wie kann ich Salat verkaufen?

    Die Autobahn Gmbh des Bundes beginnt, die Dauerbeleuchtung der Berliner Stadtautobahn abzuschalten. Ich warte darauf, dass Matthias Döpfner sich an der Rudolph-Wissel-Brücke festkettet.

    Dafür beschloss jemand, unsere Treppenhausbeleuchtung auf Dauerbetrieb zu stellen. Aus Gewohnheit drücke ich trotzdem bei jedem zweiten Treppenhausgang den Lichtschalter.

    Auch aus Gewohnheit wollte ich in den Südkreuz Offices wieder die Treppe nehmen. Aber ein hilfreicher Kollege erinnerte mich an die guten Vorsätze – also nahm ich brav den Fahrstuhl.

    Der Fahrradmeister kehrt am 20. Januar aus dem Urlaub zurück. Am 17. Januar beginnt die BVG zu streiken. Vermutlich darf ich mich mit gestrandeten BVG-Nutzern und deren ausgebuddelten Kellergefährten um Reparaturtermine für das malade Fahrrad streiten.

    Madame empfiehlt die vierte Staffel der dänischen Fernsehserie Borgen, um die politische Situation Grönlands zu verstehen. Die Staffel dreht sich um genau um das Thema Grönland und die Dänen – und wenige andere fiktionale Formate sind derart genau und präzise wenn es darum geht, echte Politik in ihrem Ablauf zu schildern.

    Dumpfe Geräusche gehen des Nachts vom Haus aus. Ich vermute, Schnee rutscht von der Dachersatzplane hinab, um auf Gerüst, Nebenhaus oder Hof zu fallen. Ich versuche die Geräusche nicht allzu beunruhigend zu finden und freue mich über die schneefreie Wettervorhersage der nächsten Tage.

    Nachbar 3L hat sich entschieden, seine eigene Wohnung zu kaufen. Einerseits keine schlechte Idee. Andererseits habe ich immer die Worte des ehemaligen Hausmeisters im Ohr „Abreissen! Alles abreissen! Das Haus ist nicht mehr zu retten!“.

    Madame unterhielt sich mit einer Bekannten, die in Schöneberg auf halber Strecke zwischen uns und dem Kugelbombenhaus wohnt. Sie berichtete von einer Art Osterfeuer in der Silvesternacht direkt vor ihrem Erdgeschoss-Fenster – improvisiert aus Mülltonnen und dem was die Freunde des rabiaten Silvesterfestes so fanden. Am Ende brannte das Osterfeuer alleine, weil die Freunde des Böllerns weiterzogen. Dieselbe Bekannte verbringt seit Jahren Silvester in Berlin, weil sie das Gefühl hat, auf ihre Wohnung aufpassen zu müssen.

    Mein Arbeitgeber investiert Geld, schickt mir (und vermutlich allen anderen Angestellten) per Briefpost eine Aufforderung, sich als Wahlhelfer zu registrieren. Ich bin kurz davor zurückzuschreiben „Bin ich doch schon längst!“ Aber das bringt mir auch nichts.

    Eine halbe Stunde Meditation und Musik

    Berlin ist überraschend. Entdeckte ich noch letzte Woche das Pop-Art-Brutalismus Wunderwerk U-Bahnhof-Schloßstraße, fand Madame den Noonsong in der Kirche am Hohenzollernplatz.

    Der Evensong ist in der anglikanischen Kirche eine gesungene Form des Abendgottesdienstes, der in größeren Kirchen meist als Choral Evensong, also als größtenteils vom Chor gesungener Gottesdienst ausgeführt wird. Bei jedem Aufenthalt in Großbritannien ein empfehlenswertes Erlebnis.

    Nach 16 Jahren in Berlin entdeckt: Es gibt einen Noonsong – also einen samstäglichen evangelischen Mittagsgottesdienst mit gesungener Liturgie – zeitlich passend zum Markt vor der Kirche und gesungen von Profisängern. Es bedurfte 697 Durchführungen bevor wir ihn entdeckten.

    Überraschend: Obwohl die Veranstaltung alle Pflichtelemente der evangelischen Liturgie umfasste, gilt sie anscheinend nicht als Gottesdienst. Angekündigt wird sie als „Meditation und Musik.“

    Beeindruckende Veranstaltung – beeindruckende Kirche. Leider ohne mich, denn ich bastelte an Folien.

