Schlagwort: Sommer

  • 26-07-12 Chopin mit nasser Hose (Frankfurt(Oder) -> Warschau)

    26-07-12 Chopin mit nasser Hose (Frankfurt(Oder) -> Warschau)

    Am Bahnhof Warszawa Centralna steht ein Chatschapuri,-Automat.

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    Am Bahnsteig in Frankfurt ein Zwillingspärchen im Partnerlook. Zumindest auf den ersten Blick. Auf den zweiten hatten sie beide weiße Sneaker, aber verschiedene Modelle, beide eine marineblaue Hose, aber verschiedener Schnitt, beide weiße Oberteile – einmal Bluse, einmal etwas jackenähnliches, beide weiße Kopfhörer (einmal kabellos, einmal mit Kabel). Das war Partnerlook für Fortgeschrittene.

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    Hallo Berlin. Ich möchte es nur gesagt haben. Wir sind jetzt ziemlich kreuz und quer durch Warschau, seine Metrostationen und Bahnhöfe. Und jede einzelne Rolltreppe funktionierte. WIe auch die komplette sonstige Infrastruktur. Bitte Berlin nimm dir ein Beispiel.

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    Speedblogging die zweite: mal schauen wie weit sich das reisende ich vom bloggenden ich absetzen kann.

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    Es waren anderthalb Reisetage. Glaube ich.

    EC47

    In der Sitzreihe hinter uns in Wagen 267 saß ein deutsches Paar – anscheinend bereits in Alter beginnender Schwerhörigkeit – das anscheinend seinen ersten Warschau-Besuch plante. Auf jeden Fall las er ihr über Stunden aus einem Warschau-Reiseführer vor. Das war manchmal interessant, manchmal anstrengend und für uns beide zwischendurch hilfreich beim Einschlafen in den Zugschlaf.

    Denn, wie zu ahnen, sobald wir die Oder überquert und den Einzugsbereich der Deutschen Bahn hinter uns gelassen hatten1, lief alles reibungslos, selbst die Sitze waren hoch genug, dass ich meinen Kopf anlehnen konnte, und wir konnten entspannt zwischen Posen und Kotnu zwischenschlafen.

    Hola Oder

    Polen ist leer, aber hübsch. Im Zug, zumindest in Wagen 267, waren diesmal überraschend wenige Polen auf Heimreise und überraschend viele Deutsche im Urlaub. Das Paar vor uns holte Pierogi aus dem Speisewagen, das Personal war nett, und wir haben, hallo Deutsche Bahn, zwischendurch auch gesehen, dass Toiletten gereinigt wurden.

    Fancy schmancy wie Komfort Check In oder App-Bestellung am Platz gab es natürlich nicht. Aber auch wenn der Satz für jemand, der selber berufliche „Digitale Transformation“ macht – Züge, die dann abfahren und ankommen wie angekündigt sind am Ende halt geiler als Komfort Check-In.

    Railmap-Screenshot: Einfahrt in Warschau

    Und so schaute ich auf der Railmap wo wir langfuhren und freute mich, dass wir wie geplant um 1704 im Warszawa Centralna einliefen und 200 Meter später im Hotel standen.

    Saturday my feelings alright

    Wo kamen sie her die Menschen? Wo kamen sie her die Kleider? Auf den wenigen Metern von Centralna zum Polonia Palace sahen wir mehr aufgebrezelte junge Menschen, als im letzten Jahr Berlin zusammen. Das war auch nicht mehr polnisch-nightlive-chic, das war Hochzeit / Festlicher-Abiball.

    Wir bekamen es nicht heraus?

    Wir aber waren erst einmal froh das Hotel mit Sicht auf den Kulturpalast zu haben, im vielleicht besten Bett der Reise zu schlafen und anzukommen. Hallo Urlaub!

    So erdbeerig wie pilzig

    Wenn man das zweite mal in zwei Jahren in ein Lokal geht, und vorhat das wieder zu tun, dann ist das ein Stammlokal. Das Browar Warszawskie in der Ex-Brauerei von Haberbusch i Schiele2 ist ein solches. Fancy genug, um etwas besonderes zu sein, bodenständig genug, dass ich mich auch nach einem langen Reisetag im T-Shirt nicht komplett fehl am Platz fühle.