    Geistig umschalten

    Hagen, die Metropole Südwestfalens, ist spannend. Ich glaube, ich habe in meinem Leben noch keine derart autogerechte Stadt erlebt. Und das sage ich als gebürtiger Hannoveraner.

    Obwohl ich mit ÖPNV anreisen werde, freue ich mich auf die Stadt. Irgendwie clickte es beim letzten mal, und ich hatte mich in all ihrer Seltsamkeit in „das Tor zum Sauerland“ verliebt.

    Aber die Welt schickt mich nicht nur zum Vergnügen nach Hagen. Vorher muss ich das Uni-Seminar „Angewandte Optimierung“ mit meinem Vortrag „Sensitivitätsanalyse des Begrenzungsvektors“ bestehen.

    Ich versuche, mich geistig neu zu arrangieren. Nach Weihnachten in Dithmarschen, Silvester in Hannover und der letzten intensiven Arbeitswoche, versuche ich mich voll in die gedankliche Welt „Uniseminar in Hagen“ zu werfen. Es knirscht im gedanklichen Gebälk.1 Aber es wird.

    Schritt 1: Meine Seminararbeit in Folien packen und dabei die Hinweise des Lehrstuhls berücksichtigen. Irgendwie hilf- aber auch arbeitsreich: „In Tabelle 2.2 ist ein Tippfehler“ oder „Überprüfen sie nochmal die Ergebnisse in Gleichung 3.7.“

    Das verspricht noch einige Arbeit, deren Ergebnis am Ende vermutlich eine geänderte Ziffer irgendwo in der Tabelle sein wird.

    Dabei überlegen: Stelle ich alles unter das plakative Motto „Wie kann ich Salat verkaufen“? Das wird vermutlich Anschaulichkeit und Erinnerungswert des Vortrags erhöhen. Aber vielleicht senkt es das Vertrauen in die mathematisch-wirtschaftswissenschaftliche Seriösität des Vortragenden.

    Aber, da es mein Vortrag ist, werde ich ihn natürlich unter das Motto stellen.

    Schritt 2: Die eigentliche Reise nach Hagen vorbereiten – insbesondere mich selbst koordinieren wann ich mit welchem Material wo sein muss. Ich fange damit an, dass ich die Präsentation in mindestens drei Kopien dabei haben möchte. Ich behalte im Hinterkopf, dass die Bildungsherberge, die mich beherbergen wird, am Ende der Welt liegt und ich ferienwohnungsartig selbst für mein Frühstück sorgen muss.

    Noch weiter verbuddelt im Hinterkopf beginne ich auch schon innerlich den eigentlichen Vortrag vorzubereiten. Dafür benötige ich immerhin kein Material und kann das auch im Zug oder in der Herberge fortsetzen.

    Gute Sache: Ich bin der allererste Vorturner im Seminar-Programm. Das heißt, ich bin im Mittwoch Vormittag durch und kann danach bis Samstag Spaß am Seminar und in Hagen haben.

    Madame, die ja unter anderem „Selbstorgansation während des Studiums“ unterrichtet, empfiehlt als Vortragsvorbereitung Mai Thi Nguyen-Kims Vortrag So hältst du einen guten Vortrag. Ich schließe mich dem an.

    The State of Wikipedia

    Zwischen Arbeitsmodus und Unimodus hatte die Welt in Form von Madame einen Wikipedia-Stammtisch angesetzt. Wieder in der Resonanz, wieder in kleiner Runde und wieder extrem angenehm.

    Thema: Sekundärzitäte und deren Problematik.

    Thema: Als Elter möchte man nicht im Berlin in der Kneipe sitzen und dann von zu Hause aus Potsdam die Nachricht kriegen „Wo ist der Verbandskasten?“ Immerhin verlief alles glimpflich. Es war eine Blutwunde, aber keine schlimme.

    Thema: Ein eisiger Wind zieht auf. Die Heritage Foundation (der Trump-nahe Think Tank) versucht den feuchten Traum jeglicher Diktatoren und Faschisten zu erfüllen: Anonyme Wikipedia-Autor*innen aufspüren und öffentlich machen, die ungenehmes Schreiben. Leider wird eine Bewegung, die sich im Umfeld von Elon Musk, Peter Thiel und den Tech-Mogulen from hell bewegt, sowohl das Geld wie auch die technische Expertise haben, um das umzusetzen.

    Wir fragen uns, ob Wikimedia dem etwas entgegensetzen kann. Die Organisationen haben soviel Geld und Mitarbeiter wie – aber auch so wenig Ahnung von der Wikipedia wie es jeden Außenstehenden erschüttern würde.

    Merken: Die heiße Zitrone ist echt lecker.

    Wir sind keine 80 mehr

    Die American Mathematical Society veröffentlicht einen Artikel: An der Wikipedia mitmachen für Mathematiker. (Princ-wiki-a Mathematica: Wikipedia Editing and Mathematics)

    In Friedberg (Hessen) erfand sich ein Jugendstil-Hallenbad als Theater wieder.

    Wie es der Zugbegleiterin ergeht, wenn sich Menschen vor den Zug stürzen. Hauptaufgabe: Verhindern, dass die Menschen im Zug am Rad drehen: Samstagsplausch 25/2 „Schattenseiten“

    Alle 56 Parteien, die an der Bundestagswahl teilnehmen möchten. Die müssen noch vom Bundeswahlleiter zugelassen werden. Bei der DÖNER-Partei oder der iNSDAP sehe ich wenig Chancen. (via mthie)

    Christa Chorherr kann schreiben Wir sind keine 80 mehr, geht aber noch mit den Enkeln in neumodische Restaurants.

    1. Etwas blöd, dass ich Montag keinen Urlaub genommen habe, und die ganzen Arbeitsgedanken noch nicht ganz so weit aus den aktiven Hirnregionen schieben kann, wie ich gerade gerne würde. ↩︎
  • 25-01-09 Fischsticker aus Steglitz

    25-01-09 Fischsticker aus Steglitz

    Der rbb24 titelt nebeneinander „Schnee wird erwartet“ und „Koks-Taxi hochgenommen.“ Schnee wird erwartet, aber kommt nicht.

    Währenddessen nähern sich die Brände in Los Angeles dem Hollywood-Zeichen.

    Die Ninja Creami droppt ihr Messer. Das ist unerfreulich – dann testen wir mal den Gewährleistungsprozess des Händlers.

    Madame erwarb eine Discounter-„Rettertüte“ mit andernfalls unverkäuflichen Lebensmitteln. Das bescherte uns so seltenes Januaressen wie Himbeeren oder Grüne Bohnen.

    Überraschendes vom Haus. Während die Hausverwaltung sich zum Thema „Silvesterrakete durchschlug Fensterscheiben“ erwartungsgemäß quer stellt, wurde der Beauftragte des Wohnungseigentümers tätig. Er schleppte ein kaputtes Oberlicht höchstselbst zum nächsten Glaser. Ich weiß nicht, ob ich emotional damit klarkomme.

    Auf dem Dachboden scheinen Arbeiten zu laufen, die sich nach dem Abflämmen von Teerpappe anhören. Das Dach selber fehlt weiterhin.

    Dafür teilte mir ein Kontaktformular-Bot (vmtl mit KI) der neuen Hausratversicherung mit, dass diese Gerüste am Gebäude nicht als bemerkenswerk ansieht. Ich möge die Versicherung bitte von einer Mitteilung über Baugerüste verschonen.

    Diesen „lesen“ der Kontaktaufnahme und die Antwort „Das müssen sie gar nicht senden – wollen sie trotzdem?“ ist mir neu und wirkt überraschend futuristisch.

    Offensichtlich fassten einige Kollegen einige Vorsätze für das neue Jahr. Auch ansonsten nehme ich einen frischen Wind der Abteilung wahr. Dieser war natürlich besonders deutlich, weil wir ein schickes Strategiemeeting beim Blumenfisch hatten. Ein Seminarraum, fast um die Ecke vom Büro, freundlich eingerichtet, freundlich begastgebert – Hauptsache wir essen nichts vom Obst der anderen Gruppe!

    Weil ich zu früh kam, gönnte ich mir ein kurzes Einhalten beim Blumenfisch-Café mit erster Arbeit. So mit gekauftem Kaffee und aufgeklapptem Laptop am Cafétresen kamen ungeahnte ich-bin-jung-und-arbeite-irgendeinen-wasmitMedien-Unfug-Vibes über mich.

    Der knirschende Organisationskörper, der sich zum Jahresstart in Bewegung setzt, lädt weiterhin Schmerzen bei mir ab. Mein knirschender Körper reagiert daraufhin mit Ruhebedürfnis. Außer Heimweg und Rückweg bleibt wenig.