    Das Essen ist vage polnisch, aber in chic, das Publikum bunt gemischt zwischen Warsawa Party People am Shisharauchen und festlich angezogenen Tourist*innen. Und vor allem können sie kochen,

    Wir aßen: Duck Soup (Madame) bzw. kalte Erdbeersuppe (ich) als Vorspeise. Danach Boeuf Stroganoff (ich) bzw. den Filet Mignon Burger (Madame) als Hauptgang und wir teilten uns Chocolate Fondant mit Biersauce und polnischem Blauschimmelkäse als Dessert.

    Die Erdbeersuppe schmechte nach dem Besten was Erdbeeren so können, das Boeuf mit Pilzen nach dem Besten was der Wald bietet, und diese Schoko-(milder)Blauschimmelkombinatiin: So großartig.

    Jederzeit wieder.

    Erdbeerige Erdbeersuppe. Quasi Konzentrat der Erdbeerigkeit mit Scharf.

    Kimchi und Duschmatte

    Einst, 2023, waren wir im Zuge der Polen-Rundreise ein paar Tage in Warschau. Wir hatten dort das mit Abstand schlechteste und teuerste Hotel der Reise, zuckten aber leicht resignierend mit den Schultern: „Warschau halt“. Mit großen Augen liefen wir am Polonia Palace vorbei, das schon von außen versprach ein tolle Erfahrung zu bieten, aber auch nach unbezahlbarem Grand Hotel wirkte.

    Wir hatten halb recht: Grand Hotel stimmt irgendwie. Aber es kostet nicht mehr als das leicht verrotete besseres Hostel zwei Straßen weiter. Der BWLer in mir versteht nicht, wie das funktioniert, aber der hat ja auch gerade Urlaub. Deshalb freue ich mich am gigantischen Zimmer, einem Zimmerservice, der sofort Duschmatten bringt wenn benötigt, einem richtig guten Bett, richtigen guten Möbeln und einer Soundanlage, die Fernseh- und Radioton in das Badezimmer mit der Badewanne überträgt.

    Und ach, das Frühstück, ich war überfordert: Frisches Obst, frisches Gemüse, viel Salat, Ei in gerührt, gespiegelt und hartgekocht, frische Waffeln, Bratäpfel mit Beeren, Käsekuchen, Tapioka-Pudding, überbackene Tomaten, Makrelen, Hering, Kimchi(!), Grünkohl-Smoothies, süße Pierogi.. und irgendwann konnte ich nicht mehr.

    Kurz überlegten wir einfach so ausgiebig zu frühstücken, dass wir den ganzen Tag nichts mehr brauchen, aber das wäre dann später auch schade gewesen,

    An diesem Eingang liefen wir einst vorbei und schmachteten das Hotel an. Nicht ahnend, dass wir 2026 das Zimmer genau darüber im 1. Stock belegen würden.

    Am Klavier Karolina Nadolska

    Wenn wir schon Stammhotel und -restaurant haben, können wir auch Stammbeschäftigungen entwickeln in der Stadt: Das Chopin-Konzert zum Beispiel. Seit 1959 finden jeden Sommer jeden Sonntag Chopin-Klavierkonzerte am Chopin-Denkmal im Łazienki-Park statt.

    2023 hatten wir uns vor der brutalen Hitze in den Park geflüchtet, lagen um 12 reglos irgendwo unter dem Busch im Schatten und stolperten eher zufällig ins Konzert. Wir waren aber angefixt genug, um die zweite Runde um 16 Uhr auch mitzunehmen. Besser vorbereitet, es war auch nicht mehr ganz so brülledn heiß, aus einer Sitzbank außerhalb der Sichtweite des Klaviers aber in Hörweite.

    Diesmal waren wir noch besser vorbereitet: Wir hatten eine Unterlage mitgenommen, um uns auf den Rasen direkt am kleinen Teich am Denkmal zu setzen. Leider war es diesmal aber nicht heiß, sondern vorher war ein Wolkenbruch herniedergegangen: in 10 Minuten waren die Handtücher durch, in 20 Minuten die Hosen und in 30 Minuten die Unterwäsche.

    Was machten wir nicht alles für ein wirklich schönes Konzert von Karolina Nadolska am Klavier.

    Luftwurzelschauen

    Das Konzert war schön aber nass. Danach waren wir nass und leicht durchgefroren. Zurück ins Hotel zu fahren, wäre eine Idee gewesen. Aber ich wollte nicht, wo der Urlaub gerade erst angefangen hatte, gleich mit einer Pause beginnen.

    Glüclklicherweise liegt neben dem Łazienki-Park gleich der Botanische Garten der Universität Warschau, und in diesem ein Subtropenhaus und ein Palamarium.

    Waren wir 2023 noch in den Park geflüchtet um den 37 Grad Außentemperaturen zu entkommen, flüchteten wir uns 2026 ins Palmarium aus der Flucht vor den nasskalten 19 Grad – beides im Juli.

    Wir schauten Orchideen und mehr Orchideen, die Klassiker wie Kaffee, Bananen und Kakao, und mehr Orchideen und eine wirklich schicke Abteilung mit fleischfressenden Pflanzen. Mal ausnahmsweise nicht als Einzelpflanze sondern in größeren Gruppen in einer ganzen Anlage.

    Ebenso spannend wie erwärmend,

    Nachdem wir uns dank Tropenhaus wieder etwas aufgewärmt hatten, ging es in den Freiluftteil des Botanischen Gartens. Danach brachte uns die Metro zur Führung durch die Reste des Warschauer Ghettos und danach zur Weichselpromenade. Aber das soll ein andernmal erzählt werden.

    Verkehrsmittelzählung

    (Stand Botanischer Garten Warschau):

    1 Fernzug, 1 Regio, 2 S-Bahnen (Berlin), 5 Trams (2, Ffo, 3 Warschau), 2 Busse (Warschau); hinzugekommen 2 Trams, 2 Busse (Warschau Essengehen), 1 Tram (Fahrt in den Łazienki-Park)

    Links

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    Karen ist auf ihrer Halbeuropatur durch Deutschland durch: Halbeuropatour ’26 (4): Prag

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    Als Künstlerin mit Kind: [W]enn aufbauten besonders lange dauerten durfte anton auf den fernsehern, die ich in meine arbeiten einbaute, kinderfilme auf vhs-kassetten schauen.

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    Herr Rau über seine Filmgeschichte: Nickelodeon (Peter Bogdanovich 1976) und Filme der 1970er Jahre

    Die Reise

    Anmerkungen

    1. Der Fairness halber sei noch erwähnt, dass die Deutsche Bahn was Streckenlängen und -zahl, Menge der Zugfahrten und Menge der Passagiere in einer ganz anderen Liga spielt als die PKP. Eine gesellschaftliche Diskussion sähe anders aus. Aber die Diskussion „Meine Bedarfe als zugfahrender Urlauber“ ist ein stehender K.O.-Sieg in der ersten Runde für die PKP. ↩︎
    2. Haberbusch i Schiele sollten wir später noch einmal bei der Warschauer-Ghetto-Führung treffen. Aber später, ↩︎
  • 26-07-09 Samedi 29 juillet: Ich bin Tochter des Korsaren

    26-07-09 Samedi 29 juillet: Ich bin Tochter des Korsaren

    Madame lud Ms. Bilanz zum Pistazieneis a la casa in la casa ein.

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    Der Kaptain erzählte vom Bad-Bramstedt-Besuch. Alles nicht so einfach dort. Vor allem weil es nicht Dithmarschen ist. Aber der Kaptain konnte helfen.

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    Post und vor allem PIN haben auch nach Monaten der Gewöhnung noch Probleme, unseren Briefkasten zu finden. Wir bekamen am Ende doch mehrere Briefe mit Aufklebern „unbekannt“ oder Stempeln „unbekannt verzogen“ übergeben.

    Ich überzeugte meine Arbeitgeberin, meiner Postadresse noch eine Wegbeschreibung hinzuzufügen.

    Madame war im Bürgeramt am Hohenzollernplatz, ausprobieren, inwieweit auch behördliche Prozesse Anmerkungen bei der Postadresse zulassen. Wir hatten Glück: Die Wegbeschreibung steht so auch im Mietvertrag und ist somit offiziell genug für ein Berliner Bürgeramt.

    Jetzt müssen wir noch auf die Lesefähigkeiten des Briefbot*in vertrauen. Immerhin weiß das Bürgeramt auch schon, dass PIN-Bot*innen anscheinend jede Woche ihr „Revier“ ändern und pro Brief genau drei Sekunden Suchzeit haben oder so.

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    Kaum fahre ich mal eine Woche lang nicht mehr mit Ringbahn, schon ist die Rolltreppe der Gegenwart ganz verschwunden. An ihrer Stelle klafft ein Loch.

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    Es war radelnde Arbeitstage inmitten eines well behaved summers.

    Nicht vergessen: Beim Funkhaus einmal grüßend an den Helm tippen

    Den Fahrradhelm vergaß ich schon wieder.