    Immerhin nutzte ich den Heimweg, um in meiner Freizeit(!) mit eigenem Geld(!!) mein Lieblings-Arbeitsmaterial zu kaufen: Identische Fisch-Sticker mit denen jeweils zusammengehörige Mäuse und Tastaturen im Gebrauchtlagerbestand gekennzeichnet werden. Es hat sich über die Zeit als einfachste und zuverlässigste Low-Tech-Lösung erwiesen. Außerdem erfreut sie mein Herz.

    Einziges Problem beim Kauf: „Werken Spielen Schenken“ in der Steglitzer Schloßstraße leidet noch am Weihnachts- und Silvesterdekoansturm. Alle Regale sind leer. Es war nicht einfach Sticker in der richtigen Größe zu finden, mit denen sich jeweils Paare basteln ließen.

    Auf der Hinfahrt: Lebenspremiere im U-Bahnhof Schlossstraße. Anscheinend kam ich bisher mein ganzes Leben mit Bus oder Fahrrad an diesen Ort. Niemals fuhr ich U-Bahn. Was für eine tolle Pop-Architektur. Wie konnte ich sie bisher übersehen?

    Auf der Heimfahrt im M48-Bus ein live-Loriot-Impro-Theater. Zwei ältere Herren am Berlinern. Einer immer happy „Ach, guck mal! Da habe ich gearbeitet! Das war spannend! Schau! Was stehen hier für eindrucksvolle neue Bauten!“, der andere stets missgelaunt „Immer dieser Stau. Ich steig gleich aus! Hier steht gar nicht wo wir sind! Was soll das!“ Sie kamen glänzend miteinander klar.

    Grießschaum politische Verfolgung

    Herr Rau liebäugelt als Gründungsbibliothekar einer Schulbibliothek.

    Die Heritage Foundation, Autoren vom Project2025 und quasi der denkende Arm von MAGA, kündigt an, Wikipedia-Autoren verfolgen zu wollen, die ungewünschtes Schreiben. Vorerst mit der klassischen Taktik des Doxxing, also veröffentlichen von Namen und Adressen. Scoop: Heritage Foundation plans to ‘identify and target’ Wikipedia editors

    Dabei entdeckt. Es gibt in der englischen Wikipedia eine Seite über Personal security practices für Wikipedianer*innen.

    Auch eine mögliche Reisevorbereitung. Die Zubereitung von Roosamanna ehk mannavaht – Rosa Fruchtmousse oder Grießschaum aus Estland

    Lidl macht jetzt in schick. Discount deluxe: So versucht sich Lidl in Berlin als Warenhaus-Retter

  • 24-12-01 Vom Zuhören (Stille – Cluster – Da da da daa)

    24-12-01 Vom Zuhören (Stille – Cluster – Da da da daa)

    2024 unifrei! Nach der Seminararbeitsabgabe am Donnerstag und der letzten kleinen Einsendeaufgabe am Freitag sind die Fernuni-Pflichttermine beendet. Zur Feier des Abends öffneten wir die Flasche Champagner, die hier schon viel zu lange auf einen besonderen Anlass herumwartet – und immer wenn ein Anlass sich anlasste, waren wir nicht in Champagnerlaune.

    Jetzt geht es Mitte Januar weiter mit der nächsten Einsendeaufgabe und dem Präsenzseminar zur Seminaraufgabe.

    Im Rausch ob des erreichten Reichs der Freiheit machte ich was man in Freiheitsextase halt so tut: Ich erstellte eine Excel-Mappe. Sie heißt „Dezember/Weihnachten 2024“. Danach war der Rausch der Freiheit wieder vorbei. Aber ich habe wieder vage einen Überblick über ein paar Wochen Leben.

    Auch erledigt: Urlaubsanträge für 2025 eingetöckelt. Dabei freie Tage für die Bachelorarbeit vorgemerkt. Für die Bachelorarbeit! Diesen Sommer schon. Es fühlt sich sehr merkwürdig und ein wenig erschreckend an.

    Professioneller macht das Kollege W, der nächste Woche an der Excel-Weltmeisterschaft in Las Vegas teilnehmen wird. Er ist schon vor Ort. Wie ich ihn einschätze wird er alle Verlockungen Las Vegas‘ ignorieren um Speedexceltraining zu absolvieren. Von den vielen Absurditäten, die einem das Berufsleben beschwert, stand „Du-wirst-mit-einem-Excel-WM-Teilnehmer-zusammenarbeiten“ auf gar keiner meiner erwarteten Listen.

    Habe wegen Glasfaser mit der Telekom-Hotline telefoniert; als jemand der auch die Anbieter-Seite von solchen Hotlines gut kennt, war ich beeindruckt ob des Ablaufs. Respekt.

    It wasn’t me. Tatsächlich freue ich mich ja über jeden Baustellenlärm, den er sagt mir, wir kommen einem Dach über dem Kopf wieder näher. Außerdem wären wir viel zu langweilig, um Waffen, Drogen oder Munition im Hause zu haben.

    Die Dachbodenbauarbeiten fuhren letztens Eisenträger mit dem Fahrstuhl nach oben. Das ist erfreulich, denn es zeigt, dass die Baustelle sich schon wieder in der Phase Aufbau befindet und die Phase Einreißen beendet hat. Allerdings bringt jede Bewegung der Träger über das Dach auch ein vollkommen neues Maß der Erschütterungen in unsere Wohnung.

    Ich glaub, dieser Christian Lindner ist gar nicht so helle, wie er von sich selber denkt.

    Madame coachte mit der Pferdemetapher und freute sich ob ihres größten Vorteils: Sie hat keine Ahnung von Pferden und kann deswegen frei erfinden.

    Digitalisierung bedeutet, sehr viele (nahezu alle) organisationsinternen Prozesse anzufassen, und in eine digitale Form zu überführen. Dafür muss man erstmal verstehen wie diese Prozesse funktionieren.

    Letztens musste ich aus heiterem Himmel an des Lumpenpacks Hit Hauch mich mal an denken.

    Berlin-Mitte-Mitte ist ein eigentümliches kulinarisches Ödland. Entweder man muss zu Mr. Kebab oder noch schlimmeren Touri-Abfüllstationen oder gleich zu Nobelhart & Schmutzig oder dem Borchardt (okay, am Ende auch Touri-Abfüllstationen, nur auf einem anderen Preisniveau). Dazwischen gibt es wenig.

    Das ist misslich, denn Mitte-Mitte bietet auch verschiedenste abendlich Ausgehgelegenheiten, die wir gerne mit Essen davor und Wein danach verbinden würden. Wenn es denn ginge. Da war dieser Samstag erfolgreich: das Avan in der Mauerstraße erwies sich unkomplizierter japanischer Vietnamese (oder vietnamesischer Japaner), bei dem das Essen wirklich hervorragend war.

    Die Bar im Foyer des Hiltons an Gendarmenmarkt war ein angenehmer unkomplizierter Zwischenort, in der wir mit Professor Transformation und der Urberlinerin noch Gin Tonic und Tee tranken, lauschend einem Barpianisten, der zu meiner großen Freude Billy Joel spielte.

    Cage – Ligeti – Bach – Beethoven

    Billy Joel allerdings hatte uns nicht nach Mitte gelockt. Uns lockten die größten Kracher der klassischen Musik des 18., 19. und 20. Jahrhunderts. Oder wir Joana Mallwitz, Chefdirigentin und künstlerische Leiterin des Konzerthausorchesters Berlin, sagte: Zentrale Werke der Musikgeschichte.

    Faszinierend: Während ein Johann-Sebastian-Bach noch das unbekannteste Werk auf der Programmliste war, wirkte das Programm in Kombination frisch und originell. Unter dem Titel „Der Klang des Weltalls“ spielten Konzerthausorchester unter Joana Mallwitz und Iveta Apkalna (Orgel):

    • John Cage: 4:33
    • Györgi Ligeti: Atmosphères
    • Johann Sebastian Bach: Fantasie und Fuge c-Moll BWV 537 für Orgel in der Bearbeitung für großes Orchester op. 86 von Edward Elgar
    • Ludwig van Beethoven: Sinfonie Nr. 5

    Im ersten Teil fast faszinierender als die Stücke selber: die bruchlosen Übergänge, die Mallwitz spielen ließ. Von der absoluten Stille des Cages in den „87-Instrumente-spielen-87-verschiedene-Halbtöne“-Anfang von Ligeti. Vom überraschend kurzen Ligeti als wir uns alle zu unserer Überraschung in der Bach/Elgar-Fuge wiederfanden.

    Gelernt: 4:33 Stille in einem ausverkauften Konzertsaal macht etwas mit einem. Es wirkte beinahe wie eine Prüfung des Publikums.

    Zweiter Teil: Die Symphonie, die so bekannt ist, dass echte Spitzenorchester sie auch kaum noch wirklich spielen. Hart, etwas zu spielen, das wirkliche jede*r im Publikum im Ohr hat. Aber okay, Meisterwerk, müssen wir nicht drüber reden.