    Aber langsam groovt es sich ein. Langsam beginne ich auch auf der neuen Strecke ein Kurven- Hubbel- und Bremsgedächtnis zu etablieren. Auch der optimale Fotoschlenker auf die Stadtparkbrücke entsteht. Es wird nicht mehr lange dauern, dann läuft die eigentliche Strecke im Blindflug. Dann kann ich mich ausschließlich auf den Verkehr konzentrieren, den Wind im offenen Haar spüren und Glasscherben ausweichen. Denn vorausschauend fährt es sich am besten, wenn ich im Vorhinein weiß was kommt

    Südkreuz-Office-Tiefgarage. Mensch beachte das inzwischen durchgehende Anti-Tauben-Netz unter der Decke.

    Der Rückweg führte am KaDeWe vorbei hin zum Schuhdiscount. Ich brauchte noch gute lauffähige Schuhe für touristisches Stadtlaufen, die nicht schon vorher halb am auseinanderfallen sind. Endlich wieder einmal der nette Weg durch’s Bayerische Viertel Richtung Wittenbergplatz.

    Verregneter Blick den Tauentzien hinunter Richtung Europacenter, Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche, Shoe City Outlet und Hochhäuser am Zoo.
    West! West! Westberlin!

    Getrieben vom eigenen Schwung die letzten Meter bis zum Beckenrand gleiten lassen

    Anscheinend gehen die Eichenprozessionsspinnerabsperrbänder zur Neige. Am Hans-Baluschek-Park war ein Großteil der betroffenen Bäume nurmehr durch ein aufgespraytes „E“ in rosa gekennzeichnet. Denn, gute Nachricht, ich radelte wieder einmal durch den Hans-Baluschek-Park, der Südkreuz und Insulaner miteinander verbindet.

    Langsam kommt zusammen, was zusammen gehört: Freibad und Fahrrad, der kleine After-Work-Ausritt zum Insulaner, ein Abendplantsch und dann weiter in die Wohnung. Ich hatte ihn vermisst, den Fahrradhain: vom Format einer Halle, fast durchgehend beschattet, und doch angenehm luftdurchzogen und soweit ich sah ohne Eichenprozessionsspinner.

    Vielleicht, wenn das nächste mal 35 Grad plus sind, und ich nicht mehr in das Freibad gehen mag, stelle ich mich einfach dort hin, genieße Schatten und Lufthauch.

    Noch aber muss ich mir die Gedanken nicht machen: noch herrschten 23 Grad bei strahlendem Sonnenschein. Ich konnte hinein, die Kabane genießen1 und noch mehr konnte ich das leidlich leere Becken genießen: ein bißchen Kraul-Total-Immersion üben, ein bißchen mehr rumwabern und ein bißchen auf der Beckenterrasse das Wetter genießen.

    Danach übte ich den neuen Rückweg nach Wilmersdorf. Ich stellte fest, ich radle direkt am Rüdi vorbei. Die ganzen schicken Fachgeschäfte für das verwöhnte Bürgertum haben zu dieser Zeit zwar schon geschlossen, aber die BioCompany und vor allem der Rüdesheimer Weinbrunnen sind noch geöffnet.

    Gerne wieder.

    Leichtigkeit Vielleichtigkeit

    Tja, Sommer. Dieses Jahr übt er noch. Ich liebe Sturm bei 22 Grad, glaube aber ich bin damit eher allein. Dennoch besser als 41 Grad. Solange der vor-der-Haustür-Sommer noch seine Gestalt sucht, gehen wir ins Kino, schauen Sommer von vor 30 Jahren prä-Klimaerwärmung. Eric Rohmers Conte d’été / Sommer von 1996 lief im Ciné Club, der Reihe mit französischen Klassikern im Cinema Paris.2

    Der Mathematik-Absolvent und unentdeckte Shanty-Komponist Gaspard (Melvil Poupaud) verbringt einige Sommerwochen zwischen Uni-Abschluss und Berufseinstieg, zwischen Mittjuli und Augustanfang am Strand der Bretagne. Die Tage werden einzeln mit einer Art Kalendereinblendung aufgezählt, was dem Film einen leicht dokumentarischen Hauch verleiht.

    Dort, im Badeort Dinard, wartet er auf seine vielleicht-Freundin Lena (Aurélia Nolin), die er vielleicht liebt. Während er wartet, lernt er Margot (Amanda Langlet) kennen, die ihn vielleicht liebt und er vielleicht sie. Margot, macht ihn mit Solène (Gwenaëlle Simon) bekannt.