    Joana Mallwitz redete darüber. In einer Einführung. Sofort wurde klar, warum Berlin ihr zu Füßen liegt: Diese Mischung aus Humor und Kenntnis, die Fähigkeit ihre Begeisterung für die Werke auf das Publikum zu übertragen, begeistert. Zum Ligeti – bekannt natürlich als Filmmusik aus 2001 Space Odyseey – spielte sie noch kurz die anderen beiden Stücke Also sprach Zarathustra von Richard Strauss und Die Blaue Donau von Johann Strauss an.

    Sie erklärte, dass Beethoven die Frage beantwortete wie ein großes Orchester eingesetzt werden kann – mit der Symphonie als Königsform mit Melodie, Harmonik und Rhythmus. Und wie Ligeti diesselbe Frage ganz anders beantwortet – ohne Melodie, ohne Rhythmus und die Harmonik in Clustern – alle Halbtöne eines Intervalls werden gespielt.

    Der Flügel war nur zur Einführung anwesend. Danach: Orgel.

    Direkt bevor die Musik startete, eine zweite ungeplante Ansprache. Mallwitz sprach darüber, wie sehr Zuhören ihr als Konzept am Herzen liegt, gerade heute. Wie sie 4:33 ins Programm setzte, um die Bedeutung des Hörens und gegenseitiges Zuhörens deutlich zu machen, wie sehr die klassische Musik dazu beiträgt diese Fähigkeit zu schulen. Und sie sprach darüber wie sehr die „sehr kurzfristigen, planlosen und einschneidenden“ Finanzkürzung des Berliner Senats diese bedrohen. 4:33m Stille nicht mehr nur als Aufforderung sondern als Bedrohung. Denn die großen Konzerte werden weniger gekürzt, sondern die Vermittlung, die experimentellen Formate – das was die Kultur lebendig und wertvoll hält.

    Man mag ihr wünschen, dass im Publikum dieses großen Abo-Konzerts genug weißhaarige CDU-Granden saßen, die mal ein Wort mit ihrem Bürgermeister oder Kultursenator reden.

    Da da da daa!

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    Fundstück: Mehr darüber wie 2001 Space Odyseey die Musik von Györgi Ligeti einsetzt: How 2001 Uses György Ligeti’s Music

    Daniel Hähnel über betriebsbedingten Stellenabbau, Zukunftsängste und das geänderte Mindset, wenn man sowas öfters durchmacht.

    Frau Herzbruch über professionelle politische Kommunikation, nicht so professionelle politische Kommunikation und Feldschlachten via Pyramide.

    Dieses Kochbuch ist eine echte Kostbarkeit. Wallys Mutter hat es handgeschrieben, es ist mehr als hundert Jahre alt und eng papiersparend angefüllt mit Rezepten für Alltag und Festlichkeiten

    Wenn du ein gebrauchtes Auto kaufst und einen Schalter findest, der nirgends in der Bedienungsanleitung erklärt wird: What does this button do?

  • 24-11-28 Chaos bei Knaus-Tabbert

    24-11-28 Chaos bei Knaus-Tabbert

    Sie ist weg, weg und ich fühl mich ein klein bisschen ausgebrannt. Heute um 17:17h ging die Seminararbeit Sensitivitätsanalyse des Begrenzungsvektors in die Mail. Natürlich fallen mir zum Ende hin immer noch tausend Sachen ein, die ich noch verbessern könnte. Aber ziemlich sicher hatte ich den Zustand eklatanter Verschlimmbesserung erreicht, in der ich eine Kleinigkeit verbessere und gleichzeitig zwei andere Sachen schlechter mache denn zuvor. Also weg, weg, damit.

    Pro: Dank LaTeX ist es die mit Abstand bestaussehendste Uni-Arbeit, die ich je irgendwo abgab. Und ich widerstand meinem Drang kurz vor knapp alles umzubauen und habe lieber die Fassade weiter verputzt und Formalien überprüft.

    Kemenaten-Time: Vom mobiles-Arbeiten-Schreibtisch an den Uni-Schreibtisch – der ja derselbe Schreibtisch ist. Am mobiles-Arbeiten-Tisch lernte ich mehr über virtuelle Dokumentenmappen im Unterschied zu Dokumentenbibliotheken als ich je wissen wollte. Draußen hat es vielleicht geregnet. Oder die Sonne schien. Schnee? Keine Ahnung.