    Gaspard liebt vielleicht Solène, diese allerdings verlangt von ihm eine klare Entscheidung. Gaspard trifft eine Entscheidung – allerdings jeden halben Tag eine neue Andere Entscheidung.

    Am Ende hat Gaspard drei Frauen versprochen, dass er jeweils mit ihnen zusammen ein paar Tage auf der Insel Ouessant verbringen wird; jeweils allein und jeweils in der letzten Woche bevor er arbeiten muss. Er macht, was wohl fast jeder Mann in dieser Situation angesichts dieser Entscheidung machen würde. Er nuschelt „muss ein Mischpult kaufen“ und macht sich aus dem Staub.

    Die äußere Handlung ist spärlich. Gaspard läuft allein durch Dinard an der bretonischen Smaragdküste. Gaspard sitzt allein im Zimmer und schreibt an seinem Shanty Fille de Corsaire. Margot und Gaspard laufen am Strand von Dinard und reden miteinander. Lena und Gaspard laufen am Stand von Saint-Lunaire und reden miteinander. Solène und Gaspard sind zusammen am Strand von Saint Malo und reden miteinander.

    Menschen am Übergang zwischen Studium und echtem Beruf treffen sich in der Jahreszeit in der normalen Regeln des Alltags ausgesetzt sind, alles in den speziellen Sommermodus fällt. Nur Solène ist entschiedener, will Klarheit. Vor allem mit Solène passiert Handlung jenseits des „sie laufen zu zweit am Meer entlang und reden“. Mit Solène findet der emotionale Höhepunkt statt: Die Ausfahrt auf dem Boot in den Ärmelkanal mit Familie, Akkordion und sie singt Fille de Corsaire.

    Ein Film unentschiedener Leichtigkeit. Wie ein guter Sommer selbst, wunderbar um sich hineinzulegen, aber mit einem natürlichen Ende versehen wenn der erwachsene Alltag kommt und Entscheidungen möchte.

    Ein Seemannslied über die Ebenen Mexikos

    In Sommer werden zwei Shanties gesungen. Neben der Tochter des Korsaren, extra geschrieben für den Film, kommt auch Santiano vor.

    Von Santiano dachte ich, ich kenne den Song, gesungen von der gleichnamigen deutschen Band, die vermutlich einen Song schrieben, um sich selbst zu feiern. Um so verwunderter war ich den Song, hier zu hören, viele Jahre bevor Santiano (Band) sich gründete und vor allem mit einem Text über Saint Malo an der Küste der Bretagne.

    Ist das vielleicht gar kein Santiano-eigener Song? Aber auch kein englischer Shanty, den Santiano (Band) einfach eingedeutscht haben? Ist es eventuell französisch? Hat sich hier ein Stück französische Kultur in den deutschen Mittelaltermarkt-Kanon geschlichen?

    Jein.

    Soweit ich weiß: Santiano (deutsch) und ist eine rockige Überarbeitung von Santiano (französisch)3. Der Text blieb dabei weitgehend unverändert, allerdings wurde bei der deutschen Übersetzung Saint-Malo in der Bretagne durch Hamburg ersetzt. Der eigentliche Ausdruck Santiano hat dabei keine Bedeutung, ist eher Marker von Exotik und Ferne.

    Santiano hat im franzöischen Text auch keine echte Bedeutung, Santiano und Saint-Malo sind aber klanglich so nahe, dass ich als Hörer davon ausgehe, das irgendeine Verbindung besteht.

    Das französische Lied hat Hugues Aufray – bekannt vor allem als Interpret französischer Bob Dylan-Coversversionen – einem älteren englischen Shanty Santiana entnommen4. Es erwarteten mich zwei Überraschungen: Santiana ist ein echter Shanty, wirklich aus dem 19. Jahrhundert5 und wohl wirklich auf Schiffen als Arbeitslied gesungen.6

    Und der Text handelt von den Ebenen Mexikos und General/Präsident Antonio López de Santa Anna und dem mexikanischen Unabhängigkeitskrieg. Entgegen den Lyriks des Songs allerdings ging der Krieg nicht gut aus für Santa Anna – und das trotz der Unterstützung durch private britische Soldaten – also Soldaten die nicht im Auftrag von UK kämpften, aber eigentlich normalerweise schon britische Soldaten waren.

    Santiano ist Santiana ist Santa Anna ist ein Name. Und der hat nur höchst indirekt etwas mit Seefahrt zu tun. Das kam überraschend.

    Links

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    Der Tagesspiegel hat sich den Südkreuz-Rolltreppen auch mal wieder angenommen (leider mittlerweile mit Paywall): „Fürs Eigenheim oder dergleichen“: Berliner Student bietet defekte Rolltreppen vom Südkreuz in einer Kleinanzeige an

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    hotel mama sah linie 1: linie 1 war wirklich lustig und kam so frisch und gutgelaunt rüber wie am ersten tag, dabei lief es zum 2343. mal oder so. theater voll bis auf den letzten platz, publikum singt mit. 5 vorhänge.

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    Ein Hotel sollte ein wirtlicher Ort sein. Unser aktuelles Hotel für drei Tage ist kein wirtlicher Ort.

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    Wann sind eigentlich Internet-Cafés und öffentliche Internet-Terminals ausgestorben? (via kaltmamsell). Ich kann zwei Datenpunkte liefern: 2011 als wir in Yorkshire noch eine Überfahrt von Felixstowe(?) auf den Kontinent zurückbuchen mussten, fest davon ausgegangen waren, es Internet-Café zu erledigen – und es gab keins. Nada. Nichts. Nicht einmal in York. Am Ende fuhren wir direkt in den Hafen zum Fährbüro. 2011 waren Internet-Cafés in Deutschland noch total üblich, im nicht-großstädtischen UK aber komplett ausgestroben. Der zweite Datenpunkt ist 2020 als unser damaliger Nachbarspäte/Internetcafé per Schild verkündete: „Interweg wegen Corona geschlossen.“ Ich glaube das war am Ende des Ende der dortigen Terminals. Mittlerweile wurden sie durch einen Billardtisch ersetzt.

    Anmerkungen

    1. Kabanenbesuch No 5/2026 – damit 16 Euro pro Besuch. ↩︎
    2. Yorck Unlimited No. 37 – damit 6,43€ pro Besuch ↩︎
    3. Tolles Video auch. Ehrlich. ↩︎
    4. Für eine lange Liste traditioneller Einspielungen: Mainy Norfolk: Santy Anna / The Plains of Mexico ↩︎
    5. Laut dem Shanty-Blog Wild Chants with Doggerel Words war der erster Druck 1868: #30-32 Santiana/ The Plains of Mexico ↩︎
    6. Roud-Index No. 207! Das allerdings öffnete gleich das nächste Kaninchenloch „Was ist der Roud Index und wie funktioniert seine Nummerierung? Ein andernmal.“ ↩︎

  • 26-06-30 Shall I compare thee to a summer’s day

    26-06-30 Shall I compare thee to a summer’s day

    Madame machte Sugo für vier.

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    Am Potsdamer Hauptbahnhof gibt es einen Automat, der herren- und damenlose verschlossene Paketsendungen1 für einen kleinen zweistelligen Eurobetrag verkauft. Dann Überraschung! Ich bin stolz auf mich, dass ich der Neugier standhielt ob des Geschäftsmodell. Und ein bißchen traurig.

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    Am Bahnhof Schöneberg unterhielt ein Ohrstöpseltelefoniermann den halben Bahnsteig mit „Wir müssen die Performance-Muster rauskämmen“ – joah.

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    Eine Frau im Kleid mit dem Farbton S-Bahn-Sitz verschmolz optisch mit diesem. Es sieht aus wie so Green-Screen-Aufnahmen auf denen mensch nur Arme und Beine aus dem Nichts hervorschauen sieht.

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    Es war ein Sonntag unerträglicher Hitze und ein Arbeitsmontag erträglicher Schwüle.

    14 lines of iambic pentameter

    Köpererinnerung wird von der Hitze ans Tageslicht gedrückt. Als wir aus unserem klimatisierten Restaurant auf den abendlich-vorgewittrigen Uber Plaza in die Hitzeglocke traten, sagte mein Körper „Mississippi“ – nach dem Kino, halb in der Nacht, auf den Parkplatz, es ist dunkel, aber immer noch dürckend heiß – genau so war es.

    Absurderweise kommt mir dann Ms. Thomas in den Sinn, die wunderbare Englischlehrerin, die in der 12. Klasse nach Lehrplan 10% Chaucer und 90% Shakespeare unterrichtete; seitdem bin ich Shakespeare-Hool.2

    Das Sonnet 18 poppt im Geiste wieder auf. Shall I compare thee to a summer’s day – ein Sonnet aus glücklicheren Zeiten, als ein Sommertag in England noch nicht bedeutete, vor der gnadenlosen Sonne zu fliehen.