    Aus Madame-Hafenstadt-Gründen stehe ich um fünf Uhr morgens auf. Versuchte, in der mobilen Mittagspause etwas Schlaf nachzuholen. Mir träumte, ich hätte eine leere Pfanne auf dem voll aufgedrehten Gasherd stehen lassen. Das Mittagsdösen beendete sich abrupt.

    Brandenburg bekommt ein BSW-Finanzministerium. Wir bleiben gespannt.

    Die Bahn schafft die weißen Aushänge ab, auf denen Zug-Ankunftszeiten angezeigt werden. Ich kann mir den gigantischen Aufwand vorstellen, den es benötigt alle diese Aushänge zu produzieren und in den richtigen Schaukasten zu bringen. Ich kann mir vorstellen, warum die Bahn den Aushang-Aufwand gerne los werden würde.

    Andererseits ist so ein Papieraushang gegenüber App und elektronischer Anzeige sowohl niederschwellig benutzbar sowie unempfindlich gegenüber Störungen, neudeutsch ist er geradezu resilient. Ob man nicht ganz generell zur Zeit wieder störungstoleranter planen sollte?

    Damals als wir noch eine physische FAZ ins Haus bekamen, war der Dienstag ein Highlight. Dienstag lag der Technik-&-Motor-Teil bei. Irgendwo hinten besprach Hans-Heinrich Pardey mit tiefer Liebe und Kenntnis alle Details der Fahrradtechnik.

    Etwas weiter vorne lernten wir vieles über diese komplett andere Welt, die Wunderwelt der Wohnmobile und ihrer Inneneinrichtungen. Irgendwo da draußen gab es ein Leben, dass sich um Küchen drehte, die auch in Büroschreibtische umgewandelt werden konnte, fahr- und drehbare Betten und Luxusduschen auf einem viertel Quadratmeter Grundfläche. So exotisch und doch in seiner Beständigkeit so zuverlässig wie das Rauschen des Meeres oder der Autobahn. Könige dieser Welt waren Knaus-Tabbert, die emsig WoMos bauten und jedes Jahr Gewinn- und Umsatzrekorde erzielten.

    Es waren selige Zeiten. Denn 2024 gilt auch dort: Chaos, Untergang, Verfall. Razzia bei Knaus-Tabbert informiert mich der Bayerische Rundfunk. Hunderte Polizist*innen1 stürmten das Werksgelände, zwei Manager nahmen sie gleich mit. Der Börsenkurs ist im Keller, die Produktion zeitweise ausgesetzt. Wenn man sich nicht einmal mehr auf diese Parallelwelten verlassen kann.

    Jetzt erstmal die Bibliotheksbücher zusammensuchen, die ich am Ende doch nicht nutzte, die aber nach Hagen zurücksollten.

    Nähen, Kochen, Haare schneiden

    Debbie schreibt eine Anleitung für Deutsche wie sie in Deutschland Thanks-Giving-Dinner machen können. Mit Verweis auf ein verlinktes Excel-Sheet: Thanksgiving Dinner in Germany

    Bei der Kaltmamsell wird in den Kommentaren über nähen oder kleben diskutiert und am Folgetag über Nudelköpfe,

    1. Sternchen von mir eingefügt. Der Bayerische Rundfunk doch nicht! ↩︎
  • 24-11-26 (Gal, 1973, S. 70)

    24-11-26 (Gal, 1973, S. 70)

    Madame testete zum Abendesse eine Speise aus Goldfischfutter Sojageschnetzeltem. Sie fand es in der Konsistenz besser als Tofu; ich bin skeptisch. Aber ich mag Tofu auch lieber als sie es mag. Auf jeden Fall ist der Goldfischfutterbeutel ein platzsparender Proteinvorrat in der Küche für Momente des Einkaufsnotstands.

    An den Folgetagen betätigte sie sich als Leguminati. Der der kleine Crocky kam wieder einmal dafür zum Einsatz, Linsen zuzubereiten. Alleine dafür lohnte seine Anschaffung. Und Milchreis könnte er auch mal wieder herstellen.

    Holt schon mal die Schilder aus dem Keller und sucht die Trillerpfeifen. Ein Kollege machte mich darauf aufmerksam, dass am 31.12. der TVÖD ausläuft und Tarifverhandlungen anstehen. Ich rechne zumindest mit symbolischen Streiks.

    #TeamHabeck ist bereits jetzt anstrengend. Dabei findet die Bundestagswahl erst in 12 Wochen. Ich sehe es kommen, am Ende wähle ich aus lauter Genervtheit die Partei für ganzheitliche Gesundheitsforschung.