    Shall I compare thee to a summer’s day?
    Thou art more lovely and more temperate:

    Das wäre auch noch im Jahre 2026 angemessen, auch Ende Juni. Die Aussage more temperate zu sein als der Brutofen da draußen, ist vielleicht niedrigschwellig, aber ein Kompliment.

    Rough winds do shake the darling buds of May,
    And summer’s lease hath all too short a date:

    Die Kürze des Sommers wird heutzutage hingegen nicht ganz so oft beklagt.

    Sometime too hot the eye of heaven shines,
    And often is his gold complexion dimmed;
    And every fair from fair sometime declines,
    By chance, or nature’s changing course, untrimmed

    Schwieriger wird es mit:

    But thy eternal summer shall not fade,
    Nor lose possession of that fair thou ow’st;
    Nor shall Death brag thou wander’st in his shade
    When in eternal lines to time thou grow’st:

    Zeitlos das Ende

    So long as men can breathe or eyes can see,
    So long lives this, and this gives life to thee.

    Was für ein Paradies es sein muss, in dem Menschen Wollpullover tragen können ohne in die Notaufnahme zu müssen

    Passend zum amerikanischen Wochenende mühte sich unsere 50- bis 78-jährige Reisegruppe den Sonntag wie so amerikanischen Teenager in den 1990ern zu verbringen: Wir hingen in der klimatisieren Mall ab.

    Nach dem erfreulichen Samstag im Kühlparadies UCI Uber Plaza, folgte der Sonntag im UCI Postdam Bahnhofspassage: wieder ging es eine Stunde im gekühlten SUV über Land, dann ins Parkhaus, dann ins Kino, dann etwas essen. Es war nicht mehr Friedrichshain, sondern Potsdam, es war nicht mehr Baujahr 2006 sondern 1999, aber es war ähnlich.

    Das Kino war voll. Wir waren nicht die einzigen mit der Idee. Und da wir eine Vorstellung zur Peak Tageshitze um 13:30h gewählt hatten, waren wir im Kinderparadies gelandet. Fast hätte ich gegen 9-jährige um meinen Rosa-goldenen Slushi kämpfen müssen.

    Wir verbrachten Zeit im Foyer, rätselten über die seltsame Aussicht.

    Das Baufeld ist noch unklar. Aber ich fand inzwischen heraus: Der Turm gehört zur Seniorenresidenz Heilig-Geist-Park, die Ende der 1990ern auf den Fundamenten der gesprengten Heilig-Geist-Kirche entstand.

    Dann verschwanden wir in Saal 7. Noch einmal Glennkill – ein Schafskrimi, diesmal in der deutschen Vorstellung, wir in anderern Formation und diesmal mit Liegesitzen. Die gestochen scharfen Bilder wogen die Klimaanlage am Rande ihrer Leistungsfähigkeit nur mit Mühe auf – es war nicht mehr Vergeh-Heiß, aber schwül und stickig im Saal – das konnte Friedrichshain besser – der Film allerdings war auf deutsch genauso toll und lieb und wunderbar wie auf englisch.

    Danach Eisdiele. Diese servierte auch Pizza. Wir beschlossen zu drei Vierteln, dass wir genug Schweisssalz verloren hatten, und schwenkten spontan zu dieser um. Einkaufszentrums-Spontan-Pizza, was gibt es besseres.

    DON’T MOVE!

    Das Kino: rappelvoll. Die Straßen: rappelleer. Die Wege um die Latifundien herum: ausgestorben. Eine einzige Radtour sah ich um 8:36h. Die einzigen Zeiten zu denen ich mich dort freiwillig bewegte lagen zwischen 23 und 8 Uhr.

    Selbst wenn wir es schafften, die heißesten Stunden des Tages in gekühlten Räumen zu verbringen, blieben reichlich heiße Stunden übrig, bis wir um 23 Uhr endlich die 30 Grad Außentemperatur erreicht hatten. Es galt die Kunst des Minimalismus zu zelebrieren.

    Madames getöpferte Insektentränke wird angenommen. Da wir uns selbst am Sonntag nicht mehr bewegten, hatteen wir die Chance näher in Augenschein zu nehmen. Gerade die Hippiewespen, die friedlichen Feldwespen, nutzten diese eifrig. Manchmal landen sie zu Madames Freude auf dem vorgesehenen Ein- und Ausstieg, viel öfter aber besteigen sie abgefallene Rosenblätter, die nun wie kleine Schiffchen auf dem Wasserbecken dümpeln, und als Lande- und Trinkplatz ausersehen werden.

    Neue Freude: Bahnfahrt live auf der Railmap-App verfolgen

    Ich fragte mich: Mal angenommen, ich würde wirklich auf dem Land leben, sagen wir jenseits von Neuruppin. Und der eine Zug, den ich benötigte, würde ausfallen. Wäre ich etwas stadtnäher, vielleicht Kremmen, gäbe es eine halbe Stunde später eine Alternative, die ebenfalls ausfallen würde. Und der Nachfolger „meines Zuges“, eine ganze Stunde später, hätte 40 Minuten Verspätung mindestens, und aus zwei Zugteilen des eh immer überfüllten Zuges wäre einer geworden.

    Was würde ich dann machen? Eine Stunde vierzig in Neuruppin am Bahnhof stehen? Arbeitgeber oder anderen erklären, warum ich schon wieder zwei Stunden zu spät bin? Fragen, die mir durch den Kopf gingen, während sich am Kremmener Bahnhof die Ereignisse im Brandenburger Tempo überschlugen: Zug um 5.49h gestrichen, Zug um 6:15h gestrichen, Zug um 6:50h einteilig mit mindestens 40 Minuten Verspätung.

    Zum Glück hatte ich Madame dabei, und diese das Auto, so dass wir zur S-Bahn nach Hennigsdorf fahren konnten, und ich wieder weiß, warum ich normalerweise unter der Woche in Berlin bleibe. Die S-Bahn-Fahrt selber ist schön, aber mir fällt Schöneres ein, was ich in diesen Anderthalb Stunden (+x) machen kann.

    Zurück der Regio ab Charlottenburg. Ein Anlass für eine weitere West-Berlin-Exkursion: Irgendwann werde ich begreifen wie dieser Bahnhof funktioniert. Diesmal fuhr der Zug; vollwagig. Wieder mit 40 Minuten Verspätung. Bis ich neben Madame in den klimatisierten Autositz sinken durfte.

    Links

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    Dieses Wochenende im Kino war ein Ding. Auch in Friedrichshain im Kühlpalast war Reading in Sweden (wir müssen uns knapp verpasst haben): Hoffen auf den erlösenden …, und ich glaube weiter im Westen Berlins Sari: Unser #WIB am 27./28.06.2026 – Totalausfall oder doch Hitzefrei?

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    Liebe alles am Text, der beginnt mit „Jede einzelne Zugtoilette hat einen eigenen Computer und Schaltschrank der sie steuert.“ und endet mit „Denn ich vertraue darauf Jesus Christus, ich weiß, dass er immer auf mich aufpasst und einen guten Plan für mich hat. Auch wenn Züge ausfallen und kurzfristig Chaos entsteht weiß er wie ich sicher nach hause komme.“

    Nebenbei stelle ich fest, dass ich weiterhin Null Interesse für Blogsoftware und ähnliches aufbringe, aber computergesteuerte Bahntoiletten – that’s my kind of technology!

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    Schafe! Und Meer! Und kühl! Irgendwann komme ich noch auf die Insel. Bis dahin allerdings: Große kleine Sprache Färöisch (via Zeilenkino)

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    Außerdem habe ich ein Schälchen mit „Streber und stolz darauf“-Buttons im Büro, da können sich alle einen nehmen; gesünder als Süßigkeiten. – kann ich dafür bitte einen Klassensatz für den nächsten Wikipedia-Stammtisch bestellen?

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    Frau Novemberregen mit Freuden des Alters: [I]m Laden lief Gothic und Dark Wave der 80er, ich lobte die Musik, die sich für mich positiv vom ewigen Elektrogedudel des Stammpersonals abhob. Die junge Frau wollte mir die Bands und die damalige Szene erklären und ich sagte „entschuldige Mal“ und erklärte es dann umgekehrt ihr.

    Anmerkungen

    1. Technisch diese Plastikumschläge, die der moderne Versender von heute gerne verwendet. Die passen besser in die kleinen Fächer als echte Kartons. ↩︎
    2. Chaucer natürlich auch. Aber das würde ablenken. Whan that Aprill, with his shoures soote / The droghte of March hath perced to the roote / And bathed every veyne in swich licour, / Of which vertu engendred is the flour; / Whan Zephirus eek with his sweete breeth / Inspired hath in every holt and heeth ↩︎