    Die Steiermark und Rumänien wählten. Die Ergebnisse liegen jenseits meiner Kommentarfähigkeit. Gleichzeitig stimmte die Schweiz gegen Autobahnausbau. Würden die Menschen am Ende nicht immer Faschisten wählen, fände ich die aktuelle Unberechenbarkeit des Wahlvolks hochspannend.

    Picobello sauber ist kein Begriff der dieses Mietshaus bezeichnet. Aber auch hier gibt es Abstufungen: Montag morgen hatte jemand einen kompletten Karton mit neuen Dokumentenhüllen direkt vor die Haustür gekippt. Warum?

    Auch die Dachbodenbaustelle ist fleißig. Seit dieser Woche auch mit kräftiger Baustellenbeleuchtung für Arbeiten nach Sonnenuntergang.

    Nur der Taubenschwarm, der sich friedlich auf dem verlassenen dachlosen Dachboden eingerichtet hatte, irrt immer noch etwas verloren durch das Baugerüst.

    b_{NN} \leq 20 \pm \delta

    Meine Haushaltsarbeit hält sich in Grenzen. Zu sehr thront noch die Seminararbeitsdeadline in der Woche. Einzig die Erwerbsarbeit ist kaum verhandelbar. Sonst versuche ich möglichst komplikations- und aufwandslos an den Schreibtisch zu gelangen und dort zu bleiben.

    Die Seitenzahl stieg inzwischen auf 10 (von notwendigen 12). Inhaltlich geht es voran. Ich denke, wenn ich gleich sofort abgeben müsste, würde ich mit Überleitungen und Erläuterungen schon auf die geforderte Länge kommen. Jetzt geht es vor allem darum, die Qualität emporzuheben aus den Niederungen meines bisherigen Unwissens.

    So arbeite ich mich durch Dantzig (1947), Manne (1953), Gal (1973), Gal (2001), Stepan / Fischer (2009) und Bergonovo (2017) im Versuch meinen Erklärungen etwas mehr Substanz zu verleihen. Inzwischen denke ich auch, mein Nugget-Pommes-Modell könnte etwas mehr mathematischen Glanz vertragen – aber erst einmal den Rest fertig machen bevor ich mir dort wieder Arbeit aufhalse.

    Extraherausforderung: mein erstes echtes Dokument von >1 Seite in LaTeX. Ich fühlte mich bestätigt: ich kann den größten Stuss schreiben und es sieht trotzdem extrem professionell aus. Auch bestätigt: Die Kontrolle, die ich über Aussehen und Anordnung der Arbeit habe, ist phänomenal.

    Aber auch den Erwartungen entsprechend: Hätte ich nicht eine Suchmaschine zu Hilfe, in der ich andauernd Syntax und Befehle nachschlagen könnte, wäre ich im gegebenen Zeitrahmen hoffnungslos verloren.

    Vielleicht ergründe ich auch noch, warum das Symbolverzeichnis inzwischen „Symbolverzeichnis“ (auf deutsch) heißt, die Ebene darunter aber trotzdem von „Symbols“ und „Descriptions“ redet.

    Kanon

    Ich fürchte die Schilderung ist mehr oder weniger real so passiert.

    Die NZZ kürt einen Kanon der 100 wichtigsten Bücher des 21. Jahrhunderts. Zumindest bei den Büchern, die ich davon kenne, wie Löwen wecken oder Die Jakobsbücher, würde ich mich der Wertung anschließen.

    Nicht kanonisch aber ikonisch für das Kino des 20. Jahrhunderts ist der gelbe Trainingsanzug von Bruce Lee. Ich wiederentdeckte ihn durch seine nicht ganz so sportliche Reinkarnation als Taskmaster-Phil-Wang-Bekleidung.

    Die städtebauliche Umgebung um die Südkreuz Offices hat starkes Verbesserungspotenzial. Nein, eigentlich besteht sie nur aus Verbesserungspotenzial. Aber es gibt einen Anfang. Die Bauzäune sah ich schon live:

    Die Bürgersteige und Knotenpunkte werden barrierefrei gestaltet und ein neuer Radweg auf dem Niveau des Bürgersteigs geschaffen. Vom Autoverkehr trennt ihn künftig ein kombinierter Park- und Pflanzstreifen. Außerdem geplant ist, schattenspendende Bäume zu pflanzen. (Eine Straße verändert ihr Gesicht